Rezension: „The Handmaid’s Tale“

Begibt man sich im Internet auf die Suche nach derzeit besonders empfehlenswerten TV-Serien, so kommt man um eine Empfehlung von „The Handmaid’s Tale“ kaum herum. Doch hierzulande ist es gar nicht so leicht, diese dystopische Serie zu sehen, weshalb ich einfach zum Roman gegriffen habe, auf dem die Serie basiert. Obwohl dieser Roman bereits 1985 erschien, erkennt man schnell, warum seine Serienadaption in der Gegenwart so viel Resonanz erzeugt.

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In diesem Roman erzählt uns eine Frau namens Offred ihre Geschichte. „Offred“ ist natürlich nicht ihr richtiger Name. Es ist lediglich jener Name, der ihre Funktion im Staate Gilead beschreibt. Gilead ist das, was aus den einstigen USA wurde, nachdem ein Terroranschlag die komplette politische Führungsriege auslöschte. Eine christilich-fundamentalistische Gruppe, die „Söhne Jakobs“, nutzten das entstandene Machtvakuum und machten aus einer liberalen Gesellschaft eine religiös-fanatische Diktatur, in der jeder die ihm zugewiesene Rolle zu spielen und seinen Betrag zu leisten hat, wollte man vor tödlichen Konsequenzen verschont bleiben.

Die Rolle, die Offred in dieser Gesellschaft erfüllt, ist die einer „Handmaid“. Allerdings hat ihre Hauptaufgabe wenig mit der traditionellen Funktion einer Magd gemein und sie ist auch nicht religiös begründet, sondern ist nach Meinung der „Söhne Jakobs“ eine Notwendigkeit: Die Geburtenrate in Gilead geht stark zurück. Gründe gibt es dafür viele, aber vor allem ist es der Einsatz von Massenvernichtungswaffen in den Kriegen, die Gilead ausfechtet. Um sicherzustellen, dass die Elite von Gilead trotzdem Nachkommen zeugen kann, werden gebärfähige junge Frauen gegen ihren Willen in Ausbildungseinrichtungen gesteckt, die eine Mischung aus Kloster und Boot Camp darstellen. Nachdem sie gefügig gemacht wurden, werden sie dann als Handmaid einem „Kommandanten“ von Gilead zugeteilt, dem sie dann möglichst viele Nachkommen schenken sollen. Nicht als Ehefrau – denn solche haben die Kommandanten bereits – sondern mehr als lebender Brutkasten. Offred – die einem Kommandanten namens Fred zugeteilt ist, daher der Name – muss am eigenen Leibe erfahren, wie es ist, als kaum mehr als eine Sache erachtet zu werden und in einer Gesellschaft zu leben, in der der Missbrauch von Frauen von den Mächtigen nicht nur geduldet, sondern gefördert wird.

Fazit: „The Handmaid’s Tale“ ist wirklich schwer zu verarbeitender Stoff. So ziemlich jede alptraumhafte Vorstellung, die man als liberal eingestellter Mensch haben kann, geht in dieser Geschichte in Erfüllung. Innerhalb von nur rund einem Jahrzehnt wird aus einer offenen, westlichen Gesellschaft ein streng konservatives und religiös motiviertes Konstrukt, in dem die Einteilung in gesellschaftliche Stände endgültig ist, der Sklaverei gleichkommt und dies alles von einer immer präsenten Geheimpolizei überwacht wird, die eine bedrohliche Atmosphäre erschafft, in der jeder jeden bespitzelt und aus eigener Existenzangst das Fehlverhalten anderer sofort melden würde. Angst regiert, weshalb sich der Großteil des Volkes widerstandslos fügt. Das schlimmste Los in Gilead haben hierbei sicher die Handmaids gezogen, die nicht weniger als ihre Persönlichkeit und Individualität aufgeben müssen, in roten Kutten einfache Haushaltsarbeiten verrichten bis sie einmal im Monat im Rahmen eines abstrusen „Rituals“ vergewaltigt werden.

Hier kommt wirklich alles zusammen und es wäre für den Leser bzw. die Leserin wirklich angenehm, könnte man die Beschreibung dieser Dystopie einfach als unrealistische Fiktion abtun. Alles zusammen mag schon überzeichnet wirken, aber nimmt man Gilead auseinander und betrachtet die einzelnen Rädchen, die es am Laufen erhalten, dann muss man feststellen, dass die Entwicklung in den verschiedenen Bereichen der westlichen Gesellschaft in eine solche Richtung geht.

Es ging sehr plötzlich. Innerhalb weniger Jahre sind in immer mehr Ländern sehr konservative Regierungen bzw. Koalitionen an die Macht gekommen, die leider oft den Ansatz verfolgen, Veränderungen nicht durch aktives Handeln zu bewältigen, sondern eher aktiv werden, wenn es darum geht, Veränderungen einzudämmen. Lieber werden schon als überholt erachtete Gesellschafts-, Wirtschafts- und Politmodelle künstlich am Leben erhalten und genau das ist es, was heute in weiten Teilen der Welt geschieht und was auch Gilead im Roman ausmacht. Werte, an die man bereits begonnen hat, als Selbstverständlich anzusehen – Emanzipation, Privatsphäre, Toleranz, Umweltschutz, Pressefreiheit etc. – werden heutzutage hinterfragt, als würde eine konservative Abwehrreaktion einsetzen. Gilead im Roman mag überzogen wirken. Aber wenn alles, was vor nicht so langer Zeit selbstverständlich war, nicht mehr hinterfragt, sondern schließlich gänzlich abgeschafft werden sollte, dann werden wir bald in einer realen Version von Gilead leben.

In meiner Rezension bin ich nun stark auf die im Roman beschriebene Gesellschaft eingegangen. Im Roman selbst hingegen wird die gesellschaftliche Entwicklung nicht so direkt beschrieben. Stilistisch ist der Roman mit einem Tagebuch zu vergleichen, in dem Offred ihre Gedanken nicht immer geordnet wiedergibt. Sie erzählt von Geschehnissen im Ausbildungszentrum, im Haushalt von Fred und auch von ihrem Leben vor Gilead, in dem es hauptsächlich um ihre persönlichen und vor allem familiären Beziehungen geht. Über den gesamten Roman verteilt sind die Hinweise verstreut, wie diese Welt, in der Offred das Leben einer Handmaid bestreitet, überhaupt zustande kommen konnte. Das große Ganze wird dann erst am Ende des Romans einigermaßen beschrieben, wenn rund 200 Jahre in der Zukunft Historiker zu Wort kommen und auf den gescheiterten Staat Gilead zurückblicken und Offreds Bericht eines von wenigen Dokumenten ist, das aus dieser Epoche noch übrig ist.

Bewertung: Wie schon erwähnt, ist „The Handmaid’s Tale“ alles andere als Wohlfühlliteratur. Eher ist der Roman ein mahnender Zeigefinger, wohin die Entwicklung im schlimmsten Falle führen kann, wenn sich gewisse Kräfte in der Gesellschaft durchsetzen. Aber um diese Rezension mit einem hoffnungsvollen Ausblick zu beschließen: Der Roman war bereits 1985 dieser mahnende Zeigefinger. Und dann dauerte es gar nicht mehr so lange, bis es besser wurde. Im Moment scheint die Welt einen Rückfall zu erleben, aber hoffen wir darauf, dass er nicht lange andauert und die Historiker in 200 Jahren ihn nur als befristetes Kuriosum empfinden werden. Genauso wie Gilead im Epilog von „The Handmaid’s Tale“ wahrgenommen wird.

Zur Bewertung des Romans: An Relevanz ist die Geschichte schwer zu überbieten – was auch erklärt, warum es nun eine Adaption des Buches als TV-Serie gibt. Die Ich-Erzählerin umgibt aufgrund des Aufbaus ihres Berichts auch ein Mysterium, das einen zum ständigen weiterlesen verleitet. Etwas mehr Struktur bzw. klarer gesetzte Satzzeichen, wenn direkte und indirekte Rede in Passagen aufeinandertreffen, haben das Lesen aber etwas mühsam gestaltet. (Ich habe den Roman auf Englisch gelesen, eventuell ist es in der deutschen Fassung besser.) Deshalb – und weil der Epilog durchaus noch etwas detaillierter hätte ausfallen können – gebe ich „nur“ 5 von 6 Sterne.

5stars

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Star Trek : Enterprise – „Landing on Barbarous Coasts“ – TASCHENBÜCHER !

Wie auch zu meinen anderen Romanen habe ich zu „Landing on Barbarous Coasts“ eine ganz kleine Taschenbuchauflage drucken lassen. Wie immer hat meine lokale Druckerei wieder hervorragende Arbeit geleistet und für mich sowie Freunde und Verwandte 12 Taschenbücher hergestellt.

Ein paar dieser Bücher werden wahrscheinlich noch übrig bleiben. Für diejenigen, die lieber ein gedrucktes Buch in Händen halten und nicht das kostenlos verfügbare ebook ausdrucken möchten, biete ich diese Restexemplare gegen Ersatz der Druckkosten und der anfallenden Versandkosten an. Die Druckkosten sind für dieses Buch mit € 14,89 übrigens sehr moderat, wenn man bedenkt, dass es sich um einen 702seitigen „Ziegelstein“ handelt. 😀

Auch von meinen anderen Romanen – die ihr ebenfalls kostenlos auf diesem Blog als ebook-Download findet – gibt es noch ein paar wenige Restexemplare:

  • Star Trek Enterprise: Sailing on Forbidden Seas € 13,29 Druckkosten
  • Star Trek: Where the End begins (Set 2 Bücher) € 24,60 Druckkosten
  • Star Trek Enterprise: The Pillars of Heaven € 7,48 Druckkosten
  • Star Trek Enterprise: The Romulan War € 10,19 Druckkosten
  • Star Trek Kelvin: A Decade of Storm + Leadership (Set 4 Bücher) € 38,50 Druckkosten

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Aber egal ob in gedruckter Form oder auf dem ebook-Reader: Ich wünsche allen meinen Lesern viel Vergnügen mit meinen Romanen und angenehme Lesestunden! 

 

Star Trek : Enterprise – „Landing on Barbarous Coasts“ – ENDVERSION !

Ende Mai durfte ich euch die erste Version meines neuesten FanFiction-Romans zur Serie „Enterprise“ präsentieren. Ab heute steht nun die Endversion zum kostenlosen Download unter dem gewohnten Link und in den gängigen ebook-Formaten zur Verfügung!

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ebook-Download (ZIP-Paket, 11 MB)

In meinen abschließenden Enterprise-Roman gefährdet eine schockierende Enthüllung die bevorstehende Gründung der Vereinigten Föderation der Planeten. Die Crew der Enterprise bricht zu ihrer letzten Mission auf, um die neue Allianz zu retten und begibt sich dabei auf die Spur eines 3.000 Jahre alten Mysteriums. Die verzweifelte Jagd führt quer durchs All, zu eisigen Welten, fernen Kolonien und zurück zum Planeten Vulkan – zur Grundsteinlegung der Zukunft!

Ich wünsche euch viel Spaß und angenehme Lesestunden mit meinem neuen Roman und danke an dieser Stelle meinen Korrekturlesern für ihre Sorgfalt. Vielen, vielen Dank für eure Hilfe!

Rezension: TOS – „Zeit für Gestern“

Wie ich schon in meiner letzten Roman-Rezension ausführte, wurde mir erst vor kurzem bewusst, dass zum Roman „Sohn der Vergangenheit“ aus dem Jahr 1983 eine Fortsetzung existiert. 1988 erschien –  erneut geschrieben von A.C. Crispin – der Roman „Time for Yesterday“, der 5 Jahre später auf Deutsch übersetzt unter dem Titel „Zeit für Gestern“ erschien. Eine Vorwarnung: Es lässt sich leider nicht vermeiden, in dieser Rezension den Ausgang von „Sohn der Vergangenheit“ zu verraten.

Als sich eine der Sonnen des Alpha Centauri-Systems plötzlich ausdehnt und eine der sie umkreisenden Koloniewelten verschlingt, werden Admiral Kirk, Captain Spock und Doktor McCoy in eine dramatische Entwicklung eingeweiht. Mehr und mehr Sonnen in der Milchstraße zeigen Anzeichen für unnatürlich rasches Altern und die Analyse der Zeitwellen, die dieses Phänomen verursachen, deuten auf den Planeten mit dem Codenamen „Gateway“ als Ausgangspunkt hin. Da Kirk, Spock und McCoy vor 14 Jahren die letzten Personen waren, die mit dem dort befindlichen Hüter der Ewigkeit zu tun hatten – einem Portal, das Intelligenz besitzt und Zeitreisen ermöglichen kann – werden sie beauftragt, mit der Enterprise eine Telepathin nach Gateway zu bringen. Da der Hüter inzwischen jede verbale Kontaktaufnahme verweigert, hofft die Sternenflotte auf diesem Weg den Hüter dazu zu bringen, mit seinem Zerstörungswerk aufzuhören.

Doch der Versuch scheitert, die Telepathin fällt ins Koma, bewirkt jedoch, dass eine Art einfache künstliche Intelligenz im Hüter erwacht, wodurch er dazu befähigt wird, erneut Zeitreisen zu ermöglichen. Um ihre Mission erfüllen zu können, entscheiden Kirk, Spock und McCoy, von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen, um den einzigen Telepathen aus der Vergangenheit in die Gegenwart zu holen, der erwiesenermaßen bereits einmal mit dem Hüter der Ewigkeit in telepathischen Kontakt getreten ist: Spocks Sohn Zar!

Fazit: Ja, Zar – der Sohn, den Spock einst auf Sapreidon mit der Einheimischen namens Zarabeth zeugte (siehe TOS-Folge „Das Zeitportal“) – kehrte am Ende von „Sohn der Vergangenheit“ wieder zurück in die Eiszeit des Planeten, da er in den historischen Aufzeichnungen eindeutige Hinweise darauf gefunden hatte, dass er es war, der im Lakreo-Tal für die Entstehung der ersten Hochkultur Sarpeidons verantwortlich war. Und tatsächlich liefen die ersten Jahre nach seiner Rückkehr in die Vergangenheit gut für das Volk, das er als Sovren anführte. Doch Erfolg beschwört auch Neider herauf und als Kirk, Spock und McCoy eintreffen, finden sie sich inmitten archaisch, mittelalterlicher Krieger wieder, die einen Angriff auf die Lakreo vorbereiten. Die Darstellung dieser Region Sarpeidons weicht also deutlich ab von dem, was man in der TV-Folge zu sehen bekam, was aber dadurch erklärt wird, dass man sich in einer ganz anderen Region befindet. Das sorgt auch für eine veränderte Stimmung. Waren bisherigen Besuche von Sapreidons noch von der melancholischer Einöde geprägt, gibt es hier nun jede Menge Leute, die sich gegenseitig – und vor allen den Lakreo – die Köpfe einschlagen wollen.

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Hauptschauplatz des Romans ist das Lakreo-Tal und dessen Hauptstadt Neu-Araen. Dort ist es während der Eiszeit weit weniger frostig als auf der Nordhalbkugel Sarpeidons.

Obwohl das Ambiente so anders ist und für Spock 14 sowie für Zar 20 Jahre seit ihrer letzten Begegnung vergangen sind, gelingt es der Autorin wirklich hervorragend, an die Stimmung ihres vorangegangen Romans anzuknüpfen. Liest man beide Romane hintereinander, erscheinen sie einem wie aus einem Guss, als sei diese Entwicklung schon immer vorgesehen gewesen. Es scheint absolut natürlich, dass Sarpeidon in dieser Epoche ein ganz anderer Schauplatz ist als zuvor. Und auch die Entwicklungen, die Spock und Zar in den vielen Jahren durchgemacht haben, erscheinen „logisch“ und berücksichtigen in Spocks Fall auch, dass er nach den Ereignissen des erste Kinofilms und seinem mentalen Kontakt mit V’Ger mehr im Reinen mit seinen Emotionen ist, als es zuvor der Fall war. (Anmerkung: Die Gegenwartshandlung ist mehrere Jahre nach dem ersten und unmittelbar vor dem zweiten Kinofilm angesiedelt.)

Daher wirkt es auch absolut nachvollziehbar, dass Spock – der in „Sohn der Vergangenheit“ noch ein sehr distanziertes Verhältnis zu Zar pflegte – hier nun ein regelrecht überfürsoglicher und stolzer Vater ist, der sich schließlich sogar über Regeln hinwegsetzt, um den gewaltsamen Tod seines Sohnes zu verhindern, den er im Zeitportal mitansehen musste. Liest man ihre Romane, so stellt man mühelos fest, dass Spock und seine Familie der Autorin A.C. Crispin wirklich am Herzen liegen müssen. Ein Eindruck, der sich noch mehr verstärkt, wenn man auch ihren dritten TOS-Roman „Sarek“ gelesen hat. Sie hat wirklich ein großes Talent für die oftmals sehr komplexe Charakterisierung dieser Vulkanier. Daher wundert es auch nicht, dass die Rahmenhandlung rund um die sterbenden Sonnen eher wie ein Vorwand wirkt, um ein Wiedersehen von Spock und Zar zu ermöglichen. Das Problem mit dem Hüter der Ewigkeit wird relativ rasch beseitigt und bildet überhaupt nicht den dramatischen Höhepunkt der Geschichte.

Der Fokus der Geschichte liegt hingegen eindeutig auf der Vorbereitung der Schlacht, Zars widerwillige Entscheidung, mithilfe einer arrangierten Hochzeit Verbündete zu gewinnen und natürlich den Kampf selbst. Über weite Strecken liest sich der Roman wie ein frühzeitliches bis mittelalterliches Historienepos und hat mit Wynn – der Frau, mit der Zar eine Zweckehe eingeht, damit ihr Volk an seiner Seite kämpft – auch einen starken weiblichen Charakter in einer wichtigen Rolle.

Bewertung: „Zeit für Gestern“ ist eine wirklich gelungene Fortsetzung … und kommt doch nicht ganz an den Vorgänger heran. Dass der unterschwellige Konflikt zwischen Spock und Zar einer wesentlich harmonischeren Vater-Sohn-Beziehung gewichen ist, ist von Crispin absolut nachvollziehbar beschrieben, dadurch geht aber auch etwas Spannungspotenzial verloren, was die Schlacht im Lakreo-Tal nicht ganz und das Rätsel um den Zustand des Wächters gar nicht ausgleichen können. Trotzdem ist die Geschichte über weite Strecken mitreißend erzählt, die bekannten Charaktere sind gut getroffen und unter den neu eingeführten Figuren weiß zumindest Wynn völlig zu überzeugen. Trotz der Andersartigkeit der Geschichte empfehle ich diesen Roman jedem, dem „Sohn der Vergangenheit“ gefallen hat, auch wenn ich der Fortsetzung „nur“ starke 4 von 6 Sternen verleihe.

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Anmerkungen:

Wie schon erwähnt ist die Gegenwartshandlung des Romans in der TOS-Movie-Ära angesiedelt und die Autorin hat einige Eigenarten übernommen, die in den zur ungefähr gleichen Zeit entstandenen Romanen über diese Ära häufig Verwendung fanden. So wird Lieutenant Narath – ein auf der Enterprise dienender Horta – erwähnt. Und die Maschinenintelligenz, die im ersten Kinofilm beinahe die Menschheit ausgelöscht hätte, wird als „Vejur“ bezeichnet. Heutzutage ist die Schreibweise „V’Ger“ geläufiger.

Wie schon „Sohn der Vergangenheit“ dürfte auch „Zeit für Gestern“ inhaltlich kaum in Konflikt zu später etabliertem Kanon treten. Lediglich ein vierarmiger Coridaner wird erwähnt, während wir später in der Serie „Enterprise“ nur einige zweiarmige Exemplare dieser Spezies sahen.

Bewegte Bilder – Discovery-Staffel 2, neuer Trailer

Im Rahmen der New Yorker Comic Con wurde ein neuer Trailer zur 2. Staffel von „Star Trek Discovery“ veröffentlicht. Dieser Trailer gefällt mir zwar nicht ganz so gut wie jener zuvor, aber der Gesamteindruck, dass es in Staffel 2 etwas abenteuerlicher als noch in Staffel 1 zugeht, bleibt aufrecht.

Der Trailer erlaubt uns nicht nur einen Blick auf die „neue“ klingonische Haarpracht und auf einen als solchen erkennbaren klingonischen Schlachtkreuzer, sondern auch auf den jungen Mister Spock, der in der Serie von Ethan Peck dargestellt wird. Werbefotos (von trekcore.com) zeigen sowohl ihn, wie auch u.a. Michelle Yeoh als Philippa Georgiou und die vor allem aus X-Men bekannte Rebecca Romijn als Erste Offizierin der Enterprise.

Die 2. Staffel startet am 18. Jänner 2019 auf Netflix. Die 13 Folgen der Staffel erscheinen wöchentlich und diesmal ist keine Unterbrechung der laufenden Ausstrahlung vorgesehen.

Ebenfalls derzeit nicht geplant ist, dass Netflix die ca. 15 Minuten langen Kurzepisoden „Short Treks“ veröffentlicht, die in den USA auf dem CBS-eigenen Streamingkanal „All Access“ mit einer Folge pro Monat die Wartezeit auf den Start der neuen „Discovery“-Staffel verkürzen. Aber eine internationale Veröffentlichung ist trotzdem nicht völlig ausgeschlossen, könnte zu einem späteren Zeitpunkt durchaus noch erfolgen.

Rezension: „Star Trek – Lost Scenes“

„Lost Scenes“ – wohl am besten übersetzt mit „nicht verwendete Aufnahmen“ – fallen bei jeder Film- und Fernsehproduktion an. Aber während heutzutage solches Material oft als Teil von Bonusmaterial Verwendung findet, wurden in de 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts solche Aufnahmen nach Beendigung der Produktion weggeworfen. Und auch den auf Film gebannten Szenen der klassischen Star Trek-Serie hätte dieses Schicksal gedroht … wenn da nicht Serienschöpfer Gene Roddenberry gewesen wäre.

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Vorweg möchte ich festhalten: Ich bin nicht mit Doug Drexler, der das Vorwort zu diesem Buch verfasst hat, einer Meinung. Er behauptet wortwörtlich, Roddenberry habe diese Aufnahmen „befreit“, indem er sie an sich genommen hätte … um die Filmstreifen zu zerschneiden und um 1 US-Dollar (entspricht heute ungefähr 7 Dollar) pro 8 Einzelbilder über seine private Firma Lincoln Enterprises per Postversand und auf Conventions zu verkaufen. Ein Vorgehen, zu dem Roddenberry keinesfalls berechtigt war und das zumindest bei einer Folge der dritten Staffel für Probleme sorgte, als der Schnittmeister eine bis dahin ungenutzte Aufnahme des Enterprise-Modells verwenden wollte, aber statt Filmrollen nur einen leergeräumten Tresor vorfand. (Nachzulesen in „Star Trek – Die wahre Geschichte“ auf den Seiten 422/423.)

Unabhängig davon, was man von der Art und Weise hält, über die diese Filmschnipsel in die Öffentlichkeit gelangten: Sie ermöglichen tolle Einblicke in die Produktion der über 50 Jahren alten Star Trek-Originalserie und das Buch „Lost Scenes“ vereint Hunderte dieser Einzelbilder, die von den Autoren über Jahrzehnte gesammelt wurden, auf den rund 270 Seiten dieses schönen, 28 x 26 cm messenden Hardcoverbuches. Dabei geht sein Inhalt noch weiter über das hinaus, was der Titel des Buches impliziert. Denn um gefilmte aber schließlich unverwendete Szenen geht es eigentlich nur im mittleren von drei Teilen, in die das Buch gegliedert ist.

Teil 1: Hinter den Kulissen. Bevor es um konkrete Szenen geht, widmen sich rund 120 Seiten des Buches der Produktion der Serie! Ein umfangreicher Making-of-Bericht, der Einblick in die technische Umsetzung der Serie gibt, unterstützt von jeder Menge detaillierter Aufnahmen. Die verwendeten Modelle, die Landschaftsgemälde, interne und externe Sets, die animierten und optischen Effekte, Make-up und Kostüme! All dies wird nicht nur im Text ziemlich ausführlich beschrieben, sondern auch noch von einer Vielzahl an hochauflösenden Bildern aus den gesammelten Filmsschnipseln belegt. Von den drei Teilen des Buches ist dieser hier eindeutig mein Favorit, weil man viel über die vor 5 Jahrzehnten gebräuchlichen Techniken erfährt und zugleich neues und vertrautes Bildmaterial in bisher ungeahnter Qualität zu sehen bekommt.

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Teil 2: Geschnittene Szenen. Diese rund 80 Seiten widmen sich dann dem, was man eigentlich aufgrund des Buchtitels erwarten konnte. Zu 37 Folgen der klassischen Serie sind hier Bildabfolgen aus Szenen zu finden, die schlussendlich in den fertigen Folgen keine Verwendung fanden. Entweder weil die Folge sonst zu lang geworden wäre, aus dramaturgischen Gründen oder womöglich weil die Zensoren etwas einzuwenden hatten. Für den richtigen Kontext der Bilder gibt es zu jeder Szene eine Einleitung, die beschreibt, wann in der Folge sie vorgesehen gewesen wäre, gefolgt vom Drehbuchauszug, der den Dialog zu den Bildern beisteuert. Nicht alle diese Szenen sind interessant, aber manche bauen auf Szenen auf oder bereiten solche vor, die schließlich in der Endfassung der jeweiligen Folge verblieben sind. Manche liefern zusätzliche Informationen und um einige ist es wirklich schade, dass sie nicht berücksichtigt wurden. Beispielsweise die Verjüngung von Captain Kirk in der Folge „Wie schnell die Zeit vergeht“. Oder die längere Palastszene im ersten Pilotfilm „Der Käfig“. Leider wirkt diese Teil des Buches auch nicht ganz vollständig. Es gibt noch ein paar weitere Dialogszenen, die mir über die Homepage http://startrekhistory.com (betrieben u.a. von den beiden Autoren des Buches) bekannt, aber nicht in „Lost Scenes“ zu finden sind.

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Teil 3: Verpatzte Szenen. Die Filmschnipsel im abschließenden Teil des Buches zeige von Cast und Crew versehentlich – oder absichtlich – verpatzte Szenen. Diese rund 30 Seiten des Buches sind sicher die entbehrlichsten. Ich selbst schaue mir verpatzte Szenen als Bonusmaterial von DVDs und Blu-rays zwar wirklich gerne an, aber ich denke, dass solche Szenen in Standbildern erzählt nicht so gut zur Geltung kommen. Vieles davon ist Slapstick und da kommt es vor allem auf das Timing an, ob ein Gag funktioniert oder nicht und gerade das können nur bewegte Bilder vermitteln.

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Bewertung: Vorrangig schätze ich dieses Buch als Making-of-Buch zur klassischen Star Trek-Serie. Bücher wie jenes von Bob Justman und Herb Solow haben bereits viel über die Dreharbeiten und ihre Vorbereitung erzählt. „Lost Scenes“ hingegen konzentriert sich im „Hinter den Kulissen“-Teil auf die angewendeten Techniken und Tricks und verzichtete dabei weitestgehend auf zu trockene Beschreibungen, sondern stützt sich auf das begleitende Bildmaterial. Das Bildmaterial ist natürlich auch in den anderen beiden Teilen des Buches dominant, aber die geschnittenen Szenen sind unterschiedlich interessant – bestimmt wird hier jeder Leser seine eigenen Favoriten haben – bzw. ist Teil 3 sicher gut gemeint, aber kein großer Knüller. Ich drücke aber ein Auge zu und verleihe diesem Sachbuch als Gesamtes knapp 5 Sterne.

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Anmerkung: 

roddenberry_vaultWer an nicht verwendeten Szenen aus der klassischen Serie interessiert ist, kommt auch um das Blu-ray-Set „The Roddenberry Vault“ nicht herum. Auf den drei Discs verteilt im Rahmen einer mehrteiligen Dokumentation gibt es noch viele weitere Szenen aus der klassischen Serie zu bestaunen. Und zwar jene, die Roddenberry nicht zerschnitten und verkauft hat.

Der Titel dieses Sets ist schon ironisch, wenn man bedenkt, dass Roddenberry die Filmrollen aus dem Tresor (engl. „Vault“) von Paramount mitgehen ließ. 😉

Rezension: TOS – „Sohn der Vergangenheit“

Der Star Trek-Roman „Yesterday’s Son“ erschien 1983 und in deutscher Sprache schließlich 4 Jahre später. Ich selbst habe ihn dann in den 90er-Jahre erstmals gelesen, nachdem er bei Weltbild als schöne Hardcover-Ausgabe erschienen war. Dass ich das Buch vor einigen Tagen nach langer Zeit erneut aus dem Regal nahm, liegt daran, dass ich erst kürzlich erfuhr, dass eine Fortsetzung der Geschichte existiert. Bevor ich mich an „Zeit für Gestern“ heranwage, wollte ich mein Gedächtnis nochmals auffrischen … was allerdings überhaupt nicht nötig war.

Die Zerstörung des Planeten Sarpeidon durch eine Supernova ist zwei Jahre her, als ein Studium der vor der Katastrophe geborgenen historischen Aufzeichnungen Commander Spock von der U.S.S. Enterprise mit einer unangenehmen Wahrheit konfrontiert: Während er für kurze Zeit in Sarpeidons eiszeitlicher Vergangenheit gefangen war und sich seine vulkanische Mentalität vorübergehend 5.000 Jahre zurückentwickelte, zeugte er mit der Frau namens Zarabeth einen Sohn. Die Bilder außerordentlich detaillierter Höhlenmalerei aus dieser Ära lassen keinen anderen Schluss zu.

Spock, der noch immer beschämt auf sein damaliges Verhalten zurückblickt, sieht nur eine ehrenwerte Handlungsweise, die sich mit den Gepflogenheiten seines eigenen Volkes vereinbaren lassen: eine Reise in die Vergangenheit, um seine Familie zu sich zu holen und Zarabeth und ihrem Sohn einen eisigen Tod vor fünf Jahrtausenden zu ersparen. Da das Zeitportal auf Sarpeidon nicht mehr existiert, muss Spock eine andere Möglichkeit nutzen und so bittet er die vulkanische Matrone T’Pau – ein einflussreiches Mitglied seiner Familie – um Hilfe. Sie ermöglicht es Spock, auf dem Planeten mit dem Codenamen Gateway den sogenannten Hüter der Ewigkeit zu nutzen. Ein uraltes Artefakt, rätselhafte Maschine und Lebensform zugleich, auf das die Enterprise einige Jahre zuvor gestoßen war und dessen Existenz seither zu den bestgehütetsten Geheimnissen der Galaxis zählt. Der Hüter schickt Spock zusammen mit seinen besten Freunden Captain James T. Kirk und Doktor Leonard McCoy in Sarpeidons Eiszeit. An den richtigen Ort, doch nur ungefähr zur richtigen Zeit. Denn Zarabeth ist bereits gestorben und ihr Sohn Zar hat die vergangenen 7 Jahre alleine verbracht, ist inzwischen ein erwachsener Mann in ungefähr dem gleichen Alter wie Spock selbst.

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Zarabeth und Spock kamen sich in der TOS-Folge „Das Zeitportal“ näher.

Während Zar unabhängig von dieser Paradoxie erfreut ist, seinem Vater zu begegnen, geht Spock emotional auf Abstand und diese Distanz hält auch noch an, als er Zar in die Zukunft mitnimmt und ihn an Bord der Enterprise in vulkanische Verhaltensweisen unterrichtet. Doch nicht nur der Vater-Sohn-Konflikt an Bord des Schiffes spitzt sich zu, auch die Romulaner rücken vor und scheinen bemerkt zu haben, dass die Föderation ungewöhnlich großes Interesse am Planeten Gateway zeigt.

Fazit: Die klassischen Star Trek-Folgen „Griff in die Geschichte“ (Staffel 1) und „Portal in die Vergangenheit“ (Staffel 3) bilden die Basis für diesen Roman, der aber weitaus mehr zu bieten hat, als nur zwei bereits erzählte Geschichten miteinander zu verknüpfen. Indem Spock mit einem in der fernen Vergangenheit gezeugten Sohn konfrontiert wird, wird der Halb-Vulkanier aus seiner Wohlfühlzone gelockt. Ein Großteil der Geschichte ist aus seiner Perspektive erzählt und Autorin A.C. Crispin gelingt es hervorragend, sein stetes Unwohlsein zu vermitteln. In eine für ihn ungewohnte Rolle gedrängt scheint Spock als Vater alles falsch zu machen, was nur möglich ist, doch hegt man sowohl für ihn als auch für seinen Sohn Sympathie. Zar, dessen wahre Identität vor so gut wie jedem an Bord der Enterprise geheimgehalten wird, fühlt sich zurückgewiesen und er hinterfragt, ob dies nur an der vulkanischen Art liegt, oder ob sich Spock tatsächlich für ihn schämt.

Der Roman bietet dem Leser einen tiefen Einblick in ein sehr kompliziertes Vater-Sohn-Verhältnis, aber auf seinen 250 Seiten auch einiges an Abenteuer. Zum einen wäre da in der ersten Hälfte des Romans der Ausflug in Sarpeidons Eiszeit, in eine karge und gefährliche Gegend mit besonderer Stimmung. Und in der zweiten Hälfte sorgen die Romulaner mit ihrem Interesse am Planeten Gateway für Spannung. Die Raumschiffkämpfe hat A.C. Crispin nicht allzu packend beschrieben, aber die Action auf der Oberfläche des Planeten ist schon recht mitreißend beschrieben und bieten Zar die Möglichkeit, seine angelernten und einige ungewöhnliche angeborene Fähigkeiten zu nützen. Und auch ein alter Bekannter auf romulanischer Seite absolviert auf Gateway einen Auftritt.

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Kirk und Spock entdeckten den Hüter der Ewigkeit in der TOS-Folge „Griff in die Geschichte“, die von vielen Fans als beste Folge der Serie erachtet wird.

Bewertung: Das Buch „Sohn der Vergangenheit“ hatte ich vermutlich vor 15 Jahren zum letzten Mal gelesen. Und obwohl es so lange Zeit unberührt im Regal stand, waren mir beim erneuten Lesen die meisten Passagen immer noch in sehr guter Erinnerung. Trotz seiner relativen Kürze vereint er hervorragend einen tiefen Einblick in Spocks nicht gerade einfache Psyche mit einem spannenden Abenteuer, vermittelt das einzigartige Flair der verschiedenen Schauplätze – von Vulkan über Sarpeidon bis Gateway – und trifft die Charaktere sehr gut. Obwohl der Roman 1983 entstand, sind mir keine gravierenden Widersprüche zu später etablierten Kanoninformationen aufgefallen.(Eventuell gibt es eine kleine zeitliche Unstimmigkeit mit einer Folge der Zeichentrickserie, die 1983 aber bereits existierte.)

Wie beim ersten Lesen hat mir „Sohn der Vergangenheit“ auch diesmal wieder sehr gut gefallen, weshalb ich ihm gute 5 von 6 Sterne gebe. Wären die Raumschiffgefechte nicht so zäh erzählt worden, wäre auch die Höchstnote vertretbar.

5stars

Anmerkungen:

Das Artefakt auf Gateway wird in der deutschen Übersetzung des Romans als „Wächter der Ewigkeit“ bezeichnet, während er in der deutschen Synchronisation der TV-Serie „Hüter der Ewigkeit“ genannt wird. Das Übernehmen der Serienübersetzung hätte sich auch im Roman gut angeboten, an einer Stelle im Roman ist nicht ganz klar, ob mit „Wächter“ das Artefakt gemeint ist, oder ein Romulaner, der Wache hält. 😉

Wie so häufig bei besonders den älteren Star Trek-Romanen ist das Cover-Motiv auch bei „Sohn der Vergangenheit“ nicht ganz akkurat. Es zeigt Spock älter und in der roten Sternenflottenuniform der Movie-Ära. Den Zeitangaben in der Geschichte zufolge spielt die Haupthandlung des Romans aber gegen Ende der 5-Jahresmission und noch vor den Ereignissen des ersten Kinofilms. Die roten Uniformen wurden bekanntlich ja erst zwischen dem ersten und zweiten Film eingeführt.