Rezension: „The Wheel of Osheim“

Nach rund dreieinhalb Monaten bin ich nun endlich durch mit Mark Lawrences „The Red Queen’s War“-Trilogie und die lange Dauer soll wirklich kein Hinweis darauf sein, dass sich das Lesen dieser drei Romane unangenehm gezogen hätte. Ganz im Gegenteil schließt das Finale „The Wheel of Osheim“ in Sachen Lesevergnügen nahtlos an die beiden Vorgänger an. Es ist allein dem Umfang dieser Bücher geschuldet (und auch dem Umstand, dass ich sie auf Englisch gelesen habe), dass ich mich so lange mit ihnen beschäftigt habe, denn auch im dritten Roman erlebt Prinz Jalan von Kendeth wieder jede Menge Abenteuer.

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Um die Ausgangslage zu schildern ist es leider notwendig, den Ausgang des vorherigen Buches „The Liar’s Key“ zu verraten.

Was bisher geschah: Prinz Jalan – kurz Jal genannt – hatte nach seiner Rückkehr aus dem hohen Norden nur wenig Aufmerksamkeit für seine dortigen Heldentaten erhalten, dafür umso mehr die Aufmerksamkeit einiger unliebsamer Kumpanen, die ihm den Tod – oder Schlimmeres – wünschten. Unter dem Vorwand eines offiziellen Auftrags entfloh er den drohenden Unannehmlichkeiten – die alle zurückzuführen waren auf seinen verschwenderischen Umgang mit Geld und Frauen – und kehrte in Florenz ein, dem Handelszentrum des Zerbrochenen Imperium. Wie Jal dort nach kurzer Euphorie feststellen musste, ist ein solcher Ort, wo im Minutentakt Spekulationsgeschäfte abgeschlossen werden, aber auch nicht das sicherste Pflaster für einen notorischen Spieler … und Betrüger wie ihn und auf der Flucht vor seinen Gläubigern lief er seinen alten Weggefährten, den Nordländern Snorri, Kara und Hennan über den Weg, die noch immer auf der Suche nach der Tür zum Jenseits waren. Gemeinsam fanden sie die Tür und Snorri trat tatsächlich hindurch. Doch Jal – Feigling der er nun mal ist – kniff im letzten Moment und ließ die Tür hinter Snorri zufallen. Doch bevor Jal sich gänzlich abkehren konnte, flog die Tür nochmals auf und Snorri packte ihn am Kragen und zog ihn ebenfalls durch die Tür in der Annahme, diese wäre Jal zuvor nur aus Versehen entglitten. 😉

Soweit stark vereinfacht der Schluss des zweiten Buches. Nun zu Buch Nummer 3, „The Wheel of Osheim“: Dieses beginnt erst eine Weile später, nämlich mitten in der Sahara, auf dem Weg einer Karawane. Denn genau dort spuckt das Jenseits Jal wieder aus. Erst im Verlauf der Geschichte erfährt der Leser Stück für Stück, was sich im Jenseits alles ereignet hat, wo Snorri geblieben ist und was aus seiner Familie geworden ist. Mehr als die beiden Bücher zuvor konzentrierte sich „The Wheel of Osheim“ auf den Lügenprinz. Dieser wird auch im Diesseits von den Mächten des Todes verfolgt, die Handlanger der hinterhältigen „Lady Blue“ – die nichts anderes als das Ende der Welt herbeisehnt – machen Jagd auf Jal beziehungsweise Lokis Schlüssel, den der Prinz bei sich trägt. Denn dieser Schlüssel vermag nicht nur neue Streitkräfte aus der Hölle zu befreien, sondern auch die Pläne der Lady zu vereiteln. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Über Nordafrika und Korsika findet der Prinz – dem bei seiner Reise so manch bekanntes Gesicht begegnet – den Weg zurück in seine Heimatstadt Vermillion, wo er mitten in einen Truppenaufmarsch gerät: Jals Großmutter, die „Red Queen“, plant einen Feldzug gegen das Reich von Slov, weil dieses der blauen Lady Asyl gewährte. Jal wird zuerst zurückgelassen, um als Marschall die Stadt zu verteidigen, nur um sich später doch noch auf den Weg nach Osheim zu machen, wo er mit Lokis Schlüssel jene Maschine abschalten soll, die die Welt langsam aber sicher in den Untergang treibt.

Fazit: Kreuz und quer geht die Wanderung durch das Zerbrochene Imperium. Diesmal verschlägt es Jal  nach Afrika und in den mediterranen Raum, was erneut für eine abwechslungsreiche Atmosphäre sorgt, die Autor Mark Lawrence hervorragend und stimmungsvoll transportiert. Dass es sehr lange dauert, bis der Wikinger Snorri auftaucht, ist ein kleines Manko, denn während der Reise beobachtet man alles aus der Perspektive des frisch aus der Hölle zurückgekehrten Jal. Man merkt sehr gut, dass dieses Erlebnis Spuren hinterlassen hat, er etwas härter geworden ist, weniger Spaß versteht – aber trotzdem nicht zögert, sich bei bietender Gelegenheit darauf einzulassen. Wenn ich sage, dass „The Wheel of Osheim“ die wenigsten humorvollen Szenen, Dialoge und Monologe der drei Romane enthält, so bedeutet das aber nicht, dass es beim Trilogiefinale bierernst zugeht. Über weite Strecken ist die Erzählung immer noch heiter und einige Szenen verleiten zum Lachen. Aber es gibt auch lange, düstere Passagen. Beispielsweise die Rückblicke ins Jenseits, weshalb auch Snorri nicht so viel Esprit versprüht wie gewohnt. Oder die sehr ausführlich geschilderte Belagerung von Vermillion.

Sobald es nach Osheim geht, offenbart sich die faszinierende Mixtur aus Mittelalter-Fantasy und Science-Fiction vollends. Das Vorhandensein von Technologie, die die Zauberei im Zerbrochenen Imperium ermöglicht, schwang bei Mark Lawrences Romanen bislang nur am Rande mit, aber im großen Finale zeigt sie sich vollends und hier ist auch kein Rätselraten mehr nötig wenn es darum geht zu erraten, welches aus Jals Perspektive sonderbare Gerät er gerade in Händen hält. (Bei einem habe ich wirklich sehr lange gerätselt und als die Handlung offenbarte, um was es sich dabei handelte, war das ein echter Brüller und die vielleicht witzigste Szene des Buches 😀 ).

Bewertung: Ich will nicht allzu viel über den Ausgang verraten, aber die Tatsache, dass man die eigentlich „wichtigere“ Verhinderung des Weltuntergangs bereits in der „Broken Empire“-Trilogie nachlesen konnte („The Red Queen’s War“ läuft parallel dazu), trübt ein wenig den Triumph am Schluss. Dennoch gibt es einige wirklich rührende Szenen zum Ausklang der Geschichte, die nichts mit dem drohenden Untergang der Welt zu tun haben, sondern sich nur auf die Charaktere stützten und die Beziehungen, die sie während all dieser Abenteuer geknüpft haben. „Der Weg ist das Ziel“ beschreibt die Geschichte von Jal, Snorri und ihren Reisegefährten wohl am besten und ließ mich doch sehr zufrieden zurück. Alles in allem würde ich „The Wheel of Osheim“ nicht ganz so stark wie das erste Buch bewerten, aber etwas besser als das zweite. 5 von 6 Sterne gehen sich aus und mehr wäre vermutlich auch dann nicht drinnen gewesen, wenn sich der Autor bei der Schlacht um Vermillion etwas kürzer gefasst hätte.

5stars

Anmerkung: Wie im zweiten Buch enthält auch „The Wheel of Osheim“ eine bereits bekannte Karte des Zerbrochenen Imperiums. Diese war ursprünglich im 3. Band von „Broken Empire“ enthalten.

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