Rezension: KLE – “A Burning House”

Nach „I.K.S. Gorkon“ folgt „Klingon Empire“. Zumindest war 2007 noch angedacht gewesen, die Romanreihe rund um die Abenteuer des Schlachtkreuzers Gorkon in eine neue Romanreihe münden zu lassen. Aber bis heute blieb „A Burning House“ der einzige Roman, der unter dem Reihentitel „Klingon Empire“ erschienen ist, die neben Abenteuern auf der Gorkon eigentlich auch mehr über die Abläufe innerhalb des Imperiums erzählen hätte sollen. „A Burning House“ tut das durchaus, aber dennoch geht es auch in diesem Buch fast ausschließlich um die Crew der Gorkon. Nur mit der Ausnahme, dass sie nicht in den Tiefen des Weltalls unterwegs sind, sondern sich im Imperium verstreuen, während ihr Schiff einer mehrwöchigen Reparatur unterzogen wird.

 burninghouse

Klingonen auf Urlaub? Ist das wirklich interessant? Absolut, denn selbst die Freizeit der Crewmitglieder ist nicht frei von Konflikten. Und weil im Roman im Grunde 7 Geschichten parallel erzählt werden, kommt auch keine Langeweile auf. Hier kurz zusammengefasst, was die einzelnen Crewmitglieder während der Reparatur ihres Schiffes so alles erleben:

Auch Ärzte haben ihre Schlachte zu schlagen. Schiffsärztin B’Oraq tut dies bei einer medizinischen Konferenz, bei der das Interesse an ihren fortschrittlichen Techniken aber höchst gering ist, sie sich sogar als Verräterin bezeichnen lassen muss, denn die mittelalterlichen Methoden klingonischer Ärzte gelten immer noch als das Nonplusultra in dieser Gesellschaft. Selbst Kanzler Martoks Unterstützung von B’Oraqs Initiative ändert nur wenig an dieser veralteten Sichtweise einer ganzen Berufsgruppe.

Der Charakter Klag trat erstmals in der TNG-Folge "Der Austauschoffizier" auf.

Klag trat erstmals in der TNG-Folge „Der Austauschoffizier“ auf.

Captain Klag wird währenddessen wie alle Captains der Chancellor-Klasse-Schiffe zu einer Missionsnachbesprechung vorgeladen und bereits dort ahnt er, dass der klingonische Geheimdienst noch ein Wörtchen mit ihm wechseln würde. Denn bei der letzten Schlacht um den Planeten Elabrej ist Klag nicht gerade zuvorkommend mit einem Spion des Geheimdienstes umgegangen. Aber dieser kleine Disput sollte noch das Geringste von Klags Problemen werden. Denn Klags Bruder Dorrek, der von Klag aus dessen Haus geworfen wurde, weil er bei San-Tarah nicht den Befehlen seines älteren Bruders gefolgt war, hat einen perfiden Plan ausgeheckt, um sich an Klag zu rächen

In der DS9-Folge "Die Söhne von Mogh" wurde Worfs Bruder Kurn zu Rodek.

In der DS9-Folge „Die Söhne von Mogh“ wurde Worfs Bruder Kurn zu Rodek.

Waffenoffizier Rodek – vor seiner Gedächtnislöschung der entehrte Bruder des jetzigen Föderationsbotschafters Worf – erinnert sich langsam an sein früheres Leben. Die Eindrücke sind fragmentarisch und unzusammenhängend, aber er kapiert, dass das Leben vor seinem Gedächtnisverlust nicht so war, wie es ihm erzählt wurde. Zu weiteren Nachforschungen kehrt Rodek schließlich an jenen Ort zurück, an dem für ihn alles begonnen hat: zur Raumstation Deep Space Nine. Dort trifft er nicht auf einen sich sehr zugeknöpft gebenden Doktor Bashir, sondern auch auf Captains Klags Erzfeind, der Rodeks Zustand zu seinen Zwecken auszunützen versteht.

Führerin Wol nimmt erst widerwillig die Einladung von Kagak – einem Mitglied ihrer Kampfgruppe – an, zusammen mit dessen Familie auf Pheben III eine klingonische Version des Erntedankfestes zu feiern. In dieser Agrarkolonie fühlt sich Wol anfänglich sehr fremd, doch lernt sie die Vorzüge dieses Lebens – und die Gastfreundschaft von Kagaks Familie – sehr zu schätzen.

Bekk G’joth, ein weiteres Mitglied von Wols Kampfgruppe, verbringt seine freie Zeit lieber in der Heimat. Doch muss er feststellen, dass Krennla seit seinem letzten Besuch ganz schön heruntergekommen ist und es auch mit der Firma seines Vaters bergab gegangen ist. Etwas Ablenkung von der Tristesse findet er im Theater, wo seine Schwester als Chorsängerin arbeitet und eine Oper zur Schlacht von San-Tarah produziert wird. G’joth wird zwar als Berater angeheuert, doch merkt er schnell, dass Authentizität bei diesem Werk nicht gerade von besonders großer Bedeutung ist.

Toq verließ Carraya zusammen mit Worf in der TNG-Folge "Der Moment der Erkenntnis"

Toq verließ Carraya zusammen mit Worf in der TNG-Folge „Der Moment der Erkenntnis“

Der Erste Offizier Toq reist zu seinem Adoptivvater, doch während der Reise fängt sein Schiff ein Notsignal von seiner eigentlichen Heimat auf: Der Planet Carraya IV, auf dem sich ein geheimes Lager befindet, wo Romulaner und klingonische Gefangene von Kithomer seit Jahrzehnten friedlich zusammenleben, wurde angegriffen. Dort angekommen stellt Toq entsetzt fest, dass nur der romulanische Aufseher Tokath und dessen halb-klingonische Tochter überlebt haben. Unterstützt von Toqs Adoptivvater, der beim Geheimdienst arbeitet, machen sie sich auf, um den Verantwortlichen für den feigen Angriff zur Strecke zu bringen. Während er mit den beiden Überlebenden des Angriffs Zeit verbringt, stellt Toq mehr denn je fest, dass ihm seine alte Heimat fremd geworden ist und seine Entscheidung, Carraya zu verlassen um ein „echter“ Klingone zu werden für ihn die richtige Entscheidung war.

kurak

Kurak sah man in der TNG-Folge „Verdächtigungen“.

Chefingenieurin Kurak ist vorrangig damit beschäftigt, in der Praxis-Werft die Gorkon wieder auf Vordermann zu bringen. Zeit bleibt dennoch, um zumindest anfangs noch Zeit mit ihrem geliebten Leskit zu verbringen, der sich allerdings schon schnell abseilt, um seinen Urlaub bei seiner Ehefrau und seinen Kindern zu verbringen. Kurak kann nichts weiter tun, als sich mit ihrer Rolle als Geliebter abzufinden und einzusehen, dass sie Leskit ohnehin bald nicht mehr sehen würde, wenn Kuraks ohnehin ungeliebtes Engagement beim Militär enden würde.

Leskit diente auf Martoks Schiff in der DS9-Folge "Martoks Ehre".

Leskit diente auf Martoks Schiff in der DS9-Folge „Martoks Ehre“.

Kuraks Familie stellte immer ein Mitglied, das in der Verteidigungsstreitmacht stellte und da der Dominion-Krieg außer ihr sonst alle kampffähigen Familienmitglieder dahingerafft hat, bestand der Verwalter des Hauses einst darauf, dass Kurak – eigentlich als Schiffskonstrukteurin klar überqualifiziert um als Chefingenieurin auf einem Raumschiff zu dienen – sich zum Militärdienst verpflichtet, bis das jüngste Hausmitglied seine Ausbildung beendet hat. Doch während der Reparaturarbeiten erhält Kurak die Nachricht, dass der Hausverwalter gestorben ist und sie sieht nun eine unverhoffte Möglichkeit, nicht nur das Problem ihres ungewollten Militärdienstes zu lösen.

Fazit: Diese 7 Storys, von denen einige auch Berührungspunkte zueinander haben, klingen in diesen Beschreibungen jetzt nicht besonders aufregend und ehrlich gesagt hätte ich von einem Roman, der den Titel „A Burning House“ trägt, auch etwas anders erwartet. (Abgeleitet vom klingonischen Sprichwort „Nur Narren kämpfen in einem brennenden Haus.“) Aber die Vielfalt an Geschichten sorgt für viel Abwechslung, es kommt nie Langeweile auf und Autor Keith R. A. DeCandido erzählt die Geschichten sehr flott, wo es passt mit Humor und im Endeffekt ist dieser etwas untypische Klingonenroman nicht schlechter als der erste Gorkon-Roman, in dem die typischen Klingonenklischees Kampf und Ehre noch allgegenwärtig waren. Am besten haben mir wohl sogar jene Teile des Buches gefallen, die gar nicht typisch klingonisch waren, nämlich der Aufenthalt von Wol, Goran und Kagak auf Pheben III, sowie G’joth vergebliche Versuche, der Oper über die Schlacht von San-Tarah etwas mehr Realismus einzuhauchen. (Dies dient auch als unterschwellige Erinnerung daran, dass unterschiedliche Medienformate unterschiedliche erzählerische Mittel verwenden. Und gerade in einer Zeit, wo „Hardcore-Trekkies“ sich für Einzelheiten jeder Kleinigkeit mehr zu interessieren scheinen als für die Geschichten, die z.B. ein Kinofilm erzählt, ist so eine Erinnerung sehr willkommen.)

Der dramatischte Teil des Romans ist sicher Dorreks Racheplan. Wie Rodek/Kurn darin verwickelt wird, ist einerseits zwar wirklich fies, anderseits kommt Worfs Bruder hier ziemlich leichtgläubig rüber. Aber insgesamt auch keine schlechte Story. Und grundsätzlich gesagt sei auch, dass wirklich an jedem Schauplatz Interessantes passiert und ich nichts gefunden habe, was auch nur annähernd als schlecht zu bezeichnen ist. Natürlich sollte man den Klingonen nicht völlig abgeneigt sein, wenn man dieses Buch liest und aufgrund er vielen vorkommenden Charaktere dürfte es nicht schaden, die vorangegangenen Romane der „I.K.S. Gorkon“-Reihe vorher gelesen zu haben. Aber insgesamt ist „A Burning House“ ein weitgehend klischeefreier, stark auf die Charaktere fokussierter Roman, in dem es nicht um ständiges Blutvergießen geht. Insofern erfüllt dieser einzige Roman der „Klingon Empire“-Reihe auch sein Versprechen, etwas mehr über das Imperium zu zeigen anstatt nur das Militär. Da aber die Hauptcharaktere alle von der I.K.S. Gorkon stammen und die neu eingeführten Charaktere kaum das Potenzial haben, noch mehr über sie zu erzählen, hätte man „A Burning House“ auch ruhig weiterhin unter dem Reihentitel „I.K.S. Gorkon“ veröffentlichen können. Ein Roman, in dem Kanzler Martok und Botschafter Worf im Mittelpunkt stehen, hätte sich vielleicht besser geeignet, unter dem Titel „Klingon Empire“ veröffentlicht zu werden. (Z.B. wäre die Duologie „The Left Hand of Destiny – Book 1 | Book 2“, die unter dem Reihentitel „Deep Space Nine“ erschien, ganz gut dafür geeignet gewesen.)

Bewertung: Der Romantitel erweckte in mir andere Erwartungen, aber trotzdem hat mir „A Burning House“ sehr gut gefallen und nach so viel Kampf in den ersten drei Romanen war es ganz angenehm, die Gorkon-Crew mal in ungewohnter Rolle zu sehen, was die Charaktere auch sehr bereichert hat, wenngleich man inzwischen im vierten Roman doch schon ganz gut weiß, welche Vergangenheit die Leute haben und welche Motivationen sie antreiben. Daher gibt es von mir gute 5 Sterne für „A Burning House“. Auf einer Stufe mit „A Good Day to Die“, wenn auch kaum mit dem ersten Gorkon-Roman vergleichbar. Und vielleicht ist es wirklich nicht so tragisch, dass diese Reihe nie mehr fortgesetzt wurde und Captain Klag und sein Schiff später nur noch kleine Gastauftritte in anderen Romanreihen hatten. Indem „A Burning House“ das Privatleben der Gorkon-Crew beleuchtet, fügt dieser Roman sozusagen das letzte noch fehlende Puzzlestück hinzu und ist damit die Vollendung einer 4 Romane umfassenden Reihe, die mit Ausnahme des 3. Buches wirklich auf durchgehend hohem Niveau war. Trotz eines so guten Buches zum Schluss der Reihe fällt der Abschied von der Gorkon-Crew doch irgendwie leicht.

5stars

Anmerkung: Im zweiten (!) Epilog gibt eine Andeutung auf weitere Entwicklungen, die wahrscheinlich in folgenden „Klingon Empire“-Romanen hätten erläutert werden sollen. Aber als wirklich offenes Ende kann man diesen Epilog auch nicht bezeichnen, weshalb „A Burning House“ absolut als abgeschlossene Geschichte zu erachten ist.

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