Review: „Star Trek Into Darkness“

8. Mai 2013, 18:00 Uhr – „Star Trek Into Darkness“ im KIZ Royal-Kino in Graz. Das vierjährige Warten hatte endlich ein Ende und es hat sich definitiv gelohnt. Eines vorweg: Dieses Review werde ich weitgehend spoiler-frei halten, ich werde also nicht so stark ins Detail gehen. Es tut sich so viel im Film, überraschende Offenbarungen und Wendungen sowie viele tolle Anspielungen, die ich niemandem verderben möchte, der den Film nicht gesehen hat. Dieser Blog-Eintrag ist also nur mein erster Eindruck und wie man schon herauslesen konnte, ist dieser sehr, sehr positiv.

Der Film beginnt mit einem absoluten Novum für einen Star Trek-Kinofilm: Erstmals sehen wir die Crew der Enterprise bei einer typischen Mission, wie man sie aus den Serien kennt. Ein klassisches Abenteuer, bei der es darum geht, eine fremde Zivilisation zu retten aber gleichzeitig dabei unerkannt zu bleiben, wie es die Oberste Direktive vorschreibt. Diese Eröffnungssequenz vermittelt wirklich das Gefühl, als sähe man gerade das Finale einer brandneuen Star Trek-Serienepisode – nur um ein Vielfaches gesteigert. Die Eröffnungssequenz ist vielleicht nicht so emotional wie jene des 11. Kinofilms, aber sie punktet mit TOS-Feeling, nur in einem leinwandfüllende Format, enorm aufwändig wirkend und mit einem spektakulären wie auch humorvollen Ausgang der Mission – die den jungen Captain Kirk aber noch in Schwierigkeiten bringen sollte.

Kirk und McCoy auf der Flucht vor den Einheimischen des Planeten Nibiru.

Kirk und McCoy auf der Flucht vor den Einheimischen des Planeten Nibiru.

Admiral Pike ist nicht gerade erfreut über den Ausgang der Nibiru-Mission und zitiert Kirk zu sich.

Admiral Pike ist nicht gerade erfreut über den Ausgang der Nibiru-Mission und zitiert Kirk zu sich.

Der letzte Film hat in Teilen der Fan-Gemeinde ziemlichen Unmut erzeugt, da laut Meinung vieler Kirk zu früh zum Captain befördert wurde (obwohl er gerade die Erde gerettet hatte und  dies bereits offiziell als stellvertretender Captain der Enterprise tat, das nur als Anmerkung). „Star Trek Into Darkness“ nimmt sich dieser Kritik an und vor allem in der ersten Hälfte des Films ist Kirks Kommandotauglichkeit ein zentrales Thema, über das auch seine Beziehung zu Spock vertieft wird. Im letzten Film haben sich Captain und Erster Offizier aus der Notwendigkeit heraus zusammengerauft, aber in „Star Trek Into Darkness“ machen sie den entscheidenden Schritt, um wirklich Freunde zu werden. Auch die anderen Charaktere haben einiges zu tun in diesem Film, aber im Zentrum stehen wirklich Kirk und Spock, wobei von der Enterprise-Crew vor allem noch Scotty besonders hervorragt, der von Simon Pegg wieder auf seine typisch vorlaute und humorvolle Art interpretiert wird.

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Simon Pegg interpretiert den Charakter Scotty zwar deutlich anders als James Doohan, aber trotzdem überzeugt er in seiner Rolle und auch wenn ich nicht genau definieren kann, woran es liegt, ist auch Pegg trotz dieses Unterschieds eindeutig Scotty.

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Auch Chris Pine kann als junger Captain Kirk absolut überzeugen. In dieser sehr emotionalen Szene könnte man sogar meinen, ein junger William Shatner stünde hier vor der Kamera. Chris Pine trifft die Mimik perfekt ohne durch Imitation die Stimmung der Szene zu stören.

Humor in einem Film, der das Wort ‚Dunkelheit‘ im Titel trägt? Ja, denn trotz etwas düstererer Thematik (Stichworte „Terror“, „Militarisierung“), ist „Star Trek Into Darkness“ kein wirklich dunkler oder schwermütiger Film à la „Nemesis“, sondern genauso wie der Vorgängerfilm tolles Abenteuerkino, klassische Space Opera mit einer guten Mischung von Action, Drama und Humor. Das Tempo ist zwar vor allem gegen Ende hin ziemlich hoch (fast schon ein bisschen überstürzt), aber man folgt den Helden von der Enterprise durch diesen Trubel und dass man in den hektischen Szenen mit ihnen mitzittern kann, liegt daran, dass einem die Charaktere wichtig sind. Und das schafft dieser Film genauso gut wie schon der letzte: Trotz all der abenteuerlichen Begebenheiten stehen die Individuen, die sie erleben, im Vordergrund.

Der Vergleich mit dem Vorgängerfilm bietet sich wirklich an, „Into Darkness“ knüpft von der Grundstimmung her an den 11. Film an, nimmt einige Elemente – manche vordergründig manche als Anspielungen – wieder auf und setzt sie fort. (Was bei einer Fortsetzung ja nicht so verkehrt ist 😉 ) Wem also schon der elfte Film gefiel, dürfte auch mit dem zwölften seine Freude haben. Wer sich schon damals beschwerte, dass so viel anders ist als früher, wird auch diesmal Grund zum Meckern finden. (Was schon das vorweg genommene Fazit zum Film ist.)

Ein paar Sachen gefielen mir auch nicht, so wie die wieder recht kurz dargestellten Wege im All. Und ein kurzer Cameo-Auftritt ist für Trekkies zwar ein schönes Wiedersehen, aber etwas knapp in die dichte Handlung hineingequetscht. (Zudem erhält der Darsteller in deutschen Synchronisation eine neue Synchronstimme. Das ist aber nicht weiter schlimm, spricht der Charakter doch lediglich drei, vier Sätze.)

Gleiches gilt für ein, zwei Zitate aus den früheren Serien und Filmen, wenngleich ich anmerken will, dass die besonders oft kritisierten Zitate aus „Der Zorn des Khan“ nicht wortwörtlich sind, wenngleich sie in einer ähnlichen wenn auch eindeutig abweichenden Situation – die eindeutig erkennbar als Hommage gedacht ist – gesprochen werden. Das spricht aber auch wiederum für den guten Einsatz der Zitate, da sie inhaltlich an dieser Stelle des Films wirklich hinpassen.

Wer den Film schon kennt, der wird bemerkt haben, dass ich ein paar der neuen Charaktere noch nicht erwähnt habe, die erstmals mit dabei sind. Allen voran John Harrison, gespielt von „Sherlock“-Hauptdarsteller Benedict Cumberbatch. Der macht seine Sache erwartungsgemäß natürlich hervorragend, aber mehr sei zu seiner Rolle an dieser Stelle nicht verraten 😉 . Nur soviel: Ein interessanter Bösewicht mit überraschendem Motiv, das ihn trotz seiner Taten irgendwie sympathisch macht.

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Der Feind! Oder doch nicht? Cumberbatch‘ John Harrison ist ein wirklich zwiespältiger Charakter.

Wie viele Kinobesucher sehe auch ich 3D nicht wirklich als große Bereicherung an. Zwangsläufig, da ich den Film auf Englisch sehen wollte und das englische Kino in meiner Heimatstadt den Film nicht in 2D zeigte, habe ich ihn dennoch in 3D gesehen. Ein paar nette visuelle Gags hat der Film durchaus, vor allem in der Anfangssequenz, wenn unseren Helden Pfeile und Speere der Einheimischen um die Ohren fliegen. Ansonsten war 3D aber sehr dezent eingesetzt, aber technisch zumindest gut umgesetzt wenn man bedenkt, dass der Film (mit Ausnahme der CGI-Effekte, die zweifellos direkt für 3D gerendert wurden) nur nachkonvertiert wurde.

Fazit: Wie der unmittelbare Vorgänger ist auch „Star Trek Into Darkness“ ein extrem unterhaltsames SciFi-Abenteuer mit den Helden, die jetzt schon etablierte Rollen einnehmen, wie man sie aus der klassischen Star Trek-Serie kennt. Nachdem das neue Universum bereits im letzten Film eingeführt wurde, kann „Into Darkness“ zwar nicht mehr mit einem fundamentalen Umbruch punkten, führt aber immer noch viel Neues ein und wandelt Bekanntes auf überraschende Weise ab. Und der Film bereitet auch gleich die Fortsetzung ein bisschen vor, denn die Enterprise bricht am Schluss nun wirklich zu ihrer 5-Jahres-Mission in die Tiefen des Weltalls auf.

Bewertung: Der 11. Film hat mir wirklich außerordentlich gut gefallen und daher ist es keinesfalls als schlechtes Zeugnis zu verstehen wenn ich sage, dass mir „Star Trek Into Darkness“ nach nun mehrfacher Sichtung nicht ganz so gut gefallen hat wie der überragende Vorgängerfilm. Logischerweise fehlt der Fortsetzung etwas die „Frische“, wenngleich sie immer noch viel Neues in dieser Zeitlinie präsentiert. In vielerlei Hinsicht bleibt „Star Trek Into Darkness“ aber sehr dicht am Vorgängerfilm, den er stilistisch und inhaltlich recht nahtlos fortführt. Warten wir ab, ob mit einem Abenteuer in den Tiefen des Weltalls, das uns der nächste Film „Star Trek Beyond“ präsentieren wird, wieder etwas mehr frischer Wind Einzug halten wird. Immerhin ist auch der sehr an ein TOS-Abenteuer erinnernde Prolog von „Star Trek Into Darkness“ ein echtes Highlight dieses Films, von dem es aber auch danach noch viele gibt, sodass ich „Star Trek Into Darkness“ dennoch die Höchstnote gebe: 6 von 6 Filmrollen, auch wenn er nicht ganz an den großartigen Vorgängerfilm herankommt.

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Anmerkung zu den Comics: Wie von den Machern versprochen gibt es im Film einige Anspielungen auf die Comics. Wie vermutet stammt das zivile Schiff, das Kirk, Spock und Uhura im Film steuern, vom Schmuggler Mudd. Einen Tribble sehen wir ebenfalls auf der Enterprise (Anspielung auf den Ongoing-Comic „The Truth about Tribbles“), was den vierten Kinoauftritt der pelzigen Tiere darstellt. Allgemein ist der Bezug zum Tribbles-Comic sehr stark und auch was es mit den in den Comics über mehrere Ausgaben angedeuteten geheimen Machenschaften innerhalb der Sternenflotte auf sich hat, erfahren wir nun.

Alle Screenshots dieses Reviews stammen von trekmovie.com.

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