Rezension: TOS – „Legacies – Book 3: Purgatory’s Key“

Die diesjährige Roman-Trilogie zur klassischen Star Trek-Serie findet mit „Purgatory’s Key“ ihren Abschluss. Nachdem Greg Cox den ersten Teil verfasst hat, ging die Trilogie in die Hände der „Vaguard“-Autoren über. Steuerte Action-Spezialist David Mack den Mittelteil bei, durfte das Autorenduo Ward & Dilmore das Finale verfassen. Die folgende Rezension verrät Inhalte aus den beiden vorangegangenen Teilen des Romans.

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Im 2. Buch der Reihe ist David Mack etwas ausgeschert und hat die Story, die im ersten Buch angefangen wurde, nur bedingt fortgeführt und sich stattdessen auf einen Nebenschauplatz konzentriert. Im Finale kehrt der Fokus nun wieder zurück auf Captain Una, die in dem von den Jatohr bewohnten Universum inzwischen ihre Kameraden wiedergefunden hat. Als die Jatohr 18 Jahre zuvor einen missglückten Invasionsversuch in unser Universum – genauer gesagt auf dem Planeten Usilde – unternommen hatten, waren mehrere von Unas damaligen Crewkameraden ins Jatohr-Universum verschleppt worden. Nun gilt es auszuharren und darauf zu hoffen, dass es Captain Kirk gelingt, zum vereinbarten Zeitpunkt erneut des Dimension-Portal auf dem Planeten Usilde zu öffnen.

Ein schwieriges Unterfangen, denn wenngleich sich der Planet in einem neutralen Raumgebiet befindet, haben seit Unas Wechsel ins Jatohr-Universum die Klingonen ihr Banner auf Usilde gehisst und versuchen selbst, die fremde Technologie in der zurückgelassenen Festung der Jatohr zu entschlüsseln. Ihnen fehlt dazu jedoch eine wichtige Komponente, der sogenannte „Transfer-Schlüssel“. Dieser hatte zwischenzeitlich den Besitzer gewechselt, war in die Hände der Romulaner gefallen, die mithilfe der Technologie nicht nur den vulkanischen Botschafter Sarek und den klingonischen Ratsherren Gorkon verschwinden ließen, um die Friedensverhandlungen zwischen Föderation und Klingonen zu sabotieren. Auch Doktor McCoys Tochter wurde versehentlich in die fremde Dimension transportiert. Als sich die Enterprise mit dem wiedererlangten Transfer-Schlüssel Usilde nähert, ist die Besatzung – allen voran natürlich Spock und McCoy – in höchstem Maße motiviert, das Dimensionsportal erneut zu öffnen. Womit sie jedoch nicht rechnen: Zum einen bereitet sich auf der anderen Seite des Portals eine neue Invasionsarmee der Jatohr vor. Zum anderen befindet sich auch ein klingonischer Schlachtkreuzer auf den Weg nach Usilde, dessen Kommandantin der neutrale Status dieses Raumgebietes gänzlich egal ist und die nur das Ziel verfolgt, ihre Ehre mit einem Sieg über den legendären Captain Kirk wiederherzustellen …

Fazit: In diesem Finale ist ganz schön viel los und das liegt vor allem daran, dass sich die Handlung auf drei Hauptschauplätze verteilt. Zum einen ist da das Normal-Universum, in dem sich die Crew der Enterprise mit Klingonen herumschlagen muss wie auch mit technischen Tücken der auf Usilde zurückgelassenen Jatohr-Technologie, die seit der Abreise ihrer Herren vor 18 Jahren weiterhin die Umwandlung der Umwelt von Usilde vorangetrieben hat. Dass sich die Jatohr in einer normalen planetaren Umgebung der Klasse M nicht wohl fühlen, ist auch ein Hinweis darauf, was es mit jenem surrealen Ort auf sich hat, an dem Captain Una gelandet ist. Wie sie herausfindet, handelt es sich dabei nicht wirklich um jene Welt, die von den Jatohr bewohnt wird, sondern um eine Art „Matrix“, die eigentlich den Zweck hat, die Vorhut der Jatohr zu akklimatisieren und auf die Gegebenheiten in unserem Universum vorzubereiten. Der Konflikt in der Matrix spitzt sich zu, als die Jatohr begreifen, dass Una dank ihrer disziplinären Ausbildung sogar Kontrolle über die virtuelle Umgebung auszuüben vermag. Dass sich Una und die restlichen Verschleppten lediglich in einer Scheinrealität aufhalten, nimmt den Vorkommnissen dort aber auch recht radikal die Spannung. Vor allem wenn einer der Charaktere stirbt, der später im Star Trek-Universum noch auftreten wird, ist klar, dass nichts in dieser Scheinrealität Konsequenzen hat. Und was außerhalb dieser Scheinrealität im Jatohr-Universum geschieht, wird nur als sehr abstraktes Konzept beschrieben. Jedenfalls entsteht auch dort kaum eine Bedrohung für das Wohl der Protagonisten. Sie finden dort sogar – einmal mehr – einen Verbündeten. Es ist schon erstaunlich, wie oft unsere Helden in dieser Roman-Trilogie einsichtigen und hilfsbereiten Jatohr begegnen, während deren Anführer als engstirniger Kriegstreiber dargestellt wird.

Im Jatohr-Universum ist die Spannung also relativ schnell draußen. Im Normaluniversum sind die Vorkommnisse dafür etwas interessanter, wenngleich Spock und Chekov für meinen Geschmack etwas zu lange an einer Sonde rumbasteln, die ins Jatohr-Universum geschickt werden soll. Hier wird technisch etwas zu sehr ins Detail gegangen und erinnert im Jargon mehr an das 24. Jahrhundert. Das gilt auch für die Darstellung der Klingonen, die nicht so ganz jene sind, die man in der klassischen Serie gesehen hat und mehr Charakteristiken ihrer Pendants in den späteren Serien aufweisen – was allerdings vom Autorenduo durchaus zu erwarten war. Ihre mit David Mack verfasste „Vanguard“-Reihe hat Eigenschaften der klassischen und späteren Klingonen auch schon gemixt. Zumindest sorgt das Verhalten der Klingonen in „Purgatory’s Key“ für einige spannende Momente und Intrigen.

An persönlicher Interaktion gefällt mir in diesem Roman jene zwischen Doktor McCoy und Spocks Mutter Amanda Grayson am besten. Das Trio Kirk/Spock/McCoy wird in der klassischen Star Trek-Serie und den Romanen gerne als Einheit mit unterschiedlichen Qualitäten dargestellt, aber selten wird darauf Bezug genommen, dass McCoy doch etwas älter als seine beiden Freunde ist. Die Interaktion zwischen McCoy und Amanda kommt sehr natürlich rüber und baut darauf, dass ihnen nahe stehende Personen im Jatohr-Universum verschollen sind und sie altersmäßig nicht so weit auseinander liegen.

Wie die Geschichte ausgeht, will ich natürlich nicht vorweg nehmen, jedoch auch dazu ein paar Kritikpunkte noch zumindest allgemein vorbringen. Zum einen gibt es zwar für Kirk & Co so manches Hindernis auf ihrer Mission, aber allzu oft machen es ihnen die Umstände auch wiederum leicht. Zudem tauchen am Ende beim Ausklang der Story ein paar Ungereimtheiten auf, die mich vermuten lassen, dass es sich hier um Überbleibsel aus früheren Versionen der Story handelt. Die Aussöhnung der McCoys scheint schon vorhanden noch ehe auf den folgenden Seiten diese erfolgt. Der Anführer der bislang als recht einfach beschriebenen Usildar versteht Sulus technische Ausführungen am Schluss scheinbar problemlos. Und offenbar war ursprünglich angedacht, das Raumschiff Defiant auch noch im Einsatz zu zeigen. Im Gegensatz zu Spock finde ich es zumindest nicht „glücklich“ sondern vielmehr „logisch“, dass es auf einem Schiff keine Verlust gab, das noch Flugstunden entfernt war, als es im Orbit von Usilde prekär wurde.

Bewertung: Nach dem starken Auftakt gelang es den Autoren Mack, Ward und Dilmore leider nicht, die Spannung aufrecht zu erhalten. Vielleicht lag es auch daran, dass die Story in den Büchern 2 und 3 etwas zu gestreckt wirkt. Buch 2 konnte man noch attestieren, hier wirklich die „großen“ Völker aus der klassischen Serie zusammenzuführen, neben Föderation und Klingonen auch noch die Romulaner und Orioner ins Spiel zu bringen. Die beiden Letztgenannten spielen in „Purgatory’s Key“ aber gar keine Rolle mehr. Stattdessen konzentriert sich die Story wieder auf den eher „typischen“ Föderation-Klingonen-Konflikt und „Ehre“ als Tatmotiv und Auslöser für die Zuspitzung der Ereignisse im Normaluniversum, während die Handlung im Jatohr-Universum wenig Spannung erzeugt. Konfliktpotenzial hätte sich auch auf dem Planeten Usilde zwischen den Jatohr und den Ureinwohnern entwickeln können, doch sind hier beide Seiten am Ende überraschend verzeihend und nachgiebig.

Unterm Strich kann ich das Finale dieser Trilogie nur als durchschnittlich bewerten. Vielleicht war die Erwartungshaltung nach dem ersten Roman auch zu hoch bzw. wäre die Geschichte vielleicht runder – und wahrscheinlich kürzer und weniger gestreckt – ausgefallen, hätte nur ein Autor sie verfasst. Für sich allein stehend verdient sich „Purgatory’s Key“ lediglich 3 Sterne von meiner Seite.

3stars

Anmerkung: Ich meine, sowohl auf den jüngsten Film „Star Trek Beyond“ als auch auf die im kommenden Jahr startende Serie „Star Trek Discovery“ Anspielungen im Roman entdeckt zu haben. Sie sind aber so dezent, dass ich mir nicht sicher bin, ob sie von den Autoren wirklich bewusst eingebaut wurden.

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Ein Kommentar zu “Rezension: TOS – „Legacies – Book 3: Purgatory’s Key“

  1. Ich finde die Trilogie sehr interessant, insbesondere wegen Captain Una.
    Schön, dass Nummer 1 einen Namen bekommen hat.
    Hoffentlich bringt Cross Cult diese kleine Reihe auch auf deutsch.

    Jetzt habe ich endlich meinen ersten Kommentar geschrieben. 🙂
    Ich schaue hier ja schon lange gerne und regelmäßig vorbei.
    Dein Blog gefällt mir wirklich sehr gut, weiter so.

    LG, Frank

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