Rezension: ETP – „Rise of the Federation: Patterns of Interference“

In seinem mittlerweile fünften Roman, der die Ereignisse der Serie „Enterprise“ fortführt, stellt Autor Christopher L. Bennett einmal mehr unter Beweis, dass er ein gutes Händchen für die ehemalige Crew des Raumschiffes Enterprise hat und langfristig aufgebaute Handlungsstränge erfolgreich aufrechterhalten und hier nun zu einem zwischenzeitlichen Höhepunkt verknüpfen kann.

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Bennetts erster „Enterprise“-Roman war noch 2162 angesiedelt – rund ein Jahr nach der Gründung der Vereinigten Föderation der Planeten – und seither hat er mit jedem Roman den steinigen Weg dieser Organisation in ihren Anfangsjahren konsequent weitergeführt. Hinter vielen Problemen der Föderationen standen dabei vor allem zwei Drahtzieher, die ständig ihre Finger im Spiel zu haben schienen: Zum einen das Orion-Syndikat, das von den ruchlosen Drei Schwestern angeführt wird. Und zum anderen Sektion 31, eine illegale Geheimdienstgruppe, die ihre eigenen Vorstellungen davon hat, was gut für die Menschen und ihre engsten Verbündeten ist.

Der Großteil der Handlung von „Patterns of Interference“ ist nun Anfang 2166 angesiedelt. Gerade während einer Zeit, als Admiral Archer nach dem verheerenden „Ware“-Zwischenfall („Live by the Code„) für die Installierung einer Nichteinmischungs-Direktive eintritt, treffen Nachrichten vom Planeten Sauria ein: Der diktatorische Machthaber Maltuvis (der insgeheim von den Orionern unterstützt wird) begeht ein schreckliches Massaker an der Zivilbevölkerung und die Föderation – die jahrelang von Maltuvis Dilithium kaufte und so indirekt seinen erfolgreichen Eroberungsfeldzug gegen die anderen Staaten auf Sauria finanzierte – sieht sich gezwungen, dezent aber doch einzugreifen, um einen Fehler der Vergangenheit wiedergutzumachen. Ein Einsatzteam von der U.S.S. Essex wird nach Sauria entsandt, um zusammen mit dem in den Untergrund getriebenen Rest der einstigen saurianischen Weltregierung einen Sabotageakt gegen eine von Maltuvis Schiffswerften auszuführen.

Doch genau damit haben die Orioner gerechnet, als sie Maltuvis zu dem Massaker überredet haben. Sie planen, den Sabotageakt der Föderation selbst zu sabotieren und ihr die Schuld am Tod von Millionen saurianischen Zivilisten in die Schuhe zu schieben. Damit will das Orion-Syndikat bewirken, dass Archers angedachte Nichteinmischungs-Direktive derart scharf beschlossen wird, dass sich die Föderation damit selbst in die Isolation treibt und das Syndikat weiter ungestört seinen zwielichtigen Geschäften nachgehen kann.

Sektion 31 bekommt zwar Wind von dieser Absicht, doch deren Anführer – Agent Harris – ist durchaus ein Befürworter einer eher passiv ausgerichteten Föderation und will lieber die Hände in den Schoss legen und die sich anbahnende Katastrophe geschehen lassen, anstatt die Föderation zu warnen. Der Tropfen, der für Commander Charles Tucker – der seit Ausbruch des Romulanischen Krieges vor rund zehn Jahren als Geheimagent für Sektion 31 gearbeitet hat – das Fass zum Überlaufen bringt. Er konspiriert mit Archer, T’Pol und Reed, um nicht nur die Pläne der Orioner zu vereiteln, sondern ebenfalls um Sektion 31 endgültig auffliegen zu lassen. Dafür muss er jedoch nach Sauria und mit der orionischen Agentin Devna, von der er weiß, dass ihre Loyalität zu den Drei Schwestern nicht uneingeschränkt ist, eine gefährliche Allianz eingehen …

Fazit: Meine Zusammenfassung bezieht sich nur auf den Haupthandlungsstrang des Romans, aber wie in allen seinen vorangegangenen „Enterprise“-Romanen bekommen bei Christopher L. Bennett auch die Crews der Endeavour rund um T’Pol und Hoshi Sato und der Pioneer unter Malcolm Reed und Travis Mayweather etwas zu tun. So erforscht die Endeavour zusammen mit einer etwas widerspenstigen Frachter-Crew einen fremden Planeten, der ausschließlich von pflanzlichen Lebewesen bewohnt ist und auf dem nicht nur ein exotisches Ambiente herrscht, sondern auch Hoshi Sato vor eine sehr persönliche Herausforderung gestellt wird. Die Crew der Pioneer hält sich hingegen die meiste Zeit im Raumdock auf, wodurch sich überraschenderweise für Malcolm Reed die Gelegenheit ergibt, einer Kollegin äußerst nahe zu kommen.

Doch diese Nebenhandlungen müssen sich in „Patterns of Interference“ klar dem orionischen Komplott rund um den Anschlag auf Sauria unterordnen. Die heikle politische Situation und Rolle der Föderation zusammen mit einer klassischen Agentenstory rund um Verrat und Täuschung ist von Anfang bis Ende enorm spannend. Bennett versteht es, die Handlung trotz der Komplexität, die durch die vielen beteiligten Parteien und Interessen entsteht, zügig und temporeich voranzutreiben. Bennett ist bekannt dafür, sehr detailverliebt zu schreiben, was manchmal ausufert. Diesmal hat er dies meinem Empfinden nach ein wenig zurückgeschraubt bzw. auf Nebenhandlungen ausgelagert, was für das Erzähltempo und die Spannung aber absolut von Vorteil ist.

Ebenfalls hervorragend und für Kenner der Materie äußerst unterhaltsam sind die kleinen Anspielungen auf andere Star Trek-Inkarnationen, mit denen Bennet die „Enterprise“-Ära mit den anderen Serien und Filmen verknüpft. So erklärt er ganz nebenbei die Uniformen der U.S.S. Franklin aus „Star Trek Beyond“ und unterstreicht, dass es sich bei der orionischen Agentin Devna um jene Orionerin handelt, die wir auch in der Star Trek-Zeichentrickserie in der Folge „Die Zeitfalle“ sehen. Und sogar das sogenannte „Ringschiff“, das Matt Jeffries einst entwarf und von dem Zeichnungen und Modelle seit dem ersten Kinofilm so manche Sets der Serien und Filme dekorierte, wird zu einem Schauplatz in diesem Roman.

Obwohl mir „Patterns of Interference“ wirklich hervorragend gefallen hat, gibt es aber doch noch ein paar Kritikpunkte, von denen zwei direkt an Admiral Archers Assistenten Captain Williams festzumachen sind. Zum einen gibt es da ein paar eher schmalzige und langatmige Passagen mit ihm, seiner Tochter und seinem Schwiegersohn in spe Samuel Abraham Kirk. Diese Szenen sollen am Ende einen ziemlich plötzlichen Sinneswandel erklären, der für mich aber trotzdem wie aus dem Hut gezaubert wirkt und für Admiral Archer etwas zu praktisch ausfällt. (Aber das sei dem Admiral gegönnt, denn Archer ist in diesem Roman ansonsten nicht gerade vom Glück verfolgt und muss sich zudem in einer sehr traurigen Passage endgültig von einem langjährigen Weggefährten verabschieden.)

Und dann wäre da natürlich wieder einmal der Ballast, den Bennett vom Autorenduo Mangels & Martin geerbt hat. Wieder einmal versucht sich Bennett daran, die Absurdität, die Tuckers Weiterarbeit für Sektion 31 nach dem Ende des Romulanischen Krieges umgibt, zu plausibilisieren, was aber auch nur halb funktioniert bzw. Bennett ebenfalls wie eine nachträgliche Interpretation gegen Ende des Romans unterbringt.

Bewertung: Zusammengefasst ist „Patterns of Interference“ eine wirklich tolle Agentenstory mit komplexer Ausgangssituation, die sehr viel Unsicherheit für die Protagonisten beinhaltet, was die Spannung konstant hoch hält. Dass sich der Fokus hin und wieder auf andere Schauplätze und weniger dramatische Ereignisse verlagert, ist aber auch kein Nachteil, denn dies sorgt für einige Entlastungsmomente, die auch mal gut tun. Mal abgesehen von den bereits erwähnten Schwächen entpuppte sich „Patterns of Interference“ als tolles Lesevergnügen, was auch auf die „Rise of the Federation“-Reihe von Christopher L. Bennett als Gesamtes bisher zutrifft und die ich allen Fans der Serie „Enterprise“ wärmstens an Herz legen möchte. Der fünfte Roman der Reihe toppt die Vorgänger nochmal und so gebe ich erstmals – wenn auch nur knapp – die Höchstnote für diese Romanreihe: 6 von 6 Sterne!

6stars

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Rezension: “Star Trek TNG – Light-and-Sound Tricorder“

Der Verlag „Running Press“ bringt rund alle zwei Jahre jeweils ein Paar Miniaturen inklusive Begleitbüchlein zum Thema „Star Trek“ heraus. Nachdem bislang die Ära der klassischen Serie bedient wurde, veröffentlicht „Running Press“ im Jahr 2018 in ihrer dritten „Star Trek“-Tranche erstmals ein Raumschiff und einen Ausrüstungsgegenstand aus der Serie „The Next Generation“.

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Die beleuchteten Raumschiffminiaturen von „Running Press“ waren für mich schon immer interessant, denn für recht schmales Geld bekommt man hier schöne Deko-Stücke. Die Ausrüstungsgegenstände sind da schon ein anderes Thema: Obwohl ebenfalls für unter 10 Euro erhältlich, finde ich z.B. den Pistolen-förmige Phaser aus der klassischen Serie als Miniatur uninteressant, da er viel zu klein ist, um wie das Originalrequisit gehalten werden zu können. Anderseits fiel der klassische Kommunikator wiederum lediglich um rund 20 % kleiner als das Original aus und lässt sich sehr schön halten und ist eingeschränkt durchaus Cosplay-tauglich. Gleiches erhoffte ich mir vom Tricoder aus „The Next Generation“, zumal der zusammengeklappte Tricorder im Original nur wenig größer ist als es die einheitlich großen Schachteln der „Deluxe Mega Kits“ sind und „Running Press“ in der Vergangenheit die Schachteln gut ausgefüllt hat.

Dies ist beim Tricorder leider nicht der Fall. Mit einer Breite von 6 cm hat „Running Press“ bei diesem Ausrüstungsgegenstand locker einen Zentimeter liegen gelassen, weshalb der Tricorder statt lediglich 20 % eher 35 % kleiner als das Original ausfällt. Das 50seitige Mini-Buch sowie die Aufkleber, die selbst anzubringen sind, hätten auch noch Platz gehabt, hätte die Miniatur die Breite der Schachtel ausgefüllt.

Dennoch muss ich festhalten, dass es sich trotz Kleinformat um einen handlichen Gegenstand handelt. In seiner aufgeklappten Form hat der Tricorder eine Höhe von 12,5 cm und liegt gut in der Hand. Für Außenstehende mag er in der Hand verschwinden, aber für den Anwender selbst, entfaltet das kleine Gerät seine Magie, wenn man es aufklappt und es sofort beginnt loszuzwitschern zu zu blinken. Dies war ein Manko des TOS-Kommunikators: Das Aufklappen hat nichts bewirkt, man musste erst die Tasten drücken, damit er einen von zwei Tönen von sich gab. In Sachen Soundkulisse ist der Tricorder wiederum etwas reduzierter, er kann nur einen 20sekündigen Scanner-Sound von sich geben. Es wäre ganz nett gewesen, hätte er noch eine Taste für einen kurzen Piep-Ton verpasst bekommen, den man selbst noch zwischendurch einstreuen könnte.

Interessantes: Diese Miniatur basiert auf jener Requisite, die in den ersten beiden Staffel von „The Next Generation“ Verwendung fand. Dieses Modell wies einige Unterschiede zu den späteren Tricorder-Requisiten auf. Die Miniatur berücksichtigt sowohl die etwas rundere Gehäuseform, das blaue Display, die dargestellte Grafik wie auch den Scanner an der Stirnseite (der bei der Miniatur aber nicht entnehmbar ist).

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Ein mitgenommen aussehender Tricorder in der Staffel 2-Folge „Die Iconia-Sonden“.

Wie schon im Rahmen meiner Rezension des „Running Press“-Kommunikators möchte ich auch den Tricorder mit einer anderen Nachbildung dieses Ausrüstungsgegenstands vergleichen. Jedoch besaß ich bislang keinen Standard-Tricorder der TNG-Ära, weshalb ich die neue Miniatur für die folgenden Fotos neben den medizinischen Tricorder von „Playmates“ gelegt habe. Aufgrund des Aufsatzes für den medizinischen Scanner wirkt das Spielzeug von „Playmates“ (das vermutlich der Größe der Originalrequisite ziemlich gut entspricht) ein ganzes Stück größer und lässt die „Running Press“-Version nochmal deutlich kleiner aussehen.

Im Gegensatz zum „Running Press“-Modell wird der „Playmates“-Tricorder nicht von drei Knopfzellen, sondern von zwei AA-Batterien betrieben. Sein Leistungsumfang ist dabei aber gar nicht so viel größer. Er verfügt sogar über zwei Ein- und Ausschalter (einen versteckte und einen offensichtlichen), die das Display anschalten und es ermöglichen, per Tastendruck drei unterschiedliche, ca. 3 bis 5 Sekunden lange Töne abzuspielen. Das war’s dann auch schon mit der Elektronik, die soweit mir bekannt beim Standard-Tricorder von „Playmates“ ident ist. Abgesehen von der Größe schneidet die Miniatur von „Running Press“ also gar nicht schlecht ab. Ich würde sogar soweit gehen und behaupten, dass die Sound- und Lichteffekte bei der Miniatur deutlicher dynamischer rüberkommen.

Und was den Preis angeht, ist „Running Press“ sowieso kaum zu schlagen. Für 10 Euro bekommt man zwar etwas nur kleines, aber doch sehr feines, während man für einen TNG-Tricorder in Originalgröße heutzutage das Zehnfache zahlen muss. (Im Gegensatz zu den ikonischen Requisiten der TOS-Ära sind jene aus TNG bei weitem nicht so oft und von so vielen Herstellern aufgelegt worden.)

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Diese vier „Deluxe Mega Kits“ habe ich mir bis jetzt angeschafft.

Fällt der Tricorder etwas kleiner aus als erwartet, so ist das Begleitbüchlein im Format 6,5 x 7,5 cm mit 50 Seiten sogar etwas dicker als gewöhnlich. Autor Chip Carter erläutert alles Wissenswerte über den Tricorder, von der klassischen Serie über „The Next Generation“ bis hin zu den danach spielenden Serien. Die Herkunft technischer Angaben verschweigt Carter wieder einmal. Da sie in den TV-Serien nie derart detailliert genannt wurden, dürften sie aus dem an einer Stelle im Büchlein erwähnten Technischen Handbuch von Mike Okuda und einem für Darstellerin Gates McFadden (Beverly Crusher) erstellten Benutzer-Guide von Rick Sternbach stammen. Jedenfalls war es interessant zu sehen, welche fiktiven Funktionen sich hinter den vielen Abkürzungen und Begriffen verbergen, die auf oder neben der Tasten und Blinklichter des Tricorders stehen.

Chip Carters Text beinhaltet diesmal nichts Kontroverses oder Widersprüchliches, weshalb das Büchlein als kurze begleitende Lektüre zur Tricorder-Miniatur absolut empfehlenswert ist. Sogar der Großteil der verwendeten Bilder passt einigermaßen gut zum Text.

Bewertung: Manche wollen es vielleicht nicht hören, aber ja, es kommt auch auf die Größe an. 😀 Dass der Tricorder hier nicht ganz mit dem TOS-Kommunikator von „Running Press“ mithalten kann, ist wirklich schade, denn eine Miniatur in 80 % der Originalgröße wäre locker im Rahmen der „Deluxe Mini Kit“-Reihe möglich gewesen.

Und dennoch gebe ich dem Tricorder gute 4 von 6 Sterne. Für Cosplay-Anwendung ist er vielleicht doch eine Spur zu klein geraten, aber das ist für mich selbst nicht unbedingt ein Kriterium. Alles in allem ist es eine nette Nachahmung eines TNG-Requisits, mit detaillierten Aufklebern und einer hübschen Licht- und Sound-Show zu einem unschlagbaren Preis. (Die in meiner Rezension erwähnten 10 Euro sind grober ein Richtpreis, ich selbst habe den Tricorder für 7,50 Euro ergattert.)

4stars

Anmerkungen: 

611VpnsisGLDie zweite Miniatur, die „Running Press“ in diesem Jahr veröffentlicht, ist der Borg-Kubus, der ebenfalls mit Licht- und Soundeffekten ausgestattet ist. Ich weiß noch nicht, ob ich ihn mir anschaffen werde. Falls er nicht (wie z.B. die U.S.S. Enterprise) zum Zusammenbauen ist, hat ein Kubus nicht gerade das ideale Format für eine „Deluxe Mini Kit“-Schachtel.

„Mini Kits“ wie zu „Star Trek“ bringt „Running Press“ auch zu vielen anderen Franchises heraus. Von „Batman“, über „Harry Potter“ bis hin zu „Game of Thrones“.

616hBkWnsjLUnd auch zu „Alien“ erschien bereits eine Miniatur, die ich im vergangenen Jahr einem Freund zum Geburtstag geschenkt habe. Ich selbst bin kein Fan des „Alien“-Franchise, aber ich muss schon sagen, dass ich diese kleine „Alien-Büste“ wirklich toll fand! Eine große Empfehlung für alle Fans dieses Monsters, denn die Büste füllt die Schachtel wirklich gut, ist erstaunlich groß und der gruselige Effekt wird über einen sehr gut im Design versteckten Schalter ausgelöst.

 

 

Rezension: Comic – Boldly go #18 „I.D.I.C. Part 6“

Das Grande Finale der „I.D.I.C.“-Miniserie und der „Boldly go“-Reihe (und zumindest vorläufig der Kelvin-Universum-Comics) ist erreicht! Doch bereits die vorangegangene Ausgabe hat offenbart, was hinter den sich multiversial überschneidenden Abenteuern verschiedener Varianten der Enterprise-Crew steckt, weshalb auch dieses Review wieder Spoiler zu den früheren Ereignissen der Miniserie enthält.

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In Ausgabe #17 erfuhren wir, dass sich Gary Mitchell nach seinem durch Kirk herbeigeführten Tod in „Ongoing“-Ausgabe #1 zu einem allmächtigen Wesen entwickelt hat und er nun mit seinem einstigen Freund groß abzurechnen gedenkt. Zuerst indem er unendlich viele Versionen von Kirk mit No-Win-Szenarien konfrontierte, was aber nur ein Vorspiel zur völligen Ausrottung aller Kirks im Multiversum darstellen soll. So will er jenen Charakter ausmerzen, der ihm seine einzige Niederlage zugefügt hat.

Doch während Mitchell dafür gesorgt hat, dass Kirks typische Charaktereigenschaften zu dessen Scheitern in den No-Win-Szenarien führte, lässt Mitchell in seiner Selbstüberschätzung zu, dass Kirk ihn auf Augenhöhe herausfordert. Und so überträgt Mitchell einen Teil seiner Kräfte an seinen Widersacher. An einem Schachbrett, das symbolhaft für die Vorgänge in den No-Win-Szenarien steht, versucht Kirk daraufhin mit geschickten Zügen das Blatt zu wenden, indem er beispielsweise seinen McCoy von einem Szenario ins andere transferiert, wo dieser einer bereits tot geglaubten Kirk-Version das Leben rettet. Ähnliche Schachzüge scheinen die Zerstörung oder die Unterwerfung von Planeten durch böse Kräfte aufzuhalten. Doch Mitchell war Kirk im Schach schon immer überlegen …

Fazit: Am Finale überraschte mich besonders, dass nochmals auf die Ereignisse in den drei Universen Bezug genommen wurde, die in Teil 4 von „I.D.I.C.“ einen tragischen Ausgang für drei der Kirks genommen haben. Dies lässt die Miniserie am Schluss nochmals sehr rund erscheinen … und führt den Leser und vor allem Gary Mitchell auf eine falsche Fährte.

Über den Ausgang der Geschichte will ich an dieser Stelle keine Details verraten, nur so viel dass es mich sehr zu überraschen vermochte, wie Kirk hier mit unendlich vielen No-Win-Szenarien umgeht und welchen Schluss er daraus zieht, mit dem er schließlich die Oberhand gewinnt. Sein Einsatz ist dann doch etwas hoch, muss ich sagen. Meiner Meinung nach lag in seiner Lösung doch sehr viel Ungewissheit. Anderseits galt dies auch für das tolle Finale von „The Next Generation“, an das ich mich am Schluss des Comics durchaus erinnert fühlte. Wie dort erfolgt eine gewisse Art von Aussöhnung zwischen einem übermächtigen Wesen und einem Sternenflotten-Captain und wie Picard erhielt auch Kirk während dieses Abenteuers einen kleinen Einblick in andere Möglichkeiten der Existenz.

Für das Finale holte sich Autor Mike Johnson erstmals im Rahmen der Miniserie Unterstützung durch Co-Autor Ryan Parrot. Alles in allem kommt die 6-teilige Story aber wie erwähnt trotz so vieler Charaktere aus den unterschiedlichsten Universen sehr rund rüber. Etwas erstaunlich ist jedoch, dass gerade im letzten Teil von „I.D.I.C.“ mit Josh Hood jener Zeichner zum Zuge kam, der bereits Teil 1 illustriert hatte. Bislang war man hier dem vulkanischen Prinzip der „unendlichen Mannigfaltigkeit in unendlichen Kombinationen“ gefolgt. Schon in Teil 1 wussten Hoods Zeichnungen zu gefallen und ich finde, dass er diesmal auch Kirk besser getroffen hat. Ebenfalls sehr gut getroffen hat er den Freizeitraum der Enterprise, in dem Kirk und Mitchell in „Ongoing #1“ Schach gespielt haben. Dazu bot sich Hood die Möglichkeit, einige sehr spektakuläre Panels zu zeichnen. Ein Fehler bei der Kolorierung durch Jason Lewis ist mir aufgefallen: eine der weiblichen Spock-Varianten ist Captain und trug bislang eine goldene Kommandouniform. Lewis zeichnete die Uniform jedoch blau. (Lewis arbeitete wie Hood bislang nur an Teil 1 der Miniserie, wo am Schluss ein anderer weiblicher Spock-Charakter auftrat, der noch Erster Offizier war. Dies könnte eine Erklärung für diesen kleinen Fehler sein.)

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Das vulkanische „Shuttle“ ist natürlich klar inspiriert von der Surak-Klasse aus der Serie „Enterprise“, einem meiner Lieblings-Schiffsdesigns.

Bewertung: Das „I.D.I.C.“-Finale hat mich etwas auf dem falschen Fuße erwischt. Ich hatte erwartet, dass sich Kirk und Mitchell von Panel zu Panel in anderen Zeitlinien und Universen wiederfinden und nur dort Vorhandenes nutzen, um sich irgendwie auszutricksen und ihre Pläne zu unterbinden. Dies geschieht zwar durchaus, aber doch in deutlich anderer Form. Aber dass die beiden metaphorisch über einem Schachbrett brüten und wir vorrangig nur die drei Universen mitbekommen, die bislang im Mittelpunkt standen, war wahrscheinlich der Überschaubarkeit halber sogar eine recht vernünftige Reduzierung. Auch wenn die Geschichte dadurch nicht mit einem so großen, fantasievollen Spektakel endet, wie ich es mir vorgestellt hätte. Dafür ist die letzte Seite ein bittersüßer Rückblick in ein anderes Universum und dem Abschluss einer Comic-Reihe würdig. Da ich aber doch ein bisschen „mehr“ erwartet hätte, gebe ich Teil 6 von „I.D.I.C.“ und auch der Miniserie als Gesamtes 5 von maximal 6 erreichbaren Sternen.

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Anmerkungen: 

ST_BoldlyGo18-coverBMit Ausgabe #18 endet die „Boldly go“-Reihe, in der es um die Abenteuer der Enterprise-Crew vor der Indienststellung der NCC-1701-A ging. Ein alternatives Cover zu dieser Ausgabe zeigt Kirk, Spock und Uhura, wie sie die Fertigstellung ihres neuen Schiffes beobachten (das auf diesem Cover übrigens fälschlicherweise von der ursprünglichen Enterprise gedoubelt wird und auf Kirks PADD ist ebenfalls die stilisierte Silhouette der erste Kelvin-Enterprise nach dem Refit vor „Beyond“ zu sehen.)

Bis die Pläne für einen Fortsetzung des Kelvin-Universums auf der Leinwand konkreter werden, pausiert der Verlag IDW vorerst mit weiteren Comics zu dieser Zeitlinie. Es gibt aber noch ein paar Ausgaben von „Ongoing“, die ich noch nicht gelesen habe wie auch die Miniserie „Manifest Destiny“, die 2016 einen eigenen „Countdown“-Comic zu „Beyond“ ersetzte. Diese Geschichte werde ich im Lauf der Zeit hoffentlich nachholen und hier an dieser Stelle rezensieren können.

Rezension: „Star Trek – Wo bisher noch niemand gewesen ist – Eine Chronik in Bildern “

Ich habe mich kürzlich im Auftrag eines Freundes auf die Suche nach einem antiquarischen Exemplar des „Star Trek Sternen-Atlas“ begeben und wurde zum Glück zu einem halbwegs verschmerzbaren Preis fündig. Da der Händler auch weitere – und wesentlich günstigere – Sachbücher zum Thema „Star Trek“ hatte, habe ich die Gelegenheit genützt und für mich selbst „Eine Chronik in Bildern“ mitbestellt.

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Dieses Buch war bislang an mir vorübergegangen, aber mit einem Erscheinungsdatum im Jahr 1994 (deutsche Veröffentlichung im Heyne-Verlag 1995), ist es auch nicht gerade die aktuellste Quelle an Infos und dies sollte man im Hinterkopf behalten, wenn man dieses Buch liest bzw. durchblättert. Denn zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung existierten gerade einmal die klassische Serie, die Zeichentrickserie, „The Next Generation“ und zwei Staffeln von „Deep Space Nine“ sowie 6 Kinofilme. Das Vorwort von William Shatner nimmt sogar direkt Bezug auf die laufenden Dreharbeiten zum 7. Film „Treffen der Generationen“.

Der Untertitel „Eine Chronik in Bildern“ beschreibt dieses Buch sehr gut, wenn auch nicht vollends. Ja, dieses etwas mehr als 200 Seiten dicke Hardcover-Buch funktioniert als Bildband mit Hunderten Fotos – viele davon hochauflösend und vollflächig abgedruckt – sehr gut. Die Bilder begleiten aber nicht nur einen Text, der den Leser chronologisch durch die Erschaffung der bis dahin existierenden Filme und Serien führt, sondern auch Artikel aus anderen Quellen – vermutlich aus Magazinen, auch wenn die Herkunft auch im Impressum unklar bleibt.

Zu den Fotos sei gesagt, dass die meisten von ihnen dem geneigten Star Trek-Fan, der beispielsweise die Galerien auf trekcore.com durchstöbert, bereits bekannt sein dürften. Es handelt sich um diverse Publicity-Fotos, aufgenommen während und rund um die Dreharbeiten oder im Rahmen von Shootings explizit für Pressematerial. Und auch wenn viele dieser Fotos seit Anbruch des Internet-Zeitalters bereits online zirkulieren, haben viele von ihnen doch immer noch ihren Ursprung aus diesem Buch. Dem Umschlagtext, dass viele Bilder hierin erstmals veröffentlicht wurden, glaube ich sofort.

Mit sehr wenigen Ausnahmen handelt es sich bei den Fotos um durchwegs hochauflösendes Material, das zusammen mit dem Text einen entspannten, aber nicht sehr tiefgehenden Einblick in die Entstehung der Star Trek-Produktionen gibt, sich verstärkt auf die Entstehung und das Casting der Darsteller konzentriert und weniger auf den langfristigen Verlauf der Serie (was teilweise die Artikel aber übernehmen). Manchmal wird das Franchise auch etwas zu sehr glorifiziert und es sind einstmals als wahr angesehene Binsenweisheiten enthalten, die heutzutage längst widerlegt sind.

Kleine Highlights, über die man im Internet bei weitem nicht so häufig stolpert wie über die Fotos, sind die Artikel, die wie erwähnt aus unbekannter Quelle stammen. Sehr interessant und teils amüsant zu lesen sind zwei Briefe des berühmten SciFi-Autors Isaac Asimov zur klassischen Serie. Weiters beschäftigen sich diese Artikel mit einer Vielfalt von Themen, von den Inhalten einzelner Folgen, die von gesellschaftlichen Themen der damaligen Zeit beeinflusst wurden bis hin zu kleinen Making-of-Auszügen zu technischen, schauspielerischen und Regie-Themen. Aufgrund des Alters dieser Artikel stößt man darin auch auf manches Kuriosum. So wird beispielsweise in einem Artikel über die Effekte überschwänglich gelobt, dass man die Folgen von „The Next Generation“ auf Videoband fertigen würde anstatt auf hochauflösendem Film. Tja, inzwischen wissen wir: Diese revolutionäre Methode, die  damals Zeit und Geld eingespart hat, machte das HD-Remastering von „The Next Generation“ später zu einer kostspieligen Angelegenheit und steht bis heute noch einer vergleichbaren hochauflösenden Auswertung von „Deep Space Nine“ und „Voyager“ im Wege. Zeiten ändern sich und dieses alte Buch unterstreicht dies nochmals deutlich.

Als besonders positiv möchte ich hervorheben, dass sich die Chronik nicht nur auf die eigentliche Produktionsgeschichte der Serien konzentriert, sondern auch in einem Kapitel jene Zeit zwischen dem Ende der klassischen Serie und dem Sprung ins Kino bzw. den Start von „The Next Generation“ behandelt. Die Zeichentrickserie der 70er-Jahre, die Conventions, der nie realisierte „Planet of the Titans“-Kinofilm wie auch die ebenfalls nie realisierte Serie, aus der dann der erste tatsächliche Kinofilm wurde, werden im Buch ebenfalls kurz aber doch behandelt. Auch wenn der begleitende Text nicht gerade der objektivste ist, vermittelt das Buch doch einen ganz guten Gesamteindruck, woraus „Star Trek“ wann bestand und wie die allgemeine Wahrnehmung zu der Zeit war.

Auf sieben Seiten wird sogar die 1994 erst in Entwicklung befindliche Serie „Voyager“ behandelt und aus heutiger Sicht wirkt dieses kurze Kapitel schon etwas kurios. Denn im Gegensatz zu den anderen Kapiteln gibt es hier kaum Bildmaterial, weil ja noch so gut wie nichts existierte. Lediglich zwei Skizzen der geplanten U.S.S. Voyager sind enthalten. Wie wir heute jedoch wissen, wurde dieses Design nach Anfertigung eines Prototyp-Modells abgelehnt.

Rich Sternbach Star Trek Voyager early concept art phase 3
Ungefähr so hätte die U.S.S. Voyager beinahe ausgesehen

Und auch der Text enthält noch Ideen, die entweder sehr vage wirken, oder auch gänzlich verworfen wurden. Besonders interessant war es, dass das Serienkonzept vorsah, dass es sich beim Captain der Voyager um einen Wissenschaftsoffizier handeln sollte. Aber interessanterweise gab es keine Erwähnung, dass es sich dabei explizit um eine Frau handeln sollte. Bedenkt man, wie groß damals vor dem Start der Serie damit geworben wurde, dass endlich eine Frau den Platz des Captains in einer „Star Trek“-Serie übernimmt, verwundert dies schon. (Allerdings halte ich es auch für möglich, dass sich die Produzenten zur Zeit der Entstehung des Buches bereits auf einen weiblichen Captain festgelegt hatten, aber einfach nicht wollten, dass es vor Anlaufen des Marketings der neuen Serie publik wurde.)

Bewertung: Wer einen nostalgischen und reichlich illustrierten Blick zurück in die Vergangenheit von „Star Trek“ werfen möchte und dabei nicht vor einem Bildschirm sitzen möchte, ist mit diesem schön gestalteten Buch sehr gut bedient. Wenn man sich gewisser Dinge im Klaren ist, so kann man auch den nicht immer akkuraten Text verzeihen, den eigentlichen Kaufgrund stellen aber die Fotos und vor allem die Artikel dar. Diese sind ganz klar Kinder ihrer Zeit – was man als Leser keinesfalls vergessen sollte – und gerade deshalb auch heute noch eine interessante Lektüre. Auch wenn man wie bei den Bildern einigem begegnen wird, was seit 30 Jahren bekannt ist.

Dieses Buch ist daher sicher nicht für jeden Fan interessant, aber wenigstens ist es bei weitem nicht so rar wie der eingangs erwähnte „Sternen-Atlas“ und ist für durchschnittlich 5,- Euro problemlos zu finden. Eigentlich ein unfassbares Schnäppchen für so ein schönes Hardcover-Buch.

Ich bewerte „Eine Chronik in Bildern“ unter Berücksichtigung des Alters mit 4 Sternen.

4stars

Rezension: TOS – “Die Glücksmaschine”

Wie schon das kürzlich von mir rezensierte Buch „Der Friedensstifter„, ist auch „Die Glücksmaschine“ schon ein etwas älterer Roman, der einst vom Heyne-Verlag nicht mehr auf Deutsch veröffentlicht wurde. Ende 2014 holte schließlich der Cross Cult-Verlag dieses Versäumnis nach.

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Der Planet Timshel galt einst als Juwel der Föderation, als paradiesische Kolonie frei von Sorgen, deren Bewohner ein utopisches Leben führten und Besuchern einen idealen Urlaubsort zu bieten verstanden. Doch vor zwei Jahren brachen die Bewohner des Planeten sämtliche Kontakte zu anderen Welten ab und isolierten Timshel völlig. Grund genug für die Föderation, Agenten zu entsenden, die heimlich nach dem Rechten sehen sollten. Der erste Agent verschwand spurlos. Die Agentin, die ihm nachfolgte, erlitt dasselbe Schicksal, doch ihr gelang es, zumindest noch Bildmaterial von Timshel zu senden, auf denen die Bewohner des Planeten mit eigenartigen Armbändern an ihren Handgelenken zu sehen waren.

Captain Kirk, der einst selbst zur Erholung auf Timshel war und mit dem Wissenschaftler Kemal Marouk einen Freund dort hat, wird nun als dritter Agent ausgewählt. Doch nicht nur wegen Marouk ist Kirk begierig darauf, die Situation auf Timshel aufzuklären, sondern auch weil er einst eine enge Beziehung mit der vermissten Agentin Dannie Du Molin hatte. Als Kirk auf Timshel eintrifft, ist er überrascht, Dannie als Gast von Marouks Familie vorzufinden, doch die Wiedersehensfreude hält sich in Grenzen, denn Kirks einstige Geliebte hat sich bedeutend verändert – wie auch der Großteil von Timshels Bevölkerung. Wie Kirk auf Marouks Geheiß am Tag nach seinem Eintreffen feststellt, sind die Freigeister des Planeten dazu übergegangen, ihre Zeit mit harter, aber zumeist sinnloser Arbeit zu vergeuden. All dies nur, um sich eine Dosis „Glückseligkeit“ zu verdienen, die sie über ihre Armbänder verpasst bekommen. Sowohl die Arbeit als auch der Zahltag wird kontrolliert von einem einzelnen Computer, der sich selbst als „Glücksmaschine“ bezeichnet.

Fazit: Ein wenig seltsam ist dieser Roman schon, denn obwohl er thematisch sehr gut zur klassischen Star Trek-Serie passen würde, ist er doch etwas zu abgehoben bzw. fehlt ihm die Stimmung, die die Serie auszeichnet. Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und vermute, dass dies daran liegt, dass die Geschichte eigentlich von zwei Personen stammt.

Die Story von „Die Glücksmaschine“ basiert nämlich auf einem Entwurf, den Autor Theodore Sturgeon für eine schlussendlich nie verwirklichte Episode der klassischen Serie verfasste. Die Weiterentwicklung zu einem Roman durch James Gunn erfolgte erst ein Jahrzehnt nach Sturgeons Tod und daher vermute ich, dass Gunn entweder den Entwurf ohne große Überarbeitungen direkt übernommen hat, oder ihn durch eigene Ideen ausschmückte. Was auch immer der Fall gewesen sein mag: „Die Glücksmaschine“ konfrontiert James T. Kirk wieder einmal in typischer „The Original Series“-Manier mit einer künstlichen Intelligenz, die einen Planeten unterworfen hat. Wer die Serie kennt, der weiß, dass Kirk sich darin häufig mit machtvollen Maschinen anlegte, und diese entweder durch Überredungskunst oder mittels Waffengewalt besiegte. (Die Bilder in dieser Rezension illustrieren einige Beispiele.)

Auch auf Timshel hat ein solch mächtiger Computer der Bevölkerung zwar „Glückseligkeit“ in ihrer pursten Form beschert, sie im Gegenzug aber zu Abhängigen gemacht, die nichts anderes sind als Drogensüchtige, die tun was sie tun müssen, um sich den nächsten „Schuss“ zu verdienen – egal wie unproduktiv und einseitig ihr Leben dadurch wird.

Soweit so gut. Wir haben ein klassisches Thema und einen moralischen Zeigefinger. Problematisch ist jedoch, dass die Geschichte sich nicht so recht nach der klassischen Serie anfühlt. Vorweg will ich sagen, dass ich keinesfalls darauf bestehe, dass jeder Roman zur Serie nur das erzählen darf, was sich auch als Episode hätte umsetzen lassen. Tatsächlich ist eine spektakuläre Action-Passage, auf der Kirk unter Zeitdruck eine Rettungsmission auf einem rapide schmelzenden Gletscher durchführt, noch eine jener Stellen, die Kirks typisches Heldentum hervorheben. Dass Kirk vor Antreffen von Dannie dieser vergangenen Romanze so sehr nachhängt, ist allerdings gar nicht typisch für ihn.

Dass Kirk die meiste Zeit auf sich allein gestellt ist und der Rest der Enterprise-Besatzung durch die Bank nur untergeordnete Rollen einnimmt, ist äußerst sonderbar. Ich kann verstehen, dass die Föderation nur einzelne Undercover-Agenten schickt, allerdings wirkt die Story konstruiert, dass ausgerechnet Kirk als dritter Agent ausgesucht wird bzw. dass man nach zwei gescheiterten Aufklärungsmissionen nicht doch ein ganzes Außenteam nach Timshel schicken will. Ganz am Ende des Romans, wenn man die Glücksmaschine konfrontiert, teilt Gunn auch Spock, McCoy und Uhura plötzlich wichtige Rollen zu, doch deren Beteiligung wirkte auf mich aufgesetzt, als habe sich der Autor spät daran erinnert, dass „Star Trek“ eigentlich ein Ensemble-Stück sein sollte.

Die Auflösung lässt zudem ebenfalls zu wünschen übrig. Da sich die Glücksmaschine vernetzt hat, bleibt Kirk und Co am Ende als letzte Konsequenz nur übrig, die Maschine zu überreden, ihr Wirken einzustellen. Und selbst das ist nur ein Wiederkauen philosophischer Ansichten, die bereits den ganzen Roman dominieren und es bleibt am Ende offen, ob es tatsächlich die Crew der Enterprise war, die einen Erfolg erzielte, oder es nicht doch an etwas anderem lag. Genauso offen bleibt, welche Rolle eigentlich Marouk angedacht war. Selbst nachdem er sich Kirk „offenbart“ hat, scheint er von Seite zu Seite seine Ansicht über die Glücksmaschine zu ändern.

Bewertung: Dieser Roman las sich leider etwas zäh. Die Grundidee, dass sich eine zufriedene Planetenbevölkerung freiwillig in Abhängigkeit von einem künstlichen Glücksgefühl begibt und seine bisherige Lebensweise quasi über Nacht verwirft, ist ja interessant, aber tatsächlich las sich der Roman wie ein erster Entwurf, der eine gewisse Lockerheit und den Spaß vermissen ließ, den selbst die ernstesten Episoden der klassischen Serie aufwiesen. Meistens bewerkstelligte die Serie dies über die Dialoge, doch da Kirk in „Die Glücksmaschine“ die meiste Zeit ohne seine Kameraden auskommen muss, entfällt dieses Potenzial leider völlig. Daher kann ich diesem Roman nur 2 Sterne verleihen.

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Pilotfilm-Review: „Star Trek : Voyager – Der Fürsorger“

Im Jahr 1994 endete die erfolgreiche Star Trek-Serie „The Next Generation“ und vollführte den Sprung auf die Kinoleinwand, weshalb nur noch „Deep Space Nine“ die Franchise-Fahne im Fernsehen hochhielt. Da sich die parallele Produktion zweier Serien bewährt hatte und Paramount für den Start seines landesweiten TV-Senders UPN auf der Suche nach einem exklusiven Serien-Flaggschiff war, entschied man, das Produktionsteam von „The Next Generation“ mit einer neuen Star Trek-Serie zu beauftragen. Die besondere Prämisse von „Voyager“ sollte es nicht nur sein, dass es um ein Raumschiff ging, das weit entfernt von der Heimat gestrandet war und den langen Weg nach Hause in Angriff nehmen musste. Ebenfalls neu war, dass in dieser Serie erstmals ein weiblicher Captain die Hauptrolle spielen sollte.

Handlung: Wie schon in der Vorgängerserie „Deep Space Nine“ erläutert ein Lauftext die Ausgangssituation vor den Ereignissen des Pilotfilms. Dem Zuseher wird erklärt, dass ein neuer Vertrag zwischen der Föderation und Cardassia zu einem neuen Grenzverlauf führte und zu Unmut bei einigen Föderationsbürgern, der darin gipfelte, dass sie zu Abtrünnigen wurden. Nun als „Maquis“ bekannt leisten sie den Cardassianern Widerstand und beim Gefecht zwischen einem kleinen Maquis-Raider und einem cardassianischen Kriegsschiff setzt die Handlung ein. Der Maquis-Crew – angeführt vom ehemaligen Sternenflotten-Commander Chakotay, der Halb-Klingonin B’Elanna Torres und dem Vulkanier Tuvok – gelingt es in einer von Plasmastürmen heimgesuchten Region namens „Badlands“ ihre Verfolger abzuschütteln. Doch kaum scheint sich die Lage beruhigt zu haben, wird der Raider von einer Energiewelle erfasst.

Schauplatzwechsel: In einer Strafanstalt auf Neuseeland rekrutiert Captain Kathryn Janeway den ehemaligen Sternenflotten-Offizier und Maquis-Abtrünnigen Tom Paris, um den verschollenen Maquis-Raider in den „Badlands“ aufzuspüren. Sie offenbart ihm, dass ihr Sicherheitschef als Spion an Bord war und sie seinen Verbleib mit Paris‘ Hilfe aufklären möchte. Dieser zeigt sich skeptisch, dass ein Schiff der Sternenflotte in den „Badlands“ manövrieren kann, doch Janeway ist überzeugt, dass ihr neues Raumschiff – die U.S.S. Voyager – der Aufgabe gewachsen ist. Und tatsächlich gelingt es kurze Zeit nachdem das Schiff von der Raumstation Deep Space 9 abgelegt hat die Fährte des Maquis-Raiders aufzunehmen … um von genau der gleichen Energiewelle erfasst zu werden.

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Erster Auftritt von Kahtryn Janeway (Kate Mulgrew) bei der Rekrutierung von Tom Paris (Robert Duncan McNeill, der eine sehr ähnliche Rolle als Nicholas Locarno bereits in der 4. Staffel von „The Next Generation“ spielte.)

Schwer mitgenommen schwebt die Voyager plötzlich neben einer riesigen Phalanx und dem aufgegebenen Maquis-Raider im All … 70.000 Lichtjahre von zu Hause entfernt! Und als wäre die Aussicht auf einen 75 Jahre dauernden Rückflug nicht schon schlimm genug, wird die Crew ohne Vorwarnung auf die Phalanx gebeamt und dort einer äußerst schmerzhaften medizinischen Prozedur unterzogen, nach der sowohl Fähnrich Harry Kim von der Voyager als auch B’Elanna Torres nicht auf ihre jeweiligen Raumschiffe zurückgeschickt werden, sondern mit einer schweren Infektion zum Planeten Ocampa. Die einheimische Bevölkerung ist nach einer Naturkatastrophe unter die Erde gezogen und von den Energielieferungen der Phalanx ihres sogenannten „Fürsorgers“ völlig abhängig …

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Selbst für ein so fortschrittliches Schiff wie die Voyager gibt es kein Entkommen vor der Energiewelle, die sie 70.000 Lichtjahre weit in den Delta-Quadranten schleudert.

Fazit: Nachdem „Deep Space Nine“ eine Serie mit fixem Schauplatz etabliert hat und langsam begann, einen durchgehenden Handlungsstrang zu etablieren, der für den Rest der Serie prägend sein sollte, blieben die Produzenten von „Voyager“ eher dem aus „The Original Series“ und „The Next Generation“ vertrauten Schema treu. Ein Schiff und seine Crew standen wieder im Fokus und eine Reise, die sie jede Woche in ein anderes Raumgebiet verschlagen würde, das es zu erforschen oder dessen Gefahren es zu widerstehen galt.

Angesichts dieser Ausrichtung erstaunt es sogar etwas, dass der Schauplatz Ocampa und die Zusammenhänge zwischen den unterirdisch lebenden Einheimischen, der gewalttätigen Kazon-Sekte auf der ausgetrockneten Oberfläche und der Rolle des Fürsorgers in der Vergangenheit und dessen Motiv für die Entführung von Raumschiffen hier so stark verwoben werden, dass man im 90minütigen Pilotfilm sehr viel über eine kleine Region erfährt, die man später in der Serie naturgemäß nie mehr wiedersehen wird. Aber natürlich werden diese Elemente nicht nur für diese eine Auftaktfolge etabliert, denn mit Kes wird eine Ocampa am Ende der Folge zu einem Besatzungsmitglied der Voyager. Begegnungen mit weiteren Kazon-Sekten werden vor allem die ersten beiden Staffeln der Serie prägen und sogar eine Gefährtin des Fürsorgers, auf die die Voyager später noch treffen sollte, wird hier schon erwähnt.

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Tuvok (Tim Russ) kehrt nach Vollendung seines Undercover-Auftrags beim Maquis wieder auf seinen Posten als Sicherheitschef zurück und wie Kes (Jennifer Lien) bleibt auch der Talaxianer Neelix (Ethan Phillips) nach dem Pilotfilm an Bord, um als Einheimischer seine Kenntnisse anzubieten.

Woran es „Der Fürsorger“ also keinesfalls mangelt, ist die Ambition der Erschaffer der Serie, die Basis für eine lange laufende Serie zu legen. Allerdings wirkt sich dies stark auf den Unterhaltungswert des Pilotfilms selbst aus. Erwähnungen wie die Gefährtin des Fürsorgers oder der verkümmerten mentalen Fähigkeiten der Ocampa spielen für die Handlung keine Rolle und erst nachträglich wurde mir bewusst, dass im Pilotfilm vor lauter Schauplätzen und eingestreuten Informationen eine recht komplexe Mystery-Story untergegangen ist. Die Auflösung, was es mit dem Fürsorger, den Ocampa und der Infektion auf sich hat, stellt ein Rätsel dar, das aber nie in den Vordergrund tritt bis Tuvok die logische Auflösung präsentiert. Hier ließ der Film eindeutig viel Spannungspotenzial liegen.

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In der Ocampa-Stadt (Drehort L.A. Convention Center) präsentiert Tuvok des Rätsels Lösung.

Umso aufdringlicher ist dafür wieder einmal die Vorstellung der Protagonisten. Es ist ein generelles Problem aller Pilotfilme der TNG-Ära, die Charaktere auf natürlich wirkende Weise einzuführen. Speziell B’Elanna Torres und Harry Kim während ihrer gemeinsamen „Gefangenschaft“ auf Ocampa wirken wann immer sie persönliche Informationen austauschen nicht so, als würden sie miteinander sprechen, sondern direkt zum Zuseher. Auch nicht hilfreich ist es, dass zwar einige Charaktere eine gemeinsame Vergangenheit haben, aber wie Janeway und Tuvok oder Chakotay und Paris sich die meiste Zeit an unterschiedlichen Orten aufhalten und dies kompensiert wird, indem in den wenigen gemeinsamen Szenen das Verbindende und/oder Trennende in geballter Form vorgetragen wird. Und auch der nominelle Hauptcharakter Kathryn Janeway – die als erster weiblicher Captain in einer Star Trek-Serie damals groß beworben wurde – übt mit ihrer sehr professionellen Ausstrahlung wenig Faszination aus und die eine Szene, die auch ihr private Seite zeigt, wirkt ziemlich gezwungen.

Dem entgegen muss man aber auch festhalten, dass beispielsweise Tom Paris und Harry Kim recht natürlich zusammenfinden (auch über den Ferengi Quark aus „Deep Space Nine“, der den Staffelstab symbolisch an die neue Serie weiterreicht) – auch wenn Paris seine Vorgeschichte später sehr direkt offenbart. Aber zumindest ist er ein Mensch mit Fehlern, was es mir erleichterte, mit ihm zu sympathisieren. Die anderen Charaktere sind eher festgelegt und Vorzeigeexemplare ihrer Spezies oder zumindest mit erwartbaren Eigenschaften ausgestattet. Hingegen bereits von der ersten Folge an interessant ist das medizinisch-holografische Notfallprogramm. Mit seiner mürrischen Art macht er einerseits einem Doktor McCoy alle Ehre und zugleich ist er auch noch eine neuartige Anwendung der etablierten Holodeck-Technologie.

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Das MHN (Robert Picardo) ist ein eigensinniges Stück Software und entwickelte sich zu einem der beliebtesten Charaktere der Serie.

In technischer Hinsicht muss sich der Pilotfilm hingegen nicht viel vorwerfen lassen – außer dass man etwas zu sehr dem gefolgt ist, was die beiden vorherigen Serien bereits vorgaben. Zwar gab es durchaus umfangreiche Änderungen, aber das Korridor-Set an Bord der Voyager ist immer noch als jenes der Enterprise-D deutlich erkennbar, wenngleich anderen Räumlichkeiten – Brücke, Maschinenraum, Krankenstation – durchaus komplett umgestaltet wurden und die aus TNG gewohnte Gemütlichkeit von mehr Ecken und Kanten und einer dunkleren und metallischeren Farbpalette und blauem Licht verdrängt wurde. Frei von Recycling sind auch einige einzelne Set-Bestandteile sind, so entstammen die drei großen Fenster in Janeways Bereitschaftsraum eigentlich dem Freizeitraum der Enterprise-D, nur stehen sie hier auf dem Kopf und dass kein Glas eingesetzt ist, ist hier leider noch deutlicher zu erkennen als im schummrigen 10-Vorne-Ambiente. In Kombination mit dem aus „Deep Space Nine“ bekannten Uniformen (und einer zum damaligen Zeitpunkt seit 7 Jahren bekannten Farbauswahl) gibt die Voyager visuell keinen besonders interessanten Schauplatz ab. Weder von innen noch von außen, denn auch wenn die Form neu ist, sind Texturen und Details des Schiffes ebenfalls der Enterprise-D sehr ähnlich.

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Janeway sinniert über die Notlage ihres Schiffes … oder darüber, warum es auf der Voyager keine Scheiben in den Fenstern gibt.

Die exotischeren Schauplätze sind da schon wesentlich aufsehenerregender. So doubelt das futuristische Los Angeles Convention Center das unterirdische Habitat der Ocampa hervorragend, das mittels eines Gemäldes von Robert Stromberg zu einer ganzen Stadt anwuchs. Ebenfalls ein Gemälde platzierte einen Kazon-Unterschlupf im El Mirage Flussbett in der Mojave-Wüste. Weitere Dreharbeiten im Freien fanden in Norwalk statt, wo die eher entbehrlichen Szenen auf der holografischen Farm im Inneren der Fürsorger-Phalanx gedreht wurden. (Die Szenen mit den Hillbillys strecken die Handlung meiner Meinung nach unnötig, vermitteln keine unheimliche Atmosphäre und haben wohl eher nur dazu gedient, kein allzu großes Interieur für die eigentliche Phalanx bauen zu müssen.)

Die Effektaufnahmen sind vor allem in ihrer Anzahl recht beeindruckend. Nicht nur startet die Folge mit einem Raumschiffkampf, auch der Showdown zeigt ein sehr gut inszeniertes Gefecht, in dem die Voyager und der Maquis-Raider gegen mehrere kleinere und ein gigantisches Kazon-Schiff antreten müssen. Dies alles geschieht in unmittelbarer Nähe zur Fürsorger-Phalanx.

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Die Voyager und der Maquis-Raider über dem Ocampa-Planeten.

In Sachen Musik muss ich sagen, ist mir die Titelmelodie von Jerry Goldsmith über die Jahre durchaus ans Herz gewachsen und ich fand sie eigentlich schon immer als ziemlich eingängig. Sie untermalt zudem einige sehr schöne Effektaufnahmen und Vorbeiflüge der Voyager im Intro. Auch wird die Melodie während der Folge immer wieder in Variationen angespielt, was aber nichts daran ändert, dass auch die Musikuntermalung von „Voyager“ der damals herrschenden Doktrin unterworfen war, ja nicht die Emotionen der Zuseher zu manipulieren. o_O

Fazit: Die Autoren und Produzenten von „Der Fürsorger“ haben sich sichtlich Mühe gegeben, den Grundstein für eine Serie zu legen, dabei aber verabsäumt, aus dem Pilotfilm selbst ein spannendes Highlight dieser Serie zu stricken. Es gibt zwar durchaus einige sehr gute Sequenzen in technischer Hinsicht, aber sowohl die Interaktion von Figuren als auch die Entfaltung der Handlung wirken untergeordnet während der Pilotfilm bereits Potenziale für zukünftige Folgen aufbaut. Das mag zwar eine löbliche Absicht gewesen sein, aber das Resultat war, dass „Der Fürsorger“ von Anfang bis Ende ziemlich unspektakulär rüberkommt. Daher gebe ich dem Voyager-Pilotfilm nur 3 von 6 Punkten. Es gibt kaum negative Auffälligkeiten, aber auch nichts, dass groß Aufsehen erregt oder absichtlich einen mutigen Schritt fort von der etablierten Norm darstellt.

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Anmerkungen: 

Einiges an „Voyager“ hätte durchaus anders aussehen können. Ganz besonders der Captain des Schiffes, der ursprünglich Nicole Janeway heißen und von Geneviève Bujold dargestellt werden sollte. Doch Bujold stieg nach nur eineinhalb Drehtagen aus. Kate Mulgrew ergatterte die Rolle – für die sie sich bereits vor Bujolds Engagement beworben hatte – nachdem sie sich in einem Vorsprechen gegen weitere Mitbewerberinnen durchsetzte. Und selbst nach Mulgrews ersten Drehtagen musste noch eine Änderung an ihrer Frisur vorgenommen werden, wodurch die frühen Szenen mit ihr neu gedreht werden mussten. (Szenen mit Bujold und Mulgrew mit natürlichem Haar sind auf der Bonus-Disc der 1. Voyager-Staffel auf DVD enthalten.)

Und auch die U.S.S. Voyager selbst hätte beinahe anders ausgesehen, denn die Produzenten waren hin und weg von Rick Sternbachs Entwürfen. Als jedoch auf Basis dieser Entwürfe ein Konzeptmodell erstellt wurde, war die Ernüchterung groß, denn dreidimensional wurde das Design den Verheißungen nicht gerecht und so bat man Sternbach, das Schiff nochmals massiv zu überarbeiten und stromlinienförmiger zu gestalten.

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Das Konzeptmodell, das nach bereits abgesegneten Entwürfen von Rick Sternbach gebaut wurde, überzeugte die Produzenten weniger als die Zeichnungen.

Wie auch „Deep Space Nine“ hat auch „Voyager“ bis heute noch kein HD-Remastering erfahren und liegt nur in Standard-Bildqualität vor. Dies erklärt auch die schlechte Qualität der Screenshots in diesem Artikel, die von trekcore.com stammen.

Mein FanFiction-Roman „Where the End begins“ ist zwar nach den Ereignissen der Serie angesiedelt, aber das Geschehen der ersten paar Minuten des Pilotfilms spielt darin eine wichtige Rolle.

Rezension: Comic – Boldly go #17 „I.D.I.C. Part 5“

Wieder einmal die schon bekannte Warnung: Diese Rezension zum 5. Teil der „I.D.I.C.“-Miniserie verrät Ereignisse aus den vorangegangenen Ausgaben. Wer sich überraschen lassen möchte, sollte den folgenden Text besser meiden.

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Wie ich schon in meiner Rezension zum 4. Teil angedeutet habe, erhalten wir nun endlich Klarheit über die vorangegangenen Ereignisse. Wobei es ausgerechnet James T. Kirk (aus der Kelvin-Zeitlinie) am Beginn von Teil 5 ist, dem Klarheit fehlt. Er erwacht in seinem Quartier auf dem Sternenflottenakademie, geweckt von seinem Kommilitonen Gary Mitchell, der ihn noch halb schlaftrunken zu den Unterrichtsräumen führt. Alles was in den vergangenen rund 7 Jahren geschehen ist, hält Kirk für einen besonders intensiven Traum … bis ihm auffällt, dass abgesehen von ihm und Mitchell niemand auf dem Campus der Akademie zu sein scheint … und er dafür im Hörsaal einer Vielzahl an unterschiedlichen Varianten seiner Selbst gegenübersteht. Kirk wird klar, dass er nicht geträumt hat, sondern sich abermals in einer alternativen Realität befindet, wo er und Vertreter anderer Paralleluniversen aufeinander treffen. Und Schuld daran ist sein alter Freund Gary Mitchell, dessen Augen sich unheilvoll silberglänzend färben …

Fazit: Jetzt wissen wir also, wer dahinter steckt und dass es mir erst am Beginn von Teil 5 der Miniserie klar wurde, spricht sehr für das Verschleierungsgeschick von Autor Mike Johnson. Denn eigentlich hätte man durchaus auf Gary Mitchell als Drahtzieher kommen können, denn wie schon während meiner Rezension zu Teil 1 erwähnt, ist „I.D.I.C.“ nicht nur eine 6-teilige Miniserie, sondern auch das Finale von „Boldly go“ und damit gleichzeitig das (zumindest vorläufige) Finale der gleichen Erzählkontinuität, die 2011 mit der „Ongoing“-Reihe begann. Und die ersten beiden Ausgaben von „Ongoing“ erzählten nichts anderes als eine Neuinterpretation der klassischen Star Trek-Folge „Spitze des Eisbergs“/“Where no man has gone before“.

Das Finale von „Boldly go“ macht also das, was auch so einige letzte Folgen von TV-Serien machten: Es stellt Bezug her zum Anfang der Reihe, zum ersten regulären Abenteuer der Enterprise unter Jim Kirks Kommando. Damals wurde das Schiff zum Rand der Galaxie entsendet, wo der Kontakt mit einer ungewöhnlichen Energiebarriere Kirks Freund Gary Mitchell übernatürliche Kräfte verlieh. Der Größenwahn und viel unterdrückter Groll gegen Kirk machte ihn zunehmend gefährlicher bis Kirk keine andere Wahl mehr blieb, als Gary zu töten. Nun offenbart Gary, dass er seit seinem körperlichem Tod eine enorme Entwicklung durchlaufen hat, die einmalig im Multiversum ist. Er hat nun Zugriff auf alle Universen und schier unbegrenzte Fähigkeiten, was er dazu genutzt hat, all die Kirks des Multiversums in ausweglose Situationen zu versetzen, sie lernen zu lassen, dass es doch No-Win-Szenarien gibt, aus denen ihnen ihr Charme, ihre Mut und ihr Vertrauen auch nicht heraushelfen können. Diese letzte Lektion wollte er ihnen erteilen, ehe er alle Kirks – beginnend mit dem aus seinem eigenen Heimatuniversum – ein für alle Mal auslöscht.

Aber mit einer Eigenschaft hat Mitchell nicht gerechnet und das ist es auch, was einem als Leser ein wissendes Lächeln auf die Lippen zaubert, ehe die Geschichte im kommenden 6. Teil von „I.D.I.C.“ abgeschlossen wird. Denn Mitchell hat ganz vergessen, wie passiv-aggressiv Kirk sein kann, wie trotzend und herausfordernd er sich benehmen kann, um von seinen Feinden genau das zu bekommen, was er benötigt, um diese zu besiegen. Nach einer interessanten Tour durch Mitchells weitere Entwicklung nach „Ongoing“ #1, ist der Boden somit für eine letzte großen Konfrontation geebnet, auf die ich mich schon sehr freue.

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In dieser Sprechblase spielt Mitchell wohl auf „Star Trek Discovery“ an und ebenfalls auf jene Realität, in der sich der Leser des Comics aufhält.

Diesmal ist Marcus To für die Zeichnungen verantwortlich. Sein Stil unterscheidet sich nicht wesentlich von Angel Hernandez, der die vorherige Ausgabe illustriert hat. Vielleicht etwas stärker vereinfachend, wenn etwas oder jemand weiter im Hintergrund steht. Aber grundsätzlich sind die Zeichnungen sehr angenehm fürs Auge, was auch auf die satte Farbwahl von Koloristin Marissa Louise zutrifft.

Bewertung: Den vorletzten Akt vor dem großen Finale kann man getrost als „Ruhe vor dem Sturm“ bezeichnen bzw. als Aufdeckerkapitel, das die Motivationen hinter dem bisher Geschehenen enthüllt. Die Bezugnahme auf Kirks erstes Comic-Abenteuer empfinde ich als großartige Idee und erinnert etwas an das Finale von „The Next Generation“, das auch zurückgeht zu den Geschehnissen des Pilotfilms. Teil 5 von „I.D.I.C.“ erfüllt einen sehr wichtigen Zweck in der bislang mysteriös angehauchten Story, liefert die Erklärung für Vergangenes und bereitet das Kommende vor. Einzig ein bisschen zu praktisch empfinde ich es, dass Mitchell all die gescheiterten Kirks für die Zusammenkunft am Beginn von Teil 5 wieder zum Leben erweckt, obwohl er sowieso plant, sie alle auszulöschen. Wenn ich allerdings so darüber nachdenke, macht es wahrscheinlich am Ende gar keinen Unterschied, ob Mitchell sie wiederbelebt oder nicht. Dennoch gebe ich sicherheitshalber „nur“ 5 von 6 Sterne.

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