Review: „Star Trek Beyond“

Mit „Star Trek Beyond“ begeht das Franchise gleich zwei Jubiläen. Natürlich ist da das 50-Jahr-Jubiläum, denn im Jahr 1966 flimmerte die klassische Star Trek-Serie erstmals über die Bildschirme. Und auch ein 10jähriges Jubiläum gibt es zu feiern, denn auf der Comic-Con 2006 in San Diego wurde damals offiziell der Neustart der Kinofilmreihe angekündigt. Und genau an diesem Ort, im Rahmen der weltgrößten derartigen Convention, feierte „Star Trek Beyond“ am 20. Juli 2016 als 13. Star Trek-Film insgesamt und 3. Film des Neustarts seine offizielle Premiere. Einen Tag später war es schließlich auch mir möglich, den Film zu sehen und in diesem Review möchte ich meinen Eindruck zum Film schildern. Vorweg eine Warnung: Einige Handlungs-Spoiler bezüglich die erste Hälfte des Films sind enthalten, aber nicht viel mehr, als die Kino-Trailer nicht ohnehin schon verraten haben.

Handlung: Der Beginn des Films ist humorvoll und zeigt Captain Kirk bei dem vergeblichen Versuch, friedliche Beziehungen zwischen zwei außerirdischen Völkern herzustellen. Die Stimmung schlägt jedoch schnell in Melancholie um: Anlässlich seines Geburtstags – der zugleich Todestag von Kirks Vater George ist – hinterfragt der Captain die Mission seines Schiffes, die ihm zunehmend „episodenhaft“ erscheint und die auch an der Crew nicht spurlos vorübergeht. Als die Enterprise gegen Mitte ihrer 5-Jahres-Mission die gewaltige neue Sternenbasis Yorktown anfliegt, geht Kirk sogar so weit, dort seine Bewerbung für einen Schreibtischjob einzureichen und Spock als seinen Nachfolger vorzuschlagen. Doch auch der Vulkanier denkt an Abschied, erfährt er doch auf der Sternenbasis, dass sein älteres Ich aus der Zukunft verstorben ist. Um die entstandene Lücke zu füllen, überlegt Spock, der Sternenflotte den Rücken zu kehren und nach Neu-Vulkan zu gehen, um dort das Werk seines älteren Ichs – die Errichtung der neuen Kolonie – zu Ende zu führen. Kirks und Spocks Karrierepläne rücken jedoch vorerst in den Hintergrund, als sich eine im All treibende außerirdische Rettungskapsel der Sternenbasis nähert. Kalara – die einzige Insassin – berichtet von einem Schiffsunglück und die Enterprise wird auf den Weg geschickt, um dem havarierten Schiff Hilfe zu leisten.

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Captain Kirks Mission schreitet voran und erscheint ihm doch ziellos.

Als sich die Enterprise dem hinter einem Nebel verborgenen Planeten Altamid nähert, findet man dort aber nicht ein beschädigtes Schiff vor, sondern einen ganzen Schwarm kleiner Schiffe, die in einem koordinierten Angriff die Enterprise schwer beschädigen und Entertrupps abladen. Captain Kirk ist gezwungen, die Evakuierung zu veranlassen und muss selbst aus einer Rettungskapsel mitansehen, wie die Enterprise auf Altamid abstürzt. Ein großer Teil der Crew wird von dem Schwarm, der unter der Kontrolle eines Mannes namens Krall steht, gefangen genommen. Der Rest der Führungscrew muss auf dem Planeten ums Überleben kämpfen, ohne ein Schiff und sicheren Rückzugsort im Orbit zu haben, ohne Unterstützung durch die Besatzung und in der Gegend verteilt ohne miteinander in Kontakt treten zu können …

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In der Nähe des Planeten Altamid muss es die Enterprise mit einem Schwarm sehr viel kleinerer Schiffe aufnehmen.

Fazit: Passend zum Jubiläum setzt der neue Film bei der legendären 5-Jahres-Mission der Enterprise an, die schon in der klassischen Serie thematisiert wurde. Und wenngleich schon bald mit Kirks Selbstzweifel und schließlich dem Absturz der Enterprise einschneidende Ereignisse diese Mission in Gefahr bringen, wirkt „Star Trek Beyond“ doch wie ein um ein Vielfaches gesteigertes Abenteuer aus der klassischen Serie mit unseren Helden auf einem von Feinden beherrschten Planeten und dem Ziel, von dort wegzukommen. Anders als „Star Trek“ und der recht nahtlos anschließende Nachfolger „Star Trek Into Darkness“ ist „Star Trek Beyond“ kein Origin-Film, der die Charaktere an jene Vorbilder aus der Serie heranführt, sondern sie im Grunde so zeigt, wie sie in der Serie waren, aber natürlich ohne ihren veränderten Background durch das neue Universum zu vergessen. Und so spielt auch Leonard Nimoys alter Spock eine wichtige Rolle als Auslöser für die Überlegungen des jungen Spock, die Sternenflotte zu verlassen. Bekanntlich verstarb Leonard Nimoy im Jahr 2015 während das Drehbuch verfasst wurde. Die Autoren haben dies sehr bedächtig in die Story integriert, was zu einer sehr schönen, nostalgischen Szene gegen Ende des Films führt. Aber auch während des Films wird das Thema immer wieder angesprochen, vor allem zwischen Spock und McCoy, die gemeinsam auf Altamid stranden.

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Dr. McCoy strandet mit dem verletzten Spock auf Altamid. Zusammen machen sie sich auf die Suche nach ihren Kameraden und finden überraschend einen Zusammenhang zwischen dem Planeten und Kirks gescheiterter diplomatischer Mission.

Grundsätzlich dient die Evakuierung der Enterprise dazu, die Führungscrew aufzuteilen und Paare an verschiedenen Schauplätzen zu bilden. McCoy muss sich um den verletzten Spock kümmern – was natürlich einige humorvolle Kontroversen ermöglicht, wie man sie aus der klassischen Serie kennt. Kirk ist mit Chekov unterwegs. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg zur abgestürzten Enterprise, um mit deren Geräten die überlebende Besatzung ausfindig zu machen. Der Großteil wird zusammen mit Uhura und Sulu von Kralls Soldaten gefangen gehalten. Uhura erfährt aus erste Hand, dass Krall nicht gerade begeistert von der friedlichen, völkerverbindenden Föderation ist und er deutet noch andere Gründe für seine Abneigung an. Grundsätzlich gefiel mir Idris Elba als Krall wirklich gut. Er stellt den Bösewicht geheimnisvoll und erbarmungslos dar. Damit hatte ich nicht gerechnet, zumal von Krall in den Trailern zum Film gar nicht so viel zu sehen gewesen ist.

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Idris Elba (bekannt u.a. aus der Serie „Luther“ und „Pacific Rim„) spielt den kriegerischen Krall, der mit der Idee einer friedlichen Föderation so gar nichts anfangen kann.

Der weitere wichtige Neuzugang in der Darstellerriege, mit dem wesentlich intensiver im Vorfeld geworben wurde, ist Sofia Boutella, die die mutige und toughe Außerirdische Jaylah spielt. Jaylah trifft auf den allein auf Altamid umherirrenden Scotty, dem sie gleich bei der ersten Begegnung das Leben rettet und der im Gegenzug als Ingenieur Jaylahs „Haus“ reparieren soll, in dem sie sich seit Jahren vor Krall und seinen Handlangern versteckt. Wie sich herausstellt, handelt es sich bei dem „Haus“ um ein schon vor 100 Jahren auf Altamid abgestürztes Föderationsschiff, die U.S.S. Franklin. Das Schiff hat äußerlich durchaus Ähnlichkeit mit Captain Archers NX-01 und als Fan der Serie „Enterprise“ gefiel es mir, dieses Schiff zeitlich einzuordnen. (Tatsächlich liefert mir „Star Trek Beyond“ einiges an Stoff, den ich in meinem nächsten Fan-Fiction-Roman einarbeiten kann.) Die Franklin gefällt mir optisch wirklich sehr gut, was auch der Grund ist, warum ich sehr erfreut war, dass ich im Kino Folgendes erwerben konnte:

Die Darsteller der Enterprise-Crew wie auch die Gastdarsteller liefern solide Leistungen ab. Chris Pine, Zachary Quinto und Co. schlüpfen wiedererkennbar in ihre Rollen, aber doch ist in „Star Trek Beyond“ etwas anders. Und zwar hat sich hinter der Kamera personell ein wenig geändert. Zum einen nahm auf dem Regiestuhl nicht Produzent J.J. Abrams persönlich Platz, sondern Justin Lin. Lin liefert solide Aufnahmen ab, aber ich selbst halte Abrams für den besseren Filmemacher. Visuell waren die ersten beiden Filme einfach etwas Besonderes, Lins Regiearbeit ist absolut in Ordnung, aber es fehlt der nicht leicht zu definierende „Hauch des Besonderen“ in den Einstellungen und Kamerafahrten. Visuell beeindrucken in „Star Trek Beyond“ eher die Effektaufnahmen. Diesmal trug nicht ILM die Verantwortung, sondern das Studio Double Negative, das auch schon zu „Interstellar“ die visuellen Effekte beisteuerte. Die Bildästhetik von „Interstellar“ ist in ein paar Szenen durchaus erkennbar, aber nicht besonders weit weg von jener der beiden vorangegangenen Star Trek-Filme, wodurch hier kein großer Bruch mit den Vorgängern entsteht.

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Die Enterprise ist im Anflug auf die Sternenbasis Yorktown.

Ebenfalls Wiedererkennungswert besitzt Michael Giacchinos Soundtrack. Die Kennmelodien „Enterprising young men“ und die Fanfare der klassischen Serie sind wieder sehr präsent, aber erneut etwas abgewandelt worden. Würde ich die Melodien in „Star Trek“ als beschwingt und heroisch bezeichnen, empfand ich sie in „Star Trek Into Darkness“ als tiefer und kräftiger. Die Klänge in „Star Trek Beyond“ sind wesentlich heller, ich würde sie fast als „verträumt“ bezeichnen. Das führt jedoch dazu, dass der Soundtrack diesmal weniger vordergründig ist. Auch die dem Film eigenen Melodien haben sich bei mir nicht so  festgesetzt wie jene der Filme davor, wie z.B. „Nero Sighted“, „Ode to Harrison“, „Ode to Vengeance“ und „London Calling“. Diese Soundtracks haben es hervorragend verstanden, Spannung und Emotionen zu übertragen. Der Musik in „Star Trek Beyond“ gelingt das nicht so gut, obwohl es in diesem Film augenscheinlich mehr Charakterszenen und Emotionen zu geben scheint.

Doch diesbezüglich vermute ich, dass die Personenkonstellationen ein wenig täuschen. In der ersten Wahrnehmung scheint es durch die Einteilung der Charaktere in Paare an verschiedenen Schauplätzen mehr persönliche Charakterszenen zu geben. Ich hatte aber den Eindruck, dass sie im Gegenzug kürzer ausfielen als in den beiden vorangegangenen Filmen. Und wenngleich so mancher launiger Kommentar dabei ist, fand ich auch die Dialoge in den beiden Vorgängern besser bzw. wirken die „Stimmen“ der Charaktere in „Beyond“ etwas anders getroffen, was bestimmt durch den zweiten großen Wechsel im Produktionsteam erklärbar ist: erstmals schrieben Simon Pegg („Scotty“) und Doug Jung (der ebenfalls im Film auftritt) das Drehbuch. Jedoch ist diese Veränderung in der deutschen Fassung auffälliger als im O-Ton. Nachdem ich den Film inzwischen zum zweiten Mal und diesmal in der Originalfassung gesehen habe, muss ich sagen, dass generell der Ton bei den Stimmen besser funktioniert hat, auch was die Verständlichkeit anbelangt. Krall, die Teenaxi und Kalara (deren eigene Stimme stets von der künstlichen Stimme des Universalübersetzers überlagert wird) sind auf Englisch besser verständlich als in der deutschen Synchronisation – zumindest im Kino. Inzwischen habe ich den Film auch auf Blu-ray gesehen und kann berichten, dass diese verzerrten Stimmen in der deutschen Tonspur der Heimkinoveröffentlichung deutlich besser verständlich sind.

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Jaylah ist der Boss in ihrem „Haus“. Diese Szene stand ursprünglich nicht im Drehbuch, Darstellerin Sofia Boutella nahm eines Tages nach Betreten des Sets lässig im Kommandosessel Platz. Drehbuchautor Simon Pegg und Regisseur Justin Lin gefiel dies so gut, dass sie eine entsprechende Szene in den Film einfügten. Auch zu „Auf der Suche nach Mr. Spock“ gibt es eine ähnliche Anekdote, die eine nicht geplante Szene mit dem Kommandosessel betrifft.

Bewertung: „Star Trek Beyond“ konnte mich emotional nicht so gekonnt abholen, wie es „Star Trek“ und „Star Trek Into Darkness“ vermochten. Womit ich zum Schluss dieses Reviews nochmal zum Beginn des Films zurückkehren möchte, der auch anders als bei den beiden Vorgängern für mich keinen sehr gekonnten Einstieg in den Film darstellt. Ja, Kirks diplomatischer Vermittlungsversuch ist ganz witzig, aber vermittelt einfach nicht die Energie und Dynamik, wie das dramatische Ende der U.S.S. Kelvin oder die waghalsige Rettungsmission auf Nibiru. Und auch nach dem Prolog geht es etwas trist zu und für meinen Geschmack hätte der Zwischenstopp bei Starbase Yorktown im Gegenzug etwas länger dauern dürfen, um mit diesem Ort noch besser vertraut zu werden, noch etwas mehr darüber zu staunen. Erst mit dem Angriff des Schwarms auf die Enterprise wird dann die Wende eingeläutet, das Ende der Enterprise ist sehr effektiv in Szene gesetzt, wenngleich ich nicht gerade der größte Fan des Katastrophenfilm-Genres bin. Und die zweite Filmhälfte fand ich durchgängig absolut gelungen, spannend und so mitreißend, dass ich während des Finales kaum ruhig im Kinosessel sitzen konnte. Die Charakterinteraktionen haben mir auch wesentlich besser gefallen, sobald zumindest ein Großteil der Enterprise-Crew wieder zusammengefunden hatte und natürlich gefielen mir auch die vielen Anspielungen besonders auf die Serie „Enterprise“ und die klassische Serie. Daher bewerte ich den Jubiläumsfilm mit 5 von 6 Filmrollen. „Beyond“ ist ein wirklich guter Film, aber er hat einfach das Pech, zwei Filmen nachzufolgen, die ich persönlich hervorragend finde. Abgesehen davon, dass in beiden Filmen die Enterprise auf einen Planeten stürzt, ist auch dies eine Gemeinsamkeit von „Beyond“ und „Auf der Suche nach Mr. Spock„.

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Anmerkungen:

Eine Widmung für Leonard Nimoy und Anton Yelchin ist im Abspann des Films enthalten. Abgesehen von Nimoys Tod wird im Film durch einen geschickten Schnitt auch für einen kurzen Moment auf Yelchins Tod dezent Bezug genommen. Ich fand es sehr schön, dass die Produzenten so kurzfristig noch reagieren konnten.

Pop-Star Rihanna steuert den offiziellen Song zum Film bei. „Sledgehammer“ ist im zweiten Teil des Abspanns zu hören, nach der animierten Sequenz mit dem Flug zu den diversen Planeten und Raumanomalien. In diesem animierten Abspann ist zumindest eine Anspielung auf eine klassische Folge enthalten, die auch im Film angesprochen wird.

Im Gegensatz zu den beiden vorherigen Filmen gab es diesmal keinen „Countdown“-Comic, der eine Vorgeschichte erzählt. Jedoch gab es im Rahmen der „Ongoing“-Comicreihe seit 2013 viele Geschichten, die zeitlich während der 5-Jahres-Mission angesiedelt waren. Ganz auf Literatur zu „Star Trek Beyond“ müssen wir aber nicht verzichten. Es gibt ein Making-of-Buch und die Ongoing-Comics werden nach der 60. Ausgabe eine Neuausrichtung erhalten und die Ereignisse von „Star Trek Beyond“ berücksichtigen.

Alle Screenshots in diesem Reviews stammen von trekcore.com.
Die Fotos des kleinen Modells der U.S.S. Franklin habe ich selbst aufgenommen.

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