Review: „Star Trek V – Am Rande des Universums“

Wer nun einen totalen Verriss des Films erwartet, der wird enttäuscht werden. Denn obwohl der fünfte Film der Reihe allgemein ordentlich Kritikerprügel einstecken muss, habe ich den Film eigentlich nie wirklich als so schlecht angesehen, wie er allgemein gemacht wird. Mit der Zeit ist meine Wertschätzung für den Film sogar gestiegen, was daran liegt, dass mich manche Themen des Films erst später in meinem Leben so wirklich angesprochen haben. Aber dazu später mehr. Zuerst ein kurzer Überblick, worum es geht:

Handlung: Während die neu in Dienst gestellte Enterprise noch mit so mancher Kinderkrankheit zu kämpfen hat, die im Raumdock vom fleißigen Scotty ausgebügelt werden muss, gönnt sich die Führungscrew einen wohlverdienten Urlaub nach den Strapazen der vergangenen Monate. Für Captain Kirk schließt dieser Urlaub auch Freiklettern am El Capitan ein, was seine Miturlauber McCoy und Spock alles anderes als vernünftig finden. Unterbrochen wird der Urlaub, als eine Notsituation auf Nimbus III – dem „Planeten des Galaktischen Friedens“, der von Menschen, Romulanern und Klingonen besiedelt worden ist – eintritt. Ein Geiselnehmer namens Sybok  hat alle drei Botschafter gefangen genommen und von Seiten der Föderation soll Captain Kirk die Lage klären und die Geiseln befreien, während sich zugleich ein Bird of Prey unter dem Kommando des Klingonen Klaa auf den Weg macht, dem das Wohl der Geiseln weniger wichtig ist, als die Gelegenheit, sich mit dem legendären Captain Kirk zu messen. Die Enterprise trifft vor dem Bird of Prey ein, doch Eile ist geboten. Und während es zuerst so scheint, als könnte Kirks Landungstrupp die Geiseln erfolgreich befreien, wendet sich das Blatt zu seinen Ungunsten und Sybok erklärt, dass die Geiselnahme nur Täuschung war, um die Möglichkeit zu erhalten, ein Raumschiff nach Nimbus III zu locken. Mit diesem Schiff will Sybok die als undurchdringbar geltende Barriere im Zentrum der Galaxis durchbrechen. Hinter dieser soll nämlich der sagenumwobene Planet Sha‘Ka’ree liegen – die Heimat von Gott …

Fazit: Am Beginn des Films fällt sofort auf, dass Jerry Goldsmith erstmals seit dem ersten Kinofilm wieder den Soundtrack beisteuert. Der Film startet mit der Titelmelodie von „Star Trek – Der Film“ (und zum Produktionszeitpunkt auch schon von „The Next Generation“), was nach dem etwas ungewöhnlichen Score von Leonard Rosenman im vierten Film wieder eine Rückkehr zu klassischeren Tönen darstellt. Goldsmith‘ Score kann man allgemein als gelungen bezeichnen, wenngleich mir persönlich die Musikuntermalungen von James Horner („Der Zorn des Khan“ und „Auf der Suche nach Mr. Spock“) besser gefallen haben.

Die ersten Szenen nach dem Intro haben mir gleich besonders gut gefallen, mit den Kletterszenen auf dem El Capitan. Das ist etwas, das man nicht alle Tage sieht und wurde von Regisseur William Shatner auch toll eingefangen. Allgemein kann ich Shatners Regiearbeit bei diesem Film eigentlich nicht kritisieren. Er gibt sich wirklich alle Mühe, den Film möglichst leinwandfüllend erscheinen zu lassen, wenngleich man aber merkt, dass er mit manchen Hindernissen zu kämpfen hatte. Das am einfachsten zu erkennende zuerst: die Effekte! Das renommierte Studio ILM (gegründet von George Lucas) stand nicht zur Verfügung, weshalb man die Effekte anders vergeben musste und das merkt man leider. Die Effekte von „Star Trek V“ können einfach nicht mithalten mit jenen der vorangegangenen Filme. Und das ist wirklich schade, denn dieser Film hätte für die Erzählung seiner Geschichte wirklich gute und glaubwürdige Effekte benötigt. Das Teaser-Poster (siehe oben) gibt schon den Hinweis, dass „Star Trek V“ als der rasanteste und visuell spektakulärste Star Trek-Film der Reihe geplant war, aber an diesem Ziel ist man bei den Effekten gründlich gescheitert.

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Optisch interessante Idee, aber die Effektaufnahme wirkt aufgrund der Ausleuchtung schon sehr künstlich und das Shuttle nicht in die Szenerie passend. Dieser Eindruck zieht sich fast durch alle Effektaufnahmen des Films.

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Warp-Streifen und Photonentorpedos sahen in den vorangegangenen Filmen viel besser aus.

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Auch die Galaktische Barriere hätte 1989 spektakulärer aussehen können.

Aber Zeitdruck und zu knapp bemessenes Budget haben hier leider zusammengespielt und dafür gesorgt, dass die Effekte nicht mal ansatzweise so gut aussehen, wie beim zum damaligen Zeitpunkt zehn Jahre alten ersten Star Trek-Film. Von produktionstechnischer Seite stand der Film also unter keinen guten Stern, so konnte der Durchflug durch die Barriere nicht so umgesetzt werden wie geplant. „Gottes“ Kathedrale musste zu einem Tempel zusammenschrumpfen und der Schluss im Film verlief sowieso ganz anders als ursprünglich vorgesehen. (Dazu dann später mehr in den Anmerkungen.) Zumindest das Set-Design war sehr ordentlich. Shatner gefiel die Farbpalette von „The Next Generation“ sehr, weshalb die Enterprise-A-Brücke ähnlich hell wurde wie jene der Enterprise-D, aber vom Aufbau her noch immer klar als Brücke der TOS-Ära erkennbar blieb. Und auch die Sets der Jeffries-Röhre und vor allem der Aussichtslounge sehen toll aus.

Mit der Handlung an sich habe ich eigentlich kein großes Problem. Immer wieder lese ich ja, dass der Film deshalb so schlecht sei, da sich Kirk & Co auf „Gottsuche“ begeben. Stimmt doch gar nicht, Sybok – ein religiöser Extremist – ist auf dieser Suche. Kirk & Co werden nur versehentlich darin verwickelt, sie waren eigentlich nur auf einer Geiselbefreiungsmission und dass die Enterprise-Crew auf ihren Reisen (ohne sie wirklich speziell zu suchen) auf gottähnliche Wesen trifft, ist auch nichts Neues. Also wie gesagt: Die Story an sich stört mich eigentlich nicht, ich stehe ihr ziemlich neutral gegenüber. Dass ein religiöser Extremist Gewalt anwendet wegen seines Glaubens sollte gerade in Zeiten wie diesen nicht zu schwer verständlich sein. Auch technische Sachen, wie die kurze Reisezeit zum Zentrum der Galaxis (wobei man nicht mal weiß, wie weit um das Zentrum herum diese Barriere verläuft) stört mich nicht, der Film wurde gemacht bevor die Schiffe in der TNG-Ära offenbar ordentlich verlangsamt wurden.

Bislang fällt das Fazit zu „Star Trek V“ insgesamt eher durchschnittlich aus, sogar eher mit Tendenz nach unten, weil gerade die Effekte wirklich auffallend schwach für einen Kinofilm von 1989 sind und besser dargestellt sicher geholfen hätten, die Rahmengeschichte rund um Syboks Suche visuell besser zu präsentieren. Was für mich den Film aber wirklich interessant macht, ist ein besonderer Aspekt der Geschichte.

„Star Trek V“ ist nämlich jener Kinofilm der Original-Crew, der die Stimmung und Personenkonstellation von „The Original Series“ am besten einfängt. In keinem anderen Kinofilm steht das Triumvirat – bestehend aus Kirk, Spock und McCoy – so sehr im Mittelpunkt. Zwar hatten diese drei auch in den vorangegangenen Filmen die meiste Interaktion miteinander, aber häufig waren immer nur zwei von ihnen Teil einer Szene. Im fünften Film der Reihe ist das radikal anders: Dieses Trio verbringt wirklich den Großteil der Zeit miteinander, beginnend mit ihrem Urlaub, dem Abenteuer auf Nimbus III, der Flucht aus der Zelle durch das Schiff bis sie schließlich das Ziel von Syboks Reise erreicht haben. Es sind immer diese drei und in dem Moment des Films, in dem Kirk Spock und McCoy fortbeamen lässt, ist Kirk zum ersten Mal in diesem Film seit seiner einsamen Klettertour auf dem El Capitan allein. Und das Thema von Kirks Alleinseins wurde ja schon ganz am Beginn des Films eingeführt und es findet mit Kirks Rettung nach seiner einsamen Flucht auf Sha‘Ka’ree einen hervorragenden Abschluss. Der Kreis schließt sich. Ergänzt wird dieser Handlungsbogen durch die Szenen in der Aussichtslounge, wenn Sybok die drei mit ihrem persönlichen Schmerz konfrontieren will. Diese Szenen haben mich in meiner Kindheit und Jugend nicht besonders bewegt, aber jetzt, viele Gelegenheiten später auf die ich zurückblicken kann und von denen einige schmerzliche Erinnerungen beinhalten, finde ich diese Szenen und Syboks Herangehensweise doch sehr interessant.

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„Star Trek V“ ist der erste Kinofilm der Reihe, der das in der Serie sehr vordergründig eingesetzte Trio in bekannter Konstellation einsetzt.

Vielleicht ist das Abenteuer, in das die drei verwickelt werden, nicht das spannendste und beste der Filmreihe, aber es ist eine mehr als ausreichende Bühne für die drei Hauptcharaktere, um zu zeigen, wie sie ticken und wie wichtig sie füreinander sind. Insofern nimmt der Film wieder etwas Abstand vom Ensemble. Die anderen bekannten Charaktere von der Enterprise bekommen zwar auch ihre Szenen, aber eher in einem Ausmaß wie in „Star Trek III“, wobei auch nicht jede dieser Szenen geglückt ist, wie z.B. Uhuras Fächertanz oder Chekovs „Sturm“. Das sind sicher Beispiele nachträglich eingefügter Humorsequenzen, auf die Paramount nach dem Erfolg des humorvollen Vorgängerfilms bestand. Wiederum frei von Kritik sind aber die Szenen des Triumvirats, die einfach von der Chemie der drei Hauptrollen leben und ganz natürlich humorvoll wirken.

Bewertung: Ich hoffe, es ist mir einigermaßen gelungen, in meinem Review darzulegen, warum ich den fünften Film bei weitem nicht so schlecht finde, wie ein Großteil der Star Trek-Fans. Er hat in dieser Endfassung seine Probleme, das ist klar. Ein Director’s Cut mit dem vorgesehenen Ende würde „Am Rande des Universums“ noch stärker verbessern als den ersten Kinofilm. Aber da es den Director’s Cut nicht gibt, bleibt mir natürlich nichts anderes übrig, als die Kinofassung zu bewerten. Doch auch in dieser Fassung kann ich knapp 4 Filmrollen absolut vertreten. Wie gesagt, die Hauptstory sehe ich als durchschnittlich an, die Visualisierung (obwohl sich Shatner sichtbar um kinoreife Optik bemüht und meiner Meinung nach rausholt was möglich war), zieht den Film wieder runter, während die Charakterisierung aber so gut ist, dass sich doch noch eine durchschnittliche Benotung locker ausgeht. Und löst man sich ein wenig von der offensichtlichen Haupthandlung und konzentriert sich mehr auf das Triumvirat und dessen Handlungsbogen, wird aus „Star Trek V – Am Rande des Universums“ sogar ein Film, der leicht überdurchschnittlich ist.

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Anmerkungen:

Das alternative Ende habe ich ja schon erwähnt. Für alle, die noch nichts davon gehört haben, möchte ich es kurz zusammenfassen: Nachdem die Enterprise den Torpedo auf „Gottes“ Steinkathedrale abgefeuert hat, ist auch in dieser Fassung das fremde Wesen geschwächt, verfolgt Kirk, Spock und McCoy aber nicht als wabbernde Energiewolke, sondern fährt in die Erde zurück und wird in Form von zehn Steinkreaturen zu einer materiellen Gefahr. Da die Raumfähre nicht unter ihrer Kontrolle steht, ruft Kirk Scotty, der ihm mitteilt, dass er den Transporter wieder in Gang gesetzt hat und alle drei raufbeamen kann. (Im Gegensatz zur Filmfassung, in der Scotty ihn notdürftig repariert hatte und nur zwei Personen auf einmal hochbeamen konnte.)

In der Kinofassung konnte der Transporter nur zwei Personen gleichzeitig beamen.

In der Kinofassung konnte der Transporter nur zwei Personen gleichzeitig beamen.

Scotty leitet den Transportvorgang gerade noch rechtzeitig ein, denn die erste der Steinkreaturen erreicht das Shuttle und reißt dessen Hülle auf. Doch diese Störung hat gereicht, denn versehentlich wird statt Kirk das Steinwesen zur Enterprise gebeamt. Scotty bemerkt den Irrtum schnell und zerstört das Wesen mit einem Phaser. Doch die umherfliegenden Steinsplitter zerstören die Transporterplattform und Kirk kann nicht mehr hochgebeamt werden. Kirk flieht inzwischen vor den restlichen Kreaturen auf einen steilen Hang und wehrt sich so gut es geht gegen die Kreaturen. Doch am Gipfel angekommen, gehen Kirk die Optionen aus. Die Wesen erreichen ihn gleich und er kann nirgendwohin fliehen. Wie in der Filmversion kommt auch hier der Bird of Prey zu Kirks Rettung und zerstört in diesem Fall nicht die Energiewolke, sondern die Felskreaturen, woraufhin der Film wie bekannt weiterläuft.

Dieses alternative Ende hat einige Vorteile. Einerseits sahen die Felskreaturen laut den Skizzen richtig cool aus, wären damals aber wohl bestenfalls mit aufwendiger und zeitraubender Stop-Motion-Technik umsetzbar gewesen und Zeit war das, was in der Produktion des Films am meisten gefehlt hat. So wurde beschlossen, eher humanoide Steinwesen zu verwenden, die von Stuntmen in Kostümen dargestellt werden sollten. Doch es war nur ein Kostüm leistbar und dieses überzeugte in den Testaufnahmen keineswegs.

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Geplant war, dass zehn dieser Kreaturen Kirk jagen sollten. Was leistbar war, seht ihr im untenstehenden Youtube-Video.

Der zweite große Pluspunkt dieses Finales wäre gewesen, dass Klaas Bird of Prey viel überraschender auftaucht. In der alternativen Fassung wäre nicht der Bird of Prey für den Ausfall des Transporters verantwortlich gewesen und der Zuseher wüsste nicht, dass General Korrd mit Klaa noch redet, bevor dieser mit seinem Schiff zum Planeten hinunterfliegt. In der Kinofassung ist es beim Auftauchen von Klaas Bird of Prey offensichtlicher, dass Kirk an Bord in Sicherheit sein wird.

Und dritte Pluspunkt dieser Fassung ist, dass der Bogen zum Anfang des Films viel besser gespannt wird. Kirks Kletterei während seiner Flucht wäre ausgedehnter gewesen und hätte stärker an den Auftakt des Films erinnert. Wahrscheinlich hätte es auch dem Zuseher die Zeit gegeben zu realisieren, dass Kirk nun allein ist und was dies für den Captain bedeutet.

Alle Bilder in meiner Rezension stammen von http://www.trekcore.com/. Ausgenommen der Scan aus dem Buch „Star Trek Design“, der das Felswesen zeigt.

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