Rezension: „Star Trek – Designing Starships – Volume One“

Seit ein paar Jahren veröffentlicht der Eaglemoss-Verlag regelmäßig Raumschiff-Miniaturen im Rahmen der „Official Starships Collection“. Die aus Metall und Kunststoff hergestellten Modelle sind sehr detailliert, im Durchschnitt ca. 13 Zentimeter lang und werden zusammen mit einem Begleitheft geliefert. In jedem dieser Hefte gibt es auch zumindest einen Artikel, der sich mit der Erschaffung des Schiffsdesigns beschäftigt und diese Artikel fasst Eaglemoss nun auch in Hardcover-Büchern zusammen, die aber auch neue Inhalte aufweisen, die in den Begleitheften nicht enthalten sind.

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Das erste von bislang zwei derartigen Büchern erschien im Herbst 2016. Während die Hefte sowohl auf Englisch als auch Deutsch herausgebracht werden, erscheinen diese Hardcover-Bücher nur in englischer Sprache und sind meines Wissens auch ausschließlich über die Online-Shops von Eaglemoss erhältlich. An dieser Stelle möchte ich „Volume One“ präsentieren, das auf 160 Seiten Licht auf den Entstehungsprozess von über 30 Raumschiffmodellen – sowohl physische Filmmodelle als auch computergenerierte Modelle – wirft.

Das Buch ist vollgestopft mit Entwurfsskizzen, Fotos, Renderings und Screenshots, die gemeinsam mit dem Text, in dem die Designer zu Wort kommen, einen tollen Blick hinter die Kulissen und in die Art Departments ermöglichen. Nahezu aus erster Hand erfährt man die Gedanken der Designer, was sie inspiriert hat, diesem oder jenem Schiff diese besondere Form zu geben, welche Vorgaben sie hatte, welche Elemente von den Effektstudios ergänzt wurden etc. Das Buch enthält Werke und Erläuterungen von Matt Jeffries, Andy Probert, John Eaves, Alex Jaeger, Bill George, Nilo Rodis, Dan Curry, Herman Zimmerman, Rick Sternbach, Rob Bochune, Doug Drexler und vielen weiteren Personen, die an der Umsetzung der Schiffe für die Serien und Filme gearbeitet haben und ihre Kreativität einfließen ließen.

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Zu den mehr als 30 Schiffen in „Volume One“ gehören ausführliche und stark illustrierte Artikel zu allen prominenten Schiffen namens Enterprise (außer Enterprise-J, die in „Volume Two“ behandelt wird). Weitere bekannte und beliebte Schiffe wie die Reliant, die Excelsior, die Stargazer, die Akira, die Centaur wie auch Schiffe der Borg und der Vulkanier werden erläutert. Botany Bay, ECS Fortunate, bajoranischer Solarsegler, die Dauntless, Schiffe der Krenim, Malon, Spezies 8472 (besonders ausführlich!!!) und Hirogen … sie alle und noch viel mehr findet man in diesem Buch.

Zu den exklusiven Inhalten, die man nicht in den Heften findet, gehören Artikel zu drei Shuttles sowie zu zwei Enterprise-Schiffen, die es nicht auf die Leinwand oder den TV-Schirm geschafft haben, denn in den 1970ern wurden weder der Film „Planet of the Titans“ noch die Serie „Phase II“ umgesetzt.

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Fazit: Obwohl es sich bei diesem schön gestalteten Hardcover-Buch mit Hochglanzumschlag „nur“ um eine Sammlung von Artikeln aus mehreren Heften und einigen exklusiven Extras handelt, merkt man dies beim Lesen kaum. Bei Vergleichen zwischen Designs kann es schon mal vorkommen, dass eine Anekdote mehr als einmal erzählt wird, aber sowas ist wirklich nur die Ausnahme und keinesfalls die Regel.

Generell lässt sich sagen, dass „Designing Starships“ im selben Stil gehalten ist, wie andere Design-Bücher zum Thema „Star Trek“, wenngleich der Fokus allein auf Raumschiffe schon etwas Besonderes ist. Bücher wie „Star Trek Design“ oder das TNG-Movie-Sketchbook und TOS-Skizzenbuch behandeln zwar ebenfalls Raumschiffe, aber auch Requisiten, Sets und Kostüme. Stichwort Sets: Wenn etwas in „Designing Starships“ zu kurz kommt, dann das Innere der Schiffe. Dieses Thema wurde weitestgehend ausgespart. Ebenfalls bei manchen Artikeln ein Manko ist das Fehlen eines Bildes des finalen Designs des Schiffes. In den Heften gibt es eigene Seiten, die das fertige Schiff aus verschiedenen Perspektiven zeigen. Manchmal wäre es ganz schön gewesen, im Buch zwischen Entwurf um Umsetzung direkt vergleichen zu könne. Diese Seiten hätte man vielleicht auch noch ins Buch aufnehmen können. Es sind aber sicher weit weniger als ein Viertel der Artikel, denen ein Bild des fertigen Schiffes fehlt.

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Bewertung: Ich finde, der Inhalt dieses Buches ist sehr gut zusammengestellt, gut aufeinander abgestimmt, so dass es sich sowohl in einem durch lesen lässt, aber auch als Nachschlagewerk dienen kann. Die Artikel sind informativ und wenn sogar jemand wie ich – der seit Jahrzehnten jede Skizze und jeden Design-Entwurf zu Star Trek studiert, der mir unterkommt – noch neues Bildmaterial findet, dann sagt das sehr viel über dieses Buch aus. Wie erwähnt hat es kleinere Mankos aufgrund der Tatsache, dass es sich eigentlich um eine Artikelsammlung handelt, aber die exklusiven Inhalte zu den Shuttles, „Phase II“ und „Planet of the Titans“ gleichen diese sehr gut aus, wenn auch nicht ganz. Eine etwas nähere Beleuchtung des Innendesigns jener Schiffe, von denen man das Innere kennt, wäre wirklich eine notwendige Ergänzung gewesen. Daher gibt es „nur“ 5 von 6 Sterne. (Auch weil das Buch für die überschaubare Seitenzahl ein bisschen teuer ist.)

5stars

Anmerkungen:

In keinem der beiden bisher erschienenen Büchern sind Inhalte aus den „Special Edition“-Ausgaben enthalten.  Diese Modelle sind deutlich größer, ca. 20 Zentimeter lang und das Heft ist ebenfalls umfangreicher. Gewöhnlich sind in diesen Heften rund 15 Seiten allein dem Design des jeweiligen Schiffes gewidmet – mitunter auch mit der Gestaltung des Inneren. Gut möglich, dass diese Inhalte aus den „Special Editions“ auch in künftigen Büchern aufgrund des Umfangs unberücksichtigt bleiben werden.

Dass es zumindest noch ein drittes Buch geben wird, halte ich für wahrscheinlich, denn auffallend in den ersten beiden Büchern ist das Fehlen von fast allen klingonischen Schiffen (Ausnahme: der Bird of Prey in Volume Two). Diese dürften wohl als Aufhänger für ein drittes Buch dienen, das vielleicht im Herbst 2017 erscheint, wenn man weiterhin halbjährlich ein Buch veröffentlichen will. Inhalte gibt es genug, denn bis zum Herbst wird Eaglemoss zumindest in Großbritannien bereits über 100 Schiffe herausgebracht haben.

Ich selbst stelle mir gerade eine eigene kleine Sammlung zusammen und werde diese Schiffe zukünftig auch auf meinem Blog rezensieren.

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2 Kommentare zu “Rezension: „Star Trek – Designing Starships – Volume One“

    • Vielen Dank fürs Verlinken! 🙂

      Vielleicht kennst du das Buch ja schon, aber „Star Trek Design“ (OT „The Art of Star Trek“) ist ebenfalls sehr lesenswert und deckt so ziemlich das volle Spektrum an Design-Abteilungen ab, von den Modellen bis hin zu den Sets, vom Make-up bis hin zu den Kostümen. Es ist halt leider nicht mehr ganz aktuell (bis VOY bzw. ST7) und nur mehr antiquarisch zu finden, aber eines meiner absoluten Lieblingsbücher, das ich sicher mindestens einmal pro Jahr aus dem Regal nehme um darin zu blättern.

      https://rumschreiber.wordpress.com/2012/05/18/rezension-star-trek-design/

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