Rezension: GOR – “A good Day to die”

Anfang 2001 im TNG-Roman „Diplomatic Implausibility“ vorgestellt und nach einem Gastauftritt in der „The Brave and the Bold“-Reihe Ende 2002, gingen ein Jahr später die Abenteuer des Raumschiffs Gorkon und seiner Crew im Rahmen einer eigenen Romanreihe erst so richtig los. Der bekannte Star Trek-Romanautor Keith R. A. DeCandido schickt die I.K.S.  Gorkon und ihre über 2.000 Mann starke Besatzung los, um neue Welten zu erobern, unbekannte Zivilisationen zu unterjochen und dorthin zu gehen, wo kein Klingone je gewesen ist.

 Gorkon_Cover_1

Das neue Territorium, das es für das Klingonische Imperium zu erobern gilt, ist der Kavrot-Sektor. Kanzler Martok hofft, nun nach dem Ende des Dominion-Krieges, das Reich wieder zu alter Stärke zu führen und in diesem bislang kaum erforschten Raumgebiet neue Ressourcen zu finden. Zusammen mit den 11 anderen Schiffen der Chancellor-Klasse wird die I.K.S. Gorkon unter dem Kommando von Captain Klag entsendet. Während der langen Reise zum und den ersten ereignislosen Wochen im bislang unerforschten Kavrot-Sektor bekommt die teilweise neu zusammengestellte Crew Gelegenheit sich kennenzulernen – und auf einander los zu gehen. Die Lage an Bord spitzt sich zu, denn von den versprochenen glorreichen Triumphen ist weit und breit keine Spur zu sehen und selbst der Captain wird ungeduldig nachdem er erfährt, dass sein verhasster Bruder – der Captain der I.K.S. K’mpec – bereits in einem anderen Bereich des Sektors erfolgreich war.

Doch die angespannte Situation löst sich, als die Heimatwelt der „Kinder von San-Tarah“ gefunden wird. Der Planet ist schwer erreichbar aufgrund zahlreicher Subraumanomalien im Orbit. Dennoch gelingt es der Gorkon, sich dem Planeten zu nähern, um Bodentruppen abzusetzen, die aufgrund der Anomalien keine Energiewaffen zur Eroberung der einheimischen Bevölkerung verwenden können. Die Klingonen begegnen den „Kindern von San-Tarah“ in der ersten Schlacht auf Augenhöhe und beide Seiten erkennen dabei, viel gemeinsam zu haben. Die kriegerische San-Tarah-Kultur stellt das Ideal eines jeden klingonischen Kriegers dar und so trifft man ein Abkommen: In fünf Wettkämpfen – Jagd, Seeschlacht, Eroberung, Gewichtheben und Schwertkampf – sollen die Klingonen gegen die „Kinder von San-Tarah“ antreten. Gewinnen die Klingonen, werden sich die Verlierer widerstandslos dem Imperium eingliedern und die Klingonen erhalten uneingeschränkten Zugang zu den reichen Bodenschätzen des Planeten. Gewinnen die Einheimischen, müssen die Kligonen abziehen und bei ihrer Ehre schwören, nie mehr zurückzukehren. Natürlich Ehrensache, dass Captain Klag diese Bedingungen akzeptiert. Mögen die Spiele beginnen!

Fazit: Bereits aus dem TNG-Roman „Diplomatic Implausibility“ weiß man, dass erstaunliche viele Klingonen, die man aus den TV-Serien TNG und DS9 kennt, auf der Gorkon Dienst tun. Das macht es etwas leichter, die Übersicht zu behalten, denn während ein nicht zu unterschätzender Teil des TNG-Romans von 2001 noch Botschafter Worf und ein paar wenige Gorkon-Offiziere in den Mittelpunkt stellte und andere Klingonen eher im Hintergrund blieben, bekommen in „A good Day to die“ auch die Nebenrollen wichtiges zu tun und die Charaktere werden noch etwas deutlicher beleuchtet. Vor allem in der ersten Hälfte des Romans muss man daher ziemlich aufpassen, die Leute mit den ungewöhnlichen Namen nicht durcheinander zu bringen. Neben den typischen Offizieren, die ähnliche Rollen einnehmen wie auf der Brücke eines Föderationsschiffs, lernt man nämlich auch Leibwächter, einfache Soldaten, Gruppen- und Truppenführer kenne und interessanterweise erfährt man sogar, dass für niedere Aufgaben Mitglieder von Dienervölkern auf einem Klingonenschiff arbeiten.

Sehr gut hat mir die Stimmung gefallen, die auf dem Klingonenschiff während der verschiedenen Phasen der Mission und des Wettkampfs vorherrscht und wie die einzelnen Charaktere darauf reagieren. „A good Day to die“ erzählt definitiv eine Geschichte, die wirklich nur von Klingonen erlebt werden könnte. Die Crew der Gorkon verhält sich völlig konträr zur Crew eines typischen Föderationsschiffs, die nur friedliches Erforschen im Sinn hätte. Die Motive der Eroberung und des Wunsches nach Konflikt unterscheidet das Abenteuer der Gorkon-Crew von jeder Geschichte, die über ein Schiff wie die Enterprise, die Voyager oder selbst die Defiant erzählt werden könnte.

Die „Kinder von San-Tarah“ sind in der ersten Hälfte des Buches – noch vor ihrer Begegnung mit den Klingonen – noch etwas schwer erfassbar. Autor DeCandido beschriebt ihr Verhalten in dieser Phase wie selbstverständlich, was aber – abgesehen von der Darstellung ihrer eigenen Kampfeslust – nicht viel zur Charakterisierung beiträgt. Das ändert sich aber sobald diese wolfartigen Humanoiden aus der Sicht der Klingonen beschrieben werden. Ab dem ersten Kampf und den folgenden Gesprächen erscheinen Klingonen und Einheimische als Gleichgestellte und die folgenden Wettkämpfe sind spannend beschrieben, vor allem Toqs einsame Jagd, bei der einem der etwas überaggressiv wirkende Junge aus „Diplomatic Implausibility“ doch ein bisschen sympathischer wird. Von den Wettkämpfen wirkt nur die Seeschlacht etwas sonderbar, aber … naja, das ist sie für die Klingonen ja auch, also passt das schon. 😉

Anzumerken ist noch, dass „A good Day to die“ mit einem Cliffhanger endet, der direkt auf das 2. Buch der Gorkon-Reihe „Honor Bound“ überleitet. Dennoch lässt sich „A good Day to die“ auch alleinstehend gut bewerten, die Haupthandlung findet einen gelungenen Abschluss und die entscheidende Wendung, um die es im 2. Buch gehen wird, wird erst gegen Ende eingeführt.

Bewertung: Nach der starken Einleitung (Captain Klag wird auf Ty’Gokor geehrt, wo auch Botschafter Worf einen kurzen Gastauftritt hat) und der Entsendung der Gorkon in den Kavrot-Sektor wird die Vorstellung der vielen Charakter (die ohnehin nicht alle bis zum Schluss überleben werden) etwas mühsam. Typisches „Pilotfilm-Syndrom“, würde ich sagen, aber wenn man konzentriert dran bleibt, dann hat man für die zweite Hälfte des Romans was davon, denn die Kämpfe gegen die „Kinder von San-Tarah“ sind äußerst gelungen beschrieben und die Geschichte ist an sich sehr schön und zeigt, dass Klingonen entgegen des weit verbreiteten Klischees nicht nur Wilde sind, die auf alles los gehen, was sie niedermetzeln können, sondern im Rahmen ihre Kultur auch sympathisch Handeln können und für die Fähigkeiten anderer offen sein können. Ein guter Start für die „I.K.S. Gorkon“-Romanreihe, dem ich 5 von 6 Sterne gebe.

5stars

Anmerkung:

Im Gegensatz zu „Diplomatic Implausibility“, das zeitlich nach der „The Left Hand of Destiny“-Duologie (Teil 1 | Teil 2) angesiedelt ist aber schon davor erschien, erschien „A good Day to die“ nach dem TNG-Roman und der Duologie und spielt auf Ereignisse dieser vorangegangenen Romane auch gelegentlich an. Wer die Klingonen-Romane, die zeitlich nach dem Ende von „Deep Space Nine“ angesiedelt sind, nach den chronologischen Ereignissen lesen möchte, sollte also zuerst DS9 „The Left Hand of Destiny“ lesen, danach TNG „Diplomatic Implausibility“ und dann die Gorkon-Romane und zum Schluss „A Burning House“, das als einziger Roman bisher in der Reihe „Klingon Empire“ erschien aber in dem es ebenfalls um die Crew der I.K.S. Gorkon geht.

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