Rezension: TOS – „Die Stürme der Widrigkeiten“

William Leisners Roman erschien erstmals 2013 unter dem Originaltitel „The Shocks of Adversity“ und wurde 2017 vom Cross Cult-Verlag auch auf Deutsch herausgebracht. In diesem Roman befindet sich die U.S.S. Enterprise und ihre Crew auf ihrer 5-Jahres-Mission und erforschen die sogenannte Nystrom-Anomalie, die 90 Jahre zuvor lediglich einmal von der Raumsonde „Friendship 1“ aus der Ferne abgetastet wurde.

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Aus der Nähe betrachtet stellt die Crew der Enterprise fest, dass es sich bei der vermeintlichen Anomalie in Wahrheit um ein Sonnensystem handelt, das von einem dichten Asteroidenfeld umgeben ist. Die ungewöhnliche Substanz, aus der die Asteroiden bestehen, erzeugt Subraumstörungen und macht den Flug durch das Asteroidenfeld zu einer gefährlichen Angelegenheit, doch auch hinter der Barriere wartet nichts Erfreuliches: Während Captain Kirk und sein Erkundungstrupp auf der Oberfläche eines Klasse-M-Planeten unter Beschuss geraten, wird die Enterprise im Orbit angegriffen. Während man mit den Offizieren der Goeg-Domäne auf dem Planeten einen Dialog herstellen kann, gelingt es den Taarpi-Rebellen – mit denen die Goeg im Streit liegen – die Enterprise schwer zu beschädigen. Mithilfe eines Goeg-Schiffes gelingt es, die Rebellen zu vertreiben, doch die Enterprise sitzt aufgrund der Beschädigungen in feindlichem Territorium fest, viele Monate Flugzeit entfernt von der nächsten Sternenbasis.

Doch die Chefingenieurin des Goeg-Schiffes hat eine Lösung parat: Sie schlägt vor, die beiden Schiffe aneinander zu koppeln, um die Enterprise innerhalb weniger Wochen zu einer Goeg-Reparaturstation zu schleppen. Die technische Umsetzung des Plans funktioniert hervorragend, doch je länger der Flug dauert, desto tiefer werden die Gräben zwischen der Sternenflotten- und der Goeg-Crew.

Fazit: Die größte Stärke des Romans ist sicher, wie Autor William Leisner die angespannte Situation steigert. Zuerst scheinen alle glücklich mit der Situation, man meint sogar, starke Ähnlichkeiten zwischen der Föderation und der Goeg-Domäne zu entdecken. Doch während die Föderation die Vielfalt und Freiheit auch lebt, verbergen sich bei den Goeg hinter diesen Begriffen Unterdrückung und Militarismus. Ist man kein geborener Goeg, kommt man nicht weit im Verteidigungskorps – das auch das Wort „Verteidigung“ sehr frei interpretiert.

Im Laufe des Romans kommt es zu unvereinbaren Standpunkten und man leidet mit Captain Kirk wirklich mit, der sich in dieser prekären Situation zurückhalten muss, um seinem Goeg-Gegenüber nicht an die Gurgel zu gehen. Diese Situation wünscht man keinem Captain: Einerseits kann Kirk nicht dulden, in welche militärischen Abenteuer das Goeg-Schiff die Enterprise im wahrsten Sinne des Wortes schleppt und anderseits kann er auch nicht so leicht die Verbindung zwischen den Schiffen lösen und die Enterprise stranden lassen. Kirk ist der Situation hilflos ausgeliefert, mit einem Schiff, das aufgrund des beschädigten Antriebs im taktischen Nachteil ist. Wer mit der Serie „Battlestar Galactica“ vertraut ist, wird hier sicher Parallelen zur Folge „Pegasus“ erkennen, an deren Schluss die Lage so weit eskaliert, dass zwei eigentlich verbündete Kampfsterne ihre Waffen aufeinander richten.

„Die Stürme der Widrigkeiten“ ist ein guter Thriller, der kontinuierlich an der Eskalationsschraube dreht und zugleich eine Mahnung, sich nicht mit dem zufrieden zu geben, was oberflächlich gut aussieht, sondern sich zuerst mal zu informieren, bevor man feststellt, dass man eine Entscheidung getroffen hat, die sich als noch schwerwiegender entpuppt als die zur Wahl gestandene Alternative.

Schwachpunkt des Romans ist allerdings die Herleitung der Ausgangssituation. Am Beginn investiert der Autor ziemlich viel Zeit, um das Mysterium der Nystrom-Anomalie, die ungewöhnlichen Asteroiden und die Entdeckung des Sonnensystems und des Planeten zu beschreiben. Aber sobald es zu den Gefechten auf dem Planeten und im Orbit kommt, ist all das vergessen.

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Die Entdeckung, die ursprünglich von der Raumsonde „Friendship 1“ gemacht wurde, spielt am Ende des Romans keine Rolle mehr. Immerhin stellt die Erwähnung der Sonde aber eine nette Verbindung zwischen der klassischen Serie und „Star Trek: Voyager“ dar. In der 7. Staffel der Serie wird die Crew der Voyager Teile dieses Relikts aus dem Jahr 2067 wiederfinden.

Die Enterprise lässt das Sonnensystem hinter sich, die Substanz, aus der die Asteroiden bestehen, spielt keine Rolle mehr und wir erfahren auch nicht, welche Bedeutung der Planet im Konflikt zwischen den Goeg und den Taarpi-Rebellen hatte. (Es hätte sich meiner Meinung nach gut angeboten, mit dem Planeten ein schockierendes Geheimnis zu verbinden, das der Enterprise-Crew erst die wahre Natur der Goeg-Domäne offenbart.)

Interessant ist, dass in diesem Roman sowohl Pavel Chekov als auch Lieutenant Arex als Navigatoren auf der Enterprise dienen. Andere Romane gingen davon aus, dass Arex überhaupt erst als Ersatz für Chekov an Bord kam, da Chekov in der Star Trek-Zeichentrickserie nicht auftauchte. (Der 2016 erschienene Roman „The Latter Fire“ liefert eine entsprechende Szene, in der Chekov abgelöst wird, nach.)

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In der Zeichentrickserie nahm Lieutenant Arex neben Sulu auf der Brücke der Enterprise Platz. In „Die Stürme der Widrigkeiten“ wird Arex – wie meist in den offiziellen Romanen – als Triexianer bezeichnet, obwohl Hintergrundinformationen zur Zeichentrickserie ihn als Edosianer identifizieren.

Bewertung: Ich weiß nicht, ob es ein wirklich großer Kritikpunkt ist, dass der Roman sich von seiner Ausrichtung her so stark wandelt. Wendungen in Romanen – vor allem wenn sie nicht vorhersehbar sind – sind grundsätzlich etwas, das ich sehr schätze, aber „Die Stürme der Widrigkeiten“ wechselt mittendrin sogar das Genre. Ganz unvorhersehbar war das, was über die Goeg-Domäne im Verlauf des Romans ans Licht kommt, auch nicht, weil deren Art der Schiffsführung schon auf militante Weise gänzlich anders ist als das, was man von Sternenflottenschiffen gewohnt ist. Trotzdem hat mir die Eskalation und die zwischenzeitliche Aussichtslosigkeit der Situation sehr gut gefallen. Und auch wenn er damit wieder einmal aneckt, löst Kirk das Problem am Ende auf eine für ihn sehr typische Art. 😉 Daher gebe ich dem Roman starke 4 Sterne, bedaure aber auch, dass die Story keinen Bezug mehr auf ihren mysteriös und daher sehr interessant eingeführten Ausgangspunkt genommen hat.

4stars

 

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