Rezension: „Star Trek – Die Welten der Föderation“

Im vergangenen Herbst habe ich einen Reiseführer zum Planeten Vulkan rezensiert und da ich nun kurz davor stehe, das im selben Stil verfasste Buch zum Klingonischen Imperium zu lesen, wurde mein Interesse geweckt, nach langer Zeit wieder einmal ein sehr altes Buch aus dem Regal zu holen, das sich ebenfalls mit der Präsentation von besonderen Planeten im Star Trek-Universum beschäftigt: Shane Johnsons „Die Welten der Föderation“.

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Um den Inhalt des Buches richtig einordnen zu können, ist es wichtig, sich seines Erscheinungsdatums bewusst zu werden. In den USA erschien es unter dem Originaltitel „The Worlds of the Federation“ im Jahre 1989, während es der Heel-Verlag auf Deutsch erst 1996 herausbrachte und damals einige Informationen aus dem Buch bereits veraltet waren. Denn während 1996 das Star Trek-Franchise bereits sein 30jähriges Jubiläum feierte (was vermutlich Anlass für die nachträgliche deutsche Veröffentlichung war) und nach dem Ende von „The Next Generation“ bereits „Deep Space Nine“ und „Voyager“ seit mehreren Jahren im TV liefen, war das fiktive Star Trek-Universum im Jahre 1989 noch ein ganzes Stück kleiner. Es bestand lediglich aus 3 Staffeln der klassischen Serie, der kurzlebigen Zeichentrickserie, fünf Kinofilmen und wahrscheinlich noch nicht mal aus zwei vollständigen Staffeln von „The Next Generation“ als dieses Buch geschrieben wurde.

Schon 1996 waren einige der im Buch enthaltenen Informationen nicht mehr aktuell und aus heutiger Sicht würde der Uneingeweihte vermuten, der Autor habe keine Ahnung von „Star Trek“ gehabt. Doch tatsächlich arbeitete Shane Johnson lediglich mit dem Wenigen, das schon vorhanden war , füllte Lücken mit seiner eigenen Fantasie und bediente sich auch aus anderen Quellen, die er in seiner Danksagung nennt. Darunter die „Space Flight Chronology“, „Star Trek Maps“ und „Spocks Welt“. Dieses Sachbuch genießt man heutzutage also besser als Zeitreise, die einen zurück in einen weit weniger vollgepackten Kanon des Star Trek-Universums entführt.

Ich hatte zuvor zwar die aktuellen Star Trek-Reiseführer erwähnt, aber mit Dayton Wards Büchern hat „Die Welten der Föderation“ abgesehen vom Thema „Fremde Welten und neue Zivilisationen“ nichts gemein. Shane Johnsons Buch ist mehr eine sachlich verfasste Enzyklopädie … und zwar verfasst von niemand Geringerem als Lieutenant Commander Data von der U.S.S. Enterprise-D. Diese besondere Perspektive ist insofern interessant, weil viele der insgesamt 66 (!) vorgestellten Welten im Buch uns nur aus den Abenteuern von Kirk & Co bekannt waren. Data liefert hier nicht nur Zusammenfassungen dessen, was man in den Serien und Filmen sah – mit natürlich einigen Ergänzungen – sondern gibt „historische“ Informationen, wie sich das Leben in den folgenden 100 Jahren auf einigen der Planeten weiterentwickelt hat. Shane Johnson hat sich hier eine große Bandbreite an Schicksalen ausgedacht. Humorvolles wie im Falle von Sigma Iotia (siehe TOS-Folge „Epigonen“), die sich nach dem Bandenwesen in Chicago die Enterprise-Offiziere zum Imitieren ausgesucht haben. Aber auch Tragisches ist dabei, wie die „erfolgreiche“ Reduzierung der Überbevölkerung von Gideon (TOS-Folge „Fast unsterblich“).

Das Buch selbst ist klar strukturiert in drei Kapitel: Föderationswelten, neutrale Welten und feindlich gesinnte Völker. Jedem vorgestellten Volk wird eine Doppelseite gewidmet, die zuerst die geläufigen Namen des Sonnensystems benennt, dann folgt ein Text, der die Beschaffenheit des Systems, seiner Bewohner und ihre Geschichte erläutert und lokale Besonderheit erwähnt. Darunter gibt es dann grafische Darstellungen des Sonnensystems sowie des Hauptplanten im System. Komplettiert wird die Doppelseite mit einer Darstellung der dominanten Lebensform. Nur in wenigen Fällen variiert die Zusammenstellung der Doppelseite und es wird statt der dominanten eine ungewöhnliche Spezies genauer gezeigt, manchmal auch ein besonderes Bauwerk auf dem Planeten oder eine Sternenkarte, die ein besonderes historisches Ereignis beschreibt. Und wenn über einen Planeten nur sehr wenig bekannt ist, dann kann es auch vorkommen, dass stattdessen ein Raumschiff des dort beheimateten Volkes dargestellt wird, mit dem die Föderation in Kontakt kam.

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Dies ist ein Foto der amerikanischen Ausgabe. Die deutsche Ausgabe verzichtet auf den farbigen Rahmen auf diesen Doppelseiten und ist – abgesehen von den Bildern auf den Mittelseiten – in Schwarz-Weiß gehalten.

Fazit: 1989 stammten die Klingonen noch von Klinzhai (oder Kling) und nicht von Kronos. Die Heimatwelt der Ferengi wird in diesem Buch als Ferengal bezeichnet und die Föderation wurde im 21. Jahrhundert gegründet. Die Andorianer haben es gerne warm und Romulus war schon vor Suraks Zeit eine vulkanische Kolonie, die dann in Vergessenheit geriet. Dies sind nur ein paar der auffälligeren Abweichungen zum später etablierten Kanon. Aber als Fehler vorwerfen darf man diese Abweichungen dem Buch und seinem Autor natürlich nicht, denn Shane Johnson hat damals auch nichts anderes getan als es heutige Star Trek-Autoren machen: Sie schließen Lücken, beantworten offene Fragen und leben mit dem Risiko, dass diese Fragen später vielleicht ganz anders beantwortet werden. Und auch wenn natürlich gerade die „Fakten“ zu den besonders häufig vorkommenden Welten und Völkern heute ganz andere sind als 1989, so enthält das Buch doch auch viele unwidersprochene Ideen und kann durchaus eine Inspirationsquelle für Fan-Fiction-Autoren sein, die nach ungewöhnlichen Schauplätzen Ausschau halten, um ihre eigenen Geschichten zu bereichern.

Das heimliche Highlight des Buches ist völlig vom Alter unabhängig: Es sind die 8 farbigen Innenseiten, die vom leider bereits verstorbenen Science-Fiction-Illustrator Don Ivan Punchatz gestaltet wurden. In einem besonderen, malerischen Stil stellte er für diese Seiten einige ausgewählte Spezies dar, vornehmlich Nicht-Humanoide aber auch Vertreter der Flora und Fauna einiger im Buch erwähnter Welten. Als Fan der meiner Meinung nach unterschätzt Star Trek-Zeichentrick-Serie freut es mich besonders, auf diesen Seiten auch Phylosianer, Le-Matya oder die capellanische Energiekatze vorzufinden. Ich kann mich noch erinnern in den 90er-Jahren gerätselt zu haben, woher diese fantastischen Spezies denn stammen mögen. Erst viele Jahre nachdem ich das Buch zum ersten Mal gelesen hatte fand ich es heraus.

Bewertung: Als Nachschlagewerk ist „Die Welten der Föderation“ heutzutage natürlich nicht mehr zu empfehlen, falls man sich gezielt auf die Suche nach Kanon-Informationen zu „Star Trek“ begibt. Aber wie erwähnt enthält das Buch auch einige inspirierende Ideen und ich denke wenn man sich bewusst ist, dass man hier keine aktuelle Informationensammlung vor sich hat, kann man als Leser – und vielleicht sogar als Star Trek-Autor – einiges daraus mitnehmen. Okay, der Text ist manchmal etwas trocken formuliert, was der Fantasieanregung wenig dienlich ist – dies ist sicher dem fiktiven Verfasser des Buches geschuldet. Aber in kaum einem anderen Buch wird man die Besonderheit von 66 fremden Welten und ihren Bewohnern so kompakt und großzügig illustriert vorfinden wie hier. Daher gebe ich 4 von 6 Sterne – nicht für ein Sachbuch, sondern für eine interessante Ideensammlung.

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Anmerkungen:

Die deutsche Ausgabe enthält nicht nur vorne und hinten ein paar Seiten Werbung, ihr lag auch ein kleiner Prospekt des Heel-Verlags bei, der Science-Fiction-Fanartikel verschiedenster Art zum Kauf anbot.

Shane Johnson – der inzwischen unter dem Namen Lora Johnson firmiert – erfreut sich vor allem in der englischsprachigen Fanszene dank „Mr. Scotts Guide to the Enterprise“ großer Anerkennung. Im Gegensatz zu „Die Welten der Föderation“ wird dieses technische Handbuch (das meines Wissens nach nie auf Deutsch erschien) in Konversationen z.B. bei TrekBBS.com  auch heutzutage noch oft referenziert.