Rezension: Comic – Ongoing #1 + #2 „Where no man has gone before“

Um die Zeit zwischen den Kinofilmen 11 und 12 zu überbrücken, erscheint seit September 2011 eine monatlich erscheinende („ongoing“) Comic-Reihe, die die Abenteuer der Enterprise-Crew im neuen Star Trek-Universum beschreibt. Jeweils zwei Ausgaben erzählen eine abgeschlossene Geschichte und zumindest am Beginn der Comic-Reihe liegt der Fokus auf der Neuerzählung (nicht Nacherzählung!) einiger Episoden aus „The Original Series“. Und welches Abenteuer für die Enterprise-Crew würde sich für den Start der Reihe besser eigenen, als eine Neuerzählung der ersten regulären TOS-Folge „Where no man has gone before“?

Ausgabe #1

Ausgabe #2

Unter dem Kommando des neuen, jungen Captains James T. Kirk wird die U.S.S. Enterprise wie in der TOS-Folge zum Rande der Galaxie geschickt. Ausagbe #1 beginnt gleich mal höchst interessant in Hinblick auf den direkten Vergleich der alten mit der neuen Zeitlinie:

Zuerst sieht man Scotty dabei, wie er zusammen mit Keenser einige Reparaturen durchführt und sich darüber beschwert, dass die Enterprise nach den Ereignissen aus dem elften Film keinen grundlegende Überholung spendiert bekam. Sieht also so aus, dass die Enterprise nicht mehr so ganz der Stolz der Flotte ist, was viele Kritiker doch etwas besänftigen sollte, die sich daran störten, dass Kirk, wenn schon zum Captain befördert, gleich das Kommando über das Flaggschiff erhielt.

Kurz darauf ändert sich die Szenerie: Wir sehen Kirk beim Schachspielen im Aufenthaltsraum. Das kommt einem doch aus der ursprünglichen TOS-Folge bekannt vor, nicht wahr? Nun, es gibt jedoch einen erheblichen Unterschied: Kirk spielt nicht mit Spock, sondern mit Gary Mitchell, einen alten Kumpel von der Sternenflottenakademie. Denn natürlich ist Spock nach dem elften Film – auch wenn er und Kirk sich im wahrsten Sinne des Wortes – zusammenraufen konnten – noch nicht die besten Freunde, weshalb sich Kirk seine freie Zeit mit seinen Kumpels Mitchell und Kelso vertreibt, für deren Versetzung auf die Enterprise er gesorgt hat. Im Gespräch mit den beiden stellt Kirk allerdings auch klar, dass er nur weil er diese beiden „Back-ups“ an Bord holte, auch vollstes Vertrauen in Sulu und Chekov setzt.

Soweit ein wenig zu den charakterlichen Änderungen im neuen Universum. Inhaltlich weicht Ausgabe #1 noch sehr wenig von der TOS-Folge ab. Die Enterprise entdeckt die Notrufboje des Raumschiffs Valiant und Hinweise darauf, dass ein Besatzungsmitglied des alten Schiffes wohl Amok lief. Etwas, das auch im neuen Universum Gary Mitchell bevorsteht. Seine telepathischen und telekinetischen Fähigkeiten zeigen sich schon bald nach dem Kontakt mit der galaktischen Barriere ebenso wie Anzeichen größenwahnsinniger Überheblichkeit. Schnell wird der Zusammenhang mit dem, was auf der Valiant geschah. Im Gegensatz zum alten Universum fehlt im Comic allerdings Doktor Dehner als Mitchells Fürsprecherin, weshalb Spocks Empfehlung, Mitchell auf Delta Vega auszusetzen, gleich noch mehr Gewicht erhält. Zumal Spock heimlich eine Gedankenverschmelzung mit Mitchell durchführte und Mitchells alte Persönlichkeit in dessen Geist nicht mehr finden konnte. (Dies könnte eine Anspielung auf Peter Davids Roman „Ich, Q“ sein.)

Doktor Dehners Abwesenheit wird dadurch erklärt, dass sie und McCoy eine gemeinsame Vorgeschichte hatten und sie sofort um Versetzung bat, als sie erfuhr, dass McCoy auf der Enterprise diente. Eine sehr gelungene Abwandlung der TOS-Folge, da dort während „Where no man has gone before“ ja noch nicht Doktor McCoy, sondern Doktor Mark Piper Chefarzt war. Aus Dehners Abwesenheit ergibt sich vor allem in Ausgabe #2 die wichtigsten Änderungen. Denn das finale Duell zwischen Kirk und Mitchell läuft nun ganz anders ab.

Fazit: Mike Johnson, einer der Autoren der Reihe, verkündete, dass im Verlauf der Reihe die Abweichungen zu TOS immer stärker werden würde (http://www.de.wikipedia.org/wiki/Schmetterlingseffekt). Das gilt im kleineren Maßstab bereits für die ersten beiden Comics der Ongoing-Reihe. Während #1 große Ähnlichkeit mit der TOS-Folge hat, sind die Abweichungen im Finale von #2 sehr deutlich. Am Endergebnis ändert sich trotz des unterschiedlichen Ablaufs zugegeben nicht viel. Jedoch hat Doktor Dehner aufgrund von Abwesenheit dieses Abenteuer überlebt und da die Comics eng mit Film-Autor Roberto Orci abgestimmt sind, hat Mike Johnson bereits angekündigt, dass die Comics versteckte Hinweise für den kommenden Kinofilm enthalten werden. Gut möglich, dass wir Elizabeth Dehner 2013 auf der Leinwand sehen werden. 😉 Und auch für die Charaktere Kirk und Spock hat die Geschichte einiges getan, denn am Schluss lädt Spock den Captain dazu ein, mit ihm eine Partie Schach zu spielen. Sieht nach dem Beginn einer wunderbaren Freundschaft aus.

„Where no man has gone before“ ist eine meiner Lieblingsfolgen der „Original Series“ und daher gefällt mir die allgemeine Geschichte auch im Comic sehr gut. Auch die Anspielungen und Ableitungen aus den Ereignissen des elften Kinofilms sind sehr gut eingearbeitet worden. Das einzige, was ich bemängeln würde, ist die Kürze der beiden Comics. Aufgrund des beschränkten Platzes in zwei Ausgaben ist das Tempo der Geschichte etwas höher als in der TV-Folge. Dennoch gibt es von mir 5 von 6 Sterne. (Die TV-Folge erhält von mir übrigens die Höchstnote.)

Anmerkungen:

Die Zeichnungen von Stephen Molnar gefallen mit sehr gut und sind qualitativ deutlich konstanter als die Arbeiten von David Messina für „Countdown“ und „Nero“. Sowohl die Charaktere als auch das Schiff sind sehr gut getroffen.

Die Geschichte nimmt Rücksicht darauf, dass sich die Ereignisse in diesem neuen Universum erst ab der Ankunft der Narada vom Original-Universum unterscheiden. So ist z.B. das Design der Valiant-Notrufboje ebenso wie in TOS und auch der Funkspruch inhaltlich identisch und von Spock mit den selben Worten wiedergegeben worden.

Für alle, die sich daran störten, dass „Delta Vega“ im elften Film ins Vulkan-System verlegt wurde: Im Comic wird eindeutig angesprochen, dass es mehrere Planeten dieses Namens gibt. (Eine mögliche Erklärung wäre z.B. die Nutzung eines Planeten durch ein Unternehmen, wie Dytallix B im Mira-System durch die Dytallix Company.)

Wie in der TOS-Folge wird auch im Comic Kirk mit einem Phaser-Gewehr bewaffent. Dies sieht jedoch nicht so aus in der TV-Folge, sondern interessanterweise genauso wie in den bereits veröffentlichen Screenshots zum PC-Spiel, das Anfang 2013 erscheinen wird und ebenfalls durch Roberto Orci „abgesegnet“ wird. Es ist wahrscheinlich nicht allzu abwegig anzunehmen, dass wir ein entsprechendes Requisit auch im 12. Kinofilm sehen werden.

Nachtrag: Ja, genau solche Phaser-Gewehre gab es auch in „Star Trek Into Darkness zu sehen.“

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