Rezension: TOS – „Legacies – Book 1: Captain to Captain“

Zum 50jährigen Jubiläum der originalen „Star Trek“-Serie haben sich die bewährten Autoren Greg Cox, David Mack und das Duo Dayton Ward/Kevin Dilmore zusammengetan und ein sich über drei Bände erstreckendes Abenteuer für die Crew des Raumschiffs Enterprise erdacht. Den gelungenen Auftakt der „Legacies“-Trilogie steuert Greg Cox bei.

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Während die Enterprise auf ihrer 5-Jahres-Mission unterwegs ist, erhalten Captain Kirk und seine Crew unerwarteten Besuch: Captain Una – einstmals Erster Offizier unter Kirks Vorgänger Christopher Pike – landet mit ihrem Shuttle im Hangar der Enterprise. Nur ein Freundschaftsbesuch – angeblich! Denn in einem unbeobachteten Moment bricht Una in Kirks Kabine ein und stiehlt aus einem versteckten Geheimfach ein Artefakt, das den Namen „Transfer-Schlüssel“ trägt. Mit ihrem Shuttle flieht sie von der Enterprise und setzt Kurs auf den dritten Planeten des Libros-System, der sich in einem zwischen Föderation und Klingonischen Imperium umstrittenen Raumgebiet befindet. Nicht nur um den unsicheren Frieden zwischen den beiden Mächten zu wahren lässt Kirk die Verfolgung aufnehmen, sondern auch, um das Artefakt zurückzuholen, von dem auf dem Planeten Libros III große Gefahr ausgehen könnte.

18 Jahre zuvor: Robert April ist der erste Captain der Enterprise, Una noch ein junger Lieutenant, dem die Möglichkeit gegeben wird, einen Landungstrupp auf Libros III anzuführen. Unter normalen Umständen hätte April kein Team hinunter geschickt, denn der dicht bewaldete Planet wird von einer Prä-Warp-Zivilisation bewohnt. Allerdings gibt es Anzeichen für den Einsatz hochmoderner Technologie und wie diese nach Libros III gelangt ist, soll Unas Landungstrupp aufklären. Inmitten eines Sees aufragend entdeckt man ein sonderbares Bauwerk, das einer modernen Festung ähnelt und nur wenige Kilometer entfernt ein Arbeitslager, in dem die Einheimischen von sonderbaren Fremden dazu gezwungen werden, den Wald zu roden und die Umwandlung der Biosphäre voranzutreiben, um den Planeten für die Fremden besser bewohnbar zu machen. Zu Unas Bedauern steht die Oberste Direktive ihrem Wunsch im Wege, den Einheimischen von den Unterdrückern zu befreien und die Natur des Planeten zu bewahren. Erschwerend kommt hinzu, dass Unas Team bald selbst in die Gewalt der Fremden – die Jatohr – gerät, die sich als nicht aus diesem Universum stammend und außerordentlich xenophob erweisen und nicht zögern, Mitglieder von Unas Außenteam und auch Leute auf der Enterprise einfach „verschwinden“ zu lassen, um ihre Macht zu demonstrieren.

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Una diente bereits unter Captain April auf der Enterprise, später unter Captain Pike als Erste Offizierin – „Nummer 1“ genannt – zusammen mit dem vulkanischen Wissenschaftsoffizier Spock.

Die Jatohr konnten damals in ihr Universum zurückgetrieben und ihnen ihre wichtigste Technologie – der Transfer-Schlüssel – abgenommen werden. Aufgrund besonderer Umstände setzte Captain April die Sternenflotte nie in Kenntnis über die Details der Vorfälle auf Libros III und hielt den Transfer-Schlüssel in Gewahrsam – um ihn dann an seinen Nachfolger Christopher Pike zur sicheren Verwahrung zu überlassen, der ihn schließlich Captain James T. Kirk aushändigte. Kirk – dem die Vorfälle der damaligen Mission bekannt sind – ahnt, warum Captain Una sich den Transfer-Schlüssel geholt hat: Sie will die damals „verschwundenen“ Crew-Mitglieder zurückholen, die wie sie vermutet in eine Parallel-Dimension transferiert worden sind. Edle Absichten, die Kirk unterstützen würde – wenn da nicht das Risiko bestünde, dass den Klingonen die mächtige Jatohr-Technologie in die Hände fallen könnte.

Fazit: „Captain to Captain“ ist einer der besten Romane zur klassischen Serie seit langer Zeit! Vor allem die erste Hälfte überzeugt vollkommen. Unas Entwendung des geheimnisvollen Transfer-Schlüssels und ihre Flucht sind spannend beschrieben und lassen eine lange spekulieren, bis man schließlich erfährt, was vor 18 Jahren auf Libros III geschehen ist. Dieses Abenteuer der Enterprise unter Captain April (der aus der Zeichentrickserie bekannt ist wie auch aus Romanen von Diane Carey) ist ebenfalls hoch unterhaltsam geschrieben. Es geht wirklich Schlag auf Schlag, auf eine Entdeckung folgt die nächste, das Bild setzt sich zusammen und die Bedrohung durch die Jatohr nimmt ständig zu – wenngleich hier der etwas übertrieben hysterische Kommandant ein wenig unglaubwürdig wirkt, selbst unter den Jatohr ein Extrembeispiel darstellt. Aber das sei verziehen angesichts der Eskalation, zu der sein feindseliges Verhalten führt. Etwas zwiespältiger ist da schon die Ausgangslage zu betrachten: Dass sich der Transfer-Schlüssel noch auf der Enterprise befindet anstatt in einem Labor der Sternenflotte, ist etwas weit hergeholt. Aber natürlich Grundvoraussetzung, um unsere Helden von der Enterprise in ein neues, aufregendes Abenteuer zu verstricken.

Liest sich die erste Hälfte der Geschichte sehr flüssig und spannend, ist die zweite Hälfte zudem etwas ruhiger und kein echter „Pageturner“ mehr, was vor allem daran liegt, da Una hier an ihrem Ziel ankommt und sich ihr und dem Leser ein vertrautes Bild präsentiert. Dennoch ist „Captain to Captain“ wirklich sehr unterhaltsam geschrieben und mit einem interessanten Cliffhanger ausgestattet. Dieser kommt einerseits überraschend, aber bedenkt man, dass die folgenden beiden Romane der „Legacies“-Trilogie von den Autoren der „Vanguard“-Reihe verfasst werden, hätte es mich nicht wundern sollen, welche Offenbarung auf den letzten Seiten von Greg Cox‘ Roman kommt. Der Schluss macht jedenfalls große Lust auf die Fortsetzung.

Bewertung: „Captain to Captain“ kratzt an der Höchstnote und wenn die zweite Hälfte auch noch so rasant und spannend gewesen wäre wie die erste Hälfte (die ich so schnell wie selten zuvor einen englischen Roman gelesen habe), dann gäbe es keinen Zweifel an der Benotung. Aber ein wenig hat sich die Geschichte dann doch gezogen.Daher gibt es von mir „nur“ 5 von 6 Sterne, aber wie gesagt ist dieser Auftakt einer neuen Trilogie schon sehr gut gelungen.

5stars

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