Rezension: „Star Trek The Klingon Empire – Hidden Universe Travel Guides“

Vor ungefähr einem Jahr rezensierte ich das Buch „Star Trek Vulcan„, das auf bislang einzigartige Weise einen Planeten im Star Trek-Universum vorstellte: nämlich als fiktive Urlaubsdestination. Inzwischen ist auch ein zweiter „Hidden Universe Travel Guide“ erschienen, der dem Lesern interessante Ausflugsziele auf der klingonischen Heimatwelt Kronos und anderen Planeten im Imperium näher bringt.

hiddenuniverse2_cover

An der Struktur und dem Layout hat sich nichts geändert: Erneut schlüpft der vor allem für seine Romane bekannte Star Trek-Autor Dayton Ward in die Rolle des Reiseführers, der uns zuerst historisch und geschichtlich Relevantes über das klingonische Volk und seine Kultur erzählt, worauf folgend jedes Kapitel einem bestimmten Reiseziel auf Kronos gewidmet ist. Wie gewohnt enthält jedes Kapitel eine Übersichtskarte, Erläuterungen zur Bedeutung der entsprechenden Region, eine (manchmal bebilderte) Beschreibung der Sehenswürdigkeiten, der Veranstaltungen, Einkaufsmöglichkeiten, Hotels und Kulinarik. Auch kommt wieder in jedem Kapitel eine prominente Persönlichkeit (Worf, Gorkon, B’Elanna Torres, Martok, Azetbur, Korrd) zu Wort, die über ihren eigenen Bezug zur vorgestellten Region plaudert. Neu sind die sogenannten „Side Trips“. Vier der Kapitel enthalten Anhänge, in denen in gestraffter Form auch Ausflugsziele auf anderen klingonischen Planeten vorgestellt werden. Folgende Orte werden genauer vorgestellt:

  • Die Erste Stadt
  • Die zentralen Ebenen (+ Side Trip Khitomer)
  • Krennla (+ Side Trip Rura Penthe)
  • Ketha-Provinz (+ Side Trip Narendra III)
  • Quin’lat (+ Side Trip Boreth)
  • Tong Vey 

Diese „Side Trips“ machen durchaus Sinn. Immerhin haben wir in den Serien und Filmen so einige Planeten gesehen, die sich die Klingonen untertan gemacht haben. Die Vulkanier haben da weniger Planeten vorzuweisen. Außerdem bot die Einbindung dieser „Side Trips“ einen guten Vorwand, diesen Reiseführer „The Klingon Empire“ zu nennen. Ein Titel, der sicher mehr Aufmerksamkeit weckt als „Kronos“.

Livio Ramondelli und Peter Markowski steuern wie schon beim Vulkan-Reiseführer hübsche Zeichnungen in ihrem typischen Stil bei, die den Text immer wieder auflockern. Und diese Auflockerung hat dieses Buch absolut nötig …

Fazit: Was den Vulkan-Reiseführer für mich so interessant machte, war vor allem der Umstand, dass er sich viele Freiheiten nahm und es dem Autor meiner Meinung nach sehr gut gelang, ein dem ersten Eindruck nach monotones Volk und eine öde Wüstenwelt sehr differenziert vorzustellen. Es wurden wirklich viele interessante Gegenden beschrieben und mehr als einmal hervorgehoben, dass der typische Durchschnitts-Vulkanier gar nicht in dem Ausmaß konservativ ist, wie man meinen konnte.

Daher hat es mich völlig überrascht, wie eintönig Dayton Ward die klingonische Heimatwelt und die Klingonen beschrieben hat. Sicher, einige Bauwerke und Landschaften sind einzigartig, aber insgesamt macht es keinen großen Unterschied, wo man sich aufhält. Alles wirkt klimatisch gemäßigt und was man in der jeweiligen Gegend vorfindet ist erwartbar: Es scheint überall Überreste „wichtiger“ Schlachten zu geben, überall die typischen Saufgelage und Exzesse, Geschichtserzählungen, Gesänge, rohes bis lebendes Essen und Unterbringungen in den Kategorien „Erträglich“ und „Klingonisch“. Man muss leider festhalten, dass der Autor den Klingonen-Klischees in die Falle gegangen ist, anstatt aus diesem Kriegervolk etwas Ausbaufähigeres zu machen. Was Vielfältigkeit und Individualität angeht, hätten die Klingonen meiner Meinung nach sehr viel größeres Potenzial gehabt als die Vulkanier. Daher enttäuscht es mich doch sehr, dass Dayton Ward nur bereits ausgetrampelte Pfade betreten hat.

Und auch was die Zeichnungen in diesem Buch angeht, muss ich hart ins Gericht gehen. Es war im Vulkan-Reiseführer schon ein gewisses Manko, dass die Zeichnungen eigentlich immer nur jenen beschriebenen Sehenswürdigkeiten galten, die visuell nicht so besonders waren, während faszinierende Bauwerke und Landschaften ohne Darstellung auskommen mussten. Im Kronos-Reiseführer ist es aber auffallend umgekehrt: Zumindest die einleitenden Doppelseiten zeigen mitunter spektakuläre Szenarien, auf die der triste Texte überhaupt nicht eingeht. Und auch zwischen den Zeichnungen und den Landkarten gibt es sonderbare Diskrepanzen. In keinem Kapitel wird dies augenscheinlicher als bei der Vorstellung der am Meer gelegenen Stadt Quin’lat. Die doppelseitige Zeichnung stellt stimmungsvoll bei Nacht eine gut 100 Meter hohe Mauer am Ufer dar, ein kleines Dorf an der Außenseite auf Stegen und hinter der Mauer eine gewaltige Metropole. Der Text? Der beschreibt nur eine Burg inmitten der Stadt mit einer mickrigen 10 Meter hohen Mauer und verliert kein Wort über eine beeindruckende Wehranlage am Ufer.

Im Vulkan-Reiseführer habe ich auch den durch den Text vermittelten Humor gelobt und Anspielungen auf andere Figuren und Begebenheiten im Star Trek-Universum. Letzteres sucht man in dieser Art im Kronos-Reiseführer vergeblich. Und humorvolle Stellen muss man mit der Lupe suchen, um sie ausfindig zu machen. Am witzigsten sind ein hilfreicher Ratschlag zum Aufenthalt auf Rura Penthe und die Vermischung von Alltagsphrasen und Schlachtrufen in der Einleitung zur klingonischen Sprache.

Bewertung: Ich glaube nicht, dass meine Erwartungshaltung nach dem mehr als gelungenen Reiseführer zum Planeten Vulkan zu hoch angesetzt war. Dayton Ward hat mit seinem ersten „Hidden Universe“-Buch eine tolle Leistung vollbracht, aus den Vulkaniern eine schillernde Zivilisation zu machen. Jene der Klingonen wirkt im Reiseführer genauso geklont wie der erste Imperator Kahless. Einfach nur zusammengesetzt aus den Krieger-Anekdoten, die in den Serien des 24. Jahrhunderts mehr als ausreichend breitgetreten wurden. Nur weil mir das Layout und einige der Zeichnungen sehr gut gefielen, gebe ich 2 Sterne.

2stars

Advertisements

Rezension: TNG – “Die Jarada”

Zu meinen Rezensionen älterer Star Trek-Bücher gesellt sich diesmal ein „The Next Generation“-Roman aus dem Jahre 1992 (deutsche Erstveröffentlichung 1995) namens „Die Jarada“. Da ich mir ja erst kürzlich die TV-Serie angesehen hatte, wurde ich wieder einmal auf dieses mysteriöse insektoide Volk aufmerksam, das man zwar nie gesehen hat, aber in der Staffel-1-Folge „Der große Abschied“ eine zentrale Rolle spielt und in der Staffel-2-Folge „Das Herz eines Captains“ in Sachen Bedrohlichkeit in einem Atemzug mit den Romulanern genannt wird. Ich fand es schade, dass man in den späteren Staffeln und Spin-offs auf die Jarada vergessen hat, weshalb ich kürzlich diesen Roman von Autorin V.E. Mitchell auf meine Leseliste gesetzt habe.

Reziant_Logo_Insekten_kDass dieser Roman derart rasch an die Spitze meiner Leseliste geklettert ist, liegt aber vor allem am Themenschwerpunkt „Insekten, der auf Daniela Walchs sehr empfehlenswerten „Buchvogel“-Blog im September 2017 im Mittelpunkt steht. Mit der folgenden Rezension und einem kleinen Überblick über insektoide Völker im Star Trek-Universum leiste ich gerne einen kleinen Beitrag zu dieser besonderen Aktion.

Nun aber zuerst mal zur Handlung des Romans: Die Jarada wurden in der TV-Serie als äußerst aggressives Volk dargestellt, das mitunter extrem reagiert, wenn man sich nicht an deren Protokolle hält. Diplomatische Beziehungen zu ihnen aufzubauen erwies sich daher bislang als äußerst schwierig, wenngleich es Captain Picard in „Der große Abschied“ gelang, eine erste Brücke zu schlagen, indem er Grußworte in der Sprache der Jarada artikulierte. Seitdem ist es um die Jarada ruhig geworden, umso überraschender kommt drei Jahre später die Einladung des auf Beltaxiya Minor beheimateten Jarada-Schwarms, eine Delegation von der Enterprise zu empfangen und Verhandlungen über eine zukünftig engere Zusammenarbeit bis hin zum Föderationsbeitritt zu führen.

Von Anfang an klingt das Angebot zu gut um wahr zu sein, zumal die erste Zusammenkunft auf Beltaxiya schon beinahe verdächtig reibungslos abläuft und sich die Gastgeber als sehr entgegenkommend erweisen. Gerade deshalb reagieren Captain Picard und seine Führungscrew misstrauisch, als der Ältestenrat der Jarada darum bittet, einige Mitglieder der Enterprise-Crew mögen doch jaradische Institute zu ihren Fachrichtungen aufsuchen und sich mit ihren Kollegen dort austauschen. Niemandem behagt es, das Außenteam aufzuteilen, doch da ihnen die Jarada bislang keinen Grund gaben an ihrer Aufrichtigkeit zu zweifeln, willigt Captain Picard ein. Doktor Crusher wird daraufhin zu einem medizinischen Forschungslabor chauffiert, Commander Riker darf mit einem Jarada-Orchester musizieren, Lieutenant Worf nimmt an einem Kampftraining der Schwarmhüter teil und Chief O’Briens frisch angetraute Ehefrau Keiko und Fähnrich Tanaka sollen auf einer Exkursion die Botanik Beltaxiya Minors kennenlernen. Jeder dieser Ausflüge beginnt recht entspannt und harmlos, aber schon bald stellt sich heraus, dass ihre Gastgeber nicht völlig ehrlich waren und ein wichtiges Detail verschwiegen haben: Eine wahnhafte, Gewaltausbrüche verursachende Epidemie geht unter den Jarada um und für die Mitglieder des Außenteams beginnt ein Kampf ums Überleben!

Fazit: Der Roman von V.E. Mitchell lässt sich sehr gut in zwei Hälften unterteilen. In der ersten Hälfte stehen die Jarada und ihre Koloniewelt im Mittelpunkt. Aus der Perspektive der Enterprise-Crew erlebt man diesen ersten echten Kontakt mit dieser ungewöhnlichen Spezies, die auch sehr detailreich beschrieben wird. Von den Jarada kann man sich in Gedanken wirklich ein sehr gutes Bild machen, auch weil sie als aufrecht gehende Insekten sehr große Ähnlichkeit mit den Xindi-Insektoiden aufweisen, die später in „Enterprise“ vorkamen. (Mit dem Unterschied, dass die Jarada acht statt vier Gliedmaßen aufweisen, wenngleich diese wiederum gepaart sind. Zudem weisen die Jarada farblich eine große Vielfalt auf und sind im Durchschnitt kleiner als Menschen.) Was die Beschreibung der Umgebung und vor allem der Bauwerke angeht, bevorzugen es die Jarada zwar verwinkelt und verworren und sie orientieren sich auch hauptsächlich über den Geruchssinn. Aber die Gebäude selbst und ihre Einrichtung wirken nicht allzu fremdartig. Hier hätte die Autorin ruhig etwas ausschweifender werden können. Ungefähr so ausschweifend wie bei der Enterprise-Besatzung. 😉

Zugegeben: Dass sich die Crew der Enterprise recht „volkstümlich“ ausdrück liegt ziemlich sicher an der Übersetzung des Romans. Der Übersetzer hat die Stimmen der Charaktere leider nur in Ausnahmefällen getroffen. Aber auch V.E. Mitchell hat sich hier und da recht weit aus dem Fenster gelehnt. Die TNG-Crew lässt sich meiner Meinung nach als recht „moderat“ bezeichnen. Insofern sind die Gefühlsausbrüche, die Mitchell den Charakteren hier zuschreibt, schon ganz schön extrem. Angesichts der beschriebenen Gereiztheit, Wut und sogar Verachtung könnte man meinen, die Autorin habe vergessen, dass der von ihr beschriebene Wahnsinn ausschließlich die Jarada befällt. 😉 Sicher, in der zweiten Hälfte des Romans lässt sie das Außenteam ganz schön viel mitmachen; getrennt voneinander kämpfen sie um ihr Leben. Aber trotzdem wirken die Charaktere überzeichnet. Zumindest nach den Maßstäben, die die TV-Serie gesetzt hat.

Besonders daneben empfand ich die von Eifersucht und kulturellen Missverständnissen geprägte Nebenhandlung rund um Transporter-Chief O’Brien und Keiko. Mir ist klar, dass zu jener Zeit, als der Roman verfasst wurde, Keiko erst wenige Auftritte absolviert hatte und es durchaus nachvollziehbar ist, dass die Autorin ihr andichtet, eine Offizierin im Rang eines Fähnrichs zu sein, während spätestens „Deep Space Nine“ ihren Zivilistenstatus unterstreicht. Aber abgesehen vom Professionellen ist die Darstellung von Keikos und Miles‘ Ehe … schräg. Ein besseres Wort fällt mir gerade nicht ein. Es gibt ja durchaus in der TV-Folge „Der Rachefeldzug“ – Keikos zweitem Auftritt – die prüde Andeutung, die beiden hätten vor ihrer Hochzeit nie miteinander gefrühstückt. Aber in diesem Roman wirkt es, als würden sie wirklich gar nichts voneinander wissen, obwohl in dieser Geschichte selbst festlegt wird, die beiden hätten sich vor einem halben Jahr kennengelernt. Kurz zusammengefasst: Die beiden Ehepartner sind in diesem Roman nur schwer zu ertragen.

À propos „zusammengefasst“: Etwas, das man sehr häufig bei älteren Star Trek-Romanen vorfindet, gibt es auch gegen Ende dieses Romans. Nämlich eine ausgedehnte Besprechung, in der das Erlebte und seine Bedeutung nochmals zusammengefasst wird. Es scheint, als hätten die Autoren damals den Lesern nicht zugetraut, über den Roman verteilte Informationen im Kopf zu behalten und selbst die Zusammenhänge zu erkennen. Anderseits möchte ich doch anmerken, dass diese Passage in „Die Jarada“ vergleichsweise kurz ausfällt, was aber auch daran liegt, dass das zu lösende „Rätsel“ rund um den Wahn, der die Jarada befällt, sich als nicht allzu kompliziert erweist. Der Großteil des Romans befasst sich eher mit der Frage, welches Rätsel es überhaupt auf Beltaxiya Minor gibt. Es zu lösen bedarf danach nur wenige Seiten.

Bewertung: Speziell die deutsche Übersetzung des Romans empfinde ich als nicht besonders empfehlenswert aufgrund der vielen ungewöhnlichen Floskeln und Worte, die die TNG-Charaktere meiner Meinung nach nie in den Mund genommen hätten. Aber auch die Geschichte selbst ist nicht gerade herausragend. Zuerst gelingt es der Autorin zwar durchaus Interesse für die Jarada und ihre Koloniewelt zu wecken, aber da wäre sogar noch mehr möglich gewesen. Der folgende Überlebenskampf des Außenteams ist dann etwas zäh zu lesen, mit leichten Abwandlungen erleben alle Mitglieder des aufgesplitteten Teams an unterschiedlichen Orten mehr oder weniger das gleiche. Mehr als 2 Sterne kann ich leider nicht vergeben, auch wenn die Geschichte zumindest meine Erwartung erfüllt hat, die Jarada-Spezies und ihre Kultur etwas genauer zu beleuchten.

2stars

Insektoide Spezies im Star Trek-Universum:

where_silence_has_lease_hd_031Auf menschenähnliche Spezies trifft man in den Star Trek-Serien und -Filmen ja ständig. Dass man physiologisch ungewöhnlichere Völker wie Insektoide nur selten sieht, hat vermutlich nur einen Grund: Sie lassen sich weitaus schwerer von menschlichen Schauspielern darstellen, was wohl auch der Grund war, warum man die Jarada niemals gesehen hat. 😉 Insekten zeichnen sich generell durch einen sehr segmentierten Körperbau aus, weshalb beispielsweise jenes insektoide Wesen, gegen das Lieutenant Worf in einem seiner Holodeck-Trainingsprogramme zum Kampf antritt, auch wie ein kostümierter Stuntman aussieht. Es verwundert daher nicht, dass man Insektoide im Star Trek-Universum vor allem in „The Animated Series“ und „Enterprise“ zu sehen bekommen.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Als Zeichentrickserie konnte „The Animated Series“ problemlos ohne größeren Aufwand neue Spezies in Form von Reptilien, Insekten, Weichtieren und sogar Pflanzenwesen einführen. Und in der ab 2001 produzierten Serie „Enterprise“ war die CG-Technik schon so weit entwickelt, um ganz ansehnliche computer-generierte Kreaturen zu erschaffen.

 

Während man also über die Jahrzehnte nur selten physisch-insektoide Spezies zu Gesicht bekommt, werden Charakteristika von Insektenstaaten jedoch ganz gerne auf nicht-insektoide Wesen im Star Trek-Universum angewendet. Das prominenteste Beispiel stellen hier sicher die Borg  mit ihrem Schwarmbewusstsein inklusive Königin dar.

Noch einfacher lassen sich insektoide Spezies natürlich in Romanen umsetzen. Worten sind hier keine Grenzen gesetzt und doch fiel mir kürzlich auf, dass in meinen eigenen FanFiction-Romanen Insektoide keine nennenswerte Rolle spielen. Lediglich in einem Kapitel von „A Decade of Storm“ habe ich aus den in „The Next Generation“ nur namentlich erwähnten Barolianern Ameisen-ähnliche Wesen gemacht. Und in jenem Roman, den ich derzeit verfasse, schreibe ich den Andorianern gewisse insektoide Verhaltensweisen zu. (Dies ist als eine kleine Anspielung meinerseits auf das inzwischen veraltete Sachbuch „Die Welten der Föderation“ zu verstehen, in dem Andorianer aufgrund ihrer Antennen als „humanoide Insekten“ bezeichnet werden.)

Den Abschluss dieses langen Blog-Artikels überlasse ich aber wieder den Xindi-Insektoiden bzw. einem ganz besonders talentierten Exemplar aus der CG-Schmiede von Doug Drexler:

Rezension: Comic – „Der Papyrus des Cäsar“

Es wird höchste Zeit, ein kleines Versäumnis meinerseits nachzuholen. Denn obwohl bereits im kommenden Oktober der 37. Band erscheint, hatte ich in den vergangenen beiden Jahre doch völlig vergessen, Asterix-Band Nr. 36 zu rezensieren, was ich nunmehr nachholen möchte.

asterix-36

Bereits der 35. Band „Asterix bei den Pikten“ läutete ein neues Zeitalter der Asterix-Comics ein: Illustrator Albert Uderzo ließ den jahrzehntelangen Versuch bleiben, ohne seinen bereits 1977 verstorbenen Partner René Goscinny weitere Geschichten der tapferen Gallier zu Papier zu bringen und übergab die Reihe in die Hände von Jean-Yves Ferri und Didier Conrad. Und wenngleich man deren erstem Werk „Asterix bei den Pikten“ durchaus vorwerfen konnte, mit einem typischen Reiseabenteuer keinerlei Risiko eingegangen zu sein, überzeugte mich das Endergebnis. 

Der 36. Band „Der Papyrus des Cäsar“ ist inhaltlich anders angelegt. Ferri und Conrad konzentrieren sich diesmal auf den gallisch-römischen Konflikt und thematisieren Julius Cäsars Werk „Commentarii de Bello Gallico“ – seine Kommentare zum gallischen Krieg – und erklären in dieser Geschichte augenzwinkernd, warum man in diesem historischen Schriftstück keine Erwähnung eines Dorfes voller Unbeugsamer findet. Wie wir in diesem Comic erfahren, beinhalteten die Kommentare ursprünglich durchaus ein kritisches Kapitel über Cäsars Rückschläge in Aremorica. Doch sein Verleger Syndicus riet ihm erfolgreich von der Veröffentlichung ab und machte sich sofort ans Werk, jede Vervielfältigung dieses Kapitels zu vernichten. Was ihm aber nicht ausnahmslos gelingt: Einer der stummen, numidischen Schreiber entwendet heimlich eine Schriftrolle und spielte sie aus Solidarität mit dem gallischen Volk einem Kolporteur aus Lutetia zu. Der sensationshungrige Polemix macht sich für eine ausgedehnte Reportage natürlich sofort auf den Weg zum Dorf der Unbeugsamen und findet dort Schutz vor Syndicus‘ Eliteeinheit, die die Papyrusrolle wiederbeschaffen soll, ehe Cäsar von ihrem Verschwinden Wind bekommt. Doch entgegen Syndicus‘ Befürchtungen und Polemix‘ Hoffnungen haben die Dorfbewohner gar nicht vor, den brisanten Text einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Stattdessen soll er sich zu vielen weiteren mündlichen Überlieferungen gesellen, die die Druiden von Generation zu Generation weitergeben und so begleiten Asterix und Obelix ihren Druiden Mirculix einmal mehr zum Karnutenwald …

Fazit: In ihrem zweiten Band entfernen sich Ferri und Conrad also vom klassischen Schema eines Reiseabenteuers, sind in Sachen Story etwas mutiger und integrieren ein zeitgenössisches Thema. Vor allem Anspielungen auf elektronische Kommunikation wie auch – zum Zeitpunkt des Erscheinens des Comics noch mehr als heute – das Whistleblower- und WikiLeaks-Thema. Allerdings sind diese Anspielungen – sowohl textlich als auch visuell – nicht dermaßen aufdringlich, dass Edward Snowden oder Julian Assange tatsächlich 1:1 vorkommen würde. Uderzo hätte dieser Versuchung bestimmt nur schwer widerstehen können. Generell kann man Ferri und Conrad guten Gewissens attestieren, ein sehr gutes Gespür für Anspielungen zu haben.  Sicher sind sie nur schwer zu übersehen bzw. zu überlesen, aber sie sind auch nicht übermäßig aufdringlich oder gar ablenkend, wie es in manch anderen Asterix-Comics der nicht so weit zurückliegenden Vergangenheit der Fall war. Nicht plumper Hinkelstein, sondern feine Sichelklinge lautet die Devise.

Die Geschichte unterhält sehr gut und ich finde es passend, dass die Gallier – stur wie sie nun mal sind – ihren eigenen Weg zwischen Vertuschung und Sensationsjournalismus gehen. Jedoch … nun ja, zum Erscheinungszeitpunkt dieses Comics im Jahre 2015 war es natürlich noch kein Thema, aber die Twitter-Vögelchen riefen zumindest bei mir indirekt eine betrübliche Assoziation hervor zwischen der Weigerung der Gallier, dem geschriebenen Wort zu trauen und einem gewissen Twitter-Nutzer in den Vereinigten Staaten von Amerika, der ebenfalls nicht viel von Nachrichten hält. (Außer er setzt sie selbst in die Welt und sie haben nicht mehr als 140 Zeichen.)

Aber vertreiben wir schnell diese dunkle Wolke, kommen wir wieder auf den ansonsten guten Unterhaltungswert von „Der Papyrus des Cäsar“ zurück. Dieser gründet sich teils auf den erwähnten Anspielungen und teils auf das Gezänk der Gallier, das sich auf das Horoskop in einem Magazin stützt. Tatsächlich bietet diese Szene am Beginn die Basis für einige Running-Gags, sie besitzt also einen erstaunlich langen Atem und prägt die Dialoge. Jean-Yves Ferri hat auch hier wieder die Charaktere sehr gut getroffen und Didier Conrads Zeichnungen sind sowieso von jenen Uderzos so gut wie gar nicht zu unterscheiden.

Sowohl Figuren als auch Schauplätze sind in „Der Papyrus des Cäsar“ weitgehend bekannt, aber beim Karnutenwald haben sich die Erschaffer ein paar nette Ideen einfallen lassen. (Interessant aber, dass Asterix und Obelix den Wald so einfach betreten durften. Das übliche Warnschild „Für Nicht-Druiden verboten!“ gibt es zwar auch in diesem Comic, aber darauf eingegangen wird nicht.)

Bewertung: Die Geschichte ist ein wenig abseits der üblichen Wohlfühlzone eines Reiseabenteuers, aber Ferri und Conrad meistern sie meiner Meinung nach sehr gut und haben vernünftige Entscheidungen getroffen. Das Humorlevel ist dank der Running-Gags dauerhaft gegeben, aber der ganz große Brüller war leider nicht dabei. Trotzdem haben die beiden „Neulinge“ auch in ihrem ersten Nicht-Reiseabenteuer eine absolut solide Leistung erbracht, dessen Ergebnis ich gute 4 von 5 Sterne verleihe.

4stars

Für mich selbst überraschend entspricht dies einem Stern weniger als ich „Asterix bei den Pikten“ gegeben habe, aber ich habe mir auch diesen Band nochmals durchgesehen und kam zu dem Schluss, dass ich das Reiseabenteuer – auch wenn man es „banal“ schimpfen möchte – einfach lustiger fand und der  Schauplatz Schottland visuell mehr Interessantes bot.

Anmerkung: Der 37. Band mit dem Titel „Asterix in Italien“ erscheint am 19. Oktober 2017.

Rezension: „The Wheel of Osheim“

Nach rund dreieinhalb Monaten bin ich nun endlich durch mit Mark Lawrences „The Red Queen’s War“-Trilogie und die lange Dauer soll wirklich kein Hinweis darauf sein, dass sich das Lesen dieser drei Romane unangenehm gezogen hätte. Ganz im Gegenteil schließt das Finale „The Wheel of Osheim“ in Sachen Lesevergnügen nahtlos an die beiden Vorgänger an. Es ist allein dem Umfang dieser Bücher geschuldet (und auch dem Umstand, dass ich sie auf Englisch gelesen habe), dass ich mich so lange mit ihnen beschäftigt habe, denn auch im dritten Roman erlebt Prinz Jalan von Kendeth wieder jede Menge Abenteuer.

Cj8QUlyWgAAHETy

Um die Ausgangslage zu schildern ist es leider notwendig, den Ausgang des vorherigen Buches „The Liar’s Key“ zu verraten.

Was bisher geschah: Prinz Jalan – kurz Jal genannt – hatte nach seiner Rückkehr aus dem hohen Norden nur wenig Aufmerksamkeit für seine dortigen Heldentaten erhalten, dafür umso mehr die Aufmerksamkeit einiger unliebsamer Kumpanen, die ihm den Tod – oder Schlimmeres – wünschten. Unter dem Vorwand eines offiziellen Auftrags entfloh er den drohenden Unannehmlichkeiten – die alle zurückzuführen waren auf seinen verschwenderischen Umgang mit Geld und Frauen – und kehrte in Florenz ein, dem Handelszentrum des Zerbrochenen Imperium. Wie Jal dort nach kurzer Euphorie feststellen musste, ist ein solcher Ort, wo im Minutentakt Spekulationsgeschäfte abgeschlossen werden, aber auch nicht das sicherste Pflaster für einen notorischen Spieler … und Betrüger wie ihn und auf der Flucht vor seinen Gläubigern lief er seinen alten Weggefährten, den Nordländern Snorri, Kara und Hennan über den Weg, die noch immer auf der Suche nach der Tür zum Jenseits waren. Gemeinsam fanden sie die Tür und Snorri trat tatsächlich hindurch. Doch Jal – Feigling der er nun mal ist – kniff im letzten Moment und ließ die Tür hinter Snorri zufallen. Doch bevor Jal sich gänzlich abkehren konnte, flog die Tür nochmals auf und Snorri packte ihn am Kragen und zog ihn ebenfalls durch die Tür in der Annahme, diese wäre Jal zuvor nur aus Versehen entglitten. 😉

Soweit stark vereinfacht der Schluss des zweiten Buches. Nun zu Buch Nummer 3, „The Wheel of Osheim“: Dieses beginnt erst eine Weile später, nämlich mitten in der Sahara, auf dem Weg einer Karawane. Denn genau dort spuckt das Jenseits Jal wieder aus. Erst im Verlauf der Geschichte erfährt der Leser Stück für Stück, was sich im Jenseits alles ereignet hat, wo Snorri geblieben ist und was aus seiner Familie geworden ist. Mehr als die beiden Bücher zuvor konzentrierte sich „The Wheel of Osheim“ auf den Lügenprinz. Dieser wird auch im Diesseits von den Mächten des Todes verfolgt, die Handlanger der hinterhältigen „Lady Blue“ – die nichts anderes als das Ende der Welt herbeisehnt – machen Jagd auf Jal beziehungsweise Lokis Schlüssel, den der Prinz bei sich trägt. Denn dieser Schlüssel vermag nicht nur neue Streitkräfte aus der Hölle zu befreien, sondern auch die Pläne der Lady zu vereiteln. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Über Nordafrika und Korsika findet der Prinz – dem bei seiner Reise so manch bekanntes Gesicht begegnet – den Weg zurück in seine Heimatstadt Vermillion, wo er mitten in einen Truppenaufmarsch gerät: Jals Großmutter, die „Red Queen“, plant einen Feldzug gegen das Reich von Slov, weil dieses der blauen Lady Asyl gewährte. Jal wird zuerst zurückgelassen, um als Marschall die Stadt zu verteidigen, nur um sich später doch noch auf den Weg nach Osheim zu machen, wo er mit Lokis Schlüssel jene Maschine abschalten soll, die die Welt langsam aber sicher in den Untergang treibt.

Fazit: Kreuz und quer geht die Wanderung durch das Zerbrochene Imperium. Diesmal verschlägt es Jal  nach Afrika und in den mediterranen Raum, was erneut für eine abwechslungsreiche Atmosphäre sorgt, die Autor Mark Lawrence hervorragend und stimmungsvoll transportiert. Dass es sehr lange dauert, bis der Wikinger Snorri auftaucht, ist ein kleines Manko, denn während der Reise beobachtet man alles aus der Perspektive des frisch aus der Hölle zurückgekehrten Jal. Man merkt sehr gut, dass dieses Erlebnis Spuren hinterlassen hat, er etwas härter geworden ist, weniger Spaß versteht – aber trotzdem nicht zögert, sich bei bietender Gelegenheit darauf einzulassen. Wenn ich sage, dass „The Wheel of Osheim“ die wenigsten humorvollen Szenen, Dialoge und Monologe der drei Romane enthält, so bedeutet das aber nicht, dass es beim Trilogiefinale bierernst zugeht. Über weite Strecken ist die Erzählung immer noch heiter und einige Szenen verleiten zum Lachen. Aber es gibt auch lange, düstere Passagen. Beispielsweise die Rückblicke ins Jenseits, weshalb auch Snorri nicht so viel Esprit versprüht wie gewohnt. Oder die sehr ausführlich geschilderte Belagerung von Vermillion.

Sobald es nach Osheim geht, offenbart sich die faszinierende Mixtur aus Mittelalter-Fantasy und Science-Fiction vollends. Das Vorhandensein von Technologie, die die Zauberei im Zerbrochenen Imperium ermöglicht, schwang bei Mark Lawrences Romanen bislang nur am Rande mit, aber im großen Finale zeigt sie sich vollends und hier ist auch kein Rätselraten mehr nötig wenn es darum geht zu erraten, welches aus Jals Perspektive sonderbare Gerät er gerade in Händen hält. (Bei einem habe ich wirklich sehr lange gerätselt und als die Handlung offenbarte, um was es sich dabei handelte, war das ein echter Brüller und die vielleicht witzigste Szene des Buches 😀 ).

Bewertung: Ich will nicht allzu viel über den Ausgang verraten, aber die Tatsache, dass man die eigentlich „wichtigere“ Verhinderung des Weltuntergangs bereits in der „Broken Empire“-Trilogie nachlesen konnte („The Red Queen’s War“ läuft parallel dazu), trübt ein wenig den Triumph am Schluss. Dennoch gibt es einige wirklich rührende Szenen zum Ausklang der Geschichte, die nichts mit dem drohenden Untergang der Welt zu tun haben, sondern sich nur auf die Charaktere stützten und die Beziehungen, die sie während all dieser Abenteuer geknüpft haben. „Der Weg ist das Ziel“ beschreibt die Geschichte von Jal, Snorri und ihren Reisegefährten wohl am besten und ließ mich doch sehr zufrieden zurück. Alles in allem würde ich „The Wheel of Osheim“ nicht ganz so stark wie das erste Buch bewerten, aber etwas besser als das zweite. 5 von 6 Sterne gehen sich aus und mehr wäre vermutlich auch dann nicht drinnen gewesen, wenn sich der Autor bei der Schlacht um Vermillion etwas kürzer gefasst hätte.

5stars

Anmerkung: Wie im zweiten Buch enthält auch „The Wheel of Osheim“ eine bereits bekannte Karte des Zerbrochenen Imperiums. Diese war ursprünglich im 3. Band von „Broken Empire“ enthalten.

map-emperor-of-thorns

Rezension: Comic – Boldly go #10

Am Beginn von „Star Trek Beyond“ sahen wir Captain Kirk bei einem vergeblichen Versuch, Frieden zwischen den Teenaxi und den Fibonern herzustellen. Die übermäßig misstrauischen und trotz ihrer geringen Größe sehr aggressiven Teenaxi schlugen Kirk in die Flucht, doch dabei gelang es zwei von ihnen, an Bord der Enterprise zu gelangen und einen von ihnen sieht man auch später im Film noch an Bord der Sternenbasis Yorktown. Die weitere Geschichte dieses Teenaxi – der Kevin genannt wird, weil sein eigentlicher Name für die meisten humanoiden Zungen unaussprechlich ist – erzählt Ausgabe #10 der „Boldly go“-Comicreihe.

ST_BoldlyGo10-cover-copy

Nachdem Kevin dem Leser Kirks Besuch auf seiner Heimatwelt aus der sehr ungewöhnlichen Perspektive eines Teenaxi nacherzählt hat, beginnt er mit der Schilderung neuer Eindrücke, die seine frühere Einstellung zu Fremden überdenken lassen. Neugierig geworden holte er bei seinem Volk die Erlaubnis ein, eine Weile auf der neuen Sternenbasis zu bleiben und da sich Kevin durch technisches Geschick auszeichnet, darf er auch als eine Art ziviler Experte beim Zusammenbau der Enterprise mithelfen. Daran beteiligt sich auch Montgomery Scott, der mit seinen Kadetten noch immer auf Exkursion ist (siehe Ausgaben #7 und #8) und auf dem Weg zurück nach San Francisco einen Zwischenstopp auf Yorktown einlegt, um zu sehen wie die Arbeiten vorangehen.

Genau zu jenem Zeitpunkt wird auch eine diplomatische Delegation der Teenaxi auf der Sternenbasis erwartet und bedenkt man den Ausgang von Kirks Mission, verläuft diese halbwegs glimpflich … bis nach Abreise der Delegation nicht nur Kevin unauffindbar ist, sondern auch ein Bauteil der neuen Enterprise.

Fazit: Diese Geschichte erinnert am Beginn vage an „Ongoing #14„. Dieser Comic stellte uns den ebenfalls handwerklich sehr geschickten Keenser vor und wie er in die Sternenflotte eintrat. So weit geht Kevin nicht und tatsächlich hat es der kleine Teenaxi in dieser Geschichte mit einem schwierigen Loyalitätenkonflikt zu tun. Einerseits fühlt er sich noch immer seinem Volk verpflichtet und anderseits hat er die Föderation zu schätzen und zu mögen gelernt. Der Geschichte wirklich zugute halten muss man, dass die Sichtweise der Teenaxi wirklich fremdartig ist und dadurch wieder ähnlich gelagerte Missverständnisse entstehen wie bei  Kirks Mission am Beginn von „Star Trek Beyond“. Denn die einzige Absicht, die die Teenaxi-Delegation auf Yorktown verfolgt ist der Diebstahl des „Machtzentrums“ der Enterprise mit der Absicht das modernste Schiff der Sternenflotte außer Gefecht zu setzen und sich so eine bessere Ausgangslage für zukünftige Verhandlungen mit der Föderation zu schaffen. Dass das entwendete „Machtzentrum“ für die Enterprise gar nicht dermaßen wichtig ist, fällt den Teenaxi aufgrund ihrer besonderer Sichtweise auf die Dinge nicht gerade leicht.

Die Geschichte ist sehr humorvoll, die Eigenheiten der Teenaxi-Kultur, die daraus entstehenden Situationen und Scotty sorgen für einiges an Witz. Seine Kadetten, die uns inzwischen ja schon recht gut bekannt sind („Starfleet Academy“-Miniserie), sind aber eher ein Anhängsel. Es ist nett, sie wiederzusehen und sie haben durchaus die nicht unwichtige Funktion, Scotty als Gesprächspartner zur Verfügung zu stehen. (Der einsilbige Keenser ist in dieser Hinsicht ja etwas weniger gut geeignet. ;-)) Aber letztlich sind sie in dieser Geschichte nur Scottys Befehlsempfänger und müssen dem Chefingenieur und Kevin das Rampenlicht überlassen.

Die Zeichnungen zu Mike Johnsons Story steuerte abermals der routinierte Tony Shasteen in gewohnter Qualität bei. Das eindrucksvollste Bild in diesem Comic ist gewiss die Nahaufnahme von Kevins Gesicht, mit all den Runzeln, Schatten, Details in den Augen. Wenn man so will ist Shasteen aber zumindest ein Faux-pas unterlaufen: Auf einem Computerdisplay ist noch der Grundriss der vorherigen Enterprise-Variante zu sehen. Denkt man allerdings zurück an die ganz frühen „Ongoing“-Comics, die munter anachronistische Designs aus der „Next Generation“-Ära reingemischt haben, ist dieses Versehen von Shasteen kaum der Rede wert.

Bewertung: Ausgabe #10 erzählt abermals eine kleinere, persönlichere Geschichte aus dem neuen Star Trek-Universum, die beinahe durchgängig gut unterhält. Problematisch wird es meiner Meinung nach aber am Schluss, gerade dann, als die Handlung relevanter wird. Ich will nicht zu viel verraten, aber für meinen Geschmack kommt Kevin aus dem vorhin erwähnten Loyalitätenkonflikt etwas zu glimpflich raus. Ebenfalls zu glimpflich kommt er zur Yorktown-Basis zurück. Daher gebe ich nur 3 von 6 Sterne.

3stars

Rezension: „Star Trek – Die Welten der Föderation“

Im vergangenen Herbst habe ich einen Reiseführer zum Planeten Vulkan rezensiert und da ich nun kurz davor stehe, das im selben Stil verfasste Buch zum Klingonischen Imperium zu lesen, wurde mein Interesse geweckt, nach langer Zeit wieder einmal ein sehr altes Buch aus dem Regal zu holen, das sich ebenfalls mit der Präsentation von besonderen Planeten im Star Trek-Universum beschäftigt: Shane Johnsons „Die Welten der Föderation“.

weltenderfoederation_cover

Um den Inhalt des Buches richtig einordnen zu können, ist es wichtig, sich seines Erscheinungsdatums bewusst zu werden. In den USA erschien es unter dem Originaltitel „The Worlds of the Federation“ im Jahre 1989, während es der Heel-Verlag auf Deutsch erst 1996 herausbrachte und damals einige Informationen aus dem Buch bereits veraltet waren. Denn während 1996 das Star Trek-Franchise bereits sein 30jähriges Jubiläum feierte (was vermutlich Anlass für die nachträgliche deutsche Veröffentlichung war) und nach dem Ende von „The Next Generation“ bereits „Deep Space Nine“ und „Voyager“ seit mehreren Jahren im TV liefen, war das fiktive Star Trek-Universum im Jahre 1989 noch ein ganzes Stück kleiner. Es bestand lediglich aus 3 Staffeln der klassischen Serie, der kurzlebigen Zeichentrickserie, fünf Kinofilmen und wahrscheinlich noch nicht mal aus zwei vollständigen Staffeln von „The Next Generation“ als dieses Buch geschrieben wurde.

Schon 1996 waren einige der im Buch enthaltenen Informationen nicht mehr aktuell und aus heutiger Sicht würde der Uneingeweihte vermuten, der Autor habe keine Ahnung von „Star Trek“ gehabt. Doch tatsächlich arbeitete Shane Johnson lediglich mit dem Wenigen, das schon vorhanden war , füllte Lücken mit seiner eigenen Fantasie und bediente sich auch aus anderen Quellen, die er in seiner Danksagung nennt. Darunter die „Space Flight Chronology“, „Star Trek Maps“ und „Spocks Welt“. Dieses Sachbuch genießt man heutzutage also besser als Zeitreise, die einen zurück in einen weit weniger vollgepackten Kanon des Star Trek-Universums entführt.

Ich hatte zuvor zwar die aktuellen Star Trek-Reiseführer erwähnt, aber mit Dayton Wards Büchern hat „Die Welten der Föderation“ abgesehen vom Thema „Fremde Welten und neue Zivilisationen“ nichts gemein. Shane Johnsons Buch ist mehr eine sachlich verfasste Enzyklopädie … und zwar verfasst von niemand Geringerem als Lieutenant Commander Data von der U.S.S. Enterprise-D. Diese besondere Perspektive ist insofern interessant, weil viele der insgesamt 66 (!) vorgestellten Welten im Buch uns nur aus den Abenteuern von Kirk & Co bekannt waren. Data liefert hier nicht nur Zusammenfassungen dessen, was man in den Serien und Filmen sah – mit natürlich einigen Ergänzungen – sondern gibt „historische“ Informationen, wie sich das Leben in den folgenden 100 Jahren auf einigen der Planeten weiterentwickelt hat. Shane Johnson hat sich hier eine große Bandbreite an Schicksalen ausgedacht. Humorvolles wie im Falle von Sigma Iotia (siehe TOS-Folge „Epigonen“), die sich nach dem Bandenwesen in Chicago die Enterprise-Offiziere zum Imitieren ausgesucht haben. Aber auch Tragisches ist dabei, wie die „erfolgreiche“ Reduzierung der Überbevölkerung von Gideon (TOS-Folge „Fast unsterblich“).

Das Buch selbst ist klar strukturiert in drei Kapitel: Föderationswelten, neutrale Welten und feindlich gesinnte Völker. Jedem vorgestellten Volk wird eine Doppelseite gewidmet, die zuerst die geläufigen Namen des Sonnensystems benennt, dann folgt ein Text, der die Beschaffenheit des Systems, seiner Bewohner und ihre Geschichte erläutert und lokale Besonderheit erwähnt. Darunter gibt es dann grafische Darstellungen des Sonnensystems sowie des Hauptplanten im System. Komplettiert wird die Doppelseite mit einer Darstellung der dominanten Lebensform. Nur in wenigen Fällen variiert die Zusammenstellung der Doppelseite und es wird statt der dominanten eine ungewöhnliche Spezies genauer gezeigt, manchmal auch ein besonderes Bauwerk auf dem Planeten oder eine Sternenkarte, die ein besonderes historisches Ereignis beschreibt. Und wenn über einen Planeten nur sehr wenig bekannt ist, dann kann es auch vorkommen, dass stattdessen ein Raumschiff des dort beheimateten Volkes dargestellt wird, mit dem die Föderation in Kontakt kam.

098

Dies ist ein Foto der amerikanischen Ausgabe. Die deutsche Ausgabe verzichtet auf den farbigen Rahmen auf diesen Doppelseiten und ist – abgesehen von den Bildern auf den Mittelseiten – in Schwarz-Weiß gehalten.

Fazit: 1989 stammten die Klingonen noch von Klinzhai (oder Kling) und nicht von Kronos. Die Heimatwelt der Ferengi wird in diesem Buch als Ferengal bezeichnet und die Föderation wurde im 21. Jahrhundert gegründet. Die Andorianer haben es gerne warm und Romulus war schon vor Suraks Zeit eine vulkanische Kolonie, die dann in Vergessenheit geriet. Dies sind nur ein paar der auffälligeren Abweichungen zum später etablierten Kanon. Aber als Fehler vorwerfen darf man diese Abweichungen dem Buch und seinem Autor natürlich nicht, denn Shane Johnson hat damals auch nichts anderes getan als es heutige Star Trek-Autoren machen: Sie schließen Lücken, beantworten offene Fragen und leben mit dem Risiko, dass diese Fragen später vielleicht ganz anders beantwortet werden. Und auch wenn natürlich gerade die „Fakten“ zu den besonders häufig vorkommenden Welten und Völkern heute ganz andere sind als 1989, so enthält das Buch doch auch viele unwidersprochene Ideen und kann durchaus eine Inspirationsquelle für Fan-Fiction-Autoren sein, die nach ungewöhnlichen Schauplätzen Ausschau halten, um ihre eigenen Geschichten zu bereichern.

Das heimliche Highlight des Buches ist völlig vom Alter unabhängig: Es sind die 8 farbigen Innenseiten, die vom leider bereits verstorbenen Science-Fiction-Illustrator Don Ivan Punchatz gestaltet wurden. In einem besonderen, malerischen Stil stellte er für diese Seiten einige ausgewählte Spezies dar, vornehmlich Nicht-Humanoide aber auch Vertreter der Flora und Fauna einiger im Buch erwähnter Welten. Als Fan der meiner Meinung nach unterschätzten Star Trek-Zeichentrick-Serie freut es mich besonders, auf diesen Seiten auch Phylosianer, Le-Matya oder die capellanische Energiekatze vorzufinden. Ich kann mich noch erinnern in den 90er-Jahren gerätselt zu haben, woher diese fantastischen Spezies denn stammen mögen. Erst viele Jahre nachdem ich das Buch zum ersten Mal gelesen hatte fand ich es heraus.

Bewertung: Als Nachschlagewerk ist „Die Welten der Föderation“ heutzutage natürlich nicht mehr zu empfehlen, falls man sich gezielt auf die Suche nach Kanon-Informationen zu „Star Trek“ begibt. Aber wie erwähnt enthält das Buch auch einige inspirierende Ideen und ich denke wenn man sich bewusst ist, dass man hier keine aktuelle Informationensammlung vor sich hat, kann man als Leser – und vielleicht sogar als Star Trek-Autor – einiges daraus mitnehmen. Okay, der Text ist manchmal etwas trocken formuliert, was der Fantasieanregung wenig dienlich ist – dies ist sicher dem fiktiven Verfasser des Buches geschuldet. Aber in kaum einem anderen Buch wird man die Besonderheit von 66 fremden Welten und ihren Bewohnern so kompakt und großzügig illustriert vorfinden wie hier. Daher gebe ich 4 von 6 Sterne – nicht für ein Sachbuch, sondern für eine interessante Ideensammlung.

4stars

Anmerkungen:

Die deutsche Ausgabe enthält nicht nur vorne und hinten ein paar Seiten Werbung, ihr lag auch ein kleiner Prospekt des Heel-Verlags bei, der Science-Fiction-Fanartikel verschiedenster Art zum Kauf anbot.

Shane Johnson – der inzwischen unter dem Namen Lora Johnson firmiert – erfreut sich vor allem in der englischsprachigen Fanszene dank „Mr. Scotts Guide to the Enterprise“ großer Anerkennung. Im Gegensatz zu „Die Welten der Föderation“ wird dieses technische Handbuch (das meines Wissens nach nie auf Deutsch erschien) in Konversationen z.B. bei TrekBBS.com  auch heutzutage noch oft referenziert.

Bewegte Bilder

In San Diego ist wieder einmal Comic Con-Zeit und im Rahmen dieses Events wurde ein neuer Trailer zu „Star Trek Discovery“ veröffentlicht. Wie bereits berichtet wird die Serie hierzulande ab 25. September 2017 über Netflix zu sehen sein. (Ab 24. September bereits in den USA auf CBS All Access.)

Auch neue Promotion-Fotos und ein Postermotiv wurden veröffentlicht:

Die Bilder stammen von trekmovie.com, wo ihr auch einige Artikel mit vielen Fotos der auf der Comic Con ausgestellten Kostüme, Requisiten und Entwürfe findet:

Uniformen und Ausrüstung der Sternenflotte, zuvile Kleidung:
http://trekmovie.com/2017/07/20/sdcc17-see-the-federation-and-starfleet-costumes-and-props-from-star-trek-discovery/

Klingonische Rüstungen und Waffen:
http://trekmovie.com/2017/07/20/sdcc17-star-trek-discovery-klingon-costumes-and-props/

Verschiedene Entwürfe, darunter die U.S.S. Discovery:
http://trekmovie.com/2017/07/20/sdcc17-star-trek-discovery-concept-art-details-klingon-and-federation-ships/

Rezension: Comic – Boldly go #9

Nach den Abenteuern der U.S.S. Endeavour in den vergangenen drei Ausgaben der „Boldly go“-Comicreihe, konzentriert sich Ausagbe #9 nun wieder auf persönliche Erlebnisse bekannter Charaktere. Diesmal im Mittelpunkt stehen Uhura und Spock.

ST_BoldlyGo09-cover

Die Enterprise wird noch auf Stenrnenbasis Yorktown zusammengebaut – ein Vorgang, der laut Information aus diesem Comic noch mehrere Monate andauern wird – und so gönnen sich Uhura und Spock eine Auszeit von der Sternenflotte, die sie auf Neu-Vulkan verbringen. Uhura unterrichtet an der Wissenschaftsakademie irdische Geschichte und Kultur während sich Spock einer Expedition anschließt, die ihn in eine abgelegene Gegend des noch relativ unerforschten Planeten führt. Dort soll eine radioaktive Substanz abgebaut werden, die dabei helfen soll, die neue Heimatwelt der Vulkanier energieautark zu machen.

Während sich Spock weit entfernt von der Hauptstadt aufhält, genießt Uhura ihre neue Aufgabe in der Wissenschaftsakademie, wird von ihren jungen Schülern wie auch ihren vulkanischen Kollegen sehr geschätzt – ebenso von Spocks Vater Sarek, dessen unterschwellige Botschaft, sie und Spock mögen doch auch mal an Heirat denken, ihr nicht entgeht 😀 Ein Subtext, den Spock für gewöhnlich nicht wahrnimmt. 😉

Sareks Andeutungen sind jedoch nicht die einzigen Botschaften, die Uhura auffängt. Plötzlich wird Uhura von sonderbaren, warnenden Visionen geplagt und irgendwie scheinen diese in Zusammenhang mit der Expedition zu stehen, an der Spock teilnimmt …

Fazit: Band #9 erzählt eine abgeschlossene Geschichte, die aufgrund ihrer Kürze die Protagonisten vor kein ausschweifendes Rätsel stellen und auch nicht emotional so mitreißend ist wie die großartige Ausgabe #5 über Jaylah. Aber die Charaktere sind schön getroffen, die Dialoge sehr passend und das Wiedersehen mit Sarek ist höchst erfreulich. In diesem Comic darf er sich wieder von seiner zuvorkommenderen Seite zeigen. Ebenfalls ein Wiedersehen gibt es im Rahmen einer Vision mit Uhuras Eltern und – besonders eindrucksvoll gezeichnet – mit ihrem Onkel Raheem. Sie alle haben wir bereits in Band #18 der „Ongoing“-Reihe kennengelernt, auf dessen Handlung Raheems Erscheinen auch direkt anspielt. (Wenngleich Raheem seit seinem letzten Auftritt ein „e“ abhanden gekommen ist. In diesem Band wird er „Rahem“ genannt.)

Thematisch verbindet die Geschichte sehr gut die Themen von Kommunikation und Emotionen, insofern ist Uhura – als einzige nicht-vulkanische Spezialistin für Kommunikation auf Neu-Vulkan – sehr gut in die Geschichte eingewoben, die Interessantes über die neue vulkanische Heimatwelt offenbart.

 

Visuell hervorragend dargestellt wurde Neu-Vulkan von Tony Shasteen. Nachdem die letzten paar Ausgaben der „Boldly go“-Reihe von neuen Zeichnen illustriert worden waren – mit sehr unterschiedlichem Erfolg meiner Meinung nach – kehrte also diesmal wieder ein Star Trek-Veteran ans Zeichenbrett zurück.  Landschaften stellt Shasteen sehr beeindruckend dar, Charaktere bleiben den Originalen treu und Seite 14 entlockt einem wirklich ein lautes „Wow!“.

Bewertung: Eine nette kleine Geschichte, die thematisch sehr gut konstruiert ist und mit einem unaufgeregtem Finale aufwartet sowie einigen schönen Charaktermomenten. Ich weiß, dass nicht jeder ein Fan der Uhura/Spock-Beziehung ist, die im elften Kinofilm eingeführt wurde. Ich selbst fand es aber absolut legitim, dass die Drehbuchschreiber hier subtile Andeutungen aus den frühen Folgen der klassischen Serie aufgenommen haben (aus „Das Letzte seiner Art“ und „Der Fall Charlie“), die die Zuneigung der beiden zueinander andeuten. Eigentlich ein ideales Thema, um in einer neuen, abweichenden Zeitlinie behandelt zu werden und „Boldly go“-Ausgabe #9 geht das Thema noch dazu ohne Kitsch an. Diese Ausgabe liefert damit eine gute Geschichte für Zwischendurch, der ich 4  von 6 Sterne geben kann.

4stars

Rezension: “Batmobile – The Complete History”

Wir erleben gerade eine Zeit, in der uns die Unterhaltungsindustrie inflationär mit Superhelden-Abenteuern und Comic-Verfilmungen „beglückt“. Mein persönliches Interesse an solchen Geschichten ist inzwischen eher gering, doch es gibt zumindest eine große Ausnahme: Kommt ein neues Batman-Abenteuer ins Kino oder ist eine Serie in Gotham City angesiedelt, so ist das genau nach meinem Geschmack – wenngleich dieser dunkle Ritter über die Jahrzehnte einige Veränderungen durchgemacht hat. Und was auf Batman zutrifft, trifft auch auf seinen fahrbaren Untersatz zu, dem sich Mark Cotta Vaz‘ Making-of- und Design-Buch „Batmobile“ widmet.

batmobile_cover

Der Autor geht wirklich an den Anfang zurück, zu den Comics der 1930er-Jahre. Anfänglich verfügte Batman noch über kein eigenes Fahrzeug, sondern fuhr in einer schlichten roten Limousine herum. Erst im Laufe der Zeit erhielt Batmans Auto den Hauch des Besonderen – den die erste reale Variante dieses Gefährts, das in den 1949er-Schwarz-Weiß-Serials zu sehen war (ein einfaches Mercury Cabrio) – wiederum völlig vermissen ließ. Als etwas Besonderes aber alles andere als subtil zeigte sich das Batmobil in der oft kuriosen aber doch enorm beliebten 1960er-Serie mit Adam West. Der umgebaute, schwarze Lincoln Futura mit allen nur denkbaren und undenkbaren „Bat-Extras“ machte seinem Namen alle Ehre und ist auch heute noch das vielleicht ikonischte Batmobile.

Kapitel für Kapitel beschäftigt sich der Autor mit der Entstehungsgeschichte der real umgesetzten Fahrzeuge und ihren Designs. So folgen auf das Fahrzeug aus der Serie die Batmobile aus den Kinofilmen. Nicht weniger berühmt als der Mercury Futura ist das Batmobil im 1989er-Film „Batman“ und im Nachfolger „Batmans Rückkehr“ von Tim Burton. Das durchaus ein bisschen an einen Le Mans-Prototypen erinnernde Fahrzeug ist bei weitem nicht so extravagant wie die Nachfolger aus „Batman Forever“ und „Batman & Robin“, die für sich allein aber auch interessante Designs darstellen und man kann durchaus sagen, dass sich die Fahrzeuge immer auch mehr als nur ein bisschen der durch den jeweiligen Film vermittelte Stimmung – und der Interpretation von Batman – angepasst haben .

Am besten trifft dies aber wohl auf den „Tumbler“ zu. Dies ist jenes Batmobil, das in Christopher Nolans Trilogie („Batman Begins“/“The Dark Knight“/“The Dark Knight Rises“) bleibenden Eindruck hinterließ – beim Zuseher und auf so manchem Auto, das dem Tumbler – einer faszinierenden Mischung aus Sportwagen und Panzer – im Weg stand.

Fazit: Wie bereits das Titelbild erahnen lässt, bekommt der Tumbler die größte Aufmerksamkeit in diesem Buch zugesprochen. Denn das Buch entstand zu einer Zeit, als Christopher Nolan das Finale seiner Batman-Trilogie produzierte und man merkt den erläuternden Texten sehr an, dass deren Informationsgehalt am höchsten ist. Die Texte zu den anderen Batmobilen sind zwar auch umfangreich, aber ich hatte oft das Gefühl, dass die lange Zeit, die seit deren Herstellung vergangen ist, die Erinnerungen der Beteiligten etwas getrübt hat. Dass der technische Aspekt in den Hintergrund rückt, hat mich persönlich dabei nicht gestört, aber auch die Design-Aspekte, die Gedanken und Motivationen, die zur besonderen Gestaltung der einzelnen Fahrzeuge führten, sind mit Ausnahme des Tumblers und vielleicht dem 1989er-Batmobile recht knapp.

Das 140 Seiten starke Hardcover-Buch ist reichlich gefüllt mit professionellen Fotos, viele im Rahmen einer Dokumentation aufgenommen, die all die real gebauten Batmobile an einen Ort zusammenbrachte. Der detaillierte Blick auf die Fahrzeuge ist schon eine tolle Sache, aber mir gingen Skizzen und alternative, nie umgesetzte Designs ab. Auch werden einige Begebenheiten im Text sehr ausführlich beschrieben, aber es fehlt an entsprechendem Foto. So wie ein besonders gelobtes Comic-Cover, das im Buch einfach nicht zu finden ist. Oder die „Bat-Missile“ aus „Batmans Rückkehr“. (Während im Vergleich der artverwandte „Bat-Pod“ aus den neuen Filmen etwas mehr Beachtung findet.)

Auch auch wenn „Batman Forever“ und „Batman & Robin“ alles andere als die populärsten Filme des Franchise sind, so hätte ich mir beim Kapitel zu deren Fahrzeugen doch etwas mehr Sorgfalt gewünscht. An mehreren Stellen vermischen sich die Beschreibungen der beiden eigentlich sehr unterschiedlichen Fahrzeuge und im Text scheint es fast ausschließlich um das „Batman & Robin“-Fahrzeug zu gehen, während das Kapitel fast nur Bilder des „Forever“-Fahrzeugs enthält.

batmobile_p2

Eines von sehr vielen im Buch enthaltenen Fotos des „Forever“-Batmobils.

Bewertung: Allein aufgrund der Fotos kann ich dem Buch schon mal keine schlechte Bewertung geben. Es ist ein toller Bildband für Batman-Fans, aber liest man den Text, beschleicht einem das Gefühl, dass Mark Cotta Vaz eigentlich nur ausreichend Informationen zum Tumbler hatte und die restlichen Fahrzeuge nur reingenommen hat, um das Buch voll zu bekommen. Die damals zeitgleich entstandene Dokumentation (sie ist übrigens Teil der Bonus-Disc der „The Dark Knight Rises“-Blu-ray) bot dem Autor wohl eine gute Gelegenheit, Inhalte daraus ins Buch zu nehmen und tolle Fotos aufnehmen zu lassen. (Das Highlight ist sicher ein ausklappbares Großformatfoto mit allen fünf Autos nebeneinander.) Wobei ich sagen muss, dass der Informationsgehalt speziell zu den Fahrzeugen in der rund einstündigen Doku insgesamt höher ist als im Text des Buches, der Seiten auch mit generellen Infos zum Batman-Universum füllt, die nichts mit dem Batmobil zu tun haben.

Also wer die Filme daheim hat und das Bonusmaterial zu den Batmobilen schon kennt, der wird vom die Fotos begleitenden Text vermutlich alles andere als beeindruckt sein. Und bewegte Bilder sind wohl auch etwas geeigneter, um Fahrzeuge gut in Szene zu setzen. Daher reicht es für dieses Buch nur für 3 von 6 Sterne. Ein bisschen mehr Faszination hätte ich mir von diesem Buch schon erwartet.

3stars

Anmerkung: Aufgrund des Entstehungsjahres ist das neueste Batmobil aus „Batman v. Superman“ nicht im Buch berücksichtigt.

Rezension: „The Liar’s Key“

Das zweite Buch der „The Red Queen’s War“-Trilogie von Mark Lawrence ist das umfangreichste der Saga rund um den Feigling Prinz Jal und den tapferen Wikinger Snorri. Ich mag zwar eine ganze Weile benötigt haben um es durchzulesen, aber auch das zweite Abenteuer dieses ungleichen Paares hat mich sehr gut unterhalten, auch wenn sich die Reisegemeinschaft im Verlauf der Geschichte deutlich vergrößert. Da das Buch ziemlich direkt an den Vorgänger anschließt, muss ich in der folgenden Rezension wichtige Ereignisse aus dem ersten Buch der Trilogie verraten.

cover_theliarskey

Die Ausgangslage: Jal und Snorri haben sich im ersten Buch in den hohen Norden durchgekämpft, wo der Wikinger zwar mit Erfolg Rache an einer Horde abtrünniger Nordmänner und Untoter genommen hat, die sein Dorf verwüsteten. Aber er konnte niemanden retten, vor allem nicht seine Familie, die wie die anderen überlebenden Dorfbewohner verschleppt worden waren, um im Ewigen Eis nach dem sagenumwobenen Schlüssel von Loki zu graben. Nach dem Sieg über die Horde fiel der Schlüssel, der alle Türen zu öffnen vermag, in Snorris und Jals Besitz, was den Wikinger zu einem äußerst düsteren Plan motiviert.

Snorri plant, mit Lokis Schlüssel die Tür zum Totenreich zu öffnen und seine Frau und Kinder daraus zu befreien. Ein Plan, den Jal nicht unterstützen will, denn gerade das Öffnen der Tür – um die Toten in die Welt der Lebenden zu lassen – ist das Ziel, des mysteriösen „Totenkönigs“, eines Nekromanten mit der Macht über die Toten zu befehlen. Würde Snorri die Tür öffnen, könnte dies dem Totenkönig in die Hände spielen, der mit einer riesigen Armee aus Wiederauferstandenen das Zerbrochene Imperium mit unbarmherziger Gewalt einen würde. Jedoch mangelt es Jal an Durchsetzungskraft, Snorris Vorhaben zu unterbinden und die Umstände – wie so oft in Jals Fall handelt es sich dabei um höchst unbedachte amouröse Verstrickungen – zwingen ihn, zusammen mit dem Wikinger und dessen Freund Tuttugu in den Süden zurückzukehren. Während ihrer Reise schließt sich ihnen Kara an – eine Auszubildende der Hexe Skilfar, die Snorri Hinweise auf die Lage der Tür zum Totenreich gibt – sowie der Waisenjunge Hennan, dessen Vater tragischerweise den Verfolgern von Snorri und Jal in die Quere kommt und dabei getötet wird. Anführer dieser Verfolger, die ebenfalls im Dienste des Totenkönigs stehen, ist Edris Dean, der Snorri und Jal schon seit Beginn ihrer Reise im ersten Buch nach dem Leben trachtet und der – wie Jal dank von Kara initiierter Visionen erfährt – schon sehr lange das Schicksal seiner Familie beeinflusst. Aber nicht nur er will in den Besitz des Schlüssels gelangen …

Fazit: „The Liar’s Key“ beinhaltet eigentlich zwei Geschichten in einem Band. Zum einen ist da die große Rahmenhandlung rund um die Reise in den Süden. Snorri und seine Begleiter aus dem Norden machen sich in die Toskana auf, um dort einen Magier ausfindig zu machen, der ihnen die Tür zum Totenreich zeigen kann. Jal will da nicht mitmachen und daher trennen sich die Wege der Reisegemeinschaft an der Grenze zum „Red March“ (ungefähr die heutige Piemont-Region), Jals Heimat. Jal, aus dessen Perspektive auch dieses Buch fast ausschließlich erzählt wird, kehrt in seine Heimatstadt Vermillion zurück und diese Rückkehr verläuft ganz anders als er es sich vorgestellt hätte. So richtig vermisst hat ihn nämlich keiner und das Interesse zu erfahren, welche Heldentaten er im Norden vollbracht hat, ist ebenfalls sehr gering. Zudem hat jede seine Liebschaften in der Zwischenzeit geheiratet und mindest zwei Männer sind mächtig sauer auf Jal und trachten ihm nach dem Leben.

In dieser längeren Passage, die sozusagen ein „Buch im Buch“ ist, kann einem Jal schon richtig leid tun, aber sie ist auch sehr amüsant zu lesen und in den Szenen mit der Roten Königin und ihrer schweigsamen Schwester wird er große Plan, der hinter Jals gar nicht so zufälliger Reise in den Norden steckte, sehr gut dem Leser erläutert. Und auch, was auf dem Spiel steht. Die ominöse „Lady Blue“, die bereits in Mark Lawrence erster „Broken Empire“-Trilogie erwähnt worden war aber bislang nur als Gegenspielerin der Roten Königin bezeichnet wurde, erhält in diesem Buch nun erstmals einen echten Namen und Beweggründe und wird als jene Person identifiziert, die hinter dem Totenkönig steht und die Fäden zieht.

Erneut gelingt es dem Autor, die düstere Handlung mit Humor aufzulockern, was sehr an Jals besonderen Charakterschwächen liegt. Wenn es ihn später in der Handlung nach Florenz verschlägt – dem wichtigsten Handelsplatz der bekannten Welt – so ist es schon amüsant, wie er glaubt, Gewinn machen zu können, indem er einfach seine Flucht plant bevor gewaltige Verbindlichkeiten fällig werden. 😀 Auch zu diesem Buch lässt sich sagen, dass es gewisse Härten zwar nicht komplett ausklammert, aber nicht so im Detail wiedergibt wie noch in Lawrences erster Trilogie. Zu dieser finden sich nun auch weniger Anspielungen. Es gibt zwar so einige, aber der inzwischen zum König von Renar aufgestiegene Jorg und Prinz Jal laufen sich jetzt nicht gefühlt alle paar Stunden über den Weg. Auch die Nekromantin Chella, die in der ersten Trilogie eine große Rolle spielte, wird gut aus der Handlung rausgenommen und durch einen anderen Charaktere sozusagen „ersetzt“, was für einen interessanten Aha-Effekt sorgt.

Die neu eingeführten Charaktere sind sehr gut in die Handlung eingebunden. Der Junge namens Hennan hat zwar nicht allzu viel zu sagen, aber erfüllt im Lauf der Handlung seinen Zweck. Und Kara gefiel mir sehr gut und hat eine andere Entwicklung genommen, als ich es ursprünglich vermutet hatte. Und Tuttugu war bereits aus dem ersten Buch bekannt. Wie Snorri, der sich auf eine höchst düsteren Mission begibt, was auf denne Gemüt schlägt, trägt aber auch dieser Wikinger diesmal zum Humorgehalt wenig bei. Sehr gut gefallen haben mir die Rückblicke in Form der Visionen, die Jal heimsuchen. Eigentlich war er ja nur auf der Suche nach der Wahrheit, was den Tod seiner Mutter anging. Aber die Visionen reichen noch weiter zurück, bis in eine Zeit, als die Rote Königin und ihre Geschwister noch Kinder waren. Das Buch nutzt seinen Umfang sehr gut aus, um der Welt des Zerbrochenen Imperiums zu erweitern, vor allem das kosmopolitische Florenz hilft dem Leser sehr, einen Eindruck von der Größe der Welt zu dieser Zeit zu bekommen. Dazu werden auch ein paar Elemente und Völker aus der vorherigen Trilogie wieder aufgegriffen und noch genauer erläutert.

Bewertung: Die Geschichte rund um Lokis Schlüssel ist schon wirklich eine äußerst lange, aber sie war doch stets so interessant, dass ich immer wissen wollte, wie es weitergeht. Ein wenig schwächer als Band 1 der „The Red Queen’s War“-Trilogie würde ich „The Liar’s Key“ aber dennoch einschätzen, was daran liegt, dass Snorri und Jal als ungleiches Duo nicht mehr so gut funktionieren, was aber auch am Konflikt liegt, den Snorris Absichten auslösen. Insofern war es vielleicht wirklich eine sehr gute Idee des Autors, die Wikinger für eine Weile auszuklammern und Jal sein eigenes Abenteuer  in Vermillion und Florenz erleben zu lassen, das zweifellos gute Unterhaltung ist, aber eben nicht zu der Höhe des ersten Romans gelangt. Daher vergebe ich an „The Liar’s Key“ nur gute 4 von 6 Sterne.

4stars

Anmerkung: Auch diesmal enthält das Buch wieder eine Karte des Zerbrochenen Imperiums, sie ist aber identisch mit jener aus dem vorherigen Buch.

princeoffools map

Rezension: “Die klingonische Kunst des Krieges”

„Uralte Grundsätze gnadenloser Ehre“ verspricht uns dieses Buch, das aus der inneren Perspektive des Star Trek-Universums verfasst wurde. Und es verspricht dabei nicht zu viel! Das qeS’a – was wörtlich aus dem Klingonischen übersetzt soviel heißt wie „Der unentbehrliche Ratschlag“ – ist ein Leitfaden, der klingonischen Kriegern erklärt, was ehrenvolles Verhalten ist und was dazu führt, dass sie Schande auf sich laden.

kunstdeskrieges_cover

In der Einleitung des im 24. Jahrhundert lebenden klingonischen Schriftstellers K’Ratak (er wurde einmal in „The Next Generation“ und einmal in „Voyager“ erwähnt) erfahren wir, dass es sich bei dem qeS’a um einen viele Jahrhunderte alten Text eines anonymen Autors handelt, der ungefähr zu jener Zeit gelebt haben muss, als die Klingonen erstmals begannen, ins Weltall vorzudringen. Diese Ausgabe des qeS’a beinhaltet nicht nur die ursprünglichen Erzählungen zu den 10 Leitsprüchen, sondern zusätzlich jeweils K’Rataks Erläuterungen und Erweiterungen. Die 10 Kapitel sind nach den Leitsprüchen benannt und die Titel gewähren einen ziemlich guten Ausblick auf das, was den Leser erwartet:

  1. Wähle deine Feinde sorgfältig aus.
  2. Schlage schnell zu oder gar nicht.
  3. Blicke deinem Feind immer ins Auge.
  4. Stelle dich dem Unglück.
  5. Offenbare dein wahres Ich im Kampf.
  6. Zerstöre die Schwäche.
  7. Verschiebe nichts auf morgen.
  8. Wähle lieber den Tod als die Gefangenschaft.
  9. Stirb aufrecht.
  10. Erhebe die Ehre über alles.

Die Kapitel beginnen jeweils mit dem ursprünglichen Inhalt des qeS’a, einer kurzen theoretischen Einleitung und danach folgen Parabeln, die praktische Beispiele für die Anwendung des jeweiligen Leitspruchs vermitteln. Dies geschieht anhand historischer Begebenheiten, Überlieferungen und Legenden. K’Ratak fügt danach seine persönlichen Anmerkungen an und ergänzt weitere Beispiele in Form nicht so lange zurückliegender Geschichten – die Star Trek-Fans manchmal aus den Serien kennen oder aus den Romanen, die in den letzten paar Jahren erschienen sind.

Denn hinter K’Ratak steckt niemand anders als Keith R.A. DeCandido, den man durchaus als Klingonen-Experten bezeichnen kann, immerhin stammen aus seiner Feder einige Star Trek-Romane, die dieses Volk in den Mittelpunkt stellen. So wie die „I.K.S. Gorkon-Reihe“ und ihre Ableger. Wenig überraschend tauchen in K’Rataks Ergänzungen auch einige jener Charaktere auf, die in DeCandidos Romanen wichtige Rollen spielen. Das Buch „Die Klingonische Kunst des Krieges“ ist somit eine direkte Ergänzung seiner Romane bzw. sind die darin enthaltenen Geschichten somit auch Teil der Kontinuität, die die Romane der letzten rund 15 Jahre miteinander teilen.

Fazit: Dass dieses Buch Teil der offiziellen Roman-Kontinuität ist hat mich auch eine Weile davon abgehalten, es zu lesen. Ich hatte es mir schon kurz nach Erscheinen gekauft, Ende 2014 oder Anfang 2015, doch damals arbeitete ich schon an meinem Fan-Roman „Sailing on Forbidden Seas„, der sich nicht an der in den offiziellen Romanen etablierten Kontinuität orientiert und sich ebenfalls sehr stark mit der klingonischen Kultur und Geschichte beschäftigt. Um mich nicht beeinflussen zu lassen, blieb „Die klingonische Kunst des Krieges“ – das sich natürlich unverkennbar an Sun Tzus „Die Kunst des Krieges“ orientiert – also eine Weile im Regal, doch in den vergangenen Wochen habe ich mir Grundsatz für Grundsatz vorgenommen und fand vor allem die Geschichten sehr unterhaltsam und interessant. Querbeet enthält das Buch Erzählungen von Begebenheiten aus der klingonischen Mythologie, von Kahless, den Regentschaften verschiedener Imperatoren und Kanzler, aber auch Geschichten über einfache Leute.

Während mir die abwechslungsreichen Geschichten gefallen haben, die auch sehr gut geschrieben waren (man denke sich beispielsweise die tiefe Erzählstimme des Kahless-Klons aus „The Next Generation“ dazu) konnte ich mit der eher philosophisch angehauchten Theorie weniger anfangen. Zum einen war sie mühsamer zu lesen und erschien mir repetitiv. Zum anderen muss man als Mensch schon ein wenig den Kopf schütteln über den Irrsinn, nach dem die Klingonen leben. 😀 Auf den Punkt gebracht: Der Ehrenkodex zwingt dich dazu zu handeln, immer und immer wieder und dabei ständig die vorher verdiente Ehre aufs Spiel zu setzen, während dich der geringste Fehltritt für den Rest deines Lebens entehrt, auch wenn er gar nicht wirklich deine Schuld war. (Zum Glück scheint die Akzeptanz des Schicksals Teil ihrer Psyche zu sein, ansonsten wären die Klingonen wohl ein Volk von Burn-out-Patienten, die unter dem ständigen Leistungsdruck zusammenbrechen. 😉 ) Die klingonische Ehre erweist sich wie im Subtitel des Buches versprochen tatsächlich als gnadenlos.

Als Lebensratgeber finde ich das Buch also eher bedenklich. Auch der Versuch, hin und wieder die Anwendbarkeit der Grundsätze auf das Zivilleben umzulegen, ist etwas holprig, könnte man als Versuch von Propaganda durch die Kriegerkaste aber satirisch betrachten.

Zur Gestaltung: Es handelt sich um ein 17,5 mal 25 Zentimeter großes Hardcover-Buch mit rund 160 Seiten und ich kann durchaus nachvollziehen, warum sich der Verlag für diese Gestaltungsvariante entschieden hat. Man wollte das Buch edel erscheinen lassen aber auch ein wenig „alt“. So ist der Text nicht auf sauberem Weiß gedruckt, sondern auf einer Textur, die das Papier etwas vergilbt darstellen soll. Weiters gibt es zu jedem Kapitel eine einleitende Illustration. Diese sind schön gezeichnet, aber enthalten manchmal mit Photoshop eingefügte Gesichter von Klingonen, die man den Star Trek-Serien sah. Dies wurde trotz Einsatz von Stilisierung nicht immer ganz perfekt kaschiert.

Obwohl das Layout sehr hübsch ist, muss ich doch gestehen, dass ich mir beim Kauf ein stärker illustriertes Buch erwartet habe. Von allen Büchern zum Star Trek-Universum, die ich bislang rezensiert habe, ist dieses visuell am magersten ausgestattet. Zehn Bilder und ein paar schwarze Silhouetten von Waffen sind doch etwas wenig und meiner Meinung nach wäre nicht viel Wirkung verloren gegangen, wäre das Buch als Softcover erschienen. Inhaltlich ist es nämlich vorrangig „nur“ eine Geschichtensammlung und wenngleich ich den Preis eines Buch normalerweise nicht in meine Rezension einfließen lasse, finde ich € 24,90 etwas übertrieben. Denn runtergerechnet auf ein Taschenbuch hat man einen rund 250seitigen Roman vor sich. Also mein Fazit hierzu: Die Aufmachung rechtfertigt den Preis. Aber der Inhalt rechtfertigt die Aufmachung nur bedingt.

Bewertung: In meine Bewertung lasse ich den Preis aber nicht einfließen. Vorrangig geht es mir hier um den Unterhaltungswert und der war durchaus gegeben. Die Anekdoten und Geschichten nehmen den Großteil des Buches ein und waren sehr stimmungsvoll geschrieben. Aber als Ratgeber ist das Buch für Nicht-Klingonen eher weniger interessant. Außer man ist wirklich ein fanatischer Anhänger dieser Lebensweise. Ich gebe der „Klingonischen Kunst des Krieges“ 4 von 6 Sterne.

4stars

Bewegte Bilder (Update 23.6.2017)

Vor einem Monat wurden uns die ersten richtigen Trailer zur neuen Star Trek-Serie „Discovery“ präsentiert. Im Zusammenhang mit der Ankündigung des Starttermins (bzw. der Starttermine) gibt es nun neues Werbematerial, wenngleich ohne neues Bildmaterial aus der Serie selbst. (Update 23.6.2017: Neues Foto in der Bildergalerie!)

In den USA startet „Discovery“ am 24. September 2017 auf dem Sender CBS bzw. auf dem Streaming-Dienst „CBS All Access“. Zum Start werden die ersten beiden Episoden veröffentlicht, jeden Sonntag folgt dann eine weitere.

Fast überall außerhalb der USA wird die Serie auf Netflix gezeigt und das jeweils nur einen Tag nach der amerikanischen Veröffentlichung. Demnach startet die Serie bei uns am Montag, dem 25. September 2017 mit ebenfalls wöchentlich einer weiteren neuen Folge.

 

Bis Anfang November werden die ersten 8 Episoden der Staffel veröffentlicht. Die restlichen 7 folgen dann im Jänner 2018.

Und hier nochmals die ersten beiden CBS- und Netflix-Trailer sowie eine aktualisierte Bildergalerie mit einem neuen Poster-Motiv.

Link: Trailer-Variante mit deutschen Texteinblendungen und Untertiteln

Anmerkung zum neuen Poster: Derzeit ist nicht bekannt, ob es die endgültige Variante der U.S.S. Discovery zeigt oder die Werbeabteilung einfach auf ein älteres Bild zurückgegriffen hat. (Ein Beispiel: Die Poster zur „Star Trek Beyond“ zeigten noch die alte Variante der Enterprise, obwohl sie im Film mit einigen Änderungen zu sehen war.) Zwei langjährigen User des Forums Trek BBS meinen, eine andere offizielle Version des Schiffes gesehen zu haben. Natürlich kann sich das Design seither aber auch wieder geändert haben.