Rezension: „The Autobiography of James T. Kirk“

„Die Geschichte des größten Captains den die Sternenflotte jemals hatte“ – so der Untertitel des Buches. Übertreibung? Nun, das Buch beginnt mit einem Vorwort von Dr. Leonard McCoy, der bereits den ersten Absatz mit dem wichtigsten Detail abschließt, den Jim Kirk in seiner Biographie vergessen hat zu erwähnen: „Er war der größte Held, der je gelebt hat.“ Bedenkt man, welche Abenteuer Kirk in der klassischen Star Trek-Serie und 7 Kinofilmen erlebt hat, ist diese Behauptung gar nicht mal so abwegig und auf diese Abenteuer geht das Buch natürlich auch ein – in den interessantesten Kapiteln geht es jedoch um jene Abschnitte von Kirks Leben, die bislang im Dunkeln lagen.

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Das Buch wurde natürlich nicht aus dem späten 23. Jahrhundert in die Gegenwart teleportiert, sondern von David A. Goodman geschrieben, von dem auch „Federation: The First 150 Years” stammt. Wie schon bei dem fiktiven Geschichtsbuch hat sich Goodman die Lücken in Kirks Biographie vorgenommen und diese hervorragend ausgefüllt. Kindheit, Jugend, Akademie, frühe Einsätze auf Raumschiffen, seine Zeit in der Admiralität, die zweite 5-Jahres-Mission, zwischenzeitliches Leben als Zivilist – all diese Abschnitte seines Lebens sind bekannt, wurden angedeutet oder ließen sich auch herleiten von Kirks alternativen Leben im neuen Star Trek-Universum. Goodman macht einen wirklichen guten Job, Anspielungen aus der Serie oder den Kinofilmen auszuschmücken. Denkt man so darüber nach, hat Kirk in der klassischen Serie und den Filmen sehr viele Personen getroffen, die er nach eigener Aussage von früher kannte. Das Buch „The Autobiography of James T. Kirk“ erzählt, wie es zu diesen Bekanntschaften kam.

Wie bereits angemerkt handelt es sich hier um die Biographie von jenem Jim Kirk aus dem Prime-Universum, doch natürlich sind die Eltern von Jim auch hier George und Winona Kirk. Zwei Sternenflottenoffiziere, die sich an der Akademie kennenlernten, heirateten und sich danach nur selten sahen, da sie oft nicht auf demselben Schiff dienten. Man erfährt einiges über die beiden und die auch weiter zurückliegende Familiengeschichte, ehe auf James T. Kirks Kindheit eingegangen wird. Angesichts dessen, was der elfte Kinofilm im neuen Universum zeigte, habe zumindest ich einfach mal angenommen, Kirks Kindheit und Jugend wäre im Prime-Universum relativ sorgenfrei abgelaufen. Es war interessant zu lesen, dass Kirks familiäres Umfeld nicht ideal war, seine Eltern lange Zeit getrennt voneinander lebten. Hier webt der Autor auch hervorragend das Massaker von „Kodos dem Henker“ auf Tarsus IV ein. Dem Buch nach wurde Kirk Zeuge davon, weil er zu der Zeit gerade seine Mutter besuchte, die in der Kolonie arbeitete, während Kirks Vater auf der Erde blieb.

Kirk kennt viele Leute in der Sternenflotte und so überraschte es nicht, dass er einige von ihnen bereits in seiner Zeit als Kadett an der Akademie kennenlernte. Oder später, während er auf der Republic oder Farragut diente. Oder auf der bisher noch unbekannten U.S.S. Hotspur, die Kirk vor der Enterprise kommandierte. Während dieser Zeit machte Kirk auch seine erste Bekanntschaft mit Dr. McCoy und traf auch auf einen jungen vulkanischen Offizier, der später zu Kirks Erstem Offizier werden sollte.

Parallel zu Kirks beruflichem Aufstieg, führte er – allerdings weniger gelungen – auch eine langjährige Beziehung zu Carol Marcus, die schließlich in die Brüche ging. In Zusammenhang mit ihrem gemeinsamen Sohn hat sich aber ein nicht ganz unwesentlicher Kontinuitätsfehler eingeschlichen. Ein Satz von David Marcus im zweiten Kinofilm muss Goodman hier wohl entgangen sein.

Und damit ist auch schon jener Teil meiner Rezension eingeleitet, der sich mit den negativen Aspekten des Buches befasst. Vorweg gesagt muss ich zugeben, kein Biographie-Leser zu sein, ich bin mir also nicht sicher, wie ein üblicher Aufbau einer Autobiographie aussieht. Wahrscheinlich meistens chronologisch, wie auch dieses Buch strukturiert ist. Aber ich finde, dass eine Autobiographie mehr sein sollte, als nur eine Erzählung von Ereignissen. Denn genau zu dem wird das Buch nämlich, sobald Kirk das Kommando der Enterprise übernimmt und das Buch sich erstmals mit den Ereignissen überschneidet, die ein Fan der Serie (andere Leute würden dieses Buch wohl kaum lesen) ohnehin schon kennt. Goodman gelingt es hier nicht, den bekannten Ereignissen etwas Wesentliches hinzuzufügen. Er fügt schon Neues hinzu, aber nur in wenigen Fällen etwas, das einen Zusammenhang zwischen Kirks Charakter und seinen jeweiligen Handlungsweisen herstellt. Die Fünfjahresmission der Enterprise kommt hier mehr wie eine Art unvollständiger Episodenguide rüber. Rund 20 Episoden beschreibt Goodman aus der Sicht von Kirk, aber manchmal hatte ich den Eindruck, als wolle er einfach nur eine Gelegenheit schaffen, etwas nachträglich zu erklären von dem er dachte, dass es Erklärung benötigte. Zum Beispiel warum Janice Rand die Enterprise verließ oder wann Chekov Khan begegnete. Ich hätte zum Teil an andere Ereignisse gedacht, die Kirk während seiner ersten Fünfjahresmission geprägt hätte, die jedoch unerwähnt blieben. Vor allem die Geschehnisse in „Der Obelisk“ und „Wie die Zeit vergeht“ würden mir hier spontan einfallen.

Die Ereignisse rund um die V’Ger-Krise im ersten Kinofilm sind dann etwas ausführlicher und wieder mit mehr Fokus auf Kirk, was allerdings auf den Film selbst auch zutrifft. Insofern auch hier wenig Neues und so ist es auch nicht weiter tragisch, dass Goodman auf keine der 22 Folgen der animierten Star Trek-Serie eingegangen ist. Zumindest ein Element daraus – das Aquashuttle der Enterprise – kam dann zumindest während der zweiten Fünfjahresmission zum Einsatz. Während die Abenteuer von Kirks zweiter Reise auf der Enterprise wiederum interessant wurden, kehrt das Episodenguide-Schema mit den Geschehnissen der Kinofilm 2 bis 6 wieder zurück. Auch wenn Goodman immer wieder Ergänzungen hinzufügt und neue Sichtweisen auf Ereignisse anbietet, ändert es trotzdem nichts daran, dass er für Kenner der Filme nichts Wesentliches hinzufügen kann. Wie Kirk handelt wissen wir, warum er so handelt, wusste oder erahnte man auch schon vorher.

Wo Goodman seine Kreativität nochmal kräftig auslebte, war bei der Beschreibung der Ereignisse des 5. Kinofilm. Ich will nicht verraten, was er hier gemacht hat, aber während andere Goodmans Vorgehensweise an dieser Stelle mögen, ziehe ich ihm dafür dann einen Stern bei der Gesamtbewertung des Buches ab. Und damit kommt er glimpflich davon. Wenn der Autor seine sonderbare Begründung nicht im Internetforum von TrekBBS öffentlich gemacht hätte, wäre seine gewählte Interpretationsvariante für die Ereignisse des Films von mit vielleicht als etwas unglücklicher Versuch, eine Verbindung mit der Folge „Brot und Spiele“ herzustellen, gewertet worden. Aber Goodmans Erklärung, dass die Handlung des Films ihm zu unplausibel sei, um als „echtes“ Abenteuer von Kirk in die Biographie eingefügt zu werden, ist einfach lächerlich. Eine Barriere am Rand der Galaxis, Apollos Tempel und Kraftfeld-Hand, der Genesis-Effekt und vulkanischer Persönlichkeitstransfer sind für ihn nachvollziehbar, aber „Am Rande des Universums“ kann er nicht plausibilisieren? Dann soll er die Details, die ihn stören, eben weglassen, so wie er drei Viertel der Episoden der Serie weggelassen hat, aber nicht krampfhaft doch ins Buch einfügen und dann mit einem Kniff entwerten. Das ist unprofessionell.

Bewertung: Ich glaube, 4 Sterne kann ich vertreten. Wie gesagt sind alle Passagen, die Kirks Familiengeschichte und Kirks Jahre vor der Enterprise und in der Admiralität betreffen wirklich interessant, Pflichtlektüre für alle Kirk-Fans und genauso gelungen wie Goodmans „Federation: The First 150 Years”. Rund ein Sechstel des Buches ist allerdings ziemlich öde, in diesem Umfang widmet es sich der ersten Fünfjahresmission. Mein Tipp: Lieber die komplette Serie schauen statt einen unvollständigen Episodenguide lesen. Und dann gibt es noch einen Stern Abzug für erwähnte unprofessionelle Handhabe des 5. Kinofilms. Das werden sicher viele anders sehen (vor allem da der Film ohnehin nicht allzu viele Fans hat), aber ich kann nicht ungeschehen machen, dass ich Goodmans „Begründung“ auf TrekBBS gelesen habe und das beeinflusst einfach die Art, wie ich diesen Teil des Buches bewerte.

4stars

Anmerkung: Im Anhang des Buches gibt es noch einiges an Bildmaterial. Auch hier sind jene Fotomontage, die den jungen Jim Kirk zeigen am interessantesten, handelt es sich hier doch um Fotomontagen, die Fotos des jungen William Shatner verwenden, Jahre bevor er für „Star Trek“ gecastet wurde.

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