Rezension: TOS – “Der Friedensstifter”

Jerry Oltions Roman zur klassischen Star Trek-Serie erschien zwar bereits 1997 auf Englisch, doch da der Heyne-Verlag damals bereits begann, Veröffentlichungen von Star Trek-Romanen zurückzufahren, dauerte es bis 2013 ehe der Cross Cult-Verlag diesen Roman auf Deutsch herausbrachte. Warum ich nun 5 Jahre später diesen Roman gelesen habe, liegt vor allem daran, dass erst Ende letzten Jahres in „Discovery“ wieder eine bekannte Figur aus „The Original Series“ auftat, die auch in diesem Roman eine wichtige Rolle spielt.

Der_Friedensstifter

Seit unfassbaren 12.000 Jahren führen die beiden Planeten im nevisianischen Sonnensystem – Distrel und Prastor – gegeneinander Krieg. Umso überraschender erreicht die Föderation die Nachricht, dass die beiden Völker nun plötzlich Frieden miteinander geschlossen haben. Um dazu zu gratulieren und die Hintergründe herauszufinden, wird die Enterprise unter dem Kommando von Captain Kirk entsandt und der Landetrupp, der sich zu den Festivitäten runterbeamt staunt nicht schlecht, als sie dort auf einen alten Bekannten treffen.

Denn niemand anderer als das Schlitzohr Harry Mudd wird von den Nevisianern als großer Friedensstifter gefeiert. Dabei hatten die Offiziere von der Enterprise angenommen, Harry wäre auf einem Planeten voller Androiden zu einem ewig währenden Exil verdammt (siehe TOS-Folge „Der dressierte Herrscher“). Doch Harry erzählt, dass er den Androiden weismachen konnte, in Freiheit viel nützlicher zu sein und bot zum Beweis an, den Krieg im Nevis-System zu beenden – jedoch nicht ohne Überwachung. Und so haben die Androiden Harry zusammen mit einer Roboter-Kopie seiner Ex-Frau Stella zu den Nevisianern geschickt, wo Harry dank eines Handelsabkommens – bei dem auch Profit in seine eigene Tasche fließen soll – den Krieg tatsächlich beenden konnte.

Doch nichts währt ewig, denn die seit zwölf Jahrtausenden an Krieg gewöhnten Nevisianer nutzen schon die erste Gelegenheit, die Kämpfe wieder ausbrechen zu lassen. Das liegt auch einem extremistischen Glauben, demnach Helden auf der Seite des Kriegsgegners wiedergeboren werden und nach ihrem zweiten heldenhaften Tod schließlich von den Göttern ins himmlische Arnhall eingelassen werden. Ein Friedensvertrag, der den Weg dorthin blockiert, wird in einer solchen Gesellschaft natürlich rasch als auszuräumendes Hindernis erkannt. Zumal am Glauben der Nevisianer durchaus etwas Wahres dran zu sein scheint … was Kirk & Co auf die harte Tour feststellen müssen.

Fazit: Ich hatte mal wieder Lust auf etwas Heiteres und wenngleich Harry Mudd unter den hiesigen Star Trek-Fans bei weitem nicht so populär ist wie in den USA, sorgt allein seine aufschneiderische Art für einige humorvolle Einlagen. Harry – und auch seine „Ehefrau“ Stella – sind in diesem Roman stimmlich hervorragend getroffen, Übersetzer Bernhard Kempen hat sich merklich an die Diktion und Wortwahl der Figuren aus den TOS-Folgen „Die Frauen des Mr. Mudd“ und „Der dressierte Herrscher“ gehalten.

Überraschenderweise dreht sich aber nicht alles um Harry Mudd, der wie auch die Enterprise-Crew Opfer einer Fehlinterpretation des nevisianischen Glaubens wird. Dass hinter der tatsächlich funktionierenden Reinkarnation aber keine übernatürlichen Wesen stecken, sondern eine technische Lösung, ist auf angenehme Weise typisch TOS – auch wenn es diesmal keinen Computer gibt, dem Kirk seine eigene Unlogik vor Augen führt und in die Selbstzerstörung treibt. 😉

In diesem Roman wechselt man zusammen mit den Charakteren kreuz und quer zwischen den Schauplätzen Distrel, Prastor sowie der Enterpise hin und her, die im Sonnensystem kreuz und quer fliegt, um mit den Reinkarnationen und dem damit verbundenen Planetenwechsel Schritt zu halten. Bedenkt man, dass unsere Helden in der Serie oft ohne Kratzer unglaubliche Abenteuer bestanden, sterben hier die Leute wie die Fliegen. Darunter auch eine Sicherheitsoffizierin, die am Beginn des Romans einen Techniker an Bord der Enterprise heiratet, obwohl sie ein sich ständig streitendes Paar abgeben. Dies ist natürlich eine beabsichtigte Analogie zur Beziehung von Harry Mudd zu seiner Stella, aber während die beiden Letztgenannten für Belustigung sorgen, ziehen sich die Szenen mit dem anderen Paar beträchtlich.

Bewertung: „Der Friedensstifter“ ist eine relativ kurze Geschichte (was recht typisch für die Star Trek-Romane der 90er ist), aber über weite Strecken sehr unterhaltsam und angenehm turbulent. Keine One-Man-Show von Harry Mudd, sondern auch eine Beschreibung einer interessanten, fremden Kultur, deren Eigenschaften sehr gut in das Ambiente der klassischen Serie passen. Es ist Autor Jerry Oltion hoch anzurechnen, dass er es schaffte, eine so gut an TOS angepasste Story zu schreiben, aber dennoch Ausschweifungen hinzufügt, die sich in der Serie nicht hätten verfilmen lassen, aber dennoch nicht wie Fremdkörper wirken. Gäbe es da nicht ein paar Hänger wenn sich der Fokus auf das Ehepaar an Bord der Enterprise richtet, hätte ich einen Stern mehr gegeben. So pendelt sich meine Wertung aber bei guten 4 Sternen ein.

4stars

tas_mudd

Mudd in der TAS-Folge „Der Liebeskristall“.

Anmerkung: Falls es Harry Mudd nicht doch noch in einem weiteren Abenteuer wieder auf den Androiden-Planeten zurück verschlägt, so ignoriert der Roman Mudds Auftritt in der Zeichentrickserie. Als Kirk und Spock in jener Folge Mudd in Gewahrsam nehmen, erwähnen sie nämlich, dass sie angenommen hatten, Mudd befände sich noch dort.

Da der Roman von 1997 stammt, ist es nicht ungewöhnlich, dass die Zeichentrickserie unberücksichtigt bleibt. Aufgrund des Insolvenz des ausführenden Animationsstudios Filmation gab es Ende der 80er/Anfang der 90er Unsicherheit bezüglich der Verwertungsrechte der Serie und es hielt sich noch fast 20 Jahre der Mythos, TAS zähle nicht zum sogenannten Kanon der Star Trek-Serien.

Advertisements

Rezension: “The Art of Star Trek – The Kelvin Timeline“

Wieder einmal vereinen sich meine Interessen „Star Trek“ und „Design“ in einem Buch, was „The Art of Star Trek – The Kelvin Timeline“ für mich natürlich zu einem absoluten Pflichtkauf gemacht hat. Auf fast 200 Seiten befasst sich Autor Jeff Bond mit der Design-Arbeit zu den drei neuesten Kinofilmen „Star Trek„, „Star Trek Into Darkness“ und „Star Trek Beyond„.

artkelvin_cover

Dieses sehr schön gestaltete Hardcover-Buch im 31 x 28 Zentimeter großen Querformat befasst sich Querbeet mit so ziemlich allen nur denkbaren Design-Handwerksrichtungen, die für Kinofilmproduktionen vonnöten sind. Von den Sets über visuelle Effekte bis hin zu Kostümen, Masken und Requisiten. Jeff Bond hat Interviews mit den Kreativen Ryan Church, James Clyne, Sanya Hays, Scott Chambliss, John Eaves, Peter Chiang und vielen anderen geführt und die Sammlung aus Hunderten Skizzen, Zeichnungen, Computermodellen und Fotos mit informativen Text ergänzt.

Allerdings bei diesem Umfang an geführten Interviews, für die sich der Autor im Nachwort bedankt (das Vorwort liefert „Beyond“-Regisseur Justin Lin), hätte ich mir doch einen – zumindest etwas – höheren Textanteil gewünscht. Natürlich geht es in solchen Büchern primär um die Planung um Umsetzung und ihre visuelle Darstellung, aber ich hätte mich doch über etwas mehr Hintergrundinformation gefreut.

Das größte Manko dieses Buches ist aber ein anderes Buch, das bereits 2009 erschien: Mark Cotta Vaz‘ großartiges Design-Buch zum elften Kinofim: „Star Trek – The Art of the Film„. Würde dieses Buch nicht existieren, wäre Jeff Bonds neues Buch höher einzuschätzen. Denn nicht nur, dass Bond die Strukturierung der Kapitel abkupfert – in grober chronologischer Reihenfolge sind die Kapitel den Schauplätzen des Films gewidmet. Auch inhaltlich gibt es sehr große Überschneidungen, denn Bond hat rund 90 der 200 Seiten dem elften Kinofilm „Star Trek“ gewidmet, zu dem Mark Cotta Vaz bereits ein 160seitiges-Buch voll mit Design-Arbeiten herausbrachte.

Dennoch will ich hervorheben, dass Bonds Buch auf diesen 90 Seiten zum elften Film auch sehr viel neues Bildmaterial aufzubieten hat. Schätzungsweise hat Bond doch deutlich weniger als die Hälfte des zuvor veröffentlichten Bildmaterials verwendet, aber bei einer solchen Flut an Grafiken ist die reine Anzahl an Bekanntem doch sehr hoch.

Der starke Fokus auf den elften Film gibt „Into Darkness“ und „Beyond“ leider weniger Raum. Natürlich hätte ich es bevorzugt, wenn es auch zu diesen beiden Filmen eigene umfangreiche Design-Bücher gegeben hätte (zu „Beyond“ gab es zumindest ein allgemeines Making-of-Buch und ein Buch über die Masken). Aber dieses Buch ist eben als Sammlung angelegt, ähnlich jenem gemeinsamen Design-Buch zum 7. und 8. Kinofilm oder dem großartigen „Star Trek Design“ vom Autorenduo Reeves-Stevens, in dem auf 300 Seiten Designs zu allen Serien und Kinofilmen der ersten 30 Franchise-Jahre untergebracht sind. Vollständigkeit ist etwas, das man bei Büchern dieser Art nicht erwarten darf und insofern kann man schon froh sein, dass sich Jeff Bond zumindest 50 Seiten lang „Into Darkness“ und 40 Seiten lang „Beyond“ widmet. Aber als „fairer“ hätte ich es empfunden, wenn alle drei Filme ungefähr gleich viele Seite eingeräumt bekommen hätten.

Bewertung: Aufgrund der erwähnten Mankos spielt Jeff Bonds Buch leider nicht in der gleichen Liga wie die Design-Bücher von Mark Cotta Vaz, den Reeves-Stevens oder J.M. Dillard. (Eine Gesamtübersicht der von mir rezensierten Star Trek-Sachbücher findet ihr hier: https://rumschreiber.wordpress.com/star-trek-sachbucher/) Der starke Fokus auf den elften Film rächt sich leider in doppelter Hinsicht, weil es sich mit dem Buch von Mark Cotta Vaz messen will, es aber aufgrund des geringeren Umfangs nicht mit diesem aufnehmen kann (aber teils eine gute Ergänzung dazu darstellt) und Platz flöten geht, den man besser für die anderen beiden neuen Filme verwendet hätte.

Was Jeff Bond zusammengetragen hat, ist dennoch eine große Ansammlung an Entwürfen und umgesetzten Designs, die sehr beachtlich ist und auch für mich, der seit rund zwei Jahrzehnten das Internet nach Star Trek-Design durchsucht, war doch einiges an Neuem dabei. Und auch wenn der Text recht spärlich ausfällt, beinhaltet das Buch eine sehr witzige, mir bislang unbekannte Anekdote zum Langstrecken-Torpedo aus „Into Darkness“. 4 Sterne kann ich bedenkenlos geben. Wer das Buch von Mark Cotta Vaz nicht besitzt, wird aber bestimmt noch mehr Freude daran haben.

4stars

Rezension: Comic – Boldly go #13 „I.D.I.C. Part 1“

Eine über ein halbes Jahr verteilt erscheinende 6-teilige Story hat mich einst aus der „Ongoing“-Comicreihe rausgerissen. Damit mir dies nicht auch bei der „Boldly go“-Reihe passiert, habe ich beschlossen, den 6-Teiler „I.D.I.C.“ Ausgabe für Ausgabe zu rezensieren. Abgesehen von der Aufrechterhaltung meiner Aufmerksamkeitsspanne ( 😉 ) gibt es noch zwei weitere gute Gründe, warum man die sechs Teile von „I.D.I.C.“ einzeln rezensieren sollte.

IDW Star Trek Boldly Go #13 IDIC part 1 cover A

Einerseits legt die Story an sich diese Herangehensweise nahe. Die Abkürzung „I.D.I.C.“ (zu Deutsch auch oft „U.M.U.K.“ genannt), beschreibt das vulkanische Prinzip von unendlicher Mannigfaltigkeit in unendlichen Kombinationen und dieses Prinzip erforscht die Geschichte in Form verschiedenster Paralleluniversum, die aufeinander treffen.

Teil 1 der Geschichte beginnt ganz normal in der Kelvin-Zeitlinie, zu einem Zeitpunkt, als Captain Kirk und Lieutenant Sulu noch an Bord der U.S.S. Endeavour dienen, aber die Fertigstellung der Enterprise-A bereits nahe rückt. Spocks und Uhuras Urlaub auf Neu-Vulkan neigt sich daher dem Ende zu und während Spock über mögliche Entwicklungen in anderen Universen aufgrund unterschiedlicher Entwicklungen philosophiert, macht sich die Endeavour auf zur Untersuchung einer Anomalie. Und in einem von unendlich vielen Paralleluniversen spielt sich etwas ganz anderes ab!

In diesem Paralleluniversum wird die Enterprise nämlich von Captain Christopher Pike kommandiert. Sein aufmüpfiger Erster Offizier heißt Simon Grayson … und ist der Sohn des Vulkaniers Sarek und von Amanda Grayson. Simon fällt bei Pike in Ungnade, als dieser ihn unter Missachtung der Obersten Direktive von Nibiru mittels Shuttle retten lässt (siehe Prolog-Sequenz von „Star Trek Into Darkness„) und muss sich von seinem besten Freund Dr. McCoy (und einem Drink) darüber und über den Tod seiner Ehefrau Nyota hinweghelfen lassen.

Tja, wenn Simon Grayson in diesem Universum McCoys bester Freund ist, stellt sich die Frage: Was ist aus James T. Kirk geworden? Ganz einfach: Nach der Vernichtung der U.S.S. Kelvin wurde das Shuttle, in dem Kirk geboren wurde, von Klingonen aufgebracht und er als Klingone erzogen. Im Lauf der Jahre wurde aus ihm ein geachteter Krieger (schlicht genannt „Die Waise“), der aber einen Groll gegen Simon Grayson zu hegen scheint. In der Nähe einer Anomalie kommt es zur Begegnung zwischen Kirks Schlachtkreuzer und der von Pike kommandierten Enterprise …

Fazit: „Star Trek“ und speziell die Comics beschäftigen sich nicht zum ersten Mal mit alternativen Zeitlinien, Paralleluniversum und deren Aufeinandertreffen. Teil 1 von „I.D.I.C.“ fängt eine derartige Geschichte sehr geordnet hat. Sie ist nicht gleich von Anfang an ein „Über-Drüber-Abenteuer“, in dem alles möglich ist, sondern bleibt zuerst verwurzelt in der Kontinuität der bisherigen „Boldly go“-Comics. Mike Johnson stellt uns die baldige Wiedervereinigung der Enterprise-Crew in Aussicht, schickt die Endeavour auf den Weg und lässt Spock dem Leser erklären, was es mit dem vulkanischen I.D.I.C.-Prinzip auf sich hat. Das ist einer sehr gute Überleitung, denn direkt im Anschluss wechselt der Rest der Story zu Geschehnissen in einem Paralleluniversum, in dem es schön ist, Captain Pike in Aktion zu sehen.

Johnson hat sich hier einige interessante, abweichende Schicksalpfade für die Hauptcharaktere überlegt. Vor allem Simon Grayson wirkt nach einigen Seiten gar nicht mehr so unwahrscheinlich wie es noch am Beginn den Anschein hat. Und Kirk spielt den Vollstrecker des klingonischen Hohen Rates erschreckend, was dem Leser auch bildlich vor Augen geführt wird. Weiters werden einige Andeutungen eingestreut, die wohl erst in den kommenden Ausgaben ausgeführt werden. Wie der Schluss von Teil 1 schon zeigt, wird es darin dann auch um Paralleluniversen gehen, die sich noch deutlicher von der Kelvin-Zeitlinie unterscheiden werden.

Die Zeichnungen sind ein weiterer Grund, warum es sich anbietet, die einzelnen Teile von „I.D.I.C.“ einzeln zu rezensieren. Ganz dem vulkanischen Prinzip folgend wird jeder Teil von einem anderen Künstler illustriert. Zu Teil 1 steuert Josh Hood die Zeichnungen bei. Soweit ich weiß, hat Hood in letzter Zeit schon ein paar andere „Star Trek“-Comics des IDW-Verlags gezeichnet, aber noch keine der „Ongoing“- oder „Boldly go“-Reihe, weshalb mir sein Stil bislang unbekannt war. Wobei dieser nicht allzu gewöhnungsbedürftig ist. Hoods Zeichnungen sind näher an jenen von Veteran Tony Shasteen als an jenen von Megan Levens – um jene beiden Zeichner zu erwähnen, die zuletzt am häufigsten zum Einsatz kamen. Mehr als ausreichend detailliert und sehr gut akzentuiert und stimmungsvoll. Betreffend Charaktere denke ich, dass er vor allem Zachary Quinto – als Spock wie auch als Simon Grayson – sehr gut trifft und genauso Bruce Greenwoods Captain Pike. Chris Pines Kirk trifft er aber nur ausreichend, der Wiedererkennungswert der restlichen Charaktere liegt irgendwo dazwischen.

Bewertung: Ein sehr gelungener, geordneter Start für eine Geschichte mit dem Potenzial, regelrecht auszuarten. Teil 1 legt einen guten, unterhaltsamen Grundstein, fokussiert sich schön auf zwei Universen und reizt das Multiversum damit nicht gleich von Beginn an aus. Zugleich gibt es einen Cliffhanger, der an eine alternative Realität erinnert, auf die die Crew der Enterprise bereits in der „Ongoing“-Reihe (#29 und #30) traf. Als Leser bleibt man gespannt darauf, was noch kommt und damit erfüllt der Auftakt seinen Zweck perfekt, ohne schon einen ganz großen Paukenschlag zu setzen. Daher erhält „I.D.I.C. Teil 1“ von mir 5 von 6 Sterne.

5stars

Anmerkung: „Boldly go“ wird übrigens nach „I.D.I.C.“ bzw. Ausgabe #18 enden. Mit der Fertigstellung der Enterprise-A soll eine neue Reihe starten (Details wurden von Autor Mike Johnson noch nicht veröffentlicht.) Neustarts mit #1 sind im Comic-Business ja gerne gesehen, aber ich finde es doch schade, dass schon so rasch Schluss ist, auch wenn ich es natürlich auch begrüße, in Zukunft wieder über Abenteuer der auf der Enterprise wiedervereinten Crew zu lesen. Aber nachdem die vorangegangene Reihe „Ongoing“ mit 60 Ausgaben einen Rekord aufstellte und die am längsten ununterbrochen laufende Comicreihe des Star Trek-Franchise war, hatte ich doch gehofft, „Boldly go“ würde etwas länger andauern.

Rezension: „The Autobiography of Jean-Luc Picard“

Schon 2015 erschien die von Autor David A. Goodman verfasste Biographie von James T. Kirk, des „größten Captains, den die Sternenflotte jemals hatte“. Wie ließe sich sowas noch toppen? Nun, der Untertitel von Goodmans Biographie von Jean-Luc Picard klingt auf jeden Fall etwas bescheidener: Er wird lediglich als „einer der inspirierendsten Captains der Sternenflotte“ bezeichnet, was seine Lebensgeschichte aber nicht weniger interessant macht.

picard_autobio_cover

David A. Goodman beschäftigt sich in seinen Büchern schon längere Zeit damit, offene Fragen des Star Trek-Universums zu klären, Querverbindungen herzustellen und zeitliche Lücken zu füllen (sehr gelungen v.a. im Buch „Federation: The First 150 Years„). In seiner Biographie über James T. Kirk erfuhren wir sehr viel Neues über dessen jungen Jahre, die bis dahin noch erforscht waren. Im Falle von Jean-Luc Picard wissen Kenner der Serie „The Next Generation“ aber doch schon so manches über dessen Kindheit und Jugend.

Insofern überraschen die Passagen wenig, die beschreiben, wie der junge Jean-Luc mit einem ihm feindselig eingestellten älteren Bruder und einem distanzierten Vater aufwuchs und seine engste Bezugsperson seine Mutter war, die die einzige in der Familie war, die Jean-Luc dazu ermutigte, zur Sternenflotte zu gehen. Auch wenn man als Seher der Serie gut vertraut mit den wichtigsten Ereignissen dieser jungen Jahre des späteren Enterprise-Captains ist, gelingt es Goodman wirklich sehr gut, dies alles in Zusammenhang miteinander zu bringen. So wird diesen Jahren sehr Platz im Buch eingeräumt, sie werden vertiefend dargestellt und es gefiel mir sehr, wie oft Goodman auch später wieder auf diese Ereignisse Bezug nimmt und damit aufzeigt, was Picards typisches Verhalten ursprünglich geprägt hat.

Im Laufe von 7 Serienstaffeln begegnete Picard auch vielen Personen aus seinen Vergangenheit. Natürlich allen voran Beverly Crusher – seine verdrängte Liebe zu ihr ist ebenfalls ein immer wiederkehrendes Handlungsmotiv – aber auch mit vielen Captains und Admirälen ist Jean-Luc Picard per Du und diese Autobiographie erklärt sehr stimmig, wie er sein persönliches Netzwerk über die Zeit gesponnen hat. Und natürlich erklärt das Buch auch, wie Picard mit seiner späteren Führungscrew Bekanntschaft schloss.

An dieser Stelle will ich darauf hinweisen, dass Goodmans Bücher eine eigene Kontinuität aufweisen, die nicht kompatibel mit den aktuellen Romanen ist. In der Kontinuität der Romane hat bereits Christopher L. Bennett vor einigen Jahren in „The Buried Age“ erzählt, was Picard nach dem Verlust seines ersten Kommandos über die Stargazer und vor der Übernahme der Enterprise-D so angestellt hat. Die beiden Versionen sind inkompatibel miteinander, aber natürlich basieren beide auf den selben Kanon-Informationen aus der Serie.

Allerdings: Sowohl Goodman als auch Bennett streichen die Wichtigkeit Guinans als Ratgeberin für Picard hervor und in beiden Varianten lernt Picard sie bereits auf der Stargazer kennen. Obwohl die El-Aurianerin eindeutig sagt, sie habe Picard erst auf der Enterprise erstmals angetroffen! Was aus ihrer Perspektive dank Zeit-Paradoxon natürlich nicht stimmt, aber zum damaligen Zeitpunkt wohl aus Picards Perspektive so zutraf. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass Guinan unter Berücksichtigung der temporalen Kontinuität gelogen hat. Und auch in eine andere Information aus der Serie hat Goodman leider übersehen, womit wir zur Auflistung einiger Auffälligkeiten bzw. Unstimmigkeiten (die man aber sicher erklären könnte) gelangen:

Ja, das Set der Bar „10 Vorne“ wurde erst für die zweite Staffel von „The Next Generation“ gebaut. Aber einer Aussage von Deanna Troi zufolge hat die Bar bereits existiert, als Picard erstmals an Bord kam.

À propos „erstmals an Bord kommen“: In der gleichen Folge in der Deanna Troi ihre Aussage tätigt, sage Picard, er habe vor seinem Kommandoantritt noch nie ein Schiff der Galaxy-Klasse betreten. Goodman hat sich zwar daran gehalten, aber es ein wenig ungeschickt verpackt in einer Passage, die durchaus entbehrlich gewesen wäre.

Und auch wenn es schön war, Doktor Phlox zu begegnen, so schwingt bei der Szene doch ein bisschen wieder die Absicht von Goodman mit, etwas „wegerklären“ zu wollen, obwohl es gar nicht nötig wäre. Wie häufig bei Spezies, die man in der Serie „Enteprise“ erstmals sah, gab es eine kleine aber laute Kritikerfraktionen unter den Fans die fragten: „Warum hat man die später nicht mehr gesehen?“ Eine Frage, die meiner Meinung nach nicht wirklich einer Antwort würdig ist, aber dennoch hat sich Goodman dazu hinreißen lassen und erklärt, warum man in der Ära ab „The Next Generation“ keine Denobulaner mehr zu sehen bekam. (Warum sie in der Ära der „Originalserie“ nicht zu sehen waren, kann er aber damit nicht erklären. Warum die Antwort „Sie waren da, man hat sie aber nicht gesehen“ für TOS funktionieren soll aber nicht für TNG … Das weiß wohl nur Goodman.)

Soweit mal die negativsten Auffälligkeiten, zu denen ich aber auch festhalten will, dass Goodman in keinem Fall so sehr ins Fettnäpfchen getreten ist wie mit seinem Umgang des fünfen Star Trek-Kinofilms in Kirks Autobiographie. Das ist schon mal eine großer Pluspunkt des Buches, das ebenfalls von Goodmans Schreibstil profitiert. Der Text ist im Grundton überraschend heiter für etwas, das von Jean-Luc Picard geschrieben worden sein soll, aber er trifft auch immer dann den ernsteren, nachdenklichen Tonfall des Captains, wenn es die beschriebene Situation erfordert. Und an seinem Umgang mit Picards Lebensgeschichte gibt es abgesehen von den erwähnten kleinen Unstimmigkeiten im Buch nicht viel auszusetzen. Goodman beschreibt die Geschichte anders als Bennett, aber ist mindestens genauso gut darin, Begebenheiten aus der Serie mit Picards frühen Erlebnissen zu verknüpfen. Dass der Captain seine Probleme mit Kindern an Bord von Raumschiffen hat, kann man ihm nach Lesen dieses Buches wahrlich nicht vorwerfen. 😉

Bewertung: Also 5 Sterne vergebe ich gerne an dieses Buch und damit einen mehr als  die Kirk-Autobiographie  von mir erhalten hat. Jene litt wahrlich unter Goodmans Umgang mit den fünften Film und dem Umstand, dass die Mitte des Buches – Kirks erste 5-Jahres-Mission – wie ein unvollständiger Episoden-Guide wirkte. Im Falle der Picard-Biographie ist es von großem Vorteil, dass man schon drei Viertel des Buches lang Picards noch nicht derart ausführlich dargestellte Geschichte liest, ehe man zu den bekannteren Geschehnissen der TV-Serie aufschließt. Das letzte Viertel ist ein wenig fragmentiert verfasst und es gibt auch nur wenige Informationen über Picards Leben nach den Geschehnissen von „Nemesis„. Goodman hat sich vor allem bei Ideen aus den Zukunftsvisionen der letzten TNG-Folge und dem „Countdown“-Comic zum elften Kinofilm bedient. Diesen Lebensabschnitt von Picard hätte ich gerne noch ein wenig ausführlicher geschildert vorgefunden. Aber alles in allem ist die Biographie eine angenehm zu lesende Lektüre, die ich Picard-Fans ans Herz legen möchte.

5stars

Anmerkungen:

Wie schon die Kirk-Biographie enthält auch dieses Buch ein bisschen Bildmaterial, darunter Fotomontagen aus Bildern des jungen Patrick Stewart.

Picard begegnet viel Prominenz des Star Trek-Universums, darunter auch dem vulkanischen Botschafter Sarek. Während Picard in der Biographie von seiner Wahrnehmung der Gedankenverschmelzung berichtet, die er mit dem Botschafter teilt, beschreibt er auch eine Erinnerung, die eine Anspielung auf die neue Serie „Star Trek Discovery“ sein dürfte, in der Sarek ja auch eine nicht unwichtige Rolle spielt. Genauer gesagt scheint Picard vage eine Szene zu beschreiben, die im ersten Roman zur Serie, „Desperate Hours„, ausführlicher beschrieben wurde: Sareks Fau Amanda, die ihren Ehemann dazu drängt, mit der schwerst verletzten Michael Burnham eine rettende Gedankenverschmelzung durchzuführen. (Dies ist zumindest meine Interpretation der Stelle in der Biographie. Es fehlt allen von Picards Wahrnehmungen während der Verschmelzung der Kontext, aber mir fällt ansonsten kein Kanon-Ereignis ein, das dieser Erinnerung entspricht.)

Rezension: DSC – “Desperate Hours”

Pünktlich zum Start der jüngsten Star Trek-Serie „Discovery“ im September erschien auch der erste Roman einer dazugehörenden Reihe. Die frühen Romane der bisherigen Star Trek-Serien waren meist ein wenig problembehaftet, da sie – wie auch „Desperate Hours“ – geschrieben wurden lange bevor die jeweilige Serie ausgestrahlt wurde und die Romanautoren manchmal nur mit groben Konzepten, wenigen oder gar verworfenen Details arbeiten konnten. Bei „Discovery“ sollte dies dank engerer Abstimmung zwischen den Serienproduzenten und Autor David Mack ganz anders sein. Aber nicht nur deshalb allein kommt „Desperate Hours“ ohne typische „Kinderkrankheiten“ einer neuen Romanreihe zu einer aktuell laufenden Fernsehserie aus.

st_dsc_dh

Es liegt vor allem auch daran, dass die Geschichte ein volles Jahr vor den Ereignissen des Pilotfilms ansetzt (und somit ein Jahr nach den Ereignissen der ersten TOS-Pilotfolge „Der Käfig“). Lieutenant Michael Burnham ist noch an Bord der U.S.S. Shenzhou unter dem Kommando von Captain Philippa Georgiou, wo sie als Taktische Offizierin dient. Als die bisherigen Ersten und Zweiten Offiziere andere Posten übernehmen, wird Burnham zu ihrer eigenen Überraschung provisorisch von Admiral Anderson zu Georgious Stellvertreterin ernannt – womit der Wissenschaftsoffizier Lieutenant Saru übergangen wird.

Obwohl weder Georgiou noch Saru glücklich mit der Entscheidung sind, darf sich Burnham kurze Zeit später bei einer ersten Krisensituation beweisen: Auf einem Ozean der relativ neuen Koloniewelt Sirsa III sinkt eine Bohrinsel infolge des unerwarteten Auftauchens eines gigantischen, außerirdischen Raumschiffes, das auf dem Meeresboden gelegen hatte. Offenbar von der plötzlichen Aktivität auf dem Ozean erweckt entsendet das Schiff eine bewaffnete Drohne, die die Hauptstadt der Kolonie angreift. Da die Kolonie zwar von Menschen gegründet wurde aber an sich von der Föderation unabhängig ist, zögern die politischen Entscheidungsträger auf Sirsa III lange, ehe sie um Unterstützung bitte, die in Form der Shenzhou schließlich auftaucht. Es gelingt die Drohne auszuschalten und man beginnt mit der Erforschung des im Ozean treibenden Schiffes, das von einer hochentwickelten Kultur erbaut wurde.

Die Situation auf dem Planeten scheint vorerst unter Kontrolle, bis mit der U.S.S. Enterprise unter Captain Christopher Pike ein weiters Schiff im Orbit auftaucht, das Befehle von Admiral Anderson mitbringt, die im Widerspruch stehen mit den Absichten von Captain Georgiou. Anstatt „abtrünnige“ Kolonisten zu beschützen ist es der Sternenflotte wichtiger, dass benachbarte Föderationswelten nicht von dem Schiff bedroht werden, das besorgniserregend hohe Energiewerte abstrahlt und einmal gestartet ein enormes Zerstörungspotenzial freisetzen könnte. Es soll daher noch auf Sirsa III vernichtet werden – auch wenn dies die Vernichtung der dortigen Kolonie bedeutet und die Kolonisten eine Evakuierung ablehnen.

Es kommt zu einem aufreibenden Streitgespräch zwischen den beiden Captain, einem Feilschen um Kompromisse, den Burnham schließlich erzielt, indem sie gegen Georgious ausdrücklichen Befehl mit der Enterprise kommuniziert – genauer gesagt mit dem Wissenschaftsoffizier Spock, einem Mann, den sie seit Kindertagen nicht mehr gesehen hat und dessen Platz sie als Mündel von Spocks Vater Sarek mehr oder weniger in dessen Familie eingenommen hat. Auch wenn Georgiou alles andere als begeistert von der eigenmächtigen Handlung ihres provisorischen Ersten Offiziers ist, stimmt sie zu, dass Burnham und Spock gemeinsam versuchen sollen, ins Innere des fremden Schiffes vorzudringen und es abzuschalten, ehe es genügend Energie aufgebaut hat um entweder die Kolonie zu zerstören, oder zu einem anderen Planeten zu fliegen. Ein Unterfangen, das sich nicht als einfach erweist, denn die Zeit drängt und wie sich herausstellt, harmonieren Burnham und Spock nicht gerade gut miteinander.

Fazit: Dass Autor David Mack bereits die Drehbücher der ersten sieben oder acht Folgen kannte, als er „Desperate Hours“ verfasste, erweist sich absolut als Vorteil. Er hakt bei einigen späteren Ereignissen ein, etabliert sehr schön den Ausgangspunkt für die bereits im Pilotfilm herrschende Antipathie zwischen Burnham und Saru. Letzteren beschreibt er übrigens interessant, die kelpianischen Eigenschaften werden in der Serie ja zumeist sehr plakativ nach außen hin gezeigt, aber hier gibt uns Mack ein wenig Einblick in die Psyche dieser Beutespezies. Irgendwie schade, dass Saru in der Serie so rasch in die zweiten Reihe verschwindet.

Wie erwähnt hatten die frühen Romane zu anderen Star Trek TV-Serien noch mit manchen Problemen zu kämpfen, die sie zur eigentlichen Serie nicht so recht passen ließen. Beginnend von der Charakterisierung, der Verwendung gewisser Dinge und Ausdrücken oder sogar von Namen! (Berühmtestes Beispiel ist „Doktor Zimmerman“ als Name für den holographischen Doktor in den ersten paar „Voyager“-Romanen, während es speziell in den ersten beiden Staffeln der TV-Serie ein wiederkehrendes Dilemma für den Doktor war, keinen Namen zu haben und sich einen aussuchen zu müssen.) „Desperate Hours“ profitiert wie erwähnt von Macks Kenntnis der ersten paar Drehbücher. Aber es ist natürlich auch hilfreich, dass nur Georgiou, Burnham und Saru im Pilotfilm im Vordergrund stehen, über Georgiou und den Schauplatz Shenzhou nach dem Pilotfilm auch nichts mehr Nennenswertes hinzugefügt wird. Ansonsten konnte sich Mack bei der Charakterisierung der (übrigens sehr unsympathischen und sich wenig rettungswert benehmenden) Kolonisten austoben oder auf die etablierten Charaktere Pike, Spock und Una („Nummer Eins“) zurückgreifen.

Und damit – es lässt sich nicht vermeiden – stößt auch „Desperate Hours“ auf das Problem, das die ganze Serie hat: Sie funktioniert nicht so recht als Prequel zur klassischen Serie oder gar parallel zur Pike-Ära. Autor David Mack beschreibt Schiffe, Technologie und Crew so, wie man sie in „Der Käfig“ bzw. im Pilotfilm von „Discovery“ sah. Zwar versucht er ein paar Erklärungen unterzubringen, wie z.B. dass nur Crews der modernen Schiffe der Constitution-Klasse die neuen, farbigen Uniformen bekommen oder das Schiffsdesign der Föderation dem flexiblen ästhetischen Geschmack der Menschen unterworfen ist. Aber als jemand, der Gelesenes visualisiert, ist dieses Crossover zwischen TOS und DSC einfach zu holprig, passt einfach in dieser beschriebenen, beinahe gleichgültigen Art nicht zusammen. Auf charakterlicher Ebene funktioniert das Treffen von Burnham und Spock besser, aber im Detail muss man sich auch fragen, wie es sein konnte, dass sich die beiden offenbar selbst als Kinder im gemeinsamen Haushalt so gut wie nie begegnet sind.

Hundertprozentig rund läuft auch die Story selbst nicht. So erscheinen mir die Photonen-Torpedos in diesem Roman übertrieben stark dargestellt. Das Feuer auf ein weit vor der Küste liegendes Schiff zu eröffnen, soll einen ganzen Planeten unbewohnbar machen? Zumal die Vernichtung des fremden Schiffes während es auf dem Planeten ist ohnehin nicht wirklich nötig erscheint. Niemand kann sagen, wohin es fliegt, sollte es abheben und es gibt keinen Hinweis darauf, dass man es nicht auch im All abfangen und vernichten könnte. Das Bedrohungspotenzial, das den Streit zwischen zwei Raumschiffcrews und widerspenstigen Kolonisten anheizt, wirkt etwas zu zweckdienlich beschrieben.

Bewertung: Trotz erwähnter negativer Auffälligkeiten halte ich „Desperate Hours“ aber dennoch für einen guten, unterhaltsamen Roman. Die Charakterbeschreibung ist sehr stimmig mit dem, was man in der Serie bis jetzt sah und man bekommt einige Hintergrundinformationen vor allem zu Saru und zu der gar nicht so engen Mentor-Schüler-Beziehung zwischen Georgiou und Burnham. Insgesamt beschreibt der Roman eine interessante und – wie man es von David Mack gewohnt ist – zuweilen sehr actionreiche Abenteuergeschichte, die auch ein paar vertraut Elemente enthält, vor allem aus zwei TNG-Folgen. Ich wurde jedenfalls gut unterhalten und gebe dem Roman solide 4 von 6 Sterne ohne Tendenz nach oben oder unten.

4stars

Anmerkung: Unter dem Titel „Gegen die Zeit“ ist der Roman auch schon auf Deutsch beim Cross Cult-Verlag erschienen.

Rezension: „Star Trek Beyond – The Makeup Artistry of Joel Harlow“

Es geht wieder einmal um die Themen „Design“ und „Star Trek“ und so ist auch dieses Buch kurz nach Erscheinen in meine Sammlung gewandert … wenngleich ich zu Make-up- und Masken-Design wahrscheinlich noch weniger persönlichen Bezug habe als zur Herstellung von Kostümen. Doch da mir das vor gar nicht so langer Zeit gelesene Buch „Star Trek Kostüme“ bereits diesen Teilbereich erfolgreich näher gebracht hat, habe ich nicht davor zurückgescheut, mir auch die Werke von Joel Harlow und seinem Team für den im letzten Jahr im Kino gelaufenen Film „Star Trek Beyond“ mithilfe dieses Sachbuchs genauer anzusehen.

Star Trek Beyond The Makeup Artistry_Cover

Zu Beginn ein paar Worte zur Gestaltung des Buches selbst: Es handelt sich um ein Hardcover mit Schutzumschlag, das knapp über 200 Seiten auf sehr festem Papier umfasst. Mit über 26 x 31 cm ist es nach Länge und Höhe gemessen das größte Star Trek-Buch das ich besitze und bedenkt man den unglaublichen Umfang an enthaltenen Fotos – von denen viele ganzseitig sind – ist dieses große Format nur von Vorteil, um all die Details wiederzugeben. Es gibt im Innern keine Doppelseite ohne Bildmaterial. Gezeigt werden die fertigen Masken an den Schauspielern, Fotos von der Arbeit der Make-up Artists, die Skulpturen, die im Vorfeld hergestellt wurden und natürlich jede Menge Entwurfsskizzen.

Auch wenn Joel Harlows Name auf dem Umschlag steht, machen die einleitenden Worte von ihm und Regisseur Justin Lin schnell klar, was für ein gewaltiger schöpferischer Aufwand von einem großen Team in Kalifornien, in Kanada und in Dubai nötig war, um dem 50-Jahr-Jubiläum von „Star Trek“ Rechnung zu tragen und mindestens 50 außerirdische Spezies in „Star Trek Beyond“ zu zeigen. (Schlussendlich wurden 56 erstellt, von denen aber nicht alle im Film zu sehen waren.)

Star Trek Beyond The Makeup Artistry_1

Nach den bereits erwähnten Vorworten des Regisseurs und von Harlow selbst, wird der Werdegang und die bisherige Arbeit des Abteilungsleiters vorgestellt, worunter sich auch der elfte „Star Trek“-Film befindet, für den Harlow mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. (Anmerkung: „Star Trek Beyond“ war ebenfalls nominiert für einen Oscar.) So bekommt man einen sehr guten Eindruck davon, welche Gedanken die Designentscheidungen und den allgemeinen Stil seiner Arbeit prägen. Danach geht es aber schon los mit den Kreationen: 50 Arbeiten werden in diesem Buch mittels Fotos und natürlich auch mittels begleitendem Text vorgestellt. Unterteilt sind sie in 5 Kapitel:

In Kapitel 1 geht es um die Hauptcharaktere. Allen voran um Jaylah, mit ihrem beeindruckend gezeichneten, an ein Raubtier erinnerndes Gesicht, wie auch um die drei Antagonisten Krall (in vier Verwandlungsstufen), Manas und Kalara, die sehr unterschiedlich sind, aber doch auch mit gutem Grund viele Gemeinsamkeiten aufweisen. Der Entstehungsprozess und die Entwicklung dieser Designs wird besonders ausführlich geschildert und dieses erste Kapitel beschreibt sehr viele Techniken und Herangehensweisen, die auch für viele andere Masken angewendet wurden. Ein wirklich sehr gutes Einleitungskapitel. Jaylah-Darstellerin Sofia Boutella liefert übrigens auch das Schlusswort des Buches.

Star Trek Beyond The Makeup Artistry_2

Kapitel 2 widmet sich den Aliens am Schauplatz Enterprise. Neben dem bereits bekannten Keenser aus dem Maschinenraum wird die Erschaffung der – übrigens von HR Giger inspirierten – Ensign Syl gezeigt. Eines der einfacheren Make-ups war jenes des orionischen Crewmitglieds, während Ty Vana nicht nur umfangreiche Prothesen trug, sondern auch wunderschöne „Haut“-Muster.

Kapitel 3 besucht Altamid, wo wir einen genaueren Blick auf die Masken der drei Schläger werfen können, die Scotty auflauern. (Von denen in einem früheren Drehbuchentwurf einer ein Klingone hätte sein sollen.) Ebenfalls werden die Designs einiger weiterer Enterprise-Crewmitglieder näher gezeigt, die auf Altmid von Krall gefangen gehalten werden.

Star Trek Beyond The Makeup Artistry_3

Das kurze Kapitel 4 stellt die Bewohner von Teenaxia dar. Diese kleinwüchsige Spezies wurde zwar rein mittels CG-Technik verwirklicht, aber von der Make-up-Abteilung entworfen und ursprünglich hätte sogar ein Darsteller im Kostüm den Teenaxi Kevin spielen sollen, der in der Nachbearbeitung verkleiner in den Film eingefügt worden wäre. Aufgrund des Zeitdrucks überließ Harlows Team es aber gerne der CG-Abteilung, die Teenaxi umzusetzen. Interessant ist hier, dass die Teenaxi ursprünglich etwas anders hätten aussehen sollen, der ursprüngliche Entwurf aber für eine Spezies schließlich Verwendung fand, die man dann auf der Starbase Yorktown sah.

Und genau dorthin führt uns Kapitel 5. 28 Außerirdische finden wir hier vor, darunter „Natalia“, die nicht zu unrecht das Cover des Buches ziert, handelte es sich dabei doch um eines der aufwändigsten Designs, das man sich im Film bis ganz zum Schluss aufgehoben hat. Interessant war zu erfahren, dass die Make-up-Abteilung bei der Entscheidungsfindung eingebunden war, welcher „Hintergrund-Alien“ wann in welcher Szene zu sehen sein sollte. Ebenfalls interessant sind die Informationen zum Charakter „Boltan“, der als Hauptbösewicht in jenem Drehbuch gedacht war, das schließlich verworfen wurde. Bis heute weiß man recht wenig über die ursprünglich angedachte Story, für die die Vorproduktion bereits gelaufen war. Aber Harlow und sein Team machen in diesem Buch hin und wieder eine interessante Erwähnung zum nicht verwirklichten Star Trek-Film.

Star Trek Beyond The Makeup Artistry_4

Fazit: Was mir an diesem Buch sofort auffiel, war die verhältnismäßig große Schrift. Nicht dass dies grundsätzlich ein Problem darstellen würde, ganz im Gegenteil werden es sicher viele Leser auch zu schätzen wissen. Aber man bekommt den falschen Eindruck, der Informationsgehalt wäre sehr gering. Doch nun, während ich diese Rezension verfasse, fallen mir so viele Dinge aus diesem Buch ein, die ich gerne noch hier unterbringen würde, aber die den Rahmen dieses Artikels wahrlich sprengen würden. Und neben dem Informationsgehalt vermitteln die zu Wort kommenden Künstler auch einen ansteckenden Enthusiasmus für ihre Arbeit, die gespickt ist von interessanten Ideen und manchmal verblüffenden Inspirationsquellen.

Eine solche Quelle ist das Buch durchaus selbst, auch wenn ich mir in der Hinsicht vielleicht eine Spur mehr gewünscht hätte. Bei einigen Spezies werden zwar die Ideen erwähnt, auf welcher Art von Welten sie heimisch sind, warum sie welches körperliche Merkmal aufweisen etc. Aber da wäre noch mehr drinnen gewesen – vor allem auch ein paar Speziesbezeichnugen mehr. Ein paar wenige Charaktere werden mit ihrer Spezies identifiziert, aber zur Unterscheidung der Designs haben die Künstler ihnen hauptsächlich die Namen von Individuen gegeben. Aber allein das Erscheinungsbild der verschiedenen Spezies regt die eigene Fantasie an und als Verfasser von Fan-Fiction hat mich dieses Buch auf einige Ideen für meine kommenden Romane gebracht. Und wenn ich mir das nächste Mal „Star Trek Beyond“ ansehe, werden mir sicher spontan die Namen einiger Designs einfallen, wenn die Träger der jeweiligen Masken im Hintergrund durchs Bild spazieren.

Bewertung: Masken zwecks einer solch drastischen Veränderung des Erscheinungsbildes sind natürlich etwas, zu dem die wenigstens einen echte, persönlichen Bezug haben. Aber dieses Buch schafft es mühelos und ohne dabei zu sehr ins technische Detail zu gehen (wobei es schon interessant ist, welche Wirkung Kerosin auf Silikon hat), dem Leser dieses Thema näher zu bringen. Natürlich schadet es nicht, bereits einen Faible für Science Fiction- und Fantasy-Designs zu haben. Filmmasken und -Make-up bleiben dennoch für mich doch ein eher exotisches Thema, auch wenn das Buch wirklich sehr gelungen ist. Was ich daran beanstanden würde, sind ein paar fehlende Querverweise. Hin und wieder werden verworfene Designideen erwähnt, von denen ich dann schade fand, dass man keine Bilder dazu sah … nur um sie einige Seiten später zu finden, wenn ein anderer Alien vorgestellt wird, der auf der verworfenen Idee basiert. Es wäre auch interessant gewesen, Kostümdesignerin Sanja Hays zu Wort kommen zu lassen. Die von ihr gestaltete Bekleidung für die außerirdischen Charaktere wird gelegentlich erwähnt, aber zumindest kurze Infos zu den Kostümen wären eine nicht zu abwegige Ergänzung zu den Artikeln über die einzelnen Außerirdischen gewesen.

Und das größte Manko ist natürlich unvermeidlich bei derart gestalteten Design-Büchern: Am Ende angekommen würde man sich immer noch mehr Fotos und Zeichnungen wünschen, die man studieren kann. 😉 Ich bewerte das Buch mit soliden 5 Sternen.

5stars

Rezension: Comic – Boldly go #11 + #12

Schon die Comics der „Ongoing“-Reihe griffen – vor allem in ihren ersten Geschichten – hin und wieder auf Abenteuer aus der klassischen Star Trek-Serie zurück und Autor Mike Johnson adaptierte sie dann in neuer Form für die Kelvin-Zeitlinie. Auch die „Ongoing“-Nachfolgeserie „Boldly go“ tat dies bereits einmal mit der TOS-Folge „Reise nach Babel“ in den Ausgaben #7 und #8 und erneut ist es diesmal eine zweiteilige Story, die ihre Wurzeln ganz klar in der klassischen Star Trek-Serie hat.

In der Folge „Wen die Götter zerstören“ aus der dritten Staffel der klassischen Serie haben wir Captain Garth von Izar kennengelernt, einen einst gefeierten aber mittlerweile in Ungnade gefallenen Sternenflottenoffizier. „Boldly go #11“ erzählt uns in Episoden Garth‘ Vorgeschichte: Es beginnt damit, dass er zehn Jahre vor den aktuellen Ereignissen als Kommandant der U.S.S. Heisenberg im Orbit des Planeten Axanar durch ein herausragendes Manöver einen klingonischen Schlachtkreuzer vernichten kann. Drei Jahre später referiert er über die Schlacht und darüber, dass ihr glücklicherweise kein Krieg gefolgt ist. Bei dieser Gelegenheit wird Garth von Captain Pike ein Kadett namens James T. Kirk vorgestellt. Weitere vier Jahre später ist die U.S.S. Heisenberg im Orbit des Planeten Antos IV und da es die Bewohner nur einem einzigen Repräsentanten der Föderation gestatten, ihren Planeten zu betreten, beamt Captain Garth alleine hinunter. Und so geschieht das, was das Schicksal wohl in jeder Zeitlinie für Garth vorgesehen hat: Es kommt zu einer schrecklichen Transporter-Fehlfunktion und der deformierte, leblose Körper des Captains materialisiert auf dem Planeten.

Zeitsprung in die Gegenwart: Nach ihrem Abstecher nach Babel hat die U.S.S. Endeavour unter Captain Kirks Kommando ihre Forschungsmission wieder aufgenommen – die jedoch abrupt gestört wird, als sich ein kleines Raumschiff nähert, das von einem Kind namens Thalia gesteuert wird und Kirk nur allzu gut bekannt ist. Denn in einem früheren Abenteuer („Ongoing“-Ausgaben #43 bis #45) war Kirk ihrer Mutter – der Weltraumpiratin Eurydice – begegnet. Eurydice ist auf dem Planeten Antos IV spurlos verschwunden und so ist Thalia ihren Anweisungen für einen solchen Fall gefolgt und bittet Captain Kirk um Hilfe. Da er und Eurydice damals offenbar im Guten auseinander gegangen sind (Anmerkung: Ich selbst habe diese drei „Ongoing“-Comics nicht gelesen, mutmaße hier also nur), lässt Captain Kirk Kurs auf Antos setzen, wo er nach kurzer Verhandlung mit einem Regierungsvertreter erwirkt, zusammen mit Thalia auf den Planeten beamen zu dürfen um nach Eurydice zu suchen.

Erstaunlicherweise finden sie die Piratin beinahe genau an jener Stelle, wo Thalia sie zuletzt gesehen hatte. Kirk ist anfangs zufrieden damit, wie leicht sich dieses Problem lösen ließ, doch anstatt zu ihrer Mutter zu laufen, wendet sich Thalia erschrocken ab mit der Behauptung, dies sei nicht ihre Mutter und rennt fort. Kirk und Eurydice folgen ihr, doch zu Kirks Überraschung führt die Piratin ihn in eine dunkle Gasse, wo sie ihn ohne Vorwarnung niederschießt. Und doch materialisiert der Captain nur kurz darauf im Transporterraum der Endeavour, berichtet von einer reibungslosen Familienzusammenführung und lässt Kurs auf die U.S.S. Heisenberg setzen …

Fazit: Für Kenner der Vorlage ist es natürlich keine große Überraschung, dass sich nicht Captain Kirk zurück auf die Endeavour gebeamt hat, sondern Captain Garth, der dank einer antosianischen Regenerationstherapie nicht nur den Transporterunfall überlebt hat, sondern dank der Therapie auch die Fähigkeit erlangt hat, andere Gestalten anzunehmen. So konnte er zuerst Eurydice und dann Kirk imitieren. Überraschender ist vielleicht, dass trotz des starken Fokus auf Thalia und Eurydice es gar nicht notwendig ist, die zweeinhalb Jahre zuvor erschienenen drei „Ongoing“-Comics über die beiden zu lesen. Ich habe sie wie erwähnt auch noch nicht nachgeholt, aber auch wenn es in diesem „Boldly go“-Zweiteiler keine ausführlichen Information darüber gibt, was damals geschehen ist, ist der Umgang zwischen Kirk, Eurydice und Thalia wirklich selbsterklärend. Eurydice mag ein bisschen ruppig sein, aber Kirk hegt eindeutig große Sympathie für das unabhängige Mutter-Tochter-Gespann. Das wird von Anfang an klar (und somit lange Zeit vor den mehr als eindeutigen letzten Panels des Comics 😉 ) und weckt auch mein Interesse, dies Vorgeschichte demnächst mal zu lesen.

Die vorab durch die TOS-Folge „Wen die Götter zerstören“ bekannten Ereignisse rund um Captain Garth vermeintlichen Tod und seine Umwandlung spielen hingegen eine deutlich vordergründigere Rolle. Zuerst dachte ich ja, die Geschichte des Comics würde wesentlich anders ablaufen als das, was die TOS-Folge implizierte. Immerhin war in der Serie die Rede davon, dass Garth in einem Wahn nach seiner Rettung die Antosianer auslöschen wollte. Im Comic hingegen jagt er zuerst der Crew der Heisenberg hinterher um sich dafür zu rächen, dass man ihn vermeintlich tot auf Antos zurückließ. Anderseits könnte es durchaus sein, dass im Prime-Universum die Geschehnisse gar nicht so anders abgelaufen sind, lediglich die Endeavour  die Rolle der Heisenberg übernommen haben könnte, es sich in der ursprünglichen Zeitlinie somit für Garth erübrigt hätte, der Heisenberg nachzujagen. Aber unabhängig von der Zeitlinie landet Garth am Schluss jedenfalls auf Elba II in einer Einrichtung für geistig abnorme Rechtsbrecher. Zusammen mit Andorianern, Tellariten und einer Orionerin. Die Anspielungen auf die klassische Star Trek-Folge sind erstaunlich vielfältig in diesem Comic. Sogar der Schachzug wird untergebracht.

Es wäre noch sehr interessant gewesen zu erfahren, wie es dazu kam, dass Garth Leichnam auf Antos verblieb und die Antosianer es der Sternenflotten nicht mitteilten, dass sie Garth zu heilen vermochten. Aber ich kann den Zeitsprung nach vorne aus dramaturgischer Sicht ganz gut verstehen. Ich hätte mir die Antosianer allerdings etwas verschlossener vorgestellt und auch wenn sie nur immer einen Vertreter einer außerirdischen Delegation auf ihrem Planeten erlauben, kommt mir ihr Marktplatz etwas zu kosmopolitisch bevölkert vor.

Zeichnerin Megan Levens steuert nach dem Babel-Zweiteiler wieder die Grafiken bei. Ihr Stil wirkt sehr einfach und wie ich schon mal erwähnte „verniedlicht“ sie die Charaktere ein wenig, sie bleiben aber auf jeden Fall absolut erkennbar. Und eine gewisse Niedlichkeit ist vor allem bei Thalia nicht verkehrt. Vor allem wenn die Kleine am Beginn von Ausgabe #12 ihren großen Auftritt hat. 😀 Die U.S.S. Endeavour hätte Levens aber etwas besser treffen können. Man merkt, dass sie sich zu sehr an der Enterprise als Vorlage orientierte, aber die Endeavour unterscheidet sich in mancher Hinsicht doch deutlich von der Enterprise. Das war ein bisschen schlampig. Sogar die Cover der beiden Comics zeigen die Enterprise.

Bewertung: Der Zeitsprung und die folgende Darstellung von Antos wirft ein paar Fragen auf, aber sicher keine unerklärbaren. Ansonsten gefiel mir die Geschichte erstaunlich gut, denn ich war zuerst skeptisch, eine „Fortsetzung“ zu lesen, ohne deren Ursprung zu kennen. Aber zum Glück benötigte zumindest ich keine Vorkenntnisse, um  die beiden Gastcharaktere Eurydice und Thalia zu mögen. Und Captain Garth‘ Vorgeschichte vor seinem Unfall war ganz mitreißend erzählt und bei der Darstellung der Fehlfunktion brilliert auch Zeichnerin Levens, die verdeutlicht, welch Horror Garth erlebt hat. Insgesamt fühlte ich mich gut unterhalten, die Story war zwar teilweise schon bekannt, aber die Anspielungen auf TOS gefielen mir ebenso wie der Humor, den vor allem Thalia reingebracht hat. 5 von 6 Sterne! 

5stars

Anmerkungen: 

Die Darstellung der Rückblicke ist wirklich sehr gut gemacht mit großer Rücksicht auf die Designs der jeweiligen Zeit. So trägt die Crew der U.S.S. Heisenberg während der Schlacht von Axanar noch jene blauen Uniformen, die wir von der U.S.S. Kelvin kennen. Ein paar Jahre später auf der Akademie entsprechen die Darstellungen ebenfalls der Zeit mit passenden Unformen und auch Schauplätzen. Mit dem Sprung in die Gegenwart nach „Beyond“ ist dann die Palette der Dienstuniformen der neuen Zeitlinie komplett!

Da „Discovery“ im Prime-Universum angesiedelt ist und nicht in der Kelvin-Zeitlinie, sollte man nicht unbedingt Parallelen nach dem Universumssplit suchen, aber mir fiel doch auf, dass die U.S.S. Heisenberg zumindest an der Oberseite der U.S.S. Europa aus dem „Discovery“-Pilotfilm etwas ähnelt. Vermutlich aber nur ein Zufall.

Ohne das Buch empfehlen zu wollen, möchte ich zumindest darauf hinweisen, dass es auch einen Roman gibt, der die TOS-Folge „Wen die Götter zerstören“ fortsetzt. Im Jahr 2013 habe ich den „Garth of Izar“ rezensiert, der mich allerdings nicht zu beeindrucken vermochte.

Rezension: TOS – “Shadow of the Machine”

Zur Überbrückung der nur noch kurzen Wartezeit auf das Erscheinen eines anderes Buches, habe ich diese kleine Novelle gelesen, die ausschließlich in ebook-Form erschienen ist. Autor Scott Harrison konzentriert sich hierbei vorrangig auf drei Offiziere der Enterprise nur kurze Zeit nach dem V’Ger-Zwischenfall im ersten Star Trek-Kinofilm.

Shadow of the Machine

Zwischen dem Abschluss des Testflugs (zu dem die Enterprise am Ende des Films aufbrach) und dem Beginn der zweiten 5-Jahres-Mission gönnen sich die Brückenoffiziere nochmal Urlaub, der aber nicht für jeden eine Erholung darstellt, sondern auch persönliche Verpflichtungen mit sich bringt. So wird Captain Kirk von seinem Onkel und seiner Tante auf die Familien-Farm gerufen, denn man macht sich dort Sorgen um Peter – den Sohn von Kirks verstorbenen Bruder. Der Junge, der einst so große Ambitionen hatte auf die Sternenflottenakademie zu gehen, wirkt teilnahmslos. Doch Kirk sieht sich selbst recht ungeeignet, um Peters Interesse an der Raumfahrt und im Speziellen einer Offizierskarriere zu fördern, hadert der Captain doch selbst noch mit dem Verlust von Commander Decker und Lieutenant Illia und der Frage, ob er eine solche Verantwortung, die der Job mit sich bringt, noch tragen will.

Mister Spock verbringt seinen Urlaub auf Vulkan, wo er nicht nur seine Eltern trifft, sondern auch in das Kolinahr-Kloster zurückkehrt, um dort zu deklarieren, dass dieses Ritual, durch das man sich sämtlicher Emotionen entledigen kann, nicht für ihn geschaffen ist.

Und schließlich begleitet der Roman auch noch Hikaru Sulu nach San Francisco, wo Monate vor dem eigentlichen Termin bei Sulus Lebensgefährtin die Wehen eingesetzt haben. Dank hochentwickelter medizinischer Technologie geht es Mutter und Tochter zwar nach der Geburt sehr gut, doch Sulu wird auch noch von der Sorge geplagt, welche Art von Vater er sein kann, denn an seiner Beteiligung an der nächsten 5-Jahres-Mission lässt sich nichts ändern. Und es scheint auch niemand Interesse daran zu haben, etwas daran ändern zu wollen.

Fazit: Der Titel „Shadow of the Machine“ bezieht sich nur auf die Zeit, in der dieser Roman angesiedelt ist. Es gab in den letzten Jahren nur sehr wenige Star Trek-Romane, die die TOS-Movie-Ära behandelt haben und kaum welche, die rund um die Ereignisse des allerersten Kinofilms angesiedelt waren. Eine sehr lesenswerte Ausnahme ist der Roman „Ex Machina“ von Christopher L. Bennett. Doch im Gegensatz zu diesem spielen die Besonderheiten dieses Zeitabschnitts in „Shadow of the Machine“ keine Rolle. Vielmehr stehen die Personen im Mittelpunkt und sehr persönliche Fragen, die sie quälen und die Antworten darauf, die sie suchen. Ich nehme nicht so viel vorweg wenn ich bereits verrate, dass sowohl Kirk, Spock als auch Sulu (in etwas geringerem Maße) ihre Antworten finden. Captain Kirk darf dabei sogar ein kleines Abenteuer erleben. Die Kürze der Novelle und die Art der Erzählung bieten nicht viel Raum für Action-Einlagen, aber diese eine lockert doch ganz gut auf, immerhin geschieht nicht allzu viel und auch der Dialoganteil erscheint mir verhältnismäßig gering. Es sind drei sehr introvertierte Geschichten, in denen man den Gedanken der drei Hauptprotagonisten folgt. Wie schon erwähnt sind viele persönliche Sorgen dabei und im Falle von Kirk auch einige Kindheitserinnerungen an seinen Bruder, die von der Rückkehr in sein altes Zuhause geweckt werden.

Während die Urlaubserlebnisse von Kirk und Sulu ungefähr gleich viel Raum erhalten, fand ich es schade, dass ausgerechnet Spocks Reise nach Vulkan etwas weniger Platz erhielt. Vor allem da er sicher an den exotischsten Ort reist und auch eine schöne Erkenntnis am Schluss hat, wenn er meint, er sei aufgrund seiner Abstammung kein halber Vulkanier, sondern mehr als nur Vulkanier.

Bewertung: Das Kurzroman-Format ist für diese Art von Geschichten sehr gut geeignet. Man muss solche persönlichen Lebenskapitel ja nicht immer versuchen, in ein Erlebnis von umfassenderer Wichtigkeit einzubetten. Scott Harrison interessiert sich hier allein für die die Charaktere, die er gut trifft und deren Probleme er mit Fingerspitzengefühl erläutert und dem Leser näher bringt. Kein überragender Roman, aber ideal um mal zwischendurch gelesen zu werden. 4 von 6 Sterne! 

4stars

Anmerkung:

Die_Tochter_des_CaptainWährend Inhalte jüngerer Romane verlagsintern ganz gut aufeinander abgestimmt sind, sind Autoren heutzutage nicht mehr an Geschehnisse gebunden, die in älteren Star Trek-Romanen vor der Jahrtausendwende beschrieben wurden. Bestenfalls gibt es noch kleine Anspielungen und eine solche findet man auch in „Shadow of the Machine“.

Bereits der in den 1990er-Jahren erschienenen Roman „Die Tochter des Captain“ – der übrigens wirklich sehr empfehlenswert ist! – beschäftigte sich intensiv mit Sulus Vaterschaft. „Shadow of the Machine“ ist mit diesem älteren Roman völlig inkompatibel. Dennoch wurde der Name von jener Frau, die Sulus Tochter Demora zur Welt brachte, von Scott Harrison in seine Novelle übernommen.

Rezension: TOS – “Savage Trade”

Wir sind weniger als einen Tag von der großen Netflix-Premiere von „Star Trek – Discovery“ entfernt, aber auch wenn bei mir schon die Spannung auf die neue Serie groß ist, widme ich mich mit diesem Artikel wieder der eigentlichen Kernkompetenz meines Blogs. Und so rezensiere ich heute Tony Daniels zweiten „The Original Series“-Roman (nach „Devil’s Bargain“).

ST_Savage_Trade_cover

Am Beginn von „Savage Trade“ ist die Enterprise unter dem Kommando von Captain James T. Kirk unterwegs zu einem abgelegenen Föderationsaußenposten auf dem Planetoiden Zeta Gibraltar. Der Außenposten beantwortet schon seit geraumer Zeit keine Rufe mehr und die Crew der Enterprise erhielt den Auftrag, sich dort umzusehen. Bei ihrer Ankunft findet der Landetrupp zwar keine Spur vom Personal des Außenpostens, jedoch eindeutige Anzeichen eines Überfalls. Im Außenposten sichergestellte DNS lässt darauf schließen, dass L’rah’hane-Piraten – die einst das vermeintlich untergegangen Hradrian-Imperium mit Sklaven versorgten – das Personal von Zeta Gibraltar verschleppt haben. Nach dem Aufspüren der Ionenspur eines fremden Antriebssystems, die direkt in den nahen Vara-Nebel führt, lässt Captain Kirk einen Verfolgungskurs setzen und tatsächlich trifft man schon bald auf eine kleine Piratenschiffflotte, die der Enterprise nichts entgegenzusetzen hat. Auch weil sich einige der Entführten aus ihren Zellen befreien konnten und die L’rah’hane an Bord von deren eigenen Schiffen bekämpfen. Captain Kirk ist höchst dankbar für die Unterstützung, aber er reagiert mit verständlicher Überraschung und Misstrauen darauf, dass es sich bei seinen Mitstreitern um George Washington, Galileo Galilei, Marie Curie, Leonardo da Vinci, Benjamin Franklin, James Watt, Queen Elizabeth die Erste und weitere berühmte Persönlichkeiten der irdischen Geschichte handelt.

Natürlich handelt es sich nicht um die Originale und vor allem der Umstand, dass Kirk zu allererst auf den ehemaligen US-Präsidenten George Washington trifft, lässt den Captain der Enterprise sofort vermuten, dass er es mit Excalbianern zu tun hat. Vor nicht allzu langer Zeit (siehe hierzu die TOS-Episode „The Savage Curtain“/“Seit es Menschen gibt“) haben diese mächtigen Wesen Kirk und seinen Erste Offizier Spock dazu gezwungen, zusammen mit Nachbildungen von Abraham Lincoln und Surak gegen Ebenbilder von Dschingis Khan, Kahless, Zora und General Green zu kämpfen. Die Excalbianern erhofften dadurch mehr über die Prinzipien von Gut und Böse zu erfahren.

Nach der Befreiung des Außenposten-Personals und der Excalbianer in Menschengestalt aus den Händen der L’rah’hane, erfährt die Crew der Enterprise, dass die Excalbianer nach der Abreise von Kirk und Spock mit ihren inszenierten Kämpfen nicht aufgehört haben. Was anfangs als Experiment gedacht war, entwickelte sich zu einem grausamen Zeitvertreib. Doch einige wenige dieser Wesen entwickelten durch das Rollenspiel ein menschliches Gewissen und lehnten sich gegen die Kämpfe auf. Zur Bestrafung wurde ihr menschliches Erscheinungsbild permanent gemacht. Ohne die Möglichkeit noch unter Ihresgleichen leben zu können, flüchteten die rebellischen Excalbianer von ihrer Heimatwelt. Sie fanden die Föderation, die sie nach Zeta Gibraltar schickte, wo sie seither auf die Entscheidung warten, ob ihr Asylantrag akzeptiert wird oder nicht …

thesavagecurtainhd1170

Der Excalbianer in der TOS-Folge „The Savage Curtain“/“Seit es Menschen gibt“ wurde wie einige andere ähnlich aufwändige Kreaturen in der Serie von Janos Prohaska verkörpert, der auch selbst ein paar dieser Ganzkörperkostüme herstellte. Darunter die Horta und den Mugato.

Fazit: Vor allem in diesen Zeiten ist das schwierige Asyl-Thema so aktuell wie wenige andere und insofern trifft Tony Daniel schon einen Nerv, wenn er uns das Dilemma der Excalbianer schildert. Wenngleich sich deren Situation natürlich nicht mit den Gegebenheiten unserer Realität vergleichen lassen. Der Autor hat sich sehr bemüht, das Volk der Excalbianer wesentlich genauer zu beschreiben als es die einzige TV-Folge vermochte, in denen diese Wesen vorkamen. Wenngleich: Um sie zu charakterisieren mixt Tony Daniel Eigenheiten der Talosianer (aus TOS: „Der Käfig“) und der Gründer (aus der Serie „Deep Space Nine“). Bedenkt man wie diese beiden Völker mit Menschen umspringen, ist es verständlich, dass jene Excalbianer in permanenten Menschenkörpern nicht mehr dort bleiben wollten. Anderseits so richtig „menschlich“ sind die Flüchtlinge dann doch nicht. So sind sie durchaus in Erscheinen und ihren Gedanken gebunden an die eingebildeten Persönlichkeiten, die sie darstellen. Trotzdem sind sie Angehörige einer enorm hoch entwickelten außerirdischen Spezies mit erstaunlichen wissenschaftlichen und technischen Kenntnissen und noch einem Rest gestaltwandlerischer Fähigkeit – auch wenn diese nicht ihr eigenes Erscheinungsbild betrifft: Objekte, die sich längere Zeit in der Nähe der Excalbianer befinden, verwandeln sich zu Gegenständen, die zur imitierten Persönlichkeit des jeweiligen Excalbianers passen. Dank dieser Fähigkeit verfügt beispielsweise James Watt über einen schier unendlichen Vorrat an hervorragendem Scotch – sehr zu Montgomery Scotts Freude.

Womit wir bei der Enterprise-Crew wären. Diese definiert sich in „Savage Trade“ vorrangig über ihre Interaktion mit den von ihr verehrten historischen Persönlichkeiten. Ich denke, die Charaktere sind sehr gut getroffen. Jene Begegnung, die McCoy hat, war sogar ein wenig überraschend, im ersten Moment etwas out-of-character, aber im zweiten Moment durchaus stimmig. Neben den Excalbianern gibt es aber noch einen weiteren neuen Charakter – die vulkanische Diplomatin Valek, die nach Zeta Gibraltar geschickt wird, um den Asylantrag der Flüchtlinge zu bearbeiten. Ihre schwierige Vorgeschichte mit Spock und der Umstand, dass es sich bei ihr um einen Protegé von Botschafter Sarek handelt, ist durchaus interessant, wenngleich dies nichts zur eigentlichen Handlung beiträgt. (Aber in Hinblick auf die Hauptfigur von „Discovery“ ist es ganz interessant, denn Michael Burnham und Valek könnten einige Gemeinsamkeiten aufweisen.)

Doch das Herzstück dieses Romans bilden ganz gewiss die Excalbianer, aber ihr Dilemma wird eher philosophisch und theoretisch behandelt und weniger praktisch. Insofern ist die Geschichte sehr dialog- und gedankenlastig und die handlungsorientierten Passagen rund um die Piraten schaffen da keinen beachtenswerten Ausgleich. Für meinen Geschmack schafft es Tony Daniel leider nicht, Spannung zu transportieren. Der Konflikt mit den Piraten ist eine eher öde Angelegenheit und wird auch nicht so recht aufgelöst. So lässt es der Autor offen, ob ein Ableger des Hradrian-Imperiums noch existiert oder nicht. Ich glaube nicht, dass seither dieses Thema jemals wieder in einem anderen Roman aufgegriffen wurde. (Anmerkung: „Savage Trade“ erschien bereits im Jahr 2015.)

Aber nicht nur die Piraten boten Konfliktpotenzial. Auch gegen Ende des Roman taucht eine feindliche Macht auf, die zu bekämpfen es gilt. Wie sie besiegt wird, bleibt jedoch in hohem Maße abstrakt. Und ehrlich gesagt weiß ich nicht, aus welchem Grund Spock und Benjamin Franklin annehmen konnten, dass ihr Plan funktionieren würde. Entweder entging mir hier etwas. Oder dem Leser wurde eine wichtige Information vorenthalten. Angesichts der abstrakten Natur des finalen Lösung tendiere ich eher zu Letzterem.

Bewertung: Wie schon das Erstlingswerk des Autors „Devil’s Bargain“ war auch sein zweiter Roman etwas mühselig zu lesen. Ich glaube nach zwei Romanen kann ich guten Gewissens sagen, dass mir Tony Daniels Stil einfach nicht liegt. Dennoch gefiel mir „Savage Trade“ besser als „Devil’s Bargain“. Es ist ein durchschnittlicher Roman mit einigen interessanten Szenarien und Begegnungen. Die Charaktere sind interessant und aus den Excalbianern hat der Autor doch einiges herausgeholt. Aber spannend war es leider nicht zu lesen. Daniel versucht zwar merkbar Spannung zu erzeugen, aber bei mir kam sie leider nicht an. Daher kann ich bestenfalls 3 von 6 Sterne vergeben.

3stars

Rezension: „Star Trek The Klingon Empire – Hidden Universe Travel Guides“

Vor ungefähr einem Jahr rezensierte ich das Buch „Star Trek Vulcan„, das auf bislang einzigartige Weise einen Planeten im Star Trek-Universum vorstellte: nämlich als fiktive Urlaubsdestination. Inzwischen ist auch ein zweiter „Hidden Universe Travel Guide“ erschienen, der dem Lesern interessante Ausflugsziele auf der klingonischen Heimatwelt Kronos und anderen Planeten im Imperium näher bringt.

hiddenuniverse2_cover

An der Struktur und dem Layout hat sich nichts geändert: Erneut schlüpft der vor allem für seine Romane bekannte Star Trek-Autor Dayton Ward in die Rolle des Reiseführers, der uns zuerst historisch und geschichtlich Relevantes über das klingonische Volk und seine Kultur erzählt, worauf folgend jedes Kapitel einem bestimmten Reiseziel auf Kronos gewidmet ist. Wie gewohnt enthält jedes Kapitel eine Übersichtskarte, Erläuterungen zur Bedeutung der entsprechenden Region, eine (manchmal bebilderte) Beschreibung der Sehenswürdigkeiten, der Veranstaltungen, Einkaufsmöglichkeiten, Hotels und Kulinarik. Auch kommt wieder in jedem Kapitel eine prominente Persönlichkeit (Worf, Gorkon, B’Elanna Torres, Martok, Azetbur, Korrd) zu Wort, die über ihren eigenen Bezug zur vorgestellten Region plaudert. Neu sind die sogenannten „Side Trips“. Vier der Kapitel enthalten Anhänge, in denen in gestraffter Form auch Ausflugsziele auf anderen klingonischen Planeten vorgestellt werden. Folgende Orte werden genauer vorgestellt:

  • Die Erste Stadt
  • Die zentralen Ebenen (+ Side Trip Khitomer)
  • Krennla (+ Side Trip Rura Penthe)
  • Ketha-Provinz (+ Side Trip Narendra III)
  • Quin’lat (+ Side Trip Boreth)
  • Tong Vey 

Diese „Side Trips“ machen durchaus Sinn. Immerhin haben wir in den Serien und Filmen so einige Planeten gesehen, die sich die Klingonen untertan gemacht haben. Die Vulkanier haben da weniger Planeten vorzuweisen. Außerdem bot die Einbindung dieser „Side Trips“ einen guten Vorwand, diesen Reiseführer „The Klingon Empire“ zu nennen. Ein Titel, der sicher mehr Aufmerksamkeit weckt als „Kronos“.

Livio Ramondelli und Peter Markowski steuern wie schon beim Vulkan-Reiseführer hübsche Zeichnungen in ihrem typischen Stil bei, die den Text immer wieder auflockern. Und diese Auflockerung hat dieses Buch absolut nötig …

Fazit: Was den Vulkan-Reiseführer für mich so interessant machte, war vor allem der Umstand, dass er sich viele Freiheiten nahm und es dem Autor meiner Meinung nach sehr gut gelang, ein dem ersten Eindruck nach monotones Volk und eine öde Wüstenwelt sehr differenziert vorzustellen. Es wurden wirklich viele interessante Gegenden beschrieben und mehr als einmal hervorgehoben, dass der typische Durchschnitts-Vulkanier gar nicht in dem Ausmaß konservativ ist, wie man meinen konnte.

Daher hat es mich völlig überrascht, wie eintönig Dayton Ward die klingonische Heimatwelt und die Klingonen beschrieben hat. Sicher, einige Bauwerke und Landschaften sind einzigartig, aber insgesamt macht es keinen großen Unterschied, wo man sich aufhält. Alles wirkt klimatisch gemäßigt und was man in der jeweiligen Gegend vorfindet ist erwartbar: Es scheint überall Überreste „wichtiger“ Schlachten zu geben, überall die typischen Saufgelage und Exzesse, Geschichtserzählungen, Gesänge, rohes bis lebendes Essen und Unterbringungen in den Kategorien „Erträglich“ und „Klingonisch“. Man muss leider festhalten, dass der Autor den Klingonen-Klischees in die Falle gegangen ist, anstatt aus diesem Kriegervolk etwas Ausbaufähigeres zu machen. Was Vielfältigkeit und Individualität angeht, hätten die Klingonen meiner Meinung nach sehr viel größeres Potenzial gehabt als die Vulkanier. Daher enttäuscht es mich doch sehr, dass Dayton Ward nur bereits ausgetrampelte Pfade betreten hat.

Und auch was die Zeichnungen in diesem Buch angeht, muss ich hart ins Gericht gehen. Es war im Vulkan-Reiseführer schon ein gewisses Manko, dass die Zeichnungen eigentlich immer nur jenen beschriebenen Sehenswürdigkeiten galten, die visuell nicht so besonders waren, während faszinierende Bauwerke und Landschaften ohne Darstellung auskommen mussten. Im Kronos-Reiseführer ist es aber auffallend umgekehrt: Zumindest die einleitenden Doppelseiten zeigen mitunter spektakuläre Szenarien, auf die der triste Texte überhaupt nicht eingeht. Und auch zwischen den Zeichnungen und den Landkarten gibt es sonderbare Diskrepanzen. In keinem Kapitel wird dies augenscheinlicher als bei der Vorstellung der am Meer gelegenen Stadt Quin’lat. Die doppelseitige Zeichnung stellt stimmungsvoll bei Nacht eine gut 100 Meter hohe Mauer am Ufer dar, ein kleines Dorf an der Außenseite auf Stegen und hinter der Mauer eine gewaltige Metropole. Der Text? Der beschreibt nur eine Burg inmitten der Stadt mit einer mickrigen 10 Meter hohen Mauer und verliert kein Wort über eine beeindruckende Wehranlage am Ufer.

Im Vulkan-Reiseführer habe ich auch den durch den Text vermittelten Humor gelobt und Anspielungen auf andere Figuren und Begebenheiten im Star Trek-Universum. Letzteres sucht man in dieser Art im Kronos-Reiseführer vergeblich. Und humorvolle Stellen muss man mit der Lupe suchen, um sie ausfindig zu machen. Am witzigsten sind ein hilfreicher Ratschlag zum Aufenthalt auf Rura Penthe und die Vermischung von Alltagsphrasen und Schlachtrufen in der Einleitung zur klingonischen Sprache.

Bewertung: Ich glaube nicht, dass meine Erwartungshaltung nach dem mehr als gelungenen Reiseführer zum Planeten Vulkan zu hoch angesetzt war. Dayton Ward hat mit seinem ersten „Hidden Universe“-Buch eine tolle Leistung vollbracht, aus den Vulkaniern eine schillernde Zivilisation zu machen. Jene der Klingonen wirkt im Reiseführer genauso geklont wie der erste Imperator Kahless. Einfach nur zusammengesetzt aus den Krieger-Anekdoten, die in den Serien des 24. Jahrhunderts mehr als ausreichend breitgetreten wurden. Nur weil mir das Layout und einige der Zeichnungen sehr gut gefielen, gebe ich 2 Sterne.

2stars

Rezension: TNG – “Die Jarada”

Zu meinen Rezensionen älterer Star Trek-Bücher gesellt sich diesmal ein „The Next Generation“-Roman aus dem Jahre 1992 (deutsche Erstveröffentlichung 1995) namens „Die Jarada“. Da ich mir ja erst kürzlich die TV-Serie angesehen hatte, wurde ich wieder einmal auf dieses mysteriöse insektoide Volk aufmerksam, das man zwar nie gesehen hat, aber in der Staffel-1-Folge „Der große Abschied“ eine zentrale Rolle spielt und in der Staffel-2-Folge „Das Herz eines Captains“ in Sachen Bedrohlichkeit in einem Atemzug mit den Romulanern genannt wird. Ich fand es schade, dass man in den späteren Staffeln und Spin-offs auf die Jarada vergessen hat, weshalb ich kürzlich diesen Roman von Autorin V.E. Mitchell auf meine Leseliste gesetzt habe.

Reziant_Logo_Insekten_kDass dieser Roman derart rasch an die Spitze meiner Leseliste geklettert ist, liegt aber vor allem am Themenschwerpunkt „Insekten, der auf Daniela Walchs sehr empfehlenswerten „Buchvogel“-Blog im September 2017 im Mittelpunkt steht. Mit der folgenden Rezension und einem kleinen Überblick über insektoide Völker im Star Trek-Universum leiste ich gerne einen kleinen Beitrag zu dieser besonderen Aktion.

Nun aber zuerst mal zur Handlung des Romans: Die Jarada wurden in der TV-Serie als äußerst aggressives Volk dargestellt, das mitunter extrem reagiert, wenn man sich nicht an deren Protokolle hält. Diplomatische Beziehungen zu ihnen aufzubauen erwies sich daher bislang als äußerst schwierig, wenngleich es Captain Picard in „Der große Abschied“ gelang, eine erste Brücke zu schlagen, indem er Grußworte in der Sprache der Jarada artikulierte. Seitdem ist es um die Jarada ruhig geworden, umso überraschender kommt drei Jahre später die Einladung des auf Beltaxiya Minor beheimateten Jarada-Schwarms, eine Delegation von der Enterprise zu empfangen und Verhandlungen über eine zukünftig engere Zusammenarbeit bis hin zum Föderationsbeitritt zu führen.

Von Anfang an klingt das Angebot zu gut um wahr zu sein, zumal die erste Zusammenkunft auf Beltaxiya schon beinahe verdächtig reibungslos abläuft und sich die Gastgeber als sehr entgegenkommend erweisen. Gerade deshalb reagieren Captain Picard und seine Führungscrew misstrauisch, als der Ältestenrat der Jarada darum bittet, einige Mitglieder der Enterprise-Crew mögen doch jaradische Institute zu ihren Fachrichtungen aufsuchen und sich mit ihren Kollegen dort austauschen. Niemandem behagt es, das Außenteam aufzuteilen, doch da ihnen die Jarada bislang keinen Grund gaben an ihrer Aufrichtigkeit zu zweifeln, willigt Captain Picard ein. Doktor Crusher wird daraufhin zu einem medizinischen Forschungslabor chauffiert, Commander Riker darf mit einem Jarada-Orchester musizieren, Lieutenant Worf nimmt an einem Kampftraining der Schwarmhüter teil und Chief O’Briens frisch angetraute Ehefrau Keiko und Fähnrich Tanaka sollen auf einer Exkursion die Botanik Beltaxiya Minors kennenlernen. Jeder dieser Ausflüge beginnt recht entspannt und harmlos, aber schon bald stellt sich heraus, dass ihre Gastgeber nicht völlig ehrlich waren und ein wichtiges Detail verschwiegen haben: Eine wahnhafte, Gewaltausbrüche verursachende Epidemie geht unter den Jarada um und für die Mitglieder des Außenteams beginnt ein Kampf ums Überleben!

Fazit: Der Roman von V.E. Mitchell lässt sich sehr gut in zwei Hälften unterteilen. In der ersten Hälfte stehen die Jarada und ihre Koloniewelt im Mittelpunkt. Aus der Perspektive der Enterprise-Crew erlebt man diesen ersten echten Kontakt mit dieser ungewöhnlichen Spezies, die auch sehr detailreich beschrieben wird. Von den Jarada kann man sich in Gedanken wirklich ein sehr gutes Bild machen, auch weil sie als aufrecht gehende Insekten sehr große Ähnlichkeit mit den Xindi-Insektoiden aufweisen, die später in „Enterprise“ vorkamen. (Mit dem Unterschied, dass die Jarada acht statt vier Gliedmaßen aufweisen, wenngleich diese wiederum gepaart sind. Zudem weisen die Jarada farblich eine große Vielfalt auf und sind im Durchschnitt kleiner als Menschen.) Was die Beschreibung der Umgebung und vor allem der Bauwerke angeht, bevorzugen es die Jarada zwar verwinkelt und verworren und sie orientieren sich auch hauptsächlich über den Geruchssinn. Aber die Gebäude selbst und ihre Einrichtung wirken nicht allzu fremdartig. Hier hätte die Autorin ruhig etwas ausschweifender werden können. Ungefähr so ausschweifend wie bei der Enterprise-Besatzung. 😉

Zugegeben: Dass sich die Crew der Enterprise recht „volkstümlich“ ausdrück liegt ziemlich sicher an der Übersetzung des Romans. Der Übersetzer hat die Stimmen der Charaktere leider nur in Ausnahmefällen getroffen. Aber auch V.E. Mitchell hat sich hier und da recht weit aus dem Fenster gelehnt. Die TNG-Crew lässt sich meiner Meinung nach als recht „moderat“ bezeichnen. Insofern sind die Gefühlsausbrüche, die Mitchell den Charakteren hier zuschreibt, schon ganz schön extrem. Angesichts der beschriebenen Gereiztheit, Wut und sogar Verachtung könnte man meinen, die Autorin habe vergessen, dass der von ihr beschriebene Wahnsinn ausschließlich die Jarada befällt. 😉 Sicher, in der zweiten Hälfte des Romans lässt sie das Außenteam ganz schön viel mitmachen; getrennt voneinander kämpfen sie um ihr Leben. Aber trotzdem wirken die Charaktere überzeichnet. Zumindest nach den Maßstäben, die die TV-Serie gesetzt hat.

Besonders daneben empfand ich die von Eifersucht und kulturellen Missverständnissen geprägte Nebenhandlung rund um Transporter-Chief O’Brien und Keiko. Mir ist klar, dass zu jener Zeit, als der Roman verfasst wurde, Keiko erst wenige Auftritte absolviert hatte und es durchaus nachvollziehbar ist, dass die Autorin ihr andichtet, eine Offizierin im Rang eines Fähnrichs zu sein, während spätestens „Deep Space Nine“ ihren Zivilistenstatus unterstreicht. Aber abgesehen vom Professionellen ist die Darstellung von Keikos und Miles‘ Ehe … schräg. Ein besseres Wort fällt mir gerade nicht ein. Es gibt ja durchaus in der TV-Folge „Der Rachefeldzug“ – Keikos zweitem Auftritt – die prüde Andeutung, die beiden hätten vor ihrer Hochzeit nie miteinander gefrühstückt. Aber in diesem Roman wirkt es, als würden sie wirklich gar nichts voneinander wissen, obwohl in dieser Geschichte selbst festlegt wird, die beiden hätten sich vor einem halben Jahr kennengelernt. Kurz zusammengefasst: Die beiden Ehepartner sind in diesem Roman nur schwer zu ertragen.

À propos „zusammengefasst“: Etwas, das man sehr häufig bei älteren Star Trek-Romanen vorfindet, gibt es auch gegen Ende dieses Romans. Nämlich eine ausgedehnte Besprechung, in der das Erlebte und seine Bedeutung nochmals zusammengefasst wird. Es scheint, als hätten die Autoren damals den Lesern nicht zugetraut, über den Roman verteilte Informationen im Kopf zu behalten und selbst die Zusammenhänge zu erkennen. Anderseits möchte ich doch anmerken, dass diese Passage in „Die Jarada“ vergleichsweise kurz ausfällt, was aber auch daran liegt, dass das zu lösende „Rätsel“ rund um den Wahn, der die Jarada befällt, sich als nicht allzu kompliziert erweist. Der Großteil des Romans befasst sich eher mit der Frage, welches Rätsel es überhaupt auf Beltaxiya Minor gibt. Es zu lösen bedarf danach nur wenige Seiten.

Bewertung: Speziell die deutsche Übersetzung des Romans empfinde ich als nicht besonders empfehlenswert aufgrund der vielen ungewöhnlichen Floskeln und Worte, die die TNG-Charaktere meiner Meinung nach nie in den Mund genommen hätten. Aber auch die Geschichte selbst ist nicht gerade herausragend. Zuerst gelingt es der Autorin zwar durchaus Interesse für die Jarada und ihre Koloniewelt zu wecken, aber da wäre sogar noch mehr möglich gewesen. Der folgende Überlebenskampf des Außenteams ist dann etwas zäh zu lesen, mit leichten Abwandlungen erleben alle Mitglieder des aufgesplitteten Teams an unterschiedlichen Orten mehr oder weniger das gleiche. Mehr als 2 Sterne kann ich leider nicht vergeben, auch wenn die Geschichte zumindest meine Erwartung erfüllt hat, die Jarada-Spezies und ihre Kultur etwas genauer zu beleuchten.

2stars

Insektoide Spezies im Star Trek-Universum:

where_silence_has_lease_hd_031Auf menschenähnliche Spezies trifft man in den Star Trek-Serien und -Filmen ja ständig. Dass man physiologisch ungewöhnlichere Völker wie Insektoide nur selten sieht, hat vermutlich nur einen Grund: Sie lassen sich weitaus schwerer von menschlichen Schauspielern darstellen, was wohl auch der Grund war, warum man die Jarada niemals gesehen hat. 😉 Insekten zeichnen sich generell durch einen sehr segmentierten Körperbau aus, weshalb beispielsweise jenes insektoide Wesen, gegen das Lieutenant Worf in einem seiner Holodeck-Trainingsprogramme zum Kampf antritt, auch wie ein kostümierter Stuntman aussieht. Es verwundert daher nicht, dass man Insektoide im Star Trek-Universum vor allem in „The Animated Series“ und „Enterprise“ zu sehen bekommen.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Als Zeichentrickserie konnte „The Animated Series“ problemlos ohne größeren Aufwand neue Spezies in Form von Reptilien, Insekten, Weichtieren und sogar Pflanzenwesen einführen. Und in der ab 2001 produzierten Serie „Enterprise“ war die CG-Technik schon so weit entwickelt, um ganz ansehnliche computer-generierte Kreaturen zu erschaffen.

 

Während man also über die Jahrzehnte nur selten physisch-insektoide Spezies zu Gesicht bekommt, werden Charakteristika von Insektenstaaten jedoch ganz gerne auf nicht-insektoide Wesen im Star Trek-Universum angewendet. Das prominenteste Beispiel stellen hier sicher die Borg  mit ihrem Schwarmbewusstsein inklusive Königin dar.

Noch einfacher lassen sich insektoide Spezies natürlich in Romanen umsetzen. Worten sind hier keine Grenzen gesetzt und doch fiel mir kürzlich auf, dass in meinen eigenen FanFiction-Romanen Insektoide keine nennenswerte Rolle spielen. Lediglich in einem Kapitel von „A Decade of Storm“ habe ich aus den in „The Next Generation“ nur namentlich erwähnten Barolianern Ameisen-ähnliche Wesen gemacht. Und in jenem Roman, den ich derzeit verfasse, schreibe ich den Andorianern gewisse insektoide Verhaltensweisen zu. (Dies ist als eine kleine Anspielung meinerseits auf das inzwischen veraltete Sachbuch „Die Welten der Föderation“ zu verstehen, in dem Andorianer aufgrund ihrer Antennen als „humanoide Insekten“ bezeichnet werden.)

Den Abschluss dieses langen Blog-Artikels überlasse ich aber wieder den Xindi-Insektoiden bzw. einem ganz besonders talentierten Exemplar aus der CG-Schmiede von Doug Drexler:

Rezension: Comic – Boldly go #10

Am Beginn von „Star Trek Beyond“ sahen wir Captain Kirk bei einem vergeblichen Versuch, Frieden zwischen den Teenaxi und den Fibonern herzustellen. Die übermäßig misstrauischen und trotz ihrer geringen Größe sehr aggressiven Teenaxi schlugen Kirk in die Flucht, doch dabei gelang es zwei von ihnen, an Bord der Enterprise zu gelangen und einen von ihnen sieht man auch später im Film noch an Bord der Sternenbasis Yorktown. Die weitere Geschichte dieses Teenaxi – der Kevin genannt wird, weil sein eigentlicher Name für die meisten humanoiden Zungen unaussprechlich ist – erzählt Ausgabe #10 der „Boldly go“-Comicreihe.

ST_BoldlyGo10-cover-copy

Nachdem Kevin dem Leser Kirks Besuch auf seiner Heimatwelt aus der sehr ungewöhnlichen Perspektive eines Teenaxi nacherzählt hat, beginnt er mit der Schilderung neuer Eindrücke, die seine frühere Einstellung zu Fremden überdenken lassen. Neugierig geworden holte er bei seinem Volk die Erlaubnis ein, eine Weile auf der neuen Sternenbasis zu bleiben und da sich Kevin durch technisches Geschick auszeichnet, darf er auch als eine Art ziviler Experte beim Zusammenbau der Enterprise mithelfen. Daran beteiligt sich auch Montgomery Scott, der mit seinen Kadetten noch immer auf Exkursion ist (siehe Ausgaben #7 und #8) und auf dem Weg zurück nach San Francisco einen Zwischenstopp auf Yorktown einlegt, um zu sehen wie die Arbeiten vorangehen.

Genau zu jenem Zeitpunkt wird auch eine diplomatische Delegation der Teenaxi auf der Sternenbasis erwartet und bedenkt man den Ausgang von Kirks Mission, verläuft diese halbwegs glimpflich … bis nach Abreise der Delegation nicht nur Kevin unauffindbar ist, sondern auch ein Bauteil der neuen Enterprise.

Fazit: Diese Geschichte erinnert am Beginn vage an „Ongoing #14„. Dieser Comic stellte uns den ebenfalls handwerklich sehr geschickten Keenser vor und wie er in die Sternenflotte eintrat. So weit geht Kevin nicht und tatsächlich hat es der kleine Teenaxi in dieser Geschichte mit einem schwierigen Loyalitätenkonflikt zu tun. Einerseits fühlt er sich noch immer seinem Volk verpflichtet und anderseits hat er die Föderation zu schätzen und zu mögen gelernt. Der Geschichte wirklich zugute halten muss man, dass die Sichtweise der Teenaxi wirklich fremdartig ist und dadurch wieder ähnlich gelagerte Missverständnisse entstehen wie bei  Kirks Mission am Beginn von „Star Trek Beyond“. Denn die einzige Absicht, die die Teenaxi-Delegation auf Yorktown verfolgt ist der Diebstahl des „Machtzentrums“ der Enterprise mit der Absicht das modernste Schiff der Sternenflotte außer Gefecht zu setzen und sich so eine bessere Ausgangslage für zukünftige Verhandlungen mit der Föderation zu schaffen. Dass das entwendete „Machtzentrum“ für die Enterprise gar nicht dermaßen wichtig ist, fällt den Teenaxi aufgrund ihrer besonderer Sichtweise auf die Dinge nicht gerade leicht.

Die Geschichte ist sehr humorvoll, die Eigenheiten der Teenaxi-Kultur, die daraus entstehenden Situationen und Scotty sorgen für einiges an Witz. Seine Kadetten, die uns inzwischen ja schon recht gut bekannt sind („Starfleet Academy“-Miniserie), sind aber eher ein Anhängsel. Es ist nett, sie wiederzusehen und sie haben durchaus die nicht unwichtige Funktion, Scotty als Gesprächspartner zur Verfügung zu stehen. (Der einsilbige Keenser ist in dieser Hinsicht ja etwas weniger gut geeignet. ;-)) Aber letztlich sind sie in dieser Geschichte nur Scottys Befehlsempfänger und müssen dem Chefingenieur und Kevin das Rampenlicht überlassen.

Die Zeichnungen zu Mike Johnsons Story steuerte abermals der routinierte Tony Shasteen in gewohnter Qualität bei. Das eindrucksvollste Bild in diesem Comic ist gewiss die Nahaufnahme von Kevins Gesicht, mit all den Runzeln, Schatten, Details in den Augen. Wenn man so will ist Shasteen aber zumindest ein Faux-pas unterlaufen: Auf einem Computerdisplay ist noch der Grundriss der vorherigen Enterprise-Variante zu sehen. Denkt man allerdings zurück an die ganz frühen „Ongoing“-Comics, die munter anachronistische Designs aus der „Next Generation“-Ära reingemischt haben, ist dieses Versehen von Shasteen kaum der Rede wert.

Bewertung: Ausgabe #10 erzählt abermals eine kleinere, persönlichere Geschichte aus dem neuen Star Trek-Universum, die beinahe durchgängig gut unterhält. Problematisch wird es meiner Meinung nach aber am Schluss, gerade dann, als die Handlung relevanter wird. Ich will nicht zu viel verraten, aber für meinen Geschmack kommt Kevin aus dem vorhin erwähnten Loyalitätenkonflikt etwas zu glimpflich raus. Ebenfalls zu glimpflich kommt er zur Yorktown-Basis zurück. Daher gebe ich nur 3 von 6 Sterne.

3stars