Rezension: SFA – „The Assassination Game“

Junge Leute, die nur mit Pfeil und Bogen ausgestattet durch die Wälder streifen mit nichts anderem im Sinn, als sich gegenseitig aufzulauern und zur Strecke zu bringen. Wer beim Titel „The Assassination Game“ an ein solches Szenario denkt, der liegt komplett falsch. 😀 Dieser Roman ist keine Star Trek-Adaption von „The Hunger Games“ („Die Tribute von Panem“), einen Roman, den ich auch demnächst lesen werde. Tatsächlich läuft das „Assassination Game“ ganz anders und weit harmloser ab. Was aber nicht bedeutet, dass die Teilnehmer – unter ihnen auch Kirk und McCoy – mit weniger Eifer bei der Sache wären.

 

Aber auch wenn der Roman nach dieser kleinen Kadetten-Spielerei benannt ist, kommt die Story so richtig in Fahrt, als eine wahrhaftige „Assassination“ versucht wird: Ein Anschlag auf die Präsidentin der Föderation. Dabei hat alles so harmlos begonnen. Die der Föderation eher feindlich gesinnte Spezies der Varkolak schickt eine Delegation zu einer medizinischen Konferenz, die in den Instituten der Sternenflottenakademie stattfinden soll. Das ungehobelte Verhalten der Varkolak – vor allem gegenüber Uhura – resultiert in einer kleinen Schlägerei, bei der Jim Kirk natürlich nicht gerade unbeteiligt bleibt, weshalb er zur Strafe als ständiger Begleiter von Dr. Lartal – den Anführer der Varkolak-Delegation – eingeteilt wird. (Diese Zuteilung erfolgt übrigens im Rahmen einer gelungenen Hommage an die Standpauke, die Captain Kirk in „Kennen Sie Tribbles?“ hält. Nur diesmal übernimmt Kirk die Rolle von Scotty und Admiral Barnett  die Rolle des Fragenstellers.) Zu Kirks Pech wird Dr. Lartal gleich nach der explosiven Eröffnung der Konferenz – bei der es zum Glück keine Toten gab – zum Hauptverdächtigen und nicht nur Kirk hat seine Zweifel, ob Lartal wirklich nur Arzt ist.

Zur selben Zeit tritt eine Organisation namens „Graviton Society“ an Uhura und Sulu heran, die sehr interessiert daran ist, mehr über die Varkolak – und auch deren Technologie – in Erfahrung zu bringen. Auch mit illegalen Mitteln wie Diebstahl von deren Equipment. Die „Graviton Society“ wirkt sozusagen wie die Nachwuchsorganisation der Sektion 31 und besonders interessant ist, dass Sulu nicht nur in diesem Roman die Mitgliedschaft in einer solch zwielichtigen Organisation angeboten wird, sondern auch kurz vor seinem Abschluss an der Akademie, wie wir im Ongoing-Comic „The Return of the Archons“ erfahren.

Während Uhura mit dem Diebstahl eines fortschrittlichen Varkolak-Tricorders betraut wird, erhält Sulu jedoch einen ganz anderen Auftrag: Er soll sich auf die Suche nach einem Verräter in der „Graviton Society“ machen. Zu den Hauptverdächtigen gehört mit Uhura das andere neue Mitglied der Society und das nicht unbegründet. Denn Uhura erkennt, dass der Diebstahl des Tricorders eine Art Test für sie ist, um ihre Loyalität zur Society zu beweisen. Trotz Bedenken führt sie den Diebstahl durch. Und das sollte ungeahnte – und tödliche – Konsequenzen haben.

Fazit: „The Assassination Game“ ist ganz eindeutig der beste bisher erschienene Roman der „Starfleet Academy“-Reihe. Autor Alan Gratz erzählt hier eine ähnlich handlungsorientierte Geschichte wie auch schon Rick Barba in seinen beiden Academy-Romanen „Die Delta-Anomalie“ und „The Gemini Agent“. Das Spannungsniveau ist durchgängig sehr hoch und da „The Assassination Game“ ungefähr doppelt so lang ist wie die bisherigen Academy-Romane, kann der Roman eine wirklich große Geschichte erzählen, die auch von der Bedeutsamkeit die Vorgängerromane locker schlägt. Denn „The Assassination Game“ geht wahrlich über Leichen.

Geschickt werden die Charaktere in Zwickmühlen manövriert und man zittert wirklich mit, wenn man erst im selben Moment wie die Charaktere begreift, dass diese eben zuvor eine sehr schlechte Entscheidung getroffen haben. Meist auf Basis von falschem Vertrauen oder durch mangelnden Informationsaustausch. Und diese Entscheidungen bedrohen nicht nur im weiteren Verlauf der Handlung die Karrieren der uns bekannten Kadetten, sondern auch die gesamte Föderation.

Man merkt, die Story ist schon von einem ganz anderen Kaliber als jene der ersten drei Academy-Romane, deren Bedrohungspotenzial eher aus Andeutungen für die ferne Zukunft entstand. In „The Assassination Game“ befinden sich unsere Helden aber mitten in einem sich immer weiter ausdehnenden Konflikt. Und erst nach und nach wird ihnen klar, dass sie von Anfang an benutzt wurden, um den Konflikt eskalieren zu lassen.

Trotz der sehr düster klingenden Haupthandlung versteht sich Alan Gratz aber auch darauf, die typische Leichtigkeit und Lockerheit, die den Academy-Romanen bislang eigen ist, fortzusetzen. Es gibt wieder sehr viele schöne Kirk/McCoy-Szenen, in denen Gratz die Charaktere sehr gut trifft, und meine persönlichen Highlights sind die genialen Cameo-Auftritte von Gaila und Chekov. Aber auch die Uhura/Spock-Szenen sind sehr stark. Einerseits weil sie am direktesten mit der Haupthandlung verbunden sind. Anderseits weil sowohl ein düsterer Schatten auf die aufkeimende Beziehung fällt, gleichzeitig aber auch direkt auf den Status Quo des 11. Kinofilms hingearbeitet wird. Allgemein strotzt der Roman nur so vor Andeutungen auf den Kinofilm und ist eine perfekte Vorbereitung auf das, was Kirk & Co. noch erleben sollten.

Ebenfalls auffällig ist, dass Gratz neben Anspielungen auf den Kinofilm und auf die Vorgängerromane genauso wie Rick Barba keinen Moment auslässt, um bekannte Star Trek-Spezies und Charaktere auftreten zu lassen. Für einen Trekkie ist das natürlich toll, wenn alle paar Absätze vertraute Namen auftauchen. Da auf diese aber inhaltlich kaum eingegangen wird, sondern sie meistens einfach nur da sind, geht ihre Bedeutung kaum über Fan-Service hinaus. So intensiv  genutzt könnte ich mir sogar vorstellen, dass die vielen Anspielungen einige Leser, die das Star Trek-Universum vielleicht nicht in- und auswendig kennen, sogar verwirren könnten. Wenn ein Professor Gill oder ein Kadett namens Leslie auftauchen, dann schmunzelt natürlich der Kenner der „Original Series“, zur Handlung selbst tragen diese Erwähnungen aber genauswenig bei wie die in den Raum geworfenen Spezies-Namen wie J’naii oder Mazariten oder historische Vergleiche à la „wie Archer und die Xindi“ oder „wie die Vulkanier auf P’Jem“, die nur von Kennern begriffen werden können. Daher gilt für diesen Roman eindeutig: Geschrieben von einem Trekkie, für Trekkies. Weniger wäre hier mehr gewesen, denn die Geschichte ist wie gesagt wirklich spannend und könnte etwas neutraler verfasst sicher auch Nicht-Trekkies gefallen.

Ein Nebencharakter der „Original Series“, der in diesem Roman aber auch inhaltlich Sinn macht und genügend Beschreibung erhält, ist Kadett Finnegan. Und dieser ist auch im neuen Universum ganz der Alte. 😀 Und dank ihm erleben wir auch die Geburtsstunde des Corbomite-Manövers. 😉 (Zugegeben: Auch diese Anspielung ist wieder nur was für Trekkies, aber zumindest in diesem Fall wird jedem nichteingeweihten Leser der Passage auch erklärt, dass es sich hierbei um einen Bluff handelt.)

Bewertung: Ich werde hier tatsächlich die Höchstwertung auspacken. Die Geschichte ist gut, die Charaktere sind toll getroffen und der Roman fängt hervorragend die Stimmung des Kinofilms ein und endet mit einem grandiosen letzten Viertel. Der Roman hat einen extrem hohen Unterhaltungswert und auch wenn er sicher nicht ganz perfekt ist, gehen sich knapp 6 Sterne doch aus. Wer den Kinofilm mochte, wird auch dieses Buch mögen.

 

 

 

 

Bewertung zur Academy-Reihe: Für August 2013 wurde vor ein paar Tagen zwar ein fünfter Academy-Roman angekündigt, aber ich möchte dennoch mal ein kurzes Zwischenfazit zur Reihe allgemein abgeben und dieses fällt wirklich sehr positiv aus. Die drei ersten Romane haben von mir ja alle 4 Sterne als Bewertung erhalten, wobei die beiden Romane von Rick Barba sich doch recht ähnlich waren, sehr handlungsorientiert und vor allem bemüht, die richtige Stimmung zu vermitteln und die bekannten Charaktere aus TOS gut zu treffen. Aufgrund der Kürze der Romane werden die Geschichten aber sehr schnörkellos erzählt und beide haben eine Art offenes Ende, die den Leser mit Star Trek-Vorkenntnissen eigentlich besser informiert dastehen lassen als die Protagonisten.

Rudy Josephs Roman „The Edge“ („Die Grenze“) ist wiederum thematisch stärker und kaum mit den beiden Romanen von Rick Barba zu vergleichen. Von der Handlung her nicht so spannend, aber stilistisch besser und von der Thematik her auch deutlich ernster und auf die Akademie selbst fokussiert. Der Roman hätte inhaltlich sehr gut an den Beginn der Reihe gepasst, anderseits unterscheidet er sich von der Erzählweise her doch recht deutlich von den anderen drei Romanen.

Alan Gratz schließt deutlich stärker an Rick Barbas handlungsorientierte Erzählweise an und fängt daher auch besser die Lockerheit der Kinofilm-Vorlage ein, als bei „Die Grenze“ thematisch möglich gewesen wäre. Interessant auch, dass der vierte Roman sich auch inhaltlich stärker auf die Barba-Romane bezieht und mal abgesehen von einem Schauplatz eigentlich nicht auf „Die Grenze“ eingeht. Rudy Josephs Roman also mal ausgenommen bieten die Academy-Romane auch sehr viel Kontinuität, die eindeutig im 4. Roman ihren bisherigen Höhepunkt findet. In Summe also eine absolut empfehlenswerte Reihe vor allem für Fans des 11. Kinofilms und von der „Original Series“. Dass die Romane offiziell als „Jugendromane“ eingestuft sind, sollte wirklich niemanden abhalten, mal abgesehen von der Kürze der ersten drei Romane (die meiner Meinung nach auch nur bei „The Gemini Agent“ ein Nachteil ist) gehören eindeutig Trekkies zur Zielgruppe und nicht Jugendliche im Allgemeinen.

 

Anmerkungen zu „The Assassination Game“:

  • Der Name „Varkolak“ für eine außerirdische Spezies ist übrigens etwas sonderbar gewählt. Es ist auch der Name für Werwölfe in bulgarischen Legenden und das Aussehen der außerirdischen Spezies wird auch im Roman ganz direkt als Werwolf-artig beschrieben.
  • Admiral Archers Beagle ist noch wohlauf. 🙂
  • Angesichts der anstehenden Bedrohung durch die Varkolak spekuliert Kirk in diesem Roman mit einer Mobilmachung der Kadetten. Das letzte Mal sei dies angeblich vor 100 Jahren passiert, als die Tholianer ins Föderationsgebiet eindrangen. Eine etwas seltsame Zeitangabe, da es 100 Jahre zuvor einerseits die Föderation noch gar nicht gab bzw. zu diesem Zeitpunkt Krieg mit den Romulanern herrschte.
  • Geografisch ist hier auch etwas seltsam: Im 23. Jahrhundert ist die Sternenflottenakademie in San Francisco. Doch Gratz‘ Ortsangaben passen viel besser zur Akademie im 24. Jahrhundert, die in Marina County südlich von Sausalito auf der anderen Seite der Bucht liegt. Zuerst war mir das nicht aufgefallen, denn wann immer Gratz von „Marina“ schrieb, dachte ich an das Marina District bzw. den Marina Boulevard, die sehr wohl in San Francisco liegen und den Bilder vom 11. Kinofilm nach jener Bereich der Stadt ist, wo die Akademie im 23. Jahrhundert liegen dürfte. Aber im Laufe des Romans gab es ständig Hinweise darauf, dass Chinatown oder das Presidio (beides in San Francisco) von der Akademie aus gesehen auf der anderen Seite der Bucht liegen, weshalb ich glaube, dass Gratz hier das falsche Akademiegelände vor Augen hatte. Vielleicht war er aber auch irritiert vom 4. Kinofilm, wo Kirk und Spock im Jahr 1986 meinen, nach San Francisco zurückkehren zu müssen, während man anhand der Bucht im Hintergrund ganz klar erkennt, dass sie bereits in San Francisco sind. 😉

Obwohl sie glauben nicht in San Francisco zu sein, schlendern hier Kirk und Spock ganz entspannt dort umher, wo im 23. Jahrhundert die Starfleet Academy stehen wird. Wo die Academy im 24. Jahrhundert ungefähr steht sieht man am rechten Bildrand auf der anderen Seite der Bucht.

 

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