Rezension: „Deep Down” – A Jack Reacher Story

Wie schon die vor ein paar Tagen rezensierte Star Trek-Novelle dient auch diese Jack Reacher-Story der Überbrückung bis zum Erscheinen des nächsten längeren Buches auf meiner Leseliste. Wie regelmäßige Besucher meines Blogs wissen, habe ich im April 2017 mit „Night School“ den 21. und bislang letzten erschienenen Roman von Lee Child rezensiert. Noch übrig sind aber ein paar Kurzgeschichten über den Militärpolizisten Jack Reacher und eine davon, die zeitlich während seiner aktiven Army-Dienstzeit angesiedelt ist, ist „Deep Down“.

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Vorweg: Die als ebook – und manchmal als Anhang der Reacher-Romane – erschienenen Kurzgeschichten sind bedeutend kürzer als beispielsweise die Star Trek ebook-Novellen; nur ungefähr halb so lang. Daher ist die Geschichte von „Deep Down“ auch sehr schnell erzählt: Captain Jack Reacher bekommt den Auftrag, undercover an einer Besprechung im Kapitol teilzunehmen, in der die Kriterien für ein neues Scharfschützengewehr festgelegt werden sollen. Aufgrund auffälliger Fax-Aktivitäten nach vergangenen Sitzungen liegt der Verdacht nahe, dass aus dem Büro der politischen Verbindungsoffiziere geheime Informationen durchsickern – vermutlich an ausländische Waffenhersteller. Reacher soll die vier infrage kommenden Verbindungsoffiziere – vier weibliche Karriereoffiziere höheren Ranges, die man nicht ohne Auffallen zu einem offiziellen Verhör vorladen könnte –  ausfragen und Eindrücke sammeln. Eine ungewohnte Aufgabe für Reacher, aber wenigstens haben seine Vorgesetzten bereits eine Hauptverdächtige, weshalb er sich vorrangig auf diese konzentrieren möchte. Doch diese taucht leider bei der Besprechung im Kapitol gar nicht auf und hat einen durchaus plausiblen Abwesenheitsgrund: Nur Stunden vor der Besprechung kam der ehrgeizigen Joggerin ein Auto in die Quere …

Fazit: Trotz der Kürze weist „Deep Down“ die Qualitäten der besseren Reacher-Romane auf. Allen voran kommt der junge Army-Captain Reacher sehr sympathisch rüber. Der Ausblick auf ein simultanes „Rendezvous“ mit vier Frauen zum Zwecke der Informationsbeschaffung lässt ihn doch ein wenig an seiner Eignung zweifeln. Ein James Bond ist er eben nicht gerade. 😀 Da die Vorbereitung auf seine Mission schon gut die Hälfte der Geschichte einnimmt, wird die mehrere Stunden dauernde Besprechung recht knapp abgehandelt, aber ich würde doch behaupten, dass Reachers Wahrnehmung der Vorgänge und seine Einschätzungen für ausreichend Spannung sorgen, aber so richtig animiert mitzuraten, wer die Verräterin ist, wird man als Leser nicht. Dafür kennt Reacher die an der Besprechung beteiligten Personen auch einfach nicht gut genug, muss sich auf Beobachtungen stützen. Die Eigenschaften der Teilnehmer nimmt Reacher also ganz sachlich wahr. Aber es reicht aus, denn wenn Reacher seinem Vorgesetzten telefonisch meldet, wen er verdächtigt, ist seine Begründung sehr schlüssig. Und nach Beendigung des Telefonats darf Reacher auch nochmal in gewohnter Souveränität die Muskeln spielen lassen.

Bewertung: Ein sehr kurzes, aber absolut vorhandenes Lesevergnügen bietet „Deep Down“. Die Geschichte revolutioniert das Krimi-Genre zwar nicht, denn im Grunde nimmt Reacher nur an einem Kapitel einer längeren Geschichte teil, die schon ohne ihn begann und später ohne ihn weitergehen wird. Und doch beendet man als Leser diese Kurzgeschichte doch zufrieden, denn man hat das Relevante in Erfahrung gebracht und am Ende mit einem zustimmenden Nicken quittiert. 4 von 6 Sterne sind allemal drin, denn die Geschichte wird solide erzählt und ist so kurz, dass Lee Child gar keine Zeit blieb, sich in Widersprüche zu verstricken oder langatmig zu werden.

4stars

Anmerkung: https://de.wikipedia.org/wiki/Fax 😉

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Rezension: Comic – „Der Papyrus des Cäsar“

Es wird höchste Zeit, ein kleines Versäumnis meinerseits nachzuholen. Denn obwohl bereits im kommenden Oktober der 37. Band erscheint, hatte ich in den vergangenen beiden Jahre doch völlig vergessen, Asterix-Band Nr. 36 zu rezensieren, was ich nunmehr nachholen möchte.

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Bereits der 35. Band „Asterix bei den Pikten“ läutete ein neues Zeitalter der Asterix-Comics ein: Illustrator Albert Uderzo ließ den jahrzehntelangen Versuch bleiben, ohne seinen bereits 1977 verstorbenen Partner René Goscinny weitere Geschichten der tapferen Gallier zu Papier zu bringen und übergab die Reihe in die Hände von Jean-Yves Ferri und Didier Conrad. Und wenngleich man deren erstem Werk „Asterix bei den Pikten“ durchaus vorwerfen konnte, mit einem typischen Reiseabenteuer keinerlei Risiko eingegangen zu sein, überzeugte mich das Endergebnis. 

Der 36. Band „Der Papyrus des Cäsar“ ist inhaltlich anders angelegt. Ferri und Conrad konzentrieren sich diesmal auf den gallisch-römischen Konflikt und thematisieren Julius Cäsars Werk „Commentarii de Bello Gallico“ – seine Kommentare zum gallischen Krieg – und erklären in dieser Geschichte augenzwinkernd, warum man in diesem historischen Schriftstück keine Erwähnung eines Dorfes voller Unbeugsamer findet. Wie wir in diesem Comic erfahren, beinhalteten die Kommentare ursprünglich durchaus ein kritisches Kapitel über Cäsars Rückschläge in Aremorica. Doch sein Verleger Syndicus riet ihm erfolgreich von der Veröffentlichung ab und machte sich sofort ans Werk, jede Vervielfältigung dieses Kapitels zu vernichten. Was ihm aber nicht ausnahmslos gelingt: Einer der stummen, numidischen Schreiber entwendet heimlich eine Schriftrolle und spielte sie aus Solidarität mit dem gallischen Volk einem Kolporteur aus Lutetia zu. Der sensationshungrige Polemix macht sich für eine ausgedehnte Reportage natürlich sofort auf den Weg zum Dorf der Unbeugsamen und findet dort Schutz vor Syndicus‘ Eliteeinheit, die die Papyrusrolle wiederbeschaffen soll, ehe Cäsar von ihrem Verschwinden Wind bekommt. Doch entgegen Syndicus‘ Befürchtungen und Polemix‘ Hoffnungen haben die Dorfbewohner gar nicht vor, den brisanten Text einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Stattdessen soll er sich zu vielen weiteren mündlichen Überlieferungen gesellen, die die Druiden von Generation zu Generation weitergeben und so begleiten Asterix und Obelix ihren Druiden Mirculix einmal mehr zum Karnutenwald …

Fazit: In ihrem zweiten Band entfernen sich Ferri und Conrad also vom klassischen Schema eines Reiseabenteuers, sind in Sachen Story etwas mutiger und integrieren ein zeitgenössisches Thema. Vor allem Anspielungen auf elektronische Kommunikation wie auch – zum Zeitpunkt des Erscheinens des Comics noch mehr als heute – das Whistleblower- und WikiLeaks-Thema. Allerdings sind diese Anspielungen – sowohl textlich als auch visuell – nicht dermaßen aufdringlich, dass Edward Snowden oder Julian Assange tatsächlich 1:1 vorkommen würde. Uderzo hätte dieser Versuchung bestimmt nur schwer widerstehen können. Generell kann man Ferri und Conrad guten Gewissens attestieren, ein sehr gutes Gespür für Anspielungen zu haben.  Sicher sind sie nur schwer zu übersehen bzw. zu überlesen, aber sie sind auch nicht übermäßig aufdringlich oder gar ablenkend, wie es in manch anderen Asterix-Comics der nicht so weit zurückliegenden Vergangenheit der Fall war. Nicht plumper Hinkelstein, sondern feine Sichelklinge lautet die Devise.

Die Geschichte unterhält sehr gut und ich finde es passend, dass die Gallier – stur wie sie nun mal sind – ihren eigenen Weg zwischen Vertuschung und Sensationsjournalismus gehen. Jedoch … nun ja, zum Erscheinungszeitpunkt dieses Comics im Jahre 2015 war es natürlich noch kein Thema, aber die Twitter-Vögelchen riefen zumindest bei mir indirekt eine betrübliche Assoziation hervor zwischen der Weigerung der Gallier, dem geschriebenen Wort zu trauen und einem gewissen Twitter-Nutzer in den Vereinigten Staaten von Amerika, der ebenfalls nicht viel von Nachrichten hält. (Außer er setzt sie selbst in die Welt und sie haben nicht mehr als 140 Zeichen.)

Aber vertreiben wir schnell diese dunkle Wolke, kommen wir wieder auf den ansonsten guten Unterhaltungswert von „Der Papyrus des Cäsar“ zurück. Dieser gründet sich teils auf den erwähnten Anspielungen und teils auf das Gezänk der Gallier, das sich auf das Horoskop in einem Magazin stützt. Tatsächlich bietet diese Szene am Beginn die Basis für einige Running-Gags, sie besitzt also einen erstaunlich langen Atem und prägt die Dialoge. Jean-Yves Ferri hat auch hier wieder die Charaktere sehr gut getroffen und Didier Conrads Zeichnungen sind sowieso von jenen Uderzos so gut wie gar nicht zu unterscheiden.

Sowohl Figuren als auch Schauplätze sind in „Der Papyrus des Cäsar“ weitgehend bekannt, aber beim Karnutenwald haben sich die Erschaffer ein paar nette Ideen einfallen lassen. (Interessant aber, dass Asterix und Obelix den Wald so einfach betreten durften. Das übliche Warnschild „Für Nicht-Druiden verboten!“ gibt es zwar auch in diesem Comic, aber darauf eingegangen wird nicht.)

Bewertung: Die Geschichte ist ein wenig abseits der üblichen Wohlfühlzone eines Reiseabenteuers, aber Ferri und Conrad meistern sie meiner Meinung nach sehr gut und haben vernünftige Entscheidungen getroffen. Das Humorlevel ist dank der Running-Gags dauerhaft gegeben, aber der ganz große Brüller war leider nicht dabei. Trotzdem haben die beiden „Neulinge“ auch in ihrem ersten Nicht-Reiseabenteuer eine absolut solide Leistung erbracht, dessen Ergebnis ich gute 4 von 5 Sterne verleihe.

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Für mich selbst überraschend entspricht dies einem Stern weniger als ich „Asterix bei den Pikten“ gegeben habe, aber ich habe mir auch diesen Band nochmals durchgesehen und kam zu dem Schluss, dass ich das Reiseabenteuer – auch wenn man es „banal“ schimpfen möchte – einfach lustiger fand und der  Schauplatz Schottland visuell mehr Interessantes bot.

Anmerkung: Der 37. Band mit dem Titel „Asterix in Italien“ erscheint am 19. Oktober 2017.

Rezension: „The Wheel of Osheim“

Nach rund dreieinhalb Monaten bin ich nun endlich durch mit Mark Lawrences „The Red Queen’s War“-Trilogie und die lange Dauer soll wirklich kein Hinweis darauf sein, dass sich das Lesen dieser drei Romane unangenehm gezogen hätte. Ganz im Gegenteil schließt das Finale „The Wheel of Osheim“ in Sachen Lesevergnügen nahtlos an die beiden Vorgänger an. Es ist allein dem Umfang dieser Bücher geschuldet (und auch dem Umstand, dass ich sie auf Englisch gelesen habe), dass ich mich so lange mit ihnen beschäftigt habe, denn auch im dritten Roman erlebt Prinz Jalan von Kendeth wieder jede Menge Abenteuer.

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Um die Ausgangslage zu schildern ist es leider notwendig, den Ausgang des vorherigen Buches „The Liar’s Key“ zu verraten.

Was bisher geschah: Prinz Jalan – kurz Jal genannt – hatte nach seiner Rückkehr aus dem hohen Norden nur wenig Aufmerksamkeit für seine dortigen Heldentaten erhalten, dafür umso mehr die Aufmerksamkeit einiger unliebsamer Kumpanen, die ihm den Tod – oder Schlimmeres – wünschten. Unter dem Vorwand eines offiziellen Auftrags entfloh er den drohenden Unannehmlichkeiten – die alle zurückzuführen waren auf seinen verschwenderischen Umgang mit Geld und Frauen – und kehrte in Florenz ein, dem Handelszentrum des Zerbrochenen Imperium. Wie Jal dort nach kurzer Euphorie feststellen musste, ist ein solcher Ort, wo im Minutentakt Spekulationsgeschäfte abgeschlossen werden, aber auch nicht das sicherste Pflaster für einen notorischen Spieler … und Betrüger wie ihn und auf der Flucht vor seinen Gläubigern lief er seinen alten Weggefährten, den Nordländern Snorri, Kara und Hennan über den Weg, die noch immer auf der Suche nach der Tür zum Jenseits waren. Gemeinsam fanden sie die Tür und Snorri trat tatsächlich hindurch. Doch Jal – Feigling der er nun mal ist – kniff im letzten Moment und ließ die Tür hinter Snorri zufallen. Doch bevor Jal sich gänzlich abkehren konnte, flog die Tür nochmals auf und Snorri packte ihn am Kragen und zog ihn ebenfalls durch die Tür in der Annahme, diese wäre Jal zuvor nur aus Versehen entglitten. 😉

Soweit stark vereinfacht der Schluss des zweiten Buches. Nun zu Buch Nummer 3, „The Wheel of Osheim“: Dieses beginnt erst eine Weile später, nämlich mitten in der Sahara, auf dem Weg einer Karawane. Denn genau dort spuckt das Jenseits Jal wieder aus. Erst im Verlauf der Geschichte erfährt der Leser Stück für Stück, was sich im Jenseits alles ereignet hat, wo Snorri geblieben ist und was aus seiner Familie geworden ist. Mehr als die beiden Bücher zuvor konzentrierte sich „The Wheel of Osheim“ auf den Lügenprinz. Dieser wird auch im Diesseits von den Mächten des Todes verfolgt, die Handlanger der hinterhältigen „Lady Blue“ – die nichts anderes als das Ende der Welt herbeisehnt – machen Jagd auf Jal beziehungsweise Lokis Schlüssel, den der Prinz bei sich trägt. Denn dieser Schlüssel vermag nicht nur neue Streitkräfte aus der Hölle zu befreien, sondern auch die Pläne der Lady zu vereiteln. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Über Nordafrika und Korsika findet der Prinz – dem bei seiner Reise so manch bekanntes Gesicht begegnet – den Weg zurück in seine Heimatstadt Vermillion, wo er mitten in einen Truppenaufmarsch gerät: Jals Großmutter, die „Red Queen“, plant einen Feldzug gegen das Reich von Slov, weil dieses der blauen Lady Asyl gewährte. Jal wird zuerst zurückgelassen, um als Marschall die Stadt zu verteidigen, nur um sich später doch noch auf den Weg nach Osheim zu machen, wo er mit Lokis Schlüssel jene Maschine abschalten soll, die die Welt langsam aber sicher in den Untergang treibt.

Fazit: Kreuz und quer geht die Wanderung durch das Zerbrochene Imperium. Diesmal verschlägt es Jal  nach Afrika und in den mediterranen Raum, was erneut für eine abwechslungsreiche Atmosphäre sorgt, die Autor Mark Lawrence hervorragend und stimmungsvoll transportiert. Dass es sehr lange dauert, bis der Wikinger Snorri auftaucht, ist ein kleines Manko, denn während der Reise beobachtet man alles aus der Perspektive des frisch aus der Hölle zurückgekehrten Jal. Man merkt sehr gut, dass dieses Erlebnis Spuren hinterlassen hat, er etwas härter geworden ist, weniger Spaß versteht – aber trotzdem nicht zögert, sich bei bietender Gelegenheit darauf einzulassen. Wenn ich sage, dass „The Wheel of Osheim“ die wenigsten humorvollen Szenen, Dialoge und Monologe der drei Romane enthält, so bedeutet das aber nicht, dass es beim Trilogiefinale bierernst zugeht. Über weite Strecken ist die Erzählung immer noch heiter und einige Szenen verleiten zum Lachen. Aber es gibt auch lange, düstere Passagen. Beispielsweise die Rückblicke ins Jenseits, weshalb auch Snorri nicht so viel Esprit versprüht wie gewohnt. Oder die sehr ausführlich geschilderte Belagerung von Vermillion.

Sobald es nach Osheim geht, offenbart sich die faszinierende Mixtur aus Mittelalter-Fantasy und Science-Fiction vollends. Das Vorhandensein von Technologie, die die Zauberei im Zerbrochenen Imperium ermöglicht, schwang bei Mark Lawrences Romanen bislang nur am Rande mit, aber im großen Finale zeigt sie sich vollends und hier ist auch kein Rätselraten mehr nötig wenn es darum geht zu erraten, welches aus Jals Perspektive sonderbare Gerät er gerade in Händen hält. (Bei einem habe ich wirklich sehr lange gerätselt und als die Handlung offenbarte, um was es sich dabei handelte, war das ein echter Brüller und die vielleicht witzigste Szene des Buches 😀 ).

Bewertung: Ich will nicht allzu viel über den Ausgang verraten, aber die Tatsache, dass man die eigentlich „wichtigere“ Verhinderung des Weltuntergangs bereits in der „Broken Empire“-Trilogie nachlesen konnte („The Red Queen’s War“ läuft parallel dazu), trübt ein wenig den Triumph am Schluss. Dennoch gibt es einige wirklich rührende Szenen zum Ausklang der Geschichte, die nichts mit dem drohenden Untergang der Welt zu tun haben, sondern sich nur auf die Charaktere stützten und die Beziehungen, die sie während all dieser Abenteuer geknüpft haben. „Der Weg ist das Ziel“ beschreibt die Geschichte von Jal, Snorri und ihren Reisegefährten wohl am besten und ließ mich doch sehr zufrieden zurück. Alles in allem würde ich „The Wheel of Osheim“ nicht ganz so stark wie das erste Buch bewerten, aber etwas besser als das zweite. 5 von 6 Sterne gehen sich aus und mehr wäre vermutlich auch dann nicht drinnen gewesen, wenn sich der Autor bei der Schlacht um Vermillion etwas kürzer gefasst hätte.

5stars

Anmerkung: Wie im zweiten Buch enthält auch „The Wheel of Osheim“ eine bereits bekannte Karte des Zerbrochenen Imperiums. Diese war ursprünglich im 3. Band von „Broken Empire“ enthalten.

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Rezension: “Batmobile – The Complete History”

Wir erleben gerade eine Zeit, in der uns die Unterhaltungsindustrie inflationär mit Superhelden-Abenteuern und Comic-Verfilmungen „beglückt“. Mein persönliches Interesse an solchen Geschichten ist inzwischen eher gering, doch es gibt zumindest eine große Ausnahme: Kommt ein neues Batman-Abenteuer ins Kino oder ist eine Serie in Gotham City angesiedelt, so ist das genau nach meinem Geschmack – wenngleich dieser dunkle Ritter über die Jahrzehnte einige Veränderungen durchgemacht hat. Und was auf Batman zutrifft, trifft auch auf seinen fahrbaren Untersatz zu, dem sich Mark Cotta Vaz‘ Making-of- und Design-Buch „Batmobile“ widmet.

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Der Autor geht wirklich an den Anfang zurück, zu den Comics der 1930er-Jahre. Anfänglich verfügte Batman noch über kein eigenes Fahrzeug, sondern fuhr in einer schlichten roten Limousine herum. Erst im Laufe der Zeit erhielt Batmans Auto den Hauch des Besonderen – den die erste reale Variante dieses Gefährts, das in den 1949er-Schwarz-Weiß-Serials zu sehen war (ein einfaches Mercury Cabrio) – wiederum völlig vermissen ließ. Als etwas Besonderes aber alles andere als subtil zeigte sich das Batmobil in der oft kuriosen aber doch enorm beliebten 1960er-Serie mit Adam West. Der umgebaute, schwarze Lincoln Futura mit allen nur denkbaren und undenkbaren „Bat-Extras“ machte seinem Namen alle Ehre und ist auch heute noch das vielleicht ikonischte Batmobile.

Kapitel für Kapitel beschäftigt sich der Autor mit der Entstehungsgeschichte der real umgesetzten Fahrzeuge und ihren Designs. So folgen auf das Fahrzeug aus der Serie die Batmobile aus den Kinofilmen. Nicht weniger berühmt als der Mercury Futura ist das Batmobil im 1989er-Film „Batman“ und im Nachfolger „Batmans Rückkehr“ von Tim Burton. Das durchaus ein bisschen an einen Le Mans-Prototypen erinnernde Fahrzeug ist bei weitem nicht so extravagant wie die Nachfolger aus „Batman Forever“ und „Batman & Robin“, die für sich allein aber auch interessante Designs darstellen und man kann durchaus sagen, dass sich die Fahrzeuge immer auch mehr als nur ein bisschen der durch den jeweiligen Film vermittelte Stimmung – und der Interpretation von Batman – angepasst haben .

Am besten trifft dies aber wohl auf den „Tumbler“ zu. Dies ist jenes Batmobil, das in Christopher Nolans Trilogie („Batman Begins“/“The Dark Knight“/“The Dark Knight Rises“) bleibenden Eindruck hinterließ – beim Zuseher und auf so manchem Auto, das dem Tumbler – einer faszinierenden Mischung aus Sportwagen und Panzer – im Weg stand.

Fazit: Wie bereits das Titelbild erahnen lässt, bekommt der Tumbler die größte Aufmerksamkeit in diesem Buch zugesprochen. Denn das Buch entstand zu einer Zeit, als Christopher Nolan das Finale seiner Batman-Trilogie produzierte und man merkt den erläuternden Texten sehr an, dass deren Informationsgehalt am höchsten ist. Die Texte zu den anderen Batmobilen sind zwar auch umfangreich, aber ich hatte oft das Gefühl, dass die lange Zeit, die seit deren Herstellung vergangen ist, die Erinnerungen der Beteiligten etwas getrübt hat. Dass der technische Aspekt in den Hintergrund rückt, hat mich persönlich dabei nicht gestört, aber auch die Design-Aspekte, die Gedanken und Motivationen, die zur besonderen Gestaltung der einzelnen Fahrzeuge führten, sind mit Ausnahme des Tumblers und vielleicht dem 1989er-Batmobile recht knapp.

Das 140 Seiten starke Hardcover-Buch ist reichlich gefüllt mit professionellen Fotos, viele im Rahmen einer Dokumentation aufgenommen, die all die real gebauten Batmobile an einen Ort zusammenbrachte. Der detaillierte Blick auf die Fahrzeuge ist schon eine tolle Sache, aber mir gingen Skizzen und alternative, nie umgesetzte Designs ab. Auch werden einige Begebenheiten im Text sehr ausführlich beschrieben, aber es fehlt an entsprechendem Foto. So wie ein besonders gelobtes Comic-Cover, das im Buch einfach nicht zu finden ist. Oder die „Bat-Missile“ aus „Batmans Rückkehr“. (Während im Vergleich der artverwandte „Bat-Pod“ aus den neuen Filmen etwas mehr Beachtung findet.)

Auch auch wenn „Batman Forever“ und „Batman & Robin“ alles andere als die populärsten Filme des Franchise sind, so hätte ich mir beim Kapitel zu deren Fahrzeugen doch etwas mehr Sorgfalt gewünscht. An mehreren Stellen vermischen sich die Beschreibungen der beiden eigentlich sehr unterschiedlichen Fahrzeuge und im Text scheint es fast ausschließlich um das „Batman & Robin“-Fahrzeug zu gehen, während das Kapitel fast nur Bilder des „Forever“-Fahrzeugs enthält.

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Eines von sehr vielen im Buch enthaltenen Fotos des „Forever“-Batmobils.

Bewertung: Allein aufgrund der Fotos kann ich dem Buch schon mal keine schlechte Bewertung geben. Es ist ein toller Bildband für Batman-Fans, aber liest man den Text, beschleicht einem das Gefühl, dass Mark Cotta Vaz eigentlich nur ausreichend Informationen zum Tumbler hatte und die restlichen Fahrzeuge nur reingenommen hat, um das Buch voll zu bekommen. Die damals zeitgleich entstandene Dokumentation (sie ist übrigens Teil der Bonus-Disc der „The Dark Knight Rises“-Blu-ray) bot dem Autor wohl eine gute Gelegenheit, Inhalte daraus ins Buch zu nehmen und tolle Fotos aufnehmen zu lassen. (Das Highlight ist sicher ein ausklappbares Großformatfoto mit allen fünf Autos nebeneinander.) Wobei ich sagen muss, dass der Informationsgehalt speziell zu den Fahrzeugen in der rund einstündigen Doku insgesamt höher ist als im Text des Buches, der Seiten auch mit generellen Infos zum Batman-Universum füllt, die nichts mit dem Batmobil zu tun haben.

Also wer die Filme daheim hat und das Bonusmaterial zu den Batmobilen schon kennt, der wird vom die Fotos begleitenden Text vermutlich alles andere als beeindruckt sein. Und bewegte Bilder sind wohl auch etwas geeigneter, um Fahrzeuge gut in Szene zu setzen. Daher reicht es für dieses Buch nur für 3 von 6 Sterne. Ein bisschen mehr Faszination hätte ich mir von diesem Buch schon erwartet.

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Anmerkung: Aufgrund des Entstehungsjahres ist das neueste Batmobil aus „Batman v. Superman“ nicht im Buch berücksichtigt.

Rezension: „The Liar’s Key“

Das zweite Buch der „The Red Queen’s War“-Trilogie von Mark Lawrence ist das umfangreichste der Saga rund um den Feigling Prinz Jal und den tapferen Wikinger Snorri. Ich mag zwar eine ganze Weile benötigt haben um es durchzulesen, aber auch das zweite Abenteuer dieses ungleichen Paares hat mich sehr gut unterhalten, auch wenn sich die Reisegemeinschaft im Verlauf der Geschichte deutlich vergrößert. Da das Buch ziemlich direkt an den Vorgänger anschließt, muss ich in der folgenden Rezension wichtige Ereignisse aus dem ersten Buch der Trilogie verraten.

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Die Ausgangslage: Jal und Snorri haben sich im ersten Buch in den hohen Norden durchgekämpft, wo der Wikinger zwar mit Erfolg Rache an einer Horde abtrünniger Nordmänner und Untoter genommen hat, die sein Dorf verwüsteten. Aber er konnte niemanden retten, vor allem nicht seine Familie, die wie die anderen überlebenden Dorfbewohner verschleppt worden waren, um im Ewigen Eis nach dem sagenumwobenen Schlüssel von Loki zu graben. Nach dem Sieg über die Horde fiel der Schlüssel, der alle Türen zu öffnen vermag, in Snorris und Jals Besitz, was den Wikinger zu einem äußerst düsteren Plan motiviert.

Snorri plant, mit Lokis Schlüssel die Tür zum Totenreich zu öffnen und seine Frau und Kinder daraus zu befreien. Ein Plan, den Jal nicht unterstützen will, denn gerade das Öffnen der Tür – um die Toten in die Welt der Lebenden zu lassen – ist das Ziel, des mysteriösen „Totenkönigs“, eines Nekromanten mit der Macht über die Toten zu befehlen. Würde Snorri die Tür öffnen, könnte dies dem Totenkönig in die Hände spielen, der mit einer riesigen Armee aus Wiederauferstandenen das Zerbrochene Imperium mit unbarmherziger Gewalt einen würde. Jedoch mangelt es Jal an Durchsetzungskraft, Snorris Vorhaben zu unterbinden und die Umstände – wie so oft in Jals Fall handelt es sich dabei um höchst unbedachte amouröse Verstrickungen – zwingen ihn, zusammen mit dem Wikinger und dessen Freund Tuttugu in den Süden zurückzukehren. Während ihrer Reise schließt sich ihnen Kara an – eine Auszubildende der Hexe Skilfar, die Snorri Hinweise auf die Lage der Tür zum Totenreich gibt – sowie der Waisenjunge Hennan, dessen Vater tragischerweise den Verfolgern von Snorri und Jal in die Quere kommt und dabei getötet wird. Anführer dieser Verfolger, die ebenfalls im Dienste des Totenkönigs stehen, ist Edris Dean, der Snorri und Jal schon seit Beginn ihrer Reise im ersten Buch nach dem Leben trachtet und der – wie Jal dank von Kara initiierter Visionen erfährt – schon sehr lange das Schicksal seiner Familie beeinflusst. Aber nicht nur er will in den Besitz des Schlüssels gelangen …

Fazit: „The Liar’s Key“ beinhaltet eigentlich zwei Geschichten in einem Band. Zum einen ist da die große Rahmenhandlung rund um die Reise in den Süden. Snorri und seine Begleiter aus dem Norden machen sich in die Toskana auf, um dort einen Magier ausfindig zu machen, der ihnen die Tür zum Totenreich zeigen kann. Jal will da nicht mitmachen und daher trennen sich die Wege der Reisegemeinschaft an der Grenze zum „Red March“ (ungefähr die heutige Piemont-Region), Jals Heimat. Jal, aus dessen Perspektive auch dieses Buch fast ausschließlich erzählt wird, kehrt in seine Heimatstadt Vermillion zurück und diese Rückkehr verläuft ganz anders als er es sich vorgestellt hätte. So richtig vermisst hat ihn nämlich keiner und das Interesse zu erfahren, welche Heldentaten er im Norden vollbracht hat, ist ebenfalls sehr gering. Zudem hat jede seine Liebschaften in der Zwischenzeit geheiratet und mindest zwei Männer sind mächtig sauer auf Jal und trachten ihm nach dem Leben.

In dieser längeren Passage, die sozusagen ein „Buch im Buch“ ist, kann einem Jal schon richtig leid tun, aber sie ist auch sehr amüsant zu lesen und in den Szenen mit der Roten Königin und ihrer schweigsamen Schwester wird er große Plan, der hinter Jals gar nicht so zufälliger Reise in den Norden steckte, sehr gut dem Leser erläutert. Und auch, was auf dem Spiel steht. Die ominöse „Lady Blue“, die bereits in Mark Lawrence erster „Broken Empire“-Trilogie erwähnt worden war aber bislang nur als Gegenspielerin der Roten Königin bezeichnet wurde, erhält in diesem Buch nun erstmals einen echten Namen und Beweggründe und wird als jene Person identifiziert, die hinter dem Totenkönig steht und die Fäden zieht.

Erneut gelingt es dem Autor, die düstere Handlung mit Humor aufzulockern, was sehr an Jals besonderen Charakterschwächen liegt. Wenn es ihn später in der Handlung nach Florenz verschlägt – dem wichtigsten Handelsplatz der bekannten Welt – so ist es schon amüsant, wie er glaubt, Gewinn machen zu können, indem er einfach seine Flucht plant bevor gewaltige Verbindlichkeiten fällig werden. 😀 Auch zu diesem Buch lässt sich sagen, dass es gewisse Härten zwar nicht komplett ausklammert, aber nicht so im Detail wiedergibt wie noch in Lawrences erster Trilogie. Zu dieser finden sich nun auch weniger Anspielungen. Es gibt zwar so einige, aber der inzwischen zum König von Renar aufgestiegene Jorg und Prinz Jal laufen sich jetzt nicht gefühlt alle paar Stunden über den Weg. Auch die Nekromantin Chella, die in der ersten Trilogie eine große Rolle spielte, wird gut aus der Handlung rausgenommen und durch einen anderen Charaktere sozusagen „ersetzt“, was für einen interessanten Aha-Effekt sorgt.

Die neu eingeführten Charaktere sind sehr gut in die Handlung eingebunden. Der Junge namens Hennan hat zwar nicht allzu viel zu sagen, aber erfüllt im Lauf der Handlung seinen Zweck. Und Kara gefiel mir sehr gut und hat eine andere Entwicklung genommen, als ich es ursprünglich vermutet hatte. Und Tuttugu war bereits aus dem ersten Buch bekannt. Wie Snorri, der sich auf eine höchst düsteren Mission begibt, was auf denne Gemüt schlägt, trägt aber auch dieser Wikinger diesmal zum Humorgehalt wenig bei. Sehr gut gefallen haben mir die Rückblicke in Form der Visionen, die Jal heimsuchen. Eigentlich war er ja nur auf der Suche nach der Wahrheit, was den Tod seiner Mutter anging. Aber die Visionen reichen noch weiter zurück, bis in eine Zeit, als die Rote Königin und ihre Geschwister noch Kinder waren. Das Buch nutzt seinen Umfang sehr gut aus, um der Welt des Zerbrochenen Imperiums zu erweitern, vor allem das kosmopolitische Florenz hilft dem Leser sehr, einen Eindruck von der Größe der Welt zu dieser Zeit zu bekommen. Dazu werden auch ein paar Elemente und Völker aus der vorherigen Trilogie wieder aufgegriffen und noch genauer erläutert.

Bewertung: Die Geschichte rund um Lokis Schlüssel ist schon wirklich eine äußerst lange, aber sie war doch stets so interessant, dass ich immer wissen wollte, wie es weitergeht. Ein wenig schwächer als Band 1 der „The Red Queen’s War“-Trilogie würde ich „The Liar’s Key“ aber dennoch einschätzen, was daran liegt, dass Snorri und Jal als ungleiches Duo nicht mehr so gut funktionieren, was aber auch am Konflikt liegt, den Snorris Absichten auslösen. Insofern war es vielleicht wirklich eine sehr gute Idee des Autors, die Wikinger für eine Weile auszuklammern und Jal sein eigenes Abenteuer  in Vermillion und Florenz erleben zu lassen, das zweifellos gute Unterhaltung ist, aber eben nicht zu der Höhe des ersten Romans gelangt. Daher vergebe ich an „The Liar’s Key“ nur gute 4 von 6 Sterne.

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Anmerkung: Auch diesmal enthält das Buch wieder eine Karte des Zerbrochenen Imperiums, sie ist aber identisch mit jener aus dem vorherigen Buch.

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Rezension: „Prince of Fools“

Vor etwas mehr als zwei Jahren las ich Mark Lawrences Trilogie „Broken Empire“ (beginnend mit „Prince of Thorns“). Ebenfalls in dieser lose auf realer Geographie basierenden Fantasy-Welt ist auch die nachfolgende Trilogie namens „The Red Queen’s War“ angesiedelt, die wiederum einen Prinzen in den Mittelpunkt des Geschehens stellt, der charakterlich aber ganz anders gestrickt ist als der „Dornenprinz“.

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In einer mittelalterlichen Fantasy-Welt (deren Entstehungsgeschichte ich an dieser Stelle nicht verraten werde) ist Europa in viele kleine Königreiche aufgeteilt. Eines davon ist der „Red March“, in dessen Hauptstadt Vermillion die Rote Königin regiert, die die zunehmende Bedrohung durch magische Einflüsse und eine mögliche Entfesselung des Totenreiches befürchtet. Eine ernstzunehmende Angelegenheit … an der der Hauptcharakter dieses Romans allerdings überhaupt nicht interessiert ist. Prinz Jalan Kendeth – kurz Jal genannt – ist ein Enkel der Roten Königin, ziemlich weit hinten in der Thronfolge und nur darauf bedacht, sich ein gutes Leben mit Wein, Weib und Gesang zu machen. Er ist ein Spieler, ein Schürzenjäger und allen voran ein ziemlicher Feigling. Bereits die einleitenden Worte des Romans charakterisieren ihn perfekt:

„Ich bin ein Lügner, ein Betrüger und ein Feigling, aber ich werde nie und nimmer einen Freund im Stich lassen. Es sei denn, ihm beizustehen würde verlangen, ehrlich, fair oder mutig zu sein.“

Eine Aussage, die kein soziales Problem für ihn darstellt, denn wirklich enge Freunde hat Jal ja nicht – bis ihm das Schicksal einen an die Seite stellt.

In ihren Bemühungen mehr über die Entwicklungen im Norden des zerbrochenen Imperiums herauszufinden, lässt die Rote Königin einen versklavten Wikinger an den Hof holen. Der riesige Kerl namens Snorri ver Snagason berichtet von Horden auferstandener Toter, ähnlichen Kreaturen, Inselbewohnern und selbst abtrünnigen Nordmännern, die auf dem Weg in Richtung Ewiges Eis sein Dorf verwüstet und den Großteil der Bewohner – darunter Snorris Ehefrau und Kinder – entführt haben. Jal ist sofort fasziniert von Snorri. Aber nicht weil ihn dessen tragische Geschichte so berührt, sondern weil er in dem Muskelmann den perfekten Preisboxer sieht und einen Weg, seine Schulden loszuwerden. Doch Snorri nutzt den Kampf in der Arena zur Flucht und als Jal schon denkt, den Wikinger nie wieder zu sehen, läuft er diesem im sonderbarsten Moment seines Lebens in die Arme.

Eine Verkettung unglücklicher Umstände führt dazu, dass Jal eine Zauberbeschwörung – ausgesprochen von der „Silent Sister“, sozusagen der Hofmagierin der Roten Königin – unterbricht. Anstatt auf ein Gebäude richtet sich die explosive Vereinigung eines Licht- und Dunkelheitszaubers auf Jal, verfolgt ihn quer durch die Stadt und gerade als der Zauber ihn erreicht und auszulöschen droht, prallt er zufällig gegen Snorri. Anstatt die beiden umzubringen, teilt sich der Zauber auf, die Dunkelheit fährt in den wackeren, gutherzigen Wikinger und das Licht in den immer nur auf den eigenen Vorteil bedachten, feigen Jal. Die Freude darüber nicht tot zu sein währt zumindest bei Jal nur kurz, denn es stellt sich heraus, dass Jal und Snorri nun aneinander gebunden sind, sich nicht ohne Nebenwirkungen weit voneinander entfernen können. Das stellt vor allem für Jal ein Problem dar, denn Snorri ist fest entschlossen in den Norden zurückzukehren, seine Frau und Kinder zu befreien und Rache am Anführer der abtrünnigen Nordmänner  zu nehmen. Jal hat keine andere Wahl, als Snorri zu folgen – auch weil ihm daheim Ungemach von einem Gläubiger droht, der sich von Jals königlicher Abstammung nicht beeindrucken lässt …

Fazit: Dies ist der Beginn einer sonderbaren aber wirklich amüsanten Buddy-Actionkomödie im Fantasy-Gewand. Jal und Snorri sind unterschiedlich wie Tag und Nacht und es ist schon ironisch, dass ausgerechnet Jal nach seiner Verzauberung regelmäßig von einem gutmütigen und tugendhaften Engel heimgesucht wird und Heilkräfte entwickelt, während in Snorri von Zeit zu Zeit die Dunkelheit Macht ergreift und er zu einem nahezu unbesiegbaren Berserker wird. Diese neuen Fähigkeiten helfen ihnen auf ihrer langen Reise aus der einen oder anderen Klemme, es gibt in diesem Roman einige Abenteuer für die „Helden“ zu bestehen, aber das Herzstück, die Seele der Geschichte bilden die Dialoge zwischen Jal und Snorri. Das Geschehen wird dabei durchgängig aus Jals Perspektive geschildert, was selbst in den düstersten Situationen für Auflockerung sorgt.

Verglichen mit den Romanen der „Broken Empire“-Trilogie – die auch stellenweise durchaus humorvoll sein konnten – ist „Prince of Fools“ dank des Hauptcharakters mit all seinen Schwächen und Fehlern deutlich unbeschwerter. Der Humor von Prinz Jorg war trocken und schwarz, jener von Prinz Jal ist ein wenig naiver, auf Schlagfertigkeit ausgelegt – mutig mit dem Wort, aber nicht mit der Tat. Auch bei den Kampf- und Schlachtszenen hat sich Mark Lawrence diesmal meinem Empfinden nach mit unschönen Details zurückgehalten. Vielleicht auch, weil Jal ein Erzähler ist, der nicht so genau hinsehen will, wenn sich vor seinen Augen etwas Grausiges ereignet. 😀 Dennoch spritzt das Blut in nicht geringem Maße – vor allem als Snorri auf einem Gebirgspass zum Berserker mutiert und beim Endkampf, in den Wikinger mit einigen weiteren Überlebenden aus seinem Dorf zieht (deren Gruppendynamik ein ganz kleines Bisschen an die Zwerge aus „Der Hobbit“ erinnert 😉 ). Die düsteren Kreaturen namens „Ungeborene“ werden in ihrer Deformation und Unheimlichkeit eingehender beschrieben und auf die Stimmung schlägt vor allem das, was Snorri über das tragische Schicksal seiner entführten Familie nach und nach offenbart. Also trotz der Heiterkeit in vielen Passagen ist „Prince of Fools“ kein echter Wohlfühl-Roman.

Bewertung: Ich gebe dem Auftakt der neuen Trilogie 5 von 6 Sterne. Die Reiseerzählung kommt nicht ganz ohne die eine oder andere Länge aus – immerhin sind Snorri und Jal monatelang unterwegs – und ich bin mir nicht ganz sicher, was ich von den Überschneidungen zu „Prince of Thorns“ halten soll. Die Geschichten spielen parallel und die Wege von Prinz Jal und Prinz Jorg und dessen Weggefährten kreuzen sich in „Prince of Fools“ und um so manche Anspielung rein zu bringen, schreibt der Autor Snorri manchmal einen unglaubwürdigen Umfang an Wissen zu. Zuerst dachte ich, dies  würde eine besondere, eventuell magische Fähigkeit des Wikingers andeuten, aber schlussendlich dürfte es sich hier doch nur um Gags handeln, um beide Trilogien miteinander zu verbinden. Zwei, drei Anspielungen weniger wären ganz gut gewesen, denn „Prince of Fools“ wäre auch ohne diese ein sehr guter Roman, der einen Abschluss hat, aber vorbereitet, worum es in der Fortsetzung gehen wird.

5stars

Anmerkung: Wie auch schon bei den ersten drei Romanen gibt es auch in diesem eine Karte des „Broken Empire“. Diesmal sehen wir erstmals die skandinavischen Gefilde.

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Rezension: „Night School” – Ein Jack-Reacher-Roman

Mit „Night School“ endet nach etwas über drei Jahren vorläufig mein Ausflug in die Welt Jack Reachers. Und ich muss schon sagen, dass ich durchaus froh darüber bin, mit dieser Reihe abzuschließen, die in den letzten paar Romanen ein bisschen Verschleiß erkennen ließ und auch die Charakterisierung der Hauptfigur etwas abwandelte. Ja, Jack Reacher war immer einer, der aneckte. Aber anfangs gelang es dem Autor, Reacher gleichzeitig sympathisch darzustellen. Das ging aber in den vergangenen Romanen zunehmend verloren und damit sank auch das Interesse an diesem Charakter. Wobei der tolle Roman „The Affair„, der während Reachers Militärzeit angesiedelt war, vermuten ließ, dass Reachers unsympathisches Auftreten eine Alterserscheinung sein könnte. Insofern hatte ich gehofft, in „Night School“ den „sympathischen Major Reacher“ wiederzusehen. Doch leider erfüllte sich diese Hoffnung nicht.

nightschool

Wir schreiben das Jahr 1996, Jack Reacher kommt gerade von einer Geheimmission aus Ex-Jugoslawien zurück, lässt das übliche Prozedere einer Medaillenverleihung über sich ergehen und rechnet mit der Erteilung eines neuen Auftrags … der jedoch so gar nicht seinen Erwartungen entspricht: Er wird zur Schule geschickt! Genauer gesagt zu einem Kurs, der irgendwo abgelegen im Hinterland Virgians stattfindet und der die Zusammenarbeit der Behörden verbessern soll. Blödsinn natürlich. Kaum sitzt Reacher mit einem CIA- und einem FBI-Mann zusammen wird ihnen klar, dass der angebliche Kurs nur Fassade ist. In Wahrheit sollen sie als Vertreter ihrer Behörden die Hintergründe eines besorgniserregenden Zwischenfalls ermitteln, von dem jedoch kaum etwas bekannt ist: Ein Informant in Hamburg hat lediglich erfahren, dass sich der Kurier einer neuen afghanischen Terrororganisation in Hamburg mit einem namenlosen Amerikaner getroffen hat, der der Organisation etwas angeboten hat – für schlappe 100 Millionen Dollar!

Natürlich hat diese Information in Washington einige Leute alarmiert, die u.a. Reacher nun mit Nachforschungen betrauen. Dank freier Hand bei der Auswahl seiner Mitarbeiter lässt sich Reacher Sergeant Frances Neagley aus seiner Militärpolizei-Einheit zur Seite stellen, die gemeinsam mit ihm nach Hamburg fliegt, um sich dort eine Übersicht zu verschaffen. Während ihres Aufenthalts müssen sie aber enorm aufpassen, kein Aufsehen zu erregen, um einerseits ihren Informanten nicht zu gefährden oder den unbekannten Amerikaner – statistisch wahrscheinlich ein Soldat – zu verscheuchen, ehe dieser sich erneut mit dem Kurier treffen kann. Aber Aufsehen zu vermeiden, war noch nie Jack Reachers Stärke …

Fazit: Okay, beginnen wir mit dem Positiven. Mir gefiel die Darstellung der Polizeiarbeit in diesem Roman ausgesprochen gut. Die Ermittlungen fand ich sehr schlüssig, das Vorgehen – sowohl von Reacher & Neagley als auch der Hamburger Polizei – sehr professionell und zielgerichtet. Die Ermittlungsarbeit ist die treibende Kraft hinter der Story, abwechselnd mit den Schauplatzwechseln zu den Kurieren und deren Auftraggebern. Autor Lee Child hat es sehr gut verstanden, den Zeitdruck zu vermitteln, unter dem die einzelnen Personen stehen. Abwechselnd bekommt man mit, wie die Ermittler versuchen einen Rückstand aufzuholen während die Gejagten versuchen, der sich – manchmal langsamerer, manchmal schneller – zuziehenden Schlinge zu entkommen. Die Nebenereignisse – wie der Mord an einer Prostituierten, das Auftauchen hervorragender Ausweisfälschungen oder Kontakte eines Polizisten zu einem zwielichtigen deutschen Unternehmer – die nicht für jeden der Charaktere ersichtlich mit dem eigentlichen Fall zu tun haben, werden sehr gut in die Geschichte eingewoben. Das ergibt am Schluss eine schöne, runde Sache, ist wirklich gut geplant gewesen.

Als neutral erachte ich den Deal, den der Amerikaner vorschlägt. Um was es sich handelt, das er verkaufen will, werde ich in dieser Rezension nicht verraten, aber ich bin mir sicher, dass es vielen Lesern als zu weit hergeholt erscheinen mag, das das U.S. Militär auch nur die Möglichkeit offen lässt, dass so etwas auf den Markt kommt. Auch mir kam der Gedanken, dass Lee Child hier wohl diesen oder jenen Film zu oft gesehen hat. Aber so wirklich in unserer Realität ist „Night School“ wohl sowieso nicht angesiedelt. 😉

Okay, 1996, Hamburg. Zugegeben, ich war nicht dort. Und keine Zeit war jemals perfekt und wird perfekt sein, aber gerade die späten Neunziger habe ich als doch eher „gute“ Ära Mitteleuropas in Erinnerung. Wie Hamburg im Jahre 1996 aber von Lee Child in diesem Roman beschrieben wird, erinnert etwas an die Darstellung des heutigen Deutschlands durch einen gewissen Präsidenten am Bosporus. 😀 Okay, fassen wir mal zusammen: Statistisch gesehen wohnte in Deutschland 1996 in zumindest jeder 200. Wohnung ein Schwerverbrecher. Nazi-Organisationen planten einen Putsch gegen die Regierung und hatten Spitzel in der Polizei – nicht umgekehrt. Deutsche Großstadtbürger waren es gewohnt, wenn sich alle paar Tage in ihrem Umfeld eine große Explosion ereignete und gerieten nicht in Panik. Auf der Reeperbahn fanden Sodomie-Live-Shows statt … die von außen ersichtlich über Plakate in Schaufenstern beworben wurden.

Soweit so schlecht. 😀 Ich denke, diese Darstellung hat nicht viel mit der Realität zu tun, aber vielleicht irre ich mich ja auch. Allerdings will ich Lee Child hier gar nicht vorwerfen, wirklich „Fehler“ gemacht zu haben. Ich kann mir gut vorstellen, dass solche Beschreibungen Mitteleuropas bei vielen seiner amerikanischen Leser sehr gut ankommen. Schon interessant: Blicke ich auf Childs vorangegangen Romane zurück, so hat er zwar so einige amerikanische Orte beschrieben, die genauso abgründig sind wie Hamburg in „Night School“. Nur interessanterweise waren diese amerikanischen Orte dann meistens fiktiv.

Aber auch wenn man die Darstellung Hamburgs mal außen vor lässt, findet man doch so manches im Roman, das schlecht recherchiert wirkt bzw. einfach für die Ermittler günstig konstruiert. Was mir spontan einfällt ist die Lektion darüber, wie Menschen beim Entwenden eines Aktenordners aus einem Regal zwangsläufig einen Fingerabdruck auf dem Ordner daneben hinterlassen. Ich als Büroarbeiter frage mich, ob sich Lee Child der Existenz von Aktenordnern mit Griffloch bewusst ist. Ja, es gibt auch welche ohne Griffloch. Aber meiner Erfahrung nach verfügen 90 % der Aktenordner im Handel über dieses praktische Merkmal. Schon interessant wenn man bedenkt, dass Child seine Ermittler sehr gerne aufgrund statistischer Wahrscheinlichkeiten auf die richtige Spur bringt. 😉 Und auch das Öffnen einer Wohnungstür in einem deutschen Neubau mit einer Kreditkarte erschien mir nicht unbedingt glaubwürdig – aber natürlich fehlt mir in diesem Bereich jedwede praktische Erfahrung. 😉

Bewertung: Also im Grunde hat mir der Fall und die ganze Ermittlungsarbeit, wie sie im Roman geschildert wurde, sehr gut gefallen. Wie die einzelnen Handlungsstränge zusammengeführt wurden kann sich ebenfalls sehen lassen. Der Spannungsaufbau war sehr gelungen. Aber so nebenbei hatte ich als Leser ständig den Eindruck, als stolpere der Autor in einer Tour ohne es zu bemerken von einem Fettnäpfchen ins nächste wenn er die Umgebung beschreibt, in der sich Reacher bewegt. Ein Reacher, der in diesem Roman recht zwiespältig rüberkommt. Mir gefällt seine Zusammenarbeit mit der deutschen Polizei. In eine Schlägerei mit Anhängern des rechten Rands verwickelt, kommt es aber nicht so gut an, dass er auf deren Niveau sinkt und dieses nach seinem „Triumph“ sogar noch unterbietet. (Wenn Reacher wissen will, wie es sich anfühlt, einen Krieg zu verlieren, hätte er dafür nicht nach Hamburg fliegen und einen Deutschen fragen müssen; ein Army-Veteran hätte ihm das auch sagen können.)

Ich kann es nicht anders ausdrücken, aber für mich hat der Autor hier einfach zu viele schlechte Entscheidungen beim Ausschmücken getroffen, die von der eigentlich ganz unterhaltsamen Krimi-Story massiv ablenken. Das macht den Roman auch schwer zu bewerten, weil das Wesentliche ja doch ganz gut gelungen ist, das Unwesentliche aber arg aus dem Ruder gelaufen ist. Ich glaube, eine Durchschnittswertung von 3 Sternen kann ich vertreten. Ich kann mir sogar vorstellen, dass der Roman für manche Deutsche als Kuriosum oder Parallelwelt-Geschichte interessant sein könnte. 😀

3stars

Anmerkung: Neben den bislang erschienenen 21 Romanen hat Lee Child auch noch 4 Kurzgeschichten  über Jack Reacher verfasst.

Rezension: „Make me” – Ein Jack-Reacher-Roman

Beinahe ist es geschafft: Demnächst werde ich den 21. und damit letzten bislang erschienen Jack Reacher-Roman lesen. Innerhalb von ziemlich genau drei Jahren werde ich dann die gesamte Reihe (abzüglich ein paar Kurzgeschichten, die ich zwischendurch hin und wieder mal einstreuen werde) gelesen haben. Und nach dem 20. Roman „Make me“ fiebere ich diesem Moment schon sehr entgegen. Es manifestiert sich der Eindruck, dass die Reihe ihre besten Zeiten schon hinter sich hat und die Hauptfigur selbst quält sich in diesem Roman ziemlich ab.

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Dabei beginnt die Geschichte vielversprechend, denn wie in vielen der besseren Reacher-Romane befindet sich Reacher auf dem Land. Rein aus Interesse, woher diese kleine Stadt ihren Namen bezog, steigt Reacher irgendwo zwischen Oklahoma City und Chicago aus dem Zug und stellt in „Mother’s Rest“ seine Erkundigungen an. Ganz harmlos, möchte er meinen, doch die misstrauischen Blicke, die ihm gelten, entgehen ihm nicht. Doch auch das ist er gewohnt, ein Mann mit seiner Statur zieht zwangsläufig Aufmerksamkeit auf sich und auch dass man am Land Fremden gegenüber etwas zurückhaltend reagiert, ist nichts Neues. Was Reacher jedoch nicht weiß: Die Einwohner von „Mother’s Rest“ haben guten Grund, misstrauisch zu sein, denn immerhin haben einige ihrer Vorzeigebürger am Abend zuvor gerade erst die Leiche eines Typen verscharrt, der ebenfalls seine Nase in Dinge gesteckt hat, die ihn nichts angehen.

Auf der Suche nach diesem Mann namens Keever ist Michelle Chang, eine Kollegin von ihm, ebenfalls Privatdetektivin, die Keever zur Unterstützung angefordert hat. Doch bei ihre Ankunft in „Mother’s Rest“ war Keever bereits – im wahrsten Sinne des Wortes – wie vom Erdboden verschluckt. Alles gut und schön, denkt sich Reacher und ist schon kurz davor, wieder in den Zug zu steigen – ohne den Namensursprung der Stadt herausgefunden zu haben – als seine Instinkt Alarm schlagen und er beschließt, Chang zu helfen. (Natürlich darf ich nicht vergessen zu erwähnen, dass Chang sehr attraktiv beschrieben wird und als ehemalige CIA-Agentin genau Reachers Beuteschema entspricht. 😉 )

Dass Chang und er sich der Sache nähern wird deutlich, als sie mit großem Nachdruck aus der Stadt hinausgeekelt werden, doch das passt Reacher ohnehin in den Kram, denn auf der Sucher nach Keevers Auftraggeber muss er ohnehin zuerst nach Chicago, woraufhin ihn weitere Spuren nach Phoenix und Kalifornien führen, eher er zum großen Showdon in Wild-West-Manier nach Mother’s Rest zurückkehr …

Fazit: Diese Rückkehr ist auch insofern notwendig, damit Reacher – und der Leser – überhaupt herausfinden, welchen üblen Geschäften die angesehenen Bürger von Mother’s Rest nachgehen. (Ohne es direkt zu verraten doch eine Warnung: Was die machen ist ziemlich übel. Der Schluss ist nicht gerade die beste Lektüre, wenn ihr danach eine Nacht frei von Albträumen erleben wollt.) Am Schluss präsentiert uns Reacher retrospektiv ein paar Hinweise, die die Natur der Geschäfte andeuten hätten können. Aber ich gratuliere jedem, der sich aus diesen Brotkrumen die Auflösung zusammenreimen konnte. Ich finde, dieser Krimi ist nicht von jener Art, die es dem Leser ermöglicht, vor dem Ende die Auflösung zu erraten. Anders als in einigen vorherigen Romanen deutet Reacher hier nicht mal an, dass er insgeheim schon weiß, was los ist.

Das liegt auch daran, dass wir Reacher hier so angeschlagen wie selten erleben. Mit einer sehr schweren Gehirnerschütterung quält er sich eigensinnig durch dieses Abenteuer ohne sich medizinisch behandeln zu lassen. Hier scheint der Autor der Meinung gewesen zu sein, dass Reacher ob seiner Verhaltensweisen ohnehin kein Vorbild sein sollte, also hat er es auch in Sachen medizinischer Vorsorge keine Vorbildwirkung zu erfüllen. Nur die Starken überleben. (Und allen anderen kündigt der Präsident die Krankenversicherung. Wäre Reacher in einem Wählerregister, wüsste ich, für wen er bei den letzten Wahlen gestimmt hätte 😉 ) Also auch diesmal wieder ein Roman, in dem Reacher nicht gerade sympathisch rüber kommt. Diese mehren sich je länger die Reihe läuft.

Wie schon erwähnt, lässt seine Leistung als Ermittler in „Make me“ zu wünschen übrig. Er handelt eigentlich nur nach Instinkt und hängt seine Theorien, dass „irgendetwas nicht stimmt“ an Kleinigkeiten auf. Ein Beispiel: Reacher ist überzeugt, dass ein Gebäude einen bestimmten Zweck nicht erfüllen kann, weil er auf einem Satellitenfoto kein zum Gebäude führendes Rohr erkennt. Okay, er nennt Argumente dafür, warum es nicht unterirdisch verlaufen sollte. Das ein Schlauch, der im Bedarfsfall ausgerollt werden kann und ansonsten in einem Lagerschuppen rumliegt den exakt gleichen Zweck erfüllen kann wie ein fix installiertes Rohr, ist ihm keinen Gedanken wert und auch nicht Chang, die zwar in Sachen Action am Ende durchaus ihren Beitrag leistet, aber im Großen und Ganzen nur ein Betthäschen für Reacher ist und so ziemlich die einzige Motivation, sich mit dem Fall ihres vermissten Kollegen auseinanderzusetzen.

Bewertung:Trouble“ bleibt für mich weiterhin klar das Schlusslicht der Reihe, aber „Make me“ ist schon recht knapp dran. Hier ist Reacher zwar auch enorm unsympathisch, aber bei weitem nicht in dem Ausmaß wie in „Trouble“. Wenngleich es mit „Trouble“ doch angefangen hat, Reacher öfter als Stinkstiefel zu charakterisieren. Das größere Problem hat „Make me“ in der Story. Wie gesagt ist man als Leser weitestgehend Passagier. Reacher und Chang hangeln sich von A nach B nach C nach D. Es ist eine geradlinige, ja beinahe schon erstaunlich simple Story, die Ereignisse einfach aneinanderreiht. Es gibt zwischenzeitlich immer wieder ein paar gute Passagen, in denen die Spannung steigt oder auch mal ein Funke Humor wie eine Oase in der Sahara wirkt. Aber etwas besseres als einen 2-Sterne-Kandidaten machen diese Passagen aus „Make me“ leider nicht.

2stars

Im 21. und neusten Roman namens „Night School“ wird dann wieder eine Geschichte erzählt werden, die während Reachers Dienstzeit angesiedelt ist. Diese Geschichten („Die Abschussliste“ und „The Affair„) haben mir bislang von allen Reacher-Romanen am besten gefallen. Wenn „Night School“ diesem Trend folgt, dann kristallisiert sich langsam heraus, dass die Zukunft der Reacher-Romane eher in der Vergangenheit liegen könnten.

Rezension: „Personal” – Ein Jack-Reacher-Roman

In Lee Childs 19. Jack-Reacher-Abenteuer (das bis jetzt noch nicht auf Deutsch erschienen ist), kommen einige aus vorherigen Romanen bekannte Story-Elemente zusammen. Aber wenngleich es wie in „Sniper“ um einen Scharfschützen geht und es Jack Reacher einmal mehr nach Paris und London verschlägt wie in „Die Abschussliste“ bzw. „Way out“, ist „Personal“ lobenswerterweise kein Versuch, ein „Best-of“ aus einigen guten bis hervorragenden Reacher-Romanen zu zaubern, sondern eine Story, die zumindest in der ersten Hälfte eigene Wege geht.

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Alles beginnt damit, dass Reacher zufällig im Bus eine liegengelassene Ausgabe der Army Times durchblättert und dabei überraschenderweise ein Inserat entdeckt, dass ihn auffordert, sich bei einem alten Bekannten zu melden, der noch immer als Adjutant von General O‘Day, der im Bereich Terrorbekämpfung in führender Position tätig ist, fungiert. Reacher ahnt sofort, dass O’Day hinter dem Inserat steckt und seinen Adjutanten lediglich aus einem Grund vorschiebt: Reacher schuldet diesem noch einen Gefallen. Und das ist auch der Grund, warum Reacher die Aufforderung nicht einfach ignorieren kann, sondern stattdessen vom nächstbesten Telefon aus den Anruf tätigt. Nur wenige Minuten später sitzt Reacher bereits in einem Jet, der ihn zur Joint Base Lewis-McChord fliegt, wo er wie erwartet von General O’Day wie auch Repräsentanten der CIA über einen Vorfall informiert wird: Vor einigen Tagen fand ein Attentat auf den französischen Präsidenten während eines öffentlichen Auftritts statt. Ein Scharfschütze hatte ihn aus einer Entfernung von fast 1,3 Kilometern ins Visier genommen. Glücklicherweise hielt ein neuartiges Sicherheitsglas das Projektil kurz vor seinem Ziel auf.

Reachers Reaktion: „Was geht uns das an? Das Ziel war ein Franzose.“ Doch wenngleich der Schütze unerkannt entkommen konnte, so ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich dabei um einen Amerikaner handelte, denn nicht viele Scharfschützen auf der Welt verfügen über die Fähigkeit, ein Ziel selbst mit einem Hochleistungsgewehr aus so großer Distanz zu treffen. Und von noch weniger potenziellen Kandidaten ist der derzeitige Aufenthaltsort unbekannt. Auf der Liste von nur vier potenziellen Attentätern steht auch ein Amerikaner: John Kott, den Reacher einst inhaftierte und der kürzlich seine 15-jährige Haftstrafe abgesessen hat. Zusammen mit einer CIA-Agentin wird Reacher nach Paris gebracht, wo er sich mit anderen internationalen Experten den Tatort besichtigen soll. Dort stellt Reacher nicht nur fest, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass es sich nicht nur um einen, sondern um zwei Attentäter gehandelt haben könnte, sondern entgeht auch nur knapp selbst einer Kugel, die auf ihrem 1,4 Kilometer langen Weg lediglich von einem Windhauch abgelenkt wird und Reacher knapp verfehlt …

Fazit: Der Titel des Romans nimmt es schon vorweg: Es geht hier nicht nur um ein vereiteltes Attentat bzw. die Verhinderung eines zukünftigen Attentats auf den G8-Gipfel in London, sondern auch um eine persönliche Vendetta, die der Scharfschütze gegen Jack Reacher führt. Daher ist Reachers Motivation, sich von der Army und der CIA für diesen Fall verpflichten zu lassen, nachvollziehbar und Reachers Betätigungsfeld diesmal deutlich erweitert. In „Personal“ ist er nicht auf eigene Faust irgendwo in den Vereinigten Staaten unterwegs, sondern im urbanen Europa. Ein wenig eckt Reacher mit so manchen Kommentaren über Europa an. Seine Kritik generell am gesamten Ausland – wo er so viel Zeit während seiner Militärlaufbahn verbracht hat – war schon im zweiten Reacher-Roman „Ausgeliefert“ zumindest sonderbar. In diesem Roman ist sie nicht ganz so geradeheraus, aber unterschwellig kommt hin und wieder doch eine gewisse Abneigung Reachers rüber. Den größten Bock schießt aber die leitende CIA-Agentin im Briefing. Als amerikanische Regierungsangestellte sollte man besser vorsichtig damit sein, darüber zu urteilen, welche und vor allem wie viele/wenige europäische Staaten als finanzwirtschaftlich Erwachsene gelten. Wenigstens kam die Äußerung nicht von Reacher selbst, der zwar selber nicht ganz frei von Vorurteilen bleibt, aber wenigstens – wie so oft in diesen Romanen von Lee Child – meistens einfach „nichts sagt“. (Dies ist ein kleiner Running Gag in den Romanen. Sätze wie „Reacher sagte nichts.“ kommen erstaunlich häufig vor.)

Der Roman betreibt nicht gerade Fremdenverkehrswerbung für Westeuropa (anderseits tun das die Romane auch nicht so recht für die USA), aber die Szenen in den Zentren von Paris und London sind recht stimmungsvoll und in Paris kommt noch eine sehr melancholische Komponente hinzu, wenn Reacher dort das Grab seiner Mutter besucht und sich an sein letztes Treffen mit ihr erinnert. (Ursprünglich wurde dies im Roman „Die Abschussliste“ geschildert.) Auch in dieser Hinsicht ist der Romantitel anwendbar.

Bei einer Parabel, die ebenfalls Reacher persönlich betreffen sollte, haut der Titel des Romans jedoch nicht hin. Nämlich wenn Reacher an eine unter seinem Kommando stehende Soldatin denkt, die er einst allein zu einem vermeintlichen Routineeinsatz schickte, diese dort aber auf bestialische Weise getötet wurde. Reacher ertappt sich mehr als einmal dabei, diese Vorkommnisse auf die junge CIA-Agentin umzulegen, die ihn während seiner Europareise begleitet. Aber so richtig haut die Sache nicht hin, vor allem, da sie auch John Kott gar nicht betrifft, Reacher lediglich dadurch an den eineinhalb Jahrzehnte zurückliegenden Zwischenfall erinnert wird, weil Kott eine Kopie von Reachers Dienstakte besitzt, in der der Zwischenfall als einer von Reachers Fehlschlägen dargestellt wird. Diese Rückbesinnungen mischen sich immer wieder mal ablenkend hinein, zumal ich auch keine Parallelen zwischen der damals getöteten Soldatin und der CIA-Agentin sehe. Der Autor verpasst dieser zusätzliche „Schutzbedürftigkeit“, indem er sie heimlich Medikamente nehmen lässt.

Anzumerken an diesem Roman ist, dass die Story in der ersten Hälfte zügiger voranschreitet. Obwohl es zu keinerlei Handgreiflichkeiten kommt, sind die Darstellung der Ausgangssituation, die ersten Ermittlungsergebnisse, die Reisen von Seattle zur Basis, zu Kotts Haus und weiter nach Paris und die ersten Schlussfolgerungen sehr spannend zu lesen. Aber in der zweiten Hälfte – einhergehend mit der Verlagerung der Handlung fast ausschließlich nach London, wird die Angelegenheit etwas zäh. Der Scharfschütze tritt in den Hintergrund und seine bezahlten Handlanger – zwei rivalisierende Banden, die Kott offenbar beide beauftragt hat, ihm den Rücken frei zu halten – treten in den Vordergrund. Zweifellos um Reacher auch ein wenig Action zu verschaffen und sich quer durch London zu prügeln. Das ganze kommt aber eher eintönig rüber, nicht mit viel Finesse vorgetragen, sondern im Grunde das, was Reacher routinemäßig unabhängig seines Aufenthaltsort immer wieder mal macht.

Bewertung: Einer starken ersten Hälfte folgt eine deutlich langweiligere zweite Hälfte. Dabei ist auch deren Anteil an der Gesamtstory nicht uninteressant, aber zu wenig zügig erzählt, um das Interesse des Lesers lange zu binden. Ich habe für das Lesen der zweiten Hälfte sicher dreimal so lange gebraucht wie für die erste Hälfte. Bei der Bewertung dieses Romans schwanke ich stark zwischen 3 und 4 Sternen. Da ich die erste Hälfte aber tatsächlich hervorragend fand und meine Hoffnungen für den Abschluss der Story aufgrund dieses Umstands wohl etwas zu hoch angesetzt waren, gebe ich doch knapp 4 Sterne. Wäre der gesamte Roman wie die zweite Hälfte gewesen, wäre er auch kein schlechter Roman, sondern einfach nur sehr, sehr durchschnittlich.

4stars

Rezension: „Die Gejagten” – Ein Jack-Reacher-Roman

Mit „Die Gejagten“ erschien erst vor wenigen Monaten der letzte ins Deutsche übersetzte Jack Reacher-Roman von Lee Child. Gerade rechtzeitig vor dem Kinostart der entsprechenden Verfilmung von „Never go back“. (Es bleibt ein Rätsel, warum der deutsche Herausgeber nicht den deutschen Titel der Verfilmung – „Kein Weg zurück“ – für den Roman übernommen hat.) Am Ende dieser Rezension werde ich auch auf den Film kurz eingehen, aber zuerst soll der Roman im Vordergrund stehen.

Die Gejagten von Lee Child

Seit Jack Reacher im Roman „61 Stunden“ mehrere Telefonate mit seiner Nachfolgerin in der 110. Militärpolizeieinheit geführt hat, war er auf dem Weg nach Virginia, um Major Susan Turner dort persönlich zu treffen. Aus einem geplant angenehmen Besuch seiner alten Dienststelle, wo er noch immer einen legendären Ruf genießt, wird aber schnell ein Alptraum: Nicht nur wurde Turner inzwischen als Leiterin der Einheit abgesetzt und durch den feindseligen sowie nicht gerade kompetent wirkenden Colonel Morgan ersetzt. Reacher muss auch noch erfahren, dass Turner wegen angeblicher Bestechlichkeit inhaftiert wurde (auf einem auf ihren Namen lautenden Konto sind über Nacht enorme Einzahlungen geleistet worden) und zudem laufen auch zwei Verfahren gegen Reacher: Eine Anklage wegen Totschlags und – was Reacher noch mehr überrascht – eine Vaterschaftsklage!

An beide Fälle hat Reacher keine Erinnerungen und als er auch noch zwangseingezogen wird lautet sein natürlicher Instinkt, sofort abzuhauen und Virginia weit hinter sich zu lassen. Doch so verlockend es auch ist, diesem Instinkt nachzugeben, will Reacher diese Anklagepunkte nicht auf sich sitzen lassen. Zumal irgendjemand großes Interesse daran hat, Reacher aus der Stadt zu vertreiben und zwei Schlägertypen zu Reachers Motel schickt – mit dem schlechteren Ausgang für die beiden Typen. Und auch auf seiner neuen/alten Dienststelle wird es interessant, als in Colonel Morgans Abwesenheit zwei Militärpolizisten der Einheit in Afghanistan vermisst werden und Reacher als ranghöchster anwesender Offizier eine Suchoperation anordnet. Diese Vorgehensweise brockt ihm natürlich Ärger ein und die beiden Vermissten können nur noch tot aufgefunden werden. Dennoch stellt Reacher eine Verbindung her zwischen diesem Vorfall und Susan Turners Verhaftung, mit der zusammen er in weiterer Folge gejagt von Polizei und einem noch größeren Schlägertrupp quer durch die USA flüchten muss. Genauer gesagt nach Los Angeles, wo Reachers angebliche Tochter lebt …

Fazit: Die Handlung des Romans lässt sich nicht so einfach in wenigen Sätzen zusammenfassen. Auf Jack Reacher prasselt hier am Beginn ganz schön viel ein, das er erstmal verkraften muss und all das ist dann auch noch in einem komplexen Plan miteinander verwoben, der zum Ziel hat, weder Susan Turner noch Reacher zu nahe ran an die Vorfälle in Afghanistan zu lassen. Dabei ist der Plan der Bösen hier sogar etwas überzogen komplex. Wären sie gar nicht gegen Turner und Reacher vorgegangen, wäre die Sache am Ende wohl noch gut für sie ausgegangen. So jedoch entledigen sich die beiden während ihrer Flucht nach und nach ihrer Verfolger – und auch den Anzeigen gegen Reacher. Als Fan der Serie „J.A.G.“ gefiel mir hier, wie Reacher – wenn auch nur telefonisch – mit seinen beiden Anwältinnen gegen die Anklagen vorgeht und aufdeckt, wie diese einzig und allein den Zweck hatten, alte Geschichten wieder aufzuwärmen und Reacher aus der Stadt zu jagen.

Samantha – Reachers vermeintliche Tochter – hat nur einen relativ kleinen Auftritt, wenngleich Autor Lee Child bei diesem alles andere als subtil vorgeht und Samantha exakt wie Reacher formulieren lässt um die Möglichkeit hervorzustreichen, Reacher könnte hier wirklich seiner unehelichen Tochter begegnen.

Reachers Interaktion mit Susan Turner war nach all dem Hinarbeiten auf ihre Begegnung über drei Romane hinweg dann doch etwas enttäuschend. Positiv kann ich zwar schon hervorheben, dass sie sehr gut als Team arbeiten und Reacher in diesem Team nicht dermaßen untergeht wie noch in der Vierergruppe im Roman „Trouble„. Auf persönlicher Ebene ist hingegen zwar schon ein gewisses Verständnis füreinander da, aber sie sind im Endeffekt einfach zu unterschiedlich und nicht füreinander geschaffen. Da ist viel Kritik dabei. Ihre intime Interaktion mit Reacher geht emotional nicht über jene hinaus wie man sie bei jedem anderen beliebigen „Reacher-Girl“ gesehen hatte. Turner ist für die Handlung relevanter als für Reachers Charakterentwicklung.

Bewertung: Mir hat dieser Roman wirklich sehr gut gefallen. Lee Child hat zwar schon bessere Reacher-Abenteuer abgeliefert, aber ich empfand es als sehr positiv, wie er Reachers Umgang mit der Vergangenheit geschildert hat, nämlich sehr dezent und zurückhaltend. Reacher bleibt sehr fokussiert und unberührt – Turner schiebt dies auf eine mögliche „Verwilderung“ Reachers in den letzten Jahren – und lässt sich nie beirren, kämpft wo es nötig ist, flüchtet dorthin wo er hin muss. Es ist eigentlich ständig etwas los und selbst jene Zeit, in der Reacher seine unmittelbaren Verfolger abhängen kann, füllt Child mit Zwischenfällen, die die beiden Gejagten beschäftigt halten. Für diesen sehr unterhaltsamen wenn auch in der Handlung übertrieben komplizierten und in der Auflösung ein wenig zu unspektakulären Roman, gebe ich 5 von 6 Sterne.

5stars

reacher2-posterReview zum Film „Jack Reacher – Kein Weg zurück“:

Wie eingangs angekündigt möchte ich auch zumindest kurz auf den Film eingehen, den ich vor rund einem Monat im Kino gesehen habe. Ich muss gestehen, sehr große Erwartungen an den Film gehabt zu haben, da mir die erste Reacher-Verfilmung (vom Roman „Sniper„) hervorragend gefallen hat. Wahrscheinlich habe ich in den vergangenen drei Jahren keinen Film so oft angesehen wie „Jack Reacher“. Leider ist „Never go back“/“Kein Weg zurück“ meiner Meinung nach in so ziemlich jeder Hinsicht anders geartet als der Vorgängerfilm. Das Positive zuerst: Der Charakter Jack Reacher ist absolut wiedererkennbar, Tom Cruise führt die Auslegung des Charakters unmittelbar fort.

Allerdings: Die Story – die in der ersten Hälfte recht nahe am Roman ist, dann aber gänzlich anders abläuft – sorgt dafür, dass Reacher in seinem typischen Handeln stark eingeschränkt wird. Er agiert nicht mehr unbekümmert, sondern in doppelter Weise belastet durch die Notwendigkeit der Zusammenarbeit mit Major Turner (Cobie Smulders) und durch den Schutz seiner vermeintlichen Tochter, die im Film schon sehr früh vorgestellt wird und zusammen mit Reacher und Turner auf der Flucht ist – und dabei auch ein wenig nervtötend rüberkommt. Während Reacher im Roman fokussiert und unbeeindruckt bleibt, zeigt der Film einen nachdenklicheren und von den Umständen gehemmten Reacher. Dennoch hätte man auch diese Story besser auf die Leinwand bringen können. Die vielen Wechsel hinter der Kamera waren aber nicht zu übersehen. die Inszenierung war eher gemächlich – was auch zu einigen Längen führt – die Action von einem wirklich faden Soundtrack untermalt, der es bei weitem nicht mit Joe Kramers toller Musik des ersten Films aufnehmen kann.

Im Vergleich zum ersten Film ist „Kein Weg zurück“ also ein ziemlicher Absturz. Für sich allein stehend ist er wohl noch als Mittelmaß zu bezeichnen. Der Kriminalfall ist relativ früh klar und die Action routiniert und nicht besonders mitreißend dargeboten. Tom Cruise allein – trotz gewisser Einschränkungen, die die Story dem von ihm dargestellten Charakter auferlegt – sorgt dafür, dass der Film noch leicht überdurchschnittlich ist. Daher gehen sich ganz, ganz schwache 4 von 6 Punkte noch aus.

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Falls es noch einen dritten Reacher-Film geben sollte (Lee Child hat grundsätzlich die Filmrechte an allen seinen Romanen bereits verkauft) hoffe ich auf eine Rückkehr von Ralph McQuarrie hinter die Kamera und den vom ersten Film bekannten Inszenierungsstil.

Rezension: „The Affair” – Ein Jack-Reacher-Roman

Der deutsche Herausgeber der Jack Reacher-Romane hat es vorgezogen, vom 16. Roman der Reihe bislang keine deutsche Übersetzung herauszubringen. Ich vermute, damit wollte man zum einen Reachers Reise nach Washington D.C. – die er im 14. Roman begann – nicht unterbrechen und anderseits möglichst zeitnah zum Kinostart der zweiten Reacher-Verfilmung den dazugehörenden Roman veröffentlichen. Das als Prequel ausgelegte Buch „The Affair“ auszulassen mag in dieser Hinsicht nachvollziehbar sein. Doch hat der deutsche Herausgeber damit vielleicht sogar den bis dato besten Reacher-Roman überhaupt übersprungen! Zumindest mir hat „The Affair“ hervorragend gefallen.

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Wie schon der 8. Roman „Die Abschussliste“ zeigt uns „The Affair“ Jack Reacher noch im aktiven Dienst als Militärpolizist der U.S. Army. Es ist 1997 und als sich in Carter Crossing, Mississippi, nahe eines Militärstützpunkts ein Mord an einer jungen Frau ereignet, wird Reacher zu seiner eigenen Überraschung von seinem Vorgesetzten nicht zum Stützpunkt geschickt, sondern in zivil in die kleine Stadt, um dort undercover ein Auge auf die Ermittlungen der lokalen Polizei zu haben. Während es die Army natürlich am liebsten sehen würde, wenn ein Zivilist für den Mord verantwortlich war, würde die lokale Polizeistelle womöglich gerne einem Soldaten den Mord anhängen und die Zuständigkeit der Army zuschieben. Reachers Auftrag besteht also im Grunde darin, die Interessen der U.S. Army zu schützen – auch wenn ihn die Umstände zwingen, in zivil aufzutreten und außerhalb eines Stützpunkts zu leben.

Womit Reacher bei seiner Ankunft nicht rechnen konnte, ist der Sheriff von Carter Crossing, der sich nicht nur als besonders attraktive Frau herausstellt, sondern als ehemalige Militärpolizistin des U.S. Marine Corps, die die Ankunft von jemanden wie Reacher bereits erwartet hatte und ihn sofort durchschaut. Mit seiner Tarnung aufgeflogen bleiben Reacher nur zwei Möglichkeiten: Entweder unverrichteter Dinge zur Basis zurückzukehren, oder mit dem Sheriff zu kooperieren und aktiv zu ermitteln – auch wenn die Ergebnisse der Ermittlungen vielleicht nicht den Wünschen der Army entsprechen. Reacher möchte anfangs wirklich glauben, dass es ein Zivilist war, der den Mord begangen hat. Doch sehr bald wird er mit einigen neuen Erkenntnissen und Mysterien konfrontiert, die ihn daran zweifeln lassen.

Fazit: Der Kriminalfall in diesem Roman ist wirklich sehr spannend beschrieben, mit Hinweisen auf einen zivilen Täter gleichermaßen wie einen Täter aus Militärkreisen. Zudem gibt es gleich mehrere interessante „Ablenkungsmanöver“, die direkt oder auch nur am Rande mit dem Fall zu tun haben. So ist die Eröffnungssequenz des Romans – eine Vorschau auf spätere Ereignisse – sehr spannend wenngleich man als Leser noch keine Ahnung hat, warum Major Jack Reacher einen Besuch im Pentagon fürchten müsste. Auch gibt es im Umkreis der Militärbasis selbst weitere Angriffe und sogar Morde und selbst der Mord an der jungen Frau ist tatsächlich nicht der erste, der sich in Carter Crossing ereignet, aber der erste, auf den die Militärpolizei reagiert – eventuell weil das dritte Mordopfer weiß war? Und selbst im letzten Drittel des Romans, wenn der Fall glasklar erscheint, gelingt es Autor Lee Child hervorragend Zweifel zu schüren und Situationen so zweideutig zu beschreiben, dass man als Leser die tatsächliche Auflösung gar nicht mehr erwarten kann, die keinesfalls enttäuscht.

Soweit zum Kriminalfall. Was „The Affair“ jedoch über alle anderen Romane der Reihe hebt, ist der Umstand, dass hier Jack Reacher zu jenem Mann wird, den wir dann im ersten Roman der Reihe gesehen haben. Dieser Roman zeigt uns, wie ein Major der Army-Militärpolizei in eine Situation gebracht wird, die ihn erstmals dazu zwingt, sich mit all seinen in der Army angeeigneten Fähigkeiten dem Zivilleben zu stellen. Sein Undercover-Auftrag zwingt ihn, mit dem Bus zu fahren, per Anhalter voran zu kommen, ohne Ausrüstung zurecht zu kommen, Dinge selbst zu kaufen und an eine vorübergehende Unterkunft zu denken. Und vor allem zwingen ihn die Umstände dazu, nach seinem eigenen Gewissen zu handeln – auch wenn er damit den Interessen seines Arbeitgebers zuwider handelt. Es ist nicht nur ein Werbeslogan: Wenn Reacher sich auf den Weg nach Carter Crossing begibt, beginnt für ihn in diesem Moment der Rest seines Lebens.

In diesem Roman treten auch manche Charaktere auf, die wir bereits aus früheren Reacher-Romanen kennen. Jacks Bruder Joe wird mehrmals erwähnt und bereits die Ereignisse des ersten Reacher-Romans „Größenwahn“ vorbereitet. (Die Story von „Größenwahn“ gewinnt hier zudem an Glaubwürdigkeit, da in „The Affair“ zumindest angedeutet wird, dass es nicht reiner Zufall ist, dass sich Joe und Jack in der selben Stadt aufhalten.) Mitglieder von Jacks Einheit, die u.a. in „Trouble“ aufgetreten sind oder General Garber, mit dessen Tochter Reacher sogar zwei Romane lang zusammen war, haben ebenfalls ihre Auftritte. À propos: Nach einigen Romanen ohne „Reacher-Girl“ darf sich Jack hier auch wieder über weibliche Gesellschaft freuen. Während er sich in der „Gegenwart“ seit dem 14. Roman für Major Susan Turner aufzusparen scheint, wird seine Beziehung zum Sheriff von Carter Crossing sehr intim – und wird von Lee Child auch außerordentlich detailliert beschrieben. Hier hätte er vielleicht mehr der Fantasie des Lesers überlassen sollen. Aber zumindest ist dieses „Reacher-Girl“ in der Story weitaus mehr als nur hübscher Aufputz, Reacher ist mit ihr wirklich auf einer Wellenlänge. Ein sehr gutes Duo.

Diese Geschichte wird aus Reachers Ich-Perspektive erzählt. Das ist zwar nicht meine bevorzugte Erzählform, aber hier hat sie mich nicht einen Moment lang gestört. Im Gegenteil macht mir die Ich-Perspektive anscheinend bei englischen Texten weniger aus als bei deutschen. Insofern war es gar nicht schlecht, dass es von diesem Roman bislang noch keine deutsche Übersetzung gibt.

Bewertung: Bereits das erste Prequel „Die Abschussliste“ hat mir ausgezeichnet gefallen und „The Affair“ übertrifft diesen Roman sogar. Es ist die perfekte Vorgeschichte, die Reachers Entwicklung vom Army-Polizisten hin zum Zivilsten zeigt und dabei gleichzeitig einen sehr spannenden Kriminalfall behandelt, der auch mit viel Mississippi-Lokalkolorit aufwartet. 6 Sterne!

6stars

Rezension: „Der Anhalter” – Ein Jack-Reacher-Roman

Beim 16. Reacher-Roman, den ich hier in meinem Blog rezensiere, handelt es sich eigentlich um den 17. von Lee Child geschriebenen Roman der Reihe. Das liegt vor allem daran, dass der Verlag Blanvalet den eigentlichen 16. Roman bislang noch nicht übersetzt veröffentlicht hat. Über die Gründe kann man spekulieren: Zum einen hat vielleicht der Gedanke mitgespielt, möglichst bald den 18. Roman zu veröffentlichen, dessen Verfilmung ja noch im Jahr 2016 in die Kinos kommt. Anderseits macht die vorgezogene Veröffentlichung des 17. Romans durchaus Sinn, denn während der 16. Roman offenbar zeitlich in Jack Reachers Militärvergangenheit angesiedelt ist, schließt der 17. Roman unmittelbar an den 15. Roman – „Wespennest“ – an.

Der Anhalter von Lee Child

Seit dem Ende des 14. Romans („61 Stunden„) ist Jack Reacher auf dem Weg nach Virginia, um dort seine Nachfolgerin bei der Militärpolizei persönlich kennen zu lernen. Schon der darauffolgende Roman „Wespennest“ war nur wenige Tage nach Reachers Aufbruch angesiedelt und „Der Anhalter“ setzt sogar noch eines drauf, denn die Handlung setzt nur wenige Stunden nach dem Ende von „Wespennest“ an. Typisch für Jack Reacher hat er in diesen Stunden schon einige Meilen hinter sich gebracht – per Anhalter. Da seine ursprüngliche Mitfahrgelegenheit an einem Verkehrsknotenpunkt falsch abbiegen will, ist Reacher gezwungen das Fahrzeug zu wechseln und streckt an der passenden Autobahnauffahrt den Daumen raus. Als er von einem Trio aufgegabelt wird, das wie er in Richtung Osten unterwegs ist, ahnt er noch nicht, dass er zu Mördern ins Auto steigt, die in paar Kilometer südlich in einer verlassenen Pumpstation während eines mysteriösen Treffens einen CIA-Mitarbeiter ermordet haben. Ohne es zu wissen wird Reacher zum Fluchtgehilfen, während CIA, FBI und lokale Polizei die Mörder finden wollen, die neben Reacher auch noch eine an sich unbeteiligte Geisel in ihrem Auto mit sich führen. Oder ist die Geisel gar nicht so unbeteiligt?

Es dauert eine Weile, aber spätestens nach der zweiten absolvierten Polizeikontrolle (die Polizei fahndet nur nach einem Auto mit zwei Insassen), dämmert Reacher langsam, in was er da versehentlich hineingeraten ist. Viele kleine Unstimmigkeiten ergeben plötzlich Sinn und ungeahnt gelingt es der Geisel, sich mit Reacher heimlich zu verständigen. All seine daraufhin geschmiedeten Pläne werden jedoch in einem Motel in Iowa über den Haufen geworfen, als eine Pistolenkugel über seinen Kopf hinweg saust …

Fazit: Die Spannung wird in dieser Geschichte sukzessive aufgebaut. Am Anfang denkt man sich genau wie Reacher nichts Böses, als er zu den drei Insassen ins Auto steigt. Man erfährt seine Wahrnehmungen und an sich harmlose Einschätzungen – und bekommt dann als Leser ihm gegenüber einen zunehmend größer werdenden Informationsvorsprung, wenn Kilometer entfernt die Mordermittlungen voranschreiten. Als Leser weiß man früher als Reacher, wo er da hineingeraten ist, das macht seinen Moment der Erkenntnis aber nicht weniger effektiv. All die Beobachtungen von zuvor beginnt Reacher schlagartig neu einzuschätzen und das Puzzle – auch mithilfe der Geisel – zusammenzusetzen.

Während die erste Hälfte des Romans von den Mordermittlungen geprägt ist und der Spekulation, ob Reachers Mitfahrer durchschaut haben, dass er sie durchschaut hat, fällt die zweite Hälfte dann etwas ab. Es kommt ein wenig Mystery-Stimmung auf, die verschiedensten Institutionen mischen sich in die Ermittlung und Fahndung ein. Aber am Ende ist es dann – in schon gewohnter Manier – Jack Reacher selbst, der rettend einschreitet und es gleich mit zwei kooperierenden Verbrecherbanden im Alleingang aufnehmen muss. Das Ambiente des „Endkampfes“ ist hierbei interessant, taktisch nachvollziehbar und jederzeit übersichtlich beschrieben – vielleicht mit etwas zu häufiger Wiederholung der simplifizierten Umgebungsbeschreibung. Allerdings erfährt man die Motivation der Bösen diesmal erst ganz zum Schluss. Man hat fast den Eindruck, Lee Child habe den Roman zu Ende geschrieben und plötzlich bemerkt, dass er noch einige Erklärungen schuldig war, die er dann komprimiert auf den letzten zwei, drei Seiten nachgereicht hat. Nicht gerade zufriedenstellend, wie ich festhalten muss. Mysterien, die während der Geschichte auftauchten, verkommen dabei zu reiner Kulisse.

Bewertung: Auch wenn die Auflösung der Pläne der Verbrecher am Ende zur Nebensächlichkeit degradiert wird, ist der Roman durchaus spannend, vor allem in der ersten Hälfte. Die zweite Hälfte ist dann eher „typisch Ein-Mann-Armee“. Jack Reacher wie man ihn kennt halt. Daher gibt es von mir für „Der Anhalter“ insgesamt 4 Sterne. Nach dem starken Beginn wäre mehr drinnen gewesen.

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