Rezension: TOS – “Savage Trade”

Wir sind weniger als einen Tag von der großen Netflix-Premiere von „Star Trek – Discovery“ entfernt, aber auch wenn bei mir schon die Spannung auf die neue Serie groß ist, widme ich mich mit diesem Artikel wieder der eigentlichen Kernkompetenz meines Blogs. Und so rezensiere ich heute Tony Daniels zweiten „The Original Series“-Roman (nach „Devil’s Bargain“).

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Am Beginn von „Savage Trade“ ist die Enterprise unter dem Kommando von Captain James T. Kirk unterwegs zu einem abgelegenen Föderationsaußenposten auf dem Planetoiden Zeta Gibraltar. Der Außenposten beantwortet schon seit geraumer Zeit keine Rufe mehr und die Crew der Enterprise erhielt den Auftrag, sich dort umzusehen. Bei ihrer Ankunft findet der Landetrupp zwar keine Spur vom Personal des Außenpostens, jedoch eindeutige Anzeichen eines Überfalls. Im Außenposten sichergestellte DNS lässt darauf schließen, dass L’rah’hane-Piraten – die einst das vermeintlich untergegangen Hradrian-Imperium mit Sklaven versorgten – das Personal von Zeta Gibraltar verschleppt haben. Nach dem Aufspüren der Ionenspur eines fremden Antriebssystems, die direkt in den nahen Vara-Nebel führt, lässt Captain Kirk einen Verfolgungskurs setzen und tatsächlich trifft man schon bald auf eine kleine Piratenschiffflotte, die der Enterprise nichts entgegenzusetzen hat. Auch weil sich einige der Entführten aus ihren Zellen befreien konnten und die L’rah’hane an Bord von deren eigenen Schiffen bekämpfen. Captain Kirk ist höchst dankbar für die Unterstützung, aber er reagiert mit verständlicher Überraschung und Misstrauen darauf, dass es sich bei seinen Mitstreitern um George Washington, Galileo Galilei, Marie Curie, Leonardo da Vinci, Benjamin Franklin, James Watt, Queen Elizabeth die Erste und weitere berühmte Persönlichkeiten der irdischen Geschichte handelt.

Natürlich handelt es sich nicht um die Originale und vor allem der Umstand, dass Kirk zu allererst auf den ehemaligen US-Präsidenten George Washington trifft, lässt den Captain der Enterprise sofort vermuten, dass er es mit Excalbianern zu tun hat. Vor nicht allzu langer Zeit (siehe hierzu die TOS-Episode „The Savage Curtain“/“Seit es Menschen gibt“) haben diese mächtigen Wesen Kirk und seinen Erste Offizier Spock dazu gezwungen, zusammen mit Nachbildungen von Abraham Lincoln und Surak gegen Ebenbilder von Dschingis Khan, Kahless, Zora und General Green zu kämpfen. Die Excalbianern erhofften dadurch mehr über die Prinzipien von Gut und Böse zu erfahren.

Nach der Befreiung des Außenposten-Personals und der Excalbianer in Menschengestalt aus den Händen der L’rah’hane, erfährt die Crew der Enterprise, dass die Excalbianer nach der Abreise von Kirk und Spock mit ihren inszenierten Kämpfen nicht aufgehört haben. Was anfangs als Experiment gedacht war, entwickelte sich zu einem grausamen Zeitvertreib. Doch einige wenige dieser Wesen entwickelten durch das Rollenspiel ein menschliches Gewissen und lehnten sich gegen die Kämpfe auf. Zur Bestrafung wurde ihr menschliches Erscheinungsbild permanent gemacht. Ohne die Möglichkeit noch unter Ihresgleichen leben zu können, flüchteten die rebellischen Excalbianer von ihrer Heimatwelt. Sie fanden die Föderation, die sie nach Zeta Gibraltar schickte, wo sie seither auf die Entscheidung warten, ob ihr Asylantrag akzeptiert wird oder nicht …

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Der Excalbianer in der TOS-Folge „The Savage Curtain“/“Seit es Menschen gibt“ wurde wie einige andere ähnlich aufwändige Kreaturen in der Serie von Janos Prohaska verkörpert, der auch selbst ein paar dieser Ganzkörperkostüme herstellte. Darunter die Horta und den Mugato.

Fazit: Vor allem in diesen Zeiten ist das schwierige Asyl-Thema so aktuell wie wenige andere und insofern trifft Tony Daniel schon einen Nerv, wenn er uns das Dilemma der Excalbianer schildert. Wenngleich sich deren Situation natürlich nicht mit den Gegebenheiten unserer Realität vergleichen lassen. Der Autor hat sich sehr bemüht, das Volk der Excalbianer wesentlich genauer zu beschreiben als es die einzige TV-Folge vermochte, in denen diese Wesen vorkamen. Wenngleich: Um sie zu charakterisieren mixt Tony Daniel Eigenheiten der Talosianer (aus TOS: „Der Käfig“) und den Gründern (aus der Serie „Deep Space Nine“). Bedenkt man wie diese beiden Völker mit Menschen umspringen, ist es verständlich, dass jene Excalbianer in permanenten Menschenkörpern nicht mehr dort bleiben wollten. Anderseits so richtig „menschlich“ sind die Flüchtlinge dann doch nicht. So sind sie durchaus in Erscheinen und ihren Gedanken gebunden an die eingebildeten Persönlichkeiten, die sie darstellen. Trotzdem sind sie Angehörige einer enorm hoch entwickelten außerirdischen Spezies mit erstaunlichen wissenschaftlichen und technischen Kenntnissen und noch einem Rest gestaltwandlerischer Fähigkeit – auch wenn diese nicht ihr eigenes Erscheinungsbild betrifft: Objekte, die sich längere Zeit in der Nähe der Excalbianer befinden, verwandeln sich zu Gegenständen, die zur imitierten Persönlichkeit des jeweiligen Excalbianers passen. Dank dieser Fähigkeit verfügt beispielsweise James Watt über einen schier unendlichen Vorrat an hervorragendem Scotch – sehr zu Montgomery Scotts Freude.

Womit wir bei der Enterprise-Crew wären. Diese definiert sich in „Savage Trade“ vorrangig über ihre Interaktion mit den von ihr verehrten historischen Persönlichkeiten. Ich denke, die Charaktere sind sehr gut getroffen. Jene Begegnung, die McCoy hat, war sogar ein wenig überraschend, im ersten Moment etwas out-of-character, aber im zweiten Moment durchaus stimmig. Neben den Excalbianern gibt es aber noch einen weiteren neuen Charakter – die vulkanische Diplomatin Valek, die nach Zeta Gibraltar geschickt wird, um den Asylantrag der Flüchtlinge zu bearbeiten. Ihre schwierige Vorgeschichte mit Spock und der Umstand, dass es sich bei ihr um einen Protegé von Botschafter Sarek handelt, ist durchaus interessant, wenngleich dies nichts zur eigentlichen Handlung beiträgt. (Aber in Hinblick auf die Hauptfigur von „Discovery“ ist es ganz interessant, denn Michael Burnham und Valek könnten einige Gemeinsamkeiten aufweisen.)

Doch das Herzstück dieses Romans bilden ganz gewiss die Excalbianer, aber ihr Dilemma wird eher philosophisch und theoretisch behandelt und weniger praktisch. Insofern ist die Geschichte sehr dialog- und gedankenlastig und die handlungsorientierten Passagen rund um die Piraten schaffen da keinen beachtenswerten Ausgleich. Für meinen Geschmack schafft es Tony Daniel leider nicht, Spannung zu transportieren. Der Konflikt mit den Piraten ist eine eher öde Angelegenheit und wird auch nicht so recht aufgelöst. So lässt es der Autor offen, ob ein Ableger des Hradrian-Imperiums noch existiert oder nicht. Ich glaube nicht, dass seither dieses Thema jemals wieder in einem anderen Roman aufgegriffen wurde. (Anmerkung: „Savage Trade“ erschien bereits im Jahr 2015.)

Aber nicht nur die Piraten boten Konfliktpotenzial. Auch gegen Ende des Roman taucht eine feindliche Macht auf, die zu bekämpfen es gilt. Wie sie besiegt wird, bleibt jedoch in hohem Maße abstrakt. Und ehrlich gesagt weiß ich nicht, aus welchem Grund Spock und Benjamin Franklin annehmen konnten, dass ihr Plan funktionieren würde. Entweder entging mir hier etwas. Oder dem Leser wurde eine wichtige Information vorenthalten. Angesichts der abstrakten Natur des finalen Lösung tendiere ich eher zu Letzterem.

Bewertung: Wie schon das Erstlingswerk des Autors „Devil’s Bargain“ war auch sein zweiter Roman etwas mühselig zu lesen. Ich glaube nach zwei Romanen kann ich guten Gewissens sagen, dass mit Tony Daniels Stil einfach nicht liegt. Dennoch gefiel mir „Savage Trade“ besser als „Devil’s Bargain“. Es ist ein durchschnittlicher Roman mit einigen interessanten Szenarien und Begegnungen. Die Charaktere sind interessant und aus den Excalbianern hat der Autor doch einiges herausgeholt. Aber spannend war es leider nicht zu lesen. Daniel versucht zwar merkbar Spannung zu erzeugen, aber bei mir kam sie leider nicht an. Daher kann ich bestenfalls 3 von 6 Sterne vergeben.

3stars

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