Rezension: TOS – “Mord an der Vulkan-Akademie”

Wieder mal etwas aus der Klassiker-Kategorie: Jean Lorrahs Roman „Mord an der Vulkan-Akademie“ stammt aus dem Jahre 1984, aber im Gegensatz zu vielen Star Trek-Romanen der 80er-Jahre, war mir dieser bis vor kurzem noch unbekannt und vor allem weil mir der doch sehr plakative Titel aufgefallen war, habe ich ihn nun nachgeholt.

 

Die Geschichte beginnt im Grunde weit entfernt von der im Titel erwähnten Heimatwelt der Vulkanier: Bei einem Geplänkel zwischen der Enterprise und einem klingonischen Schlachtkreuzer wird ein Besatzungsmitglied – Carl Remington – schwer verletzt, er erleidet neurale Schäden, die ihn in einen komatösen Zustand versetzen ohne Aussicht auf Besserung. Während Dr. McCoy ratlos ist, was er noch tun könnte, schlägt ausgerechnet Spock eine neue Stasis-Therapie vor, die an der vulkanischen Akademie der Wissenschaften erstmals an Patienten getestet wird. Spock weiß im Gegensatz zu McCoy von dieser experimentellen und sehr gefährlichen Vorgehensweise, da sie an seiner eigenen Mutter Amanda erstmals angewendet wird.

Da diese Therapie die einzige Chance für Remington ist, wieder ein normales Leben führen zu können, lässt Captain Kirk Kurs auf Vulkan setzen, wo auch die Gefechtsschäden der Enterprise repariert werden können und Kirk, Spock und McCoy die Gastfreundschaft von Amandas Mann Sarek genießen können. Der Urlaub wird jedoch abrupt unterbrochen, als eine von drei in Betrieb befindlichen Stasis-Kammer ausfällt, was den sofortigen Tod der darin behandelten Vulkanierin zufolge hat, die die Ehefrau eines der Wissenschaftler war, der die Therapie zusammen mit einem irdischen Arzt entwickelt hatte. Da allen das Risiko der neuen Behandlungsmethode bewusst war, entsteht erst ein gezielter Mordverdacht, als auch eine zweite Stasis-Kammer ausfällt …

Fazit: Es ist immer interessant, mal zurückzublicken, wie sich Autoren das Star Trek-Universum vorgestellt haben, noch bevor weitere Kinofilme und Hunderte TV-Episoden produziert wurden und neues Canon-Material geliefert haben. „Mord an der Vulkan-Akademie“ bezieht sich dennoch sehr stark auf das, was zum damaligen Zeitpunkt etabliert war. Vor allem natürlich auf die Folgen der klassischen Serie „Weltraumfieber“ und „Reise nach Babel“, auf die Zeichentrickfolge „Das Zeitportal“ als auch auf den damals bereits existierenden erste Star Trek-Kinofilm. Die Autorin zeichnet ein sehr interessantes Bild des Planeten Vulkan und setzt die einzelnen Puzzleteile aus den genannten Referenzwerken sehr gut zu einem atmosphärischen Bild einer fremden Welt zusammen und bei diesem Roman dürfte es sich um den ersten handeln, der die vulkanischen Namen der Planeten dieses Sonnensystems nutzt (die davor in Fan-Kreisen aber schon kursierten).

 

Geht man weiter ins Detail, erscheint einem manches an Vulkan wie hier beschrieben doch etwas sonderbar. Eines vor allem: Es gibt offenbar keinerlei Sicherheits- und Ermittlungbehörden auf Vulkan, denn Vulkanier sind ja so friedlich. Richtig erraten: Das ist der Aufhänger, warum kein vulkanischer Kriminalbeamter den Ausfällen der Stasis-Kammern nachgeht, sondern Captain Kirk die Ermittlungen führt. 😉 Hier wird ein bisschen getrickst, allerdings nicht besonders gut. Zum einen wird aus der Geschichte erst zur Mitte des Romans ein Krimi. Es dauert erstaunlich lange, bis jemand auf die Idee kommt, bei den Ausfällen der Kammern könnte es sich um Sabotage handeln. Als Leser, der den Titel der Geschichte kennt, ist man hier den Charakteren gegenüber recht deutlich im Vorteil. 😀 Zum anderen nutzen Kirk & Co nicht die Ressourcen der Enterprise, die im Orbit über ihnen schwebt. Es scheint, als hätten sie nicht einmal Kommunikatoren mitgenommen oder Zugriff auf andere Mittel und Personal, die bei den Ermittlungen helfen können. Das ist eine recht konträre Darstellung im Vergleich zu so mancher TV-Folge. (Siehe z.B. TOS „Der Wolf im Schafspelz“.) Ich verstehe, dass dadurch versucht wird, etwas Spannung reinzubringen, die Helden von der Enterprise mit Personen allein zu lassen, von denen jeder ein Mörder sein könnte.

Wobei so ganz stimmt das auch nicht: Im Grunde ist Captain Kirks Ermittlung recht unspannend. Er schreibt zwar so ziemlich jede im Roman vorkommende Person auf seine Verdächtigenliste, aber echte Motive kann er nicht zutage fördern. Als Leser ist man entweder auf die Auflösung durch die Autorin angewiesen, oder man folgt dem allerersten Verdachtsmoment, der meiner Meinung nach zwar nicht sehr gut verdeckt wird, aber durchaus überlesen werden könnte.

Bewertung: Als Kriminalgeschichte ist „Mord an der Vulkan-Akademie“ eine etwas öde Angelegenheit. Zudem gibt es eine romantische Nebenhandlung, die mich nicht sonderlich angesprochen hat. Punkten kann der Roman dennoch über die Schilderung der vulkanischen Kultur und des Planeten Vulkan und einige alternative Entwicklungen, die sich mit den späteren Serien und Filmen nicht mehr vereinbaren lassen, aber interessante Ideen beinhalten, wie die Charakterisierung von Sarek, das Schicksal von Amanda und die Macht der vulkanischen Telepathie. Unterm Strich kommt ein sehr durchschnittlicher Roman heraus, der Krimi-Fans nicht sehr zusagen wird, aber vielleicht Star Trek-Fans, die mehr über (ein alternatives) Vulkan und seine Bewohner herausfinden möchten. Von meiner Seite gibt es 3 von 6 Sterne für diesen Roman.

3stars

Die Screenshots stammen von trekcore.com.

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3 Kommentare zu “Rezension: TOS – “Mord an der Vulkan-Akademie”

  1. Hallo Markus,
    dieser ST-Roman war einer der ersten, die ich gelesen habe und ich liebe ihn. Der Krimi ist tatsächlich etwas schwach und unlogisch, aber mir gefiel die Darstellung der vulkanischen Kultur. Kennst du den Nachfolgeband von Jean Lorrah?
    Die UMUK-Seuche. Auch dieser fokussiert auf die vulkanische Kultur.

    • Hallo Daniela! 🙂

      Ja, der Roman schafft wenn auch nicht einen interessanten Krimi, dann doch eine faszinierenden Bühne, die auch der später eigentlich am häufigste genannte Vulkan-Referenzroman „Spocks Welt“ ein paar Jahre danach recht unverändert genutzt hat.

      Die UMUK-Seuche habe ich ebenfalls gelesen, aber das ist schon 20 bis 25 Jahre her und ich kann mich nur sehr vage an den Inhalt erinnern. (Es kam ein Staudamm darin vor, zumindest das weiß ich noch. :-D) Ich werde mir den Roman mal vormerken. Jetzt, da ich mit der Jack Reacher-Reihe fertig bin, möchte ich ohnehin einige der älteren Star Trek-Romane nachholen oder erneut lesen.

      • Staudamm stimmt schon mal :D.
        Ich will aber nicht spoilern, sondern dir den Genuß des erneuten Lesens erhalten.
        Ist schon komisch, gell, wie man manche Bücher komplett vergessen kann. Mit meinem Buchblog hoffe ich, dass mir das nicht mehr passiert (und wenn doch, kann ich mir meine eigene Rezension durchlesen) 😀

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