Rezension: TOS – “Die Glücksmaschine”

Wie schon das kürzlich von mir rezensierte Buch „Der Friedensstifter„, ist auch „Die Glücksmaschine“ schon ein etwas älterer Roman, der einst vom Heyne-Verlag nicht mehr auf Deutsch veröffentlicht wurde. Ende 2014 holte schließlich der Cross Cult-Verlag dieses Versäumnis nach.

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Der Planet Timshel galt einst als Juwel der Föderation, als paradiesische Kolonie frei von Sorgen, deren Bewohner ein utopisches Leben führten und Besuchern einen idealen Urlaubsort zu bieten verstanden. Doch vor zwei Jahren brachen die Bewohner des Planeten sämtliche Kontakte zu anderen Welten ab und isolierten Timshel völlig. Grund genug für die Föderation, Agenten zu entsenden, die heimlich nach dem Rechten sehen sollten. Der erste Agent verschwand spurlos. Die Agentin, die ihm nachfolgte, erlitt dasselbe Schicksal, doch ihr gelang es, zumindest noch Bildmaterial von Timshel zu senden, auf denen die Bewohner des Planeten mit eigenartigen Armbändern an ihren Handgelenken zu sehen waren.

Captain Kirk, der einst selbst zur Erholung auf Timshel war und mit dem Wissenschaftler Kemal Marouk einen Freund dort hat, wird nun als dritter Agent ausgewählt. Doch nicht nur wegen Marouk ist Kirk begierig darauf, die Situation auf Timshel aufzuklären, sondern auch weil er einst eine enge Beziehung mit der vermissten Agentin Dannie Du Molin hatte. Als Kirk auf Timshel eintrifft, ist er überrascht, Dannie als Gast von Marouks Familie vorzufinden, doch die Wiedersehensfreude hält sich in Grenzen, denn Kirks einstige Geliebte hat sich bedeutend verändert – wie auch der Großteil von Timshels Bevölkerung. Wie Kirk auf Marouks Geheiß am Tag nach seinem Eintreffen feststellt, sind die Freigeister des Planeten dazu übergegangen, ihre Zeit mit harter, aber zumeist sinnloser Arbeit zu vergeuden. All dies nur, um sich eine Dosis „Glückseligkeit“ zu verdienen, die sie über ihre Armbänder verpasst bekommen. Sowohl die Arbeit als auch der Zahltag wird kontrolliert von einem einzelnen Computer, der sich selbst als „Glücksmaschine“ bezeichnet.

Fazit: Ein wenig seltsam ist dieser Roman schon, denn obwohl er thematisch sehr gut zur klassischen Star Trek-Serie passen würde, ist er doch etwas zu abgehoben bzw. fehlt ihm die Stimmung, die die Serie auszeichnet. Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und vermute, dass dies daran liegt, dass die Geschichte eigentlich von zwei Personen stammt.

Die Story von „Die Glücksmaschine“ basiert nämlich auf einem Entwurf, den Autor Theodore Sturgeon für eine schlussendlich nie verwirklichte Episode der klassischen Serie verfasste. Die Weiterentwicklung zu einem Roman durch James Gunn erfolgte erst ein Jahrzehnt nach Sturgeons Tod und daher vermute ich, dass Gunn entweder den Entwurf ohne große Überarbeitungen direkt übernommen hat, oder ihn durch eigene Ideen ausschmückte. Was auch immer der Fall gewesen sein mag: „Die Glücksmaschine“ konfrontiert James T. Kirk wieder einmal in typischer „The Original Series“-Manier mit einer künstlichen Intelligenz, die einen Planeten unterworfen hat. Wer die Serie kennt, der weiß, dass Kirk sich darin häufig mit machtvollen Maschinen anlegte, und diese entweder durch Überredungskunst oder mittels Waffengewalt besiegte. (Die Bilder in dieser Rezension illustrieren einige Beispiele.)

Auch auf Timshel hat ein solch mächtiger Computer der Bevölkerung zwar „Glückseligkeit“ in ihrer pursten Form beschert, sie im Gegenzug aber zu Abhängigen gemacht, die nichts anderes sind als Drogensüchtige, die tun was sie tun müssen, um sich den nächsten „Schuss“ zu verdienen – egal wie unproduktiv und einseitig ihr Leben dadurch wird.

Soweit so gut. Wir haben ein klassisches Thema und einen moralischen Zeigefinger. Problematisch ist jedoch, dass die Geschichte sich nicht so recht nach der klassischen Serie anfühlt. Vorweg will ich sagen, dass ich keinesfalls darauf bestehe, dass jeder Roman zur Serie nur das erzählen darf, was sich auch als Episode hätte umsetzen lassen. Tatsächlich ist eine spektakuläre Action-Passage, auf der Kirk unter Zeitdruck eine Rettungsmission auf einem rapide schmelzenden Gletscher durchführt, noch eine jener Stellen, die Kirks typisches Heldentum hervorheben. Dass Kirk vor Antreffen von Dannie dieser vergangenen Romanze so sehr nachhängt, ist allerdings gar nicht typisch für ihn.

Dass Kirk die meiste Zeit auf sich allein gestellt ist und der Rest der Enterprise-Besatzung durch die Bank nur untergeordnete Rollen einnimmt, ist äußerst sonderbar. Ich kann verstehen, dass die Föderation nur einzelne Undercover-Agenten schickt, allerdings wirkt die Story konstruiert, dass ausgerechnet Kirk als dritter Agent ausgesucht wird bzw. dass man nach zwei gescheiterten Aufklärungsmissionen nicht doch ein ganzes Außenteam nach Timshel schicken will. Ganz am Ende des Romans, wenn man die Glücksmaschine konfrontiert, teilt Gunn auch Spock, McCoy und Uhura plötzlich wichtige Rollen zu, doch deren Beteiligung wirkte auf mich aufgesetzt, als habe sich der Autor spät daran erinnert, dass „Star Trek“ eigentlich ein Ensemble-Stück sein sollte.

Die Auflösung lässt zudem ebenfalls zu wünschen übrig. Da sich die Glücksmaschine vernetzt hat, bleibt Kirk und Co am Ende als letzte Konsequenz nur übrig, die Maschine zu überreden, ihr Wirken einzustellen. Und selbst das ist nur ein Wiederkauen philosophischer Ansichten, die bereits den ganzen Roman dominieren und es bleibt am Ende offen, ob es tatsächlich die Crew der Enterprise war, die einen Erfolg erzielte, oder es nicht doch an etwas anderem lag. Genauso offen bleibt, welche Rolle eigentlich Marouk angedacht war. Selbst nachdem er sich Kirk „offenbart“ hat, scheint er von Seite zu Seite seine Ansicht über die Glücksmaschine zu ändern.

Bewertung: Dieser Roman las sich leider etwas zäh. Die Grundidee, dass sich eine zufriedene Planetenbevölkerung freiwillig in Abhängigkeit von einem künstlichen Glücksgefühl begibt und seine bisherige Lebensweise quasi über Nacht verwirft, ist ja interessant, aber tatsächlich las sich der Roman wie ein erster Entwurf, der eine gewisse Lockerheit und den Spaß vermissen ließ, den selbst die ernstesten Episoden der klassischen Serie aufwiesen. Meistens bewerkstelligte die Serie dies über die Dialoge, doch da Kirk in „Die Glücksmaschine“ die meiste Zeit ohne seine Kameraden auskommen muss, entfällt dieses Potenzial leider völlig. Daher kann ich diesem Roman nur 2 Sterne verleihen.

2stars

 

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Rezension: Comic – Boldly go #17 „I.D.I.C. Part 5“

Wieder einmal die schon bekannte Warnung: Diese Rezension zum 5. Teil der „I.D.I.C.“-Miniserie verrät Ereignisse aus den vorangegangenen Ausgaben. Wer sich überraschen lassen möchte, sollte den folgenden Text besser meiden.

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Wie ich schon in meiner Rezension zum 4. Teil angedeutet habe, erhalten wir nun endlich Klarheit über die vorangegangenen Ereignisse. Wobei es ausgerechnet James T. Kirk (aus der Kelvin-Zeitlinie) am Beginn von Teil 5 ist, dem Klarheit fehlt. Er erwacht in seinem Quartier auf dem Sternenflottenakademie, geweckt von seinem Kommilitonen Gary Mitchell, der ihn noch halb schlaftrunken zu den Unterrichtsräumen führt. Alles was in den vergangenen rund 7 Jahren geschehen ist, hält Kirk für einen besonders intensiven Traum … bis ihm auffällt, dass abgesehen von ihm und Mitchell niemand auf dem Campus der Akademie zu sein scheint … und er dafür im Hörsaal einer Vielzahl an unterschiedlichen Varianten seiner Selbst gegenübersteht. Kirk wird klar, dass er nicht geträumt hat, sondern sich abermals in einer alternativen Realität befindet, wo er und Vertreter anderer Paralleluniversen aufeinander treffen. Und Schuld daran ist sein alter Freund Gary Mitchell, dessen Augen sich unheilvoll silberglänzend färben …

Fazit: Jetzt wissen wir also, wer dahinter steckt und dass es mir erst am Beginn von Teil 5 der Miniserie klar wurde, spricht sehr für das Verschleierungsgeschick von Autor Mike Johnson. Denn eigentlich hätte man durchaus auf Gary Mitchell als Drahtzieher kommen können, denn wie schon während meiner Rezension zu Teil 1 erwähnt, ist „I.D.I.C.“ nicht nur eine 6-teilige Miniserie, sondern auch das Finale von „Boldly go“ und damit gleichzeitig das (zumindest vorläufige) Finale der gleichen Erzählkontinuität, die 2011 mit der „Ongoing“-Reihe begann. Und die ersten beiden Ausgaben von „Ongoing“ erzählten nichts anderes als eine Neuinterpretation der klassischen Star Trek-Folge „Spitze des Eisbergs“/“Where no man has gone before“.

Das Finale von „Boldly go“ macht also das, was auch so einige letzte Folgen von TV-Serien machten: Es stellt Bezug her zum Anfang der Reihe, zum ersten regulären Abenteuer der Enterprise unter Jim Kirks Kommando. Damals wurde das Schiff zum Rand der Galaxie entsendet, wo der Kontakt mit einer ungewöhnlichen Energiebarriere Kirks Freund Gary Mitchell übernatürliche Kräfte verlieh. Der Größenwahn und viel unterdrückter Groll gegen Kirk machte ihn zunehmend gefährlicher bis Kirk keine andere Wahl mehr blieb, als Gary zu töten. Nun offenbart Gary, dass er seit seinem körperlichem Tod eine enorme Entwicklung durchlaufen hat, die einmalig im Multiversum ist. Er hat nun Zugriff auf alle Universen und schier unbegrenzte Fähigkeiten, was er dazu genutzt hat, all die Kirks des Multiversums in ausweglose Situationen zu versetzen, sie lernen zu lassen, dass es doch No-Win-Szenarien gibt, aus denen ihnen ihr Charme, ihre Mut und ihr Vertrauen auch nicht heraushelfen können. Diese letzte Lektion wollte er ihnen erteilen, ehe er alle Kirks – beginnend mit dem aus seinem eigenen Heimatuniversum – ein für alle Mal auslöscht.

Aber mit einer Eigenschaft hat Mitchell nicht gerechnet und das ist es auch, was einem als Leser ein wissendes Lächeln auf die Lippen zaubert, ehe die Geschichte im kommenden 6. Teil von „I.D.I.C.“ abgeschlossen wird. Denn Mitchell hat ganz vergessen, wie passiv-aggressiv Kirk sein kann, wie trotzend und herausfordernd er sich benehmen kann, um von seinen Feinden genau das zu bekommen, was er benötigt, um diese zu besiegen. Nach einer interessanten Tour durch Mitchells weitere Entwicklung nach „Ongoing“ #1, ist der Boden somit für eine letzte großen Konfrontation geebnet, auf die ich mich schon sehr freue.

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In dieser Sprechblase spielt Mitchell wohl auf „Star Trek Discovery“ an und ebenfalls auf jene Realität, in der sich der Leser des Comics aufhält.

Diesmal ist Marcus To für die Zeichnungen verantwortlich. Sein Stil unterscheidet sich nicht wesentlich von Angel Hernandez, der die vorherige Ausgabe illustriert hat. Vielleicht etwas stärker vereinfachend, wenn etwas oder jemand weiter im Hintergrund steht. Aber grundsätzlich sind die Zeichnungen sehr angenehm fürs Auge, was auch auf die satte Farbwahl von Koloristin Marissa Louise zutrifft.

Bewertung: Den vorletzten Akt vor dem großen Finale kann man getrost als „Ruhe vor dem Sturm“ bezeichnen bzw. als Aufdeckerkapitel, das die Motivationen hinter dem bisher Geschehenen enthüllt. Die Bezugnahme auf Kirks erstes Comic-Abenteuer empfinde ich als großartige Idee und erinnert etwas an das Finale von „The Next Generation“, das auch zurückgeht zu den Geschehnissen des Pilotfilms. Teil 5 von „I.D.I.C.“ erfüllt einen sehr wichtigen Zweck in der bislang mysteriös angehauchten Story, liefert die Erklärung für Vergangenes und bereitet das Kommende vor. Einzig ein bisschen zu praktisch empfinde ich es, dass Mitchell all die gescheiterten Kirks für die Zusammenkunft am Beginn von Teil 5 wieder zum Leben erweckt, obwohl er sowieso plant, sie alle auszulöschen. Wenn ich allerdings so darüber nachdenke, macht es wahrscheinlich am Ende gar keinen Unterschied, ob Mitchell sie wiederbelebt oder nicht. Dennoch gebe ich sicherheitshalber „nur“ 5 von 6 Sterne.

5stars

 

Rezension: Comic – Boldly go #16 „I.D.I.C. Part 4“

Was für die letzten beiden Ausgaben der „I.D.I.C.“-Miniserie galt, besitzt auch für den vierten Teil Gültigkeit: Diese Rezension verrät Geschehnisse aus den vorherigen Ausgaben … auch wenn das am Schluss gar keine große Rolle mehr spielt. 😉

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Nachdem es Raumschiffe – vorwiegend Enterprises – aus unterschiedlichen Paralleluniversen in eine all diese Universen überlappende Raumanomalie verschlagen hatte, fanden sich Crewmitglieder dieser Schiffe plötzlich auf fernen Welten und in unterschiedlichen Situationen wieder und mit dem Rätsel konfrontiert, wie sie dorthin gelangt sind. Am Ende von Teil 3 wurde bereits angedeutet, dass eine höhere Macht bewusst Einfluss nimmt und genau diese Macht und Erzählstimme ist es, die dem Leser am Beginn von Teil 4 offenbart, dass es eine schier unendliche Anzahl von Captain Kirks gibt, er uns aber nun der Übersichtlichkeit halber nur zeigt, was drei dieser Variationen widerfährt.

Diese drei Kirks bzw. die Schauplätze wurden bereits im vorherigen Teil etabliert. Trotz des Themas der „unendlichen Vielfalt“ tut der allwissende Erzähler dem Leser wirklich einen Gefallen, indem er einfach diese drei Handlungsstränge fortführt. Dies geschieht im Comic aber auf ungewöhnliche Weise, denn jede Seite des Comics besteht aus exakt drei Bildern, die die parallel stattfindende Ereignisse schildern.

Das erste Panel einer jeden Seite zeigt uns jeweils, wie es Captain Kirk aus der Kelvin-Zeitlinie ergeht. Er wurde zusammen mit Androiden-Sulu, einem weiblichen Chekov und einem menschlich erzogenen Spock im Palast einer Nachfahrin von Khan Noonien Singh gefangen gehalten. Gemeinsam versuchen sie zu flüchten.

Das jeweils zweite Panel zeigt uns Captain Jane Kirk, die es nach Vulkan verschlagen hat. In diesem Universum hat der Romulaner Nero die Erde zerstört und sich dann seinen Landsleuten in der Gegenwart angeschlossen und nun steht die Vernichtung Vulkans bevor. Zusammen mit Androiden-Uhura und Kelvin-McCoy beamt Jane auf die Narada, um die Vernichtung Vulkans zu verhindern.

Auf Risa – und somit dem dritten Panel jeder Seite – verschlägt es einen pflanzlichen Kirk auf der Suche nach – eher nachrangigen – Antworten in ein romantisches Abenteuer, das sich aber als nicht weniger gefährlich entpuppt wie die Situationen, in denen sich seine beiden Pendants wiederfinden.

Fazit: Was in Teil 4 von „I.D.I.C.“ geschieht, erinnert ein wenig an „Cloud Atlas„. (Mehr an den Film als an das Buch.) Hier laufen drei an sich thematisch sehr unterschiedliche Geschichten parallel zueinander ab, die aber gemeinsam haben, dass ein Kirk eine seiner besonderen Eigenschaften einsetzt um an sein Ziel zu gelangen. Vertrauen, Mut und Charme kommen der Situation entsprechend zum Einsatz. Mittel, die – wie auch der mysteriöse Erzähler zugibt – bisher immer zum Erfolg geführt haben. Und genau dies ändert sich hier in der Geschichte, was Teil 4 einen sehr düsteren Anstrich gibt.

Die Geschehnisse an den drei Schauplätzen sind sehr dicht erzählt, quasi in Echtzeit erlebt man jeden Schritt der Helden mit. Man hat Teil 4 innerhalb von Minuten durchgelesen und das ist ziemlich genau die Zeitspanne, die für die Protagonisten vergeht. Es gibt keine Zeitsprünge, keine Abkürzungen, was Teil 4 zu einem sehr spannenden Leseabenteuer macht. Dadurch bleibt nicht viel Zeit für Charakterszenen, aber hilfreich ist hier wirklich der Erzähler, der dem Geschehen zusätzlichen Subtext verleiht und verdeutlicht, worum es ihm ging, als er unendlich viele Kirks – den Freund, den Tapferen und den Liebhaber – in unendliche „No-Win“-Szenarien versetzt hat. Warum er das alles getan hat, erfährt der Leser erst in Teil 5. (Den ich bereits gelesen habe und der mit einem echten Aha-Erlebnis aufwartet! 😉 )

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Erneut wurde der Zeichenstift weitergereicht. Diesmal stammen die Bilder von Angel Hernandez, der noch keine Geschichten der „Ongoing“- oder „Boldly go“-Reihe illustrierte, aber zumindest zu einem „halben“ Star Trek-Comic in Form eines „Green Lantern“-Crossovers Bilder beisteuerte. Im Gegensatz zu den Werken seiner beiden unmittelbaren Vorgänger kann man Hernandez‘ Zeichnungen nicht wirklich vorwerfen, die Charkatere zu verniedlichen. Sein Stil ähnelt stärker jenem des üblichen Stammzeichners Tony Shasteen, mit gutem Detailgrad in Halbtotalen … aber nicht viel mehr in Nahaufnahmen, was Shasteen besser beherrscht. Aber auf jeden Fall sagt mir sein Stil, der die Geschehnisse wiedergibt ohne abzulenken, sehr zu.

Bewertung: Teil 4 von „I.D.I.C.“ bietet vor allem sehr viel Action und aufgrund des kurzen Zeitabschnitts, von dem dieser Comic erzählt, ist diese Ausgabe ein regelrechter „Pageturner“, den man in einem Schwung von Anfang bis Ende durchlesen möchte. Der Schluss kommt erstaunlich plötzlich, wirft Fragen auf und ist daher extrem wirkungsvoll – vor allen in Kombination mit dem, was der Erzähler dem Leser aus dem Off berichtet. Es mag damit zusammenhängen, dass ich Teil 5 gleich im Anschluss gelesen habe und die Antworten auf die Fragen schon kenne, aber für mich stellt Teil 4 einen tollen Wendepunkt in dieser insgesamt sechsteiligen Story dar, der von mir starke 5 Sterne erhält.

5stars

Rezension: DSC – “Drastic Measures”

Fünf Monate nach dem ersten Roman „Desperate Hours“ erschien pünktlich zum Finale der 1. Staffel der zweite Roman zur jüngsten Star Trek-Serie „Discovery“. Wie schon beim Vorgänger umging der Autor – diesmal Dayton Ward – das Risiko, mit der Handlung der laufenden Serie zu interferieren, indem er ein Prequel schrieb. Diesmal spielt die Haupthandlung nicht nur ein Jahr vor den Ereignissen der Serie, sondern sogar ein ganzes Jahrzehnt vorher und konfrontiert die beiden späteren Captains Philippa Georgiou und Gabriel Lorca mit einer Katastrophe, die bereits vor über 50 Jahren in der klassischen Star Trek-Serie Erwähnung fand.

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Das Titelbild nimmt die Hauptprotagonisten des Romans schon vorweg und der Titel – „Drastische Maßnahmen“ – spielt direkt auf das Massaker an, das sich auf dem Planeten Tarsus IV im Jahr 2246 ereignete. Was sich auf dieser landwirtschaftlich geprägten Föderationskolonie zugetragen hat, wurde schon in einigen Büchern zuvor behandelt und vielleicht auch gerade deshalb schildert der Autor nicht nach und nach wie es zu der Katastrophe kam, sondern setzt sie ziemlich an den Beginn seines Romans als Ausgangspunkt der weiteren Ereignisse an.

Aber was geschah denn nun auf Tarsus IV? Für alle, die mit der klassischen Star Trek-Serie nicht so gut vertraut sind: 2246 befiel eine Pilzinfektion die Nahrungsvorräte der Kolonie. Hilfslieferungen der Föderation waren noch Wochen entfernt und in dieser Krise übernahm ein Mann namens Kodos die Kontrolle über die Kolonie. Damit nicht die gesamte Bevölkerung der Kolonie – 8.000 Seelen – vor Eintreffen der Hilfslieferungen verhungerte, stellte Kodos eine Liste auf, rief die Hälfte der Bevölkerung zu einer Versammlung … und ließ diese 4.000 Kolonisten hinrichten – was Kodos den Beinamen „Kodos, der Henker“ einbrachte. Doch seine drastische Maßnahme erwies sich nicht nur als ethisch mehr als bedenklich, sondern sogar als völlig nutzlos, denn in einem Kraftakt schaffte es die Sternenflotte, viel früher als geplant ein erstes Versorgungsschiff nach Tarsus IV zu schicken, das schon wenige Tage nach der „Opferung“ – wie die Hinrichtungen von Kodos genannt wurden – bei der Kolonie eintraf.

Wie passen nun Georgiou und Lorca in die Geschichte? Nun, Lorca war als Lieutenant-Commander Leiter einer kleinen Überwachungsstation der Sternenflotte. Kurz nach Kodos‘ Machtübernahme wurde die Station von den Leuten des neuen Gouverneurs angegriffen, zwei von Lorcas Leuten wurden ermordet und das Arsenal geplündert. Die Waffen kamen kurz darauf bei der Massenexekution zum Einsatz, bei der auch Lorcas Freundin starb. Commander Georgiou hingegen befand sich zu dem Zeitpunkt nicht auf Tarsus IV. Sie gehörte zur Crew des ersten Versorgungsschiffes – der U.S.S. Narbonne – das bei der Kolonie eintraf. Während sie versucht, der Bevölkerung Hilfe zu leisten, erteilt sie dem von Rachsucht getriebenen Lorca den Auftrag, den untergetauchten Kodos zu suchen und dingfest zu machen.

Fazit: Der Roman beschäftigt sich also vorrangig mit den Nachwehen des Massakers und das wird besonders deutlich in den „Zwischenkapitel“. Immer wieder wird die Erzählung unterbrochen durch kurze Auszüge aus einem dokumentarischen Werk, für das Interviews mit Überlebenden und Tätern geführt wurden. Der gesamte Roman steht also im Zeichen der Aufarbeitung eines ungeheuerlichen Verbrechens und der Bewältigung von Trauer und nimmt dabei die Hauptcharaktere nicht aus. Ich halte es für eine gute Idee, diese Zeit der Aufarbeitung vorrangig aus der Perspektive eines Betroffenen und eines Außenstehenden zu beschreiben. Sicher ist „Drastic Measures“ ein sehr ambitioniertes Projekt gewesen. Aber leider hat sich vielleicht der falsche Autor daran gewagt.

Mir gefielen die Romane, die Dayton Ward (meist in Kooperation mit Kevin Dilmore) für die „Vanguard“-Reihe verfasste. Aber wenn ich so zurückblicke auf seine Romane der letzten paar Jahre, dann muss ich schon festhalten, dass sie alle daran kranken, nicht besonders interessant oder gar aufregend formuliert worden zu sein. Es fällt mir schwer, den Grund dafür auf den Punkt zu bringen. Es ist einfach das Gefühl, dass er immer ein bisschen mehr als nötig in seine Beschreibungen unterbringt, immer ein unnötiges Wort zuviel einfügt, Dinge einmal zu oft wiederholt. Im Falle von „Drastic Measures“ betrifft dies vor allem die Emotionen der Betroffenen und vor allem auf jene von Lorca zu. Das gipfelt gegen Ende des Romans in ein einzelnes Gespräch zwischen ihm und Georgiou, in dem er gezählt dreimal das gleiche über sein Empfinden und seinen daraus resultierenden Handlungen während der Jagd nach Kodos sagt. Dayton Ward hat schon aus wesentlich „größeren“ Szenarien in seinen vorangegangenen Romanen wenig gemacht, aber die an sich kleine Kolonie mit ihrem nicht besonders außergewöhnlichem Ambiente und geteilten Schicksalen von so ziemlich jeder Person dort gaben Ward auch nicht besonders viel, um damit abwechslungsreich zu arbeiten.

Lorcas Jagd verschlägt ihn und einen Suchtrupp schnell in bergiges Gelände, wo man relativ viel Zeit unterwegs zwischen Ausgangspunkt und Endziel verbringt. Georgiou findet man hauptsächlich in einem Krankenhaus oder am Raumhafen. Für beide Protagonisten gibt es durchaus explosive Herausforderungen, aber selbst so brenzlige Situationen kann Ward nicht wirklich mit Spannung erfüllen. Die Charaktere auf Tarsus sind ebenfalls ein Problem: Ward stellt dem Leser jede Menge Personen namentlich vor, aber es sind auf zu wenigen Seiten zu viele, die sich einfach zu ähnlich sind. Irgendwann verschmelzen diese Personen, sind nur noch entweder Überlebender oder Unterstützer von Kodos. Schattierungen mögen vorhanden sein, gehen aber im Verlauf der ereignisarmen Handlung unter. Dem entgegen steht ein einzelner Kolonist, den der Autor so plakativ vorstellt, dass er aus der Masse extrem hervorsticht: James T. Kirk. Dieser Jugendliche wurde Zeuge des Massakers und obwohl Georgiou mit ihm insgesamt nur fünf Minuten spricht, hat sie vom ersten Moment an das Gefühl, der Junge könnte mal ein großartiger Sternenflottenoffizier werden. 😉

 

Bewertung: Der Roman konnte mich leider kaum fesseln. Der etwas mühsame Schreibstil Dayton Wards in Kombination mit einer eher introvertiert angelegten Geschichte, ergab leider einen unterdurchschnittlich unterhaltsamen Roman. Angesichts der Tragödie auf Tarsus IV wäre natürlich ein großes Heldenabenteuer darüber auch unangebracht gewesen, aber sowas war auch die klassische TOS-Folge „Kodos, der Henker“ nicht und die war dennoch viel spannender. Genauso wie es die Beschreibungen der Ereignisse z.B. in „Collision Course“ oder Kirks Autobiographie waren. „Drastic Measures“ ist für mich jedenfalls die am wenigsten gelungene Interpretation dieses Stoffes. Aufgrund einiger guten Ideen kann ich getrost 2 Sterne geben, aber für eine höhere Note waren die Schilderungen nicht interessant genug.

2stars

Anmerkungen:

Ganz am Ende des Buches – sogar nach der Danksagung – kommt noch eine mysteriös angehauchte Szene, die sich nur Kennern der Serie erschließen wird … und vielleicht einen kleinen Vorgeschmack auf Staffel 2 von „Discovery“ oder folgenden Romanen gibt. Mehr sei an dieser Stelle aber nicht verraten.

Eine Fortsetzung zur TOS-Folge „Kodos der Henker“ bildet der 2014 erschienene Roman „Foul Deeds will rise“ von Greg Cox.

Rezension: Comic – Boldly go #15 „I.D.I.C. Part 3“

Die 15. Ausgabe der „Boldly go“-Reihe ist zugleich der 3. Teil der „I.D.I.C.“-Miniserie, in der es um sich überschneidende Paralleluniversen voller überraschender alternativer Entwicklungen geht. Wer sich die bisherigen Überraschungen nicht verderben lassen möchte, sollte die folgende Rezension daher besser meiden.

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Auch wenn das Cover-Bild etwas anderes impliziert: Im 3. Teil von „I.D.I.C.“ geht es nicht vorrangig um die Crew der Androiden-Enterprise, die wir bereits im 2. Teil kennengelernt haben. Quasi ganz im Gegenteil beginnt die Story mit der Geschichte eines pflanzlichen James T. Kirk! Dessen Werdegang unterschiedet sich aber dennoch nicht nennenswert von der seines Pendants in der Kelvin-Zeitlinie, weshalb es auch ihn samt Enterprise-Crew in eine chronotronische Anomalie verschlägt, wo er aber nur kurz mit unzähligen weiteren Varianten seines Schiffes konfrontiert wird. Eine plötzliche Energieentladung verschlägt den pflanzlichen Kirk auf einen im ersten Moment unbekannt wirkenden Planeten, wo er auf Vertreter anderer Enterprise-Crews aus den Paralleluniversen trifft.

Die Handlung springt zwischen drei Schauplätzen hin und her, in denen verschieden gemischte Gruppen herauszufinden versuchen, wie sie dorthin gekommen sind und wie sie auf ihre Schiffe und in ihre Universen zurückkehren können.

  • Wie sich schließlich herausstellt verschlägt es den pflanzlichen Kirk zusammen mit einer männlichen Uhura (bzw. hier Uhuro), einer weiblichen Captain Spock und einem gasförmigen Scotty … nach Risa, der berühmten Urlaubswelt! Eine Umgebung, die angenehm wirkt, aber in der sich eine versteckte Gefahr zu verbergen scheint.
  • Captain Kirk aus der Kelvin-Zeitlinie verschlug es bereits in Teil 2 zusammen mit Simon Grayson (einen menschlich erzogenen Spock), Androiden-Sulu und Pavlovna Chekov in einen irdischen Dschungel – in das Reich von Khan! Auf dieser Erde wurden die genetisch verbesserten Augments nie besiegt und eine Nachfahrin von Khan herrscht mittels barbarischer Methoden.
  • Und ebenfalls schon in Teil 2 verschlug es den uns bekannten Dr. McCoy zusammen mit Jane Kirk und Androiden-Uhura nach Vulkan, das – im Gegensatz zur Erde – in dieser Realität nie von Nero vernichtet wurde.

Fazit: Angesichts unzähliger Enterprises im Inneren der Anomalie war zu erwarten, dass die Story von „I.D.I.C.“ im weiteren Verlauf immer wildere Ausmaße annehmen würde. Wenn ich mich nicht verzählt habe, spielen jetzt schon Protagonisten aus neun Universen an drei Schauplätzen eine Rolle und müssen sich sowohl mit den lokalen Gegebenheiten zurechtfinden, als auch herausfinden, was mit ihnen geschehen ist.

Eine Antwort bleibt die Story noch schuldig, aber es gibt erneut eine Andeutung und im Besonderen scheinen die James/Jane Kirk-Charaktere eine Rolle bei der ganzen Sache zu spielen. Ich bin gespannt, wohin die Story den Leser noch führen wird. Eines ist sie auf jeden Fall schon jetzt: extrem abwechslungsreich! Während es auf der von Augments beherrschten Erde und auf Vulkan dramatisch zugeht, streuen die Ereignisse auf Risa – wo der Mix der Enterprise-Crewmitglieder besonders exotisch ausfällt – etwas Humor bei. Aber vollkommen ernst geht es zumindest für den Leser auch auf den anderen beiden Schauplätzen nicht zu, was vor allem Dr. McCoys Zynismus zu verdanken ist, wie auch der großspurig auftretenden Khan.

Für den dritten Teil von „I.D.I.C.“ kam auch der dritte Zeichner zum Zug. Diesmal handelte es sich um Tana Ford, die offenbar zuvor noch keinen Star Trek-Comic illustriert hat. Habe ich bereits Megan Levens mehrfach unterstellt, ihre Charkatere zu „verniedlichen“, geht Ford meiner Meinung nach sogar noch stärker hin in Richtung Funny-Stil. Einerseits muss man sagen, dass diese Stilrichtung bei Wesen wie dem Pflanzen-Kirk durchaus gut funktioniert, allerdings wäre ein realistischerer Stil auch nicht ganz verkehrt gewesen, der zudem auch mehr meinem persönlichen Geschmack entsprochen hätte. Anderseits überrascht Ford mit einigen tollen Effekten in so manchen Panels.

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Das bereits in meiner Rezension zum 2. Teil gelobte Textdesign bei den Androiden-Charakteren wurde auch in Teil 3 beibehalten. Ich hätte es aber auch sehr schön gefunden, hätte man sich für die pflanzlichen bzw. gas-basierten Lebensformen ebenfalls etwas einfallen lassen.

Bewertung: Teil 2 wird konsequent fortgeführt, indem noch weitere exotische Enterprise-Crewmitglieder ins Geschehen eingreifen und sich an unterschiedlichen Schauplätzen zusammenraufen müssen, um hinter das Geheimnis zu kommen, das sie hierher verschlug. Dass eine bewusste Absicht dahinter steckt, scheint nun klar, aber dennoch bleibt die Geschichte mysteriös und daher spannend. Ich würde mir nur wünschen, dass die abschließenden drei Comics etwas zielstrebiger voranschreiten, allerdings ist das etwas reduzierte Tempo wohl dem Umstand geschuldet, dass es derart viele Hauptcharaktere gibt und Autor Mike Johnson um Übersichtlichkeit bemüht ist. Bis jetzt gelingt ihm das sehr gut und auf unterhaltsame Art und Weise, weshalb Teil 3 von mir gute 4 Sterne erhält, was auch meiner „Halbzeitbewertung“ der Miniserie entspricht.

4stars

Rezension: Comic – Boldly go #14 „I.D.I.C. Part 2“

Notwendigerweise enthält meine Rezension des 2. Teils der „I.D.I.C.“-Miniserie Informationen zu Teil 1. Dies nur als Hinweis für alle jene, die planen den Comic zu lesen und sich nicht die Überraschungen verderben lassen wollen, von denen gerade diese Miniserie einige zu bieten hat.

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„Alles ist möglich“ – so lautet das Motto, unter dem diese Miniserie das vulkanische Prinzip der unendlicher Mannigfaltigkeit in unendlichen Kombinationen zelebriert. Und die Ereignisse am Beginn von Teil 2 führen dieses Prinzip dem Leser deutlich vor Augen. Folgten wir in Teil 1 noch der von James T. Kirk kommandierten U.S.S. Endeavour und dann in einem Paralleluniversum der von Captain Pike kommandierten U.S.S. Enterprise, wird die Geschichte in Teil 2 nun größtenteils aus der Perspektive von Captain Jane Kirk erzählt. Janes Universum ist Lesern der „Ongoing“-Comicreihe schon bekannt, sie trat mit ihrer größtenteils weiblichen Crew bereits in den vor vier Jahren erschienen Ausgaben #29 und #30 auf.

Genauso wie die Endeavour und Pikes Enterprise dringt Jane mit ihrem Schiff nun abermals in eine sonderbare chronotronische Anomalie ein und findet in ihrem Inneren nicht nur zwei andere Raumschiffe, sondern unzählige weitere Schiffe vor. Bei den meisten von ihnen handelt es sich eindeutig um wiedererkennbare Enterprises, die von – mal mehr mal weniger – vertraut wirkenden Offizieren bemannt sind.

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Aber auch ein klingonischer Kreuzer ist anwesend, der auf Pikes Enterprise das Feuer eröffnet und deren Captain (James T. Kirk als von Klingonen erzogener Krieger) die Auslieferung von Simon Grayson (Spock, der von seiner Mutter Amanda großgezogen wurde) fordert. Dem Konflikt ein Ende setzt eine technologisch außergewöhnliche Enterprise, die nur von Androiden bemannt ist und geführt wird von „Kommandoeinheit JTK-1701“. Die Kampfsituation scheint sich aufgrund der Übermacht dieser Enterprise zu beruhigen … bis zu einer plötzlichen Energieentladung, woraufhin sich einige bunt gemischte Gruppen von Besatzungsmitgliedern unterschiedlicher Schiffe auf Planeten wiederfinden …

Fazit: Schon im 2. Teil der Miniserie erkennt man, wo diese 6teilige-Story hingehen wird. Konzentrierte man sich im 1. Teil noch auf zwei alternative Realitäten, kommt mit jener von Jane Kirk eine hinzu, die zumindest Jim Kirk von Endeavour vertraut ist. Zudem wird in Form der Anomalie das Tor zu unendlich vielen Schauplätzen geöffnet … obwohl es zum Schluss des 2. Teils noch ein Mysterium bleibt, wie die Protagonisten an diese Schauplätze gelangt sind. Es stellt sich die Frage, ob hinter dieser Anomalie, die die unterschiedlichsten Universen miteinander verknüpft, vielleicht mehr als nur eine Laune der Natur steckt.

Nachdem Teil 1 von dem mir davor noch unbekannten Josh Hood illustriert wurde, stammen die Zeichnungen zu Teil 2 von Megan Levens, deren Stil mir bereits aus früheren „Boldly go“-Comics bekannt war. Ihr runderer, „verniedlichender“ Stil ist auch hier wieder zu erkennen, aber dennoch wirken die Zeichnungen in „I.D.I.C.“-Teil 2 meistens wesentlich detaillierter und nuancierter als in in ihreren vorherigen „Star Trek“-Arbeiten. Dies könnte zum Teil auch am Team Marissa Louise und Triona Farrell liegen, die erstmals gemeinsam für die Koloration verantwortlich zeichnen.

Was ich an der grafischen Gestaltung ebenfalls noch positiv hervorheben möchte, ist das Textdesign, wenn „JTK-1701“ oder einer seiner Crew spricht. Ich hoffe, dass solche Merkmale auch in den folgenden vier Comics zum Einsatz kommen. Tatsächlich hätte man dieses Stilmittel zur Unterscheidung der Protagonisten aus den unterschiedlichen Universen bereits in den ersten beiden Teilen konsequent einsetzen können. Aber es ist auch nachvollziehbar, wenn man es nur bei Charakteren einsetzt, die sich optisch besonders stark von den anderen unterscheiden.

Bewertung: Nach einem stark charakterorientierten Auftakt ist Teil 2 der Geschichte wesentlich mehr auf die Handlung fokussiert. Zuerst finden sich die Helden mit ihrer neuen Situation zurecht, um sich dann urplötzlich an anderen Schauplätzen wiederzufinden. Das Mysterium funktioniert sehr gut, denn ich bin besonders gespannt auf die Erklärung, wie Jim Kirk, Simon Grayson, Sulu-1701 und Pavlovna Chekov in diesen Dschungel geraten sind, der sich vermutlich auf einem irdischen Subkontinent befindet. 😉 Da aber einige Fragen offen bleiben und dem Leser hier eher ein Zusammenbringen und weniger ein Kennenlernen der Charaktere geboten wird, gebe ich diesem dennoch sehr unterhaltsamen Teil der Miniserie einen Stern weniger als dem Auftakt und somit solide 4 Sterne.

4stars

Rezension: TOS – “Der Friedensstifter”

Jerry Oltions Roman zur klassischen Star Trek-Serie erschien zwar bereits 1997 auf Englisch, doch da der Heyne-Verlag damals bereits begann, Veröffentlichungen von Star Trek-Romanen zurückzufahren, dauerte es bis 2013 ehe der Cross Cult-Verlag diesen Roman auf Deutsch herausbrachte. Warum ich nun 5 Jahre später diesen Roman gelesen habe, liegt vor allem daran, dass erst Ende letzten Jahres in „Discovery“ wieder eine bekannte Figur aus „The Original Series“ auftat, die auch in diesem Roman eine wichtige Rolle spielt.

Der_Friedensstifter

Seit unfassbaren 12.000 Jahren führen die beiden Planeten im nevisianischen Sonnensystem – Distrel und Prastor – gegeneinander Krieg. Umso überraschender erreicht die Föderation die Nachricht, dass die beiden Völker nun plötzlich Frieden miteinander geschlossen haben. Um dazu zu gratulieren und die Hintergründe herauszufinden, wird die Enterprise unter dem Kommando von Captain Kirk entsandt und der Landetrupp, der sich zu den Festivitäten runterbeamt staunt nicht schlecht, als sie dort auf einen alten Bekannten treffen.

Denn niemand anderer als das Schlitzohr Harry Mudd wird von den Nevisianern als großer Friedensstifter gefeiert. Dabei hatten die Offiziere von der Enterprise angenommen, Harry wäre auf einem Planeten voller Androiden zu einem ewig währenden Exil verdammt (siehe TOS-Folge „Der dressierte Herrscher“). Doch Harry erzählt, dass er den Androiden weismachen konnte, in Freiheit viel nützlicher zu sein und bot zum Beweis an, den Krieg im Nevis-System zu beenden – jedoch nicht ohne Überwachung. Und so haben die Androiden Harry zusammen mit einer Roboter-Kopie seiner Ex-Frau Stella zu den Nevisianern geschickt, wo Harry dank eines Handelsabkommens – bei dem auch Profit in seine eigene Tasche fließen soll – den Krieg tatsächlich beenden konnte.

Doch nichts währt ewig, denn die seit zwölf Jahrtausenden an Krieg gewöhnten Nevisianer nutzen schon die erste Gelegenheit, die Kämpfe wieder ausbrechen zu lassen. Das liegt auch einem extremistischen Glauben, demnach Helden auf der Seite des Kriegsgegners wiedergeboren werden und nach ihrem zweiten heldenhaften Tod schließlich von den Göttern ins himmlische Arnhall eingelassen werden. Ein Friedensvertrag, der den Weg dorthin blockiert, wird in einer solchen Gesellschaft natürlich rasch als auszuräumendes Hindernis erkannt. Zumal am Glauben der Nevisianer durchaus etwas Wahres dran zu sein scheint … was Kirk & Co auf die harte Tour feststellen müssen.

Fazit: Ich hatte mal wieder Lust auf etwas Heiteres und wenngleich Harry Mudd unter den hiesigen Star Trek-Fans bei weitem nicht so populär ist wie in den USA, sorgt allein seine aufschneiderische Art für einige humorvolle Einlagen. Harry – und auch seine „Ehefrau“ Stella – sind in diesem Roman stimmlich hervorragend getroffen, Übersetzer Bernhard Kempen hat sich merklich an die Diktion und Wortwahl der Figuren aus den TOS-Folgen „Die Frauen des Mr. Mudd“ und „Der dressierte Herrscher“ gehalten.

Überraschenderweise dreht sich aber nicht alles um Harry Mudd, der wie auch die Enterprise-Crew Opfer einer Fehlinterpretation des nevisianischen Glaubens wird. Dass hinter der tatsächlich funktionierenden Reinkarnation aber keine übernatürlichen Wesen stecken, sondern eine technische Lösung, ist auf angenehme Weise typisch TOS – auch wenn es diesmal keinen Computer gibt, dem Kirk seine eigene Unlogik vor Augen führt und in die Selbstzerstörung treibt. 😉

In diesem Roman wechselt man zusammen mit den Charakteren kreuz und quer zwischen den Schauplätzen Distrel, Prastor sowie der Enterpise hin und her, die im Sonnensystem kreuz und quer fliegt, um mit den Reinkarnationen und dem damit verbundenen Planetenwechsel Schritt zu halten. Bedenkt man, dass unsere Helden in der Serie oft ohne Kratzer unglaubliche Abenteuer bestanden, sterben hier die Leute wie die Fliegen. Darunter auch eine Sicherheitsoffizierin, die am Beginn des Romans einen Techniker an Bord der Enterprise heiratet, obwohl sie ein sich ständig streitendes Paar abgeben. Dies ist natürlich eine beabsichtigte Analogie zur Beziehung von Harry Mudd zu seiner Stella, aber während die beiden Letztgenannten für Belustigung sorgen, ziehen sich die Szenen mit dem anderen Paar beträchtlich.

Bewertung: „Der Friedensstifter“ ist eine relativ kurze Geschichte (was recht typisch für die Star Trek-Romane der 90er ist), aber über weite Strecken sehr unterhaltsam und angenehm turbulent. Keine One-Man-Show von Harry Mudd, sondern auch eine Beschreibung einer interessanten, fremden Kultur, deren Eigenschaften sehr gut in das Ambiente der klassischen Serie passen. Es ist Autor Jerry Oltion hoch anzurechnen, dass er es schaffte, eine so gut an TOS angepasste Story zu schreiben, aber dennoch Ausschweifungen hinzufügt, die sich in der Serie nicht hätten verfilmen lassen, aber dennoch nicht wie Fremdkörper wirken. Gäbe es da nicht ein paar Hänger wenn sich der Fokus auf das Ehepaar an Bord der Enterprise richtet, hätte ich einen Stern mehr gegeben. So pendelt sich meine Wertung aber bei guten 4 Sternen ein.

4stars

tas_mudd
Mudd in der TAS-Folge „Der Liebeskristall“.

Anmerkung: Falls es Harry Mudd nicht doch noch in einem weiteren Abenteuer wieder auf den Androiden-Planeten zurück verschlägt, so ignoriert der Roman Mudds Auftritt in der Zeichentrickserie. Als Kirk und Spock in jener Folge Mudd in Gewahrsam nehmen, erwähnen sie nämlich, dass sie angenommen hatten, Mudd befände sich noch dort.

Da der Roman von 1997 stammt, ist es nicht ungewöhnlich, dass die Zeichentrickserie unberücksichtigt bleibt. Aufgrund des Insolvenz des ausführenden Animationsstudios Filmation gab es Ende der 80er/Anfang der 90er Unsicherheit bezüglich der Verwertungsrechte der Serie und es hielt sich noch fast 20 Jahre der Mythos, TAS zähle nicht zum sogenannten Kanon der Star Trek-Serien.