Rezension: GOR – “Honor Bound”

Der zweite Roman der Gorkon-Reihe nimmt direkt Bezug auf den Ausgang des ersten Romans „A good Day to die“. Am Schluss des ersten Romans wurde die Grundlage für einen Konflikt gelegt, der in „Honor Bound“ so richtig ausbricht und dazu führt, dass dieser Roman fast aus einer durchgängigen Schlacht besteht. Hört sich langweilig an? Ist es aber gar nicht. Einerseits weil „Honor Bound“ relativ kurz ist, anderseits weil er sehr abwechslungsreich ist, mit vielen Schauplätzen aufwartet und die Charakterisierung der Klingonen nicht zu kurz kommt.

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In „A good Day to die“ wurde der Schlachtkreuzer Gorkon unter Captain Klags Kommando in den Kavrot-Sektor geschickt, um neue Welten für das Imperium zu erobern. Da man auf der Welt San-Tarah einem Kriegervolk begegnete, das den Klingonen nicht unähnlich ist, beschloss Klag, die Aufnahme von San-Tarah ins Imperium nicht von einer Schlacht abhängig zu machen, sondern durch einen Wettstreit. Doch Klags Vorgesetzter – General Talak, der eine Unterstützungsflotte kommandiert, die auf Abruf bereit steht – ehrt das Abkommen nicht und will San-Tarah mit einem Militärschlag gewaltsam ins Imperium eingliedern. Ein unehrenhaftes Verhalten, lässt es doch Klag gegenüber den Einwohnern von San-Tarah als Lügner dastehen. Der Captain der Gorkon fällt daher die einzige Entscheidung, die er als ehrenvoll erachtet: Er weigert sich, Talak unterzuordnen und beschließt, an der Seite der San-Tarah um deren Freiheit zu kämpfen. Da Talak über eine ganze Schiffsflotte befehligt, sind aber noch andere Verbündete nötig und so kontaktiert Klag die Mitglieder des „Orden des Bat’leths“, in den Klag kurz vor seinem Aufbruch in den Kavrot-Sektor eingeführt worden ist.

Fazit: Eigentlich ist „Honor Bound“ die Klingonen-Variante des Kinofilms „Star Trek: Der Aufstand“. Auch hier entscheidet er Captain eines einzigen Schiffes, dass das Vorgehen eines Vorgesetzten gegen die kleine Bevölkerung eines Planeten nicht richtig sei und verbündet sich mit den Einheimischen. Wer mein Review zu „Der Aufstand“ gelesen hat, der weiß, dass ich nicht gerade ein Fan dieses Films bin. Aber glücklicherweise ist das kein schlechtes Omen für „Honor Bound“. Denn der Roman umgeht schon mal die größte Sünde des Films: Der Roman ist nämlich alles andere als harmlos! Wie man es von einem Klingonen-Roman erwarten kann, stellen sich die Klingonen von der I.K.S. Gorkon dem Kampf anstatt sich vor dem Feind zu verstecken, was zu blutgetränkten Schlachtfeldern führt. Der Roman ist dabei nicht ganz so brutal wie die „The Left Hand of Destiny“-Duologie (Teil 1 | Teil 2), aber es geht doch recht heftig zur Sache und für die einzelnen Charaktere ist die Lage auch sehr interessant. Im Mittelpunkt steht einerseits die Führungscrew der Gorkon und speziell Captain Klag, der im Orbit ein Gefecht gegen seinen eigenen Bruder führt wie auch gegen einen General, der sich an Klag rächen will. Unten auf dem Planeten konzentriert sich die Geschichte auf Gruppenführerin Wol, die nicht nur mit einem Verräter in ihrer Kampfgruppe zu kämpfen hat, sondern auf dem Schlachtfeld unverhofft mit ihrer Vergangenheit konfrontiert wird. Auch die weiteren Charaktere wie Doktor B’Oraq und Chefingenieurin Kurak (speziell in diesem Roman sieht man sehr viele klingonische Frauen in Führungspositionen, auch auf anderen Schiffen von Talaks und Klags Flotte) haben wichtige Rollen und ihre Geschichten während der tobenden Schlacht werden je nach Schauplatzwechseln regelmäßig über den ganzen Roman hinweg fortgeführt. Hilfreich ist auch, dass es weniger „unterstützende“ Charaktere gibt, die noch im ersten Gorkon-Roman etwas übermäßig viel Platz eingeräumt bekamen.

Trotz der Kürze des Romans und sehr viel Action kommt also auch die Charakterisierung der Klingonen nicht zu kurz. Etwas in den Hintergrund gedrängt werden die Einwohner von San-Tarah. Deren kulturelle Eigenheiten wurden bereits im Vorgängerroman sehr ausführlich dargestellt. Dennoch wäre es gerade angesichts des Schlusses vielleicht hilfreich gewesen, die Ereignisse aus „A good Day to die“ noch etwas deutlicher zu wiederholen als nur am Beginn des Romans. Obwohl „Honor Bound“ eine Fortsetzung ist, dürfte der Prolog ausreichen, damit man als Leser auch ohne Kenntnis der vorangegangenen Romans mit der Handlung von „Honor Bound“ zurechtkommt. Aber gerade der Schluss dürfte dann etwas überraschend kommen. Dieser wirkt sicher runder, wenn man „A good Day to die“ gelesen hat, wenngleich dann allerdings ein Überraschungseffekt verloren geht. Eine zweischneidige Sache also: Kennt man das erste Buch, kommt die Auflösung wenig überraschend. Kennt man es nicht, wirkt der Schluss aber wahrscheinlich wie aus dem Hut gezaubert.

Bewertung: Ausgedehnte Action-Sequenzen in Romanen können leicht langweilig werden, aber Autor Keith R. A. DeCandido umschifft dieses häufige Problem, indem die Schlacht nur Rahmen ist für mehrere Geschichten, die einzelne Charaktere betreffen. Das Spannungslevel ist dabei weniger hoch als bei den Wettkämpfen im ersten Roman (obwohl auch deren Ausgang durchaus vorhersehbar war), aber „Honor Bound“ bleibt über die gesamte Länge des Romans interessant und das Tempo so hoch, dass man immer weiterlesen möchte. Ein gutes Buch also, dem ich aber einen Stern weniger verleihe als dem Vorgänger, der – trotz störendem „Pilotfilm-Syndrom“ – einfach noch etwas origineller war. Die Vergleich mit „Der Aufstand“ zeigt auch, dass zumindest das Grundgerüst der Handlung im Gegensatz zu jener von „A good Day to die“ jetzt nicht exklusiv „klingonisch“ ist. Daher gibt es von mir 4 von 6 Sterne.

4stars

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