Review: „Star Trek IV – Zurück in die Gegenwart“

Der vierte Kinofilm der Reihe ist im Grunde ein Schlusspunkt für einen Handlungsbogen, der bereits in „Der Zorn des Khan“ begonnen wurde. So schließt auch „Star Trek IV – Zurück in die Gegenwart“ mehr oder weniger direkt an den Vorgängerfilm an und bedient sich dessen Ausgangssituation.

Handlung: Die Enterprise ist zerstört, die Führungsoffiziere auf dem Planeten Vulkan im Exil und Spocks Gedächtnis kehrt nach intensiver Neuschulung wieder zurück, wenngleich er mit so manch menschlichem Aspekt noch gewisse Schwierigkeiten hat. Zumindest erklärt er sich bereit, zusammen mit seinen Freunden an Bord des erbeuteten Birds of Prey zur Erde zurückzukehren, wo sich Captain Kirk und seine Mitverschwörer vor Gericht für den Diebstahl und die Zerstörung der Enterprise sowie für Befehlsverweigerung rechtfertigen müssen. Bevor der Bird of Prey, der von Dr. McCoy den Namen „H.M.S. Bounty“ erhielt, überhaupt in die Nähe der Erde gelangt, erhält die Crew von dort einen Notruf: Eine unbekannte außerirdische Sonde sendet ein Signal aus, das verheerende Nebenwirkungen auf das Klima der Erde hat. Spock findet heraus, dass der Inhalt des Signals offenbar eine versuchte Kontaktaufnahme mit Buckelwalen darstellt. Nur leider sind die Buckelwale auf der Erde schon vor langer Zeit ausgerottet worden. Die Lösung des Problems: Ein Zeitsprung in die Vergangenheit, um von dort Buckelwale zu holen, die mit der Sonde in der Zukunft Kontakt aufnehmen können. Und so finden sich unsere Zeitreisenden schließlich in den Straßen von San Francisco des Jahres 1986 wieder, auf der Suche nach Buckelwalen, Ersatz für transparentes Aluminium und atomgetriebenen Kriegsschiffen …

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Die U.S.S. Ranger doubelt in diesem Film den Flugzeugträger Enterprise

Fazit: Zeitreisegeschichten sind ja echte SciFi-Klassiker und auch vor dem vierten Kinofilm schon Teil des Star Trek-Repertoires gewesen. Eine besondere Stellung nehmen Geschichten ein, in denen Zeitreisende aus einer anderen Epoche in die Jetztzeit versetzt werden, also in die Gegenwart, die für den Zuseher völlig normal ist. „Star Trek IV – Zurück in die Gegenwart“ zeigt sehr gut auf, wie hervorragend dieses Szenario geeignet ist, um eine Geschichte mit sehr viel Humor anzureichern. Die zwangsläufigen Missverständnisse zwischen Menschen der Gegenwart und Menschen (und einem Vulkanier) aus der Zukunft, sorgen für viele heitere Szenen und machen aus diesem Film so ziemlich die einzige wirkliche Komödie unter den Star Trek-Kinofilmen, bei dem die Science-Ficition aber auch nicht zu kurz kommt und sich nicht nur auf die Zeitreise begrenzt. Der Anlass für diese Reise ist ja erst diese außerirdische Sonde, die mehr Interesse an den nicht vorhandenen Meeresbewohnern hat, als an den Menschen. Als Aufhänger für die Story okay, wenngleich sie einen sehr gefährlichen Präzedenzfall erschafft:

Erstmals wird eine Zeitreise in die Vergangenheit unternommen, um eine positive Veränderung in der Zukunft herbeizuführen. Die Zeitreise ist hier wirklich eine Verlockung, der unsere Helden viel zu leicht erliegen und sie verhalten sich dann in der Vergangenheit alles andere als subtil, lassen die Formel für „transparentes Aluminium“ zurück und nehmen neben zwei Walen auch einen Menschen des 20. Jahrhunderts mit. Das ist schon fast ein zu sorgloser Umgang mit dem Zeitreise-Instrument. Immerhin hat man sich bei vergangenen Gelegenheiten doch nur dann eingemischt, wenn bereits vorher irgendetwas schief gelaufen ist, das wieder richtig gestellt gehörte. Und auch später wird die Föderation schon aus Prinzip etwas dagegen haben, dass Zeitreisen unternommen werden, wenn sich jemand dadurch einen Vorteil sichern will.

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Sprachsteuerung ist heutzutage schon etabliert. Aber wann kann man endlich Fenster aus transparentem Aluminium kaufen?

Das Gute an dieser Geschichte ist aber, dass sie sich selbst nicht so ernst nimmt und dass die Leichtigkeit und Lockerheit gut vermittelt wird und auf den Zuseher überspringen kann. Der Film will einfach nur gut unterhalten und spart dafür die heikleren und ernsten Aspekte des Zeitreisethemas aus. (Aber wenn man den Film so oft gesehen hat wie ich mittlerweile, darf man sich ja dennoch mal Gedanken darüber machen, oder? 😉 )

Die Kritik am Walfang bzw. allgemein der Ausrottung ganzer Spezies nur aus kommerziellen Interessen ist gut verpackt in die Story, wenngleich die hochgelobten „Moralbotschaften“ von Star Trek für mich eher ein zweischneidiges Schwert sind. In vielen Fällen lassen sich die Menschen des 23. Jahrhunderts (und noch viel, viel mehr jene des 24. Jahrhunderts) dazu hinreißen, verächtlich und pauschal auf die Menschheit des 20. Jahrhunderts und ihre Taten hinabzuschauen. Das kommt gerne oberlehrerhaft daher, dabei bin ich ziemlich sicher, dass so gut wie jeder, der „Star Trek IV“ gesehen hat, schon vorher wusste, dass Wale an den Rand der Ausrottung zu bringen, was ganz Schlimmes ist. Und wer es nicht wusste, könnte durch den Film fälschlicherweise den Eindruck gewinnen, dass Wale Freiwild sind, da sie nur „nützlich“ in einem so wahnsinnig unwahrscheinlichen Fall wie dem Auftauchen einer außerirdischen Sonde sind, die mit ihnen kommunizieren will. Wie gesagt, ein zweischneidiges Schwert. Aber am wahrscheinlichsten ist, dass die Tierschutzbotschaft des Films bei den meisten Zusehern ohnehin offene Türen eintritt.

Der Film trägt den deutschen Titel „Zurück in die Gegenwart“ und so ganz falsch ist er eigentlich immer noch nicht. Obwohl er über 30 Jahre auf dem Buckel hat, ist er sehr gut gealtert und würde er heute gedreht werden, wäre wahrscheinlich der einzige Unterschied, dass man im Hintergrund Leute mit der Hand am Ohr zwecks Halten des Handys sehen würde. 😀 Und nachdem ich bereits bei meinem Review zum dritten Film festgehalten habe, dass das Ensemble eine größere Rolle spielte als in den Filmen zuvor, ist auch hier der vierte Film eine Steigerung und diesmal darf sogar Chekov eine etwas wichtigere Rolle einnehmen.

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Das ganze Team hat in diesem Film was zu tun und versucht im San Francisco des Jahres 1986 zurecht zu kommen.

Bewertung: Ein sehr vergnüglicher Film, bei dem der Humor sehr gut funktioniert (es gibt auch Beispiele, wo dieser Versuch bei Star Trek-Filmen schief gegangen ist) und sicher zu Recht häufig als das erinnerungswürdigste Merkmal des Films genannt wird. Spannung ist dafür etwas weniger vorhanden (Admiral Kirk stellt selbst klar, dass er sich jederzeit auch zwei Wale aus dem Meer holen könnte) als noch bei den beiden direkten Vorgängern. Aber „Star Trek IV“ setzt den Schwerpunkt auch anders. In diesem Rahmen ist der Film auf jeden Fall auch sehr gelungen, wenngleich einem spätestens beim wiederholten Sehen doch ein paar kritischere Gedanken kommen. Ich gebe dem Film aber doch noch knapp 5 Filmrollen.

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Der Film ist konsequent dem Kurs gefolgt, den der Vorgänger eingeschlagen hat, nämlich in Richtung größeres Ensemble, mehr Humor und einer Geschichte mit Herz. Außerdem bringt er einen sich über drei Filme erstreckenden Handlungsstrang zu Ende und bildet den Schlusspunkt hinter Admiral Kirks Sehnsucht nach der Wiedererlangung des Kommandos über ein eigenes Raumschiff, das schon seit „Star Trek – Der Film“ wiederkehrendes Thema der Filmreihe war.

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Keine gewollte Degradierung, kein Trainingsflug und kein Diebstahl: Am Ende des Films ist James T. Kirk wieder ganz regulär der Captain der Enterprise.

Anmerkungen:

Wer den Film auf Blu-ray sieht, wird eventuell etwas vermissen, was man von den TV-Ausstrahlungen kennt: Es gibt keine „Was bisher geschah“-Sequenz. Im Gegensatz zu jener am Beginn des dritten Films, war diese Sequenz nur für jene Länder gedacht, in denen „Auf der Suche nach Mr. Spock“ nicht besonders gut in den Kinos gelaufen ist. Und so bekam auch die deutsche Fassung eine solche Zusammenfassung vor dem eigentlichen Intro, die auf der internationalen Blu-ray fehlt.

Alle Bilder in meiner Rezension stammen von http://www.trekcore.com/

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