Bewegte Bilder

Am 5. April – dem „First Contact Day“ in Anspielung auf das Datum, laut dem im achten Star Trek-Kinofilm „Der Erste Kontakt“ die Menschheit erstmals mit Außerirdischen in Verbindung trat – gab es einige neue Teaser- und Trailer-Veröffentlichungen zu den kommenden Serienstaffeln. Außerdem gab es einen ersten Blick auf einen der Hauptcharaktere der neuen animierten Serie „Prodigy“. 

Den Auftakt macht hier der Trailer zur 2. Staffel von „Lower Decks„, die bereits ein festes Startdatum hat: In den USA wird die erste Folge am 12. August 2021 auf Paramount+ (ehemals CBS All Access) erscheinen. Es bleibt zu hoffen, dass diesmal – anders als bei Staffel 1 – Amazon Prime Video international rasch folgt. Eine dritte Staffel ist inzwischen übrigens auch schon bestätigt. 

Ebenfalls einen ersten echten Trailer gibt es zur 4. Staffel von „Discovery„. Der Start dieser Staffel wird gegen Ende 2021erwartet. 

Einen Teaser-Trailer, der noch kein eigentliches Material aus der Staffel beinhaltet, gibt es nun zur 2. „Picard„-Staffel, deren Start Anfang 2022 erwartet wird. Aber zumindest einige mögliche Themen werden schon angedeutet und die Rückkehr eines „Gasts“, der bereits die Enterprise-D, Deep Space 9 und die Voyager besucht hat: 

Es gibt zwar keine bewegten Bilder von ihr, aber im Rahmen des „First Contact Day“ wurde das Charakterdesign einer weiteren Hauptfigur der animierten Serie „Prodigy“ präsentiert: Captain Kathryn Janeway kehrt in dieser Serie als Hologramm zurück, das einer bunt zusammengewürfelten Crew dabei hilft, ein gestrandetes Sternenflottenschiff wieder in Gang zu setzten. Die Serie soll im Jahr 2383 (ca. 5 Jahre nach der Rückkehr der USS Voyager zur Erde) und im Delta-Quadranten angesiedelt sein. 

Ein Erscheinungsdatum der 1. „Prodigy“-Staffel gibt es noch nicht. Den hat aber – endlich – der nächste Star Trek-Kinofilm bekommen. Dieser soll am 9. Juni 2023 in die (amerikanischen) Kinos kommen. Die Details sind noch geheim, abgesehen davon, dass wie schon bei den letzten drei Filmen wieder Paramount Pictures mit J.J. Abrams‘ Bad Robot Productions zusammenarbeiten wird. Nach langer Wartezeit und seit 2016 schon mehreren Konzepten gibt es nun endlich wieder eine Perspektive auf „bewegte Bilder“ auch auf der großen Kinoleinwand. 

Star Trek – The Artistry of Dan Curry

„VFX, Weapons and Wonders from TNG to Enterprise“ lautet der Untertitel zu diesem Sachbuch – in dem es ähnlich wie im Buch „The Art of John Eaves“ um das Schaffen einer einzelnen Person für das „Star Trek“-Franchise geht – und der bereits die Vielfältigkeit von Dan Curry unterstreicht. Anders als John Eaves, dessen Tätigkeit neben dem anfänglichen Bau von Modellen schließlich voll fokussiert auf die Illustration war, war Dan Curry im Lauf der Zeit in wesentlich mehr Bereichen tätig. Einige davon waren wesentlich technischer und weniger kreativ geprägt, was die Kapitel dieses Buches unterschiedlich interessant macht. 

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Dieses Hardcover-Buch mit Schutzumschlag misst 31 x 26 cm und hat über 200 Seiten. Trotz Dan Currys Vielfältigkeit ist in ihm also jede Menge Platz, um sein Mitwirken an „Star Trek“ sehr ausführlich zu beschreiben und in vielen Bilder festzuhalten. Das Buch widmet sich am Beginn eher den trockenen technischen Abläufen bei der Erstellung von Effekt-Szenen in den frühen Jahren von „The Next Generation“ bis „Voyager“. Es gibt sehr ausführliche Beschreibung von „Motion Control“-Technik, dem Filmschnitt und dem Zusammenführen mehrere Effektelemente auf Film – von Explosionen über Transportereffekte bis hin zum Umgang mit den nicht immer einfach zu handhabenden Raumschiffmodellen. Ein sehr großes Kapitel ist auch der TNG-Episode „Der Moment der Erkenntnis, Teil 2“ gewidmet, bei der Curry erstmals die Hauptregie übernahm. Allerdings ist das nicht gerade eine meiner Lieblingsfolgen, insofern war dieses Kapitel für mich doch ziemlich zähl zu lesen. Für Curry selbst war das aber natürlich eine große Sache, zumal es sich um eine Klingonen-zentrierte Folge handelte.

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Unter anderem als Erfinder des Bat’leths – des klingonischen Schwertes – hat Curry viel dazu beigetragen, die klingonische Kultur visuell zu definieren und auch sein Interesse an Kampfkunst und Waffendesign kam ihm bei „Star Trek“ immer wieder zugute. Wie er sich diese Kenntnisse angeeignet hat, wird immer wieder mal im Buch thematisiert, denn Curry ist ein echter Weltenbummler und war in jungen Jahren viel in Asien unterwegs und kann durchaus viele, viele Geschichten darüber erzählen. Aber ob ein „Star Trek“-Sachbuch tatsächlich so geeignet ist, derart stark biographisch zu werden? Bei allen Respekt vor Dan Curry und dem, was er für „Star Trek“ erschaffen hat, tut er diesem Buch (dessen Autor er zusammen mit Ben Robinson war und das aus seiner Erzählperspektive verfasst ist) nicht wirklich viel Gutes, wenn er manchmal derart weit abschweift und von seiner Zeit im Friedenscorps erzählt. Daraus mag dann zwar sein Interesse für traditionelle Waffen resultiert sein, das er beim Waffendesign der Klingonen, der Jem’Hadar und vielen weiteren Spezies im „Star Trek“-Universum einbrachte. Aber manchmal wirkt das einfach angeberisch. Wenn auch wahrscheinlich nicht absichtlich und ich vermute, Curry hat das erkannt, weshalb er auch bei den Kapiteln zu seiner Arbeit an „Star Trek“ keine Gelegenheit auslässt, immer wieder darauf hinzuweisen, ohne welche tüchtigen Mitarbeiter all das nicht funktioniert hätte. Die erwähnten Personen freuen sich sicher darüber, im Buch genannt zu werden. Aber ganz ehrlich: Es ist völlig klar, dass niemand ganz allein komplexe Effekte umsetzen kann und so kommt sein Lob wie Überkompensation dafür rüber, dass er auch so viel über sein Privatleben in sein Buch einfließen lässt. Weniger davon und zugleich die Verschiebung der Würdigung seiner Mitarbeiter ins Nachwort hätten das Buch wesentlich fokussierter und angenehmer lesbar gemacht.

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Und bevor wir endgültig zum Positiven kommen, noch eine letzte negative Sache, die mir auffiel: Wie es bei vielen Sachbüchern heutzutage üblich ist, wird der laufende Text hin und wieder von Rubriken-Kästchen unterbrochen. In diesem Buch beinhalten sie entweder Interviews mit Produzenten und Schauspielern, die mit Curry zusammengearbeitet haben, oder eine bestimmte Arbeit wird etwas detaillierter beschrieben. Das Problem bei der Sache ist, dass manche dieser Rubriken einige Seiten lang sind oder mehrere aufeinander folgen. Das resultiert darin, dass es immer wieder mal vorkommt, dass eine Seite damit endet, dass ein Satz mittendrin unterbrochen wird, worauf mehrere Seiten mit Rubriken-Kästchen folgen, ehe dann der Fließtext mit dem Rest des unterbrochenen Satzes weitergeht. Das hätte man besser lösen können.

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Aber ansonsten ist das Layout sehr schön und die wirklich vielen, vielen Fotos und Zeichnungen sind sehr übersichtlich angeordnet und passend Beschriftet. Was man sieht, passt zum Text auf der Seite. Und in der zweiten Hälfte des Buches – wenn ein Großteil des biographischen Aspektes bereits abgehandelt ist – rücken auch mehr und mehr kreative Aspekte in den Fokus. Beginnend mit dem Kapitel über die Hintergrundgemälde rücken dann auch die späteren Staffeln von „Deep Space Nine“ und die Serien „Voyager“ und „Enterprise“ in den Vordergrund und damit die häufigere Arbeit mit computergenerierten Grafiken, die Curry mehr Freiheit gab. Das merkt man vor allem in jenem Kapitel, in dem es um die Erschaffung von Kreaturen geht. aber auch bei den „üblichen“ Weltraumeffekten. War die Arbeit mit physischen Modellen in den frühen Kapitel des Buches stark von Technik und deren Grenzen geprägt, war mittels CG-Technik so ziemlich alles umsetzbar, was man sich vorstellen konnte. 

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Bewertung: Ich bin ja großer Fan von Design-Sachbüchern zum Thema „Star Trek“ und habe schon viele von ihnen rezensiert. Da das Design-Thema nicht in alle von Dan Currys Aufgabenbereichen vordergründig war, hatte ich mich schon darauf eingestellt, dass dieses Buch auch sehr viele technische Aspekte beinhalten würde, aber ich war dennoch etwas überrascht, wie spezifisch er hin und wieder wurde. Und dass das Buch dann gleichzeitig auch sehr umfangreiche biografische Inhalte hatte, überraschte mich umso mehr. Insofern empfand ich leider einen großen Teil der 200 Seiten ziemlich mühsam zu lesen und es dauerte auch ziemlich lange, bis ich mich durch dieses Buch durchgearbeitet hatte. Zum Glück entschädigte die zweite Hälfte des Buches für die nach meinem Geschmack eher trockenen Themen der ersten Hälfte (auch wenn bereits dort interessante Kapitel wie die Raumschiff-Galerie eingestreut sind). Aber am Ende bleibt der Eindruck eines recht unausgewogenen Sachbuchs. Das bereits von mir erwähnte Buch über John Eaves empfand ich als wesentlich gelungener. Daher erhält „The Artistry of Dan Curry“ leider nur 3 von 6 Sternen.   

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Rezension: DS9 – „The Tempest“

„The Tempest“ ist ein weiterer „Deep Space Nine“-Roman, der bereits in den 90er-Jahren erschien, aber keine deutsche Veröffentlichung mehr durch den Heyne-Verlag erfuhr. Susan Wrights Roman ist zu Beginn der 4. Staffel der Serie angesiedelt. Das Klingonische Imperium hat mit der Föderation gebrochen und Commander Worf ist erst kürzlich zum neuen Offizier für strategische Operationen auf der Raumstation Deep Space 9 geworden.

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Von den nahenden stürmischen Zeiten kündigt das Eintreffen des schwer beschädigten Sternenflottenschiffes Ceres bei Deep Space 9. Bei der Untersuchung eines gewaltigen heranziehenden Plasmasturms wurde das Schiff aus dem Sturm heraus von nicht identifizierten Angreifern attackiert. Der Verdacht fällt zuerst auf einen Frachter der Sattar – einem Untertanenvolk des klingonischen Imperiums – der kurz vor der Ceres bei der Raumstation eingetroffen ist. Es ist zwar von Anfang an zweifelhaft, ob der Frachter selbst aus einem Hinterhalt heraus ein Schiff der Sternenflotte derart stark beschädigen hätte können – vor allem da sie generell nicht gerade begeistert von den Klingonen sind und lieber ihre eigenen „Deals“ machen würden, anstatt an der kurzen Leine des Imperiums geführt zu werden – aber Commander Worf verhängt dennoch ein Startverbot für den Frachter, weshalb dieser für die Dauer der Sturmwarnung an der Station angedockt bleiben muss und den Sattar dadurch ein Transportauftrag flöten geht. Das sorgt für noch mehr böses Blut zwischen den Sattar und Worf.

Als der Sturm näher rückt, entdeckten die Sensoren der Station an dessen Rand schließlich eine klingonische Yacht. Es handelt sich zwar um ein privates Schiff, das aber mehr als fähig gewesen wäre, die Ceres anzugreifen. Mittels Traktorstrahl und Verweis auf die Sturmwarnung zwingt Captain Sisko die Klingonen zum Andocken, doch eine Inspektion ihres Schiffes verweigern die Klingonen natürlich.

In der Zwischenzeit brechen Commander Dax und Keiko O’Brien – die die Vermutung hegt, beim Plasmasturm könnte es sich um eine Lebensform handeln – mit einem Runabout auf, um den Sturm zu studieren. Sie finden heraus, dass dieser noch sehr viel gefährlicher für Deep Space 9, das bajoranische Wurmloch und für das gesamte bajoranische Sonnensystem ist, als man zuerst dachte. Doch Dax und Keiko können diese essentielle Information nicht zur Station zurückbringen, denn von einer Strömung erfasst wird ihr Runabout tief ins Zentrum des Sturms gesogen, aus dem es ohne navigatorische Daten kein Entrinnen zu geben scheint. Um eine Positionsbestimmung vorzunehmen, müssen die beiden ihr Runabout immer wieder durch die Strömungen des Sturm steuern – eine Prozedur, die sich auf Dax‘ Trill-Physiologie negativ auswirkt und irgendwann tödlich enden wird … 

Fazit: Der Roman beginnt noch interessant mit dem Eintreffen der beschädigten U.S.S. Ceres und dem Rätsel, wer für den Angriff auf das Sternenflottenschiff verantwortlich war. In Kombination mit dem schwellenden Konflikt mit den Klingonen und Worfs Rolle dabei hätte daraus eine spannende Story werden können. 

Aber obwohl hier bereits am Anfang eine wirklich gute Ausgangslage für einen Roman geschaffen wurde, tritt diese in den Hintergrund sobald sich der Sturm der Station nähert. Ab hier nimmt der Roman die standardisierte Formel einer Katastrophenstory an. Das Rätsel um die Ceres ist nur einer von rund einem halben Dutzend Schauplätzen, die unterschiedliche Aspekte mit dem Umgang der Katastrophe zeigen. Die Geschichte zerfleddert in parallel ablaufende Episoden, die abgesehen vom Sturm nur sehr wenige Berührungspunkte haben. Erzwungen wirkt hierbei auch die Einbindung von Keiko O’Brien. Ihr Interesse an den Sensordaten über den Sturm ist von Anfang an ungewöhnlich, weil es so überhaupt nicht zu ihrem Fachgebiet passt. Aber siehe da: Ausgerechnet sie entdeckt völlig unerwartet organische Muster in der Plasmawolke womit ihr Fachgebiet Botanik wieder essentiell für die weitere Erkundung des Sturms wird. Keikos und Dax‘ folgende Reise durch den Sturm ist dann zwar sehr wichtig für den weiteren Verlauf der Handlung, aber es beschleicht mich das Gefühl, dass Keiko nur an Bord des Runabouts geschickt wird, damit der überarbeitete Chief Miles O’Brien Sicherheitschef Odo zum Babysitter für seine Tochter Molly machen kann. Auch ein recht typisches Szenario für Katastrophenstorys. (Man erinnere sich an die treffend betitelte „The Next Generation“-Folge „Katastrophe auf der Enterprise“, in der Captain Picard zum widerwilligen Aufpasser für drei Kinder wurde.)

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Alle drei Mitglieder der O’Brien-Familie haben in „The Tempest“ größere Rollen.

Wenig überraschend wird am Ende des Romans der größte Schaden durch den Sturm abgewandt – allerdings begleitet von einem Schwall an physikalischen, biologischen und technischen Fachbegriffen, die so selbstverständlich eingeworfen werden, als müsste das alles für den Leser Sinn ergeben. Es gibt keine Erklärungen oder Gleichnisse für den weniger wissenschaftlich bewanderten Leser (oder den Leser, dem die englischen Bezeichnungen fremd wären), noch lässt sich sagen, ob Susan Wright hier wirklich realwissenschaftlich recherchiert hat, oder einfach nur Begriffe zusammengewürfelt hat, die im Endeffekt allerdings keine Ähnlichkeit mit dem durchaus vertrauten „Technobabble“ aus den „Star Trek“-Serien haben. Es ist nicht so, dass all die Begriffe in „Star Trek“ immer Sinn machen, aber es gibt doch ein gewisses Vokabular, aus dem die Autoren immer wieder schöpfen können. Aber was Dax, Keiko und Miles in diesem Roman sagen, klingt einfach anders. Möglicherweise ist Wrights Fachvokabular und seine Anwendung ja korrekt, aber dass ihre Figuren dem Leser keine verständlichen Erklärungen nachliefern, worauf ihre Erkenntnisse hinauslaufen, ließ mich persönlich nur noch teilnahmsloser Passagier sein. Man kann aus dem Buch locker 20 Seiten rausreißen und am Ende einfach hinschreiben: „Es hat funktioniert.“ Wie es funktioniert hat, verraten einem auch diese 20 Seiten nicht, durch die man sich unnötigerweise durchquält. 

Bewertung: Der Roman ist eine ziemliche Enttäuschung und – wie viele Katastrophenfilme – in zu viele Handlungsstränge zerstückelt, von denen keine allein ausreichend Beachtung findet. Vor allem was es mit dem Angriff auf die Ceres auf sich hatte, wird nie so richtig aufgelöst – tatsächlich durch eine sehr untypische Handlung der klingonischen Yacht-Crew verschleiert und ich persönlich finde die Vermutung, die Worf am Ende des Romans hinsichtlich der Verantwortung der Klingonen anstellt, etwas zu einfach. 

Hier ist der Aufhänger einer interessanten Story also regelrecht verschwendet worden. Am Ende des Roman habe ich den Eindruck, dass von all den Handlungssträngen jener über Molly O’Brien und ihr holografisches Pony am meisten Raum eingeräumt bekam. Weil aber zwischendurch ein paar ganz brauchbare Passagen dabei waren, in denen die Charaktere aus der Serie mit ihren Eigenheiten ganz gut beschrieben und eingesetzt waren, bleibt „The Tempest“ die Minimalwertung erspart. Ich gebe daher 2 von 6 Sterne

2stars

Rezension: TNG – “Slings and Arrows – Book 5: A weary Life“

Wie schon die 4. Geschichte der „Slings and Arrows“-ebook-Miniserie weicht auch das 5. Buch vom Schema der ersten drei Storys ab, indem wieder kein Nebencharakter, sondern ein Hauptcharakter der „Next Generation“ im Mittelpunkt steht. Diesmal ist es Commander William T. Riker, der von Captain Picard auf eine Mission geschickt wird, nicht näher spezifiziertes Frachtgut abzufangen, das zwischen zwei Maquis-Schiffen ausgetauscht werden soll. Riker wird jedoch von Selbstzweifel geplagt, ob er der ideale Mann für eine Konfrontation mit dem Maquis ist. Immerhin brachte sein durch einen Transporterunfall entstandener Zwilling Thomas Riker derart viel Sympathie für die Freiheitskämpfer am Rand des cardassianischen Reiches auf, dass dieser sogar zum Maquis übergelaufen ist (siehe DS9-Folge „Defiant“). 

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Riker bricht zusammen mit Commander LaForge und Lieutenant Daniels in einem Shuttle zum Übergabeort der mysteriösen Fracht auf. Doch als das Shuttle sich dem Ziel nähert, finden sie die beiden Maquis-Schiffe bedroht von einem Geschwader cardassianischer Kampfjäger vor. Riker muss abwägen, ob er sich aus dem Kampf heraushalten oder eingreifen soll und entscheidet sich schließlich dafür, für den Maquis Partei zu ergreifen, da er nur so eine Möglichkeit sieht, seine Mission erfolgreich auszuführen. Es gelingt, die Sensoren der Cardassianer vorübergehend zu überlasten. Das Shullte und die beiden Maquis-Schiffe landen auf einem Planetoiden, um Reparaturen auszuführen, doch eines der Maquis-Schiffe ist besonders schwer beschädigt. Daher handelt Riker einen Deal aus: Man stellt Material und Hilfe bei den Reparaturen zur Verfügung im Austausch gegen die Fracht des Maquis. Widerwillig stimmt der Maquis-Captain der Bedingung zu. 

Während die Reparaturen laufen, begegnet Riker auf dem Maquis-Schiff jemandem, der einst mit Tom zusammengearbeitet hat. Im Gespräch wird ihm langsam bewusst, was sein Ebenbild bewogen haben dürfte, die Sternenflotte zu verraten. In der Zwischenzeit sind aber auch die Cardassianer nicht untätig. Mit wiederhergestellten Sensoren beginnen diese eine Suche nach den drei Schiffen. Die Schlinge zieht sich immer enger, was vor allem Geordi LaForge schmerzhaft zu spüren bekommt … 

Fazit: Autor Robert Greenberger – von dem ich erst sehr wenig gelesen habe bzw. noch überhaupt kein Werk, das er alleine verfasst hat – liefert hier auf wenigen ebook-Seiten eine wirklich spannende Geschichte aus der Perspektive Commander Rikers ab. Die Gedankenspiele, was den entscheidenden Unterschied zwischen Will und Tom Riker ausmacht, hätten leicht in Melodramatik abgleiten können, aber Greenberger bleibt stets auf die Sache fokussiert und liefert die auf der Hand liegende Erklärung auf Basis der TNG-Episode, in der Tom Riker erstmals auftauchte. 

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In der TNG-Folge „Riker:2=?“ entdeckt die Crew der Enterprise auf Nervala IV ein Ebenbild Commander Rikers, das dort 8 Jahre allein verbracht hat und allen Grund zu Annahme hatte, die Sternenflotte hätte ihn aufgegeben.

Zudem ist die Konfrontationen Maquis-Cardassianer-Sternenflotte sehr spannend beschrieben und es gibt zwei sehr gute Wendungen in der Handlung, die ich nicht habe kommen sehen. 

Bewertung: „A weary Life“ ist ein kurzes Lesevergnügen – vielleicht sogar mit zu wenig Handlung um eine 45-Minuten-Episode zu füllen. Aber die Situation ist interessant und Rikers Dilemma, das mir auf den ersten paar Seiten noch etwas gekünstelt erschien, wurde sehr gut eingearbeitet. Dazu gibt es etwas Action und eine spannende Raumschiff-Jagd. Jedenfalls 5 von 6 Sterne wert. 

5stars

 

Rezension: „The Sentinel” – Ein Jack-Reacher-Roman

Auch Ende 2020 erschien wieder ein neuer Jack Reacher-Roman und Grundlegendes ändert sich auch in „The Sentinel“ an der Geschichte nicht: Der ehemalige Militärpolizist Jack Reacher reist immer noch durch die USA ohne die Ambition, jemals sesshaft zu werden – aber mit dem Talent, unversehens in blutige Angelegenheiten verwickelt zu werden. Neu bei diesem Roman ist allerdings, dass Lee Child ihn nicht alleine geschrieben hat, sondern zusammen mit seinem Bruder Andrew Child. Diese Kooperation soll zumindest noch weitere drei Romane lang aufrechterhalten werden. 

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Nachdem Reacher in Nashville einer Band dank seiner „Überzeugungskraft“ verholfen hat, ihr verdientes Honorar von einem Barbesitzer zu bekommen, reist er per Anhalter mit einem Angestellten von einer Versicherung Richtung Süden. Der Mann ist in eine Kleinstadt unterwegs, deren Computersystem von einem Hackerangriff lahmgelegt wurde und wo er nun Bedingungen zur Freigabe aller gesperrten Daten aushandeln soll. Eigentlich nicht Reachers Problem, der ohnehin nicht plant, länger als einen Tag in der Stadt zu bleiben. Dieser Plan wird allerdings über den Haufen geworfen, als er an einer Straßenkreuzung einen Passanten sieht, der droht in eine Falle zu laufen. Was den meisten verborgen bleiben würde, ist für Reacher dank seiner Erfahrung bei der Militärpolizei offensichtlich: Der Passant wird observiert und zwei Autos stehen bereit, um ihm den Weg abzuschneiden. Reacher schreitet entschlossen ein und rettet den Passanten vor einer Entführung. Und wie sich später herausstellt, hat Reacher gerade den unbeliebtesten Mann der Stadt gerettet: Rusty Rutherford ist der inzwischen gefeuerte EDV-Spezialist der Stadt und wurde von der Stadtverwaltung als Sündenbock für den Hackerangriff dargestellt. 

Rutherford meint, er könnte seinen Unschuld mittels Schriftverkehr belegen, in dem er schon lange vor einem solchen Angriff gewarnt hat, aber bei der Verwaltung damit auf taube Ohren gestoßen ist. Die E-Mails lägen auf einem gesonderten Server der Stadt, der teilweise vor dem Hackerangriff geschützt gewesen ist und zusammen mit Reacher will Rutherford sich diesen Server – der aufgrund ungünstiger Umstände wohl schon auf dem Weg in ein Recycling-Center ist – zurückholen. Reacher will zwar eigentlich nicht länger in der Stadt bleiben, aber da immer noch die Entführer Rutherford auflauern könnten, deren Absichten weiterhin unklar sind, bleibt Reacher noch, um für die Dauer der Angelegenheit als Rutherfords Leibwächter zu fungieren und um herauszufinden, warum es jemand auf den eigentlich unscheinbaren EDV-Mann abgesehen hat. 

Auf einer regelrechten Schnitzeljagd nach dem Server wird die Sache allerdings zuerst immer Unklarer. Derart viele Leute – von einem alten Millionär über russische Spione und das FBI bis hin zu Neonazis – scheinen es auf die Serverdaten abgesehen zu haben, dass es um mehr gehen muss, als nur um einfachen E-Mail-Schriftverkehr. 

Fazit: Im Lauf der Geschichte tun sich so manche Rätsel auf und während die Jagd nach dem Server zwar angenehm linear – wenn auch etwas zu lang für meinen Geschmack – verläuft, halten die vielen dabei aufkommenden Fragen die Spannung hoch. Man ahnt früh, wer Gutes und wer Schlimmes im Sinn hat, aber es dauert eine Weile, bis man erfährt, welche Brisante Information sich auf dem Server befindet und wer was damit vor hat. 

Ohne zu viel zu verraten kann ich aber doch feststellen, dass es in diesem im Herbst 2020 erschienenen Roman um die Verhinderung von Wahlbetrug geht. Der zu dem Zeitpunkt stattfindende Präsidentschaftswahlkampf hatte sicher viele Romane im letzten Spätherbst thematisch beeinflusst (sogar ein Star Trek-Roman wurde davon inspiriert). Witzigerweise – oder eher traurigerweise – hat der Roman sogar einen Aufruhr wie den Sturm auf das Kapitol in Washington D.C. vorausgesagt. (Allerdings geht das im Roman beschriebene Szenario davon aus, dass eine echte Wahlmanipulation durch eine ausländische Macht publik wird. Lee und Andrew Child haben vermutlich nicht gedacht, dass für so einen Aufstand auch unbelegte Twitter-Behauptungen reichen würden.) 

Mit Rusty Rutherford und seiner Freundin, mit der er zusammen ein Schutzprogramm vor künftigen Hackerangriffen entwickelt, hat der Roman auch zwei durchaus sympathische Gastcharaktere zu bieten. Mit Rusty leidet man am Beginn des Romans richtig mit, der wird wirklich als armer Hund dargestellt, mit dem man nur Mitleid haben kann. 

Was auch auffällt ist, dass sich die Gewaltspitzen in diesem Roman eher (also für Reacher-Verhältnisse) in Grenzen halten. Der Roman konzentriert sich wirklich mehr darauf, Rätselkrimi zu sein und entsprechend der Unwissenheit, was wirklich vor sich geht, übt sich Reacher auch in Zurückhaltung. Gegner landen hier eher für ein unfreiwilliges Nickerchen in Müllcontainern anstatt im Sarg. Ganz frei von Leichen ist „The Sentinel“ allerdings nicht, aber ist Reacher dafür verantwortlich, geschieht es im Affekt. 

Bewertung: Ein wirklich gelungener, da sehr unterhaltsamer Roman, der sich aber gelegentlich etwas zieht. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass diesmal zwei Autoren daran gearbeitet haben und beide ihre Ideen unbedingt unterbringen wollten, aber vor allem die Suche nach dem Server nimmt ein oder zwei Umwege zu viel für meinen Geschmack. Aber das ist nur ein zwischenzeitliches Problem und mir hat die generelle Ausrichtung der Geschichte richtig gut gefallen. Dieser Roman geht zwar gar nicht auf Reachers inzwischen doch etwas fortgeschrittenes Alter ein, aber diese Balance zwischen Krimirätsel und Action fand ich sehr angemessen. So ergibt sich eine Bewertung von 5 Sternen für „The Sentinel“.

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Die letzte Grenze …

 

Christopher Plummer
1929 – 2021

Am 5. Februar 2021 verstarb der kanadische Schauspieler Christopher Plummer im stolzen Alter von 91 Jahren. Der Oscar- und Golden Globe-Preisträger (jeweils für seine Nebenrolle in „Beginners“ im Jahr 2012) ist Star Trek-Fans natürlich bekannt als der Shakespeare zitierende klingonische General Chang aus „Star Trek VI – Das unentdeckte Land“ . (Eine Rolle, in die er 6 Jahre später nochmal für die Zwischensequenzen des PC-Spiels „Klingon Academy“ schlüpfte.) 

In seiner 7 Jahrzehnte umspannenden Karriere spielte Plummer hunderte Rollen in Theater, Film und Fernsehen. Erst vor rund einem Jahr sah ich ihn zuletzt im Kino im hervorragenden Krimi „Knives Out“. Weitere bekannte Filme mit ihm – um nur ein paar wenige aus seiner umfangreichen Filmografie zu nennen – sind „Alles Geld der Welt“, „12 Monkeys“, „Inside Man“, „The Sound of Music“, „A beautiful Mind“, „Syriana“ und „Alexander“.

Rezension: TOS – „A Contest of Principles“

Anfang November 2020 erschien Greg Cox‘ neuer Star Trek-Roman zur klassischen Serie und der Zeitpunkt war sicher nicht zufällig gewählt: Passend zur damals stattfindenden US-Präsidentschaftswahl thematisiert auch „A Contest of Principles“ eine Wahl: Nach Jahrzehnten der Militärdiktatur wird auf dem Planeten Vok wieder eine demokratische Wahl abgehalten und die Crew der Enterprise wird entsandt, um als unabhängige Wahlbeobachter zu fungieren und dafür zu sorgen, dass keines der beiden Lager – eines angeführt von einem General des alten Regimes und das andere von einer pazifistisch eingestellte Gegenkandidatin – bei der Wahl trickst.

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Vorweg gesagt: Obwohl ich den Erscheinungstermin dieses Romans und sein Hauptthema nicht als zufällig ausgesucht erachte, will ich aber doch festhalten, dass es sich bei der Geschichte nicht wirklich um eine Analogie der US-Politik handelt. Ja, Populismus, seine Kommunikationsform und Spaltung der Gesellschaft in zwei Lager sind vordergründige Ähnlichkeiten; ansonsten gibt es speziell bei den Kandidaten zur Wahl auf Vok keine nennenswerten Parallelen zu den realen Präsidentschaftskandidaten bei der US-Wahl im vergangenen November. Das mag vielleicht manchen Leser enttäuschen, denn die Geschichte hätte sicher das Potenzial zur Satire gehabt. Ich selbst bin etwas zwiegespalten, was diese Möglichkeit angeht. Ich denke, es war eine gute Entscheidung von Cox, auf Vok keine Karikaturen realer Politiker zu verwenden. Aber ein wenig mehr in Richtung Satire hätte die Geschichte auch für meinen Geschmack gehen dürfen.

Jedenfalls bekommt es Captain Kirk auf Vok mit einigen Schwierigkeiten wie Sabotageakten und Verschwörungen zu tun noch bevor die Wahl so richtig anläuft. Mister Spock und Doktor McCoy sind ihm dabei allerdings keine Hilfe!

Ich nehme in meinen Rezensionen selten Bezug auf die Cover-Designs der Star Trek-Romane. Nach den 80er- und frühen 90er-Jahren, in denen es eher Glückssache war, ob die Cover tatsächlich einen Bezug zur Handlung des Romans aufweisen, sind die meisten Cover seither eigentlich thematisch ganz in Ordnung und manchmal auch etwas ungewöhnlich illustriert. Dazu zählt auch das Cover von „A Contest of Principles“, das zwar ein nettes Layout aufweist, aber etwas simpel erscheint, zeigt es doch lediglich Kirk, McCoy und Spock in voneinander gesonderten Streifengrafiken. So generisch die Grafik auch wirkt, passt sie thematisch allerdings sehr gut zur Geschichte, denn gleich am Beginn des Romans trennen sich die Wege des Trios und jeder ist auf einem anderen Planeten mit seinen eigenen Schwierigkeiten konfrontiert. 

Während Kirk auf Vok die Wahl überwachen und sich dabei diplomatisch auf einen schmalen Grat begeben muss, folgt McCoy einem Notruf vom Planeten Braco. Kurz nach der Landung seines Shuttles trifft er allerdings nicht auf die notleidende Bevölkerung eines Dorfes, sondern auf Entführer, die McCoys Begleiter betäuben und McCoy zum Planeten Ozalor verschleppen. Dort soll McCoy ein Heilmittel für die mysteriöse Krankheit der Thronfolgerin finden, die bis jetzt auf eine telepathische Therapie durch eine Heilerin angewiesen ist, der aber nachgesagt wird, sich durch ihre Unentbehrlichkeit selbst politisches Gewicht im Herrscherhaus zu verschaffen.

Davon weiß Mister Spock allerdings nichts, der mit einem Sicherheitsteam nach Braco fliegt, um dort wegen der Entführung des Doktors nachzuforschen. Die örtlichen Behörden Bracos sind allerdings alles andere als kooperativ und orten beinahe reflexartig stets die Schuld bei nationalistisch eingestellten Rebellen. Braco ist nämlich auch nicht gerade eine geeinte Welt. Ein Teil der Bevölkerung empfindet Loyalität zu Vok, die andere zu Ozalor und die Rebellen möchten am liebsten mit keinem was zu tun haben. In der falschen Annahme, die Rebellen stünden mit Doktor McCoys Entführung in Verbindung, versucht Spock eine etwas weniger aggressive Herangehensweise und versucht inoffizielle Kontakte mit den Rebellen herzustellen – was ihn schließlich selbst in deren Gefangenschaft bringt. 

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Dieses Trio verbringt in „A Contest of Principles“ kaum Zeit miteinander. 

Fazit: „A Contest of Principles“ erzählt im Grunde also drei Geschichten, die an sich kaum Berührungspunkte aufweisen – sieht man mal von der nicht gerade friedlichen Vorgeschichte der drei Planeten Vok, Braco und Ozalor ab, die aber tatsächlich nur eine untergeordnete Rolle spielt. Am stärksten ausgeprägt ist diese Verbindung in der Spock-Story, denn so nebenbei während seiner Gefangenschaft findet der Wissenschaftsoffizier heraus, welche Bedeutung Braco wirklich für die anderen beiden Welten hat. Allerdings führt diese Erkenntnis nicht zu besonderen Entwicklungen am Ende. Insgesamt ist der Spock-Handlungsstrang der uninteressanteste in diesem Roman, da man als Leser von Anfang an weiß, dass er einer falschen Fährte folgt. 

Obwohl die solide Geschichte rund um die Wahl auf Vok im Vordergrund steht und wohl etwas mehr Umfang hat als die beiden Nebengeschichten hat, hat mir doch jene Geschichte zu Doktor McCoy am besten gefallen. Mir gefiel die Dynamik der Charaktere, seine Interaktion mit den Mitgliedern des Hofstaats und sein Versuch, hippokratischen Eid und Fluchtimpuls unter einen Hut zu bringen. Die Palastintrige, in die McCoy unfreiwillig hineingezogen wird, war für mich der unterhaltsamste Teil dieses Romans. 

Bewertung: Wie erwähnt sind die Berührungspunkte der drei Geschichten gering, man kann sie also jede für sich allein stehend gut werten. Während die McCoy-Geschichte ein klarer Fall für 5 Sterne wäre, empfand ich Spocks Mission auf Braco ziemlich langweilig – bestenfalls 2 Sterne wert. Es ist vor allem diesen Passagen zu verdanken, dass ich relativ lange benötigt habe, um den Roman zu Ende zu lesen. Während den Braco-Passagen fiel es mir doch immer sehr leicht, das Buch beiseite zu legen. Die Geschichte über die Wahl war hingegen solide, aber profitiert davon, dass am Schauplatz Vok die Enterprise und ein Großteil der Hauptbesatzung vor Ort war, mit denen Kirk interagieren konnte. Es fällt schon schmerzhaft auf, dass einem Roman zur klassischen Star Trek-Serie einfach etwas fehlt, wenn Kirk, Spock und McCoy nicht als Trio interagieren können. Der Kirk-Story gebe ich 4 Sterne und dem Roman als Gesamten nach einer Aufrundung ebenfalls 4 Sterne – wenn auch nur knapp

4stars

 

 

„Star Trek : Lower Decks“ ab sofort auf Deutsch !

Die traurige Nachricht über den Tod Mira Furlans überschattet, dass es heute für Science-Fiction-Fans im deutschsprachigen Raum auch positive Neuigkeiten gibt. Nach einer mehr als fünfmonatigen Wartezeit, die dadurch entstand, dass der US-Ausstrahlungstermin kurzfristig vorgezogen wurde, ist heute endlich die neue animierte Star Trek-Serie „Lower Decks“ auch international und in deutscher Sprache offiziell veröffentlicht worden!

Die Serie läuft per Stream im Rahmen des Amazon Prime-Abos und Amazon hat gleich direkt alle 10 Folgen auf einmal online gestellt, anstatt das wöchentliche Schema der US-Erstveröffentlichung zu übernehmen.

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Bereits im August 2020 habe ich zum sehr unterhaltsamen Pilotfilm „Der Zweite Kontakt“ ein Review verfasst und mittlerweile auch schon die restlichen 9 Folgen der 1. Staffel gesehen. War schon der Auftakt gelungen, fand ich vor allem die zweite Hälfte der Staffel und das fulminante Staffelfinale wirklich toll und es lässt mich ungeduldig auf die Fortsetzung warten, die hoffentlich noch im Jahr 2021 erscheinen wird – und dann hoffentlich ohne Verzögerung des internationalen Starts.

An diesem Tag, der leider mit einer traurigen Meldung begann, gelingt es der „Lower Decks“-Crew Mariner, Boimler, Tendi und Rutherford hoffentlich, dem einen oder anderen SciFi-Fan wieder ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Ich wünsche euch jedenfalls viel Freude mir der ersten auf Comedy ausgelegte Star Trek-Serie überhaupt und der ersten neuen animierten Star Trek-Serie seit 1974

Die letzte Grenze …

Mira Furlan

1955 – 2021

Die „Babylon 5“-Fangemeinde muss Abschied nehmen von Mira Furlan. Die in Zagreb geborene Darstellerin der Minbari-Botschafterin Delenn verstarb im Alter von 65 Jahren. Abgesehen von „Babylon 5“ trat sie auch in vielen weiteren Serien auf, u.a. auch in mehreren Folgen von „Lost“.

Nach Micheal O’Hare, Jerry Doyle, Richard Biggs, Andreas Katsuals, Stephen Furst und Jeff Conaway ist mit Mira Furlan ein weiteres Mitglied der „Babylon 5“-Hauptdarstellerriege viel zu früh von uns gegangen.

Rezension: „007 – 50 Greatest Bond Cars“

Die Corona-Pandemie hat dem 2020 geplanten Kinostart des neuen James-Bond-Films „Keine Zeit zu sterben“ einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das Erscheinen dieses Sachbuchs zu den mal mehr mal weniger berühmten Fahrzeugen des britischen Top-Spions hat die Verschiebung des Films aber nicht verhindert, weshalb bereits Ende vergangenen Jahres dieses toll illustrierte Hardcover-Buch herauskam: 

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Herausgeber Eaglemoss/HeroCollector hält neben „Star Trek“, „Herr der Ringe“, „Harry Potter“, „DC“ und „Marvel“ auch eine „James Bond“-Lizenz. Natürlich nicht die berühmte Lizenz zum Töten, aber vor ein paar Jahren erschien eine Sammelreihe, in der man sich in einem Abo ein großes Modell von James Bonds wahrscheinlich berühmtesten Dienstwagen zusammenbauen konnte: des Aston Martin DB5, der seinen ersten Auftritt im Film „Goldfinger“ hatte. Es überrascht daher nicht, dass dieses ikonische Automobil das erste von insgesamt 50 ist, das mittels doppelseitiger Infografik mit kurzem Begleittext präsentiert wird:

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Der Begleittext ist je nach Fahrzeug sehr unterschiedlich gelagert. Einmal geht es mehr um das, was das Auto fiktiv vollbringt, dann wieder mal mehr um das reale Fahrzeug und die Dreharbeiten und Spezialeffekte. Über je mehr Gimmicks ein Fahrzeug im Film verfügte, desto stärker (und wohl vollständig) wird darauf eigegangen – auch in den Infokästchen, die das zentrale Schnitt-Modell des Autos umgeben und auf einzelne Funktionen und Eigenheiten hinweisen.  

Gegliedert ist das Buch in drei Kapitel: Autos, die James Bond selbst fuhr; Autos die von seinen Verbündeten gefahren wurden sowie Autos, die von seinen Feinden gefahren wurden. Das führt dazu, dass unter den 50 vorgestellten Fahrzeugen auch welche sind, die relativ unspektakulär sind oder in den Filmen gar nur Auftritte von wenigen Sekunden haben. Manche Auswahl verblüfft ein wenig und nur selten überrascht ein Artikel zu solch einem Auto mit einer interessanten Hintergrundinformation. Z.B. dass es vom Toyota 2000GT nie ein serienmäßiges Cabrio gab und ein solches extra für „Man lebt nur zweimal“ gebaut wurde, damit der großgewachsene Sean Connery im japanischen Flitzer aufrecht sitzen konnte. 

Bekannten Autos wie den Aston Martins, BMW und – nicht zu verachten – dem Citroen 2CV stehen wiederum eher unspektakuläre Geländewagen, Strandbuggys, Ostblock-Limousinen und Pick-Ups gegenüber, deren Einsatz selbst eingefleischten Bond-Fans nicht großartig in Erinnerung geblieben sein dürfte. Der Begleittext zu solchen Fahrzeugen wirkt dann auch manchmal darum bemüht, deren Inkludierung zu rechtfertigen.

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Auch fehlen manchmal doch sehr grundlegende Hintergrundinformationen. Wenn man schon den etwas obskuren „Drachenpanzer“ aus „James Bond jagt Dr. No“ in das Buch aufnimmt, sollte man zumindest erwähnen, welches Fahrzeug sich unterhalb der Panzerung verbarg. 

Fazit: An der Gestaltung des 29 x 23 cm messenden Hardcover-Buches gibt es nichts auszusetzen. Die Autos sind mittels CG sehr detailreich nachgebaut worden. (Wobei mir auffiel, dass manchmal die Seitenspiegel fehlen; aber laut Bond und Moneypenny in „Skyfall“ braucht die ja niemand 😉 .) Die Doppelseiten sind durchgehend einheitlich gestaltet, Infoboxen mit zusätzlichen Informationen, gelegentlichen Hinter-den-Kulissen-Fotos und Aufnahmen aus dem Film umgeben das jeweils thematisierte Auto. Alles ist sehr aufgeräumt präsentiert. Aber nicht alles, was präsentiert wird, ist wirklich interessant. Bei rund der Hälfte der Autos dachte ich mir durchaus, dass sie nur im Buch enthalten sind, um auf die Zahl 50 zu kommen bzw. das Buch auf über 100 Seiten zu bringen. Eine mögliche Lösung dieses Problems wäre gewesen, das Thema deutlich auszuweiten und sich nicht nur auf Autos zu beschränken. Von Mini-Jets und Mini-Hubschraubern über Stealth-Schiffe, Öltanker, Motorräder bis hin zum Orient-Express wäre hier Potential vorhanden gewesen. 

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Bewertung: Bei der schnellen nachträglichen Durchsicht des Buches bin ich auf rund 26 Artikel gekommen, die ich durchaus interessant finde, während ich die restlichen vorgestellten Fahrzeuge als etwas zu kurios (z.B. das Mondmobil aus „Diamantenfieber“) oder als zu bieder empfand. Es hätte wie erwähnt andere Möglichkeiten gegeben, die knapp über 100 Seiten des schön gestalteten Buches zu füllen. Aber für Fans von Bond-Filmen ist das Buch wirklich empfehlenswert – vor allem wenn sie auch noch eine Faszination für die Autos in den Filmen haben, deren Auftritt gar nicht zu klein sein kann, um Beachtung zu finden. Außerdem berücksichtigt das Buch auch bereits den kommenden Film „Keine Zeit zu sterben“ und stellt Aston Martins DBS Superleggera vor. Für mich persönlich ist das Buch ein Kandidat für 4 von 6 Sternen

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Rezension: Firefly – „Generations“

Den vierten „Firefly“-Roman verfasste erstmals nicht James Lovegrove, sondern Tim Lebbon und eigentlich hätte der Roman bereits deutlich früher und an dritter Stelle erscheinen sollen, was man daran merkt, dass im Gegensatz zu „The Ghost Machine“ Inara Serra und Shepherd Book noch an Bord der Serenity sind – wenngleich die beiden in diesem Roman nicht viel Zeit auf dem Schiff verbringen, sondern früh ihren eigenen Beschäftigungen nachgehen, während sich der Rest der Crew auf Schatzsuche begibt.

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Auf der mühsamen Suche nach Arbeit fliegt die Serenity zu einer inzwischen runtergewirtschafteten Goldgräberkolonie, wo Captain Malcolm Reynolds und seine Erste Offizierin Zoe einen Kameraden aus dem Krieg kennen, der ihnen womöglich in der Gegend einen Job vermitteln kann. Leider müssen sie nach ihrer Ankunft feststellen, dass dieser Kamerad bereits gestorben ist, doch ganz umsonst war der Abstecher nicht, gelingt es Malcolm doch, im Saloon beim Kartenspiel nicht nur Geld, sondern auch eine Sternenkarte der Allianz zu gewinnen. Dass die Allianz offenbar großes Interesse hat, die Karte zurückzubekommen, zeigt sich dadurch, dass Malcolm und seine Crew sogleich von regierungstreuen Söldnern angegriffen werden ehe ihnen schließlich doch die Flucht von der Kolonie gelingt. 

Zurück auf der Serenity ist ausgerechnet River Tam – an deren Verstand die Allianz herummanipuliert hat – die einzige, die die Karte entschlüsseln kann. Sie soll in den Orbit eines abgelegenen Gasriesen führen und zu einem dort versteckten riesigen Raumschiff – einer jener Archen, mit denen die Menschheit einst von der Erde geflohen war, um die neue Welten zu kolonisieren. Die Mannschaft der Serenity wittert das große Geschäft, denn Artefakte von der Erde-von-einst werden zu hohen Sammlerpreisen gehandelt. Nach einer mehrtägigen Reise erreicht die Serenity schließlich das uralte Raumschiff, das offensichtlich von der Allianz in einem Orbit zwischen den Planetenringen geparkt worden ist. An Bord scheint es keine Aktivität zu geben, weshalb Malcolm und Zoe sowie Ingenieurin Kaylee und Jayne Cobb sich etwas umsehen … und dabei den einzigen in Kälteschlaf liegenden Passagier vorfinden, bei dem es sich aber nicht um einen einstigen Bewohner der Erde handelt, sondern um den ersten Probanden aus jener Versuchsreihe, die auch River Tams instabilen mentalen Zustand verursacht hat. Als der Passagier – Silas – erwacht und Soldaten wie auch Agenten der Allianz eintreffen, die nach dem Rechten sehen wollen, zeigt Silas seine tödlichen Fähigkeiten … und gibt einen Ausblick darauf, wozu unter gewissen Umständen vielleicht auch River fähig wäre.

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Fazit: Da ein neuer Autor am Werk war, stellt sich gleich vorweg natürlich die Frage: Trifft Tim Lebbon die Charaktere der Serie genauso hervorragend auf den Punkt wie James Lovegrove? Erfreulicherweise kann man diese Frage durchaus mit einem „Ja“ beantworten, aber mit einer Einschränkung: Lovegrove feuerte vor allem in seinen ersten beiden „Firefly“-Romanen ein regelrechtes Feuerwerk ab. Er ließ kaum einen Dialog aus, um die besonderen Eigenheiten oder Ausdrucksformen der einzelnen Figuren einzubauen. Lebbon macht das hingegen deutlich seltener, lässt die Charaktere sich neutraler ausdrücken und streut nur hier und da ihre Eigenheiten ein. Welche Erzählweise entspricht am ehesten der Serie? Tendenziell eher jene von Lovegrove, auch wenn dieser manchmal über das Ziel hinausschießt. Insofern ist es auch legitim, dass Lebbon sich zurücknimmt, zumal er in „Generations“ die Crew der Serenity in eine sehr bedrückende Situation an Bord eines Geisterschiffs mit einem einzelnen, masssenmordenden Passagier bringt. Selbst an Jayne – der trotzdem noch den einen oder anderen lockeren Spruch von sich gibt und sich schamlos alles unter den Nagel reißt, was nicht niet- und nagelfest ist – geht das dort Erlebte nicht spurlos vorüber. 

Zur Geschichte selbst kann man sagen, dass sie ziemlich geradeheraus ist. Mir gefiel am besten die anfängliche Westernatmosphäre im kleinen Goldgräberstädtchen, die einen ziemlichen Kontrast zur unheimlichen Atmosphäre an Bord des irdisches Schiffe darstellt. Ich denke aber, dass man viel mehr aus dem Thema hätte rausholen können. Manchmal wird zwar mit der Unwissenheit der Crew über die Erde gespielt, beispielsweise wenn sie einen Lagerraum mit militärischen Fahrzeugen finden oder wenn am Ende die Beute inspiziert wird. Aber weite Teile des riesigen Schiffe sind leer, das Aussehen wird nicht besonders interessant beschrieben und Unterschiede zur etablierten Technik der neuen Welten sieht oft nur Kaylee, der man das wohl glauben muss.  

Da aus der Crew der Serenity natürlich niemand Silas zum Opfer fallen darf, müssen Allianztruppen anrücken, die sich von dem Irren niedermetzeln lassen. Sie sind aber nur das Kanonenfutter, das zwei „Blauhände“ vorschicken. Es handelt sich in diesem Roman aber nicht um die beiden blauhändigen Männer, die wir aus der Serie kennen (und die ihr Ende im Comic „Die Zurückgelassenen“ finden; die Comics werden von den Autoren der Romane berücksichtigt), sondern um ein weibliches Duo.

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Dieses neue Duo bleibt ebenso mysteriös und dies obwohl wir sogar ihre Gedanken mitbekommen, was aber nicht sehr leicht lesbare Passagen sind. 

Bewertung: Wie auch „The Ghost Machine“ scheint auch „Generations“ von der Konzeption her sehr darauf abzuzielen, nicht nur den vergangenen Zeitraum zwischen Serie und Kinofilm zu üfüllen, sondern speziell letzteren auch thematisch vorzubereiten, indem man mit Silas eine Figur hat, die mehr oder weniger das gleiche wie River durchgemacht hat, die sich unter Umständen (die dann die Handlung des Kinofilms liefert) ebenfalls in eine regelrechte Kampfmaschine verwandeln kann. Ich persönlich hätte es aber besser gefunden, hätte Tim Lebbon etwas mehr mit dem Thema der Erde-von-einst gearbeitet. Es gibt ein paar interessante Stellen dazu, aber im Endeffekt ist das gefundene Schiff und sein Inhalt doch eher enttäuschend gewesen. „Generations“ ist daher ein ziemlich durchschnittlicher Roman, dem ich 3 von 6 Sterne gebe. Einige Dialoge à la James Lovegrove hätten die Geschichte etwas aufpeppen können. Von ihm wird dann wieder der fünfte „Firefly“-Roman stammen, der im Frühjahr 2021 erscheinen soll.

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Frohe Weihnachten !

Das Jahr 2020 neigt sich dem Ende zu. „Endlich!“, werden die meisten sagen, den wie vieles andere in diesem Jahr wird auch das Weihnachtsfest nicht so wie gewohnt ablaufen können … aber vielleicht gerade deshalb auch besinnlicher und entspannter als üblich.

Da sich Krisen nicht an den Kalender halten, wird auch das Jahr 2021 noch mit großen Einschränkungen unseres Alltags beginnen … aber Star Trek-Fans am 22. Jänner hoffentlich auch viel Freude bescheren, wenn die erste Staffel der neue Star Trek-Zeichentrickserie „Lower Decks“ auch hierzulande zu sehen sein wird.

Mit diesem ersten Ausblick auf „unendlich weiten Spaß“, der uns 2021 auf Amazon Prime Video endlich auch im deutschsprachigen Raum zur Verfügung stehen wird, bleibt mir nur noch zu sagen:

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