Die letzte Grenze …

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Richard Herd

1932 – 2020

Schauspieler Richard Herd verstarb am 26. Mai 2020 im Alter von 87 Jahren. Fans von „Star Trek“ war er vor allem aus der Serie „Voyager“ bekannt, in der er Admiral Owen Paris – den Vater von Tom Paris – in vier Folgen verkörperte. Ein paar Jahre zuvor trat er auch in der „The Next Generation“-Doppelfolge „Der Moment der Erkenntnis“ als Klingone L’Kor auf.

Abseits von „Star Trek“ war er mir vor allem in seiner wiederkehrenden Rolle als Admiral Noyce in Steven Spielbergs Science-Fiction-Serie „SeaQuest DSV“ bekannt und ich sah ihn auch in weiteren Gast- und Nebenrollen in einigen weiteren Serien und Filmen.

Vermutlich weniger bekannt ist, dass Richard Herd auch Musiker war und zusammen mit anderen Star Trek-Darstellern und -Produzenten (u.a. Vaughn Armstrong und Casey Bigg) die „Enterprise Blues Band“ gründete, die u.a. auf Conventions auftrat.

Rezension: TNG – “Slings and Arrows – Book 3: The Insolence of Office“

Im dritten Buch der ebook-Miniserie, die die Ereignisse zwischen dem 7. und 8. Kinofilm aufarbeitet, steht diesmal kein Nebencharakter aus „Der Erste Kontakt“ im Mittelpunkt, sondern mit Lwaxana Troi ein wiederkehrender Gast aus „The Next Generation“ und auch „Deep Space Nine“. „The Insolence of Office“ baut hier direkt auf Lwaxans Auftritt in der DS9-Folge „Die Muse“ auf.

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Counselor Deanna Troi erfährt in einem Gespräch mit ihrem einstigen Schiffskameraden Worf, dass sich ihre Mutter kürzlich auf der Raumstation Deep Space 9 aufgehalten hat. Und erst von ihm erfährt sie, dass Lwaxana nicht nur ihrer einem Gefängnis ähnelnden Ehe auf dem Planeten Tavny entkommen ist, sondern auch hochschwanger mit dem Kind ihres tavnianischen Ex-Manns ist. Da Lwaxana dies vor ihrer Tochter verschwiegen hat – und ihren Aufenthalt auf Tavny und ihre Ehe in ihren Briefen auch ganz anders dargestellt hat – macht sich Deanna sowohl als Tochter als auch als ausgebildete Therapeutin Sorgen und reist ihrer Mutter nach Betazed nach, während die Enterprise-E an Sternenbasis 19 Halt macht, wo eine Sicherheitskonferenz stattfindet.

Im Rahmen dieser Konferenz ruft Admiral Hayes – der neue starke Mann, der die Sternenflotte fit für einen möglichen Krieg gegen das Dominion machen soll – Captain Picard und Commander Geordi LaForge zu sich. Der Admiral informiert die beiden, dass LaForges VISOR als Sicherheitsrisiko eingestuft wurde und der Chefingenieur sich umgehend einer Operation unterziehen und sich Augenimplantate einsetzen lassen muss, will er seinen Posten auf der Enterprise behalten.

Fazit: Dass Geordi LaForge im achten Kinofilm seinen VISOR gegen Implantate getauscht hatte, war vermutlich die auffälligste Veränderung, die bei einem Hauptcharakter zwischen zwei Kinofilmen stattgefunden hat. Insofern hatte ich zwar schon erwartet, dass diese Veränderung in der ebook-Miniserie „Slings and Arrows“ thematisiert wird, aber nicht unbedingt, dass dies lediglich in einer Nebenhandlung passiert. Nur ungefähr ein Drittel des relativen kurzen Buches beschäftigt sich mit dieser Veränderung, wobei dieser Umfang auch insofern gerechtfertigt erscheint, da Geordis neue Implantate nicht wegen eines aufsehenerregenden Zwischenfalls eingesetzt werden müssen, sondern eigentlich nur wegen der Paranoia, die sich in Form von Admiral Hayes in die Sternenflotte eingeschlichen hat. Der Admiral hat aber nicht ganz unrecht, denn innerhalb weniger Jahre haben einmal die Romulaner und einmal abtrünnige Klingonen Geordis VISOR für ihre Zwecke missbraucht. Letzteren gelang es dadurch sogar, die Enterprise-D zu vernichten. Dieser Teil des Romans ist daher der Frage gewidmet, ob es moralisch ist, dass ein operativer Eingriff, der Einfluss auf das weitere Leben einer Person nimmt, innerhalb einer militärischen Hierarchie angeordnet werden kann, um andere Personen vor eventuellen zukünftigen Bedrohungen zu schützen.

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Im 8. Star Trek-Kinofilm „Der Erste Kontakt“ sehen wir Geordi LaForge ohne VISOR und stattdessen mit unauffälligeren Implantaten. Einige TNG-Episoden deutete zuvor eine solche Entwicklung bereits an.

Der weitaus größere Teil von „The Insolence of Office“ beschäftigt sich aber mit Lwaxana Troi. Ich konnte ehrlich gesagt ziemlich lange Zeit nichts mit diesem Charakter anfangen. Erst in den vergangenen Jahren begann sie, mir zumindest etwas sympathisch zu werden und die in „Deep Space Nine“ erzählte Geschichte rund um ihre Schwangerschaft hat auch durchaus dazu beigetragen, dass man diesen überzeichneten Charakter zumindest ernster nehmen konnte und Lwaxana trotzdem ein Garant für amüsante Geschichten blieb. Eine solche Mischung aus Humor und Ernst ist auch die Geschichte, die in diesem Roman erzählt wird. Am Beginn macht sich Deanna noch große Sorgen, dass Lwaxana traumatische Erlebnisse auf Tavny verdrängt – ähnlich wie sie es einst mit dem Unfalltod ihrer ersten Tochter Kestra tat (TNG-Folge „Ort der Finsternis“). Aber glücklicherweise wiederholt sich diese Geschichte nicht, obwohl es der Beginn der Geschichte stark impliziert. Schlussendlich ist der Handlungsstrang auf Betazed doch von der eher leichten Sorte, in der es die beiden Troi-Frauen und ihr Diener Mister Homn mit einem starrsinnigen tavnianischen Botschafter aufnehmen müssen, der einfach nicht wahrhaben will, dass ein halb-tavnianisches Baby von einer Frau großgezogen werden soll.

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„The Insolence of Office“ führt die Handlung der DS9-Folge „Die Muse“ fort, in der Lwaxana auf der Flucht vor ihrem tavnianischen Ehemann Hilfe bei Sicherheitschef Odo sucht.

Wie so manche Auftritte Lwaxanas in der Serie erzählt auch dieser Roman turbulente Ereignisse. Vor allem als die Geburt unmittelbar bevorsteht und Mutter und Tochter zumindest ein oft zwischen ihnen stehendes Streitthema beilegen können. Zumindest vorübergehend, denn Lwaxana wäre nicht Lwaxana Troi, Tochter des fünften Hauses, Halterin des geheiligten Kelches von Rixx und Erbin der heiligen Ringe von Betazed, wenn sie nicht auch hier das letzte Wort für sich beanspruchen würde. 😉 Jedenfalls funktioniert die Chemie zwischen den Damen Troi in dieser Geschichte sehr gut und vor allem gefiel mir, dass Deanna die Attitüden ihrer Mutter annimmt, um sich in einer Situation zu behaupten.

Bewertung: „The Insolence of Office“ hat mir sehr gut gefallen. Trotz der Kürze bringt der Roman viel unter: Eine eher ernste Geschichte über das Abwägen von Sicherheit gegen Freiheit und eine humorvolle Geschichte – die aber auch nicht frei von ernsten Tönen ist – über eine nicht ganz gewöhnliche Familie. Die dritte Geschichte der ebook-Miniserie erhält daher von mir 5 von 6 Sterne.

5stars

Rezension: „Polivka hat einen Traum“

Kürzlich las und rezensierte ich den 5. „Lemming“-Krimi von Stefan Slupetzky, in dem auch die Figur des Inspektor Polivka eine große Rolle spielte. Überraschend fand ich dann bei einer Recherche heraus, dass Slupetzky dieser Figur bereits im Jahr 2013 einen eigenen Roman gewidmet hatte.

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Wie der Titel schon vermuten lässt, beginnt der Roman mit einem Traum des Wiener Inspektors der Abteilung für Gewaltverbrechen. Wirklich prophetisch ist der Traum aber nur insofern, als dass es Polivka am folgenden Tag zum Bahnhof verschlägt, wo er ebenso wie in seinem Traum in einem Todesfall in einem Zugsabteil ermitteln muss. Polivkas Vorgesetzter will den Fall möglichst rasch als Unfalltod zu den Akten legen, aber die liebreizende Französin, die vom Tatort/Unfallort flüchtet, lässt Polivka anderes vermuten. Und so lässt er ohne Segen der Obrigkeit seinen Kollegen Hammel im Internet nach ähnlichen „Unfällen“ recherchieren … und stößt dabei auf ein Foto der hübschen Französin, die sich als Witwe eines anderen Opfers eines eben solchen Unfalls – die es in letzter Zeit in Europa verdächtig häufig gab – herausstellt.

Vom Instinkt getrieben packt Polivka kurzerhand den Kollegen und Frankreich-Kenner Hammel ein und fährt nach Paris, um die Frau zur Rede zu stellen – denn Deutsch vermag die diplomierte Dolmetscherin zu sprechen, auch wenn sie in Wien noch gegenteiliges behauptet hatte. Am Ziel angekommen, wird jedoch rasch klar, dass es sich bei der Französin Sophie nicht um eine etwaige Verdächtigte handelt, sondern vielmehr um eine Zeugin, die von einflussreicher Stelle aus mundtot – und auch gänzlich tot – gemacht werden soll …

Fazit: Da der 5. Lemming-Roman zeitlich nach „Polivka hat einen Traum“ angesiedelt ist, waren mir einige Entwicklungen schon bekannt. Vor allem natürlich, dass sich da zwischen dem Inspektor und der geheimnisvollen Sophie eine Romanze anbahnen wird. Aber auch wie der Kollege Hammel eines seiner Augen verliert, hat man nun im – höchst unschönen – Detail erfahren. Also aus meiner Perspektive stellt „Polivka hat einen Traum“ ein Prequel zum 5. Lemming-Roman dar, funktioniert aber auch als solches sehr gut.

Im Gespann mit dem Lemming hat Polivka für viel Humor gesorgt und auch in dem ganz ihm gewidmeten Roman bildet er unterhaltsame Gespanne. Sei es im Streitgespräch mit seinem Vorgesetzten, zusammen mit seinem unterschätzten Kollegen Hammel oder speziell im Duo mit Sophie. Im Gespann mit Sophie ist es allerdings von Beginn an schon mehr ein erotisches Knistern als Humor, das hier für Unterhaltung sorgt. Was bei Sophie allerdings überzogen rüberkommt, ist ihre Abenteuerlust. Positiv zu bewerten ist, dass sie keinesfall eine „Jungfrau in Nöten“ ist, die vom tapferen Helden gerettet werden muss. Im Gegenteil nimmt sie nur zu gerne das Heft in die Hand und lenkt Polivka während seinen Ermittlungen aus dessen Wohlfühlzone heraus. Aber manche Aktion von ihr erinnert dann schon fast an „Mission: Impossible“, wenn sie falsche Identitäten für sich und Polivka erfindet und wechselt wie andere Leute Hemden.

Was es mit den Todesfällen in Europas Zügen auf sich hat, erinnert ebenfalls an so manche Agenten-Aktion. Welche Wurzel allen Übels aber dahinter steckt, ist durch und durch österreichisch. Lesern aus anderen Ländern würde es wohl nicht auffallen, aber Stefan Slupetzky nahm sich hier manchen Politiker und Lobbyisten Österreichs zum Vorbild, als er die Gangster in diesem Roman entwarf. In mancherlei Hinsicht stand eindeutig die Realität Pate, weshalb „Polivka hat einen Traum“ auch ein sehr vordergründiger Kommentar und eine Abrechnung mit einem nur auf maximalen Profit ausgelegten System sind. Man kann mit dem armen Polivka wirklich hervorragend mitleiden, wenn der schmierige Lobbyist ihm im Detail darlegt, wie und auf wessen Kosten dieser sein Vermögen zusammengetragen hat.

Bewertung: „Polivka hat einen Traum“ ist ein stark von realen Korruptionsfällen inspirierter Roman, die speziell einem österreichischen Leser auffallen werden und ist daher vor allem meinen Landsleuten als Lektüre zu empfehlen – sofern das Beschriebene einem nicht den Blutdruck in ungesunde Höhen jagt. Aber der Humor und die Romanze zwischen Polivka und Sophie sowie die eine oder andere sympathisch-schrullige Figur sorgen für Auflockerung und am Ende bekommt der Böse über einen Umweg doch noch den Schaden. Dieser unterhaltsame Roman erhält von mir 5 von 6 Sterne.

5stars

Rezension: KLV – „The unsettling Stars“

Lange hat es gedauert! Eigentlich hätte der Roman „The unsettling Stars“ bereits vor fast genau 10 Jahren – am 10. Mai 2010 – erscheinen sollen. Doch während seither viele, viele Comics, Sachbücher und auch „Academy“-Romane zu Abenteuern in der mit dem 11. Kinofilm gestarteten Kelvin-Zeitlinie des Star Trek-Universums erschienen sind, hat irgendein Umstand verhindert, dass vier bereits fertiggestellte Romane erscheinen konnten. Viel wurde spekuliert, aber heutzutage scheint man mehr darüber zu wissen, was alles nicht der Grund für diese Verzögerung war, die andere Tie-in-Produkte zur Kelvin-Zeitlinie offensichtlich nicht beeinflusst hat. Aber ich freue mich, dass immerhin zwei dieser vier Romane im Jahr 2020 doch noch erscheinen.

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Den Anfang macht „The unsettling Stars“ von Alan Dean Foster. Nach den Ereignissen des 11. Kinofilms wurde die Enterprise mit ihrer jungen Besatzung auf einen ausgedehnten Testflug geschickt, auf dem die Crew nur Routine erwartet. Gänzlich unerwartet schlittert die Enterprise aber mitten in ein Gefecht, das ausgetragen wird zwischen attackierenden Kriegsschiffen der Dre’kalak und einem sich verteidigenden Kolonieschiff der Perenoreaner. Captain Kirk versucht Neutralität zu wahren und per Funk zwischen den beiden Kampfparteien – denen die Föderation zuvor noch nie begegnet war – zu vermitteln. Doch da die beiden Sprachen unbekannt sind, hat der Universalübersetzer die größte Mühe und so ist nur zu erfahren, dass es sich bei den Perenoreanern um Siedler handelt, die versehentlich weit vom Kurs abgekommen sind und dass die Dre’kalak nicht erläutern können, warum sie die harmlos wirkenden Perenoreaner für eine derart große Gefahr halten, dass sie das Kolonieschiff vernichten wollen.

Schlussendlich verlieren die Dre’kalak in ihrer Panik die Nerven und eröffnen auch auf die Enterprise das Feuer. Captain Kirk muss in Selbstverteidigung handeln und schlussendlich werden die Angreifer verjagt und dem Kolonieschiff Hilfe geleistet. An Bord bestätigt sich der erste Eindruck, dass es sich bei den Perenoreanern um eine fortschrittliche, aber friedfertige Spezies handelt – deren Schiff aber nicht mehr fähig ist, das geplante Ziel ihrer Reise zu erreichen.

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Was ein lockerer Testflug hätte werden sollen, entwickelt sich zu einer diplomatischen Krise, wenn die Enterprise dem Notruf eines perenoreanischen Kolonieschiffes folgt.

Da sich der neutrale Planet SiBor in erreichbarer Entfernung befindet und Spock – der sich nach Vulkans Vernichtung als Heimatloser gut in die Lage der Perenoreaner hineinversetzen kann – weiß, dass dessen Bewohner den Willen, aber nicht die ausrechenden technologischen Ressourcen besitzen, ihren Mond DiBor zu erschließen, schlägt Spock vor, eine Allianz zwischen den Siedelern und den SiBoronaanern zu schmieden. Die Siedler hätten eine Welt zum Kolonisieren und die SiBoronaaner würden von der fortschrittlichen Technologie und dem unermesslich scheinenden Erfindungsreichtum der Perenoreanern profitieren. Und tatsächlich gelingt es überraschend schnell, ein Abkommen zu erzielen, was auch den schon übertrieben scheinenden Dankbarkeitsgesten der Perenoreanern zu verdanken ist. Die Enterprise verlässt das Sonnensystem, in dem zum Zeitpunkt ihres Abflugs alles glatt zu laufen scheint.

Aber ein paar Monate später, meldet sich ein aufgebrachter Sternenflotten-Admiral bei Captain Kirk, der ihm eine Beschwerde der SiBoronaaner weiterleitet – und die verdächtig unpräzise wirkt. Genau wie die Vorwürfe, die einst die Dre’kalak gegen die Perenoreaner vorgebracht haben …

Fazit: Autor Alan Dean Foster hat nicht nur eine Menge originäre Science-Fiction-Romane verfasst, sondern ist auch sehr bekannt dafür, Roman-Adaptionen zu Serien und Filmen zu schreiben. Tatsächlich hat er bereits in den 70er-Jahren Adaptionen von Folgen der klassischen Star Trek-Serie und der Star Trek-Zeichentrickserie verfasst und verfasste ebenfalls einen Entwurf der Story des 1. Star Trek-Kinofilms. 2009 und 2013 adaptierte er schließlich die ersten beiden Kinoabenteuer der neuen Enterprise-Crew in der Kelvin-Zeitlinie zu Romanen. Es lag also nahe, Foster mit einem darauf aufbauenden Roman zu beauftragen.

Und tatsächlich trifft Foster die Stimmen der Charaktere sehr präzise. Die stakkatoartigen Dialoge, die man aus den Filmen gewohnt war, sitzen sehr gut und man hat sofort den passenden Charakter vor Augen. Das ist auch in gewisser Weise notwendig, um den Roman klar in der Kelvin-Zeitlinie zu positionieren. Natürlich gibt es zwischendurch hier und da eindeutige Anspielungen auf Ereignisse, die nur in dieser Zeitlinie stattgefunden haben. Die Hauptgeschichte rund um die perenoreanischen Siedler ist aber davon unabhängig und könnte in dieser Form auch im Prime-Universum der klassischen Serie stattgefunden haben.

Aber egal, in welcher Zeitlinie man sie positioniert, ist die Geschichte schon sehr interessant und mal etwas anders, handelt nämlich hier ein „Bösewicht“ – sofern man davon überhaupt sprechen kann – nicht aus sinisteren Absichten heraus, sondern aufgrund übertriebener Dankbarkeit in Kombination mit übersteigertem Einfallsreichtum. Es liegt in der Natur der Perenoreaner, ihre Dienste anbieten zu wollen und sie sehen auch keine Bösartigkeit in anderen, die ihre Hilfe ablehnen wollen – nur irrationales Handeln, weil sie die negativen Aspekte ihrer angebotenen Dankbarkeit nicht verstehen können. Das ist ein interessantes Konzept. Zwar nicht ganz neu – es erinnert etwas an diverse Geschichten über künstliche Intelligenz, die Menschen mit Aktionen schadet, die die Menschheit im Gesamten aber schützen sollen – aber doch interessant, dies als Bestandteil einer sich natürlich entwickelten Kultur zu sehen. Der Roman ist nicht besonders lang, aber Foster räumt der Beleuchtung dieser Kultur genügend Raum ein. Er deutet die negativen Seiten dieser Spezies schon früh an, aber ich muss schon sagen, dass das Ausmaß und die Geschwindigkeit der Eskalation am Ende – wenn man schon fast mit dem Schluss der Geschichte rechnet – mich schon überrascht haben.

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Überraschenderweise wird die Enterprsise und ihre Crew in diesem Roman beinahe Opfer übertriebener „Dankbarkeit“.

Die Geschichte ist also gut, die Dialoge treffend. Trotzdem gibt es bei diesem Roman doch etwas, das mich störte und offenbar typisch für Alan Dean Foster ist. Vorweg gesagt: Ich lese selten Roman-Adaptionen von Kinofilmen. (Interessanter finde ich Romanvorlagen, die dann verfilmt werden.) Und so habe ich die beiden Romane, die Foster zum 11. und 12. Kinofilm geschrieben hat, nur im Buchhandel durchgeblättert um zu sehen, wie er einige Szenen umgesetzt hat. Dabei fiel mir bereits auf, dass er den Hang hat, für die Handlung Unnötiges zu ergänzen und den Erzählfluss von dynamisch erzählten Szenen zu unterbrechen. Das passiert auch in „The unsettling Stars“ an manchen Stellen. Öfters habe ich mir gedacht, dass sich Foster seitenlang damit aufhält, dem Leser offensichtliche Konzepte zu erklären. Es geht dabei gar nicht so sehr um Star Trek-spezifisches, das man einem Leser erklären müsste, der damit nicht vertraut wäre. Mehr geht es um einfache Handlungen; Prinzipien wie „Eine Hand wäscht die andere“ oder ähnlich Banales. An einigen Stellen steht meiner Meinung nach wirklich nach einem Absatz außer Zweifel, warum die Personen so handeln, aber Foster erläutert trotzdem noch bis zu drei Seiten lang ein an sich simples Prinzip.

Zumindest beim Finale der Geschichte verzichtet Foster aber zum Glück darauf, weshalb der Lesefluss in dieser spannenden Passage erhalten bleibt. Und er bedient sich sogar eines Mittels, das man heutzutage eher selten in Romanen findet: der nachträglichen Erklärung, warum die Geschehnisse am Ende so verlaufen sind, wie sie sind. Das ist mir schon länger nicht mehr untergekommen und eigentlich etwas, das ich unter der Rubrik „Altmodisches“ ablegen würde. Weil ich damit aber nicht gerechnet hatte, hatte es den gewünschten überraschenden Effekt.

Bewertung: „The unsettling Stars“ erzählt wirklich ein sehr solides Abenteuer der Enterprise-Crew, das über weite Strecken sehr unterhaltsam geschrieben ist. Nur die vermutliche Eigenart des Autors sorgt dafür, dass sich manche Szenen etwas ziehen. Daher gebe ich „nur“ gute 4 von 6 Sterne.

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Anmerkung: Wie erwähnt waren nach dem Erfolg des 11. Kinofilms vier Romane geplant, die die Geschichte hätten fortsetzen sollen. Alan Dean Fosters Roman hätte damals noch den Titel „Refugees“ tragen sollen. David Macks Roman „More beautiful than Death“ soll endlich im August 2020 erscheinen. Die anderen beiden Romane dürften hingegen nicht herausgebracht werden. Laut Aussagen der Autoren hat Christopher L. Bennett seinen Kelvin-Roman „Seek a newer World“ zum TOS-Roman „The Face of the Unknown“ adaptiert und Greg Cox seinen einst geplanten Roman „The Hazards of Concealing“ zum TOS/VOY-Crossover „No Time like the Past“ umgeschrieben. (Wobei ich zumindest bei Cox‘ Roman die Vermutung habe, dass sich dessen geplanter Kelvin-Roman doch deutlich vom Endprodukt unterscheiden dürfte. Immerhin übernahm ausgerechnet Seven of Nine hier die Rolle, die eigentlich dem alten Botschafter Spock zugedacht war.)

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Frühe Cover-Entwürfe für die vier Romane, die 2010 hätten erscheinen sollen.

Rezension: TOS – “The higher Frontier“

Dieser Star Trek-Roman von Christopher L. Bennett ist währen der klassischen Filmära angesiedelt und beschreibt sowohl die Übergangszeit zwischen der zweiten 5-Jahres-Mission der Enterprise (nach „Star Trek: Der Film“) und James T. Kirks zweiter Admiralskarriere (vor „Star Trek II: Der Zorn des Khan“). Andererseits verknüpft Bennetts Geschichte die Ereignisse mehrerer Episoden, die das Thema „Telepathie“ behandeln.

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Telepathie – besonders bei Menschen – ist ein wiederkehrendes Thema in der Star Trek-Originalserie. In den meisten Folgen entstand sie durch ungewöhnliche Ereignisse, aber zumindest der Auftritt von Dr. Miranda Jones in der TOS-Episode „Die fremde Materie“ zeigt, dass sehr ausgeprägte telepathische Fähigkeiten bei einigen Menschen auch natürlich vorkommen. Ein Konzept, das gerade in die Ära rund um die Ereignisse des 1. Kinofilms sehr gut passt, die sich Star Trek-Schöpfer Gene Roddenberry als regelrecht „erleuchtete“ Ära der Menschheit vorstellte. Und erwähnte Dr. Jones – die für die Föderation als eine Art telepathisches Sprachrohr bei den nicht-körperlichen Medusen fungiert – kehrt in „The higher Frontier“ auf die Enterprise zurück, nachdem das Schiff unter Captain Kirks Kommando nach Andoria geschickt wird, um einen brutalen Angriff auf die Kommune der Aenar zu untersuchen. Ein Angriff, der diese telepathische andorianische Minderheit beinahe ausgerottet hätte.

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Die Aenar treten in der nach ihnen benannten Enterprise-Folge erstmals auf und verfügen im Gegensatz zu den meisten Andorianern über telepathische Fähigkeiten.

Die Angreifer – die von den überlebenden Aenar nach einer alten Legende als „Naazh“ (Phantome) bezeichnet werden – hüllen sich in nahezu undurchdringliche Rüstungen und können jede erdenkliche Waffe materialisieren. Selbst die Schilde der Enterprise bieten den verbleibenden Aenar keinen Schutz: Die Naazh materialisieren sich auf dem Freizeitdeck der Enterprise, liefern sich dort einen Kampf gegen das Sicherheitspersonal, der dramatisch endet, als es zu einem Hüllenbruch kommt, dem alle verbleibenden Aenar zum Opfer fallen.

Mit dem Aussterben der Aenar haben die Naazh ihr fürchterliches Werk aber noch nicht beendet: Monate später – die Enterprise ist inzwischen Captain Spocks Schiff und Admiral Kirk ist Kommandant der Sternenflotten-Akademie – tauchen die mysteriösen Angreifer auf einer Mittelmeerinsel der Erde und in anderen Siedlungen telepathisch begabter Menschen auf und schicken sich nun an, auch jeden einzelnen menschlichen Telepathen auszulöschen …

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Dr. Miranda Jones (dargestellt von Diane Muldaur, die später in „The Next Generation“ Dr. Pulaski spielte) war in der TOS-Folge „Die fremde Materie“ eine menschliche Telepathin, die ihre Begabung dazu nützte, um in Kontakt mit dem Medusen-Botschafter Kollos zu treten.

Fazit: Christopher L. Bennett führt in seinen Romanen gerne Ereignisse von Star Trek-Episoden zusammen und da er ja auch derzeit federführend bei der Fortsetzung von „Enterprise“ in Romanform ist, verwundert es nicht, dass er hier die telepathischen Aenar, denen wir in der 4. Staffel der Serie „Enterprise“ erstmals begegneten, in eine Geschichte einbindet, die der Entwicklung der in den Serien und Filmen angedeuteten menschlichen Telepathie auf den Grund geht. Ohne zuviel zu verraten ist auch interessant, wie Bennett hier das Schicksal von Captain Kirks Freund Gary Mitchell (siehe TOS „Spitze des Eisbergs“) neu interpretiert.

Das ist insofern deshalb interessant, da Bennett hier eine neue Variante der Hintergründe kreiert, die zu Gary Mitchells Veränderung in „Spitze des Eisbergs“ führten. Ich selbst bin mir noch immer nicht ganz sicher, was ich davon halten soll. Wie zumeist bei Bennett hat seine Darstellung wirklich Hand und Fuß; seine Herangehensweise und die Art, wie er die Geschichte weiterentwickelt, ist wirklich sehr kreativ und zugleich stimmig. Und die Enthüllung stellt eine große Offenbarung in der Geschichte dar – die aber auch durchaus nötig war. Denn wirklich sehr lange Zeit konzentriert sich Bennett darauf, die Angriffe der Naazh zu beschreiben und wie diese mal mehr und mal weniger erfolgreich abgewehrt werden können. Die Enthüllung, wer die Naazh tatsächlich sind und was sie ganz speziell gegen menschliche und andorianische Telepathen haben, kommt erst zu einem Zeitpunkt, an dem die Geschichte schon etwas ermüdend geworden ist. Und auch nach der Enthüllung ändert sich am Fokus, der auf der akuten Naazh-Bekämpfung an mehreren Fronten liegt, nicht allzu viel, außer dass man nun als Leser die Hintergründe kennt. „The higher Frontier“ bleibt bis zum Ende ein sehr action-lastiger und matialischer Roman. Gerade die Beschreibung von Action-Szenen ist aber nur bedingt eine Stärke von Christopher L. Bennett.

Das Einstreuen vieler kleiner Anspielungen auf die Serien ist im Gegensatz dazu aber absolut eine Stärke von ihm und so findet nicht nur „Discovery“ Beachtung, sondern auch die Zeichentrickserie. Konkret durch den Auftritt von Commander Thelin, der in einer alternativen Realität Erster Offizier der Enterprise war (siehe TAS „Das Zeitportal“).

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Der Andorianer Thelin war in der Zeichentrick-Folge „Das Zeitportal“ in einer alternativen Realität Captain Kirks Erster Offizier. In „The higher Frontier“ lernen wir Thelins Gegenstück aus dem Prime-Universum kennen. Und auch ein geflügelter Aurelianer taucht im Roman auf.

Die Charakterisierung der Enterprise-Stammbesetzung kann man wiederum nur als „ausreichend“ bezeichnen. Ja, sie sind gut getroffen … wenn sie überhaupt mal einen etwas größeren Auftritt haben. Aber durch das Ende der 5-Jahres-Mission und die Verteilung der Crew auf neue Posten und die Vorstellung ihrer neuen Kameraden dort, verteilt sich das Rampenlicht in „The higher Frontier“ auf ziemlich viele Charaktere. Lediglich James T. Kirk ist von den Hauptfiguren dauerhaft präsent, wobei ihn hauptsächlich die Frage beschäftigt, unter welchen Bedingungen er seine Sternenflottenkarriere fortführen kann. Selbst der telepathisch veranlagte Spock ist im Vergleich eher eine Randfigur in diesem Roman, aber treibende Kraft der Ereignisse – selbst im Finale – sind eigentlich nur die Naazh, über deren Motive man aber zu lange rätselt.

Bewertung: Die Geschichte ist solide erzählt, aber ihr Fokus auf aufeinanderfolgende Kampfhandlungen ermüdet mit der Zeit und der Punkt, an dem ich mir mehr Information über die Naazh wünschte, war schon recht weit überschritten, als der Roman Klarheit in die Angelegenheit brachte – die allerdings nicht wirklich viel am weiteren Tenor des Romans geändert hat. Das Telepathie-Thema hat in diesem Roman immerhin einen sehr interessanten Ansatz und mir gefiel, wie verschiedene Anwendungen dieser Fähigkeit, die man in der klassischen Serie sah, in die Geschichte eingeflossen sind. Das ist typisch für Christopher L. Bennett, aber seinen vorangegangenen Filmära-Roman „Ex Machina“ fand ich wesentlich unterhaltsamer. „The higher Frontier“ kann ich nur 3 von 6 Sternen verleihen.

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Rezension: „Die Rückkehr des Lemming“

Im fünften Roman der humorvollen Krimireihe schickt Autor Stefan Slupetzky den ehemaligen Polizisten Leopold Wallisch (genannt „Lemming“, weil er laut eigener Aussage ein schlechter Polizist war, da er zu wenig auf sich Acht gab und zu anderen netter war als zu sich selbst), in ein neues Abenteuer. Zwar ist der Lemming ganz zufrieden mit seinem Dasein als Familienvater und als Nachtwächter im Zoo, aber als Theo – der Neffe seiner Ehefrau – vor der Tür steht und um Hilfe bittet, bleibt dem Lemming nichts anderes übrig, als privat in einem Entführungsfall zu ermitteln.

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Und das ist passiert: Theo ist Straßenbahner in Wien und schon seit einiger Zeit schwärmt er heimlich für eine Frau, die täglich bei ihm einsteigt. Eines Tages – noch bevor Theo an der gewissen Haltestelle stoppen kann, beobachtet er entsetzt, wie sich ein Taxi vordrängelt, ein Mann aussteigt und die von Theo Angebetete auf die Rückbank zerrt. Die Polizei ermittelt zwar, aber da Theo weiß, dass auch der Ehemann seiner Tante Ermittlungserfahrung hat, muss der Zoo eine Weile auf einen seiner Wärter verzichten. Und doch lässt das Tierreich den Lemming nicht los, denn der vorerst einzige Hinweis auf die Entführte ist die Kopie einer über 300 Jahre alten Seite eines Magazins über besondere Vogelarten. Und es kann natürlich kein Zufall sein, dass der Lemming und Theo im Haus, vor dem das Taxi vor der Entführung gehalten hatte, die Leiche eines Autors finden, der für ein bekanntes Reisemagazin schreibt … und für den Theos Angebetete die dazugehörenden Fotos gemacht hat. Wurde sie womöglich wegen dem, was sie während ihrer Reise in die Südsteiermark vor die Linse bekommen hat, entführt?

Fazit: Einmal mehr dominiert ein durchgängiges Thema den prägenden Wortwitz dieses Romans. Diesmal ist es die Vogelkunde und entsprechend schleichen sich viele Vertreter dieser Gattung in die Sprache dieses Romans ein. Für durchgängigen Humor sorgt aber vor allem das Ermittlergespann, bestehend aus dem Lemming und Chefinspektor Polivka, dem der Lemming durch die Meldung des Leichenfunds die Reise zu dessen Geliebten nach Frankreich verdirbt. Aber wenigstens weiß Polivka die Erfahrung des Lemming zu schätzen, wodurch ein unterhaltsames und sehr gegensätzliches Duo mit einem grantigen Polizisten und einem grantigen Ex-Polizisten entsteht. (Es sind zwei Wiener, die in einem Krimi ermitteln; also viel mehr Gegensatz ist da literarisch-realistisch kaum möglich. 😉 )

Die laufende Handlung in der Gegenwart wird immer wieder einmal durch die Erzählungen über das Leben eines jungen Mannes unterbrochen, der im 17. Jahrhundert auf Anweisung von  Kaiser Ferdinand von der Südsteiermark in die weite Welt aufbricht – und sich schließlich in den Kopf setzt, dem Monarchen von der Insel Mauritius ein Paar besonder außergewöhnlicher Tiere mitzubringen.

Die beiden parallelen Erzählungen ergänzen sich inhaltlich sehr gut, jene aus dem 17. Jahrhundert wirkt stilistisch aber mehr wie einem historischer und biographischer Reisebericht und hat zumindest mich nicht besonders gut unterhalten. Diese Zwischenkapitel trüben die Lesefreude etwas, aber ich kann mir auch gut vorstellen, dass Freunde historischer Romane gerade an diesen Stellen mehr Freude haben werden. Mir persönlich war der stilistische Kontrast zur Gegenwartshandlung etwas zu stark – aber ich erkenne die Relevanz.

Womit der Roman hingegen wieder bei mir punkten kann, sind die Passagen gegen Ende, wenn sich die Handlung zum Showdown hin in den Süden Österreichs, nicht unweit meiner Heimat verlagert – und mit einer schönen Gedankenspielerei endet.

Fazit: Wie immer war auch der fünfte Lemming-Roman ein Vergnügen, aber eben wegen erwähnter Zwischenpassagen zumindest für mich kein so durchgängig gelungenes wie die vorangegangenen vier Geschichten (auch wenn meine Erinnerung an drei von denen nicht mehr die frischeste ist). Dennoch sind 4 von 6 Sterne immer noch in Ordnung und die Vorfreude, bald den sechsten Lemming-Roman zu lesen, absolut vorhanden.

4stars

Die letzte Grenze …

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Albert Uderzo

1927 – 2020

Gestern, am 24. März 2020, verstarb nach René Goscinny auch der zweite Erschaffer der legendären Asterix-Comics.

Albert Uderzo zeichnete die ersten 34 Bände der Asterix-Abenteuer und  übernahm ab Band 25 – nach dem Tod von Autor René Goscinny im Jahr 1977 – auch das Texten. Mit Band 35 legte er die beliebte Comic-Reihe im Jahr 2013 schließlich in die Hände von Jean-Yves Ferri und Didier Conrad; die Titelseiten der Comics trugen aber weiterhin groß die Namen der beiden Erschaffer der Reihe – was mit großer Sicherheit auch für immer so bleiben wird.