Rezension: Battlestar Galactica Vault

Da ich ein großer Fan der neuen „Battlestar Galactica“-Serie bin und auch die Originalserie hin und wieder ganz gerne anschaue, habe ich mir das Buch „Battlestar Galactica Vault“ gekauft, das nicht nur thematisch sowohl die klassische Serie als auch die neue Serie samt Spin-Offs behandelt, sondern sich auch inhaltlich sehr weitgefächert präsentiert.

BSG_Vault_CoverDas Buch ist vor allem eines: sehr stark illustriert. Hunderte Konzeptskizzen, Szenenbilder, Behind-the-Scenes-Fotos, Modell- und Effektaufahmen findet man über das gesamte Buch verteilt. Daneben bleibt auf den 170 Seiten auch noch genug Platz für erläuternden Text, der jedoch nicht immer zu den Illustrationen auf den selben Seiten passt. Im Text (der mit sehr großen Zeilenabstand abgedruckt ist) geht es im ersten Kapitel um die Entstehung der Originalserie, die Grundidee, die Storys, das Casting der Charaktere, Produktionsaspekte, Einschaltquoten, etc. Im zweiten Kapitel wiederholt sich dieses Schema mit der neuen Serie, dort etwas umfangreicher, da die Infos auch auf erst im Jahr 2014 geführte Interviews mit den Produzenten David Eick und Ronald D. Moore basieren. Das dritte Kapitel widmet sich dann in bekannter Form der Ablegerserie „Caprica“ und schneidet am Ende auch kurz das Special „Blood & Chrome“ an, jedoch genauso knapp wie „Galactica 1980“ im ersten Kapitel angeschnitten wird.

battlestar_spread1Mit Kapitel 4 und 5 ändert sich die Ausrichtung des Buches jedoch ziemlich stark. Weiterhin dominieren die Illustrationen, von denen vor allem die Konzeptzeichnungen der klassischen Serie herausragen. (Noch bevor das Casting und die Designs finalisiert waren, dienten einige dieser Konzeptzeichnungen bereits als Promotion-Material, wie man in diesem Buch erfährt.) Im Text geht es jetzt jedoch um die mythologischen Hintergründe der beiden Serien, welche religiöse, literarische oder zeitgenössische Einflüsse die fiktive Kultur der 12 Kolonien von Kobol formten. Im Rahmen dieses Kapitels wird im Grunde auch der Handlungsbogen, der sich durch „Battlestar Galactica“ und „Caprica“ zieht, fast völlig nacherzählt. Das Buch ist also wirklich nur etwas für Leute, die diese Serien bereits vollständig gesehen haben, denn Autor Paul Ruditis plaudert hier ganz offen über die überraschenden Offenbarungen im Lauf der Serie und in den Serienfinali. Meine Empfehlung: unbedingt erst die Serien schauen und danach zum Buch greifen!

Die Aufmachung des Buches ist ziemlich hochwertig. Wie man auf den Bildern sieht, ist es querformatig, 26 x 21 cm und dank des dicken Papiers und des ungewöhnlichen Umschlags ist es 2,7 cm dick. Der Umschlag ist wirklich außergewöhnlich, denn auch wenn vordergründig die neue Galactica darauf zu sehen ist, muss man zum Öffnen des Buches das vordere, magnetisch befestigte Cover nach rechts (!) blättern und darunter ist dann nochmal ein ähnliches Cover-Motiv mit der klassischen Kampfstern Galactica zu sehen.

Vorne und hinten an den Innenseiten des Covers befindet sich weiter jeweils ein wiederverschließbarer Umschlag, der jeweils 5 verschiedene, besondere Drucksorten enthält. (Ähnlich dem Star Trek-Geschichtsbuch „Federation: The First 150 Years„). Die Umschläge enthalten betreffend die klassische Serie ein Promo-Poster (basierend auf frühe Konzeptzeichnungen), Set-Fotos, Stoyboards, ein Blatt mit Raumschiff-Darstellungen und einen Auszug eines frühen Drehbuchentwurfs für den Pilotfilm. Zur neuen Serie sind enthalten: Seiten aus dem Buch der Pythia, koloniale Banknoten, eine Reproduktion eines Memos wie auf der Galactica in der Miniserie zu sehen, eine Sternenkarte vom Kampfstern Pegasus sowie serienübergreifend ein Streifen mit Skizzen für das Design der zylonischen Zenturios.

Eine nette Beigabe für ein ohnehin schon sehr hochwertig produziertes Buch. Als Making-of-Buch mit dem Schwerpunkt auf Design ist das Buch wirklich sehr gut gefüllt, es beinhaltet eine ausgewogene Mischung aus Skizzen, alternativen Designideen und der Darstellung von den tatsächlich in der Serie umgesetzten Designs. Natürlich – wie bei jedem Buch dieser Art – könnte das Material noch umfangreicher sein, aber die Inhalte, die es hineingeschafft haben, sind sehr interessant. Dass die Verteilung der Bilder nicht immer hundertprozentig zu den längeren Textpassagen passt, ist nur ein kleiner Kritikpunkt, denn zumindest steht bei jeder Abbildung eine kurze Erläuterung dabei.

Die Entstehungsgeschichten der Serien sind von Paul Ruditis gut und aufs Wesentliche konzentriert zusammengefasst. Allerdings für wirklich eingefleischte Fans wird es wohl nicht wirklich neue Informationen geben. Auch für mich war ein Großteil bereits bekannt. Überrascht war ich hin und wieder dennoch – und zwar vom überschwänglichen Lob von Ruditis für die Serie. Fairerweise muss man sagen, dass er von der ersten Seite des Buches an ganz offen zugibt, wie toll er die Serie findet. (Das tue ich auch!) Aber so „revolutionär“ wie er sie an manchen Stellen beschreibt, ist sie dann doch auch wieder nicht. Den sogenannten „Midseason-Cliffhanger“ (ein offenes Ende einer Folge bevor Serien meist im Winter oder Frühjahr eine Ausstrahlungspause machen) hat „Battlestar Galactica“ nicht erfunden. (Abgesehen davon, dass diese Ausstrahlungspause von Serienproduzenten eher als Fluch denn als Segen empfunden wird, was die Einschaltquoten angeht.) Und auch computergenerierte Set-Erweiterungen (bei „Battlestar Galactica“) oder komplette digitale Sets (bei „Caprica“) waren vor allem im Science-Fiction-Genre eine etablierte Technik – und zwar Jahre bevor die neuen Galactica-Serien ihre Premiere feierten. Das neue „Battlestar Galactica“ wurde 2003 nicht gerade in eine Zeit geboren, in der es sonst keine anderen „Space Operas“ gegeben hätte. Auf diese „fremden Federn“, die jeder Genre-Fan sofort als solche erkennt, hätte Ruditis verzichten sollen, die Serie braucht sie nicht, um trotzdem zu den besten und beliebtesten des Genres zu zählen. Der Autor betreibt hier etwas zu viel Werbung für die Serie, obwohl das Buch – wie erwähnt – nur Kennern der Serie zu empfehlen ist, da es bereits die wichtigsten Wendungen ihrer Handlung ungeniert verrät.

Bewertung: Zum größten Teil liegt mit „Battlestar Galactica Vault“ ein wirklich schön gemachtes Making-of-Buch vor, das vor allem jenen Fans gefallen wird, die sich für Produktionsdesign interessieren, aber zugleich beinhaltet das Buch auch alle wesentlichen Informationen zur Entstehungsgeschichte der einzelnen Serien des Galactica-Franchise. Für die Fans, die sich seit Jahren oder Jahrzehnten darüber informieren, wird das Buch aber wahrscheinlich zu oberflächlich bleiben. Für den Fan, der bisher nur die Serie(n) gesehen hat und erstmals etwas mehr über die Hintergründe und die Produktion erfahren will, ist das Buch aber dennoch sehr zu empfehlen. Ein paar Ungenauigkeiten, die Autor Paul Ruditis im Überschwang passiert sind, muss man dabei aber hinnehmen. Aber er schreibt jedenfalls sehr sympathisch und schon im Vorwort wird klar, dass dieses Buch von einem Fan geschrieben wurde und es auch für andere Fans gedacht ist.

Ich gebe dem Buch 5 von 6 Sterne. Abgesehen von den Ungenauigkeiten hatte ich das Gefühl, dass von allem noch ein bisschen mehr hätte Platz finden können. „Vault“ ist nicht die ganz große „Schatzkammer“ von Kobol, die es hätte sein können, aber ein durchaus beachtlicher Tempel für den Fan, in dem er oder sie die Serie zelebrieren kann.

5stars

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