Rezension: „Emperor of Thorns“

Mit dem Roman „Emperor of Thorns“ beendet Autor Mark Lawrence die „Broken Empire“-Trilogie und die Erzählungen über Prinz Jorg von Ancrath. Auch dieser Roman baut wieder direkt auf die Ereignisse des Vorgängers auf, weshalb die folgende Inhaltsbeschreibung und die Rezension Details über den Ausgang des Romans „King of Thorns“ verrät.

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Alle 4 Jahren werden die Herrscher über die 100 Nationen des zerfallenen Imperiums von einer großen Leibgarde zur Hauptstadt Vyene eskortiert, wo sie ihm ehemaligen Palast des Imperators einen Nachfolgen küren sollen. Ein Prozedere, dass schon seit langer Zeit erfolglos ist. Nach dem Tod des letzten Imperators waren die Herrscher der 100 Nationen zu sehr darauf bedacht, ihren eigenen Einfluss zu erhalten, anstatt sich gemeinsam auf jemanden zu einigen, dem sie die Herrschaftsgewalt über ganz Europa und Nordafrika in die Hände legen.

Der noch immer verhältnismäßig Junge Jorg von Ancrath bzw. König Jorg von Renar hat sich jedoch zu einem nicht zu unterschätzenden Kandidaten für das Amt gemausert. Einerseits weil es ihm gelungen ist, über mehrere Nationen die Herrschaft zu erlangen, anderseits weil er während seiner Reisen sowohl im hohen Norden als auch im Süden jenseits des Mittelmeers Verbündete und unerwartet sogar Freunde gefunden hat. Jorg ist noch immer verhältnismäßig rüpelhaft und rücksichtslosem Gewalteinsatz alles andere als abgeneigt, doch mit der Verantwortung für seine Reiche und als werdender Vater ist er so ausgeglichen, wie man es als jemand mit solch vor Blut triefender Vorgeschichte erwarten kann.

Während Jorg nach Vyene unterwegs ist und dabei die eine oder andere überraschende Begegnung hat, macht sich auch ein anderer Machthaber auf den Weg zur alten Hauptstadt. Der mysteriöse Totenkönig, der in den letzten Jahren mit seiner Armee aus Untoten die Inselnationen im Nordwesten erobern konnte, zieht mit seiner zahlenmäßig immer größer werdenden Armee durch Ancrath, Gelleth, Attar gegen Vyene, um dort die anderen Herrscher an einem Ort mit einem Angriff zu zerschlagen. Die magischen Kräfte, die dem Totenkönig zur Verfügung stehen, könnten jedoch auch der Schlüssel für Jorg sein, um die Wahl zum Imperator zu gewinnen. Denn vielleicht kennt er einen Weg, um nicht nur die Toten wieder in ihre Gräber zu verbannen, sondern die Magie selbst aus dem Gefüge der Welt wieder zu verbannen …

Fazit: Wie bereits der zweite Roman der Trilogie erzählt der Roman mehrere Handlungsstränge abwechseln. Zum einen die Reise von Jorg samt Gefolge nach Vyene. Außerdem noch die Geschichte der Nekromantin Chella, deren Geschehnisse jedoch abgesehen vom Beginn zeitlich parallel mit Jorgs Reise nach Vyene stattfinden. Und schließlich gibt es noch eine in der Vergangenheit angesiedelte Handlung, die von einer Reise Jorgs nach Afrika berichtet. Während sich im zweiten Roman durch diesen steten Wechsel die Handlung nach und nach entfaltet und zusammenfügt, liefert die Erzählung von Jorgs Afrikareise nur noch ein paar nachträgliche Erklärungen zu ein paar wenigen Punkten, die nach dem zweiten Roman noch offen blieben. Die Reiseerzählung ist aber dennoch spannend geschrieben, wenngleich sie nicht so viel zur Handlung beiträgt wie Jorgs Reise nach Morrow im zweiten Roman.

Die Geschichte der Nekromatin Chella ist wie erwähnt eine Parallelhandlung zur Jorgs Reise nach Vyene und wenig überraschend treffen die beiden Handlungsstränge schließlich im Verlauf der Geschichte aufeinander. Da die „Broken Empire“-Romane für gewöhnlich ausschließlich aus Jorgs Perspektive erzählt werden, bietet Chellas Geschichte hier die Möglichkeit, zwischen Schauplätzen zu wechseln und von Geschehnissen zu berichten, denen sich Jorg nicht bewusst ist. Unter anderem was die wahre Identität des Totenkönigs angeht, die dem Leser eher schlecht verborgen wird. Zumindest ist es keine große Überraschung, wenn er sich schließlich Jorg offenbart. Und wenngleich dieser Teil des Finales etwas verpufft, ist der Ablauf des Kongresses und der Abstimmung doch sehr wirkungsvoll spannend inszeniert und wenn man bereits zu Zweifeln beginnt, dass der Roman noch eine Auflösung bieten kann, schafft er doch noch eine weitere überraschende Wendung und lässt den Leser mit dem Abschluss der Trilogie zufrieden zurück.

Bewertung: Der Aufbau der Geschichte in „King of Thorns“ bleibt unerreicht und auch den grimmige Humor aus „Prince of Thorns“ vermisst man im dritten Buch. Dennoch vergebe ich auch an „Emperor of Thorns“ 5 von 6 Sterne. Ich bin kein besonders großer Fan der typischen Mittelalter-Fantasy, aber die „Broken Empire“-Trilogie konnte mich trotz anfänglicher Vorbehalte eigentlich durchgängig gut unterhalten mit kurzen Abschnitten im ersten und zweiten Buch, die mir nicht ganz so gut gefallen haben. Dem dritten Roman mangelt es vielleicht an den herausragenden Qualitäten der beiden vorangegangenen Romane, aber ich rechne ihm hoch an, dass es in ihm keine Sequenz gab, die mir überhaupt nicht zugesagt hätte.

5stars

Anmerkung:

Erneut findet man im Roman wieder eine Karte des „Broken Empire“, diesmal mit einem noch größeren Kartenausschnitt.

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Ein vollständiger Überblick über das Imperium ist jedoch auch diese Karte nicht, denn wenngleich die Trilogie einen Abschluss erhält, besucht Mark Lawrence auch in weiteren Romanen diese Fantasywelt. Im Rahmen der Reihe „The Red Queen’s War“ ist bis jetzt nur der erste Roman „Prince of Fools“ erschienen. Der zweite Roman namens „The Liar’s Key“ soll im Sommer 2015 erscheinen.

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3 Kommentare zu “Rezension: „Emperor of Thorns“

  1. Ich habe die Bücher bisher nicht gelesen, aber wann wird dem Leser klar, dass es sich beim Ort des Geschehens um unsere/eine parallele Welt handelt mit einem anscheinend etwas höheren Meeresspiegel?

    • Was es mit dieser Welt und ihren Grundlagen auf sich hat, wird dem Leser im zweiten Roman der Trilogie „King of Thorns“ direkt vermittelt. Im ersten Roman „Prince of Thorns“ gibt es aber auch schon gegen Ende des ersten Romans einen sehr deutlichen Hinweis und schon davor ein paar Andeutungen, die mich früh korrekt vermuten ließen, dass die Fantasy-Welt von „Broken Empire“ nicht das ist, was ich ursprünglich erwartet hatte. Vor allem während des Lesens von „Prince of Thorns“ hatte ich große Freude daran, die Aussagen und Beobachtungen der Charaktere nicht für bare Münze zu nehmen, sondern sie außerhalb des Rahmens der Welt, in der sie leben, zu interpretieren.

      Mehr sei an dieser Stelle jedoch nicht verraten. 😉

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