Rezension: „Das Schweigen des Lemming“

Als großer Fan der Krimiromane von Wolf Haas hatte ich mich vor inzwischen fast schon 10 Jahren auf die Suche nach etwas Ähnlichem gemacht und stieß damals auf die Lemming-Romane von Stefan Slupetzky. Der erste, zweite und vierte Roman haben mir hervorragend gefallen, aber ich kann mich nicht erinnern, warum ich damals den dritten Roman „Das Schweigen des Lemming“ ausgelassen habe. In den vergangenen Wochen habe ich diese Lücke nun geschlossen.

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Der Lemming – mit wahrem Namen Leopold Wallisch – ist vor einigen Jahren nicht ganz freiwillig aus dem Polizeidienst in Wien ausgeschieden. Inzwischen geht er es etwas ruhiger an und begnügt sich damit, als Nachtwächter im Tiergarten Schönbrunn zu arbeiten. Er ist gerade auf einer seiner Kontrollgänge, als er im Polarium Grausiges entdeckt: Aufgeknüpft im Pinguingehege baumelt einer dessen schwarz-weißen Bewohner von der Decke, eine kryptische Nachricht auf einem Zettel im Schnabel.

Im Tiergarten will man den Zwischenfall verständlicherweise nicht an die große Glocke hängen. Überraschenderweise will aber ein reicher Gönner des Tiergartens Aufklärung und engagiert dafür den Lemming. Doch der ehemalige Polizist kapiert sofort, dass es dem Millionär nicht wirklich darum geht, die Täter, sondern vielmehr darum, Lemmings Nachtwächterkollegen Pokorny zu finden. Denn eigentlich war Pokorny für diese Nacht eingeteilt und der Lemming musste kurzfristig einspringen. Hat der Kollege etwa schon geahnt, dass ihm in dieser Nacht Ungemach droht? Hat der arme Pinguin als Stellvertreter büßen müssen? Und ist Pokorny deshalb plötzlich wie vom Erdboden verschluckt? Seine Nachforschungen führen den Lemming in die Künstlerszene und hinter die Kulissen eines politischen Skandälchens, ehe ihm eröffnet wird, dass Pokorny in den spektakulärsten Kunstraub Österreichs verwickelt ist.

Fazit: In einer Hinsicht sind Stefan Slupetzkys Romane nicht mit jenen von Wolf Haas zu vergleichen: Sprachlich erschafft Haas einfach etwas ganz Anderes, Unkonventionelles. Aber auch Slupetzkys Krimis sind voll herrlichem Wortwitz und gerade in „Das Schweigen des Lemming“ wirft er nur so mit Metaphern um sich und verschmilzt sprachlich die Tierwelt mit der Kunstszene – und damit auch geschickt den Schauplatz des Pinguinmordes mit dessen Hintergründen, die langsam immer deutlicher werden, bis zur großen Offenbarung.

Der Roman sprüht nur so vor Wortwitz sowie schrägen Charakteren und Situationen und punktet bei mir auch mit viel österreichischem Lokalkolorit. Und auch bei dem Auslöser für das Abenteuer, das der Lemming hier erlebt, steht ein reales Ereignis aus dem Jahr 2003 Pate, das auch jenseits von Österreichs Grenzen für Schlagzeilen gesorgt hat. Inzwischen ist die Sache aufgeklärt, aber „Das Schweigen des Lemming“ liefert eine kreative, alternative Idee dazu. Eine Art Verschwörungstheorie.

Der Lemming selbst ist wie immer ein sympathischer Kerl, dem man gerne durch die Geschichte folgt. Neben seiner – nicht immer ganz zielgerichteten, aber doch stets gut überlegten – Ermittlerarbeit, begleitet man ihn auch durch für ihn ganz neue private Entwicklungen (die für mich aber nicht überraschend waren, da ich den vierten Roman schon kannte) und beim Ankauf seines ersten Mobiltelefons. (Anmerkung: Der Roman erschien 2006.)

Bewertung: Dieser Fall für den Lemming ist kein schweißtreibender Thriller – obwohl es auch brenzlige Situationen gibt und der Lemming auch physisch gefordert wird – sondern vorrangig eine Aneinanderreihung von meist humorvoll vorgetragenen Szenen und abenteuerlichen Geschichten, die zu einer überraschenden Enthüllung und einem spannende Showdown in Schönbrunn führen. Ich gebe dem dritten Fall des Lemming 5 Sterne. Ihn mit den anderen Lemming-Krimis zu vergleichen, fällt mir aber etwas schwer, da es schon ziemlich lange her ist, dass ich diese gelesen habe.

5stars

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Rezension: TOS – “The Folded World“

Jeff Mariottes Roman „Serpents in the Garden“, den ich bereits vor einigen Jahren gelesen habe, gefiel mir ziemlich gut. Mariottes ersten Roman zur klassischen „Star Trek“-Serie habe ich nun in den letzten Wochen nachgeholt, doch dieser konnte mich nicht so gut unterhalten.

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Die U.S.S. Enterprise eskortiert eine diplomatische Abordnung des Planeten Ixtolde zurück zu deren Heimatwelt. Da Ixtolde bald der Föderation beitreten soll, wurde das Sternenflottenschiff McRaven mit einem Botschafter vorausgeschickt, der sich vorab ein genaues Bild vom Beitrittskandidaten machen soll. Doch auf dem Weg nach Ixtolde stellen Captain Kirk und seine Crew fest, dass die McRaven nie an ihrem Ziel angekommen ist. Stattdessen geriet das Schiff in eine seltsame Anomalie, die Mister Spock als „Raumfalte“ beschreibt. Die McRaven scheint genauso wie eine große Zahl weiterer Raumschiffe in dieser Anomalie gefangen worden zu sein. Obwohl die Sensoren der Enterprise keine Lebenszeichen auffangen, beschließt Captain Kirk, zusammen mit Mister Spock, Doktor McCoy und einem Sicherheitsteam per Shuttle in die Anomalie vorzudringen und zu versuchen, die McRaven zu bergen – oder zumindest herauszufinden, was mit der Crew geschah.

An Bord der McRaven stellt der Trupp fest, dass das Sternenflottenschiff mit einem fremden, riesigen Schiff verbunden zu sein scheint, das in der Mitte der Anomalie schwebt. Bei der Erkundung des fremden Schiffes stellt Captain Kirk am eigenen Leibe fest, dass dort der Begriff „Realität“ sehr fließend ist. Von Halluzinationen und Manifestationen ihrer eigenen Gedanken beeinflusst wird der Trupp getrennt. Die Suche nach einem Weg, dieses Schiff zu verlassen, scheint genauso aussichtslos wie der Versuch, herauszufinden was genau dort vor sich geht …

Fazit: Die „Macht des Geistes“ ist ja ein absolut klassisches Thema. In der Originalserie findet man dieses Thema immer wieder und der Science-Fiction-Film „Forbidden Planet“/“Alarm im Weltall“ war bekanntlich eine große Inspiration für den „Star Trek“-Schöpfer Gene Roddenberry. Und so ist „The Folded World“ eine alles andere als originelle Geschichte. Allerdings kommt dem Roman zugute, dass er bekannte Elemente recht gelungen mit einer Geisterhaus-Atmosphäre kombiniert. Neben den gedanklichen Manifestationen stellen sich so auch mysteriöse Unsichtbare in den Weg des Erkundungstrupps.

À propos unsichtbar: Auf jene TV-Episode, die die romulanische Tarnvorrichtung einführt, wird besonders stark Bezug genommen. So handelt es sich bei einem Mitglied des Außenteams um eine Sicherheitswächterin, die die Zerstörung eines Erdaußenpostens in der Folge „Balance of Terror“/“Spock unter Verdacht“ überlebt hat und seither von Albträumen geplagt wird, die an Bord des fremden Schiffes zur Realität werden.

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Auf echte Romulaner stoßen Kirk & Co. in diesem Roman zwar nicht, die Ereignisse von „Spock unter Verdacht“ führen in „The Folded World“ aber zu mehreren fatalen Konfrontationen mit eingebildeten Romulanern.

Diesem Charakter wird erstaunlich viel Platz eingeräumt, Mariotte beschreibt ihren Charakter und ihr Leben auf der Enterprise und ihr Trauma sehr detailliert, was dabei hilft, die Sicherheitswächterin nicht nur als Auslöser für die Story zu erachten. Dennoch wäre es vielleicht noch interessanter gewesen, ihr eine engere Beziehung zu den bekannten Charakteren aus der Serie zuzuschreiben. Ihre Liebeleien mit anderen bislang unbekannten Figuren sind doch eher uninteressant, zumal diese wesentlich weniger charakterliche Tiefe bekommen.

Als gelungen kann man Mariottes Darstellung der Hauptcharaktere aus der Serie beschreiben – auch wenn viele von ihnen nur „Dienst nach Vorschrift“ versehen. Der einzige, der in dieser Geschichte aus seiner Komfortzone geholt wird – und dabei richtig schön aus der Haut fährt! – ist Scotty, der sich als diensthabender Kommandant mit den Diplomaten an Bord der Enterprise herumschlagen muss.

Bewertung: Bis zum Ausgang der Geschichte wird so manches Geheimnis aufgelöst, aber auch einiges bleibt offen. So z.B. wie genau die McRaven mit dem fremden Schiff physisch verbunden wurde. Auch bleibt die Crew des havarierten Schiffes wie auch der Botschafter an Bord verschwunden. Gut, in diesem Geisterschiff inmitten einer räumlichen Anomalie muss natürlich nicht alles Sinn ergeben, aber einige Verbindungen zum Beginn der Geschichte werden während des Überlebenskampfes einfach beiseite geschoben und schließlich vergessen. Dabei hätte eine komplexere Geschichte mit verknüpften Handlungspunkten die Spannung durchaus erhöhen können. In der vorliegenden Fassung ist „The Folded World“ eine relativ geradlinig erzählte Geschichte. Die beschrieben Gruselatmosphäre und die Erzählung aus der Perspektive einer manischen Person allein, können den Spannungspegel nur phasenweise hoch halten. Daher gebe ich diesem Roman nur knapp 3 von 6 Sterne. Er ist okay, aber es wäre sehr viel mehr drin gewesen, was Mariotte hätte verfolgen können.

3stars

Rezension: „Diabolus“

Grundsätzlich bin ich den Romanen von Dan Brown alles andere als abgeneigt, denn er hat einen spannenden Schreibstil und treibt den Gebrauch von „Cliffhanger“, die  den Leser dazu animieren, ständig wissen zu wollen wie die Geschichte weitergeht, auf die Spitze. Und doch stand das Taschenbuch „Diabolus“ – Browns erster Roman – einige Jahre bei mir im Regal und setzte Staub an. Doch davon habe ich das Buch nun befreit und in den vergangenen Tagen endlich diese Geschichte nachgeholt, die in die Welt der Geheimdienst-Kryptographie eintaucht.

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Zentraler Charakter dieser Geschichte ist die Kryptologin Susan Fletcher, die für den US-Geheimdienst NSA arbeitet, dessen Hauptaufgabe die weltweite Überwachung elektronischer Kommunikation ist. Susan arbeitet in der Krypto-Abteilung, deren Herzstück der geheime Supercomputer TRANSLTR ist, der fähig ist, jede existierende Verschlüsselung innerhalb von Minuten zu knacken … bis jetzt. Als Susan an einem Samstag von ihrem Vorgesetzten an ihren Arbeitsplatz gerufen wird, ist sie entsetzt darüber, dass der Supercomputer bereits Stunden vergeblich damit verbracht hat, eine verschlüsselte Datei zu knacken, die der ehemaliger NSA-Mitarbeiter Ensei Tankado ins Internet gestellt hat. Sozusagen eine Demonstration, denn Tankado, der im Streit um die lückenlose Überwachung durch den Geheimdienst aus Protest verlasen hatte, will seinen neuartigen Verschlüsselungsalgorithmus – „Diabolus“ an den höchstbietenden Konzern verkaufen, auf diesem Wege für die weltweite Verbreitung sorgen und somit den TRANSLTR schlussendlich nutzlos machen.

Natürlich ist die NSA auch selbst interessiert daran, die Verschlüsselung zu knacken – vielleicht sogar mit der Möglichkeit, sich eine Hintertür in „Diabolus“ einzurichten bevor es als „unüberwindbarer Schutz vor der NSA“ auf den Markt kommt. Doch dazu ist Zeit notwendig und genau die läuft Susan und ihrem Chef davon, denn unvorhergesehen ist Ensei Tankado in Sevilla an einem Herzinfarkt gestorben. Sein Tod – der von den spanischen Behörden auf Drängen der NSA noch nicht publik gemacht wurde – würde eine Kettenreaktion auslösen, da ein geheimnisvoller Partner von Tankado „Diabolus“ über das Internet quasi an jeden verschenken würde, sollte er von Tankados Tod erfahren. Während Susan von der NSA aus versucht, die Identität des Partners herauszufinden, hat ihr Chef derweil ihren Verlobten David nach Spanien geschickt, um im vorgeblich diplomatischen Auftrag die sterblichen Überreste Tankados in die USA zu überführen – und in dessen Habseligkeiten nach dem Zugangsschlüssel für „Diabolus“ zu durchsuchen. Rasch findet David heraus, dass Tankado mit seinem letzten Atemzug einen gravierten, goldenen Ring an einen zufällig vorbeikommenden Touristen übergab. Die Suche nach dem Ring entwickelt sich für David zu einer Odyssee quer durch Sevilla, die weitere Tote hinterlässt …

Fazit: Soweit mal, was ich mich über den Inhalt zu verraten traue. Wie auch bei allen anderen Dan Brown-Romanen ist auch in „Diabolus“ nicht immer alles so, wie es anfangs scheint. Es gibt eine Menge falscher Spuren, aber auch immer wieder mal recht eindeutige Hinweise, wohin die Geschichte sich entwickeln wird. Andere Romane von Brown – z.B. „Meteor“ – hatten auf mich größere Überraschungseffekte. Trotzdem ist auch „Diabolus“ ein spannender Roman. Dan Brown Erstlingswerk beinhaltet bereits alle Zutaten, die auch seine späteren Geschichten zu wahren „Pageturnern“ machen. Etwas übertreibt er nur mit dem Einstreuen kurzer Kapitel. Die gibt es auch in seinen anderen Romanen zwischendurch, aber gerade gegen Ende reihen sich 2 bis 3 Seiten lange Kapitel aneinander. Hat man die Absicht dahinter durchschaut, hat die versuchte Spannungssteigerung keine Wirkung mehr auf den Leser und die ständigen Seitensprünge kommen einem nur noch seltsam vor. Besonders trifft das auf zwei oder drei Kapitel zu, die sogar weniger als eine volle Seite (inklusive Kapitel-Überschrift!) zu füllen vermögen.

Dass es in Dan Browns Romanen nicht immer um den Symbologe Robert Langdon gehen muss (der erst in Browns zweitem Roman „Illuminati“ erstmals in Erscheinung trat), weiß ich bereits aus „Meteor“, der ebenfalls enorme Spannung und einer aberwitzige und wahrlich unvorhersehbare Wendung bereithält. Eine Wendung in diesem Ausmaß gab es in „Diabolus“ nicht. Keine 180-Grand-Wende, die alles Bisherige in einem neuen Licht erscheinen lässt, aber doch zumindest die eine oder andere Erkenntnis, bei der man sich denkt: „Ja, klar, das macht Sinn und fügt sich in die Story ein.“ Obwohl ein Robert Langdon fehlt, ist Susans Verlobter David ein nicht unähnlicher Charakter und wenigstens durch die Örtlichkeit Sevilla werden hin und wieder ein paar Sehenswürdigkeiten beschrieben und ihre kunsthistorischen Bedeutungen angerissen. Aber auch insgesamt gefällt mir der Part in Sevilla besser als jener in der NSA, denn Davids Schnitzeljagd nach dem Ring nimmt mitunter auch wirklich witzige Ausmaße an. Im vergleich dazu verläuft die Handlung bei der NSA – die vorrangig an zwei von einander örtlich getrennten Bereichen des Hauptquartiers stattfinden – eher statisch. Hier geht es eher darum, Zeit zu gewinnen, während es in Sevilla für David darum geht, die Zeit zu nutzen um dem Ring näher zu kommen.

Bewertung: Der Roman hat mich gut unterhalten und ist thematisch heutzutage vielleicht sogar relevanter als zu seiner Entstehungszeit 1998. Die Wahrung der Privatsphäre im Internet ist heutzutage zwar noch mehr durch private Unternehmen bedroht, aber auf den gewaltigen Abhörapparat der NSA einzugehen, war 1998 vermutlich auch schon ein Omen. Zumindest mir war die NSA und was sie macht wohl erst im Zuge der Ereignisse nach dem 11. September 2001 bekannt geworden. Die Abwägung von Sicherheit gegenüber Privatsphäre ist heute genauso ein heikles Thema wie damals. Eine klare Aussage bleibt Dan Brown am Ende schuldig, aber zumindest bringt er die Argumente beider Seiten in seinen Roman unter und zumindest ist die Situation am Ende der Geschichte eine andere als am Beginn mit einem (vermeintlichen) Sieger. Und bedenkt mann, was erst Jahre nach der ersten Veröffentlichung des Romans geschah, kann dieses Unterhaltungswerk zu einigen Was-wäre-wenn-Überlegungen anregen. Meine Bewertung: solide 4 Sterne.

4stars

Rezension: “Star Trek World Tour – Museum Guide“

Hin und wieder die Online-Kleinanzeigen nach dem Suchbegriff „Star Trek“ zu durchstöbern, kann sich schon auszahlen. Auf diesem Wege wurde ich auf einen reich illustrierten Museumsführer aufmerksam, der mir einen Rückblick auf eine Veranstaltung ermöglicht, die ich 1999 in Wien besucht habe: die „Star Trek World Tour“.

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Die „Star Trek World Tour“ war eine Wanderausstellung mit Live-Event-Charakter, die zuerst Ende 1998 in Düsseldorf, im Sommer 1999 in Wien und im Dezember 1999 in Singapur Station machte. Der Ablauf (sofern mich meine Erinnerung nicht im Stich lässt 😉 ) war in etwa so: Zuerst wurde man mit einer Besuchergruppe in ein ziemlich gewaltiges Foyer im Stil der Next Generation-Ära-Sternenflotte geführt und weiter in einen „Transporterraum“, über den man sich in einen Nachbau der Enterprise-D-Sets begab. Führer erzählten etwas über das Schiff und die Technologie und hin und wieder erschien Q (gespielt von John de Lancie und von seinem üblichen deutschen Sprecher synchronisiert) auf einem Bildschirm und mischte sich ein. Dann wurde ein Borg-Angriff simuliert, den man sich von einem Nachbau der Kommando-Brücke aus ansehen konnte, und wurde anschließend in ein „Shuttle“ (im Grunde ein Kino mit beweglichen Sitzen) begleitet, das einen durch die Kampfzone zurück zur Basis brachte, wo man sich dann in einer Ausstellung umsehen konnte.

Und um genau diesen Abschnitt der „World Tour“-Führung geht es in der Broschüre, die ich kürzlich günstig erwerben konnte. Es handelt sich um kein „Buch“ im eigentlichen Sinne, da es keine ISBN-Nummer hat. Der von der Messe Düsseldort und Paramount Pictures in englischer Sprache veröffentlichte Museumsführer ist technisch gesehen aber ein typisches Taschenbuch mit Softcover-Einband, misst 21,5 x 12 cm und dürfte geschätzt 350 Seiten haben (nur die erste Hälfte des Buches weist Seitenzahlen auf).

Ausgestellt waren Exponate von der klassischen Star Trek-Serie bis hin zu Voyager und dem 8. Kinofilm „Der Erste Kontakt“. Die Zusammenstellung der Ausstellung beinhaltete Kostüme, Masken, Requisiten und Modelle (wobei jenes der Enterprise-A leider nur ein Nachbau war) die in den Serien und Filmen zum Einsatz kamen. Das Buch enthält wohl tatsächlich zu jedem der damaligen Ausstellungsstücke zumindest ein Foto (wenngleich ich sicher bin, dass der komplette Holo-Generator aus der „Deep Space Nine“-Folge „Die Illusion“ ausgestellt war und nicht nur dessen Kontrolleinheit) und Informationen. Die Texte sind unterschiedliche aufschlussreich. Manchmal geht es um die Herstellung, das Design und die Materialen des Ausstellungsstücks. Oft beschränkt sich der Text aber auf einer Beschreibung, in welcher Folge/welchem Film es zu sehen war bzw. welcher Darsteller/Charakter es verwendet hat.

Hier ein paar Fotos der Innenseiten des Museumsführers. Ich entschuldige mich für die dilettantische Qualität, aber um den Buchrücken nicht zu beschädigen, habe ich davon abgesehen, die aufgeschlagenen Seiten auf den Scanner zu legen.

Ich fand vor allem gleich den ersten Abschnitt des Museumsführers interessant, der den Kostümen gewidmet ist. Seitdem das Buch „Star Trek Kostüme“ erstmals so richtig mein Interesse an diesem Themenbereich weckte, sehe ich mir gerne die Details an den Kleidungsstücken in Film und Fernsehen an und das Hochformat dieser Broschüre ist wirklich perfekt zur Abbildung von Kostümen. Wie man an den Fotos sieht, müssen sich die Bilder von Requisiten, Modellen und Masken die Seite teilen, aber die Fotos der 30 beschriebenen Kostümen füllen je eine komplette Seite und lassen eine sehr genaue Betrachtung zu. Ich finde, dass auch die Texte zu den Kostümen generell mehr interessante „Making-of“-Informationen enthalten, als jene zu den anderen Ausstellungsstücken.

Den eigentlichen Ausstellungsstücken selbst ist aber nur die Hälfte der Broschüre gewidmet. In der zweiten Hälfte sind dann lediglich die Schaubilder abgedruckt, die im Museumsbereich der „Star Trek World Tour“ an den Wänden hingen und allgemeine Informationen über die Filme, Serien, ausgewählte Episoden, Charaktere, Schauspieler und Produzenten wiedergaben.

Bewertung: Ich besitze immer noch ein paar Andenken an das Gastspiel der „Star Trek World Tour“ in Wien und dieser Museumsführer gesellt sich nicht nur zu diesen, sondern auch zu meiner Sammlung an Star Trek-Sachbüchern. Er bietet nicht den umfangreichsten Blick hinter die Kulissen, aber zumindest auf ein paar ausgewählte Exponate, die damals in einigen von insgesamt 120 Seefracht- und 30 kleinern Containern der „World Tour“ auf Reisen gingen. Die ersten 175 Seiten bewerte ich als sehr gut illustriert und mal mehr mal weniger informativ. Die zweite Hälfte ist dann eher als umfangreicher Anhang zu verstehen. Alles in allem hat mir diese Broschüre eine kleine, nostalgische Zeitreise beschert, weshalb ich starke 4 Sterne vergebe.

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Anmerkung: Während es unwahrscheinlich erscheint, dass wieder einmal eine Ausstellung mit „Star Trek“-Exponaten in Österreich ihre Zelte aufschlägt, sind derartige Veranstaltungen in Nordamerika durchaus üblich. Mit „Exploring New Worlds“ befindet sich eine Ausstellung derzeit auf Wanderschaft und – auch wenn es keinen Besuch vor Ort ersetzen kann – bietet die folgende Homepage die Möglichkeit, einer virtuellen Tour durch das Museum (unter „3D Exhibition Walk-Through“):

https://www.mopop.org/exhibitions-plus-events/traveling-exhibitions/star-trek-exploring-new-worlds/

Rezension: DSC – “The Way to the Stars“

Der vierte Roman zur Star Trek-Serie „Discovery“ ist eine interessante Abwechslung vom üblichen Abenteuer-Genre. Stattdessen erzählt er die Geschichte der jugendlichen Sylvia Tilly.

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Nur die Rahmenhandlung in Prolog und Epilog ist zeitlich während der eigentlichen Serie angesiedelt. Am Abend bevor für Ensign Sylvia Tilly das Kommandotrainingsprogramm beginnt (zu dem sie am Ende der 1. Staffel zugelassen wurde), leidet sie an Schlaflosigkeit und erzählt ihrer Zimmergenossin Michael Burnham, wie sie eigentlich zur Sternenflotte kam.

Der Rückblick beginnt an Sylvias 16. Geburtstag und beschreibt den darauf folgenden Zeitraum von einem Jahr. Von Beginn an wird deutlich, wie belastend die besondere Familiensituation für Sylvia ist. Als Kind einer hochrangigen Föderationsdiplomatin (Siophan) und eines auf Tiefenraum-Forschungsmission befindlichen und die meiste Zeit daher abwesenden Wissenschaftlers (Iain) der Sternenflotte, lebt Sylvia auf der Erde, nahe ihrer Mutter, die ihr Leben für sie bestimmt – auch wenn sie bedingt durch ihre Arbeit wenig Zeit für ihre Tochter hat. Und genau ein solches Leben schwebt Siobhan auch für ihre Tochter vor und so wird Sylvia nach Talaris IV geschickt, um dort eine diplomatische Schule zu besuchen. Die 16jährige ist zwar mehr an Wissenschaft interessiert, fügt sich aber der Entscheidung ihrer Mutter und weil sie wirklich brillant ist – wenn auch in sozialer Hinsicht nicht immer sattelfest agiert – kommt Sylvia anfänglich sehr gut an der Schule zurecht. Doch „sehr gut“ ist nicht „perfekt“ und eine solche Perfektion erwartet Siobhan von ihrer Tochter, was Sylvia noch stärker unter Druck setzt und schließlich in weiterer Folge zu einem ersten Rückschlag führt … und zu einigen weiteren. Als Sylvia schließlich einsieht, dass sie nie den Erwartungen ihrer Mutter entsprechen wird, entscheidet sie erstmals selbst über ihren Lebensweg. Und dieser führt zu den Sternen …

Fazit: Nein, nein, so schnell entscheidet sich Sylvia nicht für die Sternenflotte. Ihr erster Ausflug ins Unbekannte findet an Bord eines runtergekommenen Passagierschiffs, statt, auf dem ihr ihr Gepäck, ihr Geld und ihr Ausweis gestohlen werden und auf dem sie fortan als blinder Passagier an Bord bleibt. Ihre Flucht vor den in sie gesetzten Erwartungen verläuft ganz schön holprig und ist daher auch amüsant zu lesen. Und doch – trotz all der Unwegsamkeiten – läuft es für sie auf der Flucht viel besser als auf der Schule.

Autorin Una McCormack hat einen ungewöhnlichen Star Trek-Roman geschrieben, der zwar die meiste Zeit an einer biederen Internatsschule spielt, aber dennoch sehr fokussiert auf Sylvia Tilly ist. Ich persönlich finde, dass McCormack wirklich eine hervorragende Geschichte geschrieben hat und wer mit der Serie vertraut ist, wird Tilly hier im Roman sofort wiedererkennen und feststellen, woher manche ihrer Eigenarten kommen.

Etwas zu bemüht ist McCormack, wenn sie versucht, Tilly in Schwierigkeiten hineinzuschreiben. Ein komplizierter Balanceakt, zugegeben. Denn einerseits soll Tilly mit dem Unbekanntem und brenzligen Situationen konfrontiert werden, vor denen sie bisher behütet worden war. Andererseits soll sie auch wieder gut daraus aussteigen und dabei mehr Freude haben, als es ihr die Diplomatenkarriere beschert hätte. Tatsächlich empfand ich eigentlich beide Situationen, in denen Erwachsene auf Tilly mächtig sauer sind, etwas übertrieben. Wirklich etwas angestellt hat sie nämlich in beiden Fällen nicht, stattdessen eigentlich sehr viel richtig gemacht. Vielleicht wollte die Autorin verhindern, Tilly zu genial für eine technisch und wissenschaftlich interessierte 16jährige darzustellen, damit sie nicht zu einem „Mary Sue“-Charakter wird, dem auf Anhieb alles gelingt. Aber ich denke, ihre kleinen persönlichen Fehler und sozialen Defizite (die sie in meinen Augen erst recht zu einem sehr sympathischen Charakter machen), sorgen hier bereits für einen ausreichenden Ausgleich zu ihrer Intelligenz, so dass Tilly nie überheblich rüberkommt.

In Wahrheit kann sie einem ja wirklich leid tun, da ihr Leben zu einem übermäßig großen Teil von ihrer (etwas überzeichnet auf ihre Karriere orientiert dargestellte) Mutter fremdbestimmt wird und lieber ihr eigenes Unglück in Kauf nimmt, als Siobhan zu widersprechen. Wohl eine verständliche Einstellung für einen Teenager, der an der Schwelle steht, selbst Entscheidungen über den eigenen Bildungsweg und die eigene Zukunft zu fällen.

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Auch in der ersten „Short Trek“-Episode „Runaway“ (zu sehen auf Netflix im Trailer-Bereich von „Star Trek Discovery“) spielt das schwierige Verhältnis von Tilly zur ihrer Mutter eine Rolle.

Bewertung: Eine schöne Geschichte, ganz ohne interstellare Intrigen, Raumschiffgefechte und fremde Welten … und doch eindeutig mit „Star Trek Discovery“ verknüpft, weil Una McCormack den Charakter Sylvia Tilly so gut getroffen und eine nachvollziehbare Vorgeschichte für sie entwickelt hat. Wie Tillys Werdegang verläuft, ist natürlich dem Kenner der Serie klar – sogar der Titel des Romans nimmt es schon vorweg. Das macht die Geschichte aber nicht weniger sympathisch, wenn auch nicht übermäßig spannend. Trotzdem gibt es interessante Umgebungen, Nebencharaktere und Herausforderungen, weshalb ich trotzdem 5 von 6 Sterne vergebe.

5stars

Rezension: TOS – „Die Stürme der Widrigkeiten“

William Leisners Roman erschien erstmals 2013 unter dem Originaltitel „The Shocks of Adversity“ und wurde 2017 vom Cross Cult-Verlag auch auf Deutsch herausgebracht. In diesem Roman befindet sich die U.S.S. Enterprise und ihre Crew auf ihrer 5-Jahres-Mission und erforschen die sogenannte Nystrom-Anomalie, die 90 Jahre zuvor lediglich einmal von der Raumsonde „Friendship 1“ aus der Ferne abgetastet wurde.

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Aus der Nähe betrachtet stellt die Crew der Enterprise fest, dass es sich bei der vermeintlichen Anomalie in Wahrheit um ein Sonnensystem handelt, das von einem dichten Asteroidenfeld umgeben ist. Die ungewöhnliche Substanz, aus der die Asteroiden bestehen, erzeugt Subraumstörungen und macht den Flug durch das Asteroidenfeld zu einer gefährlichen Angelegenheit, doch auch hinter der Barriere wartet nichts Erfreuliches: Während Captain Kirk und sein Erkundungstrupp auf der Oberfläche eines Klasse-M-Planeten unter Beschuss geraten, wird die Enterprise im Orbit angegriffen. Während man mit den Offizieren der Goeg-Domäne auf dem Planeten einen Dialog herstellen kann, gelingt es den Taarpi-Rebellen – mit denen die Goeg im Streit liegen – die Enterprise schwer zu beschädigen. Mithilfe eines Goeg-Schiffes gelingt es, die Rebellen zu vertreiben, doch die Enterprise sitzt aufgrund der Beschädigungen in feindlichem Territorium fest, viele Monate Flugzeit entfernt von der nächsten Sternenbasis.

Doch die Chefingenieurin des Goeg-Schiffes hat eine Lösung parat: Sie schlägt vor, die beiden Schiffe aneinander zu koppeln, um die Enterprise innerhalb weniger Wochen zu einer Goeg-Reparaturstation zu schleppen. Die technische Umsetzung des Plans funktioniert hervorragend, doch je länger der Flug dauert, desto tiefer werden die Gräben zwischen der Sternenflotten- und der Goeg-Crew.

Fazit: Die größte Stärke des Romans ist sicher, wie Autor William Leisner die angespannte Situation steigert. Zuerst scheinen alle glücklich mit der Situation, man meint sogar, starke Ähnlichkeiten zwischen der Föderation und der Goeg-Domäne zu entdecken. Doch während die Föderation die Vielfalt und Freiheit auch lebt, verbergen sich bei den Goeg hinter diesen Begriffen Unterdrückung und Militarismus. Ist man kein geborener Goeg, kommt man nicht weit im Verteidigungskorps – das auch das Wort „Verteidigung“ sehr frei interpretiert.

Im Laufe des Romans kommt es zu unvereinbaren Standpunkten und man leidet mit Captain Kirk wirklich mit, der sich in dieser prekären Situation zurückhalten muss, um seinem Goeg-Gegenüber nicht an die Gurgel zu gehen. Diese Situation wünscht man keinem Captain: Einerseits kann Kirk nicht dulden, in welche militärischen Abenteuer das Goeg-Schiff die Enterprise im wahrsten Sinne des Wortes schleppt und anderseits kann er auch nicht so leicht die Verbindung zwischen den Schiffen lösen und die Enterprise stranden lassen. Kirk ist der Situation hilflos ausgeliefert, mit einem Schiff, das aufgrund des beschädigten Antriebs im taktischen Nachteil ist. Wer mit der Serie „Battlestar Galactica“ vertraut ist, wird hier sicher Parallelen zur Folge „Pegasus“ erkennen, an deren Schluss die Lage so weit eskaliert, dass zwei eigentlich verbündete Kampfsterne ihre Waffen aufeinander richten.

„Die Stürme der Widrigkeiten“ ist ein guter Thriller, der kontinuierlich an der Eskalationsschraube dreht und zugleich eine Mahnung, sich nicht mit dem zufrieden zu geben, was oberflächlich gut aussieht, sondern sich zuerst mal zu informieren, bevor man feststellt, dass man eine Entscheidung getroffen hat, die sich als noch schwerwiegender entpuppt als die zur Wahl gestandene Alternative.

Schwachpunkt des Romans ist allerdings die Herleitung der Ausgangssituation. Am Beginn investiert der Autor ziemlich viel Zeit, um das Mysterium der Nystrom-Anomalie, die ungewöhnlichen Asteroiden und die Entdeckung des Sonnensystems und des Planeten zu beschreiben. Aber sobald es zu den Gefechten auf dem Planeten und im Orbit kommt, ist all das vergessen.

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Die Entdeckung, die ursprünglich von der Raumsonde „Friendship 1“ gemacht wurde, spielt am Ende des Romans keine Rolle mehr. Immerhin stellt die Erwähnung der Sonde aber eine nette Verbindung zwischen der klassischen Serie und „Star Trek: Voyager“ dar. In der 7. Staffel der Serie wird die Crew der Voyager Teile dieses Relikts aus dem Jahr 2067 wiederfinden.

Die Enterprise lässt das Sonnensystem hinter sich, die Substanz, aus der die Asteroiden bestehen, spielt keine Rolle mehr und wir erfahren auch nicht, welche Bedeutung der Planet im Konflikt zwischen den Goeg und den Taarpi-Rebellen hatte. (Es hätte sich meiner Meinung nach gut angeboten, mit dem Planeten ein schockierendes Geheimnis zu verbinden, das der Enterprise-Crew erst die wahre Natur der Goeg-Domäne offenbart.)

Interessant ist, dass in diesem Roman sowohl Pavel Chekov als auch Lieutenant Arex als Navigatoren auf der Enterprise dienen. Andere Romane gingen davon aus, dass Arex überhaupt erst als Ersatz für Chekov an Bord kam, da Chekov in der Star Trek-Zeichentrickserie nicht auftauchte. (Der 2016 erschienene Roman „The Latter Fire“ liefert eine entsprechende Szene, in der Chekov abgelöst wird, nach.)

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In der Zeichentrickserie nahm Lieutenant Arex neben Sulu auf der Brücke der Enterprise Platz. In „Die Stürme der Widrigkeiten“ wird Arex – wie meist in den offiziellen Romanen – als Triexianer bezeichnet, obwohl Hintergrundinformationen zur Zeichentrickserie ihn als Edosianer identifizieren.

Bewertung: Ich weiß nicht, ob es ein wirklich großer Kritikpunkt ist, dass der Roman sich von seiner Ausrichtung her so stark wandelt. Wendungen in Romanen – vor allem wenn sie nicht vorhersehbar sind – sind grundsätzlich etwas, das ich sehr schätze, aber „Die Stürme der Widrigkeiten“ wechselt mittendrin sogar das Genre. Ganz unvorhersehbar war das, was über die Goeg-Domäne im Verlauf des Romans ans Licht kommt, auch nicht, weil deren Art der Schiffsführung schon auf militante Weise gänzlich anders ist als das, was man von Sternenflottenschiffen gewohnt ist. Trotzdem hat mir die Eskalation und die zwischenzeitliche Aussichtslosigkeit der Situation sehr gut gefallen. Und auch wenn er damit wieder einmal aneckt, löst Kirk das Problem am Ende auf eine für ihn sehr typische Art. 😉 Daher gebe ich dem Roman starke 4 Sterne, bedaure aber auch, dass die Story keinen Bezug mehr auf ihren mysteriös und daher sehr interessant eingeführten Ausgangspunkt genommen hat.

4stars

 

Rezension: DS9 – „Das große Spiel“

Ich habe in den letzten Jahren eher wenige Romane zur Serie „Deep Space Nine“ gelesen, was vor allem daran liegt, dass mir der sogenannte „Relaunch“ (also jene Romane, die inhaltlich nach der 7. Staffel angesiedelt sind) nicht so gut gefallen haben. Um mein Defizit ein wenig aufzubessern, habe ich daher zu einem älteren Roman – genauer gesagt zu einem der allerersten DS9-Romane – gegriffen, dessen Inhaltsangabe sich zumindest vielversprechend amüsant liest.

Zur Story: Die Raumstation Deep Space 9 erbebt unter sonderbaren Erschütterungen, die offenkundig keinen sichtbaren Ausgangspunkt haben. Während Commander Sisko und vor allem Chief O’Brien alle Mühe haben, die Station zusammenzuhalten, stellen sie fest, dass die Erschütterungen den ganzen Raumsektor betreffen, Raumschiffe mehrere Völker lahmlegen oder sogar vernichten. Auf der Suche nach einer Ursache sind vor allem die Bajoraner und die Cardassianer sehr schnell und beschuldigen sich gegenseitig, eine neue Geheimwaffe einzusetzen. Sisko und seine Crew bemühen sich, die wahre Ursache der Erschütterungen herauszufinden, um einen drohenden Krieg zwischen Bajor und Cardassia zu verhindern.

Obwohl gemäß der 34. Ferengi-Erwerbsregel Krieg gut fürs Geschäft ist, hat der Bar-Besitzer Quark beträchtliche Sorgen: Trotz all der technischen Widrigkeiten auf der Raumstation, muss er ein hochdotiertes Poker-Turnier über die Bühne bringen, das allerhand zwielichtige Personen anzieht. Von einem zeitreisenden Menschen aus dem 22. Jahrhundert über Klingonen, die eine Streitkraft finanzieren müssen, bis hin zu übelriechenden Exoten tummeln sich Vertreter verschiedenste Völker im Hinterzimmer der Bar und versuchen, sich nicht von Quark über den Tisch ziehen zu lassen, der heimlich seine eigenen Spieler eingeschleust hat. Für eine Romulanerin endet das Turnier allerdings vorzeitig, als sie während eines Stromausfall ermordet wird. Diese Tat bewegt sogar Sicherheitschef Odo, sich aktiv am Turnier zu beteiligen und nach dem Mörder zu suchen.

Fazit: Die beide Handlungsstränge haben abgesehen von den Systemausfällen keine nennenswerten Berührungspunkte. Während die Energieausfälle und die heikle politische Lage durchaus gelungen für Spannung sorgen, soll das Poker-Turnier wohl einfach heitere Entlastung einstreuen. Das gelingt allerdings nicht so recht.

Zum einen, weil die Ausgangssituation etwas absurd wirkt. Sicher, dieser Roman wurde geschrieben als gerade die ersten Episoden von „Deep Space Nine“ produziert wurden, aber es wäre glaubwürdiger, wenn sich die Autoren (Sandy Schofield ist ein Pseudonym für das Autorenduo Dean Wesley Smith & Kristine Kathryn Rusch) ein anderes Spiel ausgedacht hätten. Ausgerechnet Poker erscheint mir doch als etwas billige Lösung, um raffgierige Gestalten so vieler Spezies‘ nach Deep Space 9 kommen zu lassen. Sozusagen ein „Best of“ der Gastcharaktere aus den ersten 5 Staffel von „The Next Generation“ und der 1. Staffel von „Deep Space Nine“.

Diese Zusammenkunft – mit einem Augenzwinkern vorgetragen – hätte die Basis für eine vorrangig komödiantische Geschichte sein können. Allerdings spielen viele Turnierteilnehmer so gut wie gar keine Rolle, sind einfach da und sondern ein paar typische Sprüche ab. Weniger wäre wirklich mehr gewesen.

Zudem ist die Parallelhandlung ziemlich ernst. Nicht nur der drohende Krieg sorgt für Anspannung, auch als man dahinterkommt, wer tatsächlich die Verantwortung für die Anomalien trägt, gibt es eine Parabel zu einem wichtigen Umweltschutzthema und einen tragischen Zwischenfall, wenn Major Kira die Verantwortlichen zu stellen versucht. Dies gelingt der Bajoranerin übrigens, indem sie einen phasenverschiebende Tarnvorrichtung benutzt. Eine Technologie, auf die die Sternenflotte gerade erst bei den Romulanern gestoßen ist … und die Chief O’Brien in diesem Roman in unter einer Stunde nachbauen kann, um ein Shuttle damit auszustatten.

Bewertung: Beide Handlungsstränge in diesem Roman sind nicht perfekt, leiden etwas an mangelnder Glaubwürdigkeit – obwohl die beiden Autoren zumindest die Hauptcharaktere (speziell Odo und Quark) erstaunlich gut getroffen haben. Meistens ist dies ein großes Problem bei Romanen, die so früh nach dem Start einer neuen Serie erscheinen. Hier ist es aber mehr die Story selbst, die eine Herausforderung darstellt und jener rund um das Poker-Turnier bereitet viel vor, aber kratzt schlussendlich nicht mal am vorhandenen Humor-Potenzial. Der Schlussgag ist leider auch vorhersehbar. Weil der Roman aber trotzdem stellenweise sehr spannend ist, gebe ich 3 Sterne.

3stars

Anmerkung: Keines der Cover dieses Romans passt wirklich zum Inhalt. Ein romulanischer Warbird taucht nämlich nicht auf. Und warum die U.S.S. Defiant, die ja erst ab Staffel 3 der Serie dabei ist, auf dem ebook-Cover zu sehen ist, ist ebenfalls rätselhaft. Normalerweise nutzt der Heyne-Verlag durchaus auf den ebook-Covern Elemente, die auch auf dem jeweiligen Tachenbuch-Cover vorkommen.

Das Taschenbuch-Coverbild von „Das große Spiel“ wurde vom Heyner-Verlag übrigens nochmal für die deutsche Veröffentlichung der Romanadaption der Doppelfolge „Der Weg des Kriegers“ wiederverwendet. Auch in dieser Geschichte kam kein romulanischer Warbird vor. 😉 (Das englischsprachige Original „The Way of the Warrior“ hatte ein anderes Motiv auf dem Cover.)