Review: „Star Trek VI – Das unentdeckte Land“

Nach dem schlechten Einspielergebnis des fünften Kinofilms war lange Zeit fraglich, ob Paramount es tatsächlich noch mal wagen sollte, mit der Crew der Original-Serie ein weiteres Mal ins Kino zu gehen. Wahrlich zum Glück entschied sich das Studio positiv und gab einem Film, der den Abschluss der Abenteuer von Kirk und Co bilden sollte, doch Grünes Licht. Und da der fünfte Film auch inhaltlich nicht die Erwartungen erfüllte, musste eine neue Ausrichtung her. Also im Grunde eine ähnliche Ausgangssituation wie nach dem ersten Kinofilm (der aber finanziell zumindest erfolgreich war) und wie damals wurde Nicholas Meyer als Regisseur angeheuert, um diesen nötigen Kurswechsel zu vollziehen. So wurde Star Trek erstmals zu einem Politthriller!

Handlung: Alles beginnt mit der Explosion von Praxis, eines Mondes, auf dem die klingonische Hauptenergieversorgung gelegen ist. Die Katastrophe hat langfristige fatale Folgen für das Imperium, das seine Ressourcen für die Kriegsführung verwendet hat und nicht auf eine solche Krisensituation vorbereitet ist. Der ideale Zeitpunkt, um zwischen dem Imperium und der Föderation einen Frieden auszuhandeln und die jahrzehntelangen Feindseligkeiten beizulegen, denken zumindest Spock (in seiner Rolle als Botschafter der Föderation) und der klingonische Kanzler Gorkon. Obwohl es Captain Kirk nicht gefällt, er immer noch einen Groll gegen die Klingonen hegt, die für den Tod seines Sohnes David verantwortlich waren, wird die Enterprise auserkoren, das Schiff von Kanzler Gorkon zu einer Friedenskonferenz auf der Erde zu eskortieren. Die Lage ändert sich dramatisch, als das klingonische Schiff plötzlich angegriffen wird, Attentäter in Sternenflottenuniformen sich an Bord beamen und Kanzler Gorkon töten. Kirk und McCoy, die Hilfe anbieten und sich an Bord des Klingonen-Schiffes begeben, werden für den Mordanschlag verantwortlich gemacht und zu lebenslanger Haft auf Rura Penthe verurteilt. Während die beiden nach einer Fluchtmöglichkeit suchen, ist auch Spock auf der Suche und zwar nach den Attentätern, die sich noch an Bord der Enterprise aufhalten. Und in der Zwischenzeit laufen bereits die Vorbereitungen für eine neue Friedenskonferenz, die die Drahtzieher des ersten Attentats ebenfalls mit einem Mord zum Scheitern bringen wollen.

Fazit: Regisseur Meyer hat schon in „Star Trek II – Der Zorn des Khan“ die Sternenflotte etwas militärischer ausgelegt. Das Schiff wurde im Inneren dunkler, die Uniformen vom Schnitt her gänzlich geändert. Und auch „Star Trek VI“ drückte Meyer seinen Stempel auf. Haben der vierte und der fünfte Film auf der Enterprise-A noch sehr helle Kommandobrücken gezeigt und ebensolche und breite Korridore, wurde der Look der Enterprise im Inneren wieder stark verändert. Alles ist dunkler, es gibt mehr Metall, rote Warnleuchten und die Korridore wurden enger, es verlaufen Leitungen entlang der Decke und alle paar Meter gibt es zusätzliche Stützen entlang der Wände. Die Umgebung passt auch deutlich besser zu der Geschichte, die der sechste Film erzählt. Es gibt noch etwas Humor, aber der ändert nichts an der düsteren Grundstimmung des Films. Immerhin steht der galaktische Frieden auf dem Spiel, blutige Attentate werden verübt und die Crew sieht ihrer Abmusterung entgegen und muss sich fragen, ob sie alle nicht langsam zu alt geworden sind. Diese Themen ergeben also ein durchaus stimmiges Gesamtbild.

Es wird wieder dunkler auf der Enterprise.

Es wird wieder dunkler auf der Enterprise.

Was Meyers Inszenierung angeht, braucht man sich fast nur mein Review von „Der Zorn des Khan“ ansehen. Seine Handschrift ist im Vorantreiben der Story erneut offensichtlich, wenngleich der Film neben Science-Ficition und Action diesmal auch das Thriller-Genre bedient. Zu „Star Trek VI“ steuert Cliff Eidelman den passenden und außergewöhnlich düster und bedrohlich klingenden Score bei. Schade, dass Eidelman danach nie mehr an einer Star Trek-Produktion beteiligt war. Er schert ähnlich stark aus wie Leonard Rosenman in „Star Trek IV – Zurück in die Gegenwart“, aber die Richtung ist eine ganz andere und erzeugt wirklich Spannung, indem er Musik auch mal in den Vordergrund von Szenen schiebt. In späteren Produktionen (ca. ab Mitte von „The Next Generation“) waren die Scores zu Star Trek-Serien und -Filmen leider kaum noch besonders auffällig und waren bewusst nur auf das Nötigste reduziert, um das Geschehen zu begleiten. Eidelmans Score ist aber ebenfalls perfekt ins Geschehen integriert und er verstärkt dadurch die Spannung sogar noch.

Der Spannungsaufbau ist vielleicht sogar noch intensiver als bei Meyers erstem Star Trek-Kinofilm. Die Herangehensweise der Geschichte ist schon eine andere, es gibt nicht von vorne weg einen eindeutigen Bösewicht. Die Bösen zu benennen ist das große Ziel für die Enterprise-Crew, egal ob sie auf dem Schiff selbst den Hinweisen nachgehen, oder auf Rura Penthe weilen. Zumindest bis sie das nächste Ziel haben: die Friedenskonferenz zu retten.

Beim Vorgängerfilm habe ich die Effekte ziemlich kritisiert und wenn man sich den fünften und sechsten Film direkt hintereinander ansieht (was ich für dieses Review getan habe 😉 ) dann kommt man wirklich nicht umhin zu bemerken, dass hier von der Qualität her Welten dazwischen liegen! Die Effekte von „Star Trek VI“ sind im Grunde perfekt, so ziemlich das Beste an Weltraum-Science-Ficiton, das 1991 möglich war und das sieht auch heute im CGI-Zeitalter noch immer wahnsinnig gut aus. Hinzu kommen neben den auffälligen Schiffseinsätzen noch viele weitere Effekte, die über den ganzen Film hinweg eingebaut sind. Martias Verwandlung z.B. oder der konsequente Einsatz von Energiestrahlen in den Bergwerken von Rura Penthe oder das klingonische Blut in der Schwerelosigkeit. Produktionstechnisch kann sich „Star Trek VI“ wirklich sehen lassen. Von der Ausstattung her sieht der Film teurer aus, als er war (damals 30 Millionen Dollar, nur 2,2 Millionen mehr als für „Am Rande des Universums“ ausgegeben wurde).

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Für den 6. Film der Reihe gibt es wieder eine neue Aufnahme der Orbitalstation aus einem spektakulären Winkel gefilmt. Im 5. Film gab es nur eine wiederverwertete Szene aus „Zurück in die Gegenwart“, um die Station zu zeigen.

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Der Gesichtsausdruck des Klingonen scheint zu sagen, dass er dies für eine schockierend gute Effektaufnahme hält.

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Die Enterprise muss in diesem Film viel einstecken und die Effektleute von ILM sind fähig, es effektvoll zu visualisieren.

Bewertung: Na klar, 6 Filmrollen werden wieder ausgepackt! Meyers Rückkehr in den Regiestuhl hat sich bezahlt gemacht und obwohl seine Handschrift deutlich erkennbar ist, hat er einen Film gemacht, der sich trotzdem von „Der Zorn des Khan“ unterscheidet. Was ich vor meiner Review-Serie nicht gedacht hätte ist, dass „Das unentdeckte Land“ meinen All-Time-Favorit „Der Zorn des Khan“ übertrumpfen könnte. Aber im direkten Vergleich, gefällt mir der sechste Film sogar besser. Bis zu diesem Punkt für mich der beste Star Trek-Film der Reihe.

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Anmerkung:

Es gibt auch zu diesem Film einen „Extended Cut“, die ein paar Szenen mehr enthält. Diese Version des Films ist auf der Special Edition-DVD enthalten. U.a. machen diese neuen Szenen klar, dass es sich bei dem klingonischen Attentäter am Schluss nicht um einen Klingonen, sondern um einen maskierten Menschen handelte (Colonel West, gespielt von René Auberjonois, den Odo-Darsteller aus „Deep Space Nine“, der in seiner menschlichen Gestalt vollständig aus der Kinofassung herausgeschnitten wurde).

Colonel West schlägt militärisches Vorgehen vor, um Kirk und McCoy aus der Hand der Klingonen zu befreien.

Colonel West schlägt militärisches Vorgehen vor, um Kirk und McCoy aus der Hand der Klingonen zu befreien.

Später stellt sich heraus, dass in Wahrheit West der klingonische Attentäter war.

Später stellt sich heraus, dass in Wahrheit West der klingonische Attentäter war.

Alle Bilder in meiner Rezension stammen von http://www.trekcore.com/

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