Bewegte Bilder (Update 23.6.2017)

Vor einem Monat wurden uns die ersten richtigen Trailer zur neuen Star Trek-Serie „Discovery“ präsentiert. Im Zusammenhang mit der Ankündigung des Starttermins (bzw. der Starttermine) gibt es nun neues Werbematerial, wenngleich ohne neues Bildmaterial aus der Serie selbst. (Update 23.6.2017: Neues Foto in der Bildergalerie!)

In den USA startet „Discovery“ am 24. September 2017 auf dem Sender CBS bzw. auf dem Streaming-Dienst „CBS All Access“. Zum Start werden die ersten beiden Episoden veröffentlicht, jeden Sonntag folgt dann eine weitere.

Fast überall außerhalb der USA wird die Serie auf Netflix gezeigt und das jeweils nur einen Tag nach der amerikanischen Veröffentlichung. Demnach startet die Serie bei uns am Montag, dem 25. September 2017 mit ebenfalls wöchentlich einer weiteren neuen Folge.

 

Bis Anfang November werden die ersten 8 Episoden der Staffel veröffentlicht. Die restlichen 7 folgen dann im Jänner 2018.

Und hier nochmals die ersten beiden CBS- und Netflix-Trailer sowie eine aktualisierte Bildergalerie mit einem neuen Poster-Motiv.

Link: Trailer-Variante mit deutschen Texteinblendungen und Untertiteln

Anmerkung zum neuen Poster: Derzeit ist nicht bekannt, ob es die endgültige Variante der U.S.S. Discovery zeigt oder die Werbeabteilung einfach auf ein älteres Bild zurückgegriffen hat. (Ein Beispiel: Die Poster zur „Star Trek Beyond“ zeigten noch die alte Variante der Enterprise, obwohl sie im Film mit einigen Änderungen zu sehen war.) Zwei langjährigen User des Forums Trek BBS meinen, eine andere offizielle Version des Schiffes gesehen zu haben. Natürlich kann sich das Design seither aber auch wieder geändert haben.

Die letzte Grenze …

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Stephen Furst

1955 – 2017

Einmal mehr müssen wir uns von einem Darsteller der Serie „Babylon 5“ viel zu früh verabschieden. Stephen Furst, der in der Serie den Botschafter-Assistenten und späteren Centauri-Imperator Vir Cotto verkörperte, starb am 16. Juni 2017 im Alter von 63 Jahren an den Folgen seiner Diabetes-Erkrankung.

Auch von anderen Helden meiner Kindheit hieß es in den vergangenen Wochen Abschied nehmen. Sie mögen zwar nicht im Besonderen für ihre Beteiligung in Science-Fiction-Produktionen bekannt gewesen sein, aber „007“-Darsteller Roger Moore und „Batman“ Adam West standen für mich schon in frühen Jahren für tolle TV- und Filmunterhaltung.

Pilotfilm-Review: „Star Trek : The Next Generation – Der Mächtige/Mission Farpoint“

Im neuesten Teil meiner Review-Reihe zu den Star Trek-Pilotfilmen steht jener im Fokus, dessen Erstausstrahlung sich Ende September zum 30. Mal jähren wird. Bevor „The Next Generation“ startete, bestand das Star Trek-Universum lediglich aus Abenteuern der klassischen Crew, die bereits den Sprung ins Kino geschafft und 1986 mit „Zurück in die Gegenwart“ einen echten Überraschungshit gelandet hatte. So verwundert es nicht, dass man das Franchise so schnell wie möglich auch wieder auf die TV-Schirme zurückbringen wollte. Jedoch mit einem anderen zeitlichen Ansatz, der noch folgende 21 Serienstaffeln und vier Kinofilme prägen sollte …

Handlung: „Encounter at Farpoint“ – so der englische Titel des Pilotfilms – setzt rund ein Jahrhundert nach der klassischen Star Trek-Serie an und gewährt dem Zuseher erstmals einen Blick auf die fernere Zukunft dieses fiktiven Universums. Wenngleich nicht alles daran komplett anders ist: So steht auch hier ein Raumschiff namens Enterprise im Mittelpunkt. Die brandneue Enterprise 1701-D, die unter dem Kommando von Captain Jean-Luc Picard nach Deneb IV unterwegs ist, um einerseits weitere Crew-Mitglieder an Bord zu nehmen und anderseits mit den auf Deneb beheimateten Bandi eine Einigung zur dauerhaften Nutzung von Farpoint Station zu erzielen. Die rasche Entstehung des neuen Raumhafens gibt der Sternenflotte einige Fragen auf, die zu klären es gilt. Doch noch bevor die Enterprise ihr Ziel erreicht, wird sie von einem gigantischen Hindernis aufgehalten und die Crew macht Bekanntschaft mit dem mächtigen Wesen namens Q. Dieses Wesen wirft der Menschheit pauschal vor, sich schon weit genug ins Weltall vorgewagt und sich trotz ihrer technischen Fortschritte charakterlich nicht weiterentwickelt zu haben. Sie sei noch immer eine wilde, barbarische Spezies.

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In einer von Q (John DeLancie) geschaffenen Realität macht das mächtige Wesen Captain Picard (Patrick Stewart) den Prozess. Auf dieser Szene wird sieben Jahre später das Serienfinale aufbauen.

Als sich Captain Picard weigert Qs Forderung nach einem Rückzug zur Erde nachzukommen, stellt Q ihn und die Führungsoffiziere in einer Scheinrealität vor Gericht und klagt sie stellvertretend für die Verbrechen der Menschheit an. Doch Q lässt sich von Picard dazu überreden, erst zu testen, ob sich die Menschen nicht doch weiterentwickelt habe und deutet an, dass bereits die bevorstehende Mission auf Farpoint Station ein hervorragender Test wäre. Auf Deneb IV haben in der Zwischenzeit Commander Riker und Doktor Crusher Mysteriöses beobachtet, das die Frage aufkommen lässt, ob alles auf Farpoint Station das ist, was es zu sein scheint …

Fazit: Vorweg möchte ich gleich gestehen, dass ich geneigt bin, „Encounter at Farpoint“ allein aus nostalgischen Gründen etwas gnädiger zu beurteilen als viele andere Kritiker. Denn wenngleich ich in meiner Kindheit bereits die klassische Star Trek-Serie gemocht hatte, war es doch die Erstausstrahlung des Pilotfilms von „The Next Generation“ (bzw. „Das nächste Jahrhundert“) im deutschen Privatfernsehen 1993, die mich so richtig zum Star Trek-Fan machte. Meine Begeisterung für den Pilotfilm hat sich aber dennoch im Lauf der Zeit deutlich reduziert, die Schwächen und Merkwürdigkeiten des Films treten inzwischen doch etwas deutlicher zutage, denn der Film ist sehr geprägt von der futuristisch-humanistischen Einstellung, die sich Star Trek-Erschaffer Gene Roddenberry in den 70ern und 80ern angeeignet hatte. Qs Test der zukünftigen Menschheit ist ein Beispiel dafür und vor allem seine einleitende Kritik am menschlichen Fehlverhalten der Vergangenheit bzw. damaligen Gegenwart. Wie öfters in der ersten Staffel der Serie trägt auch der Pilotfilm Gegenwartskritik sehr plakativ und oberlehrerhaft vor. Solche Themen kann man auch wesentlich harmonischer und unterhaltsamer in einer Story verarbeiten.

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Vor 100 Jahren noch mit der Föderation verfeindet, sind die Klingonen inzwischen Alliierte und mit Lieutenant Worf  (Michael Dorn) dient einer von ihnen auch in der Sternenflotte. In dieser Einstellung sieht man auch, dass glänzende Touchscreens und eine sanfte, helle Farbpalette die Einrichtung der Enterprise-D prägen.

Was ebenfalls sehr plakativ rüberkommt ist die Vorstellung der Charaktere und ich übertreibe nicht wenn ich sage, dass sich in „Encounter at Farpoint“ die Charaktere vor die Kamera stellen und relativ unmotiviert sich und ihre Eigenschaften vorstellen. So mutet es schon seltsam an, wenn sich der Zweite Offizier Data oder der Klingone Worf in Szene setzen, indem sie plötzlich von ihren Sesseln aufspringen und einen Vortrag halten. Oder Sicherheitschefin Tasha Yar sich während einer Krisensituation durch die halbe Brücke bewegt und „in ihrer Funktion als Sicherheitschefin“ das Wort ergreift. Ebenfalls mitten in einer Krise verlässt Picard für einen Plausch mit Doktor Crusher die Brücke. Jene Doktor Crusher, die kurze Zeit davor eine Szene mit dem blinden Steuermann Geordi LaForge hatte, die nichts zur Story beiträgt, lediglich erklärt, warum der Mann eine Haarspange vor den Augen trägt. Aber natürlich ist es nicht so leicht, ein so großes Ensemble in nur 90 Minuten vorzustellen und eine passende Story rundherum zu schreiben. Wenngleich mancher Superhelden-Film durchaus ein gutes Beispiel wäre.

Und tatsächlich ist der Mix der neuen Enterprise-Crew durchaus sehr vielfältig und nicht unähnlich einer Superheldentruppe. Wir haben einen ernsten, autoritären Anführer, einen strebsamen jungen Stellvertreter, einen klugen aber naiven Androiden, einen mutigen Krieger, eine Empathin und einen Blinden, der dank Technologie mehr wahrnehmen kann als jeder andere. Die Story gönnt jedem der Hauptcharaktere seinen definierenden Moment, auch wenn dieser nicht viel zu selbiger beiträgt. Generell ist die Geschichte rund um Qs Test und das Geheimnis von Farpoint Station eher ein Vehikel zur Vorstellung einer bestimmten Philosophie, eines neuen Hauptschauplatzes im 24. Jahrhundert und der Figuren, die sich darauf bewegen. Es ist keine große Abenteuerstory, aber doch mit nicht gerade wenig „Sense of Wonder“ ausgestattet.

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Die Enterprise-D im Orbit von Deneb IV. Neben ihr fliegt die U.S.S. Hood, eine Wiederverwendung des Excelsior-Modells aus dem dritten Kinofilm „Auf der Suche nach Mr. Spock.“ Genau wir beim Film war für die Effekte des Pilotfilms das erstklassige Studio ILM verantwortlich.

Die Enterprise selbst ist bereits ein neuer, erkundenswerter Schauplatz. Sie ähnelt äußerlich nur vage Kirks Enterprise, ist deutlich größer, ihre Grundform fließender und weniger modular. Das Innere bedient sich teilweise veränderter Sets aus den Kinofilmen (Korridore, Transporterraum), ergänzt aber auch jede Menge neue Sets, die gut dazu passen, was für das hochwertige Produktionsdesign spricht. Dennoch ist die Designsprache deutlich anders als in den Kinofilmen der damaligen Zeit, die die Sternenflotte ein Jahrhundert zuvor militärischer anlegen. Auf der Enterprise-D zeigt man dem Zuseher die angenehmere, hübschere Seite der Flotte, gut aussehende, vitale Offiziere in enganliegenden Spandex-Uniformen (die bei den Darstellern sehr unbeliebt war) in einer gemütlich gestalteten Atmosphäre an Bord eines Schiffes voller Annehmlichkeiten wie dem Holodeck. Die Sets abseits des Schiffes sind ebenfalls interessant und vor allem weitläufig. Das gilt für die „Einkaufspassage“ von Farpoint genauso wie für Qs Gerichtssaal. Den unterirdischen Gängen und der Bandi-Stadt auf Deneb IV verleiht der Einsatz von Gemälden und Miniaturen Weite.

Man sieht an der Ausstattung des Pilotfilms meiner Meinung nach sehr gut den Versuch, sich visuell von der klassischen Serie und den damals aktuellen Kinofilmen abzuheben und dabei doch eine professionelle Optik zu erhalten, was besonders in Sachen Effekte auch absolut gelingt. Immerhin stammen diese von George Lucas‘ renommierten Effektstudio ILM und werden im Pilotfilm alles andere als sparsam eingesetzt. In diesem Zusammenhang möchte ich auch auf das Remastering der Serie hinweisen, das in den Jahren 2012 bis 2014 stattfand. Im Gegensatz zum Remastering der klassischen Serie wurde für „The Next Generation“ das ursprüngliche, unbearbeitete Filmmaterial in hoher Auflösung neu gescannt und die Folgen komplett neu zusammengeschnitten. Das Originalmodell der Enterprise-D ist (mit wenigen Ausnahmen) nun in voller Pracht zu sehen genauso wie die anderen physischen Elemente der Serie, die einst auf hochauflösendem Filmmaterial aufgenommen wurden. Wer die Serie bislang nur auf DVD oder vor 2012 im TV gesehen hat, wird sicher vom scharfen, farbintensiven HD-Bild der Remastered-Fassung angetan sein. Zur Veranschaulichung folgend der Trailer zur ersten Staffel von „The Next Generation“ auf Blu-ray:

Ich will nicht behaupten, dass die 80er-Jahre-Herkunft des Pilotfilms durch das Remastering weniger offensichtlich wird – der Look dieser Ära ist in vielen Design-Entscheidungen erkennbar – aber die Serie wirkt in HD-Qualität visuell auf jeden Fall sehr viel frischer. Zumal Regisseur Corey Allen die Szenen in unterschiedlichen, abwechslungsreichen Einstellungen drehte und die Crew der Enterprise mitunter sehr heroisch in Szene setzte. Wenn beispielsweise Data in einer Szene eine Tür mittels Phaser aufschießt, glimmt noch der Strahl in der Luft während Commander Riker entschlossen nach vorne stürmt. Oder wenn die beiden loslaufen auf eine Stadt zu, die gerade aus dem Orbit bombardiert wird. Mitunter posieren die Charaktere regelrecht vor der Kamera und strahlen in ihrem Tun eine ungeheure Souveränität aus. Das kann man sowohl positiv als auch negativ sehen. Positiv, weil sie ein anzustrebendes Ideal verkörpern. Negativ, weil dadurch doch eine gewisse Distanz zum Publikum entsteht und nie der Anschein erweckt wird, sie wären tatsächlich in einer aussichtslosen Situation.

Betreffend Musikuntermalung fällt auf, dass diese sehr viel vordergründiger ist als später in der Serie oder den folgenden Star Trek-Serien. Sogar die Titelmelodie, die ursprünglich von Jerry Goldsmith für den ersten Kinofilm komponiert wurde – darf in einem besonders glorreichen Moment – der Abtrennung der Untertassensektion – mitten in der Folge lautstark erklingen. So etwas ist selten, erinnert aber an den Pilotfilm „Der Käfig“ in dem es ebenfalls eine vergleichbare Sequenz gab. Dennis McCarthys Musik untermalt „Encounter at Farpoint“ sehr gut mit einer großen Bandbreite an Klängen, die von hell bis pompös reichen und er spielt immer wieder einmal die klassische Fanfare an.

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Ursprünglich als regelmäßiges Manöver geplant kam die Untertassenabtrennung nach dem Pilotfilm nur noch zweimal in der Serie und dann im 7. Kinofilm „Treffen der Generationen“ vor. Dieses Manöver hätte bereits an Kirks Enterprise im ersten Kinofilm 1979 gezeigt werden sollen. Eine alternative Version von Kirks Schiff führt die Abtrennung in „Star Trek Beyond“ aus.

Ansonsten halten sich Anspielungen auf die klassische Serie sehr in Grenzen, lediglich DeForest Kelley darf den Staffelstab. Allerdings wird dieser Gastauftritt dadurch getrübt, dass Kelley unter all dem Make-up kaum erkennbar ist und er nicht einmal „McCoy“ genannt sondern nur als „der Admiral“ bezeichnet wird. In dieser Szene glimmt auch ein bisschen Humor auf, aber in dieser Hinsicht hat „Encounter at Farpoint“ nicht viel zu bieten. Die Stimmung ist oft heiter, aber zum Lachen fordert das Geschehen den Zuseher nicht auf. (Eher sind manche Szenen unfreiwillig komisch, wie z.B. die erwähnten Charaktervorstellungen.) Der später als Synonym für humorvolle Folgen stehende Q kommt im Pilotfilm auch deutlich härter und skrupelloser rüber, was ihm meiner Meinung nach aber ganz gut zu Gesicht steht.

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DeForest Kelley hat eine gemeinsame Szene mit Brent Spiner. Dem Dialog zufolge, der auf Spock anspielt, gibt es natürlich keinen Zweifel, dass es sich bei seiner Rolle um Dr. Leonard McCoy handelt, doch erwähnt wird der Name weder im Pilotfilm noch auf der Besetzungsliste, denn man wollte Kelleys Gastauftritt bis zur Ausstrahlung der Folge geheim halten.

Bewertung: „Encounter at Farpoint“ ist ein erster Schritt, aber noch nicht ganz das, zu dem „The Next Generation“ mit zirka der dritten Staffel wurde, als die Serie zunehmend an Polarität gewann. Die Serie trug später von der Gegenwart inspirierte Themen subtiler vor als im Pilotfilm, auch die Charaktere wurden weniger aufdringlich in ihren Eigenschaften dargestellt, alles wurde ein bisschen gedämpft (in den letzten zwei, drei Staffeln für meinen Geschmack sogar ein bisschen zu viel) und gewisse Konzepte ganz verworfen: So wie Counselor Trois sichtbare Reaktion auf fremde Emotionen, Commander Rikers Diensteifer oder die Idee einer kaum besetzten Kommandobrücke, regelmäßigerer Abtrennung der Untertassensektion … oder dass selbst männliche Offiziere eine Minirock-Uniform tragen sollten. 😀

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Die letzte Szene des Pilotfilms ist die einzige, in der sowohl Tasha Yar (Denise Crosby) als auch Deanna Troi (Marina Sirtis) die Minirock-Uniform tragen. Der sogenannte „Skant“ war als Unisex-Kleidungsstück angelegt und wurde am Beginn der Serie auch von männlichen Statisten getragen. À propos Statisten: Man beachte deren Fehlen an den hinteren Konsolen. Diese Stationen sollten laut anfänglicher Konzeption nur in Ausnahmefällen bemannt werden.

Ausgehend vom Pilotfilm erhielt „The Next Generation“ in den folgenden Jahren so manche Feineinstellung, aber sieht man sich allein die erste Staffel an so merkt man doch, dass auch für diese Folgen „Encounter at Farpoint“ nicht ganz repräsentativ ist. Glücklicherweise besteht die erste Staffel aus etwas zügiger erzählten Abenteuergeschichten und man sollte anmerken, dass die Serie ursprünglich auch nur mit einer 45-Minuten-Folge hätte beginnen sollen. Erst nach Festlegung der 90minütigen Laufzeit wurde die Rahmenhandlung mit Q von D.C. Fontana hinzugeschrieben wie auch so manche Füllszene (z.B. erwähnte Untersuchung von Geordi LaForge auf der Krankenstation) ergänzt.

Will man „Encounter at Farpoint“ als alleinstehenden Film betrachten, so lässt er sich durch diese ganzen Ergänzungen als eine Art „Extended Version“ eines deutlich kürzeren Filmes ansehen. Und wie häufig bei solchen Langfassungen nagt auch am TNG-Pilotfilm das Problem, dass die hinzugefügten Passagen die Erzählung der Geschichte etwas holprig wirken lassen. Okay, vielleicht hätte es ohne die Verlängerung des Films einen populären Charakter wie Q niemals gegeben. Allerdings spielt das eher für die Serie eine Rolle und nicht für den Film selbst, der als eigenständige Produktion mit einem gewissen „Event-Charakter“ eigentlich durchaus funktioniert, aber vor allem dadurch, dass durch das Verwerfen einiger Konzepte rückwirkend etwas eher Untypisches für die spätere Serie entstand, das nur in sehr geringem Maße handlungsorientiert ist.

Wenn ich so überlege, welche Bewertung ich dem Pilotfilm von „The Next Generation“ geben soll, bemerke ich, dass ein Nostalgie-Bonus gar nicht nötig ist. Ich denke, 3 von 6 Punkten sind immer noch absolut vertretbar, vor allem da in Sachen visueller Faszination das HD-Remastering diesen Film wirklich bereichert und die Mühe, die in seine Entstehung gesteckt wurde, besser erkennbar wird. Sicher, an einigen Stellen wird die Moral der Geschichte alles andere als hintergründig transportiert und manche Dialogzeilen machen den Eindruck, als seien sie nur für den Zuseher geschrieben worden um die Figuren vorzustellen. Im Gegenzug steckt (weit) hinter all dem Vordergründigen aber doch ein solides erstes Abenteuer der neuen Enterprise-Crew, die in dieser Frühversion zumindest nicht arm an Eigenschaften ist.

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Anmerkungen:

  • Auf Deutsch trägt der Pilotfilm den etwas umständlichen Doppeltitel „Der Mächtige/Mission Farpoint“, was auf den Umstand zurückzuführen ist, dass der Film bei seiner deutschen Erstausstrahlung im Fernsehen als zwei 45-Minuten-Folgen gezeigt wurde. Um zeitlich Platz für je einen zweiten Vor- und Abspann zu schaffen, wurden einige Szenen gekürzt und zumindest eine Szene komplett geschnitten. Auf DVD und Blu-ray ist der Pilotfilm aber in seiner vollständigen 90-Minuten-Fassung zu sehen und die fehlenden Teile wurden nachsynchronisiert – Captain Picard jedoch von einem anderen Sprecher als gewohnt.

 

  • Das Thema von Qs Test der Menschheit und seine Fortführung im Serienfinale sind wichtige Ausgangspunkte für meinen FanFiction-Roman „Where the End begins“.

 

  • Die in diesem Review verwendeten Bilder und der Trailer stammen von trekcore.com.

Modellbau – U.S.S. Voyager (Mini)

Mein erstes Review zur offiziellen Raumschiffsammlung muss noch ein wenig auf sich warten lassen; das Buch, das ich aktuell lese, ist ein ziemlich dicker Wälzer und wird mich noch eine Weile – hoffentlich – gut unterhalten; und einen aktuellen Comic für Zwischendurch habe ich derzeit nicht auf meiner Leseliste. Also habe ich mich dazu entschlossen, wieder einmal nach einiger Zeit einen Modellbausatz zu präsentieren: die U.S.S. Voyager im Miniformat von Revell!

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Gleich vorweg: Dieses 6 cm lange Modell sollte selbst den ungeschicktesten Modellbauer vor keine größeren Probleme stellen. Wie man auf obigem Foto sieht, besteht das Schiff selbst nur aus 5 Teilen, der Standfuß aus 4 Teilen. Klebstoff ist nicht notwendig, die Teile werden einfach zusammengesteckt. Als einziges Werkzeug ist eine Nagelfeile empfehlenswert, um unschöne Überbleibsel des Herausbrechens der Teile aus dem Gitter zu bearbeiten. Auch ein Bemalen und das Anbringen von Decals ist nicht nötig, denn das Modell hat bereits eine sehr passende Farbe und einige Aufkleber sind schon drauf. Zwar nur wenige, aber passend zum geringen Detailgrad des Modells. Wer sich beim Zusammenbau dennoch auf eine Anleitung verlassen will, findet diese auf der Innenseite der Schachtel aufgedruckt.

Also was den Schwierigkeitsgrad angeht, kann die Mini-Voyager natürlich bei weitem nicht mit anderen von mir gebauten Modellen (Battlestar Galactica, Original-Enterprise, 2009-Enterprise) verglichen werden und wenn ich sie nicht geschenkt bekommen hätte – vielen Dank an Sascha an dieser Stelle 🙂 – wäre die kleine Voyager wohl nie Teil meiner Sammlung geworden … weil ich mir der Existenz dieses Bausatzes bis vor einigen Tagen noch gar nicht bewusst war! Den Hinweisen auf der Schachtel nach zu urteilen, erschien diese Mini-Voyager zusammen mit ebenfalls kleinen Versionen des Maquis-Raiders und des Kazon-Fighters im Jahre 1996. Also zur selben Zeit, als Revell anlässlich des Serienstarts von „Star Trek – Raumschiff Voyager“ auch große Bausätze dieser Schiffe ins Programm nahm. Ich glaube, es gab damals noch ein viertes Modell, den Kazon-Torpedo, der aber laut Schachtel offenbar nicht als Mini-Version erschien. Die große Voyager selbst – mit 67 Teilen – ist auch heute noch bzw. nach einer leichten Überarbeitung wieder Teil des aktuellen Revell-Sortiments.

Was ich leider nicht herausfinden konnte, ist der damalige Neupreis dieser Mini-Modelle. Heutzutage findet man die Voyager sowohl zum schmalen Preis von 2 bis 4 Euro als auch zu „Sammlerpreisen“. Aber der Neupreis wäre schon interessant zu wissen, denn wenn man sich die Bilder des fertig zusammengebauten Modells so ansieht, bieten diese 6 Zentimeter nicht gerade die größte Offenbarung.

Nachträgliche Anmerkung: Inzwischen wurde mir mitgeteilt, dass der Neupreis ca. 8 D-Mark also umgerechnet rund 4 Euro betragen hat. Vielen Dank für die Info! 🙂 

Von unten sollte das Modell besser nicht betrachtet werden, hier fehlen Details als auch Farbe beim Deflektor. Die Oberseite ist definitiv die Schokoladenseite dieses Bausatzes, nur warum Revell den Bereich hinter dem Brückenmodul (noch dazu recht schlampig) beige eingefärbt hat, ist mir ein Rätsel.

 

Bei Gelegenheit werde ich vielleicht mal den Standfuß schwarz lackieren und auch den Deflektor ergänzen.

Dass es Revell – zumindest heutzutage – auch besser kann, demonstrieren die Steckmodelle zu „Star Wars“. Unter dem Titel „eayskit pocket“ bietet Revell einige Star Wars-Raumschiffe im Kleinformat für jeweils ca. 10 Euro an. Es ist zwar auch fraglich, ob sie das wert sind, aber zumindest sind sie ein paar Zentimeter länger als die Voyager, gar nicht so leicht zum Zusammenbauen und weisen ansehnliche Details auf.

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Die Voyager auf diesem Bild als Sinnbild des Minderwertigkeitskomplexes von „Star Trek“ gegenüber „Star Wars“?

Aber natürlich hat auch „Star Trek“ noch einige weitere kleine Modelle abseits von Revells Mini-Schiffen zu bieten. Auf dem folgenden Bild seht ihr von rechts nach links einen Vergleich zwischen der Original-Enterprise von „Running Press“, der U.S.S. Franklin aus dem Kino, der battle-damaged Enterprise von Hot Wheels und eben Revells kleiner Voyager. In Sachen Größe und Details hat die Voyager erneut das Nachsehen.

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Fazit: Es ist schon erstaunlich, wie ein so kleines Modell einen so langen Blog-Eintrag motivieren kann. 😀 Auch wenn Revells mehr als 20 Jahre alte Mini-Voyager keine Preise abräumt, war sie für mich doch ein besonderes Kuriosum und ihr Anblick lässt mich ein wenig in 90er-Jahre-Nostalgie schwelgen, weckt sie doch Erinnerungen an das von der damals neuesten Star Trek-Serie geprägte Programm von Revell.

Ich weiß nicht, ob ich für die Mini-Voyager eine Kaufempfehlung geben kann. Ich kann lediglich sagen, dass ich es zumindest nicht bereut haben, sie mir schenken zu lassen. 😀 Macht daraus was ihr wollt. 😉 Der große Voyager-Bausatz ist aber auf jeden Fall empfehlenswert, wenn ihr dieses Raumschiff mögt. Seitdem ich ihn gebaut habe sind zwar rund zwei Jahrzehnte vergangen, aber ich habe ihn noch als sehr solide in Erinnerung. Und wenngleich sich dieses Schiff im Laufe der Jahre verändert hat – einen wahrlich goldenen Glanz erhielt, der nicht allein auf einen verblendeten Blick in die Vergangenheit zurückzuführen ist – ist es doch noch immer Teil meiner Sammlung. Zugegeben: Die meiste Zeit staubt die große Voyager heutzutage in einem dunklen Schrank vor sich hin. Aber es ist doch schön, sie zu besonderen Anlässen wieder hervorholen zu können. Zum Beispiel um sie neben der Mini-Voyager zu fotografieren …

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Nach 20 Jahren wieder vereint.

Rezension: Comic – Boldly go #7 + #8

In dieser zweiteiligen Geschichte stoßen die aus der Miniserie „Starfleet Academy“ bekannten Kadetten zur Crew der U.S.S. Endeavour. Captain Kirk & Co nehmen an einer Konferenz auf dem Planeten Babel teil, zu der als Reaktion auf die Vorfälle am Beginn der „Boldly go“-Reihe auch eine romulanische Delegation eingeladen wurde.

Unnötig zu erwähnen, dass die diplomatischen Spannungen spürbar sind. Der hitzköpfige andorianische Kadett Shev, der bei einem Empfang einen Streit mit dem romulanischen Botschafter vom Zaun bricht, trägt auch nicht dazu bei, die Stimmung zu verbessern und als der Botschafter kurze Zeit später mitten in seiner Ansprache tot zusammenbricht und Doktor McCoy Gift nachweisen kann, wird aus dem Kadetten sogar ein Mordverdächtiger. Selbstverständlich sind seine Freunde – einschließlich Jaylah, die erst seit kurzem die Akademie besucht – von Shevs Unschuld überzeugt und auch Captain Kirk folgt einer anderen Spur, nämlich einem mit hoher Geschwindigkeit von Babel flüchtendem Raumschiff, das sich von der Endeavour in einem Asteroidengürtel versteckt.

Fazit: Die Geschichte bezieht ihre Inspiration vor allem aus der klassischen Star Trek-Folge „Reise nach Babel“ und auch ein wenig aus dem 6. Kinofilm „Das unentdeckte Land„. Auch im 7. und 8. Band der „Boldly go“-Reihe wird der Versuch unternommen, eine diplomatische Einigungen durch einen Mordanschlag zu sabotieren und unsere Helden sind gefordert, ein Krimi-Rätsel zu lösen und den wahren Verantwortlichen ausfindig zu machen. Dieses Schema ist sicher nicht das originellste, aber sehr gut geeignet, eine spannende Geschichte zu erzählen und nicht umsonst zählen die erwähnte Folge und der erwähnte Film zu den Favoriten der Fans.

Noch eine weitere Parallele zu „Reise nach Babel“ gibt es im Comic: Auch hier treffen wir einen Botschafter, der nicht gerade begeistert von der Berufswahl seines Sohnes ist. Wenn ihr dachtet, die Beziehung zwischen Spock und Sarek in „Reise nach Babel“ sei zerüttet gewesen, dann solltet ihr mal sehen, wie hart der andorianische Botschaft mit seinem Sohn Shev ins Gericht geht. Ansonsten kann man sagen, dass die Charaktere sehr gut getroffen wurden, in der zweiten Hälfte gibt es auch ein paar gelungene humorvolle Einlagen. Jedoch stehen nur wenige Charaktere im Vordergrund. Die Kadetten plus Neuzugang Jaylah, die Endeavour-Crew rund um Kirk sowie Spock und Uhura, die Sarek zur Konferenz begleitet haben … Sie nehmen sich gegenseitig Platz weg. So taucht Scotty, der die Kadetten als Ausbilder nach Babel begleitet, zwar ganz am Anfang auf, ist später aber gar nicht mehr zu sehen. Auch Uhura hat nicht viel zu tun. Jaylah darf sich auch nur einmal richtig in Szene setzen – wobei es gefällt, dass die Autoren Johnson und Parrot ihren Faible für Holo-Technik gut untergebracht haben. Ansonsten ist die Geschichte aber mit Figuren überladen und ein weiteres Manko bildet auch die Auflösung des Kriminalfalls. Diese fällt zwar überraschend aus, nicht so wie ich erwartet hatte, aber doch nicht zufriedenstellend. Ich erkenne ehrlich gesagt keine Möglichkeit, wie man als Leser die Identität des Mörders vor der Auflösung herausfinden könnte.

Die Zeichnungen dieser beiden Ausgaben stammen von Megan Levens. Wie Chris Mooneyham in der Ausgabe #6 feiert sie ein Star Trek-Debüt und ihr Stil gefällt mir bedeutend besser als jener von Mooneyham, stellt eigentlich fast das Gegenteil davon dar. Levens Stil zeichnet sich durch sehr klare Linien aus, die Koloration durch Sarah Stern ist kräftig, ebenfalls schön abgegrenzt. Die Klarheit des Stils erinnert vielleicht bewusst an die „Starfleet Academy“-Miniserie, Levens‘ Figuren wirken aber stärker „verniedlicht“. Ein Stil, wie man ihn eher in Comics für eine jüngere Zielgruppe findet. Nichtsdestotrotz ist es ein effektiver Stil, der nie Zweifel aufkommen lässt, welche Charaktere man gerade sieht.

Bewertung: Die Bewertung ist in diesem Fall etwas schwierig. Eigentlich wurde ich durchgehend gut unterhalten, aber die Auflösung ist bei einem Krimi natürlich sehr wichtig und hierbei überzeugt die Geschichte leider nicht. Was die Überfrachtung mit Personen angeht, hätte eine Verlängerung auf eine dritte Ausgabe der Story gut getan. Aber dafür, dass die Figuren bei ihren teilweise sehr kurzen Auftritten so gut getroffen wurden und weil mich die Gags im zweiten Teil der Geschichte sehr amüsiert haben, gebe ich doch noch eine leicht überdurchschnittliche Wertung: 4 von 6 Sterne!

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Mein neuer Blog zu Eaglemoss‘ Raumschiffsammlung

Wie bereits meinen kürzlich veröffentlichten Rezensionen zu den „Designing Starships“-Büchern zu entnehmen war, habe ich mir auch einige Ausgaben von Eaglemoss‘ offizieller Raumschiffsammlung zugelegt. Im Grunde habe ich mich in den vergangenen Monaten mit allen Modellen eingedeckt, die mich besonders interessieren und mit dem Gedanken gespielt, diese hier im Blog wie die Bücher oder die „Mega Kits“ von Running Press vorzustellen.

Da jedoch meine Sammlung inzwischen gar nicht mehr so klein ist, kam ich zu dem Schluss, dass so viele Artikel, in denen es vorwiegend um Raumschiffminiaturen geht, den Rumschreiber-Blog vereinnahmen würden. Daher habe ich nun einen neuen Blog erschaffen, auf dem ich nach und nach die Modelle von Eagelmoss vorstellen werde:

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Unter raumschiffsammlung.wordpress.com findet ihr bereits jetzt eine kleine Einleitung zu Eaglemoss‘ Raumschiffsammlung und hoffentlich schon bald das erste Review. Damit ihr nicht ständig auf zwei Blogs nachsehen müsst, ob es etwas Neues gibt, werde ich auf aktuelle Artikel zur Raumschiffsammlung hier im Rumschreiber-Blog in der rechten Spalte hinweisen und einen Link zum Artikel setzen.

Ich hoffe, euch werden meine Raumschiff-Artikel gefallen, in denen ich nicht nur auf die Verarbeitung der Modelle eingehen werde, sondern auch jeweils kurz festhalten werde, warum es das jeweilige Schiff in meine Sammlung geschafft hat.

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Einige Miniaturen von Eaglemoss.

 

Rezension: „Star Trek – Designing Starships – Volume Two“

Das zweite „Designing Starships“-Buch von Eaglemoss setzt fort, was das erste begonnen hat und erweitert die Sammlung an Artikeln aus deren Heften, in denen es um den Entstehungsprozess der Raumschiffe geht, die wir aus den Star Trek-Serien und Filmen kennen.

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Insgesamt 33 Raumschiffe werden auch diesmal wieder auf 160 Seiten vorgestellt. Wie bei „Volume One“ handelt es sich auch diesmal wieder um ein schönes, umfangreich illustriertes Hardcover-Buch in englischer Sprache mit Schutzumschlag. Das Layout des Buchrückens ist dabei identisch mit dem des ersten Buches, nebeneinander im Regal stehend machen die beiden Bücher einen sehr schönen Eindruck. (Ich erwähne dies nur, weil es weniger selbstverständlich ist, als man meinen würde.) Natürlich ist auch die Gestaltung im Inneren vergleichbar mit dem ersten Buch bzw. mit der Gestaltung der Artikel, wie sie in den Heften von Eaglemoss dargeboten wurden. Hierbei gefällt, dass die Design-Artikel keinem zu strengen Schema folgen, die Anordnung und Auswahl von Bildern und die Textplatzierung von Artikel zu Artikel variiert und trotzdem ein zusammenhängender Look erhalten bleibt. Im Gegensatz zum ersten Buch fiel mir diesmal jedoch auf, dass der Text auf den linken aufgeschlagenen Seiten oft etwas zu nahe am Bund steht und man daher das Buch ganz schön weit öffnen muss, um alles lesen zu können.

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Soviel zur Optik des Buches, kommen wir nun aber zum Wichtigsten: dem Inhalt. Wie das Titelbild schon vermuten lässt, wird in diesem Buch der U.S.S. Voyager einige Beachtung geschenkt und dies geschieht durchaus exklusiv! Denn während im dem Eaglemoss-Modell beiliegenden Heft das Design-Kapitel nur 4 Seiten umfasst, sind der Entstehung dieses Schiffes im Buch volle 18 Seiten gewidmet! Von den ersten Skizzen und detaillierten Plänen Rick Sternbachs, alternativen CG-Entwürfen von Doug Drexler, gewagten Alternativen von Jim Martin bis hin zu Fotos eines vorläufigen Modells – dessen Design beinahe wirklich zur U.S.S. Voyager geworden wäre – findet man jede Menge Aspekte dieses Designprozesses. Und direkt auf diesen langen Artikel folgen passend auch jene zum Delta Flyer, zu Neelix‘ talaxianischen Shuttle, zur S.S. Raven, zur U.S.S. Prometheus (inklusive umfangreiche Ansichten zu allen drei separaten Einheiten wie auch zur Gesamtheit des Schiffes), zur U.S.S. Equinox und zum in der Serie nie gezeigten Aero-Shuttle, dessen Unterseite man sieben Staffeln lang nur an der Untertassensektion der Voyager erahnten konnte.

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Ebenfalls ein Objekt namens „Voyager“ steht ganz im Mittelpunkt zweier weiterer exklusiver Extras, die eigentlich bereits im Jahre 2001 für das offizielle Star Trek-Magazin erstellt wurden. Auf zusammen 18 Seiten erfährt man viel über das Design von „V’Ger“, jenem monströsen Raumschiff, zu dem die alte NASA-Raumsonde „Voyager 6“ auf ihrer Heimreise zur Erde wurde. Zu jenem Schiff aus dem ersten Star Trek-Kinofilm, dessen Erscheinungsbild wahrlich einzigartig ist, gibt es leider bislang noch kein Modell von Eaglemoss und daher ist es besonders erfreulich, dass diese beiden Artikel, die einst zur Veröffentlichung des „Director’s Cut“ des ersten Films verfasst wurden, in diesem Buch erneut nach so langer Zeit abgedruckt wurden. Syd Mead, der das Äußere von V’Ger gestaltete, und Robert McCall, der das noch fantastischere Innere erschuf, erzählen über ihre Inspiration, welchen Vorgaben sie folgen, welche Vorarbeiten getan wurden, ehe sie zum Projekt stießen usw. Über 30 Bilder – viele davon wunderschöne Gemälde, die hier großformatig abgebildet sind – ergänzen die Worte der Designer.

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Ein weiteres Thema dieses Buches sind die Raumschiffe der Romulaner, die beiden Warbirds des 24. Jahrhunderts und ihr Schiff aus dem 22. Jahrhundert. Die Ära vor der Föderation ist ebenfalls stark vertreten mit Artikeln zur Phoenix, dem NX-Alpha-Prototypen, der Intrepid, dem Frachtschiff Horizon, Xindi-Schiffen und vielen weiteren. Ein exklusiver Inhalt des Buchs geht auf die Inspektionsfähre ein, die mehrmals in „Enterprise“ zu sehen war, u.a. im Pilotfilm.

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Bekanntlich wurden die Folgen der klassischen Star Trek-Serie zwischen 2006 und 2008 einem Remastering unterzogen. Neben der Verbesserung der Bildqualität wurden auch neue Effekte erstellt, was es den Produzenten gestattete, auch neue Raumschiffe einzufügen. Zu diesen Schiffen zählen der Frachter Antares – der auf einem Design aus der 70er-Jahre-Zeichentrickserie basiert – sowie die Schiffe der Medusen und Gorn, die in diesem Buch ebenfalls vorgestellt werden.

Auch die Klingonen lassen in dieser Buchreihe erstmals ein wenig hinter ihren Tarnschirm blicken: Der Bird of Prey, der im 3. Kinofilm sein Debut feierte und seither zu den beliebtesten Raumschiffen überhaupt zählt, zeigt sich u.a. in Form eines frühen Testmodells.

Fazit: „Volume Two“ weist dieselben Stärken sowie die wenigen Schwächen des ersten Bands auf. Es ist erneut ein toll gestaltetes Buch, das informativ ist und zugleich auch einfach mal so durchgeblättert werden kann auch einige Raritäten enthält, wie die Bilder in den V’Ger-Artikeln. Zu den Schwächen: Wie schon in „Volume One“ gibt es ein paar Artikel, in denen Bilder des Endprodukts fehlen, was sich natürlich aus der Auskoppelung aus den Heften der „Offiziellen Raumschiffsammlung“ ergibt. Selten aber doch wiederholen sich Inhalte und Innendesigns werden wieder einmal kaum behandelt, nur dann, wenn die Arbeit der Set-Designer Einfluss auf das Äußere des Schiffes hatte.

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Bewertung: Erneut kann ich für ein Buch dieser Reihe 5 von 6 Sterne vergeben. Abgesehen von dem erwähnten näher an den Bund heranreichenden Text auf einigen Seiten gibt es in Sachen Gestaltung und Aufbereitung von Inhalten keine Abweichung zum ersten Buch. Diese kleine Unstimmigkeit, der wahrscheinlich am Zuschnitt der Seiten liegt, ist aber doch so gering, dass ich deshalb keinen weiteren Stern abziehen möchte. Der Text mag auf manchen Seiten dadurch schwerer lesbar sein, aber grundsätzlich ist er lesbar.

5stars

Anmerkungen:

In keinem der beiden bisher erschienenen Büchern sind Inhalte aus den „Special Edition“-Ausgaben von Eaglemoss‘ Raumschiffsammlung enthalten. Diese Modelle sind deutlich größer, ca. 20 statt 13 Zentimeter lang und das beiliegende Heft ist ebenfalls umfangreicher. Gewöhnlich sind in diesen Heften rund 15 Seiten allein dem Design des jeweiligen Schiffes gewidmet – mitunter auch mit der Gestaltung des Inneren. Gut möglich, dass diese Inhalte aus den „Special Editions“ auch in künftigen Büchern aufgrund des Umfangs unberücksichtigt bleiben werden.

Rezension: „Star Trek – Designing Starships – Volume One“

Seit ein paar Jahren veröffentlicht der Eaglemoss-Verlag regelmäßig Raumschiff-Miniaturen im Rahmen der „Official Starships Collection“. Die aus Metall und Kunststoff hergestellten Modelle sind sehr detailliert, im Durchschnitt ca. 13 Zentimeter lang und werden zusammen mit einem Begleitheft geliefert. In jedem dieser Hefte gibt es auch zumindest einen Artikel, der sich mit der Erschaffung des Schiffsdesigns beschäftigt und diese Artikel fasst Eaglemoss nun auch in Hardcover-Büchern zusammen, die aber auch neue Inhalte aufweisen, die in den Begleitheften nicht enthalten sind.

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Das erste von bislang zwei derartigen Büchern erschien im Herbst 2016. Während die Hefte sowohl auf Englisch als auch Deutsch herausgebracht werden, erscheinen diese Hardcover-Bücher nur in englischer Sprache und sind meines Wissens auch ausschließlich über die Online-Shops von Eaglemoss erhältlich. An dieser Stelle möchte ich „Volume One“ präsentieren, das auf 160 Seiten Licht auf den Entstehungsprozess von über 30 Raumschiffmodellen – sowohl physische Filmmodelle als auch computergenerierte Modelle – wirft.

Das Buch ist vollgestopft mit Entwurfsskizzen, Fotos, Renderings und Screenshots, die gemeinsam mit dem Text, in dem die Designer zu Wort kommen, einen tollen Blick hinter die Kulissen und in die Art Departments ermöglichen. Nahezu aus erster Hand erfährt man die Gedanken der Designer, was sie inspiriert hat, diesem oder jenem Schiff diese besondere Form zu geben, welche Vorgaben sie hatte, welche Elemente von den Effektstudios ergänzt wurden etc. Das Buch enthält Werke und Erläuterungen von Matt Jeffries, Andy Probert, John Eaves, Alex Jaeger, Bill George, Nilo Rodis, Dan Curry, Herman Zimmerman, Rick Sternbach, Rob Bochune, Doug Drexler und vielen weiteren Personen, die an der Umsetzung der Schiffe für die Serien und Filme gearbeitet haben und ihre Kreativität einfließen ließen.

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Zu den mehr als 30 Schiffen in „Volume One“ gehören ausführliche und stark illustrierte Artikel zu allen prominenten Schiffen namens Enterprise (außer Enterprise-J, die in „Volume Two“ behandelt wird). Weitere bekannte und beliebte Schiffe wie die Reliant, die Excelsior, die Stargazer, die Akira, die Centaur wie auch Schiffe der Borg und der Vulkanier werden erläutert. Botany Bay, ECS Fortunate, bajoranischer Solarsegler, die Dauntless, Schiffe der Krenim, Malon, Spezies 8472 (besonders ausführlich!!!) und Hirogen … sie alle und noch viel mehr findet man in diesem Buch.

Zu den exklusiven Inhalten, die man nicht in den Heften findet, gehören Artikel zu drei Shuttles sowie zu zwei Enterprise-Schiffen, die es nicht auf die Leinwand oder den TV-Schirm geschafft haben, denn in den 1970ern wurden weder der Film „Planet of the Titans“ noch die Serie „Phase II“ umgesetzt.

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Fazit: Obwohl es sich bei diesem schön gestalteten Hardcover-Buch mit Hochglanzumschlag „nur“ um eine Sammlung von Artikeln aus mehreren Heften und einigen exklusiven Extras handelt, merkt man dies beim Lesen kaum. Bei Vergleichen zwischen Designs kann es schon mal vorkommen, dass eine Anekdote mehr als einmal erzählt wird, aber sowas ist wirklich nur die Ausnahme und keinesfalls die Regel.

Generell lässt sich sagen, dass „Designing Starships“ im selben Stil gehalten ist, wie andere Design-Bücher zum Thema „Star Trek“, wenngleich der Fokus allein auf Raumschiffe schon etwas Besonderes ist. Bücher wie „Star Trek Design“ oder das TNG-Movie-Sketchbook und TOS-Skizzenbuch behandeln zwar ebenfalls Raumschiffe, aber auch Requisiten, Sets und Kostüme. Stichwort Sets: Wenn etwas in „Designing Starships“ zu kurz kommt, dann das Innere der Schiffe. Dieses Thema wurde weitestgehend ausgespart. Ebenfalls bei manchen Artikeln ein Manko ist das Fehlen eines Bildes des finalen Designs des Schiffes. In den Heften gibt es eigene Seiten, die das fertige Schiff aus verschiedenen Perspektiven zeigen. Manchmal wäre es ganz schön gewesen, im Buch zwischen Entwurf um Umsetzung direkt vergleichen zu könne. Diese Seiten hätte man vielleicht auch noch ins Buch aufnehmen können. Es sind aber sicher weit weniger als ein Viertel der Artikel, denen ein Bild des fertigen Schiffes fehlt.

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Bewertung: Ich finde, der Inhalt dieses Buches ist sehr gut zusammengestellt, gut aufeinander abgestimmt, so dass es sich sowohl in einem durch lesen lässt, aber auch als Nachschlagewerk dienen kann. Die Artikel sind informativ und wenn sogar jemand wie ich – der seit Jahrzehnten jede Skizze und jeden Design-Entwurf zu Star Trek studiert, der mir unterkommt – noch neues Bildmaterial findet, dann sagt das sehr viel über dieses Buch aus. Wie erwähnt hat es kleinere Mankos aufgrund der Tatsache, dass es sich eigentlich um eine Artikelsammlung handelt, aber die exklusiven Inhalte zu den Shuttles, „Phase II“ und „Planet of the Titans“ gleichen diese sehr gut aus, wenn auch nicht ganz. Eine etwas nähere Beleuchtung des Innendesigns jener Schiffe, von denen man das Innere kennt, wäre wirklich eine notwendige Ergänzung gewesen. Daher gibt es „nur“ 5 von 6 Sterne. (Auch weil das Buch für die überschaubare Seitenzahl ein bisschen teuer ist.)

5stars

Anmerkungen:

In keinem der beiden bisher erschienenen Büchern sind Inhalte aus den „Special Edition“-Ausgaben enthalten.  Diese Modelle sind deutlich größer, ca. 20 Zentimeter lang und das Heft ist ebenfalls umfangreicher. Gewöhnlich sind in diesen Heften rund 15 Seiten allein dem Design des jeweiligen Schiffes gewidmet – mitunter auch mit der Gestaltung des Inneren. Gut möglich, dass diese Inhalte aus den „Special Editions“ auch in künftigen Büchern aufgrund des Umfangs unberücksichtigt bleiben werden.

Dass es zumindest noch ein drittes Buch geben wird, halte ich für wahrscheinlich, denn auffallend in den ersten beiden Büchern ist das Fehlen von fast allen klingonischen Schiffen (Ausnahme: der Bird of Prey in Volume Two). Diese dürften wohl als Aufhänger für ein drittes Buch dienen, das vielleicht im Herbst 2017 erscheint, wenn man weiterhin halbjährlich ein Buch veröffentlichen will. Inhalte gibt es genug, denn bis zum Herbst wird Eaglemoss zumindest in Großbritannien bereits über 100 Schiffe herausgebracht haben.

Ich selbst stelle mir gerade eine eigene kleine Sammlung zusammen und werde diese Schiffe zukünftig auch auf meinem Blog rezensieren.

Rezension: „Prince of Fools“

Vor etwas mehr als zwei Jahren las ich Mark Lawrences Trilogie „Broken Empire“ (beginnend mit „Prince of Thorns“). Ebenfalls in dieser lose auf realer Geographie basierenden Fantasy-Welt ist auch die nachfolgende Trilogie namens „The Red Queen’s War“ angesiedelt, die wiederum einen Prinzen in den Mittelpunkt des Geschehens stellt, der charakterlich aber ganz anders gestrickt ist als der „Dornenprinz“.

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In einer mittelalterlichen Fantasy-Welt (deren Entstehungsgeschichte ich an dieser Stelle nicht verraten werde) ist Europa in viele kleine Königreiche aufgeteilt. Eines davon ist der „Red March“, in dessen Hauptstadt Vermillion die Rote Königin regiert, die die zunehmende Bedrohung durch magische Einflüsse und eine mögliche Entfesselung des Totenreiches befürchtet. Eine ernstzunehmende Angelegenheit … an der der Hauptcharakter dieses Romans allerdings überhaupt nicht interessiert ist. Prinz Jalan Kendeth – kurz Jal genannt – ist ein Enkel der Roten Königin, ziemlich weit hinten in der Thronfolge und nur darauf bedacht, sich ein gutes Leben mit Wein, Weib und Gesang zu machen. Er ist ein Spieler, ein Schürzenjäger und allen voran ein ziemlicher Feigling. Bereits die einleitenden Worte des Romans charakterisieren ihn perfekt:

„Ich bin ein Lügner, ein Betrüger und ein Feigling, aber ich werde nie und nimmer einen Freund im Stich lassen. Es sei denn, ihm beizustehen würde verlangen, ehrlich, fair oder mutig zu sein.“

Eine Aussage, die kein soziales Problem für ihn darstellt, denn wirklich enge Freunde hat Jal ja nicht – bis ihm das Schicksal einen an die Seite stellt.

In ihren Bemühungen mehr über die Entwicklungen im Norden des zerbrochenen Imperiums herauszufinden, lässt die Rote Königin einen versklavten Wikinger an den Hof holen. Der riesige Kerl namens Snorri ver Snagason berichtet von Horden auferstandener Toter, ähnlichen Kreaturen, Inselbewohnern und selbst abtrünnigen Nordmännern, die auf dem Weg in Richtung Ewiges Eis sein Dorf verwüstet und den Großteil der Bewohner – darunter Snorris Ehefrau und Kinder – entführt haben. Jal ist sofort fasziniert von Snorri. Aber nicht weil ihn dessen tragische Geschichte so berührt, sondern weil er in dem Muskelmann den perfekten Preisboxer sieht und einen Weg, seine Schulden loszuwerden. Doch Snorri nutzt den Kampf in der Arena zur Flucht und als Jal schon denkt, den Wikinger nie wieder zu sehen, läuft er diesem im sonderbarsten Moment seines Lebens in die Arme.

Eine Verkettung unglücklicher Umstände führt dazu, dass Jal eine Zauberbeschwörung – ausgesprochen von der „Silent Sister“, sozusagen der Hofmagierin der Roten Königin – unterbricht. Anstatt auf ein Gebäude richtet sich die explosive Vereinigung eines Licht- und Dunkelheitszaubers auf Jal, verfolgt ihn quer durch die Stadt und gerade als der Zauber ihn erreicht und auszulöschen droht, prallt er zufällig gegen Snorri. Anstatt die beiden umzubringen, teilt sich der Zauber auf, die Dunkelheit fährt in den wackeren, gutherzigen Wikinger und das Licht in den immer nur auf den eigenen Vorteil bedachten, feigen Jal. Die Freude darüber nicht tot zu sein währt zumindest bei Jal nur kurz, denn es stellt sich heraus, dass Jal und Snorri nun aneinander gebunden sind, sich nicht ohne Nebenwirkungen weit voneinander entfernen können. Das stellt vor allem für Jal ein Problem dar, denn Snorri ist fest entschlossen in den Norden zurückzukehren, seine Frau und Kinder zu befreien und Rache am Anführer der abtrünnigen Nordmänner  zu nehmen. Jal hat keine andere Wahl, als Snorri zu folgen – auch weil ihm daheim Ungemach von einem Gläubiger droht, der sich von Jals königlicher Abstammung nicht beeindrucken lässt …

Fazit: Dies ist der Beginn einer sonderbaren aber wirklich amüsanten Buddy-Actionkomödie im Fantasy-Gewand. Jal und Snorri sind unterschiedlich wie Tag und Nacht und es ist schon ironisch, dass ausgerechnet Jal nach seiner Verzauberung regelmäßig von einem gutmütigen und tugendhaften Engel heimgesucht wird und Heilkräfte entwickelt, während in Snorri von Zeit zu Zeit die Dunkelheit Macht ergreift und er zu einem nahezu unbesiegbaren Berserker wird. Diese neuen Fähigkeiten helfen ihnen auf ihrer langen Reise aus der einen oder anderen Klemme, es gibt in diesem Roman einige Abenteuer für die „Helden“ zu bestehen, aber das Herzstück, die Seele der Geschichte bilden die Dialoge zwischen Jal und Snorri. Das Geschehen wird dabei durchgängig aus Jals Perspektive geschildert, was selbst in den düstersten Situationen für Auflockerung sorgt.

Verglichen mit den Romanen der „Broken Empire“-Trilogie – die auch stellenweise durchaus humorvoll sein konnten – ist „Prince of Fools“ dank des Hauptcharakters mit all seinen Schwächen und Fehlern deutlich unbeschwerter. Der Humor von Prinz Jorg war trocken und schwarz, jener von Prinz Jal ist ein wenig naiver, auf Schlagfertigkeit ausgelegt – mutig mit dem Wort, aber nicht mit der Tat. Auch bei den Kampf- und Schlachtszenen hat sich Mark Lawrence diesmal meinem Empfinden nach mit unschönen Details zurückgehalten. Vielleicht auch, weil Jal ein Erzähler ist, der nicht so genau hinsehen will, wenn sich vor seinen Augen etwas Grausiges ereignet. 😀 Dennoch spritzt das Blut in nicht geringem Maße – vor allem als Snorri auf einem Gebirgspass zum Berserker mutiert und beim Endkampf, in den Wikinger mit einigen weiteren Überlebenden aus seinem Dorf zieht (deren Gruppendynamik ein ganz kleines Bisschen an die Zwerge aus „Der Hobbit“ erinnert 😉 ). Die düsteren Kreaturen namens „Ungeborene“ werden in ihrer Deformation und Unheimlichkeit eingehender beschrieben und auf die Stimmung schlägt vor allem das, was Snorri über das tragische Schicksal seiner entführten Familie nach und nach offenbart. Also trotz der Heiterkeit in vielen Passagen ist „Prince of Fools“ kein echter Wohlfühl-Roman.

Bewertung: Ich gebe dem Auftakt der neuen Trilogie 5 von 6 Sterne. Die Reiseerzählung kommt nicht ganz ohne die eine oder andere Länge aus – immerhin sind Snorri und Jal monatelang unterwegs – und ich bin mir nicht ganz sicher, was ich von den Überschneidungen zu „Prince of Thorns“ halten soll. Die Geschichten spielen parallel und die Wege von Prinz Jal und Prinz Jorg und dessen Weggefährten kreuzen sich in „Prince of Fools“ und um so manche Anspielung rein zu bringen, schreibt der Autor Snorri manchmal einen unglaubwürdigen Umfang an Wissen zu. Zuerst dachte ich, dies  würde eine besondere, eventuell magische Fähigkeit des Wikingers andeuten, aber schlussendlich dürfte es sich hier doch nur um Gags handeln, um beide Trilogien miteinander zu verbinden. Zwei, drei Anspielungen weniger wären ganz gut gewesen, denn „Prince of Fools“ wäre auch ohne diese ein sehr guter Roman, der einen Abschluss hat, aber vorbereitet, worum es in der Fortsetzung gehen wird.

5stars

Anmerkung: Wie auch schon bei den ersten drei Romanen gibt es auch in diesem eine Karte des „Broken Empire“. Diesmal sehen wir erstmals die skandinavischen Gefilde.

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Bewegte Bilder

Es gibt wieder einmal Neuigkeiten zu „Discovery“, der neuen Star Trek-Serie, die im Herbst in den USA auf CBS All Access und hierzulande auf Netflix starten soll. Gestern haben beide Streaming-Anbieter jeweils einen Trailer veröffentlicht (mit beinahe identischem Bildmaterial, aber anderem Schnitt und anderer Musikuntermalung).

Link: Trailer-Variante mit deutschen Texteinblendungen und Untertiteln

Interessanterweise ist das titelgebende Raumschiff U.S.S. Discovery in den Trailern überhaupt nicht zu sehen, jedoch ganz klein auf einem Postermotiv, das neben einigen Promotion-Bildern ebenfalls gestern veröffentlicht wurde. Bei dem Schiff im Trailer handelt es sich um das Raumschiff U.S.S. Shenzhou von Captain Philippa Georgiou (Michelle Yeoh).

Mein vorläufiger Eindruck von der Serie hat sich seit dem Blick hinter die Kulissen im Februar auch mit Sichtung der Trailer nicht geändert: Noch immer bin ich außerordentlich ratlos, warum es sich die Produzenten so schwer gemacht und ihre Serie im alten „Prime-Universum“ – nur 10 Jahre vor den Ereignissen der klassischen Star Trek-Serie – angesiedelt haben, aber dabei keinerlei Retro-Charme auszumachen ist.

Inhaltlich will man sich an die Vorgaben des Prime-Universums halten, aber visuell ist das ein kompletter Reboot der klassischen Star Trek-Ära (deren Look bisher auch von Folgen der Serien „The Next Generation“, „Deep Space Nine“ und „Enterprise“ immer bestätigt wurde) mit einigen Stilelementen der neuen Kinofilme, wenn auch etwas „billiger“ wirkend (aber nur in normalem Ausmaß wie eigentlich immer, wenn man TV- und Kino-Produktionen eines Franchise vergleicht). Weniger retro und ein bisschen biederer in Szene gesetzt. So kommen mir viele Aufnahmen zu statisch vor, ohne Dynamik. Echte Aufbruchstimmung oder gar Spaßfaktor werden in den Trailern auch nicht so recht vermittelt. Aber das muss ja nicht für die Serie gelten, deren Folgenanzahl in der 1. Staffel von 13 auf 15 Folgen erhöht wurde. Somit heißt es, weiter abzuwarten, wie die Serie im Endeffekt tatsächlich wirken wird.

Rezension: Comic – „Starfleet Academy“

Die Abenteuer der Kadetten der Sternenflottenakademie werden schon über lange Zeit regelmäßig in der Star Trek-Literatur thematisiert. Vor allem in den 90er-Jahren gab es so einige Spin-Offs mit dem Titel „Starfleet Academy“, zum Beispiel eine dreiteilige Romanreihe über SpockMcCoy und Kirk und auch über die TNG-Ära-Charaktere. Auch Comics von Marvel und DC beschäftigten sich mit den Kadetten der Sternenflotte. William Shatner und das Autorenduo Reeves-Stevens verfassten ebenfalls den (leider nie fortgesetzten) Beginn einer neuen Romanreihe namens „Academy“. Infolge des 11. Kinofilms von 2009 erschienen dann weitere vier „Starfleet Academy“-Romane. Und schließlich Anfang 2015/Ende 2016 nahm sich auch der aktuelle Star Trek-Comicverlag IDW dieses Themas an und veröffentlichte eine neue, fünfteilige Miniserie namens „Starfleet Academy“, deren Handlung ebenfalls in der neuen Zeitlinie angesiedelt ist.

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Abwechselnd erzählt die Miniserie von Erlebnissen zweier Gruppen von Kadetten. 2258 möchte Kadettin Nyota Uhura zu einem sonderbaren Signal Nachforschungen betreiben, das sie während ihrer Studien im Langstreckenkommunikationslabor der Akademie auffängt. Doch die Weigerung ihrer Vorgesetzten – drunter Ausbilder Spock – sie dabei zu unterstützten, lässt sie auf eigene Faust handeln. Doch dazu benötigt sie die Hilfe durch weitere Kadetten. Kadett Chekov gelingt es, den Ausgangspunkt des Signals herauszufinden: das Sonnensystem Wagner-219. Doch um die aus unerklärlichen Gründen als geheim eingestuften Informationen über dieses System abzurufen, benötigt Uhura die Hilfe eines anderen Kadetten, der es mit den Vorschriften etwas weniger genau nimmt als Chekov …

2261 steht das 100-Jahr-Jubiläum der Akademiegründung an, was für die vulkanische Kadettin T’Laan jedoch von keinem großen Interesse ist, hat sie doch entschieden, ihr Studium abzubrechen und nach Neu-Vulkan zu gehen, um dabei zu helfen, die neue Kolonie aufzubauen. Einer ihrer Professoren überredet T’Laan jedoch dazu, ihre Entscheidung noch etwas aufzuschieben und an einem zum Jubiläum ausgetragenen Wettbewerb teilzunehmen, an dem Studenten verschiedenster Schulen der Föderation teilnehmen. Der Professor hofft, dass T’Laan vom Teamgeist angesteckt wird und einige neue, interessanten Facetten des Akademielebens kennen lernt. Tatsächlich verläuft der Wettbewerb sehr abwechslungsreich und mit einigen Überraschungen, wofür auch T’Laans Teamkameraden sorgen: das wandelnde Lexikon Lucia Gonzales, der andorianische Heißsporn Shev, die Pilotin Grace Chen und der Medizinstudent Vel K’Bentayr vom Planeten Monchezke. Aus dem Wettbewerb wird jedoch ein Ernstfall, als das Team mit einem Shuttle in den Randbereich des Sonnensystem Wagner-219 gerät und dort das selbe Signal auffängt, wie einst Kadettin Uhura …

Fazit: Die Miniserie überzeugt mit zwei sehr interessanten, zeitlich getrennten aber parallel erzählten Handlungssträngen, wenngleich das „Geheimnis“, was es mit dem Signal auf sich hat und wohin die Geschichte schließlich führen wird, schon sehr früh gelüftet wird. Das hätte man geschickter verstecken können. Dennoch ist auch der Weg hin zum Ziel die Lektüre wert. Die Charaktere – von denen es nicht gerade wenige gibt – sind mehr als ausreichend bis sehr gut definiert. Vor allem T’Laan und Lucia kommen sehr sympathisch  rüber und die Canon-Charaktere im 2258er-Handlungsstrang sind durch die Bank hervorragend getroffen. Durch die ganze Geschichte zieht sich ein toller Wortwitz, die Dialoge zwischen Kirk und Uhura folgen ganz dem Stil ihrer verbalen Auseinandersetzungen im Kinofilm. Auch Vel K’Bentayr sorgt für viel Humor mit seiner Eigenart, Offensichtliches auszusprechen, da verbale Kommunikation für ihn noch neu ist. Inhaltlich ist mir sonst nur ein kleiner – aber unwesentlicher Fehler – aufgefallen: Eine bestimmte Zeitspanne wird einmal mit 47 Tagen angegeben, etwas später mit 61 Tagen.

Die Zeichnungen von Derek Charm sind sehr interessant. Vorweg sei festgehalten, dass Charm zuvor noch keinen Star Trek-Comic illustriert hatte, nur eine handvoll alternative Cover für die „Ongoing„-Reihe beigesteuert hat. Sein Stil ist also für den Star Trek-Comic-Leser etwas Neues, aber man gewöhnt sich schnell daran. Ich kann auch nicht genau sagen, woran es liegt, aber seine Zeichnungen vermitteln zur selben Zeit den Eindruck, „einfach“ gehalten zu sein, aber sind doch vollgestopft mit Details. Ich glaube, er legt einfach sehr bewusst den Fokus auf das Vordergründige und belässt es bei Hintergründen oft bei Formen, Farben und einigen besonderen Highlights. Ein interessanter Stil, der aber das Wiedererkennen von Personen und Schauplätzen in keinster Weise behindert. Im Gegenteil erkennt man sofort jeden Charakter, jede Spezies und jeden Schauplatz aus den Star Trek-Serien und -Filmen sofort wieder, trotz mancher Vereinfachung. Die gewählten Motive sind in der gesamten Miniserie sehr stimmig gewählt, ich konnte hier – anders als bei einigen der frühen „Ongoing“-Comics – kein „Entleihen“ von unpassenden Elementen erkennen.

Inhaltlich ist wirklich alles stimmig, eindeutig ein Spin-Off zum neuen Star Trek-Universum und doch gibt es viele Elemente in diesem Comic, die aus den anderen Serien und Filmen stammen und doch einfach perfekt in die Szenerie passen. Ich würde sogar so weit gehen und den Comic „Starfleet Academy“ als Suchbildrätsel für langjährige Trekkies bezeichnen. Als solcher findet man jede Menge kleine Gimmicks: Kadett Kirk trägt beispielsweise in der Trainingshalle am Handgelenk ein Gerät, das genauso aussieht wie die Handgelenkskommunikatoren in „Star Trek – Der Film“. Ebenfalls aus dem ersten Film stammen die „Rüstungen“ der Sicherheitswächter. In seiner Freizeit trägt Kirk dieselbe Jacke wie sein Prime-Universum-Gegenstück in „Star Trek III – Auf der Suche nach Mister Spock“. Viele außerirdische Spezies aus den diversen Star Trek-Filmen säumen den Campus der Akademie und in einer Bar – wo sonst? – sehen wir einen Lurianer sitzen, womöglich ein Vorfahre von Morn aus „Deep Space Nine“.  Und sogar Phylosianer und Kzinti aus der Zeichentrickserie treten in Erscheinung. Aus „Enteprise“ sehen wir ebenfalls einige Spezies – Denobulaner, Rigelianer, Coridaniten etc. – und ab einem Rückblick in die Anfangszeit der Sternenflotte stellt Zeichner Derek Charm die von mir auch optisch sehr gemochte „Enterprise“-Ära umfassend dar. Hier fällt jedoch ein Zeichenfehler auf: Die Crew des NX-Klasse-Schiffs Slayton hat auf ihren Overalls dort, wo das Schiffsabzeichen sein sollten, nur einen weißen Kreis. Als ob diese Stelle freigehalten worden wäre, um ein Abzeichen einzufügen, dies aber vergessen worden wäre.

Bewertung: Was Geschichten über die Kadetten der Sternenflotteakademie angeht, war ich sehr lange Zeit skeptisch, konnte mir nicht vorstellen, dass so etwas interessant wäre. Geprägt wurde meine Einstellung bestimmt durch zwei enorm schwache TNG-Kadetten-Romane, die ich den 90er-Jahren gelesen habe. Doch seit dem Kinofilm von 2009 ist das ganz anders und genau hier setzt auch die Comic-Miniserie an. Visuell wie auch von der vermittelten Stimmung her. Dass auch die „Enteprise“-Ära in die Story verwoben wurde, ist ein zusätzlicher Pluspunkt. „Starfleet Academy“ unterhielt mich wirklich hervorragend, vor allem dank des hohen Humorgehalts, aber auch mit einer klassischen Abenteuerstory, deren Offenbarung aber ein wenig zu früh vorweg genommen wurde. An den Zeichenstil gewöhnt man sich wie gesagt schnell und die vielen keinen und großen visuellen Anspielungen sind eine tolle Sache für Fans. Ich geben der Miniserie gute 5 von 6 Sterne! 

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Rezension: „Star Trek Kostüme“

„Star Trek“ und „Design“! Wann immer sich diese beiden Themen in einem Buch vereinen, ist mein Interesse geweckt. Das Star Trek-Franchise hat in Sachen Design ja auch jede Menge zu bieten mit über 700 Folgen und inzwischen 13 Kinofilmen und Hunderten Leuten, die ihre kreative Kraft in deren Erschaffung gesteckt haben. Ich selbst habe mich schon immer sehr für die Miniaturen, die Sets und Requisiten interessiert. Aber auf das Kostümdesign habe ich meine Aufmerksamkeit bislang nur in geringem Maße gerichtet. Das mag damit zusammenhängen, dass mir das Handwerk zur Herstellung von Bekleidung nicht allzu gut geläufig ist. Materialien und Techniken sind mir nicht sehr vertraut, doch dank dem Buch „Star Trek Kostüme“ kann ich nun auch die Textilarbeit in den Star Trek-Filmen und -Serien so richtig wertschätzen!

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Meinen anfänglichen Vorbehalten gegen das Thema „Kostüme“ ist es geschuldet, dass ich eine Weile gewartet habe, ehe ich mir das Buch zugelegt habe. Die englische Originalfassung von Paula M. Block und Terry J. Erdmann – die bereits einige andere Star Trek-Sachbücher verfasst haben wie beispielsweise die 365-Seiten-Bücher zu TOS und TNG – erschien im Jahr 2015. Erst kürzlich habe ich jedoch positiv überrascht festgestellt, dass ein Jahr später eine deutsche Übersetzung erschien und zwar vom mir bislang völlig unbekannten Verlag „Zauberfeder“. Dem Programm nach bislang auf Fantasy- und Rollenspiel-Literatur spezialisiert, scheint sich dieser Verlag in jüngster Zeit auch Sachbüchern zu TV- und Kino-Produktionen zu widmen. Lange sind die Zeiten vorbei, in denen uns der Heel-Verlag verlässlich mit deutschen Übersetzungen von Star Trek-Sachbüchern versorgte, insofern ist es wirklich schön, dass „Zauberfeder“ sich entschieden hat, dieses hochwertige Hardcover-Buch auch hierzulande herauszubringen.

Im Hardcover befinden sich über 250 dicke Seiten, vollflächig bedruckt mit Hunderten Fotos von Kostümen, Behind-the-Scenes-Fotos, einigen Screenshots aus den Serien und Filmen sowie vielen Entwurfsskizzen. Die Masse an Bildmaterial ist absolut beeindruckend! Vor allem wenn man bedenkt, dass daneben auch noch genau das richtige Maß an erläuterndem Text enthalten ist. Nicht zu wenig und damit zu oberflächlich, aber auch nicht zu viel, um in einer Wüste aus Fachbegriffen zu Enden. Für mich als Laien auf dem Gebiet der Textilverarbeitung waren die Texte sehr gut verständlich und mit interessanten Erklärungen zu den verwendeten Stoffen, Schnitten und Accessoires versehen. Und als jemand, der allgemein in Sachen Design doch ein gewisses Grundwissen hat, fand ich die Texte ebenfalls sehr spannend zu lesen. Der Text ist eine Mischung aus allgemeiner Einleitung zu jedem Themenschwerpunkt und direkter Rede. Alle leitenden Kostümdesigner der Serien- und Filme kommen zu Wort, beschreiben ihre Herangehensweisen, ihre Vorlieben, welchen Vorgaben sie folgten, welche neuen Entwicklungen es zur damaligen Zeit gab, was sie bis zu ihrem Star Trek-Engagement geprägt hat etc.

Nach einem Vorwort von Robert Blackman – der so lange wie kein anderer für Star Trek-Produktionen in der Kostümabteilung gearbeitet hat – gliedert sich das Buch folgendermaßen nach Serien und Filmen:

The Original Series: Natürlich geht es um die klassischen Uniformen, aber klarerweise auch um die berühmten sexy Outfits, die William Ware Theiss für die Darsteller entworfen hat. Neben Theiss kommen auch diese zu Wort, wie Michael Forest (Apoll), Barbara Luna (Marlena aus dem Spiegeluniversum), Tanya Lemani (Bauchtänzerin aus „Der Wolf im Schafspelz“) und erzählen, wie es war, diese Kostüme zu tragen. 30 Seiten des Buches sind der klassischen Serie gewidmet.

Die Kinofilme zur Original Series: Auf den folgenden 54 Seiten geht es um die ersten sechs Kinofilme und vorrangig die Arbeit von Robert Fletcher, der eigentlich Theaterkostüme erstellte, nur einen einzigen Kinofilm in seinem Lebenslauf hatte ehe er angeheuert wurde, für den ersten Star Trek-Kinofilm die Kostüme zu erstellen – wie auch für die folgenden drei. 10 Seiten sind allein dem ersten Kinofilm gewidmet, der ja visuell einiges zu bieten hatte und mit vielen neuen Kostümen und Ideen aufwartet. Der darauffolgenden „Trilogie“ werden dann weitere 28 Seiten eingeräumt, wobei „Zurück in die Gegenwart“ etwas kurz kommt, allerdings durch das zeitliche Setting auch weniger ausgefallene Mode bedurfte. Nach Fletcher übernahmen Nilo Rodis-Jamero und Dodie Shepard für die nächsten beiden Filme. Rodis-Jamero liefert dabei einen interessanten Einblick, wie eine allgemeine Design-Ausbildung zur Beschäftigung in vielen unterschiedlichen Sparten führen kann – auch abseits des Filmgeschäfts.

Das nächste Jahrhundert: „The Next Generation“ hatte im Laufe der Zeit mehrere Designer. William Ware Theiss kehrte für die erste Staffel zum Franchise zurück, entwarf die berühmt-berüchtigten Spandex-Uniformen, die eine Herausforderung für die Darstellerriege waren, wie sich u.a. Jonathan Frakes (Commander Riker) erinnert. Durinda Rice Wood übernahm dann die zweite Staffel und erschuf dabei einige Desgins, die länger Bestand haben sollten als Theiss‘ TNG-Arbeit. Zwar durfte sie die im Jahr davor teuer erstellten Sternenflotten-Uniformen nicht verändern (sie hätten Wesley Crushers Kadettenuniform der 2. Staffel geähnelt), aber sie entwarf u.a. Guinans Kleidung samt Riesenhut, die Borg-Anzüge, Trois verbesserten Einteiler und Worfs neue Schärpe – aus Teilen, die sie im Baumarkt gekauft hatte. Der Beginn der 3. Staffel läutete dann Robert Blackmans Ära ein, der dem Franchise bis zum Ende von „Enterprise“ erhalten bleiben sollte und der verantwortlicher Kostümdesigner für 23 Serienstaffeln werden sollte. Blackman durfte etwas bequemere Uniformen entwerfen und auch enorm aufwändige Kostüme für Gastdarsteller wie die Outfits von Famke Janssen (Kamala in „Eine hoffnungslose Romanze“) oder die abwechslungsreichen Kleider von Majel Barrett (Lwaxana Troi). Dies alles wird präsentiert auf 24 Seiten.

Das nächste Jahrhundert – Die Spielfilme: Auf 30 Seiten werden die nächsten vier Kinofilme behandelt. Für „Treffen der Generationen“ – das in Sachen Kostüme sicher durch die Marineuniformen und die offenherzigen Rüstungen der weiblichen Klingonen besticht – steuerte Blackman ebenfalls Designs bei. Jedoch nicht für neue Sternenflotten-Uniformen, die entworfen und abgesegnet waren, an deren Umsetzung er aber scheiterte. Blackmann entwarf hingegen die Uniformen, die von „Der Erste Kontakt“ an bis „Nemesis“ getragen wurden – einschließlich die weißen Galauniformen. Im achten Film übernahm die Hauptarbeit aber Deborah Everton, die nicht nur die Borg massiv überarbeitete (ihr schwebten offenbar noch weitere Änderungen vor, was Ricardo Delgados Herangehensweise ähnelte), sondern auch Raumanzüge und die Mode des 21. Jahrhunderts entwarf – mit dem interessanten Aspekt, dass die Kleidung des Enterprise-Außenteams auf der Erde der Vergangenheit etwas anders aussah – und Kostüme für ein Dixon Hill-Holodeck-Abenteuer. Auch den vulkanischen Roben gab Everton einen neuen Twist, auch wenn davon nicht alles auf der Leinwand zu sehen war. Die Kostüme in „Der Aufstand“ wurden von Sanja Milkovic Hays entworfen (die später zu Regisseur Justin Lins bevorzugter Kostümdesignerin werden und somit auch die Darsteller in „Star Trek Beyond“ einkleiden sollte). Wieder gab es Zivilkleidung zu entwerfen wie auch die Kleidung der Son’a und den von ihnen unterworfenen Spezies. Bob Ringwood steuerte dann für „Nemesis“ das düstere und zugleich schillernde Outfit der Remaner bei wie auch Deanna Trois Hochzeitskleid und er ließ die Romulaner sich von den grauenvollen „Schulterpolstern auf Steroiden“ verabschieden und gab der romulanischen Flotte etwas retro angehauchte Uniformen.

Die Spin-Off-Serien: Der vielleicht größte Kritikpunkt an diesem Buch: „Deep Space Nine“, „Voyager“ und „Enterprise“ müssen sich 48 Seiten teilen, von denen sich allein DS9 stolze 22 krallt, für VOY bleiben nur 8 übrig (die u.a. aber zumindest Sevens spektakulären Silber-Catsuit behandeln). Der Rest entfällt auf ETP bzw. Allgemeines. Gerade zu ETP – das die Designsprache gegenüber den vorherigen Serien ja radikal änderte – hätte ich mir deutlich mehr gewünscht, aber zumindest wird das Redesign-Thema gut im Text behandelt, die neuen Uniformen sind sehr ausführlich beschrieben und es ist erstaunlich, wie der Stoff für die Suliban-Uniformen hergestellt wurde.

Der Neubeginn: Und abgeschlossen wird das Buch mit Michael Kaplans Arbeiten zu „Star Trek“ und „Star Trek Into Darkness“. („Beyond“ befand sich noch in Produktion als das Buch in den USA erschien und „Discovery“ wurde überhaupt erst danach angekündigt.) Auf 28 Seiten bekommen wir einen Einblick in den Design- und Produktionsprozess von Kaplans Kostümen. Man erfährt viel über Kaplans Herangehensweise, die ikonischen Designs für die große Leinwand zu adaptieren, neue Richtungen einzuschlagen, seine Vorliebe für Texturen etc. Ergänzt wird dieses Kapitel wie alle anderen durch jede Menge Detailaufnahmen und Skizzen, u.a. auch von Kaplans Lieblingsdesign: die Winterkleidung des alten Spock mit der Kugelförmigen Kapuze, die mittels Magneten zusammengehalten wurde und sich zu einem Pelzkragen öffnen ließ.

STKostueme_BackBewertung: Ich bin von diesem Buch absolut begeistert! Auf den über 250 Seiten taucht man in die Welt der Star Trek-Kostümdesigner ein, erfährt sehr unterschiedliche persönliche Ansätze, lernt ein bisschen was über Materialien (manche von denen gibt es gar nicht mehr oder wurden in einem aufwändigen Verfahren extra hergestellt) und erfährt die Meinungen von Regisseuren und Darstellern der Serien und Filme. Die Bilder sind hervorragend ausgewählt und sehr gut beschrieben, passen immer zum Thema des Fließtextes, der durch den Wechsel zwischen direkter und indirekter Rede sehr flüssig zu lesen ist und auch sehr gut ins Deutsche übersetzt wurde. Der einzige Layout-Fauxpas ist aber ausgerechnet auf der Rückseite des Buches passiert: Dem verwendeten Schriftsatz fehlten ein korrektes „ß“ und „ö“. Aber wer achtet schon auf den Werbetext wenn direkt daneben Leslie Parrish ihre „futuristisch-antike“ Robe präsentiert. 😉

Wer sich für die Themen „Star Trek“ und „Design“ genauso sehr interessiert wie ich, der sollte sich dieses Buch unbedingt besorgen! Es reiht sich perfekt in die Riege früherer großartiger Design-Bücher ein und verdient wie diese locker 6 Sterne. Auch wenn wie gesagt zu den Spin-Off-Serien etwas mehr Material hätte enthalten sein dürfen.

6stars

Hier eine Auflistung der weiteren von mir rezensierten Star Trek-Design-Bücher:

Und Making-of-Bücher, die auch Design-Themen behandeln:

Auch das Making-of-Buch zu „Der Erste Kontakt“ ist sehr empfehlenswert, jenes zu „Der Aufstand“ etwas weniger.