Rezension: Comic – Boldly go #7 + #8

In dieser zweiteiligen Geschichte stoßen die aus der Miniserie „Starfleet Academy“ bekannten Kadetten zur Crew der U.S.S. Endeavour. Captain Kirk & Co nehmen an einer Konferenz auf dem Planeten Babel teil, zu der als Reaktion auf die Vorfälle am Beginn der „Boldly go“-Reihe auch eine romulanische Delegation eingeladen wurde.

Unnötig zu erwähnen, dass die diplomatischen Spannungen spürbar sind. Der hitzköpfige andorianische Kadett Shev, der bei einem Empfang einen Streit mit dem romulanischen Botschafter vom Zaun bricht, trägt auch nicht dazu bei, die Stimmung zu verbessern und als der Botschafter kurze Zeit später mitten in seiner Ansprache tot zusammenbricht und Doktor McCoy Gift nachweisen kann, wird aus dem Kadetten sogar ein Mordverdächtiger. Selbstverständlich sind seine Freunde – einschließlich Jaylah, die erst seit kurzem die Akademie besucht – von Shevs Unschuld überzeugt und auch Captain Kirk folgt einer anderen Spur, nämlich einem mit hoher Geschwindigkeit von Babel flüchtendem Raumschiff, das sich von der Endeavour in einem Asteroidengürtel versteckt.

Fazit: Die Geschichte bezieht ihre Inspiration vor allem aus der klassischen Star Trek-Folge „Reise nach Babel“ und auch ein wenig aus dem 6. Kinofilm „Das unentdeckte Land„. Auch im 7. und 8. Band der „Boldly go“-Reihe wird der Versuch unternommen, eine diplomatische Einigungen durch einen Mordanschlag zu sabotieren und unsere Helden sind gefordert, ein Krimi-Rätsel zu lösen und den wahren Verantwortlichen ausfindig zu machen. Dieses Schema ist sicher nicht das originellste, aber sehr gut geeignet, eine spannende Geschichte zu erzählen und nicht umsonst zählen die erwähnte Folge und der erwähnte Film zu den Favoriten der Fans.

Noch eine weitere Parallele zu „Reise nach Babel“ gibt es im Comic: Auch hier treffen wir einen Botschafter, der nicht gerade begeistert von der Berufswahl seines Sohnes ist. Wenn ihr dachtet, die Beziehung zwischen Spock und Sarek in „Reise nach Babel“ sei zerüttet gewesen, dann solltet ihr mal sehen, wie hart der andorianische Botschaft mit seinem Sohn Shev ins Gericht geht. Ansonsten kann man sagen, dass die Charaktere sehr gut getroffen wurden, in der zweiten Hälfte gibt es auch ein paar gelungene humorvolle Einlagen. Jedoch stehen nur wenige Charaktere im Vordergrund. Die Kadetten plus Neuzugang Jaylah, die Endeavour-Crew rund um Kirk sowie Spock und Uhura, die Sarek zur Konferenz begleitet haben … Sie nehmen sich gegenseitig Platz weg. So taucht Scotty, der die Kadetten als Ausbilder nach Babel begleitet, zwar ganz am Anfang auf, ist später aber gar nicht mehr zu sehen. Auch Uhura hat nicht viel zu tun. Jaylah darf sich auch nur einmal richtig in Szene setzen – wobei es gefällt, dass die Autoren Johnson und Parrot ihren Faible für Holo-Technik gut untergebracht haben. Ansonsten ist die Geschichte aber mit Figuren überladen und ein weiteres Manko bildet auch die Auflösung des Kriminalfalls. Diese fällt zwar überraschend aus, nicht so wie ich erwartet hatte, aber doch nicht zufriedenstellend. Ich erkenne ehrlich gesagt keine Möglichkeit, wie man als Leser die Identität des Mörders vor der Auflösung herausfinden könnte.

Die Zeichnungen dieser beiden Ausgaben stammen von Megan Levens. Wie Chris Mooneyham in der Ausgabe #6 feiert sie ein Star Trek-Debüt und ihr Stil gefällt mir bedeutend besser als jener von Mooneyham, stellt eigentlich fast das Gegenteil davon dar. Levens Stil zeichnet sich durch sehr klare Linien aus, die Koloration durch Sarah Stern ist kräftig, ebenfalls schön abgegrenzt. Die Klarheit des Stils erinnert vielleicht bewusst an die „Starfleet Academy“-Miniserie, Levens‘ Figuren wirken aber stärker „verniedlicht“. Ein Stil, wie man ihn eher in Comics für eine jüngere Zielgruppe findet. Nichtsdestotrotz ist es ein effektiver Stil, der nie Zweifel aufkommen lässt, welche Charaktere man gerade sieht.

Bewertung: Die Bewertung ist in diesem Fall etwas schwierig. Eigentlich wurde ich durchgehend gut unterhalten, aber die Auflösung ist bei einem Krimi natürlich sehr wichtig und hierbei überzeugt die Geschichte leider nicht. Was die Überfrachtung mit Personen angeht, hätte eine Verlängerung auf eine dritte Ausgabe der Story gut getan. Aber dafür, dass die Figuren bei ihren teilweise sehr kurzen Auftritten so gut getroffen wurden und weil mich die Gags im zweiten Teil der Geschichte sehr amüsiert haben, gebe ich doch noch eine leicht überdurchschnittliche Wertung: 4 von 6 Sterne!

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Rezension: „Star Trek – Designing Starships – Volume Two“

Das zweite „Designing Starships“-Buch von Eaglemoss setzt fort, was das erste begonnen hat und erweitert die Sammlung an Artikeln aus deren Heften, in denen es um den Entstehungsprozess der Raumschiffe geht, die wir aus den Star Trek-Serien und Filmen kennen.

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Insgesamt 33 Raumschiffe werden auch diesmal wieder auf 160 Seiten vorgestellt. Wie bei „Volume One“ handelt es sich auch diesmal wieder um ein schönes, umfangreich illustriertes Hardcover-Buch in englischer Sprache mit Schutzumschlag. Das Layout des Buchrückens ist dabei identisch mit dem des ersten Buches, nebeneinander im Regal stehend machen die beiden Bücher einen sehr schönen Eindruck. (Ich erwähne dies nur, weil es weniger selbstverständlich ist, als man meinen würde.) Natürlich ist auch die Gestaltung im Inneren vergleichbar mit dem ersten Buch bzw. mit der Gestaltung der Artikel, wie sie in den Heften von Eaglemoss dargeboten wurden. Hierbei gefällt, dass die Design-Artikel keinem zu strengen Schema folgen, die Anordnung und Auswahl von Bildern und die Textplatzierung von Artikel zu Artikel variiert und trotzdem ein zusammenhängender Look erhalten bleibt. Im Gegensatz zum ersten Buch fiel mir diesmal jedoch auf, dass der Text auf den linken aufgeschlagenen Seiten oft etwas zu nahe am Bund steht und man daher das Buch ganz schön weit öffnen muss, um alles lesen zu können.

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Soviel zur Optik des Buches, kommen wir nun aber zum Wichtigsten: dem Inhalt. Wie das Titelbild schon vermuten lässt, wird in diesem Buch der U.S.S. Voyager einige Beachtung geschenkt und dies geschieht durchaus exklusiv! Denn während im dem Eaglemoss-Modell beiliegenden Heft das Design-Kapitel nur 4 Seiten umfasst, sind der Entstehung dieses Schiffes im Buch volle 18 Seiten gewidmet! Von den ersten Skizzen und detaillierten Plänen Rick Sternbachs, alternativen CG-Entwürfen von Doug Drexler, gewagten Alternativen von Jim Martin bis hin zu Fotos eines vorläufigen Modells – dessen Design beinahe wirklich zur U.S.S. Voyager geworden wäre – findet man jede Menge Aspekte dieses Designprozesses. Und direkt auf diesen langen Artikel folgen passend auch jene zum Delta Flyer, zu Neelix‘ talaxianischen Shuttle, zur S.S. Raven, zur U.S.S. Prometheus (inklusive umfangreiche Ansichten zu allen drei separaten Einheiten wie auch zur Gesamtheit des Schiffes), zur U.S.S. Equinox und zum in der Serie nie gezeigten Aero-Shuttle, dessen Unterseite man sieben Staffeln lang nur an der Untertassensektion der Voyager erahnten konnte.

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Ebenfalls ein Objekt namens „Voyager“ steht ganz im Mittelpunkt zweier weiterer exklusiver Extras, die eigentlich bereits im Jahre 2001 für das offizielle Star Trek-Magazin erstellt wurden. Auf zusammen 18 Seiten erfährt man viel über das Design von „V’Ger“, jenem monströsen Raumschiff, zu dem die alte NASA-Raumsonde „Voyager 6“ auf ihrer Heimreise zur Erde wurde. Zu jenem Schiff aus dem ersten Star Trek-Kinofilm, dessen Erscheinungsbild wahrlich einzigartig ist, gibt es leider bislang noch kein Modell von Eaglemoss und daher ist es besonders erfreulich, dass diese beiden Artikel, die einst zur Veröffentlichung des „Director’s Cut“ des ersten Films verfasst wurden, in diesem Buch erneut nach so langer Zeit abgedruckt wurden. Syd Mead, der das Äußere von V’Ger gestaltete, und Robert McCall, der das noch fantastischere Innere erschuf, erzählen über ihre Inspiration, welchen Vorgaben sie folgen, welche Vorarbeiten getan wurden, ehe sie zum Projekt stießen usw. Über 30 Bilder – viele davon wunderschöne Gemälde, die hier großformatig abgebildet sind – ergänzen die Worte der Designer.

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Ein weiteres Thema dieses Buches sind die Raumschiffe der Romulaner, die beiden Warbirds des 24. Jahrhunderts und ihr Schiff aus dem 22. Jahrhundert. Die Ära vor der Föderation ist ebenfalls stark vertreten mit Artikeln zur Phoenix, dem NX-Alpha-Prototypen, der Intrepid, dem Frachtschiff Horizon, Xindi-Schiffen und vielen weiteren. Ein exklusiver Inhalt des Buchs geht auf die Inspektionsfähre ein, die mehrmals in „Enterprise“ zu sehen war, u.a. im Pilotfilm.

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Bekanntlich wurden die Folgen der klassischen Star Trek-Serie zwischen 2006 und 2008 einem Remastering unterzogen. Neben der Verbesserung der Bildqualität wurden auch neue Effekte erstellt, was es den Produzenten gestattete, auch neue Raumschiffe einzufügen. Zu diesen Schiffen zählen der Frachter Antares – der auf einem Design aus der 70er-Jahre-Zeichentrickserie basiert – sowie die Schiffe der Medusen und Gorn, die in diesem Buch ebenfalls vorgestellt werden.

Auch die Klingonen lassen in dieser Buchreihe erstmals ein wenig hinter ihren Tarnschirm blicken: Der Bird of Prey, der im 3. Kinofilm sein Debut feierte und seither zu den beliebtesten Raumschiffen überhaupt zählt, zeigt sich u.a. in Form eines frühen Testmodells.

Fazit: „Volume Two“ weist dieselben Stärken sowie die wenigen Schwächen des ersten Bands auf. Es ist erneut ein toll gestaltetes Buch, das informativ ist und zugleich auch einfach mal so durchgeblättert werden kann auch einige Raritäten enthält, wie die Bilder in den V’Ger-Artikeln. Zu den Schwächen: Wie schon in „Volume One“ gibt es ein paar Artikel, in denen Bilder des Endprodukts fehlen, was sich natürlich aus der Auskoppelung aus den Heften der „Offiziellen Raumschiffsammlung“ ergibt. Selten aber doch wiederholen sich Inhalte und Innendesigns werden wieder einmal kaum behandelt, nur dann, wenn die Arbeit der Set-Designer Einfluss auf das Äußere des Schiffes hatte.

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Bewertung: Erneut kann ich für ein Buch dieser Reihe 5 von 6 Sterne vergeben. Abgesehen von dem erwähnten näher an den Bund heranreichenden Text auf einigen Seiten gibt es in Sachen Gestaltung und Aufbereitung von Inhalten keine Abweichung zum ersten Buch. Diese kleine Unstimmigkeit, der wahrscheinlich am Zuschnitt der Seiten liegt, ist aber doch so gering, dass ich deshalb keinen weiteren Stern abziehen möchte. Der Text mag auf manchen Seiten dadurch schwerer lesbar sein, aber grundsätzlich ist er lesbar.

5stars

Anmerkungen:

In keinem der beiden bisher erschienenen Büchern sind Inhalte aus den „Special Edition“-Ausgaben von Eaglemoss‘ Raumschiffsammlung enthalten. Diese Modelle sind deutlich größer, ca. 20 statt 13 Zentimeter lang und das beiliegende Heft ist ebenfalls umfangreicher. Gewöhnlich sind in diesen Heften rund 15 Seiten allein dem Design des jeweiligen Schiffes gewidmet – mitunter auch mit der Gestaltung des Inneren. Gut möglich, dass diese Inhalte aus den „Special Editions“ auch in künftigen Büchern aufgrund des Umfangs unberücksichtigt bleiben werden.

Rezension: „Star Trek – Designing Starships – Volume One“

Seit ein paar Jahren veröffentlicht der Eaglemoss-Verlag regelmäßig Raumschiff-Miniaturen im Rahmen der „Official Starships Collection“. Die aus Metall und Kunststoff hergestellten Modelle sind sehr detailliert, im Durchschnitt ca. 13 Zentimeter lang und werden zusammen mit einem Begleitheft geliefert. In jedem dieser Hefte gibt es auch zumindest einen Artikel, der sich mit der Erschaffung des Schiffsdesigns beschäftigt und diese Artikel fasst Eaglemoss nun auch in Hardcover-Büchern zusammen, die aber auch neue Inhalte aufweisen, die in den Begleitheften nicht enthalten sind.

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Das erste von bislang zwei derartigen Büchern erschien im Herbst 2016. Während die Hefte sowohl auf Englisch als auch Deutsch herausgebracht werden, erscheinen diese Hardcover-Bücher nur in englischer Sprache und sind meines Wissens auch ausschließlich über die Online-Shops von Eaglemoss erhältlich. An dieser Stelle möchte ich „Volume One“ präsentieren, das auf 160 Seiten Licht auf den Entstehungsprozess von über 30 Raumschiffmodellen – sowohl physische Filmmodelle als auch computergenerierte Modelle – wirft.

Das Buch ist vollgestopft mit Entwurfsskizzen, Fotos, Renderings und Screenshots, die gemeinsam mit dem Text, in dem die Designer zu Wort kommen, einen tollen Blick hinter die Kulissen und in die Art Departments ermöglichen. Nahezu aus erster Hand erfährt man die Gedanken der Designer, was sie inspiriert hat, diesem oder jenem Schiff diese besondere Form zu geben, welche Vorgaben sie hatte, welche Elemente von den Effektstudios ergänzt wurden etc. Das Buch enthält Werke und Erläuterungen von Matt Jeffries, Andy Probert, John Eaves, Alex Jaeger, Bill George, Nilo Rodis, Dan Curry, Herman Zimmerman, Rick Sternbach, Rob Bochune, Doug Drexler und vielen weiteren Personen, die an der Umsetzung der Schiffe für die Serien und Filme gearbeitet haben und ihre Kreativität einfließen ließen.

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Zu den mehr als 30 Schiffen in „Volume One“ gehören ausführliche und stark illustrierte Artikel zu allen prominenten Schiffen namens Enterprise (außer Enterprise-J, die in „Volume Two“ behandelt wird). Weitere bekannte und beliebte Schiffe wie die Reliant, die Excelsior, die Stargazer, die Akira, die Centaur wie auch Schiffe der Borg und der Vulkanier werden erläutert. Botany Bay, ECS Fortunate, bajoranischer Solarsegler, die Dauntless, Schiffe der Krenim, Malon, Spezies 8472 (besonders ausführlich!!!) und Hirogen … sie alle und noch viel mehr findet man in diesem Buch.

Zu den exklusiven Inhalten, die man nicht in den Heften findet, gehören Artikel zu drei Shuttles sowie zu zwei Enterprise-Schiffen, die es nicht auf die Leinwand oder den TV-Schirm geschafft haben, denn in den 1970ern wurden weder der Film „Planet of the Titans“ noch die Serie „Phase II“ umgesetzt.

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Fazit: Obwohl es sich bei diesem schön gestalteten Hardcover-Buch mit Hochglanzumschlag „nur“ um eine Sammlung von Artikeln aus mehreren Heften und einigen exklusiven Extras handelt, merkt man dies beim Lesen kaum. Bei Vergleichen zwischen Designs kann es schon mal vorkommen, dass eine Anekdote mehr als einmal erzählt wird, aber sowas ist wirklich nur die Ausnahme und keinesfalls die Regel.

Generell lässt sich sagen, dass „Designing Starships“ im selben Stil gehalten ist, wie andere Design-Bücher zum Thema „Star Trek“, wenngleich der Fokus allein auf Raumschiffe schon etwas Besonderes ist. Bücher wie „Star Trek Design“ oder das TNG-Movie-Sketchbook und TOS-Skizzenbuch behandeln zwar ebenfalls Raumschiffe, aber auch Requisiten, Sets und Kostüme. Stichwort Sets: Wenn etwas in „Designing Starships“ zu kurz kommt, dann das Innere der Schiffe. Dieses Thema wurde weitestgehend ausgespart. Ebenfalls bei manchen Artikeln ein Manko ist das Fehlen eines Bildes des finalen Designs des Schiffes. In den Heften gibt es eigene Seiten, die das fertige Schiff aus verschiedenen Perspektiven zeigen. Manchmal wäre es ganz schön gewesen, im Buch zwischen Entwurf um Umsetzung direkt vergleichen zu könne. Diese Seiten hätte man vielleicht auch noch ins Buch aufnehmen können. Es sind aber sicher weit weniger als ein Viertel der Artikel, denen ein Bild des fertigen Schiffes fehlt.

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Bewertung: Ich finde, der Inhalt dieses Buches ist sehr gut zusammengestellt, gut aufeinander abgestimmt, so dass es sich sowohl in einem durch lesen lässt, aber auch als Nachschlagewerk dienen kann. Die Artikel sind informativ und wenn sogar jemand wie ich – der seit Jahrzehnten jede Skizze und jeden Design-Entwurf zu Star Trek studiert, der mir unterkommt – noch neues Bildmaterial findet, dann sagt das sehr viel über dieses Buch aus. Wie erwähnt hat es kleinere Mankos aufgrund der Tatsache, dass es sich eigentlich um eine Artikelsammlung handelt, aber die exklusiven Inhalte zu den Shuttles, „Phase II“ und „Planet of the Titans“ gleichen diese sehr gut aus, wenn auch nicht ganz. Eine etwas nähere Beleuchtung des Innendesigns jener Schiffe, von denen man das Innere kennt, wäre wirklich eine notwendige Ergänzung gewesen. Daher gibt es „nur“ 5 von 6 Sterne. (Auch weil das Buch für die überschaubare Seitenzahl ein bisschen teuer ist.)

5stars

Anmerkungen:

In keinem der beiden bisher erschienenen Büchern sind Inhalte aus den „Special Edition“-Ausgaben enthalten.  Diese Modelle sind deutlich größer, ca. 20 Zentimeter lang und das Heft ist ebenfalls umfangreicher. Gewöhnlich sind in diesen Heften rund 15 Seiten allein dem Design des jeweiligen Schiffes gewidmet – mitunter auch mit der Gestaltung des Inneren. Gut möglich, dass diese Inhalte aus den „Special Editions“ auch in künftigen Büchern aufgrund des Umfangs unberücksichtigt bleiben werden.

Dass es zumindest noch ein drittes Buch geben wird, halte ich für wahrscheinlich, denn auffallend in den ersten beiden Büchern ist das Fehlen von fast allen klingonischen Schiffen (Ausnahme: der Bird of Prey in Volume Two). Diese dürften wohl als Aufhänger für ein drittes Buch dienen, das vielleicht im Herbst 2017 erscheint, wenn man weiterhin halbjährlich ein Buch veröffentlichen will. Inhalte gibt es genug, denn bis zum Herbst wird Eaglemoss zumindest in Großbritannien bereits über 100 Schiffe herausgebracht haben.

Ich selbst stelle mir gerade eine eigene kleine Sammlung zusammen und werde diese Schiffe zukünftig auch auf meinem Blog rezensieren.

Rezension: Comic – „Starfleet Academy“

Die Abenteuer der Kadetten der Sternenflottenakademie werden schon über lange Zeit regelmäßig in der Star Trek-Literatur thematisiert. Vor allem in den 90er-Jahren gab es so einige Spin-Offs mit dem Titel „Starfleet Academy“, zum Beispiel eine dreiteilige Romanreihe über SpockMcCoy und Kirk und auch über die TNG-Ära-Charaktere. Auch Comics von Marvel und DC beschäftigten sich mit den Kadetten der Sternenflotte. William Shatner und das Autorenduo Reeves-Stevens verfassten ebenfalls den (leider nie fortgesetzten) Beginn einer neuen Romanreihe namens „Academy“. Infolge des 11. Kinofilms von 2009 erschienen dann weitere vier „Starfleet Academy“-Romane. Und schließlich Anfang 2015/Ende 2016 nahm sich auch der aktuelle Star Trek-Comicverlag IDW dieses Themas an und veröffentlichte eine neue, fünfteilige Miniserie namens „Starfleet Academy“, deren Handlung ebenfalls in der neuen Zeitlinie angesiedelt ist.

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Abwechselnd erzählt die Miniserie von Erlebnissen zweier Gruppen von Kadetten. 2258 möchte Kadettin Nyota Uhura zu einem sonderbaren Signal Nachforschungen betreiben, das sie während ihrer Studien im Langstreckenkommunikationslabor der Akademie auffängt. Doch die Weigerung ihrer Vorgesetzten – drunter Ausbilder Spock – sie dabei zu unterstützten, lässt sie auf eigene Faust handeln. Doch dazu benötigt sie die Hilfe durch weitere Kadetten. Kadett Chekov gelingt es, den Ausgangspunkt des Signals herauszufinden: das Sonnensystem Wagner-219. Doch um die aus unerklärlichen Gründen als geheim eingestuften Informationen über dieses System abzurufen, benötigt Uhura die Hilfe eines anderen Kadetten, der es mit den Vorschriften etwas weniger genau nimmt als Chekov …

2261 steht das 100-Jahr-Jubiläum der Akademiegründung an, was für die vulkanische Kadettin T’Laan jedoch von keinem großen Interesse ist, hat sie doch entschieden, ihr Studium abzubrechen und nach Neu-Vulkan zu gehen, um dabei zu helfen, die neue Kolonie aufzubauen. Einer ihrer Professoren überredet T’Laan jedoch dazu, ihre Entscheidung noch etwas aufzuschieben und an einem zum Jubiläum ausgetragenen Wettbewerb teilzunehmen, an dem Studenten verschiedenster Schulen der Föderation teilnehmen. Der Professor hofft, dass T’Laan vom Teamgeist angesteckt wird und einige neue, interessanten Facetten des Akademielebens kennen lernt. Tatsächlich verläuft der Wettbewerb sehr abwechslungsreich und mit einigen Überraschungen, wofür auch T’Laans Teamkameraden sorgen: das wandelnde Lexikon Lucia Gonzales, der andorianische Heißsporn Shev, die Pilotin Grace Chen und der Medizinstudent Vel K’Bentayr vom Planeten Monchezke. Aus dem Wettbewerb wird jedoch ein Ernstfall, als das Team mit einem Shuttle in den Randbereich des Sonnensystem Wagner-219 gerät und dort das selbe Signal auffängt, wie einst Kadettin Uhura …

Fazit: Die Miniserie überzeugt mit zwei sehr interessanten, zeitlich getrennten aber parallel erzählten Handlungssträngen, wenngleich das „Geheimnis“, was es mit dem Signal auf sich hat und wohin die Geschichte schließlich führen wird, schon sehr früh gelüftet wird. Das hätte man geschickter verstecken können. Dennoch ist auch der Weg hin zum Ziel die Lektüre wert. Die Charaktere – von denen es nicht gerade wenige gibt – sind mehr als ausreichend bis sehr gut definiert. Vor allem T’Laan und Lucia kommen sehr sympathisch  rüber und die Canon-Charaktere im 2258er-Handlungsstrang sind durch die Bank hervorragend getroffen. Durch die ganze Geschichte zieht sich ein toller Wortwitz, die Dialoge zwischen Kirk und Uhura folgen ganz dem Stil ihrer verbalen Auseinandersetzungen im Kinofilm. Auch Vel K’Bentayr sorgt für viel Humor mit seiner Eigenart, Offensichtliches auszusprechen, da verbale Kommunikation für ihn noch neu ist. Inhaltlich ist mir sonst nur ein kleiner – aber unwesentlicher Fehler – aufgefallen: Eine bestimmte Zeitspanne wird einmal mit 47 Tagen angegeben, etwas später mit 61 Tagen.

Die Zeichnungen von Derek Charm sind sehr interessant. Vorweg sei festgehalten, dass Charm zuvor noch keinen Star Trek-Comic illustriert hatte, nur eine handvoll alternative Cover für die „Ongoing„-Reihe beigesteuert hat. Sein Stil ist also für den Star Trek-Comic-Leser etwas Neues, aber man gewöhnt sich schnell daran. Ich kann auch nicht genau sagen, woran es liegt, aber seine Zeichnungen vermitteln zur selben Zeit den Eindruck, „einfach“ gehalten zu sein, aber sind doch vollgestopft mit Details. Ich glaube, er legt einfach sehr bewusst den Fokus auf das Vordergründige und belässt es bei Hintergründen oft bei Formen, Farben und einigen besonderen Highlights. Ein interessanter Stil, der aber das Wiedererkennen von Personen und Schauplätzen in keinster Weise behindert. Im Gegenteil erkennt man sofort jeden Charakter, jede Spezies und jeden Schauplatz aus den Star Trek-Serien und -Filmen sofort wieder, trotz mancher Vereinfachung. Die gewählten Motive sind in der gesamten Miniserie sehr stimmig gewählt, ich konnte hier – anders als bei einigen der frühen „Ongoing“-Comics – kein „Entleihen“ von unpassenden Elementen erkennen.

Inhaltlich ist wirklich alles stimmig, eindeutig ein Spin-Off zum neuen Star Trek-Universum und doch gibt es viele Elemente in diesem Comic, die aus den anderen Serien und Filmen stammen und doch einfach perfekt in die Szenerie passen. Ich würde sogar so weit gehen und den Comic „Starfleet Academy“ als Suchbildrätsel für langjährige Trekkies bezeichnen. Als solcher findet man jede Menge kleine Gimmicks: Kadett Kirk trägt beispielsweise in der Trainingshalle am Handgelenk ein Gerät, das genauso aussieht wie die Handgelenkskommunikatoren in „Star Trek – Der Film“. Ebenfalls aus dem ersten Film stammen die „Rüstungen“ der Sicherheitswächter. In seiner Freizeit trägt Kirk dieselbe Jacke wie sein Prime-Universum-Gegenstück in „Star Trek III – Auf der Suche nach Mister Spock“. Viele außerirdische Spezies aus den diversen Star Trek-Filmen säumen den Campus der Akademie und in einer Bar – wo sonst? – sehen wir einen Lurianer sitzen, womöglich ein Vorfahre von Morn aus „Deep Space Nine“.  Und sogar Phylosianer und Kzinti aus der Zeichentrickserie treten in Erscheinung. Aus „Enteprise“ sehen wir ebenfalls einige Spezies – Denobulaner, Rigelianer, Coridaniten etc. – und ab einem Rückblick in die Anfangszeit der Sternenflotte stellt Zeichner Derek Charm die von mir auch optisch sehr gemochte „Enterprise“-Ära umfassend dar. Hier fällt jedoch ein Zeichenfehler auf: Die Crew des NX-Klasse-Schiffs Slayton hat auf ihren Overalls dort, wo das Schiffsabzeichen sein sollten, nur einen weißen Kreis. Als ob diese Stelle freigehalten worden wäre, um ein Abzeichen einzufügen, dies aber vergessen worden wäre.

Bewertung: Was Geschichten über die Kadetten der Sternenflotteakademie angeht, war ich sehr lange Zeit skeptisch, konnte mir nicht vorstellen, dass so etwas interessant wäre. Geprägt wurde meine Einstellung bestimmt durch zwei enorm schwache TNG-Kadetten-Romane, die ich den 90er-Jahren gelesen habe. Doch seit dem Kinofilm von 2009 ist das ganz anders und genau hier setzt auch die Comic-Miniserie an. Visuell wie auch von der vermittelten Stimmung her. Dass auch die „Enteprise“-Ära in die Story verwoben wurde, ist ein zusätzlicher Pluspunkt. „Starfleet Academy“ unterhielt mich wirklich hervorragend, vor allem dank des hohen Humorgehalts, aber auch mit einer klassischen Abenteuerstory, deren Offenbarung aber ein wenig zu früh vorweg genommen wurde. An den Zeichenstil gewöhnt man sich wie gesagt schnell und die vielen keinen und großen visuellen Anspielungen sind eine tolle Sache für Fans. Ich geben der Miniserie gute 5 von 6 Sterne! 

5stars

Rezension: „Star Trek Kostüme“

„Star Trek“ und „Design“! Wann immer sich diese beiden Themen in einem Buch vereinen, ist mein Interesse geweckt. Das Star Trek-Franchise hat in Sachen Design ja auch jede Menge zu bieten mit über 700 Folgen und inzwischen 13 Kinofilmen und Hunderten Leuten, die ihre kreative Kraft in deren Erschaffung gesteckt haben. Ich selbst habe mich schon immer sehr für die Miniaturen, die Sets und Requisiten interessiert. Aber auf das Kostümdesign habe ich meine Aufmerksamkeit bislang nur in geringem Maße gerichtet. Das mag damit zusammenhängen, dass mir das Handwerk zur Herstellung von Bekleidung nicht allzu gut geläufig ist. Materialien und Techniken sind mir nicht sehr vertraut, doch dank dem Buch „Star Trek Kostüme“ kann ich nun auch die Textilarbeit in den Star Trek-Filmen und -Serien so richtig wertschätzen!

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Meinen anfänglichen Vorbehalten gegen das Thema „Kostüme“ ist es geschuldet, dass ich eine Weile gewartet habe, ehe ich mir das Buch zugelegt habe. Die englische Originalfassung von Paula M. Block und Terry J. Erdmann – die bereits einige andere Star Trek-Sachbücher verfasst haben wie beispielsweise die 365-Seiten-Bücher zu TOS und TNG – erschien im Jahr 2015. Erst kürzlich habe ich jedoch positiv überrascht festgestellt, dass ein Jahr später eine deutsche Übersetzung erschien und zwar vom mir bislang völlig unbekannten Verlag „Zauberfeder“. Dem Programm nach bislang auf Fantasy- und Rollenspiel-Literatur spezialisiert, scheint sich dieser Verlag in jüngster Zeit auch Sachbüchern zu TV- und Kino-Produktionen zu widmen. Lange sind die Zeiten vorbei, in denen uns der Heel-Verlag verlässlich mit deutschen Übersetzungen von Star Trek-Sachbüchern versorgte, insofern ist es wirklich schön, dass „Zauberfeder“ sich entschieden hat, dieses hochwertige Hardcover-Buch auch hierzulande herauszubringen.

Im Hardcover befinden sich über 250 dicke Seiten, vollflächig bedruckt mit Hunderten Fotos von Kostümen, Behind-the-Scenes-Fotos, einigen Screenshots aus den Serien und Filmen sowie vielen Entwurfsskizzen. Die Masse an Bildmaterial ist absolut beeindruckend! Vor allem wenn man bedenkt, dass daneben auch noch genau das richtige Maß an erläuterndem Text enthalten ist. Nicht zu wenig und damit zu oberflächlich, aber auch nicht zu viel, um in einer Wüste aus Fachbegriffen zu Enden. Für mich als Laien auf dem Gebiet der Textilverarbeitung waren die Texte sehr gut verständlich und mit interessanten Erklärungen zu den verwendeten Stoffen, Schnitten und Accessoires versehen. Und als jemand, der allgemein in Sachen Design doch ein gewisses Grundwissen hat, fand ich die Texte ebenfalls sehr spannend zu lesen. Der Text ist eine Mischung aus allgemeiner Einleitung zu jedem Themenschwerpunkt und direkter Rede. Alle leitenden Kostümdesigner der Serien- und Filme kommen zu Wort, beschreiben ihre Herangehensweisen, ihre Vorlieben, welchen Vorgaben sie folgten, welche neuen Entwicklungen es zur damaligen Zeit gab, was sie bis zu ihrem Star Trek-Engagement geprägt hat etc.

Nach einem Vorwort von Robert Blackman – der so lange wie kein anderer für Star Trek-Produktionen in der Kostümabteilung gearbeitet hat – gliedert sich das Buch folgendermaßen nach Serien und Filmen:

The Original Series: Natürlich geht es um die klassischen Uniformen, aber klarerweise auch um die berühmten sexy Outfits, die William Ware Theiss für die Darsteller entworfen hat. Neben Theiss kommen auch diese zu Wort, wie Michael Forest (Apoll), Barbara Luna (Marlena aus dem Spiegeluniversum), Tanya Lemani (Bauchtänzerin aus „Der Wolf im Schafspelz“) und erzählen, wie es war, diese Kostüme zu tragen. 30 Seiten des Buches sind der klassischen Serie gewidmet.

Die Kinofilme zur Original Series: Auf den folgenden 54 Seiten geht es um die ersten sechs Kinofilme und vorrangig die Arbeit von Robert Fletcher, der eigentlich Theaterkostüme erstellte, nur einen einzigen Kinofilm in seinem Lebenslauf hatte ehe er angeheuert wurde, für den ersten Star Trek-Kinofilm die Kostüme zu erstellen – wie auch für die folgenden drei. 10 Seiten sind allein dem ersten Kinofilm gewidmet, der ja visuell einiges zu bieten hatte und mit vielen neuen Kostümen und Ideen aufwartet. Der darauffolgenden „Trilogie“ werden dann weitere 28 Seiten eingeräumt, wobei „Zurück in die Gegenwart“ etwas kurz kommt, allerdings durch das zeitliche Setting auch weniger ausgefallene Mode bedurfte. Nach Fletcher übernahmen Nilo Rodis-Jamero und Dodie Shepard für die nächsten beiden Filme. Rodis-Jamero liefert dabei einen interessanten Einblick, wie eine allgemeine Design-Ausbildung zur Beschäftigung in vielen unterschiedlichen Sparten führen kann – auch abseits des Filmgeschäfts.

Das nächste Jahrhundert: „The Next Generation“ hatte im Laufe der Zeit mehrere Designer. William Ware Theiss kehrte für die erste Staffel zum Franchise zurück, entwarf die berühmt-berüchtigten Spandex-Uniformen, die eine Herausforderung für die Darstellerriege waren, wie sich u.a. Jonathan Frakes (Commander Riker) erinnert. Durinda Rice Wood übernahm dann die zweite Staffel und erschuf dabei einige Desgins, die länger Bestand haben sollten als Theiss‘ TNG-Arbeit. Zwar durfte sie die im Jahr davor teuer erstellten Sternenflotten-Uniformen nicht verändern (sie hätten Wesley Crushers Kadettenuniform der 2. Staffel geähnelt), aber sie entwarf u.a. Guinans Kleidung samt Riesenhut, die Borg-Anzüge, Trois verbesserten Einteiler und Worfs neue Schärpe – aus Teilen, die sie im Baumarkt gekauft hatte. Der Beginn der 3. Staffel läutete dann Robert Blackmans Ära ein, der dem Franchise bis zum Ende von „Enterprise“ erhalten bleiben sollte und der verantwortlicher Kostümdesigner für 23 Serienstaffeln werden sollte. Blackman durfte etwas bequemere Uniformen entwerfen und auch enorm aufwändige Kostüme für Gastdarsteller wie die Outfits von Famke Janssen (Kamala in „Eine hoffnungslose Romanze“) oder die abwechslungsreichen Kleider von Majel Barrett (Lwaxana Troi). Dies alles wird präsentiert auf 24 Seiten.

Das nächste Jahrhundert – Die Spielfilme: Auf 30 Seiten werden die nächsten vier Kinofilme behandelt. Für „Treffen der Generationen“ – das in Sachen Kostüme sicher durch die Marineuniformen und die offenherzigen Rüstungen der weiblichen Klingonen besticht – steuerte Blackman ebenfalls Designs bei. Jedoch nicht für neue Sternenflotten-Uniformen, die entworfen und abgesegnet waren, an deren Umsetzung er aber scheiterte. Blackmann entwarf hingegen die Uniformen, die von „Der Erste Kontakt“ an bis „Nemesis“ getragen wurden – einschließlich die weißen Galauniformen. Im achten Film übernahm die Hauptarbeit aber Deborah Everton, die nicht nur die Borg massiv überarbeitete (ihr schwebten offenbar noch weitere Änderungen vor, was Ricardo Delgados Herangehensweise ähnelte), sondern auch Raumanzüge und die Mode des 21. Jahrhunderts entwarf – mit dem interessanten Aspekt, dass die Kleidung des Enterprise-Außenteams auf der Erde der Vergangenheit etwas anders aussah – und Kostüme für ein Dixon Hill-Holodeck-Abenteuer. Auch den vulkanischen Roben gab Everton einen neuen Twist, auch wenn davon nicht alles auf der Leinwand zu sehen war. Die Kostüme in „Der Aufstand“ wurden von Sanja Milkovic Hays entworfen (die später zu Regisseur Justin Lins bevorzugter Kostümdesignerin werden und somit auch die Darsteller in „Star Trek Beyond“ einkleiden sollte). Wieder gab es Zivilkleidung zu entwerfen wie auch die Kleidung der Son’a und den von ihnen unterworfenen Spezies. Bob Ringwood steuerte dann für „Nemesis“ das düstere und zugleich schillernde Outfit der Remaner bei wie auch Deanna Trois Hochzeitskleid und er ließ die Romulaner sich von den grauenvollen „Schulterpolstern auf Steroiden“ verabschieden und gab der romulanischen Flotte etwas retro angehauchte Uniformen.

Die Spin-Off-Serien: Der vielleicht größte Kritikpunkt an diesem Buch: „Deep Space Nine“, „Voyager“ und „Enterprise“ müssen sich 48 Seiten teilen, von denen sich allein DS9 stolze 22 krallt, für VOY bleiben nur 8 übrig (die u.a. aber zumindest Sevens spektakulären Silber-Catsuit behandeln). Der Rest entfällt auf ETP bzw. Allgemeines. Gerade zu ETP – das die Designsprache gegenüber den vorherigen Serien ja radikal änderte – hätte ich mir deutlich mehr gewünscht, aber zumindest wird das Redesign-Thema gut im Text behandelt, die neuen Uniformen sind sehr ausführlich beschrieben und es ist erstaunlich, wie der Stoff für die Suliban-Uniformen hergestellt wurde.

Der Neubeginn: Und abgeschlossen wird das Buch mit Michael Kaplans Arbeiten zu „Star Trek“ und „Star Trek Into Darkness“. („Beyond“ befand sich noch in Produktion als das Buch in den USA erschien und „Discovery“ wurde überhaupt erst danach angekündigt.) Auf 28 Seiten bekommen wir einen Einblick in den Design- und Produktionsprozess von Kaplans Kostümen. Man erfährt viel über Kaplans Herangehensweise, die ikonischen Designs für die große Leinwand zu adaptieren, neue Richtungen einzuschlagen, seine Vorliebe für Texturen etc. Ergänzt wird dieses Kapitel wie alle anderen durch jede Menge Detailaufnahmen und Skizzen, u.a. auch von Kaplans Lieblingsdesign: die Winterkleidung des alten Spock mit der Kugelförmigen Kapuze, die mittels Magneten zusammengehalten wurde und sich zu einem Pelzkragen öffnen ließ.

STKostueme_BackBewertung: Ich bin von diesem Buch absolut begeistert! Auf den über 250 Seiten taucht man in die Welt der Star Trek-Kostümdesigner ein, erfährt sehr unterschiedliche persönliche Ansätze, lernt ein bisschen was über Materialien (manche von denen gibt es gar nicht mehr oder wurden in einem aufwändigen Verfahren extra hergestellt) und erfährt die Meinungen von Regisseuren und Darstellern der Serien und Filme. Die Bilder sind hervorragend ausgewählt und sehr gut beschrieben, passen immer zum Thema des Fließtextes, der durch den Wechsel zwischen direkter und indirekter Rede sehr flüssig zu lesen ist und auch sehr gut ins Deutsche übersetzt wurde. Der einzige Layout-Fauxpas ist aber ausgerechnet auf der Rückseite des Buches passiert: Dem verwendeten Schriftsatz fehlten ein korrektes „ß“ und „ö“. Aber wer achtet schon auf den Werbetext wenn direkt daneben Leslie Parrish ihre „futuristisch-antike“ Robe präsentiert. 😉

Wer sich für die Themen „Star Trek“ und „Design“ genauso sehr interessiert wie ich, der sollte sich dieses Buch unbedingt besorgen! Es reiht sich perfekt in die Riege früherer großartiger Design-Bücher ein und verdient wie diese locker 6 Sterne. Auch wenn wie gesagt zu den Spin-Off-Serien etwas mehr Material hätte enthalten sein dürfen.

6stars

Hier eine Auflistung der weiteren von mir rezensierten Star Trek-Design-Bücher:

Und Making-of-Bücher, die auch Design-Themen behandeln:

Auch das Making-of-Buch zu „Der Erste Kontakt“ ist sehr empfehlenswert, jenes zu „Der Aufstand“ etwas weniger.

Rezension: Star Trek – The official Guide to our Universe

„Die echte Wissenschaft hinter den Raumschiff-Reisen“ verspricht dieses sehr schön gestaltete Hardcover-Sachbuch der bekannten National Geographic-Gesellschaft. Wissenschaftskolumnist Andrew Fazekas stellt hier das in „Star Trek“ gezeigte mit der Realität oder zumindest dem derzeitigen Wissenstand über Planeten, Nebel, Galaxien, Quasare usw. gegenüber. William Shatner (Captain Kirk) steuert ein kurzes Vorwort bei.

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Das Buch ist in fünf große Kapitel unterteilt. Kapitel 1 widmet sich dem irdischen Sonnensystem, seinen Planeten, ihren Umlaufbahnen um die Sonne, Monden und Kometen. In Kapitel 2 geht es vorrangig um Planeten außerhalb unseres Sonnensystems und um die Möglichkeit fremden Lebens. Kapitel 3 widmet sich dem Sternenhimmel, den verschiedenen Arten von Sonnen und ihren Lebensphasen. Regelmäßig durchfliegen Raumschiffe in „Star Trek“ verschiedenste Nebel und um dieses Phänomen dreht sich alles im 4. Kapitel, ehe es zum Schluss noch um die verschiedenen Arten von Galaxien und Sternencluster geht.

Der Aufbau des Buches ist recht geschickt, so beginnt jedes Kapitel mit einer generellen Einleitung und geht dann nach und nach auf z.B. Mars, Jupitermonde, Rote Riesen, Supernovae, Emissionsnebel etc. ein, indem zuerst Abenteuer aus den Star Trek-Serien oder  -Filme genauer beschrieben wird, welche Rolle das jeweilige kosmische Objekt darin gespielt hat und welche Eigenschaften ihm zugeschrieben wurde. Auf den folgenden Seiten wird dann wiedergegeben, was die Wissenschaft aktuell darüber weiß. Das ganze Buch ist dabei reich illustriert mit Bildern aus den Serien und Filmen als auch Aufnahmen von Weltraumteleskopen, künstlerischen Interpretationen und aufwändig gestalteten Grafiken zu den verschiedenen Themenbereichen. Eine Sternenkarte nach jedem Abschnitt zeigt, wo Interessierte das beschriebene Objekt oder Vergleichbares am Nachthimmel entdecken können.

Vielleicht als Auflockerung gedacht werden auch immer wieder mal weitere Informationen zum „Star Trek“-Universum eingestreut. Manchmal in Form kleiner Info-Kästen, die die fiktiven Entwicklungen wie den Universalübersetzer, Daten-PADDs, das Beamen, künstliche Intelligenz, Holodecks – mit dem aktuellen Stand der Technik vergleichen und bewerten, wie nahe wir gegenwärtig schon dran sind. Dabei empfand ich den Maßstab, der zu den jeweiligen Einschätzungen führt, allerdings nicht sehr konsistent. Manchmal wurden vage Ähnlichkeiten heutiger Technologie erwähnt, aber als nicht vergleichbar betrachtet, in anderen Fällen als sehr nah dran an dem, was „Star Trek“ gezeigt hat.

Ohne im Zusammenhang mit den eigentlichen Kapitel zu stehen, gibt es auch immer wieder mal Doppelseiten zum „Star Trek“-Universum, die stark bebildert ausgesuchte Raumschiffe, Raumstationen, Außerirdische, Waffensysteme, Kommunikatoren und weiteres kurz vorstellen. Nichts, was einem Fan der Serien und Filme nicht schon bekannt wäre, aber hin und wieder ist mal ein neues hochauflösendes Foto eines Requisits, eines Modells oder einer Maske dabei, das man noch nicht gekannt hat.

Fazit: Nun, an der Aufmachung des Buches gibt es nichts zu bemängeln, es ist gut strukturiert, die erwähnten Einstreuungen von zusätzlichen Infos sind zwar etwas sonderbar platziert, lenken aber nie vom eigentlichen Thema das jeweiligen Kapitels ab, in denen Andrew Fazekas uns das Weltall näher bringt. Doch muss ich gestehen, dass das Buch nicht ganz meine Erwartungen erfüllt hat. Ich habe natürlich nicht erwartet, dass mir als langjähriger Fan etwas Neues über die im Buch erwähnten Filme und Serien erzählt wird. Allerdings hatte ich mir doch ein bisschen Inspiration durch die realwissenschaftlichen Beiträge im Buch erhofft. Diese ist aber weitestgehend ausgeblieben, der Text ist doch sehr nüchtern verfasst und transportiert nicht so recht die Faszination für die Tiefen des Weltraums. Klar, der Informationsgehalt ist durchaus hoch – aber auch hier kommt es auf die Zielgruppe an. Denn hat man einmal drei oder vier Weltraum-Dokumentationen gesehen, erzählt einem das Buch nicht viel Neues.

Zugutehalten kann man dem „Official Guide to our Universe“ jedenfalls, dass er sehr verständlich geschrieben ist. Das Buch ist bislang nur auf Englisch erschienen und wenngleich ich diese Sprache ganz gut beherrsche, ist es doch eine Fremdsprache für mich und vor allem Fachbegriffe – egal aus welcher Fachrichtung – können Text leicht mal unverständlich machen. Das blieb jedoch aus, der Text war mit meinen Englischkenntnissen gut verständlich, ist absolut für Laien geeignet. Aber ob sich ein Laie durch die zwar einfach formulierte aber sehr sachliche Beschreibung unseres Universums faszinieren lässt, ist wiederum eine andere Frage.

Bewertung: Wie es aussieht, muss ich mir auch in Zukunft die exotischen Schauplätze in meinen FanFiction-Romanen selbst ausdenken. 😉 Fazekas Buch hat leider nicht sonderlich viel dazu beigetragen, meine Fantasie anzuregen. Allerdings will ich das Buch deshalb nicht generell schlecht reden: Es ist informativ und wenn man das „Star Trek“-Universum nicht in- und auswendig kennt, noch sich bislang viel mit dem Thema Weltraum an sich auseinandergesetzt hat, bekommt man hier einen Crash-Kurs serviert, der einen an beide Themenbereiche heranführt. Ich kann nicht einschätzen, ob diese relevante Zielgruppe groß ist, daher bewerte ich das Buch hier nur für mich selbst und gebe ihm 3 von 6 Sterne.

3stars

Rezension: Comic – Boldly go #6

Konzentrierte sich die 5. Ausgabe der „Boldly go“-Reihe ganz auf Jaylahs Werdegang, richtet sich der Fokus der Handlung nun wieder auf die Abenteuer von Captain Kirk an Bord der U.S.S. Endeavour. Nach den Ereignissen des vierteiligen Auftakts der Reihe, muss Captain Kirk Ersatz für seine Erste Offizierin Valas finden und bietet Sulu den Posten an, der diesen akzeptiert.

Boldlygo6

Einen Monat später hat sich Sulu bereits an Bord eingelebt und die Endeavour nimmt die Erkundung einer bislang nur als theoretisch angenommen Raumanomalie – eines „weißen Loches“ – vor. Die Crew ist fasziniert von den Möglichkeiten, mehr darüber herauszufinden und bereitet eine Raumsonde vor. Die Vorbereitungen werden jedoch abrupt unterbrochen, als ein Mitglied der Crew – eine Andorianerin namens Hila – Sabotage betreibt. Nach ihrer Gefangennahme behauptet sie lediglich, zum Wohle der Crew gehandelt zu haben, die sich der Gefahr der Anomalie nicht bewusst sei. Da sie nicht preisgeben will, woher sie ihre Informationen hat, beschließt Kirk die Erforschung fortzusetzen, doch schon bald beginnt das Weiße Loch Aktivität zu entfalten, die zwar anfangs nicht gefährlich wirkt, aber angesichts von Hilas Behauptungen doch für Beunruhigung sorgt …

Fazit: Nach dem sehr guten Auftakt-Vierteiler und der meiner Meinung nach großartigen Jaylah-Story liefert die neue „Boldy go“-Reihe in der sechsten Ausgabe die erste deutlich schlechtere Geschichte ab. Die Intention mag zwar gut gemeint gewesen sein: Immerhin werden Kirk & Co hier erstmals „Opfer“ einer Art Obersten Direktive, die sie selbst gegenüber anderen schon angewendet haben. Die Ironie kommt aber nicht so recht zu tragen, was wohl daran liegt, dass der Crew der Endeavour Informationen vorenthalten werden und sie im Grunde nur Beobachter sind, wenn sich Hila auf eigene Faust aufmacht, gegen die durch die Anomalie auftretende Gefahr vorzugehen. In dieser Geschichte agiert Kirk für meinen Geschmack auch etwas zu naiv. Klar, von ihm stammen die Worte „Risiko ist unser Geschäft“, aber nach den ersten Auffälligkeiten wäre ein Rückzug auf eine etwas sicherere Distanz zum Weißen Loch doch angebracht gewesen, wenn man ohnehin eine Sonde hineinschicken will. Dramaturgisch gelingt es nicht so recht, die Bedrohlichkeit der Anomalie darzustellen. Tatsächlich ist es so, dass eigentlich die wahre Gefahr eingedämmt wird, kaum dass sie auftritt.

Geschmackssache ist bestimmt der Zeichenstil von Chris Mooneyham. Ich glaube, „Boldly go #6“ ist sein erster Star Trek-Comic, den er illustrierte und wenngleich er sich bei seinen Interpretationen der Umgebungen nicht sehr weit von den restlichen neueren Star Trek-Comics der neuen Zeitlinie entfernt, sind die Personen doch ein wenig … sonderbar dargestellt. Es hat eine Weile gedauert, bis ich Captain Kirk erkannt habe. 😀

Die Figuren wirken … voluminös, mit breiten Oberkörpern, sehr kräftig. Konturen und Schatten werden durch eine enorm auffällige Schraffur hervorgehoben, das ganze Bild wirkt ein wenig schmutzig. Das ganze erinnert etwas an Frank Millers Batman. Nicht falsch verstehen: Ich liebe Millers „Die Rückkehr des Dunklen Ritters“, aber diesen Stil in einem Star Trek-Comic zu sehen … ist etwas sonderbar. Vor allem da die Star Trek-Charaktere keine Superheldenkostüme tragen und dadurch leicht erkennbar wären. À propos Superhelden: Wenn ich so an den Ausgang der Story denke und wie die Ereignisse illustriert werden, dann hat diese Geschichte doch ein bisschen was von einem Superhelden-Comic. Schwer zu sagen, ob Chris Mooneyham deshalb einen solchen Stil verwendet hat oder ob dies generell seine Art ist. Ich persönlich war mit dem Stil von Tony Shashteen sehr zufrieden, der auch für Ausgabe #7 der Reihe leider nicht zum Zug kam.

Mal sehen, wie sich Megan Levens schlägt, die ebenfalls noch keinen Star Trek-Comic gezeichnet hat und die Zeichnungen zur 7. Ausgabe beisteuern wird. Wie der Epilog von #6 andeutet, scheint in #7 eine Rückkehr nach Romulus bevorzustehen.

Bewertung: Mike Johnson hat uns schon mal aufregendere Abenteuer spendiert. Die Story wirkt ein bisschen wie aus dem Baukasten, ein typisches „Anomalie-der-Woche“-Phänomen, das auch daran leidet, dass die Hauptcharaktere aus der Problemlösung am Schluss mehr oder weniger herausgehalten werden. Im Grunde reduziert es sich darauf, dass Kirk Sulu am Schluss so viel Vertrauen entgegenbringt, in einer kritischen Situation auf ihn zu hören und trotz der Gefahr die Schutzschilde zu senken. Auf dieses persönliche Vertrauen hätte Johnson besser den Fokus der Story gelegt. Die Sache mit der auf die Endeavour-Crew angewendete Oberste Direktive fand ich zu weit hergeholt. Der von diesem Abenteuer unabhängige Epilog macht aber zumindest Lust auf die nächste Ausgabe, deren Zeichnungen mir vielleicht wieder etwas mehr zusagen werden. Für die #6 von „Boldly go“ gebe ich aber nur 2 von 6 Sterne.

2stars

Anmerkung: Das Titelbild von #6 hat nichts mit dem Inhalt der Geschichte zu tun. Eine solche Szene gibt es im Inneren nicht und Dr. McCoy spielt nur eine Nebenrolle.

Rezension: TOS – “Mord an der Vulkan-Akademie”

Wieder mal etwas aus der Klassiker-Kategorie: Jean Lorrahs Roman „Mord an der Vulkan-Akademie“ stammt aus dem Jahre 1984, aber im Gegensatz zu vielen Star Trek-Romanen der 80er-Jahre, war mir dieser bis vor kurzem noch unbekannt und vor allem weil mir der doch sehr plakative Titel aufgefallen war, habe ich ihn nun nachgeholt.

 

Die Geschichte beginnt im Grunde weit entfernt von der im Titel erwähnten Heimatwelt der Vulkanier: Bei einem Geplänkel zwischen der Enterprise und einem klingonischen Schlachtkreuzer wird ein Besatzungsmitglied – Carl Remington – schwer verletzt, er erleidet neurale Schäden, die ihn in einen komatösen Zustand versetzen ohne Aussicht auf Besserung. Während Dr. McCoy ratlos ist, was er noch tun könnte, schlägt ausgerechnet Spock eine neue Stasis-Therapie vor, die an der vulkanischen Akademie der Wissenschaften erstmals an Patienten getestet wird. Spock weiß im Gegensatz zu McCoy von dieser experimentellen und sehr gefährlichen Vorgehensweise, da sie an seiner eigenen Mutter Amanda erstmals angewendet wird.

Da diese Therapie die einzige Chance für Remington ist, wieder ein normales Leben führen zu können, lässt Captain Kirk Kurs auf Vulkan setzen, wo auch die Gefechtsschäden der Enterprise repariert werden können und Kirk, Spock und McCoy die Gastfreundschaft von Amandas Mann Sarek genießen können. Der Urlaub wird jedoch abrupt unterbrochen, als eine von drei in Betrieb befindlichen Stasis-Kammer ausfällt, was den sofortigen Tod der darin behandelten Vulkanierin zufolge hat, die die Ehefrau eines der Wissenschaftler war, der die Therapie zusammen mit einem irdischen Arzt entwickelt hatte. Da allen das Risiko der neuen Behandlungsmethode bewusst war, entsteht erst ein gezielter Mordverdacht, als auch eine zweite Stasis-Kammer ausfällt …

Fazit: Es ist immer interessant, mal zurückzublicken, wie sich Autoren das Star Trek-Universum vorgestellt haben, noch bevor weitere Kinofilme und Hunderte TV-Episoden produziert wurden und neues Canon-Material geliefert haben. „Mord an der Vulkan-Akademie“ bezieht sich dennoch sehr stark auf das, was zum damaligen Zeitpunkt etabliert war. Vor allem natürlich auf die Folgen der klassischen Serie „Weltraumfieber“ und „Reise nach Babel“, auf die Zeichentrickfolge „Das Zeitportal“ als auch auf den damals bereits existierenden erste Star Trek-Kinofilm. Die Autorin zeichnet ein sehr interessantes Bild des Planeten Vulkan und setzt die einzelnen Puzzleteile aus den genannten Referenzwerken sehr gut zu einem atmosphärischen Bild einer fremden Welt zusammen und bei diesem Roman dürfte es sich um den ersten handeln, der die vulkanischen Namen der Planeten dieses Sonnensystems nutzt (die davor in Fan-Kreisen aber schon kursierten).

 

Geht man weiter ins Detail, erscheint einem manches an Vulkan wie hier beschrieben doch etwas sonderbar. Eines vor allem: Es gibt offenbar keinerlei Sicherheits- und Ermittlungbehörden auf Vulkan, denn Vulkanier sind ja so friedlich. Richtig erraten: Das ist der Aufhänger, warum kein vulkanischer Kriminalbeamter den Ausfällen der Stasis-Kammern nachgeht, sondern Captain Kirk die Ermittlungen führt. 😉 Hier wird ein bisschen getrickst, allerdings nicht besonders gut. Zum einen wird aus der Geschichte erst zur Mitte des Romans ein Krimi. Es dauert erstaunlich lange, bis jemand auf die Idee kommt, bei den Ausfällen der Kammern könnte es sich um Sabotage handeln. Als Leser, der den Titel der Geschichte kennt, ist man hier den Charakteren gegenüber recht deutlich im Vorteil. 😀 Zum anderen nutzen Kirk & Co nicht die Ressourcen der Enterprise, die im Orbit über ihnen schwebt. Es scheint, als hätten sie nicht einmal Kommunikatoren mitgenommen oder Zugriff auf andere Mittel und Personal, die bei den Ermittlungen helfen können. Das ist eine recht konträre Darstellung im Vergleich zu so mancher TV-Folge. (Siehe z.B. TOS „Der Wolf im Schafspelz“.) Ich verstehe, dass dadurch versucht wird, etwas Spannung reinzubringen, die Helden von der Enterprise mit Personen allein zu lassen, von denen jeder ein Mörder sein könnte.

Wobei so ganz stimmt das auch nicht: Im Grunde ist Captain Kirks Ermittlung recht unspannend. Er schreibt zwar so ziemlich jede im Roman vorkommende Person auf seine Verdächtigenliste, aber echte Motive kann er nicht zutage fördern. Als Leser ist man entweder auf die Auflösung durch die Autorin angewiesen, oder man folgt dem allerersten Verdachtsmoment, der meiner Meinung nach zwar nicht sehr gut verdeckt wird, aber durchaus überlesen werden könnte.

Bewertung: Als Kriminalgeschichte ist „Mord an der Vulkan-Akademie“ eine etwas öde Angelegenheit. Zudem gibt es eine romantische Nebenhandlung, die mich nicht sonderlich angesprochen hat. Punkten kann der Roman dennoch über die Schilderung der vulkanischen Kultur und des Planeten Vulkan und einige alternative Entwicklungen, die sich mit den späteren Serien und Filmen nicht mehr vereinbaren lassen, aber interessante Ideen beinhalten, wie die Charakterisierung von Sarek, das Schicksal von Amanda und die Macht der vulkanischen Telepathie. Unterm Strich kommt ein sehr durchschnittlicher Roman heraus, der Krimi-Fans nicht sehr zusagen wird, aber vielleicht Star Trek-Fans, die mehr über (ein alternatives) Vulkan und seine Bewohner herausfinden möchten. Von meiner Seite gibt es 3 von 6 Sterne für diesen Roman.

3stars

Die Screenshots stammen von trekcore.com.

Rezension: Comic – Boldly go #5

Nach dem vierteiligen Auftakt der neuen „Boldly go“-Comicreihe, die nach den Ereignissen von „Star Trek Beyond“ ansetzt, folgt nun eine kürzere, sehr persönliche Geschichte über einen sehr beliebten Charakter, der im Kinofilm erstmals auftrat: die tapfere Jaylah, die jahrelang auf sich allein gestellt auf dem Planeten Altamid – voller Plünderer und einer militärischen Macht – überlebte, ehe sie auch dank der Enterprise-Crew dieses Kapitel ihres Lebens abschließen konnte.

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Was auch aufgrund der Kürze eine sehr schlichte biographische Geschichte hätte werden können, ist vor allem stilistisch bemerkenswert. Zum einen, wird Jaylahs Geschichte chronologisch rückwärts in Auszügen erzählt. Die Geschichte beginnt mit dem Wort „davor“ und zeigt Jaylah bei ihrer Entdeckung des Wracks eines Sternenflottenschiffes. Sie ist allein, im Dunkeln geht sie auf die Knie, bricht in Tränen aus und schreit sich die Wut von der Seele. Eine Szene ohne Dialog, auch nicht der Schrei in der Dunkelheit wird illustriert und gerade das Minimalistische an dieser Szene lässt den Leser Jaylahs Verzweiflung spüren und das kleine Bisschen Hoffnung, als sie mit ihrer Hand über eine vertraut wirkende Wandtafel streicht.

Davor: Die Geschichte springt zeitlich etwas zurück, man sieht Jaylah, wie sie mit ihrem Vater aus den Gefangenenlager Kralls auf dem Planeten Altamid entflieht und wie ihr Vater – eine wahrhaftiger Bär von einem Mann, der beeindruckend gezeichnet ist – dabei getötet wird. Erneut davor erleben wir, wir Jaylahs Schwester von Krall und seinem Handlanger geholt wird. Davor ist das Leben noch in Ordnung, wir sehen Jaylah mit Vater und Schwester auf einem interessant gestalteten Raumschiff und wir erfahren, dass ihre Familie Handel betrieb und stets auf sich gestellt nach neuen Geschäftspartnern Ausschau hielt. Die Unabhängigkeit führte aber auch dazu, dass sie lernen mussten, wie sie sich selbst verteidigen können, doch dem Schwarm, dem sie im Orbit Altamids begegnen, sind auch sie nicht gewachsen. Davor erleben wir, wie Jaylah von ihrer älteren Schwester den Umgang mit dem Kampfstock erlernen soll, Jaylah allerdings ihr technisches Talent nutzt und ihre Schwester mit Holografie-Technik zu täuschen versteht. Die folgenden beiden Rückblicke zeigen Jaylah beim Tod ihrer Mutter an Bord des Schiffes und schließlich Jaylahs Geburt, ehe der letzte Abschnitt der Geschichte mit dem Wort „jetzt“ beginnt. Nach Jaylahs Geburt zeigt dieser Abschnitt in einem einzigen großformatigen Panel den Beginn von Jaylahs neuem Leben … an der Sternenflottenakademie.

Fazit: Ich hoffe, ich konnte in der kurzen Inhaltsangabe bereits transportieren, wie sehr mir diese Ausgabe von „Boldly go“ gefiel. Es war die richtige Wahl, sich gegen eine chronologische Erzählung von Jaylahs Lebensgeschichte zu entscheiden. So beginnt man am Punkt größter Verzweiflung und endet am Beginn von etwas Neuem und für diesen Beginn kann man gar nicht anders, als Jaylah am Schluss der Geschichte nur alles Gute für die Zukunft wünschen zu wollen.

Autor Mike Johnsons emotionale Achterbahnfahrt wird hervorragend unterstützt durch Tony Shasteens Zeichnungen. Hier und da findet man – wie bei den meisten Star Trek-Comics – kolorierte Fotos als Grundlage für Hintergründe, aber das stört nicht weiter. Es gibt genügend Panels, in denen der Planet Altamid, Jaylahs ungewöhnliches Heimatschiff, die Charaktere, die Schlacht im Orbit und das All, das das Schiff davor durchstreifte, toll dargestellt werden. Am besten gefielen mir aber eindeutig Anfang und Ende; zuerst die verzweifelte Jaylah im dunklen Wrack und eine entschlossen dreinblickende Jalyah in Kadettenuniform auf dem in Sonnenlicht gebadeten Campus der Akademie.

Bewertung: Ausgabe #5 von „Boldly go“ ist ein kleines Gesamtkunstwerk, dem man die Kürze bzw. Reduzierung auf einen einzelnen Band gar nicht negativ ankreiden kann – auch wenn ich selbst lieber längere Geschichten lese. Und hier muss ich auch anmerken, dass #5 gar nicht so viel Dialog zum Lesen anbietet, aber in den stillen Passagen liegt dank den Zeichnungen so viel emotionale Aussagekraft, dass auch hier kein Manko ensteht. Also ich bin wirklich sehr begeistert von diesem Comic und hoffe, dass die Reihe hin und wieder zu Jaylah zurückkehren wird und wir erleben, wie sie an der Akademie zurechtkommt. Immerhin wissen wir dank Ausgabe #1 ja, dass auch Scotty nun an der Akademie unterrichtet. Auch dies wäre ein guter Grund, diesen Schauplatz erneut aufzusuchen. Ausgabe #5 erhält von mir eindeutig 6 Sterne. Die Geschichte und ihre Umsetzung drückt bei mir genau die richtigen Knöpfe.

6stars

Rezension: “Star Trek Beyond -Collector’s Edition“

Zu vielen Kinofilmen erscheinen Sachbücher, die Hintergrundinformationen zur Produktion beinhalten und die Star Trek-Kinofilme bilden da keine Ausnahme. Während es zu „Star Trek Into Darkness“ leider keine zusätzliche Literatur gab und zu „Star Trek“ aus dem Jahr 2009 ein Buch erschien, das sich vorwiegend mit dem Produktionsdesign beschäftigte, erschien zu „Star Trek Beyond“ im Herbst 2016 ein allgemeines Making-of-Buch, das auf 128 Seiten auf so ziemlich alle wichtigen Teilbereiche der Produktion eingeht.

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Wie es häufig bei solchen Büchern der Fall ist, ist auch die „Collector’s Edition“ leider nur auf Englisch erschienen. Der Titel ist des Buches ist trotzdem etwas seltsam – bedeutet übersetzt „Sammleredition“. Meistens tragen sie – wie zum Beispiel jenes zum 8. Kinofilm – den Titel „The Making of …“. Die Erklärung ist jedoch simpel und bezieht sich schlicht auf den Ursprung der im Buch enthaltenen Inhalte: Es handelt sich bei „Star Trek Beyond – Collector’s Edition“ einfach um einen Sammelband, der Artikel zum Kinofilm enthält, die im Jahr 2016 in mehreren Ausgaben des offiziellen amerikanischen Star Trek-Magazins abgedruckt worden sind. Die Beiträge im Buch sind also keine Erstveröffentlichungen, aber erstmals in einem schönen Hardcover-Einband kompakt zusammengetragen.

Übrigens trifft dies auch auf „The Making of: First Contact“ zu; auch dieses Buch war damals lediglich eine Zusammenstellung von Magazin-Artikel. Man hat es diesem Sachbuch zu „Der Erste Kontakt“ aber etwas weniger angesehen, da das Layout etwas schlichter war und der Titel nicht auf einen Sammelband hingewiesen hat. Der Inhalt von „Star Trek Beyond – Collector’s Edition“ ist von der Gestaltung der Beiträge her etwas deutlicher wie ein Magazin aufgebaut, wenn man sich die Platzierung von Text und Illustrationen und das sehr farbenfrohe Seitendesign ansieht. Das muss aber nichts Schlechtes sein, denn die Gestaltung der „Collector’s Edition“ ist wirklich sehr professionell, sehr schön anzusehen und verwendet sehr viele Promotion-Bilder, die man im Vorfeld des Films bereits sah, wie auch gänzlich neues Bildmaterial.

Wenngleich ich Romane heutzutage nur noch in ebook-Form lese, bevorzuge ich bei so stark illustrierten Büchern immer noch die gedruckte Version. Mit der „Collector’s Edition“ liegt ein wirklich wunderschönes Buch in sehr guter Druckqualität auf festem Papier vor. Den Hardcover-Einband ziert das tolle Postermotiv der asiatischen Werbekampagne des Films.

Nun aber zum Inhalt: Die Berichte im Buch sind nicht starr in Kategorien zusammengefasst; die verschiedenen Themenbereiche sind stattdessen über das gesamt Buch verteilt. Den roten Faden bilden aber gewiss die Darsteller-Interviews. Jeweils vier bis sechs Seiten sind nicht nur den 7 bekannten Darstellern aus den vorherigen Filmen gewidmet, auch Sofia Boutella (Jaylah) und Shohreh Aghdashloo (Commodore Paris) kommen zu Wort. Zu Idris Elbas Charakter Krall gibt es ein eigenes Feature.

Weitere Berichte fassen zusammen, was bisher in der Kelvin-Zeitlinie geschah, erläutern die Natur der parallelen Zeitlinie, gehen auf die Schiffe namens Enterprise, Schauplätze und neue Charaktere ein, aber auch auf Dinge wie die Umsetzung des großen Fan-Events im Mai 2016, die ComicCon-Filmpremiere im Juli und die große Charity-Kampagne von „Omaze“, die einigen Fans einen Besuch am Set des Films ermöglichte. Dieser Erfahrungsbericht von Audrianna Davis ist ein sympathisches kleines Highlight des Buches, das aber generell sehr interessant ist und selbst bei den Darsteller-Interviews stellt sich kein Ermüdungseffekt ein. Man hat von Seiten der Fragesteller schon darauf geachtet, nicht immer die gleichen Fragen zu stellen und den Fokus auf die jeweilige Person/den jeweiligen Charakter gelegt. Besonders interessant ist der Blick der Darsteller auf Justin Lin, der ja erstmals bei einen Star Trek-Film Regie führte. Ein Portrait und Interview des Regisseurs leitet das Buch – nach einem Vorwort des Chefredakteurs und einer Widmung für den leider viel zu früh verstorbenen Anton Yelchin – auch ein.

Wer wie ich mehr an den technischen und gestalterischen Disziplinen der Filmkunst interessiert ist, der kommt ebenfalls auf seine Kosten. Es gibt umfangreiche, stark illustrierte Berichte zu den Bereichen Make-up (hier gab es für „Beyond“ auch eine Oscar-Nominierung), visuelle Effekte und Design, Kostüme und auch zum Storytelling. Das Thema Musik bzw. Soundeffekte wird leider ausgespart. Dieses geht mir etwas ab und ich hätte mich auch sehr über ein zusätzliches Feature zu Sean Hargreaves gefreut, der die neuen Raumschiffe und die Starbase Yorktown entworfen hat. Schiffsdesign wird aber teilweise im Artikel über die visuellen Effekte abgedeckt. (Sehr interessante Info: Die Zeitraffer-Sequenz am Ende des Films würde in Echtzeit nur einen Zeitraum von etwas mehr als einen Monat abdecken. Ein fleißiges Ingenieurscorps hat die Sternenflotte.)

Bewertung: Für ein Making-of-Buch lässt „Star Trek Beyond – Collector’s Edition“ nicht viele – Wünsche offen. Es ist ähnlich gut gelungen wie das vergleichbare „The Making of: First Contact“, hat einen ähnlichen Umfang, ist vom selben Herausgeber (wenn auch 20 Jahre dazwischen liegen) und bietet einen umfangreichen Einblick in die Entstehung des Films. Dieser hätte natürlich noch deutlich tiefer ausfallen können; dies ist leider eine gewisse Bürde dieser „nicht-spezialisierten“ Bücher. Würde man auf jeden Teilbereich detailliert eingehen, würde ein ziemlich gewaltiges Werk dabei rauskommen – wogegen ich keinen Einwand hätte. Aber für ein „allgemeines“ Making-of-Buch ist die „Collector’s Edition“ eine interessante Lektüre für Fans des Films und selbst für jemanden, der wie ich so ziemlich ein Jahr lang während der Hauptproduktionsphase des Films das Internet nach Aussagen und Bildmaterial durchsucht hat, gibt es doch einige interessante neue Informationen im Buch und jede Menge Bildmaterial. Da immer „noch mehr“ möglich wäre und ich wie gesagt gerne auch einen Einblick in die Musikkomposition, den Sound und das Schiffsdesign gehabt hätte, den mir das Buch verwehrt, gebe ich 5 von 6 Sterne.

5stars

Anmerkung: Das Buch ist vielleicht auch für all jene von besonderem Interesse, die keine Möglichkeit haben, sich den Film „Star Trek Beyond“ fürs Heimkino in einer Fassung zu besorgen, die eine Bonus-Disc enthält. Diese ist gerade im deutschsprachigen Raum nicht so einfach erhältlich (nur bei ausgewählten Händlern oder nur in einem Steelbook mit den anderen beiden neuen Filmen). Das Bonusmaterial ist wie eigentlich immer bei „Bad Robot“-Produktionen sehr sehenswert und deckt vieles ab, das im Making-of-Buch ebenfalls erwähnt wird.

Rezension: “Star Trek – Light-and-Sound Communicator“

Ich besitze bereits zwei Miniaturen des Herausgebers „Running Press“ zum Thema „Star Trek“: Zum einen ist da die U.S.S. Enterprise und zum anderen die Raumfähre Galileo der Enterprise, die ich zusammen mit den beiliegenden Büchlein bereits rezensiert habe. Und eigentlich wollte ich es dabei bewenden lassen, denn neben den beiden kleinen Raumschiffmodellen hat „Running Press“ bis jetzt nur noch zwei Ausrüstungsgegenstände – den Phaser und den Kommunikator der klassischen Star Trek-Serie – in vergleichbarer Weise herausgebracht. Nämlich als Miniaturen. Da ich beide Gegenstände bereits als Repliken in Originalgröße habe, hat es mich nicht gereizt, mir diese nochmals im Kleinformat anzuschaffen. Aber im Falle des Kommunikators habe ich dann doch nicht widerstehen können, als ich diesen eher zufällig in einem Youtube-Video sah und feststellte: Im Gegensatz zum Mini-Phaser, der zu klein ist, um wie das Original-Requisit gehalten werden zu können, ist die Miniatur von „Running Press“ gar nicht so viel kleiner als der Original-Kommunikator.

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Der Kommunikator erschien zeitgleich mit dem Shuttle und stellt somit die zweite „Star Trek“-Tranche des Herausgebers dar. Die Schachtel, in der der Kommunikator und beiliegende Begleitbüchlein verpackt sind, ist gleich groß wie die der anderen beiden „Running Press“-Miniaturen und es ist der kompakten Form des Geräts zu verdanken, dass es diese Schachtel sehr gut ausfüllt. Die ungefähren Maße des Mini-Kommunikators: 9 cm lang, 5 cm breit und 2,5 cm hoch.

Zum Vergleich die Replik in Originalgröße vom „Master Replicas“: 11 cm lang, 6,5 cm breit und 3,5 cm hoch. Die Miniatur ist also ca. 20 % kleiner, in der Seitenansicht weniger keilförmig, daher proportional schmäler.

Die Gestaltung abgesehen von der Größe ist so gut wie identisch, wenngleich die Miniatur größtenteils aus Kunststoff besteht, was auch für das aufklappbare Antennengitter gilt. Ansonsten folgt das Design sehr genau jenem der Requisiten, die der Designer Wah Chang damals für die klassische Star Trek-Serie hergestellt hat. Im Gegensatz zum Original rotiert die Scheibe mit dem Moire-Muster nicht, dies wird imitieren durch die Rotation einer Art Hologramm/Kipp-Effekt. Die Variante von „Master Replicas“ ist gleich gestaltet, nur dreht sich das Muster dort. (Allerdings war das erst der Fall, nachdem mir das Gerät runtergefallen ist. 😀 Wirklich wahr.)

Worin sich der Kommunikator von den beiden Raumschiffmodellen von „Running Press“ im Besonderen unterscheidet: Er verfügt nicht nur über Licht-, sondern auch über Sound-Effekte. Die große Variante von „Master Replicas“ ist hier etwas voraus: Wenn man das Antennengitter aufschnippt, erklingt sofort automatisch das typische „Zwitschern“ des klassischen Kommunikators. Das ist bei der Miniatur aber nicht so tragisch, weil man die Klappe nur mit den Fingern öffnen kann, Aufschnippen ist leider nicht möglich. (Dafür bleibt die Klappe geschlossen, während die magnetische Halterung bei der großen Variante sich öfter öffnet als einem lieb ist.) Der „Zwitscher“-Sound erklingt bei der Miniatur durch Drücken der mittigen Taste, worauf alle drei LEDs aufblinken. Die Taste rechts daneben sorgt für das Erklingen eines „Frequenzsuche“-Sounds und einem konstanten Flackern der LEDs. Diese Funktion ist beim großen Modell genau gleich. Bei diesem sorgt das Betätigen der mittigen Taste für das alleinige Blinken des mittleren roten Lichts, wie man es in der Folge „Das Gleichgewicht der Kräfte“ (TOS, Staffel 3) gesehen hat.

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In „Das Gleichgewicht der Kräfte“ aktiviert Captain Kirk über die mittlere Taste einen „stummen Alarm“, worauf das mittlere Licht rot aufblinkt.

Alles in allem macht dieser Vergleich zwischen den beiden Kommunikatoren wohl doch relativ klar, dass für Sammler und Cosplayer ein Modell in Originalgröße des Requisits sicher zu bevorzugen ist. Allerdings, und das sollte man auch erwähnen, legt man dafür auch ungefähr 40 bis 50 Euro auf den Tresen, während man die Miniatur von „Running Press“ für 9 Euro bekommt. Also wie auch bei den beiden anderen Modellen diese Herausgebers ist das Preis-Leistungs-Verhältnis wirklich hervorragend. Es ist ein hübsches Sammlerstück, dass trotz gewisser Einschränkungen gut aussieht, nahe am Original ist. Und falls man damit für ein Foto posieren will, so fällt der Größenunterschied wahrscheinlich gar nicht sonderlich auf. Er mag nicht so groß wie der klassische Kommunikator, aber vermutlich ist die Miniatur nahe dran an den Dimensionen der Kommunikatoren aus „Enterprise“, „Auf der Suche nach Mister Spock“ oder „Am Rande des Universums“.

Kommen wir nun zum Büchlein: Einmal mehr hat Chip Carter Informationen zum Kommunikator zusammengetragen und leitet das 46 (kleine) Seiten umfassende Buch mit einem sehr schönen Vorwort zur Wichtigkeit der Kommunikation im Allgemeinen ein. Auf den folgenden Seiten fasst er sehr knapp die Entstehung der Requisite und die Verwendung des Geräts in der Serie zusammen und welche Funktionen der Kommunikator auch erfüllt. Jedoch findet man in diesem Buch diesmal sehr viele Bilder (auch mitunter wieder eher unpassende aus der Serie, die nichts mit dem Thema zu tun haben) und der Inhalt erscheint mir wesentlich oberflächlicher als in den beiden Büchlein zu den Schiffsmodellen.

Wie so viele ließ sich der Autor zum Vergleich „Kommunikator = Smartphone“ hinreißen (auch wenn dieser hinkt), dafür fehlt an anderer Stelle Interessantes. Rein von der Form erinnert der klassische Kommunikator natürlich an die in den 90ern beliebten Klapp-Handys, aber nicht nur eine solche Form für mobile Kommunikationsgeräte hat die Serie inspiriert. So wird oft übersehen, dass in der Folge „Miri, ein Kleinling“ (Staffel 1) mehr als nur angedeutet wird, ein Kommunikator fungiere als eine Art mobiler WLAN-Hotspot, der Geräte auf der Planetenoberfläche mit dem Computer der Enterprise verbindet.

Auch widerspricht sich Carter auf zwei aufeinanderfolgenden Seiten zum Thema Reichweite und Signalstärke in diesem Zusammenhang. Er vergisst auch die Serie „Enterprise“ in Betracht zu ziehen, in der ein dem TOS-Kommunikator ähnliches Gerät verwendet wurde. So hätte er z.B. zum Thema Universalübersetzer vielleicht andere Schlussfolgerungen gezogen. Grundsätzlich vergaß er die erste und wahrscheinlich ausführlichste technische Erklärung zum Universalübersetzer, die in der klassischen Episode „Metamorphosen“ (Staffel 2) gegeben wurde: dass der Universalübersetzer ein enorm mächtiges Gerät ist, das Gehirnströme analysiert. (Bedenkt man, wie oft unsere Helden in den Serien fremde Kulturen infiltrieren und sich für Einheimische ausgeben, ohne dass es auffällt, muss man vielleicht sogar annehmen, der Übersetzer lese nicht nur Gehirnströme, sondern manipuliere diese sogar um die Wahrnehmung von Gesprächspartnern zu verändern, damit das Übersetzte lippensynchron wirkt. Dies ist reine Spekulation meinerseits, aber ein etwas beunruhigender Gedanke.)

In TOS wie auch ENT sind Übersetzer und Kommunikator separate Geräte, aber ENT zeigt, wie beide miteinander verbunden werden. In „Miri, ein Kleinling“ dient der Kommunikator als Verbindungselement zwischen Elektronenmikroskop, Biocomputer auf dem Planeten und dem Schiffscomputer im Orbit.

Bewertung: Am Inhalt des Begleitbuchs habe ich diesmal verglichen mit den Büchern zu den beiden Mini-Raumschiffen doch recht viel auszusetzen. Eigentlich ist es nicht wirklich zu gebrauchen, eine Enttäuschung vor allem im Vergleich mit dem Begleitbuch zum Shuttle. Die Kommunikator-Miniatur ist hingegen ziemlich hübsch und macht sich im Regal sicher gut neben seinem „großen Bruder“. Für Cosplay-Fans, nur bedingt zu empfehlen, aber doch eine preiswerte Alternative zu teureren Repliken in Originalgröße, wenn man damit leben kann, dass der Kommunikator rund 20 % kleiner ist und sich das Antennengitter nicht lässig aus dem Handgelenk aufklappen lässt.

Ich gebe mal etwas gnädige 5 von 6 Sterne. Allerdings nur für die Miniatur selbst, die ein so gutes Preis-Leistungs-Verhältnis hat, dass das enttäuschend Buch so ziemlich ignoriert werden kann.

5stars

Dem Buch selbst würde ich – vor allem wenn ich es mit dem Begleitbuch zum TOS-Shuttle vergleiche – nur 2 von 6 Sterne geben.

2stars

Anmerkung: Für alle, die ein wenig mehr über die Requisiten, das Produktionsdesign und Wah Chang erfahren möchten, ist „Star Trek – Das Skizzenbuch“ eine Empfehlung wert.

Rezension: TOS – „The Face of the Unknown“

Bevor Autor Christopher L. Bennett sich wieder um die Fortsetzung der „Enterprise“-Ära kümmert, hat er einen Roman zu klassischen Star Trek-Serie geschrieben. Das ist grundsätzlich auch sehr passend, immerhin arbeitet er in seiner „Rise of the Federation“-Reihe ja auch zielgerichtet darauf hin, eine Brücke zwischen „Enterprise“ und „The Original Series“ zu bauen. Und tatsächlich weist sein neuer Roman „The Face of the Unknown“ phasenweise eine gewisse Ähnlichkeit mit Bennetts „Enterprise“-Romanen auf, denn auch hier spielt ein Bündnis von mehreren Völkern eine wichtige Rolle.

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Denn wie der geneigte Fan der klassischen Serie weiß, gibt es da draußen nicht nur eine Föderation. Lange bevor die Helden von der Enterprise den Begriff „Föderation“ in der 19. Folge („Ganz neue Dimensionen“) auf sich selbst angewendet hatten, waren sie bereits in der ersten regulär gedrehten Folge namens „Pokerspiele“ auf einen Repräsentanten der „Ersten Föderation“ getroffen: Commander Balok, der mit einem gewaltigen, kugelförmigen Raumschiff die Grenzen der Ersten Föderation bewachte, gab sich in dieser Folge als furchteinflößend aussehendes Monstrum aus, das die Enterprise zu zerstören drohte. Schlussendlich stellte sich diese Konfrontation als Charaktertest für die Besatzung der Enterprise heraus, den sie erfolgreich bestand, woraufhin Balok ihnen seine in Wahrheit nicht besonders imposante Erscheinung offenbarte. Die Geschichte endete damit, dass der junge Lieutenant Bailey bei Balok blieb, um als inoffizieller Botschafter zwischen den beiden Föderationen zu vermitteln.

Wie sich im Roman „The Face of the Unknown“ nun herausstellt, hat Lieutenant Bailey in fast drei Jahren nur sehr wenig über die Erste Föderation herausgefunden. Jene Spezies, die sich zur Ersten Föderation zusammengeschlossen haben, sind recht verschwiegen und scheuen besonders davor zurück, die Position ihrer Heimatwelten bekannt zu geben. Ein guter Grund dafür offenbart sich, als vertraut wirkende Raumschiffe in einem Raumgebiet auftauchen, das sich in der Nähe beider Föderationen befindet. Die Schiffe sind modulartig aufgebaut, ähneln Baloks kleinerem Pilotschiff, wenngleich die Technologie ähnlich, aber etwas primitiver wirkt. Und diese Schiffe sind voll und ganz auf den Kampfeinsatz abgestimmt und werden von Wesen gesteuert, die exakt so aussehen, wie das Trugbild, mit dem Balok die Enterprise-Crew einst getäuscht hatte! Nur diesmal handelt es sich nicht um mechanische Puppen oder Roboter, sondern um Wesen aus Fleisch und Blut, die Mitglieder des kriegerischen Volkes der Dassik sind und auch nicht davor zurückscheuen, Baloks gewaltiges Kugelschiff anzugreifen.

Wenngleich imposant, sind die Kugelschiffe der ersten Föderation in erster Linie nur Bergbauschiffe, die im Grenzbereich der Ersten Föderation nach Rohstoffen suchen und diese verarbeiten. Und so nimmt das Gefecht erst eine positive Wendung, als die Enteprise dem Kugelschiff zu Hilfe kommt und der an Bord befindliche Lieutenant Bailey das Schiff wieder flugtüchtig machen kann. Doch als die Dassik abziehen, bleibt Commander Balok verschwunden, der zum Zeitpunkt des Angriffs in seinem kleinen Pilotschiff unterwegs war. Dass der Commander noch am Leben ist, schließt die Crew der Enterprise aus einem zielgerichteten Funkspruch, den Balok offenbar sogar vor der Crew seines eigenen Schiffes verbergen wollte. Der empfangene Funkspruch lockt die Enterprise in ein Sonnensystem mit unbewohnbaren Planeten. Zumindest macht es anfangs diesen Anschein. Doch Lieutenant Uhura fallen seltsame Interferenzen auf, die von einem Gasriesen im System ausgehen und als die Enterprise in die dichte Atomsphäre des Riesenplaneten eintritt, machen Captain Kirk & Co eine wahrhaft erstaunliche Entdeckung …

Bei der Entdeckung, die die Enterprise-Crew nach rund einem Sechstel des Romans macht (insofern nehme ich hier in der Rezension nicht allzu viel von der Handlung vorweg 😉 ) handelt es sich um Dutzende kuppelförmige Habitate von jeweils über 1.000 Kilometern Durchmesser, die in einer Atmosphärenschicht des Gasriesen verborgen vor aller Augen schweben. In diesen Habitate leben die Mitglieder der Ersten Föderation. Wie die Enterprise-Crew bei der Kontaktaufnahme mit dem herrschenden Triumvirat erfährt, haben alle Völker, deren Heimatwelten einst vor 12.000 von den Dassik heimgesucht und unbewohnbar gemacht wurden, in den Habitaten des Gasriesen – dem „Weltennetz“ – ein neues Zuhause gefunden. Jahrtausende lang hat man sich bereits vor den Dassik versteckt, wenngleich man diese Aggressoren mit der Zeit für ausgestorben hielt. Doch als nur kurz nach der Enterprise eine kleine Flotte von Dassik-Schiffen auftaucht und die Enthüllung des Weltennetzes droht, zeigen viele der an sich gutmütigen Mitglieder der Ersten Föderation, dass die Angst vor dem mysteriösen, doch nach Jahrtausenden deutlich geschwächten Feind, xenophobe Blüten treibt. Nicht wenige halten die Enterprise-Crew für das Auftauchen der Dassik im Sonnensystem verantwortlich und mancher will das im Kampf beschädigte Sternenflottenschiff überhaupt nicht mehr abfliegen lassen, um ja nicht den geringsten Hinweis darauf zu geben, was sich zwischen den Wolkenschichten des Gasriesen versteckt. Noch kritischer wird die Lage für die Enterprise-Crew, als ein Sturm die Integrität eines Habitats bedroht. Millionen Leben stehen auf dem Spiel und Captain Kirk muss in kürzester Zeit schwerwiegende Entscheidungen treffen. Und wenngleich vor dem Absturz und der Vernichtung des Habitats der Großteil der Bevölkerung in Sicherheit gebeamt werden kann, will das Triumvirat Captain Kirk zum Sündenbock abstempeln. Kirk wird inhaftiert, der Dassik-Kommandant im Orbit aufgrund der atmosphärischen Turbulenzen auf dem Gasriesen misstrauisch und Spock wird von einer oppositionellen Gruppe im Weltennetz offenbart, dass die Vernichtung dieses  einen Habitats nur der Anfang war und dem gesamten Netz in absehbarer Zeit selbst ohne Einwirken durch die Dassik die vollständige Vernichtung droht …

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Nicht nur die Raumschiffe der Ersten Föderation sind von gigantischem Ausmaß.

Fazit: Meine Inhaltszusammenfassung zu dieser Geschichte ist alles andere als kurz und knapp ausgefallen und verrät auch einiges bis ungefähr zur Hälfte des Romans. Dies ist jedoch notwendig, um eine interessante Auffälligkeit zu erläutern. Klarerweise dauert die Umsetzung eines Romans sehr lange, so schildert der Autor im Nachwort, dass er den ersten Entwurf bereits 2008 erstellt hat. Wenngleich die Geschichte in ihren Grundzügen und mit dieser Thematik womöglich schon seit damals in einer Schublade lag, erschien dieser Roman wahrscheinlich rein zufällig zum genau passenden Zeitpunkt. Manch einer wird vielleicht glauben, ich interpretiere zu viel hinein, aber das Verhalten der Verantwortlichen in der Ersten Föderation spiegelt meiner Meinung nach die aktuelle politische Situation der Vereinigten Staaten von Amerika wieder. Was sowohl die Führer der Erste Föderation als auch den Präsidenten der U.S.A. gemeinsam haben, ist die Priorisierung der Sicherheitspolitik und in der Folge die Erzeugung von überzogenen Angstgefühlen in Teilen der Bevölkerung gegenüber allem, das fremd ist. Lieber will man sich einigeln, sich vom Rest des Universum abschotten, weil alles von außerhalb eine theoretische Gefährdung darstellen könnte.

Die zweite große Gemeinsamkeit ist die Verleugnung von eindeutigen wissenschaftlichen Fakten. Die Opposition innerhalb der Ersten Föderation hat belegt, dass die Präsenz des über die Jahrtausende ständig ausgebauten Weltennetzes und die Bemühungen, dieses in der Atmosphäre des Gasriesen zu verstecken, Ursachen jener atmosphärischen Turbulenzen sind, die das Habitat zerstört haben. Das regierende Triumvirat weist diese Belege zurück, bezieht sich auf veraltete und falsche Daten und vertritt die Meinung, verheerende Stürme habe es doch immer schon gegeben. Zusammengefasst: Die Regierung leugnet den Klimawandel. Auch dies kommt einen bekannt vor, wenn man an den frisch angelobten U.S.-Präsidenten und dessen Kandidaten für den Posten des Umweltministers denkt.

Regelmäßig haben zur jeweiligen Zeit aktuelle Ereignisse Pate gestanden für die Geschichten, die in den Star Trek-Serien erzählt wurden. Vom Vietnam-Krieg über den Zerfall der U.D.S.S.R. bis hin zum Kampf gegen den Terrorismus war da schon viel dabei und in dieser Hinsicht reiht sich Christopher L. Bennetts „The Face of the Unknown“ hervorragend ein. Die Story ist sehr schlüssig und mit der Verzahnung der beiden Konfliktpunkte – das Verstecken vor den Dassik und die Leugnung der verheerenden Auswirkungen dieses Versteckens – auch sehr gut abgerundet und kompakt. Er verliert sich dadurch nie in Nebenhandlungen, die zu nichts führen. Durch diese Verknüpfung der beiden Hauptthemen bietet Bennett eine Lösung für zwei Probleme an – auch wenn die Lösung nicht jeder der von ihm beschriebenen Charaktere im Triumvirat hören will.

Bennetts Beschreibung des Weltennetzes ist wirklich toll. Unterschiedlichste exotische Orte in einem beeindruckenden Ambiente, bevölkert von vielen verschiedenen Spezies. Und es ist kein Nachteil, dass er sich im Lauf der Erzählung auf vier oder fünf Spezies der Ersten Föderation beschränkt, die er etwas stärker herausarbeitet. Der Eindruck, dass die Erste Föderation eine bunte Mischung ist (man könnte das Wort „Einwanderernation“ verwenden), wird dadurch nicht gemildert.

Wie schon in seinem letzten „Enterprise“-Roman beschreibt Bennett auch diesmal wieder einen Zusammenschluss unterschiedlichster Völker und einmal mehr auch sie bedrohende Katastrophen, bei denen die Helden der Sternenflotte hilfreich einschreiten. Die Beschreibung eines Katastrophenszenarios ist jedoch nicht unbedingt eine Stärke von Bennett. Er ist eindeutig besser darin, fremde Welten aufzubauen. In ihrer Vernichtung sind andere Star Trek-Autoren wesentlich stärker. Und so zieht sich dieser Teil der Geschichte doch ordentlich in die Länge. Die Hauptcharakter aus „The Original Series“ hat Bennett sehr gut getroffen, allerdings arbeitet er beinahe nur mit dem, was ihm die TV-Serie zur Verfügung gestellt hat. Mit der Ausnahme von Spock, dem er zu einer interessanten Selbsterkenntnis verhilft. Wenngleich Bennett das Prinzip der Ersten Föderation in diesem Roman enorm ausbaut und neu definiert, fällt vor allem beim Charakter Balok besonders deutlich auf, dass Bennett hier das Wenige, das über Balok bekannt ist, immer und immer wieder ausspielt. Entweder lacht er überschwänglich oder er schwärmt für sein Schiff. Selbiges gilt für Lieutenant Bailey, der sich zwar ein wenig beruhigt hat, aber immer noch im Großen und Ganzen jener Heißsporn ist, den man in „Pokerspiele“ gesehen hat. Auch die Dassik erinnern in ihrem Verhalten etwas zu deutlich an die Klingonen. Wären da nicht die 12.000 Jahre zurückliegenden Begebenheiten gewesen, hätten auch die Klingonen diese Rolle ausfüllen können.

Zum Ausklang des Romans knüpft Bennett übrigens an den Roman „The Latter Fire“ an, der vor einem Jahr erschien, aber zeitlich unmittelbar nach „The Face of the Unknown“ angesiedelt ist. So bahnt sich hier Chekovs Abschied von der Enterprise und sein Ersatz durch Lieutenant Arex bereits an. Die ebenfalls aus der Zeichentrickserie bekannte M’Ress wird von Uhura am Kommunikationspult angelernt, Kirk gewöhnt sich an den kürzlich eingerichteten zweiten Zugang zur Bücke und von der Ersten Föderation wurde zum Dank ein holografischer Simulationsraum auf der Enterprise eingerichtet. Der Schluss ist also ein kleines Fest für Fans, die auch die Star Trek-Zeichentrickserie zu schätzen wissen.

Bewertung: „The Face of the Unknown“ ist ein wirklich hervorragender Roman, der dem Motto der Serie gerecht wird, indem er „fremde neue Welten und neue Zivilisationen“ vorstellt. Der Gegenwartsbezug zur aktuellen Administration in den U.S.A. ist ebenfalls sehr interessant. Kleine Abzüge gibt es für die etwas langatmigen Beschreibungen von Katastrophenszenarien und Action-Sequenzen. An diesen Stellen habe ich das Buch doch recht rasch immer wieder mal aus der Hand gelegt. Diese Sequenzen hätte man durchaus spannender umsetzen können. Und wenngleich die „Stimmen“ der Hauptcharaktere hervorragend getroffen waren, war über die Gesamtlänge des Romans doch ein wenig zu viel Wiederholung  dabei. Aber gute 5 Sterne verdient sich der Roman auf alle Fälle!

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