Review zum Auftakt von Staffel 2: „Star Trek : Discovery – Brother“

Normalerweise rezensiere ich hier auf meinem Blog nur die Pilotfilme von „Star Trek“-Serien. Doch den gestrigen Auftakt zur 2. Staffel von „Discovery“ nehme ich gerne wieder mal zum Anlass, ein Review zu verfassen. Und irgendwie ist die 2. Staffel ja auch ein Neuanfang für die Serie, da Staffel 1 ihre größten Handlungsstränge abgeschlossen hat und die U.S.S. Discovery sich von nun wieder mehr der Erforschung mysteriöser Phänomene widmen wird als dem Krieg.

Den Beginn der 60 Minuten langen Folge „Brother“ bildet ein kurzer Rückblick auf die in Staffel 1 abgeschlossenen Storys rund um den Krieg mit den Klingonen und Captain Gabriel Lorca im Spiegeluniversum, ehe nochmal in getrimmter Form der auf Staffel 2 Lust machende Schlussmoment der 1. Staffel wiederholt wird: Auf dem Weg von der Erde nach Vulkan, um Botschafter Sarek nach Hause zu bringen und den neuen Captain an Bord zu nehmen, reagiert die Discovery auf einen verstümmelten Notruf von Captain Christopher Pike und trifft auf die U.S.S. Enterprise.

In der Fortsetzung dieser Szene erinnert sich Wissenschaftsoffizierin Michael Burnham zurück an ihre Kindheit, als sie von Botschafter Sarek und seiner Frau Amanda in die Familie aufgenommen wurde und erstmals auf ihren neuen Stiefbruder traf: Spock, der als Kind recht exzentrisch war und nun unter Captain Pike auf der Enterprise dient. Als sich Pike zusammen mit einer Ingenieurin und seinem Chefwissenschaftler zur Discovery rüber beamt, ist Burnham sehr überrascht, dass es sich bei Letzterem nicht um Spock handelt, der sich ohne Erklärung eine ausgedehnte Auszeit genommen hat.

flashback
Die junge Michael Burnham – begleitet von Sarek und Amanda – streckt hier ihrem Stiefbruder Spock die Hand entgegen. Der Anfang einer problematischen Beziehung.

Captain Pike erklärt, dass die Enterprise unterwegs war, um eines von sieben mysteriöses Raumphänomenen zu untersuchen, die erst vor wenigen Stunden zeitgleich über 30.000 Lichtjahre verteilt erschienen und mit einer Ausnahme auch ebenso zeitgleich wieder verschwanden. Da die Enterprise auf dem Flug zum letzten verbliebenen Phänomen – das die Sternenflotte als „Signal“ einstuft – ein Systemversagen erlitt und einige Zeit ausfallen wird, wurde Captain Pike vorübergehend das Kommando über die Discovery gegeben, um die Erforschung fortzusetzen. Am Ziel der Reise angekommen ist aber auch dieses Phänomen verschwunden. Stattdessen findet man einen riesigen Asteroiden vor, der sich auf Kollisionskurs mit einem Pulsar befindet. Die Forschungsmission wandelt sich abrupt in eine Rettungsoperation, als die Objektive der Discovery ein auf dem Asteroiden abgestürztes Sternenflottenschiff – die medizinische Fregatte U.S.S. Hiawatha – entdecken. Burnham, Pike und die beiden vom neuen Captain mitgebrachten Offiziere begeben sich auf die gefährliche Reise zum Wrack. Dort finden sie nicht nur Überlebende, die von der Ingenieurin „Jet“ Reno seit 10 Monaten betreut werden, sondern auch auf ein mysteriöses Wesen, das lediglich Michael Burnham für wenige Sekunden erblickt …

ent-dsc
Die U.S.S. Discovery trifft auf die U.S.S. Enterprise.

Fazit: Damit dieses Review im passenden Kontext steht, möchte ich noch kurz meine Eindrücke zur 1. Staffel von „Discovery“ zusammenfassen. Der Haupthandlungsstrang rund um den Krieg mit den Klingonen empfand ich leider als relativ schwach, vor allem weil das Konzept dieser Spezies und ihrer Motivationen sehr unausgegoren wirkten. Wie auch das neue Design der Spezies, das sowohl was Masken als auch Ausstattung angeht sich unnötig weit vom Etablierten entfernt hat – wie mit wenigen Ausnahmen die gesamte Optik der Serie. Das ist schon etwas sonderbar, wenn die Serie – wie von den Produzenten so oft betont – im sogenannten „Prime-Universum“ (also in einer Zeitschiene mit der klassischen Serie, der „Next Generation“-Ära und „Enterprise“) angesiedelt sein soll. Aber auch wenn man die Serie jetzt als mindestens „visuellen Reboot“ einfach mal akzeptiert, hat es auch allein innerhalb von „Star Trek Discovery“ in Staffel 1 inhaltlich gelegentlich mal massiv gehakt. Öfters wurde etwas eingeführt, nicht mehr weiterentwickelt und bestenfalls halbherzig später erklärt. Positiv an Staffel 1 empfand ich hingegen den Ausflug ins Spiegeluniversum und Captain Lorcas Rolle dabei, wie auch einige der Nebencharaktere wie Cadet Tilly, Lieutenant Stamets und Doktor Culber. Wiederum das schwächste Glied bei den Figuren stellte für mich ausgerechnet die als Hauptcharakter konzipierte Michael Burnham dar, die meiner Meinung nach zwanghaft in den Mittelpunkt von etwas geschrieben wurde, was eigentlich eine Ensemble-Serie hätte sein sollen.

tilly-stamets
Tilly und Stamets zählten schon Staffel 1 zu den größeren Nebencharakteren – doch meistens im Schatten einer Michael Burnham. In „Brother“ haben sie mehrere gemeinsame Szenen und generell tritt das Ensemble mehr in den Vordergrund.

Recht bezeichnend ist, dass man in Staffel 1 kaum die Möglichkeit bekam, sich auch nur die Namen der einzelnen Brückenoffiziere zu merken. Gleich der Auftakt zur 2. Staffel greift hier quasi korrigierend ein, denn da ein neuer Captain im Kommandosessel der U.S.S. Discovery Platz nimmt, kann dieser – genauso wie der Zuseher – die Offiziere kennenlernen.  (Diese Szene ähnelt ein wenig jener Vorstellungsrunde im 2. TOS-Pilotfilm, wirkt aber hier weniger aufgesetzt.)

Der wichtigste Neuzugang im Cast von Staffel 2 ist natürlich Captain Pike, der nun bereits vom vierten Schauspieler verkörpert wird. Nun ist es an Anson Mount, in die Fußstapfen von Jeffrey Hunter zu treten, der 1964 den ersten Captain Pike im 1. Pilotfilm „Der Käfig“ zur klassischen Serie darstellte. Damals sah man Pike vor allem in depressiver Stimmung und in meinem Review von „Der Käfig“ stellte ich die Vermutung an, dass Pike im Normalzustand etwas lockerer sein könnte. Die Darstellung in „Discovery“ dürfte diese Vermutung bestätigen, dann dieser Christopher Pike ist durchaus zu dem einen oder anderen Scherz in der Lage, prangert keine Fehler seiner Untergebenen an und scheint aus jeder Situation das Beste machen zu wollen, ohne gleich in eine kontemplative Phase zu verfallen. Trotzdem wandelt sich das Verhalten des neuen Captains recht stark, wenn er unter Druck gerät. Es fiel mir im Pilotfilm auf, dass sich sein Führungsstil recht radikal ändert, von laissez-faire zu autoritär in wenigen Augenblicken. Hier bleibt abzuwarten, welcher Stil sich festigt oder ob ein Mittelmaß gefunden wird.

saru-pike
Captain Pike bringt Wissenschaftsoffizier Connolly (ganz rechts) und Ingenieurin Nhan (ganz links) mit auf die Discovery. Nhan ist Barzanerin und es ist auffällig, dass sich die Maske dieser Spezies seit ihrem bisher einzigen Auftritt vor fast 30 Jahren in „The Next Generation“ so gut wie gar nicht verändert hat. Die Maske der Saurianer (Mitte) hat hingegen ein ziemliches Update erfahren, seit wir die Spezies 1979 im 1. Kinofilm im Hintergrund sahen.

Ebenfalls Abwarten heißt es bei Commander Reno. Sie macht zwar einen guten ersten Eindruck, indem sie es als Ingenieuren geschafft hat, ihre schwer Verwundeten Kameraden im Wrack der U.S.S. Hiawatha am Leben zu erhalten, erstaunliche Technologie improvisiert und ihre raubeinige Art erinnert an einen Montgomery Scott. Aber es bleiben ein paar Fragen offen. Zum Beispiel meint sie, von dem „Signal“ nichts mitbekommen zu haben, einem Phänomen wie jene, die zum Teil bis zu 30.000 Lichtjahre entfernt auftraten und wahrgenommen wurden. Und das merkwürdige Wesen, das Burnham kurz erblickt, befand sich ja auch an Bord des Wracks und schien Reno auch entgangen zu sein. Zudem stellt sich die Frage: 10 Monate lang hat sich Reno um mehrere Verwundete gekümmert … aber kein einziger hat sich in dieser Zeit soweit erholt, um aufrecht stehen zu können?

reno
Denise „Jet“ Reno ist belesene Ingenierin auf einer medizinischen Fregatte gewesen und beamt zur Discovery.

Was die bereits in Staffel 1 wichtigeren Charaktere angeht, haben Stamets, Tilly und Saru alle ihre Szenen. Erfreulich ist, dass diese drei auch viel zum Humor der Folge beitragen. Auch das war ein Manko der 1. Staffel, aber ich hoffe, dass mit dem Ende des Krieges und einem – meistens – entspannteren Captain die Atmosphäre etwas heiterer wird und sich an die Stimmung annähert, die zumindest ich fest mir jener Ära verbinde, in dem die Serie angesiedelt sein will. Positiv ist auch, dass die 60 Minuten Laufzeit der Folge auch die Möglichkeit für längere Dialogszenen lassen. Es gab sogar zwei oder drei Szenen, in denen ich dachte, dass man schon fast zu lange an einem Schauplatz verweilt.

Es wäre jedenfalls schön, würden auch die kommenden Folgen etwas länger laufen. In der 1. Staffel haben die Produzenten nicht wirklich von der Möglichkeit einer Streaming-Serie Gebrauch gemacht, auf Abkürzungen zu verzichten. „Brother“ nimmt sich ausreichend Zeit und benötigt diese auch, um die einzelnen Handlungsstränge zu starten, die im Lauf der Staffel zweifelsfrei noch weiterverfolgt werden: die seltsamen „Signale“, wie sie im Zusammenhang mit dem fremden Wesen, dem Asteroiden und dem Verschwinden von Mister Spock stehen. Ich bin jedenfalls gespannt, wie dies alles miteinander verknüpft wird.

dsc-asteroid
Bevor die Discovery abfliegt, nimmt sie in ihrem Hangar noch ein Bruchstück des riesigen Asteroiden auf.

Spock ist natürlich auch ein großer Aufhänger in Sachen Kontinuität – obwohl ich wie erwähnt meine Schwierigkeiten habe, einen „visuellen Reboot“ richtig einzuordnen und mich frage, ob daraus nicht automatisch ein inhaltlicher Reboot wird, wenn Dinge anders aussehen oder gehandhabt werden. Am Ende der Folge gibt es in Spocks Quartier einige vertraute Gegenstände aus der klassischen Serie zu entdecken. Und eine Anspielung auf „Der Käfig“ gefällt mir besonders gut: Im Bereitschaftsraum der Discovery findet Captain Pike den Zettel aus einem Glückskeks (Anmerkung: Captain Lorca hatte eine Vorliebe dafür) und der Spruch darauf ist natürlich perfekt auf Captain Pikes vergangene und noch bevorstehende Erlebnisse gemünzt.

glueckskeks
„Nicht jeder Käfig ist ein Gefängnis, nicht jeder Verlust ist für immer.“

Kommen wir nun zu den technischen Aspekten der Folge: Das Seitenverhältnis des Bildes hat sich geändert. Bereits in der vorherigen Staffel war das Bild im 2:1-Format, also breiter als das geläufige 16:9. Staffel 2 geht noch weiter: Ab sofort ist „Star Trek Discovery“ im Kinobreitbildformat (2,4:1). Das sorgt auf den meisten Fernsehern und Monitoren zwar für recht auffällige schwarze Balken oben und unten, aber unterstricht noch mal die Ambition der Macher, mit der Serie ein gewisses „Event“-Gefühl wie von Kinofilmen zu erzeugen. Mit Produzent Alex Kurtzman übernahm jedenfalls jemand die Regiearbeit an dieser Folge, der Regieerfahrung sowohl im TV- als auch Kinobereich mitbrachte. An seiner Inszenierung ist nichts auszusetzen, zweimal sind Szenenwechsel sehr ungewöhnlich, aber interessant umgesetzt worden.

Die computer-generierten Effekte waren schon in Staffel 1 – meistens – sehr gut, allerdings recht stark gefiltert und so mit Unschärfen versehen und zu starkem Kontrast. Die Produzenten scheinen auf diese weit verbreitete Kritik aufmerksam geworden zu sein und so fällt auf, dass die Effektszenen in „Brother“ deutlich klarer wirken als jene in der 1. Staffel. Das macht aus der U.S.S. Discovery selbst zwar kein schöneres Schiff, aber wenigstens sieht man sie jetzt besser. 😉 Gut umgesetzt aber zwiespältig sehe ich ein paar weitere, recht übertriebene Effekte, wenn sich zum Beispiel Raumanzüge und ihre Helme fast aus dem Nichts entfalten wie eine „Iron Man“-Rüstung oder sich in einer Sekunde ein riesiger Schwerkraft-Generator auf dem Hangardeck der Discovery selbst zusammensetzt oder dreidimensionale Hologramme aus aus einem Computerbildschirm einfach „rausgezogen“ werden. Solche Effekte mögen gut umgesetzt sein, aber passen für mich nicht in die „bodenständigere“ Ära der klassischen Serie.

pike
Die Helme der neuen Sternenflottenraumanzüge falten sich zusammen, wenn sie nicht gebraucht werden. Nicht gerade Technologie, wie ich sie mir im 23. Jahrhundert des „Star Trek“-Universums vorstelle.

Die Musikuntermalung ist in dieser Folge auch recht vordergründig. Schon in Staffel 1 traute sich Jeff Russo – zaghaft aber doch – Szenen hin und wieder etwas pompöser zu untermalen. Das steigert sich in „Brother“ zumindest quantitativ. Ich würde mir aber wünschen, wenn er sich wirklich mal an Erkennungsmelodien herantraut, die einem im Gedächtnis bleiben. Ich kann problemlos ein paar Szenen aus „Brother“ aufzählen, in denen die Musik aufdringlicher wird. Aber beschreiben oder nachsummen könnte ich sie nicht. Ein ähnliches Problem hat ja auch die Titelmelodie der Serie an sich, die man in der 2. Staffel leider nicht ausgetauscht hat. Dafür wurde der visuelle Teil des Intros auf den neuesten Stand gebracht. Motive, die auf die Klingonen hinwiesen, wurden ausgetauscht.

intro
Eines von mehreren neuen Motiven im Intro. Im Transporterraum verwandelt sich das Abzeichen der Enterprise in jenes der Discovery. Eine Sinnbild für Pikes Wechsel auf ein anderes Schiff.

Bewertung: „Brother“ ist jedenfalls ein guter Start in die neue Staffel und ein gelungener Auftakt für mehrere und bereits von Beginn an zumindest lose verbundenen Handlungsstränge, die in den kommenden 13 Folgen sicher noch weiterverfolgt werden. Das lässt die neue Staffel bereits jetzt besser geplant wirken als es die vorherige war, lässt den Seher aber auch absichtlich mit relativ vielen offenen Fragen zurück. Einen Abschluss bildet eigentlich nur die Rettungsmission für die Hiawatha-Überlebenden. Aber jedenfalls erfüllt die Auftaktfolge zur neuen Staffel den Zweck, das Interesse hoch zu halten. Pike und Reno haben einen guten ersten Eindruck hinterlassen, das Ensemble dürfte noch wichtiger werden und die generelle Stimmung der Serie scheint – da man sich nun wieder auf die Erforschung des Unbekannten zurückbesinnt hat – neu ausgerichtet worden zu sein, was mir auch sehr zusagt. Den Auftakt der 2. Staffel einer Serie will ich nicht in den direkten Vergleich mit den von mir rezensierten Kinofilmen und Pilotfilmen setzten. Aber unabhängig davon bewerte ich „Brother“ als sehr gut und gebe daher 5 von 6 Punkte.

5rolls

padd
Zu guter Letzt noch eine Anspielung an die klassische Serie, die mir gerade eben noch aufgefallen ist: Commander Airiam – die trotz ihres hohen Ranges ein ziemliches Schattendasein auf der Discovery fristet – hält in dieser Szene etwas in der Hand, das ein PADD (ein tragbarer Computer) zu sein scheint. Er ist recht groß, dunkel und keilförmig. Wie die Geräte in der klassischen Serie, auf denen Kirk, Spock & Co. Berichte studierten und Unterlagen unterzeichneten.
Advertisements

Rezension: TOS – „Crisis of Consciousness“

Autor Dave Galanter steuerte vor allem in späten 90ern und in den Jahren nach dem Jahrtausendwechsel einige Romane zur „Star Trek“-Literatur bei. Im Jahr 2015 kehrte er für einen Roman zur klassischen Serie in diesen Universum zurück und verfasste ein sehr typisches Abenteuer der Enterprise-Crew mit einem interessanten Fokus auf Spock.

tos_crisis_of_consciuousness

Zur Story: Die Enterprise transportiert den Botschafter der Maabas zurück zu dessen Heimatwelt. Zumindest zur derzeitigen Heimatwelt. Denn schon vor Jahrtausenden wurden die Maabas von einem unbekannte Aggressor von ihrem eigentlichen Heimatplaneten vertrieben und siedelten sich auf einer Welt an, die sie von nun an Maaba S’Ja nannten. Aufgrund ihrer Vergangenheit waren die Maabas in der Vergangenheit recht xenophob. Dass sie sich der Föderation öffnen und mit ihr einen Vertrag aushandelten, wird von Captain Kirk zwar willkommen geheißen, wirft aber auch Fragen auf … die sich beantworten, als sich die Enterprise Maaba S’Ja nähert.

Dort wartet bereits ein anderes, gut bewaffnetes Raumschiff, das von Kenisianern bemannt ist und die behaupten, bei Maaba S’Ja handle es sich in Wahrheit um ihre eigene Heimatwelt, vor der sie ebenfalls vertrieben wurden lange bevor die Maabas sich dort ansiedelten. Die Kenisianer – offenbar Abkömmlinge der Vulkanier und ähnlich telepathisch begabt, aber emotional wie Romulaner – fordern aggressiv die Rückgabe des Planeten, doch rasch stellt sich heraus, dass sie lediglich hinter einer mysteriösen Substanz her sind, die die Kenisianer einst auf dem Planeten zurückgelassen haben und sie den Streit nur suchen, um Zeit für die Suche danach zu haben. Es gelingt den Kenisianern die Substanz mit Gewalt an sich zu bringen, entführen dabei aber auch den Maabas-Botschafter und Mister Spock. Dieser soll die Substanz studieren und herausfinden, wie man damit eine Massenvernichtungswaffe herstellen kann, die nur einen einzigen Planeten vernichtet … und nicht mehrere Sektoren der Milchstraße auslöscht. Den Kenisianern ging es nämlich nie darum, Maaba S’Ja zurückzuholen, sondern nur um Rache an jener Spezies, die sie einst von dort vertrieben hat.

Fazit: In diesem Roman geht es um mehr als nur einen titelgebenden „Gewissenskonflikt“. Vordergründig geht es um die Kenisianer, die eine ähnliches Verfahren haben wie die Vulkanier: Sie bewahren die Katras – die Seelen – ihrer Verstorbenen. Allerdings nicht in leblosen Objekten wie polykristallinen Scheinen, sondern in ihren Nachfahren. Ein Kenisianer kann Dutzende Persönlichkeiten in sich tragen, die in ständiger Interaktion mit dem Stammbewusstsein des physischen Köpers sind. Problematisch ist vor allem, dass das „Sammeln“ von Katras eine Prestigeangelegenheit geworden ist und jene, die besonders viele in sich tragen, die besonders wichtigen Positionen bei den Kenisianern innehaben und die Entscheidungen fällen. Allerdings bringen diese alten Persönlichkeiten nicht nur Weisheit mit sich, sondern sind auch „lebende“ Zeitzeugen der Vertreibung vor Jahrtausenden, die nach Rache lechzen.

Dave Galanter hat in Form der Kenisianer eine schöne Metapher für den Widerwillen entwickelt, alte Anschauungen abzulegen und Vergangenes zu vergeben, das eine ganz andere Generation betraf. In ihrer Verehrung für die Katras haben die Kenisianer übersehen, dass auch der Zorn an jede folgende Generation weitergegeben wurde und sich nie abgeschwächt hat. Und als die Kensianer in der Gegenwart entdecken, dass sich im Sonnnensystem jenes Volkes, das sie einst vertrieben hat, eine Raumflotte mit womöglich feindlichen Absichten formiert, greifen sie geleitet von den alten Rachegelüsten auch zu einem alten Mittel: der Massenvernichtung.

Der zweite große Gewissenskonflikt in diesem Roman betrifft Spock. Genauer gesagt, findet er sich sogar in zwei Krisen. Zuerst muss er äußerst sensibel abwägen, wie sehr er den Kenisianern helfen will. Die sind nämlich bereit, die Waffe auch einzusetzen, selbst wenn Spock die Schlagkraft nicht reduzieren kann. Er muss also Zeit schinden, kleine Fortschritte machen oder sie vortäuschen und zugleich in aller Heimlichkeit versuchen, die Enterprise auf die Spur des kenisianischen Schiffes zu bringen. Und am Ende des Romans ist es schließlich an Spock, die Situation zu retten. Dabei setzt er jedoch Mittel ein, die er für logisch aber zugleich unmoralisch hält. Hier schildert Dave Galanter den Grund (oder zumindest einen Grund), warum sich Spock Jahre später der Kolinahr-Disziplin zuwendet („Star Trek – The Motion Picture“), um die widersprüchlichen Emotionen loszuwerden, die ihn quälen.

tmphd0165
Nach dem Ende der 5-Jahres-Mission der Enterprise kehrt Spock nach Vulkan zurück, um sich – erfolglos – von allen Emotionen zu befreien.

Bewertung: Ein guter Roman, der im typischen „Star Trek“-Stil ein auf den ersten Blick gewaltiges Problem auf persönlicher Ebene löst – obwohl bei dieser Lösung Spocks telepathischen Fähigkeiten für meinen Geschmack etwas zu mächtig dargestellt werden. Aber immerhin bleiben Spocks Taten am Schluss nicht ganz ohne Konsequenzen. Mit den Kenisianern hat Dave Galanter auch ein interessantes Volk mit „logischem“ Konfliktpotenzial erschaffen und verpackt in seinen Roman den Appell zur Vergebung. Rund um diese Parabeln ist der Roman unterhaltsam geschrieben, aber er hätte doch noch etwas spannender ausfallen können bzw. gefielen mir Galanters Beschreibungen der Raumschiff-Gefechte und der Verfolgung des kenisianischen Schiffes durch die Enterprise nicht besonders. Die sind etwas technisch, steril und undramatisch geraten, auch wenn die Enterprise ein paar Mal wirklich in große Gefahr gerät. In der Gesamtnote gebe ich „Crisis of Consciousness“ gute 4 von 6 Sterne.

4stars

whomournsforadonaishd0039

Anmerkung: In einer schönen Nebenhandlung findet das erste Kennenlernen von Scotty und Lieutenant Palamas statt. Da auch Chekov bereits Brückendienst absolviert, spielen sich die Ereignisse dieses Romans wohl am Beginn der 2. Staffel der klassischen Serie ab. Jedenfalls noch vor der Episode „Der Tempel des Apoll“.

Bewegte Bilder – Noch eine Woche …

Nur noch eine Woche trennt uns vom Start der 2. Staffel von „Star Trek Discovery“ auf Netflix. Folge 1 mit dem Originaltitel „Brother“ wird ab Freitag, 18. Jänner 2019 auf dem Streaming-Dienst abrufbar sein. Wie gewohnt folgt jede Woche eine weitere von insgesamt 14 Episoden.

Die erste Folge einer 2. Staffel mag zwar kein „Pilotfilm“ im eigentlichen Sinne sein, aber dennoch werde ich  zeitnah ein Review von „Brother“ in gewohnter Weise verfassen und hier veröffentlichen und dabei auch ein kurzes Resümee der 1. Staffel ziehen.

Zur Einstimmung auf den Staffelstart gibt es einen neuen Trailer und Fotos von den bekannten und neuen Hauptcharakteren – auch von jener Person, auf die sich die Bezeichnung „Brother“ wohl beziehen dürfte.

weitere Bilder auf trekcore.com

Rezension: “Star Trek – The Art of John Eaves“

Gleich zu Beginn des neuen Jahres habe ich die Gelegenheit, ein Sachbuch zu rezensieren, das wieder einmal meine beiden Lieblingsthemen – „Star Trek“ und „Design“ – miteinander verbindet. Der amerikanische Verlag „Titan Books“ versorgt mich zum Glück in letzter Zeit regelmäßig mit solchen Büchern und auch „The Art of John Eaves“ ist wieder ein hervorragendes Buch geworden!

inset-cover1

Die Gestaltung der Sachbücher von „Titan Books“ variiert, aber diesmal hat das Buch ein bekanntes Format: Genauso wie Joe Nazzaros Buch über Joel Harlows Maskenarbeit an „Star Trek Beyond“ misst auch dieses Buch über den Konzeptzeichner John Eaves 26 x 31 cm. Es handelt sich auch wieder um ein 200 Seiten umfassendes Hardcover mit Schutzumschlag. Soweit zu den Ähnlichkeiten. Worin sich Nazzaros Buch über John Eaves von ähnlichen Büchern vor allem unterscheidet, ist der Umstand, dass er sich in diesem Design-Buch nicht auf ein einzelnes Werk konzentriert oder eine einzelne Serie oder Filmreihe, sondern auf das Schaffen von John Eaves für „Star Trek“ über einen Zeitraum von über 30 Jahren! Das Buch setzt dabei nicht erst bei seiner ersten Arbeit für dieses Franchise ein, sondern beginnt biographisch, erzählt welche Inspiration das Kino der 70er-Jahre – allen voran „Der weiße Hai“ – für ihn war, den Beruf des Designers und Zeichners zu erlernen bzw. sein natürliches Talent zu nutzen. Schon das erste Kapitel des Buches, in dem Eaves‘ Werdegang bis zu seinem ersten Engagement bei „Star Trek“ beschrieben wird, strotzt nur so von Bildern, die Eaves in seiner Kindheit und Jugend erstellt hat. Die Zeichnungen, die oft Flugzeuge oder Szenen aus damals populären Kinofilmen und Serien zeigen, sind schon enorm beeindruckend!

Das folgende Kapitel geht dann auf seine erste Arbeit für „Star Trek“ ein. Obwohl ich sicher schon viel über John Eaves und vor allem seine Designs gelesen habe, hat es mich überrascht zu erfahren, dass seine Karriere bei „Star Trek“ bereits mit dem 5. Kinofilm „Am Rande des Universums“ begann und nicht erst mit dem 7. Film „Treffen der Generationen“. Allerdings war er im 5. Film noch am Bau der Modelle und Requisiten beteiligt und noch nicht in der zeichnerischen Abteilung – wenngleich sein Talent auch damals schon zum Einsatz kam, wie Entwürfe für ein Shuttle und eine „Bedienungsanleitung“ für einen Phaser belegen.

So richtig im Art Department angekommen war Eaves aber schließlich mit dem 7. Kinofilm und seither war er an jedem weiteren Kinofilm beteiligt. Dieses Buch präsentiert eine Fülle an Bildern und Informationen und doch – vor allem wenn man Eaves‘ Homepage, seinem Blog und der Facebook-Seite folgt – weiß man, dass man hier trotzdem nur einen ganz kleinen Teil seiner Arbeit präsentiert bekommt. Aber die Auswahl der Zeichnungen finde ich dennoch gut. Es ist natürlich vieles dabei, was mir schon in anderen Publikationen untergekommen ist, aber auch Neues bzw. Alternatives, das es nicht auf die Leinwand oder auf den Bildschirm geschafft hat.

Bildschirm ist ein gutes Stichwort: Im TV-Bereich hat Eaves zwar auch hin und wieder für „The Next Generation“ und „Voyager“ gearbeitet, am deutlichsten von seiner Handschrift geprägt waren aber sicher die Requisiten und Raumschiffe in den Serien „Deep Space Nine“, „Enterprise“ und nun „Discovery“. Für die jüngste Serie zeichnet er vor allem für die Sternenflotten-Raumschiffe verantwortlich, die er nach den recht strikten Vorgaben des einstigen Showrunners Bryan Fuller erstellte. Dieses Kapitel zu „Discovery“ ist natürlich sehr interessant, da man bislang noch nicht allzu klare Einblicke in die kreativen Prozesse der neuesten „Star Trek“-Serie bekam. Das vorliegende Buch präsentiert dem Leser nun erstmals viele neue Entwürfe und im Text auch, wie es ist, vorgegebenen Designrichtungen zu folgen, die man als Zeichner selbst nicht für ideal hält. (Irgendwann wäre es auch mal interessant zu erfahren, worauf Fuller mit seinen sehr kontroversen Designvorgaben überhaupt hinauswollte. Dem Text zufolge scheint John Eaves es ebenfalls nicht zu wissen.)

inset5-204-205-j-eaves-ch5-st-txt

Fazit: Die Herangehensweise, das Schaffen eines einzelnen Künstlers für ein gesamtes Franchise als Thema eines Sachbuches auszuwählen, ist ein interessanter und erfrischender Ansatz. Auf halbem Weg positioniert zwischen einem „Making-of“ und einer Künstlerbiographie und ich denke, dass „The Art of John Eaves“ sehr erfolgreich dabei ist, diese beiden Herangehensweisen zu verbinden, aber die Werke selbst dabei nie aus den Augen verliert. Bei einem 200seitigen Buch, das vorrangig Eaves‘ Arbeit an 8 Kinofilmen und 3 Serien beschreibt und wiedergibt, darf man natürlich keine Vollständigkeit erwarten. Ich finde aber, dass Nazzaro eine gute Auswahl getroffen hat und der Text ebenfalls sehr informativ ist, die Inspiration für gewisse Designs beschreibt oder warum schließlich der eine Entwurf zum Zuge kam, aber ein anderer abgelehnt wurde – oder für etwas anderes herangezogen wurde. Nur in zwei Artikeln scheint es mir, dass die Reihenfolge der Absätze nicht ganz stimmig ist.

Natürlich lassen einen die Auszüge aus den einzelnen Serien und Filmen wünschen, es gäbe zu ihnen allen ausführliche Design-Bücher, aber ein solches zu erschaffen war nicht das Hauptziel von Joe Nazzaro. Am ehesten entspricht dieses Buch einer ausgedehnten Variante eines Kapitels aus dem Skizzenbuch zur klassischen Serie. Auch hierin stehen in jedem der 4 Kapitel je ein Designer und seine Werke für „Star Trek“ im Mittelpunkt. Weniger vergleichbar ist „The Art of John Eaves“ mit dem Skizzenbuch zu „Treffen der Generationen“ und „Der Erste Kontakt“, an dessen Gestaltung Eaves zwar mitgewirkt hat, das neben seinen eigenen Entwürfen aber auch die Arbeiten der anderen beteiligten Designer enthält. Ich hoffe, dieser Vergleich mit anderen Büchern hilft dabei, Nazzaros Buch einigermaßen einzuordnen.

trek-eaves04

Bewertung: Mir gefiel das Buch wirklich sehr und es konnte mich mit seinem Inhalt auch öfter überraschen, als ich es für möglich gehalten hätte. Denn immerhin betrachte ich mich als jemanden, der mit Eaves‘ Arbeit – speziell seit Mitte der 90er-Jahre – recht gut vertraut ist. Der Wunsch nach noch mehr Inhalt ist bei mir natürlich immer vorhanden, wenn ich so ein Buch durch habe, aber es liegt natürlich auf der Hand, dass man Vollständigkeit von dieser Art Sachbuch nicht erwarten darf und sich der Auswahl des Autors unterwerfen muss. Joe Nazzaro hat hier wirklich gute Arbeit abgeliefert, nur manchmal hätte ich mir gewünscht, wenn er etwas länger bei einem Thema verharrt wäre. Daher gebe ich dem Buch „nur“ starke 5 von 6 Sterne, es ist aber an der Höchstnote schon sehr nahe dran.

5stars

Anmerkung: Wer sich weitere Zeichnungen von John Eaves ansehen möchte, dem empfehle ich die Galerie auf seiner offiziellen Homepage (https://www.johneavesart.com/apps/photos/) sowie das Durchstöbern seines 2013 eingestellten oder noch immer online befindlichen Blogs (https://johneaves.wordpress.com/).

Rezension: TOS – „Das Pandora-Prinzip“

Mein letztes Star Trek „Retro-Review“ des Jahres 2018 beschäftigt sich mit dem 1990er-Roman „Das Pandora-Prinzip“ von Carolyn Clowes. Es ist der einzige Star Trek-Roman dieser Autorin und ich kann mir vorstellen, warum.

Der Anfang des Romans spielt kurze Zeit nach den Ereignissen des ersten Kinofilms und beschreibt eine vulkanische Geheimexpedition auf dem romulanischen Planeten Hellguard, an der sich sowohl Spock als auch sein Vater Sarek beteiligen. Auf diesen heißen, unwirtlichen Planeten haben die Romulaner im Lauf der Jahre die Crews mehrere vulkanischer Schiffe verschleppt. Als das Romulanische Imperium die dortige Bergbaukolonie aufgibt, lässt es die unerwünschten Kinder – halb Romulaner und halb Vulkanier – zurück und als die Vulkanier davon erfahren, beschließen sie, die verwilderten Kinder zu retten und auf vulkanische Weise zu erziehen. Eines dieser Kinder heißt Saavik und in den folgenden Jahren nimmt sich Spock ihrer persönlich an, bis seine Schülerin schließlich seinem Weg folgt und in die Sternenflotten-Akademie eintritt.

Als die Enterprise Jahre später das Wrack eines romulanischen Kriegsschiffs mit moderner Tarn-Technologie birgt und zur weiteren Untersuchung zur Erde schleppt, nutzt Saavik die Möglichkeit, Spock auf der Enterprise zu besuchen. Admiral Kirk sucht in der Zwischenzeit ein unter dem Sternenflottenhauptquartier gelegenes Gewölbe auf, während viele Stockwerke über ihm in einem Labor ein seltsames Artefakt untersucht wird, das sich ebenfalls auf dem geborgenen Wrack befand. Als das Artefakt plötzlich zerbricht und dabei eine ungewöhnliche Substanz freigesetzt wird, hat dies für alle in den oberen Stockwerken tödliche Konsequenzen und Captain Kirk sieht sich im Gewölbe unterhalb des kontaminierten Gebäudes gefangen. Die Sternenflotte kombiniert rasch, dass es sich bei dem Wrack um ein trojanisches Pferd gehandelt hat, mit der Absicht, das anfangs harmlos wirkende Artefakt zur Erde zu schaffen und bereitet eine militärische Antwort auf diesen Angriff vor. Als sich Saavik zusammen mit Spock mit der Situation beschäftigt, dringen längst verdrängte Erinnerungen an ihren Überlebenskampf auf Hellguard an die Oberfläche. Und in einer dieser Erinnerungen sieht sie Hunderte dieser Artefakte, die dort lagern. Unter Spocks Kommando bricht die Enterprise nach Hellguard auf, um dort nach den Artefakten zu suchen und um zu verhindern, dass das Romulanische Imperium noch mehr davon als Massenvernichtungswaffen einsetzt.

twokhd0057
Kirstie Alley spielte Saavik in „Star Trek II – Der Zorn des Khan“.

Fazit: Dass Saavik – die vor allem in den Kinofilmen „Der Zorn des Khan“ und „Auf der Suche nach Mr. Spock“ eine größere Rolle spielt – zur Hälfte Romulanerin sein sollte, war schon früh konzipiert worden, wenngleich es nicht direkt in den Filmen ausgesprochen wird. Carolyn Clowes erzählt in ihrem Roman Saaviks Vorgeschichte und inkludiert das Konzept ihrer halb-romulanischen Abstammung, mixt es mit traumatischen Kindheitserinnerungen einer Wilden, die von einem Mentor unterrichtet wird, um sich in die Zivilisation einzugliedern. Ein ambitioniertes Unterfangen und was die Beschreibung der Beziehung von Spock und Saavik angeht, war Clowes auch sehr erfolgreich. Weniger Erfolg hatte die Autorin jedoch, diese Charkaterbiographie in eine funktionierende Story einzubetten.

Die ganze Geschichte rund um das, was auf Hellguard wirklich geschah und die Pläne der Romulaner und des Praetors und dessen geheimnisvollen Vorgesetzten (!) sind sehr vage umrissen und werden nur bruchstückhaft vermittelt. Damit wollte die Autorin wohl Spannung erzeugen, aber für meinen Geschmack fehlten den Bruchstücken noch ein paar Teile und so sind die Andeutungen und die Intentionen der Charaktere größtenteils verwirrend und die „Auflösung“, die ganz am Ende präsentiert wird, ziemlich unbefriedigend. Es wirkt beinahe so, als habe Clowes eine Fortsetzung im Sinn gehabt, aber auch der erste Roman einer mehrbändigen Geschichte müsste schlüssiger erzählt werden als „Das Pandora-Prinzip“. Als schwachen Ausgleich für die vielen mysteriösen Ereignisse kommen im Roman sehr viele Nebencharaktere vor, die wiederum mehr Rampenlicht bekommen, als sie verdienen. Sie erfüllen ihren Zweck, aber gerade wenn dieser darin besteht, kurze Zeit nach ihrer Einführung zu sterben, fragt man sich schon, warum diese Charaktere auf den Seiten davor derart ausgeschmückt wurden. Empathie beim Leser zu erzeugen hat jedenfalls bei mir nicht geklappt.

tsfshd1159
Robin Curtis verkörperte Saavik in „Star Trek III – Auf der Suche nach Mr. Spock“ und in einem Kurzauftritt in „Star Trek IV – Zurück in die Gegenwart“. In der Doppelfolge „Der Schachzug“ in der 7. Staffel von „The Next Generation“ spielte Curtis noch eine weitere Vulkanierin.

Bewertung: Leider überdeckt die wirre Story den interessanten Ansatz, Saaviks Lebensgeschichte erzählen zu wollen. Im Roman wird zu lange zu viel geheim gehalten und das, was am Ende als Auflösung präsentiert wird, erklärt bestenfalls die Hälfte der mysteriösen Ereignisse. Für Saavik – die von der Autorin zusammen mit Spock am besten getroffen und deren Charakter sogar gut vertieft wurde – gibt es einen Bonuspunkt. In Summe kann ich aber leider nicht mehr als 2 Sterne vergeben, da der Roman handwerklich auch zu fehlerbehaftet ist.

2stars

Rezension: „Past Tense” – Ein Jack-Reacher-Roman

Auch in diesem Jahr präsentiert uns Lee Child ein neues Krimiarbenteuer des ehemaligen Militärpolizisten Jack Reacher. Diesmal begibt sich Reacher auf Ahnenforschung und rettet ein kanadisches Pärchen. Beides rein zufällig.

reacher_past_tense cover.jpg

Reachers Reisen quer durch die Vereinigten Staaten ist seit jeher ziellos, diesmal entschließt er kurzerhand das Land von Nordosten nach Südwesten zu durchqueren, kommt allerdings nicht weit, als er an einer Weggabelung ein Ortsschild von Laconia, New Hampshire entdeckt. Er selbst war noch nie dort, doch er erinnert sich, dass sein Vater – Stan Reacher – dort aufgewachsen ist, ehe er mit 17 zum Militär ging und aus nicht ganz eindeutigen Gründen nie mehr zurückkehrte.

Nun zählt ein Jack Reacher nicht gerade zu den sentimentalsten Menschen auf der Welt, aber ganz gewiss zu den neugierigen, die einer Fährte folgen. Und so beschließt Reacher, Laconia einen Besuch abzustatten und nachzusehen, welche Unterlagen die Behörden der Stadt und des Countys über Reachers Vater und väterlichen Großeltern haben. Erstaunlicherweise recht wenig, doch sieht es ganz so aus, als wäre Stan Reacher in seiner Jugend mal in eine Schlägerei verwickelt gewesen. Und rein zufällig gerät Reacher selbst in beinahe dieselbe Situation, als er einer Frau vor einem Übergriff rettet und dabei den Sohn einer lokalen Berühmtheit krankenhausreif prügelt. Und auch als sich Reacher mit einem Farmer anlegt, der widerrechtlich Land okkupiert hat, über den ein Weg zum früheren Haus von Reachers Großeltern führt, macht sich Reacher keine Freunde. Das Resultat: Gleich 2 nach Laconia gerufene Schlägertrupps machen Jagd auf Reacher.

Aber Reacher und diese Schläger sind nicht die einzigen Neuankömmlinge im County. Auch das kanadische Pärchen Patty und Shorty – die sich in Florida ein neues Leben aufbauen wollen – bleiben mit ihrem Wagen liegen und beziehen notgedrungen ein abgelegenes Motel etwas außerhalb von Laconia. Das Motel macht einen ordentlichen Eindruck, aber die Besitzer – 4 Junge Männer, einer davon mit Nachnamen Reacher – wirken unheimlich und vor allem Patty bekommt den Eindruck, dass absichtlich Sabotage an ihrem Wagen und der Telefonleitung begangen, sowie Fehlinformationen vermittelt werden, um ihren Aufenthalt künstlich zu verlängern. Und als sich eines Tages plötzlich die Türen ihres Zimmers nicht mehr öffnen lassen und weitere Gäste mit zweifelhaften Absichten eintreffen, wird klar, dass sie in eine Menschenfalle getappt sind.

Fazit: Der Roman liest sich sehr angenehm. Reacher will ja nur ein wenig Zeit in einer mittelgroßen Stadt verbringen und ein paar Informationen einholen, um seine Neugier zu stillen, aber keineswegs, weil sein Seelenheil davon abhängt. Insofern ist der Roman teilweise ein Leitfaden, wie man (zumindest in den USA) etwas über die eigenen Vorfahren in Erfahrung bringen kann. Aber natürlich – wie immer – werden Reachers friedliche Absichten gestört, von einem Möchtegern-Vergewaltiger, der ihn aus dem Schlaf reißt, oder von einem Apfelfarmer, der Reacher daran hindern will, eine von ihm okkupierte öffentliche Straße zu betreten. Wie Reacher in diesem Roman damit umgeht, ist – zumindest für seine Verhältnisse – schon erstaunlich zivilisiert. Es gefällt mir immer sehr, wenn Reacher alternative Lösungen für ein Problem vorschlägt, in dem Wissen, dass sein Gegenüber ohnehin stur bleiben wird und erst recht in Reachers Faust laufen wird. Die Konfliktszenen sind diesmal gar nicht besonders grimmig, ihnen haftet sogar etwas Slapstick-artiges an. Für den Leser ist dieser Teil des Romans also durchaus entspannend bis humorvoll.

Ganz anders ist die parallele Handlung rund um Patty und Shorty. Es ist wohl das klassische Albtraumszenario: in einer gottverlassenen Gegend eine Autopanne zu haben, die einzigen Gäste in einem Motel zu sein und vom Wohlwollen von Unbekannten abhängig zu sein. Diese Szenen, in der man lange selbst nicht so genau weiß, worauf das alles hinauslaufen soll, sind sehr spannend und unheimlich. Aber auch wenn die Auflösung stimmig ist, zu dem erwähnten klassischen Szenario passt und dementsprechend Patty und Shorty schließlich um ihr Leben fürchten müssen, hatte ich lange Zeit den Verdacht, die Sache könnte sich am Ende als etwas geradezu absurd harmloses herausstellen. Aber es ist gewiss keine nahe liegende Annehmen. Es ist nur so, dass diese Passagen phasenweise richtige Nervenkitzler waren, dass ich einen Kontrast dazu erwartete. Aber diesen Kontrast liefert hauptsächlich die Parallelhandlung mit Reacher.

Ein echtes Manko des Romans ist vielmehr, dass die Handlungsstränge nur zufällig zusammenlaufen. Es spielt am Ende keine Rolle, dass einer der vier Motelbetreiber ein entfernter Verwandter von Jack Reacher ist. Reacher benötigt lediglich einen Schlafplatz und ist rein zufällig passend zur Stelle, wenn es für das kanadische Pärchen um alles geht. Natürlich ist Reachers Hilfe entscheidend, aber ich muss schon sagen, dass sich Patty und Shorty auch zuvor schon gut schlagen. Shorty ist ein wenig nervig, aber vor allem Patty ist ein echter Sympathieträger, mit der man mitzittert.

Bewertung: Im Grunde enthält „Past Tense“ drei Geschichten in einem Band: Reachers Ahnenforschung, die Vorkommnisse im unheimlichen Motel und schließlich den Überlebenskampf. Alle drei haben was für sich und vermitteln dem Leser sehr unterschiedliche Gefühle. Tritt Reachers Nachforschung gerade etwas auf der Stelle, wechselt der Schauplatz und wir erleben, wie z.B. Patty etwas entdeckt und misstrauisch wird. Es ist aber wirklich schade, dass die beiden Parallelhandlungen vor dem Finale keine Berührungspunkte haben. Das Finale könnte für sich allein sogar als Reacher-Kurzgeschichte funktionieren. Deshalb – und weil die Geschichte thematisch und emotional nicht mit dem tollen Roman „The Midnight Line“ mithalten kann, gebe ich nur solide 4 Sterne.

4stars