Rezension: Comic – Boldly go #1 + #2 + #3 + #4

Wie berichtet wurde im Sommer 2016 die bislang am längsten laufende Star Trek-Comic-Reihe eingestellt. „Ongoing“ erzählte die Abenteuer der Raumschiff Enterprise-Crew im neuen Universum, zuerst folgend auf die Ereignisse im Kinofilm von 2009 und dann nach „Star Trek Into Darkness“ im Rahmen der 5-Jahresmission, die im Kinofilm „Star Trek Beyond“ vorzeitig endete. Aber mit dem Ende dieser Mission und der „Ongoing“-Reihe sind die Abenteuer der neuen Enterprise-Crew noch lange nicht zu Ende erzählt und der Verlag IDW ersetzte die langlebige Reihe sogleich durch die nächste mit dem Titel „Boldly go“. Worin sich „Boldly go“ und „Ongoing“ unterscheiden, möchte ich in der folgenden Rezension der ersten vier Ausgaben erläutern, die gemeinsam ein Abenteuer erzählen.

Achtung: „Boldly go“ ist zeitlich nach dem Großteil der Ereignisse von „Star Trek Beyond“ angesiedelt, meine Rezension enthält daher zwangsläufig ein paar Spoiler zum Film. Wer „Beyond“ noch nicht gesehen hat, sollte dies wenn möglich rasch nachholen. 

Die Cover der ersten beiden Ausgaben von „Boldly go“.
Die Cover der Ausgaben #3 und #4 sind sehr spoiler-haltig.

Üblicherweise beginne ich meine Rezensionen ja damit, kurz auf die Ausgangssituation der beschriebene Handlung einzugehen. Da ich jedoch schon in meinen einleitenden Worten darauf hingewiesen habe, auch auf die Unterschiede zwischen dieser und der vorangegangenen Comic-Reihe einzugehen und ich gleich darauf die Cover der ersten beiden Ausgaben gestellt habe, möchte ich umgehend klarstellen: JA, die Zeichnungen auf dem Cover unterscheiden sich stilistisch deutlich von jenen der „Ongoing“-Reihe. Aber NEIN, die Zeichnungen im inneren der Comichefte sind weiterhin im selben Stil gehalten wie wir sie aus der vorangegangenen Reihe kennen. Wie zuletzte auch oftmals in der „Ongoing“-Reihe sind Tony Shasteen und Davide Mastrolonardo für die Zeichnungen verantwortlich und liefern sehr solide Arbeit ab. Alle Hauptcharaktere sind eindeutig wiedererkennbar ebenso wie Orte. Hier und da – mangels fehlender Vorbilder in der neuen Kelvin-Zeitlinie – bedient sich Shasteen zwar Vorlagen aus anderen Star Trek-Quellen, aber niemals unpassend. Und was die Story angeht, so ist der Rückgriff auf einige Prime-Universe-Designs gar nicht so unpassend.

Nun zu einem großen Spoiler aus „Star Trek Beyond“: Die Enterprise wurde zerstört und während der Film uns am Schluss eine spektakuläre Zeitraffer-Darstellung des Baus der Enterprise-A zeigt, ist während dieser Bauzeit außerhalb des Raumdocks natürlich einiges geschehen und genau diese Geschehnisse thematisiert die „Boldy go“-Reihe. Wir haben weiterhin unsere bekannten Helden, aber nicht mehr an Bord der Enterprise bzw. nicht einmal mehr gemeinsam an einem Ort. Wie schon in der „Ongoing“-Reihe steuert auch für „Boldy go“ Autor Mike Johnson die Storys bei und so gehen trotz einiger inhaltlicher Änderungen (und natürlich den stilistisch abweichenden Cover-Desings 😉 ) die Abenteuer von Captain Kirk, Spock, McCoy & Co. wirklich nahtlos weiter. Der Grund für die Änderung des Reihen-Titels liegt also ausschließlich an der inhaltlichen Ausgangssituation bzw. Neuausrichtung. (Und vermutlich daran, dass Comic-Verlage zu hohe Nummern scheuen und gerne mit einer #1 anfangen, um neue Leser zu akquirieren, die sich davor scheuen, mitten in eine lange laufende Reihe quer einzusteigen.

Nun aber wirklich zur Handlung des ersten Vierteilers: Die Enterprise-Crew hat während der Wartezeit auf die Fertigstellung der Enterprise andere Posten bezogen. Mister Scott unterrichtet an der Sternenflottenakademie (wo wir auch Jaylah kurz erblicken können), Spock und Uhura gönnen sich eine dienstliche Auszeit, die sie auf Neu-Vulkan verbringen. Mister Sulu springt für 6 Monate auf der U.S.S. Concorde als Erster Offizier unter Captain Terrell  ein. Captain Kirk, Doktor McCoy und Ensign Chekov dienen in der Zwischenzeit auf der U.S.S. Endeavour, wo sie mal besser mal schlechter mit der Crew zurechtkommen. Vor allem Doktor McCoy ist wenig angetan, auf der Endeavour nicht der dienstälteste Arzt zu sein. Captain Kirk lernt erst noch seine neue Brückencrew kennen, darunter seine Erste Offizierin Valas, deren Eltern romulanische Dissidenten waren.

Kirk wird jedoch nicht viel Zeit gegeben, in aller Ruhe mit der Crew warm zu werden, denn schon bald erreicht ein Notruf die Endeavour – abgesetzt von der U.S.S. Concorde. Während sich die Endeavour auf den Weg macht, lässt Kirk ein mysteriöses Signal, das dem Notruf unterlegt war, an Lieutenant Uhura übermitteln in der Hoffnung, sie könnte vielleicht daraus schlau werden. Und tatsächlich gelingt es ihr, einen Satz zu übersetzen: „Widerstand ist zwecklos.“

Fazit: Jawohl, die Borg sind wieder (oder erstmals) da. Es scheint unvermeidlich, dass diese Schwarmintelligenz als das Böse schlechthin in „Star Trek“ auftaucht und natürlich ist diese Macht aus dem Delta-Quadranten auch in der Kelvin-Zeitlinie dort draußen. Diesmal warten sie aber nicht nochmal 100 Jahre darauf, um die „nächste Generation“ zu tyrannisieren, sondern kommen früher in Form einer großen Sphäre in den Raum der Föderation. Und zwar auf der Suche nach der Narada! Auch dies ist ein Beispiel dafür, dass „Boldy go“ keine völlig unabhängige Comic-Reihe ist. Mit der Verbindung zwischen Neros Raumschiff und den Borg wird inhaltlich auf den „Countdown“-Comic angespielt, demnach die Narada ein von den Romulanern mittels Borg-Technologie aufgerüstetes Raumschiff wäre. Nach der Zeitreise haben die Borg im 22. Jahrhundert ihr Signal empfangen und sind diesem gefolgt.

Die U.S.S. Endeavour entspricht dem Design der U.S.S. Aegis aus dem neuen
Playstation VR-Spiel „Bridge Crew„. In den weiteren Panels sieht man einige der
Crewmitglieder, darunter die Erste Offizierin Valas wie auch die tellaritische
Bordärztin, der Doktor McCoy unterstellt ist. 

Captain Kirk gegen die Borg … ein viele Male in den Gedanken von Star Trek-Fans weltweit durchgespieltes Szenario. Die einen meinen es wären unpassend. Die anderen von Kirks Heldenhaftigkeit beeindruckt sehen die Borg chancenlos. Ich finde, es kommt ganz auf die Umsetzung an und eines muss ich den ersten vier Ausgaben der neuen Comic-Reihe lassen: So bedrohlich wie hier haben die Borg nur selten gewirkt. In Form des assimilierten Captain Terrell wird ihnen ein Gesicht zwecks Kommunikation gegeben. (Terrell hat wirklich in jedem Universum Pech. In einem wird er von einem außerirdischen Parasiten übernommen, im anderen von Borg-Nanosonden. 😀 ) Aber an sich bleiben die Borg hier ein unaufhaltsam wirkender Schwarm, die auf beiden Seiten der Neutralen Zone Verwüstungen anrichten, was auch die Romulaner auf den Plan ruft, die ab der zweiten Hälfte der Story in den Fokus rücken. Immerhin gibt es die Verbindung zwischen den Romulanern und der Narada – wenngleich erst in der Zukunft, was die Borg nicht davon abhält, Kurs auf Romulus zu setzen und die Romulaner und Captain Kirk zwingt, zusammenzuarbeiten, um Romulus wie auch die auf dem Borg-Schiff gefangenen Crew-Mitglieder der Concorde und einer überfallenen Koloniewelt zu retten.

Das Zerstörungswerk der Borg – sowohl ihre Angriffe mit ihrer Sphäre als auch die Assimilierungsvorgänge – sind recht drastisch dargestellt, in „schrecklich schönen“ Bildern, die Tony Shasteen gezeichnet und Davide Mastrolonardo koloriert hat. Die Story von Routinier Mike Johnson überzeugt vor allem am Beginn. Mir gefiel es, wie er die Crew verstreut hat und sie teilweise dann dennoch trotz ihrer räumlichen Trennung am Beginn dann doch wieder zusammen gebracht hat, um sich der Herausforderung zu stellen. Dabei kommt allerdings die Vorstellung der neuen Charaktere etwas kurz. Sie erfüllen alle ihren Dienst und offenbaren in einigen Panels ihre Eigenheiten. Wirklich im Vordergrund steht aber eher nur Commander Valas. Ich finde, der Zeichner verlieh ihr große Ähnlichkeit zur in der klassischen Star Trek-Folge „Die unsichtbare Falle“ namenlos gebliebenen Romulaner-Kommandantin. Gut möglich, dass es sich bei Valas um deren Äquivalent im neuen Universum handelt.

Den großen Showdown am Ende fand ich dann doch ein wenig enttäuschend bzw. ziemlich schnell und „einfach“ abgehandelt. (Die Romulaner würden mir hier widersprechen.) Und auch am Ende steht Valas wieder im Mittelpunkt, deren persönliche Story in den weiteren Ausgaben der „Boldy go“-Reihe hoffentlich noch fortgesetzt wird.

Bewertung: Ich wurde gut unterhalten, wenngleich die Story nicht 100 % originell ist (was man aber auch nicht erwarten darf, wenn man einen bereits etablierten Bösewicht seinen ersten Auftritt in der neuen Reihe etabliert). Aber wenngleich „Boldly go“ die davor beendete „Ongoing“-Reihe fließend weiterführt, hatten die ersten vier Ausgaben doch einiges zu bieten und der Crew der Endeavour – wie auch immer sie in der nächsten Ausgabe zusammengestellt sein wird – hat hier einen guten Start hingelegt. 5 Sterne sind drinnen.

5stars

Anmerkung: Auch außerhalb der Comics haben die Borg mit der neuen Star Trek-Zeitlinie bereits interferiert und zwar in einem der vier „Starfleet Academy“-Romane. Die Romane folgen jedoch nicht der selben Kontinuität wie die Comics. (Wenngleich sich die Widersprüche in Grenzen halten.)

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