Rezension: Comic – „Countdown to Darkness“

Wie vor vier Jahren erschien auch im Vorfeld des 12. Star Trek-Kinofilms ein mehrteiliger Comic, der auf die Ereignisse des Kinofilms hinleitet. Diesmal trägt der sogenannte „Countdown-Comic“ den zum Filmtitel passenden Namen „Countdown to Darkness“ und ist inhaltlich deutlich anders angelegt, als „Countdown“ vor vier Jahren. Reichte der damalige Comic den Übergang zwischen der TNG-Ära und dem neuen Universum nach, ist der zeitlich nach dem 11. Kinofilm angesiedelte „Countdown to Darkness“-Comic natürlich vollständig im neuen Universum angesiedelt und erzählt ein neues Abenteuer der Enterprise-Crew.

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Zur Story: Der Tag für Captain Kirk und Commander Spock beginnt früh. Während Spock keinen Schlaf findet, weil er noch immer von Alpträumen – verursacht durch den Tod seiner Mutter und sein Unvermögen, etwas dagegen zu unternehmen – geplagt wird, tritt Kirk ebenfalls schon früh morgens den Dienst an, frustriert von der Einsamkeit des Kommandos und der Tatsache, dass er an Bord niemanden hat, mit dem er reden kann. Die Gemütslage der beiden war schon mal besser und während Kirk an der Abwesenheit einer Bezugsperson leidet, vergrault Spock mit Uhura die einzige, die er hat.

So sind Captain und Erster Offizier rechtzeitig auf der Brücke für die Ankunft der Enterprise beim Planeten Phaedus. Der Planet ist von einer Zivilisation bewohnt, deren Entwicklung ungefähr dem Niveau des irdischen römischen Imperiums entspricht, weshalb die Oberste Direktive einen direkten Kontakt untersagt. Die Enterprise soll demnach nur Scans aus dem Orbit vornehmen, bei denen es aber zu Auffälligkeiten kommt: Auf dem Planeten scheint ein hochenergetisches Störfeld aktiv zu sein, das viel zu fortschrittlich ist, um von den Phaedanern errichtet worden zu sein. Da sich offensichtlich jemand auf Phaedus aufhält, der von der Obersten Direktive nichts hält, beschließt Captain Kirk zusammen mit Spock, Sulu und Sicherheitsoffizier Hendorff in einem Shuttle zum Ausgangspunkt des Störfelds zu fliegen. Trotz niedrigen Anflugs über die zerfurchte, felsige Oberfläche des Planeten wird das Shuttle jedoch entdeckt und sofort unter Beschuss genommen – durch Energiewaffen, die die Phaedaner ebenfalls nicht besitzen dürften. Das Shuttle wird bei der folgenden Bruchlandung irreparabel beschädigt, der Kontakt zur Enterprise wird durch das Störfeld unterbunden und während Hendorff beim verletzten Sulu beim Shuttlewrack bleibt, werden Kirk und Spock bei einer Erkundung der Gegend von Einheimischen gestellt. Diese tragen nicht nur fortschrittliche Energiewaffen, sondern zu Kirks und Spocks Überraschung auch einen alten Sternenflotten-Tricorder bei sich, der von ihrem von der Erde stammenden Anführer stammt. Wie sich herausstellt, findet auf Phaedus ein Bürgerkrieg statt und ein seit Jahren totgeglaubter Sternenflottenoffizier hat sich auf die Seite der Unterdrückten geschlagen: Captain Robert April. Auf der Flucht vor den brutalen Angreifern – den sogenannten „Shadows“ – versucht April dem skeptischen Captain Kirk zu vermitteln, warum er einst seinen Tod vorgetäuscht hatte und warum die Oberste Direktive ein Fehler ist. Und so sehr sich Kirk gegen Aprils Einstellung wehrt, beginnt Kirk ganz langsam seine eigene Einstellung zur Nichteinmischung zu überdenken …

Fazit: Captain April ist nicht die einzige Verbindung, die diese Geschichte mit dem Prime-Universum hat, wenngleich der Lebensweg von April im neuen Universum natürlich ein anderer war. Allgemein erinnert die Geschichte vom Thema her an die TOS-Episode „Der erste Krieg“, in der es ebenfalls um einen Bürgerkrieg auf einem rückständigen Planeten ging, bei dem fortschrittliche Technologie zum Einsatz kam, die von außerhalb zur Verfügung gestellt wurde. Sehr gut gelungen ist es im Comic, Robert Aprils Motivation nicht ohne Zweifel darzustellen. April lügt in manchen Situationen, hat aber auch Rechtfertigungen parat. Es ist lange Zeit nicht klar, ob er in diesem Bürgerkrieg wirklich auf der „richtigen“ Seite steht, oder Kirk und Spock etwas vormacht. April finde ich wirklich gut portraitiert und gut geschrieben. Er ist nicht überaggressiv, er hat die Attitüden eines Raumschiff-Captains, wenngleich er nicht nach dessen Regeln handelt. Was er sagt, hat im Grunde Hand und Fuß und Kirks zwiespältige Einschätzung von April ist zumindest in meinem Fall auch die des Lesers.

Es gibt aber noch weitere Anspielungen auf die Classic-Serie. So wird die moderne Ausrüstung für die Phaedaner von einer weiblichen Schmugglerin geliefert, deren Vater wir ebenfalls aus dem Prime-Universum kennen. Harry Mudds Tochter tritt ganz in seine Fußstapfen, wenn es um illegale Geschäfte geht. Harry scheint übrigens „weit“ herumgekommen zu sein, so dürfte seine Tochter der Nase nach auch bajoranisches Blut in sich haben. (Allerdings ist Bajor lt. dem Star Trek-Sternenaltlas nicht wirklich „Deep Space“.) Und gegen Ende begegnen wir einem klingonischen Commander namens Kor, der zwar sein Gesicht unter einem Helm verbirgt, aber wohl mit dem Militärgouverneur von Organia identisch sein dürfte (dargestellt von John Colicos in der TOS-Episode „Kampf um Organia“ und in einigen Episoden von „Deep Space Nine“).

Wie genau der Countdown-Comic mit „Star Trek into Darkness“ verknüpft ist, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt kurz vor Kinostart des Films natürlich noch nicht hundertprozentig beantworten. Aber angesichts einige bekannter Infos und den Trailern und dem IMAX 3D-Prolog nach zu urteilen, dürften folgende Punkte für den Film eine gewisse Relevanz haben. Wer sich komplett überraschen lassen und unbeeinflusst bleiben will, sollte die Aufzählungspunkte jetzt überspringe!

  • Die Oberste Direktive ist zentrales Thema der Geschichte im Comic und dem Prolog des Films nach wird sie auch zumindest am Beginn des Kinofilms thematisiert werden.
  • Robert April erzählt, dass der Name seines Ersten Offiziers einst Alex Marcus gewesen ist. Ein heißer Tipp ist, dass wir wohl Peter Weller in dieser Rolle in „Star Trek into Darkness“ sehen werden. Es ist noch kein Vorname bekannt, aber Weller wird Admiral Marcus spielen, der auch am Schluss des Comics von Admiral Pike erwähnt wird
  • Mudds Raumschiff bleibt am Schluss des Comics an Bord der Enterprise und Kirk erwähnt, dass es einmal praktisch sein könnte. Nun, man hat in den Trailern bereits gesehen, dass Kirk, Spock und Uhura ein kleines Schiff fliegen werden, das nicht wie ein Sternenflottenschiff aussieht. Würde mich nicht wundern, wenn es im Film als beschlagnahmtes Schmugglerschiff bezeichnet würde.
  • Der große Bösewicht des neuen Films taucht erst auf der allerletzten Seite des Comics auf, aber an einem Ort, der auch im Film prominent zu sehen sein wird.
  • Nur ein Gedanke, aber nicht durch einen Trailer untermauert: Vielleicht sehen wir eine ältere Enterprise im Film. Captain April war wie im Prime-Universum Captain eines Raumschiffs namens Enterprise, rund zwanzig Jahre bevor er nach Phaedus kam. Allerdings handelt es sich im neuen Universum um ein anderes Schiff, das lt. Dialog ein Jahr vor dem Jungfernflug der neuen Enterprise im elften Film außer Dienst gestellt worden ist. Im neuen Universum ist die Enterprise unter Kirks Kommando also bereits das zweite Föderationsschiff dieses Namens. Äußerlich hat sich Zeichner David Messina für das Design von Aprils Enterprise nicht viel einfallen lassen. Sie sieht äußerlich nicht wesentlich anders aus als Kirks Enterprise. Im Inneren sieht sie aber wie eine Mischung aus dem TOS-Design und Elementen der neuen Enterprise-Brücke aus.

Neben der Geschichte von Mike Johnson und Roberto Orci ist bei einem Comic die zeichnerische Interpretation besonders wichtig. David Messina hat bereits den ersten „Countdown“ und „Nero“ gezeichnet und was für diese Comics galt, gilt auch für „Countdown to Darkness“: Sehr detailreiche Bilder, sehr gut dargestellt (mit dem einen oder anderen „Lense Flare“ angereichert), aber stark schwankend wenn es um die Darstellung von Gesichtern geht. Aber im Grunde gibt es keine Stelle, wo man Charaktere miteinander verwechseln könnte. So schlimm ist es bei weitem nicht. Unter Strich solide Arbeit mit einigen Highlights.

Vom Design her ist noch anzumerken, dass Räumlichkeiten auf der Enterprise, die man im letzten Film nicht gesehen hat, gerne stark an die entsprechenden Räumlichkeiten in der Classic-Serie erinnern. So wie die Quartiere von Kirk und Spock oder zum Teil auch der Konferenzraum und der Freizeitraum. Solche Anleihen haben sich aber so gut wie alle Zeichner der „Ongoing“-Reihe auch genommen, also sind Messinas diesbezügliche Design-Entscheidungen sogar konsistent.

Bewertung: Allgemein fügt sich „Countdown to Darkness“ sehr gut in die „Ongoing“-Reihe ein, das Setting zwischen den beiden Kinofilmen legt das auch nahe wie auch die leichte Anlehnung an ein aus der TV-Serie bekanntes Thema. „Countdown to Darkness“ ist dennoch ein eigenständiges Abenteuer, genau wie der Countdown-Comic vor vier Jahren, das aber wahrscheinlich mehr thematisch mit dem Film verknüpft sein wird. Bei meinem künftigen Review zum Kinofilm werde ich auf diese noch offene Frage zurückkommen und sie hoffentlich besser beantworten können.

Für sich stehend ist „Countdown to Darkness“ aber auch ein interessantes Abenteuer der Enterprise-Crew und mit Robert April gibt es auch einen sehr gut geschriebenen Gastcharakter, weshalb ich dem Comic 5 Sterne geben.

5stars

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