Pilotfilm-Review: „Star Trek : Starfleet Academy – Kids von heute“

Seit mehr als 35 Jahren taucht immer wieder mal die Idee auf, einen Film oder einer Serie über Kadetten an der Sternenflotten-Akademie zu produzieren. Am nächsten dran von allen umgesetzten Projekten war bislang der 11. Star Trek-Kinofilm, der die Kadettenzeit der klassischen Charaktere zeigte. Und in den 90er-Jahren gab es auch ein Computerspiel namens „Starfleet Academy“, das einige Zwischensequenzen mit Darstellern in bislang unbekannten Rollen hatte und darin mitunter auch der Akademiealltag gezeigt wurde.

Das Warten auf eine neue Serie zu diesem Thema hat seit 15. Januar 2026 aber ein Ende: Als Spin-off zu „Discovery“ startete eine Serie, in der das Leben an der Akademie – sowohl von Kadetten als auch von Professoren – im Mittelpunkt steht. Zeitlich angesiedelt ist die Serie im 32. Jahrhundert und kurz nach der Finalfolge von „Star Trek: Discovery“ (abzüglich den Epilog).

Die erste Folge von „Starfleet Academy“ beginnt aber mit einem Rückblick, der eine Situation zeigt, die sich lange nach dem Brand, aber noch einige Jahre bevor die USS Discovery im 32. Jahrhundert ankam (siehe DSC-Staffel 3) ereignet hat. Auf einer Koloniewelt verkündet Sternenflotten-Captain Nahla Ake das Strafmaß im Prozess gegen den Piraten Nus Braka und seine Komplizin Anisha Mir. Für den Überfall auf ein Versorgungsschiff der Föderation, bei dem dessen Pilot getötet wurde, wird Braka zu lebenslanger Gefängnishaft verurteilt und Anisha Mir – entgegen der Absprache mit Captain Ake bevor der Pilot gestorben ist – wird ebenfalls zum Aufenthalt in einer Rehabilitationseinrichtung verurteilt, wodurch ihr fünfjähriger Sohn Caleb zum Mündel der Föderation wird. Captain Ake nimmt sich des Jungen an, doch geprägt von den letzten Worten, die seine Mutter an ihn richtete, misstraut er der Sternenflotte und nutzt die erstbeste Möglichkeit zur Flucht.

Captain Ake kann das Vertrauen des 5jährigen Caleb nicht gewinnen.

15 Jahre später: Ake ist nach diesem Vorfall, der sie zwang, eine Mutter von ihrem Kind zu trennen, zurückgetreten und arbeitet nun auf Bajor als Lehrerin. Flottenadmiral Vance tritt an sie heran und eröffnet ihr, dass die Sternenflotte die Akademie in San Francisco wiedereröffnen wird. Da die Gefahr eines weiteren Brands – ein die Galaxie umspannendes Phänomens, das vor 100 Jahren einen Großteil des Dilithiums in die Luft gesprengt hat – gebannt ist, die Föderationswelten wieder zusammenwachsen und sich die Sternenflotte dank einer neuen Dilithiumquelle erneuert und sich wieder ihrer ursprünglichen Kernaufgabe der Erforschung widmen kann, benötigt man neue Rekruten. Und Captain Ake soll der neugeschaffenen Akademie als Kanzlerin vorstehen, weil sie als Halb-Lanthanitin eine sehr lange Lebensspanne hat und sich noch sehr gut an die Ideale der Sternenflotte vor dem Brand erinnert.

Ake will zuerst ablehnen, doch als Vance ihr erzählt, dass Caleb Mir in einem torothanischen Gefängnis gefunden wurde, sieht sie eine zweite Chance gekommen, ihn erneut unter ihre Fittiche zu nehmen. Sie bietet Caleb den Deal an, dass sie ihm helfen wird, seine vor einem Jahr ausgebrochene Mutter zu suchen, wenn er akzeptiert, sich an der Sternenflotten-Akademie einzuschreiben um seine Haft zu beenden.

Und so finden sich Ake und Caleb auf der USS Athena ein, die nicht nur ein Raumschiff der Akademie ist, sondern selbst zentraler Bestandteil des Campus und sich auf dem Weg zur Erde befindet, um dort in San Francisco zu landen.

Die USS Athena ist bereit für den Flug zur Erde.

Während des Flugs erledigen die Kadetten die nötigen Formalitäten, lernen sich – im Positiven wie im Negativen – erstmals kennen und treffen auch auf ihre Ausbilder – darunter das schon sehr lange aktive Medizinisch-holografisches Notfallprogramm der Voyager und Akes Erste Offizierin und Cadet Master Lura Thok, die zur Hälfte Klingonin und zur Hälfte Jem’Hadar ist und ein wahrer Leuteschinder und damit ein starker Kontrast zur eher gelassenen Nahla Ake.

Auf dem Weg zur Erde kann es Caleb nicht lassen, auf eigene Faust nach seiner Mutter zu suchen und hackt sich in eine Kommunikationsfrequenz, die die beiden einst genutzt haben. Leider kann Caleb keinen Kontakt herstellen, doch das Signal erweckt die Aufmerksamkeit eines Piratenschiffes und dessen Captain: Nus Braka, dem ebenfalls die Flucht aus dem Gefängnis gelungen ist für den der Warp-Kern der Athena eine nette Beute wäre.

Fazit: „Kids von heute“ könnte als Pilotfilm gar nicht klassischer sein. Zum einen ist die Bezeichnung „Film“ durchaus angemessen, denn die Folge hat immerhin 75 Minuten und füllt diese Zeit wirklich auf eine Art und Weise, die an klassische Serienpilotfilme vor der Streaming-Ära erinnert. Zusammengefasst geht es darum, dass sich eine Gruppe von Personen zusammenfindet, sich kennenlernt und bei ihrer ersten gemeinsamen Unternehmung mit einer Herausforderung konfrontiert wird, bei der jeder einzelne seine persönlichen Fähigkeiten und Interessen nutzen kann, um diese Herausforderung zu meistern. Konkret geht es darum, den Piraten Nus Braka und seinen Entertrupp von der beschädigten Athena zu vertreiben, während die Offiziere und Kadetten an verschiedenen Orten an Bord zusammenarbeiten und wobei speziell einige Kadetten über sich hinauswachsen müssen.

Nach 15 Jahren bekommt es Caleb wieder mit Nus Braka zu tun.

Wir lernen fast alle Kadetten, die im Main Cast dieser Staffel sind, bereits in dieser Folge kennen. Einige haben mehr, einige weniger Screentime, aber über Genesis, Sam, Jey-Den und Reymi erfährt man auch so einiges in der Kennenlernphase vor dem Piratenangriff. Speziell von Genesis – gespielt von Bella Shepard – war ich sehr positiv überrascht, da sie wesentlich sympathischer rüberkommt, als ich gedacht hätte. Von ihrem Auftreten aus den Trailern hätte ich sie in eine bestimmte Schublade gesteckt, aber ihre kleine Szene zusammen mit Sam ist vielleicht sogar meine Lieblingsszene in dieser Folge. Gewisse Schubladen, die man bei einer Serie dieser Art erwartet, werden aber auch gut gefüllt, so wie es die unausweichliche Rivalität unter Schülern gibt mit einem Bully, der dann im weiteren Handlungsverlauf aber auch mit positiven Eigenschaften punkten kann.

Die beiden erwähnten Ausbilder haben ebenfalls ihre Vorstellungsszenen – wobei Robert Picardo, der nach „Voyager“ und „Prodigy“ erneut die Rolle des MHN übernimmt – gar nicht vordergründig als sogenannter „Legacy-Charakter“ behandelt wird. Er erfüllt seine Aufgabe an Bord der Athena und ggfl. wird er sicher in manchen Folgen mehr Screentime bekommen. Hier in dieser Folge gibt es aber zumindest Erwähnungen der Voyager und der Protostar-Crew. (Positiv anzumerken ist, dass Robert Picardo hier wieder einen Synchronsprecher aus „Voyager“ hat, während er in „Prodigy“ einen anderen Sprecher hatte.) Und beim medizinischen Check darf eine Anspielung auf seinen ersten Auftritt im „Voyager“-Pilotfilm nicht fehlen.

Die beiden zentralen Figuren in „Kids von heute“ sind aber ganz klar Captain Ake und Caleb Mir. Und die beiden harmonieren in einer Art „Widerspenstiges Kind/Ersatzmutter“-Beziehung in ihren Dialogszenen wirklich sehr gut. Speziell Holly Hunter finde ich ganz hervorragend gecastet.

Captain Ake und das MHN der Voyager.

Ehrlich gesagt, habe ich bislang nicht viel von ihr gesehen. Mir war eher ihr guter Ruf als Oscar-Preisträgerin (Beste Hauptdarstellerin 1994, „Das Piano“) bekannt, aber in dieser Folge bestätigt sie diesen Ruf absolut. Sie agiert mir großer Selbstverständlichkeit, nichts wirkt erzwungen oder gekünstelt und trotz ihrer zierlichen Statur hat sie vor der Kamera eine sehr dominante Präsenz. Und dies, obwohl Nahla Ake einen sehr entspannten Führungsstil hat. Sie hält nicht viel von unnützer Förmlichkeit und agiert den Kadetten gegenüber mehr als Pädagogin und weniger als Ausbilderin. Das ist für eine Captain-Figur in Star Trek ein Ansatz, den man so noch nicht hatte, aber im Fall eines Captains, der gleichzeitig eine Akademieleiterin ist, durchaus Sinn ergibt.

Für Sandro Rosta ist Caleb Mir seine erste große Rolle und doch wirkt er an der Seite von Holly Hunter überhaupt nicht überfordert. Er macht wirklich eine gute Arbeit und kommt nachvollziehbar rüber. Seine Rolle ist durchaus einem gewissen Klischee folgend, aber ich denke, Caleb Mir hat für den Anfang ausreichend Charakterisierung bekommen, womit Rosta arbeiten kann. Man muss abwarten, wie bzw. ob sich das im Lauf der Staffel weiterentwickelt.

Caleb Mir und Captain Ake schlagen ein neues Kapitel in ihren Leben auf.

Was die Darsteller angeht, darf Paul Giamatti natürlich nicht unerwähnt bleiben. Mit ihm habe ich schon einige Filme gesehen und ich mag ihn sehr. Vor allem in Rollen, wo er die Möglichkeit hat, richtig extrovertiert zu sein und Nus Braka ist definitiv so eine Rolle. Er lässt hier richtig die Sau – äh, ich meine: den Tellariten – heraus. Das hat mir sehr gut gefallen und ich hoffe, dass er noch einige Auftritte in der 1. Staffel haben wird.

Nus Braka ist halb Tellarit, halb Klingone und ein Pirat der Venari Ral.

Produktionstechnisch sieht „Starfleet Academy“ wirklich hochwertig aus. Die Größe des Atriums ist schon sehr beeindruckend und die Brücke der Athena hat eine klassische Aufteilung. Was das Design selbst angeht, bin ich nicht so sehr der Fan des Hochglanzdesigns des 32. Jahrhunderts. Der Futurismus stößt in dieser Richtung an seine Grenzen und unterscheidet sich z.B. nicht besonders von „Strange New Worlds“. Ich hätte mir designtechnisch lieber etwas ganz Ungewöhnliches gewünscht anstatt ganz aufs Motto „Die Zukunft glänzt“ zu setzen. Aber man merkt schon, dass viel Mühe reingesteckt wurde und die Sets sind sehr übersichtlich, sodass man sofort weiß, wo man sich befindet. Und à propos „Ungewöhnliches“: Zumindest der Umstand, dass die Akademie in Form der Athena mobil ist, entspricht dieser Vorstellung schon sehr gut. (Und nebenbei erspart es praktischerweise die Produktionskosten der Serie, da man die gleichen Sets für die Szenen im All und in San Francisco verwenden kann und nur ändern muss, was vor die Fenster projiziert wird.)

Das Atrium ist das größte je für Star Trek gebaute Set und füllt eine Halle größer als ein Fußballfeld.

Als Science-Fiction-Serie spielen bei „Starfleet Academy“ natürlich auch die visuellen Effekte eine Rolle. Hier kann ich auch nichts Negatives sagen. „Discovery“ hatte einst einen etwas holprigen Beginn, aber in den vergangen 9 Jahren hat sich viel getan und inzwischen sind die Star Trek-Produktionen in Sachen Effekte auf einem sehr guten Level. Die Shuttle-Sequenz am Beginn dieser Folge war sehr dynamisch und hochwertig und auch die Aufnahmen der Athena – besonders wie sie am Ende in San Francisco landet. Wie bei den Effekten schließt man auch beim Set-Design stilistisch an das in „Discovery“ etablierte 32. Jahrhundert an. Das Design der USS Athena passt dazu, aber ich bin persönlich kein großer Fan der Schiffsdesigns dieser Ära mit den vom Rumpf losgelösten Warp-Gondeln. Aber zumindest was die Hüllentextur angeht, hebt sich die Athena von dem bisher langweiligen Stil der Sternenflotte des 32. Jahrhunderts ab.

Bemerkenswert ist, dass die Serie das volle 16:9-Bildformat nutzt. Abgesehen von der Animationsserie „Lower Decks“ verwenden alle anderen Star Trek-Serien der Streaming-Ära ein „cinematisches“ Breitbildformat (2.00:1 oder 2.40:1). Bislang war „Enterprise“ Anfang des Jahrtausends die einzige Star Trek-Live-Action-Serie, die das 16:9-Bild voll ausgefüllt hat (davor war 4:3 der Standard). Das mag speziell bei den Effektszenen zur Übersichtlichkeit beitragen und allgemein passt es ein wenig zum „altmodischen“ Stil dieses Pilotfilms.

Die musikalische Untermalung der Auftaktfolge durch Jeff Russo ist sehr solide; nichts Ungewöhnliches. Ein musikalischer Gänsehautmoment des Films ist aber auf jeden Fall der Anflug der Athena auf San Francisco, der vom 1967er-Song „San Francisco“ – interpretiert von Rufus Wainwright – begleitet wird. Ein wirklich schöner Moment. (Anmerkung: Die Pilotfolge hat nur eine kurze Titeleinblendung; ein langes Intro gibt es erst ab Folge 2 und hierzu muss ich sagen, dass Jeff Russo mit einem uninspirierten Medley nicht zusammenpassender Melodien ganz schön daneben gegriffen hat. Aber „Kids von heute“ ist wie erwähnt nicht davon betroffen.)

„If you’re going to San Francisco Be sure to wear some flowers in your hair …“

Bewertung: Die Handlung dieses Serienauftakt folgt wahrlich einer oft genutzten Blaupause für Pilotfilme. Große Risiken geht sie somit nicht ein und kann auch nicht sonderlich überraschen. Man bekommt den Ausgang, den man erwartet. Aber garniert wird die Story durch die Vorgeschichte von Caleb und Captain Ake und wie sich diese Beziehung nach 15 Jahren neu und wesentlich besser entwickelt. Holly Hunter trägt wirklich einen großen Teil dazu bei, dass man den Serienauftakt als gelungen bezeichnen kann. Aber auch die jungen Darsteller machen eine gute Arbeit. Bei einigen muss man mit der endgültigen Beurteilung noch abwarten, bis sie mehr im Mittelpunkt stehen, aber Sandro Rosta überzeugt schon mal.

Eine handwerklich sehr solide Inszenierung, eine durchschnittliche Handlung und gute Schauspielerleistungen zumindest beim Erstkontakt mit diesen Charakteren ergeben für mich gute 4 von 6 Punkte.

Die Poster am Beginn des Reviews stammen von Trekcore.com. Die Episodenbilder stammen von Cygnus-x1.net.

Rezension: „The Secret of Secrets“

Nach 9 Jahren schickt Autor Dan Brown seinen Helden Robert Langdon in ein neues, temporeiches Thriller-Abenteuer. Diesmal spielt sich die Geschichte in Prag ab.

In der tschechischen Hauptstadt weilt der Historiker mit Schwerpunkt Symbologie aber nicht, weil er selbst einen Vortrag hält. Nein, diesmal ist es seine Freundin, die im Mittelpunkt steht: Katherine Solomon (vorgestellt in „Das verlorene Symbol“) hält dort einen Vortrag über ihr eigenes Forschungsgebiet, die Noetik. Schon bald will sie ein eigenes Sachbuch zu dem Thema der Bewusstseinsforschung herausbringen und just während sie in Prag verweilt, erteilt sie ihrem Lektor – vermittelt über Robert Langdon – die Freigabe zur Überarbeitung des Manuskripts. Damit setzt sie aber eine Reihe von Vorkommnissen in Bewegung, die alle das Ziel zu verfolgen scheinen, die Veröffentlichung des Buches zu verhindern: eine Cyberattacke auf den Verlag, die Entführung des Lektors, das unerklärliche Verschwinden von Katherine Solomon – und der Fund einer Leiche an ihrem letzten bekannten Aufenthaltsort. Und plötzlich sieht sich Robert Langdon von den tschechischen Behörden verdächtigt und verunsichert, was die Rolle der amerikanischen Botschaft angeht.

Somit ist Langdon wieder einmal auf sich allein gestellt im Bestreben, seine Freundin und den Grund zu finden, welche brisante Information das Sachbuch beinhaltet, dessen Veröffentlichung von noch unbekannter Seite verhindert werden soll. Erschwert wird das ganze durch die Aktivitäten einer mysteriösen Gestalt, die sich selbst als Verkörperung des Golems aus der Prager Legende sieht.

Fazit: Wie von Dan Brown gewohnt lebt auch „The Secret of Secrets“ von vielen kleinen Wendungen, Überraschungen und Cliffhangern zwischen den Kapiteln und einem Mysterium, dessen Aufklärung lange im Dunkeln bleibt. Daher will ich in meiner Rezension nicht allzu sehr ins Detail gehen, aber insgesamt kann ich sagen, dass mir der Roman ziemlich gut gefallen hat. Wesentlich besser als „Origin“ und auch besser als der Roman „Das verlorene Symbol“, der die Noetik ja auch schon thematisiert, aber eher abstrakt behandelt hat.

In „The Secret of Secrets“ steht Katherine Solomons Forschung diesmal im Mittelpunkt und wird betreffend die Theorie eines dezentralen Bewusstseins auch sehr konkret. Ehrlich gesagt: Überzeugt hat es mich nicht. Ihre vielen Metaphern, um die Theorie zu untermauern, enden eigentlich immer in dem Moment, wenn man eigentlich ein „Ja, aber …“ einwerfen müsste um auf die Unvollständigkeit hinzuweisen. Und die Theorie fußt darauf, verschiedenste Ausnahmen von Bewusstseinszuständen zu verknüpfen, ignoriert aber den „Normalzustand“ meiner Meinung nach völlig. Und vielleicht liegt es an einer Übersensibilisierung durch die vergangenen Jahre, aber ihre Argumentationstechnik erinnert mich auf unbehagliche Weise an jene von Verschwörungstheoretikern.

Als Gedankenexperiment ist das Thema immerhin ganz interessant und was am wichtigsten für den Roman ist: Es wird auf eine Weise eingesetzt, die zu Spekulationen anregt und dadurch die Spannung darauf hebt, was hinter den Versuchen steckt, die Veröffentlichung des Sachbuchs zu verhindern.

Zum Glück kommt aber auch Robert Langdons Fachgebiet nicht zu kurz, was dem Schauplatz Prag zu verdanken ist. Ich war noch nie dort, aber es scheint eine sehr schöne Stadt zu sein und über die historische k.u.k.-Monarchie-Verbindung fühlt sich die Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten für mich als Österreicher sehr vertraut an. In Langdons kulturhistorischen Erläuterungen finden viele mir bekannte Namen und Orte Erwähnung, weshalb sich Prag durch die Beschreibungen im Roman für mich sehr vertraut anfühlt. Dazu kommt auch noch die Golem-Legende, die mir auch bereits bekannt war und interessant in die Handlung eingewoben wurde bis hin zu einer richtig großen Offenbarung. Die hatte mich wirklich kalt erwischt und ich würde sie von der Effektivität her beinahe mit der „Einsatzleiter-Offenbarung“ in Dan Browns Roman „Meteor“ vergleichen. Im Endeffekt hatte die Offenbarung in „The Secret of Secrets“ aber am Ende keine allzu großen Relevanz für die Handlung. Dennoch war sie vom plötzlichen Effekt her gelungen.

Was mir nicht so gut gefallen hat, war ein gewisser Schwenk des Handlungsschwerpunkts ab der Mitte des Romans. Dort werden einige Handlungsstränge beendet, die später keine oder kaum noch Relevanz haben und dann erinnert die Geschichte für meinen Geschmack etwas zu sehr an James Bond, wie er in den geheimen und opulenten Stützpunkt eines größenwahnsinnigen Superschurken eindringt. Übertreibung gehört zu einem Dan Brown-Roman dazu, aber hier war es für mich zu viel des Guten. Ebenfalls zu bemängeln ist der Superschurken-Plan, der viele Teile aus dem zuvor erläuterten Themenbereich der Noetik aufnimmt, aber das, was diese Teile miteinander verbindet um den Plan funktionieren zu lassen, nur in einem einzigen Satz nebenbei erwähnt. Dan Brown hat wohl gehofft, dass er damit durchkommt, aber die Erwähnung war so beiläufig, dass sie wirklich hervorsticht, weil Brown ja sehr gerne ausführliche Erklärungen anbietet, die möglichst fundiert klingen sollen, aber gerade hier gar nicht vertiefend darauf eingehen mag. Hier hat er wohl erkannt, dass er diese eine Sache einfach voraussetzen muss, damit sie Sinn ergibt.

Bewertung: Um Spoiler zu vermeiden, fällt meine Rezension relativ kryptisch aus, aber ich hoffe, ich konnte doch vermitteln, dass „The Secret of Secrets“ für mich ein sehr unterhaltsamer Roman war. „Illuminati“, „Sakrileg“, „Inferno“ und „Meteor“ sind meiner Meinung nach in Sachen Spannung noch mindestens ein Level höher anzusiedeln, aber „The Secret of Secrets“ bietet über weite Strecken gute Thriller-Unterhaltung und ist dank Robert Langdons Perspektive auch in Sachen Historie der Schauplätze eine gewohnt interessante Lektüre. Daher vergebe ich 4 von 6 Sterne.