Rezension: VOY – „Atonement“

„Atonement“ setzt direkt dort an, wo „Acts of Contrition“ endete. Diese Rezension verrät also leider zwangsläufig einiges über den Vorgängerroman.

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In den beiden vorangegangenen Voyager Romanen stellte die von der U.S.S. Voyager angeführte Flotte den Erstkontakt mit der „Konföderation des Ersten Quadranten“ her. Auch wenn dieser Zusammenschluss mehrerer Völker auf den ersten Blick der frühen Vereinigten Föderation der Planeten recht ähnlich schien, stellte sich bei etwas genauerer Betrachtung heraus, dass die Ansichten, die vom Volk und vor allem von einigen der führenden Persönlichkeiten der Konföderation vertreten wurden, eine Partnerschaft mit der Föderation unmöglich machten. Und so wundert es nicht, dass am Ende von „Acts of Contrition“ die Konföderation der Voyager die Gastfreundschaft aufkündigt, als eine Flotte der Devore, Voth, Turei und Vaadvaur auftaucht und der Konföderationsflotte eine schwere Niederlage zufügt. Um die Angreifer zu besänftigen, drängt die Konföderation Admiral Janeway dazu, sich den Angreifern auszuliefern und sich für ihre „Verbrechen“ gegen die Devore, Voth, Turei und Vaadvaur vor Gericht stellen zu lassen. Zwischen die Fronten geraten und da die Voyager im Kampf schwer beschädigt wurde, stimmt Janeway zu, wohl wissend, dass sie nur einen Schauprozess mit bereits feststehendem Schuldspruch zu erwarten hat.

Janeways Chancen bessern sich jedoch, als Mitglieder ihrer Crew herausfinden, warum Devore, Voth, Turei und Vaadvaur eine so ungewöhnliche Allianz bilden konnten. Kurz gesagt: Es war gar nicht deren Idee, sondern wurde angeregt von dem durch ein fremde Intelligenz übernommenen Hologramm Meegan (siehe „Unworthy„) und anderen mit ihr verbündeten körperlosen Wesen, die hochrangige Vertreter der vier Völker übernommen haben. Janeway setzt sich nun zum Ziel, im Rahmen des Gerichtsverfahrens diese Manipulation der Devore, Voth, Turei und Vaadvaur zu beweisen.

Parallel auf der Erde hat Tom Paris den Fürsorgerechtsstreit gegen seine Mutter zwar gewonnen, zur Voyager-Flotte kann er dennoch nicht zurückkehren, denn er wird durch Doktor Sharak, Samatha Wildman und Seven of Nine in die Machenschaften einer medizinsichen Wissenschaftsabteilung hineingezogen, die ohne jegliche Aufsicht verwerfliche Mittel einsetzt, um zwar eine tödliche Seuche zu bekämpfen, anderseits diese künstlich am Leben erhält um weitere Forschung auf diesem Gebiet zu rechtfertigen. Paris, Sharak, Wildman und Seven müssen einen Weg finden, die spärlichen Hinweise in handfeste Beweise umzuwandeln und sie dem Oberbefehlshaber der Sternenflotte und der Präsidentin der Föderation persönlich vorzutragen.

Fazit: Positiv empfand ich, dass sich eine Befürchtung von mir relativ rasch auflöste. Nach dieser Ausgangssituation hatte ich angenommen, dass sich ein großer Teil des Romans auf die Gerichtsverhandlung konzentrieren wird und die jedem Fan ohnehin bekannten Erlebnisse der Voyager während ihrer ersten 7-jährigen Reise durch den Delta-Quadranten vorgetragen werden. Glücklicherweise war dies jedoch kaum der Fall und die Gerichtsverhandlung endet schon recht bald mit der Enttarnung von Meegan und den anderen körperlosen Wesen, die sich als die letzten unsterblichen Mitglieder des Volkes der Seriareen bezeichnen, deren durch einen Krieg verwüsteter Heimatplanet irgendwo innerhalb der Grenzen der Föderation liegen soll. Nachdem die Crew der Voyager die Oberhand über die Wesen gewonnen hat und auch in der Konföderation den einen oder anderen Fürsprecher für sich gewinnen konnte, entscheidet sich Admiral Janeway dafür, dieser Sache nachzugehen. Man bekommt im Delta-Quadranten also eine recht typische Story präsentiert, bei der leider einige Ansätze aus „Acts of Contrition“ auf der Strecke bleiben. Während der vorherige Roman sehr viele Eigenheiten, ja sogar gefährliche Missstände in der Konföderation aufzeigte, spielt das Gesellschaftssystem dieses Bündnisses in „Atonement“ so gut wie gar keine Rolle mehr. Fast im Vorbeigehen wird zwar das eine oder andere Problem erwähnt, aber – ohne eigentlich eindeutig erkennbare Einwirkung durch die Voyager-Crew – lässt Kirsten Beyer an mehreren Stellen anklingen, dass hier und da bereits Lösungen im Entstehen sind. Völlig unrealistisch erscheint es, wenn plötzlich ein General der Konföderationsflotte von einem abtrünnigen Planeten der Konföderation zurückkehrt und Informationen über die wahrscheinliche Position der Seriareen-Heimatwelt bringt.

Auch die Handlung auf der Erde rund um die illegalen Machenschaften innerhalb der Sternenflotte klingt zwar einerseits spannend und sie ist es auch in den Ansätzen. Aber die Auflösung ist einfach viel zu simpel geraten. Der Konflikt zwischen Tom Paris und seiner Mutter wird in „Acts of Contrition“ als so extrem dargestellt, dass ihre Zusammenarbeit ohne erkennbaren Moment der Versöhnung in „Atonement“ unrealistisch wirkt. Und von dem angesprochenen „Personenkult“, der die verwerflichen Machenschaften der medizinsichen Abteilung der Sternenflotte erst ermöglicht haben sollte, bekommt man gar nichts mit und er war auch in vorherigen Roman nicht erkennbar. Die Etablierung dieses „Bösewichts“ muss man leider als misslungen erachten, scheute sich Beyer in „Acts of Contrition“ mindestens ein halbes Buch lang davor zurück, dem geheimnisvollen „Commander“ sogar einen Namen zu geben. Die Schuld einem angeblich charismatischen „Führer“ zuzuschieben und zugleich fast gar nichts über ihn zu offenbaren – außer dass er sich am Schluss sehr einfach austricksen lässt – ist eine Kombination, die nicht funktioniert.

Hier erinnert der Roman etwas an die Probleme, die auch „Unworthy“ hatte. In „Atonement“ erfahren wir nun endlich, wohin die Geschichte rund um die Befreiung der körperlosen Wesen führen sollte, das ändert aber trotzdem nichts daran, dass deren ursprüngliche Freisetzung in „Unworthy“ weiterhin arg konstruiert wirkt. Anderseits muss „Atonement“ auch nicht den Anspruch erheben, einen vorherigen Roman zu plausibilisieren.

Bewertung: Also eine gewisse Enttäuschung über den Abschluss dieses „Dreiteilers“ rund um die Konföderation ist schon vorhanden. Ich hätte mir hier etwas Spektakuläreres gewünscht und vor allem eine Handlung, in der es wirklich um die Konföderation ging. Am Schluss wird zwar versucht, die Seriareen mit der in der Konföderation vorherrschenden Religion in Verbindung zu setzen, aber wirklich Auswirkungen auf das Geschehen ergeben sich dadurch nicht – oder zumindest weiß man es am Schluss nicht mit Sicherheit.

Der zweite Handlungsstrang ist ebenfalls etwas enttäuschend. Zwielichtige Sternenflottenoffiziere die fragwürdige Mittel einsetzen sind nichts Neues. Aber selten hat einer von ihnen versagt, weil er sich so dumm angestellt hat wie jener, den uns Kirsten Beyer hier als respektierte Führungspersönlichkeit verkaufen will.

Leider erinnert „Atonement“ mit all seinen Macken recht stark an „Unworthy“ und mit über einem Monat habe ich auch wirklich sehr lange gebraucht, bis ich mit „Atonement“ durch war. Sowohl im Delta-Quadranten als auch auf der Erde hat sich die Handlung manchmal ziemlich gezogen und dass beide Handlungsstränge daran scheitern, ein spannendes Finale zu liefern, hat mich schon sehr enttäuscht. Die Probleme im Handlungsablauf sind ähnlich umfangreich wie jene von „Unworthy“ und ich gebe daher die selbe Note: nur 2 von 6 Sterne.

2stars

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