Rezension: „The Testaments“

Vor ungefähr einem Jahr las ich Margaret Atwoods bereits 1985 erschienenen Roman „The Handmaid’s Tale“. Genau rechtzeitig, wie sich herausstellt, denn beinahe 35 Jahre später lieferte die Autorin nun vor kurzem die Fortsetzung „The Testaments“ (deutscher Titel „Die Zeuginnen“) ab. Stand im ersten Roman die Rolle einer Magd im religiös-autoritären Staat Gilead im Mittelpunkt, erzählt der neue Roman die Geschichte aus den Perspektiven von drei Frauen, die schließlich zusammenfinden werden, um den Untergang dieses Staates einzuleiten.

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Der Roman springt kapitelweise zwischen den Aufzeichnungen der drei Frauen hin und her, wobei die Erzählungen anfänglich noch weitestgehend für sich alleine stehen, im letzten Drittel des Romans aber zunehmend enger verknüpft werden, bis alle drei sozusagen in der gleichen Zeit angekommen sind. Das ermöglicht es sehr gut, die Frauen und ihre Vorgeschichten erstmal kennen zu lernen und zu verstehen, wie sie dann später aufeinander reagieren, wenn sie sich schließlich treffen.

Schlüsselfigur der Geschichte ist definitiv Aunt Lydia. Die „Aunts“ bzw. zu Deutsch „Tanten“ sind Frauen, die im strengen Patriachat von Gilead wohl noch am priviligiertesten sind. Ihre Aufgabe ist es allerdings, für die Ausbildung der anderen Frauen zu sorgen, der Mägde, der Hausangestellten und sogar der zukünftigen Ehefrauen, die sie an passende Partner vermitteln. Aunt Lydia ist sozusagen die Anführerin der Aunts, die sich nach außen hin streng gibt und für die regierende Männerelite ein wertvolles Werkzeug darstellt, um den Status Quo zu erhalten. Doch in Wahrheit, wie wir durch Lydias Aufzeichnungen erfahren, ist dies nur Fassade. Sie war Zeugin des Putsches, der aus den USA schließlich Gilead machte und passte sich schlichtweg an, wirkte sogar aktiv mit an der Gestaltung der neuen Regeln, die für die Frauen in Gilead gelten. Doch insgeheim arbeitet sie seit Jahren mit einer von Kanada aus operierenden Widerstandsbewegung zusammen, sammelte dank ihrer durchaus vorhandenen Machtposition die dunklen Geheimnisse von Gileads Elite, um diesen Gottesstaat schließlich zu Fall zu bringen.

Daisy wiederum ist eine Jugendliche, die in Kanada lebt. Sie führt ein freies Leben in einem liberalen Staat, ist aber von ihren Eltern auch gut behütet. Was Gilead angeht, beschränken sich ihre Erfahrungen auf das, was sie im Schulunterricht erfährt und auf gelegentliche Besuche der „Pearl Girls“ – Missionarinnen, die Frauen dazu überreden wollen, nach Gilead zu kommen – im Geschäft ihrer Eltern. Daisys Leben wird auf den Kopf gestellt, als ihre Eltern durch eine Autobombe sterben und sie von einer Bekannten eingeweiht wird, dass diese in Wahrheit für den Widerstand gearbeitet haben mit der Hauptaufgabe, auf Daisy aufzupassen, die gar nicht deren leibliches Kind war, sondern einst als Baby aus Gilead herausgeschmuggelt wurde.

Die dritte Frau, in der es in der Geschichte geht, ist Agnes. Sie lebt in Gilead, ist Tochter eines Commanders, eines hochrangigen Mitglieds der Führungselite. Als Heranwachsende sind ihre Lebensumstände jedoch von großen Veränderungen betroffen, als zuerst ihre Mutter stirb und es ihr Vater gar nicht eilig genug hat, erneut zu heiraten. Obwohl aus priviligiertem Hause stammend, ist auch Agnes vielen Zwängen unterworfen und muss einen besonders drastischen Zwischenfall bei einem Zahnarztbesuch schweigend über sich ergehen lassen. Als sie dann auch noch mit einem äußert wohlhabenden aber sehr viel älteren Commander zwangsverheiratet werden soll, sieht sie als letzten Ausweg, sich um die Aufnahme bei den Aunts zu bewerben.

Fazit: „The Testaments“ ist eine sehr stimmige Fortführung des ersten Romans und gleichzeitig doch ganz anders. Gilead ist wieder Gilead, so wie es die Magd Offred im ersten Buch geschildert hat. Auch wenn die drei Frauen, die diesmal im Mittelpunkt stehen, nicht das allerschlimmste Los gezogen haben, das man als Frau in diesem Staat erhalten kann, kann von Freiheit keine Rede sein. Aunt Lydia ist hierbei der zwiespältigste Charakter. Im Grunde eine klassische Kollaborateurin, die augenscheinlich ihre Ideale über Bord warf, wahrlich über Leichen ging und schließlich den höchstmöglichen Posten erlangt, der für eine Frau in Gilead möglich ist und sogar zugibt, stolz auf das erreichte Regelwerk zu sein, an dem sie mitgearbeitet hat. Zugute halten kann man ihr aber, dass es ihr Überlebensinstinkt war, der sie so handeln ließ und dass sie schließlich in Wahrheit nie aufgehört hat, parallel zu ihrer Arbeit als Aunt am Untergang Gileads zu arbeiten.

Und hier zeigt sich ein großer Unterschied zum ersten Roman: War dieser noch aus der sehr eingeengten Perspektive einer Magd formuliert, die die unmittelbaren Auswirkungen dieser Gesellschaftsform auf sie persönlich wiedergab, erfahren wir in diesem Roman wesentlich mehr über die Politik und den Stand der Dinge. Aunt Lydia hat einen direkten Draht zu den Commanders, über sie und Agnes bekommt man Einblick in die Korruption und weitere Verbrechen, die in Gilead ungesühnt an der Tagesordnung stehen. Und über Daisy erhalten wir einen Blick von außen auf Gilead und mit Lydias Versuch, diesen Staat zu stürzen, wirkt „The Testaments“ sehr viel „größer“, dafür aber weniger persönlich, auch wenn man als Leser speziell mit Lydia und Agnes auch sehr gut mitleiden kann. (Daisy macht mir persönlich gegen Ende des Romans eine etwas abrupte Wandlung zum dauerschimpfenden Punk durch, den ich zumindest in diesem extremen Ausmaß nicht nachvollziehen konnte.)

Bewertung: Ich finde, Margaret Atwood hat es wirklich sehr gut geschafft, eine Fortsetzung zu schreiben, die zugleich sehr viel Neues erzählt und dabei vor allem im letzten Drittel handlungsorientierter und zu einem spannenden Verschwörungs- und Spionagethriller wird. Positiv anmerken möchte ich noch, dass „The Testaments“ sich leichter lesen lässt als „The Handmaid‘ Tale“, was in der Natur der Aufzeichnungen liegt. Hat Offred ihr Leben als Magd, in der Ausbildung und ihr Leben davor ungeordnet bruchstückhaft erzählt, ist die Niederschrift von Aunt Lydia die einer gebildeten und eloquenten Frau. Was Agnes und Daisy erzählen, wird im Epilog als Zeugenaussagen enthüllt, in denen es auch keine verwirrenden chronologischen Sprünge gibt.

„The Handmaid’s Tale“ habe ich mit 5 Sternen bewertet und diese Wertung werde ich auch „The Testaments“ verleihen. Der neue Roman ist bedingt durch den Perspektivenwechsel weniger persönlich grausam – Wohlfühlliteratur ist er aber auch nicht gerade – punktet aber dafür mit einem besseren Überblick und angenehmer zu lesender Struktur.

5stars

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Rezension: „Star Trek – The official Guide to The Animated Series“

Nach dem Ende der klassischen Star Trek-Serie war es in den Jahren 1973 und 1974 die Star Trek-Zeichentrickserie (auch „The Animated Series“ bzw. abgekürzt TAS genannt), die das Interesse an dieser Zukunftsvision am Leben hielt und auch einem jüngeren Publikum zugänglich machte. Später lange Zeit übersehen und ohne echte Grundlage als „nicht zum Kanon gehörend“ abqualifiziert, bekam die Zeichentrickserie vor allem im letzten Jahrzehnt durch die Verfügbarkeit auf DVD und Blu-ray bzw. über Streaming wieder mehr Beachtung und im Jahr 2019 war es endlich soweit: Endlich erschien ein Sachbuch zur Serie!

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„The official Guide to The Animated Series“ ist – wie der Name sagt – eine Art Episodenguide, aber neben einer reinen Inhaltsbeschreibung und Analyse der Folge, beinhalten die Artikel auch immer Konzepzeichnungen und Hintergrundinformationen von den damaligen Produzenten der Serie – sowohl als früheren als auch extra für dieses Buch abgehaltenen Interviews. Dorothy Fontana, die sowas wie der Showrunner der Serie war kommt zu Wort, wie auch Autoren (u.a. David Gerrold, der Erfinder der Tribbles), Zeichner Bob Kline und viele weitere. Und die ersten rund 20 Seiten des Buches sind ein reines Making-of zur Entstehung der Serie.

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Besonders interessant fand ich zu erfahren, dass erste Pläne für eine animierte Star Trek-Serie bereits auf das Jahr 1969 zurückgingen. Im Buch ist die Abbildung eines Briefes enthalten, den das Studio Paramount in Beantwortung an ein Konzept an Lou Scheimer (vom Animationsstudio „Filmation“) schrieb und in dem bereits auf sehr konkrete Ideen eingegangen wird. Wirklich schade, dass nicht der komplette Brief im Buch abgedruckt ist. Wenigstens sind aber ein paar der frühen Konzeptzeichnungen enthalten. Aber allein das Vorhandensein eines solchen Briefes im Jahr 1969 hat mir zumindest die neue Erkenntnis gebracht, dass „Star Trek“ wirklich durchgehend produziert bzw. zumindest konzipiert wurde.

Auch die Technik, wie die – aus heutiger Perspektive – recht reduzierte Animation umgesetzt wurde, wird beschrieben und ich fand es interessant zu erfahren, dass einige auffällige Fehler in Wahrheit Konzessionen an die für damalige Verhältnisse aufwändige Animation waren. Sicher, einige Flüchtigkeitsfehler waren auch dabei, weil die Serie sehr schnell für die wöchentliche Ausstrahlung produziert werde musste, aber wenn manchmal ein Körperteil plötzlich verschwindet, lag das daran, dass man diese Ebene des Bildes entfernte, um eine bessere Bildschärfe zu erhalten bzw. um ein trübes Bild zu verhindern.

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Im Episodenguide-Teil des Buches widmen sich meistens 3 Doppelseiten (manchmal nur 2, in einem Fall 4 Doppelseiten) einer Folge der Serie. Von jeder der 22 Folgen werden die wesentlichen Informationen wie Autor, Regisseur, Erstausstrahlungsdatum. Es gibt eine Abschrift des obligatorischen einleitenden Logbucheintrags und eine zweispaltige Inhaltsbeschreibung. Diese deckt das gesamte wesentliche Geschehen in der Folge ab und ist von den Autoren auch oft mit ein wenig Ironie verfasst.

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Danach werden in einigen Kolumnen-artigen Passagen Hintergrundinformationen zu den Folgen vermittelt, Interviewauszüge von Produzenten und teilweise auch von beteiligten Sprechern abgedruckt. Es wird auf Referenzen in anderen Star Trek-Produktionen hingewiesen und auf Fehler, die sich in die Zeichnungen hin und wieder eingeschlichen haben. Am Ende kommt dann jeweils ein „Datenbank“-Auszug mit Infos zu in der Folge vorkommenden Orten, Raumschiffen, Spezies, Personen und Ausrüstungsgegenständen.

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Den Abschluss des Buches selbst bildet dann noch eine Einordnung der Serie und ihre aktuelle Bedeutung vor allem in Hinblick auf ihre Einbindung in aktuelle Star Trek-Produktionen – von Anspielungen in den Filmen und Serien, in Comics und Romanen bis hin zum Merchandising.

Bewertung: Das Buch ist jedenfalls eine Zierde für jede Star Trek-Büchersammlung, ein 160 Seiten dickes, hübsches Hardcover-Buch im Format 28 x 24,5 cm und wie man auf den Bildern oben sieht wirklich farbenfroh und damit ganz zur Serie passend gelayoutet und illustriert.

Was den Inhalt des Buches angeht, kommt es wohl darauf an, wie man zur Serie steht. Was mich angeht, bestätige ich eine These, die im Buch aufgestellt wird: Mein „Erstkontakt“ mit der Zeichentrickserie fand erst recht spät, im Jahr 2007 – mit der Veröffentlichung auf DVD – statt und für mich war es tatsächlich so, als ob ich nach all der Zeit plötzlich neue Episoden der klassischen Serie entdeckt hätte. Der Schauplatz war vertraut, so gut wie alle Hauptcharaktere – inklusive ihrer Stimmen – waren wieder dabei. An den Zeichenstil und die Animationen hatte ich mich schnell gewöhnt und abgesehen davon, dass die Folgen nur jeweils halb so lang waren, besteht die Zeichentrickserie aus Geschichten, wie sie auch gut zur klassischen Serie gepasst hätten. Zumindest vier der Geschichten sind sogar Fortsetzungen von Episoden der klassischen Serie. Und auch wenn die Zeichnungen nicht wirklich perfekt waren, bot dieses Verfahren doch die Möglichkeit, fremdartige Landschaften, ungewöhnlichen Raumschiffe und nicht-humanoiden Wesen zu zeigen, deren Umsetzung in der Realserie technisch unmöglich gewesen wären. 

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Aufgrund meiner eigenen Erfahrung würde ich die Zeichentrickserie und dieses Buch ganz besonders Fans der klassischen Serie ans Herz legen. Und natürlich auch allen, die an einem Nostalgie-Trip zurück in die 70er-Jahre interessiert sind und herausfinden wollen, wie wöchentlich ausgestrahlte Zeichentrickserien einst realisiert wurden.

Ich persönlich empfand dieses Buch als schöne Lektüre, aber ich hätte mir einen etwas intensiveren Blick hinter die Kulissen gewünscht. Gerade der einleitenden Making-of-Teil hätte es gut vertragen, wenn der weg hin zur Realisierung der Serie detaillierter beschrieben worden wäre und vieles, was in diesem Teil des Buches stand, war mir bereits durch das Bonusmaterial der DVDs bzw. Blu-rays bekannt. Die Anekdoten zu den einzelnen Folgen waren hingegen zumeist wirklich neu, aber auch hier hätte ich mir gewünscht, wären die Autoren etwas länger bei dem einen oder anderen Thema verweilt. Insgesamt geben ich daher 4 Sterne. Es ist ein gutes Buch, aber es wäre noch mehr möglich gewesen, was insofern schade ist, weil man wohl nicht damit rechnen kann, dass in absehbarer Zeit noch ein Buch herauskommt, dass sich der Zeichentrickserie widmet.

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Anmerkung: Derzeit befinden sich übrigens zwei neue Star Trek-Animationsserien in Vorbereitung. „Lower Decks“ soll 2020 in den USA auf dem Streaming-Dienst „All Access“ starten. Eine weitere Zeichentrickserie, die sich an jüngeres Publikum richten und auf dem Sender Nickelodeon laufen soll, ist noch titellos. Zu „Lower Decks“ wurden bereits einige Zeichnungen veröffentlicht:

Außerdem werden zwei der kommenden „Short Treks“-Kurzepisoden in animierter Form sein. Ob sie allerdings für sich stehen oder Vorgeschichten zu den beiden geplanten Zeichentrickserien erzählen werden, ist noch unbekannt.

Bewegte Bilder

Es ist schon wieder einmal Comic Con-Zeit … diesmal in New York und wieder gibt es neues Bildmaterial zu den bevorstehenden neuen Star Trek-Serien.

Den Beginn machen der neue Trailer und neues Fotos zu „Star Trek Picard„. Die Serie startet am 23. Jänner 2020 auf CBS All Access in den USA und hierzulande auf Amazon Prime Video einen Tag später am 24. Jänner.

Ebenfalls 2020 erscheint die dritte Staffel von „Star Trek Discovery„. Ein genauer Starttermin (CBS bzw. Netflix) ist noch nicht bekannt, aber zumindest einen ersten Trailer gibt es nun unter dem folgenden Link:

Link: Star Trek Discovery – Trailer Season 3

Wie schon berichtet wird es auch wieder sogenannte „Short Treks„-Kurzepisoden zur Einstimmung geben. Zur ersten Episode, die auf der Enterprise angesiedelt ist, wie sie in der 2. Staffel von „Discovery“ zu sehen war, gibt es einige neue Fotos (Quelle wie bei allen anderen Bilder ist trekcore.com):

Diese Kurzepisode ist auf CBS All Access in den USA bereits verfügbar. Wie es hierzulande damit aussehen wird, ist aber ungewiss. Bei den „Discovery“-Kurzepisoden vor der 2. Staffel wartete Netflix bis alle Folgen erschienen, ehe sie in der Trailer-Sektion (übrigens auch ohne Abo zugreifbar) abspiel waren. Da es diesmal auch „Short Treks“ zu „Star Trek Picard“ und auch animierte Kurzepisoden geben wird, ist noch nicht bekannt, wann und wo welche Kurzepisode außerhalb von CBS All Access streambar sein wird. Zuletzt gab es auf trekcore.com aber die Andeutung, dass die „Short Treks“ auch gesammelt eine Blu-ray-Veröffentlichung erhalten könnten. Zwei „Short Treks“ werden übrigens beim Bonusmaterial der Blu-ray/DVD-Veröffentlichung der 2. Staffel von Discovery (hierzulande ab 21. November erhältlich) bei den jeweils relevanten Folgen dabei sein.

Rezension: TOS – “The Antares Maelstrom“

„Ich werde ihn jagen um die Monde von Nibia, durch den Antares-Mahlstrom und durch die Flammen der ewigen Verdammnis, bevor ich ihn aufgeben!“ Mit diesen Worten unterstreicht Khan seinen Zorn auf Admiral Kirk im 2. Star Trek-Kinofilm. Doch was es genau mit dem Antares-Mahlstrom auf sich hat, hat weder der Film noch eine der späteren Star Trek-Produktionen jemals aufgeklärt. Greg Cox‘ neuer Roman zur klassischen Serie lüftet nun das Geheimnis dieser Raumanomalie.

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Dass der Roman selbst bereits den Namen des Mahlstroms in seinem Titel trägt, weckt aber doch eine falsche Erwartungshaltung. Denn eigentlich steht der Planet Baldur III im Mittelpunkt, der eine kleine unabhängige, von Menschen gegründete Kolonie beherbergt. Als unverhofft gewaltige Pergium-Vorkommen auf Baldur III entdeckt werden, setzt plötzlich ein wahrer „Goldrausch“ ein. Hunderte Raumschiffe voll mit Glücksrittern machen sich auf den Weg zur Kolonie. Um dort hinzukommen, muss aber erst eine gefährliche, stürmische Anomalie umflogen werden, aus der noch kein Raumschiff den Weg wieder hinaus gefunden hat: der Antares-Mahlstrom.

Die letzte Chance, um vor dem Weiterflug nach Baldur III einen Zwischenstopp einzulegen und die Vorräte aufzustocken, ist die Raumstation S-8, die schon aus allen Nähten platzt und den steten Zustrom weiterer Raumschiffe kaum noch bewältigen kann. Um den überforderten Stationsleiter zu unterstützen, lässt Captain Kirk einige seiner Sicherheitsoffiziere unter dem Kommando von Lieutenant Sulu zur Unterstützung zurück, ehe die U.S.S. Enterprise selbst weiter nach Baldur III fliegt, wo die Kolonie ebenfalls mit Problemen durch den plötzlichen Bevölkerungsanstieg zu kämpfen hat. Neben Energieknappheit und gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen verfeindeten Pergium-Schürfern, muss sich die Crew der Enterprise auch noch mit einem vermeintlichen Bruch der Obersten Direktive auseinandersetzen: Offenbar betreibt jemand auf Baldur III unerlaubten Handel mit der Prä-Warp-Zivilisation auf dem nahegelegenen Planeten Yurnos. Commander Spock und Ensign Chekov werden losgeschickt, um zusammen mit den beiden undercover auf Yurnos lebenden Wissenschaftlern der Sache auf den Grund zu gehen.

Pergium-Bergwerke sahen wir in Star Trek bisher in der klassischen Serie („Horta rettet ihre Kinder“) und in Deep Space Nine („Die verlorene Tochter“).

Fazit: Wenn jemand wie Khan Noonian Singh eine bestimmte Weltraumregion erwähnt, könnte man schon annehmen, dass sie etwas ganz Besonderes darstellt. In Greg Cox‘ Roman ist sie aber lediglich ein Navigationshindernis, eine Region, von der es Abstand zu halten gilt und entsprechend spielt sich die Geschichte hauptsächlich im Gebiet rundherum ab. Genauer gesagt sind es Geschichten, also eigentlich drei. Denn die Erlebnisse von Sulu auf der Raumstation, von der Crew der Enterprise auf Baldur III und von Spock und Chekov auf Yurnos finden komplett unabhängig voneinander statt. Es gibt leider keinen Roten Faden, der alles auf geniale Weise miteinander verknüpft. Sie haben lediglich den gleiche Ausgangspunkt: die Entdeckung von Pergium auf Baldur III. Der Roman erinnert etwas an das Schema, wie gerne Katastrophenfilme erzählt werden: Es gibt am Beginn ein außergewöhnliches Ereignis, auf das keiner vorbereitet ist und die Helden müssen dann mit den unterschiedlichsten Situationen zurechtkommen, die daraus entstehen.

Sicher eine legitime Herangehensweise an eine solche „Goldrausch“-Geschichte, aber ich fand, dass der Roman dadurch nicht besonders spannend war. Sicher gab es einige brenzlige Situationen, die hin und wieder mitreißend geschrieben waren, aber echte Überraschungen hat es meiner Meinung nach nicht gegeben. Situationen, die nicht vorhersehbar waren? Ja, die gab es, aber aus der Ausgangssituation habe ich grundsätzlich „das Unerwartete erwartet“. (Ich hoffe, dass ich das halbwegs verständlich beschreibe. 😀 )

Was das Geschehen an den drei Schauplätzen angeht, kann ich mich nur schwer entscheiden, welcher Teil des Romans mir am besten gefiel. Die Beschreibung der mittelalterlich anmutenden Kultur auf Yurnos hat mir schon sehr gut gefallen, dieser Handlungsstrang hat aber eine recht schwaches Finale. Spannender war auf jeden Fall das Problem mit einem überlasteten Reaktor auf Baldur III, der bei Explosion die Kolonie auszulöschen drohte. Aber gerade als es hier zum Höhepunkt kam, wechselte der Roman meinem Eindruck nach für viel zu viele Seiten hin zu den anderen beiden Schauplätzen. Da hat leider das Timing nicht ganz gestimmt. Bleibt also noch die Handlung auf der Raumstation. Und ja, die war wirklich interessant und zum Ende hin gab es dann doch noch einen kurzen Flug hinein in den Mahlstrom und ein Treffen mit dessen „Bewohnern“.

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Die Raumstation S-8 wird als baugleich mit der Station K-7 aus der Folge „Kennen Sie Tribbles?“ beschrieben.

Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass Greg Cox zumindest eine klare Anspielung auf die Serie „Discovery“ eingestreut hat und noch etwas (die Funktion eines medizinischen Kraftfelds), das eventuell auch von der Serie inspiriert gewesen sein könnte. So, wie Cox diese Anspielung einstreut, ist es meiner Meinung nach okay, aber gerade wenn es um die Beschreibung einer Technologie geht, ist das Verbinden von TOS und DSC doch sehr heikel.

Bewertung: Der Roman hat leider nicht ganz meine Erwartungen erfüllt. Gegen episodenhafte Erzählung ist jetzt nicht grundsätzlich etwas einzuwenden, aber es fiel mir doch schwer, in die drei Geschichten einzutauchen, weil sie nicht viel miteinander zu tun hatten. Für sich allein sind es drei solide im Star Trek-Universum verankerte Geschichten. Jede für sich würde ich aber nur als durchschnittlich werten, somit 3 Sterne vergeben, was ich auch dem Roman als Gesamtes gebe, wenn auch mit leicht negativer Tendenz, weil ich den Gesamteindruck des Romans schwächer bewerte.

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Die letzte Grenze …

Aron Eisenberg

1969 – 2019

Am 21. September 2019 verstarb Aron Eisenberg im Alter von erst 50 Jahren. Der Schauspieler war Star Trek-Fans vor allem für seine wiederkehrende Rolle des Ferengi Nog in 44 Folgen der TV-Serie „Deep Space Nine“ bekannt. Auch in Voyager absolvierte er einen Gastauftritt als Kazon Kar in der 2. Staffel der Serie.

 

Jack Donner

1928 – 2019

Ebenfalls am 21. September 2019 starb Jack Donner im Alter von 90 Jahren. Er trat in 3 Star Trek-Folgen in 2 Rollen auf – und das über einen Zeitraum von 36 Jahren! In der klassischen Star Trek-Serie spielte er 1968 den Romulaner Tal in der Folge „Die unsichtbare Falle“. Und in den „Enterprise“-Folgen „Zuhause“ und „Kir’Shara“ verkörperte er 2004 einen vulkanische Priester. Über die Jahrzehnte absolvierte er bei vielen Serien Gastauftritte; ich persönlich erinnere mich gerne an seinen Auftritt in der drittletzten Folge der Agentenserie „Alias“.

Rezension: „Star Trek Discovery – Designing Starships – Every Ship from Discovery Season 1“

Mit dem Start der Serie „Star Trek Discovery“ hat das Unternehmen Eaglemoss auch einen Ableger zu seiner Raumschiff-Modellsammlung herausgebracht. Wie bei den Sammelmodellen der regulären Reihe, liegt auch den Raumschiffmodellen aus der jüngsten Star Trek-Serie je ein Begleitheft bei, das u.a. einen Artikel zum Designprozess des jeweiligen Schiffes enthält. Gesammelt – und auch erweitert – findet man diese Artikel nun im mittlerweile 4. „Designing Starships“-Buch.

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Da ich an den Themen „Star Trek“ als auch „Design“ gleichermaßen interessiert bin, war auch das 4. derartige Buch von Eaglemoss für mich ein Pflichtkauf, aber noch zwei weitere Faktoren machen dieses Buch lohnend. Für mich persönlich zum einen, weil ich lediglich 4 Modelle der neuen Modellsammelreihe besitze (sie ist leider wesentlich teurer als die reguläre Sammelreihe) und ich daher auch nur 4 Begleithefte besitze. Ein Großteil des Inhalts dieses Buches ist auf jeden Fall neu für mich. Der andere gute Grund für die Anschaffung dieses Buches ist, dass die Serie „Star Trek Discovery“ noch relativ jung ist und man bis jetzt noch sehr wenig über den Entstehungsprozess weiß. Dieses Buch ermöglicht auch einen Blick hinter die Kulisse und beinhaltet ein paar interessante – aber auch sehr kontroverse – Fakten.

Insgesamt beinhaltet das Buch auf 200 Seiten 20 Artikel zu 18 Raumschiffen. Die zwei restlichen Artikel beschäftigen sich mit klingonischem Design im Allgemeinen und gesammelt mit den klingonischen Hintergrundraumschiffen. Den Auftakt bildet standesgemäß der Designartikel zum Heldenschiff der Serie, der U.S.S. Discovery und dieser ist gleich volle 34 Seiten lang! Dieser Artikel wurde sowohl textlich als auch vom Bildmaterial beträchtlich gegenüber dem Artikel im Begleitheft zum Modell erweitert. Besonders interessant in diesem Artikel fand ich sowohl Ryan Denings alternativen Entwurf, der mir bedeutend besser gefällt als das (nicht unbedingt zu meinen Favoriten zählende) Endprodukt, als auch eine Information zu einem nicht verwirklichten Handlung, die einen die Augenbraue vor Verwunderung heben lässt: Laut dem damaligen Showrunner Bryan Fuller hätte die Discovery auf Geheimmission in klingonsichen Raum fliegen sollen und durch Abtrennung der äußeren Ringe der Untertassensektion und durch Herunterklappen der Warp-Gondeln das Erscheinungsbild eines klingonischen Schlachtkreuzers annehmen sollen!

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Okay, das ist eine Information, die man mal als Leser mal verdauen muss. 😀 Tatsächlich haben schon nach Veröffentlichung des ersten Teasers mit der Discovery im Jahr 2016 Fans auf Ähnlichkeiten bei der Maschinensektion von Discovery und dem typischem Klingonen-Schlachtkreuzer hingewiesen und wäre eine gute Erklärung für das ungewöhnliche Aussehen der Discovery, denn Bryan Fuller wollte dezidiert keine röhrenförmigen Warp-Gondeln, die für Sternenflottenschiffe des 22. und 23. Jahrhunderts ein typisches und leicht identifizierbares Designelement gewesen wären.

Es stellen sich aber zwei Fragen, die den bereits bestehenden Eindruck einer etwas konfusen Vorproduktion unter der Regie von Fuller (der die Serie Ende 2016 dann mitten während der Dreharbeiten zur 1. Staffel verließ) bekräftigen: Warum hielt man am – vor allen von Designer John Eaves bemängelten – Design der Warpgondeln fest, nachdem die ursprüngliche Idee offensichtlich verworfen wurde? Und wie hätte die ursprüngliche Idee überhaupt funktionieren sollen angesichts des neuen Designs der klingonischen Raumschiffe in der Serie, das zumindest in Staffel 1 so gar keine Ähnlichkeit mit den etablierten Schlachtkreuzern hatte?

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Es folgt der Designartikel zur U.S.S. Shenzhou, dem zweiten wichtigen Sternenflottenschiff in der 1. Staffel und vor allem in den beiden Auftaktfolgen. Auch dieser Artikel wurde gegenüber dem Begleitheft zum Modell stark erweitert, umfasst jetzt 20 Seiten. Mit diesem Artikel beginnt aber ein Wiederholungsprozess bei den folgenden Artikeln zu den weiteren Sternenflottenschiffen. Viele von denen basieren nämlich auf verworfenen Entwürfen für die Shenzhou. Diese Geschichte, die ursprünglichen Ideen und wie die Entwicklung des Designs technisch umgesetzt wurde, wiederholen sich in beinahe jedem dieser Artikel. Etwas frischer Wind kehrt dann ein, als es um das Worker Bee-Shuttle, das zivile Raumschiff Festoon und Botschafter Sareks vulkanisches Raumschiff geht, die von anderen Designern als von John Eaves stammen. Hier ist es besonders interessant, wie unterschiedlich die verschiedenen Designer an ihre Arbeit herangehen und abhängig von den eigenen Fähigkeiten und Schwerpunkten bei der Weiterentwicklung eines Designs zusammenarbeiten.

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In Zusammenhang mit dem Design der Warp-Gondeln ist interessant, wie sich Eaves selbst das Design erklärte. Natürlich war der wahre Grund, dass man die anderen Sternenflottenschiffe an das Design der Discovery annähern wollte. Aber ich selbst bin doch etwas verwirrt, warum man überhaupt bei der Discovery selbst am derart ungewöhnlichen Design krampfhaft festgehalten hat, obwohl der Zweck (Geheimmission im klingonischen Raums) obsolet geworden ist.

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Liest man dann folgend die Designartikel zu den klingonischen Raumschiffen, bekommt man zudem den Eindruck, dass die obsolete Geheimmission ohnehin nur sehr kurzlebig gewesen sein kann. Die Designer Sam Michlap und John Dickenson berichten, dass Bryan Fuller die Klingonen komplett neu entwickeln wollte (was bei Ansicht der Serie offensichtlich ist) und damit kein Zusammenhang mit den bekannten Raumschiffdesigns aus den vorangegangenen Serien mehr existierte. Ich fand es interessant zu erfahren, wie Michlap und Dickenson zuerst nur über schwarz-weiße Silhouetten einen Art Designsprache für die neuen Klingonen erstellten und erst dann, als sie konkrete Schiffe entworfen haben, sich Gedanken gemacht haben, welche dieser Formen wohin passt und was sie darstellen könne.

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Das Finale des Buches bilden dann die Artikel zu zwei besonderen Raumschiffen in der 1. Staffel. Zum einen die I.S.S. Charon, das gigantische Palastschiff des Terranischen Imperiums im Spiegeluniversum. Und zum anderen jenes Raumschiff, das in den finalen Augenblicken der 1. Staffel erstmals in der Serie zu sehen war: die U.S.S. Enterprise unter Captain Pike. Auch dieses ikonische Schiff bekam für die neue Serie eine Überarbeitung, um sich besser in die Designlinie der etablierten Sternenflottenschiff einzufügen. Warum die Enterprise ihre röhrenförmigen Warp-Gondeln behalten durfte, wird nicht erklärt, liegt aber wohl daran, dass Bryan Fuller die Serie längst verlassen hatte, als John Eaves und Scott Schneider mit ihrer Arbeit an der Enterprise begannen.

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Fazit: Ich denke, man hat es aus meiner Rezension bisher schon gut raushören können: Ich selbst bin nicht der allergrößte Fan der Raumschiffdesigns in „Star Trek Discovery“. Die Serie ist (offiziell) im Prime-Universum zeitlich nach dem ersten TOS-Pilotfilm und nur 10 Jahre vor der klassischen Star Trek-Serie angesiedelt, die Designsprache dieser Ära ist meiner Meinung nach doch relativ klar abgesteckt und so richtig kann ich Bryan Fullers kontroverse Vorstellungen auch nach den Erläuterungen in diesem Buch nicht verstehen. Man liest viel davon, was Fuller wollte, aber selten wieso und wenn doch, dann hat sich der Grund meisten mit der Zeit von selbst erledigt, oder war lediglich eine weit hergeholte Inspiration. (Z.B. „erklärt“ er, warum die Discovery statt einer typischen weißen eine kupferfarbene Hüllenfarbe hat damit, dass James Bond in „In tödlicher Mission“ zuerst einen weißen und dann einen kupferfarbenen Lotus fuhr.)

Wie schon erwähnt verstärkt dieses Buch den bereits vorhandenen Eindruck, dass es während der Entwicklung der Serie unter Bryan Fullers Führung etwas chaotisch hinter den Kulissen zuging. Vielleicht würden das die Artikel in den einzelnen Begleitheften gar nicht so offen darlegen, aber da man hier in diesem Buch 20 Artikel gesammelt vorliegen hat, fallen einem die Widersprüchlichkeiten doch stark auf, wenn man sie innerhalb weniger Tage alle durchliest. Dass „Discovery“ keine perfekte Serie ist, war mir vorher schon klar, aber trotzdem ist so ein Buch mit diesen Einblicken schon interessant zu lesen. Diese Einblicke gleichen auch die auffälligste editoriale Schwäche (die Wiederholung von Inhalten) des Buches aus, die aus der Zusammenstellung von Artikeln besteht, die eigentlich jeder für sich allein stehen sollten. Trotzdem kann man Eaglemoss großen Aufwand beim Erstellen des Buches attestieren.

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Wie man am Foto sieht, unterscheiden sich das Buch und die Begleithefte, aus denen die Artikel ursprünglich stammen, sehr deutlich in ihrer Größe. Hätte Eaglemoss die Seiten einfach vergrößert, wäre der Text natürlich absurd groß erschienen, weshalb die Seiten im Buch komplett neu gelayoutete wurden. Erfreulicherweise entspricht das Innere des Buches dem Layoutdesign der vorangegangen 3 Bücher. Leider trifft das auf das Äußere nicht zu.

Die ersten drei „Designing Starships“-Bücher erschienen noch exklusiv im Eaglemoss-Onlineshop ohne ISBN-Nummer. Erst später – nachdem ich sie gekauft hatte – erschienen auch Ausgaben mit ISBN für den Verkauf im allgemeinen Buchhandel. Beim 4. Buch hat sich Eaglemoss eine Onlineshop-Version gespart und das Buch gleich für den Buchhandel herausgebracht. Zwischen den beiden Varianten gibt es vom Format her keinen Unterschied, aber das Umschlagdesign hat sich leider ein wenig verändert. Puristen, die bei fortlaufenden Buchreihen ein einheitliches Design erwarten, werden enttäuscht.

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Bewertung: Was man von den Raumschiffdesigns in „Discovery“ hält, ist Geschmackssache. Ist man interessiert am Designprozess, dann kommt man um dieses Buch nicht herum. Sicher, es beinhaltet ein paar Wiederholungen in den Artikel. Aber dafür ist es auch um 40 Seite dicker als die ersten Bücher der Reihe bei nur 20 statt 30 Artikeln, weshalb noch mehr Platz für Text, Skizzen und Renderings pro Raumschiff vorhanden ist.  Ebenfalls sehr gut gefiel mir, dass bei fast jedem Artikel ein Bild der Endversion des Schiffes dabei war – oder falls nicht, dann zumindest eine sehr final aussehende und detaillierte Zeichnung, die man mit den vorherigen Entwürfen vergleichen kann. Nur das Innere der Raumschiffe wird leider wieder kaum angeschnitten; das ist bisher ein Alleinstellungsmerkmal des 3. Buches (zum Kelvin-Universum). Gerade zur Brücke des klingonischen Sarkophag-Schiffes, zum Inneren der I.S.S. Charon und allgemein zum Sternenflottendesign im Inneren der Raumschiffe Shenzhou und Discovery wären weitere Hintergrundinformationen interessant gewesen.

In der Hinsicht hat gerade das 3. Buch gezeigt, dass man auch dieses Thema in etwas umfangreichere Artikel einbinden könnte, weshalb es diesmal nicht ganz für die Höchstnote reicht. Aber starke 5 Sterne hat sich auch das Designbuch zur 1. Discovery-Staffel verdient.

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Anmerkungen:

Der Untertitel des Buches – „Every Ship from Discovery Season 1“ – lässt natürlich vermuten, dass es auch eine Fortsetzung geben wird. Angekündigt wurde bislang aber nur ein weiteres Buch zum Schwerpunkt „Deep Space Nine“, zu dem es aber bisher kein konkretes Erscheinungsdatum gibt.

Hier die Links zu meinen Rezensionen der drei vorangegangenen „Designing Starships“-Bücher:

Rezension: DSC – “The Enterprise War“

Die erste Staffel von „Star Trek Discovery“ behandelte einen Krieg zwischen der Vereinigten Föderation der Planeten und dem Klingonischen Imperium in der Mitte des 23. Jahrhunderts. Ein Konflikt, der eigentlich auch die berühmte U.S.S. Enterprise auf den Plan rufen sollte, doch wie wir in Staffel 2 der Serie erfahren haben, war dieses Raumschiff nicht am Krieg beteiligt. Warum, erzählt uns John Jackson Miller in seinem Roman „The Enterprise War“.

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Als der Krieg mit den Klingonen ausbricht, ist die Enterprise viele Lichtjahre entfernt auf einer Forschungsmission im Pergamum-Nebel. Sobald die Nachricht eintrifft, plant Captain Pike die sofortige Rückkehr zur Föderation, um der Sternenflotte beizustehen, doch Admiral Terral erteilt ihm ausdrücklich den Befehl, auf der „Ersatzbank“ zu bleiben und die einjährige Forschungsmission im Pergamum fortzusetzen. Widerwillig fügt sich Pike und gestattet seinem Wissenschaftsoffizier Spock, eine ausgedehnte Erkundung eines unbewohnten Klasse-M-Planeten im Nebel vorzunehmen. Wochenlang gehen die wissenschaftlichen Landetrupps ungestört ihrer Arbeit nach, als die Enterprise ohne Vorwarnung von unbekannten Raumschiffen angegriffen wird. Es gelingt zwar, die Angreifer zu vertreiben, aber Captain Pike, Commander Una und der Rest der an Bord verbliebenen Offiziere müssen mitansehen, wie an sämtlichen Landestellen der Wissenschaftler nukleare Explosionen alles Leben auslöschen. Dutzende Besatzungsmitglieder tot – einschließlich Spock!

Das ist zumindest das, was Captain Pike denkt. Denn im Gegensatz zum Leser des Romans weiß er in diesem Moment nicht, dass im Peragmum seit Jahrhunderten ein erbarmungsloser Krieg zwischen der nicht-humanoiden Spezies der Rengru und einem Zusammenschluss mehrerer Völker, die sich als die „Boundless“ bezeichnen, wütet. Anders als in der Föderation sind aber viele Mitglieder nicht freiwillig Teil der Boundless. Diese Gruppe hat sich darauf spezialisiert, durch den Nebel reisende Raumschiffe zu entern und deren Besatzungen für den Kampf gegen die Rengru zu rekrutieren. So geschieht es auch mit Spock und den anderen Wissenschaftlern, die unmittelbar vor den Nuklearexplosionen von den Boundless verschleppt wurden. Aber diesmal sind die Boundless nicht nur hinter neuem Kanonenfutter her, sondern planen auch die Aufbringung der Enterprise selbst, ist sie doch das technologisch fortschrittlichste Schiff, das jemals den Nebel durchquert hat. Und ausgerechnet Spock soll für die Boundless einen Plan ersinnen, um die Enterprise aufzubringen und lässt sich dabei auf einen gefährlich Deal ein – zumindest dem Anschein nach …

Fazit: „The Enterprise War“ liest sich nicht unbedingt wie ein typischer Star Trek-Abenteuerroman, sondern eher wie die Geschichte einer ganzen Staffel oder Mini-Serie mit fortlaufender Handlung und aufeinander aufbauenden Episoden mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten. Im Verlauf von einem mehr als einjährigen Zeitraum, den die Geschichte des Romans abdeckt, wird die Enterprise und ihre Crew mit einer Menge Herausforderungen konfrontiert, wie man sie in einer feindseligen Umgebung wie dem Pergamum-Nebel erwarten kann. Erstaunlich ist, dass manche von diesen Herausforderungen so gravierend sind, dass die auf Enterprise und Boundless verteilte Crew auch über erschreckend lange Zeiträume schon beinahe psychische und teils auch physische Höllenqualen erleiden. Bei Spock sind diese sogar so nachhaltig, dass der Autor sie in direkten Zusammenhang mit den Ereignissen der zweiten „Discovery“-Staffel setzt.

Da immer wieder auf den laufenden Krieg mit den Klingonen eingegangen wird und Vorarbeit für den bestimmenden Handlungsstrang der zweiten Staffel geleistet wird, fällt es von Anfang an schwer, die Geschichte vor dem geistigen Auge mit der Ur-Besatzung der Enterprise zu visualisieren. Nicht jeder Leser stellt sich die Ereignisse visuell vor, aber ich selbst mache das eigentlich sehr gerne und auch wenn ich es passagenweise versucht habe, fiel es mir schwer, mir Jeffrey Hunter, Majel Barrett und Leonard Nimoy vorzustellen. Aber das ist auch kein Kriterium, „The Enterprise War“ macht ja bereits auf dem Umschlag klar, dass es ein Tie-in zu „Discovery“ und nicht zu „The Original Series“ darstellt. Mit einer so direkten Anknüpfung – die Vorarbeit zur 2. Staffel von „Discovery“ kann durchaus aus die größte Nebenhandlung des Romans bezeichnet werden – hatte ich nur nicht gerechnet, aber sie gibt zumindest einer sehr ominösen Rückblickszene in der Serie einen guten Kontext, der mir in der Serie selbst gefehlt hat.

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Diese Rückblickszene in der 8. „Discovery“-Folge der 2. Staffel hat einige Fragen aufgeworfen, die der Roman „The Enterprise War“ beantwortet.

Wie zu erwarten war, spielen die etablierten Charaktere auch die wichtigsten Rollen. Neben Pike auch Commander Una (deren Name, der in der „Legacies“-Romantrilogie fixiert wurde, auch in den Kanon übernommen wurde), natürlich Spock und auch Doktor Boyce. Daneben spielt aber auch Wissenschaftsoffizier Connolly eine tragende Rolle und man bekommt ein sehr gutes Charakterbild von einer Figur, von der man in der Serie nicht viel zu sehen bekam. Ein ganz neuer und ebenfalls wichtiger Charakter auf der Seite der Boundless ist der Lurianer Baladon. Er gehört zur Spezies des aus „Deep Space Nine“ bekannten Morn und steuert nicht nur etwas Humor bei, sondern verkörpert auch ein Beispiel dafür, dass die Eingliederung in die Boundless für manche Entführte auch positive Effekte haben kann. Aber so sehr sich Spock und Connolly zwangsläufig an die Gegebenheiten anpassen, gibt es nie eine echte Image-Politur für die Boundless – was auch angesichts der Auflösung der Geschichte am Ende in Ordnung ist. Diese Auflösung fand ich übrigens ziemlich originell und gleichzeitig in bester „Star Trek“-Tradition.

Bewertung: „The Enterprise War“ hat also einen insgesamt sehr positiven Eindruck hinterlassen. Als größten Nachteil empfand ich aber den Spannungsaufbau. Es gibt aufgrund der Unterteilung in mehrere Segmente einige Spannungsspitzen, dazwischen wird die vergehende Zeit aber manchmal etwas langatmig erzählt. Das passiert nicht in besonders extremen Ausmaß, aber die auffallende Kürze der Kapitel (in Summe 74 exkl. Prolog und Epilog) hat es mir doch sehr leicht gemacht, das Buch relativ oft aus der Hand zu legen und eine Pause zu machen. Daher habe ich auch relativ lange für diesen Roman benötigt, was trotz der Spannungsspitzen nicht für ein konstant hohes Spannungsniveau spricht. Ich schwanke, ob ich dem Roman 4 oder 5 Sterne verleihen soll, aber ich denke, im Vergleich zu anderen von mir rezensierten „Star Trek“-Romanen sind starke 4 Sterne angebrachter.

4stars