Rezension: Comic – Ongoing #33 + #34 „Lost Apollo“

Wenn man den Begriff „Apollo“ im Zusammenhang mit „Star Trek“ hört – vor allem im Titel einer Comic-Reihe, die früher schon Geschichten aus „The Original Series“ (TOS) neu adaptiert hat – kommt einem natürlich der beklagenswerte Gott aus der klassischen wenn auch etwas trashigen Episode „Der Tempel des Apoll“ in den Sinn. Aber keine Sorge, mit dieser Episode hat der Comic gar nichts zu tun. Was mit „Lost Apollo“ wirklich gemeint ist, erahnt man schon am Beginn, der uns Ereignisse aus dem Jahr 1970 schildert.

Ausgabe #33

Ausgabe #33

Ausgabe #34

Ausgabe #34

291 Jahre später untersucht die Enterprise im Rahmen ihrer 5-Jahres-Mission den unbewohnten Planeten Hinrichs V. Das Außenteam findet auf der Oberfläche eine paradiesische Landschaft mit exotischer Pflanzen- und Tierwelt vor … aber die Tricorder zeigen auch das Vorhandensein eines metallischen, künstlichen Objekts an und bei der Erforschung einer Höhle findet man auch ein Objekt aus Kunststoff und darin eingeschweißt einen Gegenstand, der eine verblüffende Schlussfolgerung nahelegt: Lange vor der Erfindung des Warp-Antriebs war ein Mensch auf Hinrichs V. Weitere Nachforschungen müssen jedoch warten, denn die Fauna des Planeten wirkte nur anfangs harmlos und eine monströse Kreatur tritt plötzlich in Erscheinung, die über das Außenteam her fällt. Nur mit größter Mühe kann es vertrieben und das Außenteam zur Enterprise zurück gebeamt werden …

Fazit: Obwohl „Lost Apollo“ mit einem äußerst interessanten Rückblick beginnt, könnte die Story an sich kaum konventioneller sein. Der Erkundung des Dschungelplaneten wird viel Zeit eingeräumt, die unmittelbaren Entdeckungen sind nicht allzu spektakulär, die Schlussfolgerungen, die Captain Kirk schließlich zieht, recht naheliegend. Steve Cory ist zudem nicht der erste irdische Astronaut aus der Prä-Warp-Ära des Star Trek-Universums, der es mit seinem Schiff bis zu einem weit entfernten Planeten geschafft hat. Die Umstände, wie sein Schiff dorthin gekommen ist, löst der Comic leider nicht (völlig) auf. Auch die Frage, ob das Enterprise-Außenteam, das den Planeten betreten hat, nicht auch in absehbarer Zeit das Schicksal von Steve Cory teilen wird, wird nicht beantwortet, obwohl es da eine Szene in der Krankenstation gibt bzw. schon vorher, als das Außenteam die Helme ihrer Schutzanzüge abnimmt. Im Gegensatz zum vorangegangenen Comic „I, Enterprise“ gibt es am Schluss von „Lost Apollo“ nämlich keinen eindeutigen Hinweis darauf, dass hier eine Fortsetzung geplant ist.

Obwohl diese aus zwei Ausgaben bestehende Geschichte recht einfach gestrickt ist, hat sie aber doch etwas an sich, dass es genauer zu begutachten gibt: Die Stimmung am Schluss. Entgegen des ziemlich oft genannten Klischees, die TOS-Episoden würden alle mit einem Witz oder lachenden Hauptcharakteren auf der Brücke enden, enden doch gerade am Anfang der Serie vielen Episoden ziemlich ernst und schwermütig. Es gibt so manche Folgen, die kein eindeutiges Happy End haben. Genau eine solche Stimmung vermittelt auch „Lost Apollo“.

Und noch ein weiteres Merkmal der ganz frühen TOS-Episoden findet man in diesem Comic: das Logbuch als Erzähler. Speziell am Beginn der Serie sind Logbucheinträge so formuliert, dass sie die in der Folge gezeigten Ereignisse bereits als Teil der Vergangenheit darstellen und wir als Zuseher einen erst danach aufgezeichneten Logbucheintrag hören. Ein solches Beispiel gibt es relativ am Anfang des 2. Teils von „Lost Apollo“, wo in Textfeldern ein Logbucheintrag von Spock zu hören ist, den der Vulkanier keinesfalls parallel zu den gezeigten Ereignissen aufgenommen haben kann, sondern der nachträglich von ihm aufgenommen worden sein muss. Es ist ein interessantes stilistisches Mittel, das mir in TOS auch erst nach der x-ten Wiederholung aufgefallen ist. Besonders deutlich ist es in der Folge „Das Letzte seiner Art“ (die erste TOS-Folge lt. Ausstrahlungsreihenfolge), das die spannende Formulierung „Damals wussten wir noch nicht, dass …“ verwendet und den Informationsvorsprung des Zusehers gegenüber den Protagonisten unterstreicht. Dies gibt es in „Lost Apollo“ nicht, hier dient der Logbucheintrag von Spock dazu, den Leser am Beginn des zweiten Teils die Geschehnisse vom ersten Teil wieder in Erinnerung zu rufen. Dennoch interessant.

Bewertung: „Lost Apollo“ erzählt eine Star Trek-Geschichte, die „normaler“ gar nicht sein könnte. Eine Schema-F-Episode, die nicht schlecht, aber auch nicht gut ist. Eigentlich ziemlich unoriginell. 3 von 6 Sterne sind gerade so drinnen, aber vorrangig durch die angesprochenen stilistischen Ähnlichkeiten mit frühen TOS-Episoden verdient wie auch durch die sehr schönen Zeichnungen von Joe Corroney, der erstmals seit Ausgabe #6 wieder für die Zeichnungen verantwortlich war.

3stars

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