Pilotfilm-Review: „Star Trek : Deep Space Nine – Der Abgesandte“

„The Next Generation“ war eine der erfolgreichsten TV-Sendungen Anfang der 90er-Jahre und so lag es nahe, rechtzeitig vor deren Ende ein Spin-Off auf den Weg zu schicken. Am 3. Jänner 1993 – rund eineinhalb Jahre vor dem Serienfinale von „The Next Generation“ – wurde in den USA schließlich die erste Folge von „Deep Space Nine“ ausgestrahlt. Eine Serie, deren Ausrichtung sich im Lauf ihrer sieben Staffeln zum Teil deutlich veränderte, aber bereits im Pilotfilm „Der Abgesandte“ ihre leicht ambivalente Natur offenbart.

Handlung: Im Prolog des Pilotfilms – der ungewöhnlicherweise mit einem Lauftext eingeleitet wird, der die Vorgeschichte des Gezeigten erklärt – bekommen wir eines der bekanntesten Ereignisse aus der Serie „The Next Generation“ zu sehen: die Schlacht von Wolf 359. Bei dem vom assimilierten Enterprise-Captain Jean-Luc Picard angeführten Angriff der Borg stellte sich auch das Raumschiff Saratoga dem Borg-Kubus entgegen und wurde wie alle anderen Sternenflottenschiffe zerstört. Commander Benjamin Sisko (dargestellt von Avery Brooks) gelingt zusammen mit seinem Sohn Jake die Flucht, doch Siskos Frau Jennifer findet bei dem Angriff den Tod.

Drei Jahre später: Die Bajoraner haben es endlich geschafft, die cardassianischen Besatzer von ihrer Heimatwelt zu vertreiben. Zurückgelassen haben sie aber eine alte Erzverarbeitungsstation im Orbit, deren Leitung auf Einladung der provisorischen Regierung Bajors die Sternenflotte übernehmen soll, denn ihrer Ansicht nach kann das gerade erst befreite Volk in dieser Zeit des Umbruchs die Unterstützung durch die Föderation gut gebrauchen. Doch nicht alle teilen diesen Gedanken. Alles andere als begeistert von der Einmischung der Föderation ist Major Kira Nerys, der ein ebenfalls wenig enthusiastischer Benjamin Sisko als Kommandant der Station vor die Nase gesetzt wird. Sisko muss zudem erfahren, dass er ausgerechnet von Captain Jean-Luc Picard für diesen Posten vorgeschlagen wurde. Von jenem Mann, den er noch immer für Jennifers Tod verantwortlich macht.

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Als Sisko das Kommando der Raumstation im bajoranischen Orbit übernimmt, wird er mit einem schmerzhaften Kapitel seiner Vergangenheit in Form von Captain Picard von der Enterprise konfrontiert.

Bei seiner Ankunft schlägt Sisko nicht nur die Feindseligkeit Major Kiras entgegen, sondern auch der desolate Zustand der Raumstation. Dass dieser Posten aber gar nicht so trübselig ist wie erwartet, stellt sich heraus, als Sisko vom religiösen Oberhaupt Bajors, Kai Opaka, auf den Planeten eingeladen und dort mit einem sonderbaren Artefakt konfrontiert wird: Einer Träne der Propheten, die Sisko seine erste Begegnung mit Jennifer erneut durchleben lässt. Zurück in der Realität erklärt Opaka, dass sie davon überzeugt ist, dass es sich bei Sisko um den prophezeiten Abgesandten handelt, der den Himmelstempel der Propheten finden wird. Nur dann – so Opakas Überzeugung – kann es gelingen, das Volk Bajors zu einen und einen Bürgerkrieg zu verhindern. Doch sie warnt auch davor, dass die Cardassianer ebenfalls im Besitz mehrer Tränen sind und den Himmelstempel zuerst finden könnten. Ein Wettlauf hebt an, der sich zuspitzt, als ein cardassianisches Kriegschiff in der Nähe der Station auftaucht …

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Die Träne der Propheten – auch Drehkörper genannt – lässt Sisko seine erste Begegnung mit seiner späteren Ehefrau Jennifer erneut erleben. Diese Eigenschaft des Artefakts zeigt uns im Lauf des Pilotfilms auch einen Ausschnitt aus Jadzia Dax‘ Vergangenheit.

Fazit: Die deutsche Erstausstrahlung dieser Folge fand Ende Jänner 1994 statt, also rund  ein Jahr nach dem US-Start. Damals war das Internet für den Privatanwender noch nicht sehr verbreitet, deutschsprachige Magazine speziell zum Thema „Star Trek“ gab es noch nicht und wenn man nicht zufällig in diesem einen Jahr ein allgemeines Science-Fiction-Magazin gelesen hatte, wusste man vorab über „Deep Space Nine“ überhaupt nichts. Ich selbst wusste nur das, was in einer Fernsehzeitschrift stand: dass an einem Freitagabend im Hauptabendprogramm ein „TV-Special“ mit dem Titel „Star Trek : Deep Space Nine“ ausgestrahlt wurde. Und wenn man sich den Beginn von „Der Abgesandte“ so ansieht … kann man es mir wirklich verdenken, dass ich diese 90-Minuten-Folge für ein einmaliges Special zu „The Next Generation“ hielt anstatt für den Auftakt einer neuen Serie? (Solche Specials zu bekannten Fernsehserien waren damals nicht unüblich und ich war gelinde gesagt baff, als unmittelbar nach „Der Abgesandte“ die Vorschau auf die nächste Folge lief.)

Einerseits geht es „Der Abgesandte“ nicht besonders mutig an: Anstatt von Beginn an eine neue Situation zu etablieren wird mit Benjamin Sisko der Hauptcharakter der neuen Serie eingeführt indem seine Vergangenheit mit einem bekannten Ereignis aus „The Next Generation“ verknüpft wird. Man bekommt die Schlacht gegen die Borg erstmals richtig zu sehen und Jean-Luc Picard spielt eine recht große Rolle – zumindest im Vergleich zu anderen Gastcharakteren in Star Trek-Pilotfilmen. Die Ära des späten 24. Jahrhunderts ist aus dem populären Vorgänger bekannt und visuell bereits gut definiert. Requisiten, Kostüme, Masken … all das wirkt aus TNG vertraut genauso wie Colm Meaney als Chief O’Brien, der nun in die Hauptdarstellerriege aufsteigt. Und auch wenn es Michelle Forbes ablehnte in der neuen Serie mitzuspielen, hatte ihre Darstellung von Ro Laren in TNG deutlichen Einfluss auf die von Nana Visitor gespielte Kira Nerys.

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Colm Meaney wird von Captain Picard nach Deep Space 9 gebeamt. Diese Szene ist nur in der ungeteilten 90-Minuten-Fassung des Pilotfilms zu sehen (auf DVD). Um einen zusätzlichen Vor- und Abspann und eine „Was bisher geschah“-Sequenz unterzubringen, wurden für die Aufteilung in zwei 45-Minuten-Folgen auch noch weitere Szenen gekürzt.

Womit wir bei der Besetzung Bajors durch die Cardassianer angekommen wären: Beide Völker und auch ihr Konflikt wurden bereits in TNG eingeführt. Man muss dem Auftakt von „Deep Space Nine“ aber zugute halten, dass die Rekapitulation dieser Vorgeschichte auch innerhalb des Pilotfilms sehr gut funktioniert und gänzlich ohne Lauftext auskommt. 😉

Man merkt also: Die Produzenten wollten es offensichtlich vorsichtig angehen, inhaltlich so oft wie möglich auf die beim Publikum beliebte Vorgängerserie anspielen. Das darf man natürlich schon kritisch sehen. Anderseits ist aber auch kaum die Mühe zu übersehen, „etwas Neues“ erschaffen zu wollen. Nicht nur verzichtet die neue Serie auf eine Enterprise als Hauptschauplatz, sondern gänzlich auf ein großes Sternenflottenschiff. Im Mittelpunkt des Geschehens steht stattdessen eine außerirdische Raumstation im bajoranischen Sonnensystem, nahe der cardassianischen Grenze und noch näher am ersten stabilen Wurmloch – dem Himmelstempel der Propheten – der die Erforschung des weit entfernten Gamma-Quadranten ermöglicht und zugleich von höchster Bedeutung im bajoranischen Glauben ist. Der Pilotfilm „Der Abgesandte“ hilft dabei, dieses besondere Setting zu etablieren und eine neue Ausgangssituation für die kommenden Folgen herzustellen. Vielleicht gerade deshalb funktioniert der Erzählrhythmus von „Der Abgesandte“ auch für eine alleinstehende Geschichte sehr gut.

Eine weitere interessante Neuerung ist der mythologische Aspekt der Serie. In TOS und TNG kamen schon einige mächtige Wesen vor, doch den Propheten kommt eine zusätzliche religiöse Bedeutung zu und eine Fremdartigkeit die daraus entsteht, dass diese „Wurmloch-Wesen“ das Konzept der linearen Zeit nicht kennen. Nachträglich muss man schon festhalten, dass die Serie aus dieser Idee nicht viel gemacht hat, aber rein auf „Der Abgesandte“ bezogen ist diese Besonderheit der Propheten schon sehr praktisch, denn sie hilft dabei, dem Zuseher den Hauptcharakter der Serie vorzustellen.

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Die Propheten nehmen während der Kommunikation mit Sisko die Gestalt von Personen an, denen er in seiner Vergangenheit begegnet ist.

Kurz nach der Hälfte des Pilotfilms wird Benjamin Sisko im Inneren des Wurmlochs von den Propheten festgehalten und in Form von Illusionen mit Ereignissen aus seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert. Kommt uns das bekannt vor? Sollte es, denn es ist abgesehen vom Kontext die gleiche Herangehensweise, die im 1. TOS-Pilotfilm „Der Käfig“ Verwendung fand, um uns die Leiden und Sehnsüchte von Captain Christopher Pike näherzubringen. Pike und Sisko haben beide große Verluste erlitten und beide denken anfangs darüber nach den Sternenflottendienst zu quittieren. Die Konfrontation mit den Illusionen hilft ihnen dabei, ihren persönlichen Verlust zu verarbeiten und am Ende weitermachen zu können. Ein Unterschied besteht in der Art des Verlustes: Pike hat Crewmitglieder verloren, Sisko seine Ehefrau, weshalb die Aufarbeitung seines Verlust etwas melodramatisch rüberkommt – und auch nicht so ganz nachvollziehbar. Zumindest tue ich mir schwer damit zu verstehen, warum Sisko am Ende besser mit seinem Verlust, mit seinem Sternenflottendienst und der Rolle, die Picard bei Wolf 359 spielte, umgehen kann.

Wie der Titel des Pilotfilms schon andeutet dreht sich vieles um Sisko bzw. den „Abgesandten“ und vor allem den Rückblickszenen im Inneren des Wurmlochs wird etwas zu viel Zeit eingeräumt. Dennoch etabliert der Pilotfilm auch noch einen größeren Cast. Neben Kira Nerys und Chief O’Brien bekommt die Raumstation in dieser Folge mit Jadzia Dax eine Wissenschaftsoffizierin und mit Julian Bashir einen Arzt der Sternenflotte zugewiesen. Beide bekommen einiges zu tun in der Folge, Bashir macht – wenn auch ziemlich sprunghaft – eine große Charakterentwicklung durch vom nervösen, ins Fettnäppchen tretenden Jungarzt zum Heiler, der selbst in gefährlichen Situationen nicht die Nerven verliert. Jadzia Dax wiederum hat indirekt eine gemeinsame Vergangenheit mit Ben Sisko, was sie zu seinem bevorzugten Ansprechpartner in jeder Lebenslage macht. Die Vorstellung dieser beiden Charaktere ist wie auch jene von Kira etwas aufdringlich. Nicht in dem Ausmaß plakativ wie es die Vorstellungen mancher Charaktere im TNG-Pilotfilm war, aber auch in „Der Abgesandte“ dachte ich mir oft, dass gewisse Sätze ausschließlich für den Zuseher und nicht für die Gesprächspartner in der Szene gedacht waren und sie dadurch unnatürlich wirken.

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Major Kira (Nana Visitor), Doktor Bashir (Alexander Siddig), Lieutenant Dax (Terry Farrell) und Commander Sisko (Avery Brooks). Die beiden Neuankömmlinge tragen bei ihrer Ankunft noch die „Raumschiffuniform“, werden im Lauf der Folge aber auf die neuen „Stationsuniform“ wechseln, die später ab dem 7. Star Trek-Kinofilm und der Serie „Voyager“ zum Standard mutiert.

Sicherheitschef Odo darf mit seinen formwandlerischen Fähigkeiten prahlen und mit seiner feindselig-süffisanten Einstellung zum Ferengi Quark, der die Bar an Bord leitet. Womit wir auch einen Einblick in das zivile Leben auf der Raumstation bekommen.

Und Einblicke ist genau das, was der Großteil des Pilotfilms abliefert. Ein Großteil von ihm ist Exposition und die eigentliche und an sich sehr spannende Handlung rund um den Wettlauf zum Wurmloch und den drohenden Angriff der Cardassianer, spielt sich in einem deutlich kürzerem Zeitraum ab. Das liegt auch an den erwähnten Szenen im Wurmloch, die immer wieder dazwischenfunken aber nicht allzu viel dazu beitragen, die Geschichte voranzubringen. Der Erstkontakt mit den Propheten ist natürlich für die Handlung der Serie wichtig. Aber dass dabei zugleich eine Psychoanalyse von Commander Sisko versucht wird ist doch – zumindest in dieser Form – ziemlich unnötig.

Kommen wir nun zu den produktionstechnischen Aspekten. Die Serie liegt zwar nur in Standard-Qualität vor, aber auch ohne Remastering ist der betriebene Aufwand in der Ausstattung sichtbar. Sets wie die Ops oder das Promenadendeck samt Quarks Bar ähneln nichts, was man jemals in „Star Trek“ zu diesem Zeitpunkt gesehen hätte. Im Detail kann man das Innere der Station im Pilotfilm aber so gut wie gar nicht würdigen, denn die meiste Zeit ist die Station in schlechtem Zustand, die Beleuchtung ist schwach und flackert wie auch die Computermonitore. Dennoch ist der cardassianische Baustil sehr interessant.

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Am Beginn des Pilotfilms ist Deep Space 9 in schlechtem Zustand. Erst ganz am Ende der Folge hören die Bildschirme auf zu flackern, sind die Trümmer weggeräumt und zeigt sich die Raumstation in neuem Glanz.

In Szene gesetzt wurde der Pilotfilm von David Carson, der kurze Zeit später auch bei „Treffen der Generationen“ Regie geführt hat. Von kinoreifer Optik würde ich im Fall von „Der Abgesandte“ zwar nicht sprechen, aber man merkt an einigen Kameraschwenks und Perspektiven schon, dass für den Pilotfilm einfach mehr Zeit zur Verfügung stand als für eine reguläre Folge. Das hat alles Hand und Fuß, was auch auf die Effektarbeit zutrifft. Das von Rick Sternbach und Herman Zimmerman entworfene Filmmodell der Raumstation passt sehr gut zum Design der Sets, ist stilistisch wirklich einzigartig mit ein paar sichtbaren Art Déco-Einflüssen. Ansonsten vertraut man auf bereits etablierte Modelle. Zum allerersten Mal hingegen bekommen wir den Planeten Bajor in Form eines länglichen Gemäldes mit integrierten Live-Action-Aufnahmen zu sehen:

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Das zu eine Ganzen zusammengesetzte Gemälde des Planeten Bajor, über das die Kamera schwenkt. Dies ist die Version, die man später in der Serie sieht. In „Der Abgesandte“ sieht man noch Schäden an den Gebäuden und die Farbsättigung wurde in der Nachbearbeitung reduziert, um die bedrückende Atmosphäre zu schaffen.

In Sachen musikalischer Untermalung folgte Komponist Dennis McCarthy ganz dem zum damaligen Zeitpunkt etablierten Stil aus den späten „The Next Generation“-Staffeln: Ja nicht die Melodie in den Vordergrund rücken lassen und auf keinen Fall versuchen, die Emotionen des Zusehers zu beeinflussen. Das ist eine Herangehensweise, von der ich so rein gar nichts halte. Abgesehen von der dadurch entstandenen üblichen Berieselung streut McCarthy aber doch manchmal Variationen des Titelthemas etwas auffälliger hinein. Jedoch ist das Titelthema selbst in dieser frühen Version auch nicht gerade aufregend. Es begleitet im Intro die majestätisch langsamen Schwenks über das Modell der Raumstation hervorragend – das Endergebnis ist aber auch „nur“ schön aber langweilig. (Ab Staffel 4 wurde das Intro der Serie visuell und akustisch aufgepeppt und dadurch meiner Meinung nach bedeutend verbessert.)

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Am Ende des Serienintros öffnete sich das Wurmloch … aber nicht im Intro von „Der Abgesandte“. Um die Entdeckung des Wurmlochs nicht vorweg zu nehmen, fehlt dieser visuelle Effekt im Pilotfilm. Den Soundeffekt des Wurmlochs vergaß man jedoch zu entfernen.

Bewertung: Im Grunde macht es der Pilotfilm von „Deep Space Nine“ gar nicht schlecht, um sowohl als Start für eine folgende Serie zu dienen als auch für sich allein stehend als TV-Film zu funktionieren. Er setzt zeitlich vor den Hauptereignissen an und ist dadurch sehr auf die persönliche Seite von Benjamin Sisko fokussiert. Vielleicht ein bisschen mehr als gut ist, denn auch wenn sich im Film sehr viel tut, Entdeckungen gemacht werden, es einen Konkurrenzkampf und eine Art Happy End gibt, das den Film abschließt, geschieht dies innerhalb sehr kurzer Zeit. So ist Sisko recht schnell Feuer und Flamme für die Idee, den Himmelstempel zu suchen, seine Bestimmung als Abgesandter hinterfragt er gar nicht und Dax kann die wahrscheinlichen Koordination des Himmelstempels mit einer sehr simplen Methode rasch feststellen. Die Geschichte ist also sehr geradlinig (wofür die nicht-linearen Propheten vermutlich kein Verständnis hätte 😉 ) aber nur selten mitreißend. Es gibt aber auch einige Szenen die herausragen, wie O’Briens „Reparatur“ eines cardassianischen Transporters oder Kiras Befehl sechs von sechs vorhandenen Photonentorpedos als Warnschüsse zu verpulvern.

Ich will dem Pilotfilm nicht den Event-Charakter absprechen, denn trotz Auskoppelung aus dem „The Next Generation“-Universum bietet er ja wie erwähnt dennoch sehr viel Neues und Interessantes und ich halte ihn auf jeden Fall für sehr gelungene Unterhaltung. Aber mehr als gute 4 von 6 Punkten kann ich ihm nicht verleihen. Das Potenzial einer Serie hat „Der Abgesandte“ unter Beweis gestellt, die Serie aber eben noch nicht mit einem ganz großen Paukenschlag begonnen. Stattdessen schließt der Pilotfilm die Vorbereitung auf die Serie ab und erinnert dadurch auch etwas an den Pilotfilm von „Star Trek : Discovery“, wenngleich es dort nach den ersten 90 Minuten zu einem wesentlich umfangreichen Umbruch kommt als zwischen dem DS9-Pilotfilm und dem Rest der Serie.

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Anmerkungen:

„Deep Space Nine“ und „Voyager“ sind die einzigen Star Trek-Serien, die bis heute nicht in HD-Qualität erschienen sind. Um die Serie hochauflösend zu veröffentlichen wäre ein ähnlicher großer Aufwand nötig wie beim Remastering von „The Next Generation“. Doch gerade dank dieses Remasterings gibt es einige Effektaufnahme aus „Deep Space Nine“ bereits in HD-Qualität. Denn in der 6. TNG-Staffel besuchte die Enterprise-D ein weiteres Mal die Raumstation, nutzte ein Runabout und traf auf eine Lebensform, die dem Formwandler Odo nicht unähnlich war.

Die in diesem Review verwendeten Bilder stammen von trekcore.com, mit Ausnahme des Bajor-Gemäldes (Quelle: Memory Alpha).

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Rezension: „Origin“

Vier Jahre nach dem letzten Robert Langdon-Abenteuer „Inferno“ erschien nun kürzlich der neueste Roman von Dan Brown. Abermals schickt er den Symbologen und Experten für Codes raus aus dem Hörsaal und – wie könnte es anders sein? – mitten hinein in in ein Mordkomplott rund um ein sagenumwobenes Mysterium.

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Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Über diese Fragen philosophiert die Menschheit wohl seit sie denken kann und einer von Langdons einstigen Schülern – Edmund Kirsch, der es inzwischen zum Multimilliardär auf dem Computersektor gebracht hat und ein hohes Ansehen für seine Zukunftsprognosen genießt – behauptet, auf diese Fragen unwiderlegbare Antworten gefunden zu haben. Um sie der Menschheit zu präsentieren, lädt Kirsch eine Reihe ausgewählter Persönlichkeiten ins Guggenheim-Museum nach Bilbao ein. Darunter auch Robert Langdon, der – über Kopfhörer wie die anderen Gäste mit einem persönlichen Guide verbunden – zuerst sehr interessiert und unbesorgt das Museum durchstreift. Doch als unmittelbar vor Beginn der Präsentation Kirsch ein Gespräch unter vier Augen mit ihm führt, wächst die Besorgnis, denn Langdon erfährt hier, dass Kirsch seine Präsentation nur wenige Tage zuvor drei hohen Vertretern von Weltreligionen gezeigt hat, die naturgemäß wenig angetan von Kirsch Erkenntnissen waren. Denn ein wissenschaftlicher Beweis für den Ursprung und die Weiterentwicklung der Menschheit, würden viele Antworten, die die Religionen bislang exklusiv anbieten, obsolet machen.

Kirsch‘ Furcht, religiöse Vertreter könnten versuchen, seine Präsentation zu stören, erweist sich als durchaus begründet. Nach einem einstimmenden multimedial dargebotenen Prolog betritt Edmund Kirsch erstmals die Bühne vor seinen versammelten Gästen – und wird prompt von einem von ihnen erschossen, noch ehe er den wichtigsten Teil seiner Präsentation von einem privaten Server runterladen kann.

Chaos bricht aus, die Königliche Garde, die vorrangig anwesend ist, um die Direktorin des Museums zu beschützen, die demnächst den spanischen Kronprinzen ehelichen soll, übernimmt das Kommando am Tatort, der Attentäter kann jedoch entfliehen. Aus dieser Situation heraus – und dem Umstand, dass auch bereits einer der drei Geistlichen ermordet wurde – wird Langdon von seinem Guide die Verantwortung übertragen, den Rest der Präsentation online zu stellen, ehe jeder ins Geheimnis Eingeweihte am Ende dieser Nacht als Leiche endet. Um seiner Aufgabe nachzukommen, muss Langdon nicht nur ein 47stelliges Passwort knacken, sondern auch dem Attentäter entkommen, der sich an seine Fersen heftet …

Fazit: „Origin“ erweist sich als ganz typisches Abenteuer, das Dan Brown für seinen Helden Robert Langdon ersonnen hat. Die Einladung ins Museum und dann die Reise weiter nach Barcelona bis hin zu den Katakomben und Türmen der Sagrada Familia bieten wieder einmal einen perfekten Vorwand, uns faszinierende Orte und Kunstwerke in vielen Details zu beschreiben. Als Leser fällt es sehr leicht, sich alles bildlich vorzustellen und Dan Browns Romane animieren auch oft dazu, sich mit dem einen oder anderen danach noch etwas genauer zu beschäftigen.

Während Brown also wieder hervorragend den Reiseführer spielt, kommt die Spannung diesmal aber zu kurz. Es ist sehr früh klar, was Langdon unternehmen muss und die übliche Schnitzeljagd fällt diesmal eigentlich ziemlich kurz aus. Es gibt in „Origin“ nicht allzuviele Schauplätze, an denen Langdon aber – zusammen mit den obligatorischen attraktiven „Langdon-Girl“ – im Gegenzug dafür einfach länger verweilt. Auf den Nebenschauplätzen kommt man etwas weiter herum, von weiteren Schauplätzen in Spanien bis hin nach Budapest. Aber die ganz große Dringlichkeit für Langdon entsteht eher künstlich herbei geführt durch „Fake News“. Lange Zeit hat er mehr damit zu tun, Reportern aus dem Weg zu gehen als Leuten, die ihn umbringen wollen. (Von denen es in diesem Roman erstaunlich wenige gibt.)

Kritik an der Online-Welt, Verschwörungstheorie-Homepages, bewusst eingesetzte Fehlinformation etc. ist als Motiv für die Geschichte deutlich erkennbar genauso wie der erhobene Zeigefinger am Ende der zumindest für mich nicht besonders überraschenden Auflösung – die ich an dieser Stelle aber trotzdem nicht verrate. 😉 Nur soviel, dass die Handlung für meinen Geschmack etwas zu weit in Richtung Science-Fiction abdriftet. Diese Tendenz ist zwar aus der Handlung heraus begründet, aber beißt sich doch ein wenig mit dem Ambiente und der Stimmung des Romans.

Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Die Antwort auf diese Frage wird dem Leser ebenfalls präsentiert, aber es bleibt jedem überlassen zu entscheiden, ob diese wirklich so unwiderlegbar sind, wie der fiktive Zukunftsforscher Edmund Kirsch behauptet.

Schade ist auch, dass Langdon seine kombinatorischen Fähigkeiten nur in geringem Maße einsetzen kann. Hier und da eine Anekdote, aber im Wesentlichen hat er nicht viel mehr zu tun, als die Lösung eines ganz bestimmten Rätsels zu finden, anstatt dass ihn die Auflösung zu einem weiteren Rätsel führt. Ein Symptom dieser Unterbeschäftigung seines Hauptcharakters ist auch, dass Dan Brown ein paar weitere kleine Anekdoten einfach so nebenbei einstreut. Diese sind durchaus sehr interessant und Langdon hat recht, dass man den versteckten Pfeil im „FedEx“-Logo nie mehr übersehen wird, wenn man ihn mal entdeckt hat. Aber mit der Story haben solche Informationen gar nichts mehr zu tun.

Bewertung: Nachdem mir „Inferno“ ausgesprochen gut gefiel, ist „Origin“ wieder ein Rückschritt. Auf vergleichbarem Niveau wie „Das verlorene Symbol“, vielleicht sogar eine Spur schwächer was die Spannung angeht, dafür etwas stärker, was die vermittelte Faszination für die Schauplätze angeht. Man bekommt das Gefühl nicht los, dass die Charaktere die meiste Zeit auf Sparflamme unterwegs sind, weil kein allzu großer Zeit- oder Leistungsdruck auf ihnen lastet.

Sicher rätselt man darüber, was das Attentat auf Kirsch, die fast zeitgleiche Ermordung von Geistlichen in anderen Teilen der Welt und die Intrige, die im spanischen Königspalast vor sich geht, miteinander zu tun haben. Aber der Funke mag nicht so recht überspringen. Als Leser bekam zumindest ich nicht das Gefühl, jetzt sofort immer die Auflösung der diversen mysteriösen Vorgänge wissen zu wollen. Das liegt auch an der Struktur der Handlung: Für Langdon, der rasch eine klar definierte Aufgabe bekommt und in seinem eigenen kleinen Kosmos agiert, ist es relativ egal, was sonst wo passiert. Er ist so geradlinig unterwegs, dass die Rätsel auf den Nebenschauplätzen ihn bei seiner eigenen Mission kaum berühren. Daher gebe ich „Origin“ lediglich 3 von 6 Sterne. Ein solider Thriller, aber im Gegensatz zu den meisten anderen Dan Brown-Romanen ohne das „gewisse Etwas“.

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Rezension: Comic – „Asterix in Italien“

Seit dem 19. Oktober ist der inzwischen 37. Asterix-Band erhältlich. Wie schon bei den letzten beiden Comics über den tapferen Gallier zeichnen auch für dessen Reise quer durch Italien wieder Jean-Yves Ferri und Didier Conrad verantwortlich.

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Dabei kann man gar nicht so recht von einem „Asterix“-Abenteuer sprechen, denn Auslöser für die Handlung ist eigentlich dessen kräftig gebauter Freund Obelix. Dieser besucht nämlich zusammen mit Asterix und dem von Zahnschmerzen gequälten Methusalix einen großen Jahrmarkt in Vannes (die „CEBIT“, den Markt für celtisches Brauchtum und innovative Technik 😉 ). Auf der Suche nach einem Dentisten macht Obelix halt bei einer Wahrsagerin, die ihm aus der Hand liest und ihm voraussagt, in einem geflügelten Wagen ein Wettrennen zu gewinnen. Wie überraschend, dass der Neu- und Gebrauchtwagenhändler am Markt genau einen solchen Streitwagen anbietet, den Obelix natürlich sofort gegen Hinkelstein-Ratenzahlung erwirbt.

Und noch erstaunlicher wird die Vorhersage der Wahrsagerin, als auf dem Markt auch das große Transcaliga-Rennen verkündet wird. Aus allen Teilen des Römischen Reiches sind Wagenlenker zu einem hochdotierten Etappenrennen eingeladen, das von Modena im Norden der italienischen Halbinsel bis in den Süden zum Vesuv führen soll. Mit der Veranstaltung dieses Rennens will nämlich der für Straßenerhaltung zuständige Senator Bifidus Vorwürfen entgegenwirken, er habe die Gelder für die Straßensanierung in die eigene Tasche fließen lassen. Doch diese Beweggründe interessieren die Gallier gar nicht, ihnen geht es nur darum, ihre „Lieblingsfeinde“ wieder mal zu ärgern und zur Abwechslung mal auf ihrem eigenen Terrain zu besiegen. Doch im Rennen wird Obelix und seinem Co-Piloten Asterix schnell klar, dass der römische Favorit einen größeren Heimvorteil besitzt als nur die Kenntnis der Schlaglöcher auf den maroden Straßen …

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Die Römer arbeiten mit allen Tricks, um die Gäste aus den fernen Provinzen am Sieg zu hindern.

Fazit: Nach dem originellen „Papyrus des Cäsar“ gehen es Ferri und Conrad wieder etwas konventioneller an. Ausflüge in fremde Länder sind für die Gallier aus dem Dorf der Unbeugsamen ja nichts Neues. Auch längere Rundreisen quer durch die Lande haben sie schon einige hinter sich gebracht und sind dabei auch schon öfter unter Leistungsdruck gestanden. Beispielsweise bei ihrer „Tour de France“, während der Asterix und Obelix gallische Spezialitäten gesammelt haben, oder auf der Jagd nach Sesterzen in „Asterix und der Kupferkessel“.

Der Vorwand, unter dem sich die beiden heldenhaften Gallier diesmal in eine solche Situation stürzen, ist weit weniger aufregend. Wurden ihnen früher solche Situationen von den Umständen aufgezwungen, nehmen sie diesmal freiwillig und ohne direkte Provokation oder Herausforderung an einem durchorganisierten Wagenrennen teil, weshalb der Ablauf des Ganzen auch deutlich vorhersehbarer wird. Das schwächt zumindest die Gags nicht – davon gibt es wieder jede Menge, italienischen Besonderheiten werden zur Genüge ausgespielt, seien es die Venezier, die ihre Stadt wegen der Aussicht in einem Sumpf errichten, Parma-Schinken, den in Scheiben zu schneiden Obelix für überflüssig hält, oder ein Mona Lisa-Double. Auch den nächsten Ausbruch des Vesuv zögert Obelix so nebenbei um über 100 Jahre hinaus und auch die Konkurrenten im Renne aus den Provinzen dürfen bekannte Klischees auf augenzwinkernde Weise bedienen.

Viele Gags zünden, einige scheinen mir hingegen eher für Insider gedacht zu sein (was allerdings recht typisch für Asterix-Comics ist und auch ein wenig deren Reiz ausmacht, sich nach dem Lesen der Geschichten weiter zu informieren). Aber die Spannung ist auf äußerst niedrigem Niveau. Wenn zum Beispiel der römische Favorit auftaucht und dabei einen goldenen Helm trägt, der sein Gesicht verhüllt, dann fragt man sich nur eines: Das Gesicht welches Formel-1-Fahrers wird wohl erscheinen, sobald er den Helm abnimmt? (Anmerkung: Ich habe es richtig erraten. 😉 ).

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Welches Motorsportfans bekannte Antlitz verbirgt sich wohl hinter diesem Helm? 24 Seiten später wird das Geheimnis gelüftet, aber es lässt sich auch erraten.

Aber am enttäuschten war ich doch vom Schluss. Der Ausgang des Rennens und die Siegerehrung wirken dem entgegen, wozu ein Wettrennen eigentlich gut ist. Der „Olympische Gedanke“ war nicht mal in „Asterix bei den Olympischen Spielen“ derart präsent. Die Harmonie am Schluss wirkt leider arg gekünstelt.

Noch ein kurzer aber eigentlich unnötiger Kommentar zu den Zeichnungen: Didier Conrad schließt stilistisch wieder hervorragend an Albert Uderzos Comics an.

Bewertung: „Asterix in Italien“ kann man zu guter Recht als absolut mittelmäßiges Gallier-Abenteuer beschreiben, weshalb ich es auch mit 3 von 6 Sternen benote. Der bisher schwächste Band von Ferri und Conrad, aber er ist dennoch aus humorvoller Sicht unterhaltsam. Wer darauf Wert legt, den Humor in einer spannenden Story verpackt zu sehen, wird aber enttäuscht sein.

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Anmerkung: Seltsamerweise fehlen in „Asterix in Italien“ am Beginn des Bandes die beiden üblichen Seite mit der Vorstellung der Hauptcharaktere und die Karte von Gallien mit der Lupe, die Aremorica vergrößert. Das heißt aber nicht, dass die Geschichte selbst länger wäre. Der Band ist lediglich um diese beiden Seiten kürzer. (Die meisten Asterix-Geschichten enden auf Seite 48, diese auf Seite 46.)

Rezension: Comic – Boldly go #11 + #12

Schon die Comics der „Ongoing“-Reihe griffen – vor allem in ihren ersten Geschichten – hin und wieder auf Abenteuer aus der klassischen Star Trek-Serie zurück und Autor Mike Johnson adaptierte sie dann in neuer Form für die Kelvin-Zeitlinie. Auch die „Ongoing“-Nachfolgeserie „Boldly go“ tat dies bereits einmal mit der TOS-Folge „Reise nach Babel“ in den Ausgaben #7 und #8 und erneut ist es diesmal eine zweiteilige Story, die ihre Wurzeln ganz klar in der klassischen Star Trek-Serie hat.

In der Folge „Wen die Götter zerstören“ aus der dritten Staffel der klassischen Serie haben wir Captain Garth von Izar kennengelernt, einen einst gefeierten aber mittlerweile in Ungnade gefallenen Sternenflottenoffizier. „Boldly go #11“ erzählt uns in Episoden Garth‘ Vorgeschichte: Es beginnt damit, dass er zehn Jahre vor den aktuellen Ereignissen als Kommandant der U.S.S. Heisenberg im Orbit des Planeten Axanar durch ein herausragendes Manöver einen klingonischen Schlachtkreuzer vernichten kann. Drei Jahre später referiert er über die Schlacht und darüber, dass ihr glücklicherweise kein Krieg gefolgt ist. Bei dieser Gelegenheit wird Garth von Captain Pike ein Kadett namens James T. Kirk vorgestellt. Weitere vier Jahre später ist die U.S.S. Heisenberg im Orbit des Planeten Antos IV und da es die Bewohner nur einem einzigen Repräsentanten der Föderation gestatten, ihren Planeten zu betreten, beamt Captain Garth alleine hinunter. Und so geschieht das, was das Schicksal wohl in jeder Zeitlinie für Garth vorgesehen hat: Es kommt zu einer schrecklichen Transporter-Fehlfunktion und der deformierte, leblose Körper des Captains materialisiert auf dem Planeten.

Zeitsprung in die Gegenwart: Nach ihrem Abstecher nach Babel hat die U.S.S. Endeavour unter Captain Kirks Kommando ihre Forschungsmission wieder aufgenommen – die jedoch abrupt gestört wird, als sich ein kleines Raumschiff nähert, das von einem Kind namens Thalia gesteuert wird und Kirk nur allzu gut bekannt ist. Denn in einem früheren Abenteuer („Ongoing“-Ausgaben #43 bis #45) war Kirk ihrer Mutter – der Weltraumpiratin Eurydice – begegnet. Eurydice ist auf dem Planeten Antos IV spurlos verschwunden und so ist Thalia ihren Anweisungen für einen solchen Fall gefolgt und bittet Captain Kirk um Hilfe. Da er und Eurydice damals offenbar im Guten auseinander gegangen sind (Anmerkung: Ich selbst habe diese drei „Ongoing“-Comics nicht gelesen, mutmaße hier also nur), lässt Captain Kirk Kurs auf Antos setzen, wo er nach kurzer Verhandlung mit einem Regierungsvertreter erwirkt, zusammen mit Thalia auf den Planeten beamen zu dürfen um nach Eurydice zu suchen.

Erstaunlicherweise finden sie die Piratin beinahe genau an jener Stelle, wo Thalia sie zuletzt gesehen hatte. Kirk ist anfangs zufrieden damit, wie leicht sich dieses Problem lösen ließ, doch anstatt zu ihrer Mutter zu laufen, wendet sich Thalia erschrocken ab mit der Behauptung, dies sei nicht ihre Mutter und rennt fort. Kirk und Eurydice folgen ihr, doch zu Kirks Überraschung führt die Piratin ihn in eine dunkle Gasse, wo sie ihn ohne Vorwarnung niederschießt. Und doch materialisiert der Captain nur kurz darauf im Transporterraum der Endeavour, berichtet von einer reibungslosen Familienzusammenführung und lässt Kurs auf die U.S.S. Heisenberg setzen …

Fazit: Für Kenner der Vorlage ist es natürlich keine große Überraschung, dass sich nicht Captain Kirk zurück auf die Endeavour gebeamt hat, sondern Captain Garth, der dank einer antosianischen Regenerationstherapie nicht nur den Transporterunfall überlebt hat, sondern dank der Therapie auch die Fähigkeit erlangt hat, andere Gestalten anzunehmen. So konnte er zuerst Eurydice und dann Kirk imitieren. Überraschender ist vielleicht, dass trotz des starken Fokus auf Thalia und Eurydice es gar nicht notwendig ist, die zweeinhalb Jahre zuvor erschienenen drei „Ongoing“-Comics über die beiden zu lesen. Ich habe sie wie erwähnt auch noch nicht nachgeholt, aber auch wenn es in diesem „Boldly go“-Zweiteiler keine ausführlichen Information darüber gibt, was damals geschehen ist, ist der Umgang zwischen Kirk, Eurydice und Thalia wirklich selbsterklärend. Eurydice mag ein bisschen ruppig sein, aber Kirk hegt eindeutig große Sympathie für das unabhängige Mutter-Tochter-Gespann. Das wird von Anfang an klar (und somit lange Zeit vor den mehr als eindeutigen letzten Panels des Comics 😉 ) und weckt auch mein Interesse, dies Vorgeschichte demnächst mal zu lesen.

Die vorab durch die TOS-Folge „Wen die Götter zerstören“ bekannten Ereignisse rund um Captain Garth vermeintlichen Tod und seine Umwandlung spielen hingegen eine deutlich vordergründigere Rolle. Zuerst dachte ich ja, die Geschichte des Comics würde wesentlich anders ablaufen als das, was die TOS-Folge implizierte. Immerhin war in der Serie die Rede davon, dass Garth in einem Wahn nach seiner Rettung die Antosianer auslöschen wollte. Im Comic hingegen jagt er zuerst der Crew der Heisenberg hinterher um sich dafür zu rächen, dass man ihn vermeintlich tot auf Antos zurückließ. Anderseits könnte es durchaus sein, dass im Prime-Universum die Geschehnisse gar nicht so anders abgelaufen sind, lediglich die Endeavour  die Rolle der Heisenberg übernommen haben könnte, es sich in der ursprünglichen Zeitlinie somit für Garth erübrigt hätte, der Heisenberg nachzujagen. Aber unabhängig von der Zeitlinie landet Garth am Schluss jedenfalls auf Elba II in einer Einrichtung für geistig abnorme Rechtsbrecher. Zusammen mit Andorianern, Tellariten und einer Orionerin. Die Anspielungen auf die klassische Star Trek-Folge sind erstaunlich vielfältig in diesem Comic. Sogar der Schachzug wird untergebracht.

Es wäre noch sehr interessant gewesen zu erfahren, wie es dazu kam, dass Garth Leichnam auf Antos verblieb und die Antosianer es der Sternenflotten nicht mitteilten, dass sie Garth zu heilen vermochten. Aber ich kann den Zeitsprung nach vorne aus dramaturgischer Sicht ganz gut verstehen. Ich hätte mir die Antosianer allerdings etwas verschlossener vorgestellt und auch wenn sie nur immer einen Vertreter einer außerirdischen Delegation auf ihrem Planeten erlauben, kommt mir ihr Marktplatz etwas zu kosmopolitisch bevölkert vor.

Zeichnerin Megan Levens steuert nach dem Babel-Zweiteiler wieder die Grafiken bei. Ihr Stil wirkt sehr einfach und wie ich schon mal erwähnte „verniedlicht“ sie die Charaktere ein wenig, sie bleiben aber auf jeden Fall absolut erkennbar. Und eine gewisse Niedlichkeit ist vor allem bei Thalia nicht verkehrt. Vor allem wenn die Kleine am Beginn von Ausgabe #12 ihren großen Auftritt hat. 😀 Die U.S.S. Endeavour hätte Levens aber etwas besser treffen können. Man merkt, dass sie sich zu sehr an der Enterprise als Vorlage orientierte, aber die Endeavour unterscheidet sich in mancher Hinsicht doch deutlich von der Enterprise. Das war ein bisschen schlampig. Sogar die Cover der beiden Comics zeigen die Enterprise.

Bewertung: Der Zeitsprung und die folgende Darstellung von Antos wirft ein paar Fragen auf, aber sicher keine unerklärbaren. Ansonsten gefiel mir die Geschichte erstaunlich gut, denn ich war zuerst skeptisch, eine „Fortsetzung“ zu lesen, ohne deren Ursprung zu kennen. Aber zum Glück benötigte zumindest ich keine Vorkenntnisse, um  die beiden Gastcharaktere Eurydice und Thalia zu mögen. Und Captain Garth‘ Vorgeschichte vor seinem Unfall war ganz mitreißend erzählt und bei der Darstellung der Fehlfunktion brilliert auch Zeichnerin Levens, die verdeutlicht, welch Horror Garth erlebt hat. Insgesamt fühlte ich mich gut unterhalten, die Story war zwar teilweise schon bekannt, aber die Anspielungen auf TOS gefielen mir ebenso wie der Humor, den vor allem Thalia reingebracht hat. 5 von 6 Sterne! 

5stars

Anmerkungen: 

Die Darstellung der Rückblicke ist wirklich sehr gut gemacht mit großer Rücksicht auf die Designs der jeweiligen Zeit. So trägt die Crew der U.S.S. Heisenberg während der Schlacht von Axanar noch jene blauen Uniformen, die wir von der U.S.S. Kelvin kennen. Ein paar Jahre später auf der Akademie entsprechen die Darstellungen ebenfalls der Zeit mit passenden Unformen und auch Schauplätzen. Mit dem Sprung in die Gegenwart nach „Beyond“ ist dann die Palette der Dienstuniformen der neuen Zeitlinie komplett!

Da „Discovery“ im Prime-Universum angesiedelt ist und nicht in der Kelvin-Zeitlinie, sollte man nicht unbedingt Parallelen nach dem Universumssplit suchen, aber mir fiel doch auf, dass die U.S.S. Heisenberg zumindest an der Oberseite der U.S.S. Europa aus dem „Discovery“-Pilotfilm etwas ähnelt. Vermutlich aber nur ein Zufall.

Ohne das Buch empfehlen zu wollen, möchte ich zumindest darauf hinweisen, dass es auch einen Roman gibt, der die TOS-Folge „Wen die Götter zerstören“ fortsetzt. Im Jahr 2013 habe ich den „Garth of Izar“ rezensiert, der mich allerdings nicht zu beeindrucken vermochte.

Rezension: „Deep Down” – A Jack Reacher Story

Wie schon die vor ein paar Tagen rezensierte Star Trek-Novelle dient auch diese Jack Reacher-Story der Überbrückung bis zum Erscheinen des nächsten längeren Buches auf meiner Leseliste. Wie regelmäßige Besucher meines Blogs wissen, habe ich im April 2017 mit „Night School“ den 21. und bislang letzten erschienenen Roman von Lee Child rezensiert. Noch übrig sind aber ein paar Kurzgeschichten über den Militärpolizisten Jack Reacher und eine davon, die zeitlich während seiner aktiven Army-Dienstzeit angesiedelt ist, ist „Deep Down“.

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Vorweg: Die als ebook – und manchmal als Anhang der Reacher-Romane – erschienenen Kurzgeschichten sind bedeutend kürzer als beispielsweise die Star Trek ebook-Novellen; nur ungefähr halb so lang. Daher ist die Geschichte von „Deep Down“ auch sehr schnell erzählt: Captain Jack Reacher bekommt den Auftrag, undercover an einer Besprechung im Kapitol teilzunehmen, in der die Kriterien für ein neues Scharfschützengewehr festgelegt werden sollen. Aufgrund auffälliger Fax-Aktivitäten nach vergangenen Sitzungen liegt der Verdacht nahe, dass aus dem Büro der politischen Verbindungsoffiziere geheime Informationen durchsickern – vermutlich an ausländische Waffenhersteller. Reacher soll die vier infrage kommenden Verbindungsoffiziere – vier weibliche Karriereoffiziere höheren Ranges, die man nicht ohne Auffallen zu einem offiziellen Verhör vorladen könnte –  ausfragen und Eindrücke sammeln. Eine ungewohnte Aufgabe für Reacher, aber wenigstens haben seine Vorgesetzten bereits eine Hauptverdächtige, weshalb er sich vorrangig auf diese konzentrieren möchte. Doch diese taucht leider bei der Besprechung im Kapitol gar nicht auf und hat einen durchaus plausiblen Abwesenheitsgrund: Nur Stunden vor der Besprechung kam der ehrgeizigen Joggerin ein Auto in die Quere …

Fazit: Trotz der Kürze weist „Deep Down“ die Qualitäten der besseren Reacher-Romane auf. Allen voran kommt der junge Army-Captain Reacher sehr sympathisch rüber. Der Ausblick auf ein simultanes „Rendezvous“ mit vier Frauen zum Zwecke der Informationsbeschaffung lässt ihn doch ein wenig an seiner Eignung zweifeln. Ein James Bond ist er eben nicht gerade. 😀 Da die Vorbereitung auf seine Mission schon gut die Hälfte der Geschichte einnimmt, wird die mehrere Stunden dauernde Besprechung recht knapp abgehandelt, aber ich würde doch behaupten, dass Reachers Wahrnehmung der Vorgänge und seine Einschätzungen für ausreichend Spannung sorgen, aber so richtig animiert mitzuraten, wer die Verräterin ist, wird man als Leser nicht. Dafür kennt Reacher die an der Besprechung beteiligten Personen auch einfach nicht gut genug, muss sich auf Beobachtungen stützen. Die Eigenschaften der Teilnehmer nimmt Reacher also ganz sachlich wahr. Aber es reicht aus, denn wenn Reacher seinem Vorgesetzten telefonisch meldet, wen er verdächtigt, ist seine Begründung sehr schlüssig. Und nach Beendigung des Telefonats darf Reacher auch nochmal in gewohnter Souveränität die Muskeln spielen lassen.

Bewertung: Ein sehr kurzes, aber absolut vorhandenes Lesevergnügen bietet „Deep Down“. Die Geschichte revolutioniert das Krimi-Genre zwar nicht, denn im Grunde nimmt Reacher nur an einem Kapitel einer längeren Geschichte teil, die schon ohne ihn begann und später ohne ihn weitergehen wird. Und doch beendet man als Leser diese Kurzgeschichte doch zufrieden, denn man hat das Relevante in Erfahrung gebracht und am Ende mit einem zustimmenden Nicken quittiert. 4 von 6 Sterne sind allemal drin, denn die Geschichte wird solide erzählt und ist so kurz, dass Lee Child gar keine Zeit blieb, sich in Widersprüche zu verstricken oder langatmig zu werden.

4stars

Anmerkung: https://de.wikipedia.org/wiki/Fax 😉

Rezension: TOS – “Shadow of the Machine”

Zur Überbrückung der nur noch kurzen Wartezeit auf das Erscheinen eines anderes Buches, habe ich diese kleine Novelle gelesen, die ausschließlich in ebook-Form erschienen ist. Autor Scott Harrison konzentriert sich hierbei vorrangig auf drei Offiziere der Enterprise nur kurze Zeit nach dem V’Ger-Zwischenfall im ersten Star Trek-Kinofilm.

Shadow of the Machine

Zwischen dem Abschluss des Testflugs (zu dem die Enterprise am Ende des Films aufbrach) und dem Beginn der zweiten 5-Jahres-Mission gönnen sich die Brückenoffiziere nochmal Urlaub, der aber nicht für jeden eine Erholung darstellt, sondern auch persönliche Verpflichtungen mit sich bringt. So wird Captain Kirk von seinem Onkel und seiner Tante auf die Familien-Farm gerufen, denn man macht sich dort Sorgen um Peter – den Sohn von Kirks verstorbenen Bruder. Der Junge, der einst so große Ambitionen hatte auf die Sternenflottenakademie zu gehen, wirkt teilnahmslos. Doch Kirk sieht sich selbst recht ungeeignet, um Peters Interesse an der Raumfahrt und im Speziellen einer Offizierskarriere zu fördern, hadert der Captain doch selbst noch mit dem Verlust von Commander Decker und Lieutenant Illia und der Frage, ob er eine solche Verantwortung, die der Job mit sich bringt, noch tragen will.

Mister Spock verbringt seinen Urlaub auf Vulkan, wo er nicht nur seine Eltern trifft, sondern auch in das Kolinahr-Kloster zurückkehrt, um dort zu deklarieren, dass dieses Ritual, durch das man sich sämtlicher Emotionen entledigen kann, nicht für ihn geschaffen ist.

Und schließlich begleitet der Roman auch noch Hikaru Sulu nach San Francisco, wo Monate vor dem eigentlichen Termin bei Sulus Lebensgefährtin die Wehen eingesetzt haben. Dank hochentwickelter medizinischer Technologie geht es Mutter und Tochter zwar nach der Geburt sehr gut, doch Sulu wird auch noch von der Sorge geplagt, welche Art von Vater er sein kann, denn an seiner Beteiligung an der nächsten 5-Jahres-Mission lässt sich nichts ändern. Und es scheint auch niemand Interesse daran zu haben, etwas daran ändern zu wollen.

Fazit: Der Titel „Shadow of the Machine“ bezieht sich nur auf die Zeit, in der dieser Roman angesiedelt ist. Es gab in den letzten Jahren nur sehr wenige Star Trek-Romane, die die TOS-Movie-Ära behandelt haben und kaum welche, die rund um die Ereignisse des allerersten Kinofilms angesiedelt waren. Eine sehr lesenswerte Ausnahme ist der Roman „Ex Machina“ von Christopher L. Bennett. Doch im Gegensatz zu diesem spielen die Besonderheiten dieses Zeitabschnitts in „Shadow of the Machine“ keine Rolle. Vielmehr stehen die Personen im Mittelpunkt und sehr persönliche Fragen, die sie quälen und die Antworten darauf, die sie suchen. Ich nehme nicht so viel vorweg wenn ich bereits verrate, dass sowohl Kirk, Spock als auch Sulu (in etwas geringerem Maße) ihre Antworten finden. Captain Kirk darf dabei sogar ein kleines Abenteuer erleben. Die Kürze der Novelle und die Art der Erzählung bieten nicht viel Raum für Action-Einlagen, aber diese eine lockert doch ganz gut auf, immerhin geschieht nicht allzu viel und auch der Dialoganteil erscheint mir verhältnismäßig gering. Es sind drei sehr introvertierte Geschichten, in denen man den Gedanken der drei Hauptprotagonisten folgt. Wie schon erwähnt sind viele persönliche Sorgen dabei und im Falle von Kirk auch einige Kindheitserinnerungen an seinen Bruder, die von der Rückkehr in sein altes Zuhause geweckt werden.

Während die Urlaubserlebnisse von Kirk und Sulu ungefähr gleich viel Raum erhalten, fand ich es schade, dass ausgerechnet Spocks Reise nach Vulkan etwas weniger Platz erhielt. Vor allem da er sicher an den exotischsten Ort reist und auch eine schöne Erkenntnis am Schluss hat, wenn er meint, er sei aufgrund seiner Abstammung kein halber Vulkanier, sondern mehr als nur Vulkanier.

Bewertung: Das Kurzroman-Format ist für diese Art von Geschichten sehr gut geeignet. Man muss solche persönlichen Lebenskapitel ja nicht immer versuchen, in ein Erlebnis von umfassenderer Wichtigkeit einzubetten. Scott Harrison interessiert sich hier allein für die die Charaktere, die er gut trifft und deren Probleme er mit Fingerspitzengefühl erläutert und dem Leser näher bringt. Kein überragender Roman, aber ideal um mal zwischendurch gelesen zu werden. 4 von 6 Sterne! 

4stars

Anmerkung:

Die_Tochter_des_CaptainWährend Inhalte jüngerer Romane verlagsintern ganz gut aufeinander abgestimmt sind, sind Autoren heutzutage nicht mehr an Geschehnisse gebunden, die in älteren Star Trek-Romanen vor der Jahrtausendwende beschrieben wurden. Bestenfalls gibt es noch kleine Anspielungen und eine solche findet man auch in „Shadow of the Machine“.

Bereits der in den 1990er-Jahren erschienenen Roman „Die Tochter des Captain“ – der übrigens wirklich sehr empfehlenswert ist! – beschäftigte sich intensiv mit Sulus Vaterschaft. „Shadow of the Machine“ ist mit diesem älteren Roman völlig inkompatibel. Dennoch wurde der Name von jener Frau, die Sulus Tochter Demora zur Welt brachte, von Scott Harrison in seine Novelle übernommen.

30 Jahre The Next Generation !

Nur wenige Tage nach dem Start einer brandneuen Star Trek-Serie feiert eine andere ihr 30jähriges Jubiläum! Am 28. September 1987 wurde der Pilotfilm von „Star Trek – The Next Generation“ in den USA ausgestrahlt. Anlässlich dieses Jubiläums folgt nun eine kleine Übersicht ausgewählter Artikeln meines Blogs, in denen es um die zweite Live-Action-Serie des Star Trek-Franchise geht, die es zwischen 1987 und 2002 auf 7 Serienstaffeln und 4 Kinofilme gebracht hat:

„The Buried Age“ (Roman-Rezension)
Ein sehr gelungenes Prequel zu „The Next Generation“ bildet dieser Roman von Christopher L. Bennett, den ich bereits vor ein paar Jahren rezensiert habe. In diesem Roman erfahren wir, welche Abenteuer Jean-Luc Picard in den Jahren zwischen dem Verlust der U.S.S. Stargazer und dem Antritt seines Kommandos an Bord der U.S.S. Enterprise NCC-1701-D erlebt hat und wie er seine neue Führungscrew und andere Weggefährten kennenlernte.

„Der Mächtige“/“Mission Farpoint“ (Pilotfilm-Review)
Aus Anlass des Starts von „Discovery“ habe ich in diesem Jahr damit begonnen, auch all die anderen Pilotfilme der Star Trek-Serie zu rezensieren. In meiner Blog-Rubrik „Star Trek Film-Reviews“ findet ihr auch die Links zu meinen Kinofilm-Reviews der 4 Leinwandauftritte der TNG-Crew und natürlich noch einiges mehr.

„Im Bann des Wolfs“ (Comic-Rezension)
Der deutsche Dino-Verlag hat nicht sehr viele Star Trek-Comics herausgebracht, aber darunter fand sich auch diese sehr interessante Geschichte, die Commander Datas Vorliebe für Sherlock Holmes-Holodeckszenarien mit der Wiederkehr von Jack the Ripper aus der TOS-Episode „Der Wolf im Schafspelz“ verknüpft.

„The Next Generation Sketchbook“ (Sachbuch-Rezension)
Ich habe viele Sachbücher rezensiert, in denen es mitunter auch um „The Next Generation“ ging. In diesem hervorragenden Sketchbook geht es aber ganz allein um die Designarbeit zum 7. und 8. Kinofilm – „Treffen der Generationen“ und „Der Erste Kontakt“. Als ein ganz allgemeines Making-of-Buch, das vor allem für Einsteiger in die Serie geeignet ist, wäre noch „The Next Generation 365“ zu erwähnen.

„Where the End begins“ (Fan-Fiction-Roman)
Nur einer meiner Romane ist in der TNG-Ära angesiedelt: „Where the End begins“ ist dabei ein Crossover von „The Next Generation“ und „Voyager“, zeitlich angesiedelt rund um die Ereignisse des letzten TNG-Kinofilms „Nemesis“.

„The Next Generation“ ist auf meinem Blog im Vergleich zu „Enterprise“ und „The Original Series“ vielleicht nicht dermaßen stark vertreten, aber neben diesen vorgestellten Artikeln gibt es hier doch noch einiges mehr zu jener Star Trek-Serie, die das Franchise während des Übergangs von den 80ern in die 90er-Jahre symbolisiert.

Ich wünsche euch noch viel Vergnügen beim Lesen und schließe diesen Artikel wie auch schon meinen letztjährigen zum 50jährigen Star Trek-Jubiläum mit einem Werk von Dusty Abell ab.

Pilotfilm-Review: „Star Trek : Discovery – Das vulkanische Hallo/Kampf beim Doppelstern“

Gestern war es endlich soweit: Nach zwei Verschiebungen (ursprünglich waren Starttermine im Jänner und dann im Mai geplant) gingen die ersten beiden Episoden von „Star Trek – Discovery“ gestern auf Netflix online. Zwar präsentiert man uns den Serienauftakt als zwei getrennte Episoden – Auftaktfolgen in Spielfilmlänge scheinen heutzutage leider out zu sein – aber die beiden Episoden gehen direkt ineinander über, weshalb ich sie gemeinsam als Pilotfilm rezensiere.

Handlung: Wir schreiben das Jahr 2256 – zehn Jahre vor den Abenteuern von Captain Kirk & Co in der klassischen Star Trek Serie. Der Klingonen T’Kuvma hält vor seinen Anhängern eine Rede, in der er die sich bekriegenden 24 Häuser des Klingonischen Imperiums anprangert und die Bedrohung der klingonischen Lebensweise durch die Vereinigte Föderation der Planeten betont. T’Kuvma ist entschlossen, das Imperium wie einst Kahless erneut gegen einen gemeinsamen Feind in die Schlacht zu führen.

Zwei Repräsentanten diese „Feindes“ sind in der Zwischenzeit auf einem Wüstenplaneten in einer wohltätigen Mission unterwegs: Sternenflotten-Captain Philippa Georgiou und ihre Erste Offizierin Michael Burnham suchen eine Siedlung des einheimischen Volkes auf, um dort einen Brunnen zu revitalisieren. Es gelingt und nach einer kurzen Wanderung durch die Wüste, in der wir erfahren, dass Burnham seit 7 Jahren unter Georgiou dient und nach Meinung des Captains reif für ein eigenes Kommando ist, werden sie von ihrem Schiff – der U.S.S. Shenzhou – vor einem nahenden Sandsturm gerettet.

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Captain Georgiou und Commander Burnham sichern auf einer Wüstenwelt das Überleben der Crepusculaner.

Die nächste Mission führt die Shenzhou an den Randbereich der Föderation, in ein binäres Sonnensystem, wo ein dort stationiertes Kommunikations-Relais aus unerklärlichen Gründen Schaden genommen hat. Und dies vermutlich nicht zufällig. Denn ganz in der Nähe, zwischen Asteroidentrümmern versteckt, entdeckt Wissenschaftsoffizier Saru ein nicht identifizierbares Objekt künstlichen Ursprungs. In einem mit Jetpack ausgestatteten Raumanzug unternimmt Commander Burnham eine Erkundungsmission zum Objekt, das sich als uraltes Artefakt entpuppt – und sieht sich kurz nach dem Aufsetzen auf dessen Hülle sogleich mit einem klingonischen Krieger konfrontiert.

Burnham gelingt es mit Glück den Krieger zu töten und kann selbst gerade noch rechtzeitig von der Shenzhou wieder an Bord geholt werden, um vor den Klingonen zu warnen, die sich kurz darauf wie aus dem Nichts vor dem Bug der Shenzhou in Form eines gewaltigen Raumschiffs manifestieren – T’Kuvmas Flaggschiff. Doch T’Kuvma zeigt kein Interesse daran, mit dem Sternenflottenschiff in Kontakt zu treten. Stattdessen geht es ihm vielmehr darum, das Artefakt – ein Leuchtfeuer – zu aktivieren, das daraufhin nicht nur grelles Licht aussendet, sondern auch ein Funksignal. Burnham vermutet, dass die Klingonen damit Verstärkung rufen, doch in Wahrheit geht es T’Kuvma um weitaus mehr: Mit der Aktivierung des uralten Objekts ruft er die Führer der 24 dominanten Häuser des Klingonischen Imperiums herbei, um sie unter seiner Führung zu einen. Burnham will nicht bis zu deren Ankunft warten und nach kurzer privater Konsultation mit Botschafter Sarek – ihrem Ziehvater, der sie einst aufnahm nachdem Burnhams Eltern bei einem klingonischen Angriff ums Leben gekommen waren – empfiehlt sie ihrem Captain, ein „vulkanisches Hallo“ zu senden: sich Respekt zu verschaffen, indem man den ersten Schuss abgibt. Doch Georgiou ist strikt dagegen, das Credo der Sternenflotte – „Wir kommen in Frieden“ – zu missachten und wirft Burnham vor, nur deshalb für diese aggressiv-logische Vorgehensweise zu sein, weil sie einen Groll gegen die Klingonen hege. Georgious Weigerung treibt Burnham bis zum Äußersten: Meuterei! Doch Burnhams Versuch, T’Kuvmas Schiff anzugreifen, wird von der Crew der Shenzhou unterbunden. Georgiou erlangt ihr Kommando zurück … nur um sich kurz darauf einer Armada aus 24 weiteren ankommenden Klingonen-Schiffen gegenüberzusehen.

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Captain Georgiou holt sich ihr Kommando zurück mit einem Phaser in der Hand, der auch direkt aus der klassischen Star Trek-Serie stammen könnte. Die Sternenflotten-Requisiten sind in dieser Hinsicht sehr gelungen. Die inflationär eingesetzten Touch-Eingabeflächen auf der U.S.S. Shenzhou weniger.

Fazit: Meine sehr umfangreiche Zusammenfassung der Handlung bezieht sich allein auf die erste Folge „Das vulkanische Hallo“. Insofern könnte man annehmen, dass sich zum Auftakt der Serie ganz schön viel tut. Jedoch ist die meiner Meinung nach größte Schwäche dieser Doppelfolge der Umstand, dass die Handlung örtlich sehr statisch ist. Die Einführung von Burnham und Georgiou auf dem Wüstenplaneten ist noch sehr stimmungsvoll und versprüht ein Abenteuer-Feeling, das der Ära der klassischen „The Original Series“ auch sehr gut zu Gesicht steht. Ähnlich wie der Auftakt von „Star Trek Into Darkness“ sehen wir am Beginn der Folge den Abschluss einer Rettungsmission, wenngleich diese nicht ganz so dramatisch und spektakulär ist – abgesehen vom beeindruckenden Erstauftritt der U.S.S. Shenzhou. Aber schon nach 8 Minuten verlagert sich das Geschehen hin zum binären Sonnensystem und dort bleibt die Handlung bis zum Schluss „stecken“. Die Shenzhou und T’Kuvmas Flaggschiff stehen sich lange einfach gegenüber. Da T’Kuvma nicht auf die Rufe antworten will und Georgiou keine drastischeren Maßnahmen erwägen will, bleibt es lange Zeit dabei. Später in der Geschichte bekommen beide Schiffe Verstärkung, aber am Ende reduziert es sich dann doch wieder auf die Ausgangssituation mit den beiden genannten Raumschiffen.

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Der Auftritt der U.S.S. Shenzhou hinterlässt bleibenden Eindruck. Es handelt sich meiner Meinung nach um ein sehr schönes Schiffsdesign. Diese Effektaufnahme und auch alle anderen CG-Effekte im Pilotfilm sind von sehr hoher Qualität.

Die Zwischenzeit wird natürlich immer genutzt, um uns Michael Burnham, Philippa Georgiou und Saru näherzubringen – dem Triumvirat auf der Shenzhou, das der Personenkonstellation Kirk/Spock/McCoy nachempfunden ist. Auch dieses Triumvirat (das es ja auch im ersten TOS-Prequel „Enterprise“ gab) ist eine gelungene Anlehnung an die klassische Serie. Georgiou gefällt mir von den drei Charakteren eindeutig am besten, auch wenn ihr Handeln lange Zeit etwas zahm wirkt im Gegensatz zu ihren bissigen Kommentaren. Der Kelpianer Saru ist aufgrund seines kulturellen Backgrounds auch sehr auf Zurückhaltung bedacht, aber um keinen Streit mit seinen menschlichen Kollegen verlegen. Allen voran mit der Ersten Offizierin. Michael Burnham merkt man durchaus an, dass sie als der Hauptcharakter der Serie konzipiert ist. Immerhin ist sie es, die als erste aus der Reihe tanzt mit ihrer missglückten Meuterei. Aber ansonsten harmoniert der Charakter auch sehr gut im Rahmen des Triumvirats. Wenn diese drei zusammen in einer Szene sind, herrscht durchaus ein etwas lockerer Unterton, aber insgesamt ist die vermittelte Grundstimmung im Pilotfilm von „Discovery“ doch sehr ernst.

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Georgiou (Michelle Yeoh), Burnham (Sonequa Martin-Green) und Saru (Doug Jones) bilden ein stimmiges Triumvirat in der Führungsriege der U.S.S. Shenzhou. Mit einer – kurzen – Ausnahme bleiben die anderen Besatzungsmitglieder im Hintergrund.

Die Klingonen auf Kriegspfad steuern ebenfalls keinen Humor bei, aber das hat wohl niemand erwartet. 😉 Wobei ihre Aussprache doch für ein wenig unfreiwillige Erheiterung beim Zuseher sorgt. Denn selbst Klingonisch klingt aus ihren Mündern äußerst seltsam. Es mag an den umfangreichen Masken liegen, die die Gesichter der Darsteller bedecken. Das klingonische Make-up im Lauf der Jahrzehnte ist ja ein Kapitel für sich und ich selbst fand immer, dass die ständige Veränderung ihres Aussehens in verschiedenen Epochen den Klingonen eine interessante Vielfalt verlieh. Aber jene Klingonen aus „Discovery“ gehen für meinen Geschmack schon etwas zu weit. Vor allem die verlängerten Hinterköpfe und die Nasenform gefallen mir gar nicht. Ein bisschen Vielfalt sehen wir zwar wenn die Führer der Häuser mit T’Kuvma konferieren, aber im Grunde sehen doch wieder alle gleich aus.

Und damit gelange ich auch schon zu den produktionstechnischen Aspekten des Pilotfilms und der Serie im Allgemeinen. Eines mal ganz klar vorweg: Regisseur David Semel hat es erfolgreich geschafft, den ersten beiden Folgen einen cinematischen Look zu geben. Das breitere 2:1-Bildformat mag ebenfalls helfen, aber mir gefiel der Kameraeinsatz generell. Und auch was sich vor der Kamera befindet, ist von hoher Qualität. Die Sets, die Requisiten, die Kostüme. Mir mag das Make-up nicht zusagen, aber das restliche Klingonen-Design ist wirklich beeindruckend detailreich. Auch die Ausstattung der Sternenflotte kann sich sehen lassen, einige Requisiten wirken sogar wie direkt aus TOS gesogen … was aber für den Rest der Ausstattung nicht gilt. Ich weiß den betriebenen Aufwand der Kreativen wirklich sehr zu schätzen, man sieht die in die Serie reingesteckte Mühe. Nur meinen Vorstellungen eines TOS-Prequels entspricht es leider nicht.

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Das neue Aussehen der Klingonen ist sehr gewöhnungsbedürftig. Wir haben im Lauf der Jahrzehnte schon viele unterschiedlich aussehende Vertreter dieser Spezies erblickt, aber zumindest physisch scheint man – wie man an dieser Versammlung der wichtigsten Häuser sieht – in „Discovery“ einen relativ einheitlichen Look gewählt zu haben.

Ich habe es schon mal erwähnt und wiederhole mich hier bewusst: Die Umsetzung eines Prequels, das nur 10 Jahre vor der klassischen Serie im Prime-Universum angesiedelt ist – und damit sogar nach dem ersten TOS-Pilotfilm „Der Käfig“ spielt – ist einfach ein ungemein schwieriges Unterfangen. Der Look der klassischen Serie ist ikonisch, aber auch nicht gerade zeitgemäß – kein Wunder, immerhin wurde die Serie ja vor 50 Jahren produziert. Dennoch wurde dieses Design für einzelne Folgen in „The Next Generation“, „Deep Space Nine“ und „Enterprise“ penibel rekonstruiert. Was in Form kurzer, nostalgischer Ausflüge funktioniert, funktioniert logischerweise schwerlich als Setting für eine moderne Fernsehserie aus dem Jahr 2017, das ist mir schon klar. Und natürlich sehen wir Captain Pikes U.S.S. Enterprise auch nicht und insofern stehen die Türen für eine gewisse Überarbeitung des Sternenflotten-Looks auf der U.S.S. Shenzhou schon offen. Aber mal abgesehen von den Requisiten – Phaser, Tricorder, Kommunikator und Phaser-Gewehr – erkenne ich in der visuellen Präsentation nicht sehr viel von der TOS-Ästhetik wieder. Inhaltlich mag das insofern teilweise gedeckt sein, da die Shenzhou bereits Ende der 2240er-Jahre als altes Schiff gilt. Insofern haben sich die Macher einen zeitlichen Sicherheitsabstand zur TOS-Ära durchaus in dieser Hinsicht eingeräumt. Aber wäre es nicht sehr viel leichter gewesen, die Serie gleich etwas früher anzusiedeln? Und vielleicht auf die eine oder andere Touchscreen-Bedienfläche zugunsten manueller Bedienelemente zu verzichten? Oder auf den Holo-Kommunikator, bei dem sich ganz augenscheinlich keiner im Produktionsteam Gedanken darüber gemacht hat, wie sich die Szene für den Gesprächspartner darstellt? (Holo-Sarek in Burnhams Quartier und Admiral Anderson auf der Shenzhou-Brücke verhalten sich irrwitzig für Leute, die nicht physisch anwesend sein sollen!)

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T’Kuvmas Schiff (links) soll von äußerst altertümlicher Bauweise sein, doch auch die anderen Häuser nutzen bei ihrem Angriff auf die Shenzhou Schiffe, die nicht gerade wie D7-Kreuzer oder Birds-of-Prey aussehen.  Ausgerechnet T’Kuvmas Schiff ähnelt in seiner Form zumindest noch im Groben bekannten klingonischen Raumschiffen.

Worin anderseits wieder durchaus viele Anspielungen auf die klassische Serie zu erkennen sind, ist die Akustik. Viele Soundeffekte wirken äußerst vertraut. Auch die Musikuntermalung während der Folge ist gut gelungen, auch wenn sie nichts Spezielles ist. Jeff Russos Score traut sich hin und wieder auch in den Vordergrund, aber ein Michael Giacchino ist er leider nicht – was sich besonders in der Titelmelodie niederschlägt. Ich will nicht sagen, dass sie keine Melodie hätte – sie ist lediglich sehr schwer zu merken bzw. wiederzugeben. Das liegt aber nicht daran, dass sie zu komplex wäre, sondern weil sie im Gegenteil viel zu simpel ist. Eine Wiederholung von vier Doppeltönen hintereinander ist da einfach zu wenig. Die Bilder des Intros werden aber ausreichend untermalt. Dessen Stil ist im Grunde so, wie ich es erwartet und sogar erhofft hatte. Nur die Motive finde ich teilweise sonderbar gewählt. Ich denke nicht, dass es die Serie gut repräsentiert. Den Pilotfilm erst recht nicht, denn dafür liegt er Fokus zu stark auf die U.S.S. Discovery … die in den ersten beiden Folgen gar nicht vorkommt. 😉

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Einen Ausblick auf die titelgebende U.S.S. Discovery gibt es nur im stilistisch interessanten Vorspann. In den ersten beiden Folgen der Serie kommt das Schiff noch gar nicht vor.

Bewertung: „Das vulkanische Hallo“ und “Kampf beim Doppelstern“ zu bewerten, fällt mir äußerst schwer. Handwerklich ist dieser aus zwei Folgen zusammengesetzte Pilotfilm 1A inszeniert und produziert. Die Story hat eine gute Portion Abenteuerspirit, vor allem im ersten Teil der Geschichte und passt damit zeitlich auch gut in die unmittelbare Prä-TOS-Ära. Nichts was einen überwältigt und von der erste bis zur letzten Sekunden mitreißt – dafür wird die Handlung zu sehr gestreckt – und auch nicht der ganz große, mutige Paukenschlag am Beginn einer neuen TV-Ära für das Star Trek-Franchise. Aber recht gute Unterhaltung, die Zukunftspotenzial absolut erkennen, aber den Fun-Faktor über weite Strecken vermissen lässt – trotz gutem Zusammenspiel der drei Hauptcharaktere.

Was die Optik angeht, finde ich aber einiges unnötig weit weg von TOS, während es in anderen Produktionsbereichen durchaus gelungene Anlehnungen gibt. Es gab in der nahen Vergangenheit bessere Beispiele, wie man Anknüpfungspunkte zum klassischen Look schaffen kann, ohne an ihn gebunden sein zu müssen. Vielleicht messe ich dem Vorhandensein bzw. Fehlen von TOS-typischen Elementen in einer Serie aus dem Jahr 2017 zu große Bedeutung bei. Anderseits denk ich mir: Wenn man die Serie zeitlich schon so knapp – eigentlichen sogar parallel – zu TOS platziert … darf man da als Zuseher nicht doch noch ein bisschen mehr von TOS in „Discovery“ erwarten? Vielleicht kommt ja noch mehr, aber im einstimmenden Pilotfilm war es mir zu wenig.

Trotzdem will ich den Pilotfilm nicht allein am Design messen. Auch wenn der Grundtenor dieser Rezension negativ klingt, gefiel mir auch vieles von dem, was sich darin abgespielt hat und wie toll es von der Kamera eingefangen wurde. Außerdem ist „Das vulkanische Hallo“/“Kampf beim Doppelstern“ logischerweise der einzige von mir rezensierte Pilotfilm, von dem ich nicht weiß, was ihm folgt. Vielleicht wird noch einiges relativiert, was mich jetzt noch stört. Die Möglichkeiten sind schier unendlich und dass es mir möglich ist, diese Möglichkeiten nach den beiden ersten Folgen von „Discovery“ noch zu erkennen, ist doch sehr positiv. Daher gebe ich wohlwollend 4 von 6 Filmrollen für den Pilotfilm.

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Anmerkungen:

Ich selbst habe schon so einige FanFictions über die Klingonen in der Prä-TOS-Ära verfasst. Ich will nicht spoilern, aber ich fand es ganz witzig, gewisse Ähnlichkeiten zwischen T’Kuvmas Ansinnen und den Ereignissen in meinem Enterprise-Roman „Sailing on Forbidden Seas“ zu erkennen.

Zumindest in technischer Hinsicht habe ich mit „A Decade of Storm“ ins Schwarze getroffen: Wie in meinem Roman setzen auch die Sternenflotten-Schiffe in „Discovery“ zwei Traktorstrahlen gleichzeitig ein, um ein erfasstes Raumschiff zu stabilisieren. Da hatte wohl jemand den gleichen Gedankengang wie ich. 😀

Nachträgliche Anmerkung: In dieser Rezension verwende ich die ursprünglichen deutschen Titel der beiden Folgen, die zusammen den Pilotfilm bilden. Im Zuge der Veröffentlichung und Übersetzung weiterer Episoden änderte Netflix wenige Wochen später aber auch die Titel der beiden ersten Folgen in „Leuchtfeuer“ und „Das Urteil“.

Die Poster am Beginn des Reviews stammen von Trekcore.com.

Rezension: TOS – “Savage Trade”

Wir sind weniger als einen Tag von der großen Netflix-Premiere von „Star Trek – Discovery“ entfernt, aber auch wenn bei mir schon die Spannung auf die neue Serie groß ist, widme ich mich mit diesem Artikel wieder der eigentlichen Kernkompetenz meines Blogs. Und so rezensiere ich heute Tony Daniels zweiten „The Original Series“-Roman (nach „Devil’s Bargain“).

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Am Beginn von „Savage Trade“ ist die Enterprise unter dem Kommando von Captain James T. Kirk unterwegs zu einem abgelegenen Föderationsaußenposten auf dem Planetoiden Zeta Gibraltar. Der Außenposten beantwortet schon seit geraumer Zeit keine Rufe mehr und die Crew der Enterprise erhielt den Auftrag, sich dort umzusehen. Bei ihrer Ankunft findet der Landetrupp zwar keine Spur vom Personal des Außenpostens, jedoch eindeutige Anzeichen eines Überfalls. Im Außenposten sichergestellte DNS lässt darauf schließen, dass L’rah’hane-Piraten – die einst das vermeintlich untergegangen Hradrian-Imperium mit Sklaven versorgten – das Personal von Zeta Gibraltar verschleppt haben. Nach dem Aufspüren der Ionenspur eines fremden Antriebssystems, die direkt in den nahen Vara-Nebel führt, lässt Captain Kirk einen Verfolgungskurs setzen und tatsächlich trifft man schon bald auf eine kleine Piratenschiffflotte, die der Enterprise nichts entgegenzusetzen hat. Auch weil sich einige der Entführten aus ihren Zellen befreien konnten und die L’rah’hane an Bord von deren eigenen Schiffen bekämpfen. Captain Kirk ist höchst dankbar für die Unterstützung, aber er reagiert mit verständlicher Überraschung und Misstrauen darauf, dass es sich bei seinen Mitstreitern um George Washington, Galileo Galilei, Marie Curie, Leonardo da Vinci, Benjamin Franklin, James Watt, Queen Elizabeth die Erste und weitere berühmte Persönlichkeiten der irdischen Geschichte handelt.

Natürlich handelt es sich nicht um die Originale und vor allem der Umstand, dass Kirk zu allererst auf den ehemaligen US-Präsidenten George Washington trifft, lässt den Captain der Enterprise sofort vermuten, dass er es mit Excalbianern zu tun hat. Vor nicht allzu langer Zeit (siehe hierzu die TOS-Episode „The Savage Curtain“/“Seit es Menschen gibt“) haben diese mächtigen Wesen Kirk und seinen Erste Offizier Spock dazu gezwungen, zusammen mit Nachbildungen von Abraham Lincoln und Surak gegen Ebenbilder von Dschingis Khan, Kahless, Zora und General Green zu kämpfen. Die Excalbianern erhofften dadurch mehr über die Prinzipien von Gut und Böse zu erfahren.

Nach der Befreiung des Außenposten-Personals und der Excalbianer in Menschengestalt aus den Händen der L’rah’hane, erfährt die Crew der Enterprise, dass die Excalbianer nach der Abreise von Kirk und Spock mit ihren inszenierten Kämpfen nicht aufgehört haben. Was anfangs als Experiment gedacht war, entwickelte sich zu einem grausamen Zeitvertreib. Doch einige wenige dieser Wesen entwickelten durch das Rollenspiel ein menschliches Gewissen und lehnten sich gegen die Kämpfe auf. Zur Bestrafung wurde ihr menschliches Erscheinungsbild permanent gemacht. Ohne die Möglichkeit noch unter Ihresgleichen leben zu können, flüchteten die rebellischen Excalbianer von ihrer Heimatwelt. Sie fanden die Föderation, die sie nach Zeta Gibraltar schickte, wo sie seither auf die Entscheidung warten, ob ihr Asylantrag akzeptiert wird oder nicht …

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Der Excalbianer in der TOS-Folge „The Savage Curtain“/“Seit es Menschen gibt“ wurde wie einige andere ähnlich aufwändige Kreaturen in der Serie von Janos Prohaska verkörpert, der auch selbst ein paar dieser Ganzkörperkostüme herstellte. Darunter die Horta und den Mugato.

Fazit: Vor allem in diesen Zeiten ist das schwierige Asyl-Thema so aktuell wie wenige andere und insofern trifft Tony Daniel schon einen Nerv, wenn er uns das Dilemma der Excalbianer schildert. Wenngleich sich deren Situation natürlich nicht mit den Gegebenheiten unserer Realität vergleichen lassen. Der Autor hat sich sehr bemüht, das Volk der Excalbianer wesentlich genauer zu beschreiben als es die einzige TV-Folge vermochte, in denen diese Wesen vorkamen. Wenngleich: Um sie zu charakterisieren mixt Tony Daniel Eigenheiten der Talosianer (aus TOS: „Der Käfig“) und der Gründer (aus der Serie „Deep Space Nine“). Bedenkt man wie diese beiden Völker mit Menschen umspringen, ist es verständlich, dass jene Excalbianer in permanenten Menschenkörpern nicht mehr dort bleiben wollten. Anderseits so richtig „menschlich“ sind die Flüchtlinge dann doch nicht. So sind sie durchaus in Erscheinen und ihren Gedanken gebunden an die eingebildeten Persönlichkeiten, die sie darstellen. Trotzdem sind sie Angehörige einer enorm hoch entwickelten außerirdischen Spezies mit erstaunlichen wissenschaftlichen und technischen Kenntnissen und noch einem Rest gestaltwandlerischer Fähigkeit – auch wenn diese nicht ihr eigenes Erscheinungsbild betrifft: Objekte, die sich längere Zeit in der Nähe der Excalbianer befinden, verwandeln sich zu Gegenständen, die zur imitierten Persönlichkeit des jeweiligen Excalbianers passen. Dank dieser Fähigkeit verfügt beispielsweise James Watt über einen schier unendlichen Vorrat an hervorragendem Scotch – sehr zu Montgomery Scotts Freude.

Womit wir bei der Enterprise-Crew wären. Diese definiert sich in „Savage Trade“ vorrangig über ihre Interaktion mit den von ihr verehrten historischen Persönlichkeiten. Ich denke, die Charaktere sind sehr gut getroffen. Jene Begegnung, die McCoy hat, war sogar ein wenig überraschend, im ersten Moment etwas out-of-character, aber im zweiten Moment durchaus stimmig. Neben den Excalbianern gibt es aber noch einen weiteren neuen Charakter – die vulkanische Diplomatin Valek, die nach Zeta Gibraltar geschickt wird, um den Asylantrag der Flüchtlinge zu bearbeiten. Ihre schwierige Vorgeschichte mit Spock und der Umstand, dass es sich bei ihr um einen Protegé von Botschafter Sarek handelt, ist durchaus interessant, wenngleich dies nichts zur eigentlichen Handlung beiträgt. (Aber in Hinblick auf die Hauptfigur von „Discovery“ ist es ganz interessant, denn Michael Burnham und Valek könnten einige Gemeinsamkeiten aufweisen.)

Doch das Herzstück dieses Romans bilden ganz gewiss die Excalbianer, aber ihr Dilemma wird eher philosophisch und theoretisch behandelt und weniger praktisch. Insofern ist die Geschichte sehr dialog- und gedankenlastig und die handlungsorientierten Passagen rund um die Piraten schaffen da keinen beachtenswerten Ausgleich. Für meinen Geschmack schafft es Tony Daniel leider nicht, Spannung zu transportieren. Der Konflikt mit den Piraten ist eine eher öde Angelegenheit und wird auch nicht so recht aufgelöst. So lässt es der Autor offen, ob ein Ableger des Hradrian-Imperiums noch existiert oder nicht. Ich glaube nicht, dass seither dieses Thema jemals wieder in einem anderen Roman aufgegriffen wurde. (Anmerkung: „Savage Trade“ erschien bereits im Jahr 2015.)

Aber nicht nur die Piraten boten Konfliktpotenzial. Auch gegen Ende des Roman taucht eine feindliche Macht auf, die zu bekämpfen es gilt. Wie sie besiegt wird, bleibt jedoch in hohem Maße abstrakt. Und ehrlich gesagt weiß ich nicht, aus welchem Grund Spock und Benjamin Franklin annehmen konnten, dass ihr Plan funktionieren würde. Entweder entging mir hier etwas. Oder dem Leser wurde eine wichtige Information vorenthalten. Angesichts der abstrakten Natur des finalen Lösung tendiere ich eher zu Letzterem.

Bewertung: Wie schon das Erstlingswerk des Autors „Devil’s Bargain“ war auch sein zweiter Roman etwas mühselig zu lesen. Ich glaube nach zwei Romanen kann ich guten Gewissens sagen, dass mir Tony Daniels Stil einfach nicht liegt. Dennoch gefiel mir „Savage Trade“ besser als „Devil’s Bargain“. Es ist ein durchschnittlicher Roman mit einigen interessanten Szenarien und Begegnungen. Die Charaktere sind interessant und aus den Excalbianern hat der Autor doch einiges herausgeholt. Aber spannend war es leider nicht zu lesen. Daniel versucht zwar merkbar Spannung zu erzeugen, aber bei mir kam sie leider nicht an. Daher kann ich bestenfalls 3 von 6 Sterne vergeben.

3stars

Noch 10 Tage …

Der Start der neuen Serie „Star Trek Discovery“ naht, am 25. September erscheint die erste Folge hierzulande auf dem Streaming-Dienst Netflix. Möglichst zeitnah – idealerweise am Tag darauf – werde ich für meinen Blog ein ausführliches Review des Pilotfilms verfassen.

In Hinblick auf die neue Serie habe ich zum Jahresanfang begonnen, auch zu allen anderen Star Trek-Pilotfilmen Reviews zu verfassen, in die ihr zur Einstimmung vielleicht mal reinschauen möchtet. Bis jetzt habe ich die Pilotfilme von „Enterprise“, „The Original Series“ und „The Next Generation“ unter die Lupe genommen.

Jenes Review zu „Discovery“ wird wie erwähnt noch in diesem Monat folgen und den „Deep Space Nine“-Pilotfilm „Der Abgesandte“ möchte ich mir noch vor dem 25-Jahr-Jubiläum im Jänner 2018 vornehmen. Der Voyager-Pilotfilm „Der Fürsorger“ wird diese Review-Reihe abschließen … zumindest bis die nächste Star Trek-Serie herauskommt. 😉

Zur weiteren Einstimmung auf „Discovery“ folgen nun noch zwei Produktionsvideos zur Titelmusik und zu den Requisiten und ausgewählte Promotion-Fotos.

Anmerkung: Falls ihr euch wundert, warum ich der von mir bei so gut wie jeder sich bietenden Gelegenheit gelobten Zeichentrickserie kein Pilotfilm-Review widme, so liegt das nicht daran, dass ich die Serie als non-canon betrachten würde – das Gegenteil ist der Fall, denn es gibt keinen plausiblen Grund (mehr) dafür – sondern weil „The Animated Series“ nur eine Fortsetzung der Abenteuer der klassischen Serie ist mit beinahe dem gleichen Cast, dem gleichen Hauptschauplatz und ohne eine Folge, der die Aufgabe zukommt, diese nochmals genauer vorzustellen.

Rezension: „Star Trek The Klingon Empire – Hidden Universe Travel Guides“

Vor ungefähr einem Jahr rezensierte ich das Buch „Star Trek Vulcan„, das auf bislang einzigartige Weise einen Planeten im Star Trek-Universum vorstellte: nämlich als fiktive Urlaubsdestination. Inzwischen ist auch ein zweiter „Hidden Universe Travel Guide“ erschienen, der dem Lesern interessante Ausflugsziele auf der klingonischen Heimatwelt Kronos und anderen Planeten im Imperium näher bringt.

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An der Struktur und dem Layout hat sich nichts geändert: Erneut schlüpft der vor allem für seine Romane bekannte Star Trek-Autor Dayton Ward in die Rolle des Reiseführers, der uns zuerst historisch und geschichtlich Relevantes über das klingonische Volk und seine Kultur erzählt, worauf folgend jedes Kapitel einem bestimmten Reiseziel auf Kronos gewidmet ist. Wie gewohnt enthält jedes Kapitel eine Übersichtskarte, Erläuterungen zur Bedeutung der entsprechenden Region, eine (manchmal bebilderte) Beschreibung der Sehenswürdigkeiten, der Veranstaltungen, Einkaufsmöglichkeiten, Hotels und Kulinarik. Auch kommt wieder in jedem Kapitel eine prominente Persönlichkeit (Worf, Gorkon, B’Elanna Torres, Martok, Azetbur, Korrd) zu Wort, die über ihren eigenen Bezug zur vorgestellten Region plaudert. Neu sind die sogenannten „Side Trips“. Vier der Kapitel enthalten Anhänge, in denen in gestraffter Form auch Ausflugsziele auf anderen klingonischen Planeten vorgestellt werden. Folgende Orte werden genauer vorgestellt:

  • Die Erste Stadt
  • Die zentralen Ebenen (+ Side Trip Khitomer)
  • Krennla (+ Side Trip Rura Penthe)
  • Ketha-Provinz (+ Side Trip Narendra III)
  • Quin’lat (+ Side Trip Boreth)
  • Tong Vey 

Diese „Side Trips“ machen durchaus Sinn. Immerhin haben wir in den Serien und Filmen so einige Planeten gesehen, die sich die Klingonen untertan gemacht haben. Die Vulkanier haben da weniger Planeten vorzuweisen. Außerdem bot die Einbindung dieser „Side Trips“ einen guten Vorwand, diesen Reiseführer „The Klingon Empire“ zu nennen. Ein Titel, der sicher mehr Aufmerksamkeit weckt als „Kronos“.

Livio Ramondelli und Peter Markowski steuern wie schon beim Vulkan-Reiseführer hübsche Zeichnungen in ihrem typischen Stil bei, die den Text immer wieder auflockern. Und diese Auflockerung hat dieses Buch absolut nötig …

Fazit: Was den Vulkan-Reiseführer für mich so interessant machte, war vor allem der Umstand, dass er sich viele Freiheiten nahm und es dem Autor meiner Meinung nach sehr gut gelang, ein dem ersten Eindruck nach monotones Volk und eine öde Wüstenwelt sehr differenziert vorzustellen. Es wurden wirklich viele interessante Gegenden beschrieben und mehr als einmal hervorgehoben, dass der typische Durchschnitts-Vulkanier gar nicht in dem Ausmaß konservativ ist, wie man meinen konnte.

Daher hat es mich völlig überrascht, wie eintönig Dayton Ward die klingonische Heimatwelt und die Klingonen beschrieben hat. Sicher, einige Bauwerke und Landschaften sind einzigartig, aber insgesamt macht es keinen großen Unterschied, wo man sich aufhält. Alles wirkt klimatisch gemäßigt und was man in der jeweiligen Gegend vorfindet ist erwartbar: Es scheint überall Überreste „wichtiger“ Schlachten zu geben, überall die typischen Saufgelage und Exzesse, Geschichtserzählungen, Gesänge, rohes bis lebendes Essen und Unterbringungen in den Kategorien „Erträglich“ und „Klingonisch“. Man muss leider festhalten, dass der Autor den Klingonen-Klischees in die Falle gegangen ist, anstatt aus diesem Kriegervolk etwas Ausbaufähigeres zu machen. Was Vielfältigkeit und Individualität angeht, hätten die Klingonen meiner Meinung nach sehr viel größeres Potenzial gehabt als die Vulkanier. Daher enttäuscht es mich doch sehr, dass Dayton Ward nur bereits ausgetrampelte Pfade betreten hat.

Und auch was die Zeichnungen in diesem Buch angeht, muss ich hart ins Gericht gehen. Es war im Vulkan-Reiseführer schon ein gewisses Manko, dass die Zeichnungen eigentlich immer nur jenen beschriebenen Sehenswürdigkeiten galten, die visuell nicht so besonders waren, während faszinierende Bauwerke und Landschaften ohne Darstellung auskommen mussten. Im Kronos-Reiseführer ist es aber auffallend umgekehrt: Zumindest die einleitenden Doppelseiten zeigen mitunter spektakuläre Szenarien, auf die der triste Texte überhaupt nicht eingeht. Und auch zwischen den Zeichnungen und den Landkarten gibt es sonderbare Diskrepanzen. In keinem Kapitel wird dies augenscheinlicher als bei der Vorstellung der am Meer gelegenen Stadt Quin’lat. Die doppelseitige Zeichnung stellt stimmungsvoll bei Nacht eine gut 100 Meter hohe Mauer am Ufer dar, ein kleines Dorf an der Außenseite auf Stegen und hinter der Mauer eine gewaltige Metropole. Der Text? Der beschreibt nur eine Burg inmitten der Stadt mit einer mickrigen 10 Meter hohen Mauer und verliert kein Wort über eine beeindruckende Wehranlage am Ufer.

Im Vulkan-Reiseführer habe ich auch den durch den Text vermittelten Humor gelobt und Anspielungen auf andere Figuren und Begebenheiten im Star Trek-Universum. Letzteres sucht man in dieser Art im Kronos-Reiseführer vergeblich. Und humorvolle Stellen muss man mit der Lupe suchen, um sie ausfindig zu machen. Am witzigsten sind ein hilfreicher Ratschlag zum Aufenthalt auf Rura Penthe und die Vermischung von Alltagsphrasen und Schlachtrufen in der Einleitung zur klingonischen Sprache.

Bewertung: Ich glaube nicht, dass meine Erwartungshaltung nach dem mehr als gelungenen Reiseführer zum Planeten Vulkan zu hoch angesetzt war. Dayton Ward hat mit seinem ersten „Hidden Universe“-Buch eine tolle Leistung vollbracht, aus den Vulkaniern eine schillernde Zivilisation zu machen. Jene der Klingonen wirkt im Reiseführer genauso geklont wie der erste Imperator Kahless. Einfach nur zusammengesetzt aus den Krieger-Anekdoten, die in den Serien des 24. Jahrhunderts mehr als ausreichend breitgetreten wurden. Nur weil mir das Layout und einige der Zeichnungen sehr gut gefielen, gebe ich 2 Sterne.

2stars

Rezension: TNG – “Die Jarada”

Zu meinen Rezensionen älterer Star Trek-Bücher gesellt sich diesmal ein „The Next Generation“-Roman aus dem Jahre 1992 (deutsche Erstveröffentlichung 1995) namens „Die Jarada“. Da ich mir ja erst kürzlich die TV-Serie angesehen hatte, wurde ich wieder einmal auf dieses mysteriöse insektoide Volk aufmerksam, das man zwar nie gesehen hat, aber in der Staffel-1-Folge „Der große Abschied“ eine zentrale Rolle spielt und in der Staffel-2-Folge „Das Herz eines Captains“ in Sachen Bedrohlichkeit in einem Atemzug mit den Romulanern genannt wird. Ich fand es schade, dass man in den späteren Staffeln und Spin-offs auf die Jarada vergessen hat, weshalb ich kürzlich diesen Roman von Autorin V.E. Mitchell auf meine Leseliste gesetzt habe.

Reziant_Logo_Insekten_kDass dieser Roman derart rasch an die Spitze meiner Leseliste geklettert ist, liegt aber vor allem am Themenschwerpunkt „Insekten, der auf Daniela Walchs sehr empfehlenswerten „Buchvogel“-Blog im September 2017 im Mittelpunkt steht. Mit der folgenden Rezension und einem kleinen Überblick über insektoide Völker im Star Trek-Universum leiste ich gerne einen kleinen Beitrag zu dieser besonderen Aktion.

Nun aber zuerst mal zur Handlung des Romans: Die Jarada wurden in der TV-Serie als äußerst aggressives Volk dargestellt, das mitunter extrem reagiert, wenn man sich nicht an deren Protokolle hält. Diplomatische Beziehungen zu ihnen aufzubauen erwies sich daher bislang als äußerst schwierig, wenngleich es Captain Picard in „Der große Abschied“ gelang, eine erste Brücke zu schlagen, indem er Grußworte in der Sprache der Jarada artikulierte. Seitdem ist es um die Jarada ruhig geworden, umso überraschender kommt drei Jahre später die Einladung des auf Beltaxiya Minor beheimateten Jarada-Schwarms, eine Delegation von der Enterprise zu empfangen und Verhandlungen über eine zukünftig engere Zusammenarbeit bis hin zum Föderationsbeitritt zu führen.

Von Anfang an klingt das Angebot zu gut um wahr zu sein, zumal die erste Zusammenkunft auf Beltaxiya schon beinahe verdächtig reibungslos abläuft und sich die Gastgeber als sehr entgegenkommend erweisen. Gerade deshalb reagieren Captain Picard und seine Führungscrew misstrauisch, als der Ältestenrat der Jarada darum bittet, einige Mitglieder der Enterprise-Crew mögen doch jaradische Institute zu ihren Fachrichtungen aufsuchen und sich mit ihren Kollegen dort austauschen. Niemandem behagt es, das Außenteam aufzuteilen, doch da ihnen die Jarada bislang keinen Grund gaben an ihrer Aufrichtigkeit zu zweifeln, willigt Captain Picard ein. Doktor Crusher wird daraufhin zu einem medizinischen Forschungslabor chauffiert, Commander Riker darf mit einem Jarada-Orchester musizieren, Lieutenant Worf nimmt an einem Kampftraining der Schwarmhüter teil und Chief O’Briens frisch angetraute Ehefrau Keiko und Fähnrich Tanaka sollen auf einer Exkursion die Botanik Beltaxiya Minors kennenlernen. Jeder dieser Ausflüge beginnt recht entspannt und harmlos, aber schon bald stellt sich heraus, dass ihre Gastgeber nicht völlig ehrlich waren und ein wichtiges Detail verschwiegen haben: Eine wahnhafte, Gewaltausbrüche verursachende Epidemie geht unter den Jarada um und für die Mitglieder des Außenteams beginnt ein Kampf ums Überleben!

Fazit: Der Roman von V.E. Mitchell lässt sich sehr gut in zwei Hälften unterteilen. In der ersten Hälfte stehen die Jarada und ihre Koloniewelt im Mittelpunkt. Aus der Perspektive der Enterprise-Crew erlebt man diesen ersten echten Kontakt mit dieser ungewöhnlichen Spezies, die auch sehr detailreich beschrieben wird. Von den Jarada kann man sich in Gedanken wirklich ein sehr gutes Bild machen, auch weil sie als aufrecht gehende Insekten sehr große Ähnlichkeit mit den Xindi-Insektoiden aufweisen, die später in „Enterprise“ vorkamen. (Mit dem Unterschied, dass die Jarada acht statt vier Gliedmaßen aufweisen, wenngleich diese wiederum gepaart sind. Zudem weisen die Jarada farblich eine große Vielfalt auf und sind im Durchschnitt kleiner als Menschen.) Was die Beschreibung der Umgebung und vor allem der Bauwerke angeht, bevorzugen es die Jarada zwar verwinkelt und verworren und sie orientieren sich auch hauptsächlich über den Geruchssinn. Aber die Gebäude selbst und ihre Einrichtung wirken nicht allzu fremdartig. Hier hätte die Autorin ruhig etwas ausschweifender werden können. Ungefähr so ausschweifend wie bei der Enterprise-Besatzung. 😉

Zugegeben: Dass sich die Crew der Enterprise recht „volkstümlich“ ausdrück liegt ziemlich sicher an der Übersetzung des Romans. Der Übersetzer hat die Stimmen der Charaktere leider nur in Ausnahmefällen getroffen. Aber auch V.E. Mitchell hat sich hier und da recht weit aus dem Fenster gelehnt. Die TNG-Crew lässt sich meiner Meinung nach als recht „moderat“ bezeichnen. Insofern sind die Gefühlsausbrüche, die Mitchell den Charakteren hier zuschreibt, schon ganz schön extrem. Angesichts der beschriebenen Gereiztheit, Wut und sogar Verachtung könnte man meinen, die Autorin habe vergessen, dass der von ihr beschriebene Wahnsinn ausschließlich die Jarada befällt. 😉 Sicher, in der zweiten Hälfte des Romans lässt sie das Außenteam ganz schön viel mitmachen; getrennt voneinander kämpfen sie um ihr Leben. Aber trotzdem wirken die Charaktere überzeichnet. Zumindest nach den Maßstäben, die die TV-Serie gesetzt hat.

Besonders daneben empfand ich die von Eifersucht und kulturellen Missverständnissen geprägte Nebenhandlung rund um Transporter-Chief O’Brien und Keiko. Mir ist klar, dass zu jener Zeit, als der Roman verfasst wurde, Keiko erst wenige Auftritte absolviert hatte und es durchaus nachvollziehbar ist, dass die Autorin ihr andichtet, eine Offizierin im Rang eines Fähnrichs zu sein, während spätestens „Deep Space Nine“ ihren Zivilistenstatus unterstreicht. Aber abgesehen vom Professionellen ist die Darstellung von Keikos und Miles‘ Ehe … schräg. Ein besseres Wort fällt mir gerade nicht ein. Es gibt ja durchaus in der TV-Folge „Der Rachefeldzug“ – Keikos zweitem Auftritt – die prüde Andeutung, die beiden hätten vor ihrer Hochzeit nie miteinander gefrühstückt. Aber in diesem Roman wirkt es, als würden sie wirklich gar nichts voneinander wissen, obwohl in dieser Geschichte selbst festlegt wird, die beiden hätten sich vor einem halben Jahr kennengelernt. Kurz zusammengefasst: Die beiden Ehepartner sind in diesem Roman nur schwer zu ertragen.

À propos „zusammengefasst“: Etwas, das man sehr häufig bei älteren Star Trek-Romanen vorfindet, gibt es auch gegen Ende dieses Romans. Nämlich eine ausgedehnte Besprechung, in der das Erlebte und seine Bedeutung nochmals zusammengefasst wird. Es scheint, als hätten die Autoren damals den Lesern nicht zugetraut, über den Roman verteilte Informationen im Kopf zu behalten und selbst die Zusammenhänge zu erkennen. Anderseits möchte ich doch anmerken, dass diese Passage in „Die Jarada“ vergleichsweise kurz ausfällt, was aber auch daran liegt, dass das zu lösende „Rätsel“ rund um den Wahn, der die Jarada befällt, sich als nicht allzu kompliziert erweist. Der Großteil des Romans befasst sich eher mit der Frage, welches Rätsel es überhaupt auf Beltaxiya Minor gibt. Es zu lösen bedarf danach nur wenige Seiten.

Bewertung: Speziell die deutsche Übersetzung des Romans empfinde ich als nicht besonders empfehlenswert aufgrund der vielen ungewöhnlichen Floskeln und Worte, die die TNG-Charaktere meiner Meinung nach nie in den Mund genommen hätten. Aber auch die Geschichte selbst ist nicht gerade herausragend. Zuerst gelingt es der Autorin zwar durchaus Interesse für die Jarada und ihre Koloniewelt zu wecken, aber da wäre sogar noch mehr möglich gewesen. Der folgende Überlebenskampf des Außenteams ist dann etwas zäh zu lesen, mit leichten Abwandlungen erleben alle Mitglieder des aufgesplitteten Teams an unterschiedlichen Orten mehr oder weniger das gleiche. Mehr als 2 Sterne kann ich leider nicht vergeben, auch wenn die Geschichte zumindest meine Erwartung erfüllt hat, die Jarada-Spezies und ihre Kultur etwas genauer zu beleuchten.

2stars

Insektoide Spezies im Star Trek-Universum:

where_silence_has_lease_hd_031Auf menschenähnliche Spezies trifft man in den Star Trek-Serien und -Filmen ja ständig. Dass man physiologisch ungewöhnlichere Völker wie Insektoide nur selten sieht, hat vermutlich nur einen Grund: Sie lassen sich weitaus schwerer von menschlichen Schauspielern darstellen, was wohl auch der Grund war, warum man die Jarada niemals gesehen hat. 😉 Insekten zeichnen sich generell durch einen sehr segmentierten Körperbau aus, weshalb beispielsweise jenes insektoide Wesen, gegen das Lieutenant Worf in einem seiner Holodeck-Trainingsprogramme zum Kampf antritt, auch wie ein kostümierter Stuntman aussieht. Es verwundert daher nicht, dass man Insektoide im Star Trek-Universum vor allem in „The Animated Series“ und „Enterprise“ zu sehen bekommen.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Als Zeichentrickserie konnte „The Animated Series“ problemlos ohne größeren Aufwand neue Spezies in Form von Reptilien, Insekten, Weichtieren und sogar Pflanzenwesen einführen. Und in der ab 2001 produzierten Serie „Enterprise“ war die CG-Technik schon so weit entwickelt, um ganz ansehnliche computer-generierte Kreaturen zu erschaffen.

 

Während man also über die Jahrzehnte nur selten physisch-insektoide Spezies zu Gesicht bekommt, werden Charakteristika von Insektenstaaten jedoch ganz gerne auf nicht-insektoide Wesen im Star Trek-Universum angewendet. Das prominenteste Beispiel stellen hier sicher die Borg  mit ihrem Schwarmbewusstsein inklusive Königin dar.

Noch einfacher lassen sich insektoide Spezies natürlich in Romanen umsetzen. Worten sind hier keine Grenzen gesetzt und doch fiel mir kürzlich auf, dass in meinen eigenen FanFiction-Romanen Insektoide keine nennenswerte Rolle spielen. Lediglich in einem Kapitel von „A Decade of Storm“ habe ich aus den in „The Next Generation“ nur namentlich erwähnten Barolianern Ameisen-ähnliche Wesen gemacht. Und in jenem Roman, den ich derzeit verfasse, schreibe ich den Andorianern gewisse insektoide Verhaltensweisen zu. (Dies ist als eine kleine Anspielung meinerseits auf das inzwischen veraltete Sachbuch „Die Welten der Föderation“ zu verstehen, in dem Andorianer aufgrund ihrer Antennen als „humanoide Insekten“ bezeichnet werden.)

Den Abschluss dieses langen Blog-Artikels überlasse ich aber wieder den Xindi-Insektoiden bzw. einem ganz besonders talentierten Exemplar aus der CG-Schmiede von Doug Drexler: