Rezension: Comic – „Asterix in Lusitanien“

Auch nachdem Texter Fabrice „Fabcaro“ Caro auf Jean-Yves Ferri folgte, behält man das gewohnte Muster bei Asterix-Bände bei und lässt auf eine Geschichte im Gallier-Dorf ein Reiseabenteuer folgen. Diesmal begeben sich die Gallier Asterix und Obelix in die römische Provinz Lusitanien, was in etwa dem heutigen Portugal entspricht. 

Lusitanier haben wir bereits in „Die Trabantenstadt“ gesehen und eröffnet wird der neue Comic, indem wir einen der damaligen Sklaven – Schnurres – wiedersehen. Dieser reist auf der Handelsgaleere von Epidemais an, um die tapferen Gallier, die er einst selbst in Aktion gesehen hat, um Hilfe zu bitten: Sein bester Freund – Schãoprozes – ist ein bekannter Hersteller von Garum (einem Sud aus vergorenem Fisch, der das Standardgewürz in der antiken römischen Küche war), das von Julius Cäsar besonders geschätzt wird. In den für Cäsar bestimmten Amphoren wurde nun allerdings Gift gefunden und Schãoprozes eingesperrt und zum Tod in der Arena verurteilt, doch Schnurres ist von der Unschuld seines Freundes überzeugt. Häuptling Majestix entsendet daraufhin seine beiden besten Krieger nach Lusitanien, um Schãoprozes zu helfen. 

In Olisipo (Lissabon) ist derweil die Verschwörung weiter im Gange, die Schãoprozes ins Gefängnis gebracht hat und das Ziel verfolgt, den römischen Präfekten von Lusitanien wieder zurück nach Rom zu bringen, von wo er den Sturz Cäsars vorantreiben will. 

Fazit: Anders als die Dorfgeschichten neigen viele Reiseabenteuer nach einen bestimmten Schema abzulaufen, das auch in „Asterix in Lusitanien“ zu finden ist. Man kommt einem Freund in einem fernen Land zu Hilfe und wird dabei mit Klischees dieses Landes konfrontiert (oft aus der Gegenwart in die Vergangenheit projiziert). Diesmal ist das Problem aber: Allzu viele Klischees oder kulturelle Besonderheiten sind zu den Portugiesen nicht bekannt und so wird das Wenige oft wiederholt und breitgetreten. 

Man könnte sagen, dieses Panel stünde stellvertretend für die eingeschränkte Themenvielfalt, die Lusitanien zu bieten hat.

Die am vordergründigsten thematisierte Eigenschaft der Lusitaner/Portugiesen ist die für sie offenbar typische nostalgische Melancholie („Saudade“), die die Lusitaner wohl am stärksten von den Spaniern unterscheidet. Hier erfüllt der Band jedenfalls einen Bildungsauftrag, denn bislang war mir dieses typisch portugiesische Konzept völlig unbekannt. Aber es ist auch eine solide Basis für den Humor in diesem Band, denn Asterix und Obelix gehen hier undercover und verkleiden und stylen sich wie Lusitaner und Obelix schafft es mit „positiv-melancholischen“ Satzkonstruktionen annähernd dieses Konzept auf lustige Weise zu immitieren.

Die Geschichte an sich ist sehr geradlinig erzählt. Als Leser läuft man nie Gefahr, die Übersicht über das Geschehen zu verlieren. Ein Hauch mehr Komplexität hätte aber den Unterhaltungswert durchaus steigern können und hat auch früheren Asterix-Geschichten nicht geschadet. Aber so bleibt „Asterix in Lusitanien“ sehr dem bekannten Reiseschema treu bis hin zur finalen Klopperei mit den Römern. Diese ist ein Beispiel für etwas, das man erwartet, aber tatsächlich die Geschichte gar nicht hergibt. Sie wirkt eher wie ein Punkt auf der To-Do-Liste, der noch abgehakt werden musste. 

Wenngleich die Handlung nicht komplex war, so war das Lesen doch manchmal eine Herausforderung. In den Sprechblasen wird bei den Lusitanern aus einem „au“ grundsätzlich ein „ão“ und die Umlaute bekommen einen Zirkumflex-Akzent (^) aufgesetzt. Bei diesen beiden Varianten bin ich doch immer wieder im Lesefluss hängen geblieben. Ja, zu einem gewissen Umfang gehören solche Sprachstilisierungen bei den Asterix-Comics dazu, und dass aus „z“ ein „ç“ wird, hat mich z.B. an keiner Stelle gestört. Aber ich denke, bei der Übersetzung ins Deutsche wäre es diesmal gut gewesen, sich zumindest gegen das „ão“ zu entscheiden. Aber diese Kritik betrifft ausschließlich die deutsche Version des Comics, da ich das französische Original nicht kenne. Auch was die Benennung von Personen im Deutschen angeht, wirkte diese einmal mehr sehr plakativ. Die Namen sind schon seit längerer Zeit nicht mehr besonders subtil. Ich finde, da hat man früher bessere Lösungen gefunden. 

Um auch die Zeichnungen zu erwähnen: Hier gibt es natürlich an Didier Conrads Zeichnungen und der Kolorierung von Thierry Mebarki einmal mehr gar nichts auszusetzen. Conrad setzt Albert Uderzos Stil einmal mehr hervorragend fort. Am besten vergleicht man einfach Schnurres in „Die Trabantenstadt“ mit Schnurres in diesem Band und wird keinen stilistischen Unterschied entdecken und damit hat man auch schon die Vorlage für die Gesamtheit der lusitanischen Bevölkerung. 

Bewertung: Meine Rezension klingt tendenziell eher negativ, aber ich will auch festhalten, dass der Comic mich insgesamt gut unterhalten hat. In der mit Ferri/Conrad 2013 gestarteten und mit Fabcaro fortgesetzten neuen Ära der Asterix-Comics gab es meiner Meinung nach tatsächlich noch keinen schlechten Band, lediglich „Asterix in Italien“ fand ich ziemlich mittelmäßig und „Asterix in Lusitanien“ würde ich doch darüber platzieren, weshalb ich knapp 4 von 6 Sterne vergebe. Band 41 ist weit weg davon eine originelle Geschichte zu erzählen und kann auch nicht mit einem großen Highlight der Reihe auftrumpfen, ist aber konstant von Anfang bis Ende zwar vorhersehbar, aber mit Humor gespickt, der bei mir gut funktioniert hat. 

 

Rezension: „Up Country”

Leser meines Blogs ahnen aufgrund meiner Rezensionen zu „Jack Reacher“-Romanen vielleicht, dass ich Krimis im Militärmilieu durchaus einiges abgewinnen kann. Aber auch lange bevor ich den ersten Roman las, der während Reachers aktiver Dienstzeit angesiedelt war, mochte ich solche Art von Geschichten. U.a. mag ich die Serie „JAG – Im Auftrag der Ehre“ sehr und zu meinen Lieblingsfilmen zählt „Wehrlos – Die Tochter des Generals“. Dieser Film aus dem Jahr 1999 mit u.a. John Travolta, Madeleine Stowe und James Cromwell basierte auf einem Roman von Nelson DeMille und als ich kürzlich rausgefunden habe, dass der Autor einen weiteren Roman über seinen Army-Ermittler Paul Brenner geschrieben hat, habe ich beschlossen, „Up Country“ zu lesen. Wie sich herausstellte, ist „Up Country“ eine ganz andere Art von Roman, als ich es erwartet hatte, aber dennoch eine sehr lesenswerte Lektüre.

Nach dem Skandal rund um die Ermordung von General Campells Tochter wurde dem Ermittler Paul Brenner recht eindrücklich nahgelegt, in den Frühruhestand zu treten. Dort hat es sich Brenner einigermaßen gemütlich gemacht, allerdings macht ihn die Natur der Fernbeziehung zu seiner Freundin Cynthia zu schaffen, die immer noch im Dienst der Army-Ermittlungsbehörde steht und daher ständig auf Reisen ist. Unverhofft wird Paul von seinem früheren Vorgesetzten zu einem Treffen geladen, bei dem Brenner darum gebeten wird, als Zivilist in geheimer Mission nach Vietnam zu reisen. Dort soll er einen Mann – einen ehemaligen nordvietnamesischen Soldaten – ausfindig machen, der vor 30 Jahren einen Brief an seinen Bruder geschrieben hat, in dem er davon erzählt, einen amerikanischen Army-Captain beobachtet zu haben, wie dieser kaltblütig einen ihm untergebenen Lieutenant erschossen hat. Mehr Kontext gibt der Brief, der einst als Kriegsbeute eines amerikanischen Soldaten in die USA kam aber erst kürzlich übersetzt wurde, nicht her.

Paul soll nun als Tourist nach Vietnam reisen und vorgeben, ein Soldat zu sein, der seine früheren Schlachtfelder besucht und seinen Frieden mit dem Land schließen will, in dem er so viel Schlimmes erlebt hat. In Wahrheit soll er sich aber das kommende vietnamesische Neujahrsfest zunutze machen, um sich von Süden aus nach Norden in jenes Dorf zu begeben, woher der Briefverfasser stammt, da es zu den Feiertagen traditionell üblich ist, in die Heimat zurückzukehren. Sollte der Verfasser noch leben, soll Paul in ausfindig machen, befragen und wenn möglich die Identität von Mörder und Opfer bestätigen. Unterschwellig vernimmt Paul Brenner aber auch die Genehmigung, im Fall des Falles „extremere Mittel“ anzuwenden, um zu verhindern, dass die gewonnene Informationen einer breiten Öffentlichkeit bekannt werden. Von Anfang an ist Brenner sich daher sicher, dass ihm einige wichtige Informationen vorenthalten werden. Dennoch begibt er sich nach Ho-Chi-Minh-Stadt bzw. Saigon, um sich von dort aus nach Norden zu begeben. Begleitet wird er dabei von einer amerikanischen Geschäftsfrau, die vorgibt, nur als Kommunikationsbindeglied zwischen ihm und dem örtlichen Konsulat zu dienen, doch immer mehr beschleichen Paul auch Zweifel, was die wahre Identität von Susan Weber angeht …

Fazit: „Up Country“ erzählt keine typische Krimigeschichte – der Mord, in dem Paul ermittelt, liegt schon drei Jahrzehnte zurück und nicht nur Täter als auch Opfer sind ihm unbekannt. Mit kaum Informationen in der Hand hangelt er sich voran und kann nur Mutmaßungen aufstellen – hauptsächlich anhand der Beobachtung seiner Reisebegleitung, die stets einen Vorwand findet, um Paul von Etappe zu Etappe seiner Reise zu folgen – und selbst dabei romantisches Interesse an Paul vorgibt. In Kombination mit Pauls eigener unklarer Beziehungssituation bringt ihn dies in eine schwierige Lage, was die Einschätzung von Susans Loyalität und Vertrauenswürdigkeit angeht. Ein weit weniger angenehmer Reisebegleiter ist der vietnamesische Colonel Mang, der beginnend mit Pauls Ankunft am Flughafen in Ho-Chi-Minh-Stadt den Amerikaner verdächtigt, nicht nur als Tourist im Land zu sein, Paul unter Beobachtung stellt und seine Wege mehr als einmal kreuzt.

Und auch wenn Mang mit seinem Verdacht durchaus recht hat, entwickelt sich die Reise von Paul durch das Land aus durchaus interessant und sogar zu einem gewissen Grad therapeutisch. Jedenfalls wird der Reise in diesem 700 Seiten langen Roman sehr viel Platz eingeräumt. Paul besucht all seine Einsatzorte und Susan als Reisebegleiterin, der er von der damaligen Zeit erzählen kann, nimmt hierbei eine durchaus hilfreiche Rolle ein. Allen voran ist „Up Country“ daher ein Road-Trip und für jemanden, der mit dem Vietnam-Krieg in groben Zügen aber nicht allzu detailliert vertraut ist, auch eine sehr interessante Geschichtslektion, die auch sehr ausgewogen wirkt. Ja, Paul Brenner wirkt oft stur, dann aber auch wieder einsichtig und die verschiedenen Perspektiven im Krieg zu berücksichtigten.

Paul Brenner als Charakter mit seinen Kommentaren ist allgemein höchst unterhaltsam. Da ich den vorherigen Roman – die Vorlage zu „Wehrlos – Die Tochter des Generals“ – nicht gelesen habe, kann ich nicht beurteilen, ob Nelson DeMille Brenner in diesem Roman vielleicht etwas an John Travoltas Darstellung angepasst hat. Entweder das, oder Travolta hat den Charakter im Film wirklich hervorragend verinnerlicht. Brenner durch Vietnam zu folgen, macht wirklich viel Freude. Obwohl eigentlich gar nicht so viel im Roman passiert, ist DeMilles Schreibstil aus Brenners Perspektive höchst unterhaltsam und flüssig zu lesen. Für die 700 Seiten habe ich natürlich eine Weile gebraucht, aber meine tägliche abendliche Lesestunde habe ich bei diesem Roman doch sehr oft überzogen, weil ich das Erzählte sehr interessant fand.

Am Ende des Romans kann man wohl festhalten, dass der Weg das Ziel ist. Ich will den Ausgang natürlich nicht verraten, aber für meinen Geschmack blieb etwas zu viel offen. Mich hätten die Konsequenzen von Pauls Entdeckung und den Erkenntnissen, die er präsentiert, schon sehr interessiert. Ebenfalls sein Beziehungschaos bleibt ungeklärt. Zumindest auf einer dieser Fronten hätte ich mir am Schluss Klarheit gewünscht.

Bewertung: Ich gebe dem Roman 5 von 6 Sterne und die Höchstwertung vergebe ich nur aufgrund des relativ offenen Schlusses nicht. Aber insgesamt hat mich der lange Roman über ein Monat lang sehr gut unterhalten, er war lehrreich und Pauls Brenners ironisch-lakonische Art hat mir viel Spaß gemacht. Ich werde irgendwann sicher auch mal die Romanvorlage zu „Wehrlos – Die Tochter des Generals“ lesen und finde es schade, dass Nelson DeMille keine weiteren Romane mit dem Charakter Paul Brenner im Mittelpunkt verfasst hat.

Anmerkung: „Up Country“ ist offenbar im Jahr 2002 auf Deutsch unter dem Titel „Die Mission“ veröffentlicht worden. Das deutsche Buch scheint aber nur noch antiquarisch erhältlich zu sein.