Rezension: TOS – “The Weight of Worlds”

Nachdem mit „Devil‘s Bargain“ in diesem Jahr von Pocket Books ein TOS-Roman von einem neuen Autor geschrieben wurde, steuert den nächsten TOS-Roman wieder ein wahrer Star Trek-Veteran bei: Greg Cox erfreut sich vor allem dank seiner Khan-Trilogie („The Eugenics Wars Part 1+2“ und „To Reign in Hell“) und der Trilogie „Das Q-Kontinuum“ besondere Bekanntheit und Beliebtheit unter den Fans. Sein letzter TOS-Roman „The Rings of Time“ von 2012 war hingegen ziemlich missglückt und leider ist auch sein neuester Roman nicht viel besser geworden.

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Dabei ist die Story eigentlich ganz klassisch: Die Enterprise folgt einem Notruf der Kolonie auf Ephrata IV, einem abgelegenen Wissenschafts- und Intellektuellenzentrum, das von einer Bekannten von Captain Kirk geleitet wird. Bei Ephrata IV angekommen ist es dort aber verdächtig ruhig – bis sich Kirk, Spock, Sulu und Ensign Yaseen runterbeamen und bemerken, dass sämtliche Bewohner der Kolonie auf sonderbare Weise „bekehrt“ wurden und nun willenlos den Befehlen einer Gruppe religiös motivierter Außerirdischer folgen. Diese entstammen einer Welt namens Ialat, die nicht in unserer Dimension liegt und deren Bewohner in völliger Harmonie leben. Doch mit Entsetzen reagierte vor allem der dort herrschende Gott-König, als die Existenz einer anderen Dimension bekannt wurde und so entsendete er eine Gruppe von Kriegern durch ein Dimensionsportal, um auch unserer Dimension ihre „Wahrheit“ missionarisch und mit Waffengewalt aufzuzwingen.

Sowohl das Außenteam als auch die Enterprise machen unliebsame Bekanntschaft mit den technologischen Möglichkeiten der Ialatl-Krieger, die meisterhaft lokal die Gravitation beeinflussen können und dies zu ihrem Vorteil nutzen. Während Sulu und Yaseen auf Ephrata IV bleiben und ihre „Bekehrung“ droht, werden Kirk und Spock durch das Dimensionsportal nach Ialat gebracht, wo es allerdings nicht so friedlich zugeht, wie man hätte meinen können. Und auch der Enterprise, die die Ialatl-Krieger in ihre Gewalt bringen wollen, da sie selbst keine interstellare Raumfahrt beherrschen, muss Lieutenant Uhura im wahrsten Sinne des Wortes mit einer zunehmenden Last, die auf ihren Schultern liegt, zurechtkommen.

Fazit: Wie schon gesagt, das klingt wirklich alles nach schön klassischer Space Opera. Ein Hilferuf, dem die Helden folgen um sich einer extradimensionalen Macht zu stellen, die mit Gewalt in unser Raum-Zeit-Kontinuum drängt um deren „Wahrheit“ zu verbreiten. Dazu noch drei größere Schauplätze: die Enterprise, Ephrata IV und Ialat (letztere Welt ist sehr spektakulär beschrieben). Und noch eine sehr überschaubare Anzahl an Seiten, was angesichts der vielen Schauplätze eigentlich für ein höheres Erzähltempo sorgen sollte. Aber so wirklich mochte der Funke nicht überspringen.

Die Geschichte ist geradlinig erzählt, sehr schnörkellos, wenngleich die Welt von Ialat durchaus etwas Ausschmückung erfährt und die Einleitung mit einigen Bewohnern von Ephrata IV etwas ausgedehnter ist (und leider für den späteren Verlauf der Geschichte unnütz). Aber das macht die Geschichte auch ziemlich vorhersehbar. Große Überraschungen fehlen, was die Charaktere zum Teil als große Überraschung empfinden, hat mich ziemlich gleichgültig zurückgelassen. Was ebenfalls etwas gestört hat, waren die doch sehr häufig eingeworfenen Anspielungen auf diverse TOS-Episoden. Sie sind nämlich nicht spezifisch, sondern nur allgemein eingeworfen, wenn sich der eine oder andere Charakter an eine Begebenheit eines anderen Abenteuers erinnert fühlt. Der offene Hinweis auf die Unoriginalität einzelner Bestandteile der Geschichte helfen auch nicht gerade, sie besonders zu mögen.

Betreffend die Charaktere hat mir zumindest gefallen, dass neben Kirk und Spock auch Sulu und Uhura etwas zu tun bekommen. Sulu hat eine Fechteinlage und Uhura darf in einer Krisensituation sogar auf dem Kommandosessel der Enterprise Platz nehmen. Ansonsten gibt es bei der Enterprise-Crew nicht viel Neues, dafür aber auch keine wirklichen out-of-character-Momente. Und was den Roman auf jeden Fall über Cox‘ „The Rings of Time“ hebt, ist die Auflösung, bei der sowohl Kirk als auch Spock etwas für sie ganz Typisches beisteuern, was sich absolut richtig anfühlt.

Dass die Story mich über weite Teile aber einfach nicht fesseln konnte, lag wohl wirklich an den Ialatl. Da sind zwar viele gute Ansätze drinnen, aber so richtig interessiert haben die mich eigentlich nicht. Das liegt einerseits daran, dass sie bis zur Mitte des Buches immer wieder sagen, dass sie die „Wahrheit“ bringen, aber sonst nicht wirklich redselig sind oder gar genauer erklären, was ihr Problem mit unserer Dimension ist – abgesehen von ihrer reinen Existenz. Auch das Dimensionsportal als Brückenkopf wird nicht wirklich dazu genutzt. Mal abgesehen davon, dass sie die Enterprise unter ihre Kontrolle bringen wollen, scheinen diese extradimensionalen Kreuzritter ziemlich zufrieden mit dem Ist-Zustand nach ihrer Ankunft auf Ephrata zu sein. Mir erscheint es einfach nicht ausgewogen, wenn man einem Gegner solche Möglichkeiten gibt, dieser aber dann – relativ – zahm auftritt.

Bewertung: Besser als „The Rings of Time“ ist der Roman schon, vor allem weil im Gegensatz zu Cox‘ vorangegangenem Roman die Auflösung wirklich gelungen ist. Aber da der Weg dorthin doch recht mühselig zu lesen war, geht sich nicht mehr als eine Durchschnittswertung aus: 3 von 6 Sterne!

3stars

Anmerkung:

Wie seit Beginn 2013 üblich trägt auch „The Weight of Worlds“ als TOS-Ära-Roman den Reihentitel „The Original Series“ unterhalb von „Star Trek“. Das Cover-Design ist ziemlich retro geraten, aber gefällt mir.

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