Rezension: TOS – „Zeit für Gestern“

Wie ich schon in meiner letzten Roman-Rezension ausführte, wurde mir erst vor kurzem bewusst, dass zum Roman „Sohn der Vergangenheit“ aus dem Jahr 1983 eine Fortsetzung existiert. 1988 erschien –  erneut geschrieben von A.C. Crispin – der Roman „Time for Yesterday“, der 5 Jahre später auf Deutsch übersetzt unter dem Titel „Zeit für Gestern“ erschien. Eine Vorwarnung: Es lässt sich leider nicht vermeiden, in dieser Rezension den Ausgang von „Sohn der Vergangenheit“ zu verraten.

Als sich eine der Sonnen des Alpha Centauri-Systems plötzlich ausdehnt und eine der sie umkreisenden Koloniewelten verschlingt, werden Admiral Kirk, Captain Spock und Doktor McCoy in eine dramatische Entwicklung eingeweiht. Mehr und mehr Sonnen in der Milchstraße zeigen Anzeichen für unnatürlich rasches Altern und die Analyse der Zeitwellen, die dieses Phänomen verursachen, deuten auf den Planeten mit dem Codenamen „Gateway“ als Ausgangspunkt hin. Da Kirk, Spock und McCoy vor 14 Jahren die letzten Personen waren, die mit dem dort befindlichen Hüter der Ewigkeit zu tun hatten – einem Portal, das Intelligenz besitzt und Zeitreisen ermöglichen kann – werden sie beauftragt, mit der Enterprise eine Telepathin nach Gateway zu bringen. Da der Hüter inzwischen jede verbale Kontaktaufnahme verweigert, hofft die Sternenflotte auf diesem Weg den Hüter dazu zu bringen, mit seinem Zerstörungswerk aufzuhören.

Doch der Versuch scheitert, die Telepathin fällt ins Koma, bewirkt jedoch, dass eine Art einfache künstliche Intelligenz im Hüter erwacht, wodurch er dazu befähigt wird, erneut Zeitreisen zu ermöglichen. Um ihre Mission erfüllen zu können, entscheiden Kirk, Spock und McCoy, von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen, um den einzigen Telepathen aus der Vergangenheit in die Gegenwart zu holen, der erwiesenermaßen bereits einmal mit dem Hüter der Ewigkeit in telepathischen Kontakt getreten ist: Spocks Sohn Zar!

Fazit: Ja, Zar – der Sohn, den Spock einst auf Sapreidon mit der Einheimischen namens Zarabeth zeugte (siehe TOS-Folge „Das Zeitportal“) – kehrte am Ende von „Sohn der Vergangenheit“ wieder zurück in die Eiszeit des Planeten, da er in den historischen Aufzeichnungen eindeutige Hinweise darauf gefunden hatte, dass er es war, der im Lakreo-Tal für die Entstehung der ersten Hochkultur Sarpeidons verantwortlich war. Und tatsächlich liefen die ersten Jahre nach seiner Rückkehr in die Vergangenheit gut für das Volk, das er als Sovren anführte. Doch Erfolg beschwört auch Neider herauf und als Kirk, Spock und McCoy eintreffen, finden sie sich inmitten archaisch, mittelalterlicher Krieger wieder, die einen Angriff auf die Lakreo vorbereiten. Die Darstellung dieser Region Sarpeidons weicht also deutlich ab von dem, was man in der TV-Folge zu sehen bekam, was aber dadurch erklärt wird, dass man sich in einer ganz anderen Region befindet. Das sorgt auch für eine veränderte Stimmung. Waren bisherigen Besuche von Sapreidons noch von der melancholischer Einöde geprägt, gibt es hier nun jede Menge Leute, die sich gegenseitig – und vor allen den Lakreo – die Köpfe einschlagen wollen.

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Hauptschauplatz des Romans ist das Lakreo-Tal und dessen Hauptstadt Neu-Araen. Dort ist es während der Eiszeit weit weniger frostig als auf der Nordhalbkugel Sarpeidons.

Obwohl das Ambiente so anders ist und für Spock 14 sowie für Zar 20 Jahre seit ihrer letzten Begegnung vergangen sind, gelingt es der Autorin wirklich hervorragend, an die Stimmung ihres vorangegangen Romans anzuknüpfen. Liest man beide Romane hintereinander, erscheinen sie einem wie aus einem Guss, als sei diese Entwicklung schon immer vorgesehen gewesen. Es scheint absolut natürlich, dass Sarpeidon in dieser Epoche ein ganz anderer Schauplatz ist als zuvor. Und auch die Entwicklungen, die Spock und Zar in den vielen Jahren durchgemacht haben, erscheinen „logisch“ und berücksichtigen in Spocks Fall auch, dass er nach den Ereignissen des erste Kinofilms und seinem mentalen Kontakt mit V’Ger mehr im Reinen mit seinen Emotionen ist, als es zuvor der Fall war. (Anmerkung: Die Gegenwartshandlung ist mehrere Jahre nach dem ersten und unmittelbar vor dem zweiten Kinofilm angesiedelt.)

Daher wirkt es auch absolut nachvollziehbar, dass Spock – der in „Sohn der Vergangenheit“ noch ein sehr distanziertes Verhältnis zu Zar pflegte – hier nun ein regelrecht überfürsoglicher und stolzer Vater ist, der sich schließlich sogar über Regeln hinwegsetzt, um den gewaltsamen Tod seines Sohnes zu verhindern, den er im Zeitportal mitansehen musste. Liest man ihre Romane, so stellt man mühelos fest, dass Spock und seine Familie der Autorin A.C. Crispin wirklich am Herzen liegen müssen. Ein Eindruck, der sich noch mehr verstärkt, wenn man auch ihren dritten TOS-Roman „Sarek“ gelesen hat. Sie hat wirklich ein großes Talent für die oftmals sehr komplexe Charakterisierung dieser Vulkanier. Daher wundert es auch nicht, dass die Rahmenhandlung rund um die sterbenden Sonnen eher wie ein Vorwand wirkt, um ein Wiedersehen von Spock und Zar zu ermöglichen. Das Problem mit dem Hüter der Ewigkeit wird relativ rasch beseitigt und bildet überhaupt nicht den dramatischen Höhepunkt der Geschichte.

Der Fokus der Geschichte liegt hingegen eindeutig auf der Vorbereitung der Schlacht, Zars widerwillige Entscheidung, mithilfe einer arrangierten Hochzeit Verbündete zu gewinnen und natürlich den Kampf selbst. Über weite Strecken liest sich der Roman wie ein frühzeitliches bis mittelalterliches Historienepos und hat mit Wynn – der Frau, mit der Zar eine Zweckehe eingeht, damit ihr Volk an seiner Seite kämpft – auch einen starken weiblichen Charakter in einer wichtigen Rolle.

Bewertung: „Zeit für Gestern“ ist eine wirklich gelungene Fortsetzung … und kommt doch nicht ganz an den Vorgänger heran. Dass der unterschwellige Konflikt zwischen Spock und Zar einer wesentlich harmonischeren Vater-Sohn-Beziehung gewichen ist, ist von Crispin absolut nachvollziehbar beschrieben, dadurch geht aber auch etwas Spannungspotenzial verloren, was die Schlacht im Lakreo-Tal nicht ganz und das Rätsel um den Zustand des Wächters gar nicht ausgleichen können. Trotzdem ist die Geschichte über weite Strecken mitreißend erzählt, die bekannten Charaktere sind gut getroffen und unter den neu eingeführten Figuren weiß zumindest Wynn völlig zu überzeugen. Trotz der Andersartigkeit der Geschichte empfehle ich diesen Roman jedem, dem „Sohn der Vergangenheit“ gefallen hat, auch wenn ich der Fortsetzung „nur“ starke 4 von 6 Sternen verleihe.

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Anmerkungen:

Wie schon erwähnt ist die Gegenwartshandlung des Romans in der TOS-Movie-Ära angesiedelt und die Autorin hat einige Eigenarten übernommen, die in den zur ungefähr gleichen Zeit entstandenen Romanen über diese Ära häufig Verwendung fanden. So wird Lieutenant Narath – ein auf der Enterprise dienender Horta – erwähnt. Und die Maschinenintelligenz, die im ersten Kinofilm beinahe die Menschheit ausgelöscht hätte, wird als „Vejur“ bezeichnet. Heutzutage ist die Schreibweise „V’Ger“ geläufiger.

Wie schon „Sohn der Vergangenheit“ dürfte auch „Zeit für Gestern“ inhaltlich kaum in Konflikt zu später etabliertem Kanon treten. Lediglich ein vierarmiger Coridaner wird erwähnt, während wir später in der Serie „Enterprise“ nur einige zweiarmige Exemplare dieser Spezies sahen.

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Bewegte Bilder – Discovery-Staffel 2, neuer Trailer

Im Rahmen der New Yorker Comic Con wurde ein neuer Trailer zur 2. Staffel von „Star Trek Discovery“ veröffentlicht. Dieser Trailer gefällt mir zwar nicht ganz so gut wie jener zuvor, aber der Gesamteindruck, dass es in Staffel 2 etwas abenteuerlicher als noch in Staffel 1 zugeht, bleibt aufrecht.

Der Trailer erlaubt uns nicht nur einen Blick auf die „neue“ klingonische Haarpracht und auf einen als solchen erkennbaren klingonischen Schlachtkreuzer, sondern auch auf den jungen Mister Spock, der in der Serie von Ethan Peck dargestellt wird. Werbefotos (von trekcore.com) zeigen sowohl ihn, wie auch u.a. Michelle Yeoh als Philippa Georgiou und die vor allem aus X-Men bekannte Rebecca Romijn als Erste Offizierin der Enterprise.

Die 2. Staffel startet am 18. Jänner 2019 auf Netflix. Die 13 Folgen der Staffel erscheinen wöchentlich und diesmal ist keine Unterbrechung der laufenden Ausstrahlung vorgesehen.

Ebenfalls derzeit nicht geplant ist, dass Netflix die ca. 15 Minuten langen Kurzepisoden „Short Treks“ veröffentlicht, die in den USA auf dem CBS-eigenen Streamingkanal „All Access“ mit einer Folge pro Monat die Wartezeit auf den Start der neuen „Discovery“-Staffel verkürzen. Aber eine internationale Veröffentlichung ist trotzdem nicht völlig ausgeschlossen, könnte zu einem späteren Zeitpunkt durchaus noch erfolgen.

Rezension: „Star Trek – Lost Scenes“

„Lost Scenes“ – wohl am besten übersetzt mit „nicht verwendete Aufnahmen“ – fallen bei jeder Film- und Fernsehproduktion an. Aber während heutzutage solches Material oft als Teil von Bonusmaterial Verwendung findet, wurden in de 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts solche Aufnahmen nach Beendigung der Produktion weggeworfen. Und auch den auf Film gebannten Szenen der klassischen Star Trek-Serie hätte dieses Schicksal gedroht … wenn da nicht Serienschöpfer Gene Roddenberry gewesen wäre.

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Vorweg möchte ich festhalten: Ich bin nicht mit Doug Drexler, der das Vorwort zu diesem Buch verfasst hat, einer Meinung. Er behauptet wortwörtlich, Roddenberry habe diese Aufnahmen „befreit“, indem er sie an sich genommen hätte … um die Filmstreifen zu zerschneiden und um 1 US-Dollar (entspricht heute ungefähr 7 Dollar) pro 8 Einzelbilder über seine private Firma Lincoln Enterprises per Postversand und auf Conventions zu verkaufen. Ein Vorgehen, zu dem Roddenberry keinesfalls berechtigt war und das zumindest bei einer Folge der dritten Staffel für Probleme sorgte, als der Schnittmeister eine bis dahin ungenutzte Aufnahme des Enterprise-Modells verwenden wollte, aber statt Filmrollen nur einen leergeräumten Tresor vorfand. (Nachzulesen in „Star Trek – Die wahre Geschichte“ auf den Seiten 422/423.)

Unabhängig davon, was man von der Art und Weise hält, über die diese Filmschnipsel in die Öffentlichkeit gelangten: Sie ermöglichen tolle Einblicke in die Produktion der über 50 Jahren alten Star Trek-Originalserie und das Buch „Lost Scenes“ vereint Hunderte dieser Einzelbilder, die von den Autoren über Jahrzehnte gesammelt wurden, auf den rund 270 Seiten dieses schönen, 28 x 26 cm messenden Hardcoverbuches. Dabei geht sein Inhalt noch weiter über das hinaus, was der Titel des Buches impliziert. Denn um gefilmte aber schließlich unverwendete Szenen geht es eigentlich nur im mittleren von drei Teilen, in die das Buch gegliedert ist.

Teil 1: Hinter den Kulissen. Bevor es um konkrete Szenen geht, widmen sich rund 120 Seiten des Buches der Produktion der Serie! Ein umfangreicher Making-of-Bericht, der Einblick in die technische Umsetzung der Serie gibt, unterstützt von jeder Menge detaillierter Aufnahmen. Die verwendeten Modelle, die Landschaftsgemälde, interne und externe Sets, die animierten und optischen Effekte, Make-up und Kostüme! All dies wird nicht nur im Text ziemlich ausführlich beschrieben, sondern auch noch von einer Vielzahl an hochauflösenden Bildern aus den gesammelten Filmsschnipseln belegt. Von den drei Teilen des Buches ist dieser hier eindeutig mein Favorit, weil man viel über die vor 5 Jahrzehnten gebräuchlichen Techniken erfährt und zugleich neues und vertrautes Bildmaterial in bisher ungeahnter Qualität zu sehen bekommt.

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Teil 2: Geschnittene Szenen. Diese rund 80 Seiten widmen sich dann dem, was man eigentlich aufgrund des Buchtitels erwarten konnte. Zu 37 Folgen der klassischen Serie sind hier Bildabfolgen aus Szenen zu finden, die schlussendlich in den fertigen Folgen keine Verwendung fanden. Entweder weil die Folge sonst zu lang geworden wäre, aus dramaturgischen Gründen oder womöglich weil die Zensoren etwas einzuwenden hatten. Für den richtigen Kontext der Bilder gibt es zu jeder Szene eine Einleitung, die beschreibt, wann in der Folge sie vorgesehen gewesen wäre, gefolgt vom Drehbuchauszug, der den Dialog zu den Bildern beisteuert. Nicht alle diese Szenen sind interessant, aber manche bauen auf Szenen auf oder bereiten solche vor, die schließlich in der Endfassung der jeweiligen Folge verblieben sind. Manche liefern zusätzliche Informationen und um einige ist es wirklich schade, dass sie nicht berücksichtigt wurden. Beispielsweise die Verjüngung von Captain Kirk in der Folge „Wie schnell die Zeit vergeht“. Oder die längere Palastszene im ersten Pilotfilm „Der Käfig“. Leider wirkt diese Teil des Buches auch nicht ganz vollständig. Es gibt noch ein paar weitere Dialogszenen, die mir über die Homepage http://startrekhistory.com (betrieben u.a. von den beiden Autoren des Buches) bekannt, aber nicht in „Lost Scenes“ zu finden sind.

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Teil 3: Verpatzte Szenen. Die Filmschnipsel im abschließenden Teil des Buches zeige von Cast und Crew versehentlich – oder absichtlich – verpatzte Szenen. Diese rund 30 Seiten des Buches sind sicher die entbehrlichsten. Ich selbst schaue mir verpatzte Szenen als Bonusmaterial von DVDs und Blu-rays zwar wirklich gerne an, aber ich denke, dass solche Szenen in Standbildern erzählt nicht so gut zur Geltung kommen. Vieles davon ist Slapstick und da kommt es vor allem auf das Timing an, ob ein Gag funktioniert oder nicht und gerade das können nur bewegte Bilder vermitteln.

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Bewertung: Vorrangig schätze ich dieses Buch als Making-of-Buch zur klassischen Star Trek-Serie. Bücher wie jenes von Bob Justman und Herb Solow haben bereits viel über die Dreharbeiten und ihre Vorbereitung erzählt. „Lost Scenes“ hingegen konzentriert sich im „Hinter den Kulissen“-Teil auf die angewendeten Techniken und Tricks und verzichtete dabei weitestgehend auf zu trockene Beschreibungen, sondern stützt sich auf das begleitende Bildmaterial. Das Bildmaterial ist natürlich auch in den anderen beiden Teilen des Buches dominant, aber die geschnittenen Szenen sind unterschiedlich interessant – bestimmt wird hier jeder Leser seine eigenen Favoriten haben – bzw. ist Teil 3 sicher gut gemeint, aber kein großer Knüller. Ich drücke aber ein Auge zu und verleihe diesem Sachbuch als Gesamtes knapp 5 Sterne.

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Anmerkung: 

roddenberry_vaultWer an nicht verwendeten Szenen aus der klassischen Serie interessiert ist, kommt auch um das Blu-ray-Set „The Roddenberry Vault“ nicht herum. Auf den drei Discs verteilt im Rahmen einer mehrteiligen Dokumentation gibt es noch viele weitere Szenen aus der klassischen Serie zu bestaunen. Und zwar jene, die Roddenberry nicht zerschnitten und verkauft hat.

Der Titel dieses Sets ist schon ironisch, wenn man bedenkt, dass Roddenberry die Filmrollen aus dem Tresor (engl. „Vault“) von Paramount mitgehen ließ. 😉

Rezension: TOS – „Sohn der Vergangenheit“

Der Star Trek-Roman „Yesterday’s Son“ erschien 1983 und in deutscher Sprache schließlich 4 Jahre später. Ich selbst habe ihn dann in den 90er-Jahre erstmals gelesen, nachdem er bei Weltbild als schöne Hardcover-Ausgabe erschienen war. Dass ich das Buch vor einigen Tagen nach langer Zeit erneut aus dem Regal nahm, liegt daran, dass ich erst kürzlich erfuhr, dass eine Fortsetzung der Geschichte existiert. Bevor ich mich an „Zeit für Gestern“ heranwage, wollte ich mein Gedächtnis nochmals auffrischen … was allerdings überhaupt nicht nötig war.

Die Zerstörung des Planeten Sarpeidon durch eine Supernova ist zwei Jahre her, als ein Studium der vor der Katastrophe geborgenen historischen Aufzeichnungen Commander Spock von der U.S.S. Enterprise mit einer unangenehmen Wahrheit konfrontiert: Während er für kurze Zeit in Sarpeidons eiszeitlicher Vergangenheit gefangen war und sich seine vulkanische Mentalität vorübergehend 5.000 Jahre zurückentwickelte, zeugte er mit der Frau namens Zarabeth einen Sohn. Die Bilder außerordentlich detaillierter Höhlenmalerei aus dieser Ära lassen keinen anderen Schluss zu.

Spock, der noch immer beschämt auf sein damaliges Verhalten zurückblickt, sieht nur eine ehrenwerte Handlungsweise, die sich mit den Gepflogenheiten seines eigenen Volkes vereinbaren lassen: eine Reise in die Vergangenheit, um seine Familie zu sich zu holen und Zarabeth und ihrem Sohn einen eisigen Tod vor fünf Jahrtausenden zu ersparen. Da das Zeitportal auf Sarpeidon nicht mehr existiert, muss Spock eine andere Möglichkeit nutzen und so bittet er die vulkanische Matrone T’Pau – ein einflussreiches Mitglied seiner Familie – um Hilfe. Sie ermöglicht es Spock, auf dem Planeten mit dem Codenamen Gateway den sogenannten Hüter der Ewigkeit zu nutzen. Ein uraltes Artefakt, rätselhafte Maschine und Lebensform zugleich, auf das die Enterprise einige Jahre zuvor gestoßen war und dessen Existenz seither zu den bestgehütetsten Geheimnissen der Galaxis zählt. Der Hüter schickt Spock zusammen mit seinen besten Freunden Captain James T. Kirk und Doktor Leonard McCoy in Sarpeidons Eiszeit. An den richtigen Ort, doch nur ungefähr zur richtigen Zeit. Denn Zarabeth ist bereits gestorben und ihr Sohn Zar hat die vergangenen 7 Jahre alleine verbracht, ist inzwischen ein erwachsener Mann in ungefähr dem gleichen Alter wie Spock selbst.

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Zarabeth und Spock kamen sich in der TOS-Folge „Das Zeitportal“ näher.

Während Zar unabhängig von dieser Paradoxie erfreut ist, seinem Vater zu begegnen, geht Spock emotional auf Abstand und diese Distanz hält auch noch an, als er Zar in die Zukunft mitnimmt und ihn an Bord der Enterprise in vulkanische Verhaltensweisen unterrichtet. Doch nicht nur der Vater-Sohn-Konflikt an Bord des Schiffes spitzt sich zu, auch die Romulaner rücken vor und scheinen bemerkt zu haben, dass die Föderation ungewöhnlich großes Interesse am Planeten Gateway zeigt.

Fazit: Die klassischen Star Trek-Folgen „Griff in die Geschichte“ (Staffel 1) und „Portal in die Vergangenheit“ (Staffel 3) bilden die Basis für diesen Roman, der aber weitaus mehr zu bieten hat, als nur zwei bereits erzählte Geschichten miteinander zu verknüpfen. Indem Spock mit einem in der fernen Vergangenheit gezeugten Sohn konfrontiert wird, wird der Halb-Vulkanier aus seiner Wohlfühlzone gelockt. Ein Großteil der Geschichte ist aus seiner Perspektive erzählt und Autorin A.C. Crispin gelingt es hervorragend, sein stetes Unwohlsein zu vermitteln. In eine für ihn ungewohnte Rolle gedrängt scheint Spock als Vater alles falsch zu machen, was nur möglich ist, doch hegt man sowohl für ihn als auch für seinen Sohn Sympathie. Zar, dessen wahre Identität vor so gut wie jedem an Bord der Enterprise geheimgehalten wird, fühlt sich zurückgewiesen und er hinterfragt, ob dies nur an der vulkanischen Art liegt, oder ob sich Spock tatsächlich für ihn schämt.

Der Roman bietet dem Leser einen tiefen Einblick in ein sehr kompliziertes Vater-Sohn-Verhältnis, aber auf seinen 250 Seiten auch einiges an Abenteuer. Zum einen wäre da in der ersten Hälfte des Romans der Ausflug in Sarpeidons Eiszeit, in eine karge und gefährliche Gegend mit besonderer Stimmung. Und in der zweiten Hälfte sorgen die Romulaner mit ihrem Interesse am Planeten Gateway für Spannung. Die Raumschiffkämpfe hat A.C. Crispin nicht allzu packend beschrieben, aber die Action auf der Oberfläche des Planeten ist schon recht mitreißend beschrieben und bieten Zar die Möglichkeit, seine angelernten und einige ungewöhnliche angeborene Fähigkeiten zu nützen. Und auch ein alter Bekannter auf romulanischer Seite absolviert auf Gateway einen Auftritt.

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Kirk und Spock entdeckten den Hüter der Ewigkeit in der TOS-Folge „Griff in die Geschichte“, die von vielen Fans als beste Folge der Serie erachtet wird.

Bewertung: Das Buch „Sohn der Vergangenheit“ hatte ich vermutlich vor 15 Jahren zum letzten Mal gelesen. Und obwohl es so lange Zeit unberührt im Regal stand, waren mir beim erneuten Lesen die meisten Passagen immer noch in sehr guter Erinnerung. Trotz seiner relativen Kürze vereint er hervorragend einen tiefen Einblick in Spocks nicht gerade einfache Psyche mit einem spannenden Abenteuer, vermittelt das einzigartige Flair der verschiedenen Schauplätze – von Vulkan über Sarpeidon bis Gateway – und trifft die Charaktere sehr gut. Obwohl der Roman 1983 entstand, sind mir keine gravierenden Widersprüche zu später etablierten Kanoninformationen aufgefallen.(Eventuell gibt es eine kleine zeitliche Unstimmigkeit mit einer Folge der Zeichentrickserie, die 1983 aber bereits existierte.)

Wie beim ersten Lesen hat mir „Sohn der Vergangenheit“ auch diesmal wieder sehr gut gefallen, weshalb ich ihm gute 5 von 6 Sterne gebe. Wären die Raumschiffgefechte nicht so zäh erzählt worden, wäre auch die Höchstnote vertretbar.

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Anmerkungen:

Das Artefakt auf Gateway wird in der deutschen Übersetzung des Romans als „Wächter der Ewigkeit“ bezeichnet, während er in der deutschen Synchronisation der TV-Serie „Hüter der Ewigkeit“ genannt wird. Das Übernehmen der Serienübersetzung hätte sich auch im Roman gut angeboten, an einer Stelle im Roman ist nicht ganz klar, ob mit „Wächter“ das Artefakt gemeint ist, oder ein Romulaner, der Wache hält. 😉

Wie so häufig bei besonders den älteren Star Trek-Romanen ist das Cover-Motiv auch bei „Sohn der Vergangenheit“ nicht ganz akkurat. Es zeigt Spock älter und in der roten Sternenflottenuniform der Movie-Ära. Den Zeitangaben in der Geschichte zufolge spielt die Haupthandlung des Romans aber gegen Ende der 5-Jahresmission und noch vor den Ereignissen des ersten Kinofilms. Die roten Uniformen wurden bekanntlich ja erst zwischen dem ersten und zweiten Film eingeführt.

Rezension: „Small Wars” – A Jack Reacher Story

In dieser Kurzgeschichte rollt Autor Lee Child wieder ein Erlebnis seiner Romanfigur Jack Reacher während dessen Zeit als Militärpolizist auf. Während Reacher als Leiter einer neuen MP-Einheit in Fort Benning vorübergehend einspringt, ereignet sich in der Nähe ein Mord an einem weiblichen Lieutenant Colonel.

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Der Lieutenant Colonel namens Caroline Crawford galt als aufstrebender Star im Pentagon und arbeitete in der renommierten Abteilung der Kriegsplanung. Während einer Ausfahrt mit ihrem neuen Porsche hält sie an, um dem Fahrer eines vermeintlich liegengebliebenen Autos zu helfen – ein tödlicher Fehler! Da sich das Verbrechen außerhalb von Militärgelände ereignet, fällt die Zuständigkeit an die zivile Polizei, die Reacher jedoch zumindest beaufsichtigen darf. Doch während Reacher so einiges an diesem Mord komisch erscheint, hat die Polizei allzu schnell einen Tatverdächtigen parat, der für Reacher einfach nichts ins Profil passen will. Spätestens nach einem Besuch bei den Eltern der Ermordeten kann sich Reacher denken, wer Crawford ermordet hat, gerät dabei jedoch in einen Gewissenskonflikt: Er kann diese Person nicht verhaften, denn es handelt sich ausgerechnet um seinen Bruder Joe! Doch wie sonst soll Reacher verhindern, dass ein Unschuldiger verurteilt wird?

Fazit: Dass ich in meiner Inhaltsangabe der Geschichte bereits den Namen des Mörders verrate, nimmt tatsächlich nicht viel vorweg, denn bereits gleich am Beginn, als die Tat beschrieben wird, wird der Mörder von Caroline Crawford anhand seines Uniformnamensschildes als Joe Reacher identifiziert. Die Frage, ob es tatsächlich Jacks Bruder war oder nur jemand, der sich für Joe ausgab, bleibt aber bis fast zum Ende der Geschichte bestehen. Diese Frage erzeugt ein hohes Spannungslevel, das durchaus konstant hoch bleibt … bis zur Auflösung.

Die Auflösung des Falles ist dann ein echter Schlag in die Magengrube und lässt einen nur den Kopf darüber schütteln, was im U.S.-Militär als angemessene „Problemlösung“ gilt. Man muss bedenken: In den meisten Reacher-Romanen ist der Protagonist bereits aus dem Militär ausgeschieden und gerät in Situationen, in der er auf sich allein gestellt ist, weil weit und breit keine aktiven Ordnungshüter zu finden sind, diese inkompetent oder korrupt sind. Also agiert Reacher in einer art rechtsfreiem Raum. Dumm nur, dass dies in diesem 1989 angesiedelten Roman nicht der Fall ist. In „Small Wars“ ist Reacher selbst der inkompetente und korrupte Ordnungshüter! Lee Child versucht es zu verschleiern, indem er der zivilen Polizei den Schwarzen Peter zuzuschieben zu versucht, aber am Anfang der Misere steht nicht die Festnahme eines falschen Tatverdächtigen, sondern die Tat und die wird von Reacher am Ende sogar gut geheißen! Das ist absolut nicht nachvollziehbar, denn Tat und Motiv stehen in direkten Zusammenhang mit der Arbeit, die das Opfer für das Militär erbracht hat. Wie wäre es also, mit einer Meldung an einen Vorgesetzten?

Bewertung: Eine Krimi-Kurzgeschichte kann 65 Seiten lang gut unterhalten, aber wenn die Auflösung auf den Seiten 66 bis 68 das logische Kartenhaus zusammenbrechen lassen und ein ganz miserables Bild von Jack Reacher zeichnen, dann ist alles, was vorher geschah, auch nichts mehr wert. Daher gibt es von mir nur die Mindestwertung: 1 Stern.

1star

Rezension: „Not a Drill” – A Jack Reacher Story

In dieser Kurzgeschichte ist Ex-Militärpolizist Jack Reacher wieder einmal per Anhalter unterwegs. Im nördlichsten Maine, schon an der Grenze zu Kanada, steigt er in ein Auto mit drei Urlaubern, die auf dem Weg in das kleine Dorf Naismith sind, von wo aus sich ein langer Naturwanderweg durch die dichten Wälder von Maine schlängelt.

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Jack Reacher macht vorab keine Pläne, lässt sich von der Gelegenheit von einem Ort zum nächsten führen, auch wenn er in diesem Fall keine große Lust hat, auf eine 4-tägige Wanderung durch die Wälder. Dass er zumindest über Nacht in Naismith bleibt, liegt nur am kaum vorhandenen abendlichen Verkehr, der ihn wieder raus in Richtung der nächsten Großstadt bringen könnte. Und so wird Reacher am nächsten Morgen Zeuge von eigenartigen Vorgängen. Beim Frühstück in einem Diner vernimmt er, dass über Nacht Militärpolizisten den Beginn des Wanderpfades mit Absperrbändern versehen haben. Und kurze Zeit später taucht auch eine Militärstreife auf, die weiträumig Absperrungen aufstellt und Wache schiebt. Für Reacher ist klar, dass es sich hier nicht um eine militärische Übung handeln kann. Irgendein Ernstfall war eingetreten, über den sich die anwesenden Militärpolizisten ausschweigen. Normalerweise hätte es Reacher dabei belassen. Doch er hegt die Vermutung, dass zwei der Urlaubsreisenden, mit denen er am Tag zuvor nach Naismith gekommen war, die in der Nacht noch unbewachten Absperrbänder ignorierten und ihre Wanderung trotz möglicher Gefahr begonnen haben. Und so macht sich Reacher auf zu einer Rettungsmission, die ein ungewöhnliches Ende nimmt.

Fazit: Eines kann man über diese Kurzgeschichte auf jeden Fall sagen: Kaum jemals zuvor vermittelte Lee Child dem Leser derartige Urlaubsstimmung wie in „Not a Drill“. Zwangsläufig muss sogar ein Jack Reacher die Besonderheit  eines Urlaubs an einem See mitten in einem von der Zivilisation fast unberührten Wald anerkennen. Der Autor ließ Reacher schon in viele Gegenden reisen, aber derartige Wildnis ist wohl wirklich neu und es ist beinahe schade, dass Lee Child dieses Ambiente in einer Kurzgeschichte „verschleudert“ hat. Die Szenerie und die mysteriöse Ausgangssituation mit dem ohne Erklärung abgesperrten Wanderweg, hätte ein toller Beginn für einen Roman sein können.

Dass Lee Child diesen Weg nicht gegangen ist, ist gerade angesichts des plötzlichen und haarsträubenden Schlusses der Geschichte bedauerlich. Hier wird eine Erklärung aus dem Hut gezaubert, die sich vorher nicht mal angedeutet hat und sehr, sehr weit hergeholt wirkt. Und so nebenbei lässt Reacher auch Verachtung für Menschen erkennen, die sich dafür einsetzen, Missstände offenkundig zu machen. „Not a Drill“ ist also leider wieder einmal eine Geschichte, die Reacher nicht unbedingt von der sympathischsten Seite zeigt und die wie schon manchmal zuvor auf eine eher konservative amerikanische Leserschaft zugeschnitten scheint.

Bewertung: Sehr starker Beginn, sehr schwacher Schluss. Einen Mittelteil gibt es angesichts der Kürze der Geschichte kaum, also gebe ich durchschnittliche 3 Sterne.

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Die letzte Grenze …

Ursprünglich war diese Rubrik dazu gedacht, den großen Science-Fiction-Ikonen, deren Schaffen ich im Laufe meines Lebens verfolgt habe, eine letzte Würdigung zukommen zu lassen. Gestern starb mit Burt Reynolds ein Schauspieler, der zwar nicht mit Rollen im Science-Fiction-Genre auf sich aufmerksam machte, aber absolut zu den Helden meiner Kindheit und Jugend zählte und dessen Filme – ganz besonders einen – ich immer wieder gerne sehe. Seit 6. September 2018 weilt ein ausgekochtes Schlitzohr weniger unter uns.

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Burt Reynolds

1936 – 2018