Rezension: TOS – „World without End“

Lange bevor der amerikanische Verlag „Pocket Books“ die Rechte zur Veröffentlichung von „Star Trek“-Romanen erhielt, erschienen diese zwischen 1967 und 1981 bei „Bantam Books“. Am Anfang handelte es sich bei diesen Büchern nur um Geschichtensammlungen, die die Abenteuer aus der TV-Serie nacherzählten. Sobald die Serie eingestellt war, brachte Bantam aber auch originale Storys heraus (beginnend mit „Spock must die!“, die ich bereits vor einigen Jahren rezensiert habe). Ich habe kürzlich in einem englischsprachigen Forum recherchiert, welcher bei Bantam erschienenen Original-Roman denn noch empfehlenswert wäre und stieß öfters auf „World without End“ von Joe Haldeman.

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Die Enterprise trifft im Weltall auf einen vermeintlichen Asteroiden, bei dem es sich in Wahrheit jedoch um ein Raumschiff handelt, dem langsam aber sicher der Treibstoff ausgeht, wodurch es in der Leere des Alls – weit entfernt von der nächsten Sonne und Energiequelle – stranden wird. Da eine Kontaktaufnahme per Funk nicht beantwortet wird, beamt Captain Kirk mit einem Landetrupp ins Innere des ausgehöhlten Asteroidenraumschiffs. Dort findet man eine Umgebung vor, die an die Innenseite einer miniaturisierten Dyson-Sphäre erinnert. Wie sich herausstellt, sind sich die Bewohner – Angehörige dem aus drei Spezies bestehenden Volk der Chatalianer – überhaupt nicht bewusst, in einem Raumschiff zu leben, kennen ausschließlich die abgeschottete Welt und halten die Eindringlinge von außen nicht nur für Lügner … sondern gar für Klingonen!

Wie sich herausstellt, ist einst vor Jahrhunderten ein klingonisches Raumschiff auf der Außenseite des Asteroiden abgestürzt und hat seine komplette Crew ins Innere gebeamt. An die folgende kriegerische Auseinandersetzung von damals denken die Chatalianer natürlich nicht gerne zurück, und da sie sich selbst sehr stark von anderen Humanoiden unterscheiden, entgehen ihnen die feinen äußerlichen Unterschiede zwischen Menschen und Klingonen. Der Landetrupp der Enterprise gerät nicht unmittelbar in Gefahr, doch als Kirk beschließt, zur Sicherheit zum Schiff zurückzubeamen, stellt sich heraus, dass die dichte Metallhülle in der Kruste des Asteroiden einen Transport hinein zulässt, aber hinaus unmöglich macht. Zudem droht der Enterprise das gleiche Schicksal wie dem uralten Klingonen-Schiff: Sie verliert rasch Energie und wird von einem feingesponnenen, aus dem dichten Metall bestehenden Netz, an die Außenseite des Asteroiden gepresst. Man bereitet sich auf das Schlimmste vor: die Notfall-Evakuierung der Crew ins Innere des Asteroiden. Doch auch dort gefangen ist das Überleben nicht gesichert, denn das einzige Schiff, das den Notruf der Enterprise auffängt, ist eines der Klingonen. Und das Schicksal des uralten Wracks auf der Asteroidenoberfläche gibt ihnen einen idealen Vorwand, dieses „Hindernis“ im Weltall zu zerstören.

Fazit: Obwohl „World without End“ keine klassische TV-Episode nacherzählt, ist die Ausgangssituation natürlich bekannt: Bereits in der 3. Staffel der Serie traf die Enterprise auf den Asteroiden Yonada, dessen Bevölkerung sich auch nicht bewusst war, im Inneren einer künstlichen Welt zu leben.

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Die Beschreibung des Äußeren des Chatalianer-Asteroidenschiffes gleicht jenem von Yonada in der TV-Folge „Der verirrte Planet“ … und hat nichts gemein mit der Darstellung auf dem Cover des Romans.

Die ähnliche Ausgangssituation könnte man vielleicht darauf zurückführen, dass 1981 – als der Roman erstmals erschien – die Autoren bei Bantam vielleicht noch nicht so sicher waren, welche Geschichten man im Rahmen von „Star Trek“ erzählen kann. Daher hat sich Autor Joe Haldeman wohl für eine bekannte Ausgangssituation entschieden und neben einem wirklich sehr exotischen und fremdartigen Volk auch die Klingonen mitmischen lassen. Die Darstellung der Klingonen weicht aber doch zum Teil von dem ab, was wir davor und nachher über sie erfahren haben. Doch interessanterweise errät Haldeman bereits die erst später etablierte Versessenheit auf das Erringen von Ehre und blutige Rituale. Allerdings unterlegt wird dies alles von einer religiösen Komponente, weshalb neben dem Captain auch eine Art Priester auf jedem Klingonen-Schiff etwas mitzureden hat.

Die Chatalianer sind wiederum schon fast zu fremdartig. Deren Gesellschaft und Sitten sind teils sehr abstrus konstruiert und werfen einige Fragen auf, die die Auflösung des Romans nur teilweise liefert. Wenn sich Spock die Wahrheit über die Beschaffenheit dieser Gesellschaft offenbart, ist das schon ein ordentliches Aha-Erlebnis, aber es wäre nicht schlecht gewesen, hätte es auf den rund 150 Seiten davor die eine oder andere vage Andeutung gegeben.

Die Originalromane von Bantam sind alle recht dünn, aber „World without End“ zählt zu den kürzesten und dennoch weist die Geschichte einige Längen auf. Die Situation der Enterprise außerhalb des Asteroiden ist eigentlich spannender als das, was sich im Inneren abspielt. Die Reise von Kirk und seinem Landetrupp zur „Insel“, wo der Steuermechanismus des Asteroidenschiffes vermutet wird, hat Roadmovie-Charakter. Hin und wieder unterhaltsam – auch weil die Figuren, allen voran Doktor McCoy, ganz gut getroffen sind. Aber den Großteil der Zeit sind die Leute einfach nur auf Achse, suchen einen sicheren Weg und haben die überlegene Technologie dabei, so dass es kaum zu brenzligen Situationen kommt. In einer Passage muss man in einem Wald eine ganze Nacht lang Feinde abwehren, was mitunter schon „John Carter vom Mars„-Dimensionen annimmt. 😀

Bewertung: Der Roman ist gar nicht so leicht zu bewerten. Er mixt sehr typische „Star Trek“-Elemente mit sehr abgehobenen Konzepten, die gelegentlich schon fast ins Abstruse abdriften. Die Auflösung funktioniert zwar grundsätzlich, aber als Leser muss man sie halt einfach schlucken à la „Klingt komisch, is‘ aber so“. Die alternative Darstellung der Klingonen fand ich ziemlich interessant, denn trotz einiger auffällige Abweichungen hat Joe Haldeman die ihnen erst später zugeschriebene Mentalität gut vorhergesehen. Ihr Verhalten ist durchaus typisch und auch die Hauptcharaktere der Enterprise-Crew sind ganz gut getroffen. Trotzdem kann ich „World without End“ bestenfalls 3 von 6 Sternen verleihen. Trotz der Kürze zieht sich die Geschichte immer wieder mal, wenn das Geschehen im Inneren des Asteroiden in den Fokus rückt, da man als Leser auch erst am Schluss die Möglichkeit erhält, die Verhalten der Chatalianer halbwegs zu begreifen.

3stars

Anmerkungen:

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Deutsche Veröffentlichung beim Goldmann-Verlag.

Auch die ersten „Star Trek“-Bücher von Bantam sind durchaus interessant. Sie erzählen zwar nur die Geschehnisse von TV-Episoden nach, aber basieren dabei nicht auf den fertigen Folgen, sondern auf den Drehbüchern, da dem Autor James Blish die fertigen Folgen nicht vorlagen. So geben diese Bücher Einblick in nicht realisierte Drehbuchfassungen, die in einigen Fällen durchaus stark von der fertigen Episode abweichen.

Die „Star Trek“-Bücher von Bantam erschienen auf Deutsch beim Goldmann-Verlag; World without End“ unter dem Titel „Welt ohne Ende“ als Ausgabe Nummer 21. Das Cover der deutschen Ausgabe ist noch unpassender als jenes der englischen Erstauflage. Eine Raumfähre wird nie gestartet.

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Rezension: DSC – “Fear itself”

Wie schon in den ersten beiden Romane zur jüngsten Star Trek-Serie „Discovery“, wird auch im dritten Buch eine Vorgeschichte erzählt. „Fear itself“ (auf Deutsch unter dem Titel „Die Furcht an sich“ erschienen) ist vier Jahre vor den Ereignissen des Discovery-Pilotfilms angesiedelt und konzentriert sich auf den Charakter von Lieutenant Saru, der zu diesem Zeitpunkt nur einer von mehreren einfachen Wissenschaftsoffizieren an Bord des Föderationsschiffes U.S.S. Shenzhou ist.

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Die Shenzhou ist in der Nähe eines umstrittenen Raumsektors unterwegs, der sowohl ans Territorium der feindlich gesinnten Tholianer grenzt, als auch an Peliar Zel, der Heimat einer humanoiden Spezies, die begrenzten Kontakt zur Vereinigten Föderation der Planeten aufgenommen hat. Am Rande dieses Gebietes ist eine Überwachungsboje unter mysteriösen Umständen ausgefallen und das zögerliche Herangehen bei der Untersuchung der Boje, die von Lieutenant Saru geleitet wird, stößt bei den Offizieren bereits auf großen Unmut. Dabei entspricht dieses vorsichtige Vorgehen nur dem Naturell des Kelpianers, der auf seiner Heimatwelt als Mitglied einer Beutespezies auf ständige Wachsamkeit und Zurückhaltung gedrillt wurde. Gerade als Saru mit der ganz im Gegensatz zu ihm äußerst schnellentschlossenen Michael Burnham in Streit über die Vorgehensweise gerät, nehmen die Sensoren der Shenzhou einen ungewöhnlichen Energieausstoß wahr. Captain Georgiou lässt Kurs auf dessen Ausgangspunkt setzen, obwohl sich dieser im umstrittenen Raumgebiet befindet.

Am Ziel angekommen findet man ein havariertes Transportschiff von Peliar Zel vor, dessen Antrieb eine kritische Fehlfunktion erlitt. Trotz des starken Protests des Peliar-Captains hilft ein Team von der Shenzhou – dem auch Lieutenant Saru angehört – bei der Reparatur, doch Saru entdeckt dabei, dass das Transportschiff keine Fracht befördert, sondern Tausende Flüchtlinge – Gorlaner, die nach der Vernichtung ihrer Kolonie durch die Tholianer auf den Monden Peliar Zels Zuflucht gesucht haben. Wie sich herausstellt, handelt es sich beim Transportschiff um den letzten Flug, der die Flüchtlinge auf eine von den Peliar ausgesuchten Planeten bringen soll. Sarus angeborenes Gespür lässt ihn aber an der Aufrichtigkeit der Absichten der Peliar und den Beteuerungen der Gorlaner, alles wäre in Ordnung, zweifeln. Und so sieht sich Saru gezwungen, über seinen eigenen Schatten zu springen und auf eigene Faust nochmals zum Transportschiff zurückzukehren und mit den Gorlanern zu sprechen. Ein für ihn völlig untypisches Vorgehen, das er schon sehr bald bereut …

Fazit: Autor James Swallow hat sich mit dem Flüchtlingsthema im bester Star Trek-Manier ein aktuelles Thema ausgesucht und im Rahmen seiner Geschichte eingearbeitet. Vieles von dem, wie er die Peliar, die Gorlaner und deren gegenseitige Sicht aufeinander beschreibt, weckt unangenehme Assoziationen mit der Gegenwart und dass Swallow selbst in seinem fiktiven Roman keine echte Lösung findet, zeigt auf, wie schwierig es ist, mit diesem heiklen Thema auch in der Realität umzugehen.

Peliar und Gorlaner sind übrigens keine ganz neuen Spezies im Star Trek-Universum. In „The Next Generation“ besuchte die Enterprise-D Peliar Zel sowie Alpha- und Beta-Mond. (James Swallow scheint allerdings vergessen zu haben, dass es sich bei den Monden selbst nur um Kolonie handelt und Peliar Zel selbst auch bewohnt bzw. bewohnbar ist.) Die Gorlaner wurden lediglich in der klassischen Folge „Ein Parallel-Universum“ erwähnt. Womit sie in Zusammenhang gebracht werden, will ich an dieser Stelle aber nicht verraten, nur soviel: Vermutlich hatte es im Spiegeluniversum ein terranischer Captain namens Kirk mit einer ähnlichen Situation zu tun.

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Mehr als ein Jahrhundert nach den Ereignissen von „Fear itself“ besucht die Crew der Enterprise-D Peliar Zel II und dessen beiden Monde in der Folge „Odan, der Sonderbotschafter“.

Das schwierige Verhältnis der beiden Spezies bildet aber nur den Rahmen bzw. erzeugt die Situation, in der sich Lieutenant Saru plötzlich als ranghöchster Offizier des Außenteams wiederfindet. Seine Charakterisierung und Gewissensbisse, nachdem er für seine Verhältnisse mutig mit guten Absichten gegen das Sternenflottenprotokoll verstoßen hat und damit in eine Situation gerät, die er zuvor falsch eingeschätzt hat, halte ich für sehr gelungen. Besonders gefiel mir, dass Swallow Saru nicht zu tief in depressiven Selbstzweifel und lange innere Monologe verfallen lässt. Stattdessen drückt er die Hilflosigkeit Sarus und sein Bemühen, weiteren Schaden so gering wie möglich zu halten, aus, indem er die Situation zunehmend verschärft und Saru regelrecht entgegen seiner Natur und seines Ethos zum Handeln zwingt.

Mir gefiel vor allem, dass Saru um Schluss der Geschichte nicht als Sündenbock dient, sondern durchaus – trotz eines Fehlverhaltens (das aber eigentlich nur protokollarischer Natur war, nicht einmal gegen Befehle verstieß) – auch Lob dafür erfährt, wie er die Situation gehandhabt hat. Am härtesten geht er selbst mit sich ins Gericht. Und wenngleich es am Beginn der Serie zwischen ihm und Michael Burnham Spannungen gibt, ebnet der Roman am Schluss durchaus den Weg für ein kollegiales Miteinander.

Der Roman kommt allerdings trotz guter Charakterisierung des Hauptcharakters und nachdenklich stimmendem Grundthema nicht ohne gravierende Schwäche aus. Am Ende wirkt es beinahe so, als wolle Swallow unbedingt noch eine gewisse Seitenanzahl erreichen, weshalb – sobald die Tholianern auf der Bildfläche erscheinen – es nicht nicht nur ein Gefecht gibt, nicht zwei Gefechte, sondern ganze drei Kämpfe. An sich auch kein Problem, nur hat Swallow die Angewohnheit, diese Kämpfe von außen zu betrachten, also nicht aus der Sicht einer Person. Immer wieder verlässt er Sarus Perspektive und schildert dem Leser eine „Außenansicht“ des Geschehens, was leider wenig mitreißend ist. Vor allem eine dieser Passagen ist zudem ziemlich lang.

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Tholianer haben es nicht gerne, wenn sich fremde Schiffe im von ihnen beanspruchtem Territorium aufhalten.

Bewertung: Ich fand Saru in der TV-Serie gleich von Beginn an sehr interessant, leider sorgte der Handlungsverlauf der ersten Staffel dafür, dass er zwischenzeitlich so ziemlich in der Versenkung verschwand. Aber was man über ihn erfahren hat, ist gut in „Fear itself“ eingearbeitet worden und der Charakter kommt sehr authentisch rüber. Trotz der eher ermüdenden Schilderungen gegen Ende des Romans gehen sich immer noch 4 von 6 Sterne aus.

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Bewegte Bilder – Discovery-Staffel 2

Es ist wieder Comic Con-Zeit in San Diego und im Rahmen dieses Events wurde ein erster Trailer zur 2. Staffel von „Star Trek – Discovery“ veröffentlicht. Die Ausschnitte und die vermittelte Stimmung lassen darauf hoffen, dass es in der zweiten Staffel weniger grimmig zugehen wird und im Gegenzug mehr Humor und Abenteuer-Spirit vorherrschen werden, die ich mit einer Serie, die zeitlich nahe an der Ära der klassischen Serie angesiedelt ist, assoziiere.

Staffel 2 startet auf CBS All Access – bzw. hierzulande auf Netflix – im Jänner 2019. Zur Einstimmung wird es bereits im Dezember vier 10 bis 15 Minuten lange Kurzfilme geben, in denen jeweils ein Charakter der Serie im Fokus stehen wird.

Neben dem Trailer gibt es auch einige erste Fotos (von trekcore.com) zur neuen Staffel:

Rezension: TOS – „Die Raumschiff-Falle“

Selten aber doch hole ich ein Buch aus dem Regal, das ich schon vor langer Zeit einmal gelesen habe um zu sehen, ob sich mein auf vagen Erinnerungen beruhender Eindruck  bestätigt. So habe ich mich kürzlich dazu entschieden, ein ganz besonderes Buch erneut zu lesen: Mel Gildens Roman „Die Raumschiff-Falle“. Romane zur klassischen „Star Trek“-Serie gibt es natürlich jede Menge, warum also soll gerade dieses Buch so besonders sein? Um es zu präzisieren: Dieses Buch ist für mich etwas Besonderes, denn vor ungefähr 20 Jahren war es der erste „Star Trek“-Roman, den ich jemals gelesen habe.

Zur Story: Die Crew der Enterprise freut sich nach monatelangem Patrouillendienst auf einen längst überfälligen Urlaub, als Captain Kirk den Auftrag erhält, Conrad Franklin Kent – ein Mitglied des Föderationsrates – nach Sternenbasis 12 zu befördern. Nicht nur, dass das Herumkutschieren eines Politikers den Urlaubsplänen der Crew einen Strich durch die Rechnung macht, lässt Kent in Kirks Augen unsympathisch wirken. Noch dazu gilt Kent als großer Kritiker der Sternenflotte und stellt sie nur zu gerne als kriegstreiberischen Haufen dar. Um dies bestätigt zu bekomme, nimmt Kent seine Assistentin Hazel Payton mit an Bord, die mit einem Aufzeichnungsimplantat ausgestattet ist und das Treiben auf der Enterprise für Kents Propagandazwecke festhalten soll.

Und tatsächlich bahnt sich während des Fluges zur Sternenbasis eine Auseinandersetzung mit den Klingonen an. Der aufgebrachte Captain eines Schlachtkreuzers beschuldigt die Sternenflotte, Schuld am Verschwinden mehrerer Klingonenschiffe zu sein. Der Klingone lässt sich zum Glück abwimmeln, doch die Gefahr für den Schiffsverkehr in diesem Bereich des Weltalls ist real, wie Kirk auf Sternenbasis 12 erfährt. Nicht nur die Schiffe der Klingonen sind betroffen, auch Schiffe der Romulaner und sogar der Sternenflotte sind spurlos verschwunden, was trotz Kents Andeutungen ausschließt, dass eine neue Föderationswaffe zum Einsatz gekommen ist. Zum Glück befindet sich der führende Waffenexperte der Föderation – Professor Omen – auf der Sternenbasis, der dort eine neue Schutzschildtechnologie von der Enterprise erfolgreich testen lässt. Der Professor stimmt zu, an Bord der Enterprise zu gehen, und nach der Ursache für das Verschwinden so vieler Raumschiffe zu suchen. Doch wie heißt es so schön: „Nomen est omen“.

Fazit: „Die Raumschiff-Falle“ erschien ursprünglich 1993 und erhielt 1997 eine deutsche Veröffentlichung vom Heyne-Verlag. Insofern ist „Die Raumschiff-Falle“ kein ganz alter Roman und man merkt der Geschichte durchaus ihre Entstehungszeit an: So vermittelt die Story mitunter sehr ungewöhnliche Informationen zum Universum, in dem „Star Trek“ angesiedelt ist – dies ist man aus den Romanen der 80er-Jahre gewohnt. Anderseits baut Gilden viele konkrete Anspielungen auf Geschehnisse in der TV-Serie ein; von besonderer Relevanz ist vor allem die Folge „Das Loch im Weltraum“, in der sich die Enterprise in einer die Energie von Schiff und Besatzung absaugenden Dunkelzone wiederfindet. Diese starke Bezugnahme auf Ereignisse aus der Serie ist wiederum sehr häufig in den TOS-Romanen der letzten ca. 15 Jahre zu finden.

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In „Die Raumschiff-Falle“ verschlägt es die Enterprise erneut in eine tödliche Dunkelzone.

Was die Hauptcharaktere angeht, ging Mel Gilden kein Risiko ein: In „Die Raumschiff-Falle“ erfindet er nichts hinzu, sondern trifft besonders das Triumvirat Kirk/Spock/McCoy erstklassig. Den Grundstein für diesen positiven Eindruck legte Gilden bereits mit den ersten paar Seiten des Romans, auf denen sich die drei entspannt im Freizeitraum unterhalten.

Was die Gastcharaktere angeht: Ratsherr Conrad Franklin Kent ist ein sehr typisches Ärgernis für Kirk, doch während der Captain es bislang nur mit Paragraphenreitern zu tun hatte, stellt Kent auch einen politischen Gegner dar, den Kirk auch nicht mit seiner typischen unterschwelligen Aggressivität begegnen kann, würde er dadurch Kents negative Meinung von der Sternenflotte doch nur bestätigen. Professor Omen wiederum erfüllt das Klischee eines kauzigen, einsiedlerischen Genies, doch allein sein unheilvoller Name nimmt schon vorweg, dass dem Mann nicht zu trauen ist. Und Hazel Payton erfüllt ihren Zweck bzw. erfüllt ihr Implantat einen wichtigen Zweck, nachdem die Enterprise genauso verschwindet, wie so viele andere Schiffe vor ihr. Es ist schon außerordenlich praktisch, dass sie gerade zu diesem Zeitpunkt auf der Enterprise weilt. 😉

Die auf rund 250 Taschenbuchseiten erzählte Story ist durchaus interessant, aber auch aufgrund ihrer Kürze relativ geradlinig. Trotzdem gibt es ein paar Überraschungen, denn die Waffe, die Kriegsschiffe jedweder Zugehörigkeit zwecks Sicherung des Friedens im Weltall angreift, zerstört diese Raumschiffe nicht, sondern teleportiert sie per Zufall in eines von unendlich vielen Universen. Die gewaltige Dunkelzone, die aufzeigt, was mit der Milchstraße geschehen wäre, wären Kirk & Co. in „Das Loch im Weltraum“ gescheitert, ist nur ein Universum, das die Enterprise auf ihrer Suche nach einem Weg zurück nach Hause besucht. Dies erinnert ein wenig an die TV-Serie „Sliders“, macht den Rückweg aber fast interessanter als den eigentlichen Grund, warum es die Enterprise in diese Lage verschlägt. Das Motiv, interstellare Kriege auf diese Weise zu verhindern, ist natürlich etwas naiv, passt aber damit auch ganz gut zur klassischen Serie.

Bewertung: Als ich den Roman vor ungefähr 20 Jahren das erste Mal gelesen hatte, war ich noch kein so großer Fan von „The Original Series“ wie ich es heute bin, aber schon damals gefiel mir der Roman als Abenteuergeschichte mit einigen eingestreuten absonderlichen Ideen. Und auch zwei Jahrzehnte später bewerte ich „Die Raumschiff-Falle“ noch immer positiv, aber mitunter aus anderen Gründen. Ich bin mir sehr sicher, dass ich die Anspielungen auf Ereignisse in der TV-Serie damals nicht kapiert habe. (Eine Anspielung auf die Khan-Episode „Der schlafende Tiger“ bestimmt nicht, denn sie bezieht sich auf eine Szene, die damals bei den Ausstrahlungen im deutschen Fernsehen nie gezeigt wurde.) Und wie gut die Hauptcharaktere getroffen sind, konnte ich damals sicher auch noch nicht feststellen.

Doch unabhängig der Gründe konnte mich „Die Raumschiff-Falle“ zweimal angenehm unterhalten. Nun, da ich inzwischen Hunderte weitere „Star Trek“-Romane gelesen habe und Vergleiche ziehen kann, sticht Mel Gildens einziger TOS-Roman zwar nicht aus der Masse heraus, aber 4 Sterne kann ich auch heute noch locker vergeben.

4stars

 

Rezension: „Star Trek TNG – Light-and-Sound Borg Cube“

Die zweite „Star Trek“-Veröffentlichung des Verlags „Running Press“ im Jahr 2018 neben dem Light-and-Sound-Tricorder, ist ebenfalls der Serie „The Next Generation“ gewidmet. Wie bei den vergangenen Tranchen erschien auch in diesem Jahr neben einem Ausrüstungsgegenstand das Miniatur-Modell eines Raumschiffs, doch zum ersten Mal handelt es sich dabei nicht um ein Raumschiff der Sternenflotte, sondern um das sicher bekannteste Schiff des wohl gefährlichsten Feindes der Föderation: der Borg!

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Aufgrund der reduzierten Größe sind die Ausrüstungsgegenstände von „Running Press“ sicher nicht für jeden Fan interessant. Bei Raumschiffmodellen fällt die Kaufentscheidung schon etwas leichter, weil der Anspruch auf Originalgröße hier schon mal von vornherein wegfällt. 😀 Und das gilt ganz besonders für den Kubus der Borg, der in der Serie immerhin eine Seitenlänge von 3 Kilometern hatte. Für all jene, die nicht genug Platz im Garten haben, um sich so ein Monstrum hinzustellen, hat „Running Press“ dieses Raumschiff auf einen Würfel mit knapp über 4 Zentimetern Seitenlänge geschrumpft.

4 Zentimeter sind natürlich nicht sehr viel, aber tatsächlich wäre es „Running Press“ gar nicht möglich gewesen, das Modell bedeutend größer zu gestalten. Denn wie die „U.S.S. Enterprise“ und das „Shuttle Galileo“ erschien auch dieses Schiffsmodell im Rahmen der „Deluxe Mega Kit“-Reihe, deren Schachteln alle gleich groß sind. Wesentlich besser hätte eine Miniatur der etwas länglichen Borg-Sonde aus der „Voyager“-Doppelfolge „Das ungewisse Dunkel“ die Schachtel ausgefüllt. Aber ganz ehrlich: Das ikonischste Borg-Design ist und bleibt der Kubus!

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Das Set besteht aus einem Büchlein und der Miniatur mit Standfuß, die in einer ansprechend gestalteten „Deluxe Mega Kit“-Schachtel Platz finden.

Manch einer mag sich denken: Ein Würfel? Was soll daran schon besonders sein? Aber tatsächlich gibt es nicht viele Miniaturen des Borg-Kubus, die man als gelungen bezeichnen kann. Denn die Seiten des Kubus sind von unzähligen winzigen Details übersät und die Farbe auch nicht monoton dunkelgrau. Die Darstellung des Borg-Kubus in den Serien und im 8. Kinofilm hat sich zwar immer wieder mal verändert, da unterschiedliche Studiomodelle für die Dreharbeiten und schließlich auch ein computer-generiertes Modell zum Einsatz kamen, aber der bedrohliche und komplexe Gesamteindruck dieses Raumschiffs blieb doch konstant erhalten.

Hat es „Running Press“ also geschafft, auf 4 x 4 x 4 Zentimeter eine überzeugende Miniaturdarstellung dieses in der Serie gigantischen Raumschiffes herzustellen? Erfreulicherweise lautet die Antwort auf diese Frage: Ja!

Trotz seiner geringen Größe strotzt die Miniatur nur so vor kleinen Details, die auch sehr gut voneinander abgegrenzt sind. Man kann selbst die kleinsten Rillen, Erhebungen und Vertiefungen abzählen (vorausgesetzt, man ist bereit, sich die Augen zu ruinieren :-D). Und es ist zwar etwas schwer zu beurteilen, aber ich würde doch sagen, dass jede Seite des Kubus ein wenig anders gestaltet ist. Die verwendeten Formen wiederholen sich, aber ihre Zusammenstellung scheint auf jeder Seite des Würfels etwas anders zu sein.

Die Unterseite des Würfels unterscheidet sich natürlich am stärksten von den anderen, handelt es sich dabei doch um jene Seite, die man am seltensten sieht. Hier befindet sich die Vertiefung für den Standfuß, ein kleiner Einschaltknopf, das Batteriefach für 3 Knopfzellen (sind im Lieferumfang enthalten) und die Öffnungen für den Lautsprecher, damit der Sound schön nach außen dringen kann.

Anders als die „U.S.S. Enterprise“ und das „Shuttle Galileo“ ist das Modell des Borg-Kubus nicht nur beleuchtet, sondern auch mit Sound-Wiedergabe ausgestattet. Betätigt man den Knopf auf der Unterseite, wird einer von 4 Sounds wiedergegeben. Zweimal meldet sich die Stimme des Borg-Kollektivs (auf Englisch), je einmal erklingen Scanner- gefolgt Waffenfeuergeräuschen und ertönt das typische Vorbeiflug-Geräusch eines Borg-Schiffes. Während diese 3 bis 10 Sekunden langen Töne abgespielt werden, leuchtet im Inneren des Modells ein Lämpchen grün auf.

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Die drei leuchtenden Raumschiffmodelle von „Running Press“.

Das Licht dringt durch kleine Öffnungen, die meiner Meinung nach sehr gut auf der Oberfläche verteilt sind und den gelungenen Look der Miniatur ergänzen. Schade ist nur, dass es nicht auch zusätzlich noch einen Schalter gibt, mit dem man das Licht dauerhaft einschalten kann. Bei den „Running Press“-Miniaturen der Enterprise und der Galileo war dies möglich (allerdings hatten diese beiden Modelle keine Sound-Funktion). Doch auch ohne Beleuchtung sieht der Kubus wirklich gut aus, was neben den vielen Oberflächendetails auch daran liegt, dass er eine leicht metallisch wirkende Lackierung aufweist. Der Kubus glänzt im Licht, während die Erhebungen gleichzeitig Schatten werfen. Dies erzeugt den Eindruck, dass der Kubus mehrere Farbschattierungen aufweist.

Damit sich dieser Artikel die Bezeichnung „Buch-Rezension“ auch verdient, kommen wir nun zum kleinen Begleitbuch. Wie gewohnt ist dieses 6,5 x 7,5 Zentimeter „groß“ und mit 50 Seiten relativ dick für „Running Press“-Verhältnisse. (Zum Vergleich: Die Begleitbüchlein zu den anderen beiden Schiffsmodellen waren nur je 32 Seiten dick.) Allerdings ist der Inhalt ein wenig enttäuschend. Zwar wird kurz und knapp das Wichtigste zum Borg-Kubus sowie zu dessen Begleitschiff – der Sphäre – und dem Kollektiv zusammengefasst und sogar die Bildauswahl ist einwandfrei. Doch es fehlt leider völlig die produktionstechnische Sichtweise. Es wäre durchaus interessant zu erfahren, welche Überlegungen zur schlussendlichen Wahl der Würfelform geführt haben und wie die Studiomodelle gefertigt wurden. Hintergrundinformationen dieser Art findet man in den anderen Büchern zu „Running Press“-Modellen durchaus.

Bewertung: Wie eigentlich immer passt das Preis-Leistungsverhältnis auch bei diesem „Deluxe Mega Kit“. Für wenig Geld bekommt man hier zwar nur ein kleines, aber wirklich schön gestaltetes Raumschiff-Modell, das wie erwähnt gar nicht so leicht originalgetreu umsetzbar ist. Aber „Running Press“ hat wirklich sehr gute Arbeit geleistet, ich bin mit dem Erscheinungsbild des Mini-Borg-Kubus sehr zufrieden. Das beiliegende Büchlein ist inhaltlich solide, aber enthält für Fans wohl nichts Neues. In Summe gebe ich dem Set 5 Sterne.

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Anmerkung:

Inzwischen hat sich der Veröffentlichungsrhythmus etabliert, dass „Running Press“ alle zwei Jahre zwei „Deluxe Mega Kits“ zum Thema „Star Trek“ herausbringt. 2018 bringt der Verlag allerdings noch einen weiteren Fan-Artikel heraus, der etwas größer ausfällt.

Locutus_of_Borg_Collectible_MaskIm Oktober erscheint eine rund 10 x 10 Zentimeter große Metallguss-Miniatur jener Maske, die der zum Borg namens „Locutus“ umgewandelte Enterprise-Captain Jean-Luc Picard trug. Auch diese Miniatur ist mit Licht- und Sound-Funktion ausgestattet und kommt mit einem Standfuß aus Metall und transparenter Schutzplatte in einer etwas größeren Klarsichtschachtel. Für Interessierte ist es sicher ein schöner Sammlerartikel, allerdings preislich aufgrund von Größe und verwendetem Material rund dreimal so teuer wie ein „Deluxe Mega Kit“.

 

Rezension: „Star Trek – Designing Starships – The Kelvin Timeline“

Dies ist bereits das dritte Buch, in dem Design-Artikel aus den Heftbeilagen zu Eaglemoss‘ Raumschiffmodellen gesammelt veröffentlicht werden. Hatten „Volume One“ und „Volume Two“ zwar auch gewisse Themenschwerpunkte, konzentriert sich das dritte Buch ganz auf die Artikel zu den Sonderausgaben, die die Entstehungsgeschichte der Raumschiffe aus den drei Kinofilmen „Star Trek„, „Into Darkness“ und „Beyond“ behandeln.

Cover Designing Starships The Kelvin Timeline

Dass ein solches Buch zu den Sonderausgaben der Raumschiffsammlung im November 2017 erschien, überraschte mich doch ein wenig. Denn im Gegensatz zu den Heften der Standardausgaben, sind die Design-Artikel in den Heften der Sonderausgaben bedeutend umfangreicher. So ergibt sich, dass auf den 160 Seiten des dritten Buches nicht mehr um die 30, sondern lediglich 12 Artikel zu finden sind, von denen die meisten aber zum Ausgleich thematisch wesentlich mehr in die Tiefe gehen als die vergleichbaren Artikel der Standardausgaben.

Wie mittlerweile gewohnt strotzt auch dieses Design-Buch von Eaglemoss nur so vor Skizzen, Zeichnungen, digitalen Entwürfen, Renderings und Screenshots, die begleitet werden von Ben Robinsons extrem informativen Text, für den der Autor ausführliche Interviews mit den Designern – Scott Chambliss, Ryan Church, James Clyne, Sean Hargreaves, Romek Delimata, Alex Jaeger, Pierre Drolet, John Eaves und vielen, vielen weiteren Kreativen – führte. Von der U.S.S. Kelvin über die Enterprise, die Vengeance, den D4-Bird of Prey bis hin zum Altamid-Schwarmschiff und zur Franklin erfährt der Leser und Betrachter die schrittweise Entwicklung von der ersten Idee bis zum fertigen Design.

1 Designing Starships The Kelvin Timeline

Dabei ist es besonders interessant, wie unterschiedlich der Weg verläuft. Manchmal trifft es – wie bei Spocks kleinem Schiff, das er im elften Film steuert – bereits eine der ersten beiden Skizzen auf den Punkt und die weitere Arbeit konzentriert sich nur auf Details. Und bei anderem Schiffen – wie dem D4-Bird of Prey – wird ein ganzes weites Spektrum an Designrichtungen ausgelotet, ehe man wieder mehrere Schritte zurückgeht und einen Ansatz weiterverfolgt.

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5 Designing Starships The Kelvin Timeline

Fazit: Da ich die meisten Sondermodelle von Eaglemoss mitsamt beiliegendem Heft bereits besitze, war ich zuerst etwas zögerlich, mir dieses Buch zuzulegen. Allerdings hatte ich etwas recherchiert und schnell festgestellt, dass auch dieses Buch jede Menge exklusive Inhalte bietet, die in keiner Heftbeilage erschienen sind. Fast die Hälfte der 160 Seiten waren daher komplett neu für mich. Zu den exklusiven Inhalten zählen umfangreiche Artikel (zwischen 16 und 8 Seiten jeweils) zur Narada, zu den Hintergrundschiffen der Sternenflotte im elften Film, zur Sternenbasis Yorktown und zur Enterprise-A. Ein kürzerer, 4 Seiten langer Artikel, der hauptsächlich aus Zeichnungen besteht, beschäftigt sich mit nicht umgesetzten Raumschiffe, die im Hintergrund auf der Sternenbasis zu sehen sein sollten. Zu all diesen Schiffen bzw. zur Raumstation gibt es bislang noch keine Modelle und daher auch keine Hefte, in denen diese Artikel hätten erscheinen können. (Anmerkung: Aus Gründen der technischen Umsetzbarkeit ist es lt. Eaglemoss auch sehr unwahrscheinlich, dass jemals Modelle von der Narada und von Yorktown erscheinen werden.)

Und auch bereits in Heften erschienene Artikel wurden durch zusätzliches Bildmaterial ergänzt. Der Artikel zur U.S.S. Enterprise aus dem elften Film ist daher 8 Seiten länger als im Heft. Der Artikel zur U.S.S. Vengeance ist um 4 Seiten und jener zum D4-Bird of Prey um 2 Seiten länger. Da die Artikel so umfangreich sind und die Designentwicklung quasi Schritt für Schritt erläutern, bekommt man von jedem Schiff auch das Endprodukt zu sehen – dies ist bei den kürzeren Artikeln in den ersten beiden Büchern nicht immer der Fall. Und auch das Design des Schiffsinneren wird im Rahmen der meisten Artikel zumindest im Umfang einer Seite behandelt.

3 Designing Starships The Kelvin Timeline

2 Designing Starships The Kelvin Timeline

Die Aufmachung ist ziemlich ident mit jener der ersten beiden Bücher: ein schönes, sauber gebundenes Hardcover-Buch mit dicken Seite und einem glänzenden Schutzumschlag. Die grundsätzliche Seitengestaltung im Buchkern ist ebenfalls aus den ersten beiden Bücher bekannt (anders als bei „Volume Two“ erscheint mir der Text diesmal nicht als zu nahe am Bund), aber etwas homogener, da die Hefte der Sonderausgaben durchgehend mit weißem Text auf schwarzen Seiten gestaltet sind. (Bei den normalen Ausgaben wechseln sich Schwarz-auf-Weiß und Weiß-auf-Schwarz ab.) Etwas schwerer lesbar ist nur der blaue Text bei den Bildbeschreibungen. Kein Problem bei guten Lichtverhältnissen, aber ist es etwas schummrig, ist diesen Text zu lesen etwas anstrengend.

Im Rahmen meiner Rezension zu „Volume Two“ habe ich gelobt, dass der Buchrücken gleich gestaltet ist wie jener des ersten Buches. Die Gestaltung ist auch beim dritten Buch wieder gleich, aber vielleicht wird sich der eine oder andere spätestens ab dem Erscheinen des vierten Buches daran stören, dass auf dem Buchrücken statt „Volume Three“ lediglich „The Kelvin Timeline“ steht. Grundsätzlich bin ich schon neugierig, wie das vierte Buch betitelt wird, das wohl trotz Schwerpunkt „Deep Space Nine“ vermutlich wieder Artikel querbeet zu allen Star Trek-Serien beinhalten wird. Wird es „Volume Three“ oder „Volume „Four“ heißen? Denn Sowohl auf dem Umschlag, als auch im Buchkern des dritten Buches findet man die Bezeichnung „Volume Three“ nicht … lediglich versteckt unterhalb des Schutzumschlags auf dem Hardcover-Einband! 😉

Titel Designing Starships Books
Schiebt man den Schutzumschlag runter, offenbart sich beim dritten Buch ein anderer Titel als auf dem Umschlag.

Aber bedenkt man, dass es nicht Eaglemoss‘ Hauptgeschäft ist, Hardcover zu layouten, sind ihre Bücher schon ziemlich toll und wirklich praktisch. Vorausgesetzt zumindest, man kann gut Englisch. Im Gegensatz zu den Heften erscheinen die Bücher von Eaglemoss leider nicht auf Deutsch.

Der größte Wermutstropfen – wie bei jedem Star Trek-Designbuch – ist aber unvermeidbar: Es hätte noch so viel mehr gegeben, was man hätte behandeln können, aber auf der begrenzten Seitenanzahl einfach nicht Platz hatte. Ein Artikel zu den von John Eaves entworfenen Shuttles hätte mir noch sehr gefallen, oder die Hintergründe zu Victor Martinez‘ Entwürfe, die eine etwas andere Story von „Beyond“ andeuten. Aber ich denke, mit dem Umfang an exklusivem Material zusätzlich zu den Heftinhalten darf man wirklich nicht unzufrieden sein. Und da glücklicherweise noch zwei weitere Kinofilme in der Kelvin-Zeitlinie geplant sind, könnte ich mir gut vorstellten, dass es noch ein weiteres „Designing Starships“-Buch über die Schiffe in diesem Paralleluniversum geben wird. Bleibt zu hoffen, dass Eaglemoss die Raumschiffsammlung noch lange genug vorantreibt (aber bei den Modellen in Zukunft wieder etwas mehr Sorgfalt walten lässten, als in den letzten Monaten 😉 ).

Bewertung: Schon die ersten beiden Bücher fand ich sehr gelungen und habe sie mit 5 Sternen bewertet. Die beiden größten Kritikpunkte – kein Bild des endgültigen Designs und meistens keine Info zum Schiffsinneren – entfallen beim dritten Buch durch die umfangreicheren Beschreibungen und das umfassende Bildmaterial. Über die kleine Unstimmigkeit auf dem Hardcover-Einband, einer doppelten Bildunterschrift und der durchgängig etwas anderen Schreibweise des Namens des Bösewichts aus „Star Trek Beyond“ („Kraal“ statt „Krall“), sehe ich hinweg, weshalb ich diesmal volle 6 Sterne verleihen kann!

6stars

Anmerkungen:

Die Bücher Nummer 4 und 5 zu den Schwerpunkten „Deep Space Nine“ und „Discovery“ sollen nach aktuellem Stand erst im Jahr 2019 erscheinen.

Momentan sind die „Designing Starships“-Bücher – wenn nicht über ebay – nur in den Eaglemoss-Onlineshops offiziell erhältlich, jedoch waren in letzter Zeit nicht immer alle lagernd. Allerdings erscheinen Ende 2018 bzw. Anfang 2019 die ersten beiden Ausgaben auch für den Massenmarkt mit ISBN-Nummer und sollten dann leichter für jeden Interessierten erhältlich sein.

Rezension: VOY – “The Nanotech War”

Da ich erst kürzlich die Serie „Star Trek – Voyager“ auf DVD von Anfang bis Ende Revue passieren habe lassen, war ich in der richtigen Stimmung, auch wieder einmal einen Roman zu lesen, der während der Serie angesiedelt ist. Da abgesehen von der klassischen Star Trek-Serie seit einer Weile nur noch Romane erscheinen, deren Geschehnisse zeitlich nach dem Abschluss der jeweiligen TV-Serie stattfinden, habe ich mir „The Nanotech War“ ausgesucht. Steven Piziks‘ Roman aus dem Jahr 2002 war der letzte, der ein Abenteuer der Voyager-Crew während ihrer Heimreise zur Erde erzählt.

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Während die Voyager ein von Ionenstürmen durchzogenes Sonnensystem durchquert, stößt sie auf ein primitives Ein-Personen-Schiff, das von den Stürmen unter Warp gezwungen und dabei beschädigt wurde. Man leistet dem Insassen – einem Ingenieur namens Zedrel, der soeben den ersten Warp-Flug in der Geschichte des Volkes der Chiar unternommen hat – Hilfe und schleppt sein Schiff zurück zu seiner Heimatwelt. Während die überschwängliche Dankbarkeit der Chiar und ihre Neugier auf ihre ersten Besucher aus dem Weltall zu erwarten waren, wird die Crew der Voyager auch mit Ungewöhnlichem, bis hin zu Beunruhigendem konfrontiert.

Wie sich herausstellt, ist die Gesellschaft der Chiar in höchstem Maße von Nanotechnologie abhängig. Wie selbstverständlich tragen die Chiar nicht nur winzige Maschinen in ihrer Gehirnzellen mit sich, sondern ganze Naniten-Schwärme zusammen mit umformbaren Rohstoffen wie Kleidung an ihren Körpern. Ein Gedanke genügt den Chiar, um Gegenstände entstehen zu lassen oder Dinge wie bewegen, ohne einen Finger krumm zu machen. Da die Föderation schlechte Erfahrungen mit dieser Art Technologie gemacht hat – mit ihren eigenen Naniten einst auf der Enterprise-D wie auch mit den alles assimilierenden Nanosonden der Borg – scheut Captain Janeway davor zurück, eine Delegation der Chiar auf ihr Schiff zu lassen.

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Die Chiar verwenden Naniten, die den Nanosonden der Borg ähneln, aber nicht so hochentwickelt sind.

Wesentlich problematischer ist der Umstand, dass die Sensoren auf der Chiar-Heimatwelt rhometrische Massenvernichtungswaffen entdecken. Dabei handelt es sich zwar um inaktive Überbleibsel aus einem Bürgerkrieg, den die beiden nördlichen Kontinente gegen die beiden südlichen Kontinente gewonnen haben. Doch führte dieser Kriegsausgang dazu, dass einer der Südkontinente nun völlig isoliert und von Nanotechnologie gesäubert ist – wodurch die Bewohner nahezu hilflos vor sich hin vegetieren – und die Bewohner das anderen versklavt wurden. Aus reiner diplomatischer Höflichkeit willigt Captain Janeway ein, noch so lange im Sonnensystem zu bleiben, um einen neuerlichen Warp-Testflug von Ingenieur Zedrel zu überwachen, doch unmittelbar darauf beamen Rebellen von den besiegten Chiar-Kontinenten an Bord der Voyager und entführen Tom Paris und Seven of Nine …

Fazit: Ich muss schon sagen, dass sich „The Nanotech War“ als wahrer Glücksgriff erwies. Hat man so wie ich gerade erst die 7. und letzte Staffel von „Star Trek – Voyager“ gesehen, bemerkt man sofort, wie gut Autor Steven Piziks die Story ungefähr in der Mitte der Staffel eingebettet hat, was vor allem durch die beiden Nebenhandlungen deutlich wird. Dass Piziks die Charaktere auch noch stimmlich hervorragend trifft – man meint z.B. Tuvoks süffisanten Tonfall regelrecht zu hören, wenn er gegen Neelix‘ Kochkünste stichelt – rundet das Gesamtbild perfekt ab. Eine Verfilmung dieses Romans, der rund ein Jahr nach dem Ende der Serie erschien, hätte man nachträglich problemlos mitten in die 7. Staffel einfügen können und hätte dort nicht als Fremdkörper gewirkt.

Aus technischer Sicht wären allerdings die nicht so ganz humanoiden Chiar und ihre wundersamen Nanotech-Anzüge damals schwer mit einem TV-Budget zu visualisieren gewesen. Die etwas kleinwüchsigen, mit vier Beinen und zwei klauenbesetzten Armen ausgestatteten Chiar kommen am Anfang niedlich und freundlich rüber, aber ziemlich rasch verdüstert sich dieser Eindruck, sobald man mehr über ihre kriegerische Geschichte erfährt und wie die Bewohner der siegreichen Nordkontinente mit den Besiegten umgehen. Natürlich kann Janeway aufgrund der Nichteinmischungsdirektive nichts gegen diese Zustände unternehmen. Aber ihr Wunsch, abzufliegen sobald es die diplomatische Etikette erlaubt, ist mehr als verständlich. Dass die Entführung von Tom und Seven den Aufenthalt der Voyager verlängert, startet eine Nebenhandlung bzw. macht eine davon schließlich bis zum Ende relevant.

Hätte man es mir vorher gesagt, ich hätte es nicht geglaubt: Aber die Passagen, in denen die aus dem Borg-Kollektiv befreite Seven of Nine auf dem Holodeck ihre „verlorene Kindheit“ nachholt, haben mir tatsächlich sehr gut gefallen und es wirkt erstaunlicherweise sehr passend, dass sich Chakotey als eine Art Führer anbietet. Obwohl anfangs noch nicht absehbar, ist dieses Holodeck-Erlebnis ein wesentlicher Ausgangspunkt für die gewaltige Eskalation der Ereignisse am Schluss. Und so ganz nebenbei wird hier der Grundstein gelegt, für die von vielen Fans kritisierte romantische Beziehung von Seven und Chakotey am Ende der Serie. Diese Romanze kam damals wirklich wie aus dem Nichts, aber fügt man die Ereignisse aus „The Nanotech War“ vorher ein, wirkt sie auf einmal deutlich nachvollziehbarer.

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Die Ereignisse in „The Nanotech War“ erklären, warum, Seven of Nine auch andere Aspekte des Menschseins zusammen mit Commander Chakotey erforschen möchte.

Die zweite Nebenhandlung entsteht aus Tom Paris‘ Entführung bzw. aus seiner kurze Zeit später folgenden Befreiung. Da es den Entführern eigentlich nur um Seven of Nines Nanosonden ging und Tom nur zufällig anwesend war, löschen die Entführer einfach seine persönlichen Erinnerungen und verkaufen ihn als Sklaven. Der nach Toms Befreiung – aber weiterbestehender Amnesie – entstehende Zwist mit seiner Ehefrau B’Elanna Torres, an die er sich einfach nicht mehr erinnern kann, trägt schlussendlich zwar auch zur Auflösung der Geschichte bei  (die das Volk der Chiar wirklich in keinem guten Licht dastehen lässt). Doch wenn der Roman eine Schwäche hat, dann sind es diese Passagen, in der Tom ohne Gedächtnis zurück auf der Voyager ist. Allerdings gibt es da noch eine herrlich witzige Schlussszene, die nur dank dieser Nebenhandlung möglich wurde.

Bewertung: Es hätte viele ältere „Voyager“-Romane gegeben, die ich noch nicht gelesen habe und die zeitlich während der Serie angesiedelt sind. Ehrlich gesagt haben mich Titel und Coverbild auf „The Nanotech War“ aufmerksam gemacht und ich kann nun sagen, dass diese nicht zu viel versprochen haben. Eine anfängliche Heiterkeit weicht zunehmend einer Bedrohlichkeit, die nicht nur von den Rebellen ausgeht, sondern auch von den nicht gerade vorbildlichen Siegermächten des Chiar-Bürgerkriegs. Wie die Lage auf dem Planeten am Schluss eskaliert und welche Konsequenzen diesem in Sieger und Verlierer gespaltenem Volk drohen, das sich selbst von Technologie abhängig gemacht hat, ist harter Tobak und ein warnender Fingerzeig. Und genauso wie Seven of Nine kam mir der bedrückende Gedanke, dass dieses Volk genau das bekommt, was es verdient hat.

Da die Nebenhandlung mit Tom und B’Elanna doch etwas langatmig war und es ein paar Sachen gab, die nicht ganz rund wirkten (bzw. etwas übertrieben, wie Seven in ständigem „Funkkontakt“ mit Nanosonden außerhalb ihres Körpers steht), gebe ich „The Nanotech War“ nur 5 von 6 Sternen. Aber damit ist der Roman immer noch eine empfehlenswerte Lektüre für „Voyager“-Fans, sofern sie der englischen Sprache gut genug mächtig sind. Denn eine deutsche Übersetzung des Romans gibt es leider nicht.

5stars

Anmerkungen:

Meine einleitende Behauptung, dass „The Nanotech War“ aus dem Jahr 2002 der letzte zur Zeit der TV-Serie „Star Trek – Voyager“ angesiedelte Roman wäre, ist nicht ganz korrekt. Er ist lediglich der letzte, der vor dem inhaltlichen Neustart der Reihe veröffentlicht wurde. Nachdem schon mehrerer Romane erschienen waren, die die Zeit nach der Rückkehr der Voyager in den Alpha-Quadranten behandelt haben, gab es zum 10jährigen Jubiläum der TV-Serie eine Trilogie namens „String Theory“. Laut meiner Recherche dürfte auch deren Handlung zeitlich währen der Serie angesiedelt sein.

Und ebenfalls zu erwähnen wäre noch Greg Cox‘ „No Time like the Past“ zur klassischen Serie aus dem Jahr 2014. Dieser Roman beinhaltet auch einen Handlungsstrang, der während der Voyager-Odyssee angesiedelt ist und aus der es Seven of Nine mittels Zeitreise auf Captain Kirks Enterprise verschlägt.