Rezension: Comic – Boldly go #11 + #12

Schon die Comics der „Ongoing“-Reihe griffen – vor allem in ihren ersten Geschichten – hin und wieder auf Abenteuer aus der klassischen Star Trek-Serie zurück und Autor Mike Johnson adaptierte sie dann in neuer Form für die Kelvin-Zeitlinie. Auch die „Ongoing“-Nachfolgeserie „Boldly go“ tat dies bereits einmal mit der TOS-Folge „Reise nach Babel“ in den Ausgaben #7 und #8 und erneut ist es diesmal eine zweiteilige Story, die ihre Wurzeln ganz klar in der klassischen Star Trek-Serie hat.

In der Folge „Wen die Götter zerstören“ aus der dritten Staffel der klassischen Serie haben wir Captain Garth von Izar kennengelernt, einen einst gefeierten aber mittlerweile in Ungnade gefallenen Sternenflottenoffizier. „Boldly go #11“ erzählt uns in Episoden Garth‘ Vorgeschichte: Es beginnt damit, dass er zehn Jahre vor den aktuellen Ereignissen als Kommandant der U.S.S. Heisenberg im Orbit des Planeten Axanar durch ein herausragendes Manöver einen klingonischen Schlachtkreuzer vernichten kann. Drei Jahre später referiert er über die Schlacht und darüber, dass ihr glücklicherweise kein Krieg gefolgt ist. Bei dieser Gelegenheit wird Garth von Captain Pike ein Kadett namens James T. Kirk vorgestellt. Weitere vier Jahre später ist die U.S.S. Heisenberg im Orbit des Planeten Antos IV und da es die Bewohner nur einem einzigen Repräsentanten der Föderation gestatten, ihren Planeten zu betreten, beamt Captain Garth alleine hinunter. Und so geschieht das, was das Schicksal wohl in jeder Zeitlinie für Garth vorgesehen hat: Es kommt zu einer schrecklichen Transporter-Fehlfunktion und der deformierte, leblose Körper des Captains materialisiert auf dem Planeten.

Zeitsprung in die Gegenwart: Nach ihrem Abstecher nach Babel hat die U.S.S. Endeavour unter Captain Kirks Kommando ihre Forschungsmission wieder aufgenommen – die jedoch abrupt gestört wird, als sich ein kleines Raumschiff nähert, das von einem Kind namens Thalia gesteuert wird und Kirk nur allzu gut bekannt ist. Denn in einem früheren Abenteuer („Ongoing“-Ausgaben #43 bis #45) war Kirk ihrer Mutter – der Weltraumpiratin Eurydice – begegnet. Eurydice ist auf dem Planeten Antos IV spurlos verschwunden und so ist Thalia ihren Anweisungen für einen solchen Fall gefolgt und bittet Captain Kirk um Hilfe. Da er und Eurydice damals offenbar im Guten auseinander gegangen sind (Anmerkung: Ich selbst habe diese drei „Ongoing“-Comics nicht gelesen, mutmaße hier also nur), lässt Captain Kirk Kurs auf Antos setzen, wo er nach kurzer Verhandlung mit einem Regierungsvertreter erwirkt, zusammen mit Thalia auf den Planeten beamen zu dürfen um nach Eurydice zu suchen.

Erstaunlicherweise finden sie die Piratin beinahe genau an jener Stelle, wo Thalia sie zuletzt gesehen hatte. Kirk ist anfangs zufrieden damit, wie leicht sich dieses Problem lösen ließ, doch anstatt zu ihrer Mutter zu laufen, wendet sich Thalia erschrocken ab mit der Behauptung, dies sei nicht ihre Mutter und rennt fort. Kirk und Eurydice folgen ihr, doch zu Kirks Überraschung führt die Piratin ihn in eine dunkle Gasse, wo sie ihn ohne Vorwarnung niederschießt. Und doch materialisiert der Captain nur kurz darauf im Transporterraum der Endeavour, berichtet von einer reibungslosen Familienzusammenführung und lässt Kurs auf die U.S.S. Heisenberg setzen …

Fazit: Für Kenner der Vorlage ist es natürlich keine große Überraschung, dass sich nicht Captain Kirk zurück auf die Endeavour gebeamt hat, sondern Captain Garth, der dank einer antosianischen Regenerationstherapie nicht nur den Transporterunfall überlebt hat, sondern dank der Therapie auch die Fähigkeit erlangt hat, andere Gestalten anzunehmen. So konnte er zuerst Eurydice und dann Kirk imitieren. Überraschender ist vielleicht, dass trotz des starken Fokus auf Thalia und Eurydice es gar nicht notwendig ist, die zweeinhalb Jahre zuvor erschienenen drei „Ongoing“-Comics über die beiden zu lesen. Ich habe sie wie erwähnt auch noch nicht nachgeholt, aber auch wenn es in diesem „Boldly go“-Zweiteiler keine ausführlichen Information darüber gibt, was damals geschehen ist, ist der Umgang zwischen Kirk, Eurydice und Thalia wirklich selbsterklärend. Eurydice mag ein bisschen ruppig sein, aber Kirk hegt eindeutig große Sympathie für das unabhängige Mutter-Tochter-Gespann. Das wird von Anfang an klar (und somit lange Zeit vor den mehr als eindeutigen letzten Panels des Comics 😉 ) und weckt auch mein Interesse, dies Vorgeschichte demnächst mal zu lesen.

Die vorab durch die TOS-Folge „Wen die Götter zerstören“ bekannten Ereignisse rund um Captain Garth vermeintlichen Tod und seine Umwandlung spielen hingegen eine deutlich vordergründigere Rolle. Zuerst dachte ich ja, die Geschichte des Comics würde wesentlich anders ablaufen als das, was die TOS-Folge implizierte. Immerhin war in der Serie die Rede davon, dass Garth in einem Wahn nach seiner Rettung die Antosianer auslöschen wollte. Im Comic hingegen jagt er zuerst der Crew der Heisenberg hinterher um sich dafür zu rächen, dass man ihn vermeintlich tot auf Antos zurückließ. Anderseits könnte es durchaus sein, dass im Prime-Universum die Geschehnisse gar nicht so anders abgelaufen sind, lediglich die Endeavour  die Rolle der Heisenberg übernommen haben könnte, es sich in der ursprünglichen Zeitlinie somit für Garth erübrigt hätte, der Heisenberg nachzujagen. Aber unabhängig von der Zeitlinie landet Garth am Schluss jedenfalls auf Elba II in einer Einrichtung für geistig abnorme Rechtsbrecher. Zusammen mit Andorianern, Tellariten und einer Orionerin. Die Anspielungen auf die klassische Star Trek-Folge sind erstaunlich vielfältig in diesem Comic. Sogar der Schachzug wird untergebracht.

Es wäre noch sehr interessant gewesen zu erfahren, wie es dazu kam, dass Garth Leichnam auf Antos verblieb und die Antosianer es der Sternenflotten nicht mitteilten, dass sie Garth zu heilen vermochten. Aber ich kann den Zeitsprung nach vorne aus dramaturgischer Sicht ganz gut verstehen. Ich hätte mir die Antosianer allerdings etwas verschlossener vorgestellt und auch wenn sie nur immer einen Vertreter einer außerirdischen Delegation auf ihrem Planeten erlauben, kommt mir ihr Marktplatz etwas zu kosmopolitisch bevölkert vor.

Zeichnerin Megan Levens steuert nach dem Babel-Zweiteiler wieder die Grafiken bei. Ihr Stil wirkt sehr einfach und wie ich schon mal erwähnte „verniedlicht“ sie die Charaktere ein wenig, sie bleiben aber auf jeden Fall absolut erkennbar. Und eine gewisse Niedlichkeit ist vor allem bei Thalia nicht verkehrt. Vor allem wenn die Kleine am Beginn von Ausgabe #12 ihren großen Auftritt hat. 😀 Die U.S.S. Endeavour hätte Levens aber etwas besser treffen können. Man merkt, dass sie sich zu sehr an der Enterprise als Vorlage orientierte, aber die Endeavour unterscheidet sich in mancher Hinsicht doch deutlich von der Enterprise. Das war ein bisschen schlampig. Sogar die Cover der beiden Comics zeigen die Enterprise.

Bewertung: Der Zeitsprung und die folgende Darstellung von Antos wirft ein paar Fragen auf, aber sicher keine unerklärbaren. Ansonsten gefiel mir die Geschichte erstaunlich gut, denn ich war zuerst skeptisch, eine „Fortsetzung“ zu lesen, ohne deren Ursprung zu kennen. Aber zum Glück benötigte zumindest ich keine Vorkenntnisse, um  die beiden Gastcharaktere Eurydice und Thalia zu mögen. Und Captain Garth‘ Vorgeschichte vor seinem Unfall war ganz mitreißend erzählt und bei der Darstellung der Fehlfunktion brilliert auch Zeichnerin Levens, die verdeutlicht, welch Horror Garth erlebt hat. Insgesamt fühlte ich mich gut unterhalten, die Story war zwar teilweise schon bekannt, aber die Anspielungen auf TOS gefielen mir ebenso wie der Humor, den vor allem Thalia reingebracht hat. 5 von 6 Sterne! 

5stars

Anmerkungen: 

Die Darstellung der Rückblicke ist wirklich sehr gut gemacht mit großer Rücksicht auf die Designs der jeweiligen Zeit. So trägt die Crew der U.S.S. Heisenberg während der Schlacht von Axanar noch jene blauen Uniformen, die wir von der U.S.S. Kelvin kennen. Ein paar Jahre später auf der Akademie entsprechen die Darstellungen ebenfalls der Zeit mit passenden Unformen und auch Schauplätzen. Mit dem Sprung in die Gegenwart nach „Beyond“ ist dann die Palette der Dienstuniformen der neuen Zeitlinie komplett!

Da „Discovery“ im Prime-Universum angesiedelt ist und nicht in der Kelvin-Zeitlinie, sollte man nicht unbedingt Parallelen nach dem Universumssplit suchen, aber mir fiel doch auf, dass die U.S.S. Heisenberg zumindest an der Oberseite der U.S.S. Europa aus dem „Discovery“-Pilotfilm etwas ähnelt. Vermutlich aber nur ein Zufall.

Ohne das Buch empfehlen zu wollen, möchte ich zumindest darauf hinweisen, dass es auch einen Roman gibt, der die TOS-Folge „Wen die Götter zerstören“ fortsetzt. Im Jahr 2013 habe ich den „Garth of Izar“ rezensiert, der mich allerdings nicht zu beeindrucken vermochte.

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Rezension: TOS – “Shadow of the Machine”

Zur Überbrückung der nur noch kurzen Wartezeit auf das Erscheinen eines anderes Buches, habe ich diese kleine Novelle gelesen, die ausschließlich in ebook-Form erschienen ist. Autor Scott Harrison konzentriert sich hierbei vorrangig auf drei Offiziere der Enterprise nur kurze Zeit nach dem V’Ger-Zwischenfall im ersten Star Trek-Kinofilm.

Shadow of the Machine

Zwischen dem Abschluss des Testflugs (zu dem die Enterprise am Ende des Films aufbrach) und dem Beginn der zweiten 5-Jahres-Mission gönnen sich die Brückenoffiziere nochmal Urlaub, der aber nicht für jeden eine Erholung darstellt, sondern auch persönliche Verpflichtungen mit sich bringt. So wird Captain Kirk von seinem Onkel und seiner Tante auf die Familien-Farm gerufen, denn man macht sich dort Sorgen um Peter – den Sohn von Kirks verstorbenen Bruder. Der Junge, der einst so große Ambitionen hatte auf die Sternenflottenakademie zu gehen, wirkt teilnahmslos. Doch Kirk sieht sich selbst recht ungeeignet, um Peters Interesse an der Raumfahrt und im Speziellen einer Offizierskarriere zu fördern, hadert der Captain doch selbst noch mit dem Verlust von Commander Decker und Lieutenant Illia und der Frage, ob er eine solche Verantwortung, die der Job mit sich bringt, noch tragen will.

Mister Spock verbringt seinen Urlaub auf Vulkan, wo er nicht nur seine Eltern trifft, sondern auch in das Kolinahr-Kloster zurückkehrt, um dort zu deklarieren, dass dieses Ritual, durch das man sich sämtlicher Emotionen entledigen kann, nicht für ihn geschaffen ist.

Und schließlich begleitet der Roman auch noch Hikaru Sulu nach San Francisco, wo Monate vor dem eigentlichen Termin bei Sulus Lebensgefährtin die Wehen eingesetzt haben. Dank hochentwickelter medizinischer Technologie geht es Mutter und Tochter zwar nach der Geburt sehr gut, doch Sulu wird auch noch von der Sorge geplagt, welche Art von Vater er sein kann, denn an seiner Beteiligung an der nächsten 5-Jahres-Mission lässt sich nichts ändern. Und es scheint auch niemand Interesse daran zu haben, etwas daran ändern zu wollen.

Fazit: Der Titel „Shadow of the Machine“ bezieht sich nur auf die Zeit, in der dieser Roman angesiedelt ist. Es gab in den letzten Jahren nur sehr wenige Star Trek-Romane, die die TOS-Movie-Ära behandelt haben und kaum welche, die rund um die Ereignisse des allerersten Kinofilms angesiedelt waren. Eine sehr lesenswerte Ausnahme ist der Roman „Ex Machina“ von Christopher L. Bennett. Doch im Gegensatz zu diesem spielen die Besonderheiten dieses Zeitabschnitts in „Shadow of the Machine“ keine Rolle. Vielmehr stehen die Personen im Mittelpunkt und sehr persönliche Fragen, die sie quälen und die Antworten darauf, die sie suchen. Ich nehme nicht so viel vorweg wenn ich bereits verrate, dass sowohl Kirk, Spock als auch Sulu (in etwas geringerem Maße) ihre Antworten finden. Captain Kirk darf dabei sogar ein kleines Abenteuer erleben. Die Kürze der Novelle und die Art der Erzählung bieten nicht viel Raum für Action-Einlagen, aber diese eine lockert doch ganz gut auf, immerhin geschieht nicht allzu viel und auch der Dialoganteil erscheint mir verhältnismäßig gering. Es sind drei sehr introvertierte Geschichten, in denen man den Gedanken der drei Hauptprotagonisten folgt. Wie schon erwähnt sind viele persönliche Sorgen dabei und im Falle von Kirk auch einige Kindheitserinnerungen an seinen Bruder, die von der Rückkehr in sein altes Zuhause geweckt werden.

Während die Urlaubserlebnisse von Kirk und Sulu ungefähr gleich viel Raum erhalten, fand ich es schade, dass ausgerechnet Spocks Reise nach Vulkan etwas weniger Platz erhielt. Vor allem da er sicher an den exotischsten Ort reist und auch eine schöne Erkenntnis am Schluss hat, wenn er meint, er sei aufgrund seiner Abstammung kein halber Vulkanier, sondern mehr als nur Vulkanier.

Bewertung: Das Kurzroman-Format ist für diese Art von Geschichten sehr gut geeignet. Man muss solche persönlichen Lebenskapitel ja nicht immer versuchen, in ein Erlebnis von umfassenderer Wichtigkeit einzubetten. Scott Harrison interessiert sich hier allein für die die Charaktere, die er gut trifft und deren Probleme er mit Fingerspitzengefühl erläutert und dem Leser näher bringt. Kein überragender Roman, aber ideal um mal zwischendurch gelesen zu werden. 4 von 6 Sterne! 

4stars

Anmerkung:

Die_Tochter_des_CaptainWährend Inhalte jüngerer Romane verlagsintern ganz gut aufeinander abgestimmt sind, sind Autoren heutzutage nicht mehr an Geschehnisse gebunden, die in älteren Star Trek-Romanen vor der Jahrtausendwende beschrieben wurden. Bestenfalls gibt es noch kleine Anspielungen und eine solche findet man auch in „Shadow of the Machine“.

Bereits der in den 1990er-Jahren erschienenen Roman „Die Tochter des Captain“ – der übrigens wirklich sehr empfehlenswert ist! – beschäftigte sich intensiv mit Sulus Vaterschaft. „Shadow of the Machine“ ist mit diesem älteren Roman völlig inkompatibel. Dennoch wurde der Name von jener Frau, die Sulus Tochter Demora zur Welt brachte, dennoch von Scott Harrison in seine Novelle übernommen.

Rezension: TOS – “Savage Trade”

Wir sind weniger als einen Tag von der großen Netflix-Premiere von „Star Trek – Discovery“ entfernt, aber auch wenn bei mir schon die Spannung auf die neue Serie groß ist, widme ich mich mit diesem Artikel wieder der eigentlichen Kernkompetenz meines Blogs. Und so rezensiere ich heute Tony Daniels zweiten „The Original Series“-Roman (nach „Devil’s Bargain“).

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Am Beginn von „Savage Trade“ ist die Enterprise unter dem Kommando von Captain James T. Kirk unterwegs zu einem abgelegenen Föderationsaußenposten auf dem Planetoiden Zeta Gibraltar. Der Außenposten beantwortet schon seit geraumer Zeit keine Rufe mehr und die Crew der Enterprise erhielt den Auftrag, sich dort umzusehen. Bei ihrer Ankunft findet der Landetrupp zwar keine Spur vom Personal des Außenpostens, jedoch eindeutige Anzeichen eines Überfalls. Im Außenposten sichergestellte DNS lässt darauf schließen, dass L’rah’hane-Piraten – die einst das vermeintlich untergegangen Hradrian-Imperium mit Sklaven versorgten – das Personal von Zeta Gibraltar verschleppt haben. Nach dem Aufspüren der Ionenspur eines fremden Antriebssystems, die direkt in den nahen Vara-Nebel führt, lässt Captain Kirk einen Verfolgungskurs setzen und tatsächlich trifft man schon bald auf eine kleine Piratenschiffflotte, die der Enterprise nichts entgegenzusetzen hat. Auch weil sich einige der Entführten aus ihren Zellen befreien konnten und die L’rah’hane an Bord von deren eigenen Schiffen bekämpfen. Captain Kirk ist höchst dankbar für die Unterstützung, aber er reagiert mit verständlicher Überraschung und Misstrauen darauf, dass es sich bei seinen Mitstreitern um George Washington, Galileo Galilei, Marie Curie, Leonardo da Vinci, Benjamin Franklin, James Watt, Queen Elizabeth die Erste und weitere berühmte Persönlichkeiten der irdischen Geschichte handelt.

Natürlich handelt es sich nicht um die Originale und vor allem der Umstand, dass Kirk zu allererst auf den ehemaligen US-Präsidenten George Washington trifft, lässt den Captain der Enterprise sofort vermuten, dass er es mit Excalbianern zu tun hat. Vor nicht allzu langer Zeit (siehe hierzu die TOS-Episode „The Savage Curtain“/“Seit es Menschen gibt“) haben diese mächtigen Wesen Kirk und seinen Erste Offizier Spock dazu gezwungen, zusammen mit Nachbildungen von Abraham Lincoln und Surak gegen Ebenbilder von Dschingis Khan, Kahless, Zora und General Green zu kämpfen. Die Excalbianern erhofften dadurch mehr über die Prinzipien von Gut und Böse zu erfahren.

Nach der Befreiung des Außenposten-Personals und der Excalbianer in Menschengestalt aus den Händen der L’rah’hane, erfährt die Crew der Enterprise, dass die Excalbianer nach der Abreise von Kirk und Spock mit ihren inszenierten Kämpfen nicht aufgehört haben. Was anfangs als Experiment gedacht war, entwickelte sich zu einem grausamen Zeitvertreib. Doch einige wenige dieser Wesen entwickelten durch das Rollenspiel ein menschliches Gewissen und lehnten sich gegen die Kämpfe auf. Zur Bestrafung wurde ihr menschliches Erscheinungsbild permanent gemacht. Ohne die Möglichkeit noch unter Ihresgleichen leben zu können, flüchteten die rebellischen Excalbianer von ihrer Heimatwelt. Sie fanden die Föderation, die sie nach Zeta Gibraltar schickte, wo sie seither auf die Entscheidung warten, ob ihr Asylantrag akzeptiert wird oder nicht …

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Der Excalbianer in der TOS-Folge „The Savage Curtain“/“Seit es Menschen gibt“ wurde wie einige andere ähnlich aufwändige Kreaturen in der Serie von Janos Prohaska verkörpert, der auch selbst ein paar dieser Ganzkörperkostüme herstellte. Darunter die Horta und den Mugato.

Fazit: Vor allem in diesen Zeiten ist das schwierige Asyl-Thema so aktuell wie wenige andere und insofern trifft Tony Daniel schon einen Nerv, wenn er uns das Dilemma der Excalbianer schildert. Wenngleich sich deren Situation natürlich nicht mit den Gegebenheiten unserer Realität vergleichen lassen. Der Autor hat sich sehr bemüht, das Volk der Excalbianer wesentlich genauer zu beschreiben als es die einzige TV-Folge vermochte, in denen diese Wesen vorkamen. Wenngleich: Um sie zu charakterisieren mixt Tony Daniel Eigenheiten der Talosianer (aus TOS: „Der Käfig“) und den Gründern (aus der Serie „Deep Space Nine“). Bedenkt man wie diese beiden Völker mit Menschen umspringen, ist es verständlich, dass jene Excalbianer in permanenten Menschenkörpern nicht mehr dort bleiben wollten. Anderseits so richtig „menschlich“ sind die Flüchtlinge dann doch nicht. So sind sie durchaus in Erscheinen und ihren Gedanken gebunden an die eingebildeten Persönlichkeiten, die sie darstellen. Trotzdem sind sie Angehörige einer enorm hoch entwickelten außerirdischen Spezies mit erstaunlichen wissenschaftlichen und technischen Kenntnissen und noch einem Rest gestaltwandlerischer Fähigkeit – auch wenn diese nicht ihr eigenes Erscheinungsbild betrifft: Objekte, die sich längere Zeit in der Nähe der Excalbianer befinden, verwandeln sich zu Gegenständen, die zur imitierten Persönlichkeit des jeweiligen Excalbianers passen. Dank dieser Fähigkeit verfügt beispielsweise James Watt über einen schier unendlichen Vorrat an hervorragendem Scotch – sehr zu Montgomery Scotts Freude.

Womit wir bei der Enterprise-Crew wären. Diese definiert sich in „Savage Trade“ vorrangig über ihre Interaktion mit den von ihr verehrten historischen Persönlichkeiten. Ich denke, die Charaktere sind sehr gut getroffen. Jene Begegnung, die McCoy hat, war sogar ein wenig überraschend, im ersten Moment etwas out-of-character, aber im zweiten Moment durchaus stimmig. Neben den Excalbianern gibt es aber noch einen weiteren neuen Charakter – die vulkanische Diplomatin Valek, die nach Zeta Gibraltar geschickt wird, um den Asylantrag der Flüchtlinge zu bearbeiten. Ihre schwierige Vorgeschichte mit Spock und der Umstand, dass es sich bei ihr um einen Protegé von Botschafter Sarek handelt, ist durchaus interessant, wenngleich dies nichts zur eigentlichen Handlung beiträgt. (Aber in Hinblick auf die Hauptfigur von „Discovery“ ist es ganz interessant, denn Michael Burnham und Valek könnten einige Gemeinsamkeiten aufweisen.)

Doch das Herzstück dieses Romans bilden ganz gewiss die Excalbianer, aber ihr Dilemma wird eher philosophisch und theoretisch behandelt und weniger praktisch. Insofern ist die Geschichte sehr dialog- und gedankenlastig und die handlungsorientierten Passagen rund um die Piraten schaffen da keinen beachtenswerten Ausgleich. Für meinen Geschmack schafft es Tony Daniel leider nicht, Spannung zu transportieren. Der Konflikt mit den Piraten ist eine eher öde Angelegenheit und wird auch nicht so recht aufgelöst. So lässt es der Autor offen, ob ein Ableger des Hradrian-Imperiums noch existiert oder nicht. Ich glaube nicht, dass seither dieses Thema jemals wieder in einem anderen Roman aufgegriffen wurde. (Anmerkung: „Savage Trade“ erschien bereits im Jahr 2015.)

Aber nicht nur die Piraten boten Konfliktpotenzial. Auch gegen Ende des Roman taucht eine feindliche Macht auf, die zu bekämpfen es gilt. Wie sie besiegt wird, bleibt jedoch in hohem Maße abstrakt. Und ehrlich gesagt weiß ich nicht, aus welchem Grund Spock und Benjamin Franklin annehmen konnten, dass ihr Plan funktionieren würde. Entweder entging mir hier etwas. Oder dem Leser wurde eine wichtige Information vorenthalten. Angesichts der abstrakten Natur des finalen Lösung tendiere ich eher zu Letzterem.

Bewertung: Wie schon das Erstlingswerk des Autors „Devil’s Bargain“ war auch sein zweiter Roman etwas mühselig zu lesen. Ich glaube nach zwei Romanen kann ich guten Gewissens sagen, dass mit Tony Daniels Stil einfach nicht liegt. Dennoch gefiel mir „Savage Trade“ besser als „Devil’s Bargain“. Es ist ein durchschnittlicher Roman mit einigen interessanten Szenarien und Begegnungen. Die Charaktere sind interessant und aus den Excalbianern hat der Autor doch einiges herausgeholt. Aber spannend war es leider nicht zu lesen. Daniel versucht zwar merkbar Spannung zu erzeugen, aber bei mir kam sie leider nicht an. Daher kann ich bestenfalls 3 von 6 Sterne vergeben.

3stars

Rezension: „Star Trek The Klingon Empire – Hidden Universe Travel Guides“

Vor ungefähr einem Jahr rezensierte ich das Buch „Star Trek Vulcan„, das auf bislang einzigartige Weise einen Planeten im Star Trek-Universum vorstellte: nämlich als fiktive Urlaubsdestination. Inzwischen ist auch ein zweiter „Hidden Universe Travel Guide“ erschienen, der dem Lesern interessante Ausflugsziele auf der klingonischen Heimatwelt Kronos und anderen Planeten im Imperium näher bringt.

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An der Struktur und dem Layout hat sich nichts geändert: Erneut schlüpft der vor allem für seine Romane bekannte Star Trek-Autor Dayton Ward in die Rolle des Reiseführers, der uns zuerst historisch und geschichtlich Relevantes über das klingonische Volk und seine Kultur erzählt, worauf folgend jedes Kapitel einem bestimmten Reiseziel auf Kronos gewidmet ist. Wie gewohnt enthält jedes Kapitel eine Übersichtskarte, Erläuterungen zur Bedeutung der entsprechenden Region, eine (manchmal bebilderte) Beschreibung der Sehenswürdigkeiten, der Veranstaltungen, Einkaufsmöglichkeiten, Hotels und Kulinarik. Auch kommt wieder in jedem Kapitel eine prominente Persönlichkeit (Worf, Gorkon, B’Elanna Torres, Martok, Azetbur, Korrd) zu Wort, die über ihren eigenen Bezug zur vorgestellten Region plaudert. Neu sind die sogenannten „Side Trips“. Vier der Kapitel enthalten Anhänge, in denen in gestraffter Form auch Ausflugsziele auf anderen klingonischen Planeten vorgestellt werden. Folgende Orte werden genauer vorgestellt:

  • Die Erste Stadt
  • Die zentralen Ebenen (+ Side Trip Khitomer)
  • Krennla (+ Side Trip Rura Penthe)
  • Ketha-Provinz (+ Side Trip Narendra III)
  • Quin’lat (+ Side Trip Boreth)
  • Tong Vey 

Diese „Side Trips“ machen durchaus Sinn. Immerhin haben wir in den Serien und Filmen so einige Planeten gesehen, die sich die Klingonen untertan gemacht haben. Die Vulkanier haben da weniger Planeten vorzuweisen. Außerdem bot die Einbindung dieser „Side Trips“ einen guten Vorwand, diesen Reiseführer „The Klingon Empire“ zu nennen. Ein Titel, der sicher mehr Aufmerksamkeit weckt als „Kronos“.

Livio Ramondelli und Peter Markowski steuern wie schon beim Vulkan-Reiseführer hübsche Zeichnungen in ihrem typischen Stil bei, die den Text immer wieder auflockern. Und diese Auflockerung hat dieses Buch absolut nötig …

Fazit: Was den Vulkan-Reiseführer für mich so interessant machte, war vor allem der Umstand, dass er sich viele Freiheiten nahm und es dem Autor meiner Meinung nach sehr gut gelang, ein dem ersten Eindruck nach monotones Volk und eine öde Wüstenwelt sehr differenziert vorzustellen. Es wurden wirklich viele interessante Gegenden beschrieben und mehr als einmal hervorgehoben, dass der typische Durchschnitts-Vulkanier gar nicht in dem Ausmaß konservativ ist, wie man meinen konnte.

Daher hat es mich völlig überrascht, wie eintönig Dayton Ward die klingonische Heimatwelt und die Klingonen beschrieben hat. Sicher, einige Bauwerke und Landschaften sind einzigartig, aber insgesamt macht es keinen großen Unterschied, wo man sich aufhält. Alles wirkt klimatisch gemäßigt und was man in der jeweiligen Gegend vorfindet ist erwartbar: Es scheint überall Überreste „wichtiger“ Schlachten zu geben, überall die typischen Saufgelage und Exzesse, Geschichtserzählungen, Gesänge, rohes bis lebendes Essen und Unterbringungen in den Kategorien „Erträglich“ und „Klingonisch“. Man muss leider festhalten, dass der Autor den Klingonen-Klischees in die Falle gegangen ist, anstatt aus diesem Kriegervolk etwas Ausbaufähigeres zu machen. Was Vielfältigkeit und Individualität angeht, hätten die Klingonen meiner Meinung nach sehr viel größeres Potenzial gehabt als die Vulkanier. Daher enttäuscht es mich doch sehr, dass Dayton Ward nur bereits ausgetrampelte Pfade betreten hat.

Und auch was die Zeichnungen in diesem Buch angeht, muss ich hart ins Gericht gehen. Es war im Vulkan-Reiseführer schon ein gewisses Manko, dass die Zeichnungen eigentlich immer nur jenen beschriebenen Sehenswürdigkeiten galten, die visuell nicht so besonders waren, während faszinierende Bauwerke und Landschaften ohne Darstellung auskommen mussten. Im Kronos-Reiseführer ist es aber auffallend umgekehrt: Zumindest die einleitenden Doppelseiten zeigen mitunter spektakuläre Szenarien, auf die der triste Texte überhaupt nicht eingeht. Und auch zwischen den Zeichnungen und den Landkarten gibt es sonderbare Diskrepanzen. In keinem Kapitel wird dies augenscheinlicher als bei der Vorstellung der am Meer gelegenen Stadt Quin’lat. Die doppelseitige Zeichnung stellt stimmungsvoll bei Nacht eine gut 100 Meter hohe Mauer am Ufer dar, ein kleines Dorf an der Außenseite auf Stegen und hinter der Mauer eine gewaltige Metropole. Der Text? Der beschreibt nur eine Burg inmitten der Stadt mit einer mickrigen 10 Meter hohen Mauer und verliert kein Wort über eine beeindruckende Wehranlage am Ufer.

Im Vulkan-Reiseführer habe ich auch den durch den Text vermittelten Humor gelobt und Anspielungen auf andere Figuren und Begebenheiten im Star Trek-Universum. Letzteres sucht man in dieser Art im Kronos-Reiseführer vergeblich. Und humorvolle Stellen muss man mit der Lupe suchen, um sie ausfindig zu machen. Am witzigsten sind ein hilfreicher Ratschlag zum Aufenthalt auf Rura Penthe und die Vermischung von Alltagsphrasen und Schlachtrufen in der Einleitung zur klingonischen Sprache.

Bewertung: Ich glaube nicht, dass meine Erwartungshaltung nach dem mehr als gelungenen Reiseführer zum Planeten Vulkan zu hoch angesetzt war. Dayton Ward hat mit seinem ersten „Hidden Universe“-Buch eine tolle Leistung vollbracht, aus den Vulkaniern eine schillernde Zivilisation zu machen. Jene der Klingonen wirkt im Reiseführer genauso geklont wie der erste Imperator Kahless. Einfach nur zusammengesetzt aus den Krieger-Anekdoten, die in den Serien des 24. Jahrhunderts mehr als ausreichend breitgetreten wurden. Nur weil mir das Layout und einige der Zeichnungen sehr gut gefielen, gebe ich 2 Sterne.

2stars

Rezension: TNG – “Die Jarada”

Zu meinen Rezensionen älterer Star Trek-Bücher gesellt sich diesmal ein „The Next Generation“-Roman aus dem Jahre 1992 (deutsche Erstveröffentlichung 1995) namens „Die Jarada“. Da ich mir ja erst kürzlich die TV-Serie angesehen hatte, wurde ich wieder einmal auf dieses mysteriöse insektoide Volk aufmerksam, das man zwar nie gesehen hat, aber in der Staffel-1-Folge „Der große Abschied“ eine zentrale Rolle spielt und in der Staffel-2-Folge „Das Herz eines Captains“ in Sachen Bedrohlichkeit in einem Atemzug mit den Romulanern genannt wird. Ich fand es schade, dass man in den späteren Staffeln und Spin-offs auf die Jarada vergessen hat, weshalb ich kürzlich diesen Roman von Autorin V.E. Mitchell auf meine Leseliste gesetzt habe.

Reziant_Logo_Insekten_kDass dieser Roman derart rasch an die Spitze meiner Leseliste geklettert ist, liegt aber vor allem am Themenschwerpunkt „Insekten, der auf Daniela Walchs sehr empfehlenswerten „Buchvogel“-Blog im September 2017 im Mittelpunkt steht. Mit der folgenden Rezension und einem kleinen Überblick über insektoide Völker im Star Trek-Universum leiste ich gerne einen kleinen Beitrag zu dieser besonderen Aktion.

Nun aber zuerst mal zur Handlung des Romans: Die Jarada wurden in der TV-Serie als äußerst aggressives Volk dargestellt, das mitunter extrem reagiert, wenn man sich nicht an deren Protokolle hält. Diplomatische Beziehungen zu ihnen aufzubauen erwies sich daher bislang als äußerst schwierig, wenngleich es Captain Picard in „Der große Abschied“ gelang, eine erste Brücke zu schlagen, indem er Grußworte in der Sprache der Jarada artikulierte. Seitdem ist es um die Jarada ruhig geworden, umso überraschender kommt drei Jahre später die Einladung des auf Beltaxiya Minor beheimateten Jarada-Schwarms, eine Delegation von der Enterprise zu empfangen und Verhandlungen über eine zukünftig engere Zusammenarbeit bis hin zum Föderationsbeitritt zu führen.

Von Anfang an klingt das Angebot zu gut um wahr zu sein, zumal die erste Zusammenkunft auf Beltaxiya schon beinahe verdächtig reibungslos abläuft und sich die Gastgeber als sehr entgegenkommend erweisen. Gerade deshalb reagieren Captain Picard und seine Führungscrew misstrauisch, als der Ältestenrat der Jarada darum bittet, einige Mitglieder der Enterprise-Crew mögen doch jaradische Institute zu ihren Fachrichtungen aufsuchen und sich mit ihren Kollegen dort austauschen. Niemandem behagt es, das Außenteam aufzuteilen, doch da ihnen die Jarada bislang keinen Grund gaben an ihrer Aufrichtigkeit zu zweifeln, willigt Captain Picard ein. Doktor Crusher wird daraufhin zu einem medizinischen Forschungslabor chauffiert, Commander Riker darf mit einem Jarada-Orchester musizieren, Lieutenant Worf nimmt an einem Kampftraining der Schwarmhüter teil und Chief O’Briens frisch angetraute Ehefrau Keiko und Fähnrich Tanaka sollen auf einer Exkursion die Botanik Beltaxiya Minors kennenlernen. Jeder dieser Ausflüge beginnt recht entspannt und harmlos, aber schon bald stellt sich heraus, dass ihre Gastgeber nicht völlig ehrlich waren und ein wichtiges Detail verschwiegen haben: Eine wahnhafte, Gewaltausbrüche verursachende Epidemie geht unter den Jarada um und für die Mitglieder des Außenteams beginnt ein Kampf ums Überleben!

Fazit: Der Roman von V.E. Mitchell lässt sich sehr gut in zwei Hälften unterteilen. In der ersten Hälfte stehen die Jarada und ihre Koloniewelt im Mittelpunkt. Aus der Perspektive der Enterprise-Crew erlebt man diesen ersten echten Kontakt mit dieser ungewöhnlichen Spezies, die auch sehr detailreich beschrieben wird. Von den Jarada kann man sich in Gedanken wirklich ein sehr gutes Bild machen, auch weil sie als aufrecht gehende Insekten sehr große Ähnlichkeit mit den Xindi-Insektoiden aufweisen, die später in „Enterprise“ vorkamen. (Mit dem Unterschied, dass die Jarada acht statt vier Gliedmaßen aufweisen, wenngleich diese wiederum gepaart sind. Zudem weisen die Jarada farblich eine große Vielfalt auf und sind im Durchschnitt kleiner als Menschen.) Was die Beschreibung der Umgebung und vor allem der Bauwerke angeht, bevorzugen es die Jarada zwar verwinkelt und verworren und sie orientieren sich auch hauptsächlich über den Geruchssinn. Aber die Gebäude selbst und ihre Einrichtung wirken nicht allzu fremdartig. Hier hätte die Autorin ruhig etwas ausschweifender werden können. Ungefähr so ausschweifend wie bei der Enterprise-Besatzung. 😉

Zugegeben: Dass sich die Crew der Enterprise recht „volkstümlich“ ausdrück liegt ziemlich sicher an der Übersetzung des Romans. Der Übersetzer hat die Stimmen der Charaktere leider nur in Ausnahmefällen getroffen. Aber auch V.E. Mitchell hat sich hier und da recht weit aus dem Fenster gelehnt. Die TNG-Crew lässt sich meiner Meinung nach als recht „moderat“ bezeichnen. Insofern sind die Gefühlsausbrüche, die Mitchell den Charakteren hier zuschreibt, schon ganz schön extrem. Angesichts der beschriebenen Gereiztheit, Wut und sogar Verachtung könnte man meinen, die Autorin habe vergessen, dass der von ihr beschriebene Wahnsinn ausschließlich die Jarada befällt. 😉 Sicher, in der zweiten Hälfte des Romans lässt sie das Außenteam ganz schön viel mitmachen; getrennt voneinander kämpfen sie um ihr Leben. Aber trotzdem wirken die Charaktere überzeichnet. Zumindest nach den Maßstäben, die die TV-Serie gesetzt hat.

Besonders daneben empfand ich die von Eifersucht und kulturellen Missverständnissen geprägte Nebenhandlung rund um Transporter-Chief O’Brien und Keiko. Mir ist klar, dass zu jener Zeit, als der Roman verfasst wurde, Keiko erst wenige Auftritte absolviert hatte und es durchaus nachvollziehbar ist, dass die Autorin ihr andichtet, eine Offizierin im Rang eines Fähnrichs zu sein, während spätestens „Deep Space Nine“ ihren Zivilistenstatus unterstreicht. Aber abgesehen vom Professionellen ist die Darstellung von Keikos und Miles‘ Ehe … schräg. Ein besseres Wort fällt mir gerade nicht ein. Es gibt ja durchaus in der TV-Folge „Der Rachefeldzug“ – Keikos zweitem Auftritt – die prüde Andeutung, die beiden hätten vor ihrer Hochzeit nie miteinander gefrühstückt. Aber in diesem Roman wirkt es, als würden sie wirklich gar nichts voneinander wissen, obwohl in dieser Geschichte selbst festlegt wird, die beiden hätten sich vor einem halben Jahr kennengelernt. Kurz zusammengefasst: Die beiden Ehepartner sind in diesem Roman nur schwer zu ertragen.

À propos „zusammengefasst“: Etwas, das man sehr häufig bei älteren Star Trek-Romanen vorfindet, gibt es auch gegen Ende dieses Romans. Nämlich eine ausgedehnte Besprechung, in der das Erlebte und seine Bedeutung nochmals zusammengefasst wird. Es scheint, als hätten die Autoren damals den Lesern nicht zugetraut, über den Roman verteilte Informationen im Kopf zu behalten und selbst die Zusammenhänge zu erkennen. Anderseits möchte ich doch anmerken, dass diese Passage in „Die Jarada“ vergleichsweise kurz ausfällt, was aber auch daran liegt, dass das zu lösende „Rätsel“ rund um den Wahn, der die Jarada befällt, sich als nicht allzu kompliziert erweist. Der Großteil des Romans befasst sich eher mit der Frage, welches Rätsel es überhaupt auf Beltaxiya Minor gibt. Es zu lösen bedarf danach nur wenige Seiten.

Bewertung: Speziell die deutsche Übersetzung des Romans empfinde ich als nicht besonders empfehlenswert aufgrund der vielen ungewöhnlichen Floskeln und Worte, die die TNG-Charaktere meiner Meinung nach nie in den Mund genommen hätten. Aber auch die Geschichte selbst ist nicht gerade herausragend. Zuerst gelingt es der Autorin zwar durchaus Interesse für die Jarada und ihre Koloniewelt zu wecken, aber da wäre sogar noch mehr möglich gewesen. Der folgende Überlebenskampf des Außenteams ist dann etwas zäh zu lesen, mit leichten Abwandlungen erleben alle Mitglieder des aufgesplitteten Teams an unterschiedlichen Orten mehr oder weniger das gleiche. Mehr als 2 Sterne kann ich leider nicht vergeben, auch wenn die Geschichte zumindest meine Erwartung erfüllt hat, die Jarada-Spezies und ihre Kultur etwas genauer zu beleuchten.

2stars

Insektoide Spezies im Star Trek-Universum:

where_silence_has_lease_hd_031Auf menschenähnliche Spezies trifft man in den Star Trek-Serien und -Filmen ja ständig. Dass man physiologisch ungewöhnlichere Völker wie Insektoide nur selten sieht, hat vermutlich nur einen Grund: Sie lassen sich weitaus schwerer von menschlichen Schauspielern darstellen, was wohl auch der Grund war, warum man die Jarada niemals gesehen hat. 😉 Insekten zeichnen sich generell durch einen sehr segmentierten Körperbau aus, weshalb beispielsweise jenes insektoide Wesen, gegen das Lieutenant Worf in einem seiner Holodeck-Trainingsprogramme zum Kampf antritt, auch wie ein kostümierter Stuntman aussieht. Es verwundert daher nicht, dass man Insektoide im Star Trek-Universum vor allem in „The Animated Series“ und „Enterprise“ zu sehen bekommen.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Als Zeichentrickserie konnte „The Animated Series“ problemlos ohne größeren Aufwand neue Spezies in Form von Reptilien, Insekten, Weichtieren und sogar Pflanzenwesen einführen. Und in der ab 2001 produzierten Serie „Enterprise“ war die CG-Technik schon so weit entwickelt, um ganz ansehnliche computer-generierte Kreaturen zu erschaffen.

 

Während man also über die Jahrzehnte nur selten physisch-insektoide Spezies zu Gesicht bekommt, werden Charakteristika von Insektenstaaten jedoch ganz gerne auf nicht-insektoide Wesen im Star Trek-Universum angewendet. Das prominenteste Beispiel stellen hier sicher die Borg  mit ihrem Schwarmbewusstsein inklusive Königin dar.

Noch einfacher lassen sich insektoide Spezies natürlich in Romanen umsetzen. Worten sind hier keine Grenzen gesetzt und doch fiel mir kürzlich auf, dass in meinen eigenen FanFiction-Romanen Insektoide keine nennenswerte Rolle spielen. Lediglich in einem Kapitel von „A Decade of Storm“ habe ich aus den in „The Next Generation“ nur namentlich erwähnten Barolianern Ameisen-ähnliche Wesen gemacht. Und in jenem Roman, den ich derzeit verfasse, schreibe ich den Andorianern gewisse insektoide Verhaltensweisen zu. (Dies ist als eine kleine Anspielung meinerseits auf das inzwischen veraltete Sachbuch „Die Welten der Föderation“ zu verstehen, in dem Andorianer aufgrund ihrer Antennen als „humanoide Insekten“ bezeichnet werden.)

Den Abschluss dieses langen Blog-Artikels überlasse ich aber wieder den Xindi-Insektoiden bzw. einem ganz besonders talentierten Exemplar aus der CG-Schmiede von Doug Drexler:

Rezension: Comic – Boldly go #10

Am Beginn von „Star Trek Beyond“ sahen wir Captain Kirk bei einem vergeblichen Versuch, Frieden zwischen den Teenaxi und den Fibonern herzustellen. Die übermäßig misstrauischen und trotz ihrer geringen Größe sehr aggressiven Teenaxi schlugen Kirk in die Flucht, doch dabei gelang es zwei von ihnen, an Bord der Enterprise zu gelangen und einen von ihnen sieht man auch später im Film noch an Bord der Sternenbasis Yorktown. Die weitere Geschichte dieses Teenaxi – der Kevin genannt wird, weil sein eigentlicher Name für die meisten humanoiden Zungen unaussprechlich ist – erzählt Ausgabe #10 der „Boldly go“-Comicreihe.

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Nachdem Kevin dem Leser Kirks Besuch auf seiner Heimatwelt aus der sehr ungewöhnlichen Perspektive eines Teenaxi nacherzählt hat, beginnt er mit der Schilderung neuer Eindrücke, die seine frühere Einstellung zu Fremden überdenken lassen. Neugierig geworden holte er bei seinem Volk die Erlaubnis ein, eine Weile auf der neuen Sternenbasis zu bleiben und da sich Kevin durch technisches Geschick auszeichnet, darf er auch als eine Art ziviler Experte beim Zusammenbau der Enterprise mithelfen. Daran beteiligt sich auch Montgomery Scott, der mit seinen Kadetten noch immer auf Exkursion ist (siehe Ausgaben #7 und #8) und auf dem Weg zurück nach San Francisco einen Zwischenstopp auf Yorktown einlegt, um zu sehen wie die Arbeiten vorangehen.

Genau zu jenem Zeitpunkt wird auch eine diplomatische Delegation der Teenaxi auf der Sternenbasis erwartet und bedenkt man den Ausgang von Kirks Mission, verläuft diese halbwegs glimpflich … bis nach Abreise der Delegation nicht nur Kevin unauffindbar ist, sondern auch ein Bauteil der neuen Enterprise.

Fazit: Diese Geschichte erinnert am Beginn vage an „Ongoing #14„. Dieser Comic stellte uns den ebenfalls handwerklich sehr geschickten Keenser vor und wie er in die Sternenflotte eintrat. So weit geht Kevin nicht und tatsächlich hat es der kleine Teenaxi in dieser Geschichte mit einem schwierigen Loyalitätenkonflikt zu tun. Einerseits fühlt er sich noch immer seinem Volk verpflichtet und anderseits hat er die Föderation zu schätzen und zu mögen gelernt. Der Geschichte wirklich zugute halten muss man, dass die Sichtweise der Teenaxi wirklich fremdartig ist und dadurch wieder ähnlich gelagerte Missverständnisse entstehen wie bei  Kirks Mission am Beginn von „Star Trek Beyond“. Denn die einzige Absicht, die die Teenaxi-Delegation auf Yorktown verfolgt ist der Diebstahl des „Machtzentrums“ der Enterprise mit der Absicht das modernste Schiff der Sternenflotte außer Gefecht zu setzen und sich so eine bessere Ausgangslage für zukünftige Verhandlungen mit der Föderation zu schaffen. Dass das entwendete „Machtzentrum“ für die Enterprise gar nicht dermaßen wichtig ist, fällt den Teenaxi aufgrund ihrer besonderer Sichtweise auf die Dinge nicht gerade leicht.

Die Geschichte ist sehr humorvoll, die Eigenheiten der Teenaxi-Kultur, die daraus entstehenden Situationen und Scotty sorgen für einiges an Witz. Seine Kadetten, die uns inzwischen ja schon recht gut bekannt sind („Starfleet Academy“-Miniserie), sind aber eher ein Anhängsel. Es ist nett, sie wiederzusehen und sie haben durchaus die nicht unwichtige Funktion, Scotty als Gesprächspartner zur Verfügung zu stehen. (Der einsilbige Keenser ist in dieser Hinsicht ja etwas weniger gut geeignet. ;-)) Aber letztlich sind sie in dieser Geschichte nur Scottys Befehlsempfänger und müssen dem Chefingenieur und Kevin das Rampenlicht überlassen.

Die Zeichnungen zu Mike Johnsons Story steuerte abermals der routinierte Tony Shasteen in gewohnter Qualität bei. Das eindrucksvollste Bild in diesem Comic ist gewiss die Nahaufnahme von Kevins Gesicht, mit all den Runzeln, Schatten, Details in den Augen. Wenn man so will ist Shasteen aber zumindest ein Faux-pas unterlaufen: Auf einem Computerdisplay ist noch der Grundriss der vorherigen Enterprise-Variante zu sehen. Denkt man allerdings zurück an die ganz frühen „Ongoing“-Comics, die munter anachronistische Designs aus der „Next Generation“-Ära reingemischt haben, ist dieses Versehen von Shasteen kaum der Rede wert.

Bewertung: Ausgabe #10 erzählt abermals eine kleinere, persönlichere Geschichte aus dem neuen Star Trek-Universum, die beinahe durchgängig gut unterhält. Problematisch wird es meiner Meinung nach aber am Schluss, gerade dann, als die Handlung relevanter wird. Ich will nicht zu viel verraten, aber für meinen Geschmack kommt Kevin aus dem vorhin erwähnten Loyalitätenkonflikt etwas zu glimpflich raus. Ebenfalls zu glimpflich kommt er zur Yorktown-Basis zurück. Daher gebe ich nur 3 von 6 Sterne.

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Rezension: „Star Trek – Die Welten der Föderation“

Im vergangenen Herbst habe ich einen Reiseführer zum Planeten Vulkan rezensiert und da ich nun kurz davor stehe, das im selben Stil verfasste Buch zum Klingonischen Imperium zu lesen, wurde mein Interesse geweckt, nach langer Zeit wieder einmal ein sehr altes Buch aus dem Regal zu holen, das sich ebenfalls mit der Präsentation von besonderen Planeten im Star Trek-Universum beschäftigt: Shane Johnsons „Die Welten der Föderation“.

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Um den Inhalt des Buches richtig einordnen zu können, ist es wichtig, sich seines Erscheinungsdatums bewusst zu werden. In den USA erschien es unter dem Originaltitel „The Worlds of the Federation“ im Jahre 1989, während es der Heel-Verlag auf Deutsch erst 1996 herausbrachte und damals einige Informationen aus dem Buch bereits veraltet waren. Denn während 1996 das Star Trek-Franchise bereits sein 30jähriges Jubiläum feierte (was vermutlich Anlass für die nachträgliche deutsche Veröffentlichung war) und nach dem Ende von „The Next Generation“ bereits „Deep Space Nine“ und „Voyager“ seit mehreren Jahren im TV liefen, war das fiktive Star Trek-Universum im Jahre 1989 noch ein ganzes Stück kleiner. Es bestand lediglich aus 3 Staffeln der klassischen Serie, der kurzlebigen Zeichentrickserie, fünf Kinofilmen und wahrscheinlich noch nicht mal aus zwei vollständigen Staffeln von „The Next Generation“ als dieses Buch geschrieben wurde.

Schon 1996 waren einige der im Buch enthaltenen Informationen nicht mehr aktuell und aus heutiger Sicht würde der Uneingeweihte vermuten, der Autor habe keine Ahnung von „Star Trek“ gehabt. Doch tatsächlich arbeitete Shane Johnson lediglich mit dem Wenigen, das schon vorhanden war , füllte Lücken mit seiner eigenen Fantasie und bediente sich auch aus anderen Quellen, die er in seiner Danksagung nennt. Darunter die „Space Flight Chronology“, „Star Trek Maps“ und „Spocks Welt“. Dieses Sachbuch genießt man heutzutage also besser als Zeitreise, die einen zurück in einen weit weniger vollgepackten Kanon des Star Trek-Universums entführt.

Ich hatte zuvor zwar die aktuellen Star Trek-Reiseführer erwähnt, aber mit Dayton Wards Büchern hat „Die Welten der Föderation“ abgesehen vom Thema „Fremde Welten und neue Zivilisationen“ nichts gemein. Shane Johnsons Buch ist mehr eine sachlich verfasste Enzyklopädie … und zwar verfasst von niemand Geringerem als Lieutenant Commander Data von der U.S.S. Enterprise-D. Diese besondere Perspektive ist insofern interessant, weil viele der insgesamt 66 (!) vorgestellten Welten im Buch uns nur aus den Abenteuern von Kirk & Co bekannt waren. Data liefert hier nicht nur Zusammenfassungen dessen, was man in den Serien und Filmen sah – mit natürlich einigen Ergänzungen – sondern gibt „historische“ Informationen, wie sich das Leben in den folgenden 100 Jahren auf einigen der Planeten weiterentwickelt hat. Shane Johnson hat sich hier eine große Bandbreite an Schicksalen ausgedacht. Humorvolles wie im Falle von Sigma Iotia (siehe TOS-Folge „Epigonen“), die sich nach dem Bandenwesen in Chicago die Enterprise-Offiziere zum Imitieren ausgesucht haben. Aber auch Tragisches ist dabei, wie die „erfolgreiche“ Reduzierung der Überbevölkerung von Gideon (TOS-Folge „Fast unsterblich“).

Das Buch selbst ist klar strukturiert in drei Kapitel: Föderationswelten, neutrale Welten und feindlich gesinnte Völker. Jedem vorgestellten Volk wird eine Doppelseite gewidmet, die zuerst die geläufigen Namen des Sonnensystems benennt, dann folgt ein Text, der die Beschaffenheit des Systems, seiner Bewohner und ihre Geschichte erläutert und lokale Besonderheit erwähnt. Darunter gibt es dann grafische Darstellungen des Sonnensystems sowie des Hauptplanten im System. Komplettiert wird die Doppelseite mit einer Darstellung der dominanten Lebensform. Nur in wenigen Fällen variiert die Zusammenstellung der Doppelseite und es wird statt der dominanten eine ungewöhnliche Spezies genauer gezeigt, manchmal auch ein besonderes Bauwerk auf dem Planeten oder eine Sternenkarte, die ein besonderes historisches Ereignis beschreibt. Und wenn über einen Planeten nur sehr wenig bekannt ist, dann kann es auch vorkommen, dass stattdessen ein Raumschiff des dort beheimateten Volkes dargestellt wird, mit dem die Föderation in Kontakt kam.

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Dies ist ein Foto der amerikanischen Ausgabe. Die deutsche Ausgabe verzichtet auf den farbigen Rahmen auf diesen Doppelseiten und ist – abgesehen von den Bildern auf den Mittelseiten – in Schwarz-Weiß gehalten.

Fazit: 1989 stammten die Klingonen noch von Klinzhai (oder Kling) und nicht von Kronos. Die Heimatwelt der Ferengi wird in diesem Buch als Ferengal bezeichnet und die Föderation wurde im 21. Jahrhundert gegründet. Die Andorianer haben es gerne warm und Romulus war schon vor Suraks Zeit eine vulkanische Kolonie, die dann in Vergessenheit geriet. Dies sind nur ein paar der auffälligeren Abweichungen zum später etablierten Kanon. Aber als Fehler vorwerfen darf man diese Abweichungen dem Buch und seinem Autor natürlich nicht, denn Shane Johnson hat damals auch nichts anderes getan als es heutige Star Trek-Autoren machen: Sie schließen Lücken, beantworten offene Fragen und leben mit dem Risiko, dass diese Fragen später vielleicht ganz anders beantwortet werden. Und auch wenn natürlich gerade die „Fakten“ zu den besonders häufig vorkommenden Welten und Völkern heute ganz andere sind als 1989, so enthält das Buch doch auch viele unwidersprochene Ideen und kann durchaus eine Inspirationsquelle für Fan-Fiction-Autoren sein, die nach ungewöhnlichen Schauplätzen Ausschau halten, um ihre eigenen Geschichten zu bereichern.

Das heimliche Highlight des Buches ist völlig vom Alter unabhängig: Es sind die 8 farbigen Innenseiten, die vom leider bereits verstorbenen Science-Fiction-Illustrator Don Ivan Punchatz gestaltet wurden. In einem besonderen, malerischen Stil stellte er für diese Seiten einige ausgewählte Spezies dar, vornehmlich Nicht-Humanoide aber auch Vertreter der Flora und Fauna einiger im Buch erwähnter Welten. Als Fan der meiner Meinung nach unterschätzten Star Trek-Zeichentrick-Serie freut es mich besonders, auf diesen Seiten auch Phylosianer, Le-Matya oder die capellanische Energiekatze vorzufinden. Ich kann mich noch erinnern in den 90er-Jahren gerätselt zu haben, woher diese fantastischen Spezies denn stammen mögen. Erst viele Jahre nachdem ich das Buch zum ersten Mal gelesen hatte fand ich es heraus.

Bewertung: Als Nachschlagewerk ist „Die Welten der Föderation“ heutzutage natürlich nicht mehr zu empfehlen, falls man sich gezielt auf die Suche nach Kanon-Informationen zu „Star Trek“ begibt. Aber wie erwähnt enthält das Buch auch einige inspirierende Ideen und ich denke wenn man sich bewusst ist, dass man hier keine aktuelle Informationensammlung vor sich hat, kann man als Leser – und vielleicht sogar als Star Trek-Autor – einiges daraus mitnehmen. Okay, der Text ist manchmal etwas trocken formuliert, was der Fantasieanregung wenig dienlich ist – dies ist sicher dem fiktiven Verfasser des Buches geschuldet. Aber in kaum einem anderen Buch wird man die Besonderheit von 66 fremden Welten und ihren Bewohnern so kompakt und großzügig illustriert vorfinden wie hier. Daher gebe ich 4 von 6 Sterne – nicht für ein Sachbuch, sondern für eine interessante Ideensammlung.

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Anmerkungen:

Die deutsche Ausgabe enthält nicht nur vorne und hinten ein paar Seiten Werbung, ihr lag auch ein kleiner Prospekt des Heel-Verlags bei, der Science-Fiction-Fanartikel verschiedenster Art zum Kauf anbot.

Shane Johnson – der inzwischen unter dem Namen Lora Johnson firmiert – erfreut sich vor allem in der englischsprachigen Fanszene dank „Mr. Scotts Guide to the Enterprise“ großer Anerkennung. Im Gegensatz zu „Die Welten der Föderation“ wird dieses technische Handbuch (das meines Wissens nach nie auf Deutsch erschien) in Konversationen z.B. bei TrekBBS.com  auch heutzutage noch oft referenziert.

Rezension: Comic – Boldly go #9

Nach den Abenteuern der U.S.S. Endeavour in den vergangenen drei Ausgaben der „Boldly go“-Comicreihe, konzentriert sich Ausagbe #9 nun wieder auf persönliche Erlebnisse bekannter Charaktere. Diesmal im Mittelpunkt stehen Uhura und Spock.

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Die Enterprise wird noch auf Stenrnenbasis Yorktown zusammengebaut – ein Vorgang, der laut Information aus diesem Comic noch mehrere Monate andauern wird – und so gönnen sich Uhura und Spock eine Auszeit von der Sternenflotte, die sie auf Neu-Vulkan verbringen. Uhura unterrichtet an der Wissenschaftsakademie irdische Geschichte und Kultur während sich Spock einer Expedition anschließt, die ihn in eine abgelegene Gegend des noch relativ unerforschten Planeten führt. Dort soll eine radioaktive Substanz abgebaut werden, die dabei helfen soll, die neue Heimatwelt der Vulkanier energieautark zu machen.

Während sich Spock weit entfernt von der Hauptstadt aufhält, genießt Uhura ihre neue Aufgabe in der Wissenschaftsakademie, wird von ihren jungen Schülern wie auch ihren vulkanischen Kollegen sehr geschätzt – ebenso von Spocks Vater Sarek, dessen unterschwellige Botschaft, sie und Spock mögen doch auch mal an Heirat denken, ihr nicht entgeht 😀 Ein Subtext, den Spock für gewöhnlich nicht wahrnimmt. 😉

Sareks Andeutungen sind jedoch nicht die einzigen Botschaften, die Uhura auffängt. Plötzlich wird Uhura von sonderbaren, warnenden Visionen geplagt und irgendwie scheinen diese in Zusammenhang mit der Expedition zu stehen, an der Spock teilnimmt …

Fazit: Band #9 erzählt eine abgeschlossene Geschichte, die aufgrund ihrer Kürze die Protagonisten vor kein ausschweifendes Rätsel stellen und auch nicht emotional so mitreißend ist wie die großartige Ausgabe #5 über Jaylah. Aber die Charaktere sind schön getroffen, die Dialoge sehr passend und das Wiedersehen mit Sarek ist höchst erfreulich. In diesem Comic darf er sich wieder von seiner zuvorkommenderen Seite zeigen. Ebenfalls ein Wiedersehen gibt es im Rahmen einer Vision mit Uhuras Eltern und – besonders eindrucksvoll gezeichnet – mit ihrem Onkel Raheem. Sie alle haben wir bereits in Band #18 der „Ongoing“-Reihe kennengelernt, auf dessen Handlung Raheems Erscheinen auch direkt anspielt. (Wenngleich Raheem seit seinem letzten Auftritt ein „e“ abhanden gekommen ist. In diesem Band wird er „Rahem“ genannt.)

Thematisch verbindet die Geschichte sehr gut die Themen von Kommunikation und Emotionen, insofern ist Uhura – als einzige nicht-vulkanische Spezialistin für Kommunikation auf Neu-Vulkan – sehr gut in die Geschichte eingewoben, die Interessantes über die neue vulkanische Heimatwelt offenbart.

 

Visuell hervorragend dargestellt wurde Neu-Vulkan von Tony Shasteen. Nachdem die letzten paar Ausgaben der „Boldly go“-Reihe von neuen Zeichnen illustriert worden waren – mit sehr unterschiedlichem Erfolg meiner Meinung nach – kehrte also diesmal wieder ein Star Trek-Veteran ans Zeichenbrett zurück.  Landschaften stellt Shasteen sehr beeindruckend dar, Charaktere bleiben den Originalen treu und Seite 14 entlockt einem wirklich ein lautes „Wow!“.

Bewertung: Eine nette kleine Geschichte, die thematisch sehr gut konstruiert ist und mit einem unaufgeregtem Finale aufwartet sowie einigen schönen Charaktermomenten. Ich weiß, dass nicht jeder ein Fan der Uhura/Spock-Beziehung ist, die im elften Kinofilm eingeführt wurde. Ich selbst fand es aber absolut legitim, dass die Drehbuchschreiber hier subtile Andeutungen aus den frühen Folgen der klassischen Serie aufgenommen haben (aus „Das Letzte seiner Art“ und „Der Fall Charlie“), die die Zuneigung der beiden zueinander andeuten. Eigentlich ein ideales Thema, um in einer neuen, abweichenden Zeitlinie behandelt zu werden und „Boldly go“-Ausgabe #9 geht das Thema noch dazu ohne Kitsch an. Diese Ausgabe liefert damit eine gute Geschichte für Zwischendurch, der ich 4  von 6 Sterne geben kann.

4stars

Rezension: “Die klingonische Kunst des Krieges”

„Uralte Grundsätze gnadenloser Ehre“ verspricht uns dieses Buch, das aus der inneren Perspektive des Star Trek-Universums verfasst wurde. Und es verspricht dabei nicht zu viel! Das qeS’a – was wörtlich aus dem Klingonischen übersetzt soviel heißt wie „Der unentbehrliche Ratschlag“ – ist ein Leitfaden, der klingonischen Kriegern erklärt, was ehrenvolles Verhalten ist und was dazu führt, dass sie Schande auf sich laden.

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In der Einleitung des im 24. Jahrhundert lebenden klingonischen Schriftstellers K’Ratak (er wurde einmal in „The Next Generation“ und einmal in „Voyager“ erwähnt) erfahren wir, dass es sich bei dem qeS’a um einen viele Jahrhunderte alten Text eines anonymen Autors handelt, der ungefähr zu jener Zeit gelebt haben muss, als die Klingonen erstmals begannen, ins Weltall vorzudringen. Diese Ausgabe des qeS’a beinhaltet nicht nur die ursprünglichen Erzählungen zu den 10 Leitsprüchen, sondern zusätzlich jeweils K’Rataks Erläuterungen und Erweiterungen. Die 10 Kapitel sind nach den Leitsprüchen benannt und die Titel gewähren einen ziemlich guten Ausblick auf das, was den Leser erwartet:

  1. Wähle deine Feinde sorgfältig aus.
  2. Schlage schnell zu oder gar nicht.
  3. Blicke deinem Feind immer ins Auge.
  4. Stelle dich dem Unglück.
  5. Offenbare dein wahres Ich im Kampf.
  6. Zerstöre die Schwäche.
  7. Verschiebe nichts auf morgen.
  8. Wähle lieber den Tod als die Gefangenschaft.
  9. Stirb aufrecht.
  10. Erhebe die Ehre über alles.

Die Kapitel beginnen jeweils mit dem ursprünglichen Inhalt des qeS’a, einer kurzen theoretischen Einleitung und danach folgen Parabeln, die praktische Beispiele für die Anwendung des jeweiligen Leitspruchs vermitteln. Dies geschieht anhand historischer Begebenheiten, Überlieferungen und Legenden. K’Ratak fügt danach seine persönlichen Anmerkungen an und ergänzt weitere Beispiele in Form nicht so lange zurückliegender Geschichten – die Star Trek-Fans manchmal aus den Serien kennen oder aus den Romanen, die in den letzten paar Jahren erschienen sind.

Denn hinter K’Ratak steckt niemand anders als Keith R.A. DeCandido, den man durchaus als Klingonen-Experten bezeichnen kann, immerhin stammen aus seiner Feder einige Star Trek-Romane, die dieses Volk in den Mittelpunkt stellen. So wie die „I.K.S. Gorkon-Reihe“ und ihre Ableger. Wenig überraschend tauchen in K’Rataks Ergänzungen auch einige jener Charaktere auf, die in DeCandidos Romanen wichtige Rollen spielen. Das Buch „Die Klingonische Kunst des Krieges“ ist somit eine direkte Ergänzung seiner Romane bzw. sind die darin enthaltenen Geschichten somit auch Teil der Kontinuität, die die Romane der letzten rund 15 Jahre miteinander teilen.

Fazit: Dass dieses Buch Teil der offiziellen Roman-Kontinuität ist hat mich auch eine Weile davon abgehalten, es zu lesen. Ich hatte es mir schon kurz nach Erscheinen gekauft, Ende 2014 oder Anfang 2015, doch damals arbeitete ich schon an meinem Fan-Roman „Sailing on Forbidden Seas„, der sich nicht an der in den offiziellen Romanen etablierten Kontinuität orientiert und sich ebenfalls sehr stark mit der klingonischen Kultur und Geschichte beschäftigt. Um mich nicht beeinflussen zu lassen, blieb „Die klingonische Kunst des Krieges“ – das sich natürlich unverkennbar an Sun Tzus „Die Kunst des Krieges“ orientiert – also eine Weile im Regal, doch in den vergangenen Wochen habe ich mir Grundsatz für Grundsatz vorgenommen und fand vor allem die Geschichten sehr unterhaltsam und interessant. Querbeet enthält das Buch Erzählungen von Begebenheiten aus der klingonischen Mythologie, von Kahless, den Regentschaften verschiedener Imperatoren und Kanzler, aber auch Geschichten über einfache Leute.

Während mir die abwechslungsreichen Geschichten gefallen haben, die auch sehr gut geschrieben waren (man denke sich beispielsweise die tiefe Erzählstimme des Kahless-Klons aus „The Next Generation“ dazu) konnte ich mit der eher philosophisch angehauchten Theorie weniger anfangen. Zum einen war sie mühsamer zu lesen und erschien mir repetitiv. Zum anderen muss man als Mensch schon ein wenig den Kopf schütteln über den Irrsinn, nach dem die Klingonen leben. 😀 Auf den Punkt gebracht: Der Ehrenkodex zwingt dich dazu zu handeln, immer und immer wieder und dabei ständig die vorher verdiente Ehre aufs Spiel zu setzen, während dich der geringste Fehltritt für den Rest deines Lebens entehrt, auch wenn er gar nicht wirklich deine Schuld war. (Zum Glück scheint die Akzeptanz des Schicksals Teil ihrer Psyche zu sein, ansonsten wären die Klingonen wohl ein Volk von Burn-out-Patienten, die unter dem ständigen Leistungsdruck zusammenbrechen. 😉 ) Die klingonische Ehre erweist sich wie im Subtitel des Buches versprochen tatsächlich als gnadenlos.

Als Lebensratgeber finde ich das Buch also eher bedenklich. Auch der Versuch, hin und wieder die Anwendbarkeit der Grundsätze auf das Zivilleben umzulegen, ist etwas holprig, könnte man als Versuch von Propaganda durch die Kriegerkaste aber satirisch betrachten.

Zur Gestaltung: Es handelt sich um ein 17,5 mal 25 Zentimeter großes Hardcover-Buch mit rund 160 Seiten und ich kann durchaus nachvollziehen, warum sich der Verlag für diese Gestaltungsvariante entschieden hat. Man wollte das Buch edel erscheinen lassen aber auch ein wenig „alt“. So ist der Text nicht auf sauberem Weiß gedruckt, sondern auf einer Textur, die das Papier etwas vergilbt darstellen soll. Weiters gibt es zu jedem Kapitel eine einleitende Illustration. Diese sind schön gezeichnet, aber enthalten manchmal mit Photoshop eingefügte Gesichter von Klingonen, die man den Star Trek-Serien sah. Dies wurde trotz Einsatz von Stilisierung nicht immer ganz perfekt kaschiert.

Obwohl das Layout sehr hübsch ist, muss ich doch gestehen, dass ich mir beim Kauf ein stärker illustriertes Buch erwartet habe. Von allen Büchern zum Star Trek-Universum, die ich bislang rezensiert habe, ist dieses visuell am magersten ausgestattet. Zehn Bilder und ein paar schwarze Silhouetten von Waffen sind doch etwas wenig und meiner Meinung nach wäre nicht viel Wirkung verloren gegangen, wäre das Buch als Softcover erschienen. Inhaltlich ist es nämlich vorrangig „nur“ eine Geschichtensammlung und wenngleich ich den Preis eines Buch normalerweise nicht in meine Rezension einfließen lasse, finde ich € 24,90 etwas übertrieben. Denn runtergerechnet auf ein Taschenbuch hat man einen rund 250seitigen Roman vor sich. Also mein Fazit hierzu: Die Aufmachung rechtfertigt den Preis. Aber der Inhalt rechtfertigt die Aufmachung nur bedingt.

Bewertung: In meine Bewertung lasse ich den Preis aber nicht einfließen. Vorrangig geht es mir hier um den Unterhaltungswert und der war durchaus gegeben. Die Anekdoten und Geschichten nehmen den Großteil des Buches ein und waren sehr stimmungsvoll geschrieben. Aber als Ratgeber ist das Buch für Nicht-Klingonen eher weniger interessant. Außer man ist wirklich ein fanatischer Anhänger dieser Lebensweise. Ich gebe der „Klingonischen Kunst des Krieges“ 4 von 6 Sterne.

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Rezension: Comic – Boldly go #7 + #8

In dieser zweiteiligen Geschichte stoßen die aus der Miniserie „Starfleet Academy“ bekannten Kadetten zur Crew der U.S.S. Endeavour. Captain Kirk & Co nehmen an einer Konferenz auf dem Planeten Babel teil, zu der als Reaktion auf die Vorfälle am Beginn der „Boldly go“-Reihe auch eine romulanische Delegation eingeladen wurde.

Unnötig zu erwähnen, dass die diplomatischen Spannungen spürbar sind. Der hitzköpfige andorianische Kadett Shev, der bei einem Empfang einen Streit mit dem romulanischen Botschafter vom Zaun bricht, trägt auch nicht dazu bei, die Stimmung zu verbessern und als der Botschafter kurze Zeit später mitten in seiner Ansprache tot zusammenbricht und Doktor McCoy Gift nachweisen kann, wird aus dem Kadetten sogar ein Mordverdächtiger. Selbstverständlich sind seine Freunde – einschließlich Jaylah, die erst seit kurzem die Akademie besucht – von Shevs Unschuld überzeugt und auch Captain Kirk folgt einer anderen Spur, nämlich einem mit hoher Geschwindigkeit von Babel flüchtendem Raumschiff, das sich von der Endeavour in einem Asteroidengürtel versteckt.

Fazit: Die Geschichte bezieht ihre Inspiration vor allem aus der klassischen Star Trek-Folge „Reise nach Babel“ und auch ein wenig aus dem 6. Kinofilm „Das unentdeckte Land„. Auch im 7. und 8. Band der „Boldly go“-Reihe wird der Versuch unternommen, eine diplomatische Einigungen durch einen Mordanschlag zu sabotieren und unsere Helden sind gefordert, ein Krimi-Rätsel zu lösen und den wahren Verantwortlichen ausfindig zu machen. Dieses Schema ist sicher nicht das originellste, aber sehr gut geeignet, eine spannende Geschichte zu erzählen und nicht umsonst zählen die erwähnte Folge und der erwähnte Film zu den Favoriten der Fans.

Noch eine weitere Parallele zu „Reise nach Babel“ gibt es im Comic: Auch hier treffen wir einen Botschafter, der nicht gerade begeistert von der Berufswahl seines Sohnes ist. Wenn ihr dachtet, die Beziehung zwischen Spock und Sarek in „Reise nach Babel“ sei zerüttet gewesen, dann solltet ihr mal sehen, wie hart der andorianische Botschaft mit seinem Sohn Shev ins Gericht geht. Ansonsten kann man sagen, dass die Charaktere sehr gut getroffen wurden, in der zweiten Hälfte gibt es auch ein paar gelungene humorvolle Einlagen. Jedoch stehen nur wenige Charaktere im Vordergrund. Die Kadetten plus Neuzugang Jaylah, die Endeavour-Crew rund um Kirk sowie Spock und Uhura, die Sarek zur Konferenz begleitet haben … Sie nehmen sich gegenseitig Platz weg. So taucht Scotty, der die Kadetten als Ausbilder nach Babel begleitet, zwar ganz am Anfang auf, ist später aber gar nicht mehr zu sehen. Auch Uhura hat nicht viel zu tun. Jaylah darf sich auch nur einmal richtig in Szene setzen – wobei es gefällt, dass die Autoren Johnson und Parrot ihren Faible für Holo-Technik gut untergebracht haben. Ansonsten ist die Geschichte aber mit Figuren überladen und ein weiteres Manko bildet auch die Auflösung des Kriminalfalls. Diese fällt zwar überraschend aus, nicht so wie ich erwartet hatte, aber doch nicht zufriedenstellend. Ich erkenne ehrlich gesagt keine Möglichkeit, wie man als Leser die Identität des Mörders vor der Auflösung herausfinden könnte.

Die Zeichnungen dieser beiden Ausgaben stammen von Megan Levens. Wie Chris Mooneyham in der Ausgabe #6 feiert sie ein Star Trek-Debüt und ihr Stil gefällt mir bedeutend besser als jener von Mooneyham, stellt eigentlich fast das Gegenteil davon dar. Levens Stil zeichnet sich durch sehr klare Linien aus, die Koloration durch Sarah Stern ist kräftig, ebenfalls schön abgegrenzt. Die Klarheit des Stils erinnert vielleicht bewusst an die „Starfleet Academy“-Miniserie, Levens‘ Figuren wirken aber stärker „verniedlicht“. Ein Stil, wie man ihn eher in Comics für eine jüngere Zielgruppe findet. Nichtsdestotrotz ist es ein effektiver Stil, der nie Zweifel aufkommen lässt, welche Charaktere man gerade sieht.

Bewertung: Die Bewertung ist in diesem Fall etwas schwierig. Eigentlich wurde ich durchgehend gut unterhalten, aber die Auflösung ist bei einem Krimi natürlich sehr wichtig und hierbei überzeugt die Geschichte leider nicht. Was die Überfrachtung mit Personen angeht, hätte eine Verlängerung auf eine dritte Ausgabe der Story gut getan. Aber dafür, dass die Figuren bei ihren teilweise sehr kurzen Auftritten so gut getroffen wurden und weil mich die Gags im zweiten Teil der Geschichte sehr amüsiert haben, gebe ich doch noch eine leicht überdurchschnittliche Wertung: 4 von 6 Sterne!

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Rezension: „Star Trek – Designing Starships – Volume Two“

Das zweite „Designing Starships“-Buch von Eaglemoss setzt fort, was das erste begonnen hat und erweitert die Sammlung an Artikeln aus deren Heften, in denen es um den Entstehungsprozess der Raumschiffe geht, die wir aus den Star Trek-Serien und Filmen kennen.

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Insgesamt 33 Raumschiffe werden auch diesmal wieder auf 160 Seiten vorgestellt. Wie bei „Volume One“ handelt es sich auch diesmal wieder um ein schönes, umfangreich illustriertes Hardcover-Buch in englischer Sprache mit Schutzumschlag. Das Layout des Buchrückens ist dabei identisch mit dem des ersten Buches, nebeneinander im Regal stehend machen die beiden Bücher einen sehr schönen Eindruck. (Ich erwähne dies nur, weil es weniger selbstverständlich ist, als man meinen würde.) Natürlich ist auch die Gestaltung im Inneren vergleichbar mit dem ersten Buch bzw. mit der Gestaltung der Artikel, wie sie in den Heften von Eaglemoss dargeboten wurden. Hierbei gefällt, dass die Design-Artikel keinem zu strengen Schema folgen, die Anordnung und Auswahl von Bildern und die Textplatzierung von Artikel zu Artikel variiert und trotzdem ein zusammenhängender Look erhalten bleibt. Im Gegensatz zum ersten Buch fiel mir diesmal jedoch auf, dass der Text auf den linken aufgeschlagenen Seiten oft etwas zu nahe am Bund steht und man daher das Buch ganz schön weit öffnen muss, um alles lesen zu können.

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Soviel zur Optik des Buches, kommen wir nun aber zum Wichtigsten: dem Inhalt. Wie das Titelbild schon vermuten lässt, wird in diesem Buch der U.S.S. Voyager einige Beachtung geschenkt und dies geschieht durchaus exklusiv! Denn während im dem Eaglemoss-Modell beiliegenden Heft das Design-Kapitel nur 4 Seiten umfasst, sind der Entstehung dieses Schiffes im Buch volle 18 Seiten gewidmet! Von den ersten Skizzen und detaillierten Plänen Rick Sternbachs, alternativen CG-Entwürfen von Doug Drexler, gewagten Alternativen von Jim Martin bis hin zu Fotos eines vorläufigen Modells – dessen Design beinahe wirklich zur U.S.S. Voyager geworden wäre – findet man jede Menge Aspekte dieses Designprozesses. Und direkt auf diesen langen Artikel folgen passend auch jene zum Delta Flyer, zu Neelix‘ talaxianischen Shuttle, zur S.S. Raven, zur U.S.S. Prometheus (inklusive umfangreiche Ansichten zu allen drei separaten Einheiten wie auch zur Gesamtheit des Schiffes), zur U.S.S. Equinox und zum in der Serie nie gezeigten Aero-Shuttle, dessen Unterseite man sieben Staffeln lang nur an der Untertassensektion der Voyager erahnten konnte.

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Ebenfalls ein Objekt namens „Voyager“ steht ganz im Mittelpunkt zweier weiterer exklusiver Extras, die eigentlich bereits im Jahre 2001 für das offizielle Star Trek-Magazin erstellt wurden. Auf zusammen 18 Seiten erfährt man viel über das Design von „V’Ger“, jenem monströsen Raumschiff, zu dem die alte NASA-Raumsonde „Voyager 6“ auf ihrer Heimreise zur Erde wurde. Zu jenem Schiff aus dem ersten Star Trek-Kinofilm, dessen Erscheinungsbild wahrlich einzigartig ist, gibt es leider bislang noch kein Modell von Eaglemoss und daher ist es besonders erfreulich, dass diese beiden Artikel, die einst zur Veröffentlichung des „Director’s Cut“ des ersten Films verfasst wurden, in diesem Buch erneut nach so langer Zeit abgedruckt wurden. Syd Mead, der das Äußere von V’Ger gestaltete, und Robert McCall, der das noch fantastischere Innere erschuf, erzählen über ihre Inspiration, welchen Vorgaben sie folgen, welche Vorarbeiten getan wurden, ehe sie zum Projekt stießen usw. Über 30 Bilder – viele davon wunderschöne Gemälde, die hier großformatig abgebildet sind – ergänzen die Worte der Designer.

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Ein weiteres Thema dieses Buches sind die Raumschiffe der Romulaner, die beiden Warbirds des 24. Jahrhunderts und ihr Schiff aus dem 22. Jahrhundert. Die Ära vor der Föderation ist ebenfalls stark vertreten mit Artikeln zur Phoenix, dem NX-Alpha-Prototypen, der Intrepid, dem Frachtschiff Horizon, Xindi-Schiffen und vielen weiteren. Ein exklusiver Inhalt des Buchs geht auf die Inspektionsfähre ein, die mehrmals in „Enterprise“ zu sehen war, u.a. im Pilotfilm.

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Bekanntlich wurden die Folgen der klassischen Star Trek-Serie zwischen 2006 und 2008 einem Remastering unterzogen. Neben der Verbesserung der Bildqualität wurden auch neue Effekte erstellt, was es den Produzenten gestattete, auch neue Raumschiffe einzufügen. Zu diesen Schiffen zählen der Frachter Antares – der auf einem Design aus der 70er-Jahre-Zeichentrickserie basiert – sowie die Schiffe der Medusen und Gorn, die in diesem Buch ebenfalls vorgestellt werden.

Auch die Klingonen lassen in dieser Buchreihe erstmals ein wenig hinter ihren Tarnschirm blicken: Der Bird of Prey, der im 3. Kinofilm sein Debut feierte und seither zu den beliebtesten Raumschiffen überhaupt zählt, zeigt sich u.a. in Form eines frühen Testmodells.

Fazit: „Volume Two“ weist dieselben Stärken sowie die wenigen Schwächen des ersten Bands auf. Es ist erneut ein toll gestaltetes Buch, das informativ ist und zugleich auch einfach mal so durchgeblättert werden kann auch einige Raritäten enthält, wie die Bilder in den V’Ger-Artikeln. Zu den Schwächen: Wie schon in „Volume One“ gibt es ein paar Artikel, in denen Bilder des Endprodukts fehlen, was sich natürlich aus der Auskoppelung aus den Heften der „Offiziellen Raumschiffsammlung“ ergibt. Selten aber doch wiederholen sich Inhalte und Innendesigns werden wieder einmal kaum behandelt, nur dann, wenn die Arbeit der Set-Designer Einfluss auf das Äußere des Schiffes hatte.

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Bewertung: Erneut kann ich für ein Buch dieser Reihe 5 von 6 Sterne vergeben. Abgesehen von dem erwähnten näher an den Bund heranreichenden Text auf einigen Seiten gibt es in Sachen Gestaltung und Aufbereitung von Inhalten keine Abweichung zum ersten Buch. Diese kleine Unstimmigkeit, der wahrscheinlich am Zuschnitt der Seiten liegt, ist aber doch so gering, dass ich deshalb keinen weiteren Stern abziehen möchte. Der Text mag auf manchen Seiten dadurch schwerer lesbar sein, aber grundsätzlich ist er lesbar.

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Anmerkungen:

In keinem der beiden bisher erschienenen Büchern sind Inhalte aus den „Special Edition“-Ausgaben von Eaglemoss‘ Raumschiffsammlung enthalten. Diese Modelle sind deutlich größer, ca. 20 statt 13 Zentimeter lang und das beiliegende Heft ist ebenfalls umfangreicher. Gewöhnlich sind in diesen Heften rund 15 Seiten allein dem Design des jeweiligen Schiffes gewidmet – mitunter auch mit der Gestaltung des Inneren. Gut möglich, dass diese Inhalte aus den „Special Editions“ auch in künftigen Büchern aufgrund des Umfangs unberücksichtigt bleiben werden.

Rezension: „Star Trek – Designing Starships – Volume One“

Seit ein paar Jahren veröffentlicht der Eaglemoss-Verlag regelmäßig Raumschiff-Miniaturen im Rahmen der „Official Starships Collection“. Die aus Metall und Kunststoff hergestellten Modelle sind sehr detailliert, im Durchschnitt ca. 13 Zentimeter lang und werden zusammen mit einem Begleitheft geliefert. In jedem dieser Hefte gibt es auch zumindest einen Artikel, der sich mit der Erschaffung des Schiffsdesigns beschäftigt und diese Artikel fasst Eaglemoss nun auch in Hardcover-Büchern zusammen, die aber auch neue Inhalte aufweisen, die in den Begleitheften nicht enthalten sind.

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Das erste von bislang zwei derartigen Büchern erschien im Herbst 2016. Während die Hefte sowohl auf Englisch als auch Deutsch herausgebracht werden, erscheinen diese Hardcover-Bücher nur in englischer Sprache und sind meines Wissens auch ausschließlich über die Online-Shops von Eaglemoss erhältlich. An dieser Stelle möchte ich „Volume One“ präsentieren, das auf 160 Seiten Licht auf den Entstehungsprozess von über 30 Raumschiffmodellen – sowohl physische Filmmodelle als auch computergenerierte Modelle – wirft.

Das Buch ist vollgestopft mit Entwurfsskizzen, Fotos, Renderings und Screenshots, die gemeinsam mit dem Text, in dem die Designer zu Wort kommen, einen tollen Blick hinter die Kulissen und in die Art Departments ermöglichen. Nahezu aus erster Hand erfährt man die Gedanken der Designer, was sie inspiriert hat, diesem oder jenem Schiff diese besondere Form zu geben, welche Vorgaben sie hatte, welche Elemente von den Effektstudios ergänzt wurden etc. Das Buch enthält Werke und Erläuterungen von Matt Jeffries, Andy Probert, John Eaves, Alex Jaeger, Bill George, Nilo Rodis, Dan Curry, Herman Zimmerman, Rick Sternbach, Rob Bochune, Doug Drexler und vielen weiteren Personen, die an der Umsetzung der Schiffe für die Serien und Filme gearbeitet haben und ihre Kreativität einfließen ließen.

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Zu den mehr als 30 Schiffen in „Volume One“ gehören ausführliche und stark illustrierte Artikel zu allen prominenten Schiffen namens Enterprise (außer Enterprise-J, die in „Volume Two“ behandelt wird). Weitere bekannte und beliebte Schiffe wie die Reliant, die Excelsior, die Stargazer, die Akira, die Centaur wie auch Schiffe der Borg und der Vulkanier werden erläutert. Botany Bay, ECS Fortunate, bajoranischer Solarsegler, die Dauntless, Schiffe der Krenim, Malon, Spezies 8472 (besonders ausführlich!!!) und Hirogen … sie alle und noch viel mehr findet man in diesem Buch.

Zu den exklusiven Inhalten, die man nicht in den Heften findet, gehören Artikel zu drei Shuttles sowie zu zwei Enterprise-Schiffen, die es nicht auf die Leinwand oder den TV-Schirm geschafft haben, denn in den 1970ern wurden weder der Film „Planet of the Titans“ noch die Serie „Phase II“ umgesetzt.

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Fazit: Obwohl es sich bei diesem schön gestalteten Hardcover-Buch mit Hochglanzumschlag „nur“ um eine Sammlung von Artikeln aus mehreren Heften und einigen exklusiven Extras handelt, merkt man dies beim Lesen kaum. Bei Vergleichen zwischen Designs kann es schon mal vorkommen, dass eine Anekdote mehr als einmal erzählt wird, aber sowas ist wirklich nur die Ausnahme und keinesfalls die Regel.

Generell lässt sich sagen, dass „Designing Starships“ im selben Stil gehalten ist, wie andere Design-Bücher zum Thema „Star Trek“, wenngleich der Fokus allein auf Raumschiffe schon etwas Besonderes ist. Bücher wie „Star Trek Design“ oder das TNG-Movie-Sketchbook und TOS-Skizzenbuch behandeln zwar ebenfalls Raumschiffe, aber auch Requisiten, Sets und Kostüme. Stichwort Sets: Wenn etwas in „Designing Starships“ zu kurz kommt, dann das Innere der Schiffe. Dieses Thema wurde weitestgehend ausgespart. Ebenfalls bei manchen Artikeln ein Manko ist das Fehlen eines Bildes des finalen Designs des Schiffes. In den Heften gibt es eigene Seiten, die das fertige Schiff aus verschiedenen Perspektiven zeigen. Manchmal wäre es ganz schön gewesen, im Buch zwischen Entwurf um Umsetzung direkt vergleichen zu könne. Diese Seiten hätte man vielleicht auch noch ins Buch aufnehmen können. Es sind aber sicher weit weniger als ein Viertel der Artikel, denen ein Bild des fertigen Schiffes fehlt.

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Bewertung: Ich finde, der Inhalt dieses Buches ist sehr gut zusammengestellt, gut aufeinander abgestimmt, so dass es sich sowohl in einem durch lesen lässt, aber auch als Nachschlagewerk dienen kann. Die Artikel sind informativ und wenn sogar jemand wie ich – der seit Jahrzehnten jede Skizze und jeden Design-Entwurf zu Star Trek studiert, der mir unterkommt – noch neues Bildmaterial findet, dann sagt das sehr viel über dieses Buch aus. Wie erwähnt hat es kleinere Mankos aufgrund der Tatsache, dass es sich eigentlich um eine Artikelsammlung handelt, aber die exklusiven Inhalte zu den Shuttles, „Phase II“ und „Planet of the Titans“ gleichen diese sehr gut aus, wenn auch nicht ganz. Eine etwas nähere Beleuchtung des Innendesigns jener Schiffe, von denen man das Innere kennt, wäre wirklich eine notwendige Ergänzung gewesen. Daher gibt es „nur“ 5 von 6 Sterne. (Auch weil das Buch für die überschaubare Seitenzahl ein bisschen teuer ist.)

5stars

Anmerkungen:

In keinem der beiden bisher erschienenen Büchern sind Inhalte aus den „Special Edition“-Ausgaben enthalten.  Diese Modelle sind deutlich größer, ca. 20 Zentimeter lang und das Heft ist ebenfalls umfangreicher. Gewöhnlich sind in diesen Heften rund 15 Seiten allein dem Design des jeweiligen Schiffes gewidmet – mitunter auch mit der Gestaltung des Inneren. Gut möglich, dass diese Inhalte aus den „Special Editions“ auch in künftigen Büchern aufgrund des Umfangs unberücksichtigt bleiben werden.

Dass es zumindest noch ein drittes Buch geben wird, halte ich für wahrscheinlich, denn auffallend in den ersten beiden Büchern ist das Fehlen von fast allen klingonischen Schiffen (Ausnahme: der Bird of Prey in Volume Two). Diese dürften wohl als Aufhänger für ein drittes Buch dienen, das vielleicht im Herbst 2017 erscheint, wenn man weiterhin halbjährlich ein Buch veröffentlichen will. Inhalte gibt es genug, denn bis zum Herbst wird Eaglemoss zumindest in Großbritannien bereits über 100 Schiffe herausgebracht haben.

Ich selbst stelle mir gerade eine eigene kleine Sammlung zusammen und werde diese Schiffe zukünftig auch auf meinem Blog rezensieren.