Rezension: „Deep Down” – A Jack Reacher Story

Wie schon die vor ein paar Tagen rezensierte Star Trek-Novelle dient auch diese Jack Reacher-Story der Überbrückung bis zum Erscheinen des nächsten längeren Buches auf meiner Leseliste. Wie regelmäßige Besucher meines Blogs wissen, habe ich im April 2017 mit „Night School“ den 21. und bislang letzten erschienenen Roman von Lee Child rezensiert. Noch übrig sind aber ein paar Kurzgeschichten über den Militärpolizisten Jack Reacher und eine davon, die zeitlich während seiner aktiven Army-Dienstzeit angesiedelt ist, ist „Deep Down“.

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Vorweg: Die als ebook – und manchmal als Anhang der Reacher-Romane – erschienenen Kurzgeschichten sind bedeutend kürzer als beispielsweise die Star Trek ebook-Novellen; nur ungefähr halb so lang. Daher ist die Geschichte von „Deep Down“ auch sehr schnell erzählt: Captain Jack Reacher bekommt den Auftrag, undercover an einer Besprechung im Kapitol teilzunehmen, in der die Kriterien für ein neues Scharfschützengewehr festgelegt werden sollen. Aufgrund auffälliger Fax-Aktivitäten nach vergangenen Sitzungen liegt der Verdacht nahe, dass aus dem Büro der politischen Verbindungsoffiziere geheime Informationen durchsickern – vermutlich an ausländische Waffenhersteller. Reacher soll die vier infrage kommenden Verbindungsoffiziere – vier weibliche Karriereoffiziere höheren Ranges, die man nicht ohne Auffallen zu einem offiziellen Verhör vorladen könnte –  ausfragen und Eindrücke sammeln. Eine ungewohnte Aufgabe für Reacher, aber wenigstens haben seine Vorgesetzten bereits eine Hauptverdächtige, weshalb er sich vorrangig auf diese konzentrieren möchte. Doch diese taucht leider bei der Besprechung im Kapitol gar nicht auf und hat einen durchaus plausiblen Abwesenheitsgrund: Nur Stunden vor der Besprechung kam der ehrgeizigen Joggerin ein Auto in die Quere …

Fazit: Trotz der Kürze weist „Deep Down“ die Qualitäten der besseren Reacher-Romane auf. Allen voran kommt der junge Army-Captain Reacher sehr sympathisch rüber. Der Ausblick auf ein simultanes „Rendezvous“ mit vier Frauen zum Zwecke der Informationsbeschaffung lässt ihn doch ein wenig an seiner Eignung zweifeln. Ein James Bond ist er eben nicht gerade. 😀 Da die Vorbereitung auf seine Mission schon gut die Hälfte der Geschichte einnimmt, wird die mehrere Stunden dauernde Besprechung recht knapp abgehandelt, aber ich würde doch behaupten, dass Reachers Wahrnehmung der Vorgänge und seine Einschätzungen für ausreichend Spannung sorgen, aber so richtig animiert mitzuraten, wer die Verräterin ist, wird man als Leser nicht. Dafür kennt Reacher die an der Besprechung beteiligten Personen auch einfach nicht gut genug, muss sich auf Beobachtungen stützen. Die Eigenschaften der Teilnehmer nimmt Reacher also ganz sachlich wahr. Aber es reicht aus, denn wenn Reacher seinem Vorgesetzten telefonisch meldet, wen er verdächtigt, ist seine Begründung sehr schlüssig. Und nach Beendigung des Telefonats darf Reacher auch nochmal in gewohnter Souveränität die Muskeln spielen lassen.

Bewertung: Ein sehr kurzes, aber absolut vorhandenes Lesevergnügen bietet „Deep Down“. Die Geschichte revolutioniert das Krimi-Genre zwar nicht, denn im Grunde nimmt Reacher nur an einem Kapitel einer längeren Geschichte teil, die schon ohne ihn begann und später ohne ihn weitergehen wird. Und doch beendet man als Leser diese Kurzgeschichte doch zufrieden, denn man hat das Relevante in Erfahrung gebracht und am Ende mit einem zustimmenden Nicken quittiert. 4 von 6 Sterne sind allemal drin, denn die Geschichte wird solide erzählt und ist so kurz, dass Lee Child gar keine Zeit blieb, sich in Widersprüche zu verstricken oder langatmig zu werden.

4stars

Anmerkung: https://de.wikipedia.org/wiki/Fax 😉

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