Nach 9 Jahren schickt Autor Dan Brown seinen Helden Robert Langdon in ein neues, temporeiches Thriller-Abenteuer. Diesmal spielt sich die Geschichte in Prag ab.
In der tschechischen Hauptstadt weilt der Historiker mit Schwerpunkt Symbologie aber nicht, weil er selbst einen Vortrag hält. Nein, diesmal ist es seine Freundin, die im Mittelpunkt steht: Katherine Solomon (vorgestellt in „Das verlorene Symbol“) hält dort einen Vortrag über ihr eigenes Forschungsgebiet, die Noetik. Schon bald will sie ein eigenes Sachbuch zu dem Thema der Bewusstseinsforschung herausbringen und just während sie in Prag verweilt, erteilt sie ihrem Lektor – vermittelt über Robert Langdon – die Freigabe zur Überarbeitung des Manuskripts. Damit setzt sie aber eine Reihe von Vorkommnissen in Bewegung, die alle das Ziel zu verfolgen scheinen, die Veröffentlichung des Buches zu verhindern: eine Cyberattacke auf den Verlag, die Entführung des Lektors, das unerklärliche Verschwinden von Katherine Solomon – und der Fund einer Leiche an ihrem letzten bekannten Aufenthaltsort. Und plötzlich sieht sich Robert Langdon von den tschechischen Behörden verdächtigt und verunsichert, was die Rolle der amerikanischen Botschaft angeht.
Somit ist Langdon wieder einmal auf sich allein gestellt im Bestreben, seine Freundin und den Grund zu finden, welche brisante Information das Sachbuch beinhaltet, dessen Veröffentlichung von noch unbekannter Seite verhindert werden soll. Erschwert wird das ganze durch die Aktivitäten einer mysteriösen Gestalt, die sich selbst als Verkörperung des Golems aus der Prager Legende sieht.
Fazit: Wie von Dan Brown gewohnt lebt auch „The Secret of Secrets“ von vielen kleinen Wendungen, Überraschungen und Cliffhangern zwischen den Kapiteln und einem Mysterium, dessen Aufklärung lange im Dunkeln bleibt. Daher will ich in meiner Rezension nicht allzu sehr ins Detail gehen, aber insgesamt kann ich sagen, dass mir der Roman ziemlich gut gefallen hat. Wesentlich besser als „Origin“ und auch besser als der Roman „Das verlorene Symbol“, der die Noetik ja auch schon thematisiert, aber eher abstrakt behandelt hat.
In „The Secret of Secrets“ steht Katherine Solomons Forschung diesmal im Mittelpunkt und wird betreffend die Theorie eines dezentralen Bewusstseins auch sehr konkret. Ehrlich gesagt: Überzeugt hat es mich nicht. Ihre vielen Metaphern, um die Theorie zu untermauern, enden eigentlich immer in dem Moment, wenn man eigentlich ein „Ja, aber …“ einwerfen müsste um auf die Unvollständigkeit hinzuweisen. Und die Theorie fußt darauf, verschiedenste Ausnahmen von Bewusstseinszuständen zu verknüpfen, ignoriert aber den „Normalzustand“ meiner Meinung nach völlig. Und vielleicht liegt es an einer Übersensibilisierung durch die vergangenen Jahre, aber ihre Argumentationstechnik erinnert mich auf unbehagliche Weise an jene von Verschwörungstheoretikern.
Als Gedankenexperiment ist das Thema immerhin ganz interessant und was am wichtigsten für den Roman ist: Es wird auf eine Weise eingesetzt, die zu Spekulationen anregt und dadurch die Spannung darauf hebt, was hinter den Versuchen steckt, die Veröffentlichung des Sachbuchs zu verhindern.
Zum Glück kommt aber auch Robert Langdons Fachgebiet nicht zu kurz, was dem Schauplatz Prag zu verdanken ist. Ich war noch nie dort, aber es scheint eine sehr schöne Stadt zu sein und über die historische k.u.k.-Monarchie-Verbindung fühlt sich die Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten für mich als Österreicher sehr vertraut an. In Langdons kulturhistorischen Erläuterungen finden viele mir bekannte Namen und Orte Erwähnung, weshalb sich Prag durch die Beschreibungen im Roman für mich sehr vertraut anfühlt. Dazu kommt auch noch die Golem-Legende, die mir auch bereits bekannt war und interessant in die Handlung eingewoben wurde bis hin zu einer richtig großen Offenbarung. Die hatte mich wirklich kalt erwischt und ich würde sie von der Effektivität her beinahe mit der „Einsatzleiter-Offenbarung“ in Dan Browns Roman „Meteor“ vergleichen. Im Endeffekt hatte die Offenbarung in „The Secret of Secrets“ aber am Ende keine allzu großen Relevanz für die Handlung. Dennoch war sie vom plötzlichen Effekt her gelungen.
Was mir nicht so gut gefallen hat, war ein gewisser Schwenk des Handlungsschwerpunkts ab der Mitte des Romans. Dort werden einige Handlungsstränge beendet, die später keine oder kaum noch Relevanz haben und dann erinnert die Geschichte für meinen Geschmack etwas zu sehr an James Bond, wie er in den geheimen und opulenten Stützpunkt eines größenwahnsinnigen Superschurken eindringt. Übertreibung gehört zu einem Dan Brown-Roman dazu, aber hier war es für mich zu viel des Guten. Ebenfalls zu bemängeln ist der Superschurken-Plan, der viele Teile aus dem zuvor erläuterten Themenbereich der Noetik aufnimmt, aber das, was diese Teile miteinander verbindet um den Plan funktionieren zu lassen, nur in einem einzigen Satz nebenbei erwähnt. Dan Brown hat wohl gehofft, dass er damit durchkommt, aber die Erwähnung war so beiläufig, dass sie wirklich hervorsticht, weil Brown ja sehr gerne ausführliche Erklärungen anbietet, die möglichst fundiert klingen sollen, aber gerade hier gar nicht vertiefend darauf eingehen mag. Hier hat er wohl erkannt, dass er diese eine Sache einfach voraussetzen muss, damit sie Sinn ergibt.
Bewertung: Um Spoiler zu vermeiden, fällt meine Rezension relativ kryptisch aus, aber ich hoffe, ich konnte doch vermitteln, dass „The Secret of Secrets“ für mich ein sehr unterhaltsamer Roman war. „Illuminati“, „Sakrileg“, „Inferno“ und „Meteor“ sind meiner Meinung nach in Sachen Spannung noch mindestens ein Level höher anzusiedeln, aber „The Secret of Secrets“ bietet über weite Strecken gute Thriller-Unterhaltung und ist dank Robert Langdons Perspektive auch in Sachen Historie der Schauplätze eine gewohnt interessante Lektüre. Daher vergebe ich 4 von 6 Sterne.

