Rezension: „Star Trek – Wo bisher noch niemand gewesen ist – Eine Chronik in Bildern “

Ich habe mich kürzlich im Auftrag eines Freundes auf die Suche nach einem antiquarischen Exemplar des „Star Trek Sternen-Atlas“ begeben und wurde zum Glück zu einem halbwegs verschmerzbaren Preis fündig. Da der Händler auch weitere – und wesentlich günstigere – Sachbücher zum Thema „Star Trek“ hatte, habe ich die Gelegenheit genützt und für mich selbst „Eine Chronik in Bildern“ mitbestellt.

ST Chronik

Dieses Buch war bislang an mir vorübergegangen, aber mit einem Erscheinungsdatum im Jahr 1994 (deutsche Veröffentlichung im Heyne-Verlag 1995), ist es auch nicht gerade die aktuellste Quelle an Infos und dies sollte man im Hinterkopf behalten, wenn man dieses Buch liest bzw. durchblättert. Denn zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung existierten gerade einmal die klassische Serie, die Zeichentrickserie, „The Next Generation“ und zwei Staffeln von „Deep Space Nine“ sowie 6 Kinofilme. Das Vorwort von William Shatner nimmt sogar direkt Bezug auf die laufenden Dreharbeiten zum 7. Film „Treffen der Generationen“.

Der Untertitel „Eine Chronik in Bildern“ beschreibt dieses Buch sehr gut, wenn auch nicht vollends. Ja, dieses etwas mehr als 200 Seiten dicke Hardcover-Buch funktioniert als Bildband mit Hunderten Fotos – viele davon hochauflösend und vollflächig abgedruckt – sehr gut. Die Bilder begleiten aber nicht nur einen Text, der den Leser chronologisch durch die Erschaffung der bis dahin existierenden Filme und Serien führt, sondern auch Artikel aus anderen Quellen – vermutlich aus Magazinen, auch wenn die Herkunft auch im Impressum unklar bleibt.

Zu den Fotos sei gesagt, dass die meisten von ihnen dem geneigten Star Trek-Fan, der beispielsweise die Galerien auf trekcore.com durchstöbert, bereits bekannt sein dürften. Es handelt sich um diverse Publicity-Fotos, aufgenommen während und rund um die Dreharbeiten oder im Rahmen von Shootings explizit für Pressematerial. Und auch wenn viele dieser Fotos seit Anbruch des Internet-Zeitalters bereits online zirkulieren, haben viele von ihnen doch immer noch ihren Ursprung aus diesem Buch. Dem Umschlagtext, dass viele Bilder hierin erstmals veröffentlicht wurden, glaube ich sofort.

Mit sehr wenigen Ausnahmen handelt es sich bei den Fotos um durchwegs hochauflösendes Material, das zusammen mit dem Text einen entspannten, aber nicht sehr tiefgehenden Einblick in die Entstehung der Star Trek-Produktionen gibt, sich verstärkt auf die Entstehung und das Casting der Darsteller konzentriert und weniger auf den langfristigen Verlauf der Serie (was teilweise die Artikel aber übernehmen). Manchmal wird das Franchise auch etwas zu sehr glorifiziert und es sind einstmals als wahr angesehene Binsenweisheiten enthalten, die heutzutage längst widerlegt sind.

Kleine Highlights, über die man im Internet bei weitem nicht so häufig stolpert wie über die Fotos, sind die Artikel, die wie erwähnt aus unbekannter Quelle stammen. Sehr interessant und teils amüsant zu lesen sind zwei Briefe des berühmten SciFi-Autors Isaac Asimov zur klassischen Serie. Weiters beschäftigen sich diese Artikel mit einer Vielfalt von Themen, von den Inhalten einzelner Folgen, die von gesellschaftlichen Themen der damaligen Zeit beeinflusst wurden bis hin zu kleinen Making-of-Auszügen zu technischen, schauspielerischen und Regie-Themen. Aufgrund des Alters dieser Artikel stößt man darin auch auf manches Kuriosum. So wird beispielsweise in einem Artikel über die Effekte überschwänglich gelobt, dass man die Folgen von „The Next Generation“ auf Videoband fertigen würde anstatt auf hochauflösendem Film. Tja, inzwischen wissen wir: Diese revolutionäre Methode, die  damals Zeit und Geld eingespart hat, machte das HD-Remastering von „The Next Generation“ später zu einer kostspieligen Angelegenheit und steht bis heute noch einer vergleichbaren hochauflösenden Auswertung von „Deep Space Nine“ und „Voyager“ im Wege. Zeiten ändern sich und dieses alte Buch unterstreicht dies nochmals deutlich.

Als besonders positiv möchte ich hervorheben, dass sich die Chronik nicht nur auf die eigentliche Produktionsgeschichte der Serien konzentriert, sondern auch in einem Kapitel jene Zeit zwischen dem Ende der klassischen Serie und dem Sprung ins Kino bzw. den Start von „The Next Generation“ behandelt. Die Zeichentrickserie der 70er-Jahre, die Conventions, der nie realisierte „Planet of the Titans“-Kinofilm wie auch die ebenfalls nie realisierte Serie, aus der dann der erste tatsächliche Kinofilm wurde, werden im Buch ebenfalls kurz aber doch behandelt. Auch wenn der begleitende Text nicht gerade der objektivste ist, vermittelt das Buch doch einen ganz guten Gesamteindruck, woraus „Star Trek“ wann bestand und wie die allgemeine Wahrnehmung zu der Zeit war.

Auf sieben Seiten wird sogar die 1994 erst in Entwicklung befindliche Serie „Voyager“ behandelt und aus heutiger Sicht wirkt dieses kurze Kapitel schon etwas kurios. Denn im Gegensatz zu den anderen Kapiteln gibt es hier kaum Bildmaterial, weil ja noch so gut wie nichts existierte. Lediglich zwei Skizzen der geplanten U.S.S. Voyager sind enthalten. Wie wir heute jedoch wissen, wurde dieses Design nach Anfertigung eines Prototyp-Modells abgelehnt.

Rich Sternbach Star Trek Voyager early concept art phase 3
Ungefähr so hätte die U.S.S. Voyager beinahe ausgesehen

Und auch der Text enthält noch Ideen, die entweder sehr vage wirken, oder auch gänzlich verworfen wurden. Besonders interessant war es, dass das Serienkonzept vorsah, dass es sich beim Captain der Voyager um einen Wissenschaftsoffizier handeln sollte. Aber interessanterweise gab es keine Erwähnung, dass es sich dabei explizit um eine Frau handeln sollte. Bedenkt man, wie groß damals vor dem Start der Serie damit geworben wurde, dass endlich eine Frau den Platz des Captains in einer „Star Trek“-Serie übernimmt, verwundert dies schon. (Allerdings halte ich es auch für möglich, dass sich die Produzenten zur Zeit der Entstehung des Buches bereits auf einen weiblichen Captain festgelegt hatten, aber einfach nicht wollten, dass es vor Anlaufen des Marketings der neuen Serie publik wurde.)

Bewertung: Wer einen nostalgischen und reichlich illustrierten Blick zurück in die Vergangenheit von „Star Trek“ werfen möchte und dabei nicht vor einem Bildschirm sitzen möchte, ist mit diesem schön gestalteten Buch sehr gut bedient. Wenn man sich gewisser Dinge im Klaren ist, so kann man auch den nicht immer akkuraten Text verzeihen, den eigentlichen Kaufgrund stellen aber die Fotos und vor allem die Artikel dar. Diese sind ganz klar Kinder ihrer Zeit – was man als Leser keinesfalls vergessen sollte – und gerade deshalb auch heute noch eine interessante Lektüre. Auch wenn man wie bei den Bildern einigem begegnen wird, was seit 30 Jahren bekannt ist.

Dieses Buch ist daher sicher nicht für jeden Fan interessant, aber wenigstens ist es bei weitem nicht so rar wie der eingangs erwähnte „Sternen-Atlas“ und ist für durchschnittlich 5,- Euro problemlos zu finden. Eigentlich ein unfassbares Schnäppchen für so ein schönes Hardcover-Buch.

Ich bewerte „Eine Chronik in Bildern“ unter Berücksichtigung des Alters mit 4 Sternen.

4stars

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