Rezension: TOS – “Garth of Izar”

Die klassische Star Trek-Folge „Wen die Götter zerstören“ zählt sicher nicht zu den allgemeinen Fan-Favoriten. In dieser Episode bringen Kirk und Spock Medizin nach Elba II, wo geistig abnorme Rechtsbrecher gefangen gehalten werden. Unter anderem auch der ehemalige Sternenflotten-Captain Garth von Izar, der zu den großen Idolen von James T. Kirk gehörte, aber eine Meuterei auf seinem Schiff provozierte, als er den Planeten Antos IV zu zerstören versuchte. Aus diesem Grunde wurde er nach Elba II gebracht, wo er sich dank formwandlerischer Fähigkeiten, die er von den Antosianern erlernte, zusammen mit seinen Mithäftlingen befreite, Kirk und Spock als Geiseln nahm, aber schließlich doch überwältigt und geheilt und dank der von Kirk und Spock mitgebrachten Medizin geheilt werden konnte.

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Soweit eine Zusammenfassung der vorangegangenen Ereignisse. Der Roman „Garth of Izar“ setzt einige Zeit später an und erläutert vor allem am Beginn nochmal ausführlich, was es mit Garth‘ Erstkontakt-Mission auf Antos IV genau auf sich hatte: Durch einen Transporterunfall deformiert behandelten die Antosianer Garth durch ihre formwandlerischen Talente. Eine Prozedur, bei der er einerseits selbst zum Formwandler wurde, anderseits aber auch dem Wahnsinn anheim fiel. Nach seiner Entlassung aus Elba II ist die Sternenflotte natürlich misstrauisch, ob Garth wirklich wieder diensttauglich ist. Eine weitere Mission nach Antos IV soll den Beweis bringen. Denn obwohl Garth‘ Mission durch den Transporterunfall nicht so ablief wie geplant, hat der Kontakt mit der Föderation doch politisch viel auf Antos IV verändert. Vor dem Erstkontakt lebten die Antosianer in Frieden und zentralisiert in einer gewaltigen Stadt auf dem einzigen Kontinent ihrer Welt. Doch während Garth auf Elba II inhaftiert war, hat sich auf Antos IV eine Rebellenbewegung aufgestellt, die gegen den obersten Regierenden und dessen Beraterstab opponiert. Dieser möchte nämlich – um gute Beziehungen mit der Föderation herzustellen und zu vermeiden, dass sein Planet (ähnlich Talos IV) unter Quarantäne gestellt wird – sein Volk genetisch verändern, damit sie die Fähigkeit zum Formwandeln verliert. Für die Rebellen kommt das nicht infrage, denn an die Formwandlungsfähigkeit ist auch deren erstaunliche Fähigkeit zur Selbstheilung gekoppelt.

Die Enterprise wird nach Antos IV geschickt, damit Garth als eine Art Sonderbotschafter der Föderation im Streit vermittelt. Während Garth das Kommando über die Mission erhält, befehligt Kirk weiterhin das Schiff selbst und ihm kommt die Aufgabe zu, Garth genau zu beobachten und sicher zu gehen, dass er wirklich wieder er selbst ist und seine Heilung nicht nur vortäuscht. Sein Vertrauen in sein langjähriges Idol wird jedoch erschüttert, als Garth auf Antos IV Kirk und eine antosianische Regierungsdelegation in eine Falle der Rebellen lockt.

Fazit: Von einem Roman mit dem Titel „Garth of Izar“ hätte ich erwartet, etwas mehr über Garth als Person zu erfahren. Mehr Informationen zu seiner Vergangenheit und warum er auf bestimmte Art in „Wen die Götter zerstören“ handelte. Der Roman geht aber überhaupt nicht darauf ein und blickt nicht weiter zurück als bis zu Garth‘ ursprünglicher Mission auf Antos IV. Damit konkretisiert der Roman zwar auch einige Informationen aus der Episode und gibt zusätzliche Informationen, aber bis auf das letzte Kapitel des Romans ist keine einzige Passage aus der Sicht von Garth geschrieben. Das ist in der ersten Hälfte des Romans noch durchaus vertretbar. Immerhin verschleiert Garth dort seine wahren Intentionen und Kirk muss sich durchaus glaubwürdig fragen, ob Garth ihn wirklich getäuscht hat, oder ob er wirklich einen enorm komplexen und ausgeklügelten Plan verfolgt, um auf Antos IV den von seiner Ankunft verursachten Streit beizulegen. Ohne zu viel über den Inhalt zu verraten will ich aber auf jeden Fall anmerken, dass gerade die Erläuterung von Garth angeblichem Plan einerseits das Herzstück des Romans ist, anderseits kaum schlechter geschrieben hätte sein können. Völlig ohne Dynamik in einer langen Konferenzraum-Szene erklärt Garth auch nur das unwichtigste Detail seines Plans und nicht nur das! Er erläutert in gleichem Maße Variablen seines Plans, die zu diesem Zeitpunkt gar nicht eingetreten sind. Seine Erläuterungen wirken also wahnsinnig komplex, aber wenn es dann an die eigentliche Ausführung geht merkt man, dass die Autoren sich hier locker 10 Seiten hätten sparen können.

Und diese Stelle ist nicht die einzige schlecht geschriebene Passage. Vor allem in der ersten Hälfte des Romans scheint es, als ob die Autoren es dem Leser nicht zutrauen, ihren Erläuterungen konzentriert zu folgen. Was auf einer Seite erklärt wird, scheint schon auf der nächsten Seite nochmals in selber Art und Weise im selben Gespräch nochmals erklärt zu werden, damit es der Leser auch ja mitbekommt. Vor lauter Sachlichkeit ist auch kaum feststellbar, ob die bekannten Charaktere Kirk, Spock und McCoy überhaupt gut getroffen sind.

Was das Lesevergnügen weiter dämpft sind ganz offensichtliche Fehler am Beginn des Romans, wenn Kirk eine von Garth‘ größten Schlachten Revue passieren lässt. Dauernd wechselt der Gegner, einmal sind es Klingonen, dann wieder Romulaner. Und Kirk ist einmal in seinem Quartier und plötzlich während des gleichen Gesprächs im Konferenzraum. Es wirkt, als ob speziell auf den ersten rd. 30 Seiten zwischen verschiedenen Versionen des Romans hin und her gewechselt wurde und dieser Teil vom Lektor völlig ignoriert wurde.

Bewertung: Die Bewertung kann nicht besonders gut ausfallen. Einerseits trifft der Roman schon mal nicht meine Erwartungen, was die Charakterisierung von Garth betrifft. Dann sind da grobe stilistische Schnitzer und klare Fehler. Insgesamt also kein angenehm zu lesendes Buch, das aber speziell durch die zweite Hälfte zumindest halbwegs gerettet wird. Sobald Garth‘ Plan die unzähligen Schichten unnötig erläuterter Variablen abgeschüttelt hat und etwas geschieht, das selbst für ihn nicht vorhersehbar war, wird die Geschichte zumindest im Ansatz doch noch erzählenswert. Besonders gut ist sie aber auch dann nicht. Daher gibt es von mir nur knapp 2 von 6 Sterne. Eine Vorgeschichte zu Garth hätte ich weitaus interessanter gefunden als diese schwache Fortsetzung der ebenfalls ziemlich schwachen TOS-Episode „Wen die Götter zerstören“.

2stars

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