Rezension: „Star Trek – Sternen-Atlas“

Wo ist was im Star Trek-Universum? Eine Frage, die sich sicher nicht nur Autoren häufig stellen, sondern wohl sehr viele Fans, die sich Gedanken über die die Vereinigte Föderation der Planeten und andere Machtbereich in diesem fiktiven Universum machen. All jenen kann man den Sternen-Atlas von Geoffrey Mandel empfehlen*.

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Geoffrey Mandel arbeitete bei den Serien „Deep Space Nine“, „Voyager“ und „Enterprise“ sowie bei den Star Trek-Kinofilmen 7, 9 und 11 als Grafikdesigner mit und unter anderem erstellte er hierfür auch mehrere Sternenkarten, von denen sich einige auch in diesem rund 100seitigen Atlas wiederfinden. Wie es sich für einen Atlas gehört, strotzt er nur so vor Grafiken. Den einzigen wirklich langen Fließtext findet man im Vorwort. Danach geht es aber direkt los mit einigen generellen Infos zum Weltraum, wie er sich in „Star Trek“ den Zusehern präsentiert.

Am Beginn des Buches erfährt man einige Fakten zur Milchstraße und wo sich dort die meisten Abenteuer im Star Trek-Universum abspielen (im „Lokalen Raum“). Mehrere Karten veranschaulichen die Einteilung der Milchstraße, ihre Arme und die vier Quadranten. Auf einer großen Karte der Galaxis sieht man auch gleich die Flugroute der Voyager in den Delta-Quadranten, die Position des Wurmlochs im Gamma-Quadranten, das Transwarpnetzwerk der Borg oder die Relaistationen der Hirogen.

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Danach erfährt man einiges über die Einteilung der Galaxis in Sektoren und wie die Sterne auf den später folgenden Karten eingezeichnet sind, welche Arten von Sternen und Planeten es gibt und wie man einigermaßen die dreidimensionale Verteilung der Sterne auf zweidimensionalen Karten dargestellt hat. All diese Informationen werden durch übersichtliche Grafiken veranschaulicht.

So wirklich interessant sind dann die nächsten vier Kapitel, in denen es jeweils um einen der vier Quadranten geht. Jedes Kapitel beginnt mit einer schönen Illustration aus der Serie. Im Fall des Alpha-Quadrant sehen wir hier eine taktische Karte der Cardassianer, die den Breen-Angriff auf die Erde im Jahr 2375 darstellt, für den Beta-Quadranten steht eine wunderschön illustrierte vulkanische Sternenkarte, das Gamma-Quadrant-Kapitel beginnt mit einer antike bajoranische Sternenkarte die vielleicht die andere Seite des Wurmlochs darstellen könnte. Und das Delta-Quadrant-Kapitel startet mit einer großen Darstellung der Galaxie, wie sie im astrometischen Labor der Voyager zu sehen gewesen ist.

Danach folgt jeweils auf einer Doppelseite die Darstellung der wichtigsten Planeten des jeweiligen Quadranten mit ihre genaue Bezeichnung, Zugehörigkeit, Klassifizierung, Bevölkerung sowie der Auflistung ihrer wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Hier hat sich ein typischer „Copy&Paste“-Fehler eingeschlichen, denn die Sehenswürdigkeiten des Mars –Olympus Mons, Utopia Planitia-Flottenwerft, Valles Marineris – findet man auf außerordentlich vielen Welten. Dieser Fehler findet sich nur in der deutschen Ausgabe des Buches, aber es ist nicht allzu schlimm: Diese falschen Sehenswürdigkeiten stehen nämlich nicht anstatt der richtigen Sehenswürdigkeiten, sondern nur bei Planeten, bei denen sonst keine Sehenswürdigkeiten aufgelistet wären. Gelegentlich findet man in den Sternenkarten der deutschen Fassung auch manchmal ein versehentlich nicht übersetzter Begriff. Aber nichts, was den Vermerk unverständlich machen würde.

Nach den Vorstellungen der Planeten folgt auf einer Doppelseite jeweils eine Darstellung eines größeren Raumbereichs des jeweiligen Quadranten und (zumindest für die Kapitel Alpha- und Beta-Quadrant) auf den folgenden Seiten schön illustrierte Darstellungen wichtiger Sonnensysteme mit den Kreisbahnen ihrer Planeten und den wichtigsten Daten und Fakten zu diesen. Es gibt solche Darstellungen von den Sonnensystemen Sol (Erde), Deneb, Bajor, Cardassia, Vulkan und Beta Rigel.

Es folgen auf mehreren Seiten die sehr umfangreichen Sternenkarten, die wohl fast alle Planeten beinhalten, die jemals in einer Star Trek-Serie oder einem Film vorgekommen sind. Zugegeben: Alle habe ich nicht gefunden, aber ich will nicht ausschließen, dass vielleicht doch alle irgendwo auf einer der Karten zu finden sind. Denn was wohl so ziemlich jeder andere Atlas der Welt vorweisen kann, fehlt dem Star Trek Sternen-Atlas: ein Index! Die wichtigsten Planeten, Nebel und Anomalien findet man sehr schnell, sie sind hervorgehoben und gut auf der Karte verteilt ohne viele Überlappungen. Aber sucht man speziell die etwas „exotischeren“ Orte wie den Norkan-Außenposten, die Norpin-Kolonie (die suche ich übrigens seit 10 Jahren vergeblich), Krios oder Aldebaran, kann man schon verzweifeln. 😉

Die allgemeinen Karten zeigen das Star Trek-Universum wie man es um die Zeit von „Nemesis“, also gegen Ende das 24. Jahrhunderts kennt. Man findet aber auch immer wieder mal historische Anmerkungen, findet Orte, wo in welchem Jahr ein Raumschiff verloren ging, welcher Flugroute z.B. V’Ger oder der Nexus gefolgt sind und für die Reise der Enterprise NX-01 gibt es sogar eine eigene Karte, die ihre Flugroute im ersten Jahr darstellt. Außerdem gibt es auch noch taktische Karten zu wichtigen Ereignissen während des Dominion-Krieges, die auch in der Serie verwendet wurden.

Natürlich rückt der Sternen-Atlas nur jene Raumbereiche der jeweiligen Quadranten in den Fokus, in denen die Raumschiffe in den TV-Serien und Filmen unterwegs waren. Hauptsächlich bietet der Atlas also Überblick über die Territorien der Föderation, der Romulaner, Klingonen, Cardassianer, Breen, Ferengi, Tholianer und des Dominions. Die sieben Delta-Quadrant-Karten folgen der Flugroute der Voyager in ihren sieben Jahren. Wer sich den „Lokalen Raum“ im Alpha- und Beta-Quadranten noch etwas genauer ansehen will, der kann dies auf den vier aufklappbaren Karten am Ende des Buches tun. Umrahmt wird diese Karte von einer Auflistung der Föderationsmitgliedswelten, weiteren Fakten zur Föderation (Gründungsmitglieder, Präsident, Siegel und Wappen) sowie einer weiteren Karte, die weiter entfernte Sonnensysteme darstellt.

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Fazit: Meine Rezension ist nun mehr eine Inhaltsangabe geworden, aber es ist schwer über ein Buch zu schreiben, dessen Inhalt hauptsächlich aus einer großartigen grafischen Arbeit nach der anderen besteht. Wer sich dieses Buch zulegen möchte, hat hier also erfahren, was es einem zu bieten hat. Für Fans ist es sicherlich ein tolles und sehr gut strukturiertes Nachschlagewerk, das man auch einfach mal durchblättern kann, um einfach nur das tolle Layout zu bewundern und Artwork aus den Serien, das man auf dem Bildschirm sonst nie so deutlich erkennen konnte. Für Autoren ist der Atlas ein sehr gut geeignetes Nachschlagewerk und geht man nach den Danksagungen in den aktuellen Star Trek-Romanen, ist Geoffrey Mandels Sternen-Atlas für viele der professionellen Autoren ein hilfreiches Werkzeug. Auch ich selbst als Fan-Fiction-Autor ziehe den Sternen-Atlas oft heran um zu sehen, wie weit gewisse Sterne voneinander entfernt sind oder welche Planeten sich in der Nähe eines von mir ausgewählten Schauplatzes befinden. Nicht immer stimme ich mit Mandels Interpretationen überein und ich persönlich habe manchmal eine andere Position für bestimmte Planeten im Sinn. Aber grundsätzlich hat er allgemein hervorragende Arbeit geleistet, die genannten Planeten, Sonnen, Nebel, Anomalien und Reiche einigermaßen vernünftig – und manchmal sogar mit Erklärungen zu gewissen Inkonsistenzen der Serien und Filme versehen – auf einer gewaltigen Sternenkarte übersichtlich zu präsentieren.

Bewertung: Perfekt ist das Buch wie gesagt nicht – ein Index zumindest zu den großen Aufklappkarten wäre sehr vernünftig gewesen – und einige wenige Positionierungen erscheinen etwas fragwürdig. Grundsätzlich ist das Buch aber eine große Empfehlung für alle, die sich einen Überblick verschaffen wollen. Zu bedenken wäre jedoch: Dieses Buch stammt aus dem Jahr 2002. Aus diesem Grund konnten natürlich die Enterprise-Staffeln 2 bis 4 sowie die folgenden Kinofilme nicht berücksichtigt werden. Die Delphische Ausdehnung oder der Ausgangspunkt der Supernova sucht man daher vergeblich und selbst der Bassen-Graben aus „Nemesis“ (ebenfalls 2002 erschienen) hat es – wie nachträglich wirkend – nur auf eine Sternenkarte geschafft, fehlt aber auf einer anderen Karte, die das gleiche Raumgebiet darstellt. Gute 5 von 6 Sterne verdient sich der Sternen-Atlas aber trotzdem.

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* Da dieses Buch sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch nur noch antiquarisch und gewöhnlich nur zu horrenden Preisen zu bekommen ist, gibt es seit Dezember 2013 auch eine gute Alternative bzw. ein Nachfolgewerk: „Star Trek – Stellar Cartography“. Dies ist ein wirklich prächtiges Set bestehend aus einem Hardcover-Buch und mehreren großformatigen Karten in einer hübschen, stabilen Mappe. Es enthält neben gänzlich neuen Kartenmaterial auch aktualisierte Versionen der allgemeinen Alpha- und Beta-Quadrant-Karte aus dem Sternen-Atlas. Um „Stellar Cartography“, das den inhaltlichen Fokus etwas anders als der Sternen-Atlas legt, geht es in meiner nächsten ausführlichen Rezension.

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