Rezension: „High Heat” – A Jack Reacher Story

Wenn man mal nicht weiß, was man als nächstes lesen soll, kommt einem eine Novelle oder Kurzgeschichte immer sehr gelegen. Daher habe ich mal wieder eine Jack Reacher-Story zwischendurch eingeschoben. In „High Heat“ erzählt uns Lee Child nicht nur ein Jugendabenteuer von Jack Reacher, sondern er platziert ihn auch mitten in ein bekanntes historisches Ereignis.

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Jack Reacher ist 1977 noch keine 17 Jahre alt, aber er beschließt, seinen Bruder in der Militärakademie in West Point zu besuchen. Den Tag davor will er dazu nützen, sich das nahe gelegene New York anzusehen. Dort herrschen in diesem Sommer über 40 Grad im Schatten, kaum eine Menschenseele ist auf der Straße … und doch gelingt es Reacher sich Feinde zu machen. Als er mitansieht, wie ein Mann eine Frau auf offener Straße begrapscht, geht er heldenhaft dazwischen und vertreibt den Kerl – der sich jedoch als Bandenboss entpuppt, der die Frau – eine FBI-Agentin – nach einem Mikrophon abgetastet hat. Die Agentin rät Reacher dringend dazu, das Weite zu suchen, aber Reacher denkt gar nicht daran und geht stattdessen lieber auf Aufriss. 😉 Nachdem er in einer Bar das Herz von Studentin Chrissie erobern konnte, gehen beide in ein Tanzlokal, das sich dummerweise im Revier jener Bande befindet, mit deren Boss Reacher wenige Stunden zuvor aneinander geraten war.

Reacher sieht sich einer Übermacht gegenüber, die Lage wirkt aussichtslos, aber zum Glück schreiben wir ja den 13. Juli 1977. Der Tag des großen Stromausfalls in New York.

Fazit: Jack Reacher ist kein von Zeit und Raum losgelöster Held wie James Bond. Reacher kämpft mit dem Älterwerden in einem der letzten Romane und in dieser Kurzgeschichte ist er noch ein 16jähriger … der allerdings kaum von seinem Älteren Ich zu unterscheiden ist. 😀 Lee Child macht gleich am Beginn der Geschichte klar, dass Reacher bereits als 16jähriger körperlich so ist, wie er die folgenden Jahrzehnte lang sein wird, also an Kraft den meisten Menschen auf dem Planeten überlegen. Soll vorkommen. Allerdings benimmt er sich dermaßen souverän, dass es schon beängstigend ist. Als Sohn eines US Marines wird man sicher diszipliniert erzogen und schnappt einiges auf, aber was Reacher hier für kriminalistische Schlussfolgerungen zieht, ist schon mächtig dick aufgetragen. Ich nehme daher an, Lee Child wollte einfach irgendwie Jack Reacher in den New Yorker Sommer 1977 teleportieren, ihn mit einer Freundin durch die Finsternis ziehen, nebenbei einen Gangsterboss fertig machen und wichtige Hinweise zur Ergreifung des damals gefürchteten Serienkillers „The Son of Sam“ liefern lassen.

Ich kann nicht mit völliger Sicherheit sagen, ob der durch diese Situation entstandene Humor tatsächlich vom Autor beabsichtigt war. Aber launig zum Lesen ist die Geschichte allemal und mir ist es wesentlich lieber, Child platziert seinen Helden in die neuzeitliche Historie der USA als dass er ihn in ein nicht wiedererkennbares Mitteleuropa verfrachtet (wie in „Night School“ geschehen).

Bewertung: Die innerhalb eines Abends stattfindende Story ist schon ziemlich schräg, aber zumindest erfährt man nun, warum Reacher New York so sehr mag. Jetzt wissen wir: Er bekam dort seinen ersten BJ. (Ich schreibe den Begriff nicht aus, wer mit der Abkürzung nichts anfangen kann, geht die folgende Liste auf Wikipedia am besten von unten her durch, dann wird es schnell klar. 😉 https://en.wikipedia.org/wiki/BJ) Trotz all der erheiternden Situationen wird Reacher aber auch konfrontiert mit Gewalt und Tod. Und hier hätte eine solche Story regelrecht verlangt, dem jugendlichen Alter von Reacher Rechnung zu tragen. Aber ein Jack Reacher ist offenbar mit keiner denkbaren Situation überfordert. 😉

„High Heat“ ist also eine amüsante, kurze Lektüre, aber wandelt auf dem schmalen Grat der Satire. An manchen Stellen hätte ich mir gewünscht, Lee Child hätte dem Leser den jungen Jack Reacher mit mehr Ernsthaftigkeit vorgestellt. 4 Sterne gebe ich trotzdem.

4stars

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Rezension: “Ready Player One”

In diesem Science-Fiction-Roman beschreibt der Autor Ernest Cline zwei sehr gegensätzliche Welten in den 2040er-Jahren: Zum einen die düstere Realität, in der ein Großteil der Menschheit infolge einer Energie- und Wirtschaftskrise an Armut leidet, während einige wenige Superkonzerne durch die Ausbeutung ihrer Schuldner immer mehr Reichtum anhäufen. Und dem entgegen steht … die OASIS!

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Die OASIS ist mehr als nur ein Multiplayer-Online-Videospiel. Sie ist eine jedem offenstehende virtuelle Realität, in die der User mittels VR-Brille, haptischer Handschuhe und Anzug vollständig eintauchen kann. Unzählige Welten und Möglichkeiten bietet die OASIS und wird daher zum kollektiven Zufluchtsort der Menschheit vor den Widrigkeiten der Realität. Mehr noch: die OASIS wird für viele die eine Realität, die zählt, denn dort kann jeder alles sein. Menschen brechen daraufhin ihre sozialen Kontakte außerhalb der OSASIS ab, verlassen ihr Zuhause nicht mehr, widmen sich ganz der mit Millionen anderen geteilte Scheinwelt … wo aber auch nicht immer alles so unbeschwert abläuft. Dann als James Halliday – der Erfinder der OASIS – eines Tages verstirbt, wendet er sich mit einer aufgezeichneten Nachricht an die Welt: Er habe innerhalb der OASIS, am Ende einer herausfordernden Rätsel-Rally, ein sogenanntes „Easter Egg“ versteckt; ein Artefakt, das es dem Finder ermöglicht, die völlige Kontrolle über die OASIS und Hallidays Reichtümer zu erlangen.

Und so entstanden die Jäger: Personen, die den Großteil ihrer Zeit nur noch damit verbrachten, das Easter Egg zu finden und unzählige Recherchen zu Halliday und seinen Vorlieben (vorrangig die 1980er-Jahre) anzustellen. Einer dieser Jäger ist Wade Watts bzw. „Parzival“, wie er seinen Avatar in der OASIS genannt hat. Wade ist ein noch zur (virtuellen) Schule gehender Jugendlicher, der in ärmlichen Verhältnissen aufwächst und daher im Auffinden des Easter Eggs seine beste Chance sieht, diesem Leben zu entkommen. Und der Zufall will es, dass nach Jahren der kollektiven Ratlosigkeit es ausgerechnet Wade ist, der Hallidays erstes Rätsel löst. Sein plötzlicher Sprung an die Spitze des Scoreboards erregt Aufmerksamkeit, auch die eher ungeliebte durch den Konzern IOI, der nur zu gerne die Kontrolle über die OASIS erlangen würde und dafür seine eigene Jäger-Armee beschäftigt. Um ihr Ziel zu erreichen geht, IOI über Leichen – und das nicht nur innerhalb der virtuellen Realität …

Fazit: „Ready Player One“ wird gerne als DAS Buch für sogenannte „Nerds“ bezeichnet und das durchaus zurecht, denn so wie sich Wade und die anderen Jäger in ernsthafter Weise in Trivialitäten vertiefen, kommt dies zumindest jemanden wie mir durchaus bekannt vor. 😀 Daher ist auch für einen gewissen Spaß-Faktor gesorgt, wenn Begriffe, Anekdoten, Schlussfolgerungen und Querverweise zu Star Trek, Pac-Man, Firefly, Max Headroom, Zurück in die Zukunft, Blade Runner, Star Wars, Ultraman, Godzilla uvm. auf einen einprasseln.

Als Kind der 80er-Jahre ist mir auch vieles bekannt von dem, was in direktem Zusammenhang mit Hallidays Rätsel-Rally steht, aber ich muss auch sagen, dass mir vieles unbekannt ist. Wenn etwas wichtig ist, dann wird es im Roman durchaus sehr detailliert erklärt (manchmal sogar etwas detaillierter als es für die Dramaturgie gut ist), aber manches Wissen ist selbst mir zu obskur. Dass Wade und seine Freunde (die er nur aus der OASIS kennt) solches Wissen seitenweise rezitieren können, hilft nicht unbedingt dabei, eine Bindung zu den Charakteren herzustellen. Es umgibt sie ein Hauch der Unbesiegbarkeit innerhalb der OASIS und das macht sie nicht unbedingt sympathisch, auch wenn sich Wade in der Mitte des Romans durchaus kritische Gedanken darüber macht und den Nutzen der OASIS für die Gesellschaft in Frage stellt. Seine Gedanken decken viele auch heute schon aktuelle Themenbereiche der Digitalisierung ab, aber am Ende scheint er doch aufzugeben, zu akzeptieren, dass die reale Welt ein untergehendes Schiff ist und am Ende des Romans bleibt es sehr offen, was aus der Welt noch wird.

Der aus Wades Perspektive verfasste Roman ist eine sehr launige Erzählung einer deprimierenden Realität und einer sehr ernsthaft behandelten Scheinwelt. Manchmal ziemlich derb und unreif, was ebenfalls nicht dabei hilft, mit Wade großartig zu sympathisieren. Wenn es da mit IOI nicht das „abgrundtief Böse“ auf der Gegenseite gäbe, würde man Wade die meiste Zeit wohl gar nicht wünschen, das Easter Egg zu finden. IOI als über Leichen gehender Ausbeuterkonzern ist aber zumindest ein sehr effektives Feindbild. Allerdings keines von Bestand, denn auch in der realen Welt kann es Wade ziemlich effektiv mit denen aufnehmen.

Bewertung: Was das Lesevergnügen am meisten trübt ist sicher Wade Watts als Hauptcharakter, dessen Avatar nicht „Parzival“, sondern „Mary Sue“ heißen sollte. Zudem rate ich nur jenen zu diesem Roman, die ein solides Grundwissen der Pop-Kultur der 80er-Jahre mitbringen und/oder generell an Science-Fiction, Fantasy, Videospiele etc. interessiert sind. Ansonsten besteht das Risiko, dass der uneingeweihte Leser bei jedem zweiten Satz nur Bahnhof versteht. Bringt man diese Grundvoraussetzungen mit, bietet „Ready Player One“ sehr solide Unterhaltung, einen ganz guten Mix aus Spaß und Denkanstößen, ohne in beiden Fällen ans Ende der Skala zu gehen. Als jemand, der sich durchaus zur Zielgruppe des Romans zählt, kann ich noch solide 4 Sterne verleihen. Aber ich finde, dass Ernest Cline seinen Roman durchaus noch etwas allgemein zugänglicher hätte gestalten können. Mit dem Nostalgie-Faktor hätte er noch konsequenter umgehen können.

4stars

Anmerkung: Anfang April 2018 startet die Verfilmung von „Ready Player One“ in den Kinos. Die Regie hat Steven Spielberg übernommen, der selbst im Roman Erwähnung findet. Dem ersten Trailer nach zu urteilen, dürfte die Geschichte relativ frei interpretiert werden, wenngleich ein paar Szenen auch wie direkt aus dem Text des Romans übernommen aussehen.

Es wirkt auf mich, als würde man im Film mehrheitlich Anspielungen auf bekanntere Elemente der Pop-Kultur zu sehen bekommen und Wades Motivation wirkt zumindest in diesem Trailer etwas sympathischer als im Roman.

Rezension: „The Midnight Line” – Ein Jack-Reacher-Roman

Nach einem eher unrühmlichen Ausflug in Jack Reachers (von Lee Child sehr frei interpretierten) Vergangenheit, kehrt der Autor mit dem neuesten Roman der Reihe wieder in die Gegenwart zurück. Gleich am Beginn von „The Midnight Line“ trennen sich die Wege von Jack Reacher und Michelle Chang, die er im Roman „Make me“ kennengelernt hat und so reist der ehemalige Militärpolizist einfach weiter, wie er es seit Jahren gewohnt ist. Seinen eigenen Regeln folgend steigt er in den erstbesten Bus mit dem Vorsatz, bis zur Endstation zu fahren, egal wo diese sein würde. Doch dieses eine Mal muss Reacher mit seiner Regel brechen, denn bei einem Zwischenstopp, spaziert er zufällig an einer Pfandleihe vorbei und entdeckt dort im Schaufenster einen Jahrgangsring der U.S. Militärakademie West Point.

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Reacher weiß aus eigener Erfahrung sehr gut, wie hart jemand arbeiten musste, um einen solchen Ring zu bekommen und er beginnt sich sofort zu fragen, in welche Notlage der Besitzer geraten sein musste, um dazu gezwungen worden zu sein, dieses Symbol zu versetzten. Und so lässt Reacher den Bus mit seinem leeren Platz weiterfahren und beginnt, sich rückwärts durch die Vertriebskette zu fragen. Er tut dies mit Nachdruck, aber höflich, wenngleich er nicht von jedem eine höfliche Antwort erhält. Vom Ladenbesitzer über einen Biker fragt sich Reacher durch bis er in Rapid City ankommt. Dort stolpert Reacher nicht nur in die laufenden Ermittlungen der lokalen Polizei gegen einen vermeintlichen Gangsterboss, sondern auch über einen Privatdetektiv, der auf das Auffinden vermisster Personen spezialisiert ist.

Wie sich herausstellt, ist auch dieser auf der Suche nach der früheren Besitzerin des Jahrgangsrings: Ex-Major Rose Sanderson – West Point-Absolventin 2005 und im Einsatz verwundet – hat sich seit ihrer letzten Rückkehr aus dem mittleren Osten nicht mehr bei ihrer Schwester gemeldet. Die Spurensuche des von ihr engagierten Privatdetektivs hat diesen genauso wie Reacher nach Rapid City geführt, wo Reacher dank „höflichem Nachfragen“ erfährt, dass der Ring ursprünglich offenbar aus Wyoming kam. Aus einer so gut wie menschenleere Prärie- und Waldlandschaft, in der der Gangsterboss aus Rapid City dank seiner Handlanger dennoch gute Geschäfte zu machen scheint.

Fazit: Erleichterung macht sich breit, denn Reacher geht es endlich wieder besser. Nicht nur ist er seine Kopfschmerzen los, die ihn in „Make me“ noch so sehr gequält haben. Er ist auch endlich wieder besser gelaunt, seine Gedanken sind nicht so melancholisch und sarkastisch. Tatsächlich kommt der Hauptcharakter endlich wieder mal beschwingt rüber, er hat seinen Sinn für Humor wiedergefunden und Lee Child überträgt diesen Eindruck in Form augenzwinkernder Kommentare und kleinen Seitenhieben, die aber niemandem weh tun – im Gegensatz zu manch anderem, was Reacher so macht. Aber auch in Sachen Gewalt agiert Reacher so verhältnismäßig wie selten.

Schreibstil und Hauptcharakter sind somit schon mal ein großer Pluspunkt von „The Midnight Line“. Und auch die Nebencharaktere sind interessant und zwischenzeitlich bilden Reacher und der Privatdetektiv und EX-FBI-Mann Terrence Bramall ein tolles Duo. Beide sind Vollblutermittler, kommen auf unterschiedlichen Wegen zu gleichen Schlüssen und könnten dabei eigentlich kaum verschiedener sein. Und dennoch kommen sie gut miteinander zurecht. Und auch Ex-Major Rose Sanderson ist ein äußerst starker Charakter, der nicht nur Dreh- und Angelpunkt für die Story ist sondern auch ein ethisches Dilemma darstellt.

Ich möchte in dieser Rezension nicht vorweg nehmen, um welches Dilemma es sich handelt, denn es steht im Zusammenhang mit der Auflösung der mysteriösen Machenschaften des Gangsterbosses. Aber sagen wir einfach mal so: Rose Sanderson ist ein sehr sympathischer Charakter, was man von dem Herrn in Rapid City nicht behaupten kann. Und doch gibt es gute Gründe, dem Kerl alles durchgehen zu lassen, weil es furchtbare Konsequenzen für Rose hätte und so sehen sich Reacher und Bramall sogar dazu gezwungen, ein wenig die Ermittlungen gegen den Gangsterboss vor den Behörden zu verschleiern. Das Thema dieses Romans ist äußerst sensibel und für einen Reacher-Roman wirklich ungewohnt. Lee Child hätte auch die Möglichkeit gehabt, Reacher zum rücksichtslosen Berserker werden zu lassen, aber zum Glück entschied er sich für ein sanftes Herangehen, aber ohne die Situation zu romantisieren und das Verbrechen kleinzureden. Die Charaktere haben ihre Standpunkte, die sie verteidigen können. Lee Child hat hier in die stimmungsvoll beschriebene, einsame Wildnis von Wyoming eine sehr komplexe Situation verpflanzt, deren sukzessive Aufdeckung für Spannung sorgt und die einen ins Grübeln bringt, sobald alles ans Licht gekommen ist.

Der Schluss ist hingegen wieder eher „typisch Reacher“, allerdings kein Gewaltexzess, sondern ein generalstabsmäßiges Eindringen in die Höhle des Löwen und ganz am Ende ereilt dem Bösewicht doch noch das Schicksal, das sich früh im Roman angedeutet hat. Das ist zwar etwas offensichtlich, aber lässt den Leser doch mit einem breiten Grinsen zurück und vertreibt die langsam aufgebaute Sorge darüber, ob Sanderson aus der Sache noch heil rauskommt. Obwohl ein schlechtes Ende sogar noch mehr Gewicht gehabt hätte und aus diesem Grund während des Lesens auch nie ausgeschlossen werden konnte.

Bewertung: Ich weiß schon, dass meine vagen Andeutungen zum Verlauf der Handlung in dieser Rezension nicht gerade ideal sind, um bei potenziellen Leser großes Interesse zu wecken. Aber das liegt einfach daran, dass ich niemandem die Freude an diesem Krimi nehmen will, der für mich eindeutig zu den besten Reacher-Romanen zählt. Nachdem in den letzten paar Romanen die Tendenz klar nach unten ging, ist dies ein fulminantes Comeback – und dieses gelingt sogar, ohne besonders spektakulär zu sein. Aber auf emotionaler Ebene kann „The Midnight Line“ bei mir voll punkten und daher gebe ich dem Roman auch gerechterweise die Höchstwertung. Dies ist somit der 4. von bislang 22 Reacher-Romanen, der von mir 6 von 6 Sterne erhält.

6stars

Rezension: „Origin“

Vier Jahre nach dem letzten Robert Langdon-Abenteuer „Inferno“ erschien nun kürzlich der neueste Roman von Dan Brown. Abermals schickt er den Symbologen und Experten für Codes raus aus dem Hörsaal und – wie könnte es anders sein? – mitten hinein in in ein Mordkomplott rund um ein sagenumwobenes Mysterium.

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Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Über diese Fragen philosophiert die Menschheit wohl seit sie denken kann und einer von Langdons einstigen Schülern – Edmund Kirsch, der es inzwischen zum Multimilliardär auf dem Computersektor gebracht hat und ein hohes Ansehen für seine Zukunftsprognosen genießt – behauptet, auf diese Fragen unwiderlegbare Antworten gefunden zu haben. Um sie der Menschheit zu präsentieren, lädt Kirsch eine Reihe ausgewählter Persönlichkeiten ins Guggenheim-Museum nach Bilbao ein. Darunter auch Robert Langdon, der – über Kopfhörer wie die anderen Gäste mit einem persönlichen Guide verbunden – zuerst sehr interessiert und unbesorgt das Museum durchstreift. Doch als unmittelbar vor Beginn der Präsentation Kirsch ein Gespräch unter vier Augen mit ihm führt, wächst die Besorgnis, denn Langdon erfährt hier, dass Kirsch seine Präsentation nur wenige Tage zuvor drei hohen Vertretern von Weltreligionen gezeigt hat, die naturgemäß wenig angetan von Kirsch Erkenntnissen waren. Denn ein wissenschaftlicher Beweis für den Ursprung und die Weiterentwicklung der Menschheit, würden viele Antworten, die die Religionen bislang exklusiv anbieten, obsolet machen.

Kirsch‘ Furcht, religiöse Vertreter könnten versuchen, seine Präsentation zu stören, erweist sich als durchaus begründet. Nach einem einstimmenden multimedial dargebotenen Prolog betritt Edmund Kirsch erstmals die Bühne vor seinen versammelten Gästen – und wird prompt von einem von ihnen erschossen, noch ehe er den wichtigsten Teil seiner Präsentation von einem privaten Server runterladen kann.

Chaos bricht aus, die Königliche Garde, die vorrangig anwesend ist, um die Direktorin des Museums zu beschützen, die demnächst den spanischen Kronprinzen ehelichen soll, übernimmt das Kommando am Tatort, der Attentäter kann jedoch entfliehen. Aus dieser Situation heraus – und dem Umstand, dass auch bereits einer der drei Geistlichen ermordet wurde – wird Langdon von seinem Guide die Verantwortung übertragen, den Rest der Präsentation online zu stellen, ehe jeder ins Geheimnis Eingeweihte am Ende dieser Nacht als Leiche endet. Um seiner Aufgabe nachzukommen, muss Langdon nicht nur ein 47stelliges Passwort knacken, sondern auch dem Attentäter entkommen, der sich an seine Fersen heftet …

Fazit: „Origin“ erweist sich als ganz typisches Abenteuer, das Dan Brown für seinen Helden Robert Langdon ersonnen hat. Die Einladung ins Museum und dann die Reise weiter nach Barcelona bis hin zu den Katakomben und Türmen der Sagrada Familia bieten wieder einmal einen perfekten Vorwand, uns faszinierende Orte und Kunstwerke in vielen Details zu beschreiben. Als Leser fällt es sehr leicht, sich alles bildlich vorzustellen und Dan Browns Romane animieren auch oft dazu, sich mit dem einen oder anderen danach noch etwas genauer zu beschäftigen.

Während Brown also wieder hervorragend den Reiseführer spielt, kommt die Spannung diesmal aber zu kurz. Es ist sehr früh klar, was Langdon unternehmen muss und die übliche Schnitzeljagd fällt diesmal eigentlich ziemlich kurz aus. Es gibt in „Origin“ nicht allzuviele Schauplätze, an denen Langdon aber – zusammen mit den obligatorischen attraktiven „Langdon-Girl“ – im Gegenzug dafür einfach länger verweilt. Auf den Nebenschauplätzen kommt man etwas weiter herum, von weiteren Schauplätzen in Spanien bis hin nach Budapest. Aber die ganz große Dringlichkeit für Langdon entsteht eher künstlich herbei geführt durch „Fake News“. Lange Zeit hat er mehr damit zu tun, Reportern aus dem Weg zu gehen als Leuten, die ihn umbringen wollen. (Von denen es in diesem Roman erstaunlich wenige gibt.)

Kritik an der Online-Welt, Verschwörungstheorie-Homepages, bewusst eingesetzte Fehlinformation etc. ist als Motiv für die Geschichte deutlich erkennbar genauso wie der erhobene Zeigefinger am Ende der zumindest für mich nicht besonders überraschenden Auflösung – die ich an dieser Stelle aber trotzdem nicht verrate. 😉 Nur soviel, dass die Handlung für meinen Geschmack etwas zu weit in Richtung Science-Fiction abdriftet. Diese Tendenz ist zwar aus der Handlung heraus begründet, aber beißt sich doch ein wenig mit dem Ambiente und der Stimmung des Romans.

Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Die Antwort auf diese Frage wird dem Leser ebenfalls präsentiert, aber es bleibt jedem überlassen zu entscheiden, ob diese wirklich so unwiderlegbar sind, wie der fiktive Zukunftsforscher Edmund Kirsch behauptet.

Schade ist auch, dass Langdon seine kombinatorischen Fähigkeiten nur in geringem Maße einsetzen kann. Hier und da eine Anekdote, aber im Wesentlichen hat er nicht viel mehr zu tun, als die Lösung eines ganz bestimmten Rätsels zu finden, anstatt dass ihn die Auflösung zu einem weiteren Rätsel führt. Ein Symptom dieser Unterbeschäftigung seines Hauptcharakters ist auch, dass Dan Brown ein paar weitere kleine Anekdoten einfach so nebenbei einstreut. Diese sind durchaus sehr interessant und Langdon hat recht, dass man den versteckten Pfeil im „FedEx“-Logo nie mehr übersehen wird, wenn man ihn mal entdeckt hat. Aber mit der Story haben solche Informationen gar nichts mehr zu tun.

Bewertung: Nachdem mir „Inferno“ ausgesprochen gut gefiel, ist „Origin“ wieder ein Rückschritt. Auf vergleichbarem Niveau wie „Das verlorene Symbol“, vielleicht sogar eine Spur schwächer was die Spannung angeht, dafür etwas stärker, was die vermittelte Faszination für die Schauplätze angeht. Man bekommt das Gefühl nicht los, dass die Charaktere die meiste Zeit auf Sparflamme unterwegs sind, weil kein allzu großer Zeit- oder Leistungsdruck auf ihnen lastet.

Sicher rätselt man darüber, was das Attentat auf Kirsch, die fast zeitgleiche Ermordung von Geistlichen in anderen Teilen der Welt und die Intrige, die im spanischen Königspalast vor sich geht, miteinander zu tun haben. Aber der Funke mag nicht so recht überspringen. Als Leser bekam zumindest ich nicht das Gefühl, jetzt sofort immer die Auflösung der diversen mysteriösen Vorgänge wissen zu wollen. Das liegt auch an der Struktur der Handlung: Für Langdon, der rasch eine klar definierte Aufgabe bekommt und in seinem eigenen kleinen Kosmos agiert, ist es relativ egal, was sonst wo passiert. Er ist so geradlinig unterwegs, dass die Rätsel auf den Nebenschauplätzen ihn bei seiner eigenen Mission kaum berühren. Daher gebe ich „Origin“ lediglich 3 von 6 Sterne. Ein solider Thriller, aber im Gegensatz zu den meisten anderen Dan Brown-Romanen ohne das „gewisse Etwas“.

3stars

Rezension: Comic – „Asterix in Italien“

Seit dem 19. Oktober ist der inzwischen 37. Asterix-Band erhältlich. Wie schon bei den letzten beiden Comics über den tapferen Gallier zeichnen auch für dessen Reise quer durch Italien wieder Jean-Yves Ferri und Didier Conrad verantwortlich.

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Dabei kann man gar nicht so recht von einem „Asterix“-Abenteuer sprechen, denn Auslöser für die Handlung ist eigentlich dessen kräftig gebauter Freund Obelix. Dieser besucht nämlich zusammen mit Asterix und dem von Zahnschmerzen gequälten Methusalix einen großen Jahrmarkt in Vannes (die „CEBIT“, den Markt für celtisches Brauchtum und innovative Technik 😉 ). Auf der Suche nach einem Dentisten macht Obelix halt bei einer Wahrsagerin, die ihm aus der Hand liest und ihm voraussagt, in einem geflügelten Wagen ein Wettrennen zu gewinnen. Wie überraschend, dass der Neu- und Gebrauchtwagenhändler am Markt genau einen solchen Streitwagen anbietet, den Obelix natürlich sofort gegen Hinkelstein-Ratenzahlung erwirbt.

Und noch erstaunlicher wird die Vorhersage der Wahrsagerin, als auf dem Markt auch das große Transcaliga-Rennen verkündet wird. Aus allen Teilen des Römischen Reiches sind Wagenlenker zu einem hochdotierten Etappenrennen eingeladen, das von Modena im Norden der italienischen Halbinsel bis in den Süden zum Vesuv führen soll. Mit der Veranstaltung dieses Rennens will nämlich der für Straßenerhaltung zuständige Senator Bifidus Vorwürfen entgegenwirken, er habe die Gelder für die Straßensanierung in die eigene Tasche fließen lassen. Doch diese Beweggründe interessieren die Gallier gar nicht, ihnen geht es nur darum, ihre „Lieblingsfeinde“ wieder mal zu ärgern und zur Abwechslung mal auf ihrem eigenen Terrain zu besiegen. Doch im Rennen wird Obelix und seinem Co-Piloten Asterix schnell klar, dass der römische Favorit einen größeren Heimvorteil besitzt als nur die Kenntnis der Schlaglöcher auf den maroden Straßen …

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Die Römer arbeiten mit allen Tricks, um die Gäste aus den fernen Provinzen am Sieg zu hindern.

Fazit: Nach dem originellen „Papyrus des Cäsar“ gehen es Ferri und Conrad wieder etwas konventioneller an. Ausflüge in fremde Länder sind für die Gallier aus dem Dorf der Unbeugsamen ja nichts Neues. Auch längere Rundreisen quer durch die Lande haben sie schon einige hinter sich gebracht und sind dabei auch schon öfter unter Leistungsdruck gestanden. Beispielsweise bei ihrer „Tour de France“, während der Asterix und Obelix gallische Spezialitäten gesammelt haben, oder auf der Jagd nach Sesterzen in „Asterix und der Kupferkessel“.

Der Vorwand, unter dem sich die beiden heldenhaften Gallier diesmal in eine solche Situation stürzen, ist weit weniger aufregend. Wurden ihnen früher solche Situationen von den Umständen aufgezwungen, nehmen sie diesmal freiwillig und ohne direkte Provokation oder Herausforderung an einem durchorganisierten Wagenrennen teil, weshalb der Ablauf des Ganzen auch deutlich vorhersehbarer wird. Das schwächt zumindest die Gags nicht – davon gibt es wieder jede Menge, italienischen Besonderheiten werden zur Genüge ausgespielt, seien es die Venezier, die ihre Stadt wegen der Aussicht in einem Sumpf errichten, Parma-Schinken, den in Scheiben zu schneiden Obelix für überflüssig hält, oder ein Mona Lisa-Double. Auch den nächsten Ausbruch des Vesuv zögert Obelix so nebenbei um über 100 Jahre hinaus und auch die Konkurrenten im Renne aus den Provinzen dürfen bekannte Klischees auf augenzwinkernde Weise bedienen.

Viele Gags zünden, einige scheinen mir hingegen eher für Insider gedacht zu sein (was allerdings recht typisch für Asterix-Comics ist und auch ein wenig deren Reiz ausmacht, sich nach dem Lesen der Geschichten weiter zu informieren). Aber die Spannung ist auf äußerst niedrigem Niveau. Wenn zum Beispiel der römische Favorit auftaucht und dabei einen goldenen Helm trägt, der sein Gesicht verhüllt, dann fragt man sich nur eines: Das Gesicht welches Formel-1-Fahrers wird wohl erscheinen, sobald er den Helm abnimmt? (Anmerkung: Ich habe es richtig erraten. 😉 ).

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Welches Motorsportfans bekannte Antlitz verbirgt sich wohl hinter diesem Helm? 24 Seiten später wird das Geheimnis gelüftet, aber es lässt sich auch erraten.

Aber am enttäuschten war ich doch vom Schluss. Der Ausgang des Rennens und die Siegerehrung wirken dem entgegen, wozu ein Wettrennen eigentlich gut ist. Der „Olympische Gedanke“ war nicht mal in „Asterix bei den Olympischen Spielen“ derart präsent. Die Harmonie am Schluss wirkt leider arg gekünstelt.

Noch ein kurzer aber eigentlich unnötiger Kommentar zu den Zeichnungen: Didier Conrad schließt stilistisch wieder hervorragend an Albert Uderzos Comics an.

Bewertung: „Asterix in Italien“ kann man zu guter Recht als absolut mittelmäßiges Gallier-Abenteuer beschreiben, weshalb ich es auch mit 3 von 6 Sternen benote. Der bisher schwächste Band von Ferri und Conrad, aber er ist dennoch aus humorvoller Sicht unterhaltsam. Wer darauf Wert legt, den Humor in einer spannenden Story verpackt zu sehen, wird aber enttäuscht sein.

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Anmerkung: Seltsamerweise fehlen in „Asterix in Italien“ am Beginn des Bandes die beiden üblichen Seite mit der Vorstellung der Hauptcharaktere und die Karte von Gallien mit der Lupe, die Aremorica vergrößert. Das heißt aber nicht, dass die Geschichte selbst länger wäre. Der Band ist lediglich um diese beiden Seiten kürzer. (Die meisten Asterix-Geschichten enden auf Seite 48, diese auf Seite 46.)

Rezension: „Deep Down” – A Jack Reacher Story

Wie schon die vor ein paar Tagen rezensierte Star Trek-Novelle dient auch diese Jack Reacher-Story der Überbrückung bis zum Erscheinen des nächsten längeren Buches auf meiner Leseliste. Wie regelmäßige Besucher meines Blogs wissen, habe ich im April 2017 mit „Night School“ den 21. und bislang letzten erschienenen Roman von Lee Child rezensiert. Noch übrig sind aber ein paar Kurzgeschichten über den Militärpolizisten Jack Reacher und eine davon, die zeitlich während seiner aktiven Army-Dienstzeit angesiedelt ist, ist „Deep Down“.

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Vorweg: Die als ebook – und manchmal als Anhang der Reacher-Romane – erschienenen Kurzgeschichten sind bedeutend kürzer als beispielsweise die Star Trek ebook-Novellen; nur ungefähr halb so lang. Daher ist die Geschichte von „Deep Down“ auch sehr schnell erzählt: Captain Jack Reacher bekommt den Auftrag, undercover an einer Besprechung im Kapitol teilzunehmen, in der die Kriterien für ein neues Scharfschützengewehr festgelegt werden sollen. Aufgrund auffälliger Fax-Aktivitäten nach vergangenen Sitzungen liegt der Verdacht nahe, dass aus dem Büro der politischen Verbindungsoffiziere geheime Informationen durchsickern – vermutlich an ausländische Waffenhersteller. Reacher soll die vier infrage kommenden Verbindungsoffiziere – vier weibliche Karriereoffiziere höheren Ranges, die man nicht ohne Auffallen zu einem offiziellen Verhör vorladen könnte –  ausfragen und Eindrücke sammeln. Eine ungewohnte Aufgabe für Reacher, aber wenigstens haben seine Vorgesetzten bereits eine Hauptverdächtige, weshalb er sich vorrangig auf diese konzentrieren möchte. Doch diese taucht leider bei der Besprechung im Kapitol gar nicht auf und hat einen durchaus plausiblen Abwesenheitsgrund: Nur Stunden vor der Besprechung kam der ehrgeizigen Joggerin ein Auto in die Quere …

Fazit: Trotz der Kürze weist „Deep Down“ die Qualitäten der besseren Reacher-Romane auf. Allen voran kommt der junge Army-Captain Reacher sehr sympathisch rüber. Der Ausblick auf ein simultanes „Rendezvous“ mit vier Frauen zum Zwecke der Informationsbeschaffung lässt ihn doch ein wenig an seiner Eignung zweifeln. Ein James Bond ist er eben nicht gerade. 😀 Da die Vorbereitung auf seine Mission schon gut die Hälfte der Geschichte einnimmt, wird die mehrere Stunden dauernde Besprechung recht knapp abgehandelt, aber ich würde doch behaupten, dass Reachers Wahrnehmung der Vorgänge und seine Einschätzungen für ausreichend Spannung sorgen, aber so richtig animiert mitzuraten, wer die Verräterin ist, wird man als Leser nicht. Dafür kennt Reacher die an der Besprechung beteiligten Personen auch einfach nicht gut genug, muss sich auf Beobachtungen stützen. Die Eigenschaften der Teilnehmer nimmt Reacher also ganz sachlich wahr. Aber es reicht aus, denn wenn Reacher seinem Vorgesetzten telefonisch meldet, wen er verdächtigt, ist seine Begründung sehr schlüssig. Und nach Beendigung des Telefonats darf Reacher auch nochmal in gewohnter Souveränität die Muskeln spielen lassen.

Bewertung: Ein sehr kurzes, aber absolut vorhandenes Lesevergnügen bietet „Deep Down“. Die Geschichte revolutioniert das Krimi-Genre zwar nicht, denn im Grunde nimmt Reacher nur an einem Kapitel einer längeren Geschichte teil, die schon ohne ihn begann und später ohne ihn weitergehen wird. Und doch beendet man als Leser diese Kurzgeschichte doch zufrieden, denn man hat das Relevante in Erfahrung gebracht und am Ende mit einem zustimmenden Nicken quittiert. 4 von 6 Sterne sind allemal drin, denn die Geschichte wird solide erzählt und ist so kurz, dass Lee Child gar keine Zeit blieb, sich in Widersprüche zu verstricken oder langatmig zu werden.

4stars

Anmerkung: https://de.wikipedia.org/wiki/Fax 😉

Rezension: Comic – „Der Papyrus des Cäsar“

Es wird höchste Zeit, ein kleines Versäumnis meinerseits nachzuholen. Denn obwohl bereits im kommenden Oktober der 37. Band erscheint, hatte ich in den vergangenen beiden Jahre doch völlig vergessen, Asterix-Band Nr. 36 zu rezensieren, was ich nunmehr nachholen möchte.

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Bereits der 35. Band „Asterix bei den Pikten“ läutete ein neues Zeitalter der Asterix-Comics ein: Illustrator Albert Uderzo ließ den jahrzehntelangen Versuch bleiben, ohne seinen bereits 1977 verstorbenen Partner René Goscinny weitere Geschichten der tapferen Gallier zu Papier zu bringen und übergab die Reihe in die Hände von Jean-Yves Ferri und Didier Conrad. Und wenngleich man deren erstem Werk „Asterix bei den Pikten“ durchaus vorwerfen konnte, mit einem typischen Reiseabenteuer keinerlei Risiko eingegangen zu sein, überzeugte mich das Endergebnis. 

Der 36. Band „Der Papyrus des Cäsar“ ist inhaltlich anders angelegt. Ferri und Conrad konzentrieren sich diesmal auf den gallisch-römischen Konflikt und thematisieren Julius Cäsars Werk „Commentarii de Bello Gallico“ – seine Kommentare zum gallischen Krieg – und erklären in dieser Geschichte augenzwinkernd, warum man in diesem historischen Schriftstück keine Erwähnung eines Dorfes voller Unbeugsamer findet. Wie wir in diesem Comic erfahren, beinhalteten die Kommentare ursprünglich durchaus ein kritisches Kapitel über Cäsars Rückschläge in Aremorica. Doch sein Verleger Syndicus riet ihm erfolgreich von der Veröffentlichung ab und machte sich sofort ans Werk, jede Vervielfältigung dieses Kapitels zu vernichten. Was ihm aber nicht ausnahmslos gelingt: Einer der stummen, numidischen Schreiber entwendet heimlich eine Schriftrolle und spielte sie aus Solidarität mit dem gallischen Volk einem Kolporteur aus Lutetia zu. Der sensationshungrige Polemix macht sich für eine ausgedehnte Reportage natürlich sofort auf den Weg zum Dorf der Unbeugsamen und findet dort Schutz vor Syndicus‘ Eliteeinheit, die die Papyrusrolle wiederbeschaffen soll, ehe Cäsar von ihrem Verschwinden Wind bekommt. Doch entgegen Syndicus‘ Befürchtungen und Polemix‘ Hoffnungen haben die Dorfbewohner gar nicht vor, den brisanten Text einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Stattdessen soll er sich zu vielen weiteren mündlichen Überlieferungen gesellen, die die Druiden von Generation zu Generation weitergeben und so begleiten Asterix und Obelix ihren Druiden Mirculix einmal mehr zum Karnutenwald …

Fazit: In ihrem zweiten Band entfernen sich Ferri und Conrad also vom klassischen Schema eines Reiseabenteuers, sind in Sachen Story etwas mutiger und integrieren ein zeitgenössisches Thema. Vor allem Anspielungen auf elektronische Kommunikation wie auch – zum Zeitpunkt des Erscheinens des Comics noch mehr als heute – das Whistleblower- und WikiLeaks-Thema. Allerdings sind diese Anspielungen – sowohl textlich als auch visuell – nicht dermaßen aufdringlich, dass Edward Snowden oder Julian Assange tatsächlich 1:1 vorkommen würde. Uderzo hätte dieser Versuchung bestimmt nur schwer widerstehen können. Generell kann man Ferri und Conrad guten Gewissens attestieren, ein sehr gutes Gespür für Anspielungen zu haben.  Sicher sind sie nur schwer zu übersehen bzw. zu überlesen, aber sie sind auch nicht übermäßig aufdringlich oder gar ablenkend, wie es in manch anderen Asterix-Comics der nicht so weit zurückliegenden Vergangenheit der Fall war. Nicht plumper Hinkelstein, sondern feine Sichelklinge lautet die Devise.

Die Geschichte unterhält sehr gut und ich finde es passend, dass die Gallier – stur wie sie nun mal sind – ihren eigenen Weg zwischen Vertuschung und Sensationsjournalismus gehen. Jedoch … nun ja, zum Erscheinungszeitpunkt dieses Comics im Jahre 2015 war es natürlich noch kein Thema, aber die Twitter-Vögelchen riefen zumindest bei mir indirekt eine betrübliche Assoziation hervor zwischen der Weigerung der Gallier, dem geschriebenen Wort zu trauen und einem gewissen Twitter-Nutzer in den Vereinigten Staaten von Amerika, der ebenfalls nicht viel von Nachrichten hält. (Außer er setzt sie selbst in die Welt und sie haben nicht mehr als 140 Zeichen.)

Aber vertreiben wir schnell diese dunkle Wolke, kommen wir wieder auf den ansonsten guten Unterhaltungswert von „Der Papyrus des Cäsar“ zurück. Dieser gründet sich teils auf den erwähnten Anspielungen und teils auf das Gezänk der Gallier, das sich auf das Horoskop in einem Magazin stützt. Tatsächlich bietet diese Szene am Beginn die Basis für einige Running-Gags, sie besitzt also einen erstaunlich langen Atem und prägt die Dialoge. Jean-Yves Ferri hat auch hier wieder die Charaktere sehr gut getroffen und Didier Conrads Zeichnungen sind sowieso von jenen Uderzos so gut wie gar nicht zu unterscheiden.

Sowohl Figuren als auch Schauplätze sind in „Der Papyrus des Cäsar“ weitgehend bekannt, aber beim Karnutenwald haben sich die Erschaffer ein paar nette Ideen einfallen lassen. (Interessant aber, dass Asterix und Obelix den Wald so einfach betreten durften. Das übliche Warnschild „Für Nicht-Druiden verboten!“ gibt es zwar auch in diesem Comic, aber darauf eingegangen wird nicht.)

Bewertung: Die Geschichte ist ein wenig abseits der üblichen Wohlfühlzone eines Reiseabenteuers, aber Ferri und Conrad meistern sie meiner Meinung nach sehr gut und haben vernünftige Entscheidungen getroffen. Das Humorlevel ist dank der Running-Gags dauerhaft gegeben, aber der ganz große Brüller war leider nicht dabei. Trotzdem haben die beiden „Neulinge“ auch in ihrem ersten Nicht-Reiseabenteuer eine absolut solide Leistung erbracht, dessen Ergebnis ich gute 4 von 5 Sterne verleihe.

4stars

Für mich selbst überraschend entspricht dies einem Stern weniger als ich „Asterix bei den Pikten“ gegeben habe, aber ich habe mir auch diesen Band nochmals durchgesehen und kam zu dem Schluss, dass ich das Reiseabenteuer – auch wenn man es „banal“ schimpfen möchte – einfach lustiger fand und der  Schauplatz Schottland visuell mehr Interessantes bot.

Anmerkung: Der 37. Band mit dem Titel „Asterix in Italien“ erscheint am 19. Oktober 2017.

Rezension: „The Wheel of Osheim“

Nach rund dreieinhalb Monaten bin ich nun endlich durch mit Mark Lawrences „The Red Queen’s War“-Trilogie und die lange Dauer soll wirklich kein Hinweis darauf sein, dass sich das Lesen dieser drei Romane unangenehm gezogen hätte. Ganz im Gegenteil schließt das Finale „The Wheel of Osheim“ in Sachen Lesevergnügen nahtlos an die beiden Vorgänger an. Es ist allein dem Umfang dieser Bücher geschuldet (und auch dem Umstand, dass ich sie auf Englisch gelesen habe), dass ich mich so lange mit ihnen beschäftigt habe, denn auch im dritten Roman erlebt Prinz Jalan von Kendeth wieder jede Menge Abenteuer.

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Um die Ausgangslage zu schildern ist es leider notwendig, den Ausgang des vorherigen Buches „The Liar’s Key“ zu verraten.

Was bisher geschah: Prinz Jalan – kurz Jal genannt – hatte nach seiner Rückkehr aus dem hohen Norden nur wenig Aufmerksamkeit für seine dortigen Heldentaten erhalten, dafür umso mehr die Aufmerksamkeit einiger unliebsamer Kumpanen, die ihm den Tod – oder Schlimmeres – wünschten. Unter dem Vorwand eines offiziellen Auftrags entfloh er den drohenden Unannehmlichkeiten – die alle zurückzuführen waren auf seinen verschwenderischen Umgang mit Geld und Frauen – und kehrte in Florenz ein, dem Handelszentrum des Zerbrochenen Imperium. Wie Jal dort nach kurzer Euphorie feststellen musste, ist ein solcher Ort, wo im Minutentakt Spekulationsgeschäfte abgeschlossen werden, aber auch nicht das sicherste Pflaster für einen notorischen Spieler … und Betrüger wie ihn und auf der Flucht vor seinen Gläubigern lief er seinen alten Weggefährten, den Nordländern Snorri, Kara und Hennan über den Weg, die noch immer auf der Suche nach der Tür zum Jenseits waren. Gemeinsam fanden sie die Tür und Snorri trat tatsächlich hindurch. Doch Jal – Feigling der er nun mal ist – kniff im letzten Moment und ließ die Tür hinter Snorri zufallen. Doch bevor Jal sich gänzlich abkehren konnte, flog die Tür nochmals auf und Snorri packte ihn am Kragen und zog ihn ebenfalls durch die Tür in der Annahme, diese wäre Jal zuvor nur aus Versehen entglitten. 😉

Soweit stark vereinfacht der Schluss des zweiten Buches. Nun zu Buch Nummer 3, „The Wheel of Osheim“: Dieses beginnt erst eine Weile später, nämlich mitten in der Sahara, auf dem Weg einer Karawane. Denn genau dort spuckt das Jenseits Jal wieder aus. Erst im Verlauf der Geschichte erfährt der Leser Stück für Stück, was sich im Jenseits alles ereignet hat, wo Snorri geblieben ist und was aus seiner Familie geworden ist. Mehr als die beiden Bücher zuvor konzentrierte sich „The Wheel of Osheim“ auf den Lügenprinz. Dieser wird auch im Diesseits von den Mächten des Todes verfolgt, die Handlanger der hinterhältigen „Lady Blue“ – die nichts anderes als das Ende der Welt herbeisehnt – machen Jagd auf Jal beziehungsweise Lokis Schlüssel, den der Prinz bei sich trägt. Denn dieser Schlüssel vermag nicht nur neue Streitkräfte aus der Hölle zu befreien, sondern auch die Pläne der Lady zu vereiteln. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Über Nordafrika und Korsika findet der Prinz – dem bei seiner Reise so manch bekanntes Gesicht begegnet – den Weg zurück in seine Heimatstadt Vermillion, wo er mitten in einen Truppenaufmarsch gerät: Jals Großmutter, die „Red Queen“, plant einen Feldzug gegen das Reich von Slov, weil dieses der blauen Lady Asyl gewährte. Jal wird zuerst zurückgelassen, um als Marschall die Stadt zu verteidigen, nur um sich später doch noch auf den Weg nach Osheim zu machen, wo er mit Lokis Schlüssel jene Maschine abschalten soll, die die Welt langsam aber sicher in den Untergang treibt.

Fazit: Kreuz und quer geht die Wanderung durch das Zerbrochene Imperium. Diesmal verschlägt es Jal  nach Afrika und in den mediterranen Raum, was erneut für eine abwechslungsreiche Atmosphäre sorgt, die Autor Mark Lawrence hervorragend und stimmungsvoll transportiert. Dass es sehr lange dauert, bis der Wikinger Snorri auftaucht, ist ein kleines Manko, denn während der Reise beobachtet man alles aus der Perspektive des frisch aus der Hölle zurückgekehrten Jal. Man merkt sehr gut, dass dieses Erlebnis Spuren hinterlassen hat, er etwas härter geworden ist, weniger Spaß versteht – aber trotzdem nicht zögert, sich bei bietender Gelegenheit darauf einzulassen. Wenn ich sage, dass „The Wheel of Osheim“ die wenigsten humorvollen Szenen, Dialoge und Monologe der drei Romane enthält, so bedeutet das aber nicht, dass es beim Trilogiefinale bierernst zugeht. Über weite Strecken ist die Erzählung immer noch heiter und einige Szenen verleiten zum Lachen. Aber es gibt auch lange, düstere Passagen. Beispielsweise die Rückblicke ins Jenseits, weshalb auch Snorri nicht so viel Esprit versprüht wie gewohnt. Oder die sehr ausführlich geschilderte Belagerung von Vermillion.

Sobald es nach Osheim geht, offenbart sich die faszinierende Mixtur aus Mittelalter-Fantasy und Science-Fiction vollends. Das Vorhandensein von Technologie, die die Zauberei im Zerbrochenen Imperium ermöglicht, schwang bei Mark Lawrences Romanen bislang nur am Rande mit, aber im großen Finale zeigt sie sich vollends und hier ist auch kein Rätselraten mehr nötig wenn es darum geht zu erraten, welches aus Jals Perspektive sonderbare Gerät er gerade in Händen hält. (Bei einem habe ich wirklich sehr lange gerätselt und als die Handlung offenbarte, um was es sich dabei handelte, war das ein echter Brüller und die vielleicht witzigste Szene des Buches 😀 ).

Bewertung: Ich will nicht allzu viel über den Ausgang verraten, aber die Tatsache, dass man die eigentlich „wichtigere“ Verhinderung des Weltuntergangs bereits in der „Broken Empire“-Trilogie nachlesen konnte („The Red Queen’s War“ läuft parallel dazu), trübt ein wenig den Triumph am Schluss. Dennoch gibt es einige wirklich rührende Szenen zum Ausklang der Geschichte, die nichts mit dem drohenden Untergang der Welt zu tun haben, sondern sich nur auf die Charaktere stützten und die Beziehungen, die sie während all dieser Abenteuer geknüpft haben. „Der Weg ist das Ziel“ beschreibt die Geschichte von Jal, Snorri und ihren Reisegefährten wohl am besten und ließ mich doch sehr zufrieden zurück. Alles in allem würde ich „The Wheel of Osheim“ nicht ganz so stark wie das erste Buch bewerten, aber etwas besser als das zweite. 5 von 6 Sterne gehen sich aus und mehr wäre vermutlich auch dann nicht drinnen gewesen, wenn sich der Autor bei der Schlacht um Vermillion etwas kürzer gefasst hätte.

5stars

Anmerkung: Wie im zweiten Buch enthält auch „The Wheel of Osheim“ eine bereits bekannte Karte des Zerbrochenen Imperiums. Diese war ursprünglich im 3. Band von „Broken Empire“ enthalten.

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Rezension: “Batmobile – The Complete History”

Wir erleben gerade eine Zeit, in der uns die Unterhaltungsindustrie inflationär mit Superhelden-Abenteuern und Comic-Verfilmungen „beglückt“. Mein persönliches Interesse an solchen Geschichten ist inzwischen eher gering, doch es gibt zumindest eine große Ausnahme: Kommt ein neues Batman-Abenteuer ins Kino oder ist eine Serie in Gotham City angesiedelt, so ist das genau nach meinem Geschmack – wenngleich dieser dunkle Ritter über die Jahrzehnte einige Veränderungen durchgemacht hat. Und was auf Batman zutrifft, trifft auch auf seinen fahrbaren Untersatz zu, dem sich Mark Cotta Vaz‘ Making-of- und Design-Buch „Batmobile“ widmet.

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Der Autor geht wirklich an den Anfang zurück, zu den Comics der 1930er-Jahre. Anfänglich verfügte Batman noch über kein eigenes Fahrzeug, sondern fuhr in einer schlichten roten Limousine herum. Erst im Laufe der Zeit erhielt Batmans Auto den Hauch des Besonderen – den die erste reale Variante dieses Gefährts, das in den 1949er-Schwarz-Weiß-Serials zu sehen war (ein einfaches Mercury Cabrio) – wiederum völlig vermissen ließ. Als etwas Besonderes aber alles andere als subtil zeigte sich das Batmobil in der oft kuriosen aber doch enorm beliebten 1960er-Serie mit Adam West. Der umgebaute, schwarze Lincoln Futura mit allen nur denkbaren und undenkbaren „Bat-Extras“ machte seinem Namen alle Ehre und ist auch heute noch das vielleicht ikonischte Batmobile.

Kapitel für Kapitel beschäftigt sich der Autor mit der Entstehungsgeschichte der real umgesetzten Fahrzeuge und ihren Designs. So folgen auf das Fahrzeug aus der Serie die Batmobile aus den Kinofilmen. Nicht weniger berühmt als der Mercury Futura ist das Batmobil im 1989er-Film „Batman“ und im Nachfolger „Batmans Rückkehr“ von Tim Burton. Das durchaus ein bisschen an einen Le Mans-Prototypen erinnernde Fahrzeug ist bei weitem nicht so extravagant wie die Nachfolger aus „Batman Forever“ und „Batman & Robin“, die für sich allein aber auch interessante Designs darstellen und man kann durchaus sagen, dass sich die Fahrzeuge immer auch mehr als nur ein bisschen der durch den jeweiligen Film vermittelte Stimmung – und der Interpretation von Batman – angepasst haben .

Am besten trifft dies aber wohl auf den „Tumbler“ zu. Dies ist jenes Batmobil, das in Christopher Nolans Trilogie („Batman Begins“/“The Dark Knight“/“The Dark Knight Rises“) bleibenden Eindruck hinterließ – beim Zuseher und auf so manchem Auto, das dem Tumbler – einer faszinierenden Mischung aus Sportwagen und Panzer – im Weg stand.

Fazit: Wie bereits das Titelbild erahnen lässt, bekommt der Tumbler die größte Aufmerksamkeit in diesem Buch zugesprochen. Denn das Buch entstand zu einer Zeit, als Christopher Nolan das Finale seiner Batman-Trilogie produzierte und man merkt den erläuternden Texten sehr an, dass deren Informationsgehalt am höchsten ist. Die Texte zu den anderen Batmobilen sind zwar auch umfangreich, aber ich hatte oft das Gefühl, dass die lange Zeit, die seit deren Herstellung vergangen ist, die Erinnerungen der Beteiligten etwas getrübt hat. Dass der technische Aspekt in den Hintergrund rückt, hat mich persönlich dabei nicht gestört, aber auch die Design-Aspekte, die Gedanken und Motivationen, die zur besonderen Gestaltung der einzelnen Fahrzeuge führten, sind mit Ausnahme des Tumblers und vielleicht dem 1989er-Batmobile recht knapp.

Das 140 Seiten starke Hardcover-Buch ist reichlich gefüllt mit professionellen Fotos, viele im Rahmen einer Dokumentation aufgenommen, die all die real gebauten Batmobile an einen Ort zusammenbrachte. Der detaillierte Blick auf die Fahrzeuge ist schon eine tolle Sache, aber mir gingen Skizzen und alternative, nie umgesetzte Designs ab. Auch werden einige Begebenheiten im Text sehr ausführlich beschrieben, aber es fehlt an entsprechendem Foto. So wie ein besonders gelobtes Comic-Cover, das im Buch einfach nicht zu finden ist. Oder die „Bat-Missile“ aus „Batmans Rückkehr“. (Während im Vergleich der artverwandte „Bat-Pod“ aus den neuen Filmen etwas mehr Beachtung findet.)

Auch auch wenn „Batman Forever“ und „Batman & Robin“ alles andere als die populärsten Filme des Franchise sind, so hätte ich mir beim Kapitel zu deren Fahrzeugen doch etwas mehr Sorgfalt gewünscht. An mehreren Stellen vermischen sich die Beschreibungen der beiden eigentlich sehr unterschiedlichen Fahrzeuge und im Text scheint es fast ausschließlich um das „Batman & Robin“-Fahrzeug zu gehen, während das Kapitel fast nur Bilder des „Forever“-Fahrzeugs enthält.

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Eines von sehr vielen im Buch enthaltenen Fotos des „Forever“-Batmobils.

Bewertung: Allein aufgrund der Fotos kann ich dem Buch schon mal keine schlechte Bewertung geben. Es ist ein toller Bildband für Batman-Fans, aber liest man den Text, beschleicht einem das Gefühl, dass Mark Cotta Vaz eigentlich nur ausreichend Informationen zum Tumbler hatte und die restlichen Fahrzeuge nur reingenommen hat, um das Buch voll zu bekommen. Die damals zeitgleich entstandene Dokumentation (sie ist übrigens Teil der Bonus-Disc der „The Dark Knight Rises“-Blu-ray) bot dem Autor wohl eine gute Gelegenheit, Inhalte daraus ins Buch zu nehmen und tolle Fotos aufnehmen zu lassen. (Das Highlight ist sicher ein ausklappbares Großformatfoto mit allen fünf Autos nebeneinander.) Wobei ich sagen muss, dass der Informationsgehalt speziell zu den Fahrzeugen in der rund einstündigen Doku insgesamt höher ist als im Text des Buches, der Seiten auch mit generellen Infos zum Batman-Universum füllt, die nichts mit dem Batmobil zu tun haben.

Also wer die Filme daheim hat und das Bonusmaterial zu den Batmobilen schon kennt, der wird vom die Fotos begleitenden Text vermutlich alles andere als beeindruckt sein. Und bewegte Bilder sind wohl auch etwas geeigneter, um Fahrzeuge gut in Szene zu setzen. Daher reicht es für dieses Buch nur für 3 von 6 Sterne. Ein bisschen mehr Faszination hätte ich mir von diesem Buch schon erwartet.

3stars

Anmerkung: Aufgrund des Entstehungsjahres ist das neueste Batmobil aus „Batman v. Superman“ nicht im Buch berücksichtigt.

Rezension: „The Liar’s Key“

Das zweite Buch der „The Red Queen’s War“-Trilogie von Mark Lawrence ist das umfangreichste der Saga rund um den Feigling Prinz Jal und den tapferen Wikinger Snorri. Ich mag zwar eine ganze Weile benötigt haben um es durchzulesen, aber auch das zweite Abenteuer dieses ungleichen Paares hat mich sehr gut unterhalten, auch wenn sich die Reisegemeinschaft im Verlauf der Geschichte deutlich vergrößert. Da das Buch ziemlich direkt an den Vorgänger anschließt, muss ich in der folgenden Rezension wichtige Ereignisse aus dem ersten Buch der Trilogie verraten.

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Die Ausgangslage: Jal und Snorri haben sich im ersten Buch in den hohen Norden durchgekämpft, wo der Wikinger zwar mit Erfolg Rache an einer Horde abtrünniger Nordmänner und Untoter genommen hat, die sein Dorf verwüsteten. Aber er konnte niemanden retten, vor allem nicht seine Familie, die wie die anderen überlebenden Dorfbewohner verschleppt worden waren, um im Ewigen Eis nach dem sagenumwobenen Schlüssel von Loki zu graben. Nach dem Sieg über die Horde fiel der Schlüssel, der alle Türen zu öffnen vermag, in Snorris und Jals Besitz, was den Wikinger zu einem äußerst düsteren Plan motiviert.

Snorri plant, mit Lokis Schlüssel die Tür zum Totenreich zu öffnen und seine Frau und Kinder daraus zu befreien. Ein Plan, den Jal nicht unterstützen will, denn gerade das Öffnen der Tür – um die Toten in die Welt der Lebenden zu lassen – ist das Ziel, des mysteriösen „Totenkönigs“, eines Nekromanten mit der Macht über die Toten zu befehlen. Würde Snorri die Tür öffnen, könnte dies dem Totenkönig in die Hände spielen, der mit einer riesigen Armee aus Wiederauferstandenen das Zerbrochene Imperium mit unbarmherziger Gewalt einen würde. Jedoch mangelt es Jal an Durchsetzungskraft, Snorris Vorhaben zu unterbinden und die Umstände – wie so oft in Jals Fall handelt es sich dabei um höchst unbedachte amouröse Verstrickungen – zwingen ihn, zusammen mit dem Wikinger und dessen Freund Tuttugu in den Süden zurückzukehren. Während ihrer Reise schließt sich ihnen Kara an – eine Auszubildende der Hexe Skilfar, die Snorri Hinweise auf die Lage der Tür zum Totenreich gibt – sowie der Waisenjunge Hennan, dessen Vater tragischerweise den Verfolgern von Snorri und Jal in die Quere kommt und dabei getötet wird. Anführer dieser Verfolger, die ebenfalls im Dienste des Totenkönigs stehen, ist Edris Dean, der Snorri und Jal schon seit Beginn ihrer Reise im ersten Buch nach dem Leben trachtet und der – wie Jal dank von Kara initiierter Visionen erfährt – schon sehr lange das Schicksal seiner Familie beeinflusst. Aber nicht nur er will in den Besitz des Schlüssels gelangen …

Fazit: „The Liar’s Key“ beinhaltet eigentlich zwei Geschichten in einem Band. Zum einen ist da die große Rahmenhandlung rund um die Reise in den Süden. Snorri und seine Begleiter aus dem Norden machen sich in die Toskana auf, um dort einen Magier ausfindig zu machen, der ihnen die Tür zum Totenreich zeigen kann. Jal will da nicht mitmachen und daher trennen sich die Wege der Reisegemeinschaft an der Grenze zum „Red March“ (ungefähr die heutige Piemont-Region), Jals Heimat. Jal, aus dessen Perspektive auch dieses Buch fast ausschließlich erzählt wird, kehrt in seine Heimatstadt Vermillion zurück und diese Rückkehr verläuft ganz anders als er es sich vorgestellt hätte. So richtig vermisst hat ihn nämlich keiner und das Interesse zu erfahren, welche Heldentaten er im Norden vollbracht hat, ist ebenfalls sehr gering. Zudem hat jede seine Liebschaften in der Zwischenzeit geheiratet und mindest zwei Männer sind mächtig sauer auf Jal und trachten ihm nach dem Leben.

In dieser längeren Passage, die sozusagen ein „Buch im Buch“ ist, kann einem Jal schon richtig leid tun, aber sie ist auch sehr amüsant zu lesen und in den Szenen mit der Roten Königin und ihrer schweigsamen Schwester wird er große Plan, der hinter Jals gar nicht so zufälliger Reise in den Norden steckte, sehr gut dem Leser erläutert. Und auch, was auf dem Spiel steht. Die ominöse „Lady Blue“, die bereits in Mark Lawrence erster „Broken Empire“-Trilogie erwähnt worden war aber bislang nur als Gegenspielerin der Roten Königin bezeichnet wurde, erhält in diesem Buch nun erstmals einen echten Namen und Beweggründe und wird als jene Person identifiziert, die hinter dem Totenkönig steht und die Fäden zieht.

Erneut gelingt es dem Autor, die düstere Handlung mit Humor aufzulockern, was sehr an Jals besonderen Charakterschwächen liegt. Wenn es ihn später in der Handlung nach Florenz verschlägt – dem wichtigsten Handelsplatz der bekannten Welt – so ist es schon amüsant, wie er glaubt, Gewinn machen zu können, indem er einfach seine Flucht plant bevor gewaltige Verbindlichkeiten fällig werden. 😀 Auch zu diesem Buch lässt sich sagen, dass es gewisse Härten zwar nicht komplett ausklammert, aber nicht so im Detail wiedergibt wie noch in Lawrences erster Trilogie. Zu dieser finden sich nun auch weniger Anspielungen. Es gibt zwar so einige, aber der inzwischen zum König von Renar aufgestiegene Jorg und Prinz Jal laufen sich jetzt nicht gefühlt alle paar Stunden über den Weg. Auch die Nekromantin Chella, die in der ersten Trilogie eine große Rolle spielte, wird gut aus der Handlung rausgenommen und durch einen anderen Charaktere sozusagen „ersetzt“, was für einen interessanten Aha-Effekt sorgt.

Die neu eingeführten Charaktere sind sehr gut in die Handlung eingebunden. Der Junge namens Hennan hat zwar nicht allzu viel zu sagen, aber erfüllt im Lauf der Handlung seinen Zweck. Und Kara gefiel mir sehr gut und hat eine andere Entwicklung genommen, als ich es ursprünglich vermutet hatte. Und Tuttugu war bereits aus dem ersten Buch bekannt. Wie Snorri, der sich auf eine höchst düsteren Mission begibt, was auf denne Gemüt schlägt, trägt aber auch dieser Wikinger diesmal zum Humorgehalt wenig bei. Sehr gut gefallen haben mir die Rückblicke in Form der Visionen, die Jal heimsuchen. Eigentlich war er ja nur auf der Suche nach der Wahrheit, was den Tod seiner Mutter anging. Aber die Visionen reichen noch weiter zurück, bis in eine Zeit, als die Rote Königin und ihre Geschwister noch Kinder waren. Das Buch nutzt seinen Umfang sehr gut aus, um der Welt des Zerbrochenen Imperiums zu erweitern, vor allem das kosmopolitische Florenz hilft dem Leser sehr, einen Eindruck von der Größe der Welt zu dieser Zeit zu bekommen. Dazu werden auch ein paar Elemente und Völker aus der vorherigen Trilogie wieder aufgegriffen und noch genauer erläutert.

Bewertung: Die Geschichte rund um Lokis Schlüssel ist schon wirklich eine äußerst lange, aber sie war doch stets so interessant, dass ich immer wissen wollte, wie es weitergeht. Ein wenig schwächer als Band 1 der „The Red Queen’s War“-Trilogie würde ich „The Liar’s Key“ aber dennoch einschätzen, was daran liegt, dass Snorri und Jal als ungleiches Duo nicht mehr so gut funktionieren, was aber auch am Konflikt liegt, den Snorris Absichten auslösen. Insofern war es vielleicht wirklich eine sehr gute Idee des Autors, die Wikinger für eine Weile auszuklammern und Jal sein eigenes Abenteuer  in Vermillion und Florenz erleben zu lassen, das zweifellos gute Unterhaltung ist, aber eben nicht zu der Höhe des ersten Romans gelangt. Daher vergebe ich an „The Liar’s Key“ nur gute 4 von 6 Sterne.

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Anmerkung: Auch diesmal enthält das Buch wieder eine Karte des Zerbrochenen Imperiums, sie ist aber identisch mit jener aus dem vorherigen Buch.

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Rezension: „Prince of Fools“

Vor etwas mehr als zwei Jahren las ich Mark Lawrences Trilogie „Broken Empire“ (beginnend mit „Prince of Thorns“). Ebenfalls in dieser lose auf realer Geographie basierenden Fantasy-Welt ist auch die nachfolgende Trilogie namens „The Red Queen’s War“ angesiedelt, die wiederum einen Prinzen in den Mittelpunkt des Geschehens stellt, der charakterlich aber ganz anders gestrickt ist als der „Dornenprinz“.

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In einer mittelalterlichen Fantasy-Welt (deren Entstehungsgeschichte ich an dieser Stelle nicht verraten werde) ist Europa in viele kleine Königreiche aufgeteilt. Eines davon ist der „Red March“, in dessen Hauptstadt Vermillion die Rote Königin regiert, die die zunehmende Bedrohung durch magische Einflüsse und eine mögliche Entfesselung des Totenreiches befürchtet. Eine ernstzunehmende Angelegenheit … an der der Hauptcharakter dieses Romans allerdings überhaupt nicht interessiert ist. Prinz Jalan Kendeth – kurz Jal genannt – ist ein Enkel der Roten Königin, ziemlich weit hinten in der Thronfolge und nur darauf bedacht, sich ein gutes Leben mit Wein, Weib und Gesang zu machen. Er ist ein Spieler, ein Schürzenjäger und allen voran ein ziemlicher Feigling. Bereits die einleitenden Worte des Romans charakterisieren ihn perfekt:

„Ich bin ein Lügner, ein Betrüger und ein Feigling, aber ich werde nie und nimmer einen Freund im Stich lassen. Es sei denn, ihm beizustehen würde verlangen, ehrlich, fair oder mutig zu sein.“

Eine Aussage, die kein soziales Problem für ihn darstellt, denn wirklich enge Freunde hat Jal ja nicht – bis ihm das Schicksal einen an die Seite stellt.

In ihren Bemühungen mehr über die Entwicklungen im Norden des zerbrochenen Imperiums herauszufinden, lässt die Rote Königin einen versklavten Wikinger an den Hof holen. Der riesige Kerl namens Snorri ver Snagason berichtet von Horden auferstandener Toter, ähnlichen Kreaturen, Inselbewohnern und selbst abtrünnigen Nordmännern, die auf dem Weg in Richtung Ewiges Eis sein Dorf verwüstet und den Großteil der Bewohner – darunter Snorris Ehefrau und Kinder – entführt haben. Jal ist sofort fasziniert von Snorri. Aber nicht weil ihn dessen tragische Geschichte so berührt, sondern weil er in dem Muskelmann den perfekten Preisboxer sieht und einen Weg, seine Schulden loszuwerden. Doch Snorri nutzt den Kampf in der Arena zur Flucht und als Jal schon denkt, den Wikinger nie wieder zu sehen, läuft er diesem im sonderbarsten Moment seines Lebens in die Arme.

Eine Verkettung unglücklicher Umstände führt dazu, dass Jal eine Zauberbeschwörung – ausgesprochen von der „Silent Sister“, sozusagen der Hofmagierin der Roten Königin – unterbricht. Anstatt auf ein Gebäude richtet sich die explosive Vereinigung eines Licht- und Dunkelheitszaubers auf Jal, verfolgt ihn quer durch die Stadt und gerade als der Zauber ihn erreicht und auszulöschen droht, prallt er zufällig gegen Snorri. Anstatt die beiden umzubringen, teilt sich der Zauber auf, die Dunkelheit fährt in den wackeren, gutherzigen Wikinger und das Licht in den immer nur auf den eigenen Vorteil bedachten, feigen Jal. Die Freude darüber nicht tot zu sein währt zumindest bei Jal nur kurz, denn es stellt sich heraus, dass Jal und Snorri nun aneinander gebunden sind, sich nicht ohne Nebenwirkungen weit voneinander entfernen können. Das stellt vor allem für Jal ein Problem dar, denn Snorri ist fest entschlossen in den Norden zurückzukehren, seine Frau und Kinder zu befreien und Rache am Anführer der abtrünnigen Nordmänner  zu nehmen. Jal hat keine andere Wahl, als Snorri zu folgen – auch weil ihm daheim Ungemach von einem Gläubiger droht, der sich von Jals königlicher Abstammung nicht beeindrucken lässt …

Fazit: Dies ist der Beginn einer sonderbaren aber wirklich amüsanten Buddy-Actionkomödie im Fantasy-Gewand. Jal und Snorri sind unterschiedlich wie Tag und Nacht und es ist schon ironisch, dass ausgerechnet Jal nach seiner Verzauberung regelmäßig von einem gutmütigen und tugendhaften Engel heimgesucht wird und Heilkräfte entwickelt, während in Snorri von Zeit zu Zeit die Dunkelheit Macht ergreift und er zu einem nahezu unbesiegbaren Berserker wird. Diese neuen Fähigkeiten helfen ihnen auf ihrer langen Reise aus der einen oder anderen Klemme, es gibt in diesem Roman einige Abenteuer für die „Helden“ zu bestehen, aber das Herzstück, die Seele der Geschichte bilden die Dialoge zwischen Jal und Snorri. Das Geschehen wird dabei durchgängig aus Jals Perspektive geschildert, was selbst in den düstersten Situationen für Auflockerung sorgt.

Verglichen mit den Romanen der „Broken Empire“-Trilogie – die auch stellenweise durchaus humorvoll sein konnten – ist „Prince of Fools“ dank des Hauptcharakters mit all seinen Schwächen und Fehlern deutlich unbeschwerter. Der Humor von Prinz Jorg war trocken und schwarz, jener von Prinz Jal ist ein wenig naiver, auf Schlagfertigkeit ausgelegt – mutig mit dem Wort, aber nicht mit der Tat. Auch bei den Kampf- und Schlachtszenen hat sich Mark Lawrence diesmal meinem Empfinden nach mit unschönen Details zurückgehalten. Vielleicht auch, weil Jal ein Erzähler ist, der nicht so genau hinsehen will, wenn sich vor seinen Augen etwas Grausiges ereignet. 😀 Dennoch spritzt das Blut in nicht geringem Maße – vor allem als Snorri auf einem Gebirgspass zum Berserker mutiert und beim Endkampf, in den Wikinger mit einigen weiteren Überlebenden aus seinem Dorf zieht (deren Gruppendynamik ein ganz kleines Bisschen an die Zwerge aus „Der Hobbit“ erinnert 😉 ). Die düsteren Kreaturen namens „Ungeborene“ werden in ihrer Deformation und Unheimlichkeit eingehender beschrieben und auf die Stimmung schlägt vor allem das, was Snorri über das tragische Schicksal seiner entführten Familie nach und nach offenbart. Also trotz der Heiterkeit in vielen Passagen ist „Prince of Fools“ kein echter Wohlfühl-Roman.

Bewertung: Ich gebe dem Auftakt der neuen Trilogie 5 von 6 Sterne. Die Reiseerzählung kommt nicht ganz ohne die eine oder andere Länge aus – immerhin sind Snorri und Jal monatelang unterwegs – und ich bin mir nicht ganz sicher, was ich von den Überschneidungen zu „Prince of Thorns“ halten soll. Die Geschichten spielen parallel und die Wege von Prinz Jal und Prinz Jorg und dessen Weggefährten kreuzen sich in „Prince of Fools“ und um so manche Anspielung rein zu bringen, schreibt der Autor Snorri manchmal einen unglaubwürdigen Umfang an Wissen zu. Zuerst dachte ich, dies  würde eine besondere, eventuell magische Fähigkeit des Wikingers andeuten, aber schlussendlich dürfte es sich hier doch nur um Gags handeln, um beide Trilogien miteinander zu verbinden. Zwei, drei Anspielungen weniger wären ganz gut gewesen, denn „Prince of Fools“ wäre auch ohne diese ein sehr guter Roman, der einen Abschluss hat, aber vorbereitet, worum es in der Fortsetzung gehen wird.

5stars

Anmerkung: Wie auch schon bei den ersten drei Romanen gibt es auch in diesem eine Karte des „Broken Empire“. Diesmal sehen wir erstmals die skandinavischen Gefilde.

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Rezension: „Night School” – Ein Jack-Reacher-Roman

Mit „Night School“ endet nach etwas über drei Jahren vorläufig mein Ausflug in die Welt Jack Reachers. Und ich muss schon sagen, dass ich durchaus froh darüber bin, mit dieser Reihe abzuschließen, die in den letzten paar Romanen ein bisschen Verschleiß erkennen ließ und auch die Charakterisierung der Hauptfigur etwas abwandelte. Ja, Jack Reacher war immer einer, der aneckte. Aber anfangs gelang es dem Autor, Reacher gleichzeitig sympathisch darzustellen. Das ging aber in den vergangenen Romanen zunehmend verloren und damit sank auch das Interesse an diesem Charakter. Wobei der tolle Roman „The Affair„, der während Reachers Militärzeit angesiedelt war, vermuten ließ, dass Reachers unsympathisches Auftreten eine Alterserscheinung sein könnte. Insofern hatte ich gehofft, in „Night School“ den „sympathischen Major Reacher“ wiederzusehen. Doch leider erfüllte sich diese Hoffnung nicht.

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Wir schreiben das Jahr 1996, Jack Reacher kommt gerade von einer Geheimmission aus Ex-Jugoslawien zurück, lässt das übliche Prozedere einer Medaillenverleihung über sich ergehen und rechnet mit der Erteilung eines neuen Auftrags … der jedoch so gar nicht seinen Erwartungen entspricht: Er wird zur Schule geschickt! Genauer gesagt zu einem Kurs, der irgendwo abgelegen im Hinterland Virgians stattfindet und der die Zusammenarbeit der Behörden verbessern soll. Blödsinn natürlich. Kaum sitzt Reacher mit einem CIA- und einem FBI-Mann zusammen wird ihnen klar, dass der angebliche Kurs nur Fassade ist. In Wahrheit sollen sie als Vertreter ihrer Behörden die Hintergründe eines besorgniserregenden Zwischenfalls ermitteln, von dem jedoch kaum etwas bekannt ist: Ein Informant in Hamburg hat lediglich erfahren, dass sich der Kurier einer neuen afghanischen Terrororganisation in Hamburg mit einem namenlosen Amerikaner getroffen hat, der der Organisation etwas angeboten hat – für schlappe 100 Millionen Dollar!

Natürlich hat diese Information in Washington einige Leute alarmiert, die u.a. Reacher nun mit Nachforschungen betrauen. Dank freier Hand bei der Auswahl seiner Mitarbeiter lässt sich Reacher Sergeant Frances Neagley aus seiner Militärpolizei-Einheit zur Seite stellen, die gemeinsam mit ihm nach Hamburg fliegt, um sich dort eine Übersicht zu verschaffen. Während ihres Aufenthalts müssen sie aber enorm aufpassen, kein Aufsehen zu erregen, um einerseits ihren Informanten nicht zu gefährden oder den unbekannten Amerikaner – statistisch wahrscheinlich ein Soldat – zu verscheuchen, ehe dieser sich erneut mit dem Kurier treffen kann. Aber Aufsehen zu vermeiden, war noch nie Jack Reachers Stärke …

Fazit: Okay, beginnen wir mit dem Positiven. Mir gefiel die Darstellung der Polizeiarbeit in diesem Roman ausgesprochen gut. Die Ermittlungen fand ich sehr schlüssig, das Vorgehen – sowohl von Reacher & Neagley als auch der Hamburger Polizei – sehr professionell und zielgerichtet. Die Ermittlungsarbeit ist die treibende Kraft hinter der Story, abwechselnd mit den Schauplatzwechseln zu den Kurieren und deren Auftraggebern. Autor Lee Child hat es sehr gut verstanden, den Zeitdruck zu vermitteln, unter dem die einzelnen Personen stehen. Abwechselnd bekommt man mit, wie die Ermittler versuchen einen Rückstand aufzuholen während die Gejagten versuchen, der sich – manchmal langsamerer, manchmal schneller – zuziehenden Schlinge zu entkommen. Die Nebenereignisse – wie der Mord an einer Prostituierten, das Auftauchen hervorragender Ausweisfälschungen oder Kontakte eines Polizisten zu einem zwielichtigen deutschen Unternehmer – die nicht für jeden der Charaktere ersichtlich mit dem eigentlichen Fall zu tun haben, werden sehr gut in die Geschichte eingewoben. Das ergibt am Schluss eine schöne, runde Sache, ist wirklich gut geplant gewesen.

Als neutral erachte ich den Deal, den der Amerikaner vorschlägt. Um was es sich handelt, das er verkaufen will, werde ich in dieser Rezension nicht verraten, aber ich bin mir sicher, dass es vielen Lesern als zu weit hergeholt erscheinen mag, das das U.S. Militär auch nur die Möglichkeit offen lässt, dass so etwas auf den Markt kommt. Auch mir kam der Gedanken, dass Lee Child hier wohl diesen oder jenen Film zu oft gesehen hat. Aber so wirklich in unserer Realität ist „Night School“ wohl sowieso nicht angesiedelt. 😉

Okay, 1996, Hamburg. Zugegeben, ich war nicht dort. Und keine Zeit war jemals perfekt und wird perfekt sein, aber gerade die späten Neunziger habe ich als doch eher „gute“ Ära Mitteleuropas in Erinnerung. Wie Hamburg im Jahre 1996 aber von Lee Child in diesem Roman beschrieben wird, erinnert etwas an die Darstellung des heutigen Deutschlands durch einen gewissen Präsidenten am Bosporus. 😀 Okay, fassen wir mal zusammen: Statistisch gesehen wohnte in Deutschland 1996 in zumindest jeder 200. Wohnung ein Schwerverbrecher. Nazi-Organisationen planten einen Putsch gegen die Regierung und hatten Spitzel in der Polizei – nicht umgekehrt. Deutsche Großstadtbürger waren es gewohnt, wenn sich alle paar Tage in ihrem Umfeld eine große Explosion ereignete und gerieten nicht in Panik. Auf der Reeperbahn fanden Sodomie-Live-Shows statt … die von außen ersichtlich über Plakate in Schaufenstern beworben wurden.

Soweit so schlecht. 😀 Ich denke, diese Darstellung hat nicht viel mit der Realität zu tun, aber vielleicht irre ich mich ja auch. Allerdings will ich Lee Child hier gar nicht vorwerfen, wirklich „Fehler“ gemacht zu haben. Ich kann mir gut vorstellen, dass solche Beschreibungen Mitteleuropas bei vielen seiner amerikanischen Leser sehr gut ankommen. Schon interessant: Blicke ich auf Childs vorangegangen Romane zurück, so hat er zwar so einige amerikanische Orte beschrieben, die genauso abgründig sind wie Hamburg in „Night School“. Nur interessanterweise waren diese amerikanischen Orte dann meistens fiktiv.

Aber auch wenn man die Darstellung Hamburgs mal außen vor lässt, findet man doch so manches im Roman, das schlecht recherchiert wirkt bzw. einfach für die Ermittler günstig konstruiert. Was mir spontan einfällt ist die Lektion darüber, wie Menschen beim Entwenden eines Aktenordners aus einem Regal zwangsläufig einen Fingerabdruck auf dem Ordner daneben hinterlassen. Ich als Büroarbeiter frage mich, ob sich Lee Child der Existenz von Aktenordnern mit Griffloch bewusst ist. Ja, es gibt auch welche ohne Griffloch. Aber meiner Erfahrung nach verfügen 90 % der Aktenordner im Handel über dieses praktische Merkmal. Schon interessant wenn man bedenkt, dass Child seine Ermittler sehr gerne aufgrund statistischer Wahrscheinlichkeiten auf die richtige Spur bringt. 😉 Und auch das Öffnen einer Wohnungstür in einem deutschen Neubau mit einer Kreditkarte erschien mir nicht unbedingt glaubwürdig – aber natürlich fehlt mir in diesem Bereich jedwede praktische Erfahrung. 😉

Bewertung: Also im Grunde hat mir der Fall und die ganze Ermittlungsarbeit, wie sie im Roman geschildert wurde, sehr gut gefallen. Wie die einzelnen Handlungsstränge zusammengeführt wurden kann sich ebenfalls sehen lassen. Der Spannungsaufbau war sehr gelungen. Aber so nebenbei hatte ich als Leser ständig den Eindruck, als stolpere der Autor in einer Tour ohne es zu bemerken von einem Fettnäpfchen ins nächste wenn er die Umgebung beschreibt, in der sich Reacher bewegt. Ein Reacher, der in diesem Roman recht zwiespältig rüberkommt. Mir gefällt seine Zusammenarbeit mit der deutschen Polizei. In eine Schlägerei mit Anhängern des rechten Rands verwickelt, kommt es aber nicht so gut an, dass er auf deren Niveau sinkt und dieses nach seinem „Triumph“ sogar noch unterbietet. (Wenn Reacher wissen will, wie es sich anfühlt, einen Krieg zu verlieren, hätte er dafür nicht nach Hamburg fliegen und einen Deutschen fragen müssen; ein Army-Veteran hätte ihm das auch sagen können.)

Ich kann es nicht anders ausdrücken, aber für mich hat der Autor hier einfach zu viele schlechte Entscheidungen beim Ausschmücken getroffen, die von der eigentlich ganz unterhaltsamen Krimi-Story massiv ablenken. Das macht den Roman auch schwer zu bewerten, weil das Wesentliche ja doch ganz gut gelungen ist, das Unwesentliche aber arg aus dem Ruder gelaufen ist. Ich glaube, eine Durchschnittswertung von 3 Sternen kann ich vertreten. Ich kann mir sogar vorstellen, dass der Roman für manche Deutsche als Kuriosum oder Parallelwelt-Geschichte interessant sein könnte. 😀

3stars

Anmerkung: Neben den bislang erschienenen 21 Romanen hat Lee Child auch noch 4 Kurzgeschichten  über Jack Reacher verfasst.