Rezension: TNG – “Slings and Arrows – Book 3: The Insolence of Office“

Im dritten Buch der ebook-Miniserie, die die Ereignisse zwischen dem 7. und 8. Kinofilm aufarbeitet, steht diesmal kein Nebencharakter aus „Der Erste Kontakt“ im Mittelpunkt, sondern mit Lwaxana Troi ein wiederkehrender Gast aus „The Next Generation“ und auch „Deep Space Nine“. „The Insolence of Office“ baut hier direkt auf Lwaxans Auftritt in der DS9-Folge „Die Muse“ auf.

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Counselor Deanna Troi erfährt in einem Gespräch mit ihrem einstigen Schiffskameraden Worf, dass sich ihre Mutter kürzlich auf der Raumstation Deep Space 9 aufgehalten hat. Und erst von ihm erfährt sie, dass Lwaxana nicht nur ihrer einem Gefängnis ähnelnden Ehe auf dem Planeten Tavny entkommen ist, sondern auch hochschwanger mit dem Kind ihres tavnianischen Ex-Manns ist. Da Lwaxana dies vor ihrer Tochter verschwiegen hat – und ihren Aufenthalt auf Tavny und ihre Ehe in ihren Briefen auch ganz anders dargestellt hat – macht sich Deanna sowohl als Tochter als auch als ausgebildete Therapeutin Sorgen und reist ihrer Mutter nach Betazed nach, während die Enterprise-E an Sternenbasis 19 Halt macht, wo eine Sicherheitskonferenz stattfindet.

Im Rahmen dieser Konferenz ruft Admiral Hayes – der neue starke Mann, der die Sternenflotte fit für einen möglichen Krieg gegen das Dominion machen soll – Captain Picard und Commander Geordi LaForge zu sich. Der Admiral informiert die beiden, dass LaForges VISOR als Sicherheitsrisiko eingestuft wurde und der Chefingenieur sich umgehend einer Operation unterziehen und sich Augenimplantate einsetzen lassen muss, will er seinen Posten auf der Enterprise behalten.

Fazit: Dass Geordi LaForge im achten Kinofilm seinen VISOR gegen Implantate getauscht hatte, war vermutlich die auffälligste Veränderung, die bei einem Hauptcharakter zwischen zwei Kinofilmen stattgefunden hat. Insofern hatte ich zwar schon erwartet, dass diese Veränderung in der ebook-Miniserie „Slings and Arrows“ thematisiert wird, aber nicht unbedingt, dass dies lediglich in einer Nebenhandlung passiert. Nur ungefähr ein Drittel des relativen kurzen Buches beschäftigt sich mit dieser Veränderung, wobei dieser Umfang auch insofern gerechtfertigt erscheint, da Geordis neue Implantate nicht wegen eines aufsehenerregenden Zwischenfalls eingesetzt werden müssen, sondern eigentlich nur wegen der Paranoia, die sich in Form von Admiral Hayes in die Sternenflotte eingeschlichen hat. Der Admiral hat aber nicht ganz unrecht, denn innerhalb weniger Jahre haben einmal die Romulaner und einmal abtrünnige Klingonen Geordis VISOR für ihre Zwecke missbraucht. Letzteren gelang es dadurch sogar, die Enterprise-D zu vernichten. Dieser Teil des Romans ist daher der Frage gewidmet, ob es moralisch ist, dass ein operativer Eingriff, der Einfluss auf das weitere Leben einer Person nimmt, innerhalb einer militärischen Hierarchie angeordnet werden kann, um andere Personen vor eventuellen zukünftigen Bedrohungen zu schützen.

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Im 8. Star Trek-Kinofilm „Der Erste Kontakt“ sehen wir Geordi LaForge ohne VISOR und stattdessen mit unauffälligeren Implantaten. Einige TNG-Episoden deutete zuvor eine solche Entwicklung bereits an.

Der weitaus größere Teil von „The Insolence of Office“ beschäftigt sich aber mit Lwaxana Troi. Ich konnte ehrlich gesagt ziemlich lange Zeit nichts mit diesem Charakter anfangen. Erst in den vergangenen Jahren begann sie, mir zumindest etwas sympathisch zu werden und die in „Deep Space Nine“ erzählte Geschichte rund um ihre Schwangerschaft hat auch durchaus dazu beigetragen, dass man diesen überzeichneten Charakter zumindest ernster nehmen konnte und Lwaxana trotzdem ein Garant für amüsante Geschichten blieb. Eine solche Mischung aus Humor und Ernst ist auch die Geschichte, die in diesem Roman erzählt wird. Am Beginn macht sich Deanna noch große Sorgen, dass Lwaxana traumatische Erlebnisse auf Tavny verdrängt – ähnlich wie sie es einst mit dem Unfalltod ihrer ersten Tochter Kestra tat (TNG-Folge „Ort der Finsternis“). Aber glücklicherweise wiederholt sich diese Geschichte nicht, obwohl es der Beginn der Geschichte stark impliziert. Schlussendlich ist der Handlungsstrang auf Betazed doch von der eher leichten Sorte, in der es die beiden Troi-Frauen und ihr Diener Mister Homn mit einem starrsinnigen tavnianischen Botschafter aufnehmen müssen, der einfach nicht wahrhaben will, dass ein halb-tavnianisches Baby von einer Frau großgezogen werden soll.

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„The Insolence of Office“ führt die Handlung der DS9-Folge „Die Muse“ fort, in der Lwaxana auf der Flucht vor ihrem tavnianischen Ehemann Hilfe bei Sicherheitschef Odo sucht.

Wie so manche Auftritte Lwaxanas in der Serie erzählt auch dieser Roman turbulente Ereignisse. Vor allem als die Geburt unmittelbar bevorsteht und Mutter und Tochter zumindest ein oft zwischen ihnen stehendes Streitthema beilegen können. Zumindest vorübergehend, denn Lwaxana wäre nicht Lwaxana Troi, Tochter des fünften Hauses, Halterin des geheiligten Kelches von Rixx und Erbin der heiligen Ringe von Betazed, wenn sie nicht auch hier das letzte Wort für sich beanspruchen würde. 😉 Jedenfalls funktioniert die Chemie zwischen den Damen Troi in dieser Geschichte sehr gut und vor allem gefiel mir, dass Deanna die Attitüden ihrer Mutter annimmt, um sich in einer Situation zu behaupten.

Bewertung: „The Insolence of Office“ hat mir sehr gut gefallen. Trotz der Kürze bringt der Roman viel unter: Eine eher ernste Geschichte über das Abwägen von Sicherheit gegen Freiheit und eine humorvolle Geschichte – die aber auch nicht frei von ernsten Tönen ist – über eine nicht ganz gewöhnliche Familie. Die dritte Geschichte der ebook-Miniserie erhält daher von mir 5 von 6 Sterne.

5stars


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