Rezension: „Brennerova“

Jetzt ist schon wieder was passiert. Und zwar dem Brenner. Wer der Brenner ist? Jetzt pass auf: Der Simon Brenner, das ist dem Wolf Haas sein Detektiv. Den hat er in 7 Krimis schon durch die Weltgeschichte geschickt. Zell am See, Wien, Graz, Klöch, Kitzbühel, Salzburg. Gut, mehr Österreich als Welt, aber Nomade Hilfsausdruck. Aber ob du es glaubst oder nicht, der Wolf Haas, der schickt den Brenner diesmal nicht nur erst nach Russland, sondern sogar in die ferne Mongolei. Alles gut und schön, denn auf Verbrechen hat Österreich ja nicht das Exklusivrecht, quasi Alleinstellungsmerkmal. Aber was dich sicher mehr wundert: warum denn der Rumschreiber so komisch formuliert? Hör zu, so ungefähr schreibt der Wolf Haas nämlich. Klingt komisch, ist aber lustig.

brennerova_cover

Wer die Romane von Wolf Haas kennt, dem muss ich seinen ungewöhnlichen Formulierungsstil ja nicht näher erklären. Für die Uneingeweihten: Die Geschichten rund um den Brenner werden von einem Erzähler berichtet, der eine Art ins Hochdeutsch übersetzte österreichische Umgangssprache benutzt. Das ist wirklich außergewöhnlich und es ist nachvollziehbar, wenn nicht jeder damit warm wird. Für andere – wie für mich – hat diese Art des Formulierens und einige wiederkehrende Floskeln schon Kultcharakter. Die Geschichten sind grundsätzlich (schwarz)humorig und manchmal bewusst absurd komisch, aber Haas‘ Formulierungen sorgen für ein konstant hohes Unterhaltungslevel selbst in den düstersten und abgründigsten Passagen.

„Brennerova“ ist der bereits 8. Roman von Wolf Haas, in dem der ehemalige Grazer Polizist (aus dem Bezirk Puntigam stammend, also quasi aus meiner eigenen Nachbarschaft) mit einem Verbrechen konfrontiert wird. Eigentlich ist der Brenner ja inzwischen im Ruhestand. Er lebt jetzt in Wien, hat eine Freundin quasi Lebensgefährtin namens Herta und will mit Verbrechern gar nichts mehr zu tun haben. Dass er seiner früheren Berufstätigkeit aber nicht völlig abschwören kann, ist aber auch ein bisschen seine Schuld. Das hat man davon, wenn man sich trotz Freundin im Internet nach hübschen Russinnen umschaut, die er dann sogar heimlich in Russland besucht. Nett ist sie schon, die Nadeshda. Und wunderschön noch dazu. Dass die sich per Internetprofil aber einen ehemaligen österreichischen Polizeibeamten zu angeln versucht hat, ist aber kein Zufall. Denn der Brenner soll ihr helfen, ihre jüngere Schwester zu finden. Die ist nämlich verschwunden und soll angeblich nach Wien verschleppt worden sein. Eigentlich hätte der Brenner davon – sowohl Entführung als auch Nadeshda – die Finger lassen wollen und schuldbewusst beichtet er auch seiner Freundin Herta von seinem Ausflug nach Russland. Großer Fehler! Denn die Herta ist so eine gute Seele, dass sie ihn drängt, der Nadeshda bei der Suche nach ihrer Schwester zu helfen …

Fazit: Wer die bisherigen Brenner-Romane mochte, wird sicher auch mit „Brennerova“ seine helle Freude haben. Auch im „Unruhestand“ ist der Brenner noch immer ganz der Alte und Wolf Haas hat ihn wieder in allerlei erstaunliche und komische Situationen versetzt und mit überraschenden Handlungswendungen konfrontiert. Lediglich die Handlung rund um die Herta in der Mongolei passte irgendwie nicht ganz ins Schema. Auch humorvoll und voller sprachlichem Witz, keine Frage. Aber am Ende nimmt dieser Handlungsstrang etwas zu viel Raum ein und drängt sich in den Vordergrund. Insgesamt ist aber auch das 8. Abenteuer vom Brenner wieder absolut lesenswert und als Fan der Reihe freue ich mich darüber, dass Wolf Haas trotz gegenteiliger Ankündigung nach dem 6. Roman („Das ewige Leben“) der Figur treu geblieben ist und den Brenner weitere humorvolle Krimiabenteuer in unvergleichlicher Weise erleben lässt. Eine Andeutung auf einen eventuellen 9. Fall beinhaltet bereits der Schluss von „Brennerova“.

Bewertung: „Brennerova“ halte ich zwar nicht für den besten Brenner-Roman (schlechte gibt es meiner Meinung nach ohnehin nicht), aber er hat mich wieder einmal ausgezeichnet unterhalten, ich habe viel gelacht und die Handlung war so interessant, dass ich das Buch kaum weglegen konnte und immer wissen wollte, wie es weitergeht. Daher erhält Brenners russisches Abenteuer – wenn auch knapp – die Höchstnote von mir.

6stars

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