Rezension: TOS:SFA – “Aftershock“

Nachdem im ersten „Starfleet Academy“-Roman zu „The Original Series“ Spock im Mittelpunkt gestanden ist, dreht sich im zweiten Roman (fast) alles um Leonard McCoy. Wie man bereits am Covermotiv sieht, spielt jedoch auch Spock wieder eine wichtige Rolle und sogar ein junger Kadett namens Jim Kirk hat einen kurzen Gastauftritt.

Aftershock

Dieser „Starfleet Academy“-Roman ist wesentlich konventioneller als noch der erste. Hier sehen wir Leonard McCoy an der Akademie, wo er sein Arztstudium absolvieren will. Eine kleine disziplinarische Verfehlung sorgt jedoch dafür, dass er sich zwangsweise einem der Service-Clubs der Akademie anschließen muss und zwar dem Katastrophenschutzteam, das noch Mediziner benötigt. Nach einer mehrtägige, harten Ausbildung, die McCoy daran hindert, seine Winterferien zuhause zu verbringen, muss McCoy sofort zu einem Notfall ausrücken: Auf einer Föderationskolonie gab es ein schweres Erdbeben und weitere Nachbeben sorgen dafür, dass die Rettung und Versorgung der Bevölkerung nur unter schwierigsten Bedingungen erreicht werden kann. Zusammen mit Spock und einer weiteren Kadettin gelingt es McCoy, mehrere Menschen aus ihren Notlagen zu retten. Doch während der Einsätze kommen Spock Zweifel, ob die Erdbeben wirklich natürlichen Ursprungs sind, gilt der Planet doch allgemein als tektonisch sicher …

Fazit: „Aftershock“ interpretiert Leonard H. McCoys Akademiejahre etwas anders, als man es aus anderen Romanen (und dem elften Star Trek-Kinofilm) gewohnt ist. Soweit ich mich erinnere, haben viele Romane McCoys Werdegang so beschrieben, dass er in Georgia Medizin studierte, heiratete, eine Tochter bekam und die Ehe darauf in die Brüche ging worauf McCoy bereits als fertig ausgebildeter Arzt an die Sternenflottenakademie ging. In „Aftershock“ studiert er erst Medizin an der Akademie und ist noch kein Doktor. Auch wenn es nicht ausgeschlossen wird, gibt es keinen Hinweis darauf, dass er bereits einmal verheiratet gewesen war oder gar Vater einer Tochter wäre. McCoy wird hier mehr wie ein typischer junger Kadett beschrieben, der einfach nur die Ausbildung an der Akademie hinter sich bringen will und recht desinteressiert am allgemeinen Akademieleben ist, was sich mit seiner Strafversetzung zum Service-Club ändert.

Obwohl es also einige Abweichungen zu McCoys nur scheinbar etablierter Vorgeschichte gibt, hat Autor John Vornholt den Charakter selbst aber sehr gut getroffen. Seine mürrischen Kommentare und Vorbehalte gegen gefährliche Vorgehensweisen (vom Beamen bis hin zum Besteigen einer hohen Leiter 😉 ) passen sehr gut zu jenem McCoy, der später auf der Enterprise dienen sollte. Die bissigen Dialoge mit Spock geben auch schon einen Vorgeschmack auf die späteren Wortgefechte der beiden.

Insofern hat der Roman „Aftershock“ durchaus seinen Unterhaltungswert. Allerdings ist er im Vergleich zum stark charakterorientierten „Crisis von Vulcan“ viel handlungsorientierter und diese Handlung rund um die Ausbildung und die Hilfseinsätze auf der Koloniewelt sind doch ziemlich bieder und episodenhaft erzählt. Ein kleines Abenteuer nach dem anderen und auch das Mysterium betreffend den Auslöser der Erdbeben ist eigentlich keines, denn der Roman präsentiert lange vor der Auflösung nur einen einzigen Hinweis und folgerichtig ist dieser Hinweis gleichbedeutend mit des Rätsels Lösung.

Ebenfalls ein Schwachpunkt des Buches sind die Zeichnungen. Illustrator Todd Cameron Hamilton leistete hier keine so gute Arbeit wie für „Crisis on Vulcan“. Einerseits kann er nicht mit Charakterzeichnungen punkten, da er die Personen in den meisten Bilden nicht aus der Nähe zeigt. Anderseits passen einige Beschreibungen im Buch nicht hundertprozentig zu dem, was die Zeichnungen zeigen, er nimmt sich hier etwas mehr Freiheiten. Dass ein Schiff der Daedalus-Klasse sowohl auf dem Cover-Design als auch auf den Zeichnungen im Inneren zu finden ist, ist ein sonderbarer Fehler, da das im Mittelpunkt stehende Schiff – die „Nightingale“ – im Text als Schiff der Miranda-Klasse bezeichnet und auch äußerlich so beschrieben wird. (Die konstant falsche Darstellung des Schiffes könnte allerdings auch an einer nachträglichen Überarbeitung des Romans liegen. Vielleicht war die Nightingale in einer frühen Fassung, als die Zeichnungen in Auftrag gegeben worden sind, tatsächlich noch ein Schiff der Daedalus-Klasse.)

Bewertung: „Aftershock“ ist ziemlich konventionell geworden. Kleine Abenteuer die sich aneinanderreihen und ein Rätsel, das keines ist. Der Roman ist wohl einfach (sicher der Vorgabe des Verlags entsprechend) zu kurz, um ein großes Mysterium zu etablieren und gleichzeitig den Fokus auf McCoys Ausbildung zu legen bevor es zur Katastrophe auf der Koloniewelt überhaupt kommt. Die besonders gut gelungenen Dialoge schaffen einen gewissen Ausgleich für die banale Handlung. Daher vergebe ich solide 3 von 6 Sterne.

3stars

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