Rezension: TOS – „The Latter Fire“

Passend zum Jubiläumsjahr von „Star Trek“ liefert James Swallow einen wirklich klassisch anmutenden Roman zur Originalserie ab. Zeitlich angesiedelt ist „The Latter Fire“ zwischen der Originalserie und der Zeichentrickserie, was gleich der Beginn deutlich macht, wenn Pavel Chekov die Enterprise verlässt und sein dreiarmiger und dreibeiniger Ersatzmann Lieutenant Arex an Bord kommt – zusammen mit einer diplomatischen Delegation der Föderation, die auf eine Einladung des Volkes der Syhaari reagiert.

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Vor einigen Jahren kam die Enterprise einem der ersten Warp-Schiffe der Syhaari zu Hilfe, als es in Not geraten war. Insofern ist Captain Kirk auch sehr erfreut, alte Bekannte wieder zu treffen. Bei der Ankunft im Sonnensystem der Syhaari muss Kirk jedoch bemerken, dass dieses Volk, das er als sehr friedfertig kennengelernt hat, in kurzer Zeit erstaunliche technologische Fortschritte erzielt und eine recht militant wirkende Schiffsflotte aufgestellt hat. Der Botschafterin der Föderation ist sehr wohl bekannt, dass einige ihrer Kollegen – allen voran Botschafter Robert Fox (siehe hierzu die Episode „Krieg der Computer“) – nicht gerade begeistert von Kirks Auslegung der Obersten Direktive sind und so vermutet sie, dass der Captain beim ersten Kontakt mit den Syhaari nicht die nötige Sorgfalt walten ließ. Die sich hinter Ausreden verbergende Abneigung der Syhaari, Mister Spock und Commander Scott einen Blick auf die neue Antriebstechnologie werfen zu lassen, verstärkt nur den Verdacht der Botschafterin.

Das erste Treffen mit den Regierungsvertretern der Syhaari läuft – abgesehen von einer kulturellen Eigenheit, die vor allem Doktor McCoy im wahrsten Sinne des Wortes auf den Magen schlägt – relativ gut, wenngleich sich herausstellt, dass der Forscher namens Tormid, der für den technologischen und militärischen Fortschritt der Syhaari verantwortlich ist, kein besonders angenehmer Zeitgenosse ist. Diplomatie rückt jedoch abrupt in den Hintergrund, als wie aus dem Nichts ein gewaltiges, im Weltraum lebendes Wesen am Rande des Sonnensystems auftaucht und mit destruktiven Energieentladungen alles aus dem Weg schafft, was seine unberechenbare Flugbahn kreuzt – seien es Raumschiffe oder ganze Planeten. Während Tormid sofort mit aggressiver aber aussichtsloser Gewalt gegen das Wesen vorgeht, will die Crew der Enterprise mehr darüber in Erfahrung bringen.

Fazit: Thematisch zitiert „The Latter Fire“so manche klassische Star Trek-Episode, präsentiert ein fremdes Wesen, das wie eine Mischung aus dem riesigen Einzeller aus „Das Loch im Weltraum“, Horta aus „Horta rettet ihre Kinder“, den tödlichen Wolken aus „Star Trek – The Motion Picture“ und der Zeichentrick-Folge „Die gefährliche Wolke“ wirkt. Der Ablauf der Geschichte bietet wiedermal Gelegenheit zu betonen, dass Problemlösung über Verständnis der Situation erreicht werden soll und die erste emotional getroffene Entscheidung nicht die beste sein muss.

Die Außerirdischen, auf die die Crew der Enterprise in dieser Geschichte trifft, sind durchaus interessant und in einem ausreichenden Maße fremdartig beschrieben, so dass ihre Motivationen noch verständlich bleiben. Hier und da hatte ich allerdings dann doch ein gewisses Problem, so manche Handlung völlig schlüssig nachvollziehen zu können. Allen voran ist Tormid nicht nur unsympathisch, sonder ein regelrechter Hysteriker. Einen so gewaltig überzeichneten Charakter habe ich schon lange in keinem Star Trek-Roman mehr gesehen und es lässt an der Vernunft der Syhaari-Regierung zweifeln, wenn sie ihm so viele Freiheiten lassen. Diese verliert Tormid selbst dann nicht so richtig, als er zwischenzeitlich eine Gefängniszelle von Innen betrachten darf. Es wäre wesentlich sinnvoller gewesen, ihn nicht auf der Enterprise zu inhaftieren. So erhält Tomid noch eine zusätzliche Chance, sich unerträglich aufzuspielen und man fragt sich, ob diesem Charakter eine reale Person als Vorlage diente, auf die Autor James Swallow richtig großen Hass empfinden muss.

Ebenfalls schwer erträglich – allerdings sicher nicht so geplant – waren die Action-Sequenzen. Vor allem jene, die Vorgänge im Weltraum aus neutraler Sicht beschreiben, also nicht die Sichtweise eines bestimmten Charakters repräsentieren. Es gibt zwei oder drei längere Passagen dieser Art und durch alle habe ich mich eher durchgequält. Dieser Stil – wohl der Versuch, das epische Ausmaß der Geschichte hervorzustreichen – ist nicht gerade Swallows Stärke.

Sehr gut unterhalten konnten jedoch einige Anspielungen auf andere Star Trek-Filme und -Serien, die allesamt nicht mit dem Vorschlaghammer eingefügt wurden, sondern sich harmonisch aus der Situation ergeben. Wenn etwa Captain Kirk im Deflektor-Kontrollraum der Enterprise um sein Leben fürchten muss, ist sein Gedanke, er hätte nie gedacht einmal an einem solchen Ort zu sterben, für Eingeweihte durchaus witzig, wenn man sich den siebenten Kinofilm in Erinnerung ruft.

Auch sehr gut gefiel mir, dass die Lieutenants Arex und M’Ress dabei waren und zugleich eine – wirklich sehr naheliegende – Erklärung abgeliefert wurde, warum man Pavel Chekov in der Zeichentrickserie nie zu Gesicht bekam.

Der neue Navigator Arex und Uhuras Vertretung M’Ress

Zu Lieutenant Arex gefiel mir zudem, dass einiges an Hintergrundmaterial, das zu seiner Person schon seit den 70ern existiert, von Swallow in den Roman aufgenommen wurde, so zum Beispiel seine schon längere Bekanntschaft mit Chekov. Allerdings keine Berücksichtigung fand der damals festgelegte Name seines Spezies. Anstatt als Edosianer bezeichnet zu werden, ist Arex hier Triexianer, was sich offenbar mit der Zeit in den Romanen festgesetzt hat. „The Latter Fire“ ist jedenfalls nicht der erste Roman, der Arex als Triexianer bezeichnet.

Bewertung: Einige Stellen waren recht zäh, aber in Summe ist es James Swallow sehr gut gelungen, eine sehr typische TOS-Geschichte im Jahr des 50jährigen Jubiläums des Franchise zu veröffentlichen und sie mit manchen Anspielungen auszuschmücken. Große Überraschungen halten sich daher in Grenzen, aber es ist eine solide Geschichte mit gewisser Moral, die zum größten Teil unterhaltsam war. 4 von 6 Sterne sind wohl knapp vertretbar.

4stars

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