Rezension: VOY – „A Pocket full of Lies“

Die Full Circle-Flotte nimmt ihre Erkundung des Delta-Quadranten weiter auf. Von besonderem Interesse ist diesmal ein Raumgebiet, in dem die Völker der Nihydron, der Zahl, der Rilnar und der Krenim heimisch sind und das die Voyager bei ihrer ersten Reise durch den Quadranten weiträumig umflogen hatte.

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Als besonders informiert über dieses Gebiet gelten die Nihydron, mit denen Admiral Janeway sogleich ein erstes diplomatisches Treffen arrangiert. Doch die Freude über diese Kontaktaufnahme währt nur solange bis die Delegierten den Konferenzraum betreten und dem Admiral erstmals gegenüberstehen. Denn Kathryn Janeway ist das exakte Ebenbild des sogenannten Denzit, eines militärischen Oberkommandierenden der Rilnar, der die Truppen auf dem seit Jahrhunderten umkämpften Planeten Sormana befehligt. Dank den Taktiken des neuen Denzit sind die Rilnar sogar im Begriff, die Oberhand auf Sormana zu erlangen.

Da der Zwischenfall mit dem Omega-Kontinuum (siehe hierzu „The Eternal Tide“) eigentlich das Überleben einer andere Janeway aus einem anderen Universum oder einer anderen Zeitlinie ausschließt, bricht die Full Circle-Flotte nach Sormana auf, um dieser Sache nachzugehen. Während Außenteams in den Territorien der Zahl und Rilnar – die abgesehen von Sormana eigentlich recht friedlich miteinander auskommen – die Hintergründe für den Konflikt recherchieren, findet die Crew der Voyager heraus, dass es sich beim Denzit tatsächlich um eine Kathryn Janeway aus einer anderen Zeitlinie handelt. Und zwar um jene Janeway, die bereits Commander Chakotay während eines temporalen Zwischenfalls kennengelernt hatte. (Siehe hierzu die Voyager-Folge „Zersplittert“.) Diese Kathryn Janeway wurde laut eigener Auskunft von den Zahl – die über temporale Technologie verfügen sollen – aus der Zeitlinie entfernt, befragt, gefoltert und schließlich von den Rilnar befreit, die sie seither in ihrem Kampf auf Sormana mit ihrer Sternenflotten-Ausbildung unterstützt.

Ein Bruch der Obersten Direktive, der auf den Kriegsverlauf bedeutende Auswirkungen hatte. Admiral Janeway will ihr Ebenbild daher unbedingt dazu bewegen, Sormana zu verlassen. Da der Denzit Janeway jedoch aus der Zeitlinie entfernt wurde, ehe es die Voyager zum ersten Mal in den Delta-Quadranten verschlagen hat, hilft auch gutes Zureden von Chakotay und Tom Paris nichts, die mehr oder weniger Fremde für sie sind. Daher kehrt die Voyager in den Alpha-Quadranten zurück, um sich mit dem Raumschiff Titan zu treffen und Commander Tuvok abzuholen. Er war schon Jahre vor seinem Dienst auf der Voyager mit Janeway befreundet und soll den Denzit dazu überreden, ihre Zelte abzubrechen. Ein Plan, der nach hinten loszugehen droht, denn der Vulkanier schleppt mit sich selbst eine schwere emotionale Bürde, die ihn empfänglich für die Argumente des Denzits macht – die er zudem zum Teil vor der Crew der Voyager verheimlicht.

Währenddessen kann das Raumschiff Vesta im Gebiet der Krenim eine mit temporalen Schilden versehene Logbuch-Boje orten, die anscheinend von der Voyager stammte. Die Aufzeichnungen in der Boje lassen einerseits darauf schließen, dass die Voyager in einer anderen Zeitlinie heftige Auseinandersetzungen mit den Krenim ausfocht. Anderseits stellt sich die Frage, ob tatsächlich die Zahl über temporale Technologie verfügen oder nicht doch die Krenim auch in dieser Zeitlinie heimlich die Vergangenheit zu ihrem Gunsten verändern.

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Die Zerstörung eines Krenim-Schiffes machte dessen Veränderungen der Zeitlinie rückgängig. Die Voyager-Crew im Prime-Universum umflog das Krenim-Imperium.

 

Fazit: In alternativen Realitäten und Zeitreisen kann man sich leicht mal verstricken und unplausibel werden – so ist es Kirsten Beyer mit „The Eternal Tide“ ergangen. Glücklicherweise verzichtet sie in „A Pocket full of Lies“ darauf, zu sehr auf temporale Anomalien und Paradoxa einzugehen und die Charaktere darüber theoretisieren zu lassen. Stattdessen stehen Taten im Mittelpunkt, die Geschichte ist sehr dynamisch erzählt, splittet die Crew der Full Circle-Flotte sehr gut auf, um sie an verschiedenen Orten die Puzzlestücke zum Sormana-Konflikt finden zu lassen. Sehr gut gefiel mir auch, dass Tuvok zumindest für diese Mission wieder an Bord der Voyager ist. Er ist nicht ganz der Alte, aber es war doch schön, ihn wieder dort zu haben, wo er hingehört. Nicht selten beim Lesen eines Voyager-Relaunch-Romans denke ich mir, wo Tuvok wohl ist, bis mir wieder einfällt, dass er ja auf der U.S.S. Titan seinen Dienst versieht. Seine Beteiligung an der Mission ist in diesem Roman sehr schlüssig beschrieben und fügt über das Geheimnis, das er und Denzit Janeway teilen, eine emotionale Komponente hinzu.

Der Roman ist im Grunde durchgehend sehr unterhaltsam, es ist eigentlich immer was los und gegen Ende gibt es sogar eine ausufernde Action-Sequenz die bis zur totalen Eskalation führt. Überrascht war ich dann doch, dass nach dem eigentlichen und für die Bewohner von Sormana recht versöhnlichen Ende der Roman noch gar nicht zu Ende war, sondern die Autorin noch sehr viel Zeit aufwendet, um die Geschichte wirklich für jeden Charakter abzurunden. Außer für die Nany Conlon, die Chefingenieurin der Voyager, die ihren eigenen Handlungsstrang hat und der wohl erst in den kommenden Roman gänzlich aufgelöst wird. Dieser Handlungsstrang war auch der einzige, der nicht so recht zum Rest des Romans passen wollte. Er hatte mit der Haupthandlung so gut wie nichts zu tun. Da war die Nebenhandlung rund um Ensign Icheb besser integriert, dessen anfängliche Bemühungen, für B’Elanna Torres Effizienzberichte zu erstellen, ihn schließlich dorthin führen, wo er für die Haupthandlung etwas beitragen kann.

Abgesehen von der erwähnten Nebenhandlung rund um Nancy Conlon wirkt vielleicht ein kleiner Auftritt von Q etwas ablenkend. Er kündigt sich eigentlich schon früh an und ist durchaus gelungen. Aber er harmoniert meiner Meinung nach nicht so ganz mit dem Schluss von „The Eternal Tide“, was aber nicht besonders schlimm ist, denn damals fand ich seinen Abgang nicht besonders schlüssig.

Bewertung: „A Pocket full of Lies“ absolviert den Balanceakt – mit ein wenig Straucheln – erfolgreich. Zeitreiseparadoxien spielen keine nennenswerte Rolle, werden wenn dann einfach als Gegeben dargestellt ohne dass die Protagonisten seitenlang darüber diskutieren. Die Ausgangssituation, wie Denzit Janeway auf Sormana gelandet ist und dass die Voyager-Folge „Zersplittert“ mit der Folge „Ein Jahr Hölle“ in Verbindung gebracht wird, ist wirklich etwas abenteuerlich und auch die Auflösung geht in diese Richtung. Dennoch fand ich den Abschluss zufriedenstellend. Abzüge gibt es für das gelegentliche Streifen einiger Story-Aspekte von „The Eternal Tide“ und die Conlon-Nebenhandlung. Aber es gehen sich noch knapp 5 Sterne aus. Es ist erfreulich, dass diese Geschichte weitestgehend abgeschlossen wirkt. Nach dem Dreiteiler zuvor eine schöne Abwechslung, wenngleich anzunehmen ist, dass die Krenim vielleicht schon im nächsten Roman einen Auftritt bekommen.

5stars

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