Rezension: “Star Trek – Das Skizzenbuch”

Beim 1998 bei Heyne erschienenen Titel handelt sich um ein tolles Design-Buch, das sich voll und ganz der Classic-Serie und den Künstlern widmet, die im Art Department Woche für Woche daran gearbeitet haben, in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts möglichst futuristische Sets und Requisiten zu planen und zu bauen sowie Kostüme und Masken für fremdartige Aliens und die Menschen in einer fernen Zukunft herzustellen.

skizzenbuch

Das Buch ist speziell den Arbeiten von Walter M. Jeffries, William Ware Theiss, Fred Philips und Wah Chang gewidmet, die alle zusammen für den besonderen Look der klassischen Star Trek-Serie gesorgt und ikonische Designs erschaffen haben, die auch heute, fast 50 Jahre später, als Referenz dienen und gleichermaßen ein Stück Hollywood-Geschichte sind.

Ein ansehnlicher Abschnitt des Buches ist speziell der Arbeit von Art Director Jeffries gewidmet, der auch die ursprüngliche Enterprise erschaffen hat. Viele, viele Skizzen zeigen, welche Entwicklung das Raumschiff Enterprise genommen hat, bis es schließlich so aussah, wie man es aus der Serie kennt.

Natürlich gehörte auch die Set-Gestaltung zur Aufgabe eines Art Directors. Auf begrenztem Platz und mit noch stärker begrenztem Budget mussten unter andauerndem Zeitdruck ständig neue Sets auf- und abgebaut werden. Ein neuer Planet, ein neuer Raum an Bord der Enterprise, ein riesiger Obelisk im Freien. Zweckmäßigkeit stand hier über allem anderen und so kann man durchaus sagen, hat Jeffries aus der Not eine Tugend gemacht. Einfachheit und Funktionalität prägen sehr viele seiner Entwürfe. Neben Dutzenden Skizzen ist das besondere Highlight dieses Kapitels für mich eine 18-teilige Fotoserie, die ein Miniatur-Set der Enterprise zeigen. Jeden Korridor und jeden Raum, den es als stehendes Set für die Enterprise gab, hat Jeffries im Kleinformat verblüffend detailreich nachgebaut, damit die Regisseure kommender Folgen bereits ihren Dreh besser planen konnten, während gleichzeitig am echten Set selbst noch die aktuelle Folge gedreht wurde.

Ein Foto des Miniatursets, das eine exakte Nachbildung des realen Sets darstellt.

Ein Foto des Miniatursets, das eine exakte Nachbildung des realen Sets darstellt.

Auch Entwürfe von kleinen Requisiten finden sich unter den Skizzen. Für die aber wahrscheinlich bekanntesten Requisiten der Serie war der Designer Wah Chang verantwortlich. Bereits die Laser-Pistole aus den beiden Pilotfilmen stammten von ihm. Aber zu wahrem Wiedererkennungswert brachten es schließlich die letztendliche Version der Phaser-Pistole. Auch der aufklappbare Kommunikator und der Tricorder stammen von ihm. Er stellte er Produktionsfirma Desilu damals 1966 lediglich ein paar 100 Dollar pro Stück in Rechnung. (Scans der Originalrechnungen finden sich sogar im Buch). Heutzutage sind diese Original-Requisiten ein Vermögen wert. Ebenfalls von Chang stammt das Modell für das romulanische Raumschiff aus „Spock unter Verdacht“, die Helme und Ohraufsätze der Romulaner sowie die aufwändigen Kostüme für den Salzvampir aus „Das Letzte seiner Art“ und natürlich für den Gorn aus der Episode „Ganz neue Dimensionen“.

Ein Gorn in Einzelteilen.

Ein Gorn in Einzelteilen.

Beeindruckende Masken zu dieser Zeit und auch wenn vieles an der Original-Serie heute recht „trashig“ aussieht, zeigt dieses Buch doch zumindest, wie viel Arbeit hinter der Erschaffung eines Monsters steckte. Das gilt natürlich auch für Fred Philips Arbeit, die ebenfalls schon mit dem ersten Pilotfilm der Serie begann. Die Talosianer mit den pulsierenden Adern an den gigantischen Köpfen, der Neanderthaler-artige Kaylar sowie die Verwandlung von Vina in eine Orionerin oder in ihre wahre Gestalt gehörten zu seinen Schöpfungen. Philips blieb der Serie treu und arbeitete schließlich auch am ersten Kinofilm mit. Fotos seiner Klingonen und Vulkanier sind ebenfalls im Buch enthalten.

Und ebenfalls nicht fehlen darf die Arbeit von William Ware Theiss, dessen Kostüme für die Serie strikt dem Motto „Weniger ist mehr“ gefolgt sind, was nicht nur praktikabel war, sondern bei so manchem knappen Kostüm der weiblichen Darstellerinnen definitiv auch andere Vorzüge hatte. 😉 Aber obwohl die knappen Outfits der weiblichen Gastdarsteller (z.B. Mudd’s Frauen oder Elaan von Troyius) so etwas wie Theiss‘ Markenzeichen waren (obwohl die Kostüme bei genauer Betrachtung weit weniger offenbaren als es den Anschein hat), hat Theiss neben den normalen Dienstuniformen der Sternenflotte für die Serie auch viele weitere schöne Kostüme entworfen und geschneidert, die ebenfalls gut bebildert sind – sowohl durch Skizzen als auch Fotos des Endprodukts.

Fazit: Die Optik der klassischen Star Trek-Serie ist nicht jedermanns Sache, wie ich weiß. Ich selbst habe eine Weile gebraucht, bis ich echtes Gefallen an diesem Look gefunden habe, aber inzwischen mag ich das besondere Design von TOS wirklich sehr und daher empfehle ich persönlich auch dieses Skizzenbuch allen, die am Produktionsdesign der „Zukunft aus Sicht der 60er-Jahre“ interessiert sind. Es ist auch ein wirklich gut strukturiertes Buch, jeder Fachbereich wird gesondert behandelt, einleitend wird etwas über die Künstler berichtet (hauptsächlich was sie abgesehen von TOS noch so professionell gemacht haben, aber auch ein Bisschen was persönliches) worauf man anschließend eine geballte Ladung an Bildmaterial spendiert bekommt. Näher kann man am Design-Prozess der klassischen Serie nicht mehr dran sein als mit diesem Buch – außer man hat damals selbst mitgearbeitet. 😉 Für alle Interessierten, die beim Gedanken an die spezielle Optik von TOS nicht sofort die Nase rümpfen (oder besser gesagt die Augen schließen), ist das Buch eine wahre Goldgrube und verdient sich natürlich 6 Sterne!

6stars

Anmerkung; Zum Anlass dieses Artikels habe ich die drei bisherigen Artikel zu weiteren Star Trek-Designbüchern um einige Bilder ergänzt. All diese Designbücher sind absolut hervorragend und beinhalten so viel Bildmaterial, dass es sogar vermessen wäre, bei den von mir angeführten Bildern auch nur von einem „Bruchteil“ der enthaltenen Fotos und Skizzen zu sprechen.

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