Rezension: TOS – “Der Friedensstifter”

Jerry Oltions Roman zur klassischen Star Trek-Serie erschien zwar bereits 1997 auf Englisch, doch da der Heyne-Verlag damals bereits begann, Veröffentlichungen von Star Trek-Romanen zurückzufahren, dauerte es bis 2013 ehe der Cross Cult-Verlag diesen Roman auf Deutsch herausbrachte. Warum ich nun 5 Jahre später diesen Roman gelesen habe, liegt vor allem daran, dass erst Ende letzten Jahres in „Discovery“ wieder eine bekannte Figur aus „The Original Series“ auftat, die auch in diesem Roman eine wichtige Rolle spielt.

Der_Friedensstifter

Seit unfassbaren 12.000 Jahren führen die beiden Planeten im nevisianischen Sonnensystem – Distrel und Prastor – gegeneinander Krieg. Umso überraschender erreicht die Föderation die Nachricht, dass die beiden Völker nun plötzlich Frieden miteinander geschlossen haben. Um dazu zu gratulieren und die Hintergründe herauszufinden, wird die Enterprise unter dem Kommando von Captain Kirk entsandt und der Landetrupp, der sich zu den Festivitäten runterbeamt staunt nicht schlecht, als sie dort auf einen alten Bekannten treffen.

Denn niemand anderer als das Schlitzohr Harry Mudd wird von den Nevisianern als großer Friedensstifter gefeiert. Dabei hatten die Offiziere von der Enterprise angenommen, Harry wäre auf einem Planeten voller Androiden zu einem ewig währenden Exil verdammt (siehe TOS-Folge „Der dressierte Herrscher“). Doch Harry erzählt, dass er den Androiden weismachen konnte, in Freiheit viel nützlicher zu sein und bot zum Beweis an, den Krieg im Nevis-System zu beenden – jedoch nicht ohne Überwachung. Und so haben die Androiden Harry zusammen mit einer Roboter-Kopie seiner Ex-Frau Stella zu den Nevisianern geschickt, wo Harry dank eines Handelsabkommens – bei dem auch Profit in seine eigene Tasche fließen soll – den Krieg tatsächlich beenden konnte.

Doch nichts währt ewig, denn die seit zwölf Jahrtausenden an Krieg gewöhnten Nevisianer nutzen schon die erste Gelegenheit, die Kämpfe wieder ausbrechen zu lassen. Das liegt auch einem extremistischen Glauben, demnach Helden auf der Seite des Kriegsgegners wiedergeboren werden und nach ihrem zweiten heldenhaften Tod schließlich von den Göttern ins himmlische Arnhall eingelassen werden. Ein Friedensvertrag, der den Weg dorthin blockiert, wird in einer solchen Gesellschaft natürlich rasch als auszuräumendes Hindernis erkannt. Zumal am Glauben der Nevisianer durchaus etwas Wahres dran zu sein scheint … was Kirk & Co auf die harte Tour feststellen müssen.

Fazit: Ich hatte mal wieder Lust auf etwas Heiteres und wenngleich Harry Mudd unter den hiesigen Star Trek-Fans bei weitem nicht so populär ist wie in den USA, sorgt allein seine aufschneiderische Art für einige humorvolle Einlagen. Harry – und auch seine „Ehefrau“ Stella – sind in diesem Roman stimmlich hervorragend getroffen, Übersetzer Bernhard Kempen hat sich merklich an die Diktion und Wortwahl der Figuren aus den TOS-Folgen „Die Frauen des Mr. Mudd“ und „Der dressierte Herrscher“ gehalten.

Überraschenderweise dreht sich aber nicht alles um Harry Mudd, der wie auch die Enterprise-Crew Opfer einer Fehlinterpretation des nevisianischen Glaubens wird. Dass hinter der tatsächlich funktionierenden Reinkarnation aber keine übernatürlichen Wesen stecken, sondern eine technische Lösung, ist auf angenehme Weise typisch TOS – auch wenn es diesmal keinen Computer gibt, dem Kirk seine eigene Unlogik vor Augen führt und in die Selbstzerstörung treibt. 😉

In diesem Roman wechselt man zusammen mit den Charakteren kreuz und quer zwischen den Schauplätzen Distrel, Prastor sowie der Enterpise hin und her, die im Sonnensystem kreuz und quer fliegt, um mit den Reinkarnationen und dem damit verbundenen Planetenwechsel Schritt zu halten. Bedenkt man, dass unsere Helden in der Serie oft ohne Kratzer unglaubliche Abenteuer bestanden, sterben hier die Leute wie die Fliegen. Darunter auch eine Sicherheitsoffizierin, die am Beginn des Romans einen Techniker an Bord der Enterprise heiratet, obwohl sie ein sich ständig streitendes Paar abgeben. Dies ist natürlich eine beabsichtigte Analogie zur Beziehung von Harry Mudd zu seiner Stella, aber während die beiden Letztgenannten für Belustigung sorgen, ziehen sich die Szenen mit dem anderen Paar beträchtlich.

Bewertung: „Der Friedensstifter“ ist eine relativ kurze Geschichte (was recht typisch für die Star Trek-Romane der 90er ist), aber über weite Strecken sehr unterhaltsam und angenehm turbulent. Keine One-Man-Show von Harry Mudd, sondern auch eine Beschreibung einer interessanten, fremden Kultur, deren Eigenschaften sehr gut in das Ambiente der klassischen Serie passen. Es ist Autor Jerry Oltion hoch anzurechnen, dass er es schaffte, eine so gut an TOS angepasste Story zu schreiben, aber dennoch Ausschweifungen hinzufügt, die sich in der Serie nicht hätten verfilmen lassen, aber dennoch nicht wie Fremdkörper wirken. Gäbe es da nicht ein paar Hänger wenn sich der Fokus auf das Ehepaar an Bord der Enterprise richtet, hätte ich einen Stern mehr gegeben. So pendelt sich meine Wertung aber bei guten 4 Sternen ein.

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Mudd in der TAS-Folge „Der Liebeskristall“.

Anmerkung: Falls es Harry Mudd nicht doch noch in einem weiteren Abenteuer wieder auf den Androiden-Planeten zurück verschlägt, so ignoriert der Roman Mudds Auftritt in der Zeichentrickserie. Als Kirk und Spock in jener Folge Mudd in Gewahrsam nehmen, erwähnen sie nämlich, dass sie angenommen hatten, Mudd befände sich noch dort.

Da der Roman von 1997 stammt, ist es nicht ungewöhnlich, dass die Zeichentrickserie unberücksichtigt bleibt. Aufgrund des Insolvenz des ausführenden Animationsstudios Filmation gab es Ende der 80er/Anfang der 90er Unsicherheit bezüglich der Verwertungsrechte der Serie und es hielt sich noch fast 20 Jahre der Mythos, TAS zähle nicht zum sogenannten Kanon der Star Trek-Serien.

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Rezension: “The Art of Star Trek – The Kelvin Timeline“

Wieder einmal vereinen sich meine Interessen „Star Trek“ und „Design“ in einem Buch, was „The Art of Star Trek – The Kelvin Timeline“ für mich natürlich zu einem absoluten Pflichtkauf gemacht hat. Auf fast 200 Seiten befasst sich Autor Jeff Bond mit der Design-Arbeit zu den drei neuesten Kinofilmen „Star Trek„, „Star Trek Into Darkness“ und „Star Trek Beyond„.

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Dieses sehr schön gestaltete Hardcover-Buch im 31 x 28 Zentimeter großen Querformat befasst sich Querbeet mit so ziemlich allen nur denkbaren Design-Handwerksrichtungen, die für Kinofilmproduktionen vonnöten sind. Von den Sets über visuelle Effekte bis hin zu Kostümen, Masken und Requisiten. Jeff Bond hat Interviews mit den Kreativen Ryan Church, James Clyne, Sanya Hays, Scott Chambliss, John Eaves, Peter Chiang und vielen anderen geführt und die Sammlung aus Hunderten Skizzen, Zeichnungen, Computermodellen und Fotos mit informativen Text ergänzt.

Allerdings bei diesem Umfang an geführten Interviews, für die sich der Autor im Nachwort bedankt (das Vorwort liefert „Beyond“-Regisseur Justin Lin), hätte ich mir doch einen – zumindest etwas – höheren Textanteil gewünscht. Natürlich geht es in solchen Büchern primär um die Planung um Umsetzung und ihre visuelle Darstellung, aber ich hätte mich doch über etwas mehr Hintergrundinformation gefreut.

Das größte Manko dieses Buches ist aber ein anderes Buch, das bereits 2009 erschien: Mark Cotta Vaz‘ großartiges Design-Buch zum elften Kinofim: „Star Trek – The Art of the Film„. Würde dieses Buch nicht existieren, wäre Jeff Bonds neues Buch höher einzuschätzen. Denn nicht nur, dass Bond die Strukturierung der Kapitel abkupfert – in grober chronologischer Reihenfolge sind die Kapitel den Schauplätzen des Films gewidmet. Auch inhaltlich gibt es sehr große Überschneidungen, denn Bond hat rund 90 der 200 Seiten dem elften Kinofilm „Star Trek“ gewidmet, zu dem Mark Cotta Vaz bereits ein 160seitiges-Buch voll mit Design-Arbeiten herausbrachte.

Dennoch will ich hervorheben, dass Bonds Buch auf diesen 90 Seiten zum elften Film auch sehr viel neues Bildmaterial aufzubieten hat. Schätzungsweise hat Bond doch deutlich weniger als die Hälfte des zuvor veröffentlichten Bildmaterials verwendet, aber bei einer solchen Flut an Grafiken ist die reine Anzahl an Bekanntem doch sehr hoch.

Der starke Fokus auf den elften Film gibt „Into Darkness“ und „Beyond“ leider weniger Raum. Natürlich hätte ich es bevorzugt, wenn es auch zu diesen beiden Filmen eigene umfangreiche Design-Bücher gegeben hätte (zu „Beyond“ gab es zumindest ein allgemeines Making-of-Buch und ein Buch über die Masken). Aber dieses Buch ist eben als Sammlung angelegt, ähnlich jenem gemeinsamen Design-Buch zum 7. und 8. Kinofilm oder dem großartigen „Star Trek Design“ vom Autorenduo Reeves-Stevens, in dem auf 300 Seiten Designs zu allen Serien und Kinofilmen der ersten 30 Franchise-Jahre untergebracht sind. Vollständigkeit ist etwas, das man bei Büchern dieser Art nicht erwarten darf und insofern kann man schon froh sein, dass sich Jeff Bond zumindest 50 Seiten lang „Into Darkness“ und 40 Seiten lang „Beyond“ widmet. Aber als „fairer“ hätte ich es empfunden, wenn alle drei Filme ungefähr gleich viele Seite eingeräumt bekommen hätten.

Bewertung: Aufgrund der erwähnten Mankos spielt Jeff Bonds Buch leider nicht in der gleichen Liga wie die Design-Bücher von Mark Cotta Vaz, den Reeves-Stevens oder J.M. Dillard. (Eine Gesamtübersicht der von mir rezensierten Star Trek-Sachbücher findet ihr hier: https://rumschreiber.wordpress.com/star-trek-sachbucher/) Der starke Fokus auf den elften Film rächt sich leider in doppelter Hinsicht, weil es sich mit dem Buch von Mark Cotta Vaz messen will, es aber aufgrund des geringeren Umfangs nicht mit diesem aufnehmen kann (aber teils eine gute Ergänzung dazu darstellt) und Platz flöten geht, den man besser für die anderen beiden neuen Filme verwendet hätte.

Was Jeff Bond zusammengetragen hat, ist dennoch eine große Ansammlung an Entwürfen und umgesetzten Designs, die sehr beachtlich ist und auch für mich, der seit rund zwei Jahrzehnten das Internet nach Star Trek-Design durchsucht, war doch einiges an Neuem dabei. Und auch wenn der Text recht spärlich ausfällt, beinhaltet das Buch eine sehr witzige, mir bislang unbekannte Anekdote zum Langstrecken-Torpedo aus „Into Darkness“. 4 Sterne kann ich bedenkenlos geben. Wer das Buch von Mark Cotta Vaz nicht besitzt, wird aber bestimmt noch mehr Freude daran haben.

4stars

Rezension: Comic – Boldly go #13 „I.D.I.C. Part 1“

Eine über ein halbes Jahr verteilt erscheinende 6-teilige Story hat mich einst aus der „Ongoing“-Comicreihe rausgerissen. Damit mir dies nicht auch bei der „Boldly go“-Reihe passiert, habe ich beschlossen, den 6-Teiler „I.D.I.C.“ Ausgabe für Ausgabe zu rezensieren. Abgesehen von der Aufrechterhaltung meiner Aufmerksamkeitsspanne ( 😉 ) gibt es noch zwei weitere gute Gründe, warum man die sechs Teile von „I.D.I.C.“ einzeln rezensieren sollte.

IDW Star Trek Boldly Go #13 IDIC part 1 cover A

Einerseits legt die Story an sich diese Herangehensweise nahe. Die Abkürzung „I.D.I.C.“ (zu Deutsch auch oft „U.M.U.K.“ genannt), beschreibt das vulkanische Prinzip von unendlicher Mannigfaltigkeit in unendlichen Kombinationen und dieses Prinzip erforscht die Geschichte in Form verschiedenster Paralleluniversum, die aufeinander treffen.

Teil 1 der Geschichte beginnt ganz normal in der Kelvin-Zeitlinie, zu einem Zeitpunkt, als Captain Kirk und Lieutenant Sulu noch an Bord der U.S.S. Endeavour dienen, aber die Fertigstellung der Enterprise-A bereits nahe rückt. Spocks und Uhuras Urlaub auf Neu-Vulkan neigt sich daher dem Ende zu und während Spock über mögliche Entwicklungen in anderen Universen aufgrund unterschiedlicher Entwicklungen philosophiert, macht sich die Endeavour auf zur Untersuchung einer Anomalie. Und in einem von unendlich vielen Paralleluniversen spielt sich etwas ganz anderes ab!

In diesem Paralleluniversum wird die Enterprise nämlich von Captain Christopher Pike kommandiert. Sein aufmüpfiger Erster Offizier heißt Simon Grayson … und ist der Sohn des Vulkaniers Sarek und von Amanda Grayson. Simon fällt bei Pike in Ungnade, als dieser ihn unter Missachtung der Obersten Direktive von Nibiru mittels Shuttle retten lässt (siehe Prolog-Sequenz von „Star Trek Into Darkness„) und muss sich von seinem besten Freund Dr. McCoy (und einem Drink) darüber und über den Tod seiner Ehefrau Nyota hinweghelfen lassen.

Tja, wenn Simon Grayson in diesem Universum McCoys bester Freund ist, stellt sich die Frage: Was ist aus James T. Kirk geworden? Ganz einfach: Nach der Vernichtung der U.S.S. Kelvin wurde das Shuttle, in dem Kirk geboren wurde, von Klingonen aufgebracht und er als Klingone erzogen. Im Lauf der Jahre wurde aus ihm ein geachteter Krieger (schlicht genannt „Die Waise“), der aber einen Groll gegen Simon Grayson zu hegen scheint. In der Nähe einer Anomalie kommt es zur Begegnung zwischen Kirks Schlachtkreuzer und der von Pike kommandierten Enterprise …

Fazit: „Star Trek“ und speziell die Comics beschäftigen sich nicht zum ersten Mal mit alternativen Zeitlinien, Paralleluniversum und deren Aufeinandertreffen. Teil 1 von „I.D.I.C.“ fängt eine derartige Geschichte sehr geordnet hat. Sie ist nicht gleich von Anfang an ein „Über-Drüber-Abenteuer“, in dem alles möglich ist, sondern bleibt zuerst verwurzelt in der Kontinuität der bisherigen „Boldly go“-Comics. Mike Johnson stellt uns die baldige Wiedervereinigung der Enterprise-Crew in Aussicht, schickt die Endeavour auf den Weg und lässt Spock dem Leser erklären, was es mit dem vulkanischen I.D.I.C.-Prinzip auf sich hat. Das ist einer sehr gute Überleitung, denn direkt im Anschluss wechselt der Rest der Story zu Geschehnissen in einem Paralleluniversum, in dem es schön ist, Captain Pike in Aktion zu sehen.

Johnson hat sich hier einige interessante, abweichende Schicksalpfade für die Hauptcharaktere überlegt. Vor allem Simon Grayson wirkt nach einigen Seiten gar nicht mehr so unwahrscheinlich wie es noch am Beginn den Anschein hat. Und Kirk spielt den Vollstrecker des klingonischen Hohen Rates erschreckend, was dem Leser auch bildlich vor Augen geführt wird. Weiters werden einige Andeutungen eingestreut, die wohl erst in den kommenden Ausgaben ausgeführt werden. Wie der Schluss von Teil 1 schon zeigt, wird es darin dann auch um Paralleluniversen gehen, die sich noch deutlicher von der Kelvin-Zeitlinie unterscheiden werden.

Die Zeichnungen sind ein weiterer Grund, warum es sich anbietet, die einzelnen Teile von „I.D.I.C.“ einzeln zu rezensieren. Ganz dem vulkanischen Prinzip folgend wird jeder Teil von einem anderen Künstler illustriert. Zu Teil 1 steuert Josh Hood die Zeichnungen bei. Soweit ich weiß, hat Hood in letzter Zeit schon ein paar andere „Star Trek“-Comics des IDW-Verlags gezeichnet, aber noch keine der „Ongoing“- oder „Boldly go“-Reihe, weshalb mir sein Stil bislang unbekannt war. Wobei dieser nicht allzu gewöhnungsbedürftig ist. Hoods Zeichnungen sind näher an jenen von Veteran Tony Shasteen als an jenen von Megan Levens – um jene beiden Zeichner zu erwähnen, die zuletzt am häufigsten zum Einsatz kamen. Mehr als ausreichend detailliert und sehr gut akzentuiert und stimmungsvoll. Betreffend Charaktere denke ich, dass er vor allem Zachary Quinto – als Spock wie auch als Simon Grayson – sehr gut trifft und genauso Bruce Greenwoods Captain Pike. Chris Pines Kirk trifft er aber nur ausreichend, der Wiedererkennungswert der restlichen Charaktere liegt irgendwo dazwischen.

Bewertung: Ein sehr gelungener, geordneter Start für eine Geschichte mit dem Potenzial, regelrecht auszuarten. Teil 1 legt einen guten, unterhaltsamen Grundstein, fokussiert sich schön auf zwei Universen und reizt das Multiversum damit nicht gleich von Beginn an aus. Zugleich gibt es einen Cliffhanger, der an eine alternative Realität erinnert, auf die die Crew der Enterprise bereits in der „Ongoing“-Reihe (#29 und #30) traf. Als Leser bleibt man gespannt darauf, was noch kommt und damit erfüllt der Auftakt seinen Zweck perfekt, ohne schon einen ganz großen Paukenschlag zu setzen. Daher erhält „I.D.I.C. Teil 1“ von mir 5 von 6 Sterne.

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Anmerkung: „Boldly go“ wird übrigens nach „I.D.I.C.“ bzw. Ausgabe #18 enden. Mit der Fertigstellung der Enterprise-A soll eine neue Reihe starten (Details wurden von Autor Mike Johnson noch nicht veröffentlicht.) Neustarts mit #1 sind im Comic-Business ja gerne gesehen, aber ich finde es doch schade, dass schon so rasch Schluss ist, auch wenn ich es natürlich auch begrüße, in Zukunft wieder über Abenteuer der auf der Enterprise wiedervereinten Crew zu lesen. Aber nachdem die vorangegangene Reihe „Ongoing“ mit 60 Ausgaben einen Rekord aufstellte und die am längsten ununterbrochen laufende Comicreihe des Star Trek-Franchise war, hatte ich doch gehofft, „Boldly go“ würde etwas länger andauern.

Rezension: „High Heat” – A Jack Reacher Story

Wenn man mal nicht weiß, was man als nächstes lesen soll, kommt einem eine Novelle oder Kurzgeschichte immer sehr gelegen. Daher habe ich mal wieder eine Jack Reacher-Story zwischendurch eingeschoben. In „High Heat“ erzählt uns Lee Child nicht nur ein Jugendabenteuer von Jack Reacher, sondern er platziert ihn auch mitten in ein bekanntes historisches Ereignis.

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Jack Reacher ist 1977 noch keine 17 Jahre alt, aber er beschließt, seinen Bruder in der Militärakademie in West Point zu besuchen. Den Tag davor will er dazu nützen, sich das nahe gelegene New York anzusehen. Dort herrschen in diesem Sommer über 40 Grad im Schatten, kaum eine Menschenseele ist auf der Straße … und doch gelingt es Reacher sich Feinde zu machen. Als er mitansieht, wie ein Mann eine Frau auf offener Straße begrapscht, geht er heldenhaft dazwischen und vertreibt den Kerl – der sich jedoch als Bandenboss entpuppt, der die Frau – eine FBI-Agentin – nach einem Mikrophon abgetastet hat. Die Agentin rät Reacher dringend dazu, das Weite zu suchen, aber Reacher denkt gar nicht daran und geht stattdessen lieber auf Aufriss. 😉 Nachdem er in einer Bar das Herz von Studentin Chrissie erobern konnte, gehen beide in ein Tanzlokal, das sich dummerweise im Revier jener Bande befindet, mit deren Boss Reacher wenige Stunden zuvor aneinander geraten war.

Reacher sieht sich einer Übermacht gegenüber, die Lage wirkt aussichtslos, aber zum Glück schreiben wir ja den 13. Juli 1977. Der Tag des großen Stromausfalls in New York.

Fazit: Jack Reacher ist kein von Zeit und Raum losgelöster Held wie James Bond. Reacher kämpft mit dem Älterwerden in einem der letzten Romane und in dieser Kurzgeschichte ist er noch ein 16jähriger … der allerdings kaum von seinem Älteren Ich zu unterscheiden ist. 😀 Lee Child macht gleich am Beginn der Geschichte klar, dass Reacher bereits als 16jähriger körperlich so ist, wie er die folgenden Jahrzehnte lang sein wird, also an Kraft den meisten Menschen auf dem Planeten überlegen. Soll vorkommen. Allerdings benimmt er sich dermaßen souverän, dass es schon beängstigend ist. Als Sohn eines US Marines wird man sicher diszipliniert erzogen und schnappt einiges auf, aber was Reacher hier für kriminalistische Schlussfolgerungen zieht, ist schon mächtig dick aufgetragen. Ich nehme daher an, Lee Child wollte einfach irgendwie Jack Reacher in den New Yorker Sommer 1977 teleportieren, ihn mit einer Freundin durch die Finsternis ziehen, nebenbei einen Gangsterboss fertig machen und wichtige Hinweise zur Ergreifung des damals gefürchteten Serienkillers „The Son of Sam“ liefern lassen.

Ich kann nicht mit völliger Sicherheit sagen, ob der durch diese Situation entstandene Humor tatsächlich vom Autor beabsichtigt war. Aber launig zum Lesen ist die Geschichte allemal und mir ist es wesentlich lieber, Child platziert seinen Helden in die neuzeitliche Historie der USA als dass er ihn in ein nicht wiedererkennbares Mitteleuropa verfrachtet (wie in „Night School“ geschehen).

Bewertung: Die innerhalb eines Abends stattfindende Story ist schon ziemlich schräg, aber zumindest erfährt man nun, warum Reacher New York so sehr mag. Jetzt wissen wir: Er bekam dort seinen ersten BJ. (Ich schreibe den Begriff nicht aus, wer mit der Abkürzung nichts anfangen kann, geht die folgende Liste auf Wikipedia am besten von unten her durch, dann wird es schnell klar. 😉 https://en.wikipedia.org/wiki/BJ) Trotz all der erheiternden Situationen wird Reacher aber auch konfrontiert mit Gewalt und Tod. Und hier hätte eine solche Story regelrecht verlangt, dem jugendlichen Alter von Reacher Rechnung zu tragen. Aber ein Jack Reacher ist offenbar mit keiner denkbaren Situation überfordert. 😉

„High Heat“ ist also eine amüsante, kurze Lektüre, aber wandelt auf dem schmalen Grat der Satire. An manchen Stellen hätte ich mir gewünscht, Lee Child hätte dem Leser den jungen Jack Reacher mit mehr Ernsthaftigkeit vorgestellt. 4 Sterne gebe ich trotzdem.

4stars

Rezension: “Ready Player One”

In diesem Science-Fiction-Roman beschreibt der Autor Ernest Cline zwei sehr gegensätzliche Welten in den 2040er-Jahren: Zum einen die düstere Realität, in der ein Großteil der Menschheit infolge einer Energie- und Wirtschaftskrise an Armut leidet, während einige wenige Superkonzerne durch die Ausbeutung ihrer Schuldner immer mehr Reichtum anhäufen. Und dem entgegen steht … die OASIS!

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Die OASIS ist mehr als nur ein Multiplayer-Online-Videospiel. Sie ist eine jedem offenstehende virtuelle Realität, in die der User mittels VR-Brille, haptischer Handschuhe und Anzug vollständig eintauchen kann. Unzählige Welten und Möglichkeiten bietet die OASIS und wird daher zum kollektiven Zufluchtsort der Menschheit vor den Widrigkeiten der Realität. Mehr noch: die OASIS wird für viele die eine Realität, die zählt, denn dort kann jeder alles sein. Menschen brechen daraufhin ihre sozialen Kontakte außerhalb der OSASIS ab, verlassen ihr Zuhause nicht mehr, widmen sich ganz der mit Millionen anderen geteilte Scheinwelt … wo aber auch nicht immer alles so unbeschwert abläuft. Dann als James Halliday – der Erfinder der OASIS – eines Tages verstirbt, wendet er sich mit einer aufgezeichneten Nachricht an die Welt: Er habe innerhalb der OASIS, am Ende einer herausfordernden Rätsel-Rally, ein sogenanntes „Easter Egg“ versteckt; ein Artefakt, das es dem Finder ermöglicht, die völlige Kontrolle über die OASIS und Hallidays Reichtümer zu erlangen.

Und so entstanden die Jäger: Personen, die den Großteil ihrer Zeit nur noch damit verbrachten, das Easter Egg zu finden und unzählige Recherchen zu Halliday und seinen Vorlieben (vorrangig die 1980er-Jahre) anzustellen. Einer dieser Jäger ist Wade Watts bzw. „Parzival“, wie er seinen Avatar in der OASIS genannt hat. Wade ist ein noch zur (virtuellen) Schule gehender Jugendlicher, der in ärmlichen Verhältnissen aufwächst und daher im Auffinden des Easter Eggs seine beste Chance sieht, diesem Leben zu entkommen. Und der Zufall will es, dass nach Jahren der kollektiven Ratlosigkeit es ausgerechnet Wade ist, der Hallidays erstes Rätsel löst. Sein plötzlicher Sprung an die Spitze des Scoreboards erregt Aufmerksamkeit, auch die eher ungeliebte durch den Konzern IOI, der nur zu gerne die Kontrolle über die OASIS erlangen würde und dafür seine eigene Jäger-Armee beschäftigt. Um ihr Ziel zu erreichen geht, IOI über Leichen – und das nicht nur innerhalb der virtuellen Realität …

Fazit: „Ready Player One“ wird gerne als DAS Buch für sogenannte „Nerds“ bezeichnet und das durchaus zurecht, denn so wie sich Wade und die anderen Jäger in ernsthafter Weise in Trivialitäten vertiefen, kommt dies zumindest jemanden wie mir durchaus bekannt vor. 😀 Daher ist auch für einen gewissen Spaß-Faktor gesorgt, wenn Begriffe, Anekdoten, Schlussfolgerungen und Querverweise zu Star Trek, Pac-Man, Firefly, Max Headroom, Zurück in die Zukunft, Blade Runner, Star Wars, Ultraman, Godzilla uvm. auf einen einprasseln.

Als Kind der 80er-Jahre ist mir auch vieles bekannt von dem, was in direktem Zusammenhang mit Hallidays Rätsel-Rally steht, aber ich muss auch sagen, dass mir vieles unbekannt ist. Wenn etwas wichtig ist, dann wird es im Roman durchaus sehr detailliert erklärt (manchmal sogar etwas detaillierter als es für die Dramaturgie gut ist), aber manches Wissen ist selbst mir zu obskur. Dass Wade und seine Freunde (die er nur aus der OASIS kennt) solches Wissen seitenweise rezitieren können, hilft nicht unbedingt dabei, eine Bindung zu den Charakteren herzustellen. Es umgibt sie ein Hauch der Unbesiegbarkeit innerhalb der OASIS und das macht sie nicht unbedingt sympathisch, auch wenn sich Wade in der Mitte des Romans durchaus kritische Gedanken darüber macht und den Nutzen der OASIS für die Gesellschaft in Frage stellt. Seine Gedanken decken viele auch heute schon aktuelle Themenbereiche der Digitalisierung ab, aber am Ende scheint er doch aufzugeben, zu akzeptieren, dass die reale Welt ein untergehendes Schiff ist und am Ende des Romans bleibt es sehr offen, was aus der Welt noch wird.

Der aus Wades Perspektive verfasste Roman ist eine sehr launige Erzählung einer deprimierenden Realität und einer sehr ernsthaft behandelten Scheinwelt. Manchmal ziemlich derb und unreif, was ebenfalls nicht dabei hilft, mit Wade großartig zu sympathisieren. Wenn es da mit IOI nicht das „abgrundtief Böse“ auf der Gegenseite gäbe, würde man Wade die meiste Zeit wohl gar nicht wünschen, das Easter Egg zu finden. IOI als über Leichen gehender Ausbeuterkonzern ist aber zumindest ein sehr effektives Feindbild. Allerdings keines von Bestand, denn auch in der realen Welt kann es Wade ziemlich effektiv mit denen aufnehmen.

Bewertung: Was das Lesevergnügen am meisten trübt ist sicher Wade Watts als Hauptcharakter, dessen Avatar nicht „Parzival“, sondern „Mary Sue“ heißen sollte. Zudem rate ich nur jenen zu diesem Roman, die ein solides Grundwissen der Pop-Kultur der 80er-Jahre mitbringen und/oder generell an Science-Fiction, Fantasy, Videospiele etc. interessiert sind. Ansonsten besteht das Risiko, dass der uneingeweihte Leser bei jedem zweiten Satz nur Bahnhof versteht. Bringt man diese Grundvoraussetzungen mit, bietet „Ready Player One“ sehr solide Unterhaltung, einen ganz guten Mix aus Spaß und Denkanstößen, ohne in beiden Fällen ans Ende der Skala zu gehen. Als jemand, der sich durchaus zur Zielgruppe des Romans zählt, kann ich noch solide 4 Sterne verleihen. Aber ich finde, dass Ernest Cline seinen Roman durchaus noch etwas allgemein zugänglicher hätte gestalten können. Mit dem Nostalgie-Faktor hätte er noch konsequenter umgehen können.

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Anmerkung: Anfang April 2018 startet die Verfilmung von „Ready Player One“ in den Kinos. Die Regie hat Steven Spielberg übernommen, der selbst im Roman Erwähnung findet. Dem ersten Trailer nach zu urteilen, dürfte die Geschichte relativ frei interpretiert werden, wenngleich ein paar Szenen auch wie direkt aus dem Text des Romans übernommen aussehen.

Es wirkt auf mich, als würde man im Film mehrheitlich Anspielungen auf bekanntere Elemente der Pop-Kultur zu sehen bekommen und Wades Motivation wirkt zumindest in diesem Trailer etwas sympathischer als im Roman.

Rezension: „The Autobiography of Jean-Luc Picard“

Schon 2015 erschien die von Autor David A. Goodman verfasste Biographie von James T. Kirk, des „größten Captains, den die Sternenflotte jemals hatte“. Wie ließe sich sowas noch toppen? Nun, der Untertitel von Goodmans Biographie von Jean-Luc Picard klingt auf jeden Fall etwas bescheidener: Er wird lediglich als „einer der inspirierendsten Captains der Sternenflotte“ bezeichnet, was seine Lebensgeschichte aber nicht weniger interessant macht.

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David A. Goodman beschäftigt sich in seinen Büchern schon längere Zeit damit, offene Fragen des Star Trek-Universums zu klären, Querverbindungen herzustellen und zeitliche Lücken zu füllen (sehr gelungen v.a. im Buch „Federation: The First 150 Years„). In seiner Biographie über James T. Kirk erfuhren wir sehr viel Neues über dessen jungen Jahre, die bis dahin noch erforscht waren. Im Falle von Jean-Luc Picard wissen Kenner der Serie „The Next Generation“ aber doch schon so manches über dessen Kindheit und Jugend.

Insofern überraschen die Passagen wenig, die beschreiben, wie der junge Jean-Luc mit einem ihm feindselig eingestellten älteren Bruder und einem distanzierten Vater aufwuchs und seine engste Bezugsperson seine Mutter war, die die einzige in der Familie war, die Jean-Luc dazu ermutigte, zur Sternenflotte zu gehen. Auch wenn man als Seher der Serie gut vertraut mit den wichtigsten Ereignissen dieser jungen Jahre des späteren Enterprise-Captains ist, gelingt es Goodman wirklich sehr gut, dies alles in Zusammenhang miteinander zu bringen. So wird diesen Jahren sehr Platz im Buch eingeräumt, sie werden vertiefend dargestellt und es gefiel mir sehr, wie oft Goodman auch später wieder auf diese Ereignisse Bezug nimmt und damit aufzeigt, was Picards typisches Verhalten ursprünglich geprägt hat.

Im Laufe von 7 Serienstaffeln begegnete Picard auch vielen Personen aus seinen Vergangenheit. Natürlich allen voran Beverly Crusher – seine verdrängte Liebe zu ihr ist ebenfalls ein immer wiederkehrendes Handlungsmotiv – aber auch mit vielen Captains und Admirälen ist Jean-Luc Picard per Du und diese Autobiographie erklärt sehr stimmig, wie er sein persönliches Netzwerk über die Zeit gesponnen hat. Und natürlich erklärt das Buch auch, wie Picard mit seiner späteren Führungscrew Bekanntschaft schloss.

An dieser Stelle will ich darauf hinweisen, dass Goodmans Bücher eine eigene Kontinuität aufweisen, die nicht kompatibel mit den aktuellen Romanen ist. In der Kontinuität der Romane hat bereits Christopher L. Bennett vor einigen Jahren in „The Buried Age“ erzählt, was Picard nach dem Verlust seines ersten Kommandos über die Stargazer und vor der Übernahme der Enterprise-D so angestellt hat. Die beiden Versionen sind inkompatibel miteinander, aber natürlich basieren beide auf den selben Kanon-Informationen aus der Serie.

Allerdings: Sowohl Goodman als auch Bennett streichen die Wichtigkeit Guinans als Ratgeberin für Picard hervor und in beiden Varianten lernt Picard sie bereits auf der Stargazer kennen. Obwohl die El-Aurianerin eindeutig sagt, sie habe Picard erst auf der Enterprise erstmals angetroffen! Was aus ihrer Perspektive dank Zeit-Paradoxon natürlich nicht stimmt, aber zum damaligen Zeitpunkt wohl aus Picards Perspektive so zutraf. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass Guinan unter Berücksichtigung der temporalen Kontinuität gelogen hat. Und auch in eine andere Information aus der Serie hat Goodman leider übersehen, womit wir zur Auflistung einiger Auffälligkeiten bzw. Unstimmigkeiten (die man aber sicher erklären könnte) gelangen:

Ja, das Set der Bar „10 Vorne“ wurde erst für die zweite Staffel von „The Next Generation“ gebaut. Aber einer Aussage von Deanna Troi zufolge hat die Bar bereits existiert, als Picard erstmals an Bord kam.

À propos „erstmals an Bord kommen“: In der gleichen Folge in der Deanna Troi ihre Aussage tätigt, sage Picard, er habe vor seinem Kommandoantritt noch nie ein Schiff der Galaxy-Klasse betreten. Goodman hat sich zwar daran gehalten, aber es ein wenig ungeschickt verpackt in einer Passage, die durchaus entbehrlich gewesen wäre.

Und auch wenn es schön war, Doktor Phlox zu begegnen, so schwingt bei der Szene doch ein bisschen wieder die Absicht von Goodman mit, etwas „wegerklären“ zu wollen, obwohl es gar nicht nötig wäre. Wie häufig bei Spezies, die man in der Serie „Enteprise“ erstmals sah, gab es eine kleine aber laute Kritikerfraktionen unter den Fans die fragten: „Warum hat man die später nicht mehr gesehen?“ Eine Frage, die meiner Meinung nach nicht wirklich einer Antwort würdig ist, aber dennoch hat sich Goodman dazu hinreißen lassen und erklärt, warum man in der Ära ab „The Next Generation“ keine Denobulaner mehr zu sehen bekam. (Warum sie in der Ära der „Originalserie“ nicht zu sehen waren, kann er aber damit nicht erklären. Warum die Antwort „Sie waren da, man hat sie aber nicht gesehen“ für TOS funktionieren soll aber nicht für TNG … Das weiß wohl nur Goodman.)

Soweit mal die negativsten Auffälligkeiten, zu denen ich aber auch festhalten will, dass Goodman in keinem Fall so sehr ins Fettnäpfchen getreten ist wie mit seinem Umgang des fünfen Star Trek-Kinofilms in Kirks Autobiographie. Das ist schon mal eine großer Pluspunkt des Buches, das ebenfalls von Goodmans Schreibstil profitiert. Der Text ist im Grundton überraschend heiter für etwas, das von Jean-Luc Picard geschrieben worden sein soll, aber er trifft auch immer dann den ernsteren, nachdenklichen Tonfall des Captains, wenn es die beschriebene Situation erfordert. Und an seinem Umgang mit Picards Lebensgeschichte gibt es abgesehen von den erwähnten kleinen Unstimmigkeiten im Buch nicht viel auszusetzen. Goodman beschreibt die Geschichte anders als Bennett, aber ist mindestens genauso gut darin, Begebenheiten aus der Serie mit Picards frühen Erlebnissen zu verknüpfen. Dass der Captain seine Probleme mit Kindern an Bord von Raumschiffen hat, kann man ihm nach Lesen dieses Buches wahrlich nicht vorwerfen. 😉

Bewertung: Also 5 Sterne vergebe ich gerne an dieses Buch und damit einen mehr als  die Kirk-Autobiographie  von mir erhalten hat. Jene litt wahrlich unter Goodmans Umgang mit den fünften Film und dem Umstand, dass die Mitte des Buches – Kirks erste 5-Jahres-Mission – wie ein unvollständiger Episoden-Guide wirkte. Im Falle der Picard-Biographie ist es von großem Vorteil, dass man schon drei Viertel des Buches lang Picards noch nicht derart ausführlich dargestellte Geschichte liest, ehe man zu den bekannteren Geschehnissen der TV-Serie aufschließt. Das letzte Viertel ist ein wenig fragmentiert verfasst und es gibt auch nur wenige Informationen über Picards Leben nach den Geschehnissen von „Nemesis„. Goodman hat sich vor allem bei Ideen aus den Zukunftsvisionen der letzten TNG-Folge und dem „Countdown“-Comic zum elften Kinofilm bedient. Diesen Lebensabschnitt von Picard hätte ich gerne noch ein wenig ausführlicher geschildert vorgefunden. Aber alles in allem ist die Biographie eine angenehm zu lesende Lektüre, die ich Picard-Fans ans Herz legen möchte.

5stars

Anmerkungen:

Wie schon die Kirk-Biographie enthält auch dieses Buch ein bisschen Bildmaterial, darunter Fotomontagen aus Bildern des jungen Patrick Stewart.

Picard begegnet viel Prominenz des Star Trek-Universums, darunter auch dem vulkanischen Botschafter Sarek. Während Picard in der Biographie von seiner Wahrnehmung der Gedankenverschmelzung berichtet, die er mit dem Botschafter teilt, beschreibt er auch eine Erinnerung, die eine Anspielung auf die neue Serie „Star Trek Discovery“ sein dürfte, in der Sarek ja auch eine nicht unwichtige Rolle spielt. Genauer gesagt scheint Picard vage eine Szene zu beschreiben, die im ersten Roman zur Serie, „Desperate Hours„, ausführlicher beschrieben wurde: Sareks Fau Amanda, die ihren Ehemann dazu drängt, mit der schwerst verletzten Michael Burnham eine rettende Gedankenverschmelzung durchzuführen. (Dies ist zumindest meine Interpretation der Stelle in der Biographie. Es fehlt allen von Picards Wahrnehmungen während der Verschmelzung der Kontext, aber mir fällt ansonsten kein Kanon-Ereignis ein, das dieser Erinnerung entspricht.)

25 Jahre Deep Space Nine !

Am 3. Jänner 1993 war es soweit: Die allererste Folge der damals jüngsten Star Trek-Serie „Deep Space Nine“ flimmerte in den USA über die Bildschirme. Die Serie mit einer Raumstation statt eines Raumschiffes als Hauptschauplatz erfreut sich auch 25 Jahre später noch immer großer Beliebtheit unter Star Trek-Fans. Anlässlich dieses Jubiläums habe ich wieder eine kleine Auflistung zusammengestellt mit einigen relevanten Blog-Beiträgen zur dritten Live-Action-Serie.

„Der Abgesandte“ (Pilotfilm-Review)
Noch rechtzeitig vor dem Jubiläum habe ich im vergangenen November damit begonnen, mir die Serie wieder anzusehen und ein ausführliches Review des Pilotfilms „Der Abgesandte“ verfasst.

„Ein Stich zur rechten Zeit“ (Roman-Rezension)
Vor fast 6 Jahren fasste ich den Entschluss, auf meinem damals noch jungen Blog nicht nur meine eigenen Roman-Projekte vorzustellen, sondern auch meine Rezensionen kommerziell veröffentlichter Romane zu veröffentlichen. Und zum Auftakt wählte ich den hervorragenden, biographisch angehauchten „Deep Space Nine“-Roman „Ein Stich zur rechten Zeit“, in dem es zwar nicht um einen Hauptcharakter geht, aber mit Garak um einen der beliebtesten Gastcharaktere der Serie.

„Sektion 31: Der Abgrund“ (Roman-Rezension)
Ich habe nur wenige Romane gelesen, die zum offiziellen „Relaunch“ der Serie zählen. (Also Romane, deren Geschichte aufeinander aufbauen und zeitlich nach den Ereignissen der TV-Serie angesiedelt sind.) Am besten gefiel mir eindeutig „Der Abgrund“, eine spannende Story rund um Doktor Bashir, die auch losgelöst von der durchgehenden Handlung des „Relaunch“ funktioniert und hervorragend unterhält.

„Flaschenschiff“ (Fan-Fiction-Kurzgeschichte)
Der Jubiläums-Sammelband des Forums sf3dff.de, der zum 50jährigen Bestehen von „Star Trek“ erstellt wurde, enthält Geschichten zu allen zum damaligen Zeitpunkt existierenden Star Trek-Serien. Darunter auch drei „Deep Space Nine“-Geschichte, von denen ich jene mit dem Titel „Flaschenschiff“ beigesteuert habe (im PDF ab Seite 120). Es handelt sich dabei um eine mit Humor angereicherte Abenteuer-Story, in der Chief Miles O’Brien nicht nur technische Probleme zu lösen hat.

„Where the End begins“ (Fan-Fiction-Roman)
Vorrangig ist mein Roman „Where the End begins“ ein Crossover von „The Next Generation“ und „Voyager“, jedoch in den letzten beiden Kapiteln wird auch die Raumstation Deep Space 9 zu einem nicht unwichtigen Schauplatz.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Stöbern und schließe diesen Beitrag mit einem Trailer zur TV-Premiere von „Der Abgesandte“.

Rückblick 2017 & Vorschau 2018

Ich wünsche allen meinen Lesern ein frohes Neues Jahr und hoffe, ihr habt den Jahreswechsel gut verbracht. Der 1. Jänner ist nun schon einige Stunden alt, also ist es höchste Zeit, nochmal einen Blick auf die Blog-Highlights des vergangenen Jahres zu werfen und auch schon ein wenig vorauszuschauen!

Thema „Fan Fiction“

Anfang 2017 konnte ich euch die Endfassung meines „Enterprise“-Romans „Sailing on Forbidden Seas“ präsentieren, der insgesamt 177mal als ebook heruntergeladen wurde. Inzwischen steht auch der Nachfolger „Landing on Barbarous Coasts“ vor seiner Vollendung. Verfasst ist er bereits, nun muss er nur noch überarbeitet werden. Ich hoffe, euch meinen letzten geplanten „Enterprise“-Roman Anfang des 2. Halbjahres 2018 zum kostenlosen Download anbieten zu können.

Weitere Fan Fiction-Projekte sind durchaus in der Pipeline. Ich habe sehr konkrete Pläne für einen neuen Star Trek-Roman und vage Vorstellungen von einem zweiten. Aber um meine kreativen Kräfte neu aufzuladen, werde ich diese beiden Projekte 2018 wohl ruhen lassen und mich vielleicht ausnahmsweise – inspiriert von einem Sammelband-Contest auf www.sf3dff.de – an eine „Star Wars“-Story ranwagen. An einem „Star Trek“-Sammelband dieses Forums, der im April 2017 veröffentlicht wurde, habe ich mich ja bereits beteiligt. Genauso wie an einem Bildband zum „1701 Day 2017“.

Thema „Sachbuch-Rezensionen“

2017 habe ich auf diesem Blog doch einige Sachbücher rezensiert und die meisten davon – wenn auch nicht alle – haben mir sehr gut gefallen. Das absolute Highlight für mich stellte das Buch „Star Trek Kostüme“ dar, das sowohl meine Vorlieben für „Star Trek“ als ein mein Interesse am Designprozess hervorragend bediente.

Hin und wieder nehme ich auch ein älteres Buch aus dem Regal und rezensiere es und so nahm ich 2017 u.a. auch das Sachbuch „Die Welten der Föderation“ wieder zur Hand. Das in der Anfangszeit von „The Next Generation“ entstandene Buch ist natürlich alles andere als auf dem neuesten Stand, beinhaltet aber einige sehr interessante Ideen und wunderschöne Artworks.

Ebenfalls sehr gut gefielen mir die wesentlich aktuelleren Raumschiff-Design-Sachbücher zur Eaglemoss-Raumschiffsammlung (Volume 1 & Volume 2). Inzwischen ist auch schon ein drittes Buch erschienen und ein viertes angekündigt, die ich beide hoffentlich 2018 rezensieren kann. Leider vorläufig nichts wird es mit meinen ursprünglich geplanten Rezensionen der Eaglemoss-Modelle selbst auf raumschiffsammlung.wordpress.com. Ich muss gestehen, dass ich nicht sehr motiviert bin damit zu beginnen, solange noch kein Ende der Sammlung in Sicht ist. Außerdem gibt es inzwischen so viele andere Rezensionen im Internet (z.B. jene von IrishTrekkie auf Youtube), dass es fast überflüssig erscheint, noch eine weitere Rezensionsreihe zu starten. Zumal sie auch nicht allgemein gültig wären, denn die Auflagen des gleichen Modells können sich mitunter in Details stark unterschieden.

Thema „Comic-Rezensionen“

Ich rezensiere die regelmäßig erscheinenden Star Trek-Comics der „Boldly go“-Reihe, die 2016 als Nachfolger der „Ongoing“-Reihe ins Leben gerufen wurde und die an die Geschehnisse des Kinofilms „Star Trek Beyond“ anknüpft. Als besonders gelungen empfand ich die Ausgabe #5, die eine sehr emotional mitreißende Geschichte über Jaylah erzählt. Und ebenfalls ein Highlight war eine Comic-Miniserie aus den Jahren 2015 und 2016, die ich mit etwas Verspätung nachgeholt habe: „Starfleet Academy“ erzählt parallel die Erlebnisse zweier Gruppen von Kadetten zu unterschiedlichen Zeiten und verknüpft die Handlungsstränge schließlich zu einer Geschichte, die vor allem mir als „Enterprise“-Fan sehr zusagt.

Thema „Roman-Rezensionen“

Den besten Roman des Jahres las ich erst kürzlich und ich war selbst überrascht, dass es sich dabei ausgerechnet um das neueste Buch der Jack Reacher-Reihe von Lee Child handelte. Die Geschichten rund um den ruppigen Ex-Militärpolizisten empfand ich im Lauf der Zeit tendenziell als immer weniger gelungen, doch „The Midnight Line“ konnte mich nach langer Zeit wieder einmal begeistern. Ich bin gespannt, ob Lee Child auch 2018 wieder einen Thriller veröffentlichen wird. Aber auf jeden Fall werde ich auch in diesem Jahr wieder ein paar Romane abseits des Themas „Star Trek“ lesen. U.a. plane ich zumindest den ersten Roman der „Expanse“-Reihe ein. Die wirklich sehr gelungene SciFi-TV-Serie hat mein Interesse an der Romanvorlage erfolgreich geweckt.

Als besten „Star Trek“-Roman 2017 empfand ich bereits Anfang des vergangenen Jahres „The Face of the Unknown“. Eine starke Story, angesiedelt in der Ära der klassischen Serie mit erstaunlich vielen Bezügen zur aktuellen politischen Lage (v.a. zu jener in den USA). Weniger gut empfand ich den älteren „The Next Generation“-Roman „Die Jarada“ und doch habe ich die Rezension dazu wirklich sehr gerne geschrieben, denn sie entstand im Rahmen des Insekten-Themenschwerpunkts auf Daniela Walchs Buchvogel-Blog. Am Ende meiner Rezension habe ich daher eine kurze Zusammenfassung der insektoiden Spezies‘ im Star Trek-Universum angefügt.

2017 brachte uns mit „Desperate Hours“ auch den ersten Roman zur neuen Star Trek-Serie „Discovery“. Der Roman war absolut okay. Die Serie selbst allerdings ist bis jetzt (Stand Folge 9) nicht so recht nach meinem Geschmack. Ein bisschen zu trist ist das Setting, nicht kompatibel zur klassischen Serie, in deren Ära die Serie eigentlich angesiedelt ist. Zudem scheitert die Thematisierung eines irdisch-klingonischen Krieges ziemlich stark an der Art, wie die Klingonen dargestellt werden. Allzu oft machen es sich die Produzenten unnötig schwer mit ihren Entscheidungen.

Thema „Star Trek-Pilotfilm-Reviews“

Nichtsdestotrotz hat mich der Start von „Discovery“ dazu angeregt, alle Pilotfolgen der Star Trek-Serien zu rezensieren. Ich habe im Jahr 2017 alle geschafft mit Ausnahme von Voyagers „Der Fürsorger“. Aber ich werde mir diese Serie bestimmt 2018 ansehen und so wird diese Review-Reihe in absehbarer Zeit abgeschlossen werden. Die Links zu allen meinen Pilotfilm-Reviews und auch zu meinen Reviews der Star Trek-Kinofilme findet ihr hier: rumschreiber.wordpress.com/star-trek-film-reviews/

Frohe Weihnachten !!!

Wie schnell die Zeit vergeht! Die Weihnachtsfeiertage stehen wieder bevor und das Jahr neigt sich seinem Ende entgegen. Auch in diesem Jahr wünsche ich euch allen ein schönes, besinnliches Fest und viel Glück im Jahr 2018!

Weihnachtsaktion2017_Rumschreiber

P.S.: „Star Trek Discovery“ wird auf Netflix am 8. Jänner mit der 10. Folge fortgesetzt. 

Rezension: „The Midnight Line” – Ein Jack-Reacher-Roman

Nach einem eher unrühmlichen Ausflug in Jack Reachers (von Lee Child sehr frei interpretierten) Vergangenheit, kehrt der Autor mit dem neuesten Roman der Reihe wieder in die Gegenwart zurück. Gleich am Beginn von „The Midnight Line“ trennen sich die Wege von Jack Reacher und Michelle Chang, die er im Roman „Make me“ kennengelernt hat und so reist der ehemalige Militärpolizist einfach weiter, wie er es seit Jahren gewohnt ist. Seinen eigenen Regeln folgend steigt er in den erstbesten Bus mit dem Vorsatz, bis zur Endstation zu fahren, egal wo diese sein würde. Doch dieses eine Mal muss Reacher mit seiner Regel brechen, denn bei einem Zwischenstopp, spaziert er zufällig an einer Pfandleihe vorbei und entdeckt dort im Schaufenster einen Jahrgangsring der U.S. Militärakademie West Point.

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Reacher weiß aus eigener Erfahrung sehr gut, wie hart jemand arbeiten musste, um einen solchen Ring zu bekommen und er beginnt sich sofort zu fragen, in welche Notlage der Besitzer geraten sein musste, um dazu gezwungen worden zu sein, dieses Symbol zu versetzten. Und so lässt Reacher den Bus mit seinem leeren Platz weiterfahren und beginnt, sich rückwärts durch die Vertriebskette zu fragen. Er tut dies mit Nachdruck, aber höflich, wenngleich er nicht von jedem eine höfliche Antwort erhält. Vom Ladenbesitzer über einen Biker fragt sich Reacher durch bis er in Rapid City ankommt. Dort stolpert Reacher nicht nur in die laufenden Ermittlungen der lokalen Polizei gegen einen vermeintlichen Gangsterboss, sondern auch über einen Privatdetektiv, der auf das Auffinden vermisster Personen spezialisiert ist.

Wie sich herausstellt, ist auch dieser auf der Suche nach der früheren Besitzerin des Jahrgangsrings: Ex-Major Rose Sanderson – West Point-Absolventin 2005 und im Einsatz verwundet – hat sich seit ihrer letzten Rückkehr aus dem mittleren Osten nicht mehr bei ihrer Schwester gemeldet. Die Spurensuche des von ihr engagierten Privatdetektivs hat diesen genauso wie Reacher nach Rapid City geführt, wo Reacher dank „höflichem Nachfragen“ erfährt, dass der Ring ursprünglich offenbar aus Wyoming kam. Aus einer so gut wie menschenleere Prärie- und Waldlandschaft, in der der Gangsterboss aus Rapid City dank seiner Handlanger dennoch gute Geschäfte zu machen scheint.

Fazit: Erleichterung macht sich breit, denn Reacher geht es endlich wieder besser. Nicht nur ist er seine Kopfschmerzen los, die ihn in „Make me“ noch so sehr gequält haben. Er ist auch endlich wieder besser gelaunt, seine Gedanken sind nicht so melancholisch und sarkastisch. Tatsächlich kommt der Hauptcharakter endlich wieder mal beschwingt rüber, er hat seinen Sinn für Humor wiedergefunden und Lee Child überträgt diesen Eindruck in Form augenzwinkernder Kommentare und kleinen Seitenhieben, die aber niemandem weh tun – im Gegensatz zu manch anderem, was Reacher so macht. Aber auch in Sachen Gewalt agiert Reacher so verhältnismäßig wie selten.

Schreibstil und Hauptcharakter sind somit schon mal ein großer Pluspunkt von „The Midnight Line“. Und auch die Nebencharaktere sind interessant und zwischenzeitlich bilden Reacher und der Privatdetektiv und EX-FBI-Mann Terrence Bramall ein tolles Duo. Beide sind Vollblutermittler, kommen auf unterschiedlichen Wegen zu gleichen Schlüssen und könnten dabei eigentlich kaum verschiedener sein. Und dennoch kommen sie gut miteinander zurecht. Und auch Ex-Major Rose Sanderson ist ein äußerst starker Charakter, der nicht nur Dreh- und Angelpunkt für die Story ist sondern auch ein ethisches Dilemma darstellt.

Ich möchte in dieser Rezension nicht vorweg nehmen, um welches Dilemma es sich handelt, denn es steht im Zusammenhang mit der Auflösung der mysteriösen Machenschaften des Gangsterbosses. Aber sagen wir einfach mal so: Rose Sanderson ist ein sehr sympathischer Charakter, was man von dem Herrn in Rapid City nicht behaupten kann. Und doch gibt es gute Gründe, dem Kerl alles durchgehen zu lassen, weil es furchtbare Konsequenzen für Rose hätte und so sehen sich Reacher und Bramall sogar dazu gezwungen, ein wenig die Ermittlungen gegen den Gangsterboss vor den Behörden zu verschleiern. Das Thema dieses Romans ist äußerst sensibel und für einen Reacher-Roman wirklich ungewohnt. Lee Child hätte auch die Möglichkeit gehabt, Reacher zum rücksichtslosen Berserker werden zu lassen, aber zum Glück entschied er sich für ein sanftes Herangehen, aber ohne die Situation zu romantisieren und das Verbrechen kleinzureden. Die Charaktere haben ihre Standpunkte, die sie verteidigen können. Lee Child hat hier in die stimmungsvoll beschriebene, einsame Wildnis von Wyoming eine sehr komplexe Situation verpflanzt, deren sukzessive Aufdeckung für Spannung sorgt und die einen ins Grübeln bringt, sobald alles ans Licht gekommen ist.

Der Schluss ist hingegen wieder eher „typisch Reacher“, allerdings kein Gewaltexzess, sondern ein generalstabsmäßiges Eindringen in die Höhle des Löwen und ganz am Ende ereilt dem Bösewicht doch noch das Schicksal, das sich früh im Roman angedeutet hat. Das ist zwar etwas offensichtlich, aber lässt den Leser doch mit einem breiten Grinsen zurück und vertreibt die langsam aufgebaute Sorge darüber, ob Sanderson aus der Sache noch heil rauskommt. Obwohl ein schlechtes Ende sogar noch mehr Gewicht gehabt hätte und aus diesem Grund während des Lesens auch nie ausgeschlossen werden konnte.

Bewertung: Ich weiß schon, dass meine vagen Andeutungen zum Verlauf der Handlung in dieser Rezension nicht gerade ideal sind, um bei potenziellen Leser großes Interesse zu wecken. Aber das liegt einfach daran, dass ich niemandem die Freude an diesem Krimi nehmen will, der für mich eindeutig zu den besten Reacher-Romanen zählt. Nachdem in den letzten paar Romanen die Tendenz klar nach unten ging, ist dies ein fulminantes Comeback – und dieses gelingt sogar, ohne besonders spektakulär zu sein. Aber auf emotionaler Ebene kann „The Midnight Line“ bei mir voll punkten und daher gebe ich dem Roman auch gerechterweise die Höchstwertung. Dies ist somit der 4. von bislang 22 Reacher-Romanen, der von mir 6 von 6 Sterne erhält.

6stars

Rezension: DSC – “Desperate Hours”

Pünktlich zum Start der jüngsten Star Trek-Serie „Discovery“ im September erschien auch der erste Roman einer dazugehörenden Reihe. Die frühen Romane der bisherigen Star Trek-Serien waren meist ein wenig problembehaftet, da sie – wie auch „Desperate Hours“ – geschrieben wurden lange bevor die jeweilige Serie ausgestrahlt wurde und die Romanautoren manchmal nur mit groben Konzepten, wenigen oder gar verworfenen Details arbeiten konnten. Bei „Discovery“ sollte dies dank engerer Abstimmung zwischen den Serienproduzenten und Autor David Mack ganz anders sein. Aber nicht nur deshalb allein kommt „Desperate Hours“ ohne typische „Kinderkrankheiten“ einer neuen Romanreihe zu einer aktuell laufenden Fernsehserie aus.

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Es liegt vor allem auch daran, dass die Geschichte ein volles Jahr vor den Ereignissen des Pilotfilms ansetzt (und somit ein Jahr nach den Ereignissen der ersten TOS-Pilotfolge „Der Käfig“). Lieutenant Michael Burnham ist noch an Bord der U.S.S. Shenzhou unter dem Kommando von Captain Philippa Georgiou, wo sie als Taktische Offizierin dient. Als die bisherigen Ersten und Zweiten Offiziere andere Posten übernehmen, wird Burnham zu ihrer eigenen Überraschung provisorisch von Admiral Anderson zu Georgious Stellvertreterin ernannt – womit der Wissenschaftsoffizier Lieutenant Saru übergangen wird.

Obwohl weder Georgiou noch Saru glücklich mit der Entscheidung sind, darf sich Burnham kurze Zeit später bei einer ersten Krisensituation beweisen: Auf einem Ozean der relativ neuen Koloniewelt Sirsa III sinkt eine Bohrinsel infolge des unerwarteten Auftauchens eines gigantischen, außerirdischen Raumschiffes, das auf dem Meeresboden gelegen hatte. Offenbar von der plötzlichen Aktivität auf dem Ozean erweckt entsendet das Schiff eine bewaffnete Drohne, die die Hauptstadt der Kolonie angreift. Da die Kolonie zwar von Menschen gegründet wurde aber an sich von der Föderation unabhängig ist, zögern die politischen Entscheidungsträger auf Sirsa III lange, ehe sie um Unterstützung bitte, die in Form der Shenzhou schließlich auftaucht. Es gelingt die Drohne auszuschalten und man beginnt mit der Erforschung des im Ozean treibenden Schiffes, das von einer hochentwickelten Kultur erbaut wurde.

Die Situation auf dem Planeten scheint vorerst unter Kontrolle, bis mit der U.S.S. Enterprise unter Captain Christopher Pike ein weiters Schiff im Orbit auftaucht, das Befehle von Admiral Anderson mitbringt, die im Widerspruch stehen mit den Absichten von Captain Georgiou. Anstatt „abtrünnige“ Kolonisten zu beschützen ist es der Sternenflotte wichtiger, dass benachbarte Föderationswelten nicht von dem Schiff bedroht werden, das besorgniserregend hohe Energiewerte abstrahlt und einmal gestartet ein enormes Zerstörungspotenzial freisetzen könnte. Es soll daher noch auf Sirsa III vernichtet werden – auch wenn dies die Vernichtung der dortigen Kolonie bedeutet und die Kolonisten eine Evakuierung ablehnen.

Es kommt zu einem aufreibenden Streitgespräch zwischen den beiden Captain, einem Feilschen um Kompromisse, den Burnham schließlich erzielt, indem sie gegen Georgious ausdrücklichen Befehl mit der Enterprise kommuniziert – genauer gesagt mit dem Wissenschaftsoffizier Spock, einem Mann, den sie seit Kindertagen nicht mehr gesehen hat und dessen Platz sie als Mündel von Spocks Vater Sarek mehr oder weniger in dessen Familie eingenommen hat. Auch wenn Georgiou alles andere als begeistert von der eigenmächtigen Handlung ihres provisorischen Ersten Offiziers ist, stimmt sie zu, dass Burnham und Spock gemeinsam versuchen sollen, ins Innere des fremden Schiffes vorzudringen und es abzuschalten, ehe es genügend Energie aufgebaut hat um entweder die Kolonie zu zerstören, oder zu einem anderen Planeten zu fliegen. Ein Unterfangen, das sich nicht als einfach erweist, denn die Zeit drängt und wie sich herausstellt, harmonieren Burnham und Spock nicht gerade gut miteinander.

Fazit: Dass Autor David Mack bereits die Drehbücher der ersten sieben oder acht Folgen kannte, als er „Desperate Hours“ verfasste, erweist sich absolut als Vorteil. Er hakt bei einigen späteren Ereignissen ein, etabliert sehr schön den Ausgangspunkt für die bereits im Pilotfilm herrschende Antipathie zwischen Burnham und Saru. Letzteren beschreibt er übrigens interessant, die kelpianischen Eigenschaften werden in der Serie ja zumeist sehr plakativ nach außen hin gezeigt, aber hier gibt uns Mack ein wenig Einblick in die Psyche dieser Beutespezies. Irgendwie schade, dass Saru in der Serie so rasch in die zweiten Reihe verschwindet.

Wie erwähnt hatten die frühen Romane zu anderen Star Trek TV-Serien noch mit manchen Problemen zu kämpfen, die sie zur eigentlichen Serie nicht so recht passen ließen. Beginnend von der Charakterisierung, der Verwendung gewisser Dinge und Ausdrücken oder sogar von Namen! (Berühmtestes Beispiel ist „Doktor Zimmerman“ als Name für den holographischen Doktor in den ersten paar „Voyager“-Romanen, während es speziell in den ersten beiden Staffeln der TV-Serie ein wiederkehrendes Dilemma für den Doktor war, keinen Namen zu haben und sich einen aussuchen zu müssen.) „Desperate Hours“ profitiert wie erwähnt von Macks Kenntnis der ersten paar Drehbücher. Aber es ist natürlich auch hilfreich, dass nur Georgiou, Burnham und Saru im Pilotfilm im Vordergrund stehen, über Georgiou und den Schauplatz Shenzhou nach dem Pilotfilm auch nichts mehr Nennenswertes hinzugefügt wird. Ansonsten konnte sich Mack bei der Charakterisierung der (übrigens sehr unsympathischen und sich wenig rettungswert benehmenden) Kolonisten austoben oder auf die etablierten Charaktere Pike, Spock und Una („Nummer Eins“) zurückgreifen.

Und damit – es lässt sich nicht vermeiden – stößt auch „Desperate Hours“ auf das Problem, das die ganze Serie hat: Sie funktioniert nicht so recht als Prequel zur klassischen Serie oder gar parallel zur Pike-Ära. Autor David Mack beschreibt Schiffe, Technologie und Crew so, wie man sie in „Der Käfig“ bzw. im Pilotfilm von „Discovery“ sah. Zwar versucht er ein paar Erklärungen unterzubringen, wie z.B. dass nur Crews der modernen Schiffe der Constitution-Klasse die neuen, farbigen Uniformen bekommen oder das Schiffsdesign der Föderation dem flexiblen ästhetischen Geschmack der Menschen unterworfen ist. Aber als jemand, der Gelesenes visualisiert, ist dieses Crossover zwischen TOS und DSC einfach zu holprig, passt einfach in dieser beschriebenen, beinahe gleichgültigen Art nicht zusammen. Auf charakterlicher Ebene funktioniert das Treffen von Burnham und Spock besser, aber im Detail muss man sich auch fragen, wie es sein konnte, dass sich die beiden offenbar selbst als Kinder im gemeinsamen Haushalt so gut wie nie begegnet sind.

Hundertprozentig rund läuft auch die Story selbst nicht. So erscheinen mir die Photonen-Torpedos in diesem Roman übertrieben stark dargestellt. Das Feuer auf ein weit vor der Küste liegendes Schiff zu eröffnen, soll einen ganzen Planeten unbewohnbar machen? Zumal die Vernichtung des fremden Schiffes während es auf dem Planeten ist ohnehin nicht wirklich nötig erscheint. Niemand kann sagen, wohin es fliegt, sollte es abheben und es gibt keinen Hinweis darauf, dass man es nicht auch im All abfangen und vernichten könnte. Das Bedrohungspotenzial, das den Streit zwischen zwei Raumschiffcrews und widerspenstigen Kolonisten anheizt, wirkt etwas zu zweckdienlich beschrieben.

Bewertung: Trotz erwähnter negativer Auffälligkeiten halte ich „Desperate Hours“ aber dennoch für einen guten, unterhaltsamen Roman. Die Charakterbeschreibung ist sehr stimmig mit dem, was man in der Serie bis jetzt sah und man bekommt einige Hintergrundinformationen vor allem zu Saru und zu der gar nicht so engen Mentor-Schüler-Beziehung zwischen Georgiou und Burnham. Insgesamt beschreibt der Roman eine interessante und – wie man es von David Mack gewohnt ist – zuweilen sehr actionreiche Abenteuergeschichte, die auch ein paar vertraut Elemente enthält, vor allem aus zwei TNG-Folgen. Ich wurde jedenfalls gut unterhalten und gebe dem Roman solide 4 von 6 Sterne ohne Tendenz nach oben oder unten.

4stars

Anmerkung: Unter dem Titel „Gegen die Zeit“ ist der Roman auch schon auf Deutsch beim Cross Cult-Verlag erschienen.

Rezension: „Star Trek Beyond – The Makeup Artistry of Joel Harlow“

Es geht wieder einmal um die Themen „Design“ und „Star Trek“ und so ist auch dieses Buch kurz nach Erscheinen in meine Sammlung gewandert … wenngleich ich zu Make-up- und Masken-Design wahrscheinlich noch weniger persönlichen Bezug habe als zur Herstellung von Kostümen. Doch da mir das vor gar nicht so langer Zeit gelesene Buch „Star Trek Kostüme“ bereits diesen Teilbereich erfolgreich näher gebracht hat, habe ich nicht davor zurückgescheut, mir auch die Werke von Joel Harlow und seinem Team für den im letzten Jahr im Kino gelaufenen Film „Star Trek Beyond“ mithilfe dieses Sachbuchs genauer anzusehen.

Star Trek Beyond The Makeup Artistry_Cover

Zu Beginn ein paar Worte zur Gestaltung des Buches selbst: Es handelt sich um ein Hardcover mit Schutzumschlag, das knapp über 200 Seiten auf sehr festem Papier umfasst. Mit über 26 x 31 cm ist es nach Länge und Höhe gemessen das größte Star Trek-Buch das ich besitze und bedenkt man den unglaublichen Umfang an enthaltenen Fotos – von denen viele ganzseitig sind – ist dieses große Format nur von Vorteil, um all die Details wiederzugeben. Es gibt im Innern keine Doppelseite ohne Bildmaterial. Gezeigt werden die fertigen Masken an den Schauspielern, Fotos von der Arbeit der Make-up Artists, die Skulpturen, die im Vorfeld hergestellt wurden und natürlich jede Menge Entwurfsskizzen.

Auch wenn Joel Harlows Name auf dem Umschlag steht, machen die einleitenden Worte von ihm und Regisseur Justin Lin schnell klar, was für ein gewaltiger schöpferischer Aufwand von einem großen Team in Kalifornien, in Kanada und in Dubai nötig war, um dem 50-Jahr-Jubiläum von „Star Trek“ Rechnung zu tragen und mindestens 50 außerirdische Spezies in „Star Trek Beyond“ zu zeigen. (Schlussendlich wurden 56 erstellt, von denen aber nicht alle im Film zu sehen waren.)

Star Trek Beyond The Makeup Artistry_1

Nach den bereits erwähnten Vorworten des Regisseurs und von Harlow selbst, wird der Werdegang und die bisherige Arbeit des Abteilungsleiters vorgestellt, worunter sich auch der elfte „Star Trek“-Film befindet, für den Harlow mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. (Anmerkung: „Star Trek Beyond“ war ebenfalls nominiert für einen Oscar.) So bekommt man einen sehr guten Eindruck davon, welche Gedanken die Designentscheidungen und den allgemeinen Stil seiner Arbeit prägen. Danach geht es aber schon los mit den Kreationen: 50 Arbeiten werden in diesem Buch mittels Fotos und natürlich auch mittels begleitendem Text vorgestellt. Unterteilt sind sie in 5 Kapitel:

In Kapitel 1 geht es um die Hauptcharaktere. Allen voran um Jaylah, mit ihrem beeindruckend gezeichneten, an ein Raubtier erinnerndes Gesicht, wie auch um die drei Antagonisten Krall (in vier Verwandlungsstufen), Manas und Kalara, die sehr unterschiedlich sind, aber doch auch mit gutem Grund viele Gemeinsamkeiten aufweisen. Der Entstehungsprozess und die Entwicklung dieser Designs wird besonders ausführlich geschildert und dieses erste Kapitel beschreibt sehr viele Techniken und Herangehensweisen, die auch für viele andere Masken angewendet wurden. Ein wirklich sehr gutes Einleitungskapitel. Jaylah-Darstellerin Sofia Boutella liefert übrigens auch das Schlusswort des Buches.

Star Trek Beyond The Makeup Artistry_2

Kapitel 2 widmet sich den Aliens am Schauplatz Enterprise. Neben dem bereits bekannten Keenser aus dem Maschinenraum wird die Erschaffung der – übrigens von HR Giger inspirierten – Ensign Syl gezeigt. Eines der einfacheren Make-ups war jenes des orionischen Crewmitglieds, während Ty Vana nicht nur umfangreiche Prothesen trug, sondern auch wunderschöne „Haut“-Muster.

Kapitel 3 besucht Altamid, wo wir einen genaueren Blick auf die Masken der drei Schläger werfen können, die Scotty auflauern. (Von denen in einem früheren Drehbuchentwurf einer ein Klingone hätte sein sollen.) Ebenfalls werden die Designs einiger weiterer Enterprise-Crewmitglieder näher gezeigt, die auf Altmid von Krall gefangen gehalten werden.

Star Trek Beyond The Makeup Artistry_3

Das kurze Kapitel 4 stellt die Bewohner von Teenaxia dar. Diese kleinwüchsige Spezies wurde zwar rein mittels CG-Technik verwirklicht, aber von der Make-up-Abteilung entworfen und ursprünglich hätte sogar ein Darsteller im Kostüm den Teenaxi Kevin spielen sollen, der in der Nachbearbeitung verkleiner in den Film eingefügt worden wäre. Aufgrund des Zeitdrucks überließ Harlows Team es aber gerne der CG-Abteilung, die Teenaxi umzusetzen. Interessant ist hier, dass die Teenaxi ursprünglich etwas anders hätten aussehen sollen, der ursprüngliche Entwurf aber für eine Spezies schließlich Verwendung fand, die man dann auf der Starbase Yorktown sah.

Und genau dorthin führt uns Kapitel 5. 28 Außerirdische finden wir hier vor, darunter „Natalia“, die nicht zu unrecht das Cover des Buches ziert, handelte es sich dabei doch um eines der aufwändigsten Designs, das man sich im Film bis ganz zum Schluss aufgehoben hat. Interessant war zu erfahren, dass die Make-up-Abteilung bei der Entscheidungsfindung eingebunden war, welcher „Hintergrund-Alien“ wann in welcher Szene zu sehen sein sollte. Ebenfalls interessant sind die Informationen zum Charakter „Boltan“, der als Hauptbösewicht in jenem Drehbuch gedacht war, das schließlich verworfen wurde. Bis heute weiß man recht wenig über die ursprünglich angedachte Story, für die die Vorproduktion bereits gelaufen war. Aber Harlow und sein Team machen in diesem Buch hin und wieder eine interessante Erwähnung zum nicht verwirklichten Star Trek-Film.

Star Trek Beyond The Makeup Artistry_4

Fazit: Was mir an diesem Buch sofort auffiel, war die verhältnismäßig große Schrift. Nicht dass dies grundsätzlich ein Problem darstellen würde, ganz im Gegenteil werden es sicher viele Leser auch zu schätzen wissen. Aber man bekommt den falschen Eindruck, der Informationsgehalt wäre sehr gering. Doch nun, während ich diese Rezension verfasse, fallen mir so viele Dinge aus diesem Buch ein, die ich gerne noch hier unterbringen würde, aber die den Rahmen dieses Artikels wahrlich sprengen würden. Und neben dem Informationsgehalt vermitteln die zu Wort kommenden Künstler auch einen ansteckenden Enthusiasmus für ihre Arbeit, die gespickt ist von interessanten Ideen und manchmal verblüffenden Inspirationsquellen.

Eine solche Quelle ist das Buch durchaus selbst, auch wenn ich mir in der Hinsicht vielleicht eine Spur mehr gewünscht hätte. Bei einigen Spezies werden zwar die Ideen erwähnt, auf welcher Art von Welten sie heimisch sind, warum sie welches körperliche Merkmal aufweisen etc. Aber da wäre noch mehr drinnen gewesen – vor allem auch ein paar Speziesbezeichnugen mehr. Ein paar wenige Charaktere werden mit ihrer Spezies identifiziert, aber zur Unterscheidung der Designs haben die Künstler ihnen hauptsächlich die Namen von Individuen gegeben. Aber allein das Erscheinungsbild der verschiedenen Spezies regt die eigene Fantasie an und als Verfasser von Fan-Fiction hat mich dieses Buch auf einige Ideen für meine kommenden Romane gebracht. Und wenn ich mir das nächste Mal „Star Trek Beyond“ ansehe, werden mir sicher spontan die Namen einiger Designs einfallen, wenn die Träger der jeweiligen Masken im Hintergrund durchs Bild spazieren.

Bewertung: Masken zwecks einer solch drastischen Veränderung des Erscheinungsbildes sind natürlich etwas, zu dem die wenigstens einen echte, persönlichen Bezug haben. Aber dieses Buch schafft es mühelos und ohne dabei zu sehr ins technische Detail zu gehen (wobei es schon interessant ist, welche Wirkung Kerosin auf Silikon hat), dem Leser dieses Thema näher zu bringen. Natürlich schadet es nicht, bereits einen Faible für Science Fiction- und Fantasy-Designs zu haben. Filmmasken und -Make-up bleiben dennoch für mich doch ein eher exotisches Thema, auch wenn das Buch wirklich sehr gelungen ist. Was ich daran beanstanden würde, sind ein paar fehlende Querverweise. Hin und wieder werden verworfene Designideen erwähnt, von denen ich dann schade fand, dass man keine Bilder dazu sah … nur um sie einige Seiten später zu finden, wenn ein anderer Alien vorgestellt wird, der auf der verworfenen Idee basiert. Es wäre auch interessant gewesen, Kostümdesignerin Sanja Hays zu Wort kommen zu lassen. Die von ihr gestaltete Bekleidung für die außerirdischen Charaktere wird gelegentlich erwähnt, aber zumindest kurze Infos zu den Kostümen wären eine nicht zu abwegige Ergänzung zu den Artikeln über die einzelnen Außerirdischen gewesen.

Und das größte Manko ist natürlich unvermeidlich bei derart gestalteten Design-Büchern: Am Ende angekommen würde man sich immer noch mehr Fotos und Zeichnungen wünschen, die man studieren kann. 😉 Ich bewerte das Buch mit soliden 5 Sternen.

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