Review: „Star Trek – Der Film“

Vom ersten Kinofilm, der schlicht den Titel „Star Trek – Der Film“ trägt, gibt es vermutlich die meisten unterschiedlichen Versionen eines Star Trek-Films. Hierzulande am bekanntesten sind aber sicher die Kinofassung (die auch im Fernsehen gezeigt wird) und der Director’s Cut von 2001, der einst auf DVD erschien. Vorweg will ich anmerken, dass ich mir für dieses Review den Director’s Cut angesehen habe, da ich ihn gegenüber der Kinofassung als besser empfinde, aber ich werde im Verlauf des folgenden Reviews auch auf die Unterschiede zwischen den beiden Versionen eingehen.

Handlung: Der Film stammt aus dem Jahre 1979 und ist schon unzählige Male im Fernsehen gezeigt worden, weshalb ich meine Inhaltsangabe kurz fasse: Ein ungewöhnliches Phänomen steuert direkt auf die Erde zu, eine riesige Energiewolke, die alles verschlingt, was sich ihr in den Weg stellt – darunter auch drei klingonische Schlachtkreuzer, die mit dem im Inneren der Wolke versteckten Raumschiff ein Gefecht austragen und dabei katastrophal scheitern. Die Zeit wird knapp, denn  die Wolke ist nur noch drei Tage von der Erde entfernt und Admiral James T. Kirk lässt sich vom Oberkommando der Sternenflotte zum Captain der gerade runderneuerten Enterprise ernennen, um mit ihr einen Weg zu finden, den Eindringling doch noch aufzuhalten. Doch bevor die Crew der Enterprise eine Kontaktaufnahme durchführen kann, müssen erst anderer Schwierigkeiten bewältigt werden – nicht nur technische, sondern auch ein Konflikt zwischen dem nun zum Captain ernannten Kirk und Commander Decker, der eigentlich das Kommando über die Enterprise hätte erhalten sollen …

Fazit: Bereits bevor dieses Abenteuer startet, gibt es einen interessanten Unterschied zwischen der Kinofassung und dem Director’s Cut. Denn während die Kinofassung gleich mit dem Paramount-Logo und dem Vorspann beginnt, startet der Director’s Cut von Regisseur Robert Wise mit einer rund 3 Minuten langen Ouvertüre, in der man nur vorbeiziehende Sterne sieht, untermalt von der verträumten und stimmungsvollen Musik Jerry Goldsmith‘, die eine ganz andere Stimmung vermittelt als die pompösere Vorspannmelodie.

Allgemein ist der erste Kinofilm musikalisch für spätere Star Trek-Produktionen sehr prägend. Goldsmith‘ Vorspannmusik sollte u.a. zur Titelmelodie von „The Next Generation“ werden und auch das nächste Musikstück im Film, das man hört während sich die Klingonen-Schiffe der Energiewolke nähern, sollte noch so manchen klingonischen Moment untermalen.

Der Film protzt von der ersten Minute an nicht nur mit der Musik, sondern auch mit sehr hohem Effekteinsatz. Das gilt sowohl für die Kinofassung, als auch für den Director’s Cut, für den zwar ein Teil der Effekte neu erstellt worden ist, die aber so makellos in den Film integriert wurden, dass man meistens gar nicht merkt, dass ein Effekt nicht schon immer da gewesen ist. Wenngleich die meisten neuen Effekte dort, wo man sie eingesetzt hat, absolut eine Verbesserung darstellen (sie ersetzen u.a. einige unvorteilhafte Zoom-Aufnahmen auf dem Hauptschirm der Enterprise-Brücke durch Außenaufnahmen des Geschehens, verändern das Umfeld von Spocks Kohlinar-Prüfung und ergänzen Aufnahmen der Enterprise, um zeitlich Platz für neu enthaltene Szenen zu schaffen), ist der Großteil der Effekte aber immer noch so, wie sie 1979 gedreht worden sind. Folgend ein paar der Veränderungen, die durch die neuen Effekte zustande gekommen sind:

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Das Matte Painting von Vulkan wurde ausgetauscht, die Szene spielt jetzt bei Tag, was besser passt, da Spock, bevor er zum Fuß der Statue geht, aufsieht und seine Hand hebt, als würde ihn die Sonne blenden. (Zugegeben: bewölkt ist der Himmel in der neuen Fassung trotzdem.)

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Das AirTram-Terminal von San Francisco erhielt ebenfalls eine Überarbeitung. Die Position wurde leicht verändert, was den anderen Blickwinkel auf die Golden Gate Bridge erklärt und im oberen Bereich gibt es nun ein Landedeck, von dem aus ein Shuttle im TOS-Design startet.

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Eine neu eingefügte Reflektion in der Sichtscheibe des Shuttles wurde hinzugefügt um zu zeigen, auf welchen Anblick Admiral Kirk reagiert und damit man das Schiff und seinen Kommandanten gleichzeitig im Bild hat.

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Das Näherkommen von V’Gers „Lichtkugeln“ wurde in der ursprünglichen Fassung meist simuliert, indem man die Szene auf dem Sichtschirm der Enterprise nur aufgezoomt hat, was sehr auffällig war. Im Director’s Cut sieht man solche Szenen nun von außen.

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Im Director’s Cut bekommt man einen besseren Eindruck von V’Gers Erscheinungsbild, während in dieser Aufnahme im Original nur eine weitere Aufnahme des Teilmodells zu sehen ist.

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Die ursprüngliche Szene lässt die Enterprise viel zu klein erscheinen und die Wölbung der Außenhülle wirkt auch nicht passend. Für den Director’s Cut wurde die Szene mittels CGI neu erstellt. Hier sieht man auch, dass von V’Gers Zentrum aus nun ein Verbindung hin zur Enterprise „wächst“, während im Original die Untertassensektion nur auf einer bereits bestehenden Ebene aufliegt.

Bedenkt man, dass der Kinobesucher 1979 unter „Star Trek“ nur die damals über zehn Jahre alte klassische Serie und die Zeichentrickserie kannte, muss der erste Kinofilm damals visuell bombastisch gewirkt haben. So „groß“ hat etwas aus diesem Franchise bislang noch nie gewirkt. Das bezieht sich nicht nur auf die Effekte allein, sondern so ziemlich auf jeden technischen Bereich der Produktion.

Am stärksten in Erinnerung sind dem Publikum von 1979 aber wahrscheinlich auch damals schon die ausgedehnten Effektsequenzen geblieben. An diesen Sequenzen – der Rundflug um die Enterprise, das Eindringen in die Wolke und der Überflug von V’Gers gigantischem Schiff – spiegelt sich aber auch allgemein die größte allgemeine Kritik in dem Film wider. So wird der Film in Abwandlung des Originaltitels auch gerne als „The Slow-Motion Picture“ („Der Zeitlupenfilm“) bezeichnet. Und tatsächlich ist die Erzählgeschwindigkeit auch abgesehen von diesen Effektsequenzen (die als gewissen Ausgleich hohen Schauwert liefern) im Vergleich zur TV-Serie, auf die der Film beruht, eine deutlich langsamere. Aber man muss auch bedenken, dass nicht jede Folge der „Orginal Series“ zumindest vorrangig ein Action-Abenteuer war. Aber auch wenn die „Action“ nach der Schlacht zwischen V’Ger und den Klingonen aus dem Film ferngehalten wurde, so bleibt „Star Trek – Der Film“ doch zumindest eine Abenteuerstory – und keine unspannende!

Man muss sich auf das ungewohnte Erzähltempo nur einlassen, denn auch behutsam kann Spannung aufgebaut werden. Und hier sei nochmals ein Unterschied zwischen dem Director’s Cut und der Kinoversion erwähnt: Der Director’s Cut ist gegen Ende des Films deutlich anders geschnitten, enthält einige neue Szenen, die den Schluss aus meiner Sicht wesentlich spannender gestalten. V’Gers Bedrohungspotenzial kommt stärker zur Geltung, man erfährt davon, dass Kirk eigentlich plante, die Enterprise im Inneren von V’Ger zu sprengen in der Hoffnung, den Eindringling auf diese Weise zu zerstören. Und Spocks Suche, die ihn überhaupt erst auf die Enterprise geführt hat, findet ein rundes und wahrlich emotionales Ende. „Star Trek – Der Film“ ist aber in beiden Filmfassungen zumindest ein schönes Science-Ficiton-Abenteuer im Star Trek-Universum, das diesem Universum nebenbei auch ein neues Feeling und einen ganz neuen Look verpasst. Zugegeben, die dominanten Pastellfarben im Schiffsinneren wirken nicht gerade zeitgemäß und sind schon ein sehr heftiger Kontrast zur Farbpallette der Originalserie.

Was vielleicht ebenfalls wie ein Bruch mit der Originalserie wirken könnte, ist eventuell die Charakterisierung der einen oder anderen Figur. Aber einerseits sind die Charaktere (und die Darsteller in größerem Maße) älter geworden. Und anderseits ist Kirks Ehrgeiz und Kommandoambition (die man wahrscheinlich jedem x-beliebigem Admiral, der einen etablierten Captain absetzt, übler genommen hätte) sowie Spocks Selbstfindung sehr gut in die Story eingebunden und geben auch Informationen über den Zeitraum, der ungesehen zwischen dem Ende der Serie und der Ausgangssituation des Films verstrichen ist. Dazu bekommen die beiden neuen Charaktere Decker und Ilia auch genug Raum zur Entfaltung und fügen sich in das ohnehin schon große Ensemble sehr gut ein. Das ist speziell für den Schluss des Films sehr wichtig, wenn die Auflösung des Problems von diesen beiden Charakteren abhängt.

Der erste Kinofilm ist nicht wirklich eine direkte Fortführung von „The Original Series“. Er ist mehr ein neuer Start mit altbekannten Charakteren, die man einige Zeit lang nicht mehr gesehen hat, die sich zum Teil verändert haben und jetzt wieder gemeinsam ein neues, ungewöhnliches Abenteuer erleben.

Bewertung: Man sieht meinem Review vermutlich jetzt schon an, dass ich geneigt bin, die allgemein geläufigen Kritikpunkte am Film gar nicht als so negativ zu sehen. Zugegeben, als ich den Film ca. Anfang der 90er-Jahre erstmals gesehen hatte, fand ich ihn nicht besonders gut. Aber „Star Trek – Der Film“ gehört wirklich zu der Sorte Film, die mit jedem weiteren Ansehen gewinnen können, wenn man schon ein bisschen vorgewarnt ist, was einen erwartet. Und mit dem Director’s Cut hat Robert Wise den Film für mich auch noch perfekt abgerundet. Von meiner Seite gibt es für diese Filmfassung also eine riesengroße Empfehlung, wenngleich es schade ist, dass diese Fassung bislang nicht auf Blu-ray erschienen ist. (Die neuen Effekte wurden 2001 nur in Standard-Auflösung erstellt.)

Es gibt zwar auch von anderen Star Trek-Kinofilmen unterschiedliche Fassungen, aber meiner Meinung nach ist nur beim ersten Film der Unterschied zur Kinofassung groß genug, um zwei unterschiedliche Bewertungen zu geben. Der Director’s Cut erhält von mir die Höchstnote: 6 Filmrollen!

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Aber auch die normale Kinofassung weiß durchaus zu gefallen und ist alles andere als ein schlechter Film. Allein die Inszenierung war schon 1979 für Star Trek einzigartig und ist es bis heute geblieben. Allein dieser Umstand ist es schon wert, besonders gewürdigt zu werden. Daher erhält die Kinofassung von mir immer noch 5 Filmrollen!

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Anmerkungen:

Einen detaillierten und bebilderten Vergleich zwischen Kinofassung und Director’s Cut findet ihr unter folgendem Link: http://www.schnittberichte.com/schnittbericht.php?ID=2400

Regisseur Robert Wise nutzte in diesem Film ein sehr interessantes optisches Stilmittel. In einigen Szenen verwendete er eine Split-Diopter-Linse für die Aufnahme. Das ermöglichte, dass z.B. in der linken Bildhälfte etwas weiter entferntes im Fokus war, während in der rechten Bildhälfte etwas näheres im Fokus stand. Das sorgte hin und wieder für einen etwas surrealen Eindruck, aber speziell auf Blu-ray macht sich diese zusätzliche Bildschärfe bezahlt und es ist ein Stilmittel, das man nicht alle Tage sieht.

Im linken Bildbereich sind Spock und Decker an der Wissenschaftsstation im Vordergrund, im rechten Bereich der weiter davor stehende Kirk. Heutzutage würde bei einer solchen Dialogszene der Kameramann den Fokus verändern, so dass jeweils jene Person scharf zu sehen ist, die gerade spricht. Mit der Split-Diopter-Linse hat Robert Wise sämtliche Protagonisten der Szene gleichzeitig im Fokus. Dies Aufnahmemethode erzeugte aber bei den Übergängen zwischen den Bildhälften zu doppelten Darstellungen und Unschärfen. Man beachte in dieser Szene den oberen Rand von Spocks Konsole und die grün beleuchteten Tasten.

Im linken Bildbereich sind Decker und Spock an der Wissenschaftsstation im Fokus, im rechten Bereich der weiter vorne stehende Kirk. Heutzutage würde bei einer solchen Dialogszene der Kameramann den Fokus verändern, so dass jeweils jene Person scharf zu sehen ist, die gerade spricht. Mit der Split-Diopter-Linse hat Robert Wise sämtliche Protagonisten der Szene gleichzeitig im Fokus. Diese Aufnahmemethode führt aber bei den Übergängen zwischen den Bildhälften zu doppelten Darstellungen und Unschärfen. Man beachte in dieser Szene den oberen Rand von Spocks Konsole und die grün beleuchteten Tasten.

Eine Buchempfehlung als Ergänzung zum ersten Kinofilm ist auf jeden Fall der Roman „Ex Machina“, den ich vor kurzer Zeit rezensiert habe und der unmittelbar an den Schluss von „Star Trek – Der Film“ anschließt. Thematisch ebenfalls eine interessante Ergänzung kann „The Body Electric“ sein, der auf die Maschinenintelligenz, die hinter V’Gers Verwandlung steht, weiter eingeht. Dieses Buch hat bei meiner Rezension aber nicht besonders gut abgeschnitten. Ich plane in absehbarer Zeit, auch den Roman zum Film zu lesen. So etwas mache ich zwar nicht oft, aber der Roman dürfte ganz interessant sein, da er von Gene Roddenberry selbst geschrieben worden ist und einige Hintergrundinformationen enthalten soll, wie er sich das Star Trek-Universum damals, bevor er „The Next Generation“ gemacht hat, vorgestellt hat.

Alle Bilder in meiner Rezension stammen von http://www.trekcore.com/

Ein Kommentar zu “Review: „Star Trek – Der Film“

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