Rezension: TOS – „Elusive Salvation“

Es ist kein gutes Zeichen, wenn man einen Roman beendet und sich am Tag danach gar nicht mehr an seinen Titel erinnern kann. Gut, das mag auch daran liegen, dass Dayton Wards neuer Star Trek-Roman einen Titel trägt, der – zumindest für mich – zwar nicht aus unbekannten Wörtern besteht, aber zumindest es zwei eher wenig geläufigen. „Elusive Salvation“ bedeutet in diesem Fall sinngemäß übersetzt ungefähr „Ungewisse Rettung“. Diese Übersetzung wird dem Inhalt des Romans einigermaßen gerecht, in dem es im Grunde um einen Rettungseinsatz für einige Außerirdische geht, die auf der Erde Schiffbruch erlitten.

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Mitte des 19. Jahrhunderts ist eine Gruppe Iramahl auf der Flucht vor den Ptaen, die das Volk der Iramahl seit langer Zeit unterdrücken. Sie müssen ihr beschädigtes Schiff auf dem nächstbesten Planeten notlanden und dies ist ausgerechnet die Erde. Dank der telepathischen Fähigkeit einer der drei Iramahl-Überlebenden gelingt es den auf der Erde gestrandeten Außerirdischen lange Zeit unentdeckt zu bleiben, aber immer wieder kommt es zu Konfrontationen mit Suchtrupps der Ptaen, die guten Grund haben, die Flüchtigen wieder einzufangen, tragen diese in ihren Genen doch ein Geheimnis, das die Iramahl vor der Unterdrückung der Ptaen für immer befreien könnte.

Im Jahr 2283 (zwei Jahre vor den Ereignissen von „Der Zorn des Khan“) fangen die Sensoren einer Raumstation im Orbit des Jupiters etwas auf, das wie ein getarntes Schiff aussieht. Admiral Nogura unterstellt die inzwischen als Akademie-Trainingsschiff fungierende U.S.S. Enterprise Admiral Kirks Kommando, um die mysteriösen Eindringlinge am Rand des Sonnensystems ausfindig zu machen und mit ihnen Kontakt aufzunehmen. Wie sich herausstellt, handelt es sich um ein Schiff der Iramahl. Es ist diesem Volk schließlich doch gelungen, ihre Unterdrücker loszuwerden, doch der Schaden, den die Ptaen den Iramahl angetan haben, blieb dennoch bestehen. Um die Population leichter kontrollieren zu können, reduzierten die Ptaen die Lebenserwartung der Iramahl mittels genetischer Manipulation beträchtlich. Bei den auf der Erde gestrandeten Iramahl handelte es sich um Wissenschaftler, die eine Behandlung zur Reparatur dieser Manipulation entwickelt hatten und wenngleich diese trotz verlängerter Lebenserwartung im Jahr 2283 kaum noch am Leben sein dürften, bitten die Abgesandten der Iramahl darum, auf der Erde nach deren Überresten bzw. nach deren Schiff zu suchen, um die Behandlung rekonstruieren zu können.

Die Sternenflotte erklärt sich bereit, eine planetenweite Suche vorzunehmen, doch diese bleibt ergebnislos. Daher entscheiden Admiral Kirk und Captain Spock, weiter in der Vergangenheit nach den Gestrandeten zu suchen und kontaktiert Verbündete: Gary Seven und Roberta Lincoln, die im 20. Jahrhundert im Auftrag einer wohlwollenden außerirdischen Macht dafür Sorgen, dass sich die Menschheit in den damals noch bevorstehenden Konflikten nicht selbst auslöscht. (Siehe hierzu auch die TOS-Episode „Ein Planet genannt Erde“.)

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Roberta Lincoln und Gary Seven arbeiten im 20. Jahrhundert für eine mysteriöse außerirdische Macht als Agenten auf der Erde.

Fazit: „Elusive Salvation“ ist keine direkte Fortsetzung zu Wards „From History’s Shadow„, beinhaltet aber einige Anspielungen darauf und lässt Charaktere aus diesmal in eher kleineren Rollen erneut auftreten. Zu diesen zählen etwa UFO-Jäger James Wainwright oder der seit den 1950ern auf der Erde lebende Vulkanier Mestral, der mit Gary Seven und Roberta Lincoln gelegentlich zusammenarbeitet. Hinzu kommen noch ein paar Anspielungen auf die Ereignisse von „From History’s Shadow“, mit denen ich persönlich aber eher weniger anfangen konnte, da mir die etwas wirre Story dieses Vorgängerromans nicht mehr sehr geläufig war.

Zu „Elusive Salvation“ kann man im Gegensatz zum Vorgänger als relativ geradlinig bezeichnen. Hier sind die Zeitabläufe schlüssig und nicht zu verworren, verzichtet man auf Paradoxien. Im Grunde ist der Roman nach einem üblichem Schema aufgebaut. Handlung A (die Iramahl in der Vergangenheit) und Handlung B (die Ära von Admiral Kirk) laufen parallel, bis beide miteinander verknüpft werden, indem Roberta Lincoln Kirk und Spock in die 80er Jahre teleportiert, wo sie die Iramahl ausfindig gemacht hat. Beide Handlungsstränge laufen bis dahin geradlinig, lediglich zeitversetzt. Einerseits löblich, dass die Story diesmal überschaubarer ist. Anderseits aber schade, denn sie weist nicht eine einzige Überraschung auf. Und das ist der größte Kritikpunkt an dem Roman: Er ist solide geschrieben, aber Spannung kommt leider nie auf.

Hinzu kommt, dass abermals Seven und Lincoln die technischen Fähigkeiten zur Zeitreise attestiert werden. Ich weiß ja, es ist nichts Neues, frühere Romane haben die beiden auch schon mit dieser Technologie ausgestattet, aber die Arbeit der beiden Agenten erscheint mir dadurch etwas zu einfach. Überhaupt nicht gefallen hat mir gegen Ende, dass Seven und Lincoln am Schluss sogar bei einer Besprechung mit Admiralen der Sternenflotte anwesend sind. (Was umso seltsamer ist, da Gary Seven davor mit Abwesenheit gänzt.)

Unterhalten konnten aber einige augenzwinkernde Anspielungen. Vor allem jene auf den Film bzw. Roman „Jagd auf Roter Oktober“ und „Zurück in die Zukunft“. Natürlich gibt es auch viele Anspielungen auf andere Zeitreise-Episoden von „Star Trek“, jedoch konzentrieren sich diese vorrangig (aber nicht ausschließlich) in den beiden Epilogen des Romans. Der Schlusssatz ist zudem eine Andeutung, dass eine gewisse Organisation namens „Sektion 31“ ihre Ursprünge doch nicht erst im 22. Jahrhundert hat, sondern wesentlich früher.

Bewertung: „Durchschnitt“ beschreibt diesen Roman eigentlich sehr gut. Die Geschichte geht keine überraschende Wege, bleibt damit aber auf sicheren Pfaden. Autor Dayton Ward wird diesmal kein Opfer eines „temporalen Übermuts“, der nur Durcheinander stiftet. Aber dafür bleibt der Mut ganz auf der Strecke. Das Überraschendste an „Elusive Salvation“ ist wohl die Tatsache, dass es keine Überraschungen gibt, die Story sich genau so entwickelt, wie man es nach dem ersten Viertel oder ersten Drittel erwartet. Die Karten liegen also früh auf den Tisch, die Spannung davor ist zwar vorhanden, hält sich aber doch eher in Grenzen und ich muss auch sagen, dass Action-Sequenzen keine Stärke von Ward sind. Auch hier fehlt es an Dramatik und er tendiert generell dazu, oft zu sehr – unnötigerweise – ins Detail zu gehen und so Tempo rauszunehmen. Obwohl die Geschichte dahinplätschert, bin ich aber dennoch recht flott mit dem Roman fertig geworden und die eine oder andere Anspielung, die auch etwas Humor transportieren, ist durchaus ein Pluspunkt. Solide 3 Sterne sind durchaus gerechtfertigt. Es gibt noch viel Luft nach oben, aber die Geschichte geht kein Risiko ein, das sie auch nur annähernd in Gefahr brächte, komplett abzustürzen wie das Iramahl-Raumschiff am Beginn.

3stars

Wer an weiteren Abenteuern von Gary Seven und Roberta Lincoln interessiert ist, dem empfehle ich einerseits Greg Cox‘ Romane über die Eugenischen Kriege wie auch  John Byrnes Comics der 5-teiligen „Assignment: Earth“-Reihe.

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