Rezension: TOS – „Child of two Worlds“

Autor Greg Cox hat bekanntlich ja eine besondere Vorliebe für Abenteuer, die zeitlich zur Zeit der klassischen Star Trek-Serie angesiedelt sind. In letzter Zeit weitet er diesen Begriff für sich jedoch etwas weiter aus, so war sein vorangegangener Roman – „Foul Deeds will rise“ – während der TOS-Movie-Ära angesiedelt. Und mit seinem neuesten Roman „Child of two Worlds“ erzählt er eine Geschichte, die noch vor Kirks 5-Jahres-Mission angesiedelt ist, zum größten Teil zu einem Zeitpunkt, während Christopher Pike noch Kommandant der Enterprise war.

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Liest man den Titel des Buches – „Kind zweier Welten“ – so denken die meisten Star Trek-Fans vermutlich zuerst an Mister Spock, den halbvulkanischen, halbmenschlichen Offizier, der bereits unter Captain Pike auf der Enterprise als Wissenschaftsoffizier diente. Und tatsächlich beginnt der Roman mit einem kurzen Rückblick in seine Kindheit, die den vulkanisch erzogenen Spock bei einigen Schwierigkeiten zeigen, die irdische Rituale – konkret sein Geburtstag – nachzuvollziehen.

Danach macht die Handlung einen Sprung 18 Jahre nach vorn. Spock dient erfolgreich unter Captain Pike auf der Enterprise, ihm liegt sogar ein Angebot vor, auf der U.S.S. Interpid – einem nur von Vulkaniern bemannten Raumschiff – Erster Offizier zu werden. Doch gerade aufgrund seiner Herkunft zögert er, dieses Angebot anzunehmen. Auf der Enterprise wäre er weiterhin der einzige Vulkanier unter Menschen. Auf der Intrepid womöglich der einzige Mensch unter Vulkaniern.

Die Gedanken an seine Karriereplanung rücken jedoch in den Hintergrund, als die Enterprise gleich mit mehreren Notsituationen konfrontiert wird. Ein Ausbruch rigelianischen Fiebers bedroht die Mannschaft, könnte innerhalb von Tagen zu den ersten Todesfällen führen. Die einzige Hoffnung bildet der neutrale aber nahe der klingonische Grenze gelegene Cypria III, wo die Enterprise hoff, von der dortigen Regierung eine Substanz namens Ryetalyn zu erhalten, um eine wirksame Arznei daraus herzustellen. Die Enterprise hat den Planeten noch nicht erreicht, als sie aus klingonischem Territorium einen Hilferuf empfängt: Ein cyprianisches Handelsschiff wird von einem klingonischen Schlachtkreuzer verfolgt.

Während Pikes Erste Offizierin und ein Außenteam mit einer Raumfähre schon nach Cypria III aufbrechen um erste Verhandlungen zu führen, macht sich die Enterprise auf den Weg zur Rettung des Handelsschiffes. Zumindest gelingt es, dessen Insassen in Sicherheit zu beamen, womit der Ärger für Captain Pike aber erst anfängt: Wie sich herausstellt, hat die cyprianische Pilotin des Schiffes eine klingonische Offizierin entführt – ihre Schwester Elzura, die als Kind während eines Überfalls der Klingonen auf Cypria III verschleppt wurde. Elzura ist über ihre „Rettung“ jedoch alles andere als froh, wurde sie doch in den letzten zehn Jahren von Klingonen auf deren Weise und nach deren Sitten aufgezogen. Zudem stellt sich heraus, dass der Kommandant des Schlachtkreuzers, der das Handelsschiff verfolgte, Elzuras Ziehvater ist, der seine Adoptivtochter um jeden Preis zurückhaben will – notfalls über die Leichen der Enterprise-Crew. Allerdings sieht es nicht so aus, als ob die Klingonen dafür auch nur einen einzigen Schuss abgeben müssten: Als die Cyprianer erfahren, dass die Enterprise Elzura an Bord gebeamt hat, fordert auch deren Premierminister deren Rückführung nach Cypria III und droht, ansonsten kein Ryetalyn zur Verfügung zu stellen. Zudem gerät das Außenteam auf dem Planeten in große Gefahr, als sich der Hass der Bevölkerung auf die „unkooperativen“ Neuankömmlinge konzentriert, die bald einem wahren Lynchmob gegenüberstehen.

Fazit: Die Crew der Enterprise wird in diesem Roman von den Umständen ganz schön in die Klemme genommen, es gibt eine schleichende tödliche Gefahr auf dem Schiff, der man nur Herr werden kann, wenn man Elzura gegen ihren Willen nach Cypria zurückschickt. Anderseits droht ein zunehmend ungeduldig werdender Schlachtkreuzer-Kommandant mit der Vernichtung der Enteprise, wenn der zunehmend unter der Krankheit leidende Captain Pike dieser Auslieferung zustimmt und weitere Schlachtkreuzer sind als Verstärkung unterwegs. Das auf Cypria III indirekt in „Geiselhaft“ genommene Außenteam macht die Situation noch komplizierter und eine Rettungsaktion durch die Enterprise wird von den Klingonen auch gleich falsch interpretiert, was diese zu einem Angriff samt Enterung veranlasst. Greg Cox versteht es wirklich, eine ausweglose Situation für unsere Helden zu erschaffen und diese eskalieren zu lassen.

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Spocks frühere Crew-Kameraden auf der Enterprise, Jahre bevor Captain Kirk das Kommando übernahm.

„Child of two Wolrds“ besteht aber nicht nur aus der Umsetzung der Bedrohlichkeit der Situation, sondern lässt auch Zeit, damit Elzura – unterstützt zum Teil von Spock, der ihre Position zwischen zwei Welten am ehesten verstehen kann – über ihre Lage sinnieren kann. Aber obwohl Spock auf dem Cover des Romans ist, ist das titelgebende Kind zweier Welten doch eindeutig Elzura, während Spock eine eher begleitende Rolle spielt. Von den Enterprise-Crewmitgliedern fokussiert sich die Handlung auch stärker auf Captain als auf Spock. Pike – so muss ich sagen – gibt in dieser Geschichte einen eher schwachen Captain ab. Die Situation ist natürlich nicht leicht, aber ich glaube ein Captain Kirk hätte beim Anzeichen, dass die Cyprianer das Ryetalyn nicht liefern wollen, das Außenteam zurückbeordert, damit gedroht Elzura den Klingonen auszuliefern – was Elzura ohnehin die ganze Zeit will – und hätte den Sektor ohne das Ryetalyn verlassen und die Cyprianer wären mit leeren Händen dagestanden. Kirk hätte wahrscheinlich geblufft, da keine andere Ryetalyn-Quelle rechtzeitig erreichbar gewesen wäre, aber auch nicht gezögert, es sich einfach ohne die Erlaubnis der Cyprianer zu holen. (Tatsächlich sieht man Kirk in genau dieser Situation am Beginn der Folge „Planet der Unsterblichen.) Pike hingegen versucht eindeutig zu lange, beide Seiten in Schach zu halten, obwohl beide mit dem Status Quo – Elzuras Aufenthalt auf der Enterprise – unzufrieden sind. Spätestens nach den tätlichen Angriffen auf das Außenteam hätte Pike das Ryetalyn einfach einfordern müssen mit dem Hinweis, dass die Klingonen Elzura einfach holen würden, sobald die Crew der Enterprise am rigelianischen Fieber gestorben ist.

Das versuchen die Klingonen aber noch vorher und einmal mehr beschreibt Greg Cox eher nur mäßig gelungen eine Enterung der Enterprise durch feindliche Mächte. Eine vergleichbare Passage hatte er auch schon in „No Time like the Past“ und wie damals kann auch die Action-Sequenz in „Child of two Worlds“ keine Spannung erzeugen, ist zu wenig dramatisch und viel zu lang.

Zu lang ist auch eindeutig das Herausbeamen von Elzura und ihrer Schwester aus dem Handelsschiff beschrieben worden. Cox hat sich bei der Nomenklatur in diesem Roman streng an die Begriffe aus dem Star Trek-Pilotfilm „Der Käfig“ gehalten, aber für meinen Geschmack dann doch zu oft später eingeführte Begriffe und vermeidbares Technobabble eingefügt. Ganz ähnlich in dieser Hinsicht war der letzte Pike-Ära-Roman „The Children of Kings“, der in der Darstellung der Pike-Ära ein Hybrid zwischen „Der Käfig“ und dem elften Kinofilm war. In „Child of two worlds“ mischt Cox doch ein paar „fremde“ Elemente zu viel hinein, um den Roman als Geschichte darzustellen, die über zehn Jahre vor der klassischen Serie stattfand. Anderseits bietet der Pilotfilm „Der Käfig“ wohl auch zu wenige Anhaltspunkte, um allein darauf eine eigenständige Geschichte aufzubauen, die sich keiner Elemente aus der klassischen Serie oder aus den Spin-offs bedienen muss. Dass Cox diesen Weg nicht gegangen ist, will ich aber nicht als Makel sehen, es wäre aber ein interessantes Experiment, mal einen Roman zu schreiben, der von „Der Käfig“ ausgehend die Geschichte von Pikes Crew unabhängig weitererzählt.

Bewertung: Greg Cox liefert wieder einmal einen insgesamt sehr unterhaltsamen Roman ab mit einer Crew, mit der man selbst als Star Trek-Fan nicht besonders gut vertraut ist. Vor allem der Beginn des Romans, wenn Cox die vielen unterschiedlichen aber miteinander im Zusammenhang stehenden Bedrohungen nach und nach hinzufügt, baut sehr gelungen Spannung auf und welchen Weg Elzura schließlich einschlägt, ist wirklich lange Zeit völlig ungewiss. Abzüge gibt es wie erwähnt für die etwas behäbig erzählte Action-Sequenz und für einen Teil der Auflösung, der für Pikes Crew außerordentlich glücklich verläuft. Pike und die Crew der Enterprise verhalten sich im Verlauf des Romans etwas zu passiv, um am Ende eigenständig die Situation aufzulösen, so dass die Hilfe von außen am Ende nicht unerwartet kommt. Gute 4 Sterne sind aber allemal drinnen.

4stars

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