Rezension: „Sniper“ – Ein Jack-Reacher-Roman

Mit dem 9. Roman der Jack Reacher-Reihe schließt sich gewissermaßen ein Kreis. Denn erst der Film „Jack Reacher“ aus dem Jahr 2013 machte mich auf die Romane von Lee Child aufmerksam und inzwischen habe ich die ersten neun gelesen und somit auch jenen, auf dem die Handlung des Films basiert: Sniper!

sniper

Eigentlich plant Jack Reacher ein paar entspannte Tage in Miami zu verbringen. Sonne, Strand und weibliche Begleitung … was kann sich der im Frühruhestand befindliche Ex-Militärpolizist mehr wünschen? Doch mit der Ruhe ist es vorbei, als er zufällig eine Nachrichtensendung sieht, die von einem Amokschützen in Indiana berichten. Fünf Personen wurden getötet, der Schütze konnte entkommen, wurde aber schnell ausgeforscht: James Barr, ein ehemaliger Army-Scharfschütze, gegen den Reacher bereits einmal in einem ähnlichen Fall ermittelt hatte. Damals ging Barr straffrei aus, doch Reacher schwor ihm damals, dass er zur Stelle sein würde, wenn sich Barr jemals in seinem Leben wieder etwas zuschulden kommen lassen würde. Und so reist Reacher nach Indiana, mit der festen Überzeugung, die Polizei habe den richtigen Täter in Gewahrsam. Und die Sichtung der gesammelten Beweisstücke vom Tatort bekräftigt ihn anfangs in seiner Meinung, doch kommt ihm der sonderbare Gedanke, dass eine Beweiskette auch zu perfekt sein kann. Es wirkt fast, als habe James Barr den am schlechtesten geeigneten Ort für seine Tat ausgesucht. Alles dort deutet auf ihn als Täter: Fasern von seiner Kleidung, Schuhabdrücke im Staub, ein Fingerabdruck auf der Münze in einer Parkuhr, eine in einen Spalt gerutschte Patronenhülse … Es wirkt, als habe es James Barr darauf angelegt, gefasst zu werden. Spätestens als Reacher in eine bewusst provozierte Barschlägerei verwickelt wird, ist er sich sicher, dass mehr hinter Barrs Tat stecken muss.

Fazit: Vorweg gesagt: Der Film „Jack Reacher“ war toll, hat mich absolut begeistert und sei hiermit jedem empfohlen, der den Genres Krimi, Thriller und Actionfilm zugetan ist. Zudem ist der Film recht nahe an der Romanvorlage. Der Handlungsablauf ist mehr oder weniger identisch, Reachers Ermittlungen kommen nach und nach voran und sein trockener Humor ist manchmal sogar wortwörtlich aus dem Roman in den Film übernommen worden. Was den Roman schwer zu bewerten macht, sind allerdings nicht die Gemeinsamkeiten mit dem Buch, sondern jene Stellen, in denen er abweicht. Die meisten Romanleser sind oft enttäuscht, wenn sie ihr Lieblingsbuch verfilmt sehen und feststellen müssen, dass einige Stellen weggelassen wurden. Da ich den Film zuerst gesehen habe, geht es mir mit dem Roman nun umgekehrt: Meiner Meinung nach ist alles, was es nicht in den Film geschafft hat, völlig zurecht rausgeflogen. Allen voran das obligatorische Reacher-Girl. Eine frühere Kollegin von der Army, die im Roman vorkommt, trägt nichts zu Handlung bei, außer dass ein Vorwand geschaffen wird, dass Reacher – wieder einmal – mit einer Frau ins Bett steigt. Wie schon mal bei einer früheren Rezension erwähnt ist das ein Merkmal der Reacher-Romane, auf das ich gut und gerne verzichten könnten. Selten wie kaum wirkt diese Affäre in „Sniper“ grundlos hineingequetscht.

Allerdings ist seine Ex-Kollegin nicht die einzige Romanfigur, die es nicht in die Filmfassung der Geschichte geschafft hat. Im Roman wird Reacher unterstützt von Barrs Schwester, deren Anwältin, einem privaten Detektiv und einer Reporterin. Diese vier Personen dienen alle dem Zweck, Reacher Informationen zukommen zu lassen. Konsequenterweise wird aus vier Personen im Film eine einzige Person, nämlich die Anwältin. Sie übernimmt alle relevanten Funktionen der drei anderen Personen. Ein hervorragend gelungenes Beispiel, wie man eine Handlung schlanker gestalten kann. Diese Änderung hätte auch dem Roman gut gestanden, vor allem wenn es am Schluss zum großen Showdown kommt. Im Roman rückt Reacher da mit mehr Leuten auf seiner Seite an als ihm Gegner gegenüberstehend.

Bewertung: Der Film ist ganz klar ein Kandidat für die Höchstnote, aber wie bewerte ich den Roman dazu, der im Grunde die gleiche Geschichte erzählt? Das Mehr an Story und Charakteren verbessert die Geschichte nicht, ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass das Drehbuch des Films die Story verbessert hat und besser präsentiert. Daher gebe ich dem Roman nicht die Höchstnote. Aber da der Fall James Barr auch in „Sniper“ interessant und spannend dargeboten wurde und Jack Reacher – abgesehen von der Beschreibung seines Äußeren – genauso handelt und spricht wie im Film, gebe ich dem Roman 5 von 6 Sterne …

5stars

… und der Verfilmung gebe ich die Höchstnote:

6rolls

Anmerkungen:

  • Der Haupthandlungsort der Geschichte unterscheidet sich im Film vom Roman. Im Roman feuert der Amokschütze seine Kugeln in einer nicht namentlich genannten Stadt in Indiana ab. Es fällt mit der Zeit auf, wie sehr sich Lee Child davor drückt, den Namen der Stadt zu nennen. Aufgrund der Rolle, die der Stadtverwaltung im Roman zukommt, ist es verständlich, dass Child niemanden verärgern wollte, aber er hätte ja einen Namen erfinden können. Im Film spielt sich der Großteil der Handlung in Pittsburgh ab.
  • Die zweite Jack Reacher-Verfilmung wird auf dem 18. Roman „Never go back“ basieren. Der deutsche Kinostart ist für 3. November 2016 vorgesehen.
  • Und hier nochmal der Trailer zum ersten Film:

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