Bewegte Bilder

In San Diego ist wieder einmal Comic Con-Zeit und im Rahmen dieses Events wurde ein neuer Trailer zu „Star Trek Discovery“ veröffentlicht. Wie bereits berichtet wird die Serie hierzulande ab 25. September 2017 über Netflix zu sehen sein. (Ab 24. September bereits in den USA auf CBS All Access.)

Auch neue Promotion-Fotos und ein Postermotiv wurden veröffentlicht:

Die Bilder stammen von trekmovie.com, wo ihr auch einige Artikel mit vielen Fotos der auf der Comic Con ausgestellten Kostüme, Requisiten und Entwürfe findet:

Uniformen und Ausrüstung der Sternenflotte, zuvile Kleidung:
http://trekmovie.com/2017/07/20/sdcc17-see-the-federation-and-starfleet-costumes-and-props-from-star-trek-discovery/

Klingonische Rüstungen und Waffen:
http://trekmovie.com/2017/07/20/sdcc17-star-trek-discovery-klingon-costumes-and-props/

Verschiedene Entwürfe, darunter die U.S.S. Discovery:
http://trekmovie.com/2017/07/20/sdcc17-star-trek-discovery-concept-art-details-klingon-and-federation-ships/

Rezension: Comic – Boldly go #9

Nach den Abenteuern der U.S.S. Endeavour in den vergangenen drei Ausgaben der „Boldly go“-Comicreihe, konzentriert sich Ausagbe #9 nun wieder auf persönliche Erlebnisse bekannter Charaktere. Diesmal im Mittelpunkt stehen Uhura und Spock.

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Die Enterprise wird noch auf Stenrnenbasis Yorktown zusammengebaut – ein Vorgang, der laut Information aus diesem Comic noch mehrere Monate andauern wird – und so gönnen sich Uhura und Spock eine Auszeit von der Sternenflotte, die sie auf Neu-Vulkan verbringen. Uhura unterrichtet an der Wissenschaftsakademie irdische Geschichte und Kultur während sich Spock einer Expedition anschließt, die ihn in eine abgelegene Gegend des noch relativ unerforschten Planeten führt. Dort soll eine radioaktive Substanz abgebaut werden, die dabei helfen soll, die neue Heimatwelt der Vulkanier energieautark zu machen.

Während sich Spock weit entfernt von der Hauptstadt aufhält, genießt Uhura ihre neue Aufgabe in der Wissenschaftsakademie, wird von ihren jungen Schülern wie auch ihren vulkanischen Kollegen sehr geschätzt – ebenso von Spocks Vater Sarek, dessen unterschwellige Botschaft, sie und Spock mögen doch auch mal an Heirat denken, ihr nicht entgeht 😀 Ein Subtext, den Spock für gewöhnlich nicht wahrnimmt. 😉

Sareks Andeutungen sind jedoch nicht die einzigen Botschaften, die Uhura auffängt. Plötzlich wird Uhura von sonderbaren, warnenden Visionen geplagt und irgendwie scheinen diese in Zusammenhang mit der Expedition zu stehen, an der Spock teilnimmt …

Fazit: Band #9 erzählt eine abgeschlossene Geschichte, die aufgrund ihrer Kürze die Protagonisten vor kein ausschweifendes Rätsel stellen und auch nicht emotional so mitreißend ist wie die großartige Ausgabe #5 über Jaylah. Aber die Charaktere sind schön getroffen, die Dialoge sehr passend und das Wiedersehen mit Sarek ist höchst erfreulich. In diesem Comic darf er sich wieder von seiner zuvorkommenderen Seite zeigen. Ebenfalls ein Wiedersehen gibt es im Rahmen einer Vision mit Uhuras Eltern und – besonders eindrucksvoll gezeichnet – mit ihrem Onkel Raheem. Sie alle haben wir bereits in Band #18 der „Ongoing“-Reihe kennengelernt, auf dessen Handlung Raheems Erscheinen auch direkt anspielt. (Wenngleich Raheem seit seinem letzten Auftritt ein „e“ abhanden gekommen ist. In diesem Band wird er „Rahem“ genannt.)

Thematisch verbindet die Geschichte sehr gut die Themen von Kommunikation und Emotionen, insofern ist Uhura – als einzige nicht-vulkanische Spezialistin für Kommunikation auf Neu-Vulkan – sehr gut in die Geschichte eingewoben, die Interessantes über die neue vulkanische Heimatwelt offenbart.

 

Visuell hervorragend dargestellt wurde Neu-Vulkan von Tony Shasteen. Nachdem die letzten paar Ausgaben der „Boldly go“-Reihe von neuen Zeichnen illustriert worden waren – mit sehr unterschiedlichem Erfolg meiner Meinung nach – kehrte also diesmal wieder ein Star Trek-Veteran ans Zeichenbrett zurück.  Landschaften stellt Shasteen sehr beeindruckend dar, Charaktere bleiben den Originalen treu und Seite 14 entlockt einem wirklich ein lautes „Wow!“.

Bewertung: Eine nette kleine Geschichte, die thematisch sehr gut konstruiert ist und mit einem unaufgeregtem Finale aufwartet sowie einigen schönen Charaktermomenten. Ich weiß, dass nicht jeder ein Fan der Uhura/Spock-Beziehung ist, die im elften Kinofilm eingeführt wurde. Ich selbst fand es aber absolut legitim, dass die Drehbuchschreiber hier subtile Andeutungen aus den frühen Folgen der klassischen Serie aufgenommen haben (aus „Das Letzte seiner Art“ und „Der Fall Charlie“), die die Zuneigung der beiden zueinander andeuten. Eigentlich ein ideales Thema, um in einer neuen, abweichenden Zeitlinie behandelt zu werden und „Boldly go“-Ausgabe #9 geht das Thema noch dazu ohne Kitsch an. Diese Ausgabe liefert damit eine gute Geschichte für Zwischendurch, der ich 4  von 6 Sterne geben kann.

4stars

Rezension: “Batmobile – The Complete History”

Wir erleben gerade eine Zeit, in der uns die Unterhaltungsindustrie inflationär mit Superhelden-Abenteuern und Comic-Verfilmungen „beglückt“. Mein persönliches Interesse an solchen Geschichten ist inzwischen eher gering, doch es gibt zumindest eine große Ausnahme: Kommt ein neues Batman-Abenteuer ins Kino oder ist eine Serie in Gotham City angesiedelt, so ist das genau nach meinem Geschmack – wenngleich dieser dunkle Ritter über die Jahrzehnte einige Änderungen durchgemacht hat. Und was auf Batman zutrifft, trifft auch auf seinen fahrbaren Untersatz zu, dem sich Mark Cotta Vaz‘ Making-of- und Design-Buch „Batmobile“ widmet.

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Der Autor geht wirklich an den Anfang zurück, zu den Comics der 1930er-Jahre. Anfänglich verfügte Batman noch über kein Fahrzeug, sondern fuhr in einer schlichten roten Limousine herum. Erst im Laufe der Zeit erhielt Batmans Auto den Hauch des Besonderen – den die erste reale Variante dieses Gefährts, das in den 1949er-Schwarz-Weiß-Serials zu sehen war (ein einfaches Mercury Cabrio) – wiederum völlig vermissen ließ. Als etwas Besonderes aber alles andere als subtil zeigte sich das Batmobil in der oft kuriosen aber doch enorm beliebten 1960er-Serie mit Adam West. Der umgebaute, schwarze Lincoln Futura mit allen nur denkbaren und undenkbaren „Bat-Extras“ machte seinem Namen alle Ehre und ist auch heute noch das vielleicht ikonischte Batmobile.

Kapitel für Kapitel beschäftigt sich der Autor mit der Entstehungsgeschichte der real umgesetzten Fahrzeuge und ihren Designs. So folgen auf das Fahrzeug aus der Serie die Batmobile aus den Kinofilmen. Nicht weniger berühmt ist das Batmobil im 1989er-Film „Batman“ und dem Nachfolger „Batmans Rückkehr“ von Tim Burton. Das durchaus ein bisschen an einen Le Mans-Prototypen erinnernde Fahrzeug ist bei weitem nicht so extravagant wie die Nachfolger aus „Batman Forever“ und „Batman & Robin“, die für sich allein aber auch interessante Designs darstellen und man kann durchaus sagen, dass sich die Fahrzeuge immer auch mehr als nur ein bisschen der durch den jeweiligen Film vermittelte Stimmung – und der Interpretation von Batman – angepasst haben .

Am besten trifft dies aber wohl auf den „Tumbler“ zu. Dies ist jenes Batmobil, das in Christopher Nolans Trilogie („Batman Begins“/“The Dark Knight“/“The Dark Knight Rises“) bleibenden Eindruck hinterließ – beim Zuseher und auf so manchem Auto, das dem Tumbler – einer faszinierenden Mischung aus Sportwagen und Panzer – im Weg stand.

Fazit: Wie bereits das Titelbild erahnen lässt, bekommt der Tumbler die größte Aufmerksamkeit in diesem Buch zugesprochen. Denn das Buch entstand zu einer Zeit, als Christopher Nolan das Finale seiner Batman-Trilogie produzierte und man merkt den erläuternden Texten sehr an, dass deren Informationsgehalt am höchsten ist. Die Texte zu den anderen Batmobilen sind zwar auch umfangreich, aber ich hatte oft das Gefühl, dass die lange Zeit, die seit deren Herstellung vergangen ist, die Erinnerungen der Beteiligten etwas getrübt hat. Dass der technische Aspekt in den Hintergrund rückt, hat mich persönlich dabei nicht gestört, aber auch die Design-Aspekte, die Gedanken und Motivationen, die zur besonderen Gestaltung der einzelnen Fahrzeuge führten, sind mit Ausnahme des Tumblers und vielleicht dem 1989er-Batmobile recht knapp.

Das 140 Seiten dicke Hardcover-Buch ist reichlich gefüllt mit professionellen Fotos, viele im Rahmen einer Dokumentation aufgenommen, die all die real gebauten Batmobile an einen Ort zusammenbrachte. Der detaillierte Blick auf die Fahrzeuge ist schon eine tolle Sache, aber mir gingen Skizzen und alternative, nie umgesetzte Designs ab. Auch werden einige Begebenheiten im Text sehr ausführlich beschrieben, aber es fehlt an entsprechendem Foto. So wie ein besonders gelobtes Comic-Cover, das im Buch einfach nicht zu finden ist. Oder die „Bat-Missile“ aus „Batmans Rückkehr“. (Während im Vergleich der artverwandte „Bat-Pod“ aus den neuen Filmen etwas mehr Beachtung findet.)

Auch auch wenn „Batman Forever“ und „Batman & Robin“ alles andere als die populärsten Filme des Franchise sind, so hätte ich mir beim Kapitel zu deren Fahrzeugen doch etwas mehr Sorgfalt gewünscht. An mehreren Stellen vermischen sich die Beschreibungen der beiden eigentlich sehr unterschiedlichen Fahrzeuge und im Text scheint es fast ausschließlich im das „Batman & Robin“-Fahrzeug zu gehen, während das Kapitel fast nur Bilder des „Forever“-Fahrzeugs enthält.

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Eines von sehr vielen im Buch enthaltenen Fotos des „Forever“-Batmobils.

Bewertung: Allein aufgrund der Fotos kann ich dem Buch schon mal keine schlechte Bewertung geben. Es ist ein toller Bildband für Batman-Fans, aber liest man den Text, beschleicht einem das Gefühl, dass Mark Cotta Vaz eigentlich nur ausreichend Informationen zum Tumbler hatte und die restlichen Fahrzeuge nur reingenommen hat, um das Buch voll zu bekommen. Die damals zeitgleich entstandene Dokumentation (sie ist übrigens Teil der Bonus-Disc der „The Dark Knight Rises“-Blu-ray) bot dem Autor wohl eine gute Gelegenheit, Inhalte daraus ins Buch zu nehmen und tolle Fotos aufnehmen zu lassen. (Das Highlight ist sicher ein ausklappbares Großformatfoto mit allen fünf Autos nebeneinander.) Wobei ich sagen muss, dass der Informationsgehalt speziell zu den Fahrzeugen in der rund einstündigen Doku insgesamt höher ist als im Text des Buches, der Seiten auch mit generellen Infos zum Batman-Universum füllt, die nichts mit dem Batmobil zu tun haben.

Also wer die Filme daheim hat und das Bonusmaterial zu den Batmobilen schon kennt, den wird der die Fotos begleitende Text vermutlich alles andere als beeindrucken. Und bewegte Bilder sind wohl auch etwas geeigneter, um Fahrzeuge gut in Szene zu setzen. Daher reicht es für dieses Buch nur für 3 von 6 Sterne. Ein bisschen mehr Faszination hätte ich mir von diesem Buch schon erwartet.

3stars

Anmerkung: Aufgrund des Entstehungsjahres ist das neueste Batmobil aus „Batman v. Superman“ nicht im Buch berücksichtigt.

Rezension: „The Liar’s Key“

Das zweite Buch der „The Red Queen’s War“-Trilogie von Mark Lawrence ist das umfangreichste der Saga rund um den Feigling Prinz Jal und den tapferen Wikinger Snorri. Ich mag zwar eine ganze Weile benötigt haben um es durchzulesen, aber auch das zweite Abenteuer dieses ungleichen Paares hat mich sehr gut unterhalten, auch wenn sich die Reisegemeinschaft im Verlauf der Geschichte deutlich vergrößert. Da das Buch ziemlich direkt an den Vorgänger anschließt, muss ich in der folgenden Rezension wichtige Ereignisse aus dem ersten Buch der Trilogie verraten.

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Die Ausgangslage: Jal und Snorri haben sich im ersten Buch in den hohen Norden durchgekämpft, wo der Wikinger zwar mit Erfolg Rache an einer Horde abtrünniger Nordmänner und Untoter genommen hat, die sein Dorf verwüsteten. Aber er konnte niemanden retten, vor allem nicht seine Familie, die wie die anderen überlebenden Dorfbewohner verschleppt worden waren, um im Ewigen Eis nach dem sagenumwobenen Schlüssel von Loki zu graben. Nach dem Sieg über die Horde fiel der Schlüssel, der alle Türen zu öffnen vermag, in Snorris und Jals Besitz, was den Wikinger zu einem äußerst düsteren Plan motiviert.

Snorri plant, mit Lokis Schlüssel die Tür zum Totenreich zu öffnen und seine Frau und Kinder daraus zu befreien. Ein Plan, den Jal nicht unterstützen will, denn gerade das Öffnen der Tür – um die Toten in die Welt der Lebenden zu lassen – ist das Ziel, des mysteriösen „Totenkönigs“, eines Nekromanten mit der Macht über die Toten zu befehlen. Würde Snorri die Tür öffnen, könnte dies dem Totenkönig in die Hände spielen, der mit einer riesigen Armee aus Wiederauferstandenen das Zerbrochene Imperium mit unbarmherziger Gewalt einen würde. Jedoch mangelt es Jal an Durchsetzungskraft, Snorris Vorhaben zu unterbinden und die Umstände – wie so oft in Jals Fall handelt es sich dabei um höchst unbedachte amouröse Verstrickungen – zwingen ihn, zusammen mit dem Wikinger und dessen Freund Tuttugu in den Süden zurückzukehren. Während ihrer Reise schließt sich ihnen Kara an – eine Auszubildende der Hexe Skilfar, die Snorri Hinweise auf die Lage der Tür zum Totenreich gibt – sowie der Waisenjunge Hennan, dessen Vater tragischerweise den Verfolgern von Snorri und Jal in die Quere kommt und dabei getötet wird. Anführer dieser Verfolger, die ebenfalls im Dienste des Totenkönigs stehen, ist Edris Dean, der Snorri und Jal schon seit Beginn ihrer Reise im ersten Buch nach dem Leben trachtet und der – wie Jal dank von Kara initiierter Visionen erfährt – schon sehr lange das Schicksal seiner Familie beeinflusst. Aber nicht nur er will in den Besitz des Schlüssels gelangen …

Fazit: „The Liar’s Key“ beinhaltet eigentlich zwei Geschichten in einem Band. Zum einen ist da die große Rahmenhandlung rund um die Reise in den Süden. Snorri und seine Begleiter aus dem Norden machen sich in die Toskana auf, um dort einen Magier ausfindig zu machen, der ihnen die Tür zum Totenreich zeigen kann. Jal will da nicht mitmachen und daher trennen sich die Wege der Reisegemeinschaft an der Grenze zum „Red March“ (ungefähr die heutige Piemont-Region), Jals Heimat. Jal, aus dessen Perspektive auch dieses Buch fast ausschließlich erzählt wird, kehrt in seine Heimatstadt Vermillion zurück und diese Rückkehr verläuft ganz anders als er es sich vorgestellt hätte. So richtig vermisst hat ihn nämlich keiner und das Interesse zu erfahren, welche Heldentaten er im Norden vollbracht hat, ist ebenfalls sehr gering. Zudem hat jede seine Liebschaften in der Zwischenzeit geheiratet und mindest zwei Männer sind mächtig sauer auf Jal und trachten ihm nach dem Leben.

In dieser längeren Passage, die sozusagen ein „Buch im Buch“ ist, kann einem Jal schon richtig leid tun, aber sie ist auch sehr amüsant zu lesen und in den Szenen mit der Roten Königin und ihrer schweigsamen Schwester wird er große Plan, der hinter Jals gar nicht so zufälliger Reise in den Norden steckte, sehr gut dem Leser erläutert. Und auch, was auf dem Spiel steht. Die ominöse „Lady Blue“, die bereits in Mark Lawrence erster „Broken Empire“-Trilogie erwähnt worden war aber bislang nur als Gegenspielerin der Roten Königin bezeichnet wurde, erhält in diesem Buch nun erstmals einen echten Namen und Beweggründe und wird als jene Person identifiziert, die hinter dem Totenkönig steht und die Fäden zieht.

Erneut gelingt es dem Autor, die düstere Handlung mit Humor aufzulockern, was sehr an Jals besonderen Charakterschwächen liegt. Wenn es ihn später in der Handlung nach Florenz verschlägt – dem wichtigsten Handelsplatz der bekannten Welt – so ist es schon amüsant, wie er glaubt, Gewinn machen zu können, indem er einfach seine Flucht plant bevor gewaltige Verbindlichkeiten fällig werden. 😀 Auch zu diesem Buch lässt sich sagen, dass es gewisse Härten zwar nicht komplett ausklammert, aber nicht so im Detail wiedergibt wie noch in Lawrences erster Trilogie. Zu dieser finden sich nun auch weniger Anspielungen. Es gibt zwar so einige, aber der inzwischen zum König von Renar aufgestiegene Jorg und Prinz Jal laufen sich jetzt nicht gefühlt alle paar Stunden über den Weg. Auch die Nekromantin Chella, die in der ersten Trilogie eine große Rolle spielte, wird gut aus der Handlung rausgenommen und durch einen anderen Charaktere sozusagen „ersetzt“, was für einen interessanten Aha-Effekt sorgt.

Die neu eingeführten Charaktere sind sehr gut in die Handlung eingebunden. Der Junge namens Hennan hat zwar nicht allzu viel zu sagen, aber erfüllt im Lauf der Handlung seinen Zweck. Und Kara gefiel mir sehr gut und hat eine andere Entwicklung genommen, als ich es ursprünglich vermutet hatte. Und Tuttugu war bereits aus dem ersten Buch bekannt. Wie Snorri, der sich auf eine höchst düsteren Mission begibt, was auf denne Gemüt schlägt, trägt aber auch dieser Wikinger diesmal zum Humorgehalt wenig bei. Sehr gut gefallen haben mir die Rückblicke in Form der Visionen, die Jal heimsuchen. Eigentlich war er ja nur auf der Suche nach der Wahrheit, was den Tod seiner Mutter anging. Aber die Visionen reichen noch weiter zurück, bis in eine Zeit, als die Rote Königin und ihre Geschwister noch Kinder waren. Das Buch nutzt seinen Umfang sehr gut aus, um der Welt des Zerbrochenen Imperiums zu erweitern, vor allem das kosmopolitische Florenz hilft dem Leser sehr, einen Eindruck von der Größe der Welt zu dieser Zeit zu bekommen. Dazu werden auch ein paar Elemente und Völker aus der vorherigen Trilogie wieder aufgegriffen und noch genauer erläutert.

Bewertung: Die Geschichte rund um Lokis Schlüssel ist schon wirklich eine äußerst lange, aber sie war doch stets so interessant, dass ich immer wissen wollte, wie es weitergeht. Ein wenig schwächer als Band 1 der „The Red Queen’s War“-Trilogie würde ich „The Liar’s Key“ aber dennoch einschätzen, was daran liegt, dass Snorri und Jal als ungleiches Duo nicht mehr so gut funktionieren, was aber auch am Konflikt liegt, den Snorris Absichten auslösen. Insofern war es vielleicht wirklich eine sehr gute Idee des Autors, die Wikinger für eine Weile auszuklammern und Jal sein eigenes Abenteuer  in Vermillion und Florenz erleben zu lassen, das zweifellos gute Unterhaltung ist, aber eben nicht zu der Höhe des ersten Romans gelangt. Daher vergebe ich an „The Liar’s Key“ nur gute 4 von 6 Sterne.

4stars

Anmerkung: Auch diesmal enthält das Buch wieder eine Karte des Zerbrochenen Imperiums, sie ist aber identisch mit jener aus dem vorherigen Buch.

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Rezension: “Die klingonische Kunst des Krieges”

„Uralte Grundsätze gnadenloser Ehre“ verspricht uns dieses Buch, das aus der inneren Perspektive des Star Trek-Universums verfasst wurde. Und es verspricht dabei nicht zu viel! Das qeS’a – was wörtlich aus dem Klingonischen übersetzt soviel heißt wie „Der unentbehrliche Ratschlag“ – ist ein Leitfaden, der klingonischen Kriegern erklärt, was ehrenvolles Verhalten ist und was dazu führt, dass sie Schande auf sich laden.

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In der Einleitung des im 24. Jahrhundert lebenden klingonischen Schriftstellers K’Ratak (er wurde einmal in „The Next Generation“ und einmal in „Voyager“ erwähnt) erfahren wir, dass es sich bei dem qeS’a um einen viele Jahrhunderte alten Text eines anonymen Autors handelt, der ungefähr zu jener Zeit gelebt haben muss, als die Klingonen erstmals begannen, ins Weltall vorzudringen. Diese Ausgabe des qeS’a beinhaltet nicht nur die ursprünglichen Erzählungen zu den 10 Leitsprüchen, sondern zusätzlich jeweils K’Rataks Erläuterungen und Erweiterungen. Die 10 Kapitel sind nach den Leitsprüchen benannt und die Titel gewähren einen ziemlich guten Ausblick auf das, was den Leser erwartet:

  1. Wähle deine Feinde sorgfältig aus.
  2. Schlage schnell zu oder gar nicht.
  3. Blicke deinem Feind immer ins Auge.
  4. Stelle dich dem Unglück.
  5. Offenbare dein wahres Ich im Kampf.
  6. Zerstöre die Schwäche.
  7. Verschiebe nichts auf morgen.
  8. Wähle lieber den Tod als die Gefangenschaft.
  9. Stirb aufrecht.
  10. Erhebe die Ehre über alles.

Die Kapitel beginnen jeweils mit dem ursprünglichen Inhalt des qeS’a, einer kurzen theoretischen Einleitung und danach folgen Parabeln, die praktische Beispiele für die Anwendung des jeweiligen Leitspruchs vermitteln. Dies geschieht anhand historischer Begebenheiten, Überlieferungen und Legenden. K’Ratak fügt danach seine persönlichen Anmerkungen an und ergänzt weitere Beispiele in Form nicht so lange zurückliegender Geschichten – die Star Trek-Fans manchmal aus den Serien kennen oder aus den Romanen, die in den letzten paar Jahren erschienen sind.

Denn hinter K’Ratak steckt niemand anders als Keith R.A. DeCandido, den man durchaus als Klingonen-Experten bezeichnen kann, immerhin stammen aus seiner Feder einige Star Trek-Romane, die dieses Volk in den Mittelpunkt stellen. So wie die „I.K.S. Gorkon-Reihe“ und ihre Ableger. Wenig überraschend tauchen in K’Rataks Ergänzungen auch einige jener Charaktere auf, die in DeCandidos Romanen wichtige Rollen spielen. Das Buch „Die Klingonische Kunst des Krieges“ ist somit eine direkte Ergänzung seiner Romane bzw. sind die darin enthaltenen Geschichten somit auch Teil der Kontinuität, die die Romane der letzten rund 15 Jahre miteinander teilen.

Fazit: Dass dieses Buch Teil der offiziellen Roman-Kontinuität ist hat mich auch eine Weile davon abgehalten, es zu lesen. Ich hatte es mir schon kurz nach Erscheinen gekauft, Ende 2014 oder Anfang 2015, doch damals arbeitete ich schon an meinem Fan-Roman „Sailing on Forbidden Seas„, der sich nicht an der in den offiziellen Romanen etablierten Kontinuität orientiert und sich ebenfalls sehr stark mit der klingonischen Kultur und Geschichte beschäftigt. Um mich nicht beeinflussen zu lassen, blieb „Die klingonische Kunst des Krieges“ – das sich natürlich unverkennbar an Sun Tzus „Die Kunst des Krieges“ orientiert – also eine Weile im Regal, doch in den vergangenen Wochen habe ich mir Grundsatz für Grundsatz vorgenommen und fand vor allem die Geschichten sehr unterhaltsam und interessant. Querbeet enthält das Buch Erzählungen von Begebenheiten aus der klingonischen Mythologie, von Kahless, den Regentschaften verschiedener Imperatoren und Kanzler, aber auch Geschichten über einfache Leute.

Während mir die abwechslungsreichen Geschichten gefallen haben, die auch sehr gut geschrieben waren (man denke sich beispielsweise die tiefe Erzählstimme des Kahless-Klons aus „The Next Generation“ dazu) konnte ich mit der eher philosophisch angehauchten Theorie weniger anfangen. Zum einen war sie mühsamer zu lesen und erschien mir repetitiv. Zum anderen muss man als Mensch schon ein wenig den Kopf schütteln über den Irrsinn, nach dem die Klingonen leben. 😀 Auf den Punkt gebracht: Der Ehrenkodex zwingt dich dazu zu handeln, immer und immer wieder und dabei ständig die vorher verdiente Ehre aufs Spiel zu setzen, während dich der geringste Fehltritt für den Rest deines Lebens entehrt, auch wenn er gar nicht wirklich deine Schuld war. (Zum Glück scheint die Akzeptanz des Schicksals Teil ihrer Psyche zu sein, ansonsten wären die Klingonen wohl ein Volk von Burn-out-Patienten, die unter dem ständigen Leistungsdruck zusammenbrechen. 😉 ) Die klingonische Ehre erweist sich wie im Subtitel des Buches versprochen als tatsächlich als gnadenlos.

Als Lebensratgeber finde ich das Buch also eher bedenklich. Auch der Versuch, hin und wieder die Anwendbarkeit der Grundsätze auf das Zivilleben umzulegen, ist etwas holprig, könnte man als Versuch von Propaganda durch die Kriegerkaste aber satirisch betrachten.

Zur Gestaltung: Es handelt sich um ein 17,5 mal 25 Zentimeter großes Hardcover-Buch mit rund 160 Seiten und ich kann durchaus nachvollziehen, warumsich der Verlag für diese Gestaltungsvariante entschieden hat. Man wollte das Buch edel erscheinen aber auch etwas „alt“. So ist der Text nicht auf sauberem Weiß gedruckt, sondern auf einer Textur, die das Papier etwas vergilbt darstellen soll. Weiters gibt es zu jedem Kapitel eine einleitende Illustration. Diese sind schön gezeichnet, aber enthalten manchmal mit Photoshop eingefügte Gesichter von Klingonen, die man den Star Trek-Serien sah. Dies wurde trotz Einsatz von Stilisierung nicht immer ganz perfekt kaschiert wurde.

Obwohl das Layout sehr hübsch ist, muss ich doch gestehen, dass ich mir beim Kauf ein stärker illustriertes Buch erwartet habe. Von allen Büchern zum Star Trek-Universum, die ich bislang rezensiert habe, ist dieses visuell am magersten ausgestattet. Zehn Bilder und ein paar schwarze Silhouetten von Waffen sind doch etwas wenig und meiner Meinung nach wäre nicht viel Wirkung verloren gegangen, wäre das Buch als Softcover erschienen. Inhaltlich ist es nämlich vorrangig „nur“ eine Geschichtensammlung und wenngleich ich den Preis eines Buch normalerweise nicht in meine Rezension einfließen lasse, finde ich € 24,90 etwas übertrieben. Denn runtergerechnet auf ein Taschenbuch hat man einen rund 250seitigen Roman vor sich. Also mein Fazit hierzu: Die Aufmachung rechtfertigt den Preis. Aber der Inhalt rechtfertigt die Aufmachung nur bedingt.

Bewertung: In meine Bewertung lasse ich den Preis aber nicht einfließen. Vorrangig geht es mir hier um den Unterhaltungswert und der war durchaus gegeben. Die Anekdoten und Geschichten nehmen den Großteil des Buches ein und waren sehr stimmungsvoll geschrieben. Aber als Ratgeber ist das Buch für Nicht-Klingonen eher weniger interessant. Außer man ist wirklich ein fanatischer Anhänger dieser Lebensweise. Ich gebe der „Klingonischen Kunst des Krieges“ 4 von 6 Sterne.

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