Die letzte Grenze …

 

Mit Friedrich Georg Beckhaus ist am 5. Februar 2026 der letzte Darsteller aus der Hauptbesetzung der Serie „Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion“ verstorben. Abgesehen von der Darstellung von Astrogator Atan Shubashi war Beckhaus auch als Synchronsprecher bekannt und ging dieser Tätigkeit bis 2023 nach. So lieh er in „Star Trek“ u.a. dem Cardassianer Elim Garak in „Deep Space Nine“ seine Stimme.

Seit Mitte der 1990er-Jahre war Beckhaus auch der deutsche Stammsprecher für den amerikanischen Schauspieler Robert Duvall, der am 15. Februar 2026 im Alter von 95 Jahren verstarb. Der bekannte Darsteller aus „Der Pate“ und „Apocalypse Now“ erhielt 1984 den Oscar für „Das Comeback der Liebe“. Science Fiction-Filme, in denen er mitwirkte, waren u.a. „THX 1138“ und „Deep Impact“. In der ersten „Jack Reacher“-Verfilmung spielte er die Nebenrolle des Martin Cash.

 

Rezension: TOS – “Die Kolonie der Abtrünnigen“

„Die Kolonie der Abtrünnigen“ ist ein weiterer älterer Star Trek-Roman, den ich einst nicht gelesen habe und den ich nun – 30 Jahre nach der deutschen Erstveröffentlichung – nachgeholt habe. In dieser Geschichte von Gene DeWeese wird die Enterprise ins Chyrellka-System geschickt, wo Captain Kirk einen schwellenden Konflikt zwischen der Hauptwelt und der Koloniewelt Vancadia schlichten soll.

Zwei Jahrhunderte lang waren die Beziehungen zwischen Chyrellka und Vancadia harmonisch und laut Plan sollte der Kolonie schon in wenigen Jahren die Unabhängigkeit gewährt werden. Doch seit kurzem regiert auf Vancadia ein neuer Herrscher, der den Abzug aller Chyrellkaner und sofortige Autonomie fordert. Die Chyrellkaner werfen dem neuen Machthaber auf Vancadia gewaltsame Sabotage vor; dieser entgegnet wiederum mit dem Vorwurf, es habe Giftanschläge durch die chyrellkanische Verwaltung auf Vancadier gegeben. Auf beiden Seiten ist die Gereiztheit sehr groß wie auch das Bestreben, Captain Kirk dazu zu bewegen, Partei für eine Seite zu ergreifen, doch beißen sie bei ihm auf Granit. Stattdessen entsendet Kirk Doktor McCoy und Mister Spock nach Vancadia, um die angeblichen Beweise zu sichten und zu beurteilen. Doch ihre Arbeit können die beiden dort nicht aufnehmen, denn kaum heruntergebeamt, kommt es zu einem Anschlag – durch Klingonen, wie Mister Spock dank seines Tricorders feststellen kann. Der Angriff kann zurückgeschlagen werden, aber schnell wird klar, dass die vancadischen Rebellen von Klingonen unterwandert wurden. Den beiden Offizieren gelingt die Flucht vom Tatort, aber wie sie feststellen müssen, wird ihnen der Anschlag angelastet und ein ganzer Planet setzt zur Hetzjagd auf die beiden an.

Auf der Enterprise stellt sich die Situation nicht so deutlich dar. Gleich nach dem Runterbeamen von Spock und McCoy entstand ein gewaltiges Kraftfeld über dem Planeten, das die Technologie der Vancadier deutlich übersteigt. Man erhält keine Funksprüche mehr und immer mehr Unmöglichkeiten häufen sich an, die Kirk und die Besatzung der Enterprise aus dem Konzept bringen und an dem zweifeln lassen, was ihnen die Bildschirme und Sensoren anzeigen …

Fazit: Die Geschichte ist ziemlich lange sehr undurchsichtig geschrieben. Das mag aber Absicht des Autors gewesen, um zu verdeutlichen, wie sich Kirk und seine Offiziere auf der Enterprise fühlen, die keine Ahnung haben, was wirklich auf und um Vancadia vor sich geht und ständig die Beschwerden und Forderungen des chyrellkanischen Premiers im Nacken haben und sich zu Aktionen gehetzt fühlen, die keinen Sinne zu ergeben scheinen.

Etwas beeinträchtigt wird diese Wahrnehmung aber dadurch, dass der Leser einen kleinen Wissensvorsprung gegenüber Captain Kirk hat, weil die Perspektive zwischen den Ereignissen auf der Enterprise und auf dem Planeten hin und her wechseln. Spock und McCoy – unterstützt von zwei Vancadiern, die nicht auf der Seite der Rebellen stehen – haben Gewissheit, was die Einmischung der Klingonen angeht, aber keine Idee, welche Absicht dahintersteckt. Die einzige Möglichkeit die Puzzleteile zusammenzusetzen, besteht darin den Planeten zu verlassen und zur Enterprise zurückzukehren.

Auf der Enterprise wiederum ist die Verwirrung für mich auch zum Teil etwas schwierig nachzuvollziehen. Die Vermutung, dass der Computer falsche Anzeigen generiert, ist eigentlich schon ziemlich früh vorhanden, aber Captain Kirk erreicht nie den Punkt, an dem er Sicherheit erlangt. Ich denke, angesichts der Vielzahl an Unmöglichkeiten und aufgrund des anfänglichen Verdachts, hätte es zu Captain Kirk besser gepasst, ganz früh in der Handlung einen Schlussstrich zu ziehen und jene Maßnahmen durchzuführen, die er am Ende des Romans schließlich umsetzt. Es erhöht aber natürlich die Spannung, dass er damit wartet, bis er in eine unmögliche Entscheidung gedrängt: Das Abschießen eines unbemannten und schwer bewaffneten Drohnenschiffs von Vancadia, das im Anflug auf die chyrellkanische Schiffswerft ist … das ohne verlässliche Sensoren und Kommunikation aber genauso gut ein unbewaffnetes Flüchtlingsschiff sein kann, auf dem sich Spock und McCoy aufhalten. Dieser Showdown ist wirklich spannend und generell das letzte Viertel des Romans sehr erhellend, wenn eine direkte Verbindung zu einer Episode der klassischen Serie hergestellt wird, mit der ich nicht gerechnet hatte. Gene DeWeese hat das ziemlich geschickt gemacht und von der Idee abgelenkt, indem er ständig auf eine Ähnlichkeit mit den Ereignissen einer ganz anderen TOS-Episode hingewiesen hat.

Wie in „Der erste Krieg“ unterstützen die Klingonen auf Vancadia eine Fraktion, um sie gegen die andere in einen Konflikt zu zwingen.

Etwas störend war hingegen, dass die Chyrellkaner und Vancadier von Spock und McCoy ständig als „Menschen“ bezeichnet werden. (Es ist auch im englischen Original der Fall und keine Fehlübersetzung von „humanoid“.) Gerade in der klassischen Star Trek-Serie sahen zwar viele Außerirdische genau wie Menschen aus, aber sie waren es nicht. Dass bei den Tricorder-Messungen ständig gesagt wird, dass Chyrellkaner und Vancadier „Menschen“ wären, ist ein Fehler, da am Beginn des Romans in Captain Kirks Logbucheintrag eindeutig festgehalten wird, dass es sich um eine erst vor wenigen Jahren entdeckte Spezies handelte. Die ständige Verwendung der falschen Bezeichnung trägt auch ein wenig zur Verwirrung in diesem Roman bei, denn immerhin geht es ja darum, dass sich einige Klingonen als Vancadier ausgeben und keine Menschen.

Bewertung: Drei Viertel des Romans waren ziemlich unrund zu lesen. Teilweise ist das der Konzeption der Geschichte geschuldet, die diese Verwirrung thematisiert. Teilweise machen die Perspektivenwechsel es dem Leser aber auch nicht leicht, am Ball zu bleiben. Aber: Das letzte Viertel des Romans ist wirklich sehr spannend und entwirrt die Lage, indem zusätzliche Aspekte offenbart werden, mit denen ich nicht gerechnet habe. Sich durch das Durcheinander am Beginn durchzukämpfen hat sich schlussendlich für mich dann doch sehr gelohnt, weshalb ich „Die Kolonie der Abtrünnigen“ mit 4 von 6 Sternen bewerte.

 

 

Rezension: „Exit Strategy” – Ein Jack-Reacher-Roman

Eigentlich ist der ehemalige Militärpolizist Jack Reacher nach Baltimore gereist, um ein Konzert zu besuchen, doch ein Aufenthalt in einem Café, um die Zeit bis zum Beginn des Konzerts totzuschlagen, erweist sich als wesentlich ereignisreicher als gedacht. Zum 30. Mal wird Reacher in „Exit Strategy“ unerwartet in ein Abenteuer verwickelt, in dem es einmal mehr darum geht, eine Verschwörung aufzudecken.

Gleich zwei Dinge ereignen sich in diesem Café: Zum einen wird er Zeuge eines offensichtlichen Betrugsversuchs, der ein älteres Paar um all ihre Ersparnisse bringen soll. Reacher folgt den Betrügern, stellt sie und sorgt – mit schlagenden Argumenten – dafür, dass das Paar sein Geld zurückerhält. Dass sich Reacher mit dieser Aktion den Zorn des lokalen, organisierten Verbrechens zuzieht, versteht sich von selbst.

Das Ereignis, das wesentlich größere Folgen nach sich ziehen sollte, passiert aber beinahe unbemerkt. Wie Reacher feststellt, hat ihm ein Mann beim Verlassen des Cafés heimlich eine Notiz zugesteckt und um ein Treffen gebeten. Eine klare Verwechslung, denn der Mann – ein Hafenarbeiter namens Nathan Gilmour – hatte die Anweisung, im Café nach dem größten Typen Ausschau zu halten, aber dummerweise wurde der eigentliche Kontaktmann nur eine Straße vom Café entfernt Opfer eines Herzinfarkts.

Nichtsdestotrotz ist Reachers Neugierde geweckt und trifft sich mit Gilmour, der ihm eröffnet, dass er im Hafen eingeschleust wurde, um die Informationen über eine ganz bestimmte Containerlieferung weiterzuleiten. Der Tod eines Mitarbeiters – dessen Computer Gilmour genutzt hat, um seine Aktivitäten zu verschleiern – hat Gilmour aber alarmiert und er weiß nicht mehr, wem er noch vertrauen kann. Reacher entscheidet, Gilmour zu helfen und zusammen finden sie heraus, dass womöglich jemand versuchen wird, den Inhalt des mysteriösen Containers zu stehlen und dass Gilmour nicht der einzige Arbeiter im Hafen war, der über die Personalabteilung eingeschleust wurde.

Fazit: Mit „Exit Strategy“ war ich in erstaunlich kurzer Zeit durch. Da ich den Roman als ebook gelesen habe, war es mir gar nicht bewusst, aber mit 320 Taschenbuchseiten ist der Roman doch ziemlich kurz im Vergleich zu den vorherigen Romanen von Lee Child und Andrew Child. Die Kürze schadet der Geschichte aber nicht und ich fände es gar nicht so schlecht, wenn die beiden Autoren das beibehalten würden. Die Geschichte wird ziemlich zügig erzählt, ein Mysterium – auch in Kombination mit der Parallelhandlung über ein privates Militärunternehmen – wird aufgebaut und setzt sich langsam zusammen und wartet dann dennoch mit dem einen oder anderen unerwarteten Twist auf.

Dass sich Reacher nebenbei mit der lokalen Verbrecherszene anlegt, ist auch mit der Haupthandlung verbunden, wenn auch in etwas loser Form und am Ende spielt der Konflikt eine durchaus größere Rolle, aber leider nur eine nützliche, anstatt eine wirklich gewachsene. Grundsätzlich muss ich sagen, dass beim großen Showdown alles ein bisschen zu günstig für Reacher und seine Begleiter läuft. Sie haben im Unterschlupf der Bösen quasi völlige Handlungsfreiheit, die totale Kontrolle über das Szenario. Und hier stößt – einmal mehr bei einem Reacher-Roman – die Selbstjustiz übel auf. Ja, Reacher ist nicht zimperlich und wenn er tödliche Gewalt einsetzen muss, um eine konkrete Bedrohungslage aufzudecken, dann zögert er nicht. Aber das ist nicht gegeben, hier hat er wie erwähnt am Ende die Kontrolle über die Situation und es wirkt, als würde er die Justiz einfach aus Bequemlichkeit nicht involvieren wollen. So bekommen zwar die Bösen eine Bestrafung, aber am Ende hilft Reacher damit, zu vertuschen, welche miesen Geschäfte stattgefunden haben. Das macht ihn am Schluss wieder einmal enorm unsympathisch und hinterlässt einen miesen Nachgeschmack. Es lässt Reacher auch wirklich denkfaul dastehen, was zur Rolle des erfahrenen Ermittlers so gar nicht passt. Wenn er sich eines Falls nur halbherzig annehmen will, dann sollte er es besser gleich lassen.

Bewertung: Leider zerstört der Schluss ziemlich viel des guten Eindrucks, den der Roman aufgrund der flotten Erzählweise und des Aufbaus des Plots davor erarbeitet hat. „Exit Strategy“ ist einer jener Romane, in denen man Reacher zumindest am Schluss nicht mögen kann. Es ist wirklich schade, dass die Child-Brüder es einfach nicht schaffen, Reachers Motivationen auf eine Weise zu nutzen, die auch dem Ausgang der Handlung dient. Würde Reacher am Schluss vernünftig und verantwortungsvoll handeln, würde ich dem Roman 5 von 6 Sterne geben. Aber mit diesem Ende: 3 von 6 Sterne sind großzügig. Vielleicht wird es langsam Zeit, Reacher endgültig in den Ruhestand zu schicken, wenn er einen angefangenen Job gar nicht sauber zu Ende bringen will. Ich weiß nicht, wen die ihm zugeschriebenen Verhaltensweisen noch positiv beeindrucken sollen.