„Rückblog“ Jänner – April 2017

Ich entschuldige mich gleich mal für die Wortkreation in der Überschrift, die mir wirklich ganz spontan eingefallen ist und der ich nicht widerstehen konnte. 😉 Worum geht es in diesem Artikel? Nun, in den ersten vier Monaten dieses Jahres sind auf diesem Blog in verhältnismäßig kurzer Zeit ganz schön viele Artikel zusammengekommen und damit keiner übersehen wird, möchte ich diese für meine Leser nochmal nach Themen sortiert zusammenfassen.

cover_sailing_on_forbidden_seasMein neuer Roman | Im vergangenen Jahr habe ich mit „Sailing on Forbidden Seas“ einen neuen Enterprise-Roman verfasst, dessen Endfassung ich nach Überarbeitung im Februar 2017 veröffentlicht habe. Den Roman könnt ihr in den gängigen ebook-Formaten herunterladen. Und wie zu allen meinen Romanen habe ich auch wieder eine kleine Taschenbuchauflage drucken lassen. Mein nächster Roman ist übrigens auch bereits im Entstehen, allerdings wird es wohl noch eine Weile dauern bis zur Fertigstellung.

Siegercover_Sammelband_klein

sf3dff.de-Forum | Als User in diesem Forum, das sich auf FanFiction- und Grafikerstellungen zu Star Trek und Science-Fiction spezialisiert hat, habe ich mich an zwei Projekten beteiligt. Zum einen habe ich eine Fotomontage zu einem Bildband anlässlich des „1701 Days“ beigetragen. Zum anderen verfasste ich zwei Kurzgeschichten für den FanFiction-Sammelband anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums von Star Trek. Diesen Sammelband habe ich auch gelayoutet und ebook-Formate erstellt.

Promo_TOS

Star Trek-Pilotfilm-Reviews | In diesem Jahr soll mit „Discovery“ eine neue Star Trek-Serie starten. Dies habe ich zum Anlass genommen, die Pilotfilme/Pilotfolgen der bisherigen Serien zu rezensieren, ähnlich wie ich es 2013 mit den Kinofilmen getan habe. Bis jetzt habe ich auf „Aufbruch ins Unbekannte“ (ETP), „Der Käfig“ und „Spitze des Eisbergs“ (TOS) einen genauen Blick geworfen.

the-face-of-the-unknownStar Trek-Roman-Rezensionen | 2017 habe ich auch  bereits zwei Romane zu klassischen Star Trek-Serie rezensiert. Zum einen den brandneuen Roman von Christopher L. Bennett „The Face of the Unknown“, der auf den Geschehnissen der TOS-Folge „Pokerspiele“ aufbaut und die Story rund um die Erste Föderation enorm erweitert. Außerdem las ich „Mord an der Vulkan-Akademie“, einen Roman aus den 80er-Jahren von Jean Lorrah, der eine frühe Interpretation der Vulkanier und ihres Planeten liefert.

stbeyond_makingof_collectorStar Trek-Sachbuch-Rezensionen | Schon länger lag „The official Guide to our Universe“ bei mir rum und kürzlich fand ich endlich Zeit, dieses Buch zu lesen. Interessanter fand ich den Blick hinter die Kulissen des neueste Films. „Star Trek Beyond – Collector’s Edition“ ist ein sehr gutes Making-of-Buch. Und ein kleines Büchlein von „Running Press“ mit einer Miniatur des klassischen Kommunikators habe ich mir ebenfalls zugelegt und beides rezensiert.

Boldly_Go_5Star Trek-Comic-Rezensionen | Zwar habe ich einige Ausgaben der „Ongoing“-Reihe übersprungen, aber mit der Nachfolgeserie „Boldly go“ (setzt inhaltlich nach dem Hauptereignissen von „Beyond“ an) habe ich erneut damit begonnen, auch Comics zu rezensieren. Bislang habe ich den eröffnenden Vierteiler, sowie die One-Shot-Veröffentlichungen einer großartigen Jaylah-Story und einer schwächeren Sulu-Story gelesen. Bevor ich weitermache, möchte ich demnächst die fünfteilige Miniserie „Starfleet Academy“ nachholen.

reacher_personalJack Reacher-Roman-Rezensionen | Da mir der erste Jack-Reacher-Film sehr gut gefallen hatte, habe ich Anfang 2014 damit begonnen, sämtliche Romane von Lee Child über diesen Charakter zu lesen und dieses Ziel 2017 erreicht. Seit Jänner habe ich den 19. Roman („Personal“), den 20. Roman („Make me“) und den 21. Roman („Night School“) gelesen. Da diese Romanreihe inzwischen deutlich schwächelt, bin ich doch erleichtert, endlich mit den Geschichten durch zu sein.

hatch

Die letzte Grenze | Leider hat auch die Rubrik „Die letzte Grenze …“ in diesem Jahr eine Ergänzung erhalten: Science-Fiction-Fans war Schauspieler Richard Hatch vor allem durch seine Rollen in den beiden Galactica-Serien bekannt (als Viper-Piloten Apollo und in der Neuinterpretation als Tom Zarek). Am 7. Februar 2017 verstarb Richard Hatch an den Folgen einer Krebserkrankung.

Rezension: Star Trek – The official Guide to our Universe

„Die echte Wissenschaft hinter den Raumschiff-Reisen“ verspricht dieses sehr schön gestaltete Hardcover-Sachbuch der bekannten National Geographic-Gesellschaft. Wissenschaftskolumnist Andrew Fazekas stellt hier das in „Star Trek“ gezeigte mit der Realität oder zumindest dem derzeitigen Wissenstand über Planeten, Nebel, Galaxien, Quasare usw. gegenüber. William Shatner (Captain Kirk) steuert ein kurzes Vorwort bei.

Cover_OfficialGuideST-Universe

Das Buch ist in fünf große Kapitel unterteilt. Kapitel 1 widmet sich dem irdischen Sonnensystem, seinen Planeten, ihren Umlaufbahnen um die Sonne, Monden und Kometen. In Kapitel 2 geht es vorrangig um Planeten außerhalb unseres Sonnensystems und um die Möglichkeit fremden Lebens. Kapitel 3 widmet sich dem Sternenhimmel, den verschiedenen Arten von Sonnen und ihren Lebensphasen. Regelmäßig durchfliegen Raumschiffe in „Star Trek“ verschiedenste Nebel und um dieses Phänomen dreht sich alles im 4. Kapitel, ehe es zum Schluss noch um die verschiedenen Arten von Galaxien und Sternencluster geht.

Der Aufbau des Buches ist recht geschickt, so beginnt jedes Kapitel mit einer generellen Einleitung und geht dann nach und nach auf z.B. Mars, Jupitermonde, Rote Riesen, Supernovae, Emissionsnebel etc. ein, indem zuerst Abenteuer aus den Star Trek-Serien oder  -Filme genauer beschrieben wird, welche Rolle das jeweilige kosmische Objekt darin gespielt hat und welche Eigenschaften ihm zugeschrieben wurde. Auf den folgenden Seiten wird dann wiedergegeben, was die Wissenschaft aktuell darüber weiß. Das ganze Buch ist dabei reich illustriert mit Bildern aus den Serien und Filmen als auch Aufnahmen von Weltraumteleskopen, künstlerischen Interpretationen und aufwändig gestalteten Grafiken zu den verschiedenen Themenbereichen. Eine Sternenkarte nach jedem Abschnitt zeigt, wo Interessierte das beschriebene Objekt oder Vergleichbares am Nachthimmel entdecken können.

Vielleicht als Auflockerung gedacht werden auch immer wieder mal weitere Informationen zum „Star Trek“-Universum eingestreut. Manchmal in Form kleiner Info-Kästen, die die fiktiven Entwicklungen wie den Universalübersetzer, Daten-PADDs, das Beamen, künstliche Intelligenz, Holodecks – mit dem aktuellen Stand der Technik vergleichen und bewerten, wie nahe wir gegenwärtig schon dran sind. Dabei empfand ich den Maßstab, der zu den jeweiligen Einschätzungen führt, allerdings nicht sehr konsistent. Manchmal wurden vage Ähnlichkeiten heutiger Technologie erwähnt, aber als nicht vergleichbar betrachtet, in anderen Fällen als sehr nah dran an dem, was „Star Trek“ gezeigt hat.

Ohne im Zusammenhang mit den eigentlichen Kapitel zu stehen, gibt es auch immer wieder mal Doppelseiten zum „Star Trek“-Universum, die stark bebildert ausgesuchte Raumschiffe, Raumstationen, Außerirdische, Waffensysteme, Kommunikatoren und weiteres kurz vorstellen. Nichts, was einem Fan der Serien und Filme nicht schon bekannt wäre, aber hin und wieder ist mal ein neues hochauflösendes Foto eines Requisits, eines Modells oder einer Maske dabei, das man noch nicht gekannt hat.

Fazit: Nun, an der Aufmachung des Buches gibt es nichts zu bemängeln, es ist gut strukturiert, die erwähnten Einstreuungen von zusätzlichen Infos sind zwar etwas sonderbar platziert, lenken aber nie vom eigentlichen Thema das jeweiligen Kapitels ab, in denen Andrew Fazekas uns das Weltall näher bringt. Doch muss ich gestehen, dass das Buch nicht ganz meine Erwartungen erfüllt hat. Ich habe natürlich nicht erwartet, dass mir als langjähriger Fan etwas Neues über die im Buch erwähnten Filme und Serien erzählt wird. Allerdings hatte ich mir doch ein bisschen Inspiration durch die realwissenschaftlichen Beiträge im Buch erhofft. Diese ist aber weitestgehend ausgeblieben, der Text ist doch sehr nüchtern verfasst und transportiert nicht so recht die Faszination für die Tiefen des Weltraums. Klar, der Informationsgehalt ist durchaus hoch – aber auch hier kommt es auf die Zielgruppe an. Denn hat man einmal drei oder vier Weltraum-Dokumentationen gesehen, erzählt einem das Buch nicht viel Neues.

Zugutehalten kann man dem „Official Guide to our Universe“ jedenfalls, dass er sehr verständlich geschrieben ist. Das Buch ist bislang nur auf Englisch erschienen und wenngleich ich diese Sprache ganz gut beherrsche, ist es doch eine Fremdsprache für mich und vor allem Fachbegriffe – egal aus welcher Fachrichtung – können Text leicht mal unverständlich machen. Das blieb jedoch aus, der Text war mit meinen Englischkenntnissen gut verständlich, ist absolut für Laien geeignet. Aber ob sich ein Laie durch die zwar einfach formulierte aber sehr sachliche Beschreibung unseres Universums faszinieren lässt, ist wiederum eine andere Frage.

Bewertung: Wie es aussieht, muss ich mir auch in Zukunft die exotischen Schauplätze in meinen FanFiction-Romanen selbst ausdenken. 😉 Fazekas Buch hat leider nicht sonderlich viel dazu beigetragen, meine Fantasie anzuregen. Allerdings will ich das Buch deshalb nicht generell schlecht reden: Es ist informativ und wenn man das „Star Trek“-Universum nicht in- und auswendig kennt, noch sich bislang viel mit dem Thema Weltraum an sich auseinandergesetzt hat, bekommt man hier einen Crash-Kurs serviert, der einen an beide Themenbereiche heranführt. Ich kann nicht einschätzen, ob diese relevante Zielgruppe groß ist, daher bewerte ich das Buch hier nur für mich selbst und gebe ihm 3 von 6 Sterne.

3stars

Rezension: Comic – Boldly go #6

Konzentrierte sich die 5. Ausgabe der „Boldly go“-Reihe ganz auf Jaylahs Werdegang, richtet sich der Fokus der Handlung nun wieder auf die Abenteuer von Captain Kirk an Bord der U.S.S. Endeavour. Nach den Ereignissen des vierteiligen Auftakts der Reihe, muss Captain Kirk Ersatz für seine Erste Offizierin Valas finden und bietet Sulu den Posten an, der diesen akzeptiert.

Boldlygo6

Einen Monat später hat sich Sulu bereits an Bord eingelebt und die Endeavour nimmt die Erkundung einer bislang nur als theoretisch angenommen Raumanomalie – eines „weißen Loches“ – vor. Die Crew ist fasziniert von den Möglichkeiten, mehr darüber herauszufinden und bereitet eine Raumsonde vor. Die Vorbereitungen werden jedoch abrupt unterbrochen, als ein Mitglied der Crew – eine Andorianerin namens Hila – Sabotage betreibt. Nach ihrer Gefangennahme behauptet sie lediglich, zum Wohle der Crew gehandelt zu haben, die sich der Gefahr der Anomalie nicht bewusst sei. Da sie nicht preisgeben will, woher sie ihre Informationen hat, beschließt Kirk die Erforschung fortzusetzen, doch schon bald beginnt das Weiße Loch Aktivität zu entfalten, die zwar anfangs nicht gefährlich wirkt, aber angesichts von Hilas Behauptungen doch für Beunruhigung sorgt …

Fazit: Nach dem sehr guten Auftakt-Vierteiler und der meiner Meinung nach großartigen Jaylah-Story liefert die neue „Boldy go“-Reihe in der sechsten Ausgabe die erste deutlich schlechtere Geschichte ab. Die Intention mag zwar gut gemeint gewesen sein: Immerhin werden Kirk & Co hier erstmals „Opfer“ einer Art Obersten Direktive, die sie selbst gegenüber anderen schon angewendet haben. Die Ironie kommt aber nicht so recht zu tragen, was wohl daran liegt, dass der Crew der Endeavour Informationen vorenthalten werden und sie im Grunde nur Beobachter sind, wenn sich Hila auf eigene Faust aufmacht, gegen die durch die Anomalie auftretende Gefahr vorzugehen. In dieser Geschichte agiert Kirk für meinen Geschmack auch etwas zu naiv. Klar, von ihm stammen die Worte „Risiko ist unser Geschäft“, aber nach den ersten Auffälligkeiten wäre ein Rückzug auf eine etwas sicherere Distanz zum Weißen Loch doch angebracht gewesen, wenn man ohnehin eine Sonde hineinschicken will. Dramaturgisch gelingt es nicht so recht, die Bedrohlichkeit der Anomalie darzustellen. Tatsächlich ist es so, dass eigentlich die wahre Gefahr eingedämmt wird, kaum dass sie auftritt.

Geschmackssache ist bestimmt der Zeichenstil von Chris Mooneyham. Ich glaube, „Boldly go #6“ ist sein erster Star Trek-Comic, den er illustrierte und wenngleich er sich bei seinen Interpretationen der Umgebungen nicht sehr weit von den restlichen neueren Star Trek-Comics der neuen Zeitlinie entfernt, sind die Personen doch ein wenig … sonderbar dargestellt. Es hat eine Weile gedauert, bis ich Captain Kirk erkannt habe. 😀

Die Figuren wirken … voluminös, mit breiten Oberkörpern, sehr kräftig. Konturen und Schatten werden durch eine enorm auffällige Schraffur hervorgehoben, das ganze Bild wirkt ein wenig schmutzig. Das ganze erinnert etwas an Frank Millers Batman. Nicht falsch verstehen: Ich liebe Millers „Die Rückkehr des Dunklen Ritters“, aber diesen Stil in einem Star Trek-Comic zu sehen … ist etwas sonderbar. Vor allem da die Star Trek-Charaktere keine Superheldenkostüme tragen und dadurch leicht erkennbar wären. À propos Superhelden: Wenn ich so an den Ausgang der Story denke und wie die Ereignisse illustriert werden, dann hat diese Geschichte doch ein bisschen was von einem Superhelden-Comic. Schwer zu sagen, ob Chris Mooneyham deshalb einen solchen Stil verwendet hat oder ob dies generell seine Art ist. Ich persönlich war mit dem Stil von Tony Shashteen sehr zufrieden, der auch für Ausgabe #7 der Reihe leider nicht zum Zug kam.

Mal sehen, wie sich Megan Levens schlägt, die ebenfalls noch keinen Star Trek-Comic gezeichnet hat und die Zeichnungen zur 7. Ausgabe beisteuern wird. Wie der Epilog von #6 andeutet, scheint in #7 eine Rückkehr nach Romulus bevorzustehen.

Bewertung: Mike Johnson hat uns schon mal aufregendere Abenteuer spendiert. Die Story wirkt ein bisschen wie aus dem Baukasten, ein typisches „Anomalie-der-Woche“-Phänomen, das auch daran leidet, dass die Hauptcharaktere aus der Problemlösung am Schluss mehr oder weniger herausgehalten werden. Im Grunde reduziert es sich darauf, dass Kirk Sulu am Schluss so viel Vertrauen entgegenbringt, in einer kritischen Situation auf ihn zu hören und trotz der Gefahr die Schutzschilde zu senken. Auf dieses persönliche Vertrauen hätte Johnson besser den Fokus der Story gelegt. Die Sache mit der auf die Endeavour-Crew angewendete Oberste Direktive fand ich zu weit hergeholt. Der von diesem Abenteuer unabhängige Epilog macht aber zumindest Lust auf die nächste Ausgabe, deren Zeichnungen mir vielleicht wieder etwas mehr zusagen werden. Für die #6 von „Boldly go“ gebe ich aber nur 2 von 6 Sterne.

2stars

Anmerkung: Das Titelbild von #6 hat nichts mit dem Inhalt der Geschichte zu tun. Eine solche Szene gibt es im Inneren nicht und Dr. McCoy spielt nur eine Nebenrolle.

Rezension: TOS – “Mord an der Vulkan-Akademie”

Wieder mal etwas aus der Klassiker-Kategorie: Jean Lorrahs Roman „Mord an der Vulkan-Akademie“ stammt aus dem Jahre 1984, aber im Gegensatz zu vielen Star Trek-Romanen der 80er-Jahre, war mir dieser bis vor kurzem noch unbekannt und vor allem weil mir der doch sehr plakative Titel aufgefallen war, habe ich ihn nun nachgeholt.

 

Die Geschichte beginnt im Grunde weit entfernt von der im Titel erwähnten Heimatwelt der Vulkanier: Bei einem Geplänkel zwischen der Enterprise und einem klingonischen Schlachtkreuzer wird ein Besatzungsmitglied – Carl Remington – schwer verletzt, er erleidet neurale Schäden, die ihn in einen komatösen Zustand versetzen ohne Aussicht auf Besserung. Während Dr. McCoy ratlos ist, was er noch tun könnte, schlägt ausgerechnet Spock eine neue Stasis-Therapie vor, die an der vulkanischen Akademie der Wissenschaften erstmals an Patienten getestet wird. Spock weiß im Gegensatz zu McCoy von dieser experimentellen und sehr gefährlichen Vorgehensweise, da sie an seiner eigenen Mutter Amanda erstmals angewendet wird.

Da diese Therapie die einzige Chance für Remington ist, wieder ein normales Leben führen zu können, lässt Captain Kirk Kurs auf Vulkan setzen, wo auch die Gefechtsschäden der Enterprise repariert werden können und Kirk, Spock und McCoy die Gastfreundschaft von Amandas Mann Sarek genießen können. Der Urlaub wird jedoch abrupt unterbrochen, als eine von drei in Betrieb befindlichen Stasis-Kammer ausfällt, was den sofortigen Tod der darin behandelten Vulkanierin zufolge hat, die die Ehefrau eines der Wissenschaftler war, der die Therapie zusammen mit einem irdischen Arzt entwickelt hatte. Da allen das Risiko der neuen Behandlungsmethode bewusst war, entsteht erst ein gezielter Mordverdacht, als auch eine zweite Stasis-Kammer ausfällt …

Fazit: Es ist immer interessant, mal zurückzublicken, wie sich Autoren das Star Trek-Universum vorgestellt haben, noch bevor weitere Kinofilme und Hunderte TV-Episoden produziert wurden und neues Canon-Material geliefert haben. „Mord an der Vulkan-Akademie“ bezieht sich dennoch sehr stark auf das, was zum damaligen Zeitpunkt etabliert war. Vor allem natürlich auf die Folgen der klassischen Serie „Weltraumfieber“ und „Reise nach Babel“, auf die Zeichentrickfolge „Das Zeitportal“ als auch auf den damals bereits existierenden erste Star Trek-Kinofilm. Die Autorin zeichnet ein sehr interessantes Bild des Planeten Vulkan und setzt die einzelnen Puzzleteile aus den genannten Referenzwerken sehr gut zu einem atmosphärischen Bild einer fremden Welt zusammen und bei diesem Roman dürfte es sich um den ersten handeln, der die vulkanischen Namen der Planeten dieses Sonnensystems nutzt (die davor in Fan-Kreisen aber schon kursierten).

 

Geht man weiter ins Detail, erscheint einem manches an Vulkan wie hier beschrieben doch etwas sonderbar. Eines vor allem: Es gibt offenbar keinerlei Sicherheits- und Ermittlungbehörden auf Vulkan, denn Vulkanier sind ja so friedlich. Richtig erraten: Das ist der Aufhänger, warum kein vulkanischer Kriminalbeamter den Ausfällen der Stasis-Kammern nachgeht, sondern Captain Kirk die Ermittlungen führt. 😉 Hier wird ein bisschen getrickst, allerdings nicht besonders gut. Zum einen wird aus der Geschichte erst zur Mitte des Romans ein Krimi. Es dauert erstaunlich lange, bis jemand auf die Idee kommt, bei den Ausfällen der Kammern könnte es sich um Sabotage handeln. Als Leser, der den Titel der Geschichte kennt, ist man hier den Charakteren gegenüber recht deutlich im Vorteil. 😀 Zum anderen nutzen Kirk & Co nicht die Ressourcen der Enterprise, die im Orbit über ihnen schwebt. Es scheint, als hätten sie nicht einmal Kommunikatoren mitgenommen oder Zugriff auf andere Mittel und Personal, die bei den Ermittlungen helfen können. Das ist eine recht konträre Darstellung im Vergleich zu so mancher TV-Folge. (Siehe z.B. TOS „Der Wolf im Schafspelz“.) Ich verstehe, dass dadurch versucht wird, etwas Spannung reinzubringen, die Helden von der Enterprise mit Personen allein zu lassen, von denen jeder ein Mörder sein könnte.

Wobei so ganz stimmt das auch nicht: Im Grunde ist Captain Kirks Ermittlung recht unspannend. Er schreibt zwar so ziemlich jede im Roman vorkommende Person auf seine Verdächtigenliste, aber echte Motive kann er nicht zutage fördern. Als Leser ist man entweder auf die Auflösung durch die Autorin angewiesen, oder man folgt dem allerersten Verdachtsmoment, der meiner Meinung nach zwar nicht sehr gut verdeckt wird, aber durchaus überlesen werden könnte.

Bewertung: Als Kriminalgeschichte ist „Mord an der Vulkan-Akademie“ eine etwas öde Angelegenheit. Zudem gibt es eine romantische Nebenhandlung, die mich nicht sonderlich angesprochen hat. Punkten kann der Roman dennoch über die Schilderung der vulkanischen Kultur und des Planeten Vulkan und einige alternative Entwicklungen, die sich mit den späteren Serien und Filmen nicht mehr vereinbaren lassen, aber interessante Ideen beinhalten, wie die Charakterisierung von Sarek, das Schicksal von Amanda und die Macht der vulkanischen Telepathie. Unterm Strich kommt ein sehr durchschnittlicher Roman heraus, der Krimi-Fans nicht sehr zusagen wird, aber vielleicht Star Trek-Fans, die mehr über (ein alternatives) Vulkan und seine Bewohner herausfinden möchten. Von meiner Seite gibt es 3 von 6 Sterne für diesen Roman.

3stars

Die Screenshots stammen von trekcore.com.

Rezension: Comic – Boldly go #5

Nach dem vierteiligen Auftakt der neuen „Boldly go“-Comicreihe, die nach den Ereignissen von „Star Trek Beyond“ ansetzt, folgt nun eine kürzere, sehr persönliche Geschichte über einen sehr beliebten Charakter, der im Kinofilm erstmals auftrat: die tapfere Jaylah, die jahrelang auf sich allein gestellt auf dem Planeten Altamid – voller Plünderer und einer militärischen Macht – überlebte, ehe sie auch dank der Enterprise-Crew dieses Kapitel ihres Lebens abschließen konnte.

Boldly_Go_5.jpg

Was auch aufgrund der Kürze eine sehr schlichte biographische Geschichte hätte werden können, ist vor allem stilistisch bemerkenswert. Zum einen, wird Jaylahs Geschichte chronologisch rückwärts in Auszügen erzählt. Die Geschichte beginnt mit dem Wort „davor“ und zeigt Jaylah bei ihrer Entdeckung des Wracks eines Sternenflottenschiffes. Sie ist allein, im Dunkeln geht sie auf die Knie, bricht in Tränen aus und schreit sich die Wut von der Seele. Eine Szene ohne Dialog, auch nicht der Schrei in der Dunkelheit wird illustriert und gerade das Minimalistische an dieser Szene lässt den Leser Jaylahs Verzweiflung spüren und das kleine Bisschen Hoffnung, als sie mit ihrer Hand über eine vertraut wirkende Wandtafel streicht.

Davor: Die Geschichte springt zeitlich etwas zurück, man sieht Jaylah, wie sie mit ihrem Vater aus den Gefangenenlager Kralls auf dem Planeten Altamid entflieht und wie ihr Vater – eine wahrhaftiger Bär von einem Mann, der beeindruckend gezeichnet ist – dabei getötet wird. Erneut davor erleben wir, wir Jaylahs Schwester von Krall und seinem Handlanger geholt wird. Davor ist das Leben noch in Ordnung, wir sehen Jaylah mit Vater und Schwester auf einem interessant gestalteten Raumschiff und wir erfahren, dass ihre Familie Handel betrieb und stets auf sich gestellt nach neuen Geschäftspartnern Ausschau hielt. Die Unabhängigkeit führte aber auch dazu, dass sie lernen mussten, wie sie sich selbst verteidigen können, doch dem Schwarm, dem sie im Orbit Altamids begegnen, sind auch sie nicht gewachsen. Davor erleben wir, wie Jaylah von ihrer älteren Schwester den Umgang mit dem Kampfstock erlernen soll, Jaylah allerdings ihr technisches Talent nutzt und ihre Schwester mit Holografie-Technik zu täuschen versteht. Die folgenden beiden Rückblicke zeigen Jaylah beim Tod ihrer Mutter an Bord des Schiffes und schließlich Jaylahs Geburt, ehe der letzte Abschnitt der Geschichte mit dem Wort „jetzt“ beginnt. Nach Jaylahs Geburt zeigt dieser Abschnitt in einem einzigen großformatigen Panel den Beginn von Jaylahs neuem Leben … an der Sternenflottenakademie.

Fazit: Ich hoffe, ich konnte in der kurzen Inhaltsangabe bereits transportieren, wie sehr mir diese Ausgabe von „Boldly go“ gefiel. Es war die richtige Wahl, sich gegen eine chronologische Erzählung von Jaylahs Lebensgeschichte zu entscheiden. So beginnt man am Punkt größter Verzweiflung und endet am Beginn von etwas Neuem und für diesen Beginn kann man gar nicht anders, als Jaylah am Schluss der Geschichte nur alles Gute für die Zukunft wünschen zu wollen.

Autor Mike Johnsons emotionale Achterbahnfahrt wird hervorragend unterstützt durch Tony Shasteens Zeichnungen. Hier und da findet man – wie bei den meisten Star Trek-Comics – kolorierte Fotos als Grundlage für Hintergründe, aber das stört nicht weiter. Es gibt genügend Panels, in denen der Planet Altamid, Jaylahs ungewöhnliches Heimatschiff, die Charaktere, die Schlacht im Orbit und das All, das das Schiff davor durchstreifte, toll dargestellt werden. Am besten gefielen mir aber eindeutig Anfang und Ende; zuerst die verzweifelte Jaylah im dunklen Wrack und eine entschlossen dreinblickende Jalyah in Kadettenuniform auf dem in Sonnenlicht gebadeten Campus der Akademie.

Bewertung: Ausgabe #5 von „Boldly go“ ist ein kleines Gesamtkunstwerk, dem man die Kürze bzw. Reduzierung auf einen einzelnen Band gar nicht negativ ankreiden kann – auch wenn ich selbst lieber längere Geschichten lese. Und hier muss ich auch anmerken, dass #5 gar nicht so viel Dialog zum Lesen anbietet, aber in den stillen Passagen liegt dank den Zeichnungen so viel emotionale Aussagekraft, dass auch hier kein Manko ensteht. Also ich bin wirklich sehr begeistert von diesem Comic und hoffe, dass die Reihe hin und wieder zu Jaylah zurückkehren wird und wir erleben, wie sie an der Akademie zurechtkommt. Immerhin wissen wir dank Ausgabe #1 ja, dass auch Scotty nun an der Akademie unterrichtet. Auch dies wäre ein guter Grund, diesen Schauplatz erneut aufzusuchen. Ausgabe #5 erhält von mir eindeutig 6 Sterne. Die Geschichte und ihre Umsetzung drückt bei mir genau die richtigen Knöpfe.

6stars

Rezension: „Night School” – Ein Jack-Reacher-Roman

Mit „Night School“ endet nach etwas über drei Jahren vorläufig mein Ausflug in die Welt Jack Reachers. Und ich muss schon sagen, dass ich durchaus froh darüber bin, mit dieser Reihe abzuschließen, die in den letzten paar Romanen ein bisschen Verschleiß erkennen ließ und auch die Charakterisierung der Hauptfigur etwas abwandelte. Ja, Jack Reacher war immer einer, der aneckte. Aber anfangs gelang es dem Autor, Reacher gleichzeitig sympathisch darzustellen. Das ging aber in den vergangenen Romanen zunehmend verloren und damit sank auch das Interesse an diesem Charakter. Wobei der tolle Roman „The Affair„, der während Reachers Militärzeit angesiedelt war, vermuten ließ, dass Reachers unsympathisches Auftreten eine Alterserscheinung sein könnte. Insofern hatte ich gehofft, in „Night School“ den „sympathischen Major Reacher“ wiederzusehen. Doch leider erfüllte sich diese Hoffnung nicht.

nightschool

Wir schreiben das Jahr 1996, Jack Reacher kommt gerade von einer Geheimmission aus Ex-Jugoslawien zurück, lässt das übliche Prozedere einer Medaillenverleihung über sich ergehen und rechnet mit der Erteilung eines neuen Auftrags … der jedoch so gar nicht seinen Erwartungen entspricht: Er wird zur Schule geschickt! Genauer gesagt zu einem Kurs, der irgendwo abgelegen im Hinterland Virgians stattfindet und der die Zusammenarbeit der Behörden verbessern soll. Blödsinn natürlich. Kaum sitzt Reacher mit einem CIA- und einem FBI-Mann zusammen wird ihnen klar, dass der angebliche Kurs nur Fassade ist. In Wahrheit sollen sie als Vertreter ihrer Behörden die Hintergründe eines besorgniserregenden Zwischenfalls ermitteln, von dem jedoch kaum etwas bekannt ist: Ein Informant in Hamburg hat lediglich erfahren, dass sich der Kurier einer neuen afghanischen Terrororganisation in Hamburg mit einem namenlosen Amerikaner getroffen hat, der der Organisation etwas angeboten hat – für schlappe 100 Millionen Dollar!

Natürlich hat diese Information in Washington einige Leute alarmiert, die u.a. Reacher nun mit Nachforschungen betrauen. Dank freier Hand bei der Auswahl seiner Mitarbeiter lässt sich Reacher Sergeant Frances Neagley aus seiner Militärpolizei-Einheit zur Seite stellen, die gemeinsam mit ihm nach Hamburg fliegt, um sich dort eine Übersicht zu verschaffen. Während ihres Aufenthalts müssen sie aber enorm aufpassen, kein Aufsehen zu erregen, um einerseits ihren Informanten nicht zu gefährden oder den unbekannten Amerikaner – statistisch wahrscheinlich ein Soldat – zu verscheuchen, ehe dieser sich erneut mit dem Kurier treffen kann. Aber Aufsehen zu vermeiden, war noch nie Jack Reachers Stärke …

Fazit: Okay, beginnen wir mit dem Positiven. Mir gefiel die Darstellung der Polizeiarbeit in diesem Roman ausgesprochen gut. Die Ermittlungen fand ich sehr schlüssig, das Vorgehen – sowohl von Reacher & Neagley als auch der Hamburger Polizei – sehr professionell und zielgerichtet. Die Ermittlungsarbeit ist die treibende Kraft hinter der Story, abwechselnd mit den Schauplatzwechseln zu den Kurieren und deren Auftraggebern. Autor Lee Child hat es sehr gut verstanden, den Zeitdruck zu vermitteln, unter dem die einzelnen Personen stehen. Abwechselnd bekommt man mit, wie die Ermittler versuchen einen Rückstand aufzuholen während die Gejagten versuchen, der sich – manchmal langsamerer, manchmal schneller – zuziehenden Schlinge zu entkommen. Die Nebenereignisse – wie der Mord an einer Prostituierten, das Auftauchen hervorragender Ausweisfälschungen oder Kontakte eines Polizisten zu einem zwielichtigen deutschen Unternehmer – die nicht für jeden der Charaktere ersichtlich mit dem eigentlichen Fall zu tun haben, werden sehr gut in die Geschichte eingewoben. Das ergibt am Schluss eine schöne, runde Sache, ist wirklich gut geplant gewesen.

Als neutral erachte ich den Deal, den der Amerikaner vorschlägt. Um was es sich handelt, das er verkaufen will, werde ich in dieser Rezension nicht verraten, aber ich bin mir sicher, dass es vielen Lesern als zu weit hergeholt erscheinen mag, das das U.S. Militär auch nur die Möglichkeit offen lässt, dass so etwas auf den Markt kommt. Auch mir kam der Gedanken, dass Lee Child hier wohl diesen oder jenen Film zu oft gesehen hat. Aber so wirklich in unserer Realität ist „Night School“ wohl sowieso nicht angesiedelt. 😉

Okay, 1996, Hamburg. Zugegeben, ich war nicht dort. Und keine Zeit war jemals perfekt und wird perfekt sein, aber gerade die späten Neunziger habe ich als doch eher „gute“ Ära Mitteleuropas in Erinnerung. Wie Hamburg im Jahre 1996 aber von Lee Child in diesem Roman beschrieben wird, erinnert etwas an die Darstellung des heutigen Deutschlands durch einen gewissen Präsidenten am Bosporus. 😀 Okay, fassen wir mal zusammen: Statistisch gesehen wohnte in Deutschland 1996 in zumindest jeder 200. Wohnung ein Schwerverbrecher. Nazi-Organisationen planten einen Putsch gegen die Regierung und hatten Spitzel in der Polizei – nicht umgekehrt. Deutsche Großstadtbürger waren es gewohnt, wenn sich alle paar Tage in ihrem Umfeld eine große Explosion ereignete und gerieten nicht in Panik. Auf der Reeperbahn fanden Sodomie-Live-Shows statt … die von außen ersichtlich über Plakate in Schaufenstern beworben wurden.

Soweit so schlecht. 😀 Ich denke, diese Darstellung hat nicht viel mit der Realität zu tun, aber vielleicht irre ich mich ja auch. Allerdings will ich Lee Child hier gar nicht vorwerfen, wirklich „Fehler“ gemacht zu haben. Ich kann mir gut vorstellen, dass solche Beschreibungen Mitteleuropas bei vielen seiner amerikanischen Leser sehr gut ankommen. Schon interessant: Blicke ich auf Childs vorangegangen Romane zurück, so hat er zwar so einige amerikanische Orte beschrieben, die genauso abgründig sind wie Hamburg in „Night School“. Nur interessanterweise waren diese amerikanischen Orte dann meistens fiktiv.

Aber auch wenn man die Darstellung Hamburgs mal außen vor lässt, findet man doch so manches im Roman, das schlecht recherchiert wirkt bzw. einfach für die Ermittler günstig konstruiert. Was mir spontan einfällt ist die Lektion darüber, wie Menschen beim Entwenden eines Aktenordners aus einem Regal zwangsläufig einen Fingerabdruck auf dem Ordner daneben hinterlassen. Ich als Büroarbeiter frage mich, ob sich Lee Child der Existenz von Aktenordnern mit Griffloch bewusst ist. Ja, es gibt auch welche ohne Griffloch. Aber meiner Erfahrung nach verfügen 90 % der Aktenordner im Handel über dieses praktische Merkmal. Schon interessant wenn man bedenkt, dass Child seine Ermittler sehr gerne aufgrund statistischer Wahrscheinlichkeiten auf die richtige Spur bringt. 😉 Und auch das Öffnen einer Wohnungstür in einem deutschen Neubau mit einer Kreditkarte erschien mir nicht unbedingt glaubwürdig – aber natürlich fehlt mir in diesem Bereich jedwede praktische Erfahrung. 😉

Bewertung: Also im Grunde hat mir der Fall und die ganze Ermittlungsarbeit, wie sie im Roman geschildert wurde, sehr gut gefallen. Wie die einzelnen Handlungsstränge zusammengeführt wurden kann sich ebenfalls sehen lassen. Der Spannungsaufbau war sehr gelungen. Aber so nebenbei hatte ich als Leser ständig den Eindruck, als stolpere der Autor in einer Tour ohne es zu bemerken von einem Fettnäpfchen ins nächste wenn er die Umgebung beschreibt, in der sich Reacher bewegt. Ein Reacher, der in diesem Roman recht zwiespältig rüberkommt. Mir gefällt seine Zusammenarbeit mit der deutschen Polizei. In eine Schlägerei mit Anhängern des rechten Rands verwickelt, kommt es aber nicht so gut an, dass er auf deren Niveau sinkt und dieses nach seinem „Triumph“ sogar noch unterbietet. (Wenn Reacher wissen will, wie es sich anfühlt, einen Krieg zu verlieren, hätte er dafür nicht nach Hamburg fliegen und einen Deutschen fragen müssen; ein Army-Veteran hätte ihm das auch sagen können.)

Ich kann es nicht anders ausdrücken, aber für mich hat der Autor hier einfach zu viele schlechte Entscheidungen beim Ausschmücken getroffen, die von der eigentlich ganz unterhaltsamen Krimi-Story massiv ablenken. Das macht den Roman auch schwer zu bewerten, weil das Wesentliche ja doch ganz gut gelungen ist, das Unwesentliche aber arg aus dem Ruder gelaufen ist. Ich glaube, eine Durchschnittswertung von 3 Sternen kann ich vertreten. Ich kann mir sogar vorstellen, dass der Roman für manche Deutsche als Kuriosum oder Parallelwelt-Geschichte interessant sein könnte. 😀

3stars

Anmerkung: Neben den bislang erschienenen 21 Romanen hat Lee Child auch noch 4 Kurzgeschichten  über Jack Reacher verfasst.

Jubiläums-FanFiction-Sammelband des sf3dff.de-Forums

Auch wenn das Datum anderes verheißen mag: Dieser Blog-Eintrag ist kein Scherz, sondern ganz im Gegenteil der Hinweis auf einen höchst feierlichen Moment. Denn per 1. April 2017 ging der neue Jubiläums-Sammelband des sf3dff.de-Forums online! Anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums von „Star Trek“ und dem 10jährigen Bestehen des Forums, haben 11 Hobbyautoren im vergangenen Jahr 14 FanFiction-Geschichten verfasst, die ich in den vergangenen Wochen zu einem Sammelband vereint habe, den ich euch auch an dieser Stelle zum kostenlosen Download anbieten möchte!

Siegercover_Sammelband_klein

ZIP-Paket mit dem Sammelband in den Formaten PDF, EPUB & AZW3 (6 MB)

Vor ungefähr einem Jahr wurden den interessierten Autoren Star Trek-Charaktere zugelost, die in ihrer Geschichte im Mittelpunkt stehen sollten. In einem einjährigen kreativen Prozess entstand eine vielfältige Sammlung unterschiedlichster Geschichten zu einer Vielzahl von Themen in verschiedenen Stilen und zu Charakteren aus allen bisherigen Star Trek-Serien. Die Geschichten verleihen dem Sammelband einen Umfang von beinahe 300 A4-Seiten!

Mir selbst wurde der Chefingenieur der Raumstation Deep Space 9 – Chief Miles O’Brien – zugelost, woraufhin ich die Geschichte „Flaschenschiff“ verfasste, die ihr im PDF des Sammelbands ab Seite 120 findet. Ich habe auch die Möglichkeit ergriffen, eine Bonus-Story zu einem nicht gelosten Charakter meiner Wahl zu schreiben. Die Geschichte „Eine gute Reise“ über Spock findet ihr ab Seite 46.

Ich wünsche euch angenehme Lesestunden mit all diesen neuen Kreationen der Autoren des sf3dff.de-Forums!

Pilotfilm-Review: „Star Trek : The Original Series – Spitze des Eisbergs“

Nachdem der erste Pilotfilm, der heutzutage unter dem Titel „Der Käfig“ bekannt ist, beim Sender NBC nicht vollends punkten, aber doch Interesse an einer möglichen Serie namens „Star Trek“ wecken konnte, wurde ein zweiter Pilotfilm in Auftrag gegeben. Unter drei vorgelegten Drehbüchern wählte der Sender „Spitze des Eisbergs“ (Originaltitel: „Where no Man has gone before“) aus, um das Konzept zu testen. Wobei die Bezeichnung „Pilotfilm“ nicht ganz richtig ist, denn war schon der 1. Pilotfilm nur knapp etwas länger als eine Stunde, entsprach die Länge von „Spitze des Eisbergs“ der Dauer einer typischen Serienfolge – was damals immer noch 50 Minuten bedeutete. Heutzutage kann man ja froh sein, wenn eine „einstündige“ Folge 40 Minuten dauert. Trotz der Kürze möchte ich „Spitze des Eisbergs“ aber dennoch als echten Pilotfilm im Rahmen meiner Review-Reihe behandeln. Denn wenngleich diese Folge im Gegensatz zu „Der Käfig“ beinahe unverändert im Rahmen der regulären Ausstrahlung der Serie integriert ist, stünde die Handlung einem eigenständigen Kino- oder TV-Film ebenfalls sehr gut.

Handlung: Die Enterprise steht unter dem Kommando von Captain James T. Kirk, der im Freizeitraum am Beginn der Folge mit seinem halb-vulkanischen Ersten Offizier eine Partie 3D-Schach spielt, während sein Schiff auf dem Weg in den Randbereich der Milchstraße unterwegs ist. In ein Raumgebiet, wo nie ein Mensch zuvor gewesen ist – dachte er zumindest. Denn völlig überraschend stößt man dort weit draußen im All auf die Unfallboje eines seit 200 Jahre vermissten Raumschiffs, der Valiant. Den enthaltenen Aufzeichnungen zufolge geriet das Schiff in eine Art Sturm und wurde in die Tiefen des Alls geschleudert. Nach der Begegnung mit einem Raumphänomen und mysteriösen Vorgängen an Bord, initiierte der Captain der Valiant die Selbstzerstörung. Was ihn damals dazu getrieben hat, versteht Captain Kirk erst einige Zeit später … erst nachdem die Enterprise selbst mit demselben Raumphänomen – einer Negativenergie-Barriere am Rande der Milchstraße – in Kontakt gerät.

wherenomanhasgonebeforehd013

William Shatner und Leonard Nimoy werden auch in der Serie die Hauptrollen spielen. Auch James Doohan und George Takei vom späteren Serien-Cast sind bereits im 2. Pilotfilm dabei … und das 3D-Schachbrett wird ebenfalls noch häufig in der Serie zu sehen sein.

Steuermann Kelso gelingt es gerade noch das Schiff aus dem Sog zu befreien und zu wenden, doch wie von einem elektrischen Schlag getroffen sterben auf der Enterprise während des Kontakts mit der Barriere mehrere Besatzungsmitglieder. Auch der Navigator – Kirks bester Freund Gary Mitchell – wurde ebenfalls von der sonderbaren Macht niedergestreckt, überlebte dies jedoch und bald schon stellt sich heraus, dass dessen silbrig glitzernden Augen nicht die einzige Nebenwirkung des Kontakts mit der Barriere sind. Konfrontiert mit Mitchells sprunghaft anwachsenden mentalen Fähigkeiten sowie seinem immer stärker werdenden Überlegenheitskomplexes, muss Captain Kirk über das Schicksal seines besten Freundes entscheiden. Soll er ihn töten, wie es Spock logisch-mathematisch fundiert aber gefühllos vorschlägt? Oder ihn als nächsten Evolutionsschritt der Menschheit akzeptieren, wie die Psychologin Dr. Elizabeth Dehner argumentiert? Kirk entscheidet sich schweren Herzens für einen Kompromiss und beschließt, Mitchell auf Delta Vega – einem unbewohnten Planetoiden – auszusetzen. Denn ihn an Bord zu behalten, würde bedeuten, die Enterprise demselben Risiko auszusetzen, das vermutlich auch zur Zerstörung der Valiant vor 200 Jahren geführt hat.

wherenomanhasgonebeforehdalt0269

Die Enterprise fliegt auf die galaktische Barriere zu. Auf diesem Bild sieht man die Enden der Warp-Gondeln. Diese unterscheiden sich von der Variante in „Der Käfig“ und jener Version in der regulären Serie. Dennoch wurde diese Aufnahme in der Serie oft wiederverwendet. Die Barriere kommt in der Serie übrigens noch in zwei weiteren Folgen vor („Stein und Staub“ und „Die fremde Materie“).

Fazit: „Spitze des Eisbergs“ ist eine meiner Lieblingsfolgen der klassischen Serie. Es ist eine spannende Geschichte, ein klassisches „Space Opera“-Abenteuer, das den Helden vor ein sehr persönliches Dilemma mit weitreichenden Auswirkungen stellt. Er muss widerwillig extreme Mittel einsetzen, um das Problem zu lösen. Captain James T. Kirk gerät hier in die Zwickmühle zwischen seiner engen Freundschaft zu Gary Mitchell und seiner Verantwortung für den Rest der Besatzung, die immer stärker an Gewicht gewinnt desto größer die Bedrohung ist, die Mitchell ausstrahlt. Dieser wird verkörpert von Gary Lockwood, dessen Name Science-Fiction-Fans vor allem durch seine Rolle in „2001 – Odyssee im  Weltall“ nur wenige Jahre nach „Spitze des Eisbergs“ ein Begriff wurde.

Es gelingt der Folge auch dank Lockwoods Darstellung sehr gut, Gary Mitchell anfangs wie Kirks besten Freund und „Verbündeten“ gegen den vulkanischen Ersten Offizier darzustellen und ihn doch rasch zu einer echten Gefahr werden zu lassen. Dem Dilemma liegt das auch in der Folge angesprochene Konzept von absoluter Macht, die absolut korrumpiert zugrunde und Lockwood bringt das mit Überheblichkeit und gewaltigem Selbstbewusstsein ordentlich rüber. Auch die silbernen Kontaktlinsen tragen zugegebenermaßen etwas dazu bei, dass Lockwood Mitchell wie jemanden darstellt, der auf andere hinab blickt. Denn genau das musste Lockwood tun, um durch die winzigen Löcher in den Kontaktlinsen hindurchsehen zu können. Wenn er also aufrecht mit erhobenem Kinn und leicht gesenkten Lidern auf jemanden herabsieht, hatte dies auch praktische Gründe.

wherenomanhasgonebeforehd531

Sieht eindrucksvoll aus, war aber für Gary Lockwood eine Qual: Um die silbernen Augen zu realisieren, trug der Schauspieler jeweils zwei großflächige Scleral-Kontaktlinsen übereinander, dazwischen lag eine Schicht dünner Silberfolie mit einem kleinen Loch darin.

Es ist auch interessant anzumerken, dass die „Macht des Geistes“ in den frühen Star Trek-Folgen ein außerordentlich beliebtes Thema ist: Illusionen in „Der Käfig“, Telepathie und Telekinese in „Spitze des Eisbergs“ und „Der Fall Charlie“, Tarnung durch Gedankenbeeinflussung in „Das Letzte seiner Art“. Gene Roddenberrys Faible für Geschichten à la „Alarm im Weltall“/“Forbidden Planet“ ist Mitte der 60er-Jahre offensichtlich.

Im Fokus von „Spitze des Eisbergs“ stehen mit Gary Mitchell und Dr. Dehner zwei Charaktere, von denen klar ist, dass sie eigentlich später in der Serie nicht mehr vorkommen werden. Und auch vom Rest der Besatzung und den vermeintlichen Hauptcharakteren segnet Steuermann Kelso das Zeitliche. Auch der von Paul Fix dargestellte Bordarzt Dr. Piper würde nur einmal dabei sein. Noch bevor „Spitze des Eisbergs“ gedreht wurde, war bereits beschlossene Sache, dass DeForest Kelley die Rolle des Bordarztes in der späteren Serie übernehmen sollte.

wherenomanhasgonebeforehd323

Allein schon die Story von „Spitze des Eisbergs“ gibt vor, dass Kelso, Dehner und Mitchell in der folgenden Serie nicht mehr dabei sein werden.

Abgesehen von Kirk (William Shatner) und Spock (Leonard Nimoy) treten in diesem 2. Pilotfilm lediglich noch Sulu (George Takei) und Scotty (James Doohan) auf, die auch in der späteren Serie wiederkehrend auftreten sollten. Es ist durchaus üblich, dass sich zwischen Pilotfilm und eigentlicher Serie der Cast noch verändert, aber es ist schon erstaunlich, dass mit Mitchell, Dehner, Kelso und Piper vier Charaktere für die Handlung sehr wichtig sind – wichtiger als Scotty und Sulu –, von denen die Produzenten schon von Anfang wussten, dass sie in der Serie nicht mehr dabei sein würden. Der Fokus auf einmalig auftretende Charaktere hebt „Spitze des Eisbergs“ sehr von anderen Serienpilotfilmen ab. Charaktere werden dem Zuseher nicht in Vorbereitung späterer größerer Rollen vorgestellt, sondern ganz speziell für diese eine Story, in der neben Kirk und Spock eindeutig auch Gary Mitchell und Dr. Elizabeth Dehner die Hauptrollen spielen. Dies verleiht der Folge trotz ihrer Kürze Eigenständigkeit, Unabhängig von dem, was später noch kommen sollte. Der Fokus auf das „Pärchen“ Mitchell und Dehner erinnert mich übrigens sehr an die Wichtigkeit, die mehr als ein Jahrzehnt später im ersten Star Trek-Kinofilm Commander Decker und Lieutenant Ilia zukommt.

Ganz auf eine detailliertere Vorstellung der Nebencharaktere wollte man in „Spitze des Eisbergs“ aber doch nicht verzichten. So versammelt Kirk gegen Anfang der Folge in einer recht ungewöhnlichen Szene die Abteilungsleiter – Scotty, Sulu und Piper, der Dr. Dehner vorstellt – die Bericht erstatten … und damit dem Zuseher ihre Funktionen an Bord erklären. Das wirkt ein wenig unbeholfen, aber zumindest besser, als die Einführung von Yeomann Jones, äh, ich meine Smith, die dadurch eingeführt wird, dass sie Kirk auf der Brücke kurz den Weg verstellt und er ihren Namen verwechselt. (Laut Regisseur Jimmy Goldstone war Smith eine völlig unwichtige Rolle und er soll während des Castings gehört haben, dass Gene Roddenberry Andrea Dromm nur deshalb engagierte, weil er bei ihr landen wollte. Vermutlich vergebens, wie Goldstone im Buch „Star Trek – Die wahre Geschichte“ zitiert wird.)

wherenomanhasgonebeforehd061

Das Abteilungsleiter-Meeting auf der Brücke ist ein sonderbarer Vorwand, um die Nebenrollen vorzustellen. Auf diesem Bild sieht man die im Vergleich zu „Der Käfig“ bereits leicht adaptierte Brücke der Enterprise. Die Farbe Rot verdrängt die Grau- und Metallic-Töne des 1. Pilotfilms, aber es gibt noch einige Unterschiede zum Set der Serie.

Nun zu den produktionstechnischen Aspekten von „Spitze des Eisbergs“: Sets, Kostüme, Effekte, Requisite etc. waren noch von „Der Käfig“ her vorhanden. Einiges wurde unverändert oder nur leicht adaptiert übernommen, wie die Sternenflottenuniformen, Kommunikatoren, Phaser-Pistolen und das Planeten-Set. Die Brücke der Enterprise hat man ebenfalls nur wenig adaptiert, in Hinblick auf das Farbfernsehen, das gerade von NBC stark gefördert wurde, gibt es aber einige bunte Farbkleckse mehr. Transporterraum und Konferenzraum sind ebenfalls nur gering verändert worden, das Korridor-Set wurde aber deutlich erweitert – wenngleich man in der Endfassung der Folge gar nicht so viel davon sieht. (Dazu später mehr unter „Anmerkungen“.) Die Krankenstation wurde völlig neu gebaut, ebenso die Lithium-Spaltanlage auf Delta Vega, deren Äußeres mittels eines Gemäldes mit integrierter Live-Action-Aufnahme umgesetzt wurde. Neben den bekannten und kaum veränderten Requisiten bekommen wir auch das erste und einzige Mal in der klassischen Star Trek-Serie ein Phaser-Gewehr zu sehen.

wherenomanhasgonebeforehd851

Das Phaser-Gewehr werden wir später nicht mehr sehen. Dass sich Kirk während eines Kampfes die Uniform zerreiß, hingegen noch sehr oft.

Mit diesem Gewehr – das zugegebenermaßen ein bisschen retro wirkt, ich aber für ein ziemlich lässiges Design halte – zieht Captain Kirk am Ende schließlich in den Kampf gegen Gary Mitchell, gegen den „Gott“, der im Finale Kirks Tod beschließt. Am Rand von Kirks vorbereitetem Grab kommt es zum alles entscheidenden Kampf zwischen den ehemaligen Freunden. Dass Mitchell schließlich in jenem Grab sein Ende findet, das er für Kirk geschaufelt hat, ist natürlich Ironie und durchaus von der Art, die einen am Schluss zufrieden grinsen lässt. Was den Humorgehalt angeht, gibt es sicher viele lustigere Folgen in der klassischen Serie. Aber verglichen mit dem thematisch schwermütigeren Vorgänger „Der Käfig“ vermittelt „Spitze des Eisbergs“ eine etwas gelöstere Stimmung. In beiden Pilotfilmen erleben wir den Captain in persönlichen Krisen, aber dem 2. Film gelingt es besser, den Abenteuer-Spirit trotz des Dramas zu erhalten und für durchgängig gute Unterhaltung zu sorgen.

wherenomanhasgonebeforehdalt0909

Wie das Gemälde zu Rigel VII in „Der Käfig“ stammt auch das Bild der Lihtium-Spaltanlage auf Delta Vega von Albert Whitlock.

Bewertung: Verständlich, dass dieses Drehbuch und diese Folge beim Sender etwas größeren Anklang fanden. Auch mir selbst sagt „Spitze des Eisbergs“ deutlich mehr zu als der – auch alles andere als schlechte – 1. Pilotfilm. Blickt man voraus auf die spätere Serie, repräsentiert „Spitze des Eisbergs“ deutlicher deren Charakteristik eines Action-Abenteuers im Weltall, mit einem sehr menschlichen Captain und einem nur oberflächlich fremdartigen außerirdischen Ersten Offizier. Shatner und Nimoy und erst im Lauf der Serie in zunehmendem Maße auch DeForest Kelley werden der Serie später so richtig ihren Stempel aufdrücken und in „Spitze des Eisbergs“ sieht man den Beginn davon. Auch wenn nicht jede Szene perfekt ist – vor allem erwähnte Vorstellungsrunde auf der Brücke sticht negativ hervor – ist „Spitze des Eisbergs“ eine der besten Folgen der Serie und erhält von mir starke 5 von 6 Punkte!

5rolls

Anmerkungen:

  • Der 2. Pilotfilm wurde im Gegensatz zu „Der Käfig“ beinahe unverändert im Rahmen der Serie ausgestrahlt. Zwischen der TV-Fassung und jener Version, die den Verantwortlichen von Studio und Sender einst vorgestellt wurden, gab es nur folgende Änderungen: Der Vorspann war anders. Über eine Einblendung einer Galaxie spricht Captain Kirk eine längere Fassung seines Logbucheintrags. Auf das typische Musikthema der Serie wurde diesmal verzichtet, das einleitende Musikstück, das auch im Abspann zu hören ist, ist jene Melodie, die auch den Rest der Folge prägt. Während Alarmstufe Rot auf dem Schiff erklingt, sieht man deutlich mehr Szenen, die die Betriebsamkeit auf den Korridoren des Schiffes zeigen. Man sieht hier erstmals die wichtigen Charaktere, die sich zu erwähntem Statusreport in Richtung Brücke bewegen. Zwischen den einzelnen Abschnitten der Folge wurden Texttafeln eingeblendet (z.B. Star Trek – Act I).
  • „Spitze des Eisbergs“ war also immer schon Teil der regulären Serie – allerdings nicht als ihr Auftakt! Obwohl es in Ausstattung und Cast deutliche Unterschiede gibt, dieses Abenteuer zeitlich recht eindeutig vor den anderen der Serie angesiedelt sein muss, beschloss der Sender NBC damals, stattdessen die Folge „Das Letzte seiner Art“ als erste auszustrahlen – am 8. September 1966. Diese Entscheidung diktiert auch heute noch die Ausstrahlungsreihenfolge der Serie. Ich empfehle aber jedem, der die Serie auf DVD oder Blu-ray besitzt oder sie sich per Streaming ansieht, mit „Spitze des Eisbergs“ einzusteigen. Trotzdem kann man die Entscheidung von NBC auch verstehen: Durch die Wahl von „Das Letzte seiner Art“ hat man damals wohl schon vorausgeahnt, dass Dr. McCoy im Lauf der Serie zu den anderen beiden Hauptrollen aufschließen wird. Zudem etabliert die Folge gut die Freundschaft zwischen Kirk und McCoy sowie die Freundschaft zwischen Kirk und Spock. Uhura, Janice Rand und Sulu haben ebenfalls größere Parts. Insgesamt wirkt „Das Letzte seiner Art“ eher wie eine „typische“ Pilotfolge und repräsentativer für die Serie als „Spitze des Eisbergs“. Auf jeden Fall was die Personenkonstellationen betrifft.
  • Natürlich wurde auch „Spitze des Eisbergs“ wie alle Folgen der „Original Series“ in den Jahren 2006 bis 2008 einem Remastering unterzogen, das ursprüngliche Filmmaterial in HD-Auflösung abgetastet und auf Blu-ray optional mit neuen CG-Effekten angeboten. Die CG-Effekte berücksichtigen die Änderungen am Raumschiff Enterprise, die zwischen „Der Käfig“ und „Spitze des Eisbergs“ am Originalmodell vorgenommen wurden. So erhielt das Modell am immer noch sehr hohen Brückenmodul ein Fenster (wie die neue Enterprise der aktuellen Kinofilme) und schwarze Umrandungen oben an der Untertassensektion nahe den Positionslichtern. (Die gleichen Umrandungen weist auch die NX-01 Enterprise auf.) Die hinteren Enden der Warp-Gondeln wurden ebenfalls geändert. Das Originalmodell in „Der Käfig“ war zudem noch unbeleuchtet, was sich ab „Spitze des Eisbergs“ änderte.
  • Die in diesem Review verwendeten Bilder stammen von trekcore.com.

Rezension: “Star Trek Beyond -Collector’s Edition“

Zu vielen Kinofilmen erscheinen Sachbücher, die Hintergrundinformationen zur Produktion beinhalten und die Star Trek-Kinofilme bilden da keine Ausnahme. Während es zu „Star Trek Into Darkness“ leider keine zusätzliche Literatur gab und zu „Star Trek“ aus dem Jahr 2009 ein Buch erschien, das sich vorwiegend mit dem Produktionsdesign beschäftigte, erschien zu „Star Trek Beyond“ im Herbst 2016 ein allgemeines Making-of-Buch, das auf 128 Seiten auf so ziemlich alle wichtigen Teilbereiche der Produktion eingeht.

stbeyond_makingof_collector

Wie es häufig bei solchen Büchern der Fall ist, ist auch die „Collector’s Edition“ leider nur auf Englisch erschienen. Der Titel ist des Buches ist trotzdem etwas seltsam – bedeutet übersetzt „Sammleredition“. Meistens tragen sie – wie zum Beispiel jenes zum 8. Kinofilm – den Titel „The Making of …“. Die Erklärung ist jedoch simpel und bezieht sich schlicht auf den Ursprung der im Buch enthaltenen Inhalte: Es handelt sich bei „Star Trek Beyond – Collector’s Edition“ einfach um einen Sammelband, der Artikel zum Kinofilm enthält, die im Jahr 2016 in mehreren Ausgaben des offiziellen amerikanischen Star Trek-Magazins abgedruckt worden sind. Die Beiträge im Buch sind also keine Erstveröffentlichungen, aber erstmals in einem schönen Hardcover-Einband kompakt zusammengetragen.

Übrigens trifft dies auch auf „The Making of: First Contact“ zu; auch dieses Buch war damals lediglich eine Zusammenstellung von Magazin-Artikel. Man hat es diesem Sachbuch zu „Der Erste Kontakt“ aber etwas weniger angesehen, da das Layout etwas schlichter war und der Titel nicht auf einen Sammelband hingewiesen hat. Der Inhalt von „Star Trek Beyond – Collector’s Edition“ ist von der Gestaltung der Beiträge her etwas deutlicher wie ein Magazin aufgebaut, wenn man sich die Platzierung von Text und Illustrationen und das sehr farbenfrohe Seitendesign ansieht. Das muss aber nichts Schlechtes sein, denn die Gestaltung der „Collector’s Edition“ ist wirklich sehr professionell, sehr schön anzusehen und verwendet sehr viele Promotion-Bilder, die man im Vorfeld des Films bereits sah, wie auch gänzlich neues Bildmaterial.

Wenngleich ich Romane heutzutage nur noch in ebook-Form lese, bevorzuge ich bei so stark illustrierten Büchern immer noch die gedruckte Version. Mit der „Collector’s Edition“ liegt ein wirklich wunderschönes Buch in sehr guter Druckqualität auf festem Papier vor. Den Hardcover-Einband ziert das tolle Postermotiv der asiatischen Werbekampagne des Films.

Nun aber zum Inhalt: Die Berichte im Buch sind nicht starr in Kategorien zusammengefasst; die verschiedenen Themenbereiche sind stattdessen über das gesamt Buch verteilt. Den roten Faden bilden aber gewiss die Darsteller-Interviews. Jeweils vier bis sechs Seiten sind nicht nur den 7 bekannten Darstellern aus den vorherigen Filmen gewidmet, auch Sofia Boutella (Jaylah) und Shohreh Aghdashloo (Commodore Paris) kommen zu Wort. Zu Idris Elbas Charakter Krall gibt es ein eigenes Feature.

Weitere Berichte fassen zusammen, was bisher in der Kelvin-Zeitlinie geschah, erläutern die Natur der parallelen Zeitlinie, gehen auf die Schiffe namens Enterprise, Schauplätze und neue Charaktere ein, aber auch auf Dinge wie die Umsetzung des großen Fan-Events im Mai 2016, die ComicCon-Filmpremiere im Juli und die große Charity-Kampagne von „Omaze“, die einigen Fans einen Besuch am Set des Films ermöglichte. Dieser Erfahrungsbericht von Audrianna Davis ist ein sympathisches kleines Highlight des Buches, das aber generell sehr interessant ist und selbst bei den Darsteller-Interviews stellt sich kein Ermüdungseffekt ein. Man hat von Seiten der Fragesteller schon darauf geachtet, nicht immer die gleichen Fragen zu stellen und den Fokus auf die jeweilige Person/den jeweiligen Charakter gelegt. Besonders interessant ist der Blick der Darsteller auf Justin Lin, der ja erstmals bei einen Star Trek-Film Regie führte. Ein Portrait und Interview des Regisseurs leitet das Buch – nach einem Vorwort des Chefredakteurs und einer Widmung für den leider viel zu früh verstorbenen Anton Yelchin – auch ein.

Wer wie ich mehr an den technischen und gestalterischen Disziplinen der Filmkunst interessiert ist, der kommt ebenfalls auf seine Kosten. Es gibt umfangreiche, stark illustrierte Berichte zu den Bereichen Make-up (hier gab es für „Beyond“ auch eine Oscar-Nominierung), visuelle Effekte und Design, Kostüme und auch zum Storytelling. Das Thema Musik bzw. Soundeffekte wird leider ausgespart. Dieses geht mir etwas ab und ich hätte mich auch sehr über ein zusätzliches Feature zu Sean Hargreaves gefreut, der die neuen Raumschiffe und die Starbase Yorktown entworfen hat. Schiffsdesign wird aber teilweise im Artikel über die visuellen Effekte abgedeckt. (Sehr interessante Info: Die Zeitraffer-Sequenz am Ende des Films würde in Echtzeit nur einen Zeitraum von etwas mehr als einen Monat abdecken. Ein fleißiges Ingenieurscorps hat die Sternenflotte.)

Bewertung: Für ein Making-of-Buch lässt „Star Trek Beyond – Collector’s Edition“ nicht viele – Wünsche offen. Es ist ähnlich gut gelungen wie das vergleichbare „The Making of: First Contact“, hat einen ähnlichen Umfang, ist vom selben Herausgeber (wenn auch 20 Jahre dazwischen liegen) und bietet einen umfangreichen Einblick in die Entstehung des Films. Dieser hätte natürlich noch deutlich tiefer ausfallen können; dies ist leider eine gewisse Bürde dieser „nicht-spezialisierten“ Bücher. Würde man auf jeden Teilbereich detailliert eingehen, würde ein ziemlich gewaltiges Werk dabei rauskommen – wogegen ich keinen Einwand hätte. Aber für ein „allgemeines“ Making-of-Buch ist die „Collector’s Edition“ eine interessante Lektüre für Fans des Films und selbst für jemanden, der wie ich so ziemlich ein Jahr lang während der Hauptproduktionsphase des Films das Internet nach Aussagen und Bildmaterial durchsucht hat, gibt es doch einige interessante neue Informationen im Buch und jede Menge Bildmaterial. Da immer „noch mehr“ möglich wäre und ich wie gesagt gerne auch einen Einblick in die Musikkomposition, den Sound und das Schiffsdesign gehabt hätte, den mir das Buch verwehrt, gebe ich 5 von 6 Sterne.

5stars

Anmerkung: Das Buch ist vielleicht auch für all jene von besonderem Interesse, die keine Möglichkeit haben, sich den Film „Star Trek Beyond“ fürs Heimkino in einer Fassung zu besorgen, die eine Bonus-Disc enthält. Diese ist gerade im deutschsprachigen Raum nicht so einfach erhältlich (nur bei ausgewählten Händlern oder nur in einem Steelbook mit den anderen beiden neuen Filmen). Das Bonusmaterial ist wie eigentlich immer bei „Bad Robot“-Produktionen sehr sehenswert und deckt vieles ab, das im Making-of-Buch ebenfalls erwähnt wird.

Rezension: “Star Trek – Light-and-Sound Communicator“

Ich besitze bereits zwei Miniaturen des Herausgebers „Running Press“ zum Thema „Star Trek“: Zum einen ist da die U.S.S. Enterprise und zum anderen die Raumfähre Galileo der Enterprise, die ich zusammen mit den beiliegenden Büchlein bereits rezensiert habe. Und eigentlich wollte ich es dabei bewenden lassen, denn neben den beiden kleinen Raumschiffmodellen hat „Running Press“ bis jetzt nur noch zwei Ausrüstungsgegenstände – den Phaser und den Kommunikator der klassischen Star Trek-Serie – in vergleichbarer Weise herausgebracht. Nämlich als Miniaturen. Da ich beide Gegenstände bereits als Repliken in Originalgröße habe, hat es mich nicht gereizt, mir diese nochmals im Kleinformat anzuschaffen. Aber im Falle des Kommunikators habe ich dann doch nicht widerstehen können, als ich diesen eher zufällig in einem Youtube-Video sah und feststellte: Im Gegensatz zum Mini-Phaser, der zu klein ist, um wie das Original-Requisit gehalten werden zu können, ist die Miniatur von „Running Press“ gar nicht so viel kleiner als der Original-Kommunikator.

runningpress comm

Der Kommunikator erschien zeitgleich mit dem Shuttle und stellt somit die zweite „Star Trek“-Tranche des Herausgebers dar. Die Schachtel, in der der Kommunikator und beiliegende Begleitbüchlein verpackt sind, ist gleich groß wie die der anderen beiden „Running Press“-Miniaturen und es ist der kompakten Form des Geräts zu verdanken, dass es diese Schachtel sehr gut ausfüllt. Die ungefähren Maße des Mini-Kommunikators: 9 cm lang, 5 cm breit und 2,5 cm hoch.

Zum Vergleich die Replik in Originalgröße vom „Master Replicas“: 11 cm lang, 6,5 cm breit und 3,5 cm hoch. Die Miniatur ist also ca. 20 % kleiner, in der Seitenansicht weniger keilförmig, daher proportional schmäler.

Die Gestaltung abgesehen von der Größe ist so gut wie identisch, wenngleich die Miniatur größtenteils aus Kunststoff besteht, was auch für das aufklappbare Antennengitter gilt. Ansonsten folgt das Design sehr genau jenem der Requisiten, die der Designer Wah Chang damals für die klassische Star Trek-Serie hergestellt hat. Im Gegensatz zum Original rotiert die Scheibe mit dem Moire-Muster nicht, dies wird imitieren durch die Rotation einer Art Hologramm/Kipp-Effekt. Die Variante von „Master Replicas“ ist gleich gestaltet, nur dreht sich das Muster dort. (Allerdings war das erst der Fall, nachdem mir das Gerät runtergefallen ist. 😀 Wirklich wahr.)

Worin sich der Kommunikator von den beiden Raumschiffmodellen von „Running Press“ im Besonderen unterscheidet: Er verfügt nicht nur über Licht-, sondern auch über Sound-Effekte. Die große Variante von „Master Replicas“ ist hier etwas voraus: Wenn man das Antennengitter aufschnippt, erklingt sofort automatisch das typische „Zwitschern“ des klassischen Kommunikators. Das ist bei der Miniatur aber nicht so tragisch, weil man die Klappe nur mit den Fingern öffnen kann, Aufschnippen ist leider nicht möglich. (Dafür bleibt die Klappe geschlossen, während die magnetische Halterung bei der großen Variante sich öfter öffnet als einem lieb ist.) Der „Zwitscher“-Sound erklingt bei der Miniatur durch Drücken der mittigen Taste, worauf alle drei LEDs aufblinken. Die Taste rechts daneben sorgt für das Erklingen eines „Frequenzsuche“-Sounds und einem konstanten Flackern der LEDs. Diese Funktion ist beim großen Modell genau gleich. Bei diesem sorgt das Betätigen der mittigen Taste für das alleinige Blinken des mittleren roten Lichts, wie man es in der Folge „Das Gleichgewicht der Kräfte“ (TOS, Staffel 3) gesehen hat.

dayofthedovehd0197

In „Das Gleichgewicht der Kräfte“ aktiviert Captain Kirk über die mittlere Taste einen „stummen Alarm“, worauf das mittlere Licht rot aufblinkt.

Alles in allem macht dieser Vergleich zwischen den beiden Kommunikatoren wohl doch relativ klar, dass für Sammler und Cosplayer ein Modell in Originalgröße des Requisits sicher zu bevorzugen ist. Allerdings, und das sollte man auch erwähnen, legt man dafür auch ungefähr 40 bis 50 Euro auf den Tresen, während man die Miniatur von „Running Press“ für 9 Euro bekommt. Also wie auch bei den beiden anderen Modellen diese Herausgebers ist das Preis-Leistungs-Verhältnis wirklich hervorragend. Es ist ein hübsches Sammlerstück, dass trotz gewisser Einschränkungen gut aussieht, nahe am Original ist. Und falls man damit für ein Foto posieren will, so fällt der Größenunterschied wahrscheinlich gar nicht sonderlich auf. Er mag nicht so groß wie der klassische Kommunikator, aber vermutlich ist die Miniatur nahe dran an den Dimensionen der Kommunikatoren aus „Enterprise“, „Auf der Suche nach Mister Spock“ oder „Am Rande des Universums“.

Kommen wir nun zum Büchlein: Einmal mehr hat Chip Carter Informationen zum Kommunikator zusammengetragen und leitet das 46 (kleine) Seiten umfassende Buch mit einem sehr schönen Vorwort zur Wichtigkeit der Kommunikation im Allgemeinen ein. Auf den folgenden Seiten fasst er sehr knapp die Entstehung der Requisite und die Verwendung des Geräts in der Serie zusammen und welche Funktionen der Kommunikator auch erfüllt. Jedoch findet man in diesem Buch diesmal sehr viele Bilder (auch mitunter wieder eher unpassende aus der Serie, die nichts mit dem Thema zu tun haben) und der Inhalt erscheint mir wesentlich oberflächlicher als in den beiden Büchlein zu den Schiffsmodellen.

Wie so viele ließ sich der Autor zum Vergleich „Kommunikator = Smartphone“ hinreißen (auch wenn dieser hinkt), dafür fehlt an anderer Stelle Interessantes. Rein von der Form erinnert der klassische Kommunikator natürlich an die in den 90ern beliebten Klapp-Handys, aber nicht nur eine solche Form für mobile Kommunikationsgeräte hat die Serie inspiriert. So wird oft übersehen, dass in der Folge „Miri, ein Kleinling“ (Staffel 1) mehr als nur angedeutet wird, ein Kommunikator fungiere als eine Art mobiler WLAN-Hotspot, der Geräte auf der Planetenoberfläche mit dem Computer der Enterprise verbindet.

Auch widerspricht sich Carter auf zwei aufeinanderfolgenden Seiten zum Thema Reichweite und Signalstärke in diesem Zusammenhang. Er vergisst auch die Serie „Enterprise“ in Betracht zu ziehen, in der ein dem TOS-Kommunikator ähnliches Gerät verwendet wurde. So hätte er z.B. zum Thema Universalübersetzer vielleicht andere Schlussfolgerungen gezogen. Grundsätzlich vergaß er die erste und wahrscheinlich ausführlichste technische Erklärung zum Universalübersetzer, die in der klassischen Episode „Metamorphosen“ (Staffel 2) gegeben wurde: dass der Universalübersetzer ein enorm mächtiges Gerät ist, das Gehirnströme analysiert. (Bedenkt man, wie oft unsere Helden in den Serien fremde Kulturen infiltrieren und sich für Einheimische ausgeben, ohne dass es auffällt, muss man vielleicht sogar annehmen, der Übersetzer lese nicht nur Gehirnströme, sondern manipuliere diese sogar um die Wahrnehmung von Gesprächspartnern zu verändern, damit das Übersetzte lippensynchron wirkt. Dies ist reine Spekulation meinerseits, aber ein etwas beunruhigender Gedanke.)

In TOS wie auch ENT sind Übersetzer und Kommunikator separate Geräte, aber ENT zeigt, wie beide miteinander verbunden werden. In „Miri, ein Kleinling“ dient der Kommunikator als Verbindungselement zwischen Elektronenmikroskop, Biocomputer auf dem Planeten und dem Schiffscomputer im Orbit.

Bewertung: Am Inhalt des Begleitbuchs habe ich diesmal verglichen mit den Büchern zu den beiden Mini-Raumschiffen doch recht viel auszusetzen. Eigentlich ist es nicht wirklich zu gebrauchen, eine Enttäuschung vor allem im Vergleich mit dem Begleitbuch zum Shuttle. Die Kommunikator-Miniatur ist hingegen ziemlich hübsch und macht sich im Regal sicher gut neben seinem „großen Bruder“. Für Cosplay-Fans, nur bedingt zu empfehlen, aber doch eine preiswerte Alternative zu teureren Repliken in Originalgröße, wenn man damit leben kann, dass der Kommunikator rund 20 % kleiner ist und sich das Antennengitter nicht lässig aus dem Handgelenk aufklappen lässt.

Ich gebe mal etwas gnädige 5 von 6 Sterne. Allerdings nur für die Miniatur selbst, die ein so gutes Preis-Leistungs-Verhältnis hat, dass das enttäuschend Buch so ziemlich ignoriert werden kann.

5stars

Dem Buch selbst würde ich – vor allem wenn ich es mit dem Begleitbuch zum TOS-Shuttle vergleiche – nur 2 von 6 Sterne geben.

2stars

Anmerkung: Für alle, die ein wenig mehr über die Requisiten, das Produktionsdesign und Wah Chang erfahren möchten, ist „Star Trek – Das Skizzenbuch“ eine Empfehlung wert.

Bildband zum „1701 Day“ des sf3dff.de-Forums

Wer die Link-Liste meines Blogs durchgesehen hat, dem wird das SciFi 3D FanFiction-Forum bestimmt ein Begriff sein. In diesem Forum, in dem ich selbst immer wieder mal vorbeischaue, dreht sich alles um Science-Fiction-FanFiction und -FanArt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf „Star Trek“ und so verwundert es nicht, dass im Forum auch der „1701 Day“ zelebriert wurde: Am 17.01. (abgeleitet von der Enterprise-Registrierungsnummer NCC-1701) bat Forenbetreiber J.J. Belar zur künstlerischen Auseinandersetzung mit den Star Trek-Raumschiffen, die den Namen „Enterprise“ trugen. Das Ergebnis – 12 Bilder einschließlich einem Cover-Bild – hat Belar in einem Bildband zusammengefasst, der seit kurzem online ist und zum Download zur Verfügung steht:

bildband_cover

„1701 Day“ – Bildband  (PDF, 4 MB)

Ich selbst habe ebenfalls ein Bild beigesteuert (Seite 5): Eine Photoshoparbeit, die auf die inzwischen ganz schön lange Ahnenreihe von Star Trek-Raumschiffen verweist, die im Laufe von über 50 Jahren den Namen „Enterprise“ trugen.

Pilotfilm-Review: „Star Trek : The Original Series – Der Käfig“

Nachdem ich aus Anlass des diesjährigen Starts der neuen Star Trek-Serie „Discovery“ bereits den Pilotfilm der Serie „Enterprise“ rezensiert habe, widme ich den zweiten Teil meiner Review-Reihe dem ersten von zwei Pilotfilmen zur Star Trek-Originalserie. Heutzutage ist diese Folge unter dem Titel „Der Käfig“ (Originaltitel „The Cage“) bekannt und auf DVD und Blu-ray als Bonusmaterial zur dritten Staffel enthalten, wenngleich es sich hierbei um das allererste Star Trek-Abenteuer handelt, das jemals auf Film gebannt worden ist. Und es hätte sehr leicht passieren können, dass danach bereits wieder Schluss gewesen wäre. Immerhin wurde die Produktion von „Der Käfig“ dem interessierten TV-Sender NBC damals auch mit der Möglichkeit schmackhaft gemacht, der Pilotfilm könnte im Sommer auch als „Film der Woche“ gezeigt werden, falls der Sender die Serie nicht in Auftrag geben wollte. In diesem Falle wäre der Film wohl umgehend in Vergessenheit geraten. Ein Glück, dass sich die Dinge anders entwickelten …

Handlung: „Der Käfig“ wurde in seiner ursprünglichen restaurierten Fassung (in Farbe) erstmals in den USA 1988 ausgestrahlt. (Im deutschsprachigen Raum fand die Erstausstrahlung 1993 statt.) Aber schon lange davor war den meisten Star Trek-Fans die Story des ersten Pilotfilms bekannt gewesen. Denn wenngleich es nach „The Cage“ so manche Adaption am Konzept der Serie – vor allem an der Besetzungsliste – gegeben hatte und der Film nie in seiner ursprünglich gedrehten Fassung Teil der TV-Ausstrahlung der klassischen Serie gewesen ist, so findet sich der Großteil des Pilotfilms doch in der Serie wieder. Nämlich in der Doppelfolge „Talos IV – Tabu“. Unter Zeitdruck stehend, rechtzeitig neue Folgen der Serie für die Ausstrahlung durch den Sender NBC zu finalisieren, hatte Produzent Bob Justman die grandiose Idee, das gedrehte Material für den ersten Pilotfilm nicht zu verschwenden, sondern die Geschichte in Form von Rückblenden zu erzählen. Er verpasste dem Pilotfilm einfach eine Rahmenhandlung, in der Captain Kirk erfährt, welches Abenteuer die Enterprise-Crew erlebt hat, bevor er selbst das Kommando über das Schiff übernahm. „Talos IV – Tabu“ datiert die Ereignisse von „Der Käfig“ dreizehn Jahre vor den Ereignissen, die in der klassischen Serie gezeigt werden.

thecagehd0287

Captain Pike auf der Brücke der Enterprise. Die Kulissen des Schiffes und Requisiten unterscheiden sich von der Darstellung in später produzierten Folgen der Serie. Man beachte das Blatt Papier, das Pike in Händen hält.

Die Enterprise steht unter dem Kommando von Captain Christopher Pike, als sie sonderbare Störsignale auffängt, die sich als ein vor vielen Jahren abgesetzter Notruf herausstellen. Pike befiehlt nicht sofort den Kurswechsel, um dem Notruf nachzugehen, immerhin ist die Besatzung der Enterprise selbst nicht gerade in bestem Zustand. Sie hat gerade erst auf Rigel VII einen Kampf ausgetragen, der drei Mitgliedern von Pikes Crew das Leben gekostet hat. Sieben weitere liegen verwundet in der Krankenstation. Dem Bordarzt Dr. Boyce schildert Pike bei einem Glas Martini seine Selbstzweifel und fragt sich, ob es nicht besser für ihn wäre, zurückzutreten und die schwere Verantwortung des Kommandos jemand anderem zu überlassen. Er malt sich aus, was er stattdessen tun könnte, als sich der außerirdische Wissenschaftsoffizier Spock von der Brücke meldet und mitteilt, dass die Fortsetzung des Notrufs von Überlebenden eines Raumschiffabsturzes berichtet.

Da es nun konkrete Hinweise auf Überlebende gibt, lässt Pike Kurs auf den Ausgangspunkt des Notrufs setzen. Dort angekommen beamt sich ein Außenteam auf den öden Planeten Talos IV hinunter, findet dort tatsächlich Überlebende vor. Doch sehr schnell stellt sich heraus, dass dies alles nur Täuschung war. Die Illusion verblasst, als humanoide Fremde auftauchen und Captain Pike in eine unterirdische Anlage entführen. Die Versuche der Enterprise-Crew, sich Zugang zu der Anlage zu verschaffen, scheitern. Pike selbst wird in einem Käfig gefangen gehalten und bekommt die telepathischen Fähigkeiten seiner Entführer am eigenen Leib zu spüren. Die Talosianer lassen ihn zu ihrer Unterhaltung Erinnerungen wiedererleben – den Kampf auf Rigel VII – und ködern ihn mit den Versuchungen eines angenehmen Lebens. Genauer gesagt mit all dem, von dem Pike bei seinem Gespräch mit Doktor Boyce fantasiert hat. Die Verlockung, seinen Widerstand gegen seine Gefangenschaft aufzugeben, wird zusätzlich garniert durch die Anwesenheit einer jungen Frau namens Vina, die nicht nur Teil der Scheinwelten ist …

thecagehd0627

Captain Pike wird während einer vermeintlichen Rettungsmission von den unter der Planetenoberfläche lebenden Talosianern entführt.

Fazit: „Der Käfig“ funktioniert durchaus sehr gut als eigenstehende Geschichte. Ich kann gut nachvollziehen, dass man den Pilotfilm als geeignet hielt, ihn auch als „Film der Woche“ auszustrahlen, wenngleich er mit 62 Minuten Laufzeit dafür etwas kurz geraten wäre. Aufgrund der Kürze ist auch nicht Zeit genug, um sämtliche Figuren vorzustellen. Positiv ist auf jeden Fall zu bewerten, dass die Einführungen der Charaktere nicht sehr gekünstelt wirken. Die meisten Figuren definieren sich über ihr Handeln bzw. ihre Funktion auf dem Schiff. Die Erste Offizierin „Nummer Eins“ erfüllt ihre Pflicht als Stellvertreterin von Captain Pike nachdem dieser entführt wurde, ist auch bereit für ihren Captain ein Risiko einzugehen und wird von den Talosianern als emotionslos beschrieben. Der außerirdische Wissenschaftsoffizier Spock (den Namen seiner Spezies erfahren wir nicht) darf hingegen bei zwei Gelegenheiten offen seine Gefühle zeigen, wenn er nicht gerade wissenschaftliche Daten zusammenfasst.

thecagehd0473

Dass Mister Spock (Halb-)Vulkanier ist und daher seine Emotionen unterdrücken sollte, war damals noch nicht etabliert. Emotionslosigkeit sollte vielmehr eine Eigenschaft der Ersten Offizierin sein. Später erschienene Geschichten rechtfertigen Spocks Gefühlsausbrüche in „Der Käfig“ mit seiner Jugend und/oder seiner Faszination für die menschliche Verhaltensweise und seinem Wunsch, sich dieser anzupassen

Doktor Boyce sieht sich für Leib und Seele der Crew verantwortlich und hat auch keine Scheu, dem Captain zu sagen, wenn sich dieser irrt. Im Pilotfilm wie auch generell am Beginn der klassischen Serie spielt der Yeoman – des Captains Assistentin – eine der Hauptrollen der Serie. Yeoman Colts Psychoanalyse durch die Talosianer geht sehr in den persönlichen Bereich, während sie bei der Ausübung ihrer Pflicht – unnötige – Unsicherheit zeigt. Am persönlichsten wird in „Der Käfig“ jedoch auf Captain Pike eingegangen. In der Geschichte geht es im Grunde nur um ihn allein, über seine Zweifel, seine Träume, seine Bestimmung.

In dieser Geschichte erleben wir Pike nicht gerade in bester Stimmung, ja er wirkt ziemlich depressiv und lächelt in 62 Minuten nur einmal und dies sehr verhalten. Er ist eine tragische Figur, die nach traumatischen Erlebnissen in eine für sie persönlich interessante Situation gerät. Pike wäre am Ende vielleicht sogar bereit gewesen, diese zu akzeptieren, wenn seine Erste Offizierin nicht eingegriffen hätte. Wie gesagt ist „Der Käfig“ als abgeschlossene Geschichte über den Raumschiff-Captain Christopher Pike am Scheideweg durchaus gut gelungen. Aber ich kann verstehen, warum NBC diesen Charakter später in der Serie nicht mehr als Hauptfigur wollte. Pikes Laune trübt auch das Sehvergnügen und wenngleich der Pilotfilm dem Zuseher dank der Illusionen exotische Schauplätze und ungewöhnliche Situationen zeigt, fehlt der Geschichte der Abenteuergeist. Mit Rigel VII, der bewohnbar gemachten Mojave-Wüste der Erde und der Orion-Kolonie besuchen Pike und Vina in unterschiedliche Rollen schlüpfend einige interessante Welten und Völker, auf die man in späteren Folgen und Serien zurückgreifen wird. Aber ich erhalte beim Sehen der Folge nicht den Eindruck, der Film wolle eine Bühne für Abenteuer erschaffen.

thecagehd0892

Rigel VII wurde durch eine Kombination aus Aufnahme eines realen Gebäudes und  eines Gemäldes umgesetzt.

Die Schauplätze, die uns dieser Pilotfilm zeigt, sind wirklich hübsch ausgestattet. Es gibt sehr schöne Gemälde (die Bergkette auf Talos IV oder die Umgebung auf Rigel VII), große Sets (das unterirdische Gefängnis der Talosianer, wo geschickt mit falscher Perspektive gearbeitet wurde, oder der orionische Palast mit Wasserbecken) und auch ein paar hübsche Effekte (der „Betäubungsnebel“, den die Talosianer gegen Pike bei dessen Entführung einsetzen). „Der Käfig“ ist zweifelsohne natürlich ein Kind seiner Zeit und was die Ausstattung angeht, kann man den Film nicht mit heutiger Science-Fiction vergleichen und auch nicht mit Kinoproduktionen des Genres der 1960er. Jedoch muss sich ausstattungsmäßig „Der Käfig“ nicht vor z.B. dem 50er-Jahre-Klassiker „Alarm im Weltall“ verstecken und wenngleich es jüngere Generationen vielleicht nicht glauben werden: „Star Trek“ war eine zur damaligen Zeit sehr teure Produktion und bereits „Der Käfig“ hat sein von vornherein für einen Pilotfilm höher veranschlagtes Budget deutlich überzogen.

thecagehd0706

Der Korridor des unterirdischen Gefängnisses wirkt länger, als er in Wahrheit ist. Die parallel angeordneten Streben werden kleiner je weiter sie vom Betrachtungspunkt entfernt sind. Falsche Perspektive wurde später in der Serie auch im Maschinenraum-Set angewendet.

Was uns der Film und auch generell die klassische Star Trek-Serie zeigen, ist einfach eine Vision der Zukunft aus der Perspektive der 60er-Jahre, umgesetzt mit für TV-Produktionen der 60er-Jahre verfügbaren Mitteln. Manche Designentscheidung und Gestaltungsmethode mag einem aus heutiger Sicht seltsam erscheinen, aber gewiss wurde damals nicht weniger angestrengt an der Produktion von Fernsehserien gearbeitet als heutzutage. Seither hat die Industrie aber über fünf Jahrzehnte mehr Erfahrung gesammelt und Entwicklungen durchgemacht. Und wenn man dies berücksichtigt und Vergleiche mit zum damaligen Zeitpunkt lediglich rund ein Jahrzehnt zurückliegenden Kinofilmen wie „Alarm im Weltall“ oder „Kampf der Welten“ anstellt, dann muss sich „Der Käfig“ nicht verstecken.

Der Pilotfilm hat schöne Sets und die Farbgebung vor allem auf der Enterprise verleiht dem Ambiente durchaus Realismus. In den späteren Folgen der Serie wurde alles ein bisschen bunter, für das Farbfernsehen optimiert. Aber die Grautöne, metallische Oberflächen und eher gedämpfte Farben wirken durchaus nachvollziehbar. (Absichtlich oder nicht ähnelt die Farbgebung eindeutig jener aus dem Prequel „Enterprise“.) Die Masken der Talosianer sehen auch nach heutigem Standard großartig aus und haben eine raffinierte Funktion, die ihre Schläfen pulsieren lässt, wenn sie telepathisch kommunizieren. Die Sternenflottenuniformen sind etwas einfach gehalten, sehen aber bewusst wie normale Bekleidung aus, um sich eindeutig von Serien wie „Flash Gordon“ abzugrenzen.

Aber auch für das Produktionsjahr 1964 war nicht alles perfekt. Klar, manches war damals nicht anders umzusetzen, es gab z.B. noch keinen Morphing-Effekt, um Vinas Verwandlung gegen Ende des Films überzeugend darzustellen. Doch die Raumschiff-Effekte hätte sicher schon damals etwas besser aussehen können. Die Bewegungen sind oft nicht ganz flüssig und wirken nicht immer ganz natürlich. Man sieht durchaus, dass die Produzenten den Flug des Schiffes durchs Weltall dynamisch darstellen wollten, aber viele der Flüge wirken unruhig. Das hat man später in der regulären Serie besser hinbekommen und es ist anzumerken, dass nur sehr wenige (ich glaube zwei) Aufnahmen des Schiffs aus „Der Käfig“ später in der Serie wiederverwendet wurden.

thecagehd0029

Eine von wenigen Aufnahmen der Enterprise aus dem Pilotfilm, die später in der Serie noch gelegentlich Verwendung finden sollte – obwohl das Schiffsmodell später verändert wurde. Man beachte die Lanzen vorne an den Warp-Gondeln, die größere Deflektorschüssel und das höhere Brückenmodul. Dieses Modell war zudem gänzlich unbeleuchtet.

Die Musik sollte ebenfalls erwähnt werden: Bereits der Pilotfilm verwendet die typische Star Trek-Titelmelodie von Alexander Courage. Und das nicht nur am Beginn und Ende; es gibt mitten in der Folge sogar ein halbminütiges Interludium, in der die Melodie die Szene einnimmt, während die Enterprise nach Talos IV fliegt. In dieser halben Minute, in denen wir vorbeiziehende Sterne und die arbeitende Crew der Enterprise sehen, gibt es keinen Dialog. Das geht so weit, dass der Steuermann seinem Captain das Erreichen von Warp-Faktor 7 durch das Anzeigen mit entsprechend vielen erhobenen Fingern signalisiert. 😀 Ansonsten ist der Soundtrack sehr solide und beinhaltet das eine oder andere Stück, das später in der Serie wiederverwendet werden sollte. Generell ist die Musik des Pilotfilms aber noch recht zurückhaltend – zumindest im Vergleich zur klassischen Serie. Verglichen mit den meisten Tracks der Serien zum 24. Jahrhundert ist die Musik aus „Der Käfig“ geradezu pompös. Aber nicht unbedingt einer meiner Favoriten der klassischen Serie.

Bewertung: Ein solider Film. Das kann man über den ersten Pilotfilm absolut sagen und er wäre bestimmt nicht der schlechteste „Film der Woche“ auf NBC gewesen, wenn dies sein Schicksal gewesen wäre. Aber es ist auch trotz der vermittelten Exotik ein introvertierter Film. Es gibt viele Illusionen, aber Captain Pike und der Zuseher wissen sofort, dass dies alles nicht real ist und wenn der Hauptcharakter keine Faszination für die Scheinwelten erlebt, wird dies dem Zuseher auch nicht leicht gemacht. „Der Käfig“ besitzt schon sehr viele Bestandteile von dem, was die klassische Star Trek-Serie ausmachen wird. Aber der Abenteuer-Spirit geht noch ab, auch aufgrund der Thematik und der durchwegs einheitlich melancholischen Darstellung des Hauptcharakters. Am Beginn wird verbal etwas zu viel Information vermittelt. Man kann nur vermuten, dass Pike vor dem verlustreichen Gefecht auf Rigel VII etwas lockerer war. Es hätte dem Film gut getan, dies auch visuell zu vermitteln, die Geschichte vor den Ereignissen auf Rigel VII zu beginnen, um Vergleiche anstellen zu können, wie sich Pike vor und nach dem Gefecht verhält. Dazu hätte der Film aber natürlich einige Minuten länger sein müssen. Aufgrund der Kürze des Films bleibt den anderen Charakteren – selbst Mister Spock, der als einzige Figur den Sprung in die spätere Serie schaffen sollte – nur unterstützende Funktion, wenngleich „Nummer Eins“ für die entscheidende Wendung sorgt, damit dem Captain aber auch das Ruder aus der Hand nimmt. (Dies ist interessanterweise das Gegenstück zum „Enterprise“-Pilotfilm „Aufbruch ins Unbekannte“, in dem ein entscheidender Handlungspunkt jener ist, dass die Erste Offizierin trotz Interventionsmöglichkeit ihrem Captain die Handlungsfreiheit lässt.)

Zum Glück haben die Verantwortlichen für das NBC-Programm dennoch das Positive an „Der Käfig“ erkannt und der Serie eine zweite Chance gegeben. Wenngleich erst der zweite Pilotfilm die Serie und in weiterer Folge das gesamte Franchise auf Spur brachte, so hat „Der Käfig“ doch demonstriert, dass „Star Trek“ Potenzial hat und das Filmstudio Desilu – das davor hauptsächlich Sitcoms produziert hat und über schon zur damaligen Zeit veraltetes Equipment verfügte – die technischen Fähigkeiten besaß, um eine wöchentlich laufende Science-Fiction-Serie zu realisieren. Insofern hat „Der Käfig“ seine Mission absolut erfüllt. Und auch ungeachtet allem, was der Film erreicht hat, ist er absolut sehenswert. Nicht das aufregendste Abenteuer, das man sich vorstellen kann, aber ein schönes Charakterstück über einen desillusionierten Schiffskapitän, der zwischen düsterer Realität und verlockender Scheinwelt steht. 4 von 6 Punkte.

4rolls

Anmerkungen:

  • Eine lesenswerte Lektüre zur Entstehung von „Der Käfig“ und zur klassischen Serie im Allgemeinen ist das Buch „Star Trek – Die wahre Geschichte“ von Herb Solow und Bob Justman.
  • Die Bewertung der Effekte in meinem Review bezieht sich auf die Originalaufnahmen. Wie alle regulären Folgen von „The Original Series“ wurde auch „Der Käfig“ vor einigen Jahren neu abgetastet und erhielt neue Effekte. (Auf Blu-ray kann man zwischen alten und neuen Effekten wählen; die aktuelle DVD-Auflage und die derzeitige Fernsehausstrahlung bieten nur die neuen Effekte an.)
  • In der deutschen Synchronfassung von „Der Käfig“ werden die Charaktere von anderen Sprechern synchronisiert als in „Talos IV – Tabu“.
  • Die in diesem Review verwendeten Bilder stammen von trekcore.com.