Bewegte Bilder

Die San Diego Comic Con findet auch in diesem Jahr wieder nur virtuell statt. Aber dass soll kein Hinderungsgrund sein, um Star Trek-Fans mit neuen Trailern zu versorgen. Im Fokus stehen in diesem Jahr die beiden aktuellen animierten Serien „Lower Decks“ – das Mitte August in die zweite Staffel startet – und vor allem das brandneue „Prodigy„, von dem wir erstmals bewegte Bilder zu sehen bekommen. Nachdem wir schon zuvor Informationen zu den Hauptcharakteren erhielten, sehen wir nun erstmals das Raumschiff, das von ihnen genutzt wird, um von einem Arbeitslager im Delta-Quadranten zu fliehen.

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Das Sternenflottenschiff U.S.S. Protostar, NX-76884! Detaillierte Informationen gibt es zu dem Schiff noch nicht, außer dass es offensichtlich auf einem Planeten im Delta-Quadranten abgestürzt ist. Der Registrierungsnummer nach zu urteilen ist es ein Prototyp-Schiff und definitiv jüngeren Datums (die Serie ist zeitlich 5 Jahre nach der Rückkehr der U.S.S. Voyager zur Erde angesiedelt). Die Hüllenform – speziell wie fließend die Brückenkuppel in die Untertassensektion übergeht – erinnert mich ein wenig an die U.S.S. Dauntless, ein außerirdisches Raumschiff, das von seinem Besitzer als Sternenflottenschiff getarnt wurde um die Crew der Voyager in eine Falle zu locken. Das Besondere an diesem Schiff war, dass es über einen Quanten-Slipstream-Antrieb verfügte. Wurde die U.S.S. Protostar nach der Rückkehr der Voyager basierend auf den Erkenntnissen, die aus der Dauntless gewonnen wurden, gebaut, könnte dies ein erster Versuch der Sternenflotte gewesen sein, ein eigenes Slipstram-Schiff zu bauen. Aber das ist reine Spekulation basierend auf meiner Assoziation. Die Warp-Gondeln der Protostar wirken wiederum fast antiquiert für das 24. Jahrhundert. (Oder bewusst rudimentär, da es sich ohnehin hauptsächlich mittels Slipstream fortbewegen soll? 😉 )

Einen genauen Starttermin hat „Prodigy“ noch nicht; der Trailer erwähnt lediglich einen Start im Herbst. In den USA wird die Serie wie alle neuen Star Trek-Serien auf der Streaming-Plattform Paramount+ (ehemals CBS All Access) Premiere feiern und auch auf dem Sender Nickelodeon laufen. Informationen über eine internationale Ausstrahlung gibt es noch nicht, allerdings gibt es ja auch im deutschsprachigen Raum Nickelodeon-Sender. 

Auch zur zweiten Staffel von „Lower Decks“ gibt es einen neuen und wirklich sehr umfangreichen Trailer, der neben den stimmlichen Auftritten zweier bekannter Darsteller im Star Trek-Universum auch wieder viele Anspielungen auf frühere Star Trek-Serien enthält. Hier ein kleiner Ausblick darauf, was Mariner, Boimler, Tendi und Rutherford in Staffel 2 alles erleben werden: 

Und hier eine bereits vor ein paar Tagen veröffentlichte Szene aus der 2. Staffel, die derzeit leider nur im Hochformat vorliegt:

In den USA findet das Wiedersehen mit Tamarianern, Pandroniern (eine Spezies aus der klassischen Zeichentrickserie!), Ferengi, Pakled, Cardassianern, Nausicaanern u.v.w. ab dem 12. August statt. Auch hierzu gibt es noch keine Informationen zu einem internationalen Starttermin. Anzunehmen ist aber, dass die 2. Staffel wie die erste hierzulande wieder bei Amazon Prime Video landen wird. 

 

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DVD Director’s Edition

Und zum Abschluss dieses Artikels gibt es noch gute Neuigkeiten zu jenem Film, dem meine Blog-Rubrik „Bewegte Bilder“ ihren Namen verdankt: Rund zwei Jahre nach der ersten Ankündigung hat Paramount nun bestätigt, dass die Director’s Edition von „Star Trek – The Motion Picture“ ein Ultra HD-Remastering erhalten wird. Diese vom mittlerweile leider verstorbenen Regisseur Robert Wise überarbeitete Fassung des Films wurde einst im Jahr 2001 nur in Standard-Auflösung für DVD umgesetzt. Da viele Effektszenen digital neu erstellt wurden, ist ein weiteres Remastering recht aufwändig. Daren R. Dochterman, David C. Fein und Mike Matessino, die vor 21 Jahren mit Robert Wise zusammenarbeitenden, werden in einem Zeitraum von 6 bis 8 Monaten die Langfassung von „The Motion Picture“ restaurieren. Zu sehen sein wird die neue Director’s Edition zuerst auf Paramount+, aber nach ein paar Monaten soll sie schließlich auch auf UHD-Blu-ray (und wahrscheinlich auch auf Blu-ray) erhältlich sein.

Es sei an dieser Stelle auch darauf hingewiesen, dass bereits im kommenden September eine UHD-Blu-ray-Box mit den ersten vier Kinofilmen erscheinen wird. Diese Box wird nur die Kinofassung des ersten Films beinhalten. Die vier Filme werden übrigens auch zeitgleich auf Blu-ray erneut erscheinen und das Bild wird auf neuen UHD-Abtastungen basieren. Mit dem Bild der Blu-ray-Erstauflage der Kinofilme im Jahr 2009 hatte ja nicht jeder seine Freude. 

 

Eine empfehlenswerte ergänzende Literatur zur Effektarbeit an „Star Trek – The Motion Picture“ stellt das Sachbuch „Inside the Art & Visual Effects“ dar, das ich im Oktober 2020 rezensiert habe und das in einem Kapitel auch die Director’s Editon behandelt:

Rezension: „Star Trek – The Motion Picture: Inside the Art & Visual Effects“

 

Rezension: TOS – „Living Memory“

Es ist noch gar nicht lange her, dass ich einen Star Trek-Roman von Christopher L. Bennett rezensiert habe. „The Captain’s Oath“ hat dabei leider nicht so gut abgeschnitten; sein neuestes Buch ist allerdings ganz anders angelegt. „Living Memory“ spielt zeitlich zwischen dem 1. und 2. Kinofilm; nicht lange nach den Geschehnissen von Bennetts „The higher Frontier“, das die Ausgangssituation dieses Romans beisteuert: Admiral Kirk ist nun in leitender Funktion an der Sternenflottenakademie, die Enterprise als Trainingsschiff unter dem Kommando von Captain Spock sein persönliches Flaggschiff für „Sondermissionen“. Hikaru Sulu lehrt an der Akademie, Pavel Chekov dient auf der U.S.S. Reliant und Scotty und Uhura auf der U.S.S. Asimov. Allerdings zwingt das plötzliche Erscheinen von Raumanomalien Uhura schon bald dazu, zur Erde zurückzukehren.

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Eine neue Art von Anomalie bedroht den Alpha-Quadranten. In stark von Raumschiffen frequentierten Sonnensystemen treten sogenannte „Vacuum Flares“ auf. Ohne Vorwarnung entstehende, kurzlebigen Mikrowurmlöcher geben Energie ab, die eine tödliche Bedrohung für Raumschiffbesatzungen darstellen. Zuerst treten diese Anomalien in großem zeitlichen Abstand nur in sehr kleinem Umfang und in jedem Sonnensystem nur einmal auf und es gibt zum Glück kaum Todesopfer oder Beschädigungen zu beklagen. Aber die Intensität steigert sich zunehmend und das wahre Gefahrenpotenzial offenbart sich, als die Wurmlöcher an jener Position auftreten, wo sich gerade der Planet Denobula in seinem Orbit befindet.

Die U.S.S. Reliant wird beauftragt, die Ursache für die Anomalien aufzuspüren und es fällt dem Ersten Offizier Pavel Chekov auf, dass – beginnend vom ersten Auftreten der Energieentladungen im Argelius-System – die Vacuum Flares in umgekehrter Reihenfolge überall dort auftreten, wo die Crew der U.S.S. Enterprise während ihrer ersten 5-Jahresmission Landgang hatte. Weitere Nachforschungen führen zu der Erkenntnis, dass nur ein einziges Besatzungsmitglied in jedem der betroffenen Sonnensysteme auf Landgang war: Nyota Uhura! Natürlich stellt sich die Frage, was Uhura während ihres Urlaubs getan haben könnte, das Jahre später diese Anomalien hervorruft. Eine Frage, die Uhura selbst aber beim besten Willen nicht beantworten kann, denn kurz nach dem Landurlaub auf Areglius fand ihr schicksalhaftes Aufeinandertreffen mit der Raumsonde „Nomad“ statt, die Uhuras Gedächtnis ausgelöscht hat.

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Ein invasiver Scan durch die Raumsonde „Nomad“ löschte Uhuras Gedächtnis.

Fazit: Bennett hat sich in diesem Roman vor allem auch der recht erstaunlichen Rekonvaleszenz Uhuras nach ihrem Gedächtnisverlust angenommen. Immerhin sahen wir sie in der klassischen Serie schon eine Folge später wieder ihren Dienst versehen. Solche Themen über mehrere Folgen hinweg zu thematisieren war damals bei Fernsehserien nicht allzu üblich und daher verwundert es nicht, dass auf Uhuras Gedächtnisverlust nie wieder eingegangen wurde. Bennett gelingt es aber ganz gut, ihre zumindest teilweise Wiedererlangung ihrer Erinnerungen zu nachvollziehbar zu erklären und das gleichzeitig mit dem Drama zu verbinden, dass alle ihre persönlichen Erinnerungen – auch die an ihre Familie – unwiederbringlich waren.

Der Gedächtnisverlust sorgt natürlich auch für Spannung in schön altmodischer Weise, denn Uhura versucht in diesem Roman mit der Hilfe der Enterprise-Crew und ihrer Familie ihre Schritte zurückzuverfolgen. Dieser Handlungsstrang funktioniert wirklich hervorragend und die zunehmende Intensität der Anomalien sorgt im Hintergrund auch für eine tickende Uhr, die den Druck auf die Charaktere vergrößert. Gut gefiel mir, dass – obwohl ein größerer Abschnitt Uhuras Interaktion mit ihrer Familie gewidmet ist – dieser nicht allzu übersentimental ausgefallen ist. Meiner Meinung nach genau richtig und da man die junge Uhura ja – wenn auch in einer anderen Zeitlinie – in den neuen Kinofilmen gesehen hat, hat Bennett ein paar Elemente aus der Kelvin-Zeitlinie übernommen. Allen voran eine Variante des Zwischenfalls, den wir im „Ongoing“-Comic #18 sahen sowie eine Erwähnung von Uhuras orionischer Zimmergenossin auf der Akademie.

Dieser Handlungsstrang des Romans hat mir also sehr gut gefallen. Er ist allerdings nicht der einzige in diesem Roman. Relativ unabhängig von dieser Haupthandlung wird parallel von Admiral Kirks Versuch erzählt, eine Gruppe für den Krieg genetisch gezüchteter Arcutrianer in die Sternenflottenakademie zu integrieren. Ein Unterfangen, das sich aufgrund derer Doktrin genauso als schwierig erweist wie durch eine in den letzten Jahren militantere Ausprägung der Sternenflotte, die es den Arcturianern zusätzlich erschwert, ihren eigenen und friedlichen Weg zu gehen. Philosophisch ist dieser Handlungsstrang – der dann später noch ein Mordrätsel aufweist – ganz interessant, aber das ganze Konzept krankt daran, dass die genetisch gezüchtete Arcturianer ins sprichwörtliche kalte Wasser geworfen werden. Ihr persönlicher Status als Individuen scheint auf deren Heimatwelt noch gar nicht geklärt, werden sie schon zur Sternenflotte geschickt, um „Umerzogen“ zu werden. Hier hätte irgendjemand mal hinterfragen sollen, ob damit nicht der zweite Schritt vor dem ersten gemacht wird. Dann hätte sich am Ende der Geschichte viel Leid ersparen lassen.

Bewertung: An sich ist dieser zweite Handlungsstrang aber auch ganz interessant, aber nicht nicht so spannend wie die Geschichte rund um Uhura, die ich eine sehr schöne und zu ihrem Charakter passende Auflösung hat. Anders als in Bennetts zuvor erwähntem Roman „The Captain’s Oath“ erzählt der Autor hier die Geschichte ohne zeitliche Sprünge oder Rückblenden; schön geradlinig. Ich denke, es ist angebracht, „Living Memory“ als altmodisch im besten Sinne zu bezeichnen. Daher gebe ich Bennets neuestem Roman 5 von 6 Sterne.

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Rezension: TNG – “Slings and Arrows – Book 6: Enterprises of Great Pitch and Moment“

Von Keith R.A. DeCandido selbst verfasst ist das letzte der 6 „Slings and Arrows“-ebooks, die er konzipiert hat und die Abenteuer der Enterprise-E während ihres ersten Jahres im Dienst erzählen. Die Geschichte „Enterprises of Great Pitch and Moment“ spielt dabei zeitlich parallel zu Commander Rikers Mission im 5. Buch „A weary Life“ und endet schließlich mit dem Beginn der Borg-Invasion, die im 8. Kinofilm „Der Erste Kontakt“ zu sehen ist. Nebenbei wird hier auch erklärt, warum von den Führungsoffizieren der Raumstation Deep Space 9 nur Commander Worf während der Schlacht auf der U.S.S. Defiant ist. Die eigentliche Geschichte des kurzen Romans dreht sich aber um eine gemeinsame Mission von Captain Picard und Captain Sisko.

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Picard und Sisko verbindet beide ein gewisses Vertrauensverhältnis zu Gowron, dem Machthaber des Klingonischen Imperiums, mit dem sich die Föderation nach Aufkündigung des Khitomer-Vertrags wieder in einer Art kaltem Krieg befindet. Picard hat Gowrons Einsetzung als Kanzler des Hohen Rates geleitet und Sisko hat erst kürzlich mit einem Undercover-Team Gowrons General Martok als Formwandler enttarnt, der den Konflikt angeheizt hat. Der Stabschef des neu gewählten Föderationspräsidenten Min Zife will die Gelegenheit nutzen und schickt beide Captains zusammen zur Grenze des Imperiums, um dort um ein Treffen mit Gowron zu ersuchen, was schließlich zu einer Beilegung des Konflikts führen soll. Frühere ähnliche Versuche blieben erfolglos, doch der Stabschef erhofft sich mehr Erfolg, wenn er beide Captains gemeinsam losschickt. 

An Bord der Defiant warten beide an der klingonischen Grenze und überraschenderweise werden sie vom angesehenen Ratsherrn K’Tal kontaktiert, der ein Treffen nur zwischen Gowron und den beiden Captains auf einem Planeten in den Badlands vorschlägt. Ein ungewöhnlicher Ort und ein noch ungewöhnlicheres Vorgehen. Aber als Sisko und Picard mit einem Runabout von Deep Space 9 zum Planeten fliegen, treffen sie dort tatsächlich ebenfalls nur ein kleines Shuttle der Klingonen an. Bevor richtiger Kontakt hergestellt werden kann, werden beide Schiffe aber von einem Plasmasturm getroffen und stürzen in unmittelbarer Nähe zueinander auf der winterlichen Nordhalbkugel des Planeten ab. Zu Fuß trotzen Sisko und Picard dem Schneetreiben und gebrochenen Rippen und erreichen schließlich das Wrack des klingonischen Shuttles. Die beiden Klingonen darin finden sie nur noch tot vor – und keiner von denen ist Kanzler Gowron! Im Gegenteil tragen beide Kut’luch-Dolche bei sich, was sie als Attentäter identifiziert.

Die beiden Sternenflotten-Captains haben nun Gewissheit, dass K’Tal – oder jemand, der so aussieht wie er? – ihnen eine Falle stellen wollte. Und das Notsignal des Shuttles lockt bereits einen klingonischen Bird of Prey an, der beenden soll, was die beiden Attentäter nicht vollbringen konnten. 

Fazit: Besatzungsmitglieder von Deep Space 9 und der Enterprise begegneten sich in den vorherigen „Slings and Arrows“-Geschichten bereits, aber das Finale stellt sozusagen das Gipfeltreffen der beiden Captains dar, deren Beziehung recht schwierig ist, wie man seit dem Pilotfilm von „Deep Space Nine“ weiß. Sisko sieht in Picard immer noch den Borg Locutus, der die Schlacht bei Wolf 359 anführte, bei der Siskos Ehefrau starb. Der Schluss des Pilotfilms hat Siskos Vorurteile gegen Picard nicht ausgeräumt, nur beiseite geschoben. Aber auch wenn er inzwischen differenzieren kann zwischen Picard und Locutus, bringt Picards Anwesenheit auf Deep Space 9 doch unangenehme Erinnerungen und Empfindungen zurück. 

Gerade deshalb kommt mir die Verbrüderung der beiden doch etwas zu rasch. Es hätte wohl gereicht, die beiden aufgrund der gemeinsamen Gefahr etwas enger zusammenzuschweißen, aber aufgrund der belasteten Vorgeschichte empfand ich es als ungewöhnlich, dass sich beide ziemlich bald mit Vornamen ansprechen. 

Interessant war, dass in dieser Geschichte der klingonische Ratsherr K’Tal eine tragende Rolle hat. Man sah ihn nur im „Next Generation“-Zweiteiler „Kampf um das klingonische Reich“ und nahm ihn in Gowrons Einsetzungszeremonie als etwas wichtiger als die anderen Ratsmitglieder wahr. Und im ersten Teil der Doppelfolge „Wiedervereinigung“ versucht Picard – erfolglos – K’Tal zu erreichen, als er keinen Kontakt mit Gowron herstellen kann, was K’Tal auch als sehr wichtigen Mann im Imperium definiert. Und doch blieb es bei diesen Auftritten bzw. dieser einen Erwähnung, was ich schon etwas seltsam fand. Insofern fand ich es gut, dass K’Tal in dieser Geschichte eine größere Rolle spielen durfte. Auch wenn der Autor nicht ganz schmeichelhaft mit ihm umgegangen ist. 

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K’Tal hatte in „The Next Generation“ nur kurze und in „Deep Space Nine“ überhaupt keine Auftritte, obwohl er eines der wichtigsten Mitglieder im Hohen Rat unter Gowrons Herrschaft war.

Bewertung: Wie alle „Slings and Arrows“-Geschichten schildert auch diese ein rasch erzähltes Abenteuer, in dem DeCandido aber sehr viel unterbringt: einige Action-Sequenzen, dazu Politik und eben das persönliche Dilemma von vor allem Captain Sisko, auch wenn dieses für meinen Geschmack etwas zu rasch aufgelöst wird. Aber Picards Borg-Vergangenheit nochmal zu thematisieren in jenem Roman, der dann auch zur Borg-Invasion im 8. Kinofilm überleitet, erkenne ich als sehr geschickten Schachzug. Also auch das Borg-Thema ist gut untergebracht in einem Roman, in dem es vorrangig aber um eine klingonische Intrige geht. Daher gibt es von mir 5 von 6 Sterne für „Enterprises of Great Pitch and Moment“. 

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Anmerkungen: 

  • Kennt man die Sternenkarten des Star Trek-Universums, so erscheint es ungewöhnlich bis unmöglich, dass man von Deep Space 9 aus innerhalb von Stunden zwischen der „klingonischen Grenze“ und der Raumstation hin- und herpendeln kann. Plausibel kann man dieses Problem vermutlich am besten Erklären, wenn DeCandido die Grenze zu jenem Raumgebiet meint, den die Klingonen bei ihrer Invasion der Cardassianischen Union annektiert haben, was im Grunde eine Exklave des Imperiums darstellen müsste.

 

Rezension: Firefly – „Life Signs“

Der fünfte Roman zur „Firefly“-TV-Serie stammt wie schon drei der vorangegangenen aus der Feder von James Lovegrove. Lovegrove ist auch in diesem Roman wieder sehr treffsicher, was die Charaktere angeht – selbst die etwas schwierige River trifft er hier wesentlich passender als in seinem Roman „The Ghost Machine“. Einzig der Humor bleibt in „Life Signs“ ein wenig auf der Strecke, was aber nicht nur auf die deprimierende Ausgangslage zurückzuführen ist.

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Für die Besatzung der Serenity ist es Schock, als sie erfahren müssen, dass Inara Serra – die bis vor kurzer Zeit noch an Bord des Firefly-Frachtschiffs reiste und für die vor allem Captain Malcolm Reynolds insgeheim starke Gefühle hegt – an einer unheilbaren Krebserkrankung leidet. Als Malcolm per Funk den ebenfalls kürzlich von Bord gegangenen Shepherd Book kontaktiert, um ihm diese traurige Neuigkeit mitzuteilen, kann der Geistliche aber doch mit einem Funken Hoffnung aufwarten: Der belesene und stets überraschend gut informierte Shepherd las kürzlich von einem Arzt, der eine universell wirksame Therapie gegen Krebs entwickelt hat. Das Problem dabei: Die Allianz hat ihm inhumane Praktiken vorgeworfen und ihn ins Gefängnis gesteckt. 

Nach diesem Strohhalm greifend beschließt die Crew der Serenity, den Arzt – Dr. Esau Weng – zu befreien. Dafür müssen sie sich als regulärer Versorgungsfrachter getarnt an vier Allianz-Patrouillenschiffen vorbei zum Eisplaneten Atata mogeln. Dort soll Dr. Weng in Gefängnisanlage #23 inhaftiert sein, aber so genau weiß man das nicht. Der Gefängnisbetreiber – die einflussreiche Blue Sun Corporation – spart an Kosten, setzt die Gefangenen einfach auf Atata ab und lässt die Gefängnisse dort von den Häftlingen selbst verwalten. Nachdem sie sich in Frachtcontainern bei Anlage #23 absetzen ließen und gegenüber den Insassen vorgeben, von einer anderen Anlage getürmt zu sein, stellen Malcolm, Zoe, Jayne und Simon überrascht fest, dass in #23 keinesfalls Anarchie herrscht. Alles ist sehr gut organisiert vom „Boss“ Mr. O’Bannon und seinen „Regulatoren“, sozusagen Hilfssheriffs, die Vergehen – relativ – verhältnismäßig ahnden. Doch O’Bannon selbst ist schon seit geraumer Zeit erkrankt und Zoe findet heraus, dass Weng – angesichts der begrenzten medizinischen Mittel im Gefängnis – daran gescheitert war, den Boss zu heilen, was dieser nicht gut aufgenommen hat. Weng soll in die von Schnee und Eis bedeckte Wildnis Atatas geflohen sein und wird für tot gehalten. Doch trotz der Aussichtslosigkeit, Weng noch lebend vorzufinden, bleibt Malcolm stur und nimmt mit seinen Kameraden die Suche auf. 

In der Zwischenzeit kann die Serenity nicht gemütlich in Warteposition bleiben, denn der ambitionierte Captain eines Patrouillenschiff ahnt, dass irgendetwas mit diesem Frachtschiff nicht stimmt und nimmt die Verfolgung auf. Als Wash verletzt wird und Kaylee alle Hände voll zu tun hat, den Antrieb am Laufen zu halten, muss River das Steuer übernehmen … 

Fazit: Trotz der schwermütigen Eröffnung des Romans, in dem der Leser und die Crew der Serenity mit Inaras schwerer Erkrankung und sicherscheinendem Tod konfrontiert werden, hält sich Lovegrove nicht lange mit Sentimentalitäten auf und grenzt dieses dramatische Element auch stark auf Malcolm ein, immerhin gestattet Inara nur ihm, sie zu besuchen. Und auch am Schluss des Romans steht wieder die komplizierte Beziehung der beiden im Mittelpunkt. Aber in den restlichen vier Fünftel des Romans steht die Mission im Vordergrund und vor allem Malcolms – immerhin emotional gut begründete – Irrationalität, weiterzumachen bis nichts mehr geht, selbst wenn die Chancen, Dr. Weng zu finden, immer schlechter werden. 

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Die Serenity setzt Malcolm, Zoe, Jayne und Simon auf einem unwirtlichen Eisplaneten ab.

Das passt zu jenem Malcolm Reynolds, den wir vor allem im Kinofilm „Serenity“ sehen. Grundsätzlich funktionieren die bisherigen Romane ziemlich gut, wenn sie die doch merkliche Veränderung in Malcolms Charakter zwischen der Serie und dem Kinofilm plausibilisieren. Sie erklären gut seine düsterere Stimmung und eine zunehmende Härte in seinen Entscheidungen im Film, die unmittelbar nach den Ereignissen der TV-Serie auf mich immer ein bisschen „out-of-characater“ wirkten. 

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Bedrückende Ereignisse lenken Malcolm Reynolds auf dunkle Pfade.

Eine weitere große Entwicklung in diesem Roman geschieht in der Parallelhandlung, in der die Serenity vor einem Allianz-Kriegsschiff fliehen muss, was zum Teil ein bisschen Erinnerung weckt an die Flucht des „Millennium Falken“ vor dem Imperium im „Star Wars“-Film „Das Imperium schlägt zurück“. Die Vergleiche zwischen dem Falken und der Serenity sind ja nicht ganz neu, aber die Ereignisse sind nicht derart ähnlich, dass ich von einer bewussten Hommage ausgehe. Für klare Absicht halte ich aber eindeutig die vielen Anspielungen auf „Star Trek“ in diesem Handlungsstrang. So gibt es z.B. Allianz-Schiffe mit auffällig bekannt klingenden Namen und Kaylee darf in einem Satz gleich Sprüche von Doktor McCoy und Ingenieur Scott miteinander verschmelzen.

Die angesprochene große Entwicklung in diesem Handlungsstrang ist die Offenbarung, dass River – wie bei vielen anderen Sachen auch – ein natürliches Talent hat, die Serenity zu fliegen, was auch Wash bewundernd auffällt, der sich in einer Vorahnung auf die Ereignisse des Kinofilms schon vorstellt, dass River ihn eines Tages als Pilot ablösen könnte. 

Die meiste Zeit über ist Wash in diesem Roman aber bewusstlos auf der Krankenstation und auf Atata ist auch Jayne lange Zeit außer Gefecht gesetzt nach einer Begegnung mit einem Rudel monströser Wölfe. Gerade Jayne scheint der heimliche Favorit von James Lovegrove zu sein und Dialoge mit ihm haben in den vorherigen Romanen immer einen gewissen Witz gehabt. Diesmal fehlt das, weil Jayne erst eine untergeordnete Rolle hat und dann gegen die Wölfe K.-O. geht. 

Wie die Leute von der Serenity mit den Wölfen fertig werden, fand ich ehrlich gesagt etwas überzogen. Wäre das Rudel kleiner beschrieben worden, hätte ich den Ablauf dieses Kampfes für zumindest etwas realistischer gehalten. Und es ist eine von mehreren Situationen, die das Team einfacher hätte lösen können, wären sie bewaffnet nach Atata gegangen. Die öfters in diesem Roman geäußerte Erklärung, dass man sich im Gefängnis als Mitgefangene ausgeben will und man deshalb keine Waffen tragen dürfe, wirkt wie eine zurechtgestrickte  Ausrede, um nicht nur den Kampf mit den Wölfen, sondern auch das Ende mit den „Regulatoren“ spannend zu halten, wenn diese den Flüchtigen im Auftrag von Mr. O’Bannon folgen. Inhaltlich hätte nichts dagegen gesprochen, Waffen versteckt zu tragen, denn es gab selbst in der überraschend gut organisierten Gefängnisanlage #23 keine Durchsuchung der Neuankömmlinge. (Und selbst wenn es Metalldetektoren am Eingang gegeben hätte: In einer Folge der Serie trägt Jayne versteckt am Körper eine Kunststoffwaffe.)  

Bewertung: Ja, ein paarmal wirkt die Spannung in diesem Roman künstlich herbeigeführt. Aber trotzdem empfand ich ihn insgesamt als sehr unterhaltsam. Es geht Schlag auf Schlag – man bekommt immer wieder neue Informationen, die das Team von der Serenity in eine neue Richtung weisen, in der sie nach Dr. Weng suchen müssen. Auch die Parallelhandlung auf der Serenity selbst war unterhaltsam – wenngleich es auch hier ein paar künstlich herbeigeführte Spannungsspitzen gab und man sich fragt, wie die Allianz mit solchen Offizieren den Krieg gegen die „Browncoats“ gewinnen konnte. 😀 Aber alles in allem ist „Life Signs“ ein unterhaltsamer und trotz der Ausgangslage nicht allzu melodramatischer Roman, in dem aber nicht alle Crewmitglieder der Serenity ins Rampenlicht rücken dürfen. Trotzdem sind solide 4 von 6 Sternen drin. 

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Bewegte Bilder

Es gibt wieder bewegte Bilder aus dem Star Trek-Universum – konkret den ersten echten Trailer zur 2. Staffel von „Picard„, der im Gegensatz zum im April veröffentlichten Teaser-Trailer auch Szenen aus den Episoden enthält und daher auch schon ein wenig die Richtung verrät, in die die Serie gehen wird. Wer sich 2022 überraschen lassen will für den gilt ab hier: Ansehen bzw. Weiterlesen auf eigene Gefahr!

Sieht ganz so aus, dass Q seinen Lieblingsmenschen Picard ähnlich wie im „Next Generation“-Finale wieder durch die Zeit und damit durch alternativen Zeitlinien springen lässt. Dass sich Staffel 2 mit Zeitreisen beschäftigt kommt nicht völlig überraschend, wenn man bedenkt, dass mit Terry Matalas ein neuer Showrunner übernommen hat, der zuvor den Zeitreisefilm „12 Monkeys“ zu einer spannenden und durchdachten Serie adaptiert hat, die mir hervorragend gefallen hat. Dass ein „Zeitsprung mit Q“ Picard und die Crew des Raumschiffs La Sirena auch ins 21. Jahrhundert zurückführen wird, haben bereits ein paar Fotos von den Dreharbeiten verraten und wird bekräftigt durch das Teaser-Poster zur 2. „Picard“-Staffel, das sich am Motiv des Teaser-Posters zur 1. Staffel orientiert, das Sternenflotten-Logo aber diesmal nicht aus Weinstöcken formt, sondern aus einem urbanen Umfeld der Gegenwart bzw. nahen Zukunft. 

Neue unbewegte Bilder gab es in den vergangenen Tagen auch von „Prodigy„, der neuen Zeichentrickserie. Es gibt nun eine Übersicht des Casts und ihre Rollennamen und -beschreibungen sowie ein paar erste Bilder, die den visuellen Stil der Serie schon etwas besser einschätzen lassen. 

 

Meet the STAR TREK: PRODIGY Cast and Characters — And See New Images From the Animated Series!

Nun sind auch ein paar Spezies der Hauptprotagonisten bekannt und interessanterweise sind nun entgegen dem ersten Eindruck doch nicht alle von ihnen gänzlich neue. So soll es sich bei Jakom Pog um einen Tellariten handeln – wobei es interessant wird zu erfahren, wie es ihn in den Delta-Quadranten verschlagen hat. Und auch beim anfänglich für einen Roboter gehaltenen Charakter mit der Bezeichnung „Zero“ handelt es sich in Wahrheit um den Vertreter einer aus der klassischen Serie bekannten Spezies, der lediglich in einem mechanischen Schutzanzug steckt: einen Medusaner bzw. Medusen! Von denen wir wissen, dass ihr ungefilterter Anblick einen Menschen in den Wahnsinn treiben kann und auch, dass sie intuitiv hervorragende Navigatoren sind (was Zeros Anwesenheit im Delta-Quadranten erklären kann). 

„Prodigy“ soll noch 2021 starten, ein genaues Veröffentlichungsdatum gibt es noch nicht. 

Rezension: PIC – “The Dark Veil“

Auch der zweite Roman erzählt eine inhaltlich mit der Haupthandlung der 1. „Picard“-Staffel verwobene Geschichte, auch wenn diese zeitlich noch ein paar Jahre vor dem Start der Serie angesiedelt ist. Die Ereignisse von „The Dark Veil“ sind ungefähr ein Jahr nach dem Rückzug der Föderation aus den Evakuierungsbemühungen von Romulus angesiedelt – somit nach Admiral Picards Rückzug ins Privatleben – aber noch vor der Supernova, die schließlich Romulus vernichten wird. Jean-Luc Picard spielt hier nur eine kleine Rolle. Im Mittelpunkt steht ein Abenteuer des Raumschiffes U.S.S. Titan unter dem Kommando von Captain William T. Riker. 

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Die Geschichte kommt dadurch in Gang, dass ein Mitglied der Titan-Crew – ein junger Lieutenant namens Zade, der wie alle Jazari als sehr zurückhaltend gilt, aber stets außerordentlich höflich auftritt – von seinem Volk, das nicht Teil der Föderation ist, in seine Heimat zurückbeordert wird. Im Sonnensystem der Jazari angekommen, stellt die Crew der Titan fest, dass die Jazari ein gigantisches Generationenschiff gebaut haben, das ihr gesamtes Volk in eine entlegene Region des Alls bringen soll. Doch während der Fertigstellung des Schiffes kommt es in einer nahegelegenen Jazari-Rohstoffgewinnungsstation zu einem verheerenden Unfall, der nicht nur die Jazari, sondern auch die umliegenden Sektoren bedroht. Die Titan wird schwer beschädigt, aber es gelingt, die Katastrophe zu verhindern, weil von unerwarteter Seite Hilfe eintrifft: Der romulanische Warbird Othrys – auf einer Erkundungsmission, um kolonisierbare Welten für die Flüchtlinge von Romulus zu finden – eilt herbei. Der romulanische Commander Medaka zeigt sich – anders als seine vom Geheimdienst Tal’Shiar abgestellte Erste Offizierin – auch in weiterer Folge als sehr kooperativ und bietet den Jazari an, ihr angeschlagenes Schiff durch eine von Plasmastürmen heimgesuchte Region zu führen. Eine Reise, die die Titan mitmachen muss, denn für die Dauer der Reparaturarbeiten musste ein großer Teil der Crew in eine der Habitatkuppeln des Jazari-Generationenschiffes evakuiert werden. Darunter auch der junge Thaddeus „Thad“ Troi-Riker, Sohn von Captain Riker und Counselor Troi. 

Während der Reise durch das Sturmgebiet, machen sowohl Thad als auch die stets misstrauische Tal’Shiar-Spionin interessante Entdeckungen auf dem Generationenschiff. Zum einen wäre da eine ungewöhnlich hohe Anzahl von Drohnen, die ständig im Hintergrund präsent zu sein scheinen. Und dann sind da noch ungewöhnliche Messungen positronischer Aktivität, die auf intensive Nutzung künstlicher Intelligenz hinweist. Eine Technologie, der Romulaner generell misstrauisch begegnen und die von einer ganz bestimmten Tal’Shiar-Fraktion als derart große Bedrohung erachtet wird, dass die Vernichtung des Jazari-Generationenschiffes als alternativlos angesehen wird. Auch die Erste Offizierin der Othrys gehört zu dieser Fraktion und schmiedet einen Plan, um den in ihren Augen viel zu Föderations-freundlichen Commander Medaka abzusetzen, sollte sich dieser weigern gegen die Jazari – und die Titan, die die Jazari zweifellos verteidigen werden – vorzugehen. 

Fazit: Wie wahrscheinlich den meisten Lesern von „Star Trek“-Romanen bekannt sein dürfte, gibt es bereits seit dem Jahr 2005 eine Spin-off-Romanreihe zu „The Next Generation“, in der es um die Erlebnisse von William T. Riker und Deanna Troi auf der U.S.S. Titan geht – jenem Raumschiff, dessen Kommando Riker am Ende des Filmes „Nemesis“ antritt. Damals war natürlich noch nicht absehbar, dass das 24. Jahrhundert des „Star Trek“-Universums 15 Jahre später doch noch fortgeführt werden sollte und da es sich bei „The Dark Veil“ um einen Roman zur Serie „Picard“ handelt, berücksichtigt er natürlich nicht die Geschehnisse aus den Romanen. Allerdings hat Autor James Swallow, der selbst schon zuvor drei Romane der „Titan“-Reihe verfasst hat, einige Ideen und Charaktere übernommen. So ist auch hier Christine Vale die Erste Offizierin und Ranul Keru dient als taktischer Offizier. Auch wird erwähnt, dass die U.S.S. Titan als Multispezies-Schiff angelegt war und dass es sich um ein Schiff der Luna-Klasse handelt. Dieses Schiffsdesign wurde einst 2005 im Rahmen eines Wettbewerbs ermittelt und in der 1. Staffel von „Lower Decks“ zum offiziellen Kanon. 

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Das Design der U.S.S. Titan bzw. der Luna-Klasse stammt von Sean Tourangeau und wurde im Rahmen eines Wettbewerbs für die „Titan“-Romanreihe ausgewählt. Dank der neuen animierten Zeichentrickserie „Lower Decks“ ist das Design nun Teil des Star Trek-Kanons, zu dem die Romane ja nicht zählen, sondern nur das, was Serien und Filme zeigen.

Soweit zur Vergangenheit der Titan. In der Gegenwart ist sie wie erwähnt Bestandteil der Vorgeschichte von „Picard“ und wird wahrscheinlich in der 2. Staffel von „Lower Decks“ dauerhaft präsent sein. „The Dark Veil“ erzählt dabei eine im Grunde durchaus eigenständige Geschichte; eigentlich ein ganz typisches Szenario mit einem Sternenflottenschiff, das zur Hilfe eilt. Das ist allerdings nur der Ausgangspunkt der von James Swallow sehr auf Zug erzählten Geschichte, die dann Dinge über die Jazari enthüllt, die direkt im Zusammenhang mit dem steht, was wir in der 1. „Picard“-Staffel über die Familie Troi-Riker erfahren und über die Zhat Vash – jene Tal’Shiar-Fraktion, die in künstlicher Intelligenz vor allem anderen als „Zerstörer“ wahrnimmt. Ich finde, Swallow hat den Fanatismus in Person der Ersten Offizierin des Warbirds Othrys sehr gut rübergebracht und mit Commander Medaka einen sehr sympathischen Romulaner als Gegenpol beschrieben. Der Konflikt zwischen den beiden ist von Beginn an vorhanden und die Eskalation mag dann zwar nicht überraschend kommen, aber es gelingt Swallow sehr gut, den Machtwechsel auf der Othrys glaubhaft zu beschreiben. Denn im ersten Moment würde man den Putsch der Ersten Offizierin als ziemlich plump erachten. Aber da Swallow den anderen Brückenoffizieren des Warbirds vorher schon viel Beachtung schenkte und beschrieb, in welche Rollen sie sich im Rahmen der romulanischen Gesellschaft fügen und welchen Konventionen sie sich unterwerfen mussten, funktioniert dieser Part der Geschichte wirklich sehr gut. (Auch wenn ich zugeben muss, dass es vielleicht ein oder zwei romulanische Offiziere zu viel gab, was es mir erschwerte, den Überblick zu behalten, welche Vorgeschichte nun zu wem gehörte.) 

Mit Thads Rolle in dem Roman habe ich auch kein allzu großes Problem gehabt. Natürlich entspricht einer klischeehaften Erwartungshaltung, dass es ausgerechnet das neugierige Kind ist, das etwas herausfindet, was den Erwachsenen (zumindest der Crew der Titan) verborgen bleibt. Aber Thad ist eigentlich ganz in Ordnung beschrieben und seine Szenen mit Deanna Troi gefielen mir. Auffällig war allerdings, dass Swallow an keiner Stelle erwähnt, wie alt Thad ist (weil wohl auch keine Angabe in der Serie gemacht wurde, dies aber vielleicht noch geschehen könnte). Er kann allerhöchstens sechs Jahre alt sein und das ist vermutlich auch die beste Annahme, denn Thad wird zwar als ungewöhnlich klug und fantasievoll beschrieben, aber alles, was unter sechs Jahren wäre, würde seine Glaubwürdigkeit überstrapazieren. 

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Wir wissen nicht viel über das Alter von Thaddeus Troi-Riker im Jahr 2386, außer dass er ein Kleinkind war, als Admiral Picard noch in der Sternenflotte diente.

Was die künstliche Intelligenz auf dem Jazari-Schiff angeht, möchte ich nicht zu viel verraten. Aber ich will doch erwähnen, dass ganz nebenbei eine direkte Verbindung zur Folge „Der dressierte Herrscher“ aus der klassischen „Star Trek“-Serie mehr als nur angedeutet wird, was mir sehr gut gefiel.

Eine weitere Anspielung auf TOS gibt es auch in der Rahmenhandlung, die ich bislang unerwähnt ließ. Denn eigentlich sind die Hauptgeschehnisse des Romans nur eine „Zeugenaussage“ vor einem romulanischen Tribunal. Das merkt man stilistisch aber nicht, denn die Ereignisse sind in ganz normaler Romanform erzählt. Aber innerhalb dieser Rahmenhandlung taucht ein Charakter auf, mit dem ich – ebenso wie Captain Riker – überhaupt nicht gerechnet hatte und dessen Auftauchen genauso wie die Rahmenhandlung selbst keinen nennenswerten Zweck erfüllt. Es sei denn, dieser Auftritt deutet vielleicht schon auf den dritten „Picard“-Roman hin. Zeitlich an „The Dark Veil“ anschließend würde nämlich ein Fokus auf diesen Charakter in einem kommenden „Star Trek“-Roman durchaus viel Sinn ergeben.

Bewertung: „The Dark Veil“ hat mir wirklich sehr gut gefallen. Ein sehr ausbalancierter Roman zwischen Eigenständigkeit und Vorschau auf Geschehnisse in der 1. „Picard“-Staffel. Dazu sehr auf Zug erzählt und mit einer ausgedehnten aber unterhaltsam beschriebenen Raumschlacht am Ende, bei der die jeweiligen Ereignisse auf den beteiligten Schiffen stärker im Vordergrund stehen als die reinen Manöver im Raum. So hat James Swallow sehr gut Spannung an mehreren Fronten aufgebaut. In Summe kann ich „The Dark Veil“ als sehr gelungen bezeichnen und vergeben 5 von 6 Sterne

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Rezension: TOS – „The Captain’s Oath“

Ich hatte nun endlich die Zeit, diesen Roman zur klassischen „Star Trek“-Serie nachzuholen, der bereits im Frühjahr 2019 erschienen ist. Neben Greg Cox hat sich Christopher L. Bennett in den vergangenen Jahren als der Geschichtenerzähler zu dieser Ära des „Star Trek“-Universums etabliert. Mit „The Captain’s Oath“ weicht er allerdings im Erzählstil für meinen Geschmack etwas zu weit von der zugrundeliegenden Serie ab, weshalb der Roman eher wie eine Biographie über den jungen Captain Kirk wirkt. 

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Es ist etwas schwierig, die Handlung dieses Romans in Kurzform wiederzugeben. Bennett wechselt ständig zwischen den Zeiten hin und her und erzählt dabei unterschiedliche Geschichten, die hinsichtlich der Charakterisierung von Captain James T. Kirk zwar einen roten Faden ergeben, aber an sich wenig gemeinsam haben. 

Dominant und den größten Zeitraum einnehmend wirkt aber wohl die Geschichte über die Agni, eine Spezies, die rund um das Jahr 2260 – während Kirk Captain der U.S.S. Sacagawea war – mehrfach mit ihren riesigen Schiffen in Föderationsterritorium eingedrungen ist. Geradewegs auf bewohnte Sonnensysteme zu und keine Anstalten machend, mit den Sternenflottenschiffen, die sich ihnen in den Weg stellen, Kontakt aufnehmen zu wollen. Es kommt zu mehreren verlustreichen Kämpfen, nach denen die Agni jeweils kehrt machen – bis sie es eines Tages plötzlich unbemerkt bis zu einer bewohnten N-Klasse-Welt im Regulus-System schaffen, dort eine Basis aufbauen und die industriellen Stationen im niedrigen Orbit des Venus-artigen Planten attackieren. Es liegt an der Crew der Sacagawea – und vor allem an einer jungen Wissenschaftsoffizierin, die von Regulus stammt und daher nicht ganz unvoreingenommen ist – endlich eine Kommunikation mit den Agni herzustellen und eine Erklärung für deren Beweggründe zu erhalten. Doch gleich am Beginn der ersten erfolgreichen Kontaktaufnahme stellt sich heraus, dass die Agni derart andere Prinzipien haben, dass sie selbst die Beweggründe der Föderation bis jetzt gar nicht verstanden und für völlig irrational gehalten haben. 

Auf einer anderen Erzählebene werden frühere Abenteuer der U.S.S. Sacagawea erzählt, die sich neben Kirk auch besonders auf seine andorianische Offizierin Rhenas Sherev konzentrieren, die schließlich während eines Einsatzes derart verletzt wird, dass sie ihre Sternenflottenkarriere beenden muss. Jahre später – während der ersten großen Mission, die Kirk als frischgebackener Captain der U.S.S. Enterprise absolviert – trifft Kirk wieder auf Sherev, die nun eine archäologische Ausgrabung auf einem Planeten im Territorium der Aulacri leitet. Die Aulacri wollen den Planeten terraformieren und haben zu diesem Zweck mehrere Kometen auf Kollisionskurs geschickt, deren Einschlag die Ausgrabungsstelle zerstören würde. Sherev weigert sich mit dem Hinweis auf eine bevorstehende sensationelle Entdeckung, die Stätte zu räumen, während die Aulacri als Gastgeber darauf bestehen, dass die Enterprise sofort alle Archäologen evakuiert. Kirk muss eine Entscheidung treffen, ob er den Terraforming-Prozess stören und um Jahrzehnte zurückwerfen soll, oder sich dem Regelbuch der Sternenflotte unterwerfen soll. 

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Die U.S.S. Sacagawea wird als Raumschiff der Hermes-Klasse beschrieben. Dieses Schiff stammt aus dem in den 70er-Jahren erschienenen Technical Manual von Franz Joseph Schnaubelt. Die Raumschiff-Illustrationen in diesem Buch waren auch auf Bildschirmen im 3. Kinofilm „Auf der Suche nach Mr. Spock“ zu sehen. Interessanterweise verwendet Bennett in seinem Roman keine Schiffsklassen aus der Serie „Discovery“, während andere TOS-Romane seit 2017 gerne nebenbei kleine Anspielungen auf DSC enthalten.

Fazit: Ich hoffe, das wesentliche Geschehen und die Hauptthemen in diesem Roman einigermaßen gut zusammengefasst zu haben, obwohl es noch einige andere Ereignisse und Missionen gab, die in diesem Roman erzählt werden. Darunter auch Kirks erste Begegnung mit Doktor McCoy oder mit dem klingonischen Captain Koloth. Wie schon erwähnt, werden hier Abenteuer aus Kirks frühen Tagen als Raumschiffkommandant in nicht-linearer Weise erzählt und enden schließlich in der Vorbereitung der ersten Mission der Enterprise – den Flug zum Rand der Milchstraße – die wir im Rahmen der TV-Serie in „Spitze des Eisbergs“ sehen. 

Diese Erzählweise hat bei mir aber dazu geführt, dass kein richtiger „Flow“ beim Lesen entstand und ich das Buch immer wieder mal nach sehr kurzer Zeit aus der Hand gelegt habe und mich jedes Mal beim Weiterlesen erst wieder orientieren musste, in welcher zeitlichen Erzählebene man sich gerade befindet. Ich überlege wirklich, was der größere Sinn hinter dieser Erzählweise sein soll. Abgesehen von eher nebensächlichen Erwähnungen hat eine Mission kaum etwas mit der anderen zu tun. Und auch eine vertiefende Einführung der Nebencharaktere, die im späteren Handlungsverlauf wichtig werden sollten, wird durch die nicht-lineare Erzählweise nicht erzielt. Es gibt kein „Zurückspringen“ an einen Punkt, um nachträglich eine Erklärung für eine überraschende Wendung zu liefern. Tatsächlich denke ich, könnte man die Kapitel zu den jeweiligen Zeitebenen aus dem Roman herauslösen, hintereinander stellen und würde kaum merken, dass irgendetwas dazwischen rausgenommen wurde. Die bessere Lösung für die Absicht, eine Kirk-Biographie (die es übrigens bereits gibt, siehe „The Autobiography of James T. Kirk“) wäre wohl eine Kurzgeschichten-Anthologie gewesen. 

Die Struktur des Romans ist aber leider nicht das Einzige, womit ich ein Problem habe. Auch mit der Charakterisierung von James T. Kirk bin ich nicht ganz einverstanden – und das ist leider ein riesiges Problem für einen Roman, der sich primär zum Ziel setzt, eben jene Person im Detail zu charakterisieren. Vom draufgängerischen, heroischen Captain James T. Kirk besteht ja doch ein gewisses und nicht aus dem Nichts entstandenes Bild und ich fand, dass diese fiktive Figur allein schon in der ersten Staffel von TOS einige Ecken und Kanten bekam. Christopher Bennett hat in diesem Roman aber nicht nur das vielleicht idealisierte Heldenbild von Kirk entfernt, sondern – wahrscheinlich als unbeabsichtigten Nebeneffekt – gleichzeitig auch dessen Ecken und Kanten entfernt. Wie sagte doch Kirk selbst im 5. Kinofilm: „Ich brauche meinen Schmerz, um zu wissen, wer ich bin.“

Das fehlt Bennetts Interpretation von Captain Kirk leider und aufgrund von Bennetts Nachwort, in dem er durchaus schon voraussieht, dass nicht jeder Leser Freude mit seiner Darstellung von Kirk haben wird, muss ich auch hinterfragen, ob es tatsächlich eine gute Idee war, einen ganzen Roman darauf zu verwenden, Geschichten darüber zu erzählen, wie eine Person zu einem – wie Bennett es im Nachwort ausdrückt – „disziplinierten, ernsten und emotional distanzierten“ Charakter wird. Das klingt doch nicht gerade aufregend, oder?  

Und was mir angesichts dieser Charakterisierung fehlt ist der Grund, warum Kirk nicht so geblieben ist; warum er – um es in einer Metapher aus der klassischen Serie auszudrücken – vom Schachspieler zum Pokerspieler wurde? Ironischerweise handelt Bennetts Kirk gerade in der letzten Geschichte – jener auf der Enterprise angesiedelten – am Ende wie der risikofreudige und seinem Instinkt vertrauende Captain, den wir aus der Serie kennen. Das passt dann allerdings dann doch wieder nicht zu jenem Kirk, den Bennett offenbar vor allem in der 1. Staffel der Serie wahrgenommen hat. 

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In seiner allerersten Szene in der Serie spielt Captain Kirk mit Spock Schach und kann seinen Gegner mit „unlogischen“ Zügen irritieren – und nicht, weil er „disziplinierter, ernster und emotional distanzierter“ spielen würde als sein halbvulkanischer Wissenschaftsoffizier.

Bewertung: Christopher L. Bennett beherrscht grundsätzlich sein Handwerk als Romanautor sehr, sehr gut und ich weiß vor allem seine „Rise of the Federation“-Romane sehr zu schätzen und seinen ebenfalls biographisch angelegten Roman über Captain Jean-Luc Picard „The Buried Age“ fand ich sehr gut. In „The Buried Age“ hat Bennett sehr erfolgreich dargelegt, wie Picard zu jener Person wurde, die wir in „The Next Generation“ gesehen haben. In „The Captain’s Oath“ hat sich Bennett aber meiner Meinung nach aufs Glatteis begeben indem er eine Geschichte erzählt, wie ein Captain Kirk entstand, den es aber zumindest meiner Meinung nach in „The Original Series“ gar nicht gegeben hat. Jedem mag seine eigene Interpretation gegönnt sein, aber ihr zu folgen wäre mir als Leser wohl auch leichter gefallen, hätte sich Bennett nicht so vieler unterschiedlicher zeitlicher Erzählebenen bedient. Ein Stilmittel, das in meinen Augen in diesem Roman keinen erkennbaren Zweck erfüllt.  

„The Captain’s Oath“ ist kein totales Desaster von einem Buch. Wie erwähnt versteht es Bennett, gut zu schreiben. Nur thematisch und strukturell hat er mit diesem Roman meinen Geschmack einfach nicht getroffen, weswegen ich nur 2 von 6 Sterne vergeben kann.

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hotspurAnmerkung: Das erwähnte Buch „The Autobiography of James T. Kirk“ thematisiert u.a. ebenfalls Kirks Kommando über ein anderes Raumschiff bevor er Captain der Enterprise wurde. Allerdings erzählen Roman und Autobiographie unterschiedliche Geschichten. Laut der Autobiographie war Kirks Kommando vor der Enterprise die U.S.S. Hotspur, ein Schiff der Baton Rogue-Klasse. Auch diese Klasse wurde wie auch die Hermes-Klasse einem alten „Star Trek“-Sachbuch entnommen. In diesem Fall Rick Sternbachs „Spaceflight Chronology“ aus dem Jahr 1979.

Bewegte Bilder

Am 5. April – dem „First Contact Day“ in Anspielung auf das Datum, laut dem im achten Star Trek-Kinofilm „Der Erste Kontakt“ die Menschheit erstmals mit Außerirdischen in Verbindung trat – gab es einige neue Teaser- und Trailer-Veröffentlichungen zu den kommenden Serienstaffeln. Außerdem gab es einen ersten Blick auf einen der Hauptcharaktere der neuen animierten Serie „Prodigy“. 

Den Auftakt macht hier der Trailer zur 2. Staffel von „Lower Decks„, die bereits ein festes Startdatum hat: In den USA wird die erste Folge am 12. August 2021 auf Paramount+ (ehemals CBS All Access) erscheinen. Es bleibt zu hoffen, dass diesmal – anders als bei Staffel 1 – Amazon Prime Video international rasch folgt. Eine dritte Staffel ist inzwischen übrigens auch schon bestätigt. 

Ebenfalls einen ersten echten Trailer gibt es zur 4. Staffel von „Discovery„. Der Start dieser Staffel wird gegen Ende 2021erwartet. 

Einen Teaser-Trailer, der noch kein eigentliches Material aus der Staffel beinhaltet, gibt es nun zur 2. „Picard„-Staffel, deren Start Anfang 2022 erwartet wird. Aber zumindest einige mögliche Themen werden schon angedeutet und die Rückkehr eines „Gasts“, der bereits die Enterprise-D, Deep Space 9 und die Voyager besucht hat: 

Es gibt zwar keine bewegten Bilder von ihr, aber im Rahmen des „First Contact Day“ wurde das Charakterdesign einer weiteren Hauptfigur der animierten Serie „Prodigy“ präsentiert: Captain Kathryn Janeway kehrt in dieser Serie als Hologramm zurück, das einer bunt zusammengewürfelten Crew dabei hilft, ein gestrandetes Sternenflottenschiff wieder in Gang zu setzten. Die Serie soll im Jahr 2383 (ca. 5 Jahre nach der Rückkehr der USS Voyager zur Erde) und im Delta-Quadranten angesiedelt sein. 

Ein Erscheinungsdatum der 1. „Prodigy“-Staffel gibt es noch nicht. Den hat aber – endlich – der nächste Star Trek-Kinofilm bekommen. Dieser soll am 9. Juni 2023 in die (amerikanischen) Kinos kommen. Die Details sind noch geheim, abgesehen davon, dass wie schon bei den letzten drei Filmen wieder Paramount Pictures mit J.J. Abrams‘ Bad Robot Productions zusammenarbeiten wird. Nach langer Wartezeit und seit 2016 schon mehreren Konzepten gibt es nun endlich wieder eine Perspektive auf „bewegte Bilder“ auch auf der großen Kinoleinwand. 

Star Trek – The Artistry of Dan Curry

„VFX, Weapons and Wonders from TNG to Enterprise“ lautet der Untertitel zu diesem Sachbuch – in dem es ähnlich wie im Buch „The Art of John Eaves“ um das Schaffen einer einzelnen Person für das „Star Trek“-Franchise geht – und der bereits die Vielfältigkeit von Dan Curry unterstreicht. Anders als John Eaves, dessen Tätigkeit neben dem anfänglichen Bau von Modellen schließlich voll fokussiert auf die Illustration war, war Dan Curry im Lauf der Zeit in wesentlich mehr Bereichen tätig. Einige davon waren wesentlich technischer und weniger kreativ geprägt, was die Kapitel dieses Buches unterschiedlich interessant macht. 

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Dieses Hardcover-Buch mit Schutzumschlag misst 31 x 26 cm und hat über 200 Seiten. Trotz Dan Currys Vielfältigkeit ist in ihm also jede Menge Platz, um sein Mitwirken an „Star Trek“ sehr ausführlich zu beschreiben und in vielen Bilder festzuhalten. Das Buch widmet sich am Beginn eher den trockenen technischen Abläufen bei der Erstellung von Effekt-Szenen in den frühen Jahren von „The Next Generation“ bis „Voyager“. Es gibt sehr ausführliche Beschreibung von „Motion Control“-Technik, dem Filmschnitt und dem Zusammenführen mehrere Effektelemente auf Film – von Explosionen über Transportereffekte bis hin zum Umgang mit den nicht immer einfach zu handhabenden Raumschiffmodellen. Ein sehr großes Kapitel ist auch der TNG-Episode „Der Moment der Erkenntnis, Teil 2“ gewidmet, bei der Curry erstmals die Hauptregie übernahm. Allerdings ist das nicht gerade eine meiner Lieblingsfolgen, insofern war dieses Kapitel für mich doch ziemlich zähl zu lesen. Für Curry selbst war das aber natürlich eine große Sache, zumal es sich um eine Klingonen-zentrierte Folge handelte.

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Unter anderem als Erfinder des Bat’leths – des klingonischen Schwertes – hat Curry viel dazu beigetragen, die klingonische Kultur visuell zu definieren und auch sein Interesse an Kampfkunst und Waffendesign kam ihm bei „Star Trek“ immer wieder zugute. Wie er sich diese Kenntnisse angeeignet hat, wird immer wieder mal im Buch thematisiert, denn Curry ist ein echter Weltenbummler und war in jungen Jahren viel in Asien unterwegs und kann durchaus viele, viele Geschichten darüber erzählen. Aber ob ein „Star Trek“-Sachbuch tatsächlich so geeignet ist, derart stark biographisch zu werden? Bei allen Respekt vor Dan Curry und dem, was er für „Star Trek“ erschaffen hat, tut er diesem Buch (dessen Autor er zusammen mit Ben Robinson war und das aus seiner Erzählperspektive verfasst ist) nicht wirklich viel Gutes, wenn er manchmal derart weit abschweift und von seiner Zeit im Friedenscorps erzählt. Daraus mag dann zwar sein Interesse für traditionelle Waffen resultiert sein, das er beim Waffendesign der Klingonen, der Jem’Hadar und vielen weiteren Spezies im „Star Trek“-Universum einbrachte. Aber manchmal wirkt das einfach angeberisch. Wenn auch wahrscheinlich nicht absichtlich und ich vermute, Curry hat das erkannt, weshalb er auch bei den Kapiteln zu seiner Arbeit an „Star Trek“ keine Gelegenheit auslässt, immer wieder darauf hinzuweisen, ohne welche tüchtigen Mitarbeiter all das nicht funktioniert hätte. Die erwähnten Personen freuen sich sicher darüber, im Buch genannt zu werden. Aber ganz ehrlich: Es ist völlig klar, dass niemand ganz allein komplexe Effekte umsetzen kann und so kommt sein Lob wie Überkompensation dafür rüber, dass er auch so viel über sein Privatleben in sein Buch einfließen lässt. Weniger davon und zugleich die Verschiebung der Würdigung seiner Mitarbeiter ins Nachwort hätten das Buch wesentlich fokussierter und angenehmer lesbar gemacht.

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Und bevor wir endgültig zum Positiven kommen, noch eine letzte negative Sache, die mir auffiel: Wie es bei vielen Sachbüchern heutzutage üblich ist, wird der laufende Text hin und wieder von Rubriken-Kästchen unterbrochen. In diesem Buch beinhalten sie entweder Interviews mit Produzenten und Schauspielern, die mit Curry zusammengearbeitet haben, oder eine bestimmte Arbeit wird etwas detaillierter beschrieben. Das Problem bei der Sache ist, dass manche dieser Rubriken einige Seiten lang sind oder mehrere aufeinander folgen. Das resultiert darin, dass es immer wieder mal vorkommt, dass eine Seite damit endet, dass ein Satz mittendrin unterbrochen wird, worauf mehrere Seiten mit Rubriken-Kästchen folgen, ehe dann der Fließtext mit dem Rest des unterbrochenen Satzes weitergeht. Das hätte man besser lösen können.

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Aber ansonsten ist das Layout sehr schön und die wirklich vielen, vielen Fotos und Zeichnungen sind sehr übersichtlich angeordnet und passend Beschriftet. Was man sieht, passt zum Text auf der Seite. Und in der zweiten Hälfte des Buches – wenn ein Großteil des biographischen Aspektes bereits abgehandelt ist – rücken auch mehr und mehr kreative Aspekte in den Fokus. Beginnend mit dem Kapitel über die Hintergrundgemälde rücken dann auch die späteren Staffeln von „Deep Space Nine“ und die Serien „Voyager“ und „Enterprise“ in den Vordergrund und damit die häufigere Arbeit mit computergenerierten Grafiken, die Curry mehr Freiheit gab. Das merkt man vor allem in jenem Kapitel, in dem es um die Erschaffung von Kreaturen geht. aber auch bei den „üblichen“ Weltraumeffekten. War die Arbeit mit physischen Modellen in den frühen Kapitel des Buches stark von Technik und deren Grenzen geprägt, war mittels CG-Technik so ziemlich alles umsetzbar, was man sich vorstellen konnte. 

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Bewertung: Ich bin ja großer Fan von Design-Sachbüchern zum Thema „Star Trek“ und habe schon viele von ihnen rezensiert. Da das Design-Thema nicht in alle von Dan Currys Aufgabenbereichen vordergründig war, hatte ich mich schon darauf eingestellt, dass dieses Buch auch sehr viele technische Aspekte beinhalten würde, aber ich war dennoch etwas überrascht, wie spezifisch er hin und wieder wurde. Und dass das Buch dann gleichzeitig auch sehr umfangreiche biografische Inhalte hatte, überraschte mich umso mehr. Insofern empfand ich leider einen großen Teil der 200 Seiten ziemlich mühsam zu lesen und es dauerte auch ziemlich lange, bis ich mich durch dieses Buch durchgearbeitet hatte. Zum Glück entschädigte die zweite Hälfte des Buches für die nach meinem Geschmack eher trockenen Themen der ersten Hälfte (auch wenn bereits dort interessante Kapitel wie die Raumschiff-Galerie eingestreut sind). Aber am Ende bleibt der Eindruck eines recht unausgewogenen Sachbuchs. Das bereits von mir erwähnte Buch über John Eaves empfand ich als wesentlich gelungener. Daher erhält „The Artistry of Dan Curry“ leider nur 3 von 6 Sternen.   

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Rezension: DS9 – „The Tempest“

„The Tempest“ ist ein weiterer „Deep Space Nine“-Roman, der bereits in den 90er-Jahren erschien, aber keine deutsche Veröffentlichung mehr durch den Heyne-Verlag erfuhr. Susan Wrights Roman ist zu Beginn der 4. Staffel der Serie angesiedelt. Das Klingonische Imperium hat mit der Föderation gebrochen und Commander Worf ist erst kürzlich zum neuen Offizier für strategische Operationen auf der Raumstation Deep Space 9 geworden.

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Von den nahenden stürmischen Zeiten kündigt das Eintreffen des schwer beschädigten Sternenflottenschiffes Ceres bei Deep Space 9. Bei der Untersuchung eines gewaltigen heranziehenden Plasmasturms wurde das Schiff aus dem Sturm heraus von nicht identifizierten Angreifern attackiert. Der Verdacht fällt zuerst auf einen Frachter der Sattar – einem Untertanenvolk des klingonischen Imperiums – der kurz vor der Ceres bei der Raumstation eingetroffen ist. Es ist zwar von Anfang an zweifelhaft, ob der Frachter selbst aus einem Hinterhalt heraus ein Schiff der Sternenflotte derart stark beschädigen hätte können – vor allem da sie generell nicht gerade begeistert von den Klingonen sind und lieber ihre eigenen „Deals“ machen würden, anstatt an der kurzen Leine des Imperiums geführt zu werden – aber Commander Worf verhängt dennoch ein Startverbot für den Frachter, weshalb dieser für die Dauer der Sturmwarnung an der Station angedockt bleiben muss und den Sattar dadurch ein Transportauftrag flöten geht. Das sorgt für noch mehr böses Blut zwischen den Sattar und Worf.

Als der Sturm näher rückt, entdeckten die Sensoren der Station an dessen Rand schließlich eine klingonische Yacht. Es handelt sich zwar um ein privates Schiff, das aber mehr als fähig gewesen wäre, die Ceres anzugreifen. Mittels Traktorstrahl und Verweis auf die Sturmwarnung zwingt Captain Sisko die Klingonen zum Andocken, doch eine Inspektion ihres Schiffes verweigern die Klingonen natürlich.

In der Zwischenzeit brechen Commander Dax und Keiko O’Brien – die die Vermutung hegt, beim Plasmasturm könnte es sich um eine Lebensform handeln – mit einem Runabout auf, um den Sturm zu studieren. Sie finden heraus, dass dieser noch sehr viel gefährlicher für Deep Space 9, das bajoranische Wurmloch und für das gesamte bajoranische Sonnensystem ist, als man zuerst dachte. Doch Dax und Keiko können diese essentielle Information nicht zur Station zurückbringen, denn von einer Strömung erfasst wird ihr Runabout tief ins Zentrum des Sturms gesogen, aus dem es ohne navigatorische Daten kein Entrinnen zu geben scheint. Um eine Positionsbestimmung vorzunehmen, müssen die beiden ihr Runabout immer wieder durch die Strömungen des Sturm steuern – eine Prozedur, die sich auf Dax‘ Trill-Physiologie negativ auswirkt und irgendwann tödlich enden wird … 

Fazit: Der Roman beginnt noch interessant mit dem Eintreffen der beschädigten U.S.S. Ceres und dem Rätsel, wer für den Angriff auf das Sternenflottenschiff verantwortlich war. In Kombination mit dem schwellenden Konflikt mit den Klingonen und Worfs Rolle dabei hätte daraus eine spannende Story werden können. 

Aber obwohl hier bereits am Anfang eine wirklich gute Ausgangslage für einen Roman geschaffen wurde, tritt diese in den Hintergrund sobald sich der Sturm der Station nähert. Ab hier nimmt der Roman die standardisierte Formel einer Katastrophenstory an. Das Rätsel um die Ceres ist nur einer von rund einem halben Dutzend Schauplätzen, die unterschiedliche Aspekte mit dem Umgang der Katastrophe zeigen. Die Geschichte zerfleddert in parallel ablaufende Episoden, die abgesehen vom Sturm nur sehr wenige Berührungspunkte haben. Erzwungen wirkt hierbei auch die Einbindung von Keiko O’Brien. Ihr Interesse an den Sensordaten über den Sturm ist von Anfang an ungewöhnlich, weil es so überhaupt nicht zu ihrem Fachgebiet passt. Aber siehe da: Ausgerechnet sie entdeckt völlig unerwartet organische Muster in der Plasmawolke womit ihr Fachgebiet Botanik wieder essentiell für die weitere Erkundung des Sturms wird. Keikos und Dax‘ folgende Reise durch den Sturm ist dann zwar sehr wichtig für den weiteren Verlauf der Handlung, aber es beschleicht mich das Gefühl, dass Keiko nur an Bord des Runabouts geschickt wird, damit der überarbeitete Chief Miles O’Brien Sicherheitschef Odo zum Babysitter für seine Tochter Molly machen kann. Auch ein recht typisches Szenario für Katastrophenstorys. (Man erinnere sich an die treffend betitelte „The Next Generation“-Folge „Katastrophe auf der Enterprise“, in der Captain Picard zum widerwilligen Aufpasser für drei Kinder wurde.)

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Alle drei Mitglieder der O’Brien-Familie haben in „The Tempest“ größere Rollen.

Wenig überraschend wird am Ende des Romans der größte Schaden durch den Sturm abgewandt – allerdings begleitet von einem Schwall an physikalischen, biologischen und technischen Fachbegriffen, die so selbstverständlich eingeworfen werden, als müsste das alles für den Leser Sinn ergeben. Es gibt keine Erklärungen oder Gleichnisse für den weniger wissenschaftlich bewanderten Leser (oder den Leser, dem die englischen Bezeichnungen fremd wären), noch lässt sich sagen, ob Susan Wright hier wirklich realwissenschaftlich recherchiert hat, oder einfach nur Begriffe zusammengewürfelt hat, die im Endeffekt allerdings keine Ähnlichkeit mit dem durchaus vertrauten „Technobabble“ aus den „Star Trek“-Serien haben. Es ist nicht so, dass all die Begriffe in „Star Trek“ immer Sinn machen, aber es gibt doch ein gewisses Vokabular, aus dem die Autoren immer wieder schöpfen können. Aber was Dax, Keiko und Miles in diesem Roman sagen, klingt einfach anders. Möglicherweise ist Wrights Fachvokabular und seine Anwendung ja korrekt, aber dass ihre Figuren dem Leser keine verständlichen Erklärungen nachliefern, worauf ihre Erkenntnisse hinauslaufen, ließ mich persönlich nur noch teilnahmsloser Passagier sein. Man kann aus dem Buch locker 20 Seiten rausreißen und am Ende einfach hinschreiben: „Es hat funktioniert.“ Wie es funktioniert hat, verraten einem auch diese 20 Seiten nicht, durch die man sich unnötigerweise durchquält. 

Bewertung: Der Roman ist eine ziemliche Enttäuschung und – wie viele Katastrophenfilme – in zu viele Handlungsstränge zerstückelt, von denen keine allein ausreichend Beachtung findet. Vor allem was es mit dem Angriff auf die Ceres auf sich hatte, wird nie so richtig aufgelöst – tatsächlich durch eine sehr untypische Handlung der klingonischen Yacht-Crew verschleiert und ich persönlich finde die Vermutung, die Worf am Ende des Romans hinsichtlich der Verantwortung der Klingonen anstellt, etwas zu einfach. 

Hier ist der Aufhänger einer interessanten Story also regelrecht verschwendet worden. Am Ende des Roman habe ich den Eindruck, dass von all den Handlungssträngen jener über Molly O’Brien und ihr holografisches Pony am meisten Raum eingeräumt bekam. Weil aber zwischendurch ein paar ganz brauchbare Passagen dabei waren, in denen die Charaktere aus der Serie mit ihren Eigenheiten ganz gut beschrieben und eingesetzt waren, bleibt „The Tempest“ die Minimalwertung erspart. Ich gebe daher 2 von 6 Sterne

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Rezension: TNG – “Slings and Arrows – Book 5: A weary Life“

Wie schon die 4. Geschichte der „Slings and Arrows“-ebook-Miniserie weicht auch das 5. Buch vom Schema der ersten drei Storys ab, indem wieder kein Nebencharakter, sondern ein Hauptcharakter der „Next Generation“ im Mittelpunkt steht. Diesmal ist es Commander William T. Riker, der von Captain Picard auf eine Mission geschickt wird, nicht näher spezifiziertes Frachtgut abzufangen, das zwischen zwei Maquis-Schiffen ausgetauscht werden soll. Riker wird jedoch von Selbstzweifel geplagt, ob er der ideale Mann für eine Konfrontation mit dem Maquis ist. Immerhin brachte sein durch einen Transporterunfall entstandener Zwilling Thomas Riker derart viel Sympathie für die Freiheitskämpfer am Rand des cardassianischen Reiches auf, dass dieser sogar zum Maquis übergelaufen ist (siehe DS9-Folge „Defiant“). 

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Riker bricht zusammen mit Commander LaForge und Lieutenant Daniels in einem Shuttle zum Übergabeort der mysteriösen Fracht auf. Doch als das Shuttle sich dem Ziel nähert, finden sie die beiden Maquis-Schiffe bedroht von einem Geschwader cardassianischer Kampfjäger vor. Riker muss abwägen, ob er sich aus dem Kampf heraushalten oder eingreifen soll und entscheidet sich schließlich dafür, für den Maquis Partei zu ergreifen, da er nur so eine Möglichkeit sieht, seine Mission erfolgreich auszuführen. Es gelingt, die Sensoren der Cardassianer vorübergehend zu überlasten. Das Shullte und die beiden Maquis-Schiffe landen auf einem Planetoiden, um Reparaturen auszuführen, doch eines der Maquis-Schiffe ist besonders schwer beschädigt. Daher handelt Riker einen Deal aus: Man stellt Material und Hilfe bei den Reparaturen zur Verfügung im Austausch gegen die Fracht des Maquis. Widerwillig stimmt der Maquis-Captain der Bedingung zu. 

Während die Reparaturen laufen, begegnet Riker auf dem Maquis-Schiff jemandem, der einst mit Tom zusammengearbeitet hat. Im Gespräch wird ihm langsam bewusst, was sein Ebenbild bewogen haben dürfte, die Sternenflotte zu verraten. In der Zwischenzeit sind aber auch die Cardassianer nicht untätig. Mit wiederhergestellten Sensoren beginnen diese eine Suche nach den drei Schiffen. Die Schlinge zieht sich immer enger, was vor allem Geordi LaForge schmerzhaft zu spüren bekommt … 

Fazit: Autor Robert Greenberger – von dem ich erst sehr wenig gelesen habe bzw. noch überhaupt kein Werk, das er alleine verfasst hat – liefert hier auf wenigen ebook-Seiten eine wirklich spannende Geschichte aus der Perspektive Commander Rikers ab. Die Gedankenspiele, was den entscheidenden Unterschied zwischen Will und Tom Riker ausmacht, hätten leicht in Melodramatik abgleiten können, aber Greenberger bleibt stets auf die Sache fokussiert und liefert die auf der Hand liegende Erklärung auf Basis der TNG-Episode, in der Tom Riker erstmals auftauchte. 

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In der TNG-Folge „Riker:2=?“ entdeckt die Crew der Enterprise auf Nervala IV ein Ebenbild Commander Rikers, das dort 8 Jahre allein verbracht hat und allen Grund zu Annahme hatte, die Sternenflotte hätte ihn aufgegeben.

Zudem ist die Konfrontationen Maquis-Cardassianer-Sternenflotte sehr spannend beschrieben und es gibt zwei sehr gute Wendungen in der Handlung, die ich nicht habe kommen sehen. 

Bewertung: „A weary Life“ ist ein kurzes Lesevergnügen – vielleicht sogar mit zu wenig Handlung um eine 45-Minuten-Episode zu füllen. Aber die Situation ist interessant und Rikers Dilemma, das mir auf den ersten paar Seiten noch etwas gekünstelt erschien, wurde sehr gut eingearbeitet. Dazu gibt es etwas Action und eine spannende Raumschiff-Jagd. Jedenfalls 5 von 6 Sterne wert. 

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Rezension: „The Sentinel” – Ein Jack-Reacher-Roman

Auch Ende 2020 erschien wieder ein neuer Jack Reacher-Roman und Grundlegendes ändert sich auch in „The Sentinel“ an der Geschichte nicht: Der ehemalige Militärpolizist Jack Reacher reist immer noch durch die USA ohne die Ambition, jemals sesshaft zu werden – aber mit dem Talent, unversehens in blutige Angelegenheiten verwickelt zu werden. Neu bei diesem Roman ist allerdings, dass Lee Child ihn nicht alleine geschrieben hat, sondern zusammen mit seinem Bruder Andrew Child. Diese Kooperation soll zumindest noch weitere drei Romane lang aufrechterhalten werden. 

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Nachdem Reacher in Nashville einer Band dank seiner „Überzeugungskraft“ verholfen hat, ihr verdientes Honorar von einem Barbesitzer zu bekommen, reist er per Anhalter mit einem Angestellten von einer Versicherung Richtung Süden. Der Mann ist in eine Kleinstadt unterwegs, deren Computersystem von einem Hackerangriff lahmgelegt wurde und wo er nun Bedingungen zur Freigabe aller gesperrten Daten aushandeln soll. Eigentlich nicht Reachers Problem, der ohnehin nicht plant, länger als einen Tag in der Stadt zu bleiben. Dieser Plan wird allerdings über den Haufen geworfen, als er an einer Straßenkreuzung einen Passanten sieht, der droht in eine Falle zu laufen. Was den meisten verborgen bleiben würde, ist für Reacher dank seiner Erfahrung bei der Militärpolizei offensichtlich: Der Passant wird observiert und zwei Autos stehen bereit, um ihm den Weg abzuschneiden. Reacher schreitet entschlossen ein und rettet den Passanten vor einer Entführung. Und wie sich später herausstellt, hat Reacher gerade den unbeliebtesten Mann der Stadt gerettet: Rusty Rutherford ist der inzwischen gefeuerte EDV-Spezialist der Stadt und wurde von der Stadtverwaltung als Sündenbock für den Hackerangriff dargestellt. 

Rutherford meint, er könnte seinen Unschuld mittels Schriftverkehr belegen, in dem er schon lange vor einem solchen Angriff gewarnt hat, aber bei der Verwaltung damit auf taube Ohren gestoßen ist. Die E-Mails lägen auf einem gesonderten Server der Stadt, der teilweise vor dem Hackerangriff geschützt gewesen ist und zusammen mit Reacher will Rutherford sich diesen Server – der aufgrund ungünstiger Umstände wohl schon auf dem Weg in ein Recycling-Center ist – zurückholen. Reacher will zwar eigentlich nicht länger in der Stadt bleiben, aber da immer noch die Entführer Rutherford auflauern könnten, deren Absichten weiterhin unklar sind, bleibt Reacher noch, um für die Dauer der Angelegenheit als Rutherfords Leibwächter zu fungieren und um herauszufinden, warum es jemand auf den eigentlich unscheinbaren EDV-Mann abgesehen hat. 

Auf einer regelrechten Schnitzeljagd nach dem Server wird die Sache allerdings zuerst immer Unklarer. Derart viele Leute – von einem alten Millionär über russische Spione und das FBI bis hin zu Neonazis – scheinen es auf die Serverdaten abgesehen zu haben, dass es um mehr gehen muss, als nur um einfachen E-Mail-Schriftverkehr. 

Fazit: Im Lauf der Geschichte tun sich so manche Rätsel auf und während die Jagd nach dem Server zwar angenehm linear – wenn auch etwas zu lang für meinen Geschmack – verläuft, halten die vielen dabei aufkommenden Fragen die Spannung hoch. Man ahnt früh, wer Gutes und wer Schlimmes im Sinn hat, aber es dauert eine Weile, bis man erfährt, welche Brisante Information sich auf dem Server befindet und wer was damit vor hat. 

Ohne zu viel zu verraten kann ich aber doch feststellen, dass es in diesem im Herbst 2020 erschienenen Roman um die Verhinderung von Wahlbetrug geht. Der zu dem Zeitpunkt stattfindende Präsidentschaftswahlkampf hatte sicher viele Romane im letzten Spätherbst thematisch beeinflusst (sogar ein Star Trek-Roman wurde davon inspiriert). Witzigerweise – oder eher traurigerweise – hat der Roman sogar einen Aufruhr wie den Sturm auf das Kapitol in Washington D.C. vorausgesagt. (Allerdings geht das im Roman beschriebene Szenario davon aus, dass eine echte Wahlmanipulation durch eine ausländische Macht publik wird. Lee und Andrew Child haben vermutlich nicht gedacht, dass für so einen Aufstand auch unbelegte Twitter-Behauptungen reichen würden.) 

Mit Rusty Rutherford und seiner Freundin, mit der er zusammen ein Schutzprogramm vor künftigen Hackerangriffen entwickelt, hat der Roman auch zwei durchaus sympathische Gastcharaktere zu bieten. Mit Rusty leidet man am Beginn des Romans richtig mit, der wird wirklich als armer Hund dargestellt, mit dem man nur Mitleid haben kann. 

Was auch auffällt ist, dass sich die Gewaltspitzen in diesem Roman eher (also für Reacher-Verhältnisse) in Grenzen halten. Der Roman konzentriert sich wirklich mehr darauf, Rätselkrimi zu sein und entsprechend der Unwissenheit, was wirklich vor sich geht, übt sich Reacher auch in Zurückhaltung. Gegner landen hier eher für ein unfreiwilliges Nickerchen in Müllcontainern anstatt im Sarg. Ganz frei von Leichen ist „The Sentinel“ allerdings nicht, aber ist Reacher dafür verantwortlich, geschieht es im Affekt. 

Bewertung: Ein wirklich gelungener, da sehr unterhaltsamer Roman, der sich aber gelegentlich etwas zieht. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass diesmal zwei Autoren daran gearbeitet haben und beide ihre Ideen unbedingt unterbringen wollten, aber vor allem die Suche nach dem Server nimmt ein oder zwei Umwege zu viel für meinen Geschmack. Aber das ist nur ein zwischenzeitliches Problem und mir hat die generelle Ausrichtung der Geschichte richtig gut gefallen. Dieser Roman geht zwar gar nicht auf Reachers inzwischen doch etwas fortgeschrittenes Alter ein, aber diese Balance zwischen Krimirätsel und Action fand ich sehr angemessen. So ergibt sich eine Bewertung von 5 Sternen für „The Sentinel“.

5stars